15A. Jahrgang Zweites Blatt. Montag 29. September LVVT DK heutig« Vommer umfaßt 10 Skitm. ung am Vorstand Vir^ow und die fi o t und der deck über den Zolltarif. Politische Tagesschau. Bom Pattettag der Freifimrigeu Volkspartei. Nr. 828 Wrf^etnt täglich außer Sonntag-. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit den, Hessischen Landwirt die Gießener Kamillen' blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch-u.Siein- druckeret (Pietsch Erben) Rebaftion, Gxpeditto» und Druckeretr Schnlpraße T. Adresse lür Depeschenr Anzeiger Gießen. Fernsprrchanschluß Nr. 61. Verträge. Die Partei bdämpfe jede Sonderbestrebung auf Kosten der übrigen Gesellschaft. Hierin seien Agrarier und Sozialdemokraten durchaus verwandt, wie kürzlich in der Andeutung der „krachenden Throne" auch sich öffentlich dokumentiert habe. Tann wurde über die Parteroryanisation nach einem Antrag Müller-Sagan beschlossen, während ein Antrag Mielke dazu adgelehnt wurde. Aog. Müller-Meiningen sprach über die Fleisch- Heer «nd Flotte. Jena, 28. Sept. Das „Jenaer Volksblatt" verzeichnet das mit immer größerer Bestimmtheit auftretende Gerücht, Leutnant Tht^me vom 3. Bataillon des 94. thur. Jnf.-Regt., der im Januar d. I. den Studenten Held in einem Pistolenduell erschossen hat und des- 6alb vom Kriegsgericht wegen Zweikampfes mit tödlichem Aus gang zu 2 Jahren 2 Monaten Festungshaft verurteilt worden ifc fei zu Anfang dieses MonatS begnadigt' worden. Deutsches Reich. Berlin, 28 Sept. Der Kaiser hat während seines Aufenthaltes in Hnbertusstocc neun Kriegsartikel vollzogen, die an Stelle der bisher geltenden, unterm 31. Oktober 1872 erlassenen treten und den Truppenteilen zur Kenntnis zu bringen sind. Es ist die Bestimmung getroffen, baß den der deutschen Sprache nicht kundigen Soldaten die neuen Kriegsartikel in ihrer Muttersprache vorgelesen Weeden, zu welchem Zweck Uebersetzungen in litauischer, polnischer, dänischer und französischer Sprache sofort hergestellt werden sollen. — Lin heute früh der Berliner koreanischen Gesandt- schast zugegangenes amtliches Telegramm dementiert die am 25. September vom Pariser „Figaro" veröffentlichte Nachricht von dem angeblichen Tode des Kaisers von Korea. Das amtliche Telegramm beWilhelm Bohn zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Oppenheim, Regierungsassessor Martin Emmerling zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Offenbach, Regierungsassessor Heinrich Gebhardt zum Polizeikornmissar bei dem Poltzeiamt Darmstadt mit dem Titel Polizeiamt mann und dem Rang eines Kreisamtmanns, Regierungsassessor Hermann Pfeiffer zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Schotten ernannt Am 24. September wurde der Pro- vinzialdirektor der Provinz Oberhessen Dr. Andreas Breidert in Gießen von den Dienstverrichtungen eines Mitgliedes der Prüfungskommission für das Justiz- und Verwaltungsfach entbunden und an dessen Stelle der Ministerialrat im Ministerium der Finanzen Dr. Johanne- Be cker zum Mitglied der bezeichneten Kommission ernannt. Am 27. September wurde dem ständigen Hilfsarbeiter bei dem Ministerium der Finanzen, Oberfinanz- assessor Hermann Freiherrn Schenck zu Schweinsberg der Charakter als Regierungsrat verliehen und der Vorsitzende der Direktion der Main-Neckar-Eisenbahn, Geb. Baurat Altvater, mit Wirkung vom 1. Oktober ab mit der kommissarischen Versebung der Dienstgeschäfte eines Mitgliedes der Abteilung für Finanzwirtschast und Eisenbahnwesen des Ministeriums der Finanzen betraut, der Kontrolleur bei der Landeslotterie-Direktion Veter Bittel zum Oberbuchhalter, der technische Kontrolleur bei der Landeslotterie-Direktion Alexander Pille zum technischen Sekretär, der Registrator bei der Landeslotterie-Direktion Ludwig Pons zum Sekretär, und der Bureauassistent bei der Landeslotterie-Direttion Adam No he zum Buchhalter — sämtlich bei der Direktion der Hessisch-Thüringischen Staatslotterie mit Wirkung vom 1. Oktober an ernannt ** Töchterschule für Gießen. Unter diesem Titel vereinigt das soeben erschienene Heft 164 der De u t- schen Konkurrenzen (Herausgeber Prof. A. Neumeister in Karlsruhe, Verlag Seemann u. Co. in Leipzig) die hervorragendsten Entwürfe, die seinerzeit für diesen Wettbewerb eingereicht wurden. In Auf- und Grundrissen," Schnitten usw. und erläutert durch das Prototoll des Preisgerichts bietet das handliche Heft eine Fülle wertvollen Ma- terials und kann Architekten und Technikern, vor allem Stadtbauämtem zur Anschaffung empfohlen werden. Zum Preise von Mk. 1,80 kann das Heft durch alle hiesigen Buchhandlungen bezogen werden. Ein Preisgericht hatte seinerzeit bekanntlich die Preise folgenden Herren zuerkannt: den 1. Preis Prof. Eugen Beck-Karlsruhe, den 2. Preis den Architekten P au l Wa l e r-Leipzig und ArthurWe ner-Leipzig, den 3. Preis dem Architekten Alwin Gen- schel-Hannover. Ter Entwurf der Architekten Ferdi-, nandKöhler und PaulKranz - Charlottenburg wurde an gekauft Welcher Entwurf indessen zur Ausführung kommt, ist noch nicht bestimmt worden. ** Handfertigkeitsunterricht. Zu der Reihe der Erziehungsmittel, denen die Neuzett zu chrem Rechte zu verhelfen verspricht, gehört die erziehliche Knaben- banbarbeit. An knüpfend an den in jedem Kinde vor- yandenen Bethätigungstrieb bemüht sie sich, denselben in geordnete Bahnen zu leiten. Das Eingehen auf diesen lebendigen, aus sich selbst quellenden Trieb des Kindes! ist aber nicht nur naturgemäß, sondern auch erzieherisch wertvoll, weil sich eine Fülle von Anregungen für die Entwickelung des Willens, des Gemütes und des geistigen Lebens aus der physischen Arbeit unmittelbar ergeben, „Was der Mensch darzustellen strebt, fängt er an zu versieben". Auch die Ausbildung von Auge und Hand sind nicht gering anzuschlagen. Hierin berührt sich der Handfertigkeitsunterricht gerade mit den neueren kunsterzieherischen Bestrebungen, daß er sich bemüht, das Kind „sehen^ zu lernen, d. h. anzuleiten. Es ist sehr anzuerkennen, daß unsere Stadt schon feit einem Jahrzehnt alljährlich im Winter Kurse eröffnet, in denen unserer arbeitsfreuoigen männlichen Schuljugend aus allen Lehranstalten Gelegenheit geboten ist, Auge und Hand zu üben. Näheres ist aus dem Inseratenteil ersichtlich. *♦ Theaterverein. Der Vorstand hat in seiner letzten Sittung mehrere Beschlüsse gefaßt, welche die Anordnung Der Plätze und die ersten Vorstellungen in diesem Winter betreffen. Wir sind in der Lage, dieselben int Folgenden mitzuteilen: 1) Die beiden ersten Reihen der Sperrsitze werden von der Verlosung ausgeschlossen und! schlecht hörenden oder sehr kurzsichtigen Mitgliedern Vorbehalten. Der Preis dieser bevorzugten Plätze ist mit dem der Logenplätze gleich. 2) Zur Entlastung der Sperrsitze wird für die Theatervereinsvorstellungen der Bühne gegenüber eine große Loge — Mittelloge — gebaut, deren Plätze zum Sperrsitzpreise abgegeben werden.. 3) Zur Deckung der sehr großen Kosten des Wiehe- und des So r m a-Gastspiels, wird ein kleiner Zuschlag zum Abonnement erhoben im Betrage von 2 Mark (Hintere Sperrsitzreihen 1,50 Mark) pro Platz. Die Tageskassenpreise bei diesen beiden Gastspielen sind auf 6 Mt. für Loge, 5 Mk. für Sperrsitz (letzte Reihen 3,50 Mk.) festgesetzt. 4. Um das neuengagierte Personal dem Theaterverein baldigst bekannt zu machen, wird der Vorstand für eine in Kürze aufzuführende Novität eine größere Anzahl Billets von Der Direktion erwerben, die Den Mitgliedern zum Preise von 1 Mark in beliebiger Zahl und auf beliebigen Plätzen zur Verfügung stehen. Anmeldungen neuer Mitglieder nimmt bekanntlich Herr Challier, Neuenweg, stets entgegen. (—) Zu den Landtags wählen. Aus Mainz wird uns geschrieben: Verschiedene auswärtige Blätter haben letzter Tage die Mitteilung gebracht, daß bezüglich der bevorftehenden Landtagswahlen zwischen den Na« tionalliberalen, dem Zentrum unb Der frei' sinnigen Partei eine Koalition wegen Aufstellung eines gemeinsamen Kandidaten für Mainz zu stände gekommen sei. Diese Mitteilung hat keinerlei that- sächlichen Untergrund. Keine der drei genannter» richtet, der Kais« sei bei bester Gesundheit und das Land völlig ruhig. — ES verlautet, daß die Kanalvorlage in Gestalt eine- Entwurfes einer Wasserverbinduna Berlin-Stettin und Dortmund-Rhein umfassend in dem voraussichtlich Ende November zusammentretenden preußischen Landtag teilweise wieder eingebracht werden soll. — Infolge Waffenschmuggeleien japanischer Händler auf den Karolinen und der Ausweisung dieser Händler von der Insel Ruck wird, der „Nat.-Ztg." zufolge, der kleine Kreuzer „Cormoran" demnächst nach dieser Inselgruppe eine längere Rundreise auSsühren, um dort die deutsche Flagge zu zeigen. — Anschließeick) an den Kongreß der Deutschen Kolonialgesellschskst wird am 11. Oktober in Anwesenheit des Reichskanzlers und sämtlicher Minister ein Festmahl im Kaiserhof stattfind en, an dem etwa 800 Personen teilnehmen werden. Bremerhaven, 28. Sept. Das von Kriegervereinen der Hafenorte und dem Vaterländischen Frauenverein Den im hiesigen Kriegslazarett verstorbenen Chinakriegern errichtete Denkmal auf dem hiesigen Friedhof wurde heute feierlich enthüllt. Dresden, 28. Sept. Gegenüber irrigen Meldungen hiesiger und auswärtiger Blätter wird festgestellt, daß die Reise des sächsischen Staatsministers v. Metzsch nach Württemberg und Baden lediglich veranlaßt worden ist durch die ihm übertragene Mission, den dortigen Höfen die Th ronb esteiguna des Königs von Sachsen zu notifizieren. (SßgL Wochenschau.) Ausland. Sofia, 28. 6ept Ter russische Großfürst Nikolaus, der am Mittwoch den Sultan besuchen will, ist mit Dem FürstenFerdinand von öu 1 garten unter dem Jubel der Bevölkerung unterhalb des Dorfes Sch ip ka eingetcojfen, nachdem er die Balkanftraße von Trmowo aus passiert hatte. Stach der Vorstellung der bulgarischen Generale und Minister wurde die GedächtniSkirche im Dorfe Schipla eingeweiht. Die Feier hatte ausschließlich militärischen Charakter. 1500 mit Medaillen geschmückte Veteranen von den bulgarischen Druschinen aus dem Feldzug von 1877/78 gaben die militärische Staffage ab. Der Großfürst und Fürst Ferdinand toasteten auf einander. Newyork, 28. Sept. Präsident Roo sevelt zeigte heute eine bedeutend höhere Temperatur, und neue g e- schwürartigeErscheinungen veranlaßten die Aerzte, eine neue Jncision zu machen, wobei gefunden wurde, daß die Knochen angegriffen sind. Die Aerzte trafen Maßnahmen, die ihres Erachtens gewährleisten, daß Die Genesung ununterbrochen bleibt. Aus Stadt und Sand. Gießen, den 29. Sept. 1902. ♦* Der Großherzog hat am 27. September dem Hofmaler und Professor A. Noack in Darmstadt das Ehren- kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen aus AnlaH von dessen 80. Geburtstag. Der Ministerialrat und Vorsitzender der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege Geheimerat Ferdinand Emmerling wurde mit Wirkung vom 16. Oktober I. I. an auf sein Nach such en unb unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen und vorzüglichen Dienste in Den Ruhestand versetzt. An seine Stelle tritt der bisherige Vortragende Rat im Ministerium des Innern Oberregierungsrat August Weber als Ministerialrat im Ministerium des Innern. Der Vortragende Rat in der Abteilung für Schulangelegenheiten des Ministeriums des Innern Oberregierungsrat Wilhelm Best zum Ministerialrat im Ministerium des Innern, die vrtragenden diäte bei der Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe des Ministeriums des Innern Heinrich Nover und Dr. Karl U s i n g e r zu Vortragenden Mten im Ministerium des Innern, der ständige Hilfsarbeiter bei dem Ministerium des Innern Regierungsrat Franz Höl- zi n g e r zum Vortragenden Rat bei der Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe des Ministeriums des Innern unter Verleihung des Amtstitels als Oberregierungsrat, der Kreisamtmann bei dem Kreisamt Friedberg Dr. Eugen Wagner unter Verleihung des Charakters als Regierungsrat zum ständigen Hilssarbetter bei der Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe des Ministeriums des Innern ernannt. Dem ständigen Hilssarbetter bei dem Ministerium des Innern Adalbert Frhr. v. Starck wurde der Charakter als Regierungsrat erteilt. Ministerial- sekretär im Staatsministerium Dr. Ernst Weber zum ständigen Hilssarbetter bei dem Ministerium des Innern unter Verleihung des Charakters als Regierungsrat, der Kreisamtmann bei dem üreisamt Offenbach Dr. Joseph Valckenberg zum Ministerialsekretär im Staatsministerium, der Kreisamtmann bei dem Krei-amt Groß-Gerau Dr. Paul Wörner bei dem Kreisamt Friedberg, der Kreisamtmann bei dem Kreisamt Oppenheim Dr. Karl Kehr ein zum Kreisamttnmm bei dem Kreisamt Groß- Gerau, der Kreisamtmann bei dem Kreisamt Schotten jäh. a spretsr W W immaUich7k>Pü viertel- GletzenerAnzelgerW General-Anzeiger " “SS- v v für den pol11 u. aügent* Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW v U jeiflenteU: HanS Beck. Bei dem großen öffentlichen Kommers sprach Eugen Richter. Er definierte die gegenwärtige Lage der Opposition dahin, daß sie für das Bestehende kämpfe, denn der Zolltarif sei eine Umsturzvorlage. Er erinnerte daran, daß er 1884 in Hamburg das später so gegen ihn ausgebeutete Wort von der Zucker-, Schnaps- uno Schweinepolitik gesprochen habe, weil auch heute die Schweinepolitik wieder in Blüte stehe. Richter ging bann auf die Fleischnot unb die Haltung der Regierung ein. Aber auch der Reichstag habe bessere Zetten gesehen, wo es als unanständig für einen Abgeordneten galt, Vertreter von Erwerbsgruppen zu sein. Die Verwirrung der Tarifkämpfe gleiche der beim Turmbau zu Babel und hoffentlich werde der Zollturm auch ebenso zusammen- stürzen. Ob Graf Bülow in Fragen der inneren Polittk eine Meinung habe, wisse niemand. Richter äußerte sich bann gegen Die Konservativen, Antisemiten unb National- liberalen unb wandte sich zum Schluß ausführlich gegen die Sozialdemokraten. Man solle sich durch deren anscheinendes Üraftmeiertum bei Bekämpfung des Zolltarifs nicht täuschen lassen. Ihnen sei es nur um die Agitation zu thun. Jüngst in München habe Bebel gejubelt, daß seine Partei tu jedem Falle vom Zolltarif Nutzen haben müsse, ob er durchgehe oder nicht. Tas heiße die zroße Frage zum Stimmcmverben ausnutzen. So erllärt ich auch die sozialbemotratische Taktik. Anstatt auf Zu- ammenfaffung aller vertragsfreunblichen Kräfte binzu- arbeiten, kämen sie in der Kommission mit der schablonenhaften Forderung der allgemeinen Zollfreiheit. Liberale Optimisten wollen zwischen den verschiedenen Richtungen der Svzialbemolratie unterscheiden; die eine Richtung sieht den Kladderadatsch nahe bevorsteheird, die andere läßt das Endziel im Nebel, aber alle arbeiten sie an der Vergiftung des Verhältnisses zwischen Arbeitern unb Arbeitgebern. Auch die Sozialbcmolratie sei eine Klassenpartei, wie die Junker. Darum bleibe nichts übrig, als Fortsetzung des Kampfes gegen zwei Fronten! — Tie Rede fand nach Hamburger Meldungen frenetischen Beifall. Am Sonntag wurde ein Antrag Müller-Sagan, für die nächsten Reichstagswahlen bas in Mrnberg aufgestellte Programm mit den inzwischen nötig gewordenen Abänderungen zu bestätigen, angenommen, ebenso ein Antrag Gyßling auf Betreibung einer anderen Wahlkreiseinteilung, während ein Antrag auf Einführung eimsMinisterverantwo rtlichkeitsge- setzes zurückgezogen wird. Dann begründet Wiener seinen Antrag über die Stellung zum ReichShaushalt. Militärische Neuforderungen werde die Partei sorgfältig prüfen, gegen Bahnbauten in den Kolonien stets Front machen unb die M a t r i ku la r beitrage als wertvolle konstitutionelle Schranke gegen un- gemessene Ausgabensteigerung solange verteidigen, bis eine bewegliche Reichseinkommen- ober Vermögenssteuer eingeführt sei. Wieners Antrag wird angenommen, Dagegen ein Amendement Schoeler, die Quotisierung der indirekten Steuern «zu verlangen, abgelehnt. Es folgte weiter die Annahme eines Antrages gegen Zurücksetzung von Beamten im Anschluß an Den Fall Löh ning. Ferner wird das landwirtschaftliche Programm Der Partei beraten und die Anträge Wenzel unb Kopsch werden angenommen. Die Agitation auf dem Lande soll forthin energischer aufgenommen werben. Ein Antrag, der die G e r i ch t s f e r i e n a b s ch a f f e n will, wird auf Vorschlag von Richter bis zu genauerer Prüfung vertagt. In der ersten Sitzung des unter Ausschluß der Öffentlichkeit in Hamburg ftattfinbenben freisinnigen Parteitages wurden zu Stellvertretern deS Vorsitzenden Schmidt-Elber- eld gewählt: Ktttler, Beckh und Menzel. Auch der MterS- »räfident Dr. LanaerhanS nahm auf Wunsch der Versamm- ung am Vorstandsttscbe Platz. Nach einem Nachrufe auf Virchow und die anderen verstorbenen hervorragenden Parteigenossen hiell der Vorfitzeirde Abg. Schmidt eine längere Rede über die politische Lage und die Handels- Parteien ist W? jetzt den bevorstehenden Wahlen in irgend einer Weise' näher getreten. X Die letzte sechswöchentliche Reserve- stbung für Volksschullehrer wird am 2. Oktober in Gießen beginnen; die frühere militärische Sonderstellung der Lehrer, welche bekanntlich seit 1900 einjährig dienen, wird in den nächsten Jahren nach Ablauf der noch rückständigen vierwöchentlich en llebungen vollständig ihr Ende erreichen. (—) Zur Fleischteuerung. Aus Mainz wird uns geschrieben: Der von sozialdemokratischer Seite in der letzten Sitzung der hiesigen Stadtverordnetenversammlung gestellte Antrag, mit Rücksicht auf die gegenwärtig hohen Fleischpreise vorübergehend von der Erhebung von Oetroi von Fleisch und Wurstwaren Abstand zu nehmen, beschäftigte am verflossenen Freitag den städtischen Finanzausschuß, der den Antrag ab l e h n t e. Die Mehrheit deS Finanzausschusses ging hierbei ausschließlich von finanziellen Erwägungen aus, wobei man, wie bereits in der Stadtveroronetenversammlung geschehen, hauptsächlich in Betracht gezogen hat, daß eine dauernde Beeinflussung des Fleischpreises nach unten durch eine Aufhebung des Octrois nicht möglich sei. " ** Beamten-Derein. Gestern abend hatten sich Mitglieder des Beamtenvereins zur Einweihung des neu renovierten Sälchens im Caf6 Ebel zu einer gemütlichen Familien-Unterhaltung vereinigt. Jntendantursekretär L P. Setzer hielt zunächst einen Vortrag, der seine als Mitglied des Oberkommandos vom Ostasiatischen Expeditionskorps nach China im Jahre 1900 gemachte Reise behandelte. Redner schilderte die empfangenen Eindrücke über Land und Leute daselbst und gab einen kurzen Ueberblick über die kriegerischen Unternehmungen der vereinigten Armeen zu Wasser und zu Lande. Es fehlte bei all diesen Erzählungen nicht an humoristischen Einschaltungen, welche die Würze des Abends bildeten. Nach Schluß des Vortrags wurde dem Redner lebhaft gedankt. Der weitere Abend wurde durch wohlgelungene Vorträge auf dem Piano, gemeinsame Gesänge und humoristische Vorträge ausgefüllt. ** Die hiesige Ortsgruppe des Deutschnationalen Handlungsgehrlfen-Verbandes feierte am Samstag im Cafe Leib ihr Stiftungsfest Wie immer, so war auch das diesmalige Vergnügen gut besucht und nahm einen recht schönen Verlauf. Von den Mitgliedern war Sorge getragen, allen Anwesenden einen fröhlichen Abend zu bereiten, und dies war ihnen auch wirklich gelungen. Prolog und Festrede (von Gymnasiallehrer F. Werner aus Lauterbach) wurden sehr gut gesprochen, die Konzertstücke, ausgeführt von einem Teil der hiesigen Militärkapelle wurden in gewohnt flotter Weise gespielt und das «Theater klappte tadellos. Die Teilnehmer blieben in fidelster Stimmung bis zum Morgengrauen zusammen und war es bereits Heller Dag, als man seine Schritte nach Hause lenkte. Am Sonntagmittag fand der hier übliche Ausflug nach dem Windhof statt unö war auch dort die Beteiligung recht gut. ** Die Festlichkeiten im Freien haben mit den in voriger Woche beendeten Kirmessen ihren Abschluß gesunden. Es sind nur noch Ausflüge zu verzeichnen, die aber mit Eintritt des Herbstes ebenfalls verschwinden. Der Einzelne findet sich leicht mit der Küylerstimmung der Witterung ab und der richtige Fußgänger kommt gerade jetzt aus seine Rechnung. Trockene Wege erleichtern die Wanderung, klarer Sonnenschein begünstigt die Fernsicht, die Herostflora, die mannigfaltiger ist als sich maircher träumen üißt, erfreut daö Auge und der reiche Behang der Obstbäume das Herz und — manchmal einallerdingsstrengverbotener kühner Griff nach den Früchten auch den Magen. — Mit dem gestrigen Sonntag hat das Theater wieder seine Pforten geöffnet, lieber den Verlauf der ersten Vorstellung berichten wlr an anderer Stelle. — Der Verein „Concordia" hielt auf dem Felsenkeller einen Familienabend, der gut besucht lvar. — Der Deutsch-nationale Handlungsgehilfen - Verein beging die Nachfeier seines am Samstagabend im Caf6 Leib abgehaltenen Stiftungsfestes auf dem Winöhof, wo nochmals ausgiebig getanzt wurde. — In Steins Garten feierte der Bäckerverein rühaus" sein 15. Stiftungsfest, und der Gießener Zitherklub veranstaltete einen ebenfalls stark besuchten Ausflug nach Textors Terrasse. — Der Turnverein Gießen hielt Abturnen mit Konzert und Tanz in der Turnhalle. — Im Schützenhause hatte sich der Bauersche Gesangverein eingefunden; herrliche Lieder der erprobten Sängerschar hielt die Anwesenden in fröhlicher Stimmung. — Die große Tanzmusik auf dem Abend st ern hatte sich zu einer leibhaftigen Mrmes ausgestaltet, zu der die umliegenden Landorte, aber auch die Stadt Gießen die Tanzlustigen in großer Zahl steltten. — Auch die „Liebigs höher Kirmes" war stark besucht, von bencn, die noch einmal die Kirmesherrlichkeiten der letzten Wochen durchkosten wollten. )( Krofdorf, 28. Sept- Die Pensionierung des Hauptlehrers Weil zieht insofern einen Wechsel im Lehrpersonal nach sich, als die drei folgenden Herren aufrücken. Die dadurch frei gewordene vierte Lehrerstelle hat die Königl. Regierung zu Coblenz dem seitherigen Hilfslehrere an der König!. Präparandcnschule zu Herborn, Kissel aus Laubuseschbach, Oberlahnkreis, übertragen. Der Lehrermangel macht sich schon seit einer Reihe von Jahren ganz besonders im Regierungsbezirk Coblenz fühlbar und daher übernimmt die König!. Regierung mit Vorliebe Lehrer aus fremden Bezirken, namentlich aus dem benachbarten Nassauer Land. )(Friedberg, 28. Sept- Bei dem Feuer inOber- w öl Ist ad t brannte eine Scheuer nebst Stallungen vollständig nieder, die angrenzende Scheuer und eine Anzahl Lbstbäume wurden start beschädigt. Da die Scheunen hier aneinanderhängen und gefüllt sind, hätte leicht ein großer Brand entstehen können. — Dieser Tage beginnt die hiesige Zuckerfabrik chre Thätigkeit wieder. Ter Stand der Rüben ist überaus günstig. Wenn dieselben auch nicht die Größe früherer Jahre erreichen, so ist ihr Zuckergehalt infolge des trocknen Sommers um so bedeutender. Io. Büdingen, 28.Sept Das Scharfschießen am Galgenberg hat nach einer Berechnung von fachmännischer Seite 2 1/3 Millionen Mark gekostet. Den Hauptteil davon trägt Krupp, weil auf seine Veranlaffuna eine Neuerung an den Geschützen anSprobirt werden sollte. Seither erlitt das Geschütz beim Schutz einen Rückstoß, der das Geschützrohr mitsamt der Laffette rückwärts bewegte. Jetzt geht bloS das Rohr zurück und von selbst wieder vor. Es befindet sich zu diesem Zwecke in einem Cylinderlager, das mit Glyzerin an- gefüllt ist. Darmstadt, 28. Scpt Ter Großherzog empfing am 27. September u a. den Leutnant Kretschmer vom Jnfanterie-Negiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, kommandiert zur Intendantur, und ferner den König!. Sächs. Oberhofmeister v. Malortie, den Oberregierungsrat v. Nostiz vom Ministerium des Aeußeren und den Oberleutnant vom Garde-Retter-Regiment v. Hinüber, welche die Thronbesteigung des Königs Georg von Sachsen notifizierten. Zu Ehren der hier anwesenden Kgl. sächsischen Abordnung fand mittags im Weißen Saale des Residenzschlosses Galatafel zu ca. 30 Gedecken statt. ed. Darmstadt, 28. Septbr. Am Freitag hat der Kassier Beil st ein, 35 Jahre alt, auS Groß-Bieberau, welcher Agent und Kassier verschiedener Todcsfall-Versiche- rungS-Gesellschasten war, seinem Leben durch Erhängen in der Nähe deS Glasberges ein Ende gemacht. Wie sich herausstellt, sollen sich bei der Abrechnung namhafte Fehlbeträge herausgeslellt haben. — Bei der Fettigstellung der Turmmauer an der Technischen Hochschule dahier ist gestern Nachmittag 4 Uhr ein schwerer Unglücksfall passiert,- indem beim Abrüsten der öl Jahre alte Schlosser Joh. Fr. Beck aus Besiungen aus einer Höhe von 16 Dieter herabstürzte und sofott tot war. )( Marburg, 28. Sept- Zwei vPlizeibeamte überraschten gestern nacht zwei Einbrecher, welche es auf den Geldschrank des Fabrikanten Haas abgesehen hatten. Bei Handgemenge entsprang ein Verbrecher und fuhr nach Gießen und von da mit einer hiesigen „Dame" nach Frankfurt. Ihm nachgesandte Beamte in Zivil konnten das Pärchen nicht mehr dingfest machen. Der festgenommene Verbrecher hatte sich wie ein Rasender gewehrt und auch einen geladenen Revolver gezogen. In seinen Taschen and sich ein vollständiges Liebeswertzeug. Man glaubt mit diesem Fang Einbrechern, welche dann und wann mit Erfolg hier Gastrollen gaben, auf die Spur gekommen zu sein. Schwurgericht. P. Gießen, 29. Sept. Der Vorsitzende Landgerichtsrat Holzapfel eröffnete heute vormittag nach y210 Uhr die erste Sitzung der diesmaligen Schwurgerichtstagung. Als beisitzende Richter ungieren die Landgerichtsräte Müller und Wehner. Tie Anklage vertritt Ober-Staatsanwalt Theobald. Verhandelt wird gegen die Konrad Mölig Witwe wegen Körperverletzung mit tödlichem Erfolg, deren Verteidigung der Rechtsanwalt Weidig übernommen hat. Es sind neun Zeugen und ein medizinischer Sachverständiger in der Sache zu hören. Tie Geschworenenbank wird wie folgt gebildet. Landwirt Aug. Becker-Griedel, Fabrikant Louis Hartmann-Gie- 3en, Kaufmann Arnold Steinhüuser-Butzbach, Landw. Jo- jannis Lrth-Nieder-Breitenbach, Landw. Heinttch Kratz II.» Ober-Seibertenrod, Landw. Karl Loth-Nieder-Ofleiden, Fa- rrikant Eugen Kauffmann-Gießen,Bürgermeister Aug.Schnei- )er-Utphe, Kaufmann Georg Weitzel-Lißberg, Kaufmann Jul. Schilling-Schlitz, Laiidwirt Kar! Heinrich Schmidt-Romrod, Landwirt Friedr. Aug. Jak. Schaub-Büdesheim. Der Angeklagten wird zur Last gelegt, daß sie den eigenen Ehemann am 13. Juni d. I. vorsätzlich körperlich mißhandelt hat, sodaß dadurch dessen Tod herbeigesührt wurde. — Es ist cm trauriges Bild des Familienlebens, welches das GestäiidniS der Witwe Möhlig giebt und das von den Zeugen bestätigt wird> Der Glaser Mölig in Lauterbach hat im Jahre 1882 die Angeklagte geheiratet. Er war ein Trinker und mißhandelte oft seine Frau, besonders im trunkenen Zustande. Er war roh und zornig, bedrohte seine Frau und schlug dieselbe mehrfach. Am 13. Juni war Mölig gegen mittag nach Hause gekommen, er hatte wieder viel getrunken. Tie Angeklagte behauptet, ihr (Ebemann habe sie in der Werkstatt mit Totschlägen bedroht, uno da habe sie mit einem behobelten Stück Werkholz nach ihm geworfen; er hatte sich gerade herumgedreht; das Holz traf den Mann an den Hinterlopf. Der Getroffene hat sich >arauf, ohne daß die Angeklagte es gemerkt haben will, >aß dieser am Kopse blutete, in die Wohnung zu Bett begeben. Sie habe sich, dann gefürchtet, sich dem Verletzten zu nähern. Sie hat sich hierauf mehreren dtachbarn gegenüber geäußert, ihr Mann sei betrunken gewesen .und in diesem Zustande ine Treppe hinabgefallen, wooei er sich verletzt habe. Gegen abend ist die Angeklagte dann doch zu chrem Mann gegangen und hat einen Arzt .kommen lassen, der nur konstatieren konnte, daß der Verletzte infolge Verblutung nicht mehr lange leben könne. ,Jn der Nacht noch starb der Mann, der, ttotzdem er bis zum Ende bei vollständiger Besinnung war, niemandem mitgeteitt hat, wie er zu der Verletzung gekommen war. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. * Paris, 28. Sept. Auf der Station Arleux dec Nordbahn ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Der Expreßzug von Douai nach Cambrai, der die Station Arleux m voller Geschwindigkeit passierte, geriet infolge falscher Weichenstellung auf ein Nangiergeleise. Die Lokomotive entgleiste und die Wagen türmten sich aufeinander. Tie Zahl der Opfer beläuft sich auf 24 Tote und 60 — 70 Verwundete. Ein zwischen zwei Wagen eingeklemmter Passa- gier bat fortwährend, man möchte ihm die Beine abschneiden, damit er aus seiner fiirchtbaren Lage befreit würde. Eine Anzahl unverletzter Passagiere verließ unter dem Eindruck des furchtbaren Unglücks schleunigst die Unglücksstätte. 17 Tote wurden in einem Schuppen am Bahnhof untergebracht, wo im Beisein der Gerichtsbehörden photographische Aufnahmen gemacht werden. Vier Tote wurden nach dem Dorfe gebracht. Eine Anzahl Verwundeter fetzte mit dem nächsten Zuge die Reise fort. Zwei Hilfszüge, welche aus Douay angekommen waren, brachten 43 Verletzte nach dieser Stadt. Die Lokomotive und der Tender liegen längs der Geleise, und der Packwagen ist in den Tender eingedrungen. • Die Wetterkatastrophe auf Sicilien. Nach den neuesten Meldungen au8 Syrakus beträgt die Zahl der durch den Wirbelsturm in Modica getöteten Personen 3 0 0. Die Leichen werden jetzt in den Kirchen medergelegt, da die Beerdigung derselben auf den Kirchhöfen des Schlammes wegen unmöglich ist. Bis jetzt sind 130 Leichname aufgefunden worden. Nach einer Schätzung befinden sich noch etwa 66 Opfer unter den Trümmern ober sind ins Meer fottgeschwemmt. Die Räumung der Hauser, die emzu- slürzen drohen, wird fottgesetzt. Das Unwetter hält laut Nachrichten vom 28. d. M. noch an. Bei Pozallo spülte daS Meer noch zahlreiche Leichen an, welche die Flüsse ms Meer getragen hatten. Tas Meer ist bewegt. Infolge strömenden, die letzte Nacht hindurch anhaltenden Regens steigen ute Flüsse weiter. Tie Felder sind überschwemmt. Die Bahnstrecke Ragusa-Diodica ist unterbrochen. Die Züge sind durch Waffer gehindett, weiterzufahren. In Catania wurden auf Anordnung der Ingenieure mehrere Häuser geräumt, da sie einzustürzen drohen. Ein Weinberg steht unter Waffer. Im Hafen wurde der deutsche Dampfer,(£aprara* durch eine große Flutwelle zum Sinken gebracht. Die Umgebung deS Aetna litt stark. Der Aetna sandte eine starke Säule weißen Dampfes gen Montegroffo hin. Der Vulkan Stromboli bildete feit dem 14. September zwei neue Krateröffnungen. In Ccicly sind bisher 60 Leichen aufgefunden worden, größtenteils solche von Einwohnern Modicas, welche durch die Fluten weggespült worden sind. In Caffano wurden zwei Personen getötet, eine Person wird vermißt. Tie Weingärten sind vollständig ruiniert, die Ernte ist für lange Zeit dahin. Die Viehherden auf den Feldern sind mit ihren Hirten verschwunden, ganze Familien total auB- gerottet. Ueberall herrscht Totenstille. Die einst blühende Campagne ist ein wüstes Feld. Sehr gelobt wird der Eifer der Behörden bei dem Rettungswerk. Von allen Orten eilten Truppen herbei, deren Hülfe die Rettung Vieler zu danken ift • Wien, 28. Sept. Die Leiche des Teftaudanten Jellinek ist in der Donau bei Altenwötth in der 9kähe von Krems gefunden worden. Gericht-Rial. Gießen, 27. Sept. Strafkammer. Den Vorsitz führte Langerichlsdirektor Dr. Güngerich, die Slaatsanwaltschasl vertrat Staatsanwalt Neuß. — Tie heutige Sitzung wird ausgefüllt von der Verhandlung gegen den Stadtrechner Wilhelm Schreiner von Laubach, der des Betrugs unb der Unterschlagung beschuldigt ist. Den Betrug erblickt die Anklage darin, baß der Beschuldigte in seiner Eigenschaft als Rechner der Spar- unb Leihkasse einen gewissen Christian Batz aus Freieuseen bei Auszahlung eines Zinsbetrages um 10 Mk. dadurch geschädigt hat, daß er ihm verschwieg, daß seine Zinssorderuug 44,50 Mk. betrug und ihm nur 34,50 Alk. auszahlte. Ter Unterschlagung soll sich der Angeklagte dadurch schuldig gemacht haben, daß er Gelder, die ihm anoertraut waren, sich rechtswidrig augeeignet habe. Der Angeklagte war seit 1888 Rechner der Stadtkasse in Laubach und mehrerer anderer Kassen. Als im Jahre 1899 eine Reihe von Gemembcn, die an dem Bahnbau Laubach—Mücke interessiert waren, sich zu einer Gemeinschaft zusammenschlossen und eine Gemeinschaftskaife ms Leben riesen, um die Kosten des Bahnbaues unb des Gelände- erwcrbs zu bestreiten, wurde der Angeklagte, der sich allgemeinen Vertrauens erfreute, auch zum Rechner dieser Stoffe gewählt. DaS aus vorläufigen Beiträgen der Gemeinden Laubach und Freienseen und aus einem Darlehen der Laubacher Spar- unb Leihkasse sich rekrutierende Vermögen der Gemeinschaftskasfe betrug 24 000 Alk. Der Angeklagte, dem auch die Auszahlung der Geländeerwerbskosten aus dieser Summe übertragen war, begab sich am 2. Mai d. I. nach Freienfeen und Stockhausen, um an 80 ©runbeigen- tümer, bereit Gelände für den Bahnbau benötigt worden war, die Entschädigungsfiimmen zu bezahlen. Hierbei soll er in 29 Fällen vorsätzlich Beträge in Höhe von 2—180 Mk. zu wenig auSgezahlt, insgesamt 579,65 Mk. unterschlagen haben — und zwar auf die Weise, daß er den Erschienenen jeweils nichtigere Entschädigungssummen als die wirklich zugebilligten nannte und auszahlte, daß er aber die Geldempfänger, die im Vertrauen auf die Zuverlässigkeit des Angeklagten keine Kontrolle ausubten, über die in einem fortlaufenden Verzeichnis eingetragenen wirklichen Entschädigungssummen am Rande quittieren ließ. Die Anklage behauptet sogar, daß der Beschuldigte m mehreren Fällen den Verkäufern die Prü- ung dadurch unmöglich gemacht habe, daß er mit der Hand oder dem Löschpapier die in dem Verzeichnis enthaltenen Zahlen über die richtigen Beträge verdeckt oder die Leute derart zum Vollzug der Unterschrift gedrängt habe, daß feine Zeit zur Prüfung übrig geblieben fei. Ter Angeklagte bestreitet entschieden, mit Wissen unb Willen zu wenig gezahlt zu haben, er giebt die Möglichkeit von Versehen unb Irrtümern zu unb entschulbigt diese mit dem Zustande geistiger Störung, in dem er sich schon längere Zeit vor der That befunden habe und der ihn z. Z. ihrer Begehung berart bebrüdt habe, baß feine Zurechnungsfähigkeit zeitweise aufgehoben gewesen fei. Zur Beobachtung des Geisteszustandes deS Angeklagten war der hiesige Kreisaffistenzarzt Herr Dr. Röntger zu heutigen Hauptverhanblung zilgezogen ivorden. Terfelbe gab fein Gutachten dahin ab, daß der Angeklagte zwar stack neurasthenifch, jedoch zu keiner Zeit berart psychisch erkrankt gewesen fei, baß er Sie Herrschaft über feinen Willen und ferne Handlungen verloren habe. Auch das Gettcht gelangte zu bief-tr Ueberzeugung, unb zwar auf gründ bet Art bet Begehung brr Strasihaten unb im Hinblick auf die Ruhe unb Sicherheit, mit btt der Angeklagte in der Hauptverhaudlung sich verteidigte. Die Verhandlung, in deren Verlauf über 40 Zeugen vernommen wurden, bestätigte die Anklage-Behauptungen bis auf die Beschuldigung deS Betrugs zum Nachteil des Christian Heß. ES konnte nicht zweifelsfrei die bettt'igensche Absicht deS Angellagten bei der Einbehaltung der 10 Mk. festgestettt werden, vielmehr blieb die Möglichkeit eine« Versehens nicht ausgeschlossen. Tie Staatsanwaltschaft enthielt sich daher betreffs dieses Punktes eines Antrags und das Gettcht sprach den Anklagten von dieser Beschuldigung frei. Bezüglich der Stockhauser und Freienseener Vorgänge konnte noch festgesiellt werden, daß der Angeklagte überwiegend geschäftsungewandte und weibliche Personen als Opfer feiner Betrügereien sich herausgesucht hat, daß er um den größten Betrag — 130 Mk. — gerade emen Mann betrogen hat, der, wie er wußte, seine Bttlle vergeßen und säst nichts lesen konnte, daß er durchweg runde Summen unb keine Pfenuigbeträge abgezogen hat, baß er den Leuten, die sich di« richtigen Beträge nachiräglich ausgerechnet und von ihm Einsicht der Berzeichniffe erbeten halten, diese Einsichtnahme verweigert und ihnen statt bellen erklärt hat, dieses Mal seien bie Beträge ab- gerunbet worden, der eine habe möglicherweise 10 Psg. zu wenig, der andere zuviel erhalten, das nächste Mal würden diese Differenzen ausgeglichen werden. Dieses Verhalten bei »md nach Ausführung des Betruges bestärkte, wie erwähnt, das Gericht in feiner Ansicht, daß der Angeklagte wohl überlegt, ,a raffiniert gehandelt habe unb daß der Umstand, daß er Neurastheniker fei, in keinem Zusammenhang mit der Strafthat stehe. Strafmildernd zog das Gericht die Unbestraftheit des Angeklagten in Betracht, wahrend zu Ungunsten desselben schwer ins Gewicht fiel der grobe V^trauens- mißbranch gegenüber Personen, die blindlings auf seine Ehrlichkeit gebaut hatten unb ber Umstand, baß er eine Reihe Heiner Veute um teilweise erhebliche Summen geschädigt Hatz ohne durch Not oder andere entschuldbare Umstände zu ber Strafthat getrieben worden zu fein. Entsprechend dem Antrag ber Staatsanwaltschaft — bie Strafhöhe in Etwas abänbernb— verurteilte ba« Gericht beit Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten und wegen der bewiesenen ehrlosen Gesinnung zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Tauer von 3 Jahren. Mit Rücksicht auf den Fluchtverdacht, der infolge der Verurteilung zu ber erheblichen Freiheitsstrafe begriinbet erschien, wurde ber Angeklagte sofort in Haft genommen. ?. Darmstadt, 26. Sept. Das Kriegsgericht verurteilte dieser Tage den im 5. Jahre dienenden Unteroffizier I. vom Bezicks- kommando Friedberg wegen Unterschlagung m mehreren Fallen zu fünf Monaten Festungshaft, Tegradierung und Ver- setzunq in die zweite Klaffe des eolbatcnftanbes. __ Mainz, 27. Sept. Ter Volksfchu Hehrer Aldett Wolf in Wolfshagen hatte sich vor ber Strafkammer wegen Wein- f a l f ch u ng zu verantworten. Seme Weine mieten emen hohen Kalk- unb Säuregehalt auf, auch hatten einige Stuck ben Essig» stich. Als Sachverstänbige wurden bie Herren Professor Tr. Meyer- böfer und Tr. Fresenius-Wiesbaden gehört. Ter Angeklagte wurde nicht wegen der Hetttellung, sondern wegen Verkaufs der Weine ju 150 Mk. Geldstrafe v e tur r e i 11. Auch verfügte das Bericht die Einziehung des efsigstichigen Weines. Magdeburg, 27. Sept. Ter Kaufmann Albert Ehler von hier wurde von ber hiesigen Strafkammer wegen Herstellung und Verbreitung unzüchtiger Abbildungen zu 2 Jahr 2 Monate Zuchb- 4% Grieoh. Monopo’ -Anl. 47. % äussere Argentiner 67ti9 'Vegetation — Moldehei — Heimkehr. G-egründet 1826, Telephon 262. 6767 Gießen, Diezstraße 8, pari. 6793 Kaplansgasie 2. 6711 'MMrNMN 102.10 92.00 108.80 92.00 100.00 99.70 102.80 102.60 50.20 80.86 121L0 44L0 371% 8% 8V,% 87s% Hessen . . . 826 Oberhessen . . 426 Oesterr. Goldrente . Reichsanleihe do. Konsols . do. , . Christian Wallenfels 17 Marktplatz 17, am Kriegerdenkmal. Telephonischer Kursbericht* krankt urt a. 11., 29. September 1902. (Eintrittskarten für Nichtmitglieder sind zu 50 Pfg. abends an der Kasse zu haben. Die Vorstände. Auskunftserteilung in Rechts-, Steuer- und Unsaüsachen. Fertigung von BermögenSverzeichnisse», Testamenten, sowie Eingabe» aller Art. Vornahme von Erbschaftsregulierungen. Einziehung von Ausständen re. Ed. Rotte, Rechtskonsulent, 47,56 Oesterr. Silberrente 101 J.0 426 Ungar. Goldrente , . 100.90 4% Italien. Rente , 47,56 Portugiesen . )0/ Portugiesen. . . 126 C. Türken . . Türkenlose .... EBtigcrtmtM 0 879. 86^5—86.75. 2. Qualität QJ3. 28.26 bis 9JIL 68.75, 8. Qualität DU. 2L25—21.75, Roggenmehl 0 Mk. 22.50—28^0, L Qualität 9Jlt 21.25—22.00, Weizenklere Mk. 8.75 bis Mk. 9.00, Roggenkleie Mk. 9.50—10.00. MaiSkeime Mk. 10.00 bis Mk. 00.00. Franken, Pfälzer, Ried All. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ad hier. Neueste Meldungen, vriginaldrahtmelduugeu des Gießener Anzeiger». Biebrich, LV. Sept. Das inmitten der Stadt gelegene große Holzlager der Firma Jean Schleif wurde heute nacht gegen 4 Uhr total ringeäschert. Die umliegenden Wohnhäuser standen in großer Gefahr, eine Anzahl Hinterhäuser erlitten zum Teil großen Brandschaden. Gin in der Nähe gelegenes Kohlenlager wurde ebenfalls ein Raub der Flammen. Bier Pferde, welche in einem auf dem Holzlagerplatz befindlichen Stall standen, sind verbrannt. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Bei dem starken Wind war der bete. Stadtteil in großer Gefahr. Die EntstehungSursache ist noch unbekannt. Die Feuerwehr, die von denjenigen der Nachbarorte unterstützt wurde, war noch heute vormittag 8 Uhr in Thätigkeck. Elberfeld, 29. Sept. Auf der Kleinbahn Elberfeld— Neviges stießen zwei Motorwagen zusammen. Bier Personen wurden schwer, etwa zehn leicht verletzt. Berlin, 29. Sept. Wie die „Welt am Montag" erfährt, wird Polizeipräsident v. Windheim demnächst als Nachfolger deS Grafen v. Wedel Minister des königlichen Hauses. Haag, 29. Sept. Dewet, Botha und Delarey werden in der zweiten Oktoberwoche nach Berlin kommen und um eine Audienz beim Kaiser nachsuchen. Lyon, 29. Sept. Bei einem Stiergefecht kam es gestern zu einem großen Tumult. Als der Matador sich anschickte, den Stier zu töten, widersetzte sich dem der Polizei-Kommissar. Er erklärte, er würde das Stiergefecht einstellen lasten. ES erhob sich ein großer Lärm. Der Polizei-Kommissar drang in die Arena und wollte dem Matador den Degen entreißen. Das Publikum warf Stühle und Bänke in die Arena hinab und zwang den Polizei-Kommissar gewaltsam, sich zu entfernen. Unter großer Unruhe wurde schließlich das Stiergefecht zu Ende geführt. Catanzaro, 28. Sept. Ein heftiger, mit Regengüsten verbundener Orkan verursachte gestern ein Austreten der Gewässer. Mehrere Häuser und zwei Brücken wurden von den Fluten fortgeristen, die Felder sind beschädigt. Der Verkehr ist unterbrochen. Ob Menschen verunglückt sind, ist noch nicht bekannt. Rom, 29. Sept. Anläßlich der Unw etter-Kata- strophe auf Sizilien hat der Präfekt das Staats- ministeriumS telegraphisch ersucht, die Steuer-Contributtonen zu suöpendiren. Kaufleute beantragen Verlängerung ihrer Wechsel-Verpflichtungen. Minister Giolitti sandte zur Sicklung der ersten Not 2000 Lire, der römische Kaufmännischer Verein und Ortsgewerbeverein Giessen. Donnerstag den 2. Oktober, abends 8/ Uhr pünktlith, im kck Leib (Festsaal): Erster Vortrag. ta JIM tab, Leipzig: Eine Nordlandreise. Erläutert durch 94 Lichtbilder. U. a.: Hamburg. — Auf der Nordsee. — Norwegische Küs.e. — Ein Sonntagmorgen in IKristiansand — Brandung am Kap LindesnAs — Stavanger — Bergen — Ha'en und Markt — Lage — Das wüste Fjeld — Der Hardaoger Fjord — Ueber die Eisgefilde der Folgeiond nach Odde — Das Sordal — Im Gebiet der Riesenwassertälle: Vöringfos, Skykjefos — Das liebliche Gestade von Ulvik — TJn der ,Kornkammer“ Bergens — Auf belebter Touristemitrasse — Norwegische Beförderungsmittel — Bkydsfahrt — Gaethausleben — Das Opheimsvand — Stahlhelm und das malerische Närödal — Gud- rrangen — Der Sognefjord — LArdalsören. — Jötunheim — Die Moräne von Aardal — Das Fleskedal — Bergriesen auf dem Fjeld — Die Stein wüste am Engpässe Smaaget — Einsame Riesenseen — Von lOjendeboden über das üladalsband nach Spiterstul — Eine üaldhöpigbesteigung — Knud Volea Juwas- Dytte — "Waldregion — Im Bäbra- und Ottathale — Die kunstvolle Alpenstrasse nach Merak — Pass- Höhe am Djupvassee — Ein Riesentopf — Einwirkung des Golfstromes — Der Geiranger Fjord mit iieinen Wasserfällen — Nordalsijord — Nordische Abende — Molde, seine milde Lage und üppige Kommenden Donnerstag und Freitag bleibt mein Geschäft Feiertage Halber geschloffen ZchiiHlM Anna Springmann Bahnhofstraße 58. Nach sünsiähriger Thäügkeck als Oberhebamme an der Universitäts-Frauenklinik zu Gießen unter der Leitung des Herrn Geh. Medizinalrats Prof. Dr. Lühlein, habe ich mich 1,161016 HMMe M Pflegerin niedergelassen. • Dr.W. Knechts Magenbitter ist der beste - der Welt. Dr. Reinewald j Arzt für Ohren-, Nasen- und Halsleiden auf 4 Wochen verreist 6768 I * Hü, fleht 8etöW, hu U, ° bunU. = lkrke S "8 k« '"«an Nfa Albern °n allen w? ln der 9^ Der gediegene Geschmack, welcher von jeher die Theemischunaen der bekannten.Firma Meßmer ausgezeichnet hat, offenbart sich auch in ihrer ganzen Propaganda. Eine uns vorliegende Postkarten- Serie „Schweizer-Reise" bringt dieses Mal Ansichten von Luzerns Rigi, Interlaken (Jungfrau) rc. in solcher Vollendung, daß wir glauben, unsere Leser speciell darauf Hinweisen zu sollen. Die Karten (bet den Verkaufsstellen von Meßmers 3chee erhältlich) sind wahre Kunstdrucke und dürften von Sammlern viel verlangt werden. 6263 ben 28. Preß-Derem 1000 Lire. Der Bürgermeister von Rom wird! sich an den Sammlungen zu Gunsten der Opfer in hervorragender Weise beteiligen. Mailand hat bereits die Initiative- dazu eingeleitet. Messina, 28. Sept. Gestern wütete hier ein starke* Orkan, das Meer ist heftig bewegt. Mehrere Dampfer wurden beschädigt. Infolge des UeberflutenS der am Meere gelegenen Straßen erlitt der Verkehr Störungen. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Johannesburg, 29. Sept. Lord Milner gab eine Erklärung ab, in welcher er in Abrede stellt, daß Portugal ein Gebiet in der Nähe von Matolla an England abgetreten habe, und hinzufügt, er habe auch nicht über die Angelegenheit mit dem Gouverneur von Mozambique verhandelt. Newyork, 29. Sept. Sine genaue Untersuchung bei Lage im Anthracit-Kohlengebiet ergab, daß keine Aussicht auf eine sofortige Einigung besteht. Im Zusammenhänge mit dem Ausstande sind 21 Morde begangen. ZrW , ,oer ^par> unii Leib- *n bei AuszahL f bS iQB er ihm ^betrug und ihm nur 7 chm anoer- N; Der Ängellaglt ~Qubad) und mehrerer -Aeitje von Gemeinden teressierl waren, sich iU , eine GemeinschasMe oaues und des Gelände- ite, der sich allgemeinen iter Rane gewählt. Tas laubQd) und tzreiensien ipar- und Leihkasse sich itafie betrug LIMA ng der Gelandeeiw!^ begab sich am 2. Mai um an 80 Tnuibtigkn- enöligt worden nm, die rbei soll et in 39 Wen It zu wenig ausgezahit, i - und zwar aus die edrigere GntschädigMgS- nie und auszahlie, daß ;uen aus die Zuverlässig- iblen, über du in einem irkluhen Gntschädigungs- Llnklage behauptet sogar, den L!erkäu>ern die Pnl- A er mit bet Hand oder ’^altenen Zahlen über itt derart flim Vollzug leit jur Prüfung übrig Mieden, mit Wiffen riebt die «4*- W Mi dem \d)on iäntzrrr Leit vor ihr« Begehung derart leit zeitweise aulgehoben i Geisleszuslandes des m-ani Herr Dr. Röntget A worden. Terselbe c Angeklagte zwar M yets ■SflÄ; f^S^leSet- en vernommen tu* es konnte nicht zweW- BgS !Mch ■unbe Summen bte den * chnet^L. verweis die Beträge ab' Sied seien m bl5^e“eÄ^ itzOZ S-Dr u 11e Ler weg?" hohe" 61^ S&iS'l*' Cakes Biskuits k Friedrichsdorfer Zwieback A etc, etc. Kaffee roh und gebrannt The« Molade (acao in diversen Sorten und Preislagen. bau* und 6 Jahren Ehrverlust verurteilt. Auch mehrere Sittlich- keitSverbrechen werden ihm zur Last gelegt. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Hannover, 28. Sept. Der Hannoversch« Hypothek«», verein bat Konkurs angemeldet. Die Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung umfaßt zirka 8000 Mitglieder und besitzt 75 000 Mark eigenes Vermögen, sowie drei Millionen Spareinlagen. Die Zahlungseinstellung wurde unmittelbar veranlaßt durch den Ansturm der letzten Tage. Als heute Jemand die vorschriftsmäßig ^^>101« Summe von 25 000 Mark abheben wollte, waren nur Mark in der Kasse. Mannheim, 27. Sept. Bei einer Revision der Bücher der Uktien-Gesellschaft für chemische Industrie in Neckarau hat sich herauSgestellt, daß diese fett vielen Jahren mit Unterbilanz arbeiten, welche vom Vorstand durch !alsche Buchungen verdeckt wurden. Die Unterbtlanz beläuft sich aus den ungefähren Betrag deS AklienkapitalS von 27» Di 111 i o n t n Mark, weiche als verloren angesehen werden. Infolgedessen wurde der Vorstand vom Aussichtsral veranlaßt, den kkonturS anzumelden. — Eine wertere Meldung lautet : Die Unterbilanz scheint das Aktienkapital beträchtlich zu übersteiaen, doch dürften für dieGläubiger keine Verluste entstehen, da die Aufsichtsräte für den Betrag, welcher daS Aktienkaprtal übersteigt, Deckung leisten müssen. Die Fälschungen der Bilanzen sollen auf zirka acht Jahre zurück datieren. Lu» Fabrik verteilte jährlich sechs b iS a ch t Prozent Dividende und bezahlte bedeutende Lanttdmen, ohne daß das gering st e verdient wurde. Die verschiedenen Tantiemen wurden von dem Aktienkapital gezahlt. Genauere Ziffern sind noch nicht bekannt, da zuerst eine neue Bilanz durch den Konkursverwalter und die Revisoren ausgestellt werden muß. Welchen Einfluß der Konkurs auf die anderen Unternehmungen des ersten Direktors Joses vohm ausüben wird, läßt sich heute noch nicht beurteilen. Die Bilanzen dieser anderen Unternehmungen BöhmS, welche eben- lalls geprüft sind, sollen zu Beanstandungen keinen Anlaß geben. Märkte. (Srüuberg, 27. Septbr. Fruchtmarkt. (Durchschnittspreis pro 100 Kilo.) Weizen 15.24 bis 15.60 Mk., Korn 17.00 bis 16.00 M, Gerste 00.00 bis 00.00 AU., Hafer 13.42 bis 13.50 AU., Lrbsen 00.00—00 AU., Linsen 00.00 Mk., Lein 00.00 ML, Wicken 00.00 Htark, Samen 00.00—00.00 AU^ Kartoffeln 6.00 bis 0.00 AU. le. Krankfurt a. M., 29. Sept. (Telegr. vria.-Bericht deS .Gieß. Ans."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 493 Ochsen, 144 auS Oesterreich, 51 Bullen, 5 aus Oesterreich, 899 Kühe, Fersen, Stiere und Kinder, 4 aus Oesterreich, 282 Kälber, 869 Schafe und Hämmel, 1084 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht. Ochsen l.Qualität 66—71Mk., 2. Qual. 65—67 AU., 3. Qual. 60—61 AU.; Bullen 1.Qual. 60 bis 62 AU., 2. Qual. 56—58 AU. ; Kühe 1. Qual. 65—66 Ttt, 2. Qual. 59—61 AU., 3. Qual. 52-54 AU, 4. Qual. 43—45 AU., 5. Qual. 00-00 DU. Kälber: 1. Qualität 80—82 Pfg., Lebendgewicht 50-00 Pf., 2* Qual. 73—75 Pfg., Lebendgewicht 44—45 Pfg., Schlachtgewicht 60—63 Pfg., Schafe: I. Qual. Schlachtgewicht 63—65 Pfg., 2. Qual. 59—61 Pfg., 8. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine L Qual. 69—00 Pfg., Lebendgewicht 54 Pfg., 2. Qual. 68—00 Pfg., Lebendgewicht -587, Pfg-, 3. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft: bei Hornvieh mittel, bei Kleinvieh gut. Alles verkauft. io. Frankfurt o. M., 29. Sept. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Sistierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Aerzen AU. 15.50—15.75, Kurbessischer Mk. 15.75—16.00, La Plata ÄU. 17.50-00.00, KanfaS Alk. 17^0—00^)0, Roggen (hiesiger) Mark 14.00—14.75, Gerste (Wetterauer) DU. 15.25—16.25, Franken- leider DU. 00,00-00,00, Hafer AU. 14^5—14.75, AlaiS AU. 12.75—1K00, Bitte verlangen Sie Preisliste. Ldß-Bttßeijttmz. Donnerstag, den 2. Oktober l. I. sollen die der Stadt Grünberg gehörenden Aepfel (240 Bäume) an Ort wnd Stelle versteigert werden. Der Anfang ist morgens •9 Uhr am Neustädterthor und 2m 1 Uhr an der Käsewiese xin der Straße nach Gießen. Grünberg, 27. Sept. 1902. Gr. Bürgermeisterei Grünberg. 783 Zimmer. Obst- Berfteigerung. Mittwoch, den 1. Oktober, nachmittags 1 Uhr sollen Sie Aepfel an der Straße Vießen-Lollar nächst Lollar und von 2 Uhr an demselben Tage an der Straße Kirch- verg-Sichertshausen beginnend bei Kirchberg, gegen Barzahlung versteigert werden. Gießen, 27. September 1902 Senßfelder, 6745 Kreisstraßenmeister. 8% Mexikaner .... 26.40 47s /o Chinesen .... 99,40 Electric, tichuckert . , , 85.70 Nordd. Lloyd . . . . —.— Kreditaktien.....215.50 Diskonto-Kommandit, , , 185.90 Darmstädter Bank . , . 185.50 Dresdener Bank .... 148.00 Berliner Handelegee. , . 155.70 Oesterr. ßtaatsbahn » . . 158.40 Lombarden ♦ • 4 » • 20.60 Gotthardbahn ..... 177.50 Laura Lütte ...... 201L0 Bochum ...... 179.00 Harpen er......166JX) Tendenz: schwach. 0000000^000000 Gießen, den 29. September 1901. 6784 Z)ie trauerndm LinferöNeömen. 7*5 Danksagung Volk, Sfiroenndptr. Allendorf a. Lahn, am 29. September 1902. 6782 6790 Die Wtige Bereiserill für Zigarrenkistchen auf fofort M-öblierte» Zmuner zu verm. JJl 6488 Wallthorstraße 18. T Teppiche, Tischdecken, Bettvorlagen, Vorhänge, Rouleaux, in großartiger Amwahl. ti 6778 ChemDih. SSammftT. 44, 8-Zim.-Wohnung zu verm. H. 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