9h?. 281 Zweites Blatt. 152. Jahrgang Samstag 29. November 1903 □ s • riaelnt iSgllch Ä vcznq»pr-i», autiei Sonntags. jg .-.^W MV Z2y yfX. *T?ßg Cj monatlich76X'LoierteU vem G>etzener Anzeiger / Jf ' Y Lj . . . töbrlid) tfUL 2.20; bu^tj s-M miononor 11 ittMrtor ms Ktab«nQ?(Uüdbrid)Vn n I ▼ B ▼ V V B V ■ V B>iJmüui5Tomu£ Univelf.-Buch-uStem- m w M ZeUenpret». lokal ILP^ General-Anzeiger w ~a. uub Trudelet: U KJt b«n pollL a. aQgem Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen KMs ^rnlvrechanlkbiiißNl 51. ” 1 Kr ^ctqenietl: HanS Beck. Aie heutige Kummer umfaßt 24 Seiten. Bekanntmachung. In bet 3eit vom 22. bis 29. November 1902 wurden m hiesiger Stadt befunden: 1 Spazierstock, 1 Visitenkartentäschchen. IPappschachtel mit Inhalt und 1 Faß Honig. Verloren: 1 Fächer, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Manschette mit gold. Knopf, 2 Pferdeteppiche und 1 Sparkassenbuch über 450 Mark auf Wilhelm Fink II von Rödgen lautend. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 29. November 1902. Großherzoglic^eä ^oli^eiamt Gießen. Hechler. Deutsches Reich. Berlin, 28. Nov. Der Kaiser hörte gestern abend 6k Vorträge des Kriegsministers v. Goßler und des Chefs des Militärkabinetts Grafen Hiilsen-Häseler. An der Mbend- tafel nahm auch Graf Bülow teil. Heute morgen hat der Kaiser die Reise nach Görlitz angetreten. — Die kürzlich aufgetauchten Gerüchte über eine im nächsten Jahre geplante Begegnung Kaiser Wilhelms und d^s Zaren aus dänischem Boden werden jetzt auch von englischer Seite bestätigt. Das „Bur. Laffcm" berichtet darüber aus London: Zar Nikolaus wird, wie nach einer Kopmbagener Meldung des „Daily Telegraph" jetzt endgiltig feststeht, im Herbst nächsten Jahres zu längerem Besuche nach Schloß Fredensburg bei Kopenhagen kommen. Gleichzeitig werde Kaiser Wilhelm dort für einige Tage der Gast des Königs von Dänemark sein. Auch König Eduard und Königin Alexandra, sowie viele andere fürstliche Gäste wurden erwartet. — Beim Staatssekretär des Reichsschatzamtes Frhrn. v. Thielmann fand gestern abend ein parlamentarisches Essen statt, an welchem Abgeordnete fast aller Parteien des Reichstages teilnahmen. Das Hauptgesprächsthema bildete die gestrige Reichstagssitzung. Wie die „B. R. N." melden, wurde von allen Seiten lebhafter Unwille über das Auftreten der Sozialdemokraten geäußert und darin der Niedergang des Parlamentarismus erblickt. Auch auf freisinniger Seite habe man in dieses Verdikt eingestimmt. Der Abgeordnete Spahn babe geftern. dem Reichskanzler Grafen Bülow mitgeteilt, daß bie Einigung unter den Mehrheitsparteien über die geschäftliche Behandlung des Tarifs vollzogen sei. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verordnung über die Inkraftsetzung des Gesetzes betreffend die Unfallfürsorge für Gefangene vom 30. Juni. Das Gesetz tritt am 1. April 1903 in vollem Umfange in Kraft. — Die englische Deputation, welche sich zum Studium der deutschen Arbeiter-Versicherung und unserer Wohlfahrtseinrichtungen in Berlin aushält, wird Mittwochabend vom Staatssekretär Grafen Posadowsky zum Diner geladen. Ausland. London, 28. Nov. Ter König von Portugal begab sich heute nach Ehatham, wo er das erste Bataillon der Oxfordshire Light Jnfantry, deren Ehrenoberst er ist, I besichtigte. Ter König sprach seine Anerkennung über das vortreffliche Aufsehen aus und gedachte der Leistungen in dem schtveren FeloMg in Südafrika. Später kehrte der König nach London zurück. — Ter Gesundheitszustand Bothas läftt noch viel zu wünschen übrig, sodaß seine Rückreise nach Südafrika auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist. Paris, 28. Nov. Ter Staatsrat erklärte in seiner gestrigen Sitzung, daß die von 74 Bischöfen an das Parlament gesandte Petition eine Bestrafung der Unterzeichner erfordere, weil diese ihre Befugnisse überschritten hätten. Tie Höhe der Strafe sei noch nicht festgestellt, doch dürfte die Regierung sich mit einer Gehaltsspcrre für kurze Zeit begnügen. Bukarest, 28. Nov. Ter Minister für Ackerbau und Handel, Aurelian, demissionierte aus Gesundheitsrücksichten. Temeter Sturdza übernahm interimistisch das Portefeuille. Madrid, 28. Nov. In Barcelona fanden neue Unruhen statt. Tie Studenten protestierten gegen die Ministerordre, wonach der Religionsunterricht in spanischer Sprache zu erteilen sei. Tie Gendarmerie drang in die Universität ein. Mehrere Studenten und ein Professor wurden bei den Zusammenstößen mit der Polizei verwundet. Tie Zensur verbietet nähere Details. Die Universität wurde bis auf weiteres geschlossen. Newyork, 28 .Nov. Ter britische Kteuzer „Cha- rybdis" ist aus Halifax unter versiegelter Ordre abgegangen, anscheinend nach Venezuela. Extravorräte werden in größter Eile eingelegt. — Ter Generalpostmeister der Vereinigten Staaten empfiehlt in einem amtlichen Bericht, Verhandlungen mit Deutschland, Großbritannien und Frankreich zwecks Ermäßigung der postalischen Gebühren anzuknüpfen. Bombay, 28. Nov. General K i t ch e n e r ist hier eingetroffen, um das Kommando über die indische Armee zu übernehmen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 29. November 1902. ** Hofnachrichten. Bon unserem rp.-Korrespon- denten wird uns aus Lich telegraphisch gemeldet: Gestern abend um 6 Uhr traf S. K. H. der Groß Herzog mittels Sonderzuges hier ein. Tie Bevölkerung, die Vereine usw. hatten Spalier bis zum Eingang des Schlosses gebildet, wo eine Ehrenpforte errichtet war. Ein Viererzug brachte S. K H. den Großherzvg ins Schloß, wo er vom Stiftsdechant Klingelhöfer empfangen wurde. Am Abend veranstalteten die Vereine und die Zöglinge der Präparandenanstalt einen Fackelzug, dem die Vertreter der Stadt vorangi'ngen. S. K. H. der Gvoßherzog bat die letzteren ins Schloß, um ihnen für den freundlichen Empfang zu danken. — Vorgestern abend fand im Palais am Louisen- platz in Darmstadt, wie wir gestern schon meldeten, ein Hofball statt, an welchem etwa 300 Gäste teilnahmen. Tie „N. H. V." schreiben noch darüber: Unter den glänzenden Toiletten der erschienenen Tamen fielen besonders auf Prinzessin Viktoria, welche ein kostbares Kleid in Vielor aus Moiree antique mit prachtvollem Perlenschmuck und Brillant-Tiadem trug. Ihre Tochter, Prinzeß Alice, eine reizende, jugendliche Erscheinung, sah in einem Kleide aus weißem TüU mit Goldpailletten aus Heckenvosen, um den Hals ein Drillantkettchen mit einem Brillantkreuz ■MEMMamnnaB——b——■ I ■—■— daran, sehr liebreizend aus. Gräfin Erbach-Schönberg, in schönem dunklem Haar ein strahlendes Brillantdiadem, hatte eine wundervolle Toilette von hellblauem Bandtu nd Goldaimpen angelegt und neben ihr strahlte in heiterer Jugenoschöne ihre Tochter Edda in duftigem Xenia, trug ein hellblaues Chiffonkleid. Die Prinzessin Franz Joseph von Battenberg erschien in blaßblauer, reich mit Silberftittern bestickter Toilette und trug ein eigenartiges Diadem von dicken Korallen, Türkisen und Brillanten dazu im Haar; ihre Schwester, Prinzessin: Xenia, tru geht hellblaues Chiffon kleid. Die Prinzessin von Menburg, eine wunderschöne Erscheinung, trug vos«r Seide, und die Prinzeß Psenburg-Birstein eine blaue Robe.i Prinzessin Alice von Battenberg und Gräfin Edda von Erbach-Schönberg tanzten den Blumenwalzer mit beit Söhnen Sr. Erz. Oberstallmeister M .v. Riedesel. Unter dem eingeladenen Damen zeichneten sich durch besonders geschmackvolle und glänzende Toiletten aus Frau Baronin Luise Schenk zu Schweinsberg, Frau Kraemer und Frau Prinzessin Koudacheff. S. Königs. Hoheit hielt verschiedentlich in liebenswürdigster Weise Cercle. ** Konzert des Akademischen Gesang-Ver» eins. Uns wird geschrieben: Allen Freunden guter Musik wird die hervorragende Aufführung des größten aller Chorwerke, Beethoven's Missa solemnis, durch den Akademischen Gesangverein im Juni d. I. noch in frischer, wohl bleibender, Erinnerung sein. Kein Werk konnte sich dieser grandiosen Tonschöpfung besser, würdiger, anschließen, als das Deutsche Requiem von Johannes Brahms, welches der Akademische Gesangverein für sein am 10. Dezember stattfindendes Winterkonzert aus- gewählt hat, ein Werk, von dem Hauslick sagt: „Seit Bach's H-moll Messe und Beethoven's Missa solemnis ist nichts geschrieben worden, was auf diesem Gebiet sich neben Brahm's Deutsches Requiem zu stellen vermag." Nicht nur als Kunstwerk, auch im Geiste, in dem es gehalten ist, scheint es uns für diese Zeit von dem rührigen Verein und seinem tüchtigen Dirigenten, Hemm G. Trautmann, gut gewählt. Wir haben das Totenfest eben gefeiert und stehen, wenn wir auch der fröhlichen Advents- und Weihnachtszeit ent gegen eilen, noch unter dem Eindruck jener Stimmung, der sich keiner, der einmal einen schweren Verlust erlitten, so bald zu entziehen vermag. Aber wohl jedem, der den Verlust eines teueren Wesens zu betrauern gehabt fjat, verleiht das unvergleichlich schöne Werk wieder Kraft und innere Erhebung. Spricht doch aus diesem Werke, welches bet Komponist auf ben Tod der eigenen, innigst geliebten, Mutter geschrieben hat, bie innigst empfundene Seelenstimmung. Für den Musikkenner ist das> Werk zu bekannt, um hier näher analysiert werden zu müssen, und denen, die es nicht kennen, wird es, auch, ohne nähere Analyse, vermöge der unmittelbaren Wirkung, die es auf jedes Gemüt ausübt, eine Freude und Erbauung bringen. Schon mit der ersten, im April 1868 im Dorn zu Bremen veranstalteten Aufführung hat sich Brahms in die Reihe der ersten Meister aller Zeiten gestellt. Mit den zahlreichen Aufführungen, die das Werk seitdem erfuhr, ist es im besten Sinne populär geworben. Tie Worte hat Brahms selbst bet Bibel entlehnt und sie in einer Reihe feierlicher Betrachtungen über Diesseits unb Jenseits, über menschliches unb himmlisches Leben verwoben, ein Thema, welches er auch in ben weltlichen Chorwerken: „Schicksalslieb", „Nanie", „Gesang ber Parzen" behandelte. Hier im Requiem finben wir biefe Gesunken mit bem ganzen Aufgebot seelischer unb fünfb* Gießener Theaterverein. Der Erbförfter. Trauerspiel in 5 Aufzügen von Otto Ludwig. Otto Ludwig gehört nicht zu den Ganzgroßen der Poesie; aber er ist vielleicht der bedeutendste Pfadsinder de§ deutschen DramaS. Seit wir eine gute, von Adolf Stern besorgte Ausgabe seiner Werke (Leipzig 1895, F. W. Grünow) besitzen, sehen wir klar, daß er der einzige deutsche Dichter ist, der das gewaltige Erbe Heinrich v. Kleists angetreten und verwaltet hat; er selbst hat bis zu dieser Stunde einen Erben nicht gefunden. Max Halbe schien mir eine Zeitlang dazu berufen, und ich möchte diese Hoffnung auf ben weftpreußischen Poeten immer noch nicht aufgeben. Die „Waldtragödie" wurde im „tollen" Jahre 1848 LuSgereift," dessen wertvollste poetische Frucht sie ist, sieht man von Jordans kolossalem, aber leider ebenso schwerfälligem „Temiurgos" ab. ' Als sie später unter der Patenschaft von Auerbach'und Freytag zur Aufführung kam, war die Wirkung wie gestern: die beiden ersten Akte waren hinreißend, dann zuckte man mitunter zurück vor den grausigen Vorgängen, unzufriedener aber machte daS Spiel des Zufalls und die „Freischütz "-Romantik. Was and) Otto Ludwig selbst dagegen sagen mochte (vergleiche die von Stern geschriebene Einleitung zur^Buch- auSgabc): etwas von dem alten Schicksalsdramc^ steckt doch in den Träumen unb Ahnungen der beiden grauen; die Charaktere sind realistisch, nicht die Handlung. Heinrich Biilthaupt, wohl der vorzüglichste deutsche Dramaturg der Gegenwart, schrieb jüngst in der »Fran s. Ztg." eine seine Replik auf SuberinannS ^arfeS ®end)t u er die Kritiker, das Maxim. Harden in seiner „Zukunft" (vir. 8u. ■) als »schlecht geschrieben" unb auf einem »Hohn herausfordernd niedrigen Gebankenniveau stehend" zutreffend charakterisierte. Indem Bulthaupt in seiner vornehm sachlichen Art und in tiefgründigen Ausführungen den Berliner Dramatiker abthat, kam er auch auf Ludwigs .herrlichen" Erbförfter zu sprechen unb meinte, baß „bei etwas regerer Intelligenz deS Helden ber tragische Ausgang vermeibbar gewesen wäre." Es scheint, als wollte biefe Bemerkung Bulthaupt auch auf ©übermann bezogen wissen, ber „bei regerer Intelligenz" sich nicht burch mehr ober minder gerechtfertigte Urteile ober leicht vom eigentlichen Thema abweichende, zu seiner Charakteristik aber wesentlich beitragenbe Bemerkungen berufener Kunstkritiker, bie ja schließlich auch Menschen sinb, verletzt gefühlt haben würbe. Doch bies nur nebenbei. In seiner Dramaturgie bes Schauspiels (III. 237) hat sich Bulthaupt boch für ben tragischen Schluß bc§ „Erbförsters" entschieben. Er sagt ba: „So schwül, so atemverfetzenb ist bie tragische Lust in dem dämmrigen Zimmer des Jägerhauses von Tüstcrwalbe geworben, daß wir ben Schuß als eine Wohlthat empsinben: er zerteilt dies Gebünst, er qiebr unS das Gleichgewicht zurück — er endet das Drama in Wirklichkeit. Wer möchte von dem alten Manne Abschied nehmen mit hundert Fragen auf den Lippen, für die er keine Antwort weiß? Wer möchte sein trostloses Dasein verlängert wissen ? Ter Schuß flieht Gewißheit, unb hat der Dichter uns auch selbst in die Lage gebracht, einen anderen Ausflang flleichfalls für möglich zu halten — einerlei, künstlerisch ist dies der rechte. Ein Trama, das vom Unbeil so gesättigt ist wie dies, durfte nicht wie ein Rührstückchen — es mußte wie eine Tragödie enden." Dagegen läßt sich doch wohl manches einwenden. Nach der ursprünglichen Ludwig'schen Niederschrift fällt der Vorhang schon nach den Worten: „Wenn wir uns Wiedersehen, bin ich kein Mörder mehr". Mir scheint dieser Schluß weit lebenswahrer und keineswegs rührstückmäßig. Wenn der Dichter, wie er selber sagt, „ein so großer Freund der realistischen Motive war", so hatte er ganz recht, mit einem ober mehreren Fragezeichen das Drama auSflingen zn lassen. Er gab bann eben einen Ausschnitt aus dem Leben jenes mit Waldlogik behafteten egoistischen Starrkopfes, dessen Ver- standesmangel viel zu groß ist, um ein gar so schwer tragisches Ende als nötig erscheinen zu lassen. Man hat wohl Mitgefühl mit diesem hartköpsigen Hinterwäldler auS längst vergangener Zeit, in ber noch kein bürgerliches Gesetzbuch in einem Volkskommentar für wenige Pfennige in jeher Hütte lag, einem Manne, ber auf seinem Rechtsbegriffe besteht, das nach seiner naiven Waldwelt-Anschauung auch das Recht ber anberen sein muß, einem Manne, besten Weichherzigkeit unb tiefe Religiosität uns rührt; aber bie Katastrophe, bie über ihn hereinbricht unb ihn zermalmt, ist ein viel zu kolossaler Apparat angesichts ber eng begrenzten einfachen unb einfältigen Welt, in ber sich bie Dichtung abspielt. Vieles an bem Werke scheint uns heute veraltet. Den mobernen Autoren hat man es mit Recht nicht verziehen, wenn sie auf Kosten ber Logik bie Bühnenwirksamkeit in den Vordergrund stellten. Man hat nut Recht bie tragischen Schlußeffekte ber beiben besten Dichtungen ber mobernen beutschen Realistik, von Halbe's „Iugenb" unb Hauptmann's „Fuhrmann Henschel", gefabelt. Aber von echter, vorbilblich'r Realistik ist bie wuchtige, kraftvolle Sprache Ludwigs. — „Seid klug wie die Schlangen, doch ohne Falsch wie die Tauben!" bas ist ber Wahrspruch, der allezeit unb allenthalben Gültigkeit hat in ber Welt, die auch von den Bewirtschaftern ber Güter und Wälder Kompromisse verlangt! Vom ersten Augenblick an, da Herr Di egelmann aus Frankfurt, der Gast — der übrigens dort in diesen Tagen als Wallenstein reiche Anerkennung erntete — unsere Bühne betrat, standen wir unter dem Banne seiner wuchtigen Persönlichkeit. Wie jedes Wort, jede Geberbe ber sonst noch auf ber Szene Anwesenben sich auf ben Erbförfter als ben Mittelpunkt dieser kleinen Welt bezieht, so fühlten auch wir uns mit zwingender Gewalt zu diesem klaren, reinen Menschen hmgezogen, der — trotz aller geistigen ÄurAhcbt — eine der rrrtp^rr jrrort von vom DmTponMon beroTSrttet. Obwoys „SteqnienT" betitelt, schließt sich das Werk dem liturgischen Requiem der kath. Kirche keineswegs an, wie das, allerdings in mehr dramatischer Form gehaltene herrliche Derdi'sche Requiem, welches wir vor zwei Jahren in einer trefflichen Aufführung des Akademischen Gesangvereins kennen gelernt haben. Tvs Brahms'sche gleicht mehr einer Trauerkantate, sein Hauptzweck ist es, die Leidtragenden zu trösten. Es ist Wohl kaum ein W'rk in der gesamten Musiklitte- ratur, das, wie das T tsche Requiem, himmlischen Trost ru spenden vermag; solange es Leid auf Erden giebt, solange wird das Werk estehen und allen, nicht nur den religiös Empfindenden, rin Quell erquickenden Trostes sein. Verehren wir in der Fülle seiner herrlichen Lieder, seiner unvergleichlichen Kammermusik- und Orchesterwerke in Brahms den gottbegnadeten Meister, der die Traditionen der Klassiker in die neue Zeit herübergerettet hat, im deutschen Requiem besitzen wir den ganzen, echtesten Brahms, der sich nirgends tiefer offenbart hat, als in diesem Werke! Wünschen wir, daß dem Werke seitens der hiesigen und auswärtigen Musikfreunde ein reges Interesse entgegengebracht werden möge. Tie Aufführung ist durch Herrn Trautmann mit gewohnter Sorgfalt vorbereitet. Tie zwei mitwirkenden Solisten, Frl. K'arola Hubert aus Köln und Herr August Leimer aus Frankfurt a. M., sind in Gießen längst bekannt und hochgeschätzt, und für den Orgelpart ist Herr Adolph Hempel, der Organist der Münchener Kaim-Säle, gewonnen. Tas Orchester ist durch hiesige und auswärtige Künstler verstärkt. Auf den übrigen Teil des Programms kommen wir vielleicht noch in einer der nächsten Nummern zurück. ** Person cvlien. S. K. & der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den evangelischen Pfarrer Ferdinand Decker zu Mettenheim, Dekanat Worms, z. Zt. in Gießen, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste, in den Ruhestand zu versetzen. — S. K. H. der Gr o ß h er z o g haben Aller- gnädigst geruht, der durch die Dekanatssynode des Dekanats Wöllstein für den Rest der im Jahre 1903 ablaufenden Wahlperiode vollzogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Jakob I a u d t zu Planig zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Wöllstein die Bestätigung zu erteilen. ** Die Gemälde-Aus st ellung am Brand hat diese Woche wiederum eine Aenderung erfahren, indem zu den, seit acht Tagen erst neu ausgestellten, wieder 40 Gemälde neu hinzugekommen sind, sodaß die gegenwärtige Ausstellung, über 100 Gemälde aufweist. Gleichzeitig wollen wir darauf Hinweisen, daß ein Teil derselben nur kurze Zeit hier ausgestellt werden kann, und sei daher der baldige Besuch der Ausstellung empfohlen. Hs. Invalidenversicherung. Eine wesentliche /lenderung in Bezug auf das Meldewefen wird voraussicht- mit dem 1. Januar 1903 hier in K'raft treten. Bisher mußten dieienigen Personen, welche entweder gesetzlich nicht krankenversicherrlngspflichtig waren — z. B. in nicht gewerblichen Betrieben beschäftigte Dienstboten — oder welche einer eingeschriebenen Hilfskasse angehörten, zur Invalidenversicherung bei der Bürgermeisterei hier angemeldet werden, während die Ortskrankenkasse nur für die bei ihr zur Krankenkasse vngemeldeten Personen auch gleichzeitig die Einziehung und Verwendung der Beiträge zur Invalidenversicherung vornahm. Auf ihren bei der Bürgermeisterei gestellten Antrag übernimmt nun die Ortskrankenkasse vom 1. Januar 1903 ab auch denjenigen Teil der Invalidenversicherung, der bis jetzt bei der Bürgermeisterei ressortierte, sodaß die Anmeldung zur Invalidenversicherung auch für diejenigen Personen, die nicht krankenver- isicherungspflichtig sind, bei der Ortskrankenkasse zu erfolgen haben wird, was als eine wesentliche Erleichterung für das Publikum, — insbesondere auch für neu hier Zugezogene — welches teilweise nie recht unterscheiden konnte, ob man bei der Bürgermeisterei oder bei der Ortskrankenkasse anzumelden habe, anzusehen ist. ** Das nächste Schwurgericht, welches am Montag, den 1. Dezember, seinen Anfang nimmt, wird, wie man erfährt, nur zwei Tage in Anspruch nehmen. Spruchreif sollen bisher nur die in der letzten Session vertagten beiden Sachen gegen Wilhelm Janisch von K'öhden wegen Brandstiftung und gegen Heinrich Westerburg von Bad- Nauheim wegen Meineid sein. "Konzert des „Sängerkran z". Verschiedenen Anregungen zufolge, gedenkt der „Sängerkranz": „Die Kreuzfahrer" von Gade, womit der Verein in seinem Konzert am Iß. November so großen Erfolg erzielte, öffentlich zur Aufführung zu bringen. Mit Rücksicht auf die vielen Veranstaltungen in nächster Zeit, sowie die Nähe des Weihnachtsfestes kann diese Aufführung erst im Monat Februar k. I. stattfinden. •• Die Anlagemusik findet morgen um halb 12 Uhr m der Südanlage statt. Gespielt werden: 1. Ouvertüre z. O. ,9torma*. 2. Phantasie über das Lied »Süße Heimat* von Voigt. 3. In der Venutzgrotte! Walzer von Richardi. 4. Finale auS .Aidctt von Verdi. ** Zum Geburtstage de § Großherzogs wurden 428 Personen mit Auszeichnungen bedacht. Davon waren, wie der ,M. Anz.* berechnet, 78 auS der Provinz Rhein- hesten und 356 auS Starkenburg und Oberhessen. — Vom SubmissionSwesen. Bei Vergebung der Schlosserarbeiten für das neue Schloß stellte es sich im heutigen Submissionstermin heraus, daß die Maximalforde- rung 3 41.40 Mark, die Minimalforderung 106.50 Mark betrug. Bleichenbach, 26. Nov. Zwei Kinder einer Arbeiterfamilie, 2 und 4 Jahre alt, suchten in einer Kammer eine Schachtel auf, in welcher sich ein Perlenhalsband befand. Bald war das Halsband zerrissen und die Kinder wußten nichts befferes zu thun, als die Glasperlen in die Nase zu stecken. Das 4jährige Kind hatte 2 Perlen so weit in die Nase gearbeitet, dann mit den Fingern nachgeholfen, bis daS Blut aus Mund und Nase drang. Die Erstickungsgefahr war groß. Zufällig fuhr ein Arzt durchs Dorf. Dieser entfernte glücklich in Ermangelung eines Instruments mit einer Haarnadel sämtliche Perlen, dem Mädchen zwei Stück und dem Jungen eine aus der Nase. *)(' Rod heim a. d. B., 28. Nov. An sämtliche Wirte zu Rodheim, Fellingshausen und Bieber war von Seiten der Ortspolizeibehörden im Juni d. I. ein Verbot ergangen, wonach weder an junge Mädchen geistige Getränke verabreicht, noch junge Mädchen überhaupt in Lokalen ohne Begleitung der Eltern, Vormünder oder älteren Verwandten geduldet werden dürfen. Diese Aufforderung sollte den Besuch der Wirtschaften durch junge Mädchen verhindern, um Ausschweifungen und Unsittlichkeiten vorzubeugen. Die beteiligten Wirte fühlten sich durch diese? Verbot in ihrem Gewerbe geschädigt; denn die jungen Leute mieden infolgedeffen die hiesigen Wirtschaften und besuchten im verstoffenen Sommer mit Vorliebe solche Orte, die der hiesigen Ortspolizei nicht unterstellt sind. Auf eine gemeinsame Eingabe der Wirte an das Landratsamt zu Biedenkopf um Aufhebung dieses Verbotes ist ihnen in diesen Tagen ein abschläglicher Bescheid zugegangen. Offenbach, 28. Nov. Die Landtagswahl in Offenbach- Land, wo der Sozialdemokrat Orb gewählt ist, ist ebenfalls angefochten worden. Es sollen bei der Wahlmännerwahl in Bieber Unregelmäßigkeiten vorgekommen sein. — Die Trennung des Offenbacher Gymnasiums von der Oberrealschule zum neuen Schuljahr ist, wie die Leser auS der an anderer Stelle mitgeteilten Uebersicht über das heffische Budget ersehen, nunmehr offiziell ausgesprochen worden. Marburg, 28. Nov. Von einem schweren Un- glücksfall wurde die Familie eines hiesigen Einwohners betroffen. DaS Dienstmädchen sollte in der Backstube die Tische rc. abwaschen und hatte einen Topf mit kochendem Wasser auf den Fußboden gesetzt. Während sie mit ihrer Arbeit beschäftigt war, hatte sich das zweijährige Söhnchen der Familie dem Topfe genähert und fiel in daS kochendheiße Waffer hinein. An dem Aufkommen des Kindes wird gezweifelt. We tzlar, 28. Nov. Die Dahl von vier Kreistagsabgeordneten aus dem Wahlverbande des Großgrundbesitzes und Großgewerbes auf die Dauer von 6 Jahren und eines Abgeordneten auf 3 Jahre wurde heute Morgen 10 Uhr auf dem Kreishause vollzogen. Es wurden gewählt die Herren Bergwerksdirektor Roth, Generaldirektor Kaiser, Fabrikant G Buß und Fabrikbesitzer Ernst Leitz auf die Tauer von 6 Jahren und Bankier Flörsheim auf die Tauer von 3 Jahren. Gerichtssaal. R. Leipzig, 28. Nov. Ein interessanter Prozeß beschäftigte heute den ersten Strafsenat des Reichsgerichts. Ter Angeklagte, Landwirt Frank V. hatte gegen das Urteil der Ferienstrafkammer des Landgerichts Gießen, durch welches derselbe am 22. Juli d. I. wegen Grenzverrückung zu einer Gefänbnisstrafe von zwei Wochen verurteilt worden war, Revision eingelegt. Ter erste Strafsenat erkannte in Uebereinstimmung mit den Ausführungen des Reichsanwalts auf kostenpflichtige Verwerfung der Revision des Angeklagten. Gießen, 29.Roo.Marktbericbt. Ans dem heutigen Wochenmcrttt kosteten: Buttorrn.Pfd. 1,10—1,20 Mk., Hühnereier 2 St. 15—19 Mq. 2 Sttk. 00—00 Mq., Känseeier 00—00 'Hfq., Enten eie 0—O^fq., nöle vr. Skck. 5—8 Pi., Käsematte 2 Stck. 5—6 Ma., Erbsen vr. Li er 21 Pia. Luisen pr. Liter 32 Mq., Taubenvr. Paar 0,80—0,90 Mk., Hutner vr St 1,00—1,20 Mk., Hahnen pr. Stück 0,70—1,25 Mk., Enten vr. Stück 2,00-2,60 Mk., Gänse vr. Md. 50—64 Mq., Echsenüetsch ?r. Mund 66—76 Ma., Kuh- und Rindfleisch vr. Pfund 60—64 Mq., Schmeine- Üeisch vr. Pfund 70—80 Mq., Schweinefleisch, pefnhen, rr. Mund 84 Mq., Kalb stoisch vr. Psd. 68—72 Mq^ Hammelfleisch rr. Pfund 50—70Mq., Kartoffeln pr. 100 Kqr. 5.20—5 50 Mk.. Weisckraut ver Stück 00—00 Pfg.. Zwiebeln vr. Zentner 3,50—4.50 Mk., Milch ver Liter 18 Mq. Aevsel per Psd. 0—00 Pfq^ in Körben 00—00 Psq. ^.rauben 00—00 Mq. HieltC WüUWIir Lriginaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger. Berlin, 29. Nov. Bei Besprechung der letzten Reich», tagssitzung konstatieren die Blätter, daß gestern zum ersten Male seit dem 31 jährigen Bestehen des Reichstages die Sitzung infolge Lärmszenen vom Präsidenten zeitweise unterbrochen werden mußte, und geben der Hoffnung Ausdruck, daß dieses Vorkommnis im Interesse der Würde und des Ansehens des Parlaments vereinzelt bleiben möge. Nach der „Freisinnigen Ztg." wären gegen den Antrag Kardorff außer den Freisinnigen und Sozialdemokraten auch die Polen, die Deutsch-Hannoveraner, die Antisemiten und einige Nationalliberale. Nach der „Nat.-Ztg." ließ sich die Zahl der nationalliberalen Gegner des Antrages noch nicht genau feststellen. Als Gegner dess"lben werden dem Blatte bestimmt genannt: Vizepräsident Büsing, Prinz Schönaich-Carolath, Hilbck, Esche und Debl. Von einigen abwesenden Abgeordneten werde ebenfalls angenommen, daß sie gegen den Antrag Kardorff sind. Berlin, 29. Nov. Staatsminister a. T. Maybach feierte heute seinen 80. Geburtstag. — Tie „Nat.-Ztg." hört, daß die O st a fr i ka n i sch e Gesellschaft mit dem Reichskanzler einen Vertrag abgeschlossen hat, in dem sie im wesentlichen auf alle Privilegien »>nd Vorrechte im ostafrikanischen Schutzgebiet, insbesondere auf das Münzrecht verzichtet. — Tas „Kl. Journ." teilt mit, daß die Kriminalpolizei hinsichtlich der in letzter Zeit so häufigen BrändeimZentrum derStadt festgestellt hat, daß bei mehr als 20 Kellerbränden unzweifelhaft Brandstiftung vorliegt. Berlin, 29. Nov. Reichskanzler Graf Bülow fand sich gestern nachmittag gegen 6 Uhr im Reichstage ein und hatte Besprechungen mit dem Präsidenten Grafen Ballestrem. Rom, 29. Nov. Ter englische und der amerikanische Konsul blieben der Leichenfeier für Krupp ostentattv fern. — In Neapel traf ein deutscher sozialistischer Abgeordneter ein, um Material für den Vorwärts-Prozeß zu sammeln. Wien, 29. Nov. Telegramme ius Sofia besagen, daß die dorttgen Blätter in Extra-Ausgaben über neue Kämpfe in Macedonien zwischen aufständischen Banden und türkischem Militär berichten. Trotz der strengen Winterkälte wird bei Kresna und Tschumaja gekämpft. Tausend macedonische Flüchtlinge befinden sich aus bulgarischem Boden. Auch an Wiener offizieller Stelle vorliegende Meldungen konstatieren ein neues Ausleben der macedonischen Agitation. Newyvrk, 28. Nov. Ein Telegramm aus Caracas meldet, daß aus Columbien eingedrungene Aufständische nach verschiedenen Niederlagen gezwungen worden seien, sich am 25. Nov. Über die Grenze zurückzuziehen und Zahlreiche Gefangene und Munitionsvorräte in den Händen der Venezolaner zurückgelassen hätten. New York, 29. Nov. Ein Telegramm aus St. Thomas meldet: Gin Dampfer, welcher gestern dort ein traf, berichtet, daß am Mittwoch morgen, als derselbe Martinique passierte, der M o n t P e l 6 e in voller Thätigkeit war. Shanghai, 29. Nov. Die englischen Truppen haben Befehl erhalten, Shanghai am 20. Dezember zu räumen. Telephonischer Kursbericht« 8*/to/o Reichsanleihe . . 101.85 8n/i do. ... 91.45 BV.e/o Konsole .... 101.95 8% do.....91.25 Hessen .... 100 40 s % Obf*rhe88«‘n ... 99 80 4% Oeeterr. Go’drerte . . 103 00 41 , % Oesferr. Rilborrente 101.30 4% Unear. Goldrente . . 101.45 40/ Italien Rente . . . 103.20 4,',% Portugiesen . . . 48.00 °/ Portugiesen. .... 30.80 1 % C. Türken .... — Türkenlose......121.20 4% Oriech. Monopo1 -AnL 44.10 41/, % äussere Argentiner —.— 8°/0 Mexikaner . . . 23 80 4Vt'A Chinesen . . . , 91.00 Electric. Ro> uckert . . . 79 75 Nordd Lloyd . . , . 95 60 Kreditaktien . ... 211 00 Diskonfo-Kommandlt. . . 188 00 Darmstädter Bank . . . 137 00 Dresdener Bank .... 14270 Ber iner Handelsgee. . . 156 75 Oesterr Staatabahn . . . 148 00 Lombarden . . . ♦ • 16 70 Gottharibahn .... 180.00 Laura1 Qtte ...... 200 50 Bochum . ...... 16600 Harpener......166.00 Tendern: fest. besten Seiten des deutschen Wesens in großartig gesteigertem Maße darstellt. Selbst da, wo der Alte, seiner Sinne nicht mehr ganz mächtig, in schwer verzeihlichen Jr-tum verfällt, bringt die ehrliche Kunst des prächtigen Darsl.ll rs eS fettig, unsere Teilnahme kaum vermindert zu erhalten, und mit schier erhabenem Schmerze werden wir erfüllt, wenn die Wirkungen jenes unglückseligen UnverständniffeS klar werden. Mit ganz geringem Aufwand von Mitteln bttngt Herr D. seine tiefen Wirkungen hervor. Wie die mächtige Eiche deS deutschen Waldes fast unbewegt im Sturme dasteht, während ttngSum die zweigereichen Bäume sich bis zur Erde neigen, so steht dieser Erbförster, selbst ein Sohn deS deutschen WaldeS, auch im hättesten Andrange des widttgen Geschickes mit nahezu un» erschütterter Ruhe und Festigkeit vor unS. Aus der rückhaltenden Rede aber mit ihrem unendlichen Reichtum an feinen Modulationen tönt uns die Bewegung des inneren Menschen entgegen; selten, in Augenblicken der ins Ungewöhnliche gesteigerten Energie und mächtigsten Empfindend, untetttützte eine bedeutungsvolle Geberde der Hand und deS Gesichtes daS gesprochene 9Bort. Vielleicht zeigte er von Anbeginn hinter dem bärbeißigen Wesen deS eigensinnig rechthaberischen Alten, hinter seinem Pottern und Fluchen ein kleines Ziiviel von dem goldenen, warm schlagenden, großen greisen Kinderherzen, sodaß hin und wieder auS der Weichheit fast Weichlichkeit deS Gemütes zu werden schien; groß blieb trotzdem sein Etil und verblüffend echt und lebenswahr die ganze von ihm geschaffene Gestalt. Man merkte es diesem Manne an, daß er um die Breite eines seiner Riesenfinger abzuweichen, seinen Weg geht. Herr D. fand die Töne stolzen Rechtsbewußtseins und barschen Herrengefühls, er war rührend, nur zu rührend in seinem Schnierz und packend in seinem Zorn, der wie ein entfeffelteS Wildwaffer mächtig hervorbrach. Wie die Felsblöcke von einem verwitterten alten Bergeshaupte, schien es sich von diesem ragenden Manne in Worten und Leidenschaften zu lösen. Und obendrein wußte er seiner Darstellung im ersten Akte feine humoristische Lichter auszusetzen. Den ganzen großen und doch kleinen, ehernen und doch wachsweichen Charakter nahm die redliche Kunst Diegelmanns liebend in die starken Arme und rettete ihm den Schein unbrechlicher Größe. Selbstverständlich hat Herr D. fast den ganzen Erfolg deS Abends auf sich konzentriert. — DaS neue Frankfutter Schauspielhaus erhält vielleicht dereinst, wie die großen Theater Wien's und Münchens rc., eine .Ahnengalerie". Wenn Herr D. einmal unter diesen Vätern deutscher Schauspielkunst versammelt sein wird, sollte man ihn nicht anders malen als in dieser Rolle. Die Försterstochter Matte wurde gestern von Fräulein Würtemberg gespielt. Es ist keine große und auch nur mäßig dankbare Rolle, aber die junge Künstlerin hinterließ doch darin einen recht sympathischen Eindruck. Diese zarte Mädchenblüte, die in diesem heimlichen SchicksalSgrunddrama als erzwungenes Opfer hinsinkt, verschwand neben dem statten und einfachen Frankfutter Darsteller am wenigsten. Frl. W. beweist unS zuweilen in ihren besseren Rollen, daß sie mehr Talent als Routine besitzt, an der eS ihr ja auch keineswegs manaelt; rin solches Mehr aber hat man nicht oft zu rühmen Gelegenheik. e l - Men Darsteller zeigten sich im allgemeinen ihre? >llen Partners gleichfalls würdig. So stellte Herr Gerl ach einen annehmbaren Guts- und Fabrikherrn hin, indem er ganz glücklich die beiden in der Brust dieses ManneS wohnenden Seelen zur Geltung brachte, ohne sie mettlich voneinander zu scheiden. Er errang ein SonderappläuSchen. Als Ulrich? Frau war Frau Schmidt durchaus auf ihrem Platze. Herr v. Stahl als Robett zeigte wieder seine schöne Leidenschaftlichkeit, aber auch wieder die Sonderbatteit seines Atemholens und seiner hin und wieder aus schlichter Natürlichkeit in bohl und geziert klingendes Pathos fallenden besonderen Svrechatt. Ganz tüchtig und wacker war diesmal auch Herr Brosch als Andres. Beide Herren gaben den jugendlich überströmenden Thatendrang in im Ganzen erfreulicher Echtheit. Uebettrieben war die Tatttellung deS betrunkenen Buchjägers m der Szene mit Möller; Herr Battige hätte mit weniger mehr gegeben. In seiner Wiedergabe, der man allerdings konsequente Durchführung nachrühmen muß, trat der krasse Fehler der Dichtung, daß vernünftige Menschen einem Trunkenbolde und leichtsinnigen Lumpen die Stelle des ErbförsterS übergeben, um so greller hervor. Als Weller that derselbe, allem Anscheine nach fleißige und strebsame Herr, seine Schuldigkeit. Man empsiudet stets dieses Darstellers Hingabe an seinen Patt. Die ganze Wucht jener Szene, da er mit dem ominösen, die Tragik deS Stückes herbeiführenden blutigen Tuche vor dem Erbförster stand, hatte er freilich nicht erfaßt. Sehr charakteristisch zeich- nete Herr Ramse per den Wilddieb Lindenschmid. Gar zu farblos waren Herr Görtz als die schleichende Schreiberseele und Herr Steinert als Pastor. Der Beifall deS Abends von Seiten des nicht vollbesetzten Hauses war groß, bisweilen stürmisch. P. Wittko. in GotteS Natur, int Atem des WaldeS groß geworden, man begriff, warum dieser unweltläufige Waldmensch von charaktervoller Borniertheit und von unverständigem Trotz gegen Advokatenbücher, so und nicht anders bandelt und man verstarb diesen knorttgen Charakter, der unbeirrt, ohne je! kraft nSa. 'yEZ ^r-n bhi^; L«* bei Sita T'„S*^ *»"« ba'ÜJ M-- besf»0e»Ä N *“4 j11" «■ r Rihj,, > abgeichlossen Hal,« '^en md Lorrch MdereausdasNi^ W teilt mit, m m letzter Zeit so Hb Stadt festgestelltHah 1 unzweifelhaft M :t GrafBülotvfmi hr im Reichstage ih i Präsidenten hfe und der ameriM rupp ostentativ ilistischer Wg^a ts-Prvzeß zu isdn. ms Sofia fe datz asgaben üfe’neue aufständisL: Mm lotz der flniraSiirttv ija gefämr. Tausend sich ans Ägarischm Stelle vckegendr Metz ?bm der umedonW 'egramn aus Taracat ‘brungene ^ufstän- 7k gezwungen rooibft je zurüchuziehen uni zrräte m bcn HLm wer ■ ■ ' Li Teodrti: !«'• irden irlbshn 'ütte . im . • * 200 50 ' ' 166 00 ‘ .166.00 atamrn. ms St. t nettem dort eiulld t, als derselbe W n voller Thätigkii^ iglischen Truppen!-'' »«*» ** 't ibf b«*8|(inl st!« .er "tÖenben^ eS Pathos sa nb ,.to« * l,,bt im wlfli ang m ^.Dllung ^ ,tne >-»' Äl-r ^b W'»* -nboW un „m so >Ä4 *»*t*s> iw* « be? nlt^ »eiten (Deb ursberichl eiihner . • ■ ’ Chinesen ■ • • • /- ic. PC ackert. . > Lloyd . . ' 'ujjj aktien . • ' <^s>) ^o-Komwindlt • ' tidter Bank . ■ »ner Bank , < ' '15576 er Handel«* - ' ^ qq t Staabbahi < • ' ’ ' 180.00 05301| Einige ältere Kaufleute und Techniker wünschen pten Privat-Miltugstisch. Offerten postlagernd W. J. 74. 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Sonate Nr. 6 in Edur für Vio'ine solo . Sonate in A*dur. op. 110, für Klavier Soloetflcke för Violine: a) Romanze, op. 2, Nr. 1 . • b) Wiegenlied, op. 41 . . . . e) Ungar. Tänze Nr. 6 und 7 . parks des seitherig. Arztes. Osterten unter Nr. 8304 an die Expedition d. Bl. Schmiedegescllcu wird Stellung gesucht. Näheres aus dem Armenamt Gießen. 7693 findet in einer kleinen Stadt Norddeutschlands (vielbe- 8. Klavier-Soli: a) Präludium m Cismoll, op. 8, Nr. 2 b) Pastorale, Capriccio ...... 0) Rl apsodie Nr. 11...... 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Präludium und F >ge CF-dur) für Orgel (Herr Hempel.) & <• Ernst Challier (Rudolphs Nacht) Giessen. spreche ich ?lllen, insbesondere auch den Schwestern für ihre lifbeDotle, aufopfernde Pflege, sowie Herrn Pfarrer Scheunemann für die Troskesworte am Grabe, diesem Wege meinen tiefgefühltesten Dank aus. i (ZtafS flieht Selbftgeber reellen vVUV Leuten. Kitutch. Berlin. IBilNeleahtrerrfr 3?>'.Rncknrt."" Diesten, den 29. November 1902. Wilhelm Lang, 1 Pumpenmacher. Steins Garten. Sonntag, 30. November: Konzert der hiesigen Recfimentsmu^ik. Anfang V-5 Uhr. [8S341 Entröe 40 Pfg. Orliillllslro-Imiii. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Geschäfte an den lebten 3 Sonntagen vor Weihnachten, also am 7., 14. und 21. Dezember, 8331 bis abends 7 Uhr geöffnet Der Vorstand. Montag abend 7847 bei Samerad Enler. 8243s In allen lauimänn. Kontor-1 m Moroitt 5 lHrb.u.e<6ulfäcf>em rairb sriinbL | >MH1MVsslül. § Samthoho Damen- und Kinder-Konfektion wie Jacketts, Paletots, Capes, Abendmäntel, Costumes u. s. w. ▼on heute ab eu bedeutend ermässigten Preisen. Rpir^t noch vor den Festtagen LLvLi Ol wünscht häusliche, sehr vermög. Dame mit strebs. Herrn, wenn auch ohneDermögen.Off. erb. „Reform", Berlin Poft 14. 04935 ooooooooocO Doinhn vprmHtelt Be- ÄlvlvUu reau Kramer. Leipz g Brüdenitr 6. Anek 'Bft -'O Pf. QOOOOOOOOOQ Große Gesangsposse in 5 Akten von H. Wilken u. £. »Linus. Anfang 8 Uhr. Ende nach lö‘ »Ubr. Mittwoch den 10. Dezember 1902 nachmittags M/, Ubr: f ührung In der Stadtklrche zu Giessen. Mitwirkende: Dirigent: Groeeh. Unlreraitlta-Mawikdirektor 6. Trautmano. Sopran: Frl. Carola Hubert atm Cöln. Bare: Herr Auguat Lelmer an* Frankfurt a. M. Orgel: Herr Organiet Adolph Hempel ans München. Chor: Der Akademische Gesangverein. Danksagung ffltr die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Freundschaft während der Krankheit und dem Tode meiner mwergestlichen Schwester Elisabeths Lang Special-Geschäß für fchaam aller Art r, (■rosse Anawahl, solide Preise. Illustrierte Preisverzeichnisse gratis und franko Musikolicn-IIandlung und -Leihanslali Seltersweg 38. Löwengasse I. MÖfeßlfsbrikj GißSSGD. Seltersweg 38. Löwengasse I. Ruhesessel, Nähtische, Blumentische und -Ständer, Kinder - Möbel Paneelbretter, Spiegel. Uw* \V.ilw'X' _e**^*'**^ 8308 1 Ein deutsches Requiem für Soll, Chor, Orchester and Orgel von Johanne« Brahms. Elntrlt(«|