Donnerstag 30» Oktober 1903 ISS. Jahrgang Zweites Matt. Nr. SSS •rfftetst täglich außer Sonntag6. Dem Gtehener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessische« Landwirt bte Stetzener SamiHtn» blätter piemal in der Woche betgelegL RotaNonSdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unweft.-Buch- u. Stein- drucktet lPtetsch Erden) 5Ut>afhon, Expedition and Druckerei: Vchulstratze 7. Adresse tüt Depeschenr Anzeiger Gieße«. AernsprkchanIchlußNr bl. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger M Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezngSpretSr monatlich 7b Ps., vtertel^ jährlich Mk 2.20; dnech Abhole- il Zweigstellen monatlich Go Pf.; durch diePost AN ^.— viertel- jährt. auei.'J Bestellg, Annahme von Anzeigen sür dte TageStiuminer biS Dormttiugfl 10 Uhr, Zetlenpre»» lokal 12Ps, aa4roäit5 20 Psg. Verant loortllch: Mr den poln a. allgcn. DeiU P. Wi11ko: sür .Stadt und Vantr und -Gertchissaal' Eurt Plato; sür den An- zeiganteil: sdan« Beck. Are heutige Mmmer umfaßt 16 Seiten. Ate hessischen Wahimänuerwahlen. Gießen, 30. Ott. 1902. Soweit die Ergebnisse der gestrigen Wahlmännerwahlen biS zur Stunde sich überblicken lassen, wird das Resultat keine sehr wesentliche Verschiebung der Parteien mit sich bringen. Nur scheinen die Nationalliberalen durch ihre Haltung gegenüber der Wahlrechtsreform einige Einbußen zu erleiden. In unserer Landeshauptstadt Darmstadt selber haben die Nationalliberalen und Freisinnigen einander hart bekämpft. Anfangs schien es, als ob die letzteren mit nur sechs Stimmen Mehrheit glatt als Sieger hervorgehen sollten, eine genauere Zählung aber ergab Stimmengleichheit und nun wird angenommen, daß doch die Freisinnigen wahrscheinlich mit ganz geringer Majorität die beiden Mandate erlangen werden. Freisinnig wählte ferner die Stadt Friedberg, wo der Beisitzende Damm den sehr rechtsnationalliberalen Justizrat Jöckel geschlagen hat und auch der Landkreis Friedberg scheint sich für seinen bisherigen Vertreter, den liberalen Bürgermeister Joutz entscheiden zu wollen. In Butzbach selbst wurden gewählt Gemeinde- rat Muth (nat.-lib. 95 St.), Gemeinderat Grüningen (94), Gemeinderat Sommerlad (95), Gemeinderat Theis (95), Ge- meinderat Grauer (95), Kaufmann K. Hadermann (95), Ehrtstof Melchior (96), sämtlich freisinnig. Ferner erhielten Bürgermeister Küchel, Realschul-Direktor Jäger, Gerber, Karl Plach, (alle nat.-lib.), Wilhelm Steinhäuser, Zimmermeister Oehlschläger (fteis.), sämtlich je eine Stimme. Die Wahl wurde nur von 97 unter 466 Stimmberechtigten vorgenommen; ein Wahlzettel war ungiltig. Diese geringe Beteiligung ist, wie unser dortiger §-Korrespondent meint, nicht zum wenigsten auf die geringe Sympathie zurückzuführen, die gegen unser veraltetes indirektes Wahlsystem besteht. Im Allgemeinen herrscht bei der Butzbacher Bevölkerung die Ansicht, daß die 7 Gewählten für Joutz eintreten werden. — In Holzheim haben von 288 Stimmberechtigten 47 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Die beiden gewählten Wahlmänner dort wollen auch für Joutz eintreten. Bei der Wahlmännerwahl für Alsfeld siegten die Wahl- männer für den deutschfreisinnigen Rechtsanwalt Reh mit 255 Stimmen über die für den parteilosen Lehrer Rudolph mit 149 Stimmen. Bei uns in G i e ß e n wurden abgegeben von 2878 Stimmberechtigten 1020 Stimmen. Davon entfielen 668 auf die Wahlmänner der bürgerlichen Parteien, 334 auf die Kandidaten der Sozialdemokraten. Die Wahlmännerliste für den bürgerlichen Kandidaten Justizrat Dr. Gutfleisch weist demnach 34 086, die für den Sozialdemokraten Krumm 16 697 Stimmen auf. Zersplittert sind 10 Stimmen. 1 ist ungiltig. — Daß die Wahl von Dr. Gutfleisch außer Zweifel ist, stand von vornherein fest. Vor sechs Jahren, am 23. Oktober 1896, gaben hier von 2573 Wählern 923 ihre Stimmen ab. Damals hatten wir indes nur eine, nämlich die freisinnige Kandidatur von Justizrat Metz, dessen Wahl bekanntlich später angefochten wurde. Die Sozialdemokraten hatten überhaupt keine Liste aufgestellt. Sie wollten diesmal den Stadtverordneten Krumm in unser Landes-Parlament bringen, haben aber damit keinen entscheidenden Erfolg gehabt. Immerhin ist die Stimmenzahl, die sie trotz geringer Agitation erhielten, sehr beachtenswert und wird die bürgerlichen Parteien veranlassen, das nächste Mal mehr auf dem Posten zu sein als bisher. Gleichgültigkeit ist immer ein großer Fehler und Optimismus in politischen Dingen eine Untugend. Dadurch wird oft ein unbegründetes Frohlocken des Gegners hervorgerufen, das durch größere Regsamkeit überhaupt nicht hätte zu Tage treten können. Man ermutigt nur unnütz den, dem man überlegen ist, und Mut giebt Kraft! Im 6. Wahlbezirk (Grünberg) scheint man sich für den Antisemiten Hirschel entscheiden zu wollen. — In Steinbach wurde als Wahlmann gewählt: Heinrich Haas III., (Antis.), mit 36 Stimmen. Aus dem Kreise Schotten geht uns bie drahtliche -Nachricht zu, daß dort vier Wahlmänner gewählt wurden, die für den Oberförster Dr. Weber stimmen werden. Auch aus den andern größeren Orten jenes Kreises verlautet, daß der parteilose Weber über den Bauernbündler Weidner den Sieg davontragen dürfte. Aus Ulfa liegt uns die Nachricht vor, daß dort von 264 Stimmberechtigten nur 21 Gebrauch von ihrem Stimmrecht gemacht haben. Gewählt wurden Gastwirt Joh. Lenz HI. und Lehrer Ludwig Dem als Wahlmänner. Die Stimmung ist dort für Weidner. Das (Zentrum wird sich in Bingen und Ingelheim behaiipten, ebenso in Dieburg. Es siegte ferner in Waldmichelbach der katholische Pfarrer Blum über den ncttionalliberalen Dr. Heidenreich. , , Die Sozialdemokraten siegten m Mainz nut Unterstützung der Demokraten und Freisinnigen mit 2982 Stimmen. Die Centrumskandidaten erhielten 1379, die Nationalliberalen 690 Stimmen. An den Wahlen beteiligten sich 50 Prozent der Wahlberechtigten. In Off en dach (Stadt) erhiUren die Sozialdemokraten eine Mehrheit von 225 klimmen. Auch in Offenbach Land dürste der sozialdemokratische Kandidat gewählt werden. Aus WormS meldet uns ein eigener Draht- bericht: Die Nationalliberalen siegten vollständig auf der ganzen Linie. DaS Centrum, die Deutsch-Frei- sinnigen und die Sozialdemokraten hatten Wahlenthaltung proklamirt. Der nationalliberale Abgeordnete Reinhardt wird also wieder seinen Sitz im Landtage einnehmen. Die Wahlbeteiligung betrug 25 Prozent. Bewegte ILeichstagssttzung. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 29. Oktober: Abstimmung! Tas frisch-fröhliche Treiben im Parkett ließ erkennen, wie erwünscht der Mehrheit der Parlamentarier die Befreiung von der Verpflichtung war, immer neue, aber nichts Neues bringende Reden über die Vieh- zölle anzuhören. Tie Beschlußfähigkeitsziffer war weit überschritten, der Antrag auf Schluß der Tiskussion konnte deshalb mit Erfolg gestellt werden und. fand mit 180 gegen 85 Stimmen Annahme. Nun folgte Abstimmung auf Abstimmung, weil die Linke bei jeder Position nam ent- l i ch e Entscheidung verlangte. Tie Schriftführer kamen derart in Zug, daß der Namensaufruf in immer kürzerer Zeit bewirkt wurde. An erheiternden Zwischenfällen fehlte es nicht, so, als der Name des Abg. Graf Kanitz (kons.) aufgerufen wurde. Ter Graf saß, allen sichtbar, auf einer der letzten Reihen des rechten Flügels, doch er antwortete nicht, auch dann nicht, als der Schriftführer nochmals mit aller Kraft den Namen rief. Ter Traumgott hatte den parlamentarischen Kämpen der rauhen Wirklichkeit entrückt, und erst den Unisono-Rufen seiner politischen Freunde gelang es, ihn zu ermuntern. Einigermaßen erstaunt dreinblickend, aber mit einem überzeugten „Ja!" votierte alsdann Graf Kanitz für die Bindung des Zolles auf Schafe, entsprechend dem Beschluß der Kommission. Der Regie- rung sentwurf fiel auf der ganzen Linie. Mit 161 gegen 120 Stimmen wurde der Mimmalzoll auf Rindvieh, mit 161 gegen 129 der auf Schafe, mit 162 gegen 135 der auf Schweine, mit 162 gegen 132 der auf Fleisch angenommen. Ter Namensaufruf erwies beiläufig die Anwesenheit zweier im Reichshause sonst sehr seltenen Gäste, der M>gg. Tr. Böckel (Antis.) und Ahlwardt (Antis.). Beide vertreten Wahlkreise mit überwiegend bäuerlicher Bevölkerung. Tieiser Umstand und die Nähe der Neuwahlen mag die etwas saumseligen Mandatsinhaber an ihre Pflicht erinnert haben, denn beide beabschtigen wieder zu kandidieren. Nach Erledigung der Vieh- und Fleischzölle kam es zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen dem Präsidenten und der Linken über die weitere geschäftliche Behandlung des Zolltarifs, gewissermaßen zu einer Kraftprobe. Tie Linke verlangte Vertagung der Sitzung, erklärte ich „überrascht" und widersprach aufs entschiedenste der zusammenfassenden Erörterung mehrerer Positionen (pslanz- iche Erzeugnisse). „Sie wollen wohl an bestimmten Ab- timmungstagen den Zolltarif im Ramsch erledigen!" rief mit Stentorstimme. Abg. Singer (Soz.) den Mehrheits- rarteien zu. Graf Balleftrem nahm die letzterer gegen )en Vorwurf, ein Komplott geschmiedet zu haben, energisch n Schutz. Tie lange und erregte Geschäftsordnungsdebatte )ie den Rest der Sitzung füllte — auch Zentrum und Bündler gerieten hart aneinander —, gab einen Vorge- chmack von den erbitterten Kämpfen, die sich im weiteren Verlauf der Zolldebatte zwischen Mehrheit und Minderheit abspielen werden. Ter Schluß brachte noch eine namentliche Abstimmung — die siebente in dieser Sitzung — über den Antrag Singer auf Vertagung der Diskussion. Ter Antrag wurde mit 210 gegen 81 Stimmen abgelehnt, aber die äußerste Linke erreichte ihre Absicht trotzdem, denn ie hatte durch Entsendung ihrer redefrohesten Mitglieder yte Erörterung in die siebente Stunde ausgedehnt. Taß man auf Anregung des Zentrums über den Anttag des Frhrn. v. Wangenheim: Mindestzölle auf Gärtnereierzeugnisse, zur Tagesordnung überging, wird der Bund der Landwirte dem Zentrum sobald nicht vergessen. Ter Vorstoß des Bundesdirektors Abg. Tr. Hahn gegen den Abg. Herold (Ztr.) nahm sich wie eine regelrechte Drohung aus. Sogar der so besonnene Präsident Graf Ballesttem wurde durch die allgemeine Aufregung zeitweilig in gelinde Nervosität versetzt. Aie Icryastmrg von Aamen. Man schreibt uns aus Berlin, 29. Oktober: Die näheren Mitteilungen, die in den Berliner Abendblättern über die ungerechtfertigte Verhaftung einer Dame in Weimar, des Fräulein Tr. jur. Anita Augspur g aus Berlin, vorliegen, müssen auf das entschiedenste der Forderung Nachdrucc verleihen, daß endlich Durchgreifendes geschieht zur Beseitigung der Unsicherheit, denen allenthalben die Frauen ausgesetzt sind. Vor kurzem erst der ganz ähnliche, weithin Aussehen erregende Fall in Wiesbaden, nun das neue Vorkommnis auf dem Gebiete polizeilichen Uebereisers und polizeilichen Irrtums. Es braucht nur eine aus der Straße ohne Begleitung gehende Dame durch ihre Toilette oder durch die Art ihrer Bewegungen einem Polizeibeamten „verdächttg" vorzukommen — und in einem rührigen Polizeibeamten kann sehr leicht und durch manches Verdacht erregt werden, was anderen Beobachtern kaum aussäUt und harmlos erscheint, — so ist der betreffende Beamte auf Grund des Gesetzes tn der Lage, die peinlichsten, beschämendsten Fragen zu stellen und bä Dame zur Wache zu führen. So verfugt es der 8 361 Nr 6, des Str.-G.-D., der der Polizeibehörde das Recht giebt, auch nicht der „Aussicht unterstelltes weibliche Personen, rü.un sie den zur Sicherung der öffentlichen Ordnung unb bei vjf.nttich-n Anstandes erlassenen Vorschriften zuwiderhandeln, zu verhaften und der Bestrafung entgegen* zuführen. Auf allen Frauenkongressen ist seit langem mindestens eine Abänderung dieser Bestimmung verlangt worden. In der That, wohin soll es führen, wenn derart einem Schutzmanne, der innerhalb eines begrenzten Kreises ganz verdienstlich wirken mag, ein solches Maß von Befugnis anvertraut ist, das ihn zu einem für den Augenblick unumschränkten Gebieter über die ohne Begleitung befindlichen weiblichen Passanten macht. Man tann auch nur wenig auf den Schutz vertrauen, den etwa die Oeffentlich- keit einer irrtümlich verfolgten Dame gewähre. Ten ruhigen Bürger schreckt die Strafe ab, die ihm wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt droht, und die bei derartigen An- läffen von allen Seiten herbeiströmende Schar von Neugierigen und Müßiggängern pflegt mit schadenfrohem Behagen den Ereignissen zuzusehen. Diesmal ist der Polizeibeamte ja an eine Same herangetreten, die kaltblütig und resolut durch die Erfahrungen ihres Berufes rasche Anf- llärung, freilich auch erst auf der Polizeiwache, herbeizuführen wußte. Es ist aber die Möglichkeit vorhanden, daß bei einem neuen Vorkommnis dieser Art, auf das man immer gefaßt sein kann, die zu Unrecht Verdächtigte aus Scham unb Bestürzung sich widersetzt und vielleicht den ernstesten Schaden an ihrer Gesundheit durch die ausge- slandene Aufregung erleidet. Es wird auch hier, wie überhaupt im Rechtslebeii, noch viel zu wenig mit der kompromittierenden Wirkung gerechnet, die eine Verhaftung unter allen Umständen für den Betroffenen herbeiführt, zumal aber eine Verhaftung, die wie ein Lauffeuer sich tm Publikum verbreitet und ein förmliches Spießrutenlaufen zur Folge hat. Tie bürgerliche Freiheit der Frau ist ein nicht minder wertvolles, nicht minder zu schützendes Gut wie die bürgerliche Freiheit des Mannes. Es erscheint sehr angezeigt, daß im R e i ch s t a g die Regierung befragt wird, auf welche Weise gegen die Unzuträglichkeiten, die sich aus der Anwendung des § 361 ergeben, Ab Hülse zu schaffen ist. Solchen Eventualitäten, bemertt mit Recht eine Berliner Zeitung, sehen sich Frauen zu jeder Stunde und in jeder Stadt ausgesetzt. — Eben deshalb ist der Reichstag berufen, dies Thema zur Sprache zu bringen. Tie in Wiesbaden verhaftete Teilnehmerin am Frauen- longreß machte sich dem Polizeibeamten durch ein „Reform- loftüm" — das doch keine seltene Tracht ist —- und durch „zu langsames Gehen" verdächtig. Was dem Weimarer Beamten an Frl. Tr. Augspurg nicht gefallen hat, ist noch nicht aufgeklärt. Genug, diese Sicherheits-, oder richtiger Unsicherheitszustände bedürfen dringend der Besserung. Zunächst aber wird man wohl erwarten dürfen, daß allenthalben von den vorgesetzten Behörden Anweisungen ergehen, die den Schutzleuten unter Hinweis auf die Vorkommnisse größte Vorsicht und Zurückhaltung zur Pflicht machen. Deutsches Keich. Berlin, 29. Oft An der gestrigen Abendtafel beim Kaiserpaar nahm der Kronprinz von Dänemark mit den Herren feines Gefolges teil. Heute morgen begaben sich der Kaiser und der Kronprinz von Dänemark nach Kummers- borf »aU einem Artilleriefchießen. In Kummersdorf wurde auch das Frühstück genommen. — Reichskanzler Graf von Bülow empfing heute den kaiserlichen Generalkonsul in Kalkutta Frhrn. Speck von Sternburg, welcher sich über Amerika auf seinen Posten zurückbegiebt. — Der Zustand des Abg. Rickert, der in den letzten Tagen eine Besserung erkennen ließ, hat sich seit der letzten Nacht wieder etwas verschlimmert. Der Kranke verweigert die Nahrungsaufnahme und das Allgemeinbefinden läßt zu wünschen übrig. — Die Kommission des Reichstages für den Kinderschuh in gewerblichen Betrieben setzte heute die Beratung bei § 4 des Gesetzentwurfs, der die für fremde Kinder verbotenen Befchäfttgungsarten festsetzt, fort. In dem Verzeichnis derjenigen Werkstätten, in deren Betrieben, abgesehen vom Austragen von Waren und von sonstigen Botengängen, Kinder nicht beschäftiat werden dürfen, liegt eine Reihe sozialdemokratischer und freisinniger Anträge vor, die dieses Verbot auch auf andere Betriebe ausdehnen- wollen. Die Mehrzahl dieser Anträge wird angenommen und hierauf die Weiterberatung vertagt. Oldenburg, 29.Ott. Die Mahl von sechs Sozialdemokraten in den nur au5 40 Mitgliedern bestehenden Oldenburgischen Landtag regt die unterlegenen Parteien heftig auf. Delmenhorst ist der Stein des Anstoßes. Daß die Umgegend von Wilhelmshaven sozialdemokratisch wählte, hat man als unabwendbar schon vorher hingenommen. Aber in Delmenhorst hatten die bürgerlichen Parteien eine kleine Mehrheit, denn die Fabrikstadt wählt in Gemeinschaft mit dem Amte fünf Abgeordnete nach einer Liste. Tie meist ländlichen Wahlmänner waren ihrer Sache sicher und wollten neben einem städtischen Fabrikanten lauter Landwirte in den Landtag wählen. Sie bekümmerten sich aber gar nicht darum, ob sie auch sämtlicher bürgerlichen Wahl- mänr.er sicher seien. Das Zünglein an der Wage bildeten ein Dutzend Lehrer, und diese waren nicht geneigt, wieder Agrarier in den Landtag gelangen zu lasten. Sie stehen zwar selbst durchaus auf bürgerlichem Boden, halten es aber für nicht schlimm, wenn einige sozialdemokratische Hechte in den bäuerlichen Karpfenteich kommen. Ta nun bie anderen bürgerlichen Wahlmänner keine Miene zu einer Verständigung mit ihnen machten, schlossen sie ein Kompromiß mit den Sozialdemokraten, Kraft dessen drei der Letzteren und zwei Bürgerliche (der Bürgermeister und ein Lehrer) gewählt würden. Im letzten Augenblick, unmittelbar vor der Wahl, kamen bte Wortführer der Dauern und wollten sich mit den Lehrern ver- fiänbtgen, wolllen einen der Ihrigen opfern. Wer mm toor es zn spät. Infolge des Zankes verließen nun erst die Bauern und dann die Lehrer das Wahllokal, sodaß die Sozialdemokraten allein drin blieben. Diese hielten an der erwähnten Liste fest, durch ihre Stimmen kamen also der Bürgermeister und der Lehrer in den Landtag. Nun wird ein heftiger Truck auf den Bürgermeister ausaeübt; er habe keine Wahl von Sozialdemokraten annehmen sollen, er müsse sein Mandat jetzt wieder niederlegen. Ader er lehnt das ab und beruft sich dabei auf seine Pflicht als Haupt einer Fabrikstadt, deren Arbeiterbevölkerung ihn gewählt habe. Rudolstadt, 29. DEL Bei der Landtagswahl siegle der Sozialdemokrat mit 471 gegen den Freisinnigen mit 426 Stimmen. Dadurch ist die Zahl der s o z ia l - demokratischen Abgeordneten in dem Landtag auf acht (bisher 1) gestiegen, das sind die Hälfte aller M anbat e. Ausland. London, 29. Okt. Die Burengenerale Botha, Deine t und Delarey fuhren heute nachmittag nach dem Wnckingham-Palast und schrieben sich in die Besucherlisten ein. — Ter Generalgouverneur von Australien hat seine Demission eingereicht, da er die chm bewillig- ten Repräsentationsgelder im Betrage von 20000 Pfund als unzureichend bezeichnet. Paris, 29. Okt. Mehreren Blättern zufolge Bat der Marineminister Pellelan angeordnet, daß die Bestellungen von Dampfer st ahlplatten und sonstigenBestandteilen für drei im Bau befindliche Panzerschiffe sofort suspendiert werden sollen. Tas „Journal des Debats" meldet, der Marineminister habe dem Vertreter einer Fabrik in Montluoon erklärt, daß es sich nur um einen vorübergehenden Aufschub handle. Paris, 29. Ott. In der heute stattgehabten Sitzung des Gemeinderats interpellierte der Nationalist Caron den Polizeipräfekten Lipine über dessen Beziehungen zur Familie Humbert. Lepine erwiderte, er sei in fünfzehn Jahren dreimal in das Haus der Familie Humbert gekommen. Er habe keinerlei Mißtrauen gegen diese Familie gehabt und gestehe, daß er derselben wiederholt Theaterbillets geschenkt habe. Er bekenne ferner, daß die Frau Humbert seiner Tochter ein Ho chzeitsge schenk gemacht habe. Er habe hierin keine Falle erblicken können. Tas Geschenk habe er natürlich nach der Flucht der Humbert sofort dem Konkursverwalter zur Verfügung gestellt. Er erkläre auf Ehrenwort, daß er seine Pflicht als Beamter in der Affaire Humbert niemals verletzt habe. Ter Gemeinderat nahm sodann eine von einem Nationalisten eingebrachte Resolution an, in welcher erklärt wird, daß die Polizei, welche gegenwärtig ein rein politischer Dienstzweig geworden sei, unter dieLeitung des Gemeinderats gestellt werden möge. Nizza, 29. Okt. Ter Gesundheitszustand des Expräsidenten Krüger hat sich wesentlich gebessert; das südliche Klima bekommt Krüger ausgezeichnet, nichtsdestoweniger besteht er daraus, nach Südafrika zurückzukehren, sobald er vollständig wiederhergestellt ist. Wien, 29. Ott. (Abgeordnetenhaus.) Inder fortgesetzten Verhandlung über die Tringlichkeitsanträge bett. den ostgalizischen Feldarbeiter st reik erklärt Abg. Glombinski (Pole) unter Widerspruch der Ruth en en, daß die Ruthenen bei allen Gegnern der Polen, namentlich auch in der preußischen Regierung und in der hakatistischen Presse mächtige Verbündete hätten und bespricht den Streik als Werk desNational-Ruthenlschen Komitees, welches seit Jahren bemüht gewesen ist, das irische Streik- und Boykottsystem nach Galizien zu verpflanzen. Budapest, 29. Ott. Tie kroatische Landesregierung ordnete an, daß die durch die jüngsten Exzesse gegen die Serben verursachte Schadensumme sofort durch einen 3V2prozentigen Zuschlag zur Gemeindesteuer ein* zutreiben und durch das Steueramt unmittelbar den Beschädigten auszuzahlen sei. — Ta die Vorlage betreffend die Einziehung de r Ersatzreserven keine Aussicht hat, von dem Parlament angenommen zu werden, wird, wie verlautet, die Vorlage gänzlich zurückgezogen werden. Belgrad, 29. Okt. Ter König begnadigte alle wegen der Kundgebungen gegen den Senat im vergangenen Frühjahr zur Sielegierung verurteilten Hoch sch ül er. Konstantinopel, 29. Okt. Tie Türken geben voraussichtlich im Konflikt wegen der Grenzregulierung im Hinterlande von Jemen-Aden nur bashalb na ch, weil seitens Englands energischere Maßregeln, wie z. B. eine Schiffsdemonstration, angedroht wurden. — In dem eigenhändigen Schreiben des Sultans, welches die türkische Mission dem Zaren nach Livadia überbringt, ist auch die Einladung zu einem Besuch in fi? o n ft a n t in vpel enthalten. — Tret Eisenbahnwagen mit verwundeten türkis ch e n Soldaten tarnen gestern aus den Gebieten, in denen Kämpfe mitden rnacedon ischenBanden »ui)en haben, hier an. Tie Pforte teilte dem hie- tschaster mit, daß in Rnstschnk (Bulgarien» Personen, die den rnacedonischen Banden nahe stehen, Die dortige muselmanische Bevölkerung mit dem Tode bedrohten. Tie Behörde crfiarte, nicht ein schreiten zu können. Drei Muselmanen seien getötet worden. New York, 29. Okt. Eine eigentümliche religiöse Bewegung ist unter den Tuchobergen in Canadien (Nordwest-Territorium) ausgebrochen. Gestern trafen 2000 Personen, die ihre Farmen verlassen hatten, in Yorktown ein, sie erklärten, Jesus zu suchen. Sie gewährten einen traurigen Anblick, da sie durchaus unzureichend bekleidet und in der bitteren itälte fast verhungert waren. Manche Frauen hatten tote Kinder auf dem Slime, Kranke wurden auf Tragbahren mitgesührt. Iie Evangelische ^Landessynode. n. Tarmstadt, 29. Ott. Tie heutige Sitzung wurde um 9V< Uhr mit Gebet eröffnet. Ter Vorsitzende, Herr Prof. D. Stamm-Gießen, schlug vor, zunächst die Wahl eines Ersatzmitgliedes für den dritten Ausschuß vorzunehmen. Tie Versammlung wählte mittels Stimmzettel Herrn Pfarrer Buhl zu Nieder-Eschbach mit 39 Stimmen dazu. Tarauf folgte die Wahl eines Mttgliedes des SynodalM.sschusses, als welches Herr Rechtsanwalt Dr. Lucius-Mainz g-wählt wird. Zum Mitglied beS Tistztplinaraericktshess wird \>crr Real- Schuldirektor Lr. Gerard-Micheldach trrnaiuu, in den Lukher-Ansschnst werden auf Antrag des Synodalen Wahl- Schlitz, zwei Gießener Herren, Prof. T. Stamm und Pft. Schlosser gewählt. Nun folgt die Wahl des gestern be- chlossenen Sonderausschusses für das Kirchenbuch. Es werden folgende sieben Herren gewählt: Prvf. T. Stamm- Gießen, Tekan Stamm-Stockstadt, Pfarrer Fink-Zwingenberg, Pfarrer Weber-Lich, Landgerichtsrat Dornseift-Gie- zen, Pfarrer Eck-Offenbach und Prof. Eger-Friedberg. Ter Präsident verliest nun ein Schreiben des Herrn Kirchenrat D. Köstlin, in welchem unmaßgebliche Vorschläge ür die Beratungen des eben gewählten Ausschusses gemacht werden. Es entspinnt sich darauf eine kurze Debatte darüber, ob nach Verl sung dieses Schreibens ein Anlaß zu neuer TiskussionsÖffnung gegeben sei. Man sieht jedoch schließlich von einer solchen ab. Zur Tagesordiiung ubergeheno, referiert Herr Tirekwr D. Weifsenbach -Fricoberg über den Bericht des Großh. Oberkonsistvriums über die Verhältnisse und Zustände der evangelischen Landeskirche in der Synodalperiode 1895 bis 1899. Im allgemeinen sei der Zustand in der evangelischen Landeskirche ein durchaus erfreulicher. Die Entwickelung sei fortdauernd in aufsteigender Linie begriffen und nicht zum Geringsten, zeige sich dies in dem weiteren Ausbau des landeskirchlichen Bestandes durch Bildung neuer selbständiger Kirchengemeinden und Gründung neuer Pfarrstellen. Selbständige Kirchengemeinden entstanden in Laubenheim, Budenheim, Viernheim, Ober-Olm, während in Bensheim eine zweite und in Heppenheim a. d. Bergstraße eine neue Pfarre errichtet wurde. Als ein Fortschritt für das äußere kirchliche Leben sei auch zu begrüßen, daß in einer Reihe von Gemeinden das lästige Simultanverhältnis abgelöst wurde. Ter Ausschuß freut ich ferner über die entschiedene Haltung des Oberkonsistvriums hinsichtlich der Frage der Beerdigung von Katholiken mit evangelischen Hinterbliebenen und gegenüber der mißbräuchlichen Wiedertaufe bereits getaufter evangelischer Kinder seitens mancher katholischer Geistlichen. Dagegen empfindet er es als einen wunden Punkt, daß im Gebiet der gemischten Ehen, sowie bezüglich der Taufe der Kinder aus solchen sich die Statistik für Rheinhessen (namentlich Mainz und Worms) sich so auffallend ungünstig darstellt und geradezu beschämend für das evangelisch-kirchliche Bewußtsein genannt werden muß. Es sollte mit allen Mitteln auf Hebung des evangelisch-kirchlichen Ehrgefühls und der protestantischen Charakterfestigkeit hingewirkt, auch der Kirchenbehörde anheimgegeben werden, ob nicht selbst einmal das außerordentliche Mittel eines Hirtenbriefes diesen Gegenstand für die genannte Provinz in Anwendung gebracht werden könnte, um die teilweise schlummernden evang. Kräfte und Gefühle neu zu beleben. Ter Synodalausschuß begrüßt mit freudiger Genugthuung und Tank die durchgreifende Neuordnung und Erhöhung der Gehalts- verhältnisse der evang. Geistlichen und Kirchenbeamten. Tie Mttteilungen auf dem Gebiet des inneren kirchlichen Lebens begrüßt der Ausschuß mit Befriedigung und besondere Anerkennung zollt er den Tekanatssynoden über ihre eifrige und im Ganzen recht erfolgreiche Tbättgkeit. Gerade die Heranziehung einer aus der Gemeinoe selbst hervorgewachsenen Gemeinde-Armen- und Krankenpflege, der Inneren Mission" in Form der Erziehungsvereine und ständiger Dekanats für dieselbe gebe eine Bürgschaft dafür, daß das Laien-Element feine Pflicht, sich kräftig am Leben der Kirche zu beteiligen, von Jahr zu Jahr werde besser verstehen und tiefer erfassen lernen. Tagegen kann sich der Ausschuß und die Kirchenbehörde nicht der Besorgnis verschließen, daß in manchen Volkskreisen sich, gewisse „freie Regungen" bemerkbar machen, welche die Grenzlinie, die eine solche Bewegung enbgUtig von der Kirche trennen könnte, schließlich überschreiten möchte. Namentlich seien in Oberhessen z. B. die Sendboten der „Chrischona" dem geordneten Pfarramt gut verwalteter Gemeinden entgegengetreten. Ter Ausschuß kann sich auch der Besosrgnis nicht entziehen, daß angesichts der zunehmenben Eiitchristlichung der Massen durch die bösen Geister eines atheistischen Sozialismus und im Hinblick auf die immer weiter um sich greifende Genußsucht auch die Landeskirche noch schwere Kämpfe und Anfechtungen zu gewärtigen hoben werde. Recht bedauerlich sei es auch noch mit der Sonntagsruhe in vielen Teilen des Landes bestellt. Wenn man bebenfe, daß 50 Prozent aller Selbstmorde und Morde an Samstagen und Sonntagen Vorkommen und 60 Prozent aller Verbrechen, namentlich Sittlichkeitsverbrechen, ja sogar 80 Prozent aller Schlägereien und Messerstechereien, so seien das dock furchtbar erschreckende Zahlen und sehr ernste Zeichen der Zett. Wir gatten allen Grund, zu diesen Fragen ohne Anwandlung von Optimismus Stellung zu nehmen und die Schäden, die Gott sei Tank noch nicht direkt das Mark unseres Volks ergriffen haben, durch treue Seelsorge und durchgreifende Jugenderziehung zu beseitigen. Herr Oberkonsisdorialpräs. D Bu ch n e r dankt dem Vorredner für fein Referat unb ergänzte dasselbe noch in einigen Punkten. Herr Prälat T. Walz ist ebenfalls erfreut über das günstige Fortschreiten unseres kirchlichen Lebens in den letzten zehn Jahren. Zu beflogen sei aber der Mangel an kirchlichem Ehrgefühl bei vielen Männern und Frauen, besonders bei der Eheschließung unb der späteren Kinder- erziehung. Tieselben machten dadurch nicht nur der Kirche keine Ehre, sondern fügten derselben auch erhebliche Verluste zu, wie dies besonders jenseits des Rheins der Fall sei. Er wolle aber zur Ehre der Provinz Rheinhessen konstatieren, daß in den Landgemeinden dieser Mangel an kirchlichem Ehrgefühl nicht zu finden sei. Ter Schaden liege besonders in den Städten und den Vororten, wo sich eine fluktuierende Bevölkerung angesammelt hat, die los von ihrer Heimat und allen Beziehungen, die sonst den Menschen halten, dahinlebt, ober die infolge politischer Agitation nicht nur der Kirche, sondern auch der Religion überhaupt entfremdet wurden. Es sollte nach unb nach dahin gestrebt werden, daß die Kirchengesetze überall ausgeführt werden; man sollte die Kirch en vor stände zur ernsten Anwendung derselben ermahnen. Em Hirtenbrief, wie der Referent meinte, wäre aber doch nicht an die richtige Adresse gerichtet. Der Herr Redner wendet sich auch noch gegen einige unerfreuliche oberhessissche Er- scheinungen und verspricht im Namen der Behörde, daß sie die Augen offenhalten und die besagten Erscheinungen als eine ernste Sache betrachten werde, daß sie aber auch zu unterscheiden wissen werde, was wir als evang. Christen, auf Grund des evang. Priestertums und der evang. Freiheit zu thun haben. Nach einer kurzen Frühstückspause betont Herr Pfarrer Eck als Vertteter des Dekanats Offenbach, daß man hinsichtlich der Neubildung von Gemeinden, Lftenbach nicht im Bericht erwähnt habe, das doch auch noch in Hessen liege. Herr Lberkonsisivrialpräsident T. Buchner erwidert, daß es sich hier nicht um die Errichtung neuer Stellen handelte. Herr Pfarrer Wahl-Schlitz erhebt verschiedene Dn- wendüngen unb wirft vor allem die Frage der Stelle»- besetzung auf. Tie jetzige Methode habe eine weitgehende Mißstimmung im Lande heroorgerusen. Tas vorschriftsmäßige Ausschreiben scheine taft bis zur Bedeutungslosigkeit herabgedrückt. Man habe die Empfindung, daß über die Stellen schon verfügt sei, wenn die Ausschreibung erfolge. Tie Behörde müßte ja eine gewisse Bewegung», freiheit haben, aber es sei doch zu erwägen, ob sich nicht eine andere Form finden lasse. Redner bespricht dann noch die Unkirchlich^eit in vielen Gegenden Hessens und den Mißbrauch des Alkohols namentlich an Sonntagen. Herr Oberkonsistorialprösident D. Buchner entgegnet, die Stellenbesetzung sei der heikelste Punkt in der gon^ai kirchlichen Verwaltung. Ter Regierung seien auch die Hände gebunden durch das gesetzlich festgelegte DunschrechL der Kirchenvorstände. Tas Konsistorium habe jedenfalls den guten Willen und den Wunsch, möglichst unparteiisch^ und gerecht zu verfahren. Herr Prälat T. Walz erkennt einen Teil' der Bv» schwerden des Synodalen Pfarrer Walz über die Stellen^ besetzung als berechttgt an und verspricht, in dieser Frage thun zu wollen, was in seinen Kräften stehe. Aber alle zufrieden zu stellen, werde kaum möglich sein Es müsse in der That etwas ,^3orsehung" dabei gespielt werden. Tie geistliche Thätigkeit lasse sich noch viel erweitern; der Pfarrer solle sich auch an der Vereinsthatigkeit beteiligen und dafür sorgen, daß eine edle Art der Volks- erholung an die Stelle einer jetzt vielfach unedlen trete. Herr Pfarrer I o st-Bechtheim konstatiert ebenfalls, daß hinsichtlich der Stellenbesetzung viel (Erbitterung herrsche und bespricht bann einige Vorkommnisse in seiner Gemeinde» worauf Herr Prälat D. Walz kurz erwidert. Herr Rechtsanwalt Dr. Lucius-Mainz bringt ebenfalls einige Bedenken gegen die Stellenbesetzung vor, Herr Pfarren Walter-Worms bespricht die gemischten Ehen, die meist gar nicht kirchlich eingefegnet würden. Tas sei also kein Verlust für die evangelische Kirche und kein Gewinn hin die andere Seite. Auch hoffe er, daß sich in WormS die Zustände mit der Zeit bessern würden, der Evang. Bundi daselbst trage viel dazu bei, die kirchliche Ehrenhaftigkeit der evangelischen Männer zu stärken Herr Pfarrer Weber- Lich bespricht noch die Frage der kirchlichen Gemeinschaften, Es sei notwendig, daß man das gesunde Gemeinschaftsbedürfnis befriedige uni) die Gemeinschaftssache als etwas Berechtigtes anerkenne. Der Schwerpuntt der ganzen kttchlichen Thätigkeit beruhe auf der Persönlichkeit der Geistlichen. Man dürfe das Bestreben frommer Leute, die mit Ernst Christen sein wollten, nicht von der Hand weisen Wenn die Geistlichen darin auch von der Behörde Unterstützung erführen, würde bie Krisis im Lande über wund« werden und die Klagen auch in Oberhessen verstummen. Herr Pfarrer Wahl-Langen macht noch einige Bemerkungen zur Stellenbesetzungsfrage unb betont, sie sei ein wunder Punkt, dessen Heilung mit aller Entschiedenheit in Angriff genommen werden müsse. Herr Oberkonsistorialpräs. D Buchner bemerkt, es sei ungeheuer schwer, über diese Frage genaue Entschei- düngen zu treffen. Er verspreche aber, daß er die hier gehörten guten Ratschläge gründlich prüfen und bann zusehen werde, was daraus verwendet werden könne, um ben berechtigten Bedenken abzuhelfen. Nach einigen Bemerkungen des Herrn Rechtsanwall Dr. Lucius-Mainz über den mangelnden evang. Sinn irr ben größeren Städten schließt die Debatte. Die Sitzung; wird darauf abgebrochen. Fortsetzung morgen früh 9 llhr. 1 ............. .■"■'."j Aus Stadt und Kauö. Gießen, 30. Oktober 1902. Gedenktage. Am 31. Oktober 1811 starb btt Pädagoge Gotthilf Salzmann. Als Sohn eines Pfarrer- wurde er zu Sömmerda i. Thür. 1744 geboren, studierte Theologie in Jena, wurde Pastor in Erfutt und trat als Pädagoge zuerst mit seinem .Krebsbüchlein oder Anweisung zu einer zwar nicht vernünftigen, aber doch modischen Er- ziehung der Kinder* hervor. Auf dem Landgute Schnepfenthal bei Woltershausen i. Thür, begründete er die bis heute berühmte Erziehungsanstalt, in der der Geist eines großen Familienkreises heute noch maltet Volks- unß Jugendschiiften gab Salzmann heraus, die roeite Verbreitung fanden, wie bet „Bote auS Thüringen". — Hofnachrichten. Wie die „N. H. 93/ zuverlässig erfahren, beabsichtigt der Großherzog in diesem Wuüer eine dreimonatige Reise nach Indien, woselbst er einige Tage der Gast deS VizekömgS sein wirb, um dann voraussichtlich derEinladung mehrerer indischen Fürsten zur Jagd Folge zu leisten. L. U. Universität Der ordentliche Profeffor bet Physik, Dr. Paul Drude, hat den an ihn ergangenen Ruf nach Leipzig abgelehnt — Personalien. Der von dem Prinzen zu SolmS- Braunfels auf die evangelische Pfarrstelle zu Wölfersheim, Dekanat Hungen, präsentierten Pfarrer Friedrich Clotz zu Schwickattshausen ist für diese Stelle bestätigt, und dem Pfarrer Wilhelm Fischer am Landeszuchthaus Marienschloß ist die evangelische Pfarrstelle zu Nierstein, Dekanat Oppenheim, übertragen worden. " Die alten Witze. In vergangener Nacht wurden mehrere Studenten beim AuSlöschen von Straßenlaternen betroffen, und es gelang, einen Studenten bei der Beschädigung einer Laterne abzufaffen. Anzeigen sind erhoben. — Wenn die Studenten ihrer Ulfftimmung Ausdruck geben wollen, dann sollten sie sich wenigstens nicht so alter Witze bedienen, die sie selbst nur lächerlich machen können. •• Alwine Wiecke, die bekannte Berliner Künstlerin, ist soeben von der Direktion unseres Stadttheaters für ein einmaliges Gastspiel in diesem Winter gewonnen worden. Stadttheater. Die auf dem gestrigen Theaterzettel für Freitag angekündigte Aufführung von .Kabale und Siebe* findet erft kommende Woche, Dienstag den 4. November, statt. Am Freitag wird als erste Klassiker-Aufführung zu kleinen Preisen Schillers »Maria Stuart* gegeben. Tie Eintrittspreise betragen wie bei den volkstümlichen Vorstellungen für Loge Mk. 1.20, Saal 50 Pfg., Gallerie 30 Pfg. e. Bad- Nauh eim, 29. CfL Heute vormittag rourbb die neue Stadtschule feierlichst emgewciht. Vor 350 Jahren hat in dem .Flecken* Nauheim em lateinischer Dichter, Pfarrer und Schulmeister namens Lotichius die erste SorfkbiHe gezrundet. Bis vor 40 Jahren genügten hi« die nigen Jahren 11 tz-chumaiM uAd » ' ^em Falle falsches Geld in den Verkehr odo großes Heim für Nauheims Schul- 'bracht haben. Dr. o. Wedelstädt erfreute sich vor seiner 11 A1/ 11 ki* tl A n m tll A tt Tt nm .vt -- c . - < CO» , C 1, nS vtt h i tu tti f rtf f A0 TTT n 1 TT ■ 1 Ä. 4% 0 riech. Monopol.-AnL 4'/,96 Sossere Argcntiner 125.20 44.60 26.15 93.50 60.25 101.90 211.60 186.20 134L0 140.90 154.20 151.00 19.50 180.80 195.50 164.00 165^0 101.90 91.95 102.20 91.90 100.10 99.70 103.00 Kober 1902. i 1811 stakt d« Zohn eines Mavü geboren, fhibttfc jud unb trat al! „ oder Amoeisuuz och modischen Er. nbgute W* e er die biS heut deist eines gw ^SJilgendschn'- g sanden, »«z !(wn Echulräume, bann baute man 1868 etn großes kcHulhauS mit vier Klassen und zwei Lehrerwohnungen; jtzrl hat man hier seit einigen Jahren 11 Schulklaffen und I | --------— ----I - iz / I - I ’ZUllCU Uvk. wiUJUIluvurwinwiövi'-n ---------- I xJ C U L Ul l U II U 2 Q u- w ö h ---H---e r < ■ 'J feinen Darstellungen un Konkursverfahren gegen chn hatte nimmi beträgt ca. 140 Prozent. Die Bank für Handel ^naer unterstützen. Im Falle eines Krieges werde, obgleich u nehmen können. 1 * - — • ------orXtil— 1 “ ' - r-r-:CE- —*• Ä—•*-i* wU 9*',6T'™s aq Familien-Nachrichten. Gestorben: Julius Neumann in Mainz. Telephonischer Kursbericht« Jb'ranktart a. Jl., 30. Oktober 1902. Mk a*“ 3^? S°"&l gewißen werden, daß Tr. v. We^lst^t m suni Fallen and 0 Mk..''alter »afer 7.09 S01L, neuer 0.00 Ml. Erbsen 0,00 Ml. BerHwng'des besten Ruses, und man nimmt allgemeinI 2\t hritfrbl'IUfaUlUL an, daß ei unter dem ElNslusse f?An” .oc^ Vari6, w. Ut. Ministermäsident LombeS enmstna hr-te, BUS». ‘ÄÄSÄÄSÄ [Si-g-iftj BsflÄSga zu, feiner Ehefrau dagegen Nicht. Tas Uxtnl laittete, tote crj^iene^; Combes erklärte, Unterhandlungen mit den Grub^- y.r. t__,'xi.r n.'AtKM »rftorPTt rtitf ptm ^nhr A Wntintß I l ... , e.... .-... ..-i_____ ..^.k knftofco ffinmh pmp hpfrip* Ä* Se iedenfallr 4vr 8Wiett te4 ;■ «teettern; ’’Ä‘ to(i- «t bet Boltz, unedlen trete. lewer Seme^ W einige Ne. 'Herr Psm« W die weift sei alfo lew fein Gewinn fc h m Worms E €r Evang. Lmü - Ehrenhaftig^ Psarrer Webri. t GemeinschosiL Gemeinschaslsit. che als etwas fe tei ganzen kch Mit der Sch ii Leute, die s >er Hand ton: c Behörde Ur anbe übewL ssen versiM, noch einig:» ib betont, i'ii er Gntschiemt ner bemieb. genaue totu baß etfeytt 'en und tarn yi* en korm,Mdw ftedjtfätiDali &• etMg. 6ma w t Sie SiML gen stich L ühr 3u/o Mexikaner . , . 4,/g% Chinesen . , . Electric, tichackert . . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien .... Diskonto-Kommandit. . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank Berliner Handelsges. . Oesterr. Staats bahn « . Lombarden . . ♦ . Gotthardbahn . . . . Laurahütte Bochum ...... Harpener..... Tendenz: fest. war. Die Prege tut junge yeriei, m uenen uniujcmcuu duktion ist, die schon beim letzten Markte etwas abschlugen, hatten eine weitere abweichende Tendenz. Für stärkere Tiere, für Läuser jedoch, waren die Preise in alter Höhe. Es wurden bezahlt für Milchkühe, srischmelkend und tragend, L Sorte 450—500 Mk-, 2. Sorte 375—425 Mk., 2, Sorte 300-850 Mk. pr. Stuck Masttiere niuqen fort für 33 Mk., Mastrinder für 30 Mk. pr. Zentner lebend Gewicht. Nach Zentner Schlachtgewicht wurden gehandelt: fette Rinder 66 - 68 Mk>, fette Ochsen 70-72 Mk^ Kälber über 50 Pfd. schwer 72-74 Mk., zwischen 40 und 50 Pfund schwer 68—70 Mk., leichtere Tiere 58—64 NU. Gangochsen kosteten das Paar zwischen 700-800 ML, leichtere Gangtiere per Paar 600—650 Mk. Schweine erzielten paarweise: Ferkel 8—4 Wochen alt 28—3oMk., bis 10 Wochen alt 40-50 NU., bis 14 Wochen alt, Tier 60-,5 Mk. Läufer 80—100 Mk., schwerere Läuser 110—180 Mk. Es blieb ein Uebersland hauptsächlich in Ferkeln. Nächste Markttage sind 25. und 26. November d. I. . B. Gießen. 29. Okt. Der Zwiebelmarkt hatte einen Vorrat von zirka 500 Zentner, etwa zu ’/. WeUerauer und zu »/, sächsische Ware. Bis gegen 2 Uhr war das Geschäft sehr swtt, wodurch es den Verkäusern möglich wurde, sehr hohe Preise, den Zenmer bis zu 5 Nik., zu erzielen. Von da bis gegen 5 Uhr lieg die Nachfrage erheblich nach, wodurch em Abschlag erreicht wurde. Beste Wetterauer Ware wurde der Zentner mtt 4 Mk., geringere Ware mit 3,50 Mk. verkauft. Zwiebel aus Sachsen wurde der Ztr. abgegeben mit 2,50—3 Mk. Bei kleineren Quantitäten waren die Preise allerdings höher. Zum Schluß wurde das Geschäft wieder recht lebhaft, so daß der vorhandene Vorrat ttbgiug. suirichts I cmberamnt worden. Hildesheim, 28. Okt. Ein Aufsehen erregendes Oünzverbrechen beschäftigte das hiesige Schwurgericht, wf der Anklagebank faßen, wie wir bereits kurz meldeten, 1. der Chemiker Dr. phil. Ernst v. Wedelftaidt, Wboren 1876 in Potsdam, 2) dessen Ehefr a u E l f r i e d e, goe s ch. d. H oo v en, geb. Anders, geboren 1871. Dr. von Wedelstädt, der einer angesehenen Beamtenfamilie entstammt, wird beschuldigt, im Frühjahr 1902 falsche Zehn- inarkstücke angefertigt und diese zu HiDesherm und Hannover in den Verkehr gebracht zu haben; die Ehefrau fc Wedelstädt, welche die Tochter eines Rittergutsbesitzers ;.t, und in erster Ehe mit dem Rittergutsbesitzer uiü> Hau^t- wann a. T. v. Hooven verheiratet wur, soll falsche Zehn- warkstücke, die fie von ihrem Manne erhiell, gleichfalls Lerauögabt haben, obgleich fie wußte, daß sie nachgemacht Maren. Tr. v. Wedelstädt wurde im Februar 1901 als Lssistent bei der landwirtschaftlichen Versuchsstation Hildes- fmm mit 1800 Mk. Gehalt angestellt und verheiratete sich i n folgenden Monate. Obgleich die jungen Eheleute vermögenslos waren und auch keine regelmäßigen Zuschüsse wn ihren Eltern erhielten, lebten fie auf groftem Fuße. Em fich Kredit zu verschaffen, täuschten sie die Gefchästs- s rute durch die falsche Vorspiegelung, daß sie unermeßlich, nnch feien und demnächst eine große Geldsumme ein treffen werde. Im März 1902 richtete Dr. v. Wedelstädt in feiner großen Auftrieb verhielten sich die zum Kaufen gekommenenLand- 4 /« it«“*®“. Ment» wirl° Dorerft Ichr zurückhatt-nd. Erst in b« «fette be» W entwickelte sich ein einigermaßen flotter Handel, b^dem allerdings »/u J0 J • ein außergewöhnlich lebhaftes Feilschen um den Preis bemerkbar 1^- ^00 . war. Die Preise für junge Ferkel, m denen anscheinend Ueberpro- i^hsmoss . . . Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße 2 (Bürgermeistereigebäude) Zimmer 9tr. 14, Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und ArbeiMehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dteustbote« und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Welltagen von 8 bis 1 Uhr und von 8 bis 8 Uhr geöffnet» Angebot der Arbeitnehmer: 1 Goldarbeiter, 1 Maler und Lackierer, 1 Sattler, 1 Sattler und Polsterer. 2 Maschinenschlosser^ und Heizer, 2 Bau- und Möbelschreiner, 1 Bauschreiner, 9 Haus- burschen, 1 Herrschastskutscher. 8 Kutscher, 2 Fahrburschen, 3 Pferdeknechte, 2 Taglöhner, 1 Arbeiter, 1 landwirtschaftlicher Arbeiter, 1 Bureaudiener, 1 Kellner, 4 Knechte, 2 Schreibgehilsen, 3 Dienst-" mädchen, 1 Haushälterin, 2 Lauffrauen, 1 perfekte Herrschaftsköchin, 1 Wasch- und Putzmädchen, 1 Weißzeugnähterin. Lehrlinge: 1 Schlosser. Nachfrage der Arbeitgeber: 1 älterer Friseur, 4 Knechte auf Weihnachten, 1 Herrschaftskutscher, 1 Schweizer, 1 Oelmüller, 1 jüngerer Hausbursche, 12 Dienstmädchen (per L Nov^ 15. und Weihnachten), 5 landwirtschaftliche Mägde, 1 Lauffrau gegen? freie Wohnung, 1 Köchin, 1 Küchenmädchen. Lehrlinge: 1 Spengler, 1 Kellner, 1 Buchbinder, 1 Bäcker 1 Schneider. H. $.* I°°A in bief«”®* bien, ,8 sein wck °° ;ürer inb-K- bei Wen« W Vftliner el„ 1 100* fleWonne“ 0* r«b«f 1 wird ist noch unbekannt. Petersburg, 30. Okt. Die Verlegung der Um*, sität Dorpat nach Wilna soll im nächsten Jahre iS.jerer Lehranstalten im Aller von 14 bis 16 M)cen ba^lunoen wurden durch ^Direktor Dernburg von der Darm- h«lten sell zwei bis drei Jahren enge 8^bundschaft ge-1 .-^^r Bank geführt. Glossen und ein ziemlich .abenteuerllches Leben geführt,! c*n ^er Generalversammlung des Esch- .r»)zu der eine Schüler stets das nötige Geld lleserte. DreserI btler BergwerksvereiNs wurde die Verteilung Mte die Kasse seines Vaters ohne dessen Wissen in Anspruch einer Dividende von 16 Prozent genehmigt. Die Nachfrage lenommen und im Lause der Zell nach und nach über na(j. A^hlen ist durch den französischen Bergarbeiteraus- 10)0 Mark daraus entwendet. Von diesem Gelde kauften r0 daß ihre Befriedigung kaum möglich ist. bi.t Schüler außer anderen Gegenständen auch Terzerole der Generalversammlung der Rhei- uirt> sonstige Schußwaffen und huldigten in der Umgegend ^isch.Westfälisch en Kalkwerke wurden die aus- ei jrig dem Schießsport. Vor einiger Zeit nun gerieten zwei scheidenden Mitglieder des Aufsichtsrates wiedergewähll. Mitglieder des dreiblättrigen Kleeblatts in Sttett. Die w Deutsche Kle in b a hn g e s el ls ch a f t. Die Mgenseitigen Beleiüigungeii müssen besonders schwere ge- Besitzer von Certificaten der Vereinigung zum Schutze der liefen sein, denn nur durch ein Duell waren sie zu sühnen. Inhaber von Schuldverschreibungen der Allg. Deutschen m Duell auf Pistolen wurde auch bald Hinterm Schützen- ^embahngesellschaft, welche die darauf entfallenden abge- hcrus bei den Schießwällen der Schutzengilde ausgeführt stempelten Obligationen noch nicht empfangen haben, werden uni) dabei erhiell der eine Duellant einen Streifschuß an nochmals darauf aufmerksam gemacht, dies zu thun. Am dar Hechten Backe. Tie Freundschaft war nun bald wieder November cr. soll die Notiz der Certificate eingestellt hscgestellt und die erste Ausgabe war, den (Stent gegen- , [ v er Mll ^uch" nicht^schwer^^undb^ie Erzählten chren Eltern, b. Gießen, 80. Okt (V*st?h^arktbericht) Der dies- Rom, 30. O^ Der atift L tpären von^Elementarschülern geschossen und einer ge- wöchentliche Viehmallt hatte einen Vorrat von 900 Stück Kühen Gesandten beim Vatikan Freiherrn ^-^A^ohn. ^nrhen. biefer er^ä^^ung war, daß Mid Rindern, 250-300 Kälbern, ca. 80 Stück Gangochsen und Papst erkundigte sich eingehend nach dem Wohlergehen der Ä»r den Elementarschüleni Recherchen^angestelll wurden, 1400-1450 4tück Schweine, daruntn mehr als die Hälfte Ferkel, kaiserlichen Familie und sprach die Hoffnung aus, Kail er ÄÄ 4 4t stellLsicb derSach^ ÄÄÄ bw sich aus der Helm bald in Rom scheu zu können.--------- vnrhalt heraus, gleichzeitig wurde nun ermittelt, daß der |iott sich abwickelte und gute Preise erziett wurden. Der TeienhoS eime Schüler fernem Vater nach und nach ben genannten n ihm Gelegenheit zu geben, den Stand der Angelegenheü ofsiziell litt den üblichen Worten übergab der Erbauer, Herr Stadt» y lllU£l|UUUrsWuJWujmu bekanntzugeben. . ,tii< Ha'kgte6^1 in * di^Hand^des «TigSfen^a9 ng^ La H^emnfto^ete^beutT^b^nb%^iJ^a^rei^er ®^li ®JgJme ^beü9ebCT ÄWmS Hottcsdienst in der Synagoge, tzüdaulage. tven große Treppen, breite Vorplätze, Zenttalheizung und ist Vorsitzende Prof. Bergmann eine Ansprache und Virchows Nach- Israelitische Religionsgemeinde. b'trhauvt mit allen Neuerungen versehen. In der an» folger, Pros. Ortb, eine Gedächtnisrede, m der er Virchow als Samstag, den 1. November 1902. f neuenben lehr großen Turnhalle hielten Reden die Herren Forscher, Arzt unb Menschenfreund feierte. Em Gesang beschloß Vorabend 4.45 Uhr. Morgens 9Uhr. Nachmittags3L0Uhr. .iistai 8en, ftreJi^ulmwettot Süß, ffifartet WiIIia>i- Seiet. Sabbatbau-gang b^> Uhu iMllehtet Storch. Butzbach, der in poetischer Form fern unh WiÜVnsliiaft. Hattr-dimll btt nratlltlschkn KtllglMLgtftllschafl. 'ocd erschallen ließ und Oberlehrer Kredel. Es wurde der uuv /// „ . Sabbathseier am 1. November 1902 i.)sie SDüfedinn der Gemeinde Nauheim gelobt, der für seine Berlin. 29. Oft Im Opernhause sand heute Thefttre par6 Freitagabend 4.40 Uhr Samstag Vormittag 8.80 Uhr. , 0 G r s a prriditet hatte __ Das alte statt. Der Aufführung von ,Earmen wohnten der Kaiser, die Predigt. Nachmittags 3.30 Uhr. Festesausgang 5.50 Uhr. s .gend em so stolzes Haus errichtet hatte J aue j j Kronprinz von Dänemark und das Ge- Gochengottesdienst: Morgens 7 Uhr, abends 4.30 Uhr. -cchulhaus ist für die Errichtung emer zweiten Apotheke be- y 1 -------- :umnt worden, da nun aber die Einführung der _ t wung für Bad-Nauheim in sichere Aussicht steht, so plant x i uns Volkswirtschaft. nen jetzt, die Verwaltung m das alle SchulhauS zu legen JJUIUm UlU» r nu) für die zweite Apotheke em Haus mehr in der Kurtage Mannheim, 29. Okt. Wie die „Neue Bad. Lztg. I 31 pup ftp ItUllllllUUll» , , 0 meldet aenebmiate die heutige Verfammlung der Haupt- r 29 Oktober. Ein Musketier des in gläubiger des Stahlwerkes Mannheim eine Ver- Originaldrahtmeldunge« des Gießener Anzeig«. Darmstadt, 29. Lu . m iin [änaeruna des Moratoriums um drei Monate und stimmte Berlin 30 Okt. Im Helios-Prozeß wurden Sießen garmsonierenden Jnfanterie-Regiments Nr. US, wngmm^ zu auf der Basis einer m t li che An geklagt en fr eig esprochen. - sicher sich von seinem Truppenteü ohne Uttaub entfernte, ber ^ch^rderungen durch Obligationen und London, 30. Okt. Der Entschluß des KübinettT I|purbe gestern von einem Schutzmann dahier seftgenommen Poioritätsaktten bezw. nur durch Priorttätsaktten. Tie Chamberlain nach Südafrika zu senden, ist lediglich m.b an die Schloßwache abgeliefert. Betriebsmittel sollen durch Uebernahme von Obligationen veranlaßt durch die Gerüchte über die höchst feindseligem Darmstadt, 80. Oft (Eigener Drahtbencht.) ^ch Jntere.sscnten beschafft werden. Diese Obligatwnen eb ellions g elüst e grenzende Halttuig der frühes 2«r Groß herzog, sowie Großfürst SergiuS und Ge- Gnb von Beteiligter Seite zur Verfügung gestellt. Uitländcr gegen die geplante Heranziehung nenM Ko- lu.h(in reiften heute mittag nach Frankfurt zum Besuche der Nürnberg, 29. Okt. In einer Zuschrift an den fvnieen zur Tragung eines Teiles der Kriegskostml. Mil- -nbaräfin und des Prinzenpaares Friedrich Karl von Hesien. „Fränk. Kurier" weisen die ausgetretenen Direktoren ber net hei ihnen unbeliebt geworden und Nicht^e^r «irin?unb Vriniiessin Heinrich begaben sich mit Automobil Elektrizitäts-Akt.-Gesellsch. vorm. Schlickert u. Co., Bi- iHerrderLage. Da seine Eisetzung gegenwärtig schwierig Lmnz und Prinzessin yemr cy g ,cy . , . «nger, Roeth, Maßler und Stockmann darauf hm, daßF. ergreift Chamberlain das Staatsruder «ckhm. Sie werden dott Heu e den Thee emnehmen d U ^Generalversammlung nicht beschlossen habe, die Einz-eb-\{]n Südafrika, um durch Zugeständnisse die Ge- äh morgen nach dem Jagdgebiet des Frhrn. v. yeyi nach| ber Borstandsmitglieder aufzuheben, fon- müter beschwichtigem Bon einer Besteuerung dep Ensheim begeben, wo die Hofjagden beginnen. bem daß durch die neue Fassung der Statuten die Möglich- Gold-Industrie wird wahrscheinlich nicht länger die- — ■ " leit von EinHellmterschriften gewahrt sei Dar AuMchts- sein. Y _ IkrmifdlkS rat habe vielmehr von sich aus die Aufhebung der Emzel- London, 30. Oki Die November-Nummer ber Na- . Unterschriften angeordnet, trotzdem die Ausgefchiedenen noch tional-Review wird einen längeren Artikel enthalten, wonn ♦ Der ans dem Treberprozeß weichen bekannt> ^er Generalversammlung erklärt hätten, daß fie bie ber ^erfaffer die Beziehungen Englands zn Rnh- geiDOtbene Fabrikant Otto verlaßt demnächst feine ~ ^ie^ung der Einzelunterfchriften als Verttagsbruch unb Frankreich krttifiert und erklärt, daß bie id-jäne Villa am Südwall in Dortmund, um eine ^teUe ,, müßten. Es sei deshalb von ben Ausgefchiedenen Be^iebunaen fo lange gespannt sein werden, als Eng-. Fabrikdirektor in Meerane (Sachsen) zu ü^eimehmen. eingeleitet worden. land sich den Anschein gebe, daß es Dentschlanbi' i Mehrere Reisen privatgeschastlicher Statur, die er m letzter Wien, 29. Okt. Der Cours, zu dem die ®a^dnac&liefe unb dessen Jntriguen in der Türker, Klernasrett zeit unter Benutzung der ll Wageuklasse nach Cnglanb U^er Bank für Ueberlassnng ihrer Mener Comman-\unb am Persischen Golf begünstige. Die Freundschaft fei unternahm, lassen erkennen, daß die Vermogensverhallnisse ber Bankfirma Tutschka & Co., 3 Millionen tonen ;ür Enaland ohne Zweck Es dürfe die Machenschaften d^s Ex-Aussichtsrates nicht so kläglich sind, wre man nach Eeu ber Wechselstuben-Aktiengesellschaft Mercur Über- Deutschlands zu Ungunften Rußlands nicht: feinen Darstellungen im Konkursverfahren gegen ihn hatte beträgt ca. 140 Prozent Die Bank für Handel ^nger unterstützen. Im Falle eines Krieges werde, obgleich uuehmen können , , „ und Industrie garantiert, daß die Aktiven der Firma Gngland 52 Panzerschiffe unb Frankreich mit Rnßlanb 42 * Ein Duell zwischen zwei Knaben hat kürz- & Co. bie Passiven um 4 Millionen K- über- ^bsitzen, dennoch Dcutschlanb mtt feinen 18 Panzerfchiffen !i4 in Liegnitz stattgefunden Drei Schuler dortiger bie Debitoren betragen 20 Millionen K. Die Ver- Schiedsrichter eingreifen können, ober die EntscheidmiE -r_____ «M. OHtor hnn 14. hici 1 h l«lhr?n I I 9 , ’ . I ..X ___l...___ _ I . ^)QJlb haben London, 30. Okt. Die „Morning Post^ veröffentlicht einen langen Artikel, den Präsident Roosevelt vor feiner Wahl zum Vizepräsidenten geschrieben hat. Der Artikel behandelt die Pflichten und die Veranttvottlichkeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten Der Verfaffer sagt, in der ganzen Welt gebe es kein RegierungSober- Haupt, dessen Gewalten mit denen des Präsidenten der Vereinigten Staaten verglichen rverdenkönnten Petersburg, 30. Okt. Nach Meldungen aus Tiflis ist am 17. ds. im Kreise Telaw ein heftiges Erdbeben wahrgenommen worden, wobei zahlreiche Häuser einstürzten Ob und wie viel Menschen dabei umgekommen fiub, Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtige« Hal eL gefallen, unsere liebe Mutter, Großmutter und Schwiegermutter Fra« Bürgermeister Vogel Wwe. «ach längerem Leiden durch einen sanften Tod im Aller von 71 Jahren in ein besseres Jenseits abzurufen. Die trauernden Hinterbliebene«. Staufenberg, WaldüloerSheim und Sichertshausen, den 29. Oktober 1902. 7636 Die Beerdigung findet Freitag den 81. d. Mts, nachmittags 2 Uhr, statt. Bekanntmachung. Aus der Friedrich Bücktnylchen Stiftung sind für das Jahr 1902 an zehn bedürftige und würdige Bewohner Gießens, Familieu- häupter oder einzeln stehende Personen, Unterstützungen von je 100 Mk. au vergeben. Bewerbungen haben bis zum 30. November l. I. bei der unterzeichneten Behörde, Zlnuner 9tr. 4, zu geschehen. Gießen, de» 26. Oktober 1902. 7688 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute und morgen: Kly'ellllkijq äö M KMrisch 50 Pf-. Kabeljail n. LchcWe Todes-Anzeige. Gestern abend 8/tll Uhr verschied meine liebe Frau, unsere gute Schwester und Tante fron Amanda Dachin im 32. Lebensjahre. Namens der ttauernden Hinterbliebenen: Leonhard Dörflern. Gießen, den 29. Oktober 1902. Die Beerdigung findet Samstag den 1. November, nachmittags l/.3 Uhr, vom Slerbehause, Rodheimer- srraße 86, aus statt. 7646 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Ableben unseres lieben Gatten und Vaters, 7640 Herrn Karl Kranz besonders dem Gesangoerem „Harmonie" und für die zahlreichen Blumenjpenden sagen wir wärmsten Dank. Die trauernden Hinterbltcdeueu. », ' 4 SV: Bekanntmachung, die Feldberciutguug tu der Gemarkung Giegeu ltukS der Lahn betreffend. Die nachstehende Bekanntmachung des Großh. BereinigungS- lommissärS zu Friedberg bringen wir hiermit zur Kenntnis der beledigten Grundbesitzer. Güßen, den 27. Oktober 1902. 7689 Großherzogtuye Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Betreffenb: Feldbereinlgnng in der Gemarkung Gießen links der Lahn. Aus Grund deS Art. 19 des FeldbereinigungSaesetzeS vom SS. September 1887 fordere ich hiermit die beteiligten Grundbesitzer auf, die Einträge der Eigentums- und der sonstigen Rechtsverhältnisse in den öffentlichen Büchern, insoweit dieselben den bestehenden VerbSlMiffen nicht mehr entfvrechen, innerhalb einer Frist von 3 Monaten bei dem Großh. Amtsgericht Gießen berichtigen oder ergänzen zu laffen, damit die bestehenden Rechtsverhältnisse beim Bereinigungsverfahren berücksichtigt werden können. Die Aufforderung ergeht: L an diejenigen, welche Grundstücke im Bereinigungsbezirk erworben, aber chren Eintrag im Grund- oder Flurbuch bzw. im Mutationsverzeichnis noch nicht erwirkt haben, um die Errichtimg und Jngroffatwn ihrer ErwerbStitel oder die Berichtigung irriger Einträge zu erwirken; 2. an diejenigen, welche zwar im Grundbuche stehen, aber weil sie schon vor Einführung des Gesetzes vom 2L Februar 1852 eingetragen waren, ohne Beisilgung deS Erwerbstitels, im letzteren nach Maßgabe des Art. 28 des Gesetzes vom 2L Feor. 1852 ein tragen au laffen, indem sonst, abgesehen von dem Hindernisse bei der Feldbereinigung, demnächst nur eine Bescheinigung deS Besitzstandes statt einer Eigenlumsurkmrde ausgestellt werden wird; 8. an diejenigen, welche an ein auf fremden Namen im Grundbuch eingetragenes Grundstück einen BmdikattonS- oder einen unter aeroifien Umständen zu realisierenden An- und Rück- fallsanspruch wegen eines vor Einführung deS Gesetzes vom 21. Februar 1852 vertragsmäßig genrachten EigentumSvor- behaltS oder wegen emer bei der Veräußerung beigefügten auflöfenden Bedingung eines Endtermins oder einer Zweck- beftünmung zu bilden haben, ohne diesen Anspruch durch den Vermerk Jtreüig" oder ,beschränkt" im Grundbuch gesichert zu haben, sowie an diejenigen, welche unter Nach- weiS ba: gesetzlichen Voraussetzungen die Bemerkung „gehemmt" wollen emtrogen lassen; 4. an die Obereigentümer und Fideikommißberechtigten, welche chre HetmsallS- und Successionsrechte nicht durch Einttag der LehenS-, Erb- und Landsiedel-, Leih- oder Fidelkommiß- gualität eines Grundstücks im Grundbuch haben emtrogen lassen, um chre Rechte, soweit dies nach Art. 37 und 38 des Gesetzes vom 2L Februar 1852 noch zulässig ist, im Grundbuch emtrogen zu lassen; 5. an diejenigen, welche Pfandrechte, EigenttimSvordehalte, RevokationS-, Refolutions- oder NichtigkettS-, SeparalwnS- oder andere SicherhettSrechte, die weder im Hypotheken- noch im Grundbilch gewahrt sind, an jur Bereinigung bestimmten Grundstücken geltend machen können, um unter Vorlage der detteffenden Urkunden und genauer Bezeichnung der Forderung und beteiligen Grundstücke, ivelche zur Sicherhett dienen, die Einträge in den öffentlichen Büchern zu erwirken; 6. an diejenigen, welche Realservituten, die nicht durch die bei der Bereinigung vorztinehmende neue Weg- und WäfferungS- teguhenmg erlöschen, sondern noch nach derselben geltend zu machen sind, z. B. Weg- und Wafferleitunggerechtigkeiten au Gunsten von Grundstücken, die nicht in die Beremigung fallen, Lehm-, Thon-, Sandgrube- oder Kellerberechtigungen auf zur Bereinigung gehörigem Gelände anzusprechen haben, ferner an die, welche solche Grundstücke zu lebenslänglicher Nutznießung, zur Benutzung als Brautgabe bis zur geschwisterlichen Teilung, zur Sicherung einer lebenslänglichen Leibulchts- oder Auszugsberechtigung anzusprechen haben; 7. an diejenigen, auf deren Grundstücken in den öffentlichen Büchern solche Rechte etngettagen sind, welche sie für erloschen halten, aber noch nicht haben löschen lassen, um diese Löschung unter Dottage der nötigen Beweise hierzu zu erwirken. Rechte der unter Pos. 1—7 genormten Art. welche noch Ablauf von drei Monaten weder m den öffentlichen Grund- und Hypothekenbüchern, bezw. den zu den Flurbüchern gehörigen Mutationsverzeichniffen, noch in den in Gemäßheit der Anmeldungen aisizustellenden Verzeichnissen gewahrt sind, bleiben bei der stattfindenden Feldbereinigung unberücksichtigt, ebenso werden erloschene, aber in den öffentlichen Büchern noch nicht gelöschte Rechte als fortbestehend behandelt. Friedberg, den 17. Oktober 1902. Der Großh. BereinigungSkommissär: ________________Spanier, RreiSamtmann. Drucksachen aller Art liefert In jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die BrDhrsche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7 frisch eingetroffen. 04866 M. Simon, Asterweg 1. Bit vcvhnuten 4 «tua |uji neue neuster mü Bleioerglasung, oberer Flügel mit Glasjalousie, 1,56x0,75 groß, und eine Treppe mit 6 Tritten zu verkaufen. 7580 H Sack Z., Schreinermeister. hellgrüner Üliilitärinaniel bill. abzug. 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