Nr. 25 Zweites Blatt. 152. Jahrgang Donnerstag 30. Januar 1902 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch- u.Stern- druckeret (Pletjch Erben) Redaktion, Grpebition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprcchanschlußNr.bl. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v "**7 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 7ö Pf., vierteljährlich Mk. 2L0; durch Abholc» u. Zweigstellen monatlich 6v Pf.; durch diePost Vlk. 2.— viertel» fährt, auöjchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ar die Tagesnummer i iS vormittags 10 Uhr. ^eilenpreiS: lokal ILPf* auswärts 20 Pfg. verantwortlich: ür den polit. u. allgem. Teil: P. Witiko: für ,Stadt und fiantr und ^Gerichtssaal":R.Di t V mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. am Ale Heutige Wummer umfaßt 10 Seiten Zur Honorierung der Kasseuarzke. Im Korresponbenzblatt des ärztlichen Landesvereins im Großherzogtum .Hessen veröffentlicht Med.-Rat Dr. Krug als Vorsitzender der Krankenkassen-Kommission eine „Unannehmbar!" Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns unterm 29. Jan.: In der Zolltarifkommission ist heute von der Regierung eine kategorische Erklärung abgegeben worden. Staatssekretär Graf Posabowsky wies die von der Rechten gestellten Anträge über Ursprungszeugnisse für die Waren- Einfuhr kurzer Hand zurück: im Falle der Annahme der die Industrie in hohem Grade beunruhigenden Anträge sei die Zolltarifvorlage aussichtslos. Empfindliche Gegenmaß- regelu des Auslandes würden die notwendige Folge solcher Bestimmungen sein. — Es ist an der Zeit, daß die Regierung in ter Zolltarifkommission dem Hin und Her, dem Durcheinander von Anträgen ein Ziel setzt, indem sie sofort sich darüber äußert, was annehmbar ist, und was nicht. Die Beratungen verlieren sich nachgerade ins Uferlose. Abg. Singer (Soz.) hatte nicht Unrecht mit der Bemerkung: Man wisse schließlich gar nicht mehr, was die Antragsteller wollen. Der Keheirnerkaß des Staatssekretärs v. Tirpitz, der die Vorbereitung einer neuen Flottenvorlaqe zum Gegenstand hat, hat folgenden Wortlaut: Unter dem 6. Januar 1902 ist seitens des Reichs-Ma- rine-Aints ein Erlaß ergangen, der folgenden Wortlaut hat: Bei Ausstellung der Berechnungen zum jetzigen Flotten- gesetz diente als Grundlage für die Gesamtentwickelung der Marme lediglich der Gesichtspunkt, jährlich eine gleiche Anzahl von schiffen in Bau zu geben, und zwar wurde das jährliche Bautempo auf 2 Linienschiffe, 1 großen Kreuzer, 3 Heine Kreuzer festgesetzt. (Sine parallel laufende planmäßige Steigerung der Jndiensthaltungen, im besonderen der möglichst beschleunigte organisatorische Aufbau der Schlachtflotte mußte in den Berechnungen vorläufig außer Acht gelassen werden, da eine dem anwachsenden Schiffsbestande entsprechende Steigerung der Jndiensthaltungen für die Jahre 1905 bis 1910 so hohe Bedarfszahlen für die „Fortdauernden Ausgaben" ergeben hätte, daß die Flotten-Vorlage ohne neue Steuern nicht durchführbar gewesen und infolgedessen aufs äußerste gefährdet worden wäre. Nach den bisherigen. Absichten soll dem Reichstage Politische Tagesschau. Minister v. Thielen. Der preußische Verkehrsminister v. Thielen vollendet heute, am 30. Januar, sein 70. Lebensjahr. Herr v. Thielen ist soeben erst von schwerer Krankheit genesen! Wenn man seine Amtsthätigkeit, zumal als Eisenbahnminister, gerecht kritisieren will, dann muß man berücksichtigen, daß Miquel seit dem Eintritt Thielens in das Ministerium, im Jahre 1891, mit aller Energie darauf gehalten hat, daß die reichen Eisenbahn-Erträge in möglichst bescheidenem Maße Verkehrserleichterungen und anderen Reformen, Beamten-Aufbesserungen, Personalvermehrungen usw-, dienstbar gemacht wurden. Herr v. Thielen hat manches Zugeständnis an die Oeffentlichkeit dem Finanzkollegen förmlich abringen müssen. Die Einführung der 45 tägigen Rück- fahrtkarten erfolgte erst nach dem Ausscheiden Miquels aus dem Amte. Des Ministers Hauptwerk ist die preußisch-hessische Eisenbahnbetriebs-Gemeinschaft, über deren Mert die Meinungen ja bekanntlich sehr geteilt sind. Sehr förderlich ist das Kleinbahngesetz der Verkehrsentwickelung gewesen. Mit Kanalvorlagen hat Herr v. Thielen bekanntlich minderes Glück gehabt. Persönlich erfreut er sich vieler Synrpathieen. im Winter 1904/05 eine Novelle zum Flottengesetze vorgelegt werden. Ter Inhalt der Novelle selbst wird sich zwar nur auf die zahlenmäßige Vermehrung der Auslands schiffe erstrecken, die beizufügende Begründung aber wiro 1. den Schiffsbauplan für die nächsten fünf Jahre (1906 bis 1910), 2. einen Ueberblick über bi: Entwickelung der Gesamtkosten der Marine innerhalb dieser Bauperiode (1906 bis 1910) geben müssen. t Falls im Winter 1904/05 die sinanziellen und inner- politischen Verhältnisse des Reiches dies irgendwie gestatten, wird man den Versuch machen müßen, in der vorzulegenden Begründung zur Flottennovelle die planmäßige Entwickelung der Jndiensthaltungen in den Jahren 1906 bis 1910 dem wachsenden Schiffsbestand und dem zu beschaffenden Berufspersonal anzupassen, und zu diesem Zwecke eine ausreichende Steigerung der „Fortdauernden Ausgaben" in den Berechnungen vorzusehen. Eine wie hohe jährliche Steigerung der „Fortdauernden Ausgaben" seiner Zeit in die Reichstags-Vorlage in Aussicht genommen werden kann, ist eine etatspolitische Frage, Deren Entscheidung Vorbehalten bleiben müsse. Von größter Wichtigkeit aber ist es, baldmöglichst klare Anschauungen darüber zu gewinnen, welche Steigerung der Jndiensthaltungen nach Maßgabe des zu beschaffenden Berufspersonals bis zum Jahre 1910 einschließlich bei normaler Entwickelung möglich .ist, und welche Geldmittel dazu erforderlich sind. Zu diesem Zwecke ersuche ich, im Einvernehmen mit den anderen beteiligten. Gruppen des Hauses: 1. einen Jndiensthaltungsplan nach Maßgabe des 1910 verfügbaren Schifsbestandes und des bis 1910 bereit zu stellenden Berufspersonals (Kapitel 52), 2. den Gesamtbedarf an Militärpersonal (Kapitel 51) zur Durchführung dieses Jn- diensthaltungsplanes aufzustellen und mir vorzulegen. Als Muster für den Jndiensthaltungsplan ist der alljährlich für den Etat aufgestellte Jndiensthaltungsplan unter namentlicher Aufführung der einzelnen Schiffe bezw. Angabe des Schiffstypus zu benutzen, damit nach diesem Plan Kapitel 52 berechnet werden kann. Eine Schiffsliste der im Jahre 1910 dienstbereiten Schiffe liegt bei Bei Aufstellung derselben ist angenommen, daß 1. das jetzige Bautempo von jährlich 2 Linienschiffen, 1 großen Kreuzer und 3 Heinen Kreuzern auch von 1906 bis 1910 beibehalten wird, 2. Linienschiffe uno große Kreuzer fünf Jahre, kleine Kreuzer 4 Jahre, Torpedoboots-Divisionen 3 Jahre nach der Bewilligung ihrer Probefahrten beendigt haben und dienstbereit sind. Bei Aufstellung des Jndiensthaltungsplanes ersuche ich im besonderen folgendes zu erwägen: A. Auslandsschiffe. Mir werden bis zum Jahre 1910, also für acht Jahre, mit einer erheblichen Steigerung der Auslands-Jindienst- haltungen rechnen müssen. (Folgt ein Tableau und unter B. ein Verzeichnis der heimischen Schlachtflotte.) Die Wirkung der „Knthüllung". Aus Berlin, 29. Januar, wird uns geschrieben: Von der Enthüllung des „Vorwärts" über die nächste, für 1904/5 geplante Flottenvorlage kann eigentlich nur die Regierung überrascht, und zwar peinlich überrascht sein, weil wiederunt ein durchaus vertrauliches Atten- tück, das Schreiben des Staatssetretärs v. Tirpitz, in >ie Hände von Sozialdemokraten gelangt ist. An und für ich erfährt man aus der Veröffentlichung wenig neues. Daß das Flottenprogramm kein unabänderliches ist, daß die Äiarnieverwaltung vor allem auf die s. Z. gestrichenen Auslandsschi sfe zu r ückzu ko m m en beabsichtigt, das war wiederholt schon Gegenstand der Erörterung in der Presse. Neu ist nur der Ilmstand, daß bereits bei der letzten Marinevorlage die Frage einer der Vermehrung der Schiffe entsprechenden Steigerung der „In dien st h alt- u n g" der Schisse ins Auge gefaßt wurde, daß aber bte Marineverwaltung diese Frage vorläufig fallen ließ, um durch die starke Erhöhung der fortdauernden Ausgaben, ver- dunden mit neuen Steuern, bte Flottenvorlage nicht „aufs äußerste zu gefährden". Das ist allerdings gewiß, daß damals die Verlambarung solcher weiteren Pläne bte Flottenvorlage zum Scheitern gebracht Haden würde. Unb eben deshalb, weil biese Gefahr bestand, wird es nicht allzu sehr der Marineverwaltung zu verbenken sein, daß sie diese Konsequenzen ber Schiffsvermehrung einstweilen nicht aufs Tapet brachte. In ber Politik kann nicht immer alles bas gesagt werben, was man weiß Auch bie offenherzigsten Parteipolittker müssen nicht selten aus taktischen Gründen schweigen, bis ber richtige Zeitpunkt gekommen ist, bieKarten auszubeckeu. Vtan geht zu weit, von einer „Täuschung" des tags zu sprechen, weil bie Marineverwaltung nicht bcn ganzen Plan preisgegeben hat. Die neuen Marinepläne liegen noch in weitem Felbe. Niemanb weiß wie sich nach brei Jahren bie Finanz Verhältnisse des Reiches gestaltet, ob sie nicht vielleicht eine Blüte wiedererlangt haben, bie für Wehrzwecke größere Ausgaben erlaubt. Außerdem han- bclt es sich vorerst um Projekte ber Marineverwaltung, nicht am eine Vorlage ber Verbündeten Regierungen. Tas Ganze ist „Zukunftsmusik". Jedenfalls ist kein Grund, sich schon jetzt zu erregen. Erklärte doch ber Wortführer bes Zentrums, Dr. Müller-Fulba, ber an dem Zustandkommen ber Flottenvorlage großen Anteil hat, heute in ber Bubgetkommission des Reichstages, „ber Erlass habe nichts erschreckendes an an sich Staatssekretär v. Tirpitz bedauerte ben Diebstahl amtlich vertraulichen Materials^ und führte aus, ber Erlaß sei nur eine Konsequenz ber Stellung bes Reichsmarine- arnts zum Flottengesetz. Herr v .Tirpitz bezog sich auf feine ReichstagKred»:. vom 6. Juni 1900. Diese Rede, die in der „Norbd. Allg. Ztg." zum Abdruck gelangt, enthält zwar die Bemerkung, baß die Regierung die Streichung der Forderungen für bie Auslandsschiffe nur als „eine Vertagung der Entscheidung dieser Frage" angesehen wissen wollte; aber die Rede enthält keine Andeutung über die erhöhte Jndiensthaltung. Gerade diese Andeutung, ist ja auch nach dem Erlaß ausdrücklich vermieden worden, um bie Flottenvorlage nicht zu gefährden. Nach ben Urteilen der Berliner Blätter zu schließen. Lat die Enthüllung keineswegs so sensationell in den Parteilagern gewirkt, wie die Urheber der Veröffentlichung des Erlasses angenommen haben mögen. Die „Boss. Ztg." vermutet, das amtliche Schriftstück werde besonders in den Kreisen des Zentrums peinliches Aussehen machen. Das ist, wie aus ben Erklärungen bes Abg. Müller-Fulda hervorgeht, nicht ber Fall. Das Berliner Zentrums-Organ, bie „Germania", bezeichnet aber bas Verschweigen der für später beabsichtigten erhöhten /^Jndiensthaltungen" als eine „sehr bedenkliche Taktik. Tie „Rationalztg." konstatiert, ber Erlaß bringe durchaus nichts neues unb überraschendes. Daß für bie neuen Schiffe 'Mannschaften ersorberlich sein würden, habe niemand bezweifelt. Das „Berl. Tagebl." wirst die Frage auf, wie ber Reichstag die Enthüllung ausnehmen werde ? Die agrarische „Deutsche Tagesztg." erklärt, keine Veranlagung zu haben, sich zu den noch ganz in Dunkeln liegenden Plane irgendwie bindend zu äußern. Nach der Auffassung ber „Neuesten Nachrichten" fällt bie Berösfent- nqjunß _ eines beraitigen Aktenstückes unter ben § 92 des Strafgesetzbuchs und involviere den Landesverrat. Zuschrift, die er von einem hessischen Arzt erhalten hat und welche mit verblüffenber Deutlichkeit bie trostlosen Verhältnisse barthut, roelc^e bei manchen Krankenkassen bestehen. Der betreffenbe Arzt schreibt: Ich habe im Monat 9L, ben ich als einen stillen bezeichnen muß für bie Krankenkasse in X-, das 5 Kilometer von meinem Wohnort entfernt liegt, 287 Besuche. 8 .Extrabesuche, 1 Operation, 40 Konsultationen und 3 Nachtkonsultationen, im ganzen also 339 Einzelleistungen gehabt, welche nach ben Mindestsätzen der Landestaxe berechnet, 338 Mark kosten würben- Ich bekomme von ber Kasse als Honorar 1200 Mark für bas Jahr, monatlich also 100 Mark- Da ich ber schlechten Wege unb des Wetters wegen 45 Mark für Fuhrwerk verauslagen mußte, so verblieben mir im ganzen 55 Mark ober für jebe Leistung 16 Pfg. ober für jede tax- mäßig zu berechnenbe Mark 14 Pfg. — Sollte wirklich bas Verlangen ber Aerzte nach Erhöhung der Krankenkassenhonorare unberechtigt sein? Uebrigens finb bie Bezahlungsverhältnisse ärztlicher Arbeit auch außerhalb ber Kassensphäre an vielen Orten außerorbentlich schlechte. So suchte kürzlich durch Inserat in ärztlichen Zeitungen bie Gemeinde Selzen im Kreise Oppenheim, bem wohlhabendsten Teil Rheinhessens, einen Arzt- Sie bietet ihm für bie Behandlung ber Ortsarmen ein jährliches Honorar von 600 Mark unb für Behandlung ber Gemeindekrankassen-Mitglieber 400 Mark. Außerbem gestattet (!!) sie bem Arzte für jeden Krankenbesuch bei einem Gemeindeangehörigen, ber nicht zur schon genannten Kategorie gehört, bei Tage 50 Pf. unb bei Nacht 1 Mark zu liquidieren. Die enorme lieberfüHung des ärztlichen Staubes ermöglicht es, auch um solche Hungerlöhne Bewerber zu finben. Deutsches Deich. Berlin, 29. Jan. Der Kaiser hörte heute ben Vortrag bes Chefs bes Civilkabinetts v. Lucanus unb besichtigte später ben neuen Dom unb bas Pergamonmuseum. — Die noch lebenden ehemaligen Lehrer bes Kaisers in Cassel am Friebrichs-Gyrnnasium sowie bes Kaisers Mitabit urienten an bieser Anstalt mürben, wie bereits kurz gemeldet, am 25. Januar im Schlosse von bem Kaiser empfangen, anläßlich bes 25jährigen Gedenktages des vorn Kaiser an dieser Anstalt bestandenen Abitu- rientenexamens. Der Kaiser unterhielt sich mit jedem der erschienenen Herren in leutseligster unb ungezwungenster Weise, und es würbe fast ausschließlich nur über bie Kasseler Schulzeit gesprochen und Erinnerungen hierüber ausgr-- tauscht. Der Empfang dauerte über eine halbe Stunde. Es nahmen an dem Empfange als ehemalige Lehrer nur Dr. Hußner, Direktor des Friedrichs-Gymnasiums in Cassel, und Direktor Dr. Hartwig-Frankfurt a. M. teil. Bon ben 17 Mitabiturienten waren nur 10 persönlich erschienen, well bie übrigen im Auslanbe weilen oder durch Krankheit verhindert waren; es waren erschienen: Landgerichtsrat Klepp- ler, Regierungsrat Schmidt unb Rechtsanwalt Jouvenal, sämtlich aus Cassel, Professor Brauneck-Hamburg, Regierungsrat Blankenborn-Hildesheim, Staatsanwalt Ganslanbt- Marburg, Landgerichtsrat Heyer-Neuwied, Geh. Bergrat Langemann-Aachen, Landgerichtsrat Sommer-Frcmksurt a. M. unb Regierungsrat Ziemann-Königsberg i. Pr. — Gestern würbe ber f r an z ö s i s ch e Sch r i f t st e ll er und Capitän Jules b e Cuverville, Direktor der französischen Revue Armee et marine und Bicepräsident der Bereinigung der französischen Militär-, Marine- und Kolonialschriftsteller, v o m K a i s e r e m p f a n g e n. be Cuverville hat unsere Marineeinrichtungen in lliel studiert, er hat bie Werkstätten unb Werften besucht unb ist voll des' Lobes unb ber Anerkennung über bas Gesehene. Sein Urteil über seemännische Angelegenheiten gewinnt noch dadurch, an Wert, baß er bie Marinen fast aller europäischen Staaten stubieri und auf seinen weiten Reisen auch sonst noch sehr eingehende militärische Beobachtungen gemacht hat.. Ter französische Offizier war entzückt über die Leutseligkeit des Kaisers, er fand sein Aeußeres viel jünger und viel weniger, ernst, wie man den Monarchen gewöhnlich dargestellt sieht.. Tatsächlich überrascht aber war er über die minutiöse Kenntnis, bie ber Kaiser über militärisch-maritime Gegen- stänbe entwickelte, bie sich auch namentlich auf Frankreichs beziehen. Der Kaiser ist absolut unterrichtet unb sehr „au courant", wie v. Cuverville meinte. Jedenfalls besteht bas Bestreben einer gegen fettigen Annäherung, und biese mußte sich hauptsächlich; auf praktische, namentlich koloniale Bestrebungen zwischen ben beiben Mächten beziehen. Der französische Offizier und Schriftsteller hat von Deutschlanb bie allerbeste Meinung und bcn allergünstigsten. Einbruck. — General v ck>. Goltz ist bas Großkreuz bes Roten Ablerordens mit Eichenlaub und Schwertern am Ftinge verliehen worben. — Ter Besitzer ber Fibekommißgüter Brcdeneck undReth- wisck, Konrab Heinrich von D o n n e r, ist in ben Freiherm- stano erhoben worben. — Der „Reichsanz." veröffentlicht eine Bekanntmachung betr. bas Verfahren bei Anträgen auf Verlänger-i, un g der Ladenschlußzeit. — Das „Reichsgesetzblatt" veröffentlicht eine Bekanntmachung betr. Aerrderungmr berJ Betriebsordnung für bie Haupteisenbahnen Deutschlanbs. — Dem „Berl. Tagebl." zufolge ist dem elsässischen Reichstagsabg. Schlumberger bie Mitteilung zugegangen, ber Kaiser beabsichtige im Mai, nach Besicht tigung der Arbeiten auf der Hohkönigsburg auch die Stadt Mülhausen zu besuchen, um einen Einblick in bie Jn-> bustrieverhältnisse zu erhalten. — Die Ernennung bes Reichsgerichtsrats v. Buchwal^ in Leipzig z-mn ScuatZpräsibentcu beim Reichsgericht, und des preußischen Oberlundesgerichtsrats v. Eichstruth in Frankfurt a. M. zum Reichsgerichtsrat wiro amtlich publiziert. — Ter Geh. Justizrat Mecke, Rechtsanwalt am Reichsgericht und Vorsitzender des deutschen Anwaltsvereins, ist yeute in Leipzig nach längerem Siechtum im Alter von 67 Jahren gestorben. — Aus der heutigen Sitzung der Budgetkommission des Reichstages ist noch nachzutragen, daß der Staatssekretär v. Tirpitz in seiner Erklärung zu dem im ^Vorwärts" veröffentlichten Geheimerlaß hervorgehoben hat, eine erhebliche Verstärkung der Auslands- flotte sei unbedingt erforderlich; eine solche Forderung habe er auch schon bei der Beratung des letzten .Flottengesetzes angekündigt. Abg. Müller-Fulda bestritt aufs entschiedenste, daß eine weitere Neuforderung für die Marine für die Geltungsfrist des Flotten- Msetzes vom Staatssekretär angekündigt worden sei; im Gegenteil seien derartige „Befürchtungen" vom Regrer- ungstische aus als gegenstandslos bezeichnet worden. Die Kommission beschäftigte sich alsdann mit der Fortsetzung der Beratung der Frage, ob für Kiautschon eine Reiter- truppe zu schaffen sei. Ein Bedürfnis hierfür wurde von der Mehrheit anerkannt. Schließlich einigte man sich auf einen Antrag Müller-Fulda, der eine Reitertruppe als besondere Formation ab lehnt, dagegen für das dritte Seebataillon eine P e r s o n al ve r me h r u n g an ^Offizieren und Mannschaften, etwa in halber Stärke der verlangten Reitertruppe, vorsieht. In Gemäßheit dieses Beschlusses wurden an den übrigen Positionen die erforderlichen Streichungen vorgenommen und die weiteren Forderungen für Kiautschou bewilligt. — Das p r eu ß. Ab g e ordn eten Haus bewilligte den Etat der Gestütsverwaltung und setzte die Beratung des Landwirtschafts-Etats fort. Gegenüber Ausführungen des Abg. Goldschmidt (fr. Vp.) bemerkt Landwirtschaftsminister v. Podbielski, der Vorredner meinte, es gehe mit der Landwirtschaft langsam vorwärts^ Nein, eine Umfrage im Hause werde dem Abg. Goldschmidt schon bestätigen, daß es nicht nur langsam rückwärts gehe, sondern seit dem letzten Jahre sogar in etwas schleunigerem Tempo. Abg. Ehlers (fr. Vg.) wünscht dem Minister, daß er sich die Popularität erhalte, die er zur Zeit besitze, und die sich bis in die Reihen der Linken erstrecke. Abg. v. Eynern (natl.) konstatiert mit Befriedigung, daß wohl im ganzen Hause über die Notwendigkeit der Lebensmittelzölle keine Meinungsverschiedenheit herrsche, über die Höhe derselben werde hoffentlich auch eine Einigung erzielt werden. Ausland. London, 29- Jan. (Unterhaus.) Abg. Gordon bringt einen Antrag ein, in dem die Notwendigkeit betont wird, gesetzliche Maßnahmen zur Einschränkung der Einwanderung mittelloser Fremder zu treffen. Balfour erklärt, die Regierung sei zwar der Aiein- ung, daß die schrankenlose Fremdeneinwanderung schlimme Dinge im Gefolge habe und daß diese unter gewissen Umständen Gefahren mit sich bringe, aber die Regierung müsse auch auf die Schwierigkeiten achten, die mit dieser Frage verbunden seien, jedenfalls aber könne ohne Untersuchung keine gesetzgeberische Maßnahme getroffen werden. Die Regierung sei bereit, eine solche Untersuchung zu veranstalten. Hierauf wurde der Antrag zurückgezogen und die Adresse angenommen. — Nach einer Meldung aus Peking versammelten sich die Militär-Kommandanten Englands, Rußlands, Frankreichs, Japans, Italiens und Oesterreichs am 25. Januar in Tientsin zu einer Konferenz, in der über die Frage der Herabsetzung der Truppenstärke im kommenden Frühjahr beraten werden sollte. Der deutsche Kommandant war nicht erschienen, hatte vielmehr brieflich mitgeteilt, daß nach seiner Ansicht diese Frage eine rein politische sei, zu deren Lösung die Mllitär-Kom- mandanten nicht befugt seien- Er habe in dieser Angelegenheit auch keinerlei Instruktionen von seiner Regierung erhalten. Paris, 29. Jan. Die Deputiertenkammer nimmt die Vorlage betreffend die zeitweilige zollfreie 'Zulassung von Getreide in der vom Senat genehmigten Fassung an- — Wie verlautet, beschäftigte sich der letzte Ministerrat außer mit den Wahlen auch mit der Reise des Präsidenten Loubet nach Rußland. Vor der Abreise des Präsidenten wird eine Flotten-Demonstration stattsinden, an der sich wahrscheinlich ein russisches und ein italienisches Geschwader beteiligen werden. Die Unterhandlungen zwischen dem russischen Hofe und dem Elysee haben begonnen, werden jedoch voraus- sichllich erst gegen Ende Mai zum Abschluß gelangen. Das endglltige Programm für die Reise des Präsidenten wird erst etwa zwei Wochen vor der Abreise des Präsidenten bekannt gegeben werden. Das französische Geschwader wird in Kronstadt vor Anker gehen und Loubet wird sich als Gast des Kaisers nach Petersburg begeben. Wien, 29. Jan. Wie in parlamentarischen Kreisen versichert wird, ist infolge Entgegenkommens der Regierung alle Aussicht vorhanden, daß die Differenzen in der Angelegenheit der mährischen Univ er s itäts- Fragebeigelegt werden. Der Unterrichtsministcr wird im Budget-Ausschuß beim Kapitel Hochschulen eine Erklärung abgeben, die geeignet sein wird, beide Parteien zufrieden zu stellen. Er wird die Geneigtheit der Regierung aussprechen, eine tschechische Universität in Mähren zu errichten, sobald die notwendigen Voraussetzungen vorhanden seien, jedoch nur unter Zustimmung der Vertreter beider Nationalitäten. Budapest, 29. Jan. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam cs während der Budgetrede des sächsischen Abg. Lindner zu großen Spektakelszenen. Lindner betonte bei der Begründung des Programms der außerhalb der Parteien stehenden Sachsen, daß das Nationalitätengesetz von 1861 nur das Minimum an Recht und Freiheit für die Nationalitäten enthalte. Das Nationalitätenaesetz von 1868 gestatte den Nationalitäten den freien Gebrauch ihrer Sprache. Abg. Pichler ruft auf diese Aeußerung hin den Sachsen beleidigende Ausdrücke zu, wofür er zur Ordnung gerufen wird Pichler schreit zu den Sachsen: Gehen Sie nach Deutschland oder seien Sie ungarische Patrioten! Lindner: Wir sind alle Söhne dieses Vaterlandes. Wir verherrlichen nicht das Vorgehen der preußischen Regierung gegen die Polen! Südafrikanische Irredensklänge. Man darf wohl sagen, daß die ganze zivilisierte Welt erwartungsvoll dem Klange der „Friedensglocken" entgegenlauscht, die der holländische Ministerpräsident Dr. Kuyper hat antlingen lassen. Es besteht kein Zweifel, daß die holländische Note an England die Beilegung des Krieges zum Gegenstände hat. Da die Veröffentlichung dieser Note und zugleich die der Antwort Englands in den nächsten Tagen erfolgen dürste, wird ja an die Stelle der Vermutung bald die Gewißheit treten. Dagegen hat es den Anschein, als werde man bezüglich der Frage, auf wessen Anregung oder in wessen Auftrag der holländische Staatsmann die Vermittelungsmission übernahm, länger auf Mutmaßungen angewiesen sein. — Die Initiative ist der holländischen Regierung zuzuschreiben, hätte aber ebensogut schon früher ergriffen werden können. Es läßt sich deshalb der Gedanke nicht abweisen, daß ein Größerer hier hinter der holländischen Regierung steht, und die Annahme hat vielleicht einige Berechtigung, oaß dieser Größere kein anderer ist, als der Inspirator der Haager Friedenskonferenz, als Nikolaus II. Menn eine ablehnende Antwort Englands sich an die Adresse des Zaren richtete, konnte das weitgreifende und unliebsame Konsequenzen haben. Das würde also das „Einspringen" Hollands erklärlich und nicht minder dankenswert machen. Die englische Presse gefällt sich heute zwar in einem hochfahrenden Ton, doch das war schon manchmal so, wenn sie sich kurz daraus veranlaßt sand, „klein beizugeben". Daß übrigens Lord Balfour, und nicht Chamberlain, in dieser Sache das Wort führt, darf vielleicht auch in günstigem Sinne gedeutet werden. Die Berliner „Post" erklärt anscheinend offiziös, man müsse sich vor Augen halten, daß es sich nicht um einen Vermittelungsversuch dieser oder einer anderen Regierung handeln könne, auch nicht um Ueber- mittelung von Friedensvorschlägen seitens des Präsidenten Krüger oder seiner Umgebung; vielmehr dürfte der holländische Ministerpräsident wahrscheinlich in der Lage gewesen sein, Mitteilungen bezüglich der Friedens-Bereitschaft der noch im Felde stehenden Burenführer der englischen Regierung zu überreichen, die diese zur Zeit in Erwägung zieht. Daß die Vorschläge von englischer Seite bereits zurückgewiesen worden seien, sei jedenfalls unrichtig. — In Berliner amtlichen Kreisen beobachtet man nach dem „Lok.-Anz^" die größte Zurückhaltung, zumal man von dem Inhalt der vom Minister Kuyper der englischen Regierung gemachten Eröffnung keine Kenntnis besitzt. Soweit die deutsche Regierung in Frage kommt, ist nichts unternommen worden, was die Meldungrechtfertig en könnte, daß sich die Mächte dem Schritte des holländischen Premierministers an geschlossen und ihn vorher gebilligt hätten. Was für Deutschland gilt, dürfte auch . Der Adressat nahm am Briefausgabeschalter nach der Legitimation und Bestätigung durch den Beamten das Anweisungsformular in Empfang, änderte an einem der Schreibtische die Zahl .Neun" Mark, über welche die Anweisung lautete, in „Neunzig" Mark um und versuchte nun, am Post- auSzahlungsschulter den Bettag von 90 Mk. zu erheben. Der Beamte war aber vorsichtig, prüfte die Anweisungsbücher und sand die Fälschung. Der Fälscher war unterdessen verschwunden, doch gelang es der Kriminalpolizei, die Fälscher festzunehmen. Sie haben schon mehr derartige Betrügereien begangen. Darmstadt, 29. Jan. Wie das „Darmst. Tagebl." erfährt, wird die Prinzessin Elisabeth am 5. Februar hier eintreffen. Darmstadt, 29. Jan. Die Handelskammer Darmstadt und der Handelsvertragsverein, Ortsgruppe Darmstadt, haben gestern folgendes Telegramm nach Berlin abgesandt: Reichstagsabgeordneten Gothein (in dessen Abwesenheit an den Vorsitzenden der Zolltarifkommission), Berlin, Reichstag. Unterzeichnete Korporationen protestieren energisch gegen die zum § 8 des Zolltarifgesetzes gestellten Anträge auf generelle Einführung von Ursprungszeugnissen für alle eingehenden Waren, ebenso auf die beabsichtigte Beseitigung der dreimonatlichen Zollttedite. Mainz, 29. Jan. Die hiesige Handelskammer teilt mit, daß vom 1. Mai ab eine w eitere Schnellzugv erbin- dun g zwischen München und Mainz über Frankfurt her- gestellt werden wird und zwar in folgendem Fahrplane: München ab 6.48 norm. Mainz an 2.22 nachm. Mainz ab 3.45 nachm. München an 11.55 nachts. In diesen Zügen laufen direkte Wagen von und nach Holland, so daß für die Mainzer Reisenden ein Umsteigen nicht erforderlich ist. Mainz, 29. Jan. In mehrstündiger nicht öffentlicher Sitzung beschlossen die Stadtverordneten, den Theatervertrag mit Direktor Steinbach zu lösen und die Theaterdirektion auszuschreiben. — Um die Stelle haben sich bereits über hundert im Theater- und Kunstleben gut akkreditierte Persönlichkeiten beworben. b. Mainz, 29. Jan. Der Präsident der hiesigen Eisen- bahndircktion hat sich nach Berlin begeben, um an den Konferenzen teilzunehmen, die gegenwärtig im Ministerium für öffentliche Arbeiten stattfinden. Worms, 29. Jan. Die vorn hiesigen Gewerkschaftskartell während der letzten Tage angestellte Arbeitslosenzählung ergab für den Stadtbezirk Worms 204 Arbeitslose, die in hiesigen Betrieben angestellt waren, zum größten Teil aber seit Weihnachten ohne Beschäftigung sind. Trotzdem hat die hiesige Stadtvertretung von der Eröffnung von Notstandsarbeiten Abstand genommen. Frankfurt a. M., 29. Jan. Der hiesige Zentralerem zur Förderung der Geflügel- und Vogelzucht „Ornis" versendet soeben die Programme zu seiner, vom 1. bis 3. März in den Hallen des Ausstellungsplatzes an der Forsthausstraße ftattfinbcnben Geflügel- und Vogel-Ausstellung. Insgesamt sind 170 Klassen ausgeschrieben, davon 68 für Hühner, 9 für sonstiges Großgeflügel, 80 für Tauben, 9 für Vögel und 4 für Gegenstände. Im Preisgericht werden 13 auswärtige Kenner mitwirken; schon jetzt stehen 66 Ehrenpreise zur Verfügung. Der Meldeschluß ist auf den 15. Februar festgesetzt; nähere Auskunft wird auf dem Bureau Große Eschenheimer- straße 31 im Hofe, 1. Stock, erteilt. ** Frankfurt a. M., 29. Jan. In der wissenschaftlichen Sitzung der Sencke n b er g isch en naturforschenden Gesellschaft machte am Samstag der Vorsitzende, Ober- leljrcr I. Blum, die Mitteilung, daß der v. Reinach-Preis für eine Arbeit, die einen Teil der Geologie aus dem Gebiet zwischen Aschaffenburg, Heppenheim, Alzey, Kreuznach, Koblenz, Ems, Gießen und Büdingen zu behandeln hatte, diesmal nicht vergeben werden konnte. Das Preisgericht bestand aus den Professoren E. Kayser in Marburg, O. Boettger und F. Kinkelin hier. Der Preis wird nunmehr der Bestimmung gemäß am 1. April d. Js. nochmals ausgeschrieben werden, und zwar mit dem doppelten Betrag, also mit 1000 Mark. Die Bewerber haben alsdann ihre Arbeiten bis zum 30. September 1903 an die Direktion der Gesellschaft einzureichen. Kassel, 29. Jan. Oberpostsekretär Kümmel wurde wegen Unterschlagung amtlicher Gelder verhaftet. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Jäger Kraft von der 2 Kompagnie des Jäger-Batail- Ion§ Nr. 11 in Marburg wurde am Mittwoch tot auf dem Bahngeleise in der Nähe des Südbahnhofes gefunden. Der Körper lag zwischen den Schienen, der Kopf war fast vom Rumpfe getrennt und eine Schulter nebst Arm zerquetscht. — Wieder Getteidefchwindcl iu Amerika. An der Chicagoer Getreidebörse herrschte am 27. ds. Mts. außerordentliche Erregung. James Patton hat über 10 Millionen Bushel Maihafer qecoruert. Tie Newyorker Getreidebörse wurde durch die Vorgänge flark affieitt und konnte nur durch kräftige Unterstützung vor einer Panik bewahrt werden. . werden. — Deutsche Gesellschaft für elektrische Unternehmungen Frankfurt a. M. Von den Obligationen dieser Gesellschaft sind rund 81/, Millionen zum Umtausch in Obligationen der Gesellschaft Lachmayer angemeldet. Die Anmeldefrist ist bis zum 12. Februar verlängert. — Die Budapester Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft wird die gleiche Dividende wie im Vorjahre, nämllch 6 Prozent, verteilen. 4s,-6 Oes österreichische Botschafter v. Szögyeny teilnahmen. London, 30. Jan. „Daily Mail" veröffentlicht ein Telegramm aus dem Haag, worin mitgeteilt wird, daß iw der Note der holländischen Regierung die englischen Behörden ersucht werden, einem holländischen Aus-q schusse freies Geleit nach Südafrika zu geben, um dort die Buren über die wirkliche Lage in Europa zu? unterrichten. Die Angelegenheit wird im nächsten Kabinettsrat am Freitag in Erwägung gezogen werden. — Man erzählte sich gestern abend in den Klubs, daß die Minister, die Note als ohne jeden Wert bezeichneten, weil sie keinen bestimmten Vorschlag enthalte. Das Kabinew habe bereits in sehr höflichen Worten auf verschiedene' Bemerkungen der Note geantwortet. Man erklärt, falls-' die holländische Regierung von den Burensührern ermächtigt werde, Friedens-Vorschläge zu machen, so würden die englischen Minister diese einer ernsten Erwägung unterziehen. Auf alle Fälle hätte man sich Über die Wichtige keit der holländischen Note getäuscht. Hätte, sie die Wichtigkeit, die man ihr beilegt, so hätte die englische Regierung gezögert, Kenntnis von ihrem Inhalte zip geben. Haag, 30. Jan. Von unterrichteter Seite wird versichert, daß die niederländische Note lediglich die Anfrage enthalten habe, unter welchen Bedingungen England Frieden schließen wolle. Von der Antwort wird es abhängen, ob Holland die Initiative zur Friedens-Vermittelung ergreifen werde. Wien, 30. Jan. Das Organ des Auswärtigen Amtes ist der Ansicht, daß der holländische Ministerpräsident Knypers kaum mit einem Frie d en s wu n s che an die englischen Staatsmänner herangetreten wäre, wenn er befürchtet hätte, unerwünscht zu kommen und eine Zurückweisung zu erhalten. Alles beute daraus hin, daß, die englische Regierun g, nachdem der volle Was- fen-Erfolg der englischen Armee anerkannt ist, gern bereit fei, den Schrecken des Krieges ein? Ende zu machen und solche Friedens-Bedingungen zu stellen, daß aus dem blutgetränkten Boden Südafrikas noch die Versöhnung der Rassen emporsprießen könntz. Petersburg, 30. Jan. Der Journalist Amph.i-- theatrow ist gestern früh in seiner Wohnung verhaftet und sofort nach Sibirien (Irkutsk) verschickt worden. Der Grund dafür ist ein Pasquill auf die» kaiserliche Familie, das er in der Possija veröffentlichte. Die Zeitung wurde sofort von der Regierung für immer unterdrückt- Das Pasquill schildert das Leben einer Gutsbesitzers-Familie. Aus den ersten Augenblick erscheint es harmlos und nur Eingeweihten ist es verständlich. Eine Fortsetzung wurde noch in Aussicht gestellt. Amphi- theatrow's Handlungsweise wird allenthalben scharf ge- tadelt. Telephonischer Kursbericht. Kunst und Wistenschasl. — Die berühmte italienische Schauspielerin Adelaide Ristort beging am 29. b. 2JL ihren 80. Geburtstag. Ter großen Künstlerin gingen aus ganz Italien Glückwunschtelegramme und Blumenspenben zu. Die Königin-Mutter übersandte mit einem huldvollen Schreiben ein goldenes mit Brillanten geschmücktes Armband. — Der Deutsche Kaiser ließ Adelaide Ristori durch den deutschen Botschafter unter Ausdrücken des Bedauerns, die große italienische Künstlerin, deren Genie ehemals auch das deutsche Publikum in Begeisterung versetzt habe, nicht persönlich zu kennen, Glückwünsche aussprechen und einen Blumenkorb über- reichen. (Dem feinsinnigen Geschenke unseres Kaisers an die Stadt Rom, die sich nun bald im Besitz einer deutschen Meisterstatue Goethes befinden wird, ist eine neue Aufmerksamkeit Wilhelms 1 . gegenüber der ganzen italienischen Ration gefolgt, und die Römer werden aufs neue die außerordentliche Liebenswürdigkeit des Trägers der deutschen Kaiserkrone rühmen und preisen. Fast sieht es so aus, als ob Kaiser Wilhelm nach der großen Auslandsrede des Grafen Bülow und dessen legeren Bemerkungen über den Dreibund besonderen Wert auf herzliche Beziehungen zu Italien lege. Alan erinnert sich dabei aber auch, daß der Kaiser bereits vor Jahren einem Italiener, dem Komponisten der „Bajazzi", Leon- cavallo, den Auftrag erteilte zur Schöpfung einer Roland-Oper, deren Vollendung allerdings noch immer auf sich warten läßt, und andererseits daran, daß Kaiser Wilhelm den 70. Geburtstag und den Tod eines unendlich Größeren, des Deutsch-Schweizers Böcklin, unbeachtet vorüber gehen ließ. D. Red, des Gieß. Anz.) 3v/o Mexikaner . . 4*/z / Chinesen Ehctr.c. tic* ackert . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstadt r Bank . Dresd ner Back . . Ber iner Handelsges-,, Oesterr Staatobahrl . Lombarden . J . Gottharibahn . . . Lanrai-ütte . . j. . Bochum . . « i, « Harpener . . . . Gerichts 1 aal. Kassel, 29. Jan. Tie Strafkammer beschloß die Zeugenvernehmung des Direktors Schmidt in dem am Montag beginnenden Prozeß gegen die Aufsichtsräte der Trebettrocknungs- Gesellschaft, sofern er noch vor Schluß der Verhandlung eintrifft. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Hamburg, 29. Jan. Die Finanzdeputation fordert zur Einreichung von Angeboten auf eine Hamburgische Staatsanleihe von 50 Millionen Mark zu 3», Prozent oder im Bettage von 55 Millionen Mk. zu 3 Prozent auf. Angebote sollen bis zum 15. Februar gemacht werden und bis zum 18. Februar gebunden bleiben. Tie Anleihe soll dienen zu Landankäufen für ötaatsbauten und zur Rückzahlung schwebender Schulden. — Schwierigkeiten in der Tabakbrauche. JnSchwetzingen hat Fabrikant Brodesser, wie wir hören, den Konkurs an« gezeigt. Die Ueberschuldung soll 65 000 Mk. betragen. Ein anderes Geschäft in Schwetzingen bietet den Gläubigern 40 pEt. Voraussichtlich werden noch einige Geschäfte der Tabakbranche von gleichen Schicksal betroffen. Auch in Mannheim sprach kürzlich von Schwierigkeiten bei einer Tabakfirma, die aber unseren Informationen so gut wie behoben sind. — Städtcanleihen. Sowohl die Subskription auf die neue 3i/,proz. Frankfurter Anleihe, wie diejenige auf die Kölner Stadtanleihe wurde wegen Ueberzeichnung sofort nach Eröffnung wieder geschloßen. — Die neue 3*/rprozentige Offenbacher Stadtanleihe soll anfangs Februar zur Zeichnung aufgelegt Vermischtes. • An Kaisers Geburtstag wurden beim Festmahl des Offizierkorps in Lindau nach altem Brauch zwischen den Garnisonen Lindau und Memel poetische Fest- grüße geweselt. Das Offizierkorps in Memel telegraphierte: Die deutsche Flur im Jubel lebt, Ter über alle Lande braust, Und siegesfroh den Degen hebt Tie kampfgestählte Mannesfaust, Und grüßt den Kaiser! Ob auch des Landes Raum un5 trennt, Gemeinsam ist des Blutes Spur; In jedem Bruderauge brennt Ein heil'ger Strahl beim Treueschwur: „Tas Herzblut für den Kaiser!" Von Lindau ging folgender Gegengruß ab: In Nord und Süd, vom Berg zum Strand, Im ganzen weiten Vaterland Schlagt hochgestimmt mit gleichem Schlag Das deutsche Herz am Kaisettag! Den Bodensee durchwogt der Rhein — Laßt uns mit Euch die Hüter sein Des deutschen Stroms, wie es vor Jahren Im Sieg oereint die Väter waren! Alldeutschland halte stets die Wacht! Dem Kaiser sei em Hoch gebracht! Dem Kaiser Heil in Fried und Streit! _____________So schall es heul' und allezeit. Unwersitäls Nachrichten. — Der Prorektor der Jenenser Universität verfügte die Verhinderung sämtlicher bisher üblich gewesener studentischen Mensuren in Hirz. 933 894 Wir empiehlen: Garantie-Wer Bezeuge für Schreiner, Glaser, Zimmerleute. Fstm. Eichen-Abschnitte UL und IV. Klaffe, Möbelbeschläge, Sargverzierungen. ■ 2,0 Rm. 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