Dienstag 3V. Dezember 1908 ISS. Jahrgang Zweites Blatt. E! □SB J>ie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. Nie Kronpriuzefstn von Sachsen. Der Konflikt mit Venezuela. 'teilgehen erzeuge in Südamerika Verachtung für die euro- Nr. 805 »rscheiut täglich außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hesstschen Landwirt die Siebener Familien. Hättet viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'ichen Untveri.-Buch- u.Stein- druckerei (Pieksch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei: Gchnlstraße T. Ilbrefle für Depeschenr «nzeiger Gieße«. Krrnsprechanschluß Nr. dl. Eichener Anzeiger General-Anzeiger ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen beschränken sich besser auf eine Feier im eigenen Heim. In der That wird denn auch der berühmte Berliner Sylvesterlärm meist von jungem Volk und den unvermeidlichen Gewohnhcits-Nowdies ausgeführt. Tas weibliche Element ist außer den Pflastertreterinnen von Be- und Verruf nur in wenigen, bald verschüchterte:: Exemplaren vorhanden. Tas bessere Publikum besteht zumeist aus neugierigen Fremden, oie in der Regel ziemlich enttäuscht gegen ein Uhr in ihre Hotels zurückkehren. Ter gebildetere Teil der Bevölkerung feiert daheim, wo man ebenso viel Vergnügen und mehr Stimmung haben kann. Blei gegossen wird Haus bei Haus, und da sich Großberlin in der Herkunft seiner Einwohner aus allen Gauen des Reiches rekrutiert, so werden je nach der Heimat auch ostpreußische, rheinische und andere Syloestergebräuche wieder ausgenommen. Als Festspeise figuriert der Sylvesterkarpfen, der in tausenden von Zentnern verkonsumiert wird; doch kommt daneben auch der Hering in Salatform zu seinen: gnten Recht. . . t Tie Neujahrswünsche der Berliner, sowert sie durch die Post ihre Beförderung finden, sind abgesehen von den üblichen Schablonenkarten, etwas derber Natur. Man kann in den Schaufenster-Auslagen mitunter recht saftige und kräftige Sachen sehen; doch ist das in früheren Jahren beliebte rüde Genre so ziemlich von der Bildfläche verschwunden, was nicht ausschließt, daß man's auf der Straße oder im Restaurant von zweifelhaften Hausierern mit geheimnisvollem Augenzwinkern und widerwärtigen Schmunzeln dennoch angeboten bekommt. In dieser Millionenstadt findet alles seine Liebhaber! Tie Neujahrswünsche der Berliner für die Entwickelung ihrer stolzen Metropole, der durch den Betriebs-Anfang der Hochbahn im abgelaufenen Jahre ein neuer Reiz geschaffen wurde, find ziemlich zahlreich. Hoffentlich bringt ihnen 1903 die Bestätigung des neuen Bürgermeisters, eine Verbilligung des Ringbahntarifs, den Friedensschluß für den Milchftieg. Plaudereien aus der Kaisersiadt. (Nachdruck verboten.) Der „zweite Festtag" der Berliner. — Sylvestervorbereitungen. — Neujahrswünsche der Berliner. — Der alte Fritz als Neu- jahrsgratulant. Während die Engländerin tief beleidigt ist, wenn ihr der Gatte den .Vorschlag macht, einmal im Restaurant zu sveiien weil sie das als eine abfällige ftritiE der eigene:: !>wchkunst ansieht, überzieht das Gesicht der Berliner Hausfrau ein fröhliches Schmunzeln bei. einem zolchen Plane. Sie ist dann durchaus nicht empfindlich, und freut sich, dem entsetzlichen „Küchentratsch" einmal für emen Vormittag entrinnen zu können Lo ist es denn beinah selbst- verständlich geworden, auch :n kleuckürgerlrche:: Kreisen, daß man am zweiten Festtag, wo d:e Fee mit dem Kochlöffel sich als Tanzsee produziert, en sannfte rn eines der mwßen Bierhäuser, oder wenns langt, zum Kaiserkeller und anderen Weinstuben pilgert, und dort das ÖZenu herunter- ?üt das tine ganze Reihe von Gängen aufweist und meist jj'tpfir reiflichen Portionen serviert wird. Trotz des regnerischen Sturmwetters — und trotz der /flechten Zeiten, war auch der eben verflossene „zweite K ttaa" ein racher Crntetag für die Berliner Speisewirte, Ms gegen vier mid fünf Uhr nachmittags alle Tische n!it Mittagsgästen besetzt hatten, Mid vielfach ganze Schwärme Platz uchender wieder fortschicken mußten. Auch der SylvesteraÄnd wird vielfach m Restaurants zugebracht; Familien, die miteina:ider harnwnieren, finden sich zusammen und nehmen an der mitunter ziemlich tollen fiustiakeit die sich gegen die Mitternachtsstunde hin ent- K lt lebhaften ^AnLl. Menschen mit etwas sensiblen Nerven freilich, die drei Leierkasten aus einmal, womöglich noch durch die Klänge einer Ziehharmonika verstärkt in ainem Raum für 50-4>0 Personen für M viel halten, Wie vorauszuseben war, hat die Ablehnung des Schiedsrichteramtes durch Präsident Roosevelt dem halb- verrückten Abenteurer Castro wieder ganz gewaltig den Kamm schwellen lassen. Bekanntlich verlaiigt die deutsche Negierung als Punkt 1 für ihre Bereitwilligkeit, die ganze Streitsache einem Schiedsgericht zu unterbreiten, eine Entschuldigung Castros. Wie jetzt der ,Fokalanz." au3 La Viktoria meldet, habe er auf die Frage, ob er bereit sei, die Mächte um Entschuldigung zu bitten, ausdrücklich, persönlich erklärt: ,-General Castro Hut nichts zu entschuldigen!" Bei diesen Worten brach die Umgebung des Präsidenten in lebhafte Hochrufe aus ihn aus. — Ob diese Hochrufe sich auch noch fortsetzen werden, wenn die deutschen Kanonen endlich einmal anfangen, eine noch deutlichere Sprache zu führen, als seither? Nach weiteren Meldungen des Berliner Blattes aus Newyork habe Präsident Castro sich in einem Interview sehr zufrieden mit dem Resultat der bisherigen diplomatischen Aktion erklärt. Er hätte den Präsidenten Roosevelt als Schiedsrichter voraezogen, doch sei er überzeugt, daß wenn die näheren Thatsachen bekannt würden, die Welt ibie Ruhe und Mäßigung des venezolanischen Volkes be- >wundern würde. (!!!) Tas deutsche u:tb englische Vor- Politische Tagesschau. Die Diätensrage für den Reichstag scheint so leicht nicht wieder zur Ruhe zu kommen. DeL Berliner Korrespondent eines mitteldeutschen Blattes meint, es scheine wieder die Meinung die Oberhand bekommen zu haben, daß man in dieser Frage kein Zugeständnis machen könne, wenn nicht gleichzeitig auch das Wahlrecht selbst eine Einschränkung erfahre. Diese Annahme erachten wir für durchaus unbegründet. Reichskanzler Graf Bülow hat sich privatim nicht bloß für Einführung von Diäten, sondern noch ganz besonders dabei dagegen ausgesprochen, daß man die Diätensrage benutzen könne, um Aenderungen des Wahlrechts herbeizuführen. Eine interessante Ausführung zur Tiätenfrage bringt die „Dresdener Ztg." Tas Blatt hebt hervor, daß alle sachlichen Gründe für ein Votum SachsenS im Bundesrat zu Gunsten des Tiätenantrags sprechen. Der sächsischen Re- veHUgsPret»» monatlich 7bPs.. viertes jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen lür bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf, auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für! den polit. u. allgem. Teil t.V.: Fr.Hannemann; für,Stadt u. 2anb* und „Gerichtssaal*: Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Bech und einen Polizei-Präsidenten, der bei TenkmalswecheN, Paraden usw. nicht so viel absperren läßt, wie sein Vor-, gäuger! „Man" ist so gen: dabei, wenn „was los"! ist! Und trotz aller Nörgelei. ist „man" doch stolz uno freudig erregt, wenn man den Kaiser so recht in der Nähe gesehen hat! Tie alten Zeiten freilich, in denen der Preuß'nkonig auf seinem Sch:mrnel von der Siraßenjuge:ck umsprungen wurde und sich mit dem Krückstock selbst den Weg frei machte, sind enbgiftig dahin und durch kein Polizeigeniy wieder herauf zu beschwören. Es war eben eine andere Zeit, als der alte Fritz noch lebte. Man war palriarchOM lischer und trotz aller Rangunterschiede vielmehr zusammen- gehörig als heute. Ter Berliner Gardeoffizier, der heute wie ein Ganzgott auf die gewöhnlichen Sterblichen her- unterfieht, hafte sich damals auch noch nicht ganz zu der Erhabenheit emporgeschwungen, in der wir ihn heute bewundern. Wenigstens erhellt das aus etlichen Neujahrs- wüuschen des große:: Königs, die sich in den Parolebüchern des Regiments von Thümen finden. Ta heißt es untetnt 31. Tezember 1781: ,Hhre Majestät der König lassen alle Herren Offiziers zum neuen Jahre gratulieren, und die nicht so find, wie sie sein sollen, möchten sich bessern!" Und noch kräftiger wird der Ton zwei Jahre später, wo der König sich also vernehmen läßt: „Ihre Majestät der König lassen alle guten Herren Offiziers vielmals zum neuen Jahre gratulieren und wünschen, daß sich die übrigem so betragen, daß Sie ihnen künftig auch gratulieren können". — Ta ich kein König und mit allen meinen Lesern über die Maßen zufrieden bin — ach, wenn doch' das auf Gegenseitigkeit beruhte!" — so gratuliere ich ausnahmslos von ganzem Herzen zum neuen Jahre und! grüße freundlichst mit dem Wunsche: „Auf Wiedersehn 1903!" A. R ist und jetzt mit ihm in Genf lebt. Ihr Bruder, der mit einer nicht im besten Ruse stehenden Dame ebenfalls dahin geflüchtet ist. leistet ihr Gesellschaft. Eine falsche Sentimentalität, die alles beschönigt und verzeiht, und eine überschwängliche Verehrung, die soyar die Schuld dem Verletzten und Hintergangene:: beinnßt, ist hier nicht mehr am Platze. Das sieht jetzt auch in der Hauptstadt jeder Verständige ein. Daß eine tiefere Neigung der Beiden vorliegt, erhellt auch daraus, daß die Kronprinzessin den Staatsminister Dr. Rüger in Gens nicht empfangen hat und bestimmt auf eine Lösung ihrer Ehe durch den Papst hofft. Und man spricht vor: einen: Uebertritt zum Protestantismus, falls der Papst in die Lösung der Ehe nicht einwillige. Die Kronprinzessin ist in Gens noch unter ihrem vollen Namen (nicht etwa als Erzherzogin) angemeldet. Tie Mutmaßungen, die daraus entstanden, daß die Kronprinzessin nicht auf ihre Ansprüche an das Königshaus verzichte, müssen, da sie ja eine fernere eheliche Gemeinschaft nicht wünscht, dahin gedeutet werden, daß sie bei ihrer Mittellosigkeit wohl Anspruch auf eine Apanage erheben wird. Vom Ergehen der Kronprinzessin in Genf wird der „N. Fr. Presse", die besonders eifrig alle von ihren Reportern erhaschten Kleinigkeiten verzeichnet, berichtet: Kronprinzessin Louise fühlt fid: etwas leidend und brachte die letzten Tage in: Bette zu. Sie erhielt zahlreiche Briefe unter ihrem vollen Namen und Titel. Im übrigen heißt es, die Kronprinzessin sei so guter Laune, daß sie an ihre nächste Umgebung zuweilen Scherzworte richte. Einem Sachsen, den sie empfing (ft, bemerrte sie: „Ich liebe die Sachien, besonders die schlichten." Sie sei Giron in inniger Liebe zugethan. Daß ihr Gatte sie noch liebe, wisse sie. Die hoffe, Giron schließlich trotz der vorliegenden Schwierigkeiten eheliche:: zu können. Die Kronprinzessin wird täglich aus der Genfer Leihbibliothek Corraterie mit Büchern versehen. In den ersten Tagen ihres Aufenthaltes las sie Französisch „LeS Curiosites esthetiques" von Beandelaire, „Le voyage en Orient" von Gsrard de Nerval. Die Lektüre des letztgenannten Buches hängt Wohl mit der ursprünglichen Absicht der beiden flüchtigen Paare, nach Mgypten zu reisen, zusammen. Gegenwärtig glaubt man, daß nur der Erzherzog und Fräulein Adamovic diese Reise unternehmen werden. _______ mische Civilisation, was er bedauere. (!?) Ter Regierung zu Washington sei er dankbar für Rat und Hilfe. Taß diesem albernen Geschwätz gegenüber bte Reichs? regierung vollständig ihre kühle Haltung und Ruhe bewahrt, zeigt folgende offiziöse Note der „Nordd. Atlgem. Ztg.": Tie amerikanische Mitteilung, wonach^Präsident Roosevelt bedauere, den Schiedsspruch in der veneKolcmk chen Angelegenheit nicht selbst übernehmen zu könnein, st am Samstagabend hier überreicht worden. Es tritt nunmehr die von Teutschtand und England in der Note vom 23. Tezember gegebene und durch den Anschluß Italiens ergänzte Erklärung in Kraft, wonach die Mächte mit gewissen Vorbehalten bereit find, den Strettfall dem internationalen Schiedsgerichtshof im Haag zu unterbreiten. Weiter wird auS Berlin, 29. Tez., berichtet: Während man in Washington mit der baldigen Aufhebung der Kriegsblokade gegen Venezuela rechnet, ist anjtefigen mit unterrichteten Stellen von einer derartigen Absicht nichts bekannt. Zur Zeit wenigstens wird die Freigabe der verre^ zolcmischen Küste nicht erwogen. Von dem Fortgänge der Verhandlungen über die Berufung des Haager TribunalSs wird es abhängen, ob die Mächte sich zu einer Rückgängigmachung der Blokade verstehen toerben. Wie man sonst in Berlin die ganze Angelegenhesi beurteilt, besagt eine an unS gerichtete Zuschrift eine^ besonderen Berliner Mitarbeiters, in der es heißt: Ter Venezuela-Streitfall wird also ent)giftig dem internationalen Schiedsgerichtshof im Haag unterbreitet werden, nach, dem Präsident Roosevelt den Schiedsspruch abgelehnl hat. Mindestens ist man einen Schritt weiter gekommen^ der Ungewißheit und dem Hin und Her, ob Roosevelt überhaupt, unter welchen Bedingungen und Klauseln sich berett finden lasse zum Schiedsrichteramt, ist ein Ende gemacht. Mit um so größerer Geduld wird auf die Entscheidung des Haager Schiedsgerichts zu warten fein. Präsident Castro, dieser Meister in Verschleppung^ undVerdunkelungskünsten- „begrüßt das Haager Schiedsgericht, obschon er, einer Newyorker Meldung zufolge, Roosevelt als Schiedsrichter vorgezogen hätte. Herr Castro hofft, daß die Welt die Ruhe und Mäßigung des venezolanischen Volkes bewundern würde, wenn die näheren Thatsachen bekannt würden. Danach richtet sich der stofte General, der nach seinen Worten „nichts zu entschuldigen hat", auf einen höchst unu fangreichen Nachweis ein, daß er sich int Recht befindet Tie nächste Folge der Ueberweisung deS StteitfallS an das Haager Schiedsgericht dürste die Aushebung der Kriegsblvkade fein, die, was wieder Castro zu statten kam, von den Vereinigten Staate:: ans geschäftlichen Grün- den so unangenehm empfunden wurde. Zn dem Drama am sächsischen Königshofe nimmt jetzt ein MchsischeS Regierungsoraan, die „Seidiger Zeitung", das Wort. Das Blatt schreibt: Der Grund der Kronprinzessin, die Beziehungen zu ihrem Gemahl und dem Königs- Hause abhubrechen ist, wie wir auf Grund zuverlässiger Informationen mitteuen können, in der Entstehung ebenso wie in der schließlichen Ausführung, was durch inzwischen aufgefundene Belege ic. untrüglich nachgewiesen ist, einzig und allein auf das unerlaubte Verhältnis zurückzuführen, das die Prinzessin mit dem Jett Jahresanfang tnt kronprinzlichen Hanse an gestellt gewesenen, aus Belgien stammenden Lehrer, unterhielt. Nachdem der Lehrer das kronprinzliche HauS verlassen hatte und aller Wahrscheinlichkeit nach auch schon vor dem Ausscheide:: aus feiner Stellung, waren vorbereitende Schritte zur gemeinsamen Flucht getroffen und bis zur Abreise der Prinzessin von Dresden nach Salzburg mit Erfolg fortgesetzt woroen, sodaß schließlich die Flucht von Salzburg unternommen uno das Zusammentreffen der Prinzessin mit dem Lehrer in Zürich verwirklicht werden konnte. Von ,ba setzte die Prinzessin die Reise tn Begleitung des Lehrers nach Genf fort, woselbst sie sich dermalen noch gushalten soll. Angesichts des Herganges, wie er sich thatsächlich vollzog, müsse:: von selbst alle Gerüchte und Mutmaßungen zusammen fallen, die in einem Teile der Tagespresse anläßlich des bedauerlichen Ereignisses verlautbart wurden und eS stellen sich in Sonderheit die auf vollkommene Unkenntnis der Verhältnisse beruhenden Behauptungen als der Wahrheit zuwcher- laufend dar, wonach die Kronprinzessin unter dem Drucke eines sie beengenden Zeremoniells dazu getrieben wurde, sich dieser Fesseln zu entledigen, wie beim auch das weitere AnsÜhren, daß ein inneres, tiefes Zerwürfnis mit dem Kronprinzen und von dieser Seite erfahrene Unbilden den Anlaß zur Flucht der Kronprinzessin bot, als ein durchaus unwahres zu bezeichnen ist. Tas evangelisch-lutherischeLandes-Konsi- ftorium des Königreichs Sachsen hat, wie ans Dresden gemeldet wird, mittlerweile eine Verordnung erlassen, wonach dieKronprinzessinLouise fortan vom Kirchen- gebet ausgeschlossen sei. Für die sächsischen Behörden gilt die Kronprinzessin nicht mehr als Mitglied des königlichen Hauses. — Ob her Papst zu einer förmlichen Ehescheidung ferne Einwilligung geben wird, gilt als zweifelhaft. — AuS Mailand mird gemeldet: Der gut unterrichtete vatikanische Berichterstatter der „Perseveranza" erfährt, daß in den betreffenden maßgebenden Kreisen die Ansicht herrsche, ein Antrag auf Ehescheidung werde überhaupt nicht gestellt werden, da bereits jetzt in Dresden bekannt sei, daß ein solcher Antrag bestimmt adgelehnt werden würde. Das „Leipziger Tageblatt" meldet .auS Dresden: Ein auswärts verbreitetes Gerücht, der Kronprinz habe ein Due11mit Erzherzog Leopold Ferdinand gehabt, bezeichnet Staatsminister Metzsch als baren Unsinn. Dasselbe Blatt berichtet, König Georg beabsichtige, wie versichert werde, dem sächsischen Volke in Sachen der Kronprinzessin vollste Klarheit zu geben. Ein Dresdener Berichterstatter schreibt noch: Die (Stimmung beginnt amh in der Dresdener Bewohnerschlsit umzuschlagen. Solange man noch nicht bie wahren Beweggründe kannte, die die Aronprinzessin zur heimlichen Flucht veranlaßten, hätte mau auch hier nicht genug Worte des Mitleids für den einstigen Liebling der Dresdener. Aber ableugnen läßt suh nun nickt mehr, daß die Kronprinzessin einem um zehn Jahre jüngeren Manne zu Liebe geflüchtet gterung konnte eS bei genauer Beobachtung der jetzigen Wahlvorbereitungen nicht entgangen sein, wie schwierig es für alle Ordnungsparteien sei, leistungsfähige Kandidaten zu finden. „Wir wissen, daß neben anderen mehrere Staatsbeamte und Juristen, welche die Regierung gewiß gern im Reichstag gesehen hätte, gerade aus diesem Grunde der Diätenlosigkeit das ihnen angeborene Mandat ausgeschlagen haben." Zur Vorbereitung der Handelsverträge. Nachdem der Zolltarif nunmehr Gesetz geworden ist, und Sie autonomen Zollsätze somit festgeleat worden sind, tritt )ie Frage der Handelsverträge, durch die einzelne Zoll- ätze — von den landwirtschaftlichen Mindestzöllen abge- eheu — herabgesetzt werden können, für die wirtschast- ichen Kreise in den Vordergrund ihrer Wünsche und Be- trebungen. Bon verschiedenen Seiten wird man doraus- ichtlich bemüht sein, dahin zu wirken, daß Herabsetzungen nicht stattfinden, zumal die von der GroAndustrre verlangten Zollsätze wohl in keinem Falle im Zolltarif zu^ gestanden worden sind. Ein Teil der Eisen- und Maschinenzölle des Zvlltarifentwurfs ist sogar noch dem Kompromiß zum Opfer gefallen, das die Enbloc-Annahme des Tarifs ermöglichte. Daß man in den davon betroffenen Kreisen darauf Bedacht nimmt, etwaige fernere Herabsetzungen zu verhindern oder die Wiederherstellung der Kommissionsbeschlüsse zu erreichen, ist begreiflich. So wünscht, wie aus Hagen i. W. der „Köln. Ztg." gemeldet wird, der Verein d märkischen Kleineisen-Jndustrie in erster Liuie eine c chende Erhöhung der einschlägigen Zollsätze, in zweu öinie eine Nichtbindung derselben behufs etwaiger sp. .cer Erhöhung. Eine besondere Veranlassung, sich mit der Frage der Handelsverträge zu beschäftigen, wird den wirtschaftlichen Kräften, die im Zentralverband deutscher Industrieller zusammengefaßt srnd, durch ein Rundschreiben geboten, das die Mitglieder des Verbandes ersucht, ihre Wünsche der Geschäftsführung des ZentralverbandeS bis spätestens 1. Februar d. I. bekannt zu geben. Es' soll hierbei namentlich die Möglich- keit des Warenabsatzes nach dem Auslände unter den dort bestehenden Zolltarissätzen und die etwaige Zulässigkeit einer Ermäßigung der Satze des deutschen Zolltarifs berücksichtigt werden. Tie Angaben wird der Zentralverband streng vertraulich behandeln und lediglich zur Kenntnis der zu- Mndigen Reichsbehörde bringen. Deutsches Reich. Berlin- 29. Tez. Der Kaiser und die Kaiserin Empfingen bei der gestrigen FrühstÜckstafel im Neuen Palais den bisherigen Polizeipräsidenten von Berlin, von Windheim und den neu ernannten Polizeipräsidenten von BorrieS. Abends war eine Besichtigung des Weißen Saales im Berliner Schlosse, zu der auch die Staatsminister von Goßler, Studt imo Budde und Staatssekretär von Tirpitz, sowie zahlreiche Herren der Akademie des Bauwesens, Bilo- hauer und andere geladen waren. Heute empfing der Kaiser den anhaltinischen Staatsminister v. Dallwitz und den neuernannten Regrerungspräsidenten von Danzig, von Jarvtzky. — Ter bisherige Kommandant des Linienschiffes Mittels buch", Wallmann, ist zur Verfügung des Chefs des ersten Geschwaders gestellt und der bisherige Kommandeur der Ersten Werfidivision, Stein, zum Kommandanten des Linienschiffes „Wrttelsbach" ernannt worden. — Regierungsrat Reicke ist gestern vom Kaiser als zweiter Bürgermeister von Berlin bestätigt worden. — Eine Entschädigung von 183500 Mark hat dem Vernehmen nach der preußische EisenbahnfiskuS den Hinterbliebenen des ehemaligen Reichstagsabgeordneten Johan n Friedel zugesprochen, der bei dem Anfang Mai d. I. stattgehabten Eisenbahnunglück bei Zschortau seinen Tod fand. Köln, 29. Tez. Bemerkenswerte Personalveränderungen in der Verwaltung der RheinpvovinH stehen für die nächste Zeit bevor. Wie verlautet, beabfichtigt Ober- vräsident Nasse zurückzutreten. Ms sein Nachfolger wird der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer für die Rhein- strovinz Freiherr von Schorlemer-Lieser genannt. Sicher ift ferner, daß am 1. Februar n. I. der Landeshauptmann Tr. Klein in den Ruhestand tritt und durch den Regierungs-Präsidenten von Renvers in Arnsberg ersetzt werden wird. Für den Posten des letzteren ist ein Präsidialrat der Regierung in Koblenz in Aussicht genommen. Stettin, 29. Dez. Auf der Werft des „Vulkan" lief heute mittag der von den Norddeutschen Seekabelwerken, Aktien-Gesellschaft, in Nordenham, in Bau gegebene Doppelschraub end ampfcr „Stephan" glücklich vom Stapel. Es ist der erste Kabellegungsdampfer, der auf einer deutschen Werft erbaut wird. Tie Taufe vollzog Fräulein Sydow, Tochter des Unterstaatssekretärs im Reichspostamt. Dem Stapellaufe wohnten Staatssekretär Krätke, Unterstaats- sekretär Sydow und Landwirtschaftsminister von Pod- bielski bei. Dresden, 29. Dez. Das „Dresd. Journ." schreibt: Nach der heute erfolgten Abnahme des festen Verbandes beim Kronprinzen zeigte sich, daß der Unterschenkelbruch in bester Stellung, ohne jede Verschiebung und Verkürzung geheilt ist. Die Nachbehandlung, die hauptsächlich in warmen Bädern, Massage und passiven Bewegungen bestehen wird, läßt eine volle Wiederherstellung der Funktion des gebrochenen Beines in einigen Wochen mit aller Be- stimmtheit erwarten._____________________________________ Ausland. Paris, 29. Tez. < ii Kabinettschef Combes, welcher seine Kandidatur für bic wurmenden Senatswahlen ausgestellt hat, erläßt einen Wahlaufruf, worin er die Politik der Konzentration und der Reform befürwortet._______ Aus Atadt und Land. Gießen, den 30. Dezember 1902. L. U. Herr Professor Dr. Albert Dieterich hat den Ruf nach Heidelberg angenommen. "Von der Landesuniverfität. Nachdem, wie wir gestern bereits meldeten, Herr Professor Dr. Dieterich einen Ruf nach Heidelberg erhalten hat und wie auS vorstehender L. ßj.-Mitteilung zu erfahren ist, zu unserem Bedauern diesem Rufe Folge leisten wird, hat jetzt auch Herr Prof. Dr.Joseph Hcimbergcr (ord. Professor deS Strafrechts) einen 9iuf an die Universität Bonn als Nachfolger des verstorbenen Professors Dr. Hermann Seuffert erhalten. Wandkalender 1903. Wie in den letzten vier Jahren, werden wir auch diesmal einen von Künstlerhand und zwar von Herrn Maler Walther Georgi entworfenen, in unserer Druckerei hergestellten Wandkalender unseren Lesern als Gratisbeilage überreichen. Derselbe wird in der Stadt am Bormittag deS 81. d. Mts. ausgetragen, durch die Zweigstellen und die Post am Sylvester- oder Neujahrstage ver- breitet. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß, wie auch früher, am Fuße des Kalendariums sämtliche Gießener Märkte aufgeführt find. Hochachtungsvoll Verlag des „Gießener Anzeiger", Brühlffche Drnckerei. ** In militärischen Kreisen verlautet, wie Berliner Blätter erfahren, daß zum Geburtstage des Kaisers auf dessen Initiative ein Erlaß erfolgen soll, wonach sämtliche Sergeanten, die sich tadellos geführt haben, nach neunjähriger Dienstzeit Vizefeldwebel werden sollen. "Eine neue Arzneitaxe tritt für die Apotheken des Großherzogtums am 1. Januar 1903 in Kraft. Der amtliche Abdruck der Taxe wird demnächst in der Buchhandlung des Großh. Staatsverlags zum Preise von 1,50 Mark erscheinen. " Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzogtums Hessen Nr. 12, ausgegeben am 23. Dezember d. I., enthält: 1. Bekanntmachung vom 19. Dezember 1902, betreffend die vorübergehende Vertretung S. K. H. des Großherzogs in Ausübung der Sum- mepiskopalrechte. — 2. Ausschreiben Nr. 17 vom 26. November 1902, betreffend Ausführung deS Denkmalschutz-Gesetzes vom 16. Juli 1902. — 8. Ausschreiben an die evangelischen Dekanate und Pfarrämter (Nr. 18) vom 9. Dezember 1902. — 4. AuSschreiben Nr. 19. vom 17. Dezember 1902, betreffend die kirchliche Statistik. — 5. Ausschreiben an die evangelischen Pfarrämter (Nr. 29) vom 19. Dezember 1902: Mit unserem Ausschreiben Nr. 17 von 1885 haben wir Sie bereits auf die Thätigkeit des Heffischen Landesvereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hingewiesen und die Erwartung ausgesprochen, daß nicht allein Sie selbst gemäß Ihrem geistlichen und seelsorgerischen Beruf den Aufgaben dieses Vereins Ihre Aufmerksamkeit widmen und dessen Angelegenheiten nach Kräften fördern, sondem daß Sie auch die Kirchenvorstände zur regen Mitarbeit veranlassen möchten. Es war uns eine Freude darnach zu erfahren, wie viele von Ihnen persönlich Mitglieder jenes Vereins geworden sind, und wie eifrig Sie mitgearbeitet haben, Mittel uud Wege auhusuchen, um daß für das geistige und körperliche Wohl weiter Schichten unserer Bevölkerung verderbliche Laster der Trunksucht zu bekämpfen. Ein bei der Zweiten Kammer der Stände des Großherzogtums eingebrachter Gesetzentrvurf verlangt, daß die Entmündigung wegen Verschwendung ober wegen Trunksucht auch von dem Armenverbande beantragt werden könne, dem die Fürsorge für den zu Entmündigenden im Falle der Htlfsbedürftigkeit desselben obliegen würde. Die neuere Gesetzgebung, die Thatfache, daß eine große Anzahl von Trinkern der Irrenanstalt verfällt und nicht minder die auf dem Gebiet der Strafrechtspflege liegenden Fälle von in der Trunkenheit verübten Verbrechen und Vergehen drängen mehr und mehr dazu, Trinkerheil - Anstalten und Trinker-Asyle (Pflegstatten) zu schaffen. Dem Verein gegen Mißbrauch geistigee Getränke ist es gelungen, den Burgbergerhof mit 100 Morgen Land zu erwerben und dort für das Großherzogtum Hessen und die Provinz Hessen-Nassau eine Trinkerheilanstalt zu gründen, die auch bereits ihre Thätigkeit ausgenommen hat. Da aber )ie Anstalt der Zuwendung größerer Mittel bedarf, um die Kosten deS Ankaufs und der ersten Einrichtung bestreiten zu önnen, ist e8 erforderlich, das Jntereffe weiter Kreise dafür zu wecken. Großh. Ministerium des Innern hat dem Verein die Erlaubnis erteilt, von jetzt bis Ostern zu Gunsten der Heilstätte in den hessischen Gemeinden eine HauSkollekte erheben zu dürfen, und wir wünschen, daß Sie, die evan- gelischen Pfarrämter, nicht nur ihren Gemeindegliedern in begründeter und eingehender, Ihnen geeignet erscheinender Weise hiervon Kenntnis geben, sondern daß Sie auch den ich bei Ihnen meldenden, gehörig legitimierten Kollekteuren mit Rat und Thal ihre Unterstützung angedeihen lassen wollen. — 6. Dienstnachrichten. — Ernannt wurden: Pfarrverwalter -Germer zu Frischborn zum Pfarroerwalter in Darm- tobt (Stadtgemeinbe); Pfarroerwalter Walter zu Wolfs- )eim zum Pfarroerwalter in Frischborn, Dekanat Lauterbach; Pfarroerwalter Weber zu Eich zum Pfarroerwalter in Wolfsheim, Dekanat Wöllstein. — Gestorben ist: der eo. Pfarrer Dr. Friedrich Grein zu Darmstadt, Dekanat Darmstadt, am 30. Nooember. — 7. Aufforderung zur Bewerbung. — ZurWiederbesetzung wird ausgeschrieben: eine cd. Pfarrstelle an der Stadtgememde zu Darmstadt. ** Das Großherzogliche Regierungsblatt, Beilage Nr. 30, ausgegeben am 27. Dezember d. IS., ent- )ält: 1. Bekanntmachung, die Arzneitaxe für die Apotheken des Großherzogtums betreffend. Vom 22. Dezember 1902. — 2. Bekanntmachung, die Vergrößerung des Freiherrlich Heyl'schen Familienfideikommisses „Guntershausen* betreffend. Vom 12. Dezember 1902. — 3. Bekanntmachung, die Ergänzung und Vergrößerung des Freiherrlich Heyl'schen Familienfideikommisses „Herrnsheim" betr. Vom 12. De- i ember 1902. — 4. Namensveränderungen. — 5. Zu- lassungen zur Rechtsanwaltschaft. Am 22. November wurde der Gerichtsassessor Johannes Welte-r in Darmstadt zur Rechtsanwaltschaft bet dem Amtsgericht Alzey, — am 9. De- zember wurde der Gerichtsassessor Otto Heyl in Offenbach jur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Vilbel, — an »emselben Tage wurde der GerichtSaffessor Emanuel Roth- child in Offenbach zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Langen zugelassen. — 6. Dienstnachrichten. Am : 9. November wurde dem Geometergehilfen Karl genannt Friedrich Stork aus Ruppertsburg daS Patent als Geouteter 2. Klasse für den Kreis Schotten erteilt. Am 26. November wurde der Lehrerin Elise Gölz zu Vilbel, im Kreise Friedberg, eine Lebrerinnenstelle an der Volksschule zu Darmstadt übert agen. Am 20. Dezember wurde der von den Herren Freiherrn Riedcsel zu Etsenbach auf die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Altenburg, Kreis AllSfeld, präsentierte Schullehrer Heinrich Weber zu Hopfmannsfekd, KretS Lauterbach, für diese Stelle bestätigt. — 7. Ruhestandsversetzungen. Am 29. Oktober wurde der Schullehrer an der Gemeinde, schule zu Gedern, Kreis Schotten, Friedrich Spitznagel, aus sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, in den Ruhestand versetzt. — 8. Konkurrenz, eröffnungen. ** Stadttheater. In den jetzigen Tagen ,zwischen den Jahren" erscheint uns eine Ausführung von Schillers „Räubern" als eine etwas schwere dramatische faft selbst wenn sie durch das Gastspiel eines geschätzten Franks furter Gastes gut gewürzt ist. Wohl jeder von unL har tm Laufe des nun zur Rriste gehenden Jahres so viele unerfreuliche Charakterzüge im Menschen kennen gelernt oder Jntriguenspiele teils direkt, teils indirekt erfahren, daß er des großen dramatischen Bühnenspiels Schillers, das jetzt bereits 120 Jahre auf dem deutschen Theater heimisch ist, bei seinem Bilanzabschluß an der JahreÄvende wohl entbehren kann. Nichtsdestoweniger aber wird der Besuch der gestrigen Vorstellung niemarid gereut haben, denn die Aufsührung war eine gleichmäßige und gut abgerundete, die des jungen Karlsschülers großes Erstlingsdrama mit der durchgreifenden pathetischen Beredsamkeit und der sicheren, dramatischen, echt poetischen Kraft in voller Schönheit zur Geltung kommen ließ. Herr Max Bayrhammer vom Frankfurter Schauspielhaus bot mit seinem Franz Moor eine Leistung dar, die Stoff zu einem langen Feuilleton liefern würde, wenn es der Raum gestattete. Ter Künstler zeichnete mit besonderem Geschick das ivahrhast Teuflische und das unsagbar Niedrige und Gemeine dieser Kreatur, die selbst vor dem Vatermord nicht zurückschreckt, um äußeren Glan^ und Machttnittel zu erreichen. Mü feiner psychologischer Pointterung führte Herr Bai)rhammer das Gaukelspiel von dem angeblichen Tode seines Bruders Karl auf den böhmischen Schlachtfeldern vor dem zu Tode erschreckten greisen Vater auf und ebenso bühnengeschickt, wie realistisch packend war die große Szene mit Amalien im Kampfe um deren Besitz. Ter Künstler wurde hier mit Recht durch mehrmaligen, stürmischen Hervorruf ausgezeichnet. Eine würdiae Partnerin war ihm Frl. W ü r t e m • berg, welche ihre diffizlle Rolle mit darstellerischer Ge. wandthett durchführte. Ten Karl Moor spielte Herr Ger. lach kraftvoll in der Haltung und mit Temperament und Gemütstiefe in den Wandelszenen deö RäuberlagerS; er hätte nur in der ersten große:: Szene in, der Kennzeichnung des tiefen Seelenschme^es mit seinen stimmlichen Mitteln ein wenig haushälterischer umgehen dürfen. Herr Töpfert war in der Rolle des alten Moor gut angemessen, und auch der Kosinski des Herrn Brosch, wie der Hermann des Herrn v. Stahl waren tadellos. Recht gelungene Charakter- zeichnungen boten noch Herr H e y p e r tz als Roller und Herr Ramseyer als Schweizer, während der Spiegelberg und die frömmelnde Magistratsperson den richtigen Ton nicht besonders glücklich trafen. Herr Ger lach führte die Regie mit anerkennenswerter Umsicht. Wetzlar, 29. Dez. Am 23. Dezember waren nicht weniger als 48 reisende Handwerksburschen hier an» wesend, von denen 22 in der Herberge Aufnahme fanden, während von den übrigen 26 Obdachlosen 10 im Zimmer für Obdachlose, zwei auf der Hauptwache und der Rest von 14 auf Kosten der Stadt in der AlbuS'schen Wirtschaft untergebracht wurden. Schotten, 29. Dez. Am zweiten WeihnachtSfeiertag verschied hier der Großh. Kreisarzt, Medizinalrat Dr. Lari Drescher. Mainz, 29. Dez. Laut Anschlag deS hiesigen Poli- getarntes hat die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt auf die Er» greifung deS flüchtigen Mörders, der am 18. dS. Mts. zwischen Hülsweiler und SchwarzenholS die auf dem Rückwege von Saarlouis begriffene 19jährige standeSlose Katha- rina Dell aus Obersalbach durch Schläge auf den Kopf, einen Stich in den Rücken und tiefe Schnitte in den Hals ermordete und beraubte. Man nimmt an, daß der Mörder ein Mann mittlerer Größe mit schwarzem Schnurrbart sei, der gesehen wurde, als er die Dell ein Stück Weges be- gleitete. Bekleidet war derselbe mit dunklem Anzug und weichem schwarzem Filzhut. Geraubt wurden der Ermordeten ein Portemonnaie, ein Packet mit Stoffen und eilt Gebetbuch. — Das Dampfboot .Gerard Johanna' wurde heute vormittag im alten Winterhafen zwangsweise versteigert. Höchstbietender blieb eine auswärtige Rhedersirma namens Bauer, der daS Schiff mit 10000 Mark, welche Summe sofort zu entrichten war, zugeschlagen wurde. Das Boot gehörte einem holländischen Schiffer, den es 30 000 Mark gekostet hatte. Im Sommer v. Js. rannte der Schiffer mit einem Frachtschiffe bei Bonn zusammen, und wurde er für den entstandenen Schaden haftbar gemacht und zur Entschädigung oerurtcilt. Ueber ein Jahr lang lag daS Boot am Fischthor beschlagnahmt vor Anker. Vermischtes. ♦ Berlin, 29. Tez. Tie Abendblätter melden: Ve« trü g er ei en eines Expeditionsbeamten der Berliner Maschinenbauakticngesellschast Dornt. L. Schwär tzkopfs ind jetzt aufgodeckt worden. Ter Expedient hatte sich durch gefälschte Frachtbriefe Waren verschafft und diese dann äu Geld gemacht. Es handelt sich um einen Betrag in Höhe von 30 000 Mark. Ter Teftaudant wurde verhaftet. — Die Nationalbank für Deutschland teilt mit: In )er Wechselstube der Nationalbank in Potsdam ist seitens des flüchtig gewordenen zweiten Vorstandsbeamten Albert Heyde eine Unterschlagung begangen worden. Heyde veruntreute 94 500 Mk. aus der Couponskasse. Heyde war eit 1889 im Dienste der Dank. Tie sttasrechlliche Verfolgung gegen den Flüchtigen, der sich vermutlich im Besitze eines großen Teiles der von ihm entwendeten Beträge befindet, ist cingeleitet. Heyde hat sich anscheinend ins Ausland geflüchtet. Aus hinterlassenen Briefen an seine Frau geht hervor, daß er die Absicht hat, sich im Auslande mit dem mitgenommenen Gelde, das wohl nur eine geringe Summe darstellt, eine neue Existenz zu gründen. Bisher fehlt jede Spur von dem Flüchtling. Crimmitschau, 29. Tez. Infolge Blutvergif» t u n g starb hier der in der Schweiz geborene Oberspielletter der gegenwärtig hier gastierenden Theatergesellschaft Drummer, itarl Heuberger. Der Verstorbene hatte eine kleine Wunde am Fu^, die durch 2Tb färb en der Strümpfe Blutvergiftung und nach kurzer Krankheit den Tod herbeiführte. M ann heil.:, 29. Tez. Nach ver „Neuen Badischen Landesztg." stürzte heute Dormirtag im Hof- und Natio- nabTheater bei iz.. Probe zum Lustspiel „Im bunten Rock'" zan-wirtschast. und 24.18 Df W. Knechts Magenbitter „Säntiserstklassiges HiIfsmittel j 103.00 49.65 31.40 29.25 124.00 44.75 Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Bischöfe. Anonyme Anfragen werden nicht beantwortet. kann. Berlin, 30. Dez. Der „Lok.-Anz." meldet aus New- yorkr 3n Washington erwartet man Castros formelle Antwort heute, Dienstag. Dann soll eine Kommission, bestehend auS dem amerikanischen Gesandten Bowen und Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger. 90.90 78.50 95.90 215.00 190.00 134.20 144.60 158.20 147.30 16.30 179.00 209.75 178^0 168.50 4°/j Italien. Rente . . . 41/* % Portugiesen . . . 3°/ Portugiesen. . . . . 1% C. Türken . . . < Türkenlose ..... 4°/o Grieoh. Monopol.-Anl. 4*/,% äussere Argentiner Grosse Flasche M2.50, Probeflasche M.1.. Überall erhältlich. Telephonischer Kursbericht« Frankfurt »M., 30. Dezember 1902. 8°/o Mexikaner . . . 41/a% Chinesen . . • Electric. Bohuckert . * Nordd. Lloyd . . , Kreditaktien . . » • Diskonto-Kommandit. * Darmstädter Bank . « Dresdener Bank . . . Berliner Handelsges, . Oesterr. Staatsbann . * Lombarden » • • • Gotthardbahn . . . . Laurahütte ..■••• Bochum Harpener ! Tendenz: geteilt. 3’/a% Reichsanleihe 3% do. 3Vt®/o Konsole . 8°/o do. . . 81/2°/n Hessen . 3% Oberhessen Arbeiterbewegung. 29 Dezember. Sehr zahlreiche Arbeiter ver- Barcelona, die Nordbahn, traten in den A u s - schiebener E^-kuchen andere Arbeiter zur Einstellung der Arbeit $' e W nahm mehrere Berh°ftunge° °«r. ein Protokoll aufsetzen, wann eventuell die Blockade ausgehoben werden konnte. Bowen wird nach: Washington beordert werden, sobald die Antwort Castros eintrifft. Die angebliche Landung englischer Truppen in La Guahra wird hier bezweifelt. Die verbündeten Ge- 'ort, zahlreiche Schoner anzuhalten. — ' meldet aus Newyork: Präsident Castro hat auf die Rückgabe seiner Flotte verzichtet und willigt in ständige Abzüge von den Zollhaus-Einnahmen ein bis zur Tilgung aller Forderungen. Diese Nachgiebigkeit dürfte das Resultat der Fortschritte der Rebellen und einer Hunger-Emeute in La Guayra sein. Die letztere soll die Landung britischer Truppen veranlaßt haben. Berlin, 30. Dez. Zur Affaire der Kronprrn ! zessin von Sachsen wird aus Dresden gemeldet: Das | I sächsische Gesamtministerium trat als Kronrat zu einer aeaeben. . Wien, 30. Dez. Der deutsche Botschafter Gras von Wedel empfing gestern abend den Besuch« des Ministers Grafen Galnchawski, Wie bisher verlcwtet, werd Gras Lamsdorff heute nachmittag vom Kaiser in Audienz empfangen werden und am Abend am Hofdiner teilnchmen. Am Mittwoch ist Frühstück beim Grafen Goluchuwskr und abends Diner beim Erzherzog Franz Ferdinand, woraus die Abreife des Grafen Lamsdorff erfolgen dürste. Fräulein Lißl von einem zwei Met« hohen Balvm herab und blieb bewußtlos liegen. Sie erholte sich bald und hat anscheinend keine Verletzungen erlitten. München, 29. Dez. Amte nachmittag erhängte sich im Polizeiarrest der 54 Jahre alte Taglöhner Josef Schmaderer von Achsbach, Derselbe war das Haupt der vor einigen Wochen hier verhafteten achtköpftaen Ein- brecherbande. Schmaderer war bereits geständig, über 100 Einbrüche in Pfarr- und Bauernhöfen verübt zu haben. * A r r a s, 29. Dez. In der Mähe des Bahnhofes Samt Pol entgleiste ein Personenpg. Die Maschine und vier Wagen sprangen aus den Schienen und stürzten um. Der Lokomotivführer wurde getötet, vier Reisende wurden schwer, mehrere andere leicht verletzt. • Newyork, 29. Dez. Auf der Linie Wanstead—Ontario—Darnia, einer Zweiglinie der Grand Trunk-Bahn, kollidierte ein Kurierzug, der von der Pacific-Küste nach New-Pott fuhr, mit einem Frachtzug. Beide Züge fuhren mit voller Schnelligkeit, der Kurierzug machte 40 Meilen per Stunde. Das Unglück trug sich frühmorgens in der Dunkelheit zu bei einem grauenhaften Schneesturm. Sobald die Kolliffion erfolgt war, gerieten die Trümmer des kiurierzugeS in Brand. Beide Lokomotiven waren ineinander gefahren, ein Rauchwagen und ein Pullmanwagen völlig zusammengeschoben. Die Szenen, die sich hierbei abspielten, waren entsetzlich. DaS Geschrei und Gewimmer der Verwundeten war herzzerreißend. Eine Frau sang sterbend daS bekannte Lied .Nearer my god to thee". Eine andere starb in den Armen ihres Mannes, singend: „IesuS, lover of my foul". Die Zahl der Toten beträgt, soweit bekannt, 84, die der Verwundeten 60. Die Bahnverwaltung giebt eine mindere Totenzahl an. Das »Journal« spricht von 88 Toten. DaS Unglück soll der Fahrlässigkeit eines Weichenstellers in ?egen die klerikalen Angriffe eme ihre akademischen Lehrer richten. Der in kürzester £eit bis sitz ganz privat.... Adresse an die Oeffentlichkett zu treten. Webling m lWiMBcjiltzen uni) m WM uon b)lnimnnii|fdcn zn Nenjnhr 1903. Nachbenannte Herren und Damen haben zu vorbezeichnetem «weck unserer Aletnkinder - Bewahranstatt brs letzt Gaben ge- fretibet: 1. Fabrikant Heinr. Eichenauer. 2. Fabrikant Hermarm Eichenauer. 3. Rentner L. Schwan sen. 4. Dr. T. Günther^Vor- stand des Chem. Untersuchungsamtes für Oberhessen. 5. Kaufmann Benner & Krumnr. 6. Bautechniker Altvtter und Frau 7.^Pw- kurist Wilh. Köser. 8. Landgerrchtsrat Dornseiff. 9. Raunnann Heinrich Hochstätter und Frau. 10. Fabrikmrt Senbetsen. 11. Kaufmann Louis Fuhr. 12. Fabrikant Georg Noll und Frau. 13 Renbant Döring. 14. Direktor Bergen. 15. Stadtverordnettr Fean Kirch. 16. Lehrer Trautmann. 17. Gwchtsassessor ^rrsch- mann. 18. Re.rttrer Lubwig Bücking. 19. bis 8L die Herren St^t- verordneten: Emil Schmall, Schiele, Kommerzienrat Heylrgensta^, Kommerzienrat Heichelheim, Euler, Haubach, Hanau, Prrr, Looß, Kommerzienrat Emmelrus, Jann, Helsinch und Jughardt. 82. Beigeordneter 5lommerzienrat Georgi. 33. RealgnmnaMlehrer Albach. iu Knnrleirat Demuth. 35. Frau Melchior Schäfer Witwe. 36. Universitäts-Rentamtmann Weimer. 37. Frau Schloffermerster Carl Stohr Witwe. 36. Fabrikant Georg Schmall. 39. Lehrer M. Wörner und Familie. 40. Rentner Robert HaaS Frau. 41. Bauunterirehmer Wtnn und Frau. 42. Regrerungsrat Roßmann und Frau. 43. Ingenieur Adolf Braubach. 44. Hemrich Sltamt. 45 Marrer Euler. 46. F. I. Sauer und Frau. 47. Geh. Hofrat Dr Naumann. 48. Verlaasbuchhändler Otto Roth. 49. Mehrer Valentin Müller. 50. Lehrer Hemrick Wlll. bl- WemhQchl^: Friedrich Lelm und Frau. 52. Garnrson-Verwaltungs'Jnsptttor i. P. Lenst. 53. Kaufmann Rudolf Göbel und Frau. 54. Dirtttor PaSeoe. 65 Vfarrer Dr Naumann. 56. Kaufmann G. W. Schneider und 57“ito&Ä Schraub und Frau. 58 Architekt Hamann und Frmu 59. Maler Grob und Frau. 60 Frau Rechnungsrctt Kalbfleisch. 61. Stadtverordneter Wilh. Lober. 62. SchlachHos- direktor Dr. Liebe. 63. Gymnasiallehrer Harrmann. 54. Frau Wilhelm Homberger. 65. C. Stein und 'Frau. 66. Fabrikant Adolf Klinaspor. 67. Medizinalrat Dr. Haberkorn. 68. Wemhandler Carl Küchel. 69. Oberstaatsanwalt Theobald und Frau. 70. mann Fritz Nassauer und Frarr. ^ufmcmn Ernst Blödner und Kram 72. Dr. Koeppe und Frau. 73. Heinrrch Volzel. 74. Professor Dr Rahn 75. Juwelier Karl Noll. 76. Kaufmann &ouiS 7?: Hotelbesitzer Mund und Frau. 78. G. Nau- heimer^und F^am^ Geberinnen sprechen wir si'ir diese besonderen Zuwendungen an die Kleinkmber-Bewahranstalt unseren hprilirbiten Dank aus. Ferner danken wir auch besonders der hiesigen Freimaurerloge für das Neujahrsgeschenk von 50 Mk., das ^von Mitgliedern derselben unserer Anstalt übergeben wurf)t Auch sei nochmals hier herzlicher Tank ausgesprochen für die Gabe von 40 Mk., die von dem Stammtisch tm ,,Prinz Karl für bie Cbristbescherung unserer Anstalt gespendet wurde. Die Namen weiterer Spender von Neujahrsgaben werden unberührt. uftschiffer. Vereine von Augsburg, München, ^^^Inra und Bettin gründeten gestern «r Augsburg emen Straßburg uno ff e r - V e r b n n d. Derselbe bezweckt die deutschen — > 1 ck) ctntprer;en bet Luftschiffahrt, insbesondere sip einer B^andsz^ bie Herausgave e „ r w In den Verbandsoorstand wurden General Meerenthal-München, KX und Hauptmann P°f,°°°l-AugSburg. Frankfurta. M., 30. Dez. Der Rentner Franz Anton Gering, welcher vor einiger Zeit hier verstarb, hat der Stadt ein Vermögen von 100 00 0 Mar k zur Gründung einer Anstalt „Sophienheim" vermacht. Die Stiftung, die die königL Genehmigung bereits erhalten hat, ist zur Gründung einer Anstalt bestimmt, in welcher alleinstehenden, unbefchollenen Mädchen mit nicht mehr als 1500 Mk. Einkommen gegen Bezahlung Unterkommen gewährt werden morgen veröffentlicht werden. Gießen, den 30. Dezember 1902. 8956 Der Vorstand der Kleiukruder-Bewahraustalt. Dr. Naumann. Handllmlr Uerkeyr. Volkswirtschaft. Pfg'^Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 0-0 Pfg., Käse 2 ßaiernatte 2 ©tcf. 5-6 ^g, Erbsen p^Lrter 21M , pr. Stck. ö-8 Pf-, P-' tauben pr.Paar 0,80-1,00 Mk» Hühner pr. St. Ltnsenpr. --.rter 32 Pig-, cm 0,80—1,40 Mk., Enten pr. Stuck 2,00—i'lnE''Gänse p/Pfd. 58—70 Pfg., Ochseirfleisch pr. Pfund| 6,00—2,60 Mk., Ganse P Pfund 60—64 Pfg., Schwerne- 16—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund fleisch pr- Pfl'ud 7 ^.^,968_7^ Pf^., HammelsterH pr. Pfund 84 Pfg-^^^^§Ersch v - v' ioo Kor. 6,00—0,00 Alk., Weißkraut per 50-70 fe, ^artottPPbeln nr Beutner 8,50-4,50 ML, Mllch per W. m Än 00-00 Trauben ^^ Et^dauert von morgens 8 Uhr bis nachmittags nr. ® ro»APnftnnbe bei Wochenmarttverkebrs dürfen vor Begmn 2 U^- GegEnstande b S während der ersten drer Sttmden der Marktzerl uoeryaup bawjr bestimmten und angewiesenen ^1° °üch n'ch- -nr werden. bei mangelhaftem StoffwechseLärztlich anerkannt und empfohlen. Kunst und Wissenschaft. Eeübadcn, 29. Dez. Der .Rhein. Kur/ veröffentlicht eine Mittung der Intendantur der hiesigen königlichen Schauspiele jjhtteuung bat den Kammerherrn Intendant die besagt. ^§^611 ab 1. Januar 1903 im Nebenamte in- ”• & s.er unmittelbaren Aufsicht über seine H 0 s t h e a t e r k» Bkr?i7 betta^ D^ Stellung d^ Herrn v. Hülsen als^Jn- iendant^^der königlichen Schauspiele in Wiesbaden sleibt hierdurch d ^^Karlsni^er technischen Hochschule gethan haben, beschäftigte. Die bisher der Kronprinzessin noch sympathisihe ■ > Zustimmungskundgebung an I Stimmung beginnt umzuschlagen. Giron entwickelt sich , Der vertretende Ausschuß hat immer mehr zu einer Operettenfigur. Er pflegt feinen Aus- privatim 600 Unterschriften aus ctaflent au9 einem goldverzierten Buche die Einzelheiten , gedenkt aber, weil noch, fort-1 ber Prinzessin, das Zusammentteften mit ihr und die Reise nach Gens zu diktieren. Dabei versichert er, er habe der Geschichte ein dramattsches Gepräge geben wollen. — Aus Genf wird hierher gemeldet, daß sowohl der Erzherzog wie die Prinzessin sich bereits in Geld Verlegenheiten befinden. Der Großherzog von DoSecma hat gestern ein neues Testament verfaßt, worin Erzherzog Leopold enterbt wird. vc Berlin, 30. Dez. Die Morgenblätter melden: Dem Generalintendanten Grafen v. Hochberg wurde die nachgesuchte Entlassung aus der Stellung mtt Ablauf des Jahres erteilt. Der Kaiser verlieh chm als Zeichen der l Anerkennung und Wohlwollens seine Porttaitbüste. Berlin, 30. Dez. Zu Mren des- Landtagsabgeordneten und Verbandsanwaltes Max Hirsch, der seinen 70. Geburtstag feiert, sand gestern abend in der Philharmonie eine Festseier der H>irsch-Dunckerschen Gewerkvereine statt, an der auch viele Parlamentarier teilnahmen. Berlin, 30. Dez. Nach den „Berliner Reuest. Nachr." sind die Forderungen des neuen Marine-Etats- Voranschlages folgende: 2 Linienschiffe, ein großer Kreuzer, 2 lleine Kreuzer und eine Torpedoboots-Trvision, deren Fertigstellung ftch aus 2 Jahre erstrecken soll. . Zeitz, 30. Dez. In die Nikolaikirche wurde m der letzten Nacht ein gebrochen und ans der Reformationszeit stammende wertvolle Allargerüte geraubt. Riga, 30. Dez. Fünfzig Fischer wurden auf der Ostsee von dem letzten Sturme überrascht und er tränten. Madrid, 30. Dez. Die beurlaubten Offiziere des Heeres erhielteir den Befehl, auf ihre Posten zurückzukehren. Weitere militärische Maßnahmen werden an- aeordnet. — Die Regierung teilte den Botschaftern der fremden Mächte die ihr aus Marokko durch den spanffchen Gesandten übermittellen Nachrichten mit. Mailand, 30. Dez. Wie dem „Secole" ans Rom telegrafiert wirb, steht eine Besetzung von Tripolis bevor. England habe dazu seine ausdrückliche Zustimmung 102.15 91.80 102.10 91.70 100.80 99.60 4% Oesterr. Goldrente . * 102.90 4*/.% Oesterr. Silberronte 101.55 4% Ungar. Goldrente, . . 101.35 19. cfcmuar f. I. an in Obernhof ein sechstagiaer Kursus über Weinbau einschließlich Kellcrwtrtschast durch den Obst- und Wem- baulehrer Schillina aus Getsenhei - ‘ -------k~ ast" °-r-" trägt der llnterlaynkreiS, bie - - - -. . Obernhof und Weinähr bilden sitzt den für die Erzeugung des r0 LahnweineS in erster Linie in Betracht kommenden Bezirk, und I kommen. ’ von dott dürste die Wiederbelebung de8 Weinbaus S e i V a (Böhmen), 30. Tiegi Das Hochwasser hat hiev ihren AuSgang nehmen wenn e ne solche tm Wettbewerb mtt HSg großm Schaden angeÄchttt/ K-chl> and-r-n G-g-nv-n Lb-rhmuUm-°UchS-----------------I Ee Brücken wurden weggeschwernmi. feie Ä stehen unter Wasser. Augenblicklich ist ein lanmamesZuE gehen des Hochwassers zu konstatteren und man Hoffd daß nunmehr die Gefahr jtir die Stadt vorüber tft Lemberg, 30. Dez. Nach Meldungen aus Somber rst eni dort nach Stry abgelassener Per so n en zu g eingeschneit und konnte erst nach 18 Sundten Arbett fte^ gemacht werden. Bei einem anderen ss^rfonenzuge riß infolge Vereisung die Kuppelung, wobei mehrere Pev- fönen und Bahnbedienstete Verletzungen erlitten. Belgrad, Tez. Das Amtsblatt meldet: In du Audienz am 12. zember a. St., welche in Anwesenheit des Ministers in- Aeußern stattfand, überbrachte Graf In der Stadtttrche. Sylvester, Mittwoch den 8L Dezember. Abends 6 Uhr: Pfarrer Scheuuemann. Neujahr, Donnerstag den l.Januar 1908. Vormittags 9»/r Uhr: Pfarrer Schlosser. Slachmütags 5 Uhr: Pfarrer Scheunemann. Zu der Johauuesttrche. Sylvester, den 81. Dezember. Abends 8 Ührr Pfarrer Euler IL^amsdv7ff dem Könige d'en'Ausdru'ck der bestw Wünsche' Vormittags Ü0 Uhr - Pfa r^Dr Naumann. welck)e Kaise! Nikolaus für den König, die Königrnund sL Nack?wttaaS^ 5 llbc: SieSTsÄr*“ Serbien hege. Konia Mexander nahm drese Erllärung Besondere Sammlung für die Armen. dankerftillt für die Aufmerksamkeit des ^I^^^Seg^ Sonntag nach Neujahr, den 4. Januar. I und erwiderte, er erblicke mit Genugtuung nt Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Eitler. . des Grafen Lamsdorff einen neuen Beweis des ttadttio- Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdtenst für die Lukasgememde. freundschaftlichen Bandes zwischen dem serbrsch^U . < MEr Euler. ^d russischen .Volke. Hierauf wurde Graf Lamsdorff von Nachnnttags 5 Uhrr M^^udwrg Naumann aus in Audienz empfangen. An. Sonntag, d-m £ « 8 Uhr- «erfammlung »• n st an tin° p -l SU T^ber Hier EE biblische Besprechung im Ronfirmanbenfaal der Joham.eSk.rche, neuerdmgö Lerüchie erner Mi n t st e r r r , s e, Montag den 5. Januar, abends 8 Uhr: Bibelstunde im mal einen ernsten Hintergrund h ab en Konftrmaridensaale der Johanneskirche. I gelte die Stellung des Gvoßveziiers und des Kviegsmintster» Pfarrer Euler. | als stark erschüttert. c . Newyork, 30. Dez, Die Verspätung der Antwoitt Castros auf den Schiedsgerichts-Vorschlag ruft in Washington Aufsehen hervor, obwohl man weiß, daß der Präsident von der Hauptstadt abwesend ist. Der Minister des Aeußern hat Bowen genaue Jnstrukttonen erteilt und ihn von dem Resultat der Verhandlungen mtt London und Berlin in Kenntnis gesetzt, Bowen beauftragt, "Dte Verhandlungen in'Caracas zu letten und die Uiiter^ich- nunq des Protokolls zu veranlassen, weffches fertiggejMa werden muß, bevor die Angelegenhett dem Haager Schied^ gericht unterbreitet werden kann. v . .r। a 1 Dien, 30. Dez, Die offiziösen Blätter konstatier»^ Idtlvlinnl UjUtL daß infolge des resultatlosen Verlaufs,der gestrigen fhtt Hebung des Weinbaues im Lastnthal wird vom gleichS-VerhandlunaLn die SMation eme höchst » ct Ä u. okövr.h nt per Sicherheitspolizei, der Subdirektor ber städtischen Polizei, insgesamt etwa 40 Beamte, den Zug. Derselbe hrett ganz kurze Zeit an, während der man den Wagen, in welchem sich die Gefangenen befanden, abkoppelte. Die Journalisten, welche sich im Zuge befanden, und bie Pariser Berichterstatter eilten sofort auf den Wagen zu, aus dem die Gefangenen, umgeben von einer neugierigen Menge, stiegen. Eva Humbert verließ zuerst den Wagen,! eS folgte Therese Humbert, beide Damen schwarz gettetteü Marie Taurignac, die als Dritte ausstieg, war ganz blaß und schien ganz außer Feffsung. Nachdem auch die Manner auSgestiegen waren, begaben sich die Gefangenen SU den bereitstehenden Wagen. Die Frauen ftibren mtt dem Chef der Sicherhettspolizei, die Männer mit dem Souschef. Die Wagen fuhren unter Gelett von radsahrenden Polizisten sofort nach der Conciergerie, woselbst sie um 8y* Udp: eintrafen. — Aus Henday wird gemeldet: Wahrend der heute nacht erfolgten Durchfahrt der Familie Humbert veranstaltete die aus dem Bahntz>fe versammelte Menge Neu- (SU’ÄÄSS« -........... zu haben. - • ' " " Unioersstäts Nachrichten. , , »ertt«. 29. Dez. Der Projektor deS anatomisch-biologischen schwader fahren for Instituts bet Berliner Universität, Dr. lstudols Kraus <, «n 9^1 DaS „Berb Tagebl." borener AlSselber, ist zum außerordentlichen Professor für| ^ip. AnatEie ^cueu^er mGbijiutHctt Fakultät, Prof. ajr © © Schultze, ber treffliche Gynäkolog, vollenbete am Ärigen Montag bas 75. Lebensjahr. Er ist am 29 Dezember ?827 zu Freiburg als Sohn des verewigten Anatomen Karl August SigismuK Schultze geboren. Universitätslehrer fe.t 50 Jahren, mürbe er 1858 von Berlin aus nach 3eno berufen. Zum ordentlichen Professor der Mathemattk an ber Uni- oerritat München würbe ernannt ber ordentliche Professor an der UnWität will, wie -S .bie | .Ä4.5L??. AÖJSSfö Tin<9 __“ ».a-kAoh .einrhirhit(e oetban Rum, Arrak, Kognak, merM«e...... /- *■'. ? Amtliche-; Verkäufe! Vereine 3n vermieten Mietgefuche Herrenkarten find an der Kaste zu haben. Damen ohne Karten haben keinen Zutritt. M PUMsseiza Mi»8 eigene-Fabrikat, empfiehlt Vl|liy tür Private und Wteder- im Saale de» CUf6 Leib 8971 Anfang abend» 8 Uhr Der Vorstand. Ein Paar Stiefel nrrlom. Abzugeben Neuenbäue 15. 8923 gonbiforei und gaf6 I. Krämer. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, welche uns bei dem Hinscheiden unserer unvergesslichen Mutter geworden sind, sprechen wir hiermit unseren tiefgefühlten Dank aus. 05602] Einige schön möbl. Zimmer zu verm. Wallthor- stratze 6, zu erfragen im Laden. C°. 20000 ISark auf erste Hypothek für Neubau zu leihen gesucht. Vermittler verbeten. Offerten unter Nr. 8861 an die Expedition d. Bl. 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