Nv. 281 Orl^ctnt täglich uubei SonmugS. Den» Gietzener Änznger werden im Wechsel mit dem Kefsttchea Landwirt d»r Siebener Familien, blüller dermal in bei Woche beigelegL ftoiaiiouebrucf u. Verlag bei Blüh l'leben Umverl.-Bllch- u.Slem- biudviei ('ihetldjlirben) fUöufhon, R unb Trudeiet; e d) u I (I r a 6 c 7. Dibieile tüi Tepeldjenx Anzeiger Gtetze». Feriilv>eckan>chl»ih')tr 51 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Samstag 29. November 1NOS GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen yezo gSpretgi monatlich 7b'UL, oiectek täbrheb Mk. 2.20; du«rh Abhole- u. ^rvetgfteÜe» monatheb 6o Pl.; durch die Post 'Dlt. 2.— otertel» jährt. au«ld)L Bestellg. Annahme von Anzeige« für die TageSmuiimet di« oormitiag« 10 Uhr« yctlenpirifl; lokal 12'U1W acrflroäria 20 Pjg. tß«iantroeilhd)i für den poltt u. allgem. Teil; P. Wiitko; lüt .Stadt unb Vanb* und ltierid)t6|aar Curt Plato; tüt den An- jieiqenleil: Han « Beck. 'Neue Tumulte im Aeichstag. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt ttnterm 28. November: Tie Szenen der gestrigen ReichStagssitzung haben das Publikum begierig auf die Fortsetzung gemacht. So gab eS heute einen förmlichen Sturmlauf auf die Tribünen. Welche taktischen Manöver mag die Linke im Schilde führen? Wird die Regierung in den Kampf eingreifen? Tiefe Fragen wurden auf den Galerien mit Leidenschaftlichkeit erörtert, als noch das Parquet leer, im trüben Zwielicht, dalag . . . Ter Eröffnung der Sitzung ging eine längere private Ms- einandersetzung zwischen Graf Balle st rem und dem Mg. Singer (Soz.) am Präsidententisch voraus. In der Erörterung über die geschäftsordnungsmäßige Zulässigkeit des Antrags v. Kar do rff (en bloc-Annahme des Zolltarifs) erhielt zunächst daS Wort Mg. Spahn (Ztr.). Er suchte die Zulässigkeit des Antrages, eines ,.Aktes der Notwehr, nachzuweisen und that dies eindringlicheren, entschiedeneren Tones, als man sonst von ihm gewohnt ist. Tie Sozialdemokraten standen dichtgeschart an der zur Kednerbühne führenden Treppe, doch sie verhielten sich zunächst verhältnismäßig ruhig. An „Randbemerkungen" fehlte eS zwar nicht, aber sie waren nicht drohender, erregter Art. Herr Spahn richtete sich mit seiner Argumentation an den kühl erwägenden Verstand. Noch mehr galt dies vom Abg. Schrader (Freis. Berg.), der nach Tr. Spahn sprach und den Mehrheitsparteien begreiflich zu machen sich bemühte, daß der Bundesrat einem „ungiltigen" Gesetz — das würde der Zolltarif nach Annahme des Antrags v. Kardorff sein — die Zustimmung versagen werde. Mit solcher Auffassung rief Herr Schrader Heiterkeit im Kompromißkager hervor. Tort weiß man sehr wohl, daß von Seiten der Regierung keine Gefahr droht, weil eben die Regierung ihren Segen den Vereinbarungen gegeben hat. Wenig angenehm berührte in den Reihen der Nationalliberalen, daß Herr Schrader die heutige scharfe Kritik der „Nationalztg." (siehe unter Pol. Tagesschau) an den beteiligten nationalliberalen Führern zitierte. Der von der „Nationalztg." gewählte Ausdruck der „Empörung" ist allerdings gegen hervorragende Vertreter der eigenen Partei angewendet, noch nicht dagewcsen. Von Hand zu Hand wurde das Blatt gereicht. Prinz Schönaich-Karo l a t h und der Sohn des Fürsten Hohenlohe, Prinz Alexander, der neben ihm Platz genommen hatte, studierten es mit Staunen immer wieder. Tie äußerste Linke schickte heute zuerst den Mg. Haase ins Feuer. Unter Führung Bebels bildete sich ein dichter Kreis von Genossen in der Nähe der Rednertribüne. Herr Haase appellierte des öfteren an die Juristen des Zentrums, die nach einigen Tagen Ueberlegung das Widerrechtliche deö Antrages Kardorff einsehen müßten ,und gab eine Sammlung von Aussprüchen des Grafen Ballestrem zum besten, um zu beweisen, wie eifrig der Präsident bei anderen Gelegenheiten die Bestimmungen der Geschäftsordnung hochgehalten habe. Graf Ballestrem war von dieser Anrufung seiner Autorität, ungewöhnlich bei einem Mit- gliede der äußersten Linken, mehr ergötzt als erbaut. Ein paarmal schien es, dap sich die Lärmszenen von gestern wiederholen würden. Mer Herr Haase winkte seinen Freunden, die mit dröhnenden Rufen Bemerkungen des Präsidenten unterbrachen, hastig ab. Nachdem Mg. v. Normann (kons.) kurz und bündig erklärt hatte, mit seiner wuchtigen Kommandostimme die Aeußerungen des Zornes links übertönend, daß seine Fraktion geschlossen für den Antrag Kardorff stimmen werde, trotz materieller Bedenken, ergriff unter allgemeinem, erwartungsvollem Schweigen Mg. Richter das Wort. Gleich bei den Eingangssätzen, die sich entschieden gegen die Zulässigkeit des Antrags Kardorff wandten, wurden die Mienen der Herren im Zentrum cknd rechts länger. Tie Betroffenheit wuchs von Minute zu Minute, denn man hatte von dem Führer der Freisinnigen Volkspartei nach feiner bisherigen fast neutralen Haltung gegenüber dem Zolltarifentwurf keine so schroffe Stellungnahme erwartet. Reservierte Genugthuung bei den Sozialdemokraten — vielleicht knüpfte Richter einen Angriff geyen die „unglückliche Obstruktionstaktik" an und machte diese für das Zustandekommen der Zoll-Verständigung verantwortlich. Tuch dies geschah nicht. Abg. Bassermann, der Führer der Natronallibe- ralen, holte seinerseits das Versäumte nach, indem er in seiner Rede, die den zustimmenden Beschluß der großen Mehrheit seiner politischen Freunde zum Antraa Kar- dorsf begründete, Stellen aus der „Freis. Ztg." wider die Obstruktion verlas. Diese Rede wurde sv häufig und so hastig von den Sozialdemokraten unterbrochen, daß Vice- präsident Graf Stolberg fast nach jedem Zeiten oder dritten Absatz die Glocke schwang und energisch bic Störungen sich verbat. Als Herr Bassermann, der sich wie der Abg. Spahn auf dem Standpunkt gebotener Notwehr gegen die Obstruktion stellte, die „Freis. Ztg." zitierte er,chollen von der äußersten Linken immer dringender die Rufe: „Nationalzeitung! Natwnalzeitung!" Und Abg. Singer begab sich feierlichen Schrittes zur Rednertribüne und legte mit den Worten: „Er soll sie lesen!" em Exemplar des Parteiorgans direkt neben den Redner hin. Strahlend vor Vergnügen ob dieser That entfernte , ich Langer, emen Beifall heischenden Blick zu den Tribunen richtend. Wieder folgte eine Ueberraschung. Abg. Liebermann o. Sonnenberg (Antist), von dem man sonst scharfe Konflikte mit der Linken gewohnt ist, sprach sich gegen den Antrag v. Kardorff aus, weil das Zollkomp^omiß durchaus nicht genügend die Interessen der Landwirtschaft berücksichtige. Durchschlagende Wirkung erzielte Herr von Liebermann, als er den Abg. Bebel an sein u>ort erinnerte, eS würde jeder „Genosse", der sich so benähme wie die Mitglieder deö österreichischen Parlaments, mit Schimpf und Schande aus der Partei gestoßen werden. „Nun stoßen Sie zu, Herr Bebekl'* Dröhnende Zustimmung und Heiterkeit der Mehrheit. Mg. Geyer (Soz.) zog es vor, über diese Apostrophe stil^lweigend hinwegzugehen und den Gegnern, lebhaft gestikulierend, den Tert zu lesen. Als „gemütlicher Sachse" hatte er einigermaßen zu ringen, um seinem Ton die „nötige" Schärfe zu geben. Er erlangte aber doch einen Ordnungsruf, weil er den hohen Reichstag mit einer „Schacherbude" verglich Dem nächsten Redner, Mg. Tr. Bachem (Zentr.), der die Einwürfe der Opposition zu widerlegen suchte, wurde vom Mg. Stadthagen seine Aufgabe aufs äußerste erschwert. Ter Letztere unterbrach den Redner fortwährend, indem er, mit den Fäusten auf die Tischplatte schlagend, polternden Dones das Wort verlangte, weil seine Wortmeldung früher, als die Dr. Bachems erfolgt sei. Zwei Ordnungsrufe sausten auf den Störenfried hernieder, aber es bedurfte der eindringlichen Vorstellungen besonnener Parteifreunde, um ihn endlich zu beruhigen. Tr. Bachems Beweisführung zeichnete sich übrigens durch Gründlichkeit und Klarbeit aus. Taß auch er stellenweise in Harnisch geriet und ein Eingreifen des Präsidenten veranlaßte, war bei den sich immer wieder erneuernden Unterbrechungen von sozialdemokratischer Seite, die schließlich tumultuari- schen Charakter annahmen, begreiflich Ein schier ohrbetLubendes Geschrei erhob sich, als Dr. Bachem des „klugen, besonnenen, alterfahrenen Politikers" Eugen Richter Erwähnung that. der die Obstruktion als Denkbar täppisch und ungeschickt" bezeichnet habe. Mle Bande der Ordnung aber lösten sich, als Dr. Bachem erklärte: „Wenn ich den Ausdruck nennen wollte, mit dem Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion urbi et. vrbi das in der Richtung der Hörigkeit sich bewegende Verhältnis der Freisinnigen Vereinigung zur äußersten Linken in der Obstruktionsfrage bezeichnet haben, dann. . ." Ein Lärm- Orkan sondergleichen brach be-i diesen Worten los; die Rufe „Namen nennen! Lügner!" wurden Herrn Tr. Bachem von den auf ihn eindringendcn Sozialdemokraten entgegengeschleudert. Vicepräsident Büsing teilte Ordnungsruf aus Ordnungsruf aus — umsonst; er versuchte es mit Zureden — umsonst. Tas Wutgebrüll der Linken verschlang Wort Und Glockenklang. Es blieb Herrn Büsing nichts übrig, als die Sitzung auf eine halbe Stunde auszu- setzen — das erste Mal seit Bestehen des Reichstags, was Herr Büsing mit schmerzlichem Ton konstatierte. Aer Kaiser in KörliH. Ter Kaiser ist am Freitag mittag in Görlitz einge- trosfen, um der feierlichen Einweihung der dort errichteten Ruhmeshalle und des Kaiser Friedrichs-Museums beizuwohnen. Er wurde empfangen vom Kultusminister Tr. Studt, dem Oberprgsidenten Fürsten Hatzfeld, dem Kommandeur des fünften Armeekorps, General der Infanterie v. Stülpnagel u. a. Nach der Begrüßung fuhr der Kaiser in offenem Wagen, von einer sehr zahlreichen Volksmenge stürmisch begrüßt, durch die festlich geschmückten Straßen nach der Ruhmeshalle. Bei der Feier dankte Bürgermeister Heyne namens des Komitees dem Kaiser als Markgrafen der Oberlausitz für die Errichtung der Lausitzer Ruhmeshalle und übergab die Halle der Stadt- gemeinde. Oberbürgermeister Büchtemann dankte dem Kaiser namens der Stadt. Er schloß mit den Worten: Tem Vaterlande unsere Liebe, den Bundesfürsten unsere Treue, dem Kaiser m,nser Herz und brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Ter Kaiser antwortete darauf: Ich danke dem Komitee für die Einladung. Neben dem Verdienst der beiden Heimgegangenen Kaiser um die Einigkeit Deutschlands war es die gemeinsame Arbeit des Volkes, die uns so stark gemacht hat. Neuerdings scheint sich ein Teil von dieser Arbeit auszuschließen. Es muß mit dem kategorischen Imperativ sich der Einzelne dem Ganzen unterordnen. Jeder, der die Ruhmeshalle betritt, wird sich bewußt sein müssen, daß auch er mitzuarbciten habe. Ich wünsche Freiheit in der Fortentwickelung der Religion, Freiheit im Denken und Freiheit für die Wissenschaften. Ich trinke ans das Wohl der Oberlausitz. Hieran schloß sich ein Rnndgang durch das Gebäude. Tie Mreise erfolgte um 12.50 Uhr. Ium Hode Krupps. Tie tief gebeugte Gattin des Verewigten hat dem Direktorium der Firma Friedrich Krupp und der Stadtverwaltung von Essen mehrere Schreiben zugehen lassen, in denen eine Reihe wahrhaft fürstlicher Spenden für wohlthätige Zwecke zur Verfügung gestellt werden. Tas erste dieser Schreiben lautet: Einem Wunsche und einer letztwilligen Bestimmung meines verewigten Gatten entsprechend und getreu dem Beispiele, das der Entschlafene bev der Uebernahme der Fabrik im Jahre 1887 gegeben, stelle ich hiermit in Vertretung meiner minderjährigen Tochter Bertha Krupp ein Kapital in der .Höhe von drei Millionen Mark zur Verfügung für die der Fürsorge für dienstunfähige Beamte und Arbeiter gewidmeten Einrichtungen der Werke. Von diesem Betrage sollen verwendet werden zwei Millionen Mark für die Arbeiter zu Pensions- und Unterstü^ungs- zwecken, eine Million zu den gleichen Zwecken für die Beamten. Frau Margarete Krupp. Ein zweites Schreiben lautet: In Uebereinstimmung mit einem Wunsche und einer letztwilligen Bestimmung meines entschlafenen Gatten, und dem Beispiele folgend, das er bei der Uebernahme der Fabrik im Jahre 1887 gegeben hat, stell- ich hierdurch, in Vertretung meiner minderjährigen Tochter Bertha Krupp, für die Stadtgemeindc Eisen ein Kapital aus von einerMillivn Mark zur Verwendung für gemein, nützige und wohlthätige Zwecke. Tie Grundsätze für dis Verwendung dieses Kapitals soll nach dem Wunsche des Verewigten eine Kommission feststellen, welche unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters aus Vertretern der Stadt» gemeinde und aus Vertretern der Fabrik in gleicher Zahl besteht. Zu Vertretern der Fabrik bestimme ich die Herren Finanzrat Klüpfel, Ingenieur Dicke, Obermeister Seelheim. Zu den Beschlüssen dieser Kommission behalte ich mir die Genehmigung vor. Frau Margarete Krupp. Für die Zukunft des gesamten Werkes und die Fortführung der Geschäfte entscheidend ist das folgende Schreiben: An das Direktorium der Firma Fried. Krupps Ich teile hierdurch mit, daß mit dem Ableben meines lieben Mannes, kraft der testamentarischen Bestimmungen des verewigten Herrn Alfred Krupp, des Vaters des Entschlafenen, die gesamte Fabrik mit allen Außenwerken und Zubehörungen ungeteilt in das Eigentum meiner ältesten Tochter Bertha Krupp übergegangen ist und ihre Rechte bis zu ihrer Großjährigkeit ich zu vertreten habe. Gleichzeitig be« stätige ich hiermit in Vertretung meiner Tochter Bertha die den Mitgliedern des Direktoriums von meinem entschlafenen Äatten erteilten Vollmachten in vollem Umfange, indem ich das feste Vertrauen hege, daß sie die Geschäfte der Firma im Geiste des Verewigten und mit der alten Pflichttreue weiterführen werden. Ich ersuche daS Direktorium, vorstehendes im ganzen Bereiche der Firma bekannt zu geben. Frau Margarete Krupp. Zum alleinigen Testamentsvollstrecker Krupps ist, wie uns aus Chemnitz berichtet wird, der Vorsitzende des Auf- sichtsrats der Sächsisschen Maschinenfabrik, Gustav Hartmann ernannt worden, und zwar auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen. Herr Hartmann wird auch der Witwe Krupps als Vertrauensmann bei der Verwaltung des gesamten Werkes zur Seite stehen, und besonders von dem Mitglied der Direktion der Firma Krupp, D-irektvr HauL unterstützt werden. Frau Geheimrat Krupp hat übrigens noch ein weiteres Schreiben an die Direktion gerichtet, in welchem sie in ihrem und ihrer Kinder Namen den Angehörigen der Gußstahlfabrik und aller zur Firma gehöriger Werke für die allgemeine und tief empfundene Anteilnahme dankt, die ihr und ihren Kindern aus allen Kreisen der Werksangehörigen entgegengebracht worden sei. Tie Liebe und Anhänglichkeit an den Entschlafenen und an die Fabrik verliehen die Zuversicht, daß es gelingen werde, das Werih das der Tahingeschiedene 15 Jahre mit Liebe und Pfticht- gefühl geleitet, dessen Blüte ihm am Herzen gelegen und dem noch feine letzten Sorgen gegolten hätten, in feinem. Geiste weiterzuführen. Wie aus Essen gemeldet wird, hegen die Krupp'schen Arbeiter die Absicht, dem Kaiser für seine Beteiligung» am Begräbnis und für feine dem verstorbenen Chef gewidmeten Worte durch eine besondere Kundgebung M danken. . Tie großen wirtschaftlichen und technischen Vereine, die in Düsseldorf ihren Sitz haben, werden am 13. De-> zember in der städtischen Tonhalle eine große Trauer» feier veranstalten. Der Abgeordnete Dr. Beumer härt' die Gedächtnisrede. --- ■ ■ ■» 1 ■—1 " ■'■■■" ■'■■■■■ ■' "■ ■ ■ ■ t Politische Tagesschau. Die Kritik der „Natioual-Zeitung*. Man schreibt uns aus Berlin, 28. November: Großes Aufsehen haben allenthalben in politischen Kreisen die Ausführungen der „Nationalztg." wegen der Mitunterzeichnung beS Antrages v. Kardorff durch die Abgg. Bassermann, Paasche und Dr. Sattler her- vorgerufen. Man kann ja verschiedener Meinung über die Zulässigkeit des Antrages, oder dessen Verträglichkeit mit dem Geist der Geschäftsordnung fein, und mehrere Nationalliberale, u. A. die Abgg. Büsing, Quentin, Dr. Esche werden als Gegner des Antrages genannt. Aber auch in der Erregung muß die Form gewahrt werden, die im politischen und im gesellschaftlichen Leben die übliche ist. Die Kritik der „National-Zeitung", daß sie „mit Em- pörun g" unter dem Antrag die erwähnten Namen erblicken, geht über diese Grenzen hinaus. Das sind Waffen, die selbst wider politische Gegner nur in seltenen Ausnahmefallen gebraucht werden dürfen, bann etwa, wenn eine bewußt frivole, gesinnungslose Handlung zu kennzeichen ist. Von einer solchen Handlungsweise kann aber hier keine Rede fein; Meinung steht hier gegen Meinung, und es wird doch wohl ohne weiteres die Aufrichtigkeit der Ueberzeugung vorausgesetzt werden? Es wäre richtig gewesen und es ist gewiß erwartet worden, daß das angesehene und sonst verhältnismäßig maßvoll urteilende Berliner Parteiorgan alsbald den in der Hitze des Gefechts gebrauchten. Ausdruck abgeschwächt hätte. Einstweilen ist dies nicht geschehen. In einem längeren Artikel ihres Freitag-Abendblattes schreibt die „Nat. Ztg." unter Bezugnahme auf die vorgestrige Reichstagsntzung u. A. folgendes: Nach unserer Meinung haben die drei Präsidenten die Aufgabe, eine Vermittlung zu versuchen, einen Ausgang aus der kritischsten Lage zu schaffen, in welcher der deutsche Parlamentarismus sich jemals befunden hat. Eine solche Vermittlung müßte der Mehrheit, sofern diese anwesend bleiben will, das Recht wahren, über den Zolltarifentwurf zu entscheiden, aber der Minderheit daS Recht über ihn nach der Geschäftsordnung zu diskutieren. Allerdings, wenn die Mehrheit entschieden will, ohne auch mtr ihre erste und Äußerliche Psticht, die der Anwesenheit, zu erfüllen, dann wird sie nur durch den parlamentarischen Staatsstreich ihren Willen durchsetzen können, und sie wird dadurch der Erhöhung der Lebensmittelzölle eine neue Last von Gehässigkeit aufbürden. Die rumänische Thronrede. König K-irl von Rumänien hat am Freitagmittag das Parlament in Bukarest mit einer längeren Thronrede eröffnet. Es heißt darin: Mit dem gesamten Lande haben wir im vergangenen Frühjahre den fünfundzwanzigjährigen Jahrestag des ruhmreichen Krieges und der Proklamation der Unabhängigkeit dieser großen Thatsachen gefeiert, woraus das Königreich Rumänien hervorgegangen ist. Im Herbfl tfl die Erinnerung unserer Waffenthaten auf demselben Felde erneuert worden, wo unsere alte Tapferkeit in dem von den verbündeten russischen und rumänischen Heeren Unternommenen heißen Kampfe wieder erwachte. Ter warme Empfang, der mir in Bulgarien seitens des Fürsteri Ferdinand und seines Volkes zu teil wurde, hat dieser Erinnerung eine besondere Bedeutung gegeben und die Zusammenkunft Rustschuk und Plewna hat die freundschaftlichen Bande beider Länder fester geknüpft. (Lebhafter Beifall.) Tie Thronrede konstatiert dann, daß die Beziehungen in allen Staaten die besten sind. Tie sinanzielle Lage festigte sich so befriedigend, daß zwei Budgets mit Ueber- schüssen abschließen und daß die verfügbaren Summen des Staatsschatzes reichlich, genug waren, um im voraus die provisorische Anleihe vom letzten Frühjahr von 17 092 722 Lei zurückzuzahlen, obwohl sie erst am 15. Juni 1903 fällig war. (Lebhafter Beifall.) Tie Regierung wird jetzt das dritte Budget vorlegen, in dem die Ausgaben sich auf der im Frühjahr festgesetzten Höhe halten, d. h. auf der Höhe von 218.5 Millionen. Tie Thronrede kündigt eine Abänderung des allgemeinen Komptabilitätsgesetzes an, um über die regelmäßige Verwendung des Einnahmeüber- schusses Bestimmungen zu treffen, ferner ein Gesetz über die Aushebung der gemeindlichen Oktrois, ein weiteres betr. Organisation der Volksbanken. Tie Thronrede schließt: Die Vorsehung hat die Bemühungen des Landes, die ganz besonders schwierige Lage zu überwinden, gesegnet. Ich bin überzeugt, daß sie, beseelt von einem klarsehenden Patriotismus, mit demselben Eifer und derselben Selbstverleugnung ihre Arbeit, die so erfreuliche Früchte gezeitigt hat, fortsetzen und meiner Regierung die notwendige Stütze bieten zur Erreichung unseres gemeinsamen Zieles, das ist das Glück unseres geliebten Vaterlandes. — Tie Thronrede wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Aus Stadt und Sand. Gießen, den 29. November 1902. •* Gedenktage. Auf Wallerstein in Franken wurde am 30. November 1744 Karl Ludwig Knebel geboren, welcher mit Goethe über ein Menschenalter im traulichsten Verkehr stand. AuS diesem Grunde bilden seine Tagebücher und sein umfangreicher Briefwechsel eine wichtige Quelle zur Kenntnis jener goldenen Litteraturepoche. Hingegen werden seine philosophischen Abhandlungen und seine Gedichte kaum noch gelesen. Knebel wohnte und starb zu Jena am 23. Februar 1834. ** Zum Advent. Die Festglocken läuten. Man hört's an den, schönen vollen Klang, daß die große Glocke dabei ist. Was hat das zu bedeuten? Morgen ist doch der erste Advent, und beginnt die Adventszeit. Ja, ja, das ist die schöne Zeit, in der den ganzen Sonntag die Läden geöffnet sein dürfen, in der die Straßen von geschäftigen Menschen wogen und die Käufer sich in die Läden drängen. Da geht das Geschäft flotter, als im ganzen Jahr, und mancher Geschäftsmann, der bis dahin recht geseufzt hat über die chlechten Zeiten, fängt an, sich schmunzelnd die Hände >u reiben. Ja, die Geschäftswelt weiß die Adventszeit zu chätzen, sie weiß, daß sie die Rüstzeit für Weihnachten ist, raß sie ihren Glanz und ihre Bedeutung von dem Weihnachtsfest empfängt, sie preisen, Christen und Juden, den Melthciland, der jedes Jahr dem Geschäft eine solche goldene Zeit bringt. Liber darum läuten doch die Glocken nicht. Sie rufen zum Gotteshaus, sie laden zum Gottesdienst der feiernden Gemeinde. Ja, wer hat dafür jetzt Zeit und Sinn? Ter Mensch will doch vor allem leben und verdienen, und auch im Hause ist jetzt so viel zu sorgen und zu schaffen. Run, es giebt Gottlob auch noch solche, die anders denken. Das sind vor allem unsere Kinder. Tie ahnen etwas von dem geheimnisvollen Quell des Lichtes und der Freude, der hinter und über all dem äußerlichen Wesen quillt und sprudelt, und aus dem allein erst dem Leben sein Glanz und sein innerer Wert erwächst. In Scharen strömen sie gerade zur Adventszeit zu unseren Kindergottesdiensten, in denen ihnen von diesen heiligen Tingen, von dem Aufgang des ewigen Lichtes in der Menschengeschichte erzählt wird, und in denen sie unsere köstlichen Lieder ihm zum Preise anstimmen. Und es sind nicht bloß die Kinder. Am 1. Mvent schart sich wirklich eine festliche Gemeinde um Gottes Wort und Sakrament. Und am 2. und 3. Advent versammeln die abendlichen Wendmahlsfeiern eine größere Zahl von Wendmahlsgästen, namentlich jugendlicher, als sonst, um den Mtar. Es muß doch eine besondere Anziehungskraft in dieser Zeit liegen. Was ist's? Es ist ja wohl der Vorschmack von Weihnachten, dem lieblichen Freudenfest. Ein Schimmer von seinem Glanz ist über die ganze Zeit gebreitet. Wie klingt's da so festlich: „Macht hoch die Thür, die Thor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit" und „Wie soll ich Dich empfangen und wie beaegn' ich Dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier". Schade um jeden, der das nicht miterleben kann, oder der sich dessen entwöhnt hat. MleS, was das Mltagsleben bringt, trägt die Gefahr in sich, daß wir darin untergehen, haß unsere geistige Persönlichkeit dadurch gehemmt, unterdrückt und geknechtet wird. Wir bedürfen einer starken Gegenwirkung, einer innerlich erhebenden und befreienden Macht, wenn wir nicht unterliegen sollen mit unserem besten Teil. Was soll uns geplagten modernen Menschen helfen? Kunst und Wissenschaft? Ja, wo sie rein und lauter aus dem ewigen Quell der Wahrheit fließen, können sie uns gute Gesellen auf dem Lebensweg sein. Wer in welcher Ungestalt bieten sie sich uns, der großen Menge wenigstens, oft an! Und auch im besten Falle sind sie nur Diener der ewigen Wahrheit, Liebe, die nach ihr selbst verlangend machen. Zu ihr selbst führt die Wventszeit, in jene Zeit, da der große GcisteSfrühlina für die Welt anbrach, da der Ruf erscholl: „Tas Reich Gottes — die Herrschaft des Geistes und DillenS Gottes über der Menschen Herzen — ist nahe herb, igekommen". Tort sind neue unausscköpfliche G^sleSkraf.e der Welt erschlösse worden, Kräfte, die eine stetige innerliche Erneuerung anregen, «ermöglichen und verbürgen. Freilich werden sie nur dem zu eigen, der auf die Mahnung hört: „Thut Buße", d. h. der bereit ist, sich durch innerliches sich Umrenken, Umfühlen und Umwollen unter die Herrschaft der ewigen Wahrheit unb Liebe, unter die Herrschaft Jesu zu teilen. Das ist allerdings an keine kirchliche Festoämung, auch nicht an die Wventszeit gebunden. Wer aber etwas von jenem Geistesfrühling an sich erlebt hat, der kann auch der innerlichen Wventsstimmung, wie sie in Wort und Lied der Gemeinde zum Ausdruck kommt, nicht entbehren und wird sie sich durch die verzehrende Hast dieser Tage nicht verkümmern lassen. Das Licht der Adventstimmung aber heißt: Jesus. O wohl dem Land, o wobl der Stadt, So diesen König bei sich yat! Wohl allen Herzen insgemein. Da dieser König ziehet ein Er ist die rechte Freuden forme. Bringt mit sich lauter Freud und Wonne. LU. Promotionen. Im Monat November 1902 wurden an der Universität Gießen promoviert: 1. cand. theol. Adolf Bender au5 Darmstadt. 2. Gerichtsaccessist Adolf Ostern ans Mainz. 3. Approbierter Arzt Max HeniuS aus Schönstieß. 4. Approbierter Arzt Otto Buchinger ans Gießen. 5. Approbierter Tierarzt Theodor Tie de auS Berlin. 6. Großh. Forstassessor Jakob Weber aus Gießen. 7. Wisienschqftl. Hilfslehrer Ludwig Doermer auS Gießen. •* Akademische Vorträge. Mit Rücksicht auf die beschränkte Zahl der im physikalischen Auditorium verfüg- baren Plätze muß leider der von Profesior Drude in Ansicht genommene physikalische Vortrag ausfallen. Statt desien wird Geh. Hofrat Profesior Behaghel am Freitag, den 5. Dezember, über den »Einfluß des Schrifttums auf den deutschen Sprachschatz" sprechen. *• Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde- Herr Dr. Theodor Koch vom königl. Museum für Völkerkunde in Berlin, der bereits im Mai 1900 vor der hiesigen Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde über seine Reise in Zentralbrasilien im Quellgebiet deS Schingü, eines rechten Nebenflußes des Amazonenstromes, berichtete, schilderte diesmal den Beginn dieser Reise, die ihn auf mehrwöchentlicher Fahrt von BuenoS-Aires auS den La Plata, Paranä, Paraguay und feine Zuflüsse Sao Lourenyo und Cuyabä aufwärts durch Argentinien, Paraguay und einen großen Teil Brasiliens bis nach Cuyabä. brachte, der kleinen Hauptstadt deS zentralbrasilianischen Staates Mato Grosso, von wo die eigentliche Expedition in das unbekannte Innere ihren Ausgang nahm. Gute Lichtbilder, die die wechselvolle Natur und die Bewohner der durchreisten Gegenden zur Anschauung brachten, unterstützten in wirkungsvoller Weise den Vortrag. DaS Stromgebiet deS Paraguay wird noch heute von einer großen Anzahl unbezwungener Jndianerstämme bewohnt, die )is jetzt frenibetn Eindringen einen hartnäckigen und erfolgreichen Widerstand entgegengesetzt haben und erst im vorigen Jahre zwei Expeditionen den Untergang bereiteten. Besonders der Gran Chaco, ein riesiges Areal von über 600 000 Quadratkilometer, daS sich vom Rio Paraguay bis zum Fuß der Kordilleren erstreckt, ist noch fast ganz unerforscht und in den Händen der freien Indianer, von denen der Vortragende einige charakteristische Typen im Bilde vor- ührte. Der blutige Rachekrieg, der gerade in den letzten Jahren zwischen diesen Reiterstämmen und den Grenzansiedlern tobt, beruht auf Gegenseitigkeit und ist in erster Linie auf daS Konto der beteiligten Regierungen und ihrer verfehlten Behandlung der Indianer zu setzen. Der Grundstock der Bevölkerung Paraguays bildeten und bilden noch heute die Guarani-Indianer, wenn auch das ursprüngliche Bild feit dem furchtbaren Kriege der Triple- Allianz, Brasiliens, Argentiniens und Uruguays, gegen das kleine Land, 1865—1870, ein wesentlich anderes geworden ist, und, wenigstens in den Städten, das Mischlingselement vorherrscht. Besonders die Weiber zeichnen sich durch hübsche regelmäßig geschnittene, oft schöne Gesichter, mit fein gebogenen Nasen und großen dunklen Augen auS. Von Natur gutmütig und leicht lenkbar, machten diese Guarani es den Jesuiten verhältnismäßig leicht, sie vermöge ihrer vorzüglichen Methode kulturell auf staunenswerte Höhe zu bringen und mit ihnen einen wohlorganisierten Staat zu schaffen, bis die ungerechte und grausame Vertreibung der Väter ihrem segensreichen Wirken ein vorzeitiges Ziel setzte und ihr blühendes Werk bald in ein Nichts zerfiel. DaS Quellgebiet des Rio Sao ßourenco ist von dem starken Volk der Bororo bewohnt, einem reinen Jägerstamm, der noch wenig bekannt ist und bis vor 20 Jahren die erbittertsten Feinde der brasilianischen Ansiedler bildete. Der Vortragende gab von diesen Indianern, die sich durch ihre Körpergröße vor den anderen Stämmen auSzeichnen, eine Reihe trefflicher Lichtbilder, sodaß jeder unbefangene Zuschauer an den ebenmäßigen, noch von keiner Kleidung verdorbenen Körpern der Na- turfinber seine Freude haben mußte. Mit einer humoristischen Schilderung des Lebens und Treibend in dem Städtchen Cuyaba, dem Grenzpunkt der Civilisation, und der leiblichen Beschaffenheit, Sitten und Gebräuche, Feste und Spiele der noch von europäischen Einflüßen unberührten Indianer des Schingu in Wort und Bild schloß der Vortrag. — .Der Hessische Kamerad". Zeitung der Krieger- kameradschast »Hassia". Die 1. Probenummer, die soeben erschienen ist, enthält folgende Ankündigung: »An sämtliche Kameraden VereinSoorsitzende! Mit dem 31. Dezember 1902 hört die .Parole" auf, unsere VerbandSzeitung zu sein. Von nun an ist das satzungsgemäß von jedem Verein zu haltende Blatt nur noch „Der Hessische Kamerad". Auf ihn müßen alle Vereine abonniert sein. Darmstadt, im November 1902. Das Präsidium der Kriegerkameradschaft .Hassia": Eram ol ini. § Butzbach, 28. Nov. Schweren Schaden erlitt der hier wohnhafte Fuhrknecht Schmidt, als er mit dem Wagen 'einer Dienstherrschaft auf dem Heimwege bei Kirch-GönS einem voranfahrenden Wagen nacheilen wollte. Hierbei fuhr nämlich daS von Schmidt gelenkte Gefährt über ein paar nebenan liegende Schutthaufen der Cbaußee, so daß Schmidt das Gleichgewicht verlor und vom Wagen herabstürzte; er trug einen doppelten Arm- bezw. Beinbruch davon. Schwer verletzt brachte man ihn nach dem Spital; der Verunglückte hat eine starke Familie. Mainz, 28. Aov. Bei der heutigen Wahl zur Handelskammer wurden nachstehende Herren gewählt: Aua. Feine, Tr. Otto Gastell, Eugen Georg Haffner. Jolef Harth, Georg Hirsch, P. Melchers, C. Mettenheimer, St. C. Mickel, Karl Schmahl, Heinrich Schwarz, Karl V?'°mann unb Lucian Wolf. Am Montag, 1. Dez. d. I. nachm-:ta»s 2 Uhr, wird im evangelischen Vereinshaus hier eine Mitglieder- Versammlung des Hessischen Pfarrve- ins statt- finben, in der auch über die Frage nach dem Vorsitz des Geistlichen im Schulvorstand verhandelt werden wird. — Bei einer Versteigerung im hiesigen Gesellenhaus erstand eine Trödlerin einen alten Waschtisch. Bei näherem Nachsehen fand sie zwischen einer Schublade und der Rückwand des Waschtisches einen wertvollen goldenen Ring. — Tie Verhandlungen zwischen der yessi- schen Regierung und dem Reichsschatzamt wegen der Erwerbung des freiwerdenden Festungsgeländes in Kastel sind jetzt soweit gediehen, daß in nächster Zeit die Verträge wegen Uebergang des Geländes an den hessischen Staat zur Unterzeichnung gelangen werden. Cb nach Abschluß dieser Verträge sofort mit dem Niederlegen der Festungswerke begonnen werden kann, darüber verlautet vorerst nichts. Frankfurt, 28. Nov. Im Main hat gestern Mittag um 2 Uhr ein unbekannter junger Mann den Tod gesucht und gefunden. Er sprang van der Wilhelmsbrücke in- Wasser und war sofort in den Fluten verschwunden. Bald darauf landete man die Leiche und brachte sich nach dem Friedhof. Ter Verstorbene war etwa 26 Jahre alt Papiere fanven sich bei ihm nicht vor. — Aus falschem Ehrgeiz erschoß sich auf dem Sachsenhäuser Friedhof her Güterexpedient Heinrich Lang. Er war im Eisenbahn- sekretärs-Examen durchgefallen und hatte sich das Jo sehr zu Herzen genommen, daß er seinem Leben ein Ziel setzte. Eine hochbetagte Mutter trauert um den einzigen Sohn. Handel und $lrrkfljr. Uolkümirischafl. Schnellpressenfabrik WormS, Ehrenhard u. Gramm, Akt.-Ges. Wurms. Tie mit 500 000 Mk. Aktienkapital arbeitende Gesellschaft erzielte in 1901 02 einen um etwa 100 000 M. niedrigeren (ziffernmäßig nicht genannten) Umsatz und sah sich zu Arbeiterentlassungen, wie auch weiteren Preisrednktionen gezwungen. Es bleibt nach Abschreibungen von 27 865 Mk. (i. V. 46 882 Mk.) ein Reingewinn von nur 1022 Mk., die vorgetragen werden (i. V. 45 682 Mk., woraus 40 656 Mk. zu Ertraabschreibungen, der Rest znm Vortrag). Eine Dividende kommt also abermals nicht zur Verteilung. In der Bilanz lallen die relativ hohen Verbindlichkeiten von 627 365 Mk. (571 926 Mk.) auf, denen an Wechseln und Baar 93 890 Mk. (90 978 Mk.) und an Debitoren nur 283 634 Mk. (298 891 Mk.) gegenüberstehen. — Die nächste Ziehung der Oertert.- Ungar. (Franz.) Staatsbahn-Aktien E m. I und II findet am 5.Dezember cr. statt. — Der Aufsichtsrat der Glückauf-Brauerei Aktien- Gesellschaft in Gelsenkirchen-Ueckendorf hat beschlossen, in der auf den 22. Dezember b. Js. anberaumten Generalversammlung eine Dividende von 8 Proz. vorzuschlagen (i. D. 9 Proz.». — An ber Frankfurter Börse würbe die Zulassung der Mk. 1 Millionen Aktien Lit. D. und Mk. 2 Millionen Aktien Vit. K, ferner Mk. 20 Mill. 4proz. Obligationen Ser. 17, Mk. 40 Mill. 4proz. Obligationen Ser. 18 und Mk. 10 Mill. 3'/,vroz. Obligationen Ser. 19 der Frankfurter Hypothekenbank zur Notierung im öffentlichen Börsen-Knrsblatt genehmigt. — Ter Jahresabschluß für 1901 02 der Braunkohlen- und Briguettes-Jndustrie Akt.-Ges. wurde in der gestern abgehaltenen General-Versammlung genehmigt. Die Dividende wurde auf 7 Proz. festgesetzt. Kohlen. ES notieren : Rubr-Fettnuß Körnung I und H Mk. 200 bis Mk. 210; Nußschmiedekohlen Mk. 170 bis Mk. 175; Deutsche Anthracit Nußkohlen- Mk. 330 bis Mk. 340; Englische Anthracit Nußkohlen Mk. 400 bis Mk. 410; Ruhrflammnuß Körnung I und II Mk. 180 bis Mk. 190; Ruhrflammnußkohlen IH Mk. 160 biv Mk. 170; Fettschrot Mk. 140 bis Mk. 145; Ruhr-Bruchkoks Mk. 235 bis Mk. 245; Aussiebgries Mk. 110 dis Mk. 120. Alles per 10 Tonnen ab Mannheim. Trotzdem das Wetter wärmer geworden ist, hat sich der Wasierstand des Rheins nicht aufgebeffert und und die Zufuhren bedingt durch die hohen Schiffs- und Schleppfrachten nach Mannheim sehr spärlich. Tabak. Im Laufe der Berichtswoche wurden die Haardtorte Neuthardt zu Mk. 30 unb Spöck zu 30—31 verkauft; in der Pfalz die Orte Knittelsheim zu Mk. 22, Rülzheim zu Mk. 23. In Seckenheim würben bis jetzt zirka 6000 Zentner in ber Preislage von M. 25—27 verkauft. Für die noch unverkauften zirka 1800 Zentner Tabak fordern die Pflanzer Mk. 28. In alten Tabaken sind uns Umsätze nicht bekannt geworden. Im badischen Cberlanbe herrscht noch völlige Ruhe; im Allgemeinen macht sich eine lehr ruhige Stimmung bemerkbar. In losen psälzer Rippen geschäftSlo-, lose feine Mk. 9—10, gebündelte Mk. 11—12. Petroleum. Tie offizielle Notierung ist in vergangener Woche etwas in die Höhe gegangen, doch blieb die Marktlage im "Ulgemeinen unverändert. Die Eindeckung deS Bedarfs bewegt sich nach wie vor in ruhigem Rahmen. Getreide. Auch während der vergangenen Woche blieb die Stimmung im Getreidegeschäst fest, aber auch die Umsätze bewegten sich wie bisher in ziemlich engen Grenzen. Je mehr die Zett der Ernte in Argentinien heranrückt, desto zuversichtlicher werden die Meldungen über einen brillanten Ausfall derselben, ober e4 tfl gerade aus diesen Gründen besonders bemerkenswert, daß nur vereinzelte Offerten und auch diese nur zu hohen Preisen von Argen- tinien oorliegen. Tie amerikanischen Forderungen sind beute ea. 1 Mk. billiger als vor acht Tagen, Rußland uttb Rnmänien find unverändert. Roggen ist ruhig. Gerste: Fnttergerste feft, Braugerste sehr fest. Hafer unverändert. Mais unverändert feft für nahe Ware. Tie heutigen Notierungen sind: Redwinter H Mk. 125. Kansas U Mark 125,5—124,5. Südrnsi. Weizen W.120-140. Rnman. Weizen Mk. 125—135. Rufs. Rsagen Mk. 103. Russische Fnttergerste Mk. 93-94. Ruff. Hafer Mk. 105-125. Laolata- MaiS r. t. Mk. 112. Mixed Mais Jan.-Ablad. Mk. 95-96 per Tonne cif Rotterdam. VW7- Verlobte -ME verlangen von ber Darmstädter Möbel-Fabrik, Darmstadt, Offerte nebst Katalog unb Preisliste. 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Koch, iflr Gießen-Land Herr Kommerzienrat S. Heichelheim, für Lich-Hungen Herr LouiS Moll- Srünberg und für Grün berg Herr H. Jhring-Lich. Die Wahlberechtigten der genannten Wahlbezirke werden zu der Wahl mit dem Anfugen „faden daß in dem Wahlbezirk Gießen-Stadt 9 Mitglieder, in dem Wahlbezirk Gießen-Land ! Alitglieder, in den Wahlbezirken Lich-Hungen und Grünberg je 1 Mitglied der Handelskammer ' Dersandtabteilnng haben wir diese Saison dem geehrten Publikum zum Bezug von jedem Metermaß anzubieten: 7281 Weltberühmte, echte Wormser DawWe in allen Farben 100 cm breit, per m jt 1.— sonstiger Verkaufspreis x 1.3o Herrenanzugstoffe Spezial-Marke „Worrnatia" aus echter Kammgarn-Wolle hergeslellt, in Hellen u. dunklen Farben 145 cm breit, per m Jt 5.50 sonstiger Wert 9.— Unster stehen ohne Kaufzwang tran«-o zu Diensten. Die Zltsendung der Stoffe geschieht per Nachnahnte. Aufträge von 15 v*i an franco. Adresie: Versandtabteilung . 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