15S. Jahrgang Erstes Matt. L 2. 3. 4. 5. guten Gründen der Lmken derart imponieren, daß er schließlich ganz farbenblind wurde und nur noch zwei Farben, das schwärzeste Schwarz und das weißeste Weiß sah. Also ge- blendet unternahm er seinen .Ausflug ins Sittliche". Und er hatte Glück damit. Die Zensurbehörden mehrerer deutscher Städte nahmen Anstoß an dieser tendenziösen dramatischen Sittenpredigt und verboten sie. In Frankfurt durste sie nicht im Schauspielhause zur Aufführung gelangen, doch gelang es sonderbarer Weise, wenn ich mich recht erinnere, im Frühling vorigen Jahres einem dort im Orpheum gastierenden Ensemble nach vielen Mühen die Bedenken der Frankfurter Polizei zu zerstreuen. Und ähnlich ging es in Berlin, wo lange Kämpfe von der Direktion des Leffingtheaters gegen die Zensur geführt wurden, die nach vielem Hinundher mit einer kläglichen Niederlage der letzteren endeten. Damit war natürlich dem Stücke der beste Dienst erwiesen und ihm von der Zensurbehörde eine natürlich höchst unbeabsichtigte Reklame gemacht worden. 3. Für den Bezirk Lich - Hungen: Mittwoch den 12. November d. Js., vormittags 10 Uhr, in der .Traube" zu Hungen. Die Herren Referenten werden gebeten, ihre Referate bereit zu halten. — An die Konferenzen schließt sich ein ein» faches Mittageffen an. Wir beauftragen Sie, die Lehrer Ihrer Gemeinden entsprechend zu bedeuten. Dr. B r e i d e r t. General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Gießen, 28. Ottober 1902. Betreffend: Errichtung und Einrichtung von Fortbildungsschulen. Die Grotzh. Kreis-Schulcommission Gießen an die Schuwor,runde des tueiiee. Nr. 255 OrlAetnt tSgtlch auuei Sonntag*. Dem Lietzener Änzetger werden tm Wechsel mit dem SeMlchen Landwirt die Gietzener Kamillen- blätter viermal In bet Woche beigelegt. -totattonSdruck u. Verlag der Brühl 'ichen Unwerl.'Buch- u.Sletn* brudcret (Pietsch Erben- tfebafhon, ErpedMor» und Drucferet: Gchnlftratze 7. Adresse Kh Depeschent Anzeiger Gießen. grrnIprrchanlLlußNr 51 Dreyer und Otto Ernst mit dem .Probekandidaten" und dem .Flachsmann" in dasselbe Fahrwasser gerieten. Tendenzstücke von so schroffer Einseitigkeit sind geradezu volksoerführerisch. Engel stellt alle die Personen, die die von ihm bckäinpfte | Richtung verkörpern, als typische Vertreter einer zu jeder Gießener Stadttycater. Der Ausflug inS Sittliche. Konwdie in 4 Akten von Georg Engel. ES war ein lustiger Einfall von unserer Theaterleitung, fust für den Tag der hessischen Wahlmännerwahlen eine Komödie zu wählen, in der nicht nur vieles geredet wird von Wahlkämpfen und Wahlagitation, sondern die sich in erster Linie den Anschein gibt, den im heffischen Landtage so oft zu Tage getretenen und erörterten Gegensatz von Stadt und Land unter scherzhafter Hülle ernsthaft behandeln. Gar schön wäre es gewesen, wenn uns gerade an diesem Tage ein guter .Engel" emporgetragen hätte in die lichten Höhen der reinen Sittlichkeit, jenseits von Stadt und Land, wenn wir dann, gestärkt und gekräftigt von einem Ausfluge ins wahrhaft Sittliche, einsichtsvoller und mit ver- edelterer, beruhigterer, friedvollerer und geklärterer Lebensbetrachtung in uns selber zurückgekehrt wären. Jedenfalls hätten wir gestern gern manchen unserer eifrigsten partetgängertschen Landboten im Zuschauerraume des Gießener Stadttheaters gesehen, denn es gab da für ihn viel Interessantes zu hören. Die politischen Gegensätze zwischen Stadt und Land machten sich schon im alten Rom fühlbar, Goethe beobachtete sie scharf, und die Gegenwart sicht um ihretwillen ihre schwersten sozialen Kämpfe aus. Schade nur, daß so viele unberufene freiwillige Mitfechter auf dem Kampfplatze erscheinen, die ihr verwirrend Tröpflein Weisheit dazuzuspenden für gut und klug erachten. , ^.Vl HerrGcorgEngel, seines Zeichens deutscher Dichter aus dem schönen Lande Pommern, der übrigens laut Kürschners Litteraturkalender gestern gerade seinen 36. Geburtstag beging, hat offenbar die Leitartikel, die im Winter 1900/1901 in allen deutschen Landen aus Anlaß der unseligen lex Heinze-Beratungen und der Gründung des Goethebundes geschrieben wurden, mit ®tfer gelesen. Da sah er in den agrarischen Blättern die unaufhörliche Variation des Themas von der .sittlichen Verwilderung und Entartung in den Städten. Aber er sah auch, daß man in der Preffe der extremen Linken derartige Ausführungen sehr übel nahm und mit ebensolcher .schlagenden" Beweiskraft das strikte Gegenteil bewies. Der objektive parteilose Beobachter sammelte alle diese Erörterungen unter seine kritische Lupe und fand, daß man auf beiden Seiten, wie immer, arg übertrieb. Herr Engel aber ließ sich damals von den Donnerstag 30. Ottober 1002 vezng»pret», MH monamch7bPft viertel* ▼ . jährlich Mk. 3.20; durch A Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.: durch werden tönnen. Denjenigen Schülern, die in Gießen arbeiten und die die Schule chrer Heimatgemeinde besuchen, ist eine vom Vorsitzenden oder Lehrer unterschriebene Bescheinigung einzuhändigen, wo sie unterrichtet werden, damit zie sich den Polizeibeamten gegenüber ausweisen können. diePost Alk. 2.— viertel- jährt. auSjchl. Beltellg. Annahme von Anzeige» für die lageSnummet bi* vormittags 10 Uhr, MeilenprciS: lokal 13 Pf, auswärts 20 Pjg. Verantwortlich» für den pollL u. aQgetn, Teil; P. Witiko: füi .Stadt und Land" und GenchlLjaal' Eurt Plato, füi den Anzeigenteile Hans Beck Damit wir in der Lage sind, den Unterricht in der Fortbildungsschule möglichst fruchtbringend zu machen, sehen wir uns veranlaßt, eine Anzahl Vorschriften zu geben, die sich aus praktischem Skburpiis ergeben haben: Tie Ueberweijungen von Schülern während der Schulperiode nach GiegLN sollen nicht an den Schulvorstand, sondern an Herrn Rektor Hahn adressiert werden. Ebenso wird dieser umgekehrt im Namen des Schulvorstandes an Sie überweisen. Genehmigungen von einer späteren Unterrichtszeit (nach 7 Uhr abends haben nur für das betreffende Schuljahr Giltigleit und währenddessen auch nur so lange, als die überwiegende Mehrheit der Schüler auswärts arbeitet. Wenn bei Eintritt schlechter Witterung mehrere Schüler nach Hause zurückkehren, sind sofort die früheren Abendstunden für den Unterricht zu benützen und uns entsprechend Bericht zu erstatten. Diejenigen Schüler, die den Unterricht bald in dieser, bald in jener Gemeinde besuchen, sind darauf aufmerksam zu machen, daß sie bei jedem Wechsel ihre Hefte mitzunehmen und an dem neuen Schulorte vorzuzeigen haben. Tie in Gießen beschäftigten Schüler der Nachbargemeinden sind darauf hinzuweisen, daß ihnen der Unterricht in der Stadt für ihren Beruf mehr bietet wie der auf dem Lande. Sie sollen womöglich in Gießen die Schule besuchen.^ Dabei sind sie darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich bis zum 15. Oktober des betreffenden Jahres spätestens anzumelden haben, da sie sonst nicht mehr ausgenommen kommt und in der ihm eigenen perfiden Weise die „janze Jeschichte an die jroße Jlocke" hängt. So ein verfluchter Hallunte! Kommt der Kerl da mitten hinein in die Gründersitzung; und nicht mal allein, er bringt sich auch noch ein Mädel mit, die Dvrthe — als Schutzpatronin des „Vereins zur Hebung der Stttlichkeit auf dem Lande"! Die Lage des Herrn Landtags-Kandidaten wird nun etwas bedenklich; aber sie wird — hinter der Szene — gerettet durch die überzeugende Beredtsamkeit seines Freundes, des Oberförsters, den allem Anschein nach das famofe Hausfräulein, wenn der Herr Hauptmann als Abgeordneter in der Stadt weilt, für seine Treue redlich belohnen wird. Wodrow ist wieder oben auf, und in erhabener Reinheit könnte er nun wo es chm beliebt, schlafen gehen, wenn nicht — oh Schändlichkeit der Welt — dieser Teufelskerl, der Götz, mit der Gutsnachbarin, dem schönen Fräulein v. Satten, auf und davon ginge, in einem Schlitten, unter einer Decke, fest an einander geschmiegt. —- Das ist zwar nicht gerade „unsittlich", aber es „verletzt doch sein Schamgefühl". Kehren wir zurück von unserem Ausflug, stellen tou uns auf den Boden der trockenen Kritik. Nun, ein Kunstwerk tm Sinne der Aesthetik ist diese Komödie nicht. Will sie aber auch vielleicht gar nicht fein. Sie ist eine krafttge Satire, die sich nur leider von der Grenze der Karikatur nicht fernzuhalten weiß. Des Satirikers vornehmster Beruf ist es gewiß, die Laster seiner Zett zu erfassen und festzuhalten. Ist Georg Engel das gelungen? 9hut, es ist nicht eben alles neu, und noch weniger alles richtig, was man ba hört. Aber eS ist doch anerkennenswert, daß er eine Frage, die so lange in der Luft schwebte, die alle sittlich denttnden Menschen seit Jahren beschäftigte, mit kühner Hand ergriff und auf die Bühne stellte. Das hat er mit großem Geschick befor gi und uns eilte unterhal'.ende Komödie geschenkt. Aber Hermann Bahr, der bekannte Wiener Poet und Kritiker, hat doch nicht unrecht, wenn er in seinen .Premisren" (München 1902, Alb. Langen) zu bedenken giebt, wie gefährlich e§ für die Kunst ist, „wenn sich das Publikum angewöhnt, Theaterstücke als Leitartikel zu betrachten". Das ist die Att von sinanziell betriebsamen Litteraten vom Schlage Philippis, und es ist bedauerlich, daß talentvollere Männer wie Max Dolilische Tagesschau. Zur Rückkehr des Erbgrotzherzogs nach Karlsruhe wird aus Freiburg gerieben: „Es gehl ein merkwürdiges Gemurmel und Gewisper durch das badische Land, als habe es zwischen Berlin und Karlsruhe etwas gegeben mid sei der Erbgroß,- Herzog deshalb von Koblenz weggegangen. Diese allgemeine Ansicht dürste nicht ganz grundlos sein. Ter Erbgroßherzog hat ein warmes und lebhaftes Gefühl für seine badische Heimat; man kann auch unbedenklich sagen, oaß das badische Volk eine ganz besondere Herzensneigung zu seinem sympathischen Kronprinzen hege. Da scheint cs i n keiner Weise verwunderlich, wenn die Ernennung nach Koblenz bei dem hohen Herrn sowohl wie in der badischen Bevölkerung sehr geteilte Gefühle erregte. Zu diesem Heimweh, das auch die Erbgroßherzogin empfand, trat noch hinzu, daß das Koblenzer Klima dem Erbgroßherzog offenbar nicht zusagte. Ein nicht unbedenklicher Rückfall in ein früheres schmerzhaftes Leiden bringt den unwiderleglichen Beweis dafür, daß die feuchte Lage an zwei Strömen gefahrbringend war. Aus diesen Empfindungen und Umständen heraus entwickelte sich der dringende Wunsch, vom Rheinland wegzukommen und zur Heimat zurückzukehren. Was lag da näher, als das Streben, in Baden die gleiche Stelle zu bekleiden, wie am Rhein? Man trat in Unterhandlungen ein, welche die Ernennung des Erbgroßherzogs zum Eommanbierenben General des 14. Armeekorps bezweckten. Allein der Erfolg blieb aus. In Berlin sowohl wie in Karlsruhe befanden sich Gegner dieser Idee, welche denn auch den Sieg davontrugen. Es scheiterten auch Versuche, in anderer Form die Rückkehr des Erbgroßherzogs in die Heimat zu ermöglichen. Daher kommt es, daß die militärische Laufbahn vorerst verlassen wurde, was um so bedauerlicher erscheint, als der Erbgroßherzog nicht nur mit Passion Soldat ist, sondern auch für das Waffenhandwer? insbesondere für die Führung eine ausgesprochene Begabung besitzt. Inwieweit nun eine momentane Abkühlung in den Beziehungen zwischen Berlin und Baden etwa vorhanden ist, oder vorhanden war, entzieht sich der Besprechung in öffentlichen Blättern, wie auch daraus verzichtet werden muß, diejenigen Jntriguen zu schildern, welche in diese an -ssich ziemlich einfachen Vorgänge hineingeflochten worden sind." Gebürligkeit der Reichsbevölkeruug. Rach b»m Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 sind von der Neichsbevölkerung, die 56 376178 beträgt, 98,5 v. H. (— 55 529 229) im Deutschen Reich geboren 6. Schüler, welche mehrfach hintereinander den Unterricht unentschuldigt versäumen oder ftetig zu spät erscheinen, sind uns alsbald anzumelden. Dr. B r e i b e r t. Freilich, ein Familienstück ist „Der Ausflug ins Sittlich^' nicht — oder vielmehr doch, wie man's nimmt; denn zum guten Tett spielt bas Stück in einer sog. „guten" Familie. Zu Hauptmann Wodrow, auf dessen pommersches Rittergut führt uns der Autor — ein hochrenommiertes Haus, in dem nur „beste" Gesellschaft verkehrt. Darum wünscht man auch in ihm den Neffen Götz so fern als möglich, denn er ist ein Entgleister, ein „Sozialdemokrat", ein „Anarchist", ein „Zeitungsschreiber". In Wahrheit ist er allerdings nichts als ein anständrger Mensch — „ein Mensch" könnte man einfach sagen, wenn man üb er ein tarne, alle anderen mit „Leute" zu bezeichnen. „Leute", das geht, ,Leute" hat nichts dirett Ehrendes und ist auch keineswegs entwürdigend. Trotzdem wird man nicht umhin können, den Hauptmann Wodrow mit dem landläufigen Epitheton „Schweinehund" zu belegen. Der Mann, dem eine so gute, treue Seele als Gattin zur Sette steht, wenn sie auch ein bischen alt ist, der sollte doch wohl nicht Hofmagde in fatale Situationen versetzen (noch dazu so scheußllche, wie diese Törthe) und auch nicht Haussraulerns die höchst persönliche Bewachung ihrer Zimmerthür versprechen, -^as Schlimmste aber ist, daß dieser Biedermann den Mut besitzt, sich zum Vorsitzenden eines von ihm selbst ins Leben gerufenen Vereins zur Hebung der Sittlichkeit aus dem Lande wühlen zu lassen, was srettich ihm nur Mittel zum ££ I werden! Setzr fatal, daß dieser Neffe hinter [eine Schliche I dar, wahrend umgekehrt der Held, der die Ansichten deS Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen. Montag, den 17. November l. Js. findet die Ueberweisung der neuen Grundstücke und die Versteigerung der Maffegrundslücke vom 1L Felde der Gemarkung Daudrmgen an Ott und Stelle statt. Zusammenkunft vormittags 10 Uhr am Bureau der Großh. Bürgermeisterei zu daubringen, woselbst auch die Versteigerungsbedingungen bekannt gegeben werden. Die Ueberweisung erfolgt vorbehältllch der im lieber* Weisungstermin bekannt zu gebenden weiteren Bedingungen unter folgenden: 1. Meliorationsarbeiten können auf den überwiesenen Grundstücken auch fernerhin oorgenommen werden. 2. EigentumSoeränderungen, die infolge der Ausführung von Meliorationsarbeiten, der Anlage von Wegen und Gräben und dergleichen innerhalb der Zeit der Ausführung dieser Arbeiten notwendig werden, müssen die neuen Eigentümer dulden. Ein hierdurch bedingter Ab- und Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentümer nach dem Bonttäts- wett vergütet bezw. zugeschrieben. Friedberg, den 28. Oktober 1902. Der Großherzogliche Beremigungskommiffär: Spam er, Kreisamtmann. Gießen, den 28. Ottober 1902. Betr.: Faseleber. Das Größtmögliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises Wir beauftragen Sie mit ihunlichstcr Beschleunigung hierher mitzuteilen, wieviel gekörte Eber und von welchem Schlage in ihrer Gemeinde, sei es von der Gemeinde oder von Privaten, am L Oktober L I. gehalten wurden. Dr. Breidert. Gießen, 29. Oktober 1902. Betr.: Lehrerkonferenzen. Die Grotzh. Kreisschulkommission Metzen an die Schulvorstände und Bürgermeistereien des Kreises. Im Herbste dieses Jahres sollen folgende Konferenzen staüsinden: 1. Für den Bezirk Grünberg: Samstag den 8. Novbr. d. Js., vormittags 10 Uhr, im Hotel ,zum Hirsch" zu Grünberg. 2. Für den Bezirk Gießen: Dienstag den 11. November d. Js, vormittags lOVi Uhr, im Lass Ebel zu Gießen. Die übrige Bevölkerung (1^5 ruH. ----- 837 949) strnnmt zum größten Teil (829 699) ouS nicht deutschen Staaten; 257 Personen find in deutschen Schutzgebieten und 131 auf See geboren; für 7982 Personen fehlt eine entsprechende Angabe. Von besonderem Interesse ist die Frage, wieviel reichsgebürtige Personen in den einzelnen Landesteilen einheimisch (d. h. dort geboren und anwesend), wie viel dort zugezogen (d. h. in anderen Reichsgebietsteilen geboren) und wieviel Einheimische von dort verzogen (d. h. in anderen Landesteilen als zugezogen ermittelt) find. Für Ostpreußen wurden in dieser Beziehung 1909 201 Einheimische, 71920 Zugezogene und 523 836 Weggezogene festgestellt. Demnach hat Ostpreußen 451916 Menschen durch Binnenwanderung an andere Gebietsteile des Reichs abgegeben. Neben Ostpreußen haben im Bevölterungsaustausch der Reichsgebürtigen noch folgende Gebiete verloren (Zahlen in Tausend): Westpreußen (186), Pommern (219), Posen (322), Oppeln (148), Breslau und Liegnitz (293), Provinz Sachsen (266), Ober-, Mittel- und Unterfranken (93), Württemberg (120), Mecklenburg-Schwerin (84). Gewonnen haben durch die Binnenwanderung (in Tausend): Berlin (800), Brandenburg (177), Westfalen (260), Rheinland (292), Königreich Sachsen (254), Bremen (62), Lothringen (86). Besonders beträchtlich ist der Zuwachs, den die 33 Großstädte im Bevölkerungsoerkehr mit den Landesteilen und unter einander erfahren haben. Er beträgt in Tausend bei: Berlin 800, Hamburg 257, München 248, Leipzig 172, BreSlau 162, Dresden 144, Eharlottenburg 133, Frankfurt a. M. 130, Eöln 120, Nürnberg 118, Hannover 96, Stettin 90, Düsseldorf 83, Stuttgart 77, Magdeburg 71, Chemnitz 71, Straßburg 67, Mannheim 65, Königsberg 66, Halle a. S. 56 und Dortmund 53. Aus Stadt und Land. Gießen, den 30. Oktober 1902. -h- Burkhards, 28. Ott. Heute weilte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft sowie ein Maurermeister aus Gießen als Sachverständiger hier, um die Unfallstelle zu besichtigen. Da das Gerüst vorschriftsmäßig errichtet war, so trifft den Maurermeister W. aus Ober-Lais keine Schuld. tz Altenhain, 29. Okt. Unser altes baufälliges SchulhauS soll durch em neneS ersetzt werden. Da unsere Gemeinde nur wenig Wald besitzt, muß das Baukapital, zu dem ein ansehnlicher Staatszuschuß kommt, durch erhöhte Gemeindeumlagen aufgebracht werden. -o- Zell-Romrod, 29. Okt. Unser Bahnhofsgebäude erhalt eben einen Anbau, in dem ein Fürsten- salon errichtet wird. Der Rohbau ist bald zu Ende geführt. Vielleicht wird der Fürstensalon die Veranlassung, daß unser Großherzog nun öfter als bisher sein Jagdschloß Romrod aufsucht, in dessen Garten kommendes Frühjahr große Veränderungen vorgenommen werden. Der Platz ist schon bestimmt und auch von dem Großherzog genehmigt, wo das Denkmal für Ludwig IV. errichtet wird. Die Ausführung ist dem Geh. Oberbaurat Hofmann-Darmstadt übertragen, der auch den Entwurf eines neuen Postgebäudes in mittelalterlichem Burgstil angefertigt hat, das neben das Schloß zu stehen kommt. )( Aus dem Hüttenberg, 28. Okt. Auch für die Gemeinden Hochelheim und Hörnsheim soll anfangs November behufs besserer Ausbildung der Wiesenwärter und Landwirte ein viertägiger Kursus im Wiesenbau adgehalten werden. Die Unterweisung geschieht durch den Kreisbaumeister Kämpfer und erstrectt sich auf die Unterhaltung der Be- und Entwässerungsanlagen und der zweckmäßigen und rechtzeitigen Ausübung der Be- und Entwässerung der Wiesen. Ter Unterricht wird unentgeltlich erteilt, und die Teilnehmer erhalten für Zeitversäumnis sogar eine Entschädigung von zwei Mark täglich. Anmeldungen sind an die Gemeindevorsteher dieser Gemeinden zu richten. Frankfurt, 29. Okt. Prinz Friedrich Karl von Hessen und Famllie siedeln am Donnerstag von Schloß Friedrichshof zum Winteraufenthalt nach Frankfurt über. — Die Landgräfin von Hessen wird in den nächsten Tagen von Schloß Adolfseck hier eintreffen. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Hanau feierte der Präsident beS Landgerichts, Koppen, fein 50jährrges Amtsjubiläum. Er wurde 1852 für den kurhessischen Justizdienst verpflichtet, 1879 LandgenchtSdwektor zu Wiesbaden, 1885 Präsident des Landgerichts Limburg a. b. Lahn und 1888 Land- gerichtspräsibent in Hanau. Der Jubilar ist 72 Jahre alt unb erfreut sich noch ber vollen Schaffenskraft. Vermischtes. * Berlin, 29. Okt. Tie Höhe ber von den Brüdern BesaS der Firma Ph. Israel veruntreuten Summe dürfte ca. 100 000 Mark erreichen, wogegen ein Guthaben des Julius Besas von 60 000 Mk. noch im Geschäft steht. • London, 29. Okt. Der Gouverneur von Saint Vincent telegraphirt über die Lage auf der Insel: Alle Kulturen erlitten weitgehende Schädigungen. Die Ernteaussichten sind viel schlechter als zu Anfang des Monats. Das Gebiet, das sich verhältnismäßiger Sicherheit vor der Schädigung durch die vulkanischen Vorgänge erfreut, erfuhr eine beträchtliche Einengung. Der Erlist der Lage nahm sehr zu. • Budapest, 29. Okt. In Jlok explodirte in dem Geschäft des Kaufmanns Grubic ein Petroleumständer; zwei Commis verbrannten und zahlreiche im Laden anwesenden Kunden erlitten bedenkliche Brandwunden. ♦ Der Kaiser — 30 Jahre Waidmann! Ter Kaiser hat mit dem Ende vergangenen Monats insgesamt 30 Jahre der Jagd gehuldigt. Während dieser Zeit erlegte der Monarch nicht weniger als 47 443 Stück Wild resp. jagdbares Getier. An erster Stelle stehen natürlich die Fasanen, von denen der Kaiser 18891 Stück erlegte. Diesen Rekord halten so ziemlich die Hasen mit 17 881 Stück. Es folgen sodann 2507 grobe Sauen, 1627 Kaninchen, 1596 Damhirsche, 1302 Rothirsche, 826 Reihe und Kormorane, 798 Rehböcke, 703 Rebhühner, 316 geringe Sauen, 121 Gemsen, 96 Damtiere, 95 Grouse, 84 Auerhähne, 66 Rottiere, 56 Enten, 26 Füchse, 24 Birkhühner, 7 Elche 4 Wiesentiere, je 3 Renntiere, Bären, Dachse und Schnepfen, je 1 Baummarder, Wal, Hecht und 473 Stück verschiedene Tiere. Tas diesjährige Jagdergebnis ist ein ganz vorzügliches und endete am 30. September mit dem Abschuß eines ungeraden Zwanzigenders in der Romintener Heide. * Unterschlagungen bei der Arader Gewerbe- und Volksbank. In Arad entnahm der Generaldirektor der dortigen Gewerbe- und Vvlksbank, Adolf Böhm einer der angesehensten Bürger der Stadt, aus der Kasse des Instituts 300 000 Kronen und verspielte das Geld an der Börse. Die Defraudation wurde von seinem Buchhalter entdeckt, welcher sofort Meldung erstattete. In Arad herrscht große Bestürzung. Tie Einleger stürmen die Schalter der Bank, doch wird jeder sofort befriedigt. Tie Direktion ist mit Budapester Geldleuten in Verbindung getreten. Tas Grundkapital der Arader Bank beträgt eine Million Kronen, ein Reservefonds von 700000 Kronen ist vorhanden, und von dem veruntreuten Gelde hat die Direktion, welche Böhm blind vertraute, bisher schon 200 000 Kronen gedeckt, sodaß eine unmittelbare Gefahr für das Institut nicht besteht. Tie Untersuchung hat ergeben, daß mehrere Beamte der Bank Kenntnis von der Defraudation hatten. Doch ist nicht festgestellt, ob sie irgendwie hilfreiche Hand dazu geboten haben. Gerichtliche Anzeige seitens der Bank ist bisher nicht erfolgt 0 Gieß en, 28. Okt (Schöffengericht.) Tie Falle, in denen Anzeigen wegen Tierquälerei ergehen, scheinen sich zu mehren; es ist dies offenbar der gesteigerten Aufmerksamkeit zu verdanken, welche die Schutzmannschaft und das Publikum der Behandlung unserer Haustiere entgegenbringen. Heute stand der Tienstmann Jacob F. aus Gießen wegen roher Behandlung seines Pferdes vor Gericht Er hatte das Pferd, welches allerdings etwas störrig war, durch übermäßige Peitschenhiebs die Licherstraße hin auf getrieben. Hierfür erhiell er zehn Mark Geldstrafe, ev. zwei Tage Haft — Konrad L von Krofdorf soll einem seiner Mitbürger eine Pferdedecke bestohlen haben. Er behauptet, er habe seinen Vater, der in die Klinik geschafft werden mußte, damit zudecken und dann die Decke jurücfbringen wollen. Ta ihm die Absicht diese zu behalten, auch nicht nachgewiesen werden konnte, wurde er von Strafe und Kosten freigesprochen. — Ter Wirt Wilhelm F. aus Gießen war angeklagt des Widerstandes gegen einen Beamten in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes. Er hatte einem Schutzmanne, ber Feierabend bot, einen Stoß gegen die Brust versetzt unb z, einem Schlage ins Gesicht ausgeholt. Tas Urteil lautete auf 50 Mark Geldstrafe. — Der Fabrikarbeiter Ludwig Pf. aus Odenhausen äußerte einem Portier im Bahnhofsgebäude gegenüber, indem er zwei Italiener, die dort verbotener Weise übernachten wollten, in Schutz nahm, die Beamten würden vom Voll ernährt und müßten sich dementsprechend verhalten. In der Begeisterung für die gute Sache schleuderte er dem Portier noch etliche Schimpfwörter an den Kopf. Heute verteidigt er sich mit großem Pathos und drolliger Gelehrsamkeit Das Gericht verurteilte ihn „trotzdem" wegen Beleidigung zu 60 M a r k Ge ld st r a s e. Außerdem wurde der vorgesetzten Behörde die Publika- tionsbefugnis zugesprochen. — „Wie gewonnen, so zerronnen" ist eilt Betrag von 105 Mark, der einem gewissen Hermann D. als Lotrerietreffer zufiel. Abends that S. sich mit dem gesamten Geld in der Tasche beim Schoppen gütlich. Und wenn man Geld hat, und guter Laune ist, fehlen auch die guten Freunde nicht AIS solch guter Freund zeigte sich an jenem Abend auch ber Taglöhner Karl Sch. aus Gießen, den ber glückliche Gewinner übrigens vorher gar nicht gekannt hat. Nachdem beide lange miteinander gezecht hatten, schlief S. selig ein. Als er aufwachte, war fein neuer Freund verschwunden und mit ihm sein schwerer Geldbeutel. Der Indizienbeweis war so belastend für den Angeklagten Sch., daß das Gericht zur Ueberzeugung von dessen Schuld kam, und ihn wegen Diebstahls zu einem Monat Gefängnis verurteilte. — Der Karusselbesitzer Sch. und dessen zwei Söhne hatten sich wegen Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeuge und wegen Bedrohung zu verantworten, begangen an dem Schausteller W. und dessen Familie. Das Gericht verurteilte unter Annahme mildernder Umstände den Vater zu einer Geldstrafe von insgesamt 200 Mark, die Söhne zu 25 bezwc 5 Mark. Göttingen, 25. Okt Eine Skandalaffaire, in welche die Söhne mehrerer angesehener Familien verwickelt waren, fand heute ihren Abschluß vor der hiesigen Strafkammer. Wegen Vergehens aus 9 175 St.-G.-B. hätten sich nämlich der 45 jährige Privatniann, frühere Studiosus, Emst Trobitius und der Kandidat der Medizin Arnold Benfey, Sohn eines hiesigen Bankiers, zu verantworten. Sowohl der erstere, der bislang verhaftet war, als auch Benfey, der gegen Kaution auf freiem Fuß belassen wurde, sind in der hiesigen Irrenanstalt auf ihren Geisteszustand untersucht worden. Tas Urteil lautete gegen Trobitius auf ein Jahr sechs Monaten Ge- sängnis, gegen Benfey auf Freisprechung. Old enbur g, 29. Okt. Der wegen Tötung des Oberamtsrichters Becker zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilte Bankier von Baden-Bruns wurde heute vom Schwur« aericht noch wegen Depot-Unterschlagung zu zwei Jahren Gefängnis, und unter Umwandlung der Strafe in Zuchthaus, zu insgesamt dreizehn Jahren Zuchthaus verurteilt Sein Vater, der Prokurist bet Bank war, wurde wegen Bechllfe zu einem Jahr Gefängnis berurteüt unter Annahme mildernder Umstände. Leipzig, 27. Okt Faule Eier hat der Viktualienhändler Meyer in Wiesethbruch seinen Kunden verkauft Tas LG. Nürnberg hat Meyer zu 10 M 0 n a t e n & e f ä n g* nis und 5 Jahren Ehrverlust verurteill, außerdem noch die Publikation gemäß der Vorschrift des Nahrungsmittelgesetzes angeordnet Gegen das Urteil hatte ber Staatsanwalt Revision eingelegt. Er war der Ansicht, daß der Angeklagte bei dem Vorliegen von Idealkonkurren^ nach § 264,2 St.-G.-B. (Rückfallsbetrug) bestraft werden mußte, weil Dies das schwerere Reat fei Daraus folge aber, daß eine Publikation des Urteils nicht möglich fei Tas Reichsgericht schloß sich dieser Auffassung an, yob das Urteil, soweit es auf Publikation laittet, auf unb Verfassers zu vertreten hat, als ber Ausbunb aller Tugenb unb als ber Edelste unb Beste unter ben ©taubgeborenen erscheint Das ist brutal unb schäbigt bie Tendenz selber, bie ber Autor vertritt, gerabe bei benen, bie er bei maßvollerer Darstellung vielleicht hätte überzeugen können, nämlich bei ben mit ben thatsächlichen Verhältnissen Unvertrauten, deren künstlerischer Geschmack unb Feingefühl jeboch abgestoßen wirb von so plumpem Farbenauftrag. Die breite Masse aber mißversteht natürlich bie wenn auch noch so einseitige, bennoch im Grunbe sittliche Absicht beS Verfassers gänzlich unb höhnt nicht nur jubelnb über baS ganze Agrariertum mitsamt seinem ganzen großen Anhänge, sondern sieht auch die offenbare Unsittlichkeit durch Vertreter beS Staates und ber Kirche geschützt. Das ist das Gefährliche deö Stückes, und das ist, was Engels Komödie, die gewiß einen guten und gesunden Grundgedanken hat, im ethischen Werte sehr herabsetzt DaS Mittelchen, das der gute Götz empfiehlt zur Ausgleichung der Gegensätze, ist das,Mitleid*. Björnson schließt sein ,m übrigen so gewaltiges Drama ,Ueber unsere Kraft" mit den Worten: „Einer muß den Anfang machen mit dem Vergeben." Sehr wohl, Mitleid und Vergebung sind zwei sehr schöne Tugenden, nur leider läßt sich von ihnen sehr viel leichter reden, als daß sie sich üben lassen, und wer sie in den modernen wirtschaftlichen Kämpfen auf sein Panier schreibt, wird mit ihnen ebensowenig zu einem Siege gelangen, wie etwa Jemand, der einen gründlich ramponierten Magen durch Mitleids- oder liebevollen Zuspruch ober burch kirchliche Abbüßung ber Sünben kurieren wollte. Man hat gestern bei uns in Gießen ben ersten Akt mit Schweigen hmgenommen; ber zweite und brüte Akt mit ihrer tendenziösen Komik entfeffelten lärmenden, augenschein- llch bemonfttaliv gemeinten Beifall, ber schwache letzte Akt verklang ziemlich geräuschlos. Die Aufführung war im Ganzen vortrefflich, sie verlief sehr glatt und sehr hübsch, wenngleich auch das Ensemble ber primitiven Zeichnung ber Figuren roemg Eigenes und psychologisch Begründendes beifügte. Bester wäre eS wohl gewesen, statt Stackes stärker zu machen, eS hier und da nut Takt abzuschwächen. Schon ber Stimmaufwand, den ben ganzen w über dieser und jener sich kosten ließ, überschritt das nötige Maß, trotz ber pommerschen Oertlichkeit Mü seiner ganzen Robustheü stellte Herr Ramse yer, ber sehr erfolgreiche Spielleiter beS AbenbS, den Hauptmann dar, sehr laut, sehr derb, sehr herrisch und mü komischer Nllpferdgalanterie. Hätte er ihm etwas naiv Selbstgefällig gegeben, dann wäre bie ganze Figur sympathischer geworben. Den Götz gab Herr Ger lach vortrefflich. Wo er Schärfe mü verbinblichen Manieren zu verbinden hat unb von einer Art anmutiger Frechheit fein soll, ba war er am besten. Frische, sympathische Männlichkeit, Laune unb Sicherheit, heitere Überlegenheit unb zur rechten Zeit auch ein ernster, warmer HerzenSton — alles bas zeigte Herr G. im rechten Verhältnis. Frau Schmibt gab mit Ruhe unb Würde bie bestgebachte Figur bes Stückes, bie aus BjörnsonS .Fallissement* bekannte still bulbenbe, alles mü heroischem Gleichmut überschauenbe Frau bes Hauptmanns. Em Tröpflem warmer Wehmut mehr wäre gar köstlich gewesen. In ber Episobe beS lüsternen Hausfräu- leinS zeigte Fräul. Egarb Maß unb LiebenSwürbigkeü, und Frl. Feige war, trotz stimmlicher Indisposition als tapfere Jungfrau flott und frisch, em getreues Abbild ber Adelheib Runeck m FreytagS »Journalisten*, wie ber Götz eine blasse Moment-Photographie von FreytagS klassischen Bolz ist. in ben kleineren Rollen würbe verhältnismäßig recht Tüch. tiges geleistet, insonberheü von ben Herren Steinert, Becker, Battige und Wallmüller. Alle dienten der Sache mit Eifer unb bie Jnszemrung zeigte vom Anfang biS zu Enbe Leben. — Seiner ganzen Mache nach ist bas Stück bazu angethan, viel Anziehung zu üben. P. W. DaS Kaiserpaar beim Sarah Bernhardt- Gastspiel. Ter Kaiser, die Kaiserin und der Kronprinz von Dänemark wohnten, wie bereits kurz gemeldet, am TienStag in der Seüenloge des ersten Ranges ber Vorstellung von Sardous ,La Tosca" durch Md. Sarah Bernhardt und chre Truppe im Königl. Schauspielhause zu Berlin bei. Der Kaiser hatte den blauen Attila seines Leib-Garde-Husaren-Regiments angelegt Tie Kaiserin trug eine rosa Tollette; Eorsaae, tief ausgeschnitten und mü haldlangen Aermeln versehen, uni Rock ivarer uut Gold- flüterfüll arrangiert, die Schleppe war aus Miroir-SanmN gefertigt Tas Haupt der hohen Frau schmückte ein prächtiges Diadem als Smaragden und Brillanten, aus denen auch das Collier bestand. Außerdem zierte den Hals eine kostbare Perlenkette. Auf der linken Brust war der Stern des Schwarzen Adlerordens mit Brillanten, an der linken Schulter der Luisenorden, die Centenar- und die China-Ale- baüle befestigt. An beiden Armen trug die Kaiserin mehrere Armbänder. Mü außerordentlichem Interesse folgte der Kaiser der Aufführung und applaudierte zum Schluß des letzten Aktes auf das lebhafteste. Sechs- bis siebenmal konnte beim letzten Aktschluß der Vorhang aufgezogen werden. In der großen Zwischenpause nahmen die Herrschaften den Thee. Unmittelbar nach beendigter Vorstellung verließ das Kaiserpaar mtt seinem Gaste das Schauspielhaus. Im ,Luisen-THeater" zu Berlin wurden, ttrii der „B. B. C." schreibt, am Dienstag abend mtt der Ausführung der W. Mannstädt'schen Gesangsposse „Der Stabstrompeter" (bte dieser Tage auch zweimal im Gießener Stadttheater gegeben wurde), Erinnerungen an verschwundenen Glanz und an das Berlin vor zwanzig Jahren wach. „Der Stabs trompet eck' gehörte in jener Zeit zu einer ber erfolggekrönten Darbietungen deS „Adolf Ernst-Thaters", in daS er allabendlich das Publikum in Scharen lockte. Es scheint, als ob der alte Herr, der sich doch immer noch ein gut Teil Jugendfrische bewahrt hat die alte Anziehungskraft beroeijen wollte. Tie Aufnahme wenigstens, die man ihm bereitete, war warm unb viel> verheißend. Frankfurter Stav 11heater. Tie Teilnehmer an der Eröffnungsvorstellung im neuen Schauspielhause am 1. November werden gebeten, in Gcsell- jchaftstoilette zu erscheinen. Tie Ausgabe der Billets für diese Vorstellung erfolgt SamStag vormittags von yz10 bis 1 Uhr an der Kasse bes neuen Schauspielhauses. Tie Billetbestellungen zu der Eröffnung zählen nach Däusern- den, die Theaterverwaltung vermag somit, nachdem die unbedingt notwendigen Einladungen von der Behörde ergangen sind, nur einen kleinen Teil ber Bestellungen zu berücksichtigen. Für die Wiederholungen am Sonntag unb Montag gelten bie großen Preise. Wetter Oktober 3? -29. Oktober 11,0 °6. Höchste Temperatur am 28.- Nieorigste , , 28. 3,8° C. 29. iec Laune ist, Mk. 3.50 Mk. 7- Mk. 14.- Mk. 28- 7591 empfiehlt die 1.) Pflasterarbeit 39,00 38,00 dl Sandliefern Damen-Hausfchuhe Mk. 4 bis 6» > Katbleder, Mk. 4.— bis 8.— SW*! 2i| Pflastersteinliefern 140,00 31j Anfuhr und Setzen 19,00 84 89 96 2 2 1 7085 Weil den NNE. NNE. N, Sonnenschein sternh. Himmel Nebel er. 1 5 ? Z i Mner-übrigens Gelange mit. L As er au . n und mit ihm & Var so be. is Gericht w . chn wegen )s verurteilte. Kinder-Schnürschuhe, Rmd- und Für gutes Material wird garantiert. Neuyerren inl0u.50Pf.°Artrkel- Preislisle 154 nur für zUttüerorrlia- Friedr. ßanzenmüller in Nürnber. Herren-Hakenstiesel, Kalbleder Dlk. 8.50 bis 15.— Herren-Zugstiesel, Kalbleder Mk. 8.50 bis 15.— Arbeiterschuhe Mk. 7.50 brs 10. Herren-Hausschuhe DU. 6.— bis 8.— Waschemir Luhns Reparaturen gut und billig. 6669 Johannes Hecker- Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Arbeitsvergebung Dienstag, den 4. Rotz ember, morgens lOVi Uhr, Men auf Gr. Bürgermeisterei Muschenheim nachstehende Ar- b.iiten öffentlich vergeben werden: L7633 veranschl. zu Mk. 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Strickwolle (Marke M. & K.) m allen Farben und Qualüäten zu bMtgsteu Preisen, pachte diese Nebenstrafe in Wegfall. Man hat hier also ilcri strafrechlliche Kuriosum, daß eine Straftbat, weil gegen zwei Gesetze verstößt, milder beirr a f t wird, als wenn sie nur gegen ein Gesetz (hier das lirhrungsmittelgesetz) verstieße. Ausgleichs stellt. Ein Vorbeigehen würde als etn grvstrs Fehllr zu bezeichnen sein sowohl den „anderen" Beamten gegenüber, als auch gegenüber den aufv starrste Herongen zogenen Steuerzahlern. Wir wünschen es und sprechen e» noch einmal mit vollem Bewußtsein aus: Das Drateo- wesen muß derart abgändert werd en, hast Nebenbezüge „einzelnen" Deamtennichtm ebn zustehen können. Daß nach dieser Richtung hin Er- Wägungen stattfinden, ist ebenso sicher, wie es dem Herw Linsender unangenehm sein wird. Er wrrd sich damit ab- sirrden müssen, daß zwar nicht sein Gehalt gekürzt wird, aber seine Nebengebühren bald ganz wesentlich beschnitten werden. Ml/i staatlich konzessionierte Kollektnr ■ Klasse Richard Buchacker Miroil^ Lü£fte den, vls i an der * *** bil siebend «« ter So»«* l baä * in ndDel ^iaöt 011 Iin! & W lvalM >ct^Lsü ^r, von flösse tv SS Einfach baff ist, wer dieWirkung Dr.KnechPs MagenbiHer„Sänl~is> bei Magen u.Darmbesehwerden kennen gelernLGrQsseflasche M.2.50, Pro-r ' beflasche M.1.00; überall erhältlich. Das Köstritzer Schwarzbier ist seit dem 17. Jahrhundert als ein vorzügliches Stärkungsmittel für Blutarme und Geschwächte bekannt. Es verdankt seine wette Verbreitung hauptsächlich seiner besonders zweckmäßigen Zusammensetzung — bei mäßigem Alkoholgehalt enthätt es sehr viel Malz — und sog. Extraktstoffe, die den ^toffumsatz in hohem Grade fördern. In neuerer Zett wird eS auch vielfach in Lungen-Heilanstalten angewandt, wo man die Schädlichkeit der früher beliebten Verabreichung großer Mengen von schweren Weinen und Spirttuosen erkannt hat und das Schwarzbier als einen sehr zweckmäßigen Ersatz derselben verwertet. Unter Verabreichung von Schwarzbler find hohe Gewichtszunahmen bei Schwindsüchtigen, wie bei anderen schwächenden Krartthetten erzielt worden. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ter Verfasser der beiden Artikel über „Die Aufgaben des kommenden Landtages schreibt uns: Tem unseren Aufsatz in Nr. 250 behandelnden „Eingesandt" erachten wir es für unerläßlich, mit einigen Worten entgegenzutreten, damit nicht die Meinung im Leserkreise entsteht, wir vermieden es, unsere Behauptungen und Forderungen weiterhin zu vertreten. Unsere Ausführungen waren keineswegs vno einer unfreundlichen Tendenz getragen — eine solche lag uns gänzlich fern — wir erhoben die Forderung auf wesentliche Einschränkung der Diäten vom Standpunkte ausgleichender Gerechtigkeit aus. Tie Regierung selbst hat seinerzeit den Grundsatz: Gleiche Vorbildung, gleiche Besoldung aufgestellt. Dieser Grundsatz aber leibet not, da manche Beamte durch das Diätenunwesen ein größeres Einkommen haben, als andere im gleichen Range„deren dienstlicher Beruf keinen auswärtigen Dienst verlangt". Daß der Presse das Recht zusteht, auf Ungleichheiten hinzuweisen und deren Abstellung zu fordern, wird der Herr Einsender nicht leugnen wollen. Wir bestreiten, daß der auswärtige Dienst eine besondere Leistung sei. Sobald ein Beamter besondere, d- h. nicht in seinem Ressort liegende Tienftgeschäfte übernimmt, soll ihm eine besondere Bezahlung Kustehen. Tas befürworten wir mit aller Entschiedenheit. Ebenso entschieden müssen wir aber dagegen auftreten, daß der Beamte aus den Dienstgeschätzen, die innerhalb seiner ordnungsmäßigen Berufung und Einführung liegen, besondere Tienstbezüge hat. Tas ist unbillig und ungerecht. Daß entstandene Auslagen zurückvergütet werden müssen, ist selbstverständlich. Bei dem Herrn Einsender haben wir einun soziales Herz entdeckt. Er sagt: Die Lebenshaltung sei eben eine so teuere, daß es nur natürlich und recht erfreulich sei, wenn einzelnen Beamten besondere Neben einnah men erwachsen. Und die anderen Beamten? Um die schere ich mich nicht. Darf so ein sozialdenkender Mensch antworten, darf vor allem die Regierung, darf ein Abgeordneter also antworten? Wenn zurzeit die Lebensbaltung so teuer ist, daß die Gehaltsbezüge zu gering sind, so verspüren das alle Beamten, und wir kommen zu einer Gehaltserhöhung. Dann ständen aber immer wieder die Beamten, die von Amtswegen auswärtigen Dien sh haben, durch die Nebengebühren finanziell besser. So kommen wir zu keinem Ergebnis. Nur bann erreichen wir bas Ziel ber Gleichstellung, wenn wir bie Nebengebühren abschaffen, benn sie sinb ungerecht unb angesichts eines trostlosen Etats ist's Aufgabe ber Regierung unb ber Volksvertretung, zu sparen, wo gespart werben kann, unb ba erst recht, wo die Sparsamkeit sogar sich in den Dienst sozialen Gisendchu-Zeiluug. Berlin, 20. Okt. Gegenüber gewißen Preßauslaffungen über üi«e Vorgänge vor der Bekanntgabe des Verstaatlich ungs- u»aebots an die Dortmund-Gronau-Enschede- Z ahn teilt die .Nordd. Allg. Ztg/ authentisch Folgendes mit: -irn Arbettsmimsterium sand am 11. Oktober unter dem Vorsitz te-s Munsters Budde eine Konferenz mtt Vertretern der Stadt "«rtinund über die Umgestattung der Dortmunder Bahnhofsan- lacen statt. Tie städtischen Vertreter wiesen hierbei darauf hm, b®3 man in Dortmunder Kreisen mit Bestimmtheit annehme, die 5 taalsregierung werde hehufs Lösung der Umdaufrage die Dorten uid-Gronau-Bahn verstaatlichen. Derngegenüber erklärte der jQimfter, der derzeitigen Sachlage entsprechend, daß bis zu dem Wnuntte (1L Oktober) solche Absicht der Staatsreglerung nicht hetebe. Nach den Darlegungen der Vertreter Dortmunds in der Inferenz konnte sich der Rlinister jedoch der Ueberzeugung nicht Omi obliegen, daß die Umgestaltung der Bahnanlagen m und bei rcmmund voraussichtlich für alle Beteiligten elchter und beson- hEr§ für die Stadt Dortmund vorteilhafter gelost werden tonnte, wse ikmg dö Nrv mis vemieilte e vom Sdjwui« 'ungjMtm rvrrMg ber hn Iahte» , Prokmist dc m Jahr ft* zdet llmstäck. der Viktmlis Den berfauit iten@efän? teilt, außerbea des WN* cteü Me btt r der Ansicht, deülkonkumtp esttüfl werden Tluwis fol^ st Michis \\m niet, al253 Fritz Eccanns Wilhelm Orbig Kachfolger Markt 7 _________tots___7 Markt Anfertigung nach Mass. Damen-Schnürstiesel „Die Frau" (Aipnats-schnft für bas gesamte Frauen- eiyen unserer Zeit, herausgegeben von Helene Lange, Z. rlin, Verlag von W. Moe-ser- Dreis pro Quartal 2 ML, KU soeben mit dem Heft 1 (Ctbober 1902; ihren 10. Jahr- gama begonnen. Es giebt wohl kaum eine zweite Zeit- i cift, bie so bas volle Interesse ber gesamten Frauen- jilt in Anspruch nehmen barf wie biese Monatsschrift, si.r burch ihre Reichhaltigkeit unb Mannigfaltigkeit an ^hanblungen, Schilderungen, Biographieen, Romane, No- cellen unb Skizzen, Gebichten, ausführlichen Berichten iteer bie ErwerbsthLtigkeit ber Frau usw. jeder Leserin ttioad speziell Fesselndes bietet. Mit Freuden muß man Imcrs Wachsen unb Gedeihen dieser Blätter begrüßen, die in nicht zu unterschätzender Weise bie Frauenbewegung im allgemeinen sörberu und stets bemüht sind, Ausklär- tngen und Belehrungen über bas Ziel, bas sie anstreben, -u geben. Keine gebildete Frau dürfte es versäumen, bie gründlichen Abhandlungen dieser Zeitschrift über die |i |o überaus wichtigen Ergebnisse unb Fortschritte ber jiauenberoegung mit warmem Interesse zu verfolgen. Strobe bar an fehlt es leider in ber breiten Masse ber lv*eiblichen Bevölkerung noch sehr, unb barum ist in der Zvauenwelt eigenem Interesse nicht genug auf diese so aicherordentlich schätzenswerte Zeitschrift aufmerksam zu m ichen. Tas Oktoberheft ist wieder reich an interessantem ,;«hhalt. Es bringt unter anderem: „Aus Neapel und Florenz", Farben und Umrisse von Felir Poppenberg, eine 'Ziographie Gustav Preußens, des Dichters des ^Zörn Uhl", hon Gertrud Bäumer, „Ihre Hoheit" laus dem Dänischen) ddh Hermann Bang, eine Erzählung, die der Leserin alle .Zorzüge, die man von moderner Erzählungskunst erwarten barf, bietet, „Das ungeborene Geschlecht unb die Frauen- ad>eit" von Helene Lange usw. W lind BadB-Apurt Lyrae, Lustres, Ampeln, Kronen modernen Stils Sahlrme, Tulpen, (^linder, Blaoker und Stifte. Glühstrümpfe haltbare und von höchster Leuchtkraft I. Qual. pr. St. 45 4, pr. 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Old Das Kuratorium ber Bauernfeld- ftung erkannte dem Schriftsteller Frenssen für ennen Roman „I 0 ern Uhl" 2000 Kronen zu, ferner je CCOO Kronen Stefan Milow, I. I- David, Richard >1 ordmann und Viktor Leon, letzterem für sein Völls- lück „Gebildete Menschen". Kirche und Schule. Eisenach, 28. Dtt Sämllichen Schulen des Groß- ;erzogtums ist vom Ministerium eine Tafel mit Gesund- >»»i.Uu»ei»,Neuenbäuel7 r Jn unserer Nersandtabteilung haben nur diese Saison dem geehrten Publikum zum Bezug von jedem Meterntaß anzu- bieten: 7281 Weltberühmte, echte loser HaMilrit in allen Farben 100 cm breit, per m x L— sonstiger BertausSpreis «tu 1L5 Herrenanzugstoffe Spezial-Marke „Wormatia" aus echter Kammgarn-Wolle hergeslellt, in Hellen u. dunklen Farben 145 cm breit, per m X 5.50 sonstiger Wert X 9.— Hum ter stehen ohne Kaufzwang Iram-o zu Diensten. Tie Zusendung der Swsfe geschieht per Nachnahme. Aufträge von 15 x an franco. Lidreffe: Versandtabteilung Vogel & Lied WormS a. Sih. 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