Nr. LOS Zweites Blatr. ISS. Jahrgang Freitag SS. August 190» Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Giehener Kamillen- dlSIter viermal in der Woche beigelegt. Kotattonsdruck u. Verlag der Brüh l sichen Untvers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse sür Depeschen: Anzeiger Gießen. FrrnfprechanschlußNr.bl. Giehener Anzeiger General-Anzeiger v " Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen vezngspret», monatlich 7b Pf^ viertele jährlich Mk. L20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 6b Ps.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür die Tngesnummer bis oormülags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal ISPs, auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Stell: P. Wittko: sür .Stadt und fionb* imb .Gerichtssaal^: Curl Plato; für den Anzeigenteil: HanSBeck. Ski Die heutige Yummer umfaßt 8 Seiten. Bekanntmachung. iBetr. Maßregeln zur Abwehr und Unterdrückung der Maul- und Klauenseuche. Bei dem gegenwärtig niedrigen Stand der Verseuchung an Maul- und Mruenseuche — am Schlüsse des Mounts Juli I. Js. sind aus dem deutschen Reich nur 56 Gehöiste in 31 Gemeinden, im Großherzogtum Hessen keine al(§ verseucht ungezeigt — ist von dem Herrn Reichskanzler angeregt worden, der weiteren Verbreitung des Ansttlckungsstoffes aus den noch vereinzelt vorkommenden Seuchevhserden durch schnelle und kräftige Maßregeln entgegen zu treten. Aus diesem Anlaß hat das Gr. Ministerium des .Innern das Nachstehende bestimmt: 1. Tie Ortspolizeibehörden haben nach erfolgter Anzeige oder, wenn sie aus anderem Wege von bl em Ausbruch oder Verdacht der Seuche Kenntnis erhalten, in jedem Falle sofort den Kreisveterinärarzt behufs sachverständiger Ermittelung telegraphisch oder telephonisch zuWziehen. Gleichzeitig habenz die Ortspolizeibehördöm, ohne erst die Ankunft des Kreisveterinärarztes abzuwavten, oie nach den §§ 59 bis 66 der Bundesratsinstruktion (Seite 42 u. ff., der amtlichen Handausgabe von 1895) und fa.i den Ziffern 3, 4, 5 und 7 gegenwärtigen Ausschreibens vis-rgeschriebcnen Schutzmaßregeln, mindestens aber die vollständige Gehölfts- und Weidesperre sofort unter dem Vorbehalt anzuordnen, daß die Maßnahmen ohne weiteres außer, Kraft treten, wenn der Kreisveterinärarzt fesfftellt, dipß Maul- und Klauenseuche nicht vorliegt. 2. Um die Durchführung der getroffen en Schsutzmaß- cegeln zu sichern, hat das Kreisamt, wenn Irgend möglich, tchleunigst einen Gendarm an den SeuchLrort zu stationieren, der die pünktliche Befolgung dec, angeordneten Maßregeln zu überwachen, dabei jedoch dia Seuchengehöfte selbst nicht zu betreten hat. 3. Tas Weggehen ungekochter Milch an/5 dem Seuch.en- gehöst ist stets zu verbieten, es sei denn/ daß die Milche in eine Sammelurolkerei geliefert wird, im der ihre ausreichende Erhitzung vor der Abgabe gewährleistet ist. 4. Tas Weggeben ungekochter Milch aus Sammel- molkereien ist stets zu verbieten, wenn innerhalb eines Umkreises von drei Spunden der SeuchenauZbruch festgestellt wird, oder wenn ein solcher in einem noch weiter entfernten Orte vorkommt, aus welchem Milch nach sorglicher Sammelmolkerei geliefert wird. Tie Dauer des ^Verbotes erstreckt sich zum mindesten auf die Zeit, bis die tauche in den betreffenden Orten oder dem erwähnten Umkreise nach § 69 der Re ichs instruktiv n für erlös eben erklärt ist. Dabei ist die Anordnung zu treffen, daß die zu dem Transport der Milch benutzten Gefäße vor ihrer Entfernung aus der Molkerei innen und außen mit heißer S^dalauge gründlich gereinigt werden. Dem Abkochen gleich,zu achten ist jedes andere Verfahren, bei welchem die Milch, auf eine Temperatur von 100 Gr. C. gebracht oder wenigstens eine Viertelstunde lang einer Temperarur von miisdestens 90 Gr. C. ausgesetzt wird (§ 61 Abs. 6 der Bunloesratsinstruktion). Tie Beamteten Tierärzte und Polizeibehörden Haber: die Molkereibetriebe zu revidieren und sich dabei namentlich von der Erfüllung der obigen Vvrschirijften zu überzeugen. 5. Tas in Seucht verlassen kann. Auch ist thunlichst dahin Vorkehrung zu treffen, daß Seuchengehüfle von ftemdem Federvieh nicht betreten werden. 6. Der Hausierhandel mit Klaucürvieh, sowie Federvieh ist stets im Umkreise von drei Stun/den um ein Seuchengehöft für die Dauer der SeuchengcS,ahr zu verbieten. 7. In dem Seuchengehöft und -in dessen Umgebung ist das Festlegen der Hunde anzuorbjaen. Fremde Hunde sind in Seuchenorten an der Leine yi führen und dürfen in Seuchengehöfte nicht mitgenomnum werden. 8. Eine besondere Sorgfalt ist Üier Ueberwachung der Viehmärkte zu widmen. Für jeden Viehmarkt ist die Anordnung zu treffen, sah die für denselben bestimmten Tiere schon vor den Thoren oder Zugängen des Markiertes, mindestens aber 100 Meter von dem Vieh mar ktplcpj entfernt unter Aufbietung einer genügenden Anzahl von Tierärzten und Polizeimannschaften einer genauen U,ltersuchung unterzogen und nur dann zu dem Markt zugelpcssen werden, wenn sie vollständig unverdächtig befunden werden. Indem wir diese von Gr. Ministerium des Innern an- geordneten Maßnahmen zur öffentlichen Kenntnis bringen, weisen wir daraus hin, daß die volljländige Unterdrückung der Seuche, wozu der gegenwärtige ZeitMakt geeignet erscheint, nur dann gelmgea dürste, wenn alle BeEgten nach Möglichkeit mitwirken, daß etwa noch Vorkommen 8 e Verseuchungen stets uu> gesäumt zur Kenntnis der Behörden gebracht werden. Gießen, 28. August 1902. Großherzogliajes Kreiäsarnt Gießen. Dr. B r e i d q r t. Gießen, den 28. August 1902. Betr.: Wie oben. Das GroßherMliche Krcisamt Gießen an die OrtspolizeibehörÄen des Kreises. Unter Bezugnahme auf vonstehende Bekanntmachung weisen wir Sie an, die Ihnen hiernach obliegenden Verpflichtungen genau zu beachten und prbnktlich zu erfüllen. Dr. Breihert. • Bekanntmachung. Betr.: Rotlausseuche. Bei einem Schweine des Schneiders Martin Fri eb erts- häuser zu Wehrshausen ist Rotlaufseuche festgestellt. Gehöftsperre ist angeordnet. Marburg, den 26. August 1902. Der Königliche Landrat. Die Ileischterrerung. In ganz Deutschland geht seit kurzem ein allgemeines Klagen durch den Blätterwald über die aller Orten eintretende Fleisch-Verteuerung. An der Lahn und am Main, an Rhein und Donau, an Isar und Lech, an der Elbe und der Oder, und ihren Nebenflüssen, bejammert man die kaum noch erschwinglichen Fleischpreise. Bei uns in Gießen haben die Metzger bereits vor einigen Monaten ihre Preise beträchtlich zu erhöhen begonnen, und das Publikum hat diese Preissteigerung mit bewundernswerter Kaltblütigkeit und Ruhe ausgenommen. Während man sich anderswo entrüstet, während allerhand Maßnahmen von der Reichsregierung verlangt werden, um dieser Fleischteuerung zu steuern, zahlt Gießens Bevölkerung bereits seit Monaten ruhig die höheren Preise, ohne sich dabei sonderlich aufzuregen, und fortwährend scheinen noch Preissteigerungen einzutreten. So ist z. B. der Preis des Roastbeass jüngst innerhalb weniger Tage um 4 Psg. pro Pfund in die Höhe gegangen. Tas alles haben die Gießener Hausfrauen augenscheinlich ohne erhebliches Murren hingenommen. Keine Eingaben sind an die Bürgermeisterei gemacht worden, wie in zahlreichen anderen Orten, so in Mainz, wo die Bürgermeisterei eine Sitzung der Deputation für sozialpolitische Angelegenheiten berufen hat, welche die Frage eingehend besprechen und sich schlüssig zu machen haben wird, ob man bei der Reichsregierung um Aufhebung der Grenzsperre vorstellig werden soll. Und auch keine „Eingesandts" sind in dieser so tief einschneidenden Frage Vern „Gieß Anz." zu teil geworden. Wir fragen uns, warum ereifert man sich bei uns in Gießen nicht angesichts der an sich zweifellos bedauerlichen und unseren Gelbbeuteln keineswegs sympathischen hohen Forderungen der Metzger? Es ist nicht allein der Konsument, der da zu Mißmut guten Grund hat, sondern auch die Metzger selber klagen laut über den Fleischmangel und die Fleischteuerung, und wir nehmen ihnen bas auch nicht übel. Wer sich in seinen Interessen geschädigt sieht, sagt die klerikale „Köln. Volksztg." sehr richtig, der „schreit"; bas ist einmal so Mode. Nur sollten die Metzger, so fährt das genannte Blatt fort, dem wir die folgenden Ausführungen entnehmen, nicht glauben machen wollen, daß sie lediglich aus Mitleid mit den armen Fleischverbrauchern klagen, sondern gestehen, daß sie es um ihrer s e l b ft w i l l e n thun. Sie wünschen bas Schlachtvieh möglichst billig einzukaufen, und deshalb die Einfuhr möglichst viel fremden Viehes, das die Preise des einheimischen drücken helfen soll. Außerdem befürchten sie, daß, wenn die Fleischpreise so hoch bleiben, der Verbrauch zum Schaden der Metzger abnehmen werde. Also ihr eigenes Interesse, nicht nur das des Publikums steckt hinter ihren Klagen über die Fleischteuerung. Nun läßt sich ja gar nickt leugnen, daß in den letzten Monaten die Viehpreise gestiegen sind. Vielleicht ist die Meinung zutreffend, daß der außerordentliche Futterreichtum dieses Jahres viele Landwirte veranlaßt habe, möglichst viel Vieh zur Aufzucht einzustellen, und infolgedessen für eine Weile eine gewisse Stockung im Verkaufe eingetreten ist und sich auf dem Markte ein Mangel an Schlachtvieh bemerklich macht. Das kann dann aber nur vorübergehend fein und mutz in absehbarer Zeit ein um so stärkeres Angebot und ein Sinken der Vieh preise im Gefolge haben. Viele lieben es, gleich über die Agrarier zu schreien, die durch ihre unersättliche Habgier einen ehrenwerten Gewerbestand ruinierten und das Publikum aussaugten. Die Negierung wird beschuldigt, den Agrariern hierbei durch die Grenzsperre willig Dienste zu leisten, denn die Furcht vor der Einschleppung von Viehseuchen sei nur ein Vorwand, um die Konkurrenz fremden Viehes ausschließen zu können. Man sollte denn doch ein wenig Gerechtigkeit üben und den Landwirten eine rentable Viehzucht gönnen. Sie müssen doch bestehen können, und wenn sie es vom Getreidebau nicht können, so müssen sie sich auf die Viehzucht verlegen. Diese hat in den letzten Jahren einen erfreulichen Aufschwung genommen. 9hin ist freilich das A und O der Metzger und der Händler: Die deutsche Landwirtschaft vermag öte nötige Menge Fleisch nicht zu produzieren, also muß die Grenze geöffnet werden. Allerdings ist die deutsche Viehzucht noch nicht so weit, daß wir fremden Fleisches gänzlich entbehren können. Wer wir müssen sie unbedingt dagegen schützen, daß fie durch eingeschleppte Seuchen wieder zu Grunde gerichtet werde. Jedenfalls fann wegen einer vorübergehenden Teuerung unsere Landwirtschaft nicht gleich einer großen Gefahr ausgesetzt werden. _ c _ Unnötige Sperrmaßregeln und eine Sperrung, die bloß eine Umgehung der Handelsverträge fein soll, billigen auch wir nicht. Man muß auf die Volksernährung soviel Rücksicht nehmen, wie nur irgend möglich, und darf das fremde Fleisch nicht mit der Berufung darauf, daß unsere Landwirtschaft später einmal im stände sein werde, alles erforderliche Fleisch, allem zu erzeugen, einfach aussperren. Man soll aberauch nicht gleich bei jeder Fleischknappheit ein großes Gezeter gegen die Agrarier anstimmen oder gar die Fleisch- preise in die Höhe schrauben, um das Publikum mit gegen die Agrarier zu verhetzen. Was darin jetzt wieder geleistet wird, geht über das durch die Klugheit und das eigene Interesse gebotene Maß bedenklich hinaus. Wenn da z. B. in der „Allg. Fleischerztg." von der „agrarischen Seuche" die Rede ist, die „der Fluch Deittsch- lands in unserer Zeit" sei und von der unser Volk bei den nächsten Wahlen hoffentlich Befreit werde, so zeugt das von einem bedauerlichen Mangel an Besonnenheit und Objektivität. In derselben Wslassung wird ein allgemeiner Metzgerstreik empfohlen; etwa 14 Tage lang solle jede Schlachtung in ganz Deutschland unterbleiben, um die Öffentlichkeit darüber aufzuklären, daß ganz abnorme Verhältnisse (die mit dem „Ammenmärchen" der Seuchengefahr beschönigte Grenzsperre) die Fleischteuerung veranlaßten. Wie nun aber, wenn die Agrarier ihrerseits, erklärten, die Metzger und Viehhändler seien der „Fluch Deutschlands in unserer Zeit", da sie die Bevölkerung unter dem Vorwande des Viehmangels durch hohe Fleischpreise ausbeuteten. Deshalb würden sie (die Agrarier) ich zu Metzgerei- und Fleischverkaufsgenossenschaften zu- ämmenthun, um der Bevölkerung gutes und billiges Ueisch zu liefern? Liest man doch als Antwort auf die Klagen der Metzger über Viehmangel in letzter Zeit vielfach Erklärungen von Landwirten, die versicherten, sie hätten durch Anzeigen in den Blättern Schlachtvieh aller 2Irt angeboten, es sei aber kein Metzger ober Händler gekommen, um es abzunehmen; also müsse der Viehmangel doch nicht so groß sein. Also ein wenig mehr Gerechtigkeit und Besonnenheit bei Wahrung der eigenen materiellen Interessent Politische Tagesschau. Berliner Kunst. Die nationallckerale ,23erl. Börsen-Ztg." widmet dem neuen Rolandbrunnen und anderen neueren Berliner Kunstwerken folgende Worte der Beklemmung: Der Roland bedeutet den Abschluß der Sieges-Allee. Die Bevölkerung Berlins würde aber zu dieser Statue mit noch größerer Begeisterung aufblicken, wenn sie nicht nur den Abschluß der neuen Anlage, sondern den Abschluß der ganzen etwas bewegten Bau- periode bedeuten würde, die seit einigen Jahrzehnten friedliche Bürger nicht mehr zur Ruhe kommen läßt. Keine Zeit, auch die Zeit des baulustigen und prunkbedürftigen Friedrich 1. nicht, hat das Bild der Landeshauptstadt so gründlich verändert, wie die Jahre, die unmittelbar hinter uns liegen. Das neue Reichstags- gebaude ist entstanden, das Abgeordnetenhaus, der Dom, das Marstallgebäude, das geschmacklose Posttnuseum; die alle Akademie wird veffchwinden, das Herrenhaus ist fertig, das neue Kaiser Friedrich-Museum wächst der Vollendung entgegen; die Denkmäler, Nationaldenkmäler, Märchenbrunnen, Schloßbrunnen, Brückenstatuen schießen hervor wie die Pllze; die „ßinben" werden umgebaut. der Tiergarten ist „gelichtet", der Botanische Garten verschwindet und in der Waldeinsamkeit des Grunewaldes wird mit dem Abholzen begonnen, damit an den lieben stillen Ufern der Havel Platz für eine Vogelwiese gemacht wird . . . Dieses fortwährende Zerwühlen des heimischen Bodens, dieses Schwelgen in prunkvollen Dekorationsstücken, die mtt preußischer Art nicht das geringste zu thun haben, ist nicht nur ein etwas überflüssiger Sport, es ist geradezu bedenklich, weil es dem Volk die letzte Pietät und Bescheidenheit historischen Traditionen gegenüber vernichten muß. Und es ist ein Symptom für die Kleinheit der Zeit. Es hat noch keine wahrhaft große, schaffende Epoche gegeben, die Monumente gesetzt hätte. Das ist immer die Aufgabe der Epigonen gewesen, die nichts zu schaffen hatten und die Leere des Innern unter dem Glanz des Kostüms zu verbergen suchten. So auch bei uns. Die Väter haben in stummer Arbeit Schlachten geschlagen und Reiche gegründet ... wir sitzen an Bankettafeln, veranstalten Jubelfeiern, setzen auf jeden Berg ein Nationaldenkmal und in jebe Stadt mit über tausend Einwohnern Barockmonumente für Bismarck und Wilhelm den Großen. Nach Ansicht des Kaisers steht die Berliner Bildhauer- schule auf einer Höhe, wie sie kaum in der Renaifsancezeit hätte schöner sein können. Der Kaiser ist des Glaubens, daß der Eindruck, den die Sieges-Allee auf den Fremden macht, überwältigend sei, und daß sich überall ein ungeheurer Respekt vor der Berliner Bildhauerei Bemerkbar macht. Heer und Flotte. Tem russischen L e iB - G ar d e-Re gim eut in Warschau, dessen Chef Kaiser W i l h e l m ist, gingen von diesem und dem Kronprinzen auf BegrüKings-Telegramme, die der Regimentskommandeur anläßlich des 176- jährigen Bestehens der Truppe an sie gerichtet hatte, nachstehende Antwortdepeschen zu: „Ich danke dem Offizierkorps und den Chargen meines Petersburger Leib-Garde-Regiments für den Ausdruck der Anhänglichkeit und der Waffenbrüder- schaf t. Möge der Herr das Regiment segnen, und möge er es geben, daß in dem Regiment der Geist seiner Traditionen fortlebe, der es im Laufe von 176 Jahren erfüllt hat,damit das Regiment eine Zierde der ruhmvollen Armee bleibe und vor allem stets die Anerkennung seines erhabenen Oberherm verdiene. Tas wird mein Stolz sein. Wilh e lm." „Aufrichtig danke ich Ihnen für den mir im Namen des Regiments übermittelten Gruß. Zum heuttgen Festtage beglückwünsche ich das Regiment, dern^ anzugehören ich als besondere Ehre schätze, und bitte Sie, dieses in liebenswürdigster Weise dem Offizierkorps übermitteln zu wollen. Kronprinz Wilhelm." Aolonialpost. S a m o a. Ein Herr A. F. Pfeil weist im „Tag" daraus hin, daß kürzlich im Kolonialverein ein eben aus Samoa heimgekehrter Reisender der Kolonie jeden nennend- werten wirtschaftlichen Wert abgesprvcheu unb sie clB eüre Art MerkvErbigkeit oder Rarität bezeichnet hüt. „Er hat alle Plarrtagerurnla-gen und dergleichen im großen Stil für aussichtslos erklärt und d'esbaw sich auch wohl gehütet, neue nicht unbedingt notwenoige Aufwen- dungen für diesen Fleck Erde mit seinen 20000 Einwohnern zu verlangen." Diese Auffassung stimmt, wie Pfeil scheibt, mit der aller ernst zu nehmenden Kenner der Samoa-Inseln überein. Auf Grund früherer Erfahrungen erklärt er die Einrichtung neuer Samoa-Linien für zwecklos. Alle Versuche mit Kakao und dergl seien in Samoa an der Höhe der ProduktionsVosten gescheitert. Früher sind wenigstens noch Bananen aus Samoa nach Ausdmlien ansgeführt worden. Selbst die Bananen kommen jetzt nicht mehr in Betracht, da Australien seinen Bedarf daran bequemer und billiger in den Fidschi-Inseln deckt. „Unter diesen Umständen", so schreibt Pfeil, „denkt kein deutscher Rheder an Herstellung einer neuen Samoa-Linie, es sei denn, daß das Reich ihre gesamten Kosten übernähme. Daß aber Deutschland ein solches zweckloses Ovfer bringen sollte, ist doch kaum anHunehmen — da hat esi doch ^äherliegende Gebiete für seine Wohlthätigkeit." Ker Katholikentag in Mannheim. V. Mannheim, 28. August Heute vormittag begann in der Festhalte unter dem Vorsitze des 2. Vizepräsidenten Dr. Siben-Deidesheim die dritte und letzte geschlossene Generalversammlung. Es wurden in derselben u a. Beschlüsse gefaßt über die katholischen weiblichen Angestellten, die Fürsorge und Erziehung jugendlicher Personen, die Endlichen Krankenbesucherinnen, ländliche Wohlfahrtspflege, Frauenschutz in den deutschen Kolonien, Schutz werblicher Dienstboten, den Mädchenhandel, Schutz der Katholiken im Ausland, den seelsorgerischen Rotstand in Italien, die Pastorisation der Italiener in Deutschland, das Handwerk unter Bezugnahme auf die Novelle zur Gewerbeordnung vom 26. Juli 1897, die Hausindustrie, die gewerbliche Kinderarbeit und die Arbeitslosigkeit. Hierbei entspann sich eine längere Debatte. Der Vorsitzende des Ausschusses teilte mit, daß der Ausschuß mit großer Mehrheit folgenden Antrag zum Beschluß erheben habe: „Die Generalversammlung lenkt die Aufmerksamkeit der katholischen Sozialpvlitiker auf die infolge des Niederganges der Industrie neuerdings wiederum eingetretene Arbeitslosigkeit, die zu einer bedauernswerten Begleiterscheinung der industriellen Entwickelung geworden ist. Als Mittel und Wege zur Verhütung der Arbeitslosigkeit wie zur Milderung ihrer harten Folgen sind vor allem zu empfehlen der Ausbau des Arbcitsvermittelungswesens, die Verkürzung der Arbeitszeit an Stelle von Arbeiterentlassungen; ferner Bereitstellung von Mitteln zur Ausführung von Notstandsarbeiten durch staatliche und kommunale Verwaltungsbehörden. Des weiteren sind, um den unverschuldet arbeitslosen Arbeiter vor den Folgen der Arbeitslosigkeit thunlichst zu schützen, Institutionen zu schaffen unter Heranziehung von Arbeitern und Arbeitgebern, Staat und Gemeinden, welche dem Arbeiter die Möglichkeit bieten, sich durch Versicherung gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit zu schsttzen. Don dem Abg. Dr. H e i m (Bayern) wurde noch folgender Zusatzantrag gestellt: ^Gleichzeitig bringt die Versammlung zum Ausdruck, ' daß sie in einer kräftigen AbHilfe der trau- rtaen Lage der Landwirtschaft «ns der besten I peusierrochts den gleichen Bedingungen unterworfen werden wie irr« ArbeitL- die übrigen Aerzte, 2. die Tierärzte bet der -Ltspenfarwn von Arz- Höchste Tentperatur Niedrigste r vom 28. 28. Mittel erblickt, um die Abwanderung ländlicher Arbeitskraft nach den Städten und Industriezentren und der daraus folgenden Arbeitskonkurrenz zu vermindern." Beide Anträge wurden von der Generalversammlung angenommen. Weiter wurden Beschlüsse gefaßt über die Mäßigkeitsfrage und die katholischen Arbeitersekre- tariate. Zum Schluß fand folgender Antrag Trimborn- Gröbcr-Fchrenbach Annahme: „Die Generalversammlung erblickt in dem Bestehen und Wirken der kathol. Orden und Kongregationen eine glänzendeBethätigungderchrist- lichen Welt- und Lebensauffassung eine kraftvolle Schutzwehr gegenüber der verheerenden materiellen Strömung unserer Zeit, eine durch das Beispiel der Entsagung und Aufopferung hochbefähigte und oft bewährte Macht der Versöhnung in den sozialen Wirren und Kämpfen. Sie bellagt deshalb auf das Lebhafteste, daß in einer Zeit, in welcher religions- und kirchenfeindliche Bestrebungen aller Art ungehemmt sich gellend machen können, die der Seelsorge, Krankenpflege und Heidenbekehrung gewidmeten kathol Orden und Kongregationen sich nicht mit aller Freiheit entfalten, dürfen." Zum Schlüsse der Sitzung wurde Gras Troste-Vische- ring-Münster wiederum zum Kommissar der Generalversammlung ernannt und als Ort der nächstjährigen Tagung Köln gewählt. In der letzten öffentlichen Generalversammlung sprach Universitätsprofessor Tr. Esser- Bonn über „5Re ligion und politischen Katholizismus". Er betonte, daß die Katholiken nicht die Religion mit der Politik identifizieren, wie sie es verschmähen, die Kirche mit einer politischen Partei, mit der Familie, dem Staate oder dem Erwerbsleben zu identifizieren. Geistlicher Rat und Landtagsabg. Wacker sprach über „Katholizismus und Autorität". Die Kirche erstrebe, weder eine staatliche Herrschaft, noch die geistliche Polizeimacht. Wir verlangen aber volle Entfaltung unserer Kirche und auch unseres Ordenswesens. Im Schlußwort sprach der Präsident Chefredakteur Tr. Cardauns -Köln den Bürgern der Stadt Mannheim und den Bischöfen Tank aus, worauf Erzbischof Dr. N ö r b e r mit dem bischöflichen Segen die Versammlung schloß. — Später sand ein Diner statt, an welches sich eine Fahrt auf dem Rhein anschloß Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Kunst und lUlstenschaft. Koblenz, 28. Äug. In der zwecken Sitzuna der Hauptver sammlung des Apothekerpereins hielt Prof. P a r t h e i l aus Bonn einen Vortrag über den im Jahre 1806 in Koblenz geborenen Professor pharmacne Friedrich Mohr. Als Ort der im Jahre 1903 abzuhaltenden Hauptversammlung wurde 2! ü n ch e n gewählt. Zu Punkt 7 „Aenderung der Arzneitaxen" gelangte der Antrag des Kreises Oberhessen zur Annahme : Der Vorstand möge bei sämtlichen deutschen Bundesregierungen, welche eigene Arzneitaxen besitzen, vorstellig werden, daß nach der in Aussicht stehenden Aushebung der Steuerfreiheit für den zu Heilzwecken dienenden Branntwein eine entsprechende Taxerhöhung aller sprrckuosen Präparate nach Anlage 13 der Verordnung vom L Otto der 1900 vergenommen werde. Zur Erleichterung des Haltens von Lehrlingen wird ein Antrag des Vorstandes angenommen, daß es auch den Besitzern gestattet merden soll, Eleven zu ballen, die keinen Gehilfen halten und zwar soll dieses geschehen dürfen, ohne daß die Erlaubnis bei dem Regierungspräsidenten nachzujuchen ist. Bezüglich des ärzckichen und tierärztlichen Dispensier-Rechtes wird der Antrag des Vorstandes angenommen, welcher lautet: Der Vorstand wird beauftragt dahin zu wicken, daß 1. die homöopatischen Aerzte bezüglich des Selbst-Dis- die übrigen Aerzte, 2. die Tierärzte bei der Dispensation von Arzneimitteln alle die Tinge zu erfüllen haben, denen die Apotheker nachzukommen haben. Zum Schluß gelangt der Antrag der fünf Kreise delSRegierungsbezirks Düsseldorf zur Annahme, der Vorstand möge an geeigneter Stelle Schritte thun, daß von den Kranken- pflegeschrv esterii und -Brüdern, welche das Examen als Lecker einer A n st a lr.s a p o l h e k e machen wollen, eine bestimmte Vorbildung August 22,00 0. gefordert wird. Ein neuer Gegner Profcffor Kochs. Bekanntlich hat Koch im Vorialwe aus dem Londoner Tuberkulose-Kongreß die Aussehen erregende Mittbeilung gemacht, daß menschliche Tuberkulose nut der Perlsucht der Haustiere nicht ideickisch ist, so daß er ohne Weiteres den Genuß roher, auch von perlsüchtigen Tieren stammender Milch gestatten ivürde. Diese Ansicht Kochs begegnete sogleich all gemeinem Widerspruch, zumal seine Behauptung, daß eS ihm nicht aehmgen sei, menschliche Tuberkulose auss,Rindvieh und andere größere Haustiere zil übertragen, nicht genügend beweiskräftig war. Bei Beurteilung derartiger Experimente darf nämlich, wie dl.« Göttinger Pathologe L r l h richtig hervorhebt, nicht außer Acht gelassen iverden, daß auch bei Tieren wie beim Menschen Immunität und Disposition ungleich verteilt sind. Es müßten a)aher, um zu einem unbefangenen Urteil zu gäangen, Versuche in größerer Zahl unter möglichst verschiedenen Bedingungen und an möglichst verschiedenen Orlen angeslelll werden. In der Thal habeu sich viele Pathologen mit solchen Experimentell be- schästigt und- Klebs, de Jong, Arloing, v. Behring und Orch haben positive Resultate bei ihren Ueberimpfungcn erhalten. Ter letzte Alltor teilt (leine Ergebnisse in der „Berliner klinischen Wochenschrilck mit. Es ist ihm gelungen, vom Menschen stammende Tuberkelbazillen auf Kälber, Schweine und Ziegen zu ü b> e r i m p s e n und Tuberkulose der Tiere zu erzeugen. Tie Uebertraigbarkelt der Tuberkulose vom Tier auf den Menschen konnte selbstverständlich nicht m den Kreis der Experimente gezogen werden, doch spricht das nicht seltene Auftreten primärer Darm- und Dlejeitterialdrüsentuberkulose bei Kindern die Sprache des Ex- perinients. Lttth kommt zu dem Schlüsse, daß das „perlsüchtige Tier nicht ohme Gefahr für die Menschen sein kann, vielmehr muß allen Herküiiflien von perlsüchtigen Tieren, ivelche Bazillen enthalten oder enthalten können, mit dem höchsten Mißtrauen begegnet werden. Dieses Mißtrauen müßte auch hestehen bleiben, selbst wenn es sich doch noch Herausstellen sollte, daß Perljucht und menschliche Tuberkulose nicht ganz identisch sind." Koch hat noch im Jahre 18811 geschrieben: „Sollte sich also auch wirklich iwch im Lause weitere, Untersuchungen wieder eine Differenz zwischen den tuberkulösen utnü Perlsuchtbazillen Herausstellen, welche uns nötigen würde, dieselbe, nur als nahe Verivandte, aber doch als verschiedene Arten an,gusehen, dann hätten wir gleichwohl alle Ursache, die Perlsuchtbazillen im höchsten Grade verdächtig zu hacken," Otth komnil zuun Schluffe, daß, wenn auch weitere Untersiichungen ergeben sollten, daß die Gefahr der Uebertragung vom Rind auf den Menschen bei weitem zurücksteht hinter der vom Menschen auf den Menschen, Man doch einer jeden Gefahr, ob groß ober klein, welche der menschlichen Gesundheck droht, mck allen Mitteln begegnen müsse. 27. August bis 27. , , August Barometer M Q° reduziert i UHIU der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 28. 2“ 748)5 21ß 9,5 60 w. 1 Sonnenschein 29. 9" 747,*.T 14,6 10,3 84 NE. 2 Sternhll. Huw 29. 7" 746,!? 13,9 94 80 NE. 2 Sonnenschein Gascokes. Preise seit 10. April 1902: Für den Gentner ab Verkaufsstelle: Stück-Cokes.............. 1,10 Mk. Nuß-Cokes, ausschließlich trocken gelagert, in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizimg und für weite und enge Ofens chäch te passend zeckleinert: Größe Str. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anchracck, g ang- bar st eSorte ......... 1,25 Mk. Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracck......1,30 Mk. 3n Wagenladungen von mindestens 36 Centuern: Stückcokes.......1,05 Mk. Rußeokcs Rr. 1 .... . 1,20 , Nußcokcö Nr. 2.....1,25 w Bei Entnahme von mindestens 200 Gentnern: Stückcokes.......1,— Mk. Nußcokes Nr. 1 .... . 1,15 , Nu»cokco Str. 2.....1,20 „ Für Cokesabnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Ceittner. Für Anfuhr au das Haus werden 5 Pfennig für den Centner berechnet. NB. Sofern das Verbringen der Cokes — bis zu 6 Centnern — aus die bett. Lagerplätze (Seiler, Stall re.) mit feinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet nur ein Berkaus von über 5 Centner Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Jjliiiuifthuuf i>n Giscokrs von 1 bis 5 Ccntucr eingerichtet, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 33 unb 34, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Cb. Klinket, Bahnhofstraße 10, Cmil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Macktstraße 10, Georg Schäfer, Licherslraßc 2, August Struck, Bismarckslraße 6, Georg Uuverzagt, Kaplanögasse 5. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gaseokes (amt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch m Mengen unter 5 Centnern. Tie Preise unserer Gascokes für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Vetroirückvergütung von 4 Pfg. für den Centner. 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