Nr. 254 Zweites Blatt. 152. Jahrgang Mittwoch 2S. C hob er 1902 Erl-e»«1 täglich oußei Sonntag». Den^ (Siebener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Kekstscheo Landwirt die Siebener KamUiev» blätter viermal in der Woche beigelegt. fltottttuxiebrud u. Verlag bei v r ü h l'schea Univ« fi.-Buch- u. Stein- biudMii (Pietsch Lrdech Redaktion, Expedition und Druckerei: Schalstrabe 7. Adresse für Depescheat Anzeiger ölefcttu gernsprrchanschlubNr bl. GietzenerAnzeiger " General-Anzeiger v ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ve»agOpret»r monatlich 7bPs., oietiel* sährlich Atk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährt. auSschl. Beslellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesnumme» bl» vormittag» 10 Uhr. Zeilenprei« lokal 12^ anSwürt» 20 Psg. Veraatwortlichr tüt den pellt. n. allgem. keil: P. Wiltko: tüe „Stadt und ßanb* und GerichlSsacU": Curl Plato; süt den Anzeigenteil r Han» veck. Ausland. London, 28. Dti. Unterhaus. Balfour erklärt, die Frage der allgemeinen Regelung der Verhältnisse in Südafrika und der Vorschläge der Regierung bezüglich der künftigen finanziellen Maßnahmen sei für eine Besprechung noch nicht reif. Cranborne verkündet, wenn die Verstärkungen im Somalilande angekommen seien, beziffern sich die dortigen englischen Streitkräfte auf 4920 Mann. Paris, 28. Okt. Der Minister des Acußern, Delcassä, teilte im heutigen Ministerrate mit, die Regierungen Deutschlands, Englands und Frankreichs einerseits und die Regierung von Japan andererseits hätten vereinbart, die Auslegung der Bestimmungen über die immerwährenden Pachtverträge betr. bie Besitzungen der Ausländer in Japan Schiedsrichtern au unterbreiten., Tie Schiedsrichter sollen unter den Mitgliedern des Haager Schiedsgerichtes ausgewählt werden. Ueber den Kardinal Perraud wurde wegen seiner die Regierung beleidigenden Rede die Geh altssperre verhängt. Ministervräsident Combes teilte mit, daß der A u s st a n 5 befriedigend ruhig verläuft. — „Figaro" schreibt über den Besuch des dänischen Kronprinzen beim deutschen Kaiser, der Besuch sei ein Beweis dafür, daß zwischen den Gegnern von 1864 keine Spannung mehr herrsche. Tas könne nur zur Festigung des allgemeinen europäischen Friedens beitragen. Madrid, 28. Okt. In der Nähe von Karrnono entdeckte die Polizei ein Tepot von 35 Kilogramm Pulver und anderen Explosivstoffen. Man vermutet, daß es das Lager von Anarchisten sei. Rom, 28. Okt- In eingeweihten Kreisen herrscht die Ansicht, dieAnschlägegegendenErzbischofGiani in Livorno seien mit dem letzten Bombenattentat noch nicht zu Ende. Tie Regierung hatte schon ost die Kirchen- behorde um die Versetzuna des Erzbischofs eriuckt. aber Die heutige ’gtammer umfaßt 16 Seiten Deutsches Keich. Berlin, 28. Okt. Der Kaiser hörte heute die Vorträge des Chefs des Militärkabinets und des Chefs des Admiralstabes. — Nach einer Meldung auS Sofia richtete Kaiser Wilhelm anläßlich des Empfanges, den Fürst Ferdinand in Varna dem Schiffe „Therapia" zu Teil werden ließ, sowie der dabei gehaltenen Rede, worin der Fürst der Entwickelung der Handelsbeziehungen mit Deutschland das Wort sprach, an denselben ein in schmeichelhaften Worten abgefaßtes Danktelegramm. — Die ,Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: In di. reichsdeutsche Preffe ist eine Erzählung der in Wien er. scheinenden „Alld. Korr." übergegangen, nach der währen! des Besuches des deutschen Kronprinzen am Wiene Politische Tagesschau. Zur Snglandfahtt be8 Kaiser«. Man schreibt uns aus Berlin, 28. Oktober: In den Kreisen der hiesigen englischen Kolonie beschäftigt man sich lebhaft mit der bevorstehenden Reise Kaiser Wilhelms nach England. Im Hinblick auf die freilich noch unverbürgte Meldung, Prinz Heinrich werde im nächsten Jahre abermals nach Amerika fahren, und auch ein Besuch des deutschen Kronprinzen in den Vereinigten Staaten stehe in Frage, wird es von den in Berlin lebenden Engländern mit Genugthuung empfunden, daß Kaiser Wilhelm „über den Kanal" geht. Es regt sich bei den Briten so etwas wie Eifersucht auf die andere englisch sprechende Nation wegen ihrer immer vertrauter werdenden Beziehungen zu Deutschland. Dieses Empfinden hüt auf die bekanntlich recht lebhafte Phantasie der „nüchternen" Engländer dem Anschein nach außerordentlich eingewirkt. Tenn nur daraus läßt sich erklären, daß man in jenen Kreisen dem Gedanken Raum gießt, Kaiser Wilhelm werde mit König Eduard Vereinbarungen treffen über einen Besuch des deutschen Kronprinzen in den britischen Kolonien. Es wird dabei völlig außer Acht gelassen, daß, wenn der Kronvrinz schon einmal über See gehen sollte, ein Besuch der deutschen Schutzgebiete wohl eher in Frage käme, wie ja auch d,er Prinz von Wales aus seiner vorjährigen Weltreise ausschließlich die englischen Kolonien besuchte. An eine Fahrt des deutschen Thronfolgers nach dem überseeischen England ist selbstverständlich^ebenso wenig zu denken wie an eine solche oes britischen Thronfolgers nach dem überseeischen Deutschland. Nach der letzteren ist aus deutscher Seite niemals Verlangen geäußert worden; daß erstere den Engländern erwünscht wäre, beweist mithin, daß ein gewisses Wohlwollen von feiten Deutschlands den Briten allgemach Beoürfnis geworden ist. Aus dem Reichstag. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt anterm 28. Oktober: Zwischen gestern und heute ist von Fraktions wegen der Telegraph nach allen Richtungen der Windrose hin in Bewegung gesetzt worden. Nicht ohne Erfolg. Tas Signal „A bst i m m u n g über die W i e h z ö l l e in Sicht!" hat gar manchen „heimfrohen" Parlamentarier veranlaßt, den Koffer wieder zu packen und den Eilzug nach Berlin zu besteigen. Ter Gäste wartete eine Enttäuschung: nicht weniger als neun Redner hatten sich noch für die Biehzoll- debatte vormerken lassen. Wenn nicht ein „rettender" Antrag auf Schluß der Tiskussion einlief, war für heute keine Aussicht auf Entscheidung. Bald zog sich das Gros der Gesetzgeber in die Lesesäle und an die Fcaktionstisch^e in der Restauration zurück, um dort ungestörter den Verlauf der Tinge abzuwarten. Der nahezu leere Sitzungssaal hallte unterdessen wider von den tönenden Worten der unverzagt für und gegen höhere Zölle Kämpfenden. Ten MLord ui Bezug auf Länge der Rede erreichte heute das körperlich kleinste Mitglied des Reichstags, Abg. Segitz (Soz.), seines Zeichens Arbeitersekrelar in Fürth. Um die Kraft der Stimme könnte indessen mancher Hüne an Gestalt Herrn Segitz beneiden. Ter größere rednerische Erfolg gehörte jedoch dem Abg. Gras Kanitz (kons.). Tas gediegene Wissen dieses Parlamentariers, seine immer vornehm blei- benoe Art des Polemisierens nötigt auch dem politischen Gegner Achtung ab. Vom Regierungstisch griff Staatssekretär Graf Posadowsky in die Debatte ein. Im Nu füllte sich das Parkett. Ter Staatssekretär behandelte in fesselnden Ausführungen, gestützt auf persönliche Erfahrungen und Studien im In- und Auslande, die Frage der Wirkung von Getreide- und Viehzötlen, der Fleischs-Einfuhr njw. Besonderen Eindruck erzielte er, als er den Sozialdemokraten die Ausführungen des „Genossen" Abg. Schippe! über die Agrarzölle — aus dessen vielzitiertem Buch — cntgegenhielt. Abg. Schippel, der auf einem Platz der äußersten Linken völlig vereinsamt saß, hantierte nervös mit dem Bleistift; die Blicke, welche ihm seine politischen Freunde zuwarfen, bekundeten nichts weniger als Behagen und Befriedigung. Tie lange Rede des Grasen Posadowsky gipfelte in einem ernstesten Tones an die Mehrheitsparteien gerichteten Appell, der Regierung die neue handetspolitiiche Rüstung an Stelle des alten „Kuhfußes" nicht zu versagen, von unrealisierbaren Forderungen über die Regierungsvorlage hinaus Ab st and zu nehmen. „Tie warnende Schrift steht schon an der Wand. Man braucht kein Daniel zu sein, um sie zu lesen und zu deuten." Tie Mehrheitsparteien scheinen aber noch immer nicht geneigt, der warnenden Schrift Beachtung zuzuwenden. Abg. Trimborn (Ztr.) wenigstens beharrte darauf, daß die Bindung der Viehzölle aufrecht zu erhalten sei. Und voller Zuversicht prophezeite Herr Trimborn in einem etwas kühnen Wortbilde, daß aus Neuwahlen unter der Parole „Zolltarif" — ,cher Zentrumsturm verjüngt und verschönt hervorgehen werde." Was aber wird aus dem neuen handelspolitischen Rüstzeug, um das die Regierung den Reichstag so dringend ersucht? Tie Antwort auf diese Frage blieb der Zentrumsredner schuldig . ein mues „Zurück!" nisse zurückgewiesen werden. Man könnte einigermaßen er- taunt sein, daß die betreffende Berechnung, deren Richtigkeit aurn von anderer Seite in Frage gestellt worden war, eine o eifrige und umständliche Verteidigung sindet. Sonst nimmt Graf Bülow die ziemlich regelmäßigen agrarischen Angriffe auf seine wirtschaftlichen Kenntnisse nicht gerade tragisch. Diese Abwehr scheint jedoch mehr der Form halber ich an das genannte Blatt zu richten und vor allem den Zweck zu haben, darauf vorzubereiten, daß die Reichsregierung nicht gesonnen ist, sich die von der Reichstagsmehrheit beabsichtigten Abstriche an den Jndustriezöllen gefallen zu lassen. Wenigstens nicht, oweit wichtige Zölle, wie diejenigen der Eisenindustrie, in Betracht kommen. Tie offiziöse Auslassung kündigt eine ergänzende Gegenüberstellung des Zollschutzcs für die einzelnen Haupterzeugnisse der Landwirtschaft und der Industrie an; hierfür „dürfte sich später noch hinreichend Gelegenheit bieten". Es ist also nichts mit dem „Ausgleich", den die mit den landwirtschaftlichen Zöllen Unzufriedenen durch „entsprechende" Herabsetzung der Jn- dustriezölle schaffen wollen; auch hier tönt ein „Zurück!" entgegen. Tie Regierung macht das Geschäft nickt. Wieder ein Strich durch Die fein ausgeklügelte Taktik der Mehrheitsparteien. Tas hatte man mit Sicherheit erwartet, daß die Regierung in den Jndustriezöllen kräftig zu streichen gestatten würde. Wie soll man nun mit Anstand einlenken? Tenn man will doch nicht auf das der Landwirtschaft Gebotene Verzicht leisten. Zu dem Entschluß ist man doch im Laufe der Zeit gekommen, das „Alles oder nichts" fallen zu lassen. __ Der Steckbrief gegen Kaiser Wilhelm und Anderes im österreichischen Parlament. In der Dienstag-Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses erklärte Ministerpräsident v. Körber, er lehne die Beantwortung der Interpellation betreffend gewisse Vorkommnisse gelegentlich des d eu t sch en San gerbundesfestes in Graz mit der Bemerkung ab, daß kein Minister auf eine Frage Rede stehen könne, welche nur gestellt zu sein scheine, um die Immunität zu unqualifizier- baren Angriffen selbst, was ganz unerhört, gegen jene höchste Stelle im Staate benutzen zu können, vor der sich auch der leidenschaftlichste Politiker in Ehrfurcht beugt. In Beantwortung einer Interpellation des Abg. Schönerer betr. den im Prager Polizeianzeiger veröffentlichten Steckbrief gegen K a i s e r W i l h e l m erklärt der Ministerpräsident, daß auch die Regierung in dieser gefälschten Kundmachung eine unverantworrliche Verletzung des einem fremden Souverän gebührenden Respekts erblicke, welche im vorliegenden Falle um so schwerer in die Wag schale falle, als es sich um einen treuen Freund und verbündeten Monarchen handele. Der Hauptschuldige habe bisher nicht ermittelt werden können. Ministerpräsident v. Körber schließt seine Ausführungen über die Prager Steckbriefangelegenheit mit der Bemerkung, die Regierung verabsäume nicht, mit denjenigen, welche wegen Vernachlässigung ihrer Pflichten anzuklagen wären, entsprechend zu verfahren. Taszynski begründete hierauf die Dringlichkeit seines Antrages betreffend den ostgalizischen Feldarbeiter- ausstand. Er schilderte unter heftigen Ausfällen gegen die polnische Schlachta die traurigen Verhältnisse der bäuerlichenBevolkerung Galiziens, welche von den Gutsbesitzern ausgew uchert, der Not und dem Elend preisgegeben und zur Auswanderung gezwungen werde, und warnt vor einer Entfachung des Chauvinismus im Bauernstände, sowie vor der beabsichtigten Heranziehung fremder Hilfsarbeiter für die Ernte, wodurch der Bauernstand zur Empörung gereizt würde. Redner tritt für die Entsendung einer parlamentarischen Kommission zur Prüfung der Verhältnisse in Galizien ein. Ter Ministerpräsident konstatiert, daß bei den Vorfällen in Galizien allerdings die Lohnfrage int Vordergründe gestanden hatte, jedoch die polnische Agllativn sich bemerkbar machte. Ter Ministerpräsident konstatiert, daß niemand getötet und die Zahl der Verwundungen sehr gering gewesen sei. Abraham o w i t s ch bestreitet, daß Not und Elend die Ursache des Streikes waren und bemerkt, Taszynski habe es sich zur Aufgabe gestellt, alle Gesellschaftsklassen hearbzuwür- digen, die seiner Umsturzarbeit entgegentreten. (Gninewosz ruft: Verräter!) Er und seine Parteigenossen würden gegen die Anträge stimmen, weil sie gegen die Staatsargani- jation gerichtet sind und weil sie die Gesamtregierung anklagen, daß sie bis jetzt den polnischen Großgrundbesitz noch nicht für vogelfrei erklärt habe. Aus Berlin, 28. Oktober, wird uns geschrieben: Es ist eine Darlegung von ungewöhnlicher Länge, womit Bülow im Reichstag gegebenen Vergleich über die Zoll- den jüngeren Erzherzogen, vor allem den, Thronfolger, cm belastung landwirtschaftlicher und industrieller Erzeug- getreten wäre. Infolgedessen hallen wahrend Der jungitei Kaisermanöoer in Ungarn der Kronprinz und Erzherzog Franz Ferdinand nicht miteinander verkehrt. Die Geschichte ist in allen Einzelheiten erfunden. Zwischen dem Kronprinzejn und dem Erzherzog Franz Ferdinand bestehen seit Jahren freundschaftliche Beziehungen, die nie durch irgend welchen Zwischenfall getrübt worden sind. Die beiden Reisen, die imfer Kronprinz nach Oesterreich und Ungarn unternommen hat, verliefen ohne jeden Mißklang. — Der Kronprinz von Dänemark, der im Laufe des heutigen Vormittags den in Potsdam wohnenden Fürstlichkeiten Besuche abstattete, wird voraussichtlich bis morgen als Gast des Kaiserpaares im Reuen Palais verweilen und sich dann nach Kassel begeben zur Vorstellung des Offizier- korpS deS dort garnisonirenden Husarenregiments Nr. 14, dessen Chef der Kronprinz ist. — Reichskanzler Graf Bülow empfing heute den bisherigen brasilianischen Gesandten, Baron Rio Branco, der infolge seiner Ernennung zum brasilianischen Minister des Aeußeren von Berlin scheidet. — Wie ein Parlaments-Berichterstatter erfahren haben will, besteht innerhalb der Centrumsfraktion keine Neigung, zu einer Aenderung der GeschäftSord- nung des Reichstages irgendwie die Hand zu bieten. Von Vertretern der Reichspartei und der National- liberalen soll der vergebliche Versuch gemacht worden sein, die CentrumSkreise für ein solches Projekt zu gewinnen. — Die „Dtsch. Tagesztg." stellt gegenüber der Erklärung deS Abg. Dr. Heim, daß ein Riitglied des Bundes der Landwirte in einem Brief den Ausdruck von der ^gräßlichen Flotte" gebraucht habe, heute abend fest, daß der Brief nicht von einem Mitglieds des engeren Vorstandes deS Bundes der Landwirte herrührt. — Eine Massenversammlung der Berliner Polen be schloß, eine polnische kirchliche Gesamtorganisatton für die Reichshauptstadt und deren Umgebung ins Leben zu rufen. Verlangt wird eine Vermehrung der polnischen Geist- lichen in Berlin, polnische Predigten in allen katholischen Kirchen und Kapellen u. s. w. Dresden, 28. Okt. Die heute hier tagende Generalversammlung des Verbandes sächsischerJndustrieller war stark besucht. Im Mittelpunkt stand ein Referat deS Verbandssyndikus Dr. Stresemann-Dresden über „Sächsische Steuergesetzgebung und Industrie." Im Anschluß an baS Referat wurde einstimmig eine Resolution gefaßt, welche sich entschieden gegen die von den Standen beschloffene Freilassung des landwirtschaftlichen Anlage- und Betriebskapitals von der Vermögenssteuer, sowie gegen eine etwa geplante Verweisung der Gemeinde auf die Gemeindegewerbesteuer aussprach. Ferner wurde die Vereinfachung der Steuereinschätzung für unerläßlich erklärt. Stuttgart, 28. Okt. Bei der heuttgen Landtags« mahl in Vaihingen wurde Reichert (Blmdler), in Ravensburg Schlichte (Centrum) gewählt. — In Heilbronn (Land) hat zwischen Schäffler (Soz.) und Hegelmaier (B. d. Ldw.) Stichwahl stattzusinden. Heer und Flotte. Berlin, 28. Ott. Tas neue Infante ri ege wehr wird im Laufe des Herbstes an das 3., 4., ü. und 6. Armeekorps verabfolgt; es sind dann, einschließlich der Garde, im ganzen fünf Armeekorps mit der neuen Schußwaffe ausgerüstet. Aus Statt uni) Land. Gießen, den 29. Oktober 1902. ♦♦ Bei der Feldbereinigung auf dem rechten Laüufer ist der Umtausch von Gelände zwischen Gießen und Heuchelheim vorgesehen. Während seither die Gießener Gemarkung bis nahe an die letzten Häuser von Heuchelheim reichte, und sogar die Haltestelle zu Heuchelheim auf Gießener Gelände lag, wogegen Heuchelheim wieder Aecker nach Gießen zu besaß, sollen jetzt die Grenzen eine bedeutende Abrundung erhalten. Heuchelheim wird dadurch gutes Baugelände an der Straße nach Gießen erhalten. (Ter Geländeaustausch bezieht sich auf das Gebiet zwischen Rodheimerstraße und Lahn; die zukünftige Grenze wird vom gerade gelegten Landwehrgraben gebildet. Dte Fläche, welche Gießen erhält, ist wesentlich größer als die, welche es abgiebt. D. Red.) **ZudenLandtagswahlen. Aus Worms wird gemeldet: Einen äußerst interessanten Verlauf nahm die Versammlung nationalliberaler Wähler. Tas Resultat der Versammlung war, daß Kommerzienrat Rein- hart einstimmig als alleiniger Kandidat der national- liberalen Partei proklamiert wurde. ** Tie Generalversammlung des Turn- vcreius am Montag war von etwa 60 Mitgliedern be- ,sucht. Ter erste Sprecher des Vereins erstattete in großen Zügen den Rechenschaftsbericht für das abgelausene Vereinsjahr vom 1. Oktober 1901 bis dahin 1902. Hiernach hat der Verein im letzten Jahre aus 687 Mitgliedern bestanden gegen 694 Mitglieder im Vorjahre. Tas im abgelaufenen Jahre abgehaltene 2. Dünsbergfest hat einen erfreulichen Verlauf genommen. Tie Teilnahme der Turner aus unserer Umgebung hatte sich bei dem letzten Fest gegen das im Borjahr vervierfacht; die Kosten des Festes wurden gedeckt, ein Ueberschuß aber nicht erzielt. Ter Gauturntag war von 6 Vertretern des Turnvereins besucht, während man zum Kreisturntag zwei Vertreter entsendet hatte. Tie veranstalteten Vereinsfestlichkeiten waren allgemein gut besucht, doch wurde beim Sommerfest im Philvsophentvald, trotz des überaus günstigen Wetters und tro£ des starken Besuches, bei den hohen Unkosten, die das Fest verursachte, ein Ueberschuß nicht erzielt. Ter Turner-Sänger-Chor hat sich bei den Festlichkeiten sehr gut bewährt. Eine Restschuld in Höhe von 800 Mk. vom Vergrößerungsbau der Turnhalle herrührend, über deren Teckung bereits in früheren Versammlungen beraten wurde, hat nur dadurch geordnet werden können, daß beim Banlhause Heichelheim ein in zchei Jahren rückzahlbares Darlehen in gleicher Höhe ausgenommen wurde. Man bösst durch Sparsamkeit jährlich 400 Mk. zur Tilgung dieses Darlehens aus den allgemeinen Einnahmen erübrigen zu können. Ein Freund unb langjähriges Mitglied des Vereins hat demselben einen Betrag von 100 Mk. geschenkt und ebenso drei Anteilscheine ä 25 Mk. zurückgegeben. Ter erste Sprecher verweist darauf, daß die Turner deS Vereins im abgeläu- fenen Jahre bei den verschiedenen Gelegenheiten außergewöhnlich viel Preise durch turnerische Leistungen errungen haben. Hierauf berichtet der Turnwart Franz Wigandt über den Turnbetrieb in 1901/02 wie folgt: Es wurde geturnt an 142 Menden von zusammen 7673 Turnern. Es entfallen auf Riegenadende 90 mit einem Gesamtbesuch von 5595 Turnern, d. h. im Durchschnitt an einem Riegenabend 60—65 Turner. Lluf das Kürturnen entfallen 52 Abende mit einer Gesamtbeteiligung von 2030 Turnern, d. h. durchschnittlich pro Mend 33—40 Turner. Ter beste Besuch beim Turnen war in den Monaten Mai bis August zu verzeichnen mit durchschnittlich 70—75 Teilnehmern, während ut den Monaten Januar bis April mit einer Beteiligung von 32—36 be&to. 49 Turnern cm einem Abend geturnt wurde. Ter Verein beteiligte sich im vergangenen Turnjahr an der Gauturnfahrt, von wo die Turner 8 Preise heimbrachten. Auf dem F-eldbergfest wurden 5 Preise, auf dem Gauturnfestc in Butzbach 12 Preise, auf dem Kreis- turufest in Worms 3 Preise und auf dem Tünsbergfest 20 Preise errungen, unter welchen sich im ganzen 3 erste Preise befinden. In Wiesbaden wurde beschlossen, die nächste Kreisvorturnerschule der freien vereinigten Vorturner schon im Frühjahr in H an au stattfinden zu lassen. Aus der alsdann vom zweiten Sprecher Alt Hof erstatteten Rechnungsablage geht hervor, daß die Rechnung in Einnahme und Ausgabe re. rund 7000 ML aufweist. An Beiträgen von den Mitgliedern hat der Verein 2657 ML, für Miete aus der Halle 1723 Mk. (von denen allerdings 400 Mk. für elek- trische Beleuchtung abgehen) vereinnahmt. Aus der Wirtschaft bei Festlichkeiten erübrigte der Verein ca. 900 ML Tie Einnahme des Vereins ist, wenn man das aufgenommene Kapital von 800 ML zur Tilgung der Restbaujchulden in Abzug bringt, um rtmd 1000 ML gegen das Vorjahr erfolglos. Seit langem wird der Erzbischof von der Polizei bewacht, die schon einmal einen geplanten Mordversuch in der Kirche verhinderte. Ten meisten Haß zog sich Giani zu, weil er auf der Kanzel heftig Garibaldi schmähte. Der Urheber des Bombenattentats ist bereits arretiert worden Es ist ein gewisser Ettore (latent, ein Anarchist, der aus Buenos Ayres kam. Wien, 28. Okt. Bei den heutigen Landtagswahlen in den Landgemeinden Nrederöfterreichs errangen die Christlichsozialen einen großen Sieg. Sie behaupteten ihre 14 Mandate und gewannen von den freiheitlichen Parteien sechs Mandate. — Ter polnische Landsmannminister Pientak äußerte Demissionsabsichten, da ihm die Polen Vorwürfe wegen der Einstellung des Budgetpostens für das ruthenische Gymnasium in Stanislau machen Sofia, 28. Okt. Tie ordentliche Session der So- dranje wurde heute mit einer Thronrede eröffnet, in der es heißt, daß das Fürstentum fortgesetzt die besten freundschaftlichen Beziehungen zu allen Staaten unterhalte. Ter Besuch des Großfürsten Nikolaus unb bet russischen Generale anläßlich bes 25. Jahrestages der Verteidigung des Schipkapasses, sowie der enthusiastische Empfang, den das bulgarische Volk ihnen bereitete, seien unoeftreitbare Beweise des hohen Wohlwollens des Kaisers von Rußland gegenüber Bulgarien. Washington, 28. Okt- Bisher erließ das Staatsdepartement keine Einladungen zum Besuche der Ver. Staaten an fremde Staatsoberhäupter oder Würdenträger. Es wird jedoch zur Ausstellung in St- Louis eine Anzahl fürstlicher Besucher erwartet. Tie an der Ausstellung Beteiligten werden sich wahrscheinlich bemühen, einen Kongreßbeschluß zu erzielen, der dahin geht, daß diese Besucher als Gäste der Nation ausgenommen werden Tas Staatsdepartement kann nicht aus eigener Initiative mit einem solchen Vorschläge hervortreten. Tie Generale Corbin, Aoung und Wood luden während ihres Aufenthaltes in Europa Gäste zum Besuche Amerikas ein. Zweifellos veranlaßten diese Einladungen das Gerücht, die Negierung selbst habe Einladungen erlassen. gestiegen Nach kurzer Tebatte wird zur Wahl des Vor- tanbes geschritten Seitens des Vorstandes wird erklärt, >aß man beschlossen habe, der Versammlung keine Vor- chläge zur Besetzung der Borstandsämter zu machen; man wolle es der Versammlung überlassen, Vorschläge zu machen Herr Pirr erklärt, daß er es überaus gern sehen würde, wenn man an feine Stelle zum ersten Sprecher einen andern Herrn wählen würde. Er bekleide dieses Amt seit 4 Jahren und sehe nicht ein, warum nicht ein anderer Turner auch das Amt belleiden könne. Herr Buch acker weist daraus hin, daß Herr Pirr jetzt gerade 10 Jahre dem Vorstände des Turnvereins angehöre, woraus die Versammlung dem Jubilar ein dreimaliges „Gut Heil!" ausbringt. Auch der &roeite Sprecher Althof bittet, an feine Stelle einen andern Herrn zu wählen Geschäftliche sowie gesundheitliche Verhältnisse seien die Veranlassung, weshalb er das Amt nicht wieder übernehmen könne. Lurch oorge- nommene Zettelwahl wurde der Vorstand wie folgt gewählt: Erster Sprecher: Ludwig Pirr, zweiter Sprecher: Althof, Schriftführer: Buchacker, Louis Noll und Ernst Jung. Tnrnwarte: Franz Wigandt und Ludwig Noll, Zeug- wart: Aug. Eger, Geg-'nschreiber: H. Marx, Turnälteste: Hengst, Ziegler, Weeg, Beisitzer: Friedrich, Bellos, Muhlert. ** Der Ankauf der meisten Aktien stellt sich fast immer als ein Glücksversuch dar. Denn ob insbesondere ein Aktienindustrieunternehmen ebenso tüchtige als ehrliche Leiter besitzt unb ob Umstände eintreten, die das Unternehmen fördern oder schädigen, alles dies ist für den Käufer mehr oder weniger Glückssache. Tie Vorkommnisse der letzten Zeit haben dies nur zu deutlich erkennen lassen. Gewiß, der Mensch ist in seinen Funktionen sehr wesentlich mit auf das Glück angewiesen. Man sollte jedoch das Glück nicht mit kostspieligen Anlagen an der Börse suchen. Wer sein anlagebedürfttges Kapital in solidester Weise sicher anlegt, und dem Glücke in Gestalt eines Lotterieloses nur ein beschränktes Risiko anvertraut, handelt unzweifelhaft mehr zu seinem Vortelle. — Wie gegenüber allen anderen Lotterien insbesondere aber gegenüber der bei hoher Hinterziehungsstrafe im Deutschen Reiche ftreng verbotenen Ungarischen Lotterie unsere Hessisch-Thüringische (Mitteldeutsche) Staatslotterie bei wettern die besten Gewinnaussichten bietet, ist schon früher nachgewiesen worden. — Von Interesse dürfte aber noch der Vergleich mit der bisherigen Thürinaisch-Anhaltischen Staatslotterie fein. Nach den Spielplanen der betr. Sötterieen konnten bezw. können nämlich entfallen in: Gewinne von N Thüringen-Anhalt « (6071. Los 3864. Los Hessen - Thüringen Jo \ Mittteld. Staats- ( lotterte Sitz Darm- S j stadt ° f 5000. , 2041. , 55. , 20. , ( §) Darmstadt, 29. Ott. (Eig. Dr ah t b er ich t.) EvangelischeLandessynode. Als Ersatzmitglied des 3. Ausschusses wurde Pfarrer Lehl, als Mitglied des Shnodalausschusses Rechtsanwalt Dr. Lucius, als Mtt- glled des Dtsziplinargerichtshofes Realschuldttektor Dr. Gerhard aus Michelstadt, und in den Lutherausschuß Professor Stamm-Gießen und Pfarrer Schlosser gewählt. Frankfurt, 28. Ott. Im neuen Sch auspiel- b auf e wird Tag und 9tacht gearbeitet, um das Haus bis aur Eröffnungsvorstellung einigermaßen fertig* zustellcn. Von mancher Sette hört man übrigens, daß es praktischer märe, die Eröffnung noch einmal zu verschieben, weil sonst die Eröffnungsgäste leicht einen weniger günstigen Eindruck von dem unfertigen Hause mttnehmen könnten, als es wünschenswert und als der Bau an sich es verdiente. ' > "S ~ E c o- D = JO .'=• « o u if. |S*0« — Prozeß Titte. Gießen, 29. Oktober. Die Witwe des praki. Arztes Dr. Tille, früher in Nassau, jetzt in Bad-Nauheim wohnhaft, erschien gestern vor der htesigen S t r a s k a m m e r, angeflagt der schweren Urkunde nfälschung m Jdealkoncurrenz mit Betrugsver- s u ch in zwei Fällen und einer einsachen Urkundenfälschung. Auf Grund einer umfangreichen Beweisaufnahme wurde folgendes fest- geftellt Tie Angeklagte schuldete einer Nauheimer Firma für Jnstallationsarbeiten Mk. 96.50. Nachdem sie mehrmals erfolglos gemahnt worden war, behauptete sie, daß die Summe bezahlt sei und legte die quittierte Rechnung vor. Die Quittung wurde sofort als F ä 1 s ch u n g bezeichnet imd der Thatbestand der Staats- anwattschaft unterbreitet. Bei ihrer ersten Vernehmung — als Zeugin — vor dem Polizeiamt gab die Angeklagte an, sie habe ihrem Dienstmädchen den fraglichen Betrag ausgeha'ndigt, um die Rechnung zu begleichen. Diese Angabe widerrief die Angeklagte zwar bei ihrer Vernehmung vor dem Amtsgericht, um nun zu behaupten, daß der stellungsuchende Bruder einer früher bei ihr bedienstet gewesenen Stütze sich eines Tages vorübergehend bei ihr aufgehalten habe, von ihr zu der betregenben Nauheimer Firma zwecks Nachfrage nach einer Stelle geschickt worden sei unb bei biejer Gelegenheit 100 Mark zur Zahlung bes Rechnungsbetrages von chr erhalten habe. Tie Angeklagte, nach dem Namen dieser Stütze gefragt, verweigerte anfänglich die Auskunft — angeblich aus Rücksicht für deren Familie. Später gab sie an, sie heiße Helene von Hofmann. Sie bestritt, daß sie vor dem Amtsgericht Helene v. Hofmann als ihre frühere Stütze ausgegeben habe, em Mißverständnis des Richters behauptend, unb gab an, baß sie biese nur habet kenne, weil sie in ihrer, ber Angeklagten, früheren Pension in Nassau sich einmal längere Zeit ausgehalten habe, sie schreibe ihr manchmal, jeboch poftlagemb, über ihre Familie, über ihren Wohnort könne sie jeboch keine Angaben machen. In ber Folge behauptete sie auch, baß sie Helene von Hofmann von bem Verdacht ihrem Bruder gegenüber Mitteilung gemacht habe unb baß, offenbar auf Intervention derselben hin, v. Hofmann eines TageS bei ihr in Nauheim gewesen sei, sich als ben bezeichnet habe, ber bas Geld unterschlagen und die Quittung gefälscht habe, unb baß er 30 Mark abschlägig auf bie unterschlagene Summe gezahlt habe. Tiefe wiberspruchSvollen unb nicht sehr_glaubhaften Angaben in Verbindung mit ber Erwägung baß bie Schuldnerin, bie Frau Tr. Tille bas nächste Jntereffe an ber Fälschung habe, lenkten ben Verdacht ber Täterschaft alsbalb auf biese selcht. 6in__ von ber Staatsanwaltschaft um sein Gutachten angegangener Schreibsach- verltanbigcr äußerte sich in bestimmter Weise dahin, daß bie Angeklagte ben Qulttungsvermerk unter bie)er Rechnung geschrieben habe. Immerhin wäre es auf Grunb des bis zu dieser Zeit bei- gebrachten Beweismaterials schwerlich ;u einer Verurteilung ber unbescholtenen, sich bes besten Leunumbs erfreuenben Angeklagten gekommen. Im Verlaufe bet Untersuchung spielte jeboch bie Beschuldigte selcht ber Staatsanwaltschaft weitere und erhebliche Beweisstücke in die Haube. Zunächst gab sie einen an sie gelangten aus Lonbon datierten, in Paris au*gegebenen Brief zu den Akten, in dem Helene v. Hofmann wegen bes von ihrem Bruder an ber Angeklagten begangenen Unrecht? um Verzeihung bittet, leitet überreichte sie einen aus Hamburg batierter. Postabschnitt, inhaltlich besten der angebliche Thäter o. Hofmans sich als ben etbui- bigen bezeichnete und ihr roeüere 2c Mk. einfckickte. Schließlich, im letzte- Stabium des Verfahrens, ist bei ber Unterfuchungs-Be- hörbe em Dries eingelaufen, in bem eine Schwester Johanna aus München über ein Schuldbekenntnis berichtet, das v. Hofmann auf seinem Sterbebett abgelegt habe. Nachdem von ber Angeklagten ber Verbacht in biefer Weise erneut auf v. Hofmann gelenkt war, mürben von ber Staatsanwaltschaft bie eingehenbsten Recherchen nach ber Existenz und bem Aufenthalt biefer Persönlichkeit angestellt — burchcms ohne Erfolg. Tie Angeklagte selbst komUe, trotzdem Helene v. Hofmann längere Zeit m ihrer Pension m Nassau geweilt haben soll, trotzdem |ie in Eorrespondenz mit derselben gestanden haben will, weder über ihre Herkunft noch ihren Wohnort bestimmte Angaben machen, sie vermutete lediglich, daß sie bie Tochter eines höheren Offiziers fei. Tiefe auffällige Thatfache in Verbindung mit der Ergebnislosigkeit ber Recherchen unb ben Wi- bersprüchen in ben eigenen Angaben ber Angeklagten, ließ nur ben Schluß zu, baß biefelbe eine fingierte Persönlichkeit vorgeschoben habe, um ben Verdacht von sich selbst abzuwälzen. In ber Folge würbe nicht nur bieS, jonbern auch bie Thatfache fesigestellt, baß die Angeklagte bie auf bie angebliche Helene von Hosinann hlnwelfenben Schriftstücke teils gefälscht, teils von Anberen hat fälschen lassen. Nach Erhebung von Schulheften ber Kmber der Angeklagten stellte sich bei ber ersten Vergleichung heraus, baß ber Brief aus Bonbon von ber Hartd chres breizehnjährigen Töchterchens herrührte. Die Angeklagte leugnet zwar noch heute, daß sie ben Brief burch ihr Kmb schreiben unb ihn von Lonbon-Pans nach Nauheim beförbem ließ; bie drei, zu ber Hauptverhanblung zugezogenen Sachoerstänbigeli bekunden jedoch übereinstimmend, daß das Kmd der Schreiber des Brieses sei. Weiter geben bie brei Sachoerstänbigen ihr übereinstimmenbes Gutachten über bie Urheberschaft ber Mitteilung auf bem Postabschnitt aus Hantburg dahin ab, daß die Angeklagte selbst diese angeblich von bem o. Hofmann herrührende Zeilen geschrieben hat. Unb schließlich gelangte bas Gericht auf Grunb ber ganzen Sachlage zu ber Ueberjeugung, baß auch ber Bries ber angeblichen Schwester Johanna von ber Angeklagten veranlaßt fei — zu bem Zwecke, um bie Angaben in den übrigen gefäljchten Schriftstücken glaubhafter zu machen. Auf Grund dieses erheblichen Belastungsmaterials und des übereinstimmenden unb überxeugenben Gutachtens ber Schreibsachoersian- bigen, erachtete bas Gericht bie Thälerschast ber Angeklagten bezüglich ber Fälschung ber Quittung über Alk. 96.50 für erwiesen. Auf ber zweiten ihr zur Last gelegten Urkundenfälschung zum Nachteil eines Nauheimer (Särtners hielt das Gericht die Beschuldigte für überführt. In einem Zivilprozeffe, den der Gärtner gegen die Angeklagte wegen einer Forderung von ca. 7 Mk. angestrengt hatte, hatte die Angeklagte im ersten Termin eine Quittung über Zahlung dieses Betrages vorgelegt; Kläger hatte zwar den Empfang des Geldes bestritten, mit Rücksicht auf die ungünstige Prozeßlage jedoch die Klage zurückgezogen. Auch diese Quittung bat nach dem übereinstimmenden Gutachten der Sachverständigen bie Anaeklagte geschrieben. Im Laufe ber Untersuchung hatten noch menrere Nauheimer Geschäftsleute Beschulbigunaen gegen bie Angeklagte erhoben; ein sicherer Nachweis ihrer Richtigkeit war jedoch nicht zu erbringen. Tas Gericht begnügte sich daher, über die beiden Quittungsjälschungen sowie über bie Fälschung beS als bewelserhebliche Urfunbe angesehenen Postabschnitts zu erkennen. Die Staatsanwaltschaft beantragte unter Zubilligung mil- bember Umstände eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten unter Ausrechnung von einem Aionat der früher erlittenen Untersuchungshaft und ErlaßHaftbefehls wegenFluchtverdachts,in ausführlicherTarlegungdie Manipulationen derAngeklagten aufdeckend, und das erdrückende Be- roei5matenalerörtemö. Das Gericht billigte der Angeklagten mit Rücksicht auf ihre bisherige Unbestrastheit mildernde Umstände zu. Zu ihren Ungunften kam in Betracht, daß sich in der Begehung mehrerer Fälschungen die Neigung auc Verübung strafbarer Handlungen dokumentiere, daß die Art ber Begehung ber Strafthaten großes Raffinement zeige, baß bie Angeklagte nicht etwa in einer Notlage — ihre Vermögensverhältniste sinb durchaus gute unb ge- orbnete — sondern aus gewöhnlicher Habsucht gehandelt habe und schließlich, daß der zuerst begangene Betrug eine erhebliche Summe zum Gegenstand habe. Aus diesen Gründen gelangte da» Gericht zur Verhängung einer Gefängnisstrafe von sechs M o n a t e ».abzüglich eines Monats ber Untersuchungshaft ; bem Antrag ber Staatsanwaltschaft entspreche«!», würbe bie Angcklagte wegen Fluchtverbachts sofort in Haft genommen. Vermischtes. * Wyk aufFöhr, 28. Okt. Unter Hinterlassung vieler Schulden ist der Buchhändler Bursian, Verleger des hier ersckjeinenden ,^Jnselboten", verschwunden. Auf Antrag der Gläubiger ist beretts das Konkursverfahren eröffnet worden. Heute vormittag wurde von der Staatsanwaltschaft in Flensburg ein (Stern»rief hinter dem Flüchtigen erlassen. * Florenz, 28. DEL Wahrend der Abwesenheit Tommaso Salvinis drangen Diebe in seine Wohnung, richteten Verheerungen in dem Saale an, wo Salvini seine kostbaren Erinnerungen an seine künstlerische Laufbahn angv- sammelt hatte, stahlen die Medaillen und goldenen Kränze, ein goldenes Theeservice und viele andere kostbare Gegenstände. Von den Dieben fehll jede Spur. (Salvini ist einer oer größten Bühnenkünstler der Gegenwart und namenllich als Othello-Tarsteller berühmt. D Red. d. Gieß. Anz,- Gerichtssaal. M. Gießen, 28. Okt. Strafkammer. Den Vorsitz führte Landgenchtsbirektor Tr. Güngerich, bie Staatsanwaltschaft vertrat Gerichtsasseffor Dr. Hetzel. Ter Golbarbeiter Heinrich Huhn von Gießen ist wegen Körperverletzung — er hat etnem Andern mit einem Stock eine blutenbe Verletzung am Kopf beigebracht — vom Schöffengericht Gießen zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt worben. Seine Berufung gegen bies Urteil wirb kostensällig als unbe- grünbet verworfen. — Ter Taglöhner Sebastian Kaiser von Hartmannsham hak Berufung gegen ein Urteil bes Schöffengericht- Gießen eingelegt, wonach er wegen Unterschlagung eines gefun- benen golbenen Ringes unb einer gestorbenen Uhrkette zu einer breiwöchigen Gesängnissttase verurteilt worben ist. Tie Berufung wirb als unbegrünbet kostenfällig verworfen. Berlin, 28. Okt. In ber heutigen Derhanblung bes ProzeffeS wegen Grünbung ber „H e l i o s - G e f e 11 s ch a f t" lehnte bet Vorsitzenbe bie Entgegennahme ber Erklärung bes VertetbigerS ab, baß bas Ergebnis ber gestrigen Hauptverhanblung nicht anerkannt werbe, unb erklärte, baß auch ber Protokollführer ohne Weisung bes Gerichtshofes nicht befugt fei, Schriftstücke zu Protokoll zu nehmen. Ter Vorsitzenbe teilte Johann mit, baß er, von ben Angeklagten gestern als Zeuge in diesem Prozesse gelaben, ber Labung feine Folge leisten werbe. Em Beisitzer gab gleiche Erklärungen ab. Angeklagter Hase erklärte, bie Ladung fei vorschriftsmäßig erfolgt unb beantragte, bie Weigerung ber Zeugen für ungerechtfertigt zu erklären, eoent biefelben zu veranlassen, bie Genehmigung ihrer vorgesetzten Behörden einzuholen, unb bic Verhanblung biS bahin auSznsetzen. Ter Antrag, bem ber Staatsanwalt widerspricht, wirb abgelehnt. Ter Vorsitzende teilt ferner mit, baß der Angeklagte Rieß gegen ihn eine Prioatklage wegen Beleibigung eingereicht habe. Der Vorsitzenbe hatte ben Angeklagten, ber sich Ingenieur nannte, gefragt, wo er als Ingenieur thättg gewesen sei, unb auf besten Erwibemng: u. A. bei Siemens u. Halske, aefagt „Wohl zum Snibenrememachen". Nach Erlebigung der Zwischenfälle wirb bie Anklage weiterverhandett. Instcrbnra, 28. Okt. TaS „Cftpr. Tagebl." berichtet, baß int Trakehner LchuIprozeß beide Angeklagten bie Rechtsmittel ber Revision angemelbet haben. Prag, 28. Oktober. Hier steht z. Zt. em sensationeller Prozeß zur Verhanblung, der bie HäNchung von öffentlichen Urfunben unb zahlreiche auf Gründ dieser Fälschungen erfolgte Verleihungen bei Abels zum Gegenstanbe hat. Zahlreiche Pettoueu. die mitten lQnn ge[SlQ9>en -ndsiez N war, ttionlichkA^w Mft ^en,i°n inö । mit beri h?fiatl -ch « > *« älX? igten li.c, C1 ^i> JWS ewÄlf)e'ten bet ZSA ■•RS« ■“« Ben die dre h en über die Wte&htf) gelangte %LUebe^9u^ ^anna von der 7 dw Angaben b! r i" machen. Aus Md des überein- ZSLr 96-50 für erwiesen. jmöen|dlj$un9 »um Mt die Belchul- '/ M. angestrengt me Quittung über >Ue zwar den Kn> »e ungünstige Pro- diese Quittung Hai achoersläudjgen die lchung hattm noch «gen gegen die An- Richtigkeit war je» e sich daher, übet ■ Fälschung des als gnills zu erkennen r Zubilligung ml- Ronaten unter Ü nlersuchunMiÄ) rlicherTochmdie das er-Mnbe Be» >er Angeklagten mit lemi« Umfianbe zu. 4 in btt Begehung ng Mdatu hand- ng du Sttasthaten nicht etwa m einet i)auä gute uni gt- tf)anbelt iahe und erhebliche Summt angle doL E>wÄ vvu \tfi öftchMgsdch; it uü>t die AngÄa: m. interlassmg viele au, Verleger de; ,pulldell. N Kollkursver« m tourde lun da Kries W bera lbtoesenheü To» ;e Wohnung, rch SalDini feine kos. > Laufbahn cmg aoldenen Erönjl ? kostbare W' (Saloini ist ü und vamentlq b, d. Gieß- AI , Den Vorsitz^ *Ä-$ ^ftenfaO'fl “ j # ÄW* Ölung n,^e gyeifnns Ohrer-Lwkolli- tftürfeÄn^ \Sfe% igenJ@encbml95 ^efe" J : »««J» A M IWF*’ jn de- Hof Vo il Es geführt c »er- ein M Kunst und Wissenschaft. Universitäts-Nachrichten. 26L0 verständiger äußern können. Für 7433 das bewährteste Mittel, 25 V - Wetter Oktober Z bi Letöms 'riaymeiacte CaUes-Tabrih § Höchste Temperatur Nieorigste , 86 94 93 8,5 00. 5,6° 0. 750,0 751,9 752,3 2 2 2 Bed. Himmel » » Heller , 103.05 50.00 8L45 125*00 44^0 , 90.75 . 74^0 . 101.50 . 211.80 . 186.00 . 184.50 . 140.50 . 154.00 . 150.75 . 19,40 . 181L0 . 197.00 . 165.00 . 16540 e s es 8,4 7,0 . 101.85 . 91.90 . 102.00 . 92.00 . 100.20 . 99.70 . 103.00 7,0 7,0 5,8 5$ S es 2* 9“ 7“ Schülerinnen aller Lehranstalten Gymnasiasten Studenten Realschüler Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 4°/j Italien. Bente . . . 4*/,% Portugiesen . . . >0/ Portugiesen, . . . . 1% C. Türken . . . < Türkenlose . 4°/o Grieoh. Monopol.-AnL 4’/,% äussere Argentiner tzchiffsnachrichten. ,Red Star Linie* Antwerpen. Der Postdampser „Finland" der „Red Star LAe' in AM- en ist laut Telegramm am 27. Oktober wohlbehalten m 3u/q Mexikaner » . , 4,/s7o Chinesen . « • Electric, bohuckert . * Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien . . . . Diskonto-Kommen dit. , Darmstädter Bank , > Dresdener Bank , . Berliner Handelsges. . Oesterr. Staats bahn « « Lombarden . . , » Gotthardbahn «... La urahütte « • * • « Bochum ..«»«• Harpener..... Tendenz; fest. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Donnerstag, den 80. Oktober, abends 8 Uhr, im unteren Konfirmandensaal, Kirchstraße 9, Bibelstunde. Markus L Pfarrer Scheunemann. Ist Hansens Kasseler Hafer-Kakao Gingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber 28. 28. 29. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt eu 31., 29, Oktober 1902. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldunge« des Gießener Anzeiger. W e i m a r, 29. Oft Tie bekannte Frauenrechtlerin Frl. Dr. Anita Augstzurg wurde aus dem Wege zum Bahn- Dcutfche Hypothekenbank tu Meiningen. Mit Rücksicht auf die Bestimmung der Statuten über das Verhältnis des Pland- briefumlaufs zum eingezahlten Aktienkapital fordert die deutsche Hypothekenbank in Mennngen auf das letztere eine weitere Em- zahlung von 10 pC-t. zum 2. Januar ern. Das ^elckapttal von 19 200 960 All. wird sich dann durch diese 10 pLt. um 2399520 37*8% Beichsanleihe 3% do. 37,% Konsols . d°/o do« • • 37,0/g Hessen . 3% Oberhessen Arbeiterbewegung. Dar-iS, 28. Ott. In Denain fand gestern Abend ein von etwa 4000 Grubenarbeitern besuchtes Meeting statt. Nachdem drei Redner das Wort ergriffen hallen, wurde eine Tagesordnung angenommen. in welcher die Arbeiter von Larmaux wegen chrer Nichtbeteiligung am Streik entschuldigt und die Ausstandlgen aufgefor= dert werden, an ihren Forderungen bis ans Ende sestzuhalten. - Der Kaiser hat selbst die Inschrift „Erudiendae arti- a i iuveututi" bestimmt, die an der neuen akademi chen Hoch - 4 ule für die bildenden Kunsts zu Berlin m ver- ----«•—«*)t worden ist. Ursprünglich war —l ...... e.*Anhfla«) in Zundel und Verkehr. Uolkswirlschafl. Mainzer Berlaasaustatt und Druckerei Akt.-Ges. vormals ^ottsleben mid Kupferberg, Aiainz. Bei 15150 Mk, (13166 Mk.) Abschreibungen verzeichnet die Gesellschaft einen Reingewinn von m Ioq qnf (i m 33 811 Mk.), woraus eine Dwidende von 3ch0 «r^nt (w.( L $•) «.f baä 'iutientapital t>on 600 000 M. ->°r- Der 6iitct höchstes ist eine gute Ser- ft- erhält L-ib und Seele gefundvund VUHUUg, verspricht ein hohe? Alter. Entbehr« Sie dieselbe, ist Ihr Magen krank, der Dar« träa. müssen Sie in der Wahl der Speisen vorsichtig fein — dann versuchen Sie es mit Dr. W« Knecht S Magenbitter „Süntis", ein Destillat dar mit keinem bis jetzt auf den Markt gebrachten^u ver- gleichen ist. Erhältlich in den Apotheken, Drogerim, Colonialwaren- u. Delikatessen-Geschästen. Probeflasche Mk.l.—.arotze Flasche Mk. 2.50. Vertreter in Gießen: Ch. Ludwig Thomas, Bahnhosstr. 37. 7415 Dr. W. Knecht A Co.» Franktart a. M. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Unsere geehrten Herren Correspondenteu sowie alle Freunde unseres Blattes in Oberhessen werden gebeten, uns über den Ausfall der Wahlen in den einzelnen Ortschaften sowohl, wie über die Gesamtresultate der einzelnen Kreise möglichst schnellzuberichten, am besten telephonisch oder telegraphisch. Lotterie. Die Ziehung der Düsseldorfer Lotterie wird heute — Mittwoch — beendet. N. 9L Wir verweisen auf die Bekanntmachung des Grotzh. Staatsministeriums vom 17. August 1900. der zufolge die Bank für Handel und Industrie zu Darmstadt zur Anlegung von Nkundelgeld nach § 1808 des B. G.-B. für geeignet erklärt worden ist. Pfarrer St. in JD. Wir stimmen Ihnen vollkommen bei in der Verurteilung jener Blätter. Nach unseren Informationen wird von der zuständigen Stelle aus in Zukunft schärfere Kontrolle zeubt werden. ^^Die°Stadt Aachen ist zur Austiahme einer Anleihe zu 3 bis 4 pGt. m Höhe von 9252000 Mk ermächtigt lanaen 5 Mill. Mk. 4pC.t. Schuldverschreibungen ä 200—5000 Mk. zur^Ausgabe. Gesamtrückzahlung und verstärkte Tilgung der Anleihe sind bis zum L Oktober E ausgeschlossen. y Letväta. 28. Okt. Die Konkursverwaltung der Leipziger deutsch IB a n k beginnt morgen mit der Auszahlung der zweiten Konkurs- Eine Inschrift soll dividende, die 20 pGt. beträgt. Die Auszahlung wird annähernd Eine eigen-] drei Wochen dauern. LmWeizenkorn eine 7bfacheFruchlbarrei veriieyen weri ittnn, und zwar soll dabei die chemische oder geoloaische Beschaffe heit deS Bodens gar nicht in Betracht kommen. Ta die AuSbeu- m na der .Erfindung' bereits in den Händen von Kaufleuten liegt, vi i durch Zirkulare und Prospekte Abnehmer suchen, machen wir uni Interesse unserer ackerbautreibenden Bevölkerung auf folgende L halsachen aufmerksam. Die Idee, den Samen mit einer treibenden L-ubslanz zu umgeben, —und darum handell es sich 'm vorliegende Falle — ist keineswegs neu, schon die alten Klassiker berichten ins ihren Werken über derartige Versuche. Aber auch in neuerer 9, tu bat es nicht an gleichartigen Bestrebungen aefehlt. Die Samenkörner wurden in chemischen Dünger emgekapselt, zum Beispiel Almmoniakjulphat, um dann der Erde anvertraut zu werden. Je- docch haben die erzielten Resultate durchaus nicht zu einer allge- nuumen Verbreitung der verschiedenen Verfahren geführt, weil die Ersuche, wenn von anderen Personen unternommen, keineswegs init gleichen Ergebnisse hatten wie diejenigen der Erfinder selbst. H ist daher ratsam, sich auch der neuen 6rtinbung gegenüber jl.'Ptisch zu verhalten. Betrachtet man die Sache naher, so ist einleuchtend, daß ein mit einer treibenden Substanz umgebeiies Samen- tem einen fräftigen Keim entwickeln wirb, weil bie zarten Erst- kgswürj-lch-» den Nährstoff m aufgelo ter 8orm unt> in unmittd- hirer Stätte norfinben. Tnä Pflänzchen wird sich aljo UN allerersten Giabium seiner Eillwickelmig äußerst wohl befinben. Sobalb bie Wurzeln aber so groß werben, daß sie irt das Erdreich eindringen, rao also bas Präparat aufhört, bann ist es auch mit bem Anlauf o strotzenbern Wachstum vorbei, bas Pflänzchen fangt zn trauern L, uni) zum Schluß wirb bie Ernte nicht besser aus,allen als rorenn bas Präparat nicht benutzt worben wäre. Es muß bie Vei> üüherung, baß die Bodenbeschaffenheit gar keinen Einflug auf die Wirksamkeit des Mittels habe, gegenüber der m Wissenschaft und Praxis längst feststehenden, eben erwähnten Thatsache em mitlei- dcges Lächeln Hervorrufen. 4% Oesterr. Goldrente 4vi.% Oesterr. Öilberrente 101L5 4% Ungar. Goldrente |. « 10L80 a •C 5 JL NNE. N. NE. ,> IffmHkta. Seb« W«nahm einen bewegten Verlaus Eiuatleben hervorgethan Haben, erscheinen als f als ch li ch G -« dt e ^en. J^ebenen Obligationären Aufschluß barüd« shn »romittiert. Angeklagt ist em gewißer Alois Atül er, Gitter wuroe von «g bafe bie für bie eine Million betragen- Kn TI i Ibenburg', ber sich feit acht SDlonahm ^ UEisuchungs. langt, wie eS 9«°^ n Jg» Sicherheit bienenben Restkausschillingc H i befindet. Er suchte durch Fälschung von ^entlichni Urkund^i den O b i 9 1300 000 nid)t mehr im Besitze der Jmmo- ijnnft von Matrikeln, angesehenen Familien den^ Ad^sstand zu ® P 2 rmb sondern an die Rheinan-Gesell chast m. b. p. vrchaffen. Er besuchte vornehmlich hochbetagte Geistliche auf dem bilien ^e>e bie ®rf[ärung deS Geschäftsführers kni)e unb wußte sie durch sem sich^es Ben'üg^g Scheffel dm Obligations-Inhabern als ungenügend erschien, wurde ’juKbiflfeit zu bestimmen, ihm bie Geburts-Matrikel mx ^erjuflung ®cpene sJntraa auf Stundung abzulehnen und eine Kom- ',1 feilen. Tie Einfügung eines kleinen WortchenS da unb b^t, e d) nc"' b^t^(ud)2ng der ganzen Verhältnisse ber Gesellschaft .Jen eine geschickte Radierung genügten, umi dann stw, bie miUwn jur unter^ y Lanbesztg.- melbet, würbe m pj.btgen Familien, bie sich bie StanbeSerhöhuna ^e Summen e nz Versammlung ber Besitzer der bproz. Schuldverschreib- lli'in ließen, den erforderlichen Stammbaum und eine Reihe ehr- 0« beut g xj % e t e ([ | * 0 f t m. b. H. Dr. Geißmar flmdiger Ahnen zu besorgen. Aus diese Weise wurden 23Farn Gien Ug ^e ^n^a gesetzlichen Befugnissen, insbesondere - latürlid) ohne von den Fälschungen eine Ahnung nurh xim rtrf) ^ber die Lage der Gesellschaft zu unterrichten und ch^srat^-Ast)^e"ordn^et^r,^ Ä f^buftrielle^ inaner «uen Ä■’äÄ?U3n7^SaeV=;«i^ra»»reub®säeto «°dc° 1902. beÄ.u SmÄÄ wtd zwSd-'r Di- ä d . tx»an ■f« S3 Sanüliei?7afitert w-rd-n. Ä ^»«nber* Bum Rurie t,on 98V, p£t. teinben sich nach Atüller noch mehren- a"de,^^brsonen. welche^die nommeru Rechnung auf. Das Vennögen der Stadt betrug hi gen Wappen anfertigten und um die Fälschung wußten, zu ver- z ff $ 7 988,91 Alk., denen Schulden un Betrage v7n 5 Z9 72?80 Mk. gegenübe'rstehen, sodaß 2 055 265,11reines >yermög=n bleiben, wooon 1 4901i73,18'®“- das bewaarresu» mievd, nm Blutarmut, Bleichsucht oder schlechtem Aussehen entgegen zu wirken, ^^e rn Thee sind fast wertlose Getiänke, wahrend Hausens Kasseler Hafer-Kakao noch nach Stunden im Magen anhält und kein nervöses Hungergefühl aufkommen lasst. Nur echt In blauen Cartons ä. Mk. L—, niemals lose. - - von einem Polizisten verhaftet mtd zm irt Taselbst stellte es stch heraus, daß dem Polizisten ein Miß griff passiert war. ~ . Münch en, 29 Okt. Der Reichsrat Freiherr v. Niet. hammer ist gestern abend auf seinem Stammschlotz £U"Öo meldet pn Reise Chamberlains nach Südafrika daß dre ehemaligen Buren- führ er gestern abend beschlossen hatten, bie Torde^ rungen der Buren in ein Aktenstück zusammeuzufasseu und dies Chamberlain zu behLndigen. « Paris, 29. Okt- Die verhaftete Geliebte Bon- Haines sotoie die beiden Polizeiagenten, die bnrdj Fahrlässigkeit dessen Flucht verschuldet hatten, sind wieder freigelassen worden. Nizza, 29. Okt. Lord Salisbury rerst aal 1Ä. November nach England zurück. Gerüchtweise ^rlautet, er werde vorher eine Un terredung nut haben. Ter Gesundheitszustand Salisburys hat sich bedeutend gebessert. - Wien, 29. Okt. Die gesamte hiesige Presse besprichst das Resultat der Landtagswahl. Tie lrberalenBlatter messen dem in St. Pvelten abgehaltenen Lebrertag, cmf welchem die Forderung aus neunjährige Schulpflicht gesteUt wurde, die Schuld bei, daß die lä n d liche Bev öl kerung, jich vollständig den Klerikalen in dre Arme geworfen hat. r, £ r, Wien, 29. Okt- Ter Kaiser empfing euien päpstlichen Delegierten, der ein Hluidschreiden des überbrachte, in besonderer Audienz. Bet diesem Anlaß fragte der Kaiser nach dem Befinden des ^rauf der Delegierte bemerkte, das körperliche Befinden sei wohl befriedigend, doch habe der P ap st jetzt viel Kumm er und Sorge. Ter Kaiser erwiderte hierauf: Das glaube ich wohl, aber so viel Kummer und Sorge wie ich hat Seine Heiligkeit gewiß nicht. 9 Petersburg, 29. Okt- Finanzminister Witte rst bei seiner Revisionsreise auf große Unordnung gestoßen. Eine ganze Reibe von ^Eamten sind .sofort entlassen worden, darunter einigesInhaber: sehr ansehnlicher Posten. In Petersburg wird der Minister Mitte November erwartet. Alsdann beginnen die beschleunigten Arbeiten zur Ausarbeitung des Reichs-Budgets. Petersburg, 29. Okt. Aus allen Landesteilen wirL fortgesetzt starker Schneefall gemeldet. JU ganz. Finnland liegt der Schnee fußhoch. Ter Verkehr ist nur mit Schlitten möglich ~ Newyork, 28. Okt. Nach einem Telegramm ans Pa^ nama ergab sich der General Uriba uitt 10 ^schützen, 2500 Gewehren und großem Mnnittonsvorrat ber Riofrio der kolumbischen Regierung. v . Washington, 28. Okt- (Reuter.) Hier werden ernstliche Verwickelungen zwischen den Berern. .Staaten und Columbia in der Frage der Verhandlungen über den Kanalverttag^ auf der Grundlage der Spooner Akte befürchtet. Man ist in Columbia nicht nur mit «der Summe nicht zufrieden, die an das Lmd gezahlt werden soll, sondern es wird auch der von den Ver. Staaten erhobene Anspruch aus die Polizeigewall aus dem Isthmus mit wachsendem Argwohn betrachtet. Eine Note der oolum- bischen Regierung als Antworck auf den Vorschlt^z der Ver. I Staaten, in Verhandlungen über den Vertrag etnzutreteu, gelangte vor einigen Tagen nach Washington, wurde, der I Regierung jedoch bisher noch nicht zugestellt. -o r uno uire gruppe bei unbI Ha nnov ersche, ob er Ob er h essische Publikum gespenbeten Beifall, dere Schweine. Herr Obermeister P i r r äußert sich nochmals .! ber Stabtverorbnetensitzung über die Herllinst der Jungschweme lauf bem Gießener Markt ober ben Oberhessischen Markten. Ich habe im lanbw. Bezirksoerein garnicht bestritten, baß auf bem >-> - - - ... Gicßener Markt auch Hänbler Jungschweme verkaufen nebui ben Marburg, 28. Okt. Die Zahl ber Stubierenben an hiesiger Lanbwirten. Ich habe nur richtig stellen wollen, baß nicht Inroerfuät betrug heute bereits etwa 1000. | allein bie großen Lanbwirte Vorteil von ben hohen Preisen ber Pilien, 28. Ott. Wie bas hiesige tschechische Lokalblatt meldet, Jangschweine unb ber gemästeten Schweine hatten, fonb^n auch Merte sich ber Kaiser zu bem Professor Palazky, der in einer |£ie tleinen Lanbwirte, ba biefe es seien, bie auf bem Gießener I Ü Jienj für eine ihm zuteil geworbene Orbens-Auszeichnung seinen Jungschweme feilhlelten, nicht etwa die sog. Grobgrunb- ^,nk aussprechen wollte, er lege Gewicht barauf, baß Pro- Äscher. Daß bie Hänbler auch sehr viel Jungschweme feilhalten, elioren sich mehr auf wissenschaftlichem wie politischem m Oberhessischen Ställen geboren würben, ober auch m ben Y'biete bethätigten, als bisher. Dies fei em Zeichen ber Herr- benachbarten Gegenben, weiß ich aus eigener Erfahrung. - Nun Warben Verhältnisse in Oesterreich. (Bekanntlich bat ftaijcr Wll- aber ber Herr Obermeister Ptrr als Sachverstanbiger m ber uün, mit beullichem Bezug auf ben ^elsinmaen Virchow, vor ^^^brorbnetenversammlung: Herr Schiente ^Ute wissen, daß m i ihren eine ähnliche Bemerkung gemacht. D. Reb. bes Gieß. Anz.) ber Provinz Schweinezucht garnicht "blich i st. Ich | _ ——— fcblaae nicht gern offene Thüren ein unb frage baher nur ben sach- oerftänbigen Obermeister Pirr: Warum halten fast sämtliche Ge- meinben ber Provinz Oberhessen emen biS Swe, Eber, die auf - r. - Rnften ber Gemeinbekaffe gepflegt werben ? Es giebt IN ber yro- Neber eine &rftnbnng bon ^Seblich ^i^arer Ved^^ omz Oberhesfen ungefähr fünfundzwanzig sog. „Sauschnitter", tttttfl berichten italienische.Blatter. Nach demselben solleS et pmj ^9 J'mehr. Heben biefe ihre Fertigkeit an Hansi auern gelungen fern, em Vers^ren ^^t.b^erh mUtels.be^berschen Jungschweinen, ober an benen, bie in ber Provinz Z rii Weizenkorn eine 75 fache Fruchtbarkeit verliehen we ^erbessen geboren werben ? Auf bem Gallusmarkt in Grunberg utih amar foll babei bie chemische ober geologische Beschaffe ' I 2500 Schweine aufgetrieben; meine Gewährsmänner behaupten, baß höchstens 500 Stück von Hänblern zugeführt würben. Ich will annehmen, es feien 1000 gewesen, wer hat bie restlichen 1500 Stück zu Markte gebracht? Wenn sich Herr Pirr nur biese brei Fragen gewissenhaft beantwortet ober beantworten lagt, bann wirb er über bie Schweinezucht in Oberhessen in Zukunft sich fach- am 27.-28. Oktober . 27.-28. , ‘“‘“«re"«Ä 29. Ott (DTig.-ZeI. des .Gieß. An».-) G iS““?AhÄ?a9tefle9:ne8«n“ IMStücke »u 2000/1000. 600und ei men war geloben. Dr. Wenborff wurde zu 50, Stechert zu Alk. Geldbuße, Brand zu 1 Aionat Gefängnis vcrurtellt. Becker mH Davidsohn wurden frelgesprochen. tolU »ranfhirt a. M., 28. Okt. Die Darmstäb ter Ban k Eeantraat dle Zulassung von 146 040 600 Mk. 4proz. Pfandbriefen, non 8 959 400 All. 3'/,proz. Pfandbriefen, von 1000 000 Mk. Aktien 1 und von 15 000 000 Mk, Asien B ber Berliner Hypotheken-Bank -früher Pommersche Hypotheken-Aktien-Bank). . Schuckcrt. An ber Dienstag-Borfe zu Frankfurt gingen ötzchuckerl-Aktien auf 73 pEt. zurück. An ber Berliner Börse no- ieren biefe Aktien 75 pEt., das ist 3 pCü unter vorgesterm Hannover, 28. Okt. Fn ber heutigen ersten gerichtlichen «Släubiger-Berfammlung bes in Konkurs Seratenen Hannover- f!chen Hypothekenvereins, Gesellschast mit unbescf)rankter Haft- i:flid)t, wurde feilens des Konkursverwalter, festgestellt, baßdie idefamtaftwa SDIL 837795 betragen, denen Passiva mm 2JIL 28439ol .cegenüberfteben. Der Konkursverwalter bemerkt, duß die Verwal- iüng ben Genossen einen ganz unverhältnismäßig »hohen Brebu gj TDÖlirte, unb gerabe Ausfälle auf Darlehen an Geiwssen feien es, ilie ben Ruin des Unternehmens herbeiführten. Man könne heute noch 'licht sagen, ob bas jetzige Direktorium ober bas vorige strafrechtlich belangt werbe. Die strafrechtliche Untersuchung sei un •Öanae unb würbe Klarheit schaffen. .. , 9enen (Ruhr), 28. Ott. Wie bie ^Rhem.-Wessi. Ztg. erfahrt, joirb sich bie Probuksionseinfchränkung des R of§f 9 nbitatS ffit den Schluß bes Alonats Oktober auf nur 15 pEt. gegen 27 pEsi. pie noraejeben waren, belaufen. . ,. . „ , Mannheim, 28. Ott. Heute Mittag fand hier eine Verfamm- luna ber Obligationäre ber neuen Immobil i e n - G e se 11 - ffchaft Rheinau statt, um über ben Antrag auf Stundung der Meten Buchstaben angebracht worden ist. Ursprünglich n laf ar eine deutsche Inschrift (.Durch Wahrhest zur Schönheit '.iussicht genommen. Tie vom Kaiser gewählte lautet auf den ? tr Jugend zur Ausbildung in ben Künsten'. Eme Jnschrift lud, noch bie Berliner Musikhochschule erhalten. Erne ei g e _______________ Endige Korrektur hat der K a i f e r bei bem i hn b a r - ' er11 cn b en P o r t r ä tr el ief von Prof.Otto Lessing über bem U iptportal ber Kunsthochschule gemacht, indem er dem Bildnis militärische Gewandung gab. gfwn-nimmt Berlin, 28. Okt. Ter Ka iser, dik- Kaiserm und dnKron- Artikel Übernimmt - ,'riinz von Dänemark wohrtten heute der Aufuhrung von Sardons «erannvo r u/ losca" durch Sarah Bernhardt und ihre Truppe bei und| Hannoversche, oder über •eueiligten sich lebhaft an bem vorn gewendeten Beifall. 7608 Holterhoff Söhne. Seltersweg 20. Seltersweg 20. Neuheiten in OYl Handarbeiten W JL V X V/ JL 11 Damen und Kinder. Danksagung großes, schön möbl. Zimmer '2' per sofort zu vermieten. 7574 Brandplatz 15, I. Carl Grüneberg sagen innigen Dank pieReen, den 29. Oktober 1902. 7609 Dr. Ploch 7621 Buseck bet (Sieben. 04699 Lnvwlgsplatz 14. 4766 048371 Peri. Büglerin ernos. sich i. u. außer d. Haute. Bruchstr. 5, L Bahnhofstraße 27. Ltndenplatz 12. 6866 mieten. Liebig straffe 64, pari. 4665 in Oberhesten. 7600 llMsikdttitS 3uu er kiuttVn ittictiulndie irr intel inuien Familie J. Schulze. Familie H. 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