Nr. 175 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kessischen Landwirt die Gießener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl 'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckeret (Pietsch Erbens Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 39. Juli 19C GichenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen «ezugspret monatlich 75Ps., vieKM» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2.—viert el- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps, auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Witiko; für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Are heutige Mmmer umfaßt 8 Seiten. Anter den „Hisenöahnern". Tor wissenschaftliche Trieb zeitigt sonderbare Blüten. Er treibt einen Mann zur Erforschung des Nordpols von der Seite, der Gattin hinweg zum jahrelangen Aufenthalt in Nacht und Eis. Er stachelt Aerzte an, lebensgefährliche Experimente mit sich selber vorzunehmen, Cholerabazillen zu verschlucken oder Tuberkelbazillen sich einzuverleiben. Er überredet Studenten, unter die Fabrikarbeiter zu ziehen, und deren Lebensbedingungen zu beobachten, und hat neuerdings einen jungen Sozia (Politiker dazu vermocht, für längere Zeit als Arbeiter in den Bahndienst zu treten und im Osten wie im Westen der preußischen Monarchie die soziale Lage der Eisenbahner zu studieren. Ob das wissenschaftliche Ergebnis derartiger Forschungen zu der ausgewendeten Mühe im richtigen Verhältnis steht, mag unerörtert bleiben; die ganze Richtung ist so übel nicht und immer noch wertvoller, als das planlose Herausgeben von allen möglichen Texten und Urkunden. Also ein wissenschaftlich geschulter junger Mann, Waldemar Zimmermann heißt er, hat seine Erfahrungen unter den Eisenbahnern umständlich beschrieben und in dem neuesten Band der Schriften des Vereins für Sozialpolitik veröffentlicht. Ausführlich behandelt er die Arbeits-, Wohnungs- und Lohnverhältnifse des Lokomotiv-, Zugs-, Weichensteller- und Rangierpersonals, die Lage der Eisenbahnarbeiter, die hygienischen und die Pensionsverhältnisse. Von den mittleren Beamten ist nicht die Rede. Zimmermann kommt zu dem Resultat, daß ein Widerspruch darin besteht, wenn wir eine staatliche Fabrikinsvektion haben, aber keine gleichwertige Einrichwigshaken, 27. Juli Die Untersuchung in der Angelegenheit des von Iggelheim aus so schwungvoll betriebenen Schwiubels mit Arbeiterfahrkarten zieht noch immer weitere Kreise und zeitigt, besonders rn Iggelheim selbst, noch von Tag zu Tag neue Verhaftungen. 16 Arbeiter sind bisher verhaftet Es handelt sich durchaus nicht nur um junge Leute, die vielleicht über die Tragweite ihrer Handlungen sich nicht vollkommen im Klaren befunden hätten, sondern es haben allere, gesetzte Männer der Versuchung nicht widerstehen können, sich die den anderen so bekömmliche Fahrgelegenhell zu verschaffen. Am Samstag mlltag Uhr wurden auf telegraphische Anordnung des Untersuchungsrichters in Frankenthal 14 wegen des Fahrkartenschwindels .'Verhaftete, nachdem die Voruntersuchung abgeschftffsen worden ist, aus freien Fuß gesetzt. Vermischtes. • Zum Tode des Frl. Dr. Elsa Neumann in sBerliu. In unserer Nr. 173, 2. Blatt, hatten wir mit- geteilt, daß sich ein ähnlicher Unfall wie der, welcher den Tod der unglücklichen Berliner Dame herbeigeführt hat, jüngst in der „Geisenheimer Fabrik" bei Bitterfeld zugetragen habe. Heute schreibt uns nun ein Leser des Gieß. Anz. in Bitterfeld, daß es statt „Geisenheimer" „Griesheimer" Fabrik heißen müsse. Der vermeintliche Irrtum der Red. des Gieß. Anz. stellt sich als Folge undeutlicher Schrift ,heraus. Auch wll wissen, daß die Chem. Fabrik Griesheim Elektron in Bitterfeld zwei Werke (Werk 1 und Werk II) besitzt. Letzteres Werk fertigt Wasserstoff. — Die Trauerfeier für Frl. Dr. Neumann hatte am Sonntag in Berlin zahlreiche Leidtragende um den Sarg vereinigt. Gedenkreden hielten Rabbiner Dr. Clemperer und Frau Dr. Ziegler- Wegscheider, die Freundin der Heimgegangenen. Die Ein- äscherung der Leiche erfolgt in Hamburg. Kunst und Wissenschaft Rom, 26. Juli. Während der Fahrt von Kronstadt nach Kiel wurden aus dem italienischen Kreuzer „Carlo Alberto" unter der Leitung M a r e o n i s wichtige Versuche mit drahtloser Telegraphie gemacht. Bei den Signalisierungen wurde eine Entfernung von 2000 Klm., wovon 1000 über See und 1000 über Land gingen, erreicht — Bom Säugerbundcsfest in Graz. Nach dem Festzug fand in der Sängerhalle ein sollener Kommers statt. Die erste Rede hiett der Vorstand des Bayerischen Sängerbundes. Er sagte u. a.: „Nie vergessen wir, daß Ihr vor 32 Jahren mit uns gejubelt, mit uns die Wacht gehalten fyabt, daß Steiermark seine Söhne cmch zur Feier des 80. Geburtstags des größten deutschen Mannes entsendete. Steiermark habe den besten Beweis dafür erbracht, daß man gut österreichisch und gut deutsch sein könne." Der Redner schloß mit einem Hoch auf die deutsche Treue. Es folgte das Lied „Deutschland über Alles", woraus namens des Festausschusses Justizrat Beck allen Festteilnehmern Tank ausdrückte, wobei er darauf hinwies, daß die deutschen Sänger es seien, die den deutschen Gedanken pflegen. Hierauf sprach der Obmann des stidmärkischen Sängerbundes, Binder; durch Gründung dieses Bundes, sagte er, sei das deutsche Lied vom hohen Norden bis zur Adria getragen worden und er schloß mit den Worten: „Deutsche Art bleibt immerdar bis zum letzten Atemzuge." Gesangsvorträge beschlossen das Fest" Unwersüäts-Uachrichteil. Würzburg, 25. Juli. Der neue Rektor unserer Alma mater, Prof. Meurer, ist kein Freund des Zentrums. Schon vor etwa zehn Jahren wurde den hier smdierenden katholischen Theologen der Besuch von Meurers Vorlesungen — er lieft das für Theologen doch unumgänglich notwendige katholische Kirchenrecht — verboten, »weil der Professor in immer heftigeren Ausfällen aus die katholische Kllche seine liberale Gesinnungs-Tüchtigkeit zu empfehlen bestrebt war." Jetzt macht der „Bayer. Kuner" den Staatsanwalt auf eine Stelle in einem Werke Meurers aufmerk- farn, die angeblich eine Beleidigung der katholischen Religion enthält weil Meurer von einem Gegensatz zwischen Staat und katholischer Kllche spricht und in beiderseitigem Interesse eine Trennung von Staat und Kirche empfiehlt. — Vor kurzem lehnte die Lesehalle der Kieler Universität die von studentischer Seite beantragte Auslegung der Münch euer Wochenschrift „S i mpl i ers s i mus" ab. In der sozialdemokr. „Schlesw.-Holst. Volksrtg.* erschien ein Bericht über die Vorgänge, der beleidigende Angriffe auf die Professoren Dr. Schubert und Dr. Pappenheim die Urheber des Verbots enthielt. Tie genauen Darlegungen bekundeten, daß di? Angriffe von einem Eingeweihten stammten. Gegen den mutmaßlichen Verfasser wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, das mit der V e r- Weisung des Studenten von der Universität und mit der Bestrafung mit 6 Tagen Karzer endete. Gerichtssaal. § Butzbach, 28. Juli. Ein iitteressanter Preßprozeß, der S, wie ein Redakteur das schuldlose Opfer einer böswilligen tifikation werden kann, gelangte neuerdings zum definttoen Abschlüsse. Das hiesige Blättchen brachte am 6. März einen Festbericht über eine zu Hochweisel vom dortigen Gesangverein „Concordia" fur^ vorher veranstaltete Abendunterhaltung. Das Manuskript war der Redaktion mit der Unterschrift: „Der Vorstand" zugesandt worden, und im guten Glauben, es sei thatsäch- lich vom Vorstand des festgebenden Gesangvereins ausgegangen, fand sein Inhalt unbeanstandete Aufnahme. Der Bericht entsprach aber nicht allein im Entferntesten dem wirklichen Verlauf der Abendunterhaltung, sondern enthielt auch, was allerdings nur für deii Eingeweihten verständlich war, versteckte Angriffe, Ver- höhiiungeri und Beleidigungen gegen den Gastwirt Jakob Dilges nt Hochweisel. Dieser strengte alsbald gegen den verantwortlichen Redakteur eine Privatklage wegen öffentlicher Beleidigung durch die Presse an. Bei der Gerichtsverhandlung waren beide Parteien durch Rechtsanwälte verbeistandet. Durch die Zeugenaussagen wurde, wie auch schon vorher durch Schristvergleichungen konstatiert war, daß die Korrespondenz keineswegs von dem Vereinsvorstande, vielmehr von dem Bauhandweller Heinrich N. Wagner aus Hochweisel ausgegangen war, der sein Elaborat unter der Flagge des Vereinsvorstandes in die Zeitung lanziert hatte. Es wurde überdies festgestellt, daß Wagner bei Abfaffung der Notiz nach Diktat eines Händlers aus Hochweisel gearbeitet hatte. Angesichts dieser Thatsachen richtete sich der weitere Verlauf der Gellchtsverhandlung weniger gegen den vertrauensseligen Redakteur, als gegen den verkappten Einsender, der als Entlastungszeuge geladen war und die Urheberschaft der Korrespondenz unumwunden einräumte. Die Verhandlung fand schließlich ihre Erledigung durch einen Vergleich, wo nach der Strafantrag gegen den Redakteur zurückgezogen wurd e, Wagner'sämtliche Kosten des Verfahrens übernahm und eine öffentliche Ehrenerklärung in der Zeitung zu erlaffen sich verpflichtete, während sein „Diktator" sich als selbstschuldnerischer Bürge verbindlich machte. In der jüngsten Nummer der Zeitung vom letzten Samstag nahm Wagner thatsächlich die „Beleidigungen und Schilderungen reumütig zurück." Der Vereinsoo r stand nahm von einer straf rechtlich en Der fo lgung des p. Wagner leider Ab st and. ? ? Bermuthshain, 27. Juli. Heute wurde in Lauterbach die Reklamation gegen die zweite Bürgermeisterwahl in Bermuthshain vor dem Kreis ausschuß verhandelt. Es waren mehrere Zeugen geladen, welche vereidigt wurden. Die Reklamation wurde verworfen; gleichzeitig ist Berufung gegen den Beschluß des Kreisausschusses bei dem Provinzialausschuß in Gießen eingelegt worden, sodaß die Sache bezüglich der Zeugenaussagen nochmals an die Oeffentkichkeit kommt. Aian ist allgemein auf das Resuttat sehr gespannt. Halle a. d. S., 27. Juli. Dor dem Kriegsgericht der 8. Division wurde gegen den Reserveleutnant Oberarzt Dr. Paul Weber und den Reserveleutnant Gerichtsassessor Walter von Ceratzki, genannt Krieß, verhandelt. Die beiden etwa 34= bis 35jährigen Angeklagten nahmen nickst auf dem Anklagebänkchen, sondern auf zwei vor dem einge^äunten Anklageraum bereitgestellten Rohrstüblen Platz, v. Ceratzki wurde beschuldigt, am 16. Januar d. I. in Mügeln den Dr. Weber durch den Gerichtsreferendar Zimmermann zum Zweikampf mit rötlichen Waffen (Revolver) herausgefordert zu haben, und dem Dr. Weber wurde zur Lest gelegt, daß er diese Herausforderung angenommen hat. Femer wurde Weber noch beschuldigt, Anfang Januar eine Herausforderung zum Zweikampf mit Pistolen von dem Leutnant der Reserve Stabsarzt Dr. Klinger in Mügeln angenommen zu haben. Das Duell, das in beiden Fällen keine bösen Folgen gehabt, war aus Bagatellen entstanden. Zum 15. Januar hatte der Kegelklub ein Festessen anberaumt. Auch Dr. Weber und der Gerichtsassessor, die seit längerer Zeit auf gespanntem Fuße lebten, nahmen daran teil. Weber war am betreffenden Abend zuerst erschienen und von Ceratzki nicht begrüßt worden, während der letztere dem Gutsbesitzer Wolf und dem Pastor Paasche, die bei Dr. Weber standen, die Hände gereicht hatte. Weber ärgerte sich darüber und ließ nach dem Festessen Ceratzki fragen, ob er ihn sprechen könne. Ceratzki ließ erwidern, daß Dr. W. ja wiffe, wo er, C., wohne; er sei auch auf dem Amtsgericht zu sprechen. W. erwiderte daraus: „Das ist eine Flegelei." Die Herausforderung des Stabsarztes Dr. Klinger wurde seitens des Dr. Weber auf Konkurrenzneid zurückgeführt. Klinger ist ebenfalls praktischer Arzt in Mügeln und soll sich über die Zunahme der Praxis Webers geärgert haben. Beide Forderungen sind später durch Ehrenerklärungen gütlich beigelegt worden. Das Urteil lautete gegen den Gerichtsassessor auf eine Woche und gegen Dr. Weber auf 14 Tage Festungshaft. Lausänue, 27. Juli. Die Jury hat den Marquis de Lagoy, der im März ein Revolverattentat auf seinen Schwiegervater le Moe de la Salle verübte, für nichtschuldig erklärt. Daraufhin wurde der Marquis, der 4 Monate in Hast war, freigesproch en. Eiscnbahn-Zeiiung. — Der schnellste Zug der Welt wird künftig zwischen Ne w- 9)ort und Chicago in einer Geschwindigkeit von 54,44 Meilen (über 87 Kilometer) in der Stunde verkehren. Die schnellsten Züge roaren 1. „Empire-Expreß" zwischen New-Park und Buffalo mit 53,33 Meilen in der Stunde; 2. der „Flying Scotsman" zwischen London und Edinbilrg mit 50,7 Meilen und sein Glasgower Rivale, der „Coledonian Expreß", mit 50,18 Meilen, und endlich 3. der „Süd-Expreß" zwischen Paris und Bordeaux mit 50 Meilen durchschnittlicher Fahrtgeschwindigkeit. Jetzt sind die nötigen Versuchsfahrten gemacht worden, um die passendsten Anschlüsse von Buffalo nach Chicago zu gewinnen und die ganze Riesendistanz von 980 Meilen tn etwa 18 Stunden zu dilrchmesfen, während gegenwärtig noch die schnellsten Züge hierfür 24 Stunden benötigen. Allerdings war schon früher einmal vorübergehend während der Weltausstellung in Chicago ein sogenannter „Exposition Flyer" in Betrieb, der 49 SDleilen die Stunde leistete und deshalb mit zwanzig Stunden Fahrzeit auskam. Aber als dauernde Verkehrseinrichtung wird der neue Zug den „Weltrekord" brechen. Von der fabelhaften Geschwindigkeit, die bei der neuen Verbindung erzielt wird, kann man sich am besten ein Bild machen, wenn man sich vorstellt, daß ein Zug mit gleicher Geschwindigkeit die 1359 Kilometer lange Strecke Bremen — Hannover—G ieße n—Frankfurt a. M.— Basel—Chiasso—Gen ua in wenig mehr als 157, Stunden durchmessen würde, während eine so kleine Strecke wie von Bremen nach Zürich sich schon in etwas über 10 Stunden abmachen ließe. Kandwirlschast. Deutscher landwirtschaftlicher Geuoffeuschaftstag 1902. Vom 7.-9. August tritt in K i e l, wie wir bereits kurz meldeten, der Allgemeine Verband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften, der heute mit 8363 Genossenschaften und 700 000 Mitgliedern die umfassendste genossenschaftliche Organisation der Welt darstellt, zum 18. Deutschen 'landwirtschaftlichen Genosienschafts- tag zusammen. Ten Jahresbericht wird der Anwalt Geh. Regierungsrat Haas- Tarmstadt erftatten. Unter sonstigen allgemeinen Angelegenheiten des Genossenschaftswesens sei erwähnt ein Vortrag des Verbandsdirektors Landesokonomierats v. Mendel- Steinfets-Halle a. S. über die Gesichtspunkte für den weiteren Ausbau des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, des Ingenieurs Tr. Baldamus-Magoeburg über genossenschaftliche Verwertung der Elektrizität im Landwirtschaftsbetrieb, des Verbands- gefchäftsführers Kerp-Bonn über G^chästsverbmdungen zwischen landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften und städtischen Konsumvereinen, des Generalsekretärs Tr. N eu m a nn - Tarmstadt über Abhaltung von Jnformationskursen für Vorstandsmitglieder ,-i'd Rendanten, des Verbandsdirektors Oekonomierat Hünerasky- P?sen über die Zweckmäßigkeit der Rechtsform einer Gesellschaft i.v: beschränkter Hastunq für landwirtschaftliche Assoziationen, des Rechtsanwalts v. Br e n t a n o - Offenbach a. M. über die Haftpflicht der Verbandsreviforen, beg Regierungsassessors Gennes - Tarmstadt über die rechtliche Stellung der Reotsionsverbände. Die Angelegenheiten der Bezugs- und Absatzgenossenschasten finden durch Vorträge über den Verkehr der Ein- und Verkaufsvereme mit Nichtgenoffen (Major a. D. Endell-Posen) über Förderung des genossenschaftlichen Eierverkaufs durch die Verbände (Verbandsgeschäftsführer Riehm-Karlsruhe) Berücksichtigung, und ebenso erfahren die Molkereigenossenschaften durch die Referate des 23er- bandsdirektors Oekonomierat Plehn-Berttn über genossenschaftliche Organisation des Butterhandels, des Molkereiinstruktors Oeser- Münster über Erhitzen der Milch, des Gutsbesitzers Meinert- Hammerhof über genossenschaftliche Milchversorgung der Städte die ihnen gebührende Beachtung. Endlich sei ein Vortrag über Förderung der Seßhastmachung der Landarbeiter durch Genossenschaften (Pastor Redlin-Rakow) und Pflege der Volksgesundhett durch die Genossenschaften (Dr. Beerwald-Berlin) erwähnt. S anbei und Verkehr. Volkswirtschaft. Darmstädter Bauk. Gegen die zum Umtausch eingereichte« Aktien der Breslauer Diskontobank können jetzt die entsprechenden Aktien der Darmstädter Bank entgegeugenommen werden. — Der Zusammenbruch der Trebertrocknungs-Gesellschaft wurde in Kassel, wie der Jahresbericht der dortigen Handelskammer bemerkt, als schwerer und lähmender Druck empfunden, zmnal da niemand auf die Enthüllungen, die der Verlauf des Konkursverfahrens im Einzelnen gebracht hat, vorbereitet war. Infolge des Zusammenbruchs dieser Gesellschaft sowie der Leipziger Bank hat vor allen Dingen das Bankgeschäft in Kassel schwere Zeiten durchmachen müssen. Dennoch habe die Erschütterung nicht auf weitere Kreise hinübergegriffen, und das dem hiesigen Handelsund Gewerbestande auswärts vielfach entgegengebrachte Mißtraue« sich als völlig ungerechtfertigt erwiesen. Bei Besprechung der Handelsvertragspolitik kommt der Bericht nach längeren Ausführungen zu dem Ergebnis, daß es für unsere Industrie ganz besonders aus die zukünftige Gestaltung der Zolle i« denjenigen Staaten ankommt, welche die wichttgsten Abnehmer für unsere Fertigwaren sind. Zwar hängt nicht die Ernährung des gesamten Menschenzuwachses lediglich von der Ziffer der Warenausfuhr ab, denn jeder Einwohner mehr bedeutet eine bestimmte Summe von Bedüsinissen, in deren Befriedigung andere wieder ihren Erwerb finden. Das Ausland ist also keineswegs der einzige Arbeitgeber, der unsere zukünftige Mehrbeoolkerung allein zu ernähren hätte. Elettrizitäts-Akt.-Ges. vorm. Lahmeyer «. Co. in Frankfurt a. M. Die Verwaltung teilte mit, daß der Antrag, die Statuten dahin zu ergänzen, daß Obligattonen bis zur Höhe des Aktten^ kapitals ausgegeben werden dürfen, lediglich die Aufnahme einer Beschränkung in das Statut bezwecke. Die demnächstige Emission einer neuen Anleihe sei aber nicht b^absichttgt. Nach dem kürzlich erschieueneu Jahresbericht der Handelskammer zu Limburg würde die Gesamtkanalifation der Lahn der Bergwerks- und Hüttenindustrie über manche Schwierigkeiten hinaushelfen, da bei einer regelmäßigen Benutzung des Wasserweges zur Herbeischaffung von Erzen und Materialien und zum Absatz der dargestellten bleiischen Produkte eine sehr ins Gewicht fallende 23erbilligung der Frachten und Schmelzkosten erzielt werden dürste. Sollte jedoch die Gesamtkanalisation der Lahn tn dem geplanten großen Umfange vorerst nicht zu erreichen fein, dann wurde er die Blei- und Silberindustrie des Bezirkes auch schon freudigst begrüßen, wenn wenigstens dafür gesorgt würde, daß die gegenwärttg vorhandenen alten nassauischen Schleusenanlagen von Lahnstein aufwärts successive derartig vervollständigt uni) ergänzt mürben, baß boch bie Möglichkeit ber Benutzung bes Wasserweges ber Lahn auch bei Kleinwasserstänben vorhanben wäre. Unter der Firma „Pctroleumprodukte Akt.-Gef." mit bem Sitze in Hamburg hat sich ein Unternehmen mit brei Mill. Mark gebilbet, bas bie Jnstallationsfirma Gehltg, Wachenheimer u. Co. übernommen hat unb em Geschäft mit Petroleum, SDiineralöl usw. betreiben wird. Die Firma ist unabhängig von den sogenannten Monopolgesellschaften. Die Lagereinrichtungen in Hamburg und Holland werden in geeigneter Weise durch Anlagen im Jnlande vergrößert. — Mannheim-Bremer Petroleum-Gesellschaft. Tie Gesellschaft, die schon an verschiedenen badischen Stationen Petroleumtanks angelegt hat, beabsichtigt, derartige Einrichtungen an verschiedenen Plätzen des Kreises Konstanz zu treffen. In Meßkirch ist mit der Anlage bereits begonnen worden und demnächst sollen Petershausen-Konstanz und Engen in Angriff genommen werden. Die Frage, ob ein weiterer Tank nach Radolfzell oder Singen kommt, ist noch nicht entschieden. — Das österreichische Petroleumkartell. Aus Wien wird berichtet: Die jüngste mehrstündige Konferenz zwischen den Rohölfabrikanten und den Vertretern der Raffinerien hat insofern einen Erfolg gehabt, als die Rohölfabrikanten sich bereit erklärten, den Forderungen der Raffineure hinsichtlich der Preise zu entsprechen. Auch in Betreff der Uebernahms-Modalitäten wurde eine Verständigung erzielt. Ein endgilttges Arrangement ist jedoch wider Erwarten noch nicht zu Stande gekommen. Mouatliche ilrbkrßcht -er Todesfillc in Süße». Mouat Juni 1902. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Militär) Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vorn Lebensjahr: 2.—15. Jahr L Tuberkulose d. Lungen 5 (1) Tuberkulose anderer Organe 4 (3) Lungenentzündung 2 (1) Lungenkatmnchen 2 (1) Schlagfluß 3 Herzleiden 2 (1) Darmkatarrh 2 Atrophie 2 (1) Lebensschwäche 1 Krebs 4 (3) Altersschwäche 2 anderen Krankheiten 9 (3) Verunglückung 6 (5) 5(1) 4(3) 2(1) 2(1) 3 "4(3) 2 4(2) 6(5) I 1 1 tc w 1 1 | 1 1 | 1 hI 1 1 1 1 1 1 II 1 1 Summa: 44 (19) 34 (17) 9 (2) 1 A n m.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Juli Barometer auf 0° reduziert 6 z Z- E o Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit c -C *6 •fi zz Z Windstärke Wetter 28. 2“ 752,0 19,0 8,6 52 W 4 Sonnenschein 28. 926 753,8 14,4 10,0 83 SW. 2 Regen 29. 7“ 753,3 12,4 9,5 89 8 1 Bern. Himmel Höc Nie Elfte Te brigfte nwerati ir am 27. b is 28. Juli 11 ,5f C. » V 27. „ 28. „ 13,1" C. Verehrtester, wollen Sie, daß Ihnen die Zähne nicht ausgeheu, dann lassen Äe geMigft Odol nicht ausgehen. -vm CYV. ÖS*— MiWi; im , ®Uw^a®^*; M <,»>?>• v*3^ gsafw*** 'irt[d)< $ ^gereichte, .ar* 8» ^kempiund«. CI Verlauf des orbereilet war. owie der Leip- Dassel schwere chuttemng nicht eirgen Handels- chke Mißwauen -sprechung der längeren Au-, ustrie ganz be> lr ^olle ii «hkgsten Ad. zl nicht die Er. .vonder Wer hr bedeutet eine iebigung andere also keineswegs Nehrbeoölkerung Co. in Frank, ntrag, die Sia- höhedesWen- Üumhme einer chslige Emission ii OD- ^gMannMilW Kinder vom #2.-^ Kd -•Eft l£ning deZ^ ***** ;rJte des KnschaT Aktors QeieN kKr Ktz t|UniN durch richt der hall' analisation ie über manche ißigen Bmutzung and Materialien kie eine sehr ins Zchmelzkoslen er- lisation der Lahn zu emichen sein, >es Bezirkes auch c gesorgt würde, hen Zchlmsenan- j vervollständigt r Semigung des iben ood)anba e N mit drei E. Wochenheime:- oleum, Mmrrck on den sogenam- [en in hambutz lagen imJnlandr 'schast. Tie Se. nonen PetroleM' chlmgen an vrv In Meßkirch4 deMächst soll« nommm werde», zell oder Singen Aus Wien wÄ ischen dm Rohol- insoiern einen reit erklärten, d« ise zu £nt1P* wurde eine S» t ist jedoch wider '^5«* von fff nicht rtnr die schütte Grotte verschwunden, sondern rmm den Drollagletscher. Heute stiegen wir ohne Schwierigkeit bis auf 500 Meter unter den Bertolpast Correvon, bex schon seit 1860 jeden Sommer nach Arolla kommt, glaubt. braucht nicht weniger als l1/* Stunde, nm vom Hotel aus den Gletscher zu erreichen. Dafür aber beginnen sich auf schon seit 1860 jeden Sommer nach Arolla kommt, glaubt den Moränen schöne Lärchen- und Arvenwäldchen und sogar oaß die Gletscher, die jetzt dieses Thal von Italien scheiden, Tannen anzusiedeln, was für die Gegend immerhin auch sein gutes hat. Im Herbst werden es 25 Jahre her sein, daß ich mit zwei Kihrern den Bertolgläscher zwischen Zermatt und Arolla überschritten habe. Der Bertolgletscher reichte damals noch tief ins Thal herab und berührte fast mit den Jahren ganz verschwinden werden, sodaß die Walliser in nickt zu ferner Zukunft ihr Vieh über diesen jetzt nrit Eis beoeckten Bergpaß nach Aosta auf den Markt werden treiben können. *^Das Zurückgehen der Schweizer G-Tetscher. Der Genfer Naturforscher Eorvevon teilt dem ,Journal de Genöve" ans Arolla im Wallis einige sehr interessante Beobachtungen mit über das bedrohliche Zurückgehen der Gletscher in den Schweizer Alpen: Ueberall sind unsere Gletscher im Schwinden begriffen. Ich erinnere mich, daß nns Herr Professor F. A. Forel im Jahre 1886 hich bei Arolla in eine prächtige Eisgrotte geführt hat, die er nur zwanzig Minuten vom Hotel entdeckt hatte. Heute Die Enteignung des Geländes für die neuen Minikbauten. Das große Interesse, das die Oeffentlichkeit an den treuen Klinikbauten der Universitäten, speziell auch an dem Enteignungsversahren nimmt, das gegen die Besitzer des für die Bauten in Aussicht genommenen Geländes eingeleitel worden ist, und über dessen Vorverhandlungen wir bereits berichtet haben, hat uns veranlaßt, den obigen Plan des fraglichen Terrains Herstellen zu lassen. Die stark gestrichelte Linie auf dem Plan umgrenzt das gegen» värtig beanspruchte Terrain für die Bauplätze, die einge» ragenen, schraffierten Felder sind vom Staat bisher noch nicht erworben, sondern sollen, da keine Einigung zwischen diesem und den Besitzern erzielt wurde, enteignet werden. Tie Entstehungsgeschichte des vorliegenden Projektes reicht mehrere Jahre zurück, einer ferner Hauptförderer -ist der frühere Oberbürgermeister von Greßen, jetzige Finanzminister Dr. Gnauth gewesen. Die Parzellen, die -ut der obigen Zeichnung weiß geblieben sind, smd bisher -wworben, ebenso auch die östlich von dem erngegrenzten Gebiet liegende Parzelle Philipp Lampus. Der Preis für Liese Parzellen betrug 5 Mk. pro Quadratmeter. Die jetzige Begrenzung des Gebietes weicht von der früher geplanten im einigen Punkten ab. So war früher das Pbilipp Lam- Ms'sche Grundstück an der Nordostgrenze in das Projekt roch mit einbezogen, die Südostgrenze dagegen, die über Lie Parzellen der Balserschen Stiftung und der Gailschen tzrben läuft, lag weiter zurück, schnitt aber auch damals schon ein Stück der genannten Parzellen ab. Diese letztere Aenderung der Grenze ist von der Notwendigkeit dittiert worden, vor der dort zu errichtenden Augenklinik eine Zufahrt, die auch das Wenden der Droschken gestattet, anzulegen, weiterhin auch, um die Untersuchungs- und Krankenräume durch einen hinreichenden Schutzstreifen von dem Straßenbetriebe, vor Staub re. zu schützen. Das durch die Aenderung der Ostgrenze wieder frei gewordene Sam» pus'sche Grundstück, sowie Die frei gewordenen Teile der angrenzenden Parzellen sollen den früheren Besitzern zu dem, ihnen bezahlten Preise wieder zur Verfügung gestellt werden. , t Die Stadt Gießen hat, nachdem das vorstehend erläuterte Terrain als Bauplatz definitiv bestimmt und das Projekt im Einzelnen ausgearbeitet war, zu den Kosten dieser Neubauten und der gleichzeitig anderwärts zu errich^- tenden neuen veterinärmedizinischen Institute einen Zuschuß von zusammen 200 000 Mk. bewilligt. Sie hat damit die vom Staate für die Wahl des in Rede stehenden Terrains ausschlaggebenden Gründe anerkannt. Wie der Vertreter des Staats in der Lokalkommission ausführte, ist es für diese neuen Kliniken höchst wünschenswert, daß sie möglichst nahe dem Bahnhof liegen, um den täglich mit den Zügen zu ambulanter Behandlung kommenden augenkranken und chirurgischen Patienten den für sie beschwerlichen Weg thunlichst abzukürzen und ihnen die Heimfahrt am selben Tage zu ermöglichen. Ferner erfordere der Betrieb einer solchen Anlage an sich möglichste Nähe einer Hauptzufuhrstraße, im vorliegenden Falle außerdem eine leichte Verbindung mit der Stadt wegen des Verkehrs! der Studierenden mit anderen Universitätsinstitutenu Außerdem wurde vom Vertreter des Staates geltend gemacht und näher ausgeführt, daß die Stellung der Gebäude selbst, wie sie ihrer Natur nach erfolgen muß, insbesondere ihre Orientierung, bei der Platzfrage ganz wesentlich inä Gewicht falle. Alle aus diesen Punkten hergeleiteten Forderungen seien bei dem fraglichen Bauplatze erfüllt, weshalb sich der Staat, und mit ihm die Landstände, nachdem ihnen das ausgearbeitete Projekt vorgelegt war, für seine Wahl entschlossen haben.' Die Enteignung der freihändig noch nicht erworbenen Parzellen ist nun deswegen notwendig geworden, weil die Besitzer zum Teil recht hohe Preise fordern, die vom Staate nicht als berechtigt anerkannt werden. So fordert z. B. der Besitzer des Hausigrundstückes mit angrenzendem Acker, Gabriel, für sein ganzes Grundstück 122000 Mk., während der Staat nur 41345 Mk. und einen Ersatz für die Obstbäume bewilligen will. Tie übrigen Eigentümer fordern für ihr Gelände zum Teil 8 Mk. pro Quadratmeter, zum Teil mehr, während der Staat ihnen 5 Mk. pro Quadratmeter bietet. • 3^10733 Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister, Abt. A, wurde heute bezüglich der Firma „Pharmaceut.-techn. Präparate- und 'Bandagenfabrik, Apotheker Victor May" zu Gießen eingetragen, daß das Geschäft auf den Masseur Heinrich May zu Gießen übertragen ist. Gießen, den 28. Juli 1902. 5449 Großherzogliches Amtsgericht. Bekanntmachung. In das hiesige Genossenschaftsregister wurde heute bezüg- lid) des Spar- und Vorschußoereins Staufenberg, e. G. m. u. H., eingetragen: An Stelle des am 1. Juni 1902 ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedes Ludwig Geißler VH. von Staufenberg ist in den Vorstand als Direktor neugewählt: Heinrich Stephan daselbst. Gießen, den 28. Juli 1902. 5447 Großherzogliches Amtsgericht. Spar- und Leihkasse Lasg-G'oss. Ab 1. November 1902 wird der Zinsfuß der Einlagen auf 31/, Prozent ermäßigt. Einlagekündigungen müssen bis 1. September 1902 eingereicht sein. 5440___________________Der Borsitzende: Henrich. llnil md DdrlsjWk (Privatschule mit Pensionat) in Marktbreit a. Main. 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