•kenS nb^ tiny; Minute, [ö3?j rtufa ,?,°°ucrstag und Eag, 5017 gs M Uhr an bx UEHülstlch )Lub, empfehlen # Rflijl en Gröjj.ui, 5244 chlhk B, Patent Zchilln, »DWD Weil rttftraße 1 prima onkies Itjßttb und twtiel ab gevM5 xp\ti)Vtn r*. Kahl Pfbaggerei. agerplay: rgaretheuM. mkfarterstraßeA ephoa 308. s Massige Deutsch xenl#* i Glocken, Sä#* mäntel, Luft- iache,OelN i. FUckzeug. ■ «rbB Nr. 176 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der B r ü k) l'scheu Unioers.-Buch u.Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gietzcn. Fernsprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 152. Jahrgang Mittwoch 80. Juli 1903 Amts- und Anzeigeblati für den Kreis Eietzen I Bezugspreis: monatlich75 Pf., viertel« jährlich Mk. 2L0; durch Abhole^ u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePoft Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal I2PL auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Witt ko; für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Ale heutige Dummer umfaßt IO Seiten. KeKanntmachung. Nachdem die bei dem Rinde des Moses Simon II. von Pohlgöns vorhandenen seuchenverdächtigen Erscheinungen laut Mitteilung Großherzogl. Krersoeterinäramts Gießen verschwunden sind, wird die von uns am 24. l. Mts. angeordnete Stallsperre hiermit aufgehoben. Gießen, den 30. Juli 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Volitische Tagesschau. Die Zolltarifkommisfion setzte am Dienstag die Beratung des Abschnittes 17, unedle Metalle, Abteilung Eisen und Eisenlegierungen, fort. Die Pos. 777, Roheisen 1 Mk., Pos. 784, Rohluppen 1,50 Mk., Pos. 843, Eisenabfälle, Brucheisen 1 Mk., Glühspan, Eisenblechabfälle bis 5 Millimeter Stärke zollfrei, werden gemeinsam beraten. Es liegen mehrere Anträge aus Ermäßigung und Beseitigung der Zollsätze vor. Beumer tritt für die Erhaltung des Roheisenzolles ein und bestreitet, daß die Syndikate die Preise Hochbielten. Hieran trügen vielfach die Händler die Schuld. Mit der Beseitigung des Roheisenzolles würden die Grundlagen der Industrie erschüttert. Redner beantragt, für Stahlblöcke von über 25 Mk. Wert 4 Mk. Zoll statt 1,50 Mk. Fischbeck möchte wissen, wie es sich mit der angekündigten Abrechnung der Agrarier mit den Eisenindustriellen verhalte, die bis auf die zweite Lesung aufgeschoben sei, und behauptet, die günstige Wirkung der Eisenzölle beruhe auf Täuschung, der Roheisenzoll schade zehnfach mehr unserer Weltmarkt- industrie als er nütze. Eickhoff meint, ausländische Material sei unserer Industrie unentbehrlich Handels- niinifter Möller erwidert, die Beseitigung der Eisenzölle in den 70 er Jahren war der größte Fehler, den je ein deutsches Parlament gemacht hat, sie war der Nagel zum Sarge der Industrie und schädigte die Arbeiter und das gesamte wirtschaftliche Leben schwer. Deshalb dürfe an der jetzigen Grundlage der Eisenindustrie nicht gerüttelt und der Zoll nicht geändert werden. Die verbündeten Regierungen müßten ober auch den Antrag Beumer ablehnen aus zolltechnischen Gründen. Abg. Graf Kanitz tritt für die Notwendigkeit der Zölle ein, verurteilt aber das Roheisensyndikat, das die Verbraucher gezwungen habe, bei zu hohen Preisen Verträge abzuschließen. Gr werde persönlich, jetzt für die Vorlage stimmen, im übrigen aber abwarten, was aus dem Tarif werde und darnach im Plenum definitiv Stellung nehmen. Abg. Stötzel tritt im Interesse der Arbeiter für den Zoll ein. 3r. Hahn verlangt volle Parität der Zölle für Landwirtschaft und Industrie. Die Lage der Landwirtschaft sei weit schlechter, als die der Industrie, trotzdem wolle man jener den Zollschutz versagen, den man der Industrie gewähre. Solange nicht die Parität gewährt werde, stimme er für Zollfreiheit des Roheisens. Goth ein meint, das beweise, daß Hahn den Kuhhandel zwischen der Landwirtschaft und der Industrie fortsetzen wolle. Redner begründet seine Ansicht, daß mit Rücksicht aus die steigende Gisenausfuhr des Auslandes die Zölle nicht ganz beseitigt werden dürften, ermäßigt müßten sie aber werden, um gegen die Syndikate einen Druck auszuüben, da gesetzlich gegen diese nicht vorgegangen werden könne. Bernstein (Soz.) beantragt, falls die Vorlage angenommen werde, eine Anmerkung anzufügen, daß der Bundesrat ermächtigt werde, den Zollsatz außer maft zu setzen, falls das Eisenkartell Roheisen und nicht schmiedbare Eisenlegierungen für das Ausland unter dem pir das Inland festgesetzten Preis verkauft. Bernstein tritt ober überhaupt für Zollfreiheit ein. Gegen ein Verschleudern der Waren des amerikanischen Trusts helfe ein Ein mar k- Kvll auch nicht, da helfe nur ein Einfuhrverbot. In der ^jollfreiheit müsse Deutschland den anderen Ländern vorangehen. Staatssekretär Gras P o s a d o w s k Y entgegnet, das sei zur Zeit unausführbar. Ein Einfuhrverbot gegen die amerikanische Schleuderwirtschast werde auch die andere Industrie schädigen. Den Trusts empfehle er weise Mäßigung. Der Schutzzoll habe erreicht, daß Deutschland heute fron Krisen in England unabhängig sei. Was heute gegen ben Eisenzoll gesagt sei, wurde auch 1879 vorgebracht, aber hatte ohne jene Schutzzolloperation Deutschland wohl diesen gewaltigen Aufschwung erlebt? Solange andere Staaten sich zu großen schutzzöllnerischen Gevieten zusammen- shlössen, solange sei es verkehrt, von der Vorlage abzu- When. Nach längerer Debatte wird in allen drei Positionen die Vorlage angenommen und der Antrag Bernstein ab- Bllehnt. ________ Die Juden in Deutschland. Soeben ist, wie wir schon erwähnten, von einem erst fror kurzem zusammengetretenen Komitee ein Verein für Mische Statistik mit der Zentrale in Berlin gegründet worden, der sich die Ausgabe gestellt hat, alle vorhandenen Angaben über die Zahl und Lebensweise der über die xmze Erde zerstreuten jüdischen Bevölkerung zu sammeln ob dieselben durch eigene Erhebungen zu ergänzen. Dann s«ll ein ständiges Bureau für jüdische Statistik errichtet werden^ dessen Publikationen die Veränderungen im Zu- stmd der jüdischen Bevölkerung fortlaufend zu registrieren fetten. Das hierfür erforderliche Material soll von statistischen Arbeitsgruppen gesammelt werden, wie solche bereits in Berlin, Wien, Odessa, Marschau und Krakau bestehen, inb des weiteren an möglichst vielen Orten zu organisieren (üb. Diese Thatsache lenkt bie Aufmerksamkeit auf bie Stärke bes jübischen Elementes. In Dentschlanb bilben bie Juden nur 1,1 pCt. ber Gesamtbevölkerung. Die Verteilung ber Juben auf bas ganze Deutsche Reich ist babei sehr ungleichmäßig, ba diese sich in einigen Distrikten förmlich zusammendrängen, während sie in anderen Gegenden kaum angetrofsen werden. Es giebt Gegenden in unserem Vaterlande, wo die Juden mehr als 6 pCt. der Bewohnerschaft schäft bilden, und im Gegensatz hierzu andere Gebiete, in denen überhaupt kein Jude ansässig ist. Besonders stark vertreten sind sie im Elsaß, int nördlichen Teile der drei süddeutschen Staaten und in den preußischen Provinzen Hessen-Nassau und Posen. Auffallend gering dagegen ist ihre Zahl im südwestlichen Teile Bayerns, im Königreich Sachsen, in den thüringischen Staaten, in Oldenburg, Mecklenburg und den mittleren preußischen Provinzen. Daß die Juden überwiegend Städtebewohner sind, ist bekarmt, und dieser Umstand macht sich beispielsweise auch bei dem kleinen Staat Hamburg sehr bemerkbar. Nach der letzten Volkszählung nehmen Die einzelnen Konfessionen folgende Bruchteile ber Gesamtbevölkerung bes Deutschen Reiches ein: Protestanten 62,8 pCt., Katholiken 35,8 pEt., sonstige Christen 0,3 pCt., Israeliten 1,1 pCt., Sektierer unb Konfessionslose 0,3 pCt. Da nun burch bie letzte Volkszählung am 1. Dezember 1900 Die Zahl ber Bewohner Deutschlands auf 56 345 014 festgestellt würbe, so waren damals im ganzen 619 795 Juben im Deutschen Reiche ansässig. Diese Zahl hat sich natürlich bis zum heutigen Tage etwas vergrößert, jeboch nicht sehr bebeutend, da alljährlich viele Juben auswandern und andere zum Christentum übertreten. 1885 wurden nur 563172 uneb 1871 nur 512153 Juden im Deutschen Reiche gezählt. Der prozentuale Anteil der jüdischen Bevölkerung ist also während der letzten drei Jahrzehnte im ganzen Deutschen Reiche fast derselbe geblieben, obgleich er in Den einzelnen Bundesstaaten selbst sehr verschieden ist, wie die nachstehenden Angaben zeigen: Es entfallen nämlich auf 10 000 Einwohner in Preußen 120, in Bayern rechts des Rheins 88, links des Rheins 150, in Sachsen 27, in Württemberg 62, in Baden 160, in Hessen 260, in Mecklenburg-Schwerin 38, in Mecklen- burg-Strelitz 50, in Oldenburg 44, in Braunschweig 41, in Anhalt 58, in Waldeck 130, in Schaumburg-Lippe 94, in Lippe 77, in Lübeck 86, in Bremen 57, in Hamburg 290, in Elsaß-Lothringen 220, in Sachsen-Weimar 38, in Sachsen- Meiningen 70, in Sachsen-Altenburg 3, in Sachsen-Coburg- Gotha 27, in Schwarzburg-Sondershausen 30, in Schwarzburg-Rudolstadt 8, im Fürstentum Reuß ä. L. 10 unb Reuß j. L. 12 Juben. Den Arbeiten bes Vereins für jüdische Statistik, die alle diese Verhältnisse in den anderen Staaten llarlegen wollen, sieht man mit Spannung entgegen ,da die Resultate hochinteressante Vergleiche zwischen den verschiedenen Ländern gestatten werden. Ein Kulturkampf-Meeting der Pariser Familienmütter hat dort am Sonntag auf dem Konkordienplatz stattgefunden. Darüber wirb aus Paris berichtet: Da man wußte, baß bie „Familienmütter" auf Anregung ber Baronin Reille, Gräfin de Man unb der anderen Damen, die sich neulich direkt an Frau Loubet wenden wollten, eine Petition nach dem Ministerium des Innern zu bringen beabsichtigten, so waren die Zugänge militärisch abgesperrt. Desgleichen auch die Thore des Elysäe-Palastes, aus dem der Präsident der Republik und seine Familie nach Rambouillet „geflohen" waren, wie die Oppositions- presse sich ausdrückt, obwohl die llebersiedelung der Familie Loubet nach dem Jagdschlösse schon längst für die letzte Juliwoche angesagt war. Gegen 4 Uhr war der weite Platz mit Leuten angefüllt. Viele trugen das Abzeichen der Antiklerikalen, eine kleine künstliche Heckenrose, andere die dreifarbige Kokarde oder auch nur die Kornblume und manche hatten ein Kreuz aufgenäht. Schmäh- und Hochrufe auf Loubet und Combes und als heftige persönliche Beleidigung warfen die Manifestanten der gegnerischen Lager einander die „vierzig Sous" vor, welche'sie von ihren Auftraggebern für das Krakehlen erhalten haben sollen. Stellenweise kam es zu Faustschlägen und zu Steinwürfen und nicht bloß Steine, sondern auch eiserne Stühle flogen von der Tuilerienterrasse herab, die zuerst den Klerikalen gehörte, Dann aber von ihren Gegnern eingenommen wurde. Unter den Verhafteten befanden sich am Ende des Tages vier Abgeordnete. Ein Manifestant zu gunsten der Schwestern, dem die Polizei ihren besonderen Schutz angedeihen ließ, war der einstige Polizeipräfekt Andrieux, der im Jahre 1880 in den berühmt gewordenen perlgrauen Handschuhen die Märzdekrete gegen die Jesuiten ausführte. Er trug auch am Montag perlgraue Handschuhe und schrie ans vollem Halse das Losungswort ber Kornblumen: „Liberte, liberte I“ Die Kundgebung der Damen ließ lange auf sich warten und zuletzt machten die Manifestanten sich ein Spiel daraus, einander zu fragen: „Oüqu’est .nadame Leiaudy?“ Frau Lebaudy gehört zwar nicht zu der Gruppe ber Damen Reille und de Mun, aber sie hat ein offenes Schreiben an den Vorstand der Konferenz über den Mädchenhandel gerichtet, worin sie die Herren für die 100 000 kleinen Französinnen zu interessieren suchte, welche durch die Aushebung der Kongreganistenschulen in die Gefahr geraten könnten, die den Gegenstand der Konferenz bildete. Es diente zur Zerstreuung, daß ein elegantes junges Weib im blauen Kleide, einen dreispitzigen Marquishut auf dem gewellten Scheitel, den blauen Sonnenschirm hochschwingend, sich durch bie Menge Bahn brach, „Liberte, liberte!" rufend. Es bildete sich rasch ein Gefolge um die Manifestantin, der von Gegnern zugerufen wurde: „Die Rute, gebt Ihr doch die Rute." Um die gleiche Zeit geriet Syveton in ein Gedränge ung wurde leicht verwundet. Sonst scheint kein Blut geflossen zu sein, wohl zum Leidwesen der „Damen", die seit drei Tagen damit drohen. Erst nach 5 Uhr zeigten sich bie’ Damen de Mun, Reille, de Pomaiolhs, Cidiel, Piou, geleitet von dem Grafen de Mun, den Abgg. Lerolle und Denys Cochin und mehreren Pariser Gemcmderäten in der Nähe des Grand Palais. Sogleich bildete sich ein Zug, der unter dem Ruse „ Liberty, Liberal" die Avenue de Marigny einschlug. Hier wurde er von einem Cordon von Polizisten, hinter dem berittene republikanische Garde stand, aufgehalten. Die Abgeordneten wiesen ihre Insignien vor und bemühten, sich bei dem Polizeipräfekten Lepine für drei der Damen und zwei Frauen aus dem Volk um die Erlaubnis, bis zum Ministerium des Innern vorzudringen, um eine Petition abzugeben. Der Präfekt ging darauf nicht ein und erklärte, der Ministerpräsident sei abwesend. Als diese Antwort den Damen! hinterbracht wurde, antwortete die Baronin Reille: „Auch gut, wir werden aber wiederkommen." Dann hielten sie mit Ihren Begleitern einen Umzug über die Place de la Concorde, wo man sie ehrte, aber auch schmähte, und blieben hieraus bis gegen 7 Uhr in der Nähe, um Deputationen zu empfangen, und im Gespräche mit den Leuten zum energischen Widerstande anzuspornen. Die afrikanische Frage kam am Dienstag im englischen Unt.erhau.se zur Sprache. Gibson Bowles fragte, ob die Regierung Kenntnis! davon habe, daß zwischen Frankreich und Spanien ein Vertrag geschlossen sei, durch den die a f r i kan i s ch e n Be si tz- un g en Spaniens in Adrar Tmarr (Westafrika) etwas! verkleinert, Dagegen diejenigen Frankreichs entsprechend vergrößert worden seien und wie Spanien für seine Zustimmung zu diesem Abkommen entschädigt worden sei. Unterstaatssekretär Cranbgrne entgegnet, der Vertrag zwischen Spanien und Frankreich sei nicht auf die westliche Sahara beschränkt, sondern betreffe auch die Grenzen zwischen den spanischen und französischen Besitzungen am Golf von Guinea. Bei der Beratung des EtatH für das Kolonialamt wünscht Campbell San norm an Aufklärung über einige Punkte hinsichtlich Südafrikas. Er freue sichv die bisher feindlichen Buren freundschaftliche Gefühle bekunden zu sehen; er bitte aber um Aufschluß über die wirkliche Lage der Buren, die noch vorr kurzem gegen England in Waffen standen. Er bezweifle^ daß es angebrachr sei, die Buren, welche die Leistung des! Unterthcmeneides verweigern, zu bestrafen und halte ess für besser, ihnen ein Beispiel von ber Milde des Königs! zu geben. Die beste Lösung der Schwierigkeit seien gute Nachbarschaft, kaufmännische und industrielle Beziehungen, die durch Heirat geknüpften Bande der Familie und Gemeinsamkeit der Interessen. Chamberlain erwiderte: Was die Kolonialkonferenz anbetreffe, so seien alle Mitglieder von Dem Wunsche beseelt, die einzelnen Teile des! Reiches einander näher zu bringen. Er glaube, daß die Konferenz einen Schritt weiter bedeuten werde zu jener) Einigung des Reiches, die er im Auge habe. Eine vollständige sofortige Zurückführurig der Burengefangenen in das Vaterland sei unmöglich. Er sei Optimist genug, anzunehmen, die Selbstregierung würde sich eher erreichen lassen, als man glaube. Tie Buren selbst seien gegen die llebemahme von Aemtem durch Viänner ihrer Rasse und hätten erklärt, sie würden Engländer bevorzugen, wenn sie ihnen sympathisch seien. (Beifall.) Cs würde daher zunächst ratsam sein, bis einige bittere Erinnerungen ausgelöscht seien, englische Beamte in größerer Anzahl an der Verwaltung zu beteiligen. Bezüglich Der Besteuerung der Bergwerke erklärt Chamberlain, die Regierung werde in keiner Weise in die Entwickelung der Minen eingreifen, in ihnen lägen sichere Einnahmequellen, die zur Wiedererlangung eines Teiles der Kriegskosten verwendet werden könnten. Wie die „Central News" aus Kapstadt melden, wurde dort in der Groote Kerk eine Tochter des Generals! Telarey mit dem Kommandanten Ferreira getrennt General löouis Botha war Brautführer. Als die versammelte Gemeinde den General T e w e t bemerkte, begann jie mit beinahe wahnsinnigem En th u s ia sm us zu jubeln. Ter holländische reformierte Pastor Tr. Steyt- Ler, der früher einmal erklärte, er sei nur loyal unter dem Zwang, tadelte die Demonstratton und drohte, die Zeremonie zu schließen und die Kirche zu verlassen. Daraus wurde Die Gemeinde ruhig und die Zeremonie vollzog sich ohne weiteren Zwischenfall. Als aber.Dewet mit der Hoch,- zeitsgesellschaft die Kirche verließ, jubelte die fast allein aus Afrikandern bestehende Volksmenge lebhaft und riß ihm beinahe die Kl ei düng vom Leibe. Deutsches Keich. Berlin, 29. Juli. Aus Emo en wird gemeldet: Ditz „Hohenzollern" mit Dem Kaiser an Bord ist heute abend hier eingetroffen. Der Kaiser wird morgen den Außenhafen besichtigen. Später erfolgt auf einer Salonpinasse die Fahrt zur Stadt, wo die Geretteten vom Torpedoboot S. 42 vorgestellt werden sollen. Auch wird der Kaiser das Rathaus besuchen. — Der Minister der öffentlichen Arbeiten Budde und der Geh. Oberregierungsrat v. Balcntini trafen bereits heute nachmitatg hier ein, ebenso die Stationsyacht „Alice 'Roosevelt" mit dem Ches der Marinestation der Nordsee, Mvriral Thomsen, und S. M. S. „Württemberg". Heute abend fand großer Zapfenstreich statt. — Auf der Fahrt des Kaisers nach Rußland wird einem Befehl des Monarchen zufolge die Kaiseryacht ,^ohenzollern" von dem Kreuzer „Prinz Heinrich" begleitet sein. Der Kreuzer, der am 4. August abgangsfährg sein soll, hat für diese Reise eine besondere Ausrüstung für elektrische Illumination an Bord genommen. — lleber das Ergebnis der amtlichen Ermittelungen, ine von den österreichischen Polizeibehörden nach dem Ver- sasser und Aufgabeort der Prager Steckbriefpost- karte angestellt worden sind, liegen folgende Mitteilungen vor: Zunächst wurde festgestelll, daß einer ganzen Reche von Stadt- und Polizeiverwaltungen sowohl in Oesterreich, wie auch in Deutschland Postkarten gleichlautenden Inhalts zugegangen sind. Der Verdacht der Th ater schäft hat -sich bei der österreichischen Untersuchungsbehörde gegen einen jungen Studenten polnischer Abkunft, der eine Zeit lang auch auf deutschen Universitäten Medizin studierte, gelenkt. Ob es zu seiner Verhaftung kommen wird, ist in Anbetracht des wenig stichhaltigen Belastungsmaterials noch fraglich. — Das Palais des verstorbenen Prinzen Georg von Preußen in der Wilhelmstraße soll abgerissen und an seine Stelle ein solches für den Prinzen Adalbert, den drittältesten Sohn des Kaiserpaares, erbaut werden. — Im Reichstage sind zwei Hermen von Bismarck und Moltke in carrarischem Marmor zur Aufstellung gekommen. S ch l e s w i g, 29. Juli. Bei der heutigen Landtags- orsatzwahl im Wahlbezirke 6 Schleswig wurden 120 Stimmen abgegeben, sämtlich für den Amtsvorsteher Paulsen in Erfde (f r e i k o n s e r v a t i v), der somit gewählt ist. Ein Gegenkandidat war nicht ausgestellt. Wiesbaden, 29. Juli. Tas Endresultat in der Reichstags stich wähl ergiebt sür Dahlen (Zentr.^ 10112, Krahwinkel (nl.) 3772, für Brand (Bd. d. Landw.) 3115 und für Vetters-Gießen 662 Stimmen. Dahlen ist somit gewählt.______________________________________________ Aus Stadt und Zand. Gießen, den 30. Juli 1902. • * Städtisches Hoch- und Tiefbauamt. In der „Franks. Ztg." macht die Großh. Bürgermeisterei Gießen begannt, daß „wegen beabsichtigter Teilung des hiesigen Stadtbauamts in Hoch- und Tiefbauamt die Stelle eines Vorstehers des städtischen Hochbauamts neu zu besetzen ist. Mit der Stelle ist ein Gehalt von 4800 Mk., steigend jährlich bis zum Höchstbetrage von 6000 Mk., sowie Anspruch auf Ruhegehalt und Hinterbliebenenfürsorge nach den Satzungen, betreffend die Dienstverhältnisse der Gcmcinde- beamten der Stadt Gießen, verbunden. Nebenbeschäftigung ist nicht gestattet. — Die Bekanntgabe ähnlicher städtischer Vakanzen geschah bisher auch durch das Amtsblatt für den Kreis Gießen. Jetzt scheint man eine andere Praxis einzuschlagen zu Gunsten der auswärtigen auf Kosten der heimischen Presse. Wir erblicken darin eine ebenso ungerechtfertigte als unverständliche Unterschätzung des Großh. Kreisamtsblattes, dessen ansehnliche Verbreitung man in der Geschäftswelt weit und breit besser zu würdigen versteht. * * Professor Dr. Strahl, Direktor des anatomischen Instituts der Universität, hat, wie wir hören, einen Ruf an die Universität Tübingen erhalten. * * An unserer Landes Universität promovierte stud. phil. et hist. Kurt Glaser aus Gießen mit der Censur summa cum laude. * * Auszeichnung. Ter Gxoßherziog hat am 13. Juni dem Bürgermeister a. T. und Oberleuttrant a. D. C. von Lassaulx in Bonn das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Tie zweite diesjährige Schlußprüfung der Kandidaten der evangelischen Theologie hat vorgestern vormittag in Tarmstadt in den Amtsräumen des Großh. Oberkonsistoriums ihren Anfang genommen. Es beteiligten sich daran sieben Examinanden, von denen einer aus Starkenburg und sechs aus Oberhessen sind. ** Lehrer-Familienkonferenz. Dieser Tage fand auf „Textors Hardt" die diesjährige Familienkonferenz der Lehrer von Gießen und Umgegend statt. Dieselbe war außerordentlich stark besucht, sowohl von hier als auch von auswärts; der große Saal war dicht besetzt, und viele Teilnehmer mußten sich mit einem Platz im Freien begnügen. Nachdem der Vorsitzende des Gießener Lehrervereins die Erschienenen begrüßt hatte, hielt Lehrer St orch-Butzbach einen Vortrag „Heimat und Vaterland", wobei er eine Anzahl seiner warm empfundenen, unter gleichem Titel bei E. Roth hier erschienenen Gedichte vortrug. (Die Gedichte sind in Nr. 109 der „Gieß. Familienblätter" besprochen. D. Red.) Reicher Beifall lohnte den Redner für seinen ansprechenden Vortrag. — Während des nicht ofsiziellen Teiles wechselten musikalische und humoristisch-deklamatorische Darbietungen, und als die auswärtigen Teilnehmer zum Bahnhof eilten, um wieder zur Heimat zurückzukehren, war wohl jedermann von dem Verlauf der Veranstaltung in hohem Grade befriedigt. Von den musikalischen Vorträgen seien besonders die Lieder hervorgehoben, die ein anwesender Konzert- sänger, Lehrer Ruth-Cassel, zu Gehör brachte und die wahre Beifallsstürme verursachten. — Neue Erweiterung der hessisch-thüringischen Staatslotterie? Auswärtigen Blättern zufolge soll in die Klassenlotterie-Gemeinschaft, die am 1. Oktober unter dem Namen „Hessisch-Thüringische Staatslotterie" ins Leben treten wird, noch ein weiterer süddeutscher Staat (Württemberg wird genannt) eintreten. !? Ein interessanter Rechts st reit, dessen Thatbestand eines gewissen Humors nicht entbehrt, wird demnächst das Gießener Gericht beschäftigen. Drei Geschäftsleute unserer Stadt, welche sämtlich in der Nähe des Marktplatzes wohnen resp. ihre Läden haben, kommen schon seit Jahren zusammen, wenn sie tagsüber eine Mußestunde hatten — diese findet sich ja stets bei der schlechten Geschäftszeit, wenn man sie braucht, — um Karten zu spielen. Tas fpiellustige Trio versammelte sich einmal bei dem Einen, das anderemal bei dem Andern von den Dreien, um einen Skat oder ein Franzefüßchen zu machen, ja diese Gesellschaft hatte sich sogar — ohne bei der Polizei angemeldet zu sein — den schönen Namen „Tas Törtche" veigelegt. Tas Törtche würde ruhig im Frieden weiter bestanden haben, wenn nicht einer des dreiblätterigen Kleeblattes, seines Zeichens ein Uhrmacher, als etwas aufgeregter Herr, aus irgend einem uns nicht bekannt gewordenen Grunde plötzlich als Kartenspieler gestreikt hätte, er kam zwar noch in das hintere Ladenstübchen seines Nachbars, sah auch dem Kartenspiel mit großem Interesse zu, redete auch drein, wenn einer seiner früheren beiden Mitspieler einen Bock choß, war aber zum Mitspielen nicht zu bewegen und erklärte stets mit großer Emphase, daß er im Jahre 1902 mit keinem Törtchemann Karte spielen werde, ja er ven- sprach der Frau seines Nachbars, die diesen Beteuerungen keinen Glauben beimaß, wenn ich mit einem von den beiden in diesem Jahre Karten spiele, so können sie in meinen Laden gehen und sich die schönste goldene Uhr mit Kette aussuchen und brauchten sie mir nicht zu bezahlen. Ter streikende Törtchemann wiederholle diese Erklärung mehrfach im Laufe der Zeit in Gegenwart verschiedener Zeugen. So waren Monate vergangen, der Uhrmacher war vor drei Wochen zur Stärkung seiner Nerven ins Thüringerland gereist, da flüsterte es erst leise in der Nähe des Marktes, dann etwas lauter, daß der bewußte Törtchemann, mit dem in Acht und Bann gethanen Kameraden, eines Sonntagsnachmittags draußen in einer verschwiegenen Gartenhütte Franzefuß gespielt habe. Tie Ehefrau des dritten Genossen vom Törtche hatte kaum davon gehört, da war sie auch schon im Laden des in der Sommerfrische weilenden Uhrmachers und suchte sich bei dessen Gehilfen die beste goldene Uhr und Kette aus, die dieser der Nachbarin zeigen konnte, und nahm dieselbe mit heim. Als der Uhrmacher wenige Tage darauf heim kam, war er nicht sehr erbaut von dem Handel, den sein Vertreter abgeschlossen. Nach erfolglosem Verhandeln wegen Herausgabe oder Bezahlung von Uhr und Kelle ist die Angelegenheit einem Anwalt übergeben und damit eine gütliche Erledigung des Falles erst recht ausgeschlossen. Tie Bewohner im Mittelpunkt der Stadt, soweit sie Geschäftsleute sind, denn unter Diesen ist der sonderbare Uhrenhandel bekannt geworden, sehen mit großem Interesse dem Ausgang der Sache zu. W. Nidda, 29. Juli. Heute früh wurde die verw. Frau Margarethe Bausch, Pfründnerin des Hospitals, in der Nidda als Leiche vorgefunden. Sie hat in einem Anfall von Geistesstörung, wovon sich schon Spuren in letzter Zeit zeigten, ihrem Leben ein Ende gemacht. Sie war 64 Jahre alt. Mainz, 29. Juli. Wie wir mitteUten, hat der vor einigen Jahren verstorbene Vorsitzende des Mainzer Gewerbevereins Joh. Jakob Dieterich diesem 150000 Mk. vermacht, die nach dem Tode seiner Ehefrau auszahlbar sind. Tie verstorbene Witwe des hochherzigen Schenkers hat diesem Betrage n och 100000 M k. hinzugefügt und so die Schenkung auf eine viertel Million erhöht. Die wertvolle Gemäldesammlung des Ehepaares fällt der städtischen Galerie anheim. Frankfurt a. M., 30. Juli. Gestern nachmittag entstand im Mönchswald zwischen Raun heim und Kelsterbach ein Waldbrand, und zwar durch F u n ik e n der Maschine des Köln-Frankfurter Schnellzugs. Der Brand brach zu gleicher Zeit an drei Stellen aus. Man mußte sich darauf beschränken, dem Brand durch Abgüaben und Ausschlagen Halt zu gebieten. Um 10 Uhr sing es von neuem zu brennen an, jedoch konnte der Brand feine große Ausdehnung mehr gewinnen. Der Wald gehörtzum Großherzogtum Hessen. Im ganzen sind etwa siebzig Morgen Wald vernichtet. Der Schaden wird auf 150000 Mark geschätzt. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Aus Frankfurt schreibt man: Der Tonkünstler und Komponist Siegmund v. Hausegger, ein geborener Grazer, der Sohn des 1899 in Graz verstorbenen Musik-Aesthetikers v. Hausegger, ist ausersehen, als Nachfolger Gustav Kogels die Leitung der Frankfurter Museums- tönzerte zu übernehmen. (Hausegger, der 30 Jahre alt ist, war bisher neben Weingartner Leiter der von München ausgehenden Kaim-Konzerte. Er ist als Komponist bekannt und geschätzt. Seine „Barbarossa"-Symphonie gelangte auch in den hiesigen Akademie-Konzerten mit großem Erfolg zur Aufführung.) — Die Unterschlagungen des Kassierers der F r a n k s u r t e r Verwaltungsstelle des Deutschen Tabakarbeiterverbandes Kvaiker belaufen sich aus 1575 Mk. — Ter kürzlich von Oberhörgern verschwundeneSchweinehändler Türinger wurde auf einem Hasenacker erschossen aufgesunden. Tie Waffe lug neben der schon stark in Verwesung übergegangenen Leiche. Düringer, der' aus Eberstadt, Kr. Gießen, stammte, hatte sich, wie vor einigen Wochen mitgeteilt, Wechselfälschungen in größerem Umsange zu schulden kommen lassen. Vermischtes. Berlin, 29. Juli. Zu dem Tode des Frl. Dr. Phil. Elsa Neumann wird jetzt berichtet, daß die junge Dame anscheinend doch aus eigenem Willen ihr Ende gefunden hat. Trotz ihrer großen Erfolge und ihrer beneidenswerten materiellen Lage trug sie ost ein resigniert-melancholisches Wesen zur Schau. Auch der Leichenfund spricht für einen Selbstmord, sie halle eine Cyanlali- und Salpetersäurelösung gemischt und getrunken. Schwere Verbrennungen der Speiseröhre und des Mundes waren die Folge. Eine Verwechslung mit einer unschädlichen Flüssigkeit, etwa mit Wasser, ist ausgeschlossen. Es befand sich gar kein Wasserglas in der Mhe. — Einen eigentümlichen Vorfall, der dringend der amtlichen Aufklärung bedarf, hat der „Vorwärts" mitgeteilt: Der Brennmaterialienhändler Gustav Ackermann habe sich am 12. Juli, nach der Stadtvoigtei zur Verbüßung einer dreitägigen Haftstrafe begeben. Als er am 15. nicht mehr zu seiner Familie zurückgekehrt war, habe sich seine Frau auf der Stadtvoigtei erkundigen lassen, aber ungenügende Antwort erhalten. Am 18. habe sich die Frau selbst nach der Stadtvoigtei begeben und dort vom Inspektor die verblüffende Antwort erhalten: „Der Kerl" sei verrückt geworden und bereits am Dienstag nach der Irr en an st alt au Herzberge transportiert. Die Frau begab sich jetzt nach' dem Polizeipräsidium. Als sie am Sonntag nach Herzberge fuhr, sei ihr der Bescheid geworden, ihr Mann sei bereits tot und begraben; am 15. sei er als irrsinnig eingeliefert worden, am Mittwoch habe er einen Tobsuchtsanfall gehabt und sei am selben Tage an Herzschwäche verstorben. Als die Frau fragte, weshalb man ihr denn von alledem keine Mitteilung gemacht habe, wurde ihr geantwortet, man habe überhaupt nicht gewußt, daß der Verstorbene verheiratet gewesen sei. Am nächsten Tage erhielt die Frau die Sachen ihres Mannes ausgeliesert; sie vermißte dabei die Uhr und 16 Mark bares Geld. Jetzt suhr die Frau wieder nach Herzberge, um Uhr und Geid sowie einen Totenschein zu fordern. Ihr wurde jedoch alles verweigert mit dem Bemerken, er|t müßten die entstaudenen Kosten bezahlt werden. — Auf dem Polizeipräsidium, wo die „Nat.-Ztg." über die Angelegenheit Erkundigungen einholle, wurde diesem Blatt mitgeteilt, daß Frau Ackermann nur eine Eingabe um Freigabe der Leiche ihres Ehemannes gemacht habe. Im Rathause weiß man von der Angelegenheit überhaupt nichts, während die Stadtvoigtei jede Auskunft verweigert. So viel die genannte Zeitung jedoch erfahren konnte, ist Ackermann thatsächlich am 12. d. M. zur Verbüßung seiner Strafe bei der Stadtvoigtei erschienen, wo er in Haft behalten wurde. Am nächsten Tage begann er zu toben. Dies dauerte zwei Tage und zwei Nächte. Er wurde, wie dies mit allen Alkoholikern geschieht, mit zwei anderen Häftlingen in eine Zelle gebracht. Damit er sich nicht ein Leid nnthun könne. Nachdem er seine Strafe verbüßt hatte, wurde Ackermann Der Polizeibehörde übergeben. Den Schutzleuten, die ihn aus der Stadtvoigtei abhollen, folgte er vollkommen ruhig und ohne Widerstand. Seine Ueberführung nach Herzberge erfolgte auf Grund eines ärztlichen Ältestes. * Berlin, 29. Juli. Der Magistrntshilf 8- arbeiter Ullrich, der wegen Unterschlagung städtischer Sparkassengelder vor einigen Wochen flüchtete, stellte sich gestern der Staatsanwaltschaft. Er gab vor, das Geld verbraucht zu haben, hauptsächlich im Segelspoll. * Saarbrücken, 29. Juli. Auf der Grube „(£amp* Hausen" fand heute nachmittag eine Explosion schlagender Wetter statt, durch die 12 Bergleute verunglückten. Ein Bergmann wurde getötet, 10 wurden schwer verletzt ins Lazarett gebracht. Ein Leichtverletzter konnte sich ohne Hilfe nach Hause begeben. Die Direktoren Hilger und Schanz begaben sich in die Grube, um den Un- falloll zu befahren. * Budapest, 29. Juli. Rudolf Salz berger, Chef der hiesigen gleichnamigen Getreidegroßhandlung, erschoß sich heute Mittag. Der Beweggrund soll in Börsendifferenzen zu suchen fein, welche sich aus großen Hausse- Engagements ergeben hätten. Der hiesige Platz ist mit etwa 120000 Kronen beteiligt. * Temesvar, 29. Juli. Die Gendarmerie verhaftete in der Ortschaft Folyn den reichen Bauer Friedrich sowie mehrere Komplicen wegen Anfertigung und Ausgabe von falschen 20 Kronennoten. * New -Port, 29. Juli. Gestern kurz nach Mittag wurde in einigen Teilen Nebraskas, Iowas und Süd-Dakotas ein Erdstoß verspürt, der keinen Schaden anrichtete. Im Lompoothal in Kalifornien wurden seit Samstag drei Erdstöße wahrgenommen. Die Erde ist rissig. Unter den Einwohnern herrscht große Erregung. * Zum Untergang des „Primus". Der Kaiser richtete an den Hamburger Bürgermeister Mönckeberg aus Brunsbüttelkoog folgendes Telegramm: „Vom Norden zurück- gekehll, spreche ich Ihnen von hier aus angesichts der Elbe mein herzlichstes Beileid für das schwere Unglück aus, das Hamburg jüngst durch den Untergang des „Primus" betroffen hat. Das beklagenswelle Schicksal der zahlleichen Verunglückten hat mich tief erschüttert. Möge die traurige Katastrophe erneuten Anlaß geben, daß alles gethan werde, um einem ähnlichen Unglück auf der Elbe für die Zukunft vorzubeugen. Wilhelm 1 R." — Am 29. d. Mts. wurden abermals 19 Leichen bestattet. Die weitere Bergungsarbeit am „Pri mus" ruht einstweilen, da der Staatsanwall, um die Untersuchung nicht zu erschweren, dem Taucher Beckedorf dies untersagte. "Verhaftung eines Stadtverordneten. Dll angesehene Stadtverordnete und Vorstand der Ortskrankenkasse in Hainichen (Kgr. Sachsen) Lindner ist wegen bedeutender Unterschlagungen auf Antrag der Staatsanwaltschaft verhaftet worden. * Ertrunken. In dem Ostseebade Zoppo t sind zwei junge Damen beim Baden ellrunken. Anscheinend hat die jüngere den Grund verloren und die ältere Schwester, welche ihr zu Hilfe eilte, nach sich gezogen. * Selbstmord. Der Chicagoer Großkaufmann und vielfache Millionär Rothschild, gebürtig aus Nordstetten, hat Selbstmord begangen. * Cholera. In Konstantinopel ordnete der Sanitätsrat eine fünftägige Quarantäne für Herkünfte aus Odessa und mit Rücksicht auf das Auftreten der Cholera in Guadar eine zehntägige Quarantäne für Herkünfte aus Persien an. In Kairo sind am 28. Juli 37 neue Erkrankungen und 27 Todesfälle an Cholera festgestellt worden. In Mucha sind 19 neue Erkrankungen und 25 Todesfälle, in Gizeh 1 neuer Cholerafall festgestellt. * Ein Gaunerstreich. An einer deutschen Hochschule wirkt, so lesen wir in der „Jrks. ZtA", seit kurtzem, sehr wider den Willen der Universität und deshalb völlig isoliert, ein junger Professor. Seine politische Stellung und manches andere trägt daran die Schuld, daß es ihm nicht gelungen ist, in irgend welchen gesellschaftlichen Verkehr mit den Kollegen zu treten. Kürzlich klopft nun ein verbummelter Student an seine Thüre mit der Bitte, ihm eine Unterstützung zu gewähren und ihn gefälligst weiter zu empfehlen. Rasch besonnen setzt sich der jugendliche Ordinarius hin und empfiehlt den Bittsteller Dem Wohlwollen einiger seiner Kollegen aufs wärmste. Was dem tgerrtn Professor selten gelungen, erreicht nun sein Schützling. Dieser tritt im Universitätsviertel siegreich feine Wanderung von Haus zu Haus an, natürlich im Gehrock, elegant und würdig, wird liebenswürdig empfangen, richtet da und dort die „herzlichsten Grüße" von dem Herpn Professor N. N. aus und erhält sofort von jedem der verblüfften! Professoren die erbetene Unterstützung. Nur einer meinte, Das sei „naiv" von dem Herrn Professor N. N, aber nichtsdestoweniger spendete er wacker mit, ohne zu ahnen, daß der Gauner — und ein solcher war der Petent — doch nur auf das Feingefühl der Professoren seinen kühnen Plan gebaut hatte; denn selbstverständlich war er nicfyt allen „lieben Kollegen" empfohlen worden. Tie Ernte muß übrigens sehr ergiebig gewesen sein; denn einer, der ihm Vorschuß und eine Abschreibearbeit gegeben Ijatte, soll schon am nächsten Morgen sein völlig unabgeschriebenes Manuskript wieder vorgefunden haben, freilich ohne den Vorr- schuß." (Nicht ohne ein — hier und da vielleicht etwas wehmütiges — Schnmuzeln wird man in Straßburg diese Geschichte lesen!) * Auf der Jagd nach den Humberts. Aus Paris wird berichtet: Wer weiß, wie viel Mann auf der Jagd nach den Humbells sind, die verschwunden bleiben, als wenn die Erde sic verschlungen hätte? Der „Figaro" weiß cs. Genau 45 Mann, versichert er, ohne die besonderen Agenten, welche die Sicherheitsbehörde dann und wcum Ophandlung, l'oü in Börsen- ’ 9r°Ben Hausse- SIq5 ist mit etwa »holte u_. ■Ä LLr - feine 911 1UI ®runb »'ch'-zenz Net? ^«Nr,ba cegellpott, ®™b« ,E«mp. > ®EPlofioit ■ -ö^leute ver- iel- 10 wurden "Leichtverletzter Tirektoren be. um den Un, num'e verhaftete Friedrich joroit d Ausgabe vo« rrz nach Mittag und Liid-Tatotas anrichlete. Im istag drei Erd- Unter den Em- I". Ter Kaiser Mönäeberg aus m Norden zurück- ngeftchts der Elbe ünglück aus, das ie§ „Primus' be- l der zahlreich« löge die traurige lles gethan werde, i für die Zuluch , d. Mts. wurden oeitere BergrmgS- der§/^E.äü, t? Tauchn.^Kr5 rrdneten. Ä der Ortskrankv rer ist wegen br- ntrag der Stau- schleunigst ins Ausland sendet, wenn die Flüchtlinge an irgend einem Ort der WÄt gesehen worden sein sollen. Jene 45 Mann beschäftigen sich aber mit nichts anderem, als die zu beobachten, die mit den Daurignacs und' Humberts in vertrautem Verkehr gestanden haben. Rechnet man für jeden von ihnen mir 3 Frs. auf den Tag für Nebenausgaben an Wagen und an besonderen Auslagen, die chnen ihr Spürdienst verursacht, was sicher eher zu wenig als zu viel ist, so ergiebt sich, daß dieser Dienst jeden Tag 135 Frs., monatlich 4050 Francs und, da alle Aussicht vorhanden ist, daß er noch so lange sich hinziehen wird, jährlich 48 600 Frs. kostet, um die Frau Humbert noch nachträglich die Taschen der französischen Steuerzahler erleichtert, nachdem sie vorher nur eine Anzahl Dummer unter ihnen betrogen hat. Ueber die Kosten, die nun erst noch die Reisen der besonderen Agenten ins Ausland verursachen, weiß der „Figaro" nichts zu melden. Es liegt aber auf der Hand, daß sie noch erheblich mehr verschlingen, vorausgesetzt, daß die französiche Polizei in der That gleich so schnell mit der Entsendung dieser Agenten bei ber Hand ist, wie der „Figaro" versichert. Aber das dürste man wohl bezweifeln. * Perbandt und Urpreußen. Der neuernannte Neneralinspekteur der Fußartillerie, Generalleutnant von Perbandt, dessen Bild unser Blatt kürzlich, brachte, gehört »einer der wenigen Familien an, die von den alten Preußen, Len durch den deutschen Orden unterworfenen und christianisierten Bewohnern des Preußenlandes, abstammen. Unter Lem ostpreußischen Adel, zu dem die Perbandts gehören, ffind nur drei Geschlechter nachweisbar, Abkömmlinge der »alten preußischen Edelinge, die zu den Göttern Perkunos, Hotrimpos und Pikolbos beteten. Es sind dies die Grafen Won Kölnern, von denen das jetzige Familienhaupt in Erinnerung an die altpreußische Landschaft Rotaugen den Vornamen Natansgo führt, die Geschlechter von Saucken imd von Perbandt. Von bürgerlichen Familien Ostpreußens können nur zwei ihre Abkunft von alten heidnischen Preußen nachweisen, die Podlech (deren Ahnherr. ein Häuptling Namens Padeluche gewesen ist) und die Glagau. Der Name Herkuhn gehört in seinem Anklang an den obersten Preußengott scheinbar auch hierher, er ift aber thatsächlich erst Lange nach der Heidenzeit in Ostpreußen aufgetaucht. * Unterhaltung mit einem Menschen- fresser. Ein Kannibale der Fidschi-Inseln gab kürzlich — im Laufe eines Interviews, das er einem amerikanischen Journalisten bewilligte — seine sehr persönlichen Mein- nnßen über die Vorlieben der Kannibalen zum besten. Zunächst ziehen sie das Fleisch des Ozeaniers bei weitem dem oes Weißen vor. Tas Fleisch des Weißen ist sehr gesalzen, das des Polynesiers ist sehr viel milder. Nichts scheint jedoch in dieser Beziehung unter den Weißen schlimmer zu sein, als ein alter Matrose. Ter Geschmack des ulten Matrosen ist abscheulich; das kommt davon, daß dieser reichlichen Gebrauch von alkoholischen Getränken und Tabak macht; überdies ist er noch unmäßig salzig, kurz, kaum zu essen. Wäbrend der alte Schwarze dies sagte, befühlte er den Arm des Journalisten und stieß ihm den Fingier in einer Art zwischen die Rippen, die nicht durchaus platonisch ru sein schien; denn schließlich „in der Not frißt der Teufel Kliegen". „Sie fragen m\ä)v welches die besten Stücke sind ?" fügte der Veteran hinzu. „Zunächst der Kopf: die Alugen und das Gehirn und dann die Wangen. Die Wangen junger Personen sind ein sehr delikates Stück. Auch der Oberarm, die Waden und die Schenkel gehen noch, aber dos übrige taugt nichts, das ist für die Hunde." Und am Nachmittag suchte der Wilde, mit einem Gewehr bewaffnet, dm Journalisten wieder auf und bot ihm an, ihn an einen Ort zu führen, wo er „viele Papageien" finden würde. Ob- llvohl der Journalist als Weißer sehr gesalzen war, zog er es doch vor, nicht zu den Papageien zu gehen, und das iuar vielleicht sehr richtig von ihm gehandelt! joppot smdp scheinend hat * : Schwester, wch koßlallfmann uti i aas NordM pel ordnete bß für Herkünste ar- taten bet N® fit N* J 37 neue ® j,«gestellt •eeä volüt schuld, reich, v" Goethestratze 9ir. 19, Neubau, ist der mittlere Stock, bestehend aus 5Zimmerit, Küche, Badezimmer und Mansarde per L Oktober oder auch stüher zu vermieten. Näh. Goetheslr. 21. schöne Wohuuug, bestehend ^aus 4 Zimmern u.Kabrnett zu vermieten. 4823 ___________Löweugaffe 20. QrtrtiS ZU vermieten. 03211 Neuenweg 18. 5369] Elegante 4-Zrmmerwohn., Mansarde mit Koch- und Leuchtgas, nebst Bleichplatz u. Garten- anteil, per 1. Oktober zu verm. ____________Rooustratzc 36. 4-Zimmer-Wohnung an ruhige Familie sos. od. später zu verm. 5419 Weserstraße 7. 6432] «lieestr. 19 1. Stock, 5 bis 6 Zimmer, neuhergerichtet, per L Oktober l. 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