Nr. 175 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Dienstag 29. Juli 1902 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der B r ü h l'schen Univers.-Buch- u.Steindruckerei (Pietsch Erbech Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresie für Depeschen: Anzeiger Gießen. FkrnsprechanschlußNr.51. Eichener Anzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis, monatlich7bPs., viertel- jäbrlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk. 2.-viertel jährl. ausschll Vestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenprets: lokal 12Pß» auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgern. Teil: P. Wtttko; für »Stadt und ßanb* und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Politische Tagesschau. Die Stellung der Bundesstaaten zum Zolltarifentwurf wird jetzt im Anschluß an die gestern in unserer „Politischen Wochenschau" wiedergegebenen Kundgebung der badischen Regierung in der Presse erörtert. Beiläufig, die Behauptung, die „Südd. ReichÄorresp.", die von der amtlichen ,Farlsr. Ztg." in dem betreffenden Artikel zitiert wurde, sei ein privates Unternehmen und entbehre jeglichen offiziösen Charakters, läßt sich nicht mehr aufrecht erhalten. Die „Voss. Ztg." und die „Nat.-Ztg. beschäftigen sich ausführlich mit dem gestern erwähnten Zwischenfall in der Zoll- kommission, daß der badische Bundesratsbevollmächtigte einen Antrag auf Zollerhöhung für Mauersteine empfahl, während Staatssekretär Graf Posadowsky eine solche Erhöhung, wie Abänderungen des Entwurfes überhaupt, bekämpfte. Die „Voss. Ztg." findet nichts dagegen einzuwenden, daß der Bevollmächtigte für Baden seine abweichende Ansicht bekundet hat. Aber dann könne andererseits auch nicht die Zollvorlage alsdasErgebniseines Kompromiss es bezeichnet werden, an dem die badische Regierung beteiligt ist. Derselben Auffassung ist die „Nat.- Ztg.", indem sie schreibt, es sei fraglich, wie die Anwendung des Rechts abweichender Meinung mit der vielfach wiederholten Erklärung, daß der Entwurf ein „Kompromiß" der Regierungen fei, in Uebereinstimmung zu bringen ist. „Es ist aber natürlich, daß solche Abweichungen von dem Entwurf betreffs des Zolles der Pflaster- und Mauersteine als Beweis für die Zulässigkeit einer ähnlich enSonder- stellung anderer Regierungen zu den Getreide- und Viehzölle benutzt werden." Sagen wir: benutzt werden tonnen. Tie Möglichkeit, daß diese Folgerung gezogen wird, ist vorhanden. Und in der zweiten Lesung des Tarifs, der, wie beabsichtigt wird, eine Verständigung zwischen den Kom- missionsmitglcedern mit ihren Fraktionen vorausgehen soll, bietet sich zu solchen Abweichungs-Erklärungen Gelegenheit. Daß ein derartiges Schauspiel dazu dienen könnte, dem Darifentwurf den Weg zu ebnen, wird niemand bejahen. Die württembergische Regierung hat vor längeren Fahren einmal durch den Mund des damaligen Ministerirräsidenten Frhrn. v. M i t t n a ch t vor dem Reichstag eine wuchtige Erklärung gegen eine Regierungsvorlage abgegeben: gegen die Weinsteuer, ein Bestandteil des Miquel- Ichen „Steuerbouquets". Aber der Fall lag wesentlich anders als der jetzige. Der Protest der württembergischen Regierung war eine Wiederholung des bereits im Bundesrat geäußerten Einspruchs. Diesem Vorgehen fiel denn auch das Weinsteuer-Projekt in der Folge zum Opfer. Als der Zolltarif als Vorlage der verbündeten Regie- tungen veröffentlicht wurde, mußte man annehmen, und cs ist ja immer hervorgehoben worden von den Vertretern der Regierung, daß eine absolute Verständigung unter den ^Bundesstaaten stattgefunden hatte, nicht etwa nur über die „Grundzüge" des Tarifs, sondern über jede einzelne Posi- lion. So betrachtet, erscheinen allerdings die Negierungen .her Bundesstaaten an das Programm des Tärifentwurses gebunden. Ueber den Arbeitsplan der Zolltarifkommission meldet uns heute eine parlamentarische Korrespondenz: „Die Mehrheit der Kommission hat sich entschlossen, als vornehmstes Ziel die Fertigstellung der ersten Beratung Les Zolltarifs bis zum 8. August fest im Auge zu behalten. 'Die Eisenzöcle sollen nach den in der Vorlage vorgeschla- -genen Sätzen zur Annahme kommen. Der eigentliche «Lntscheidungskampf zwischen Agrariern und Industriellen soll bis zur zw eiten Lesun g vertagt werden. Tie Vertreter der Mehrheit wollen abwarten, wie -sich bei dieser die Nationalliberalen zu den Getreidezöllen Itellen, ob sie die Beschlüsse der ersten Lesung unterstützen imb zur Annahme bringen werden. Geschieht dies nicht, 'dann wird bei den Jndustriezöllen Vergeltung geübt werden." Danach wird also für die zweite Lesung ein neues ^.Kompromiß" notwendig unter den verbündeten Regierungen, eine Vereinbarung darüber, ob und wieweit den in Ler ersten Lesung erfolgten Mehrheitsbeschlüssen — eine zroße Anzahl von Zollabänderungen — seitens der verbündeten Regierungen nachgegeben werden kann. Also zwei Konferenzen kommen in Betracht: die eine der parlamentarischen Führer, die andere der Bundesregierungen. Es tzvird erforderlich sein, daß die Regierung zunächst abwartet, welche Beschlüsse die Vertreter der Mehrheitsvarteien über Len „weiteren Marsch/" fassen, und danach ihre Stellungrahme einrichten. Die „Nat.-Ztg." schlägt als Ort der parlamentarischen Konferenz Norderney vor. Das ist Dohl scherzhaft gemeint, aber Graf Bülow wird sagen: »Warum nicht?" und eine solche Anregung von berufener Seite dankbar begrüßen. Die preußischen Landwirtschaftskammern Kielten kürzlich in Hannover eine Konferenz der Vorstände «b und faßten u. a. folgende interessante Beschlüsse. In Erwägung, daß der gegenseitige Austausch von Ansichten rnd Erfahrungen und Die Anbahnung gemeinsamen Vorgehens in geeigneten Fällen im Interesse der Arbeitsnachweise der LandwirrschastsTammern liegt, wird die Veranstaltung regelmäßiger Konferenzen von Vertretern der Arbeitsnachweise der Landwirtschaftskam- mern sür dringend notwendig bezeichnet. Tie Zentral- sielle wird ersucht, die Konferenzen zu veranlassen, und War erstmalig im Oktober d. I. Beim Minister der ösfend- I chen Arbeiten wird der Antrag gestellt, die Eisenoahn- direktionen anzuweisen, vor endgiltiger Festlegung derZeiten, in denen Fahrpreisermäßigungen für Wander- arbeitertransporte nicht gewährt werden sollen, die diesLezüglichen Beschlüsse den interessierten Landwirtschafts- kammern zur Begutachtung vorzulegen und diese Gutachten nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Die Zentralstelle der Landwirtschastskammern soll mit der Leitung der Versuchsstation für Müllereiprodukte sich in Verbindung setzen, um einen Kostenanschlag für die Errichtung einer Versuchsmüllerei und Bäckerei aufstellen zu lassen. Die Zentralstelle soll ferner in Verbindung mit den großen Verbänden des Müllerei- und Bäckereigewerbes treten, um dieselben zur Teilnahme an den Back - und Mahlversuchen mit inländischem Getreide zu veranlassen. Der Minister für Landwirtschaft sowie die Landwirtschaftskammern sollen ersucht werden, sich durch Bewilligung ständiger Beihilfen zu den Betriebskosten an der Durchführung der Versuche zu beteiligen. Die Leitung der Versuchsanstalten soll einem aus Vertretern der Landwirtschaft, des Getreidehandelsund der Bäckerei bestehenden Kuratorium übertragen werden. Der Landwirtschaftsminister soll außerdem um Uebernahme der Oberaufsicht über die ,Versuche gebeten werden. — An maßgebender Stelle soll dahin gewirkt werden, daß das dem Handelsverträge mit Oesterreich-Ungarn angefügte Viehseuchen-Uebereinkommen nicht mehr erneuert und diese Staaten wie alle übrigen behandelt werden. — Es sollen Ermittelungen angestellt werden, ob durch die Tariferleichterungen, welche den Kleinbahnen auf Grund des Erlasses des Ministers der öffentlichen Arbeiten im Jahre 1890 gewährt sind, dem Bedürfnis genügt wird und die Zentralstelle zu beauftragen, je nach dem Ergebnis dieser Ermittelung nötigenfalls euren erneuten Antrag auf Gleichstellung der nebenbahnähn- lichen Kleinbahnen in tarifarischer Hinsicht mit den Neben- bahnen zu stellen."__________________________________ Deutsches Keich. Berlin, 28. Juli. Man meldet aus Saßnitz: Der Kaiser reiste heute abend nach Enrden. — Der „Nat.-Ztg." zufolge wird Kaiser Wilhelm dem Zaren nach den bisher vorliegenden Meldungen in den Tagen vom 6. bis 8. Augrrst auf der Rhede von Reval aus Anlaß der russischen Flottenmanöver einen Besuch abstatten. Die Kolonie der deutschen Reichsangehörigen von Reval und Esthland gedenkt dem Kaiser bei seiner Anwesenheit ein Album Revalscher Ansichten zu unterbreiten, das dieser Tage behufs Uebergabe an die deutsche Botschaft in Petersburg abgesandt werden soll. — Nach der „Nat.-Ztg." ist an hiesiger unterrichteter Stelle nichts davon bekannt, daß der Kaiser in den nächsten Tagen dem König von England in Cowes einen Besuch abstatten wird, auch stände ein solcher nicht im Einklang mit den bereits getroffenen Reisedispositionen. — Der Abg. Frhr. v. Wangen heim hat neuerdings erklärt, daß lediglich die Rücksicht auf Privatverhältnisse und die vielen öffentlichen Funktionen in der Provinz ihn veranlaßt haben, nach Schluß der laufenden Session sein Mandat zum Reichstage und Abgeordnetenhause niederzulegen und von der Leitung des Bundes der Landwirte zurückzutreten. Sein Weggang bedeute für den Bund keinerlei Systemwechsel. Auch in dem Verhältnis des Bundes zur konservativen Partei, daS gerade gegenwärtig das denkbar beste sei, ändere sich nichts. Ueber seinen Nachfolger sei zurzeit noch nichts bestimmt. Ob der Westpreuße Herr v. Oldenburg zur Uebernahme des Amtes bereit sei, darüber liege noch keinerlei Gewißheit vor. — Der „Reichs-Anz." veröffentlicht eine Bekanntmachung des Reichskanzlers, betreffend die wechselseitige Benachrichtigung der Militär- und Polizeibehörden über das Auftreten übertragbarer Krankheiten. — Wie ein Berichterstatter meldet, ist ein Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Trunksucht von konservativen Mitgliedern des Reichstages ausgearbeitet worden. Der Entwurf entspricht im wesentlichen den Wünschen und Vorschlägen der Berliner Synoden und dem Beschlüsse des preußischen Landtags. St. Goarshausen, 28. Juli. Bei der heutigen Reichstags-Ersatzwahl im 3. Nassauischen Wahlkreise (Unterwesterwald-Rheingau) erhielt Dahlem (Zentrum) 9195, Krahwinkel (natl.) 3772, Brand (B. d. L.) 3115, Vetters (Soz.) 662 Stimmen. 34 Westerwaldorte fehlen noch, sind jedoch alle zu Gunsten Dahlems. Ausland. £onbon, 28. Juli. Heute wurde folgendes Bulletin ausgegeben: Der Zustand des Königs ist fortdauernd ausgezeichnet. Die Wuiide heilt rasch Der König konnte vom Liegeftuhl auf einen Rolllehnstuhl gebracht werden. — Der König hat gestern einige Stiinden im Nolllehnstuhl verbracht. — Heute ist ein Blaubuchüb er di e Ereignisse nach dem Kriege erschienen- In Beantwortung einer Anfrage Chamberlains, ob 10 Proz. der höchste Satz sei, den die ärmeren Minen leisten und ob die reicheren Minen nicht im Verhältnis zu ihrem größeren Gewinn mehr zusteuern könnten, erklärte Lord Milner, er sei mit dem Satz von 10 Proz. gairz zufrieden. Am 2. Juni suche Milner die sofortige Ernrächigung nach außer der Zeit eine halbe Million aufwenden zu dürfen. Dies sei erforderlich auf Grund der letzten Klausel der Uebergabebedingungen und eine Sache von solcher Bedeutung, daß, wenn nicht die grundlegenden Finanzfragen sofort geregelt würden, der Zusammenbruch unvermeidlich sei.. Daraus gab Chamberlain am 13. Juni die Ermächtigung. — (Unterhaus.) In Beantwortung einer Anfrage erklärte Premierminister Balfour, es bestehe keine Möglichkeit, daß die Regierung in der Lage sein werde, eine Erklärung über den atlantischen Schiffahrtstruft vor Vertagung des Hauses am 8. August abzugeben. Wenn ein Abkommen mit dem Trust abgeschlossen würde, das irgend eine sinanzielle Vereinbarung enthalte, so würde ein solches Abkommen notwendig oer Zustimmung des Hauses unterliegen. — Ter Entwurf eines Handelsvertrages zwischn England und C h i n a ist nunmehr fertiggestellt. Er erü> hält die Artikel, die von der chinesischen Negierung sämtlich gutgeheißen worden sind, uni) von denen nur einep, der 8., der die Aufhebung der Liunzölle vorsieht, von dem englischen Vertreter bisher noch nicht acceptiert worden ist, offenbar der von China sür feine Konzession darin a> hob en en Gegenforderung. — Chamberlain ließ den General Lukas Meyer von einem Beamten des Kolonialministeriums empfangen und ihm die Hoffnung aussprechen, ihn zu sehen. 2Urch K i t ch e n e r ließ sich an der Bahn durch einen Kapitän vertreten. Wie verlautet, hätte Lukas Meyer zahlreiche Einladungen zu privaten und öffentlichen Empfängen erhalten. Expräsident Steijn geht nach Scheveningen, wo er von Professor Munkler von der Amsterdamer llniversität behandelt wird. — Tie „Central News" meldet aus Kapstadt: Als Louis Botha uni) Telarey gestern dem Gottesdienst beiwohnten, war die Kirche gedrängt voll. Sofort nach Beendigung des Gottesdienstes wurde der Platz der beiden Generale gestürmt von Damen, die ihnen die Hände schüttelten und sie für ihre Tapferkeit beglückwünschten. Tie Gefeierten flüchteten in die Sakristei, dahin folgte ihnen aber fast die ganze Gemeinde und hob sie auf einen Tisch. Als der Pastor feine Entrüstung über solches Benehmen in der Kirche äußerte, trugen die Bewunderer der beiden Generale diese auf den Schultern zur Kirche hinaus. — General Tewet kam heute nachmittag in Kapstadt an, doch war infolge eines Versehens ein öffentlichier Empfang unterblieben. Nur zufällig wurde Dewet entdeckt. Paris, 28. Jnli. Ter „Figaro" veröffentlicht einen Artikel des ehemaligen Ministers der öffentlichen Arbeiten, Baudin, über den Ozeantrust. Baudin legt bar, daß durch den Trust die englische Flotte geschwächt und die deutsche gestärkt werde. Ferner ermögliche der Trust den Deutschen und Amerikanern die französische Flotte zu ignorieren. Baudin betont dann namentlich die Gefahr, welche die Verstärkung der deutschen Flotte zur Zeit des Krieges dank dem Trust für Frankreich mit sich dringen würde. Es fragt sich, welches wohl die Haltung der Syndikats-Gesellschaften im Kriegsfälle sein würde. Der Trustvertrag scheine ihm eine höhere Bedeutung zu haben, als die gewöhnlichen Fragen, welche zwischen den Völkern verhandelt würden. frage sich wie die Diplomatie einen solchen Trust verhindern könne. ...... ' !"' ------L Heer und Flotte. Gießen, 28. Juli. Beim 1., 2., 6., 7., 9., 11., 14. und 18. Armeekorps, bei der 32. und 77. Jnfanteriebrigade und bei den Unteroffizierschulen werden in diesem Herbst ein Fünftel sämtlicher Gewehre, die im Friedensgebrauch sind, durch ein Fünftel ans den lagernden Beständen der Kriegs- formationen ausgefrifcht. An Stelle der Karabiner Modell 88 werden nunmehr die Karabiner Modell 98 verausgabt und desgleichen an Stelle des Fasch in en mess ers Modell 71 der Pioniere, Eisenbahn- und Telegraphentruppen und der Fußartillerie das Seitengewehr 98/02. Die Beschaffung der Karabiner re. für die Fußartillerie geschieht nach Maßgabe der verfügbaren Mittel und nach Durchführung der Umbewaffnung der Infanterie. Die technischen Truppen erhalten das neue Seitengewehr gleichzeitig mit dem neuen Gewehr 98. Aus Stadt und Lund. Gießen, den 29. Juli 1902. ff Promotionen. An unserer Landesuniversität promovierte cand. med. vet. Wilhelm Grips aus Gelnhausen auf Grund seiner Dissertation „über den pyogenen Mikroorganismus des Schweines" zum Doctor med. vet. mit der Censur summa cum laude; ferner Gerichtsaccessist Heinrich Eise aus Lauterbach auf Grund seiner Dissertation „Der Gemeindewaisenrat im deutschen Recht" zum Doctor utriusque iuris mit der Censur magna cum laude. H. Ständchen. Gestern abend erfreute der Bauer- sche Gesangverein sein Ehrenmitglied, den Vorsitzenden Georg Todt, aus Anlaß der Feier seiner silbernen Hochzeit durch ein sehr beifällig aufgenommenes Ständchen. ** Gesellenprüfungen. Zwecks Abnahme der Gesellenprüfungen innerhalb des Bezirks der Darmstädter Hand- werkskammer wurden im Ganzen 151 Ausschüsse errichtet und zwar von der Kammer 10, von freien und zwangsweisen Innungen 50 und von Ortsgewerbevereinen 91. Von den 151 Prüfungsausschüssen entfallen auf Oberhessen 32, auf Starkenburg 69 und auf Rheinhessen 50., Zur Abnahme der Meisterprüfungen bestehen im Bereiche des Großherzogtums vorerst nur 3 Prüfungskommissionen mit dem Sitze in den Provinzialhauptstädten Darmstadt, Gießen und Mainz. Darmstadt, 28. Juli. Die Schüler des obersten Kurses der Tiefbauabteilung der Großh. Landes-Baugewerk- fdjnle besichtigten in den letzten Tagen unter Führung ihres Lehrers, Prof. Esselborn, die Brückenbaucmsralt Gustavs- burg, die Stationsanlagen in Kranich stein, sowie das Nadelwehr, die Kammerschleuse und die verschiedenen Brücken in Frankfurt a. M. — Bei dem am Samstagvormittag gegen 6Vs Ühr in Darmstadt eingetroffenen Frankfurter Personenzug Nr. 65 wurde der Posthilfsbote Metz aus Frankfurt, der den in diesem Zug laufenden Postbeiwagen allein zu bedienen hatte, bewußtlos unter den Paketen vor- gefuuden. Der Wagen war fast ganz beladen, sodaß dem Hilfsboten nur noch ein kleiner Raum zur Verfügung stand. Die nach allen Seiten hin aufgetürmten Pakete waren nun, laut „F. Q.“f infolge der Erschütterung zusammengestürzt und hatten den Metz unter sich begraben. Metz war bewußtlos, als man ihn aus seiner schrecklichen Situation befreite. sd. Nieder-Ramstadt (Darmstadt), 28. Juli. Vergangene Nacht gegen 12 Uhr brach in den Räumen der Odenwälder Hartstein-Jndustrie von Leferenz u. Co. bei Nieder-Ramstadt auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer aus, welches die ganze technische Einrichtung, soweit sie nicht aus Eisen bestand, in Asche legte, sodaß der Betrieb voraussichtlich längere Zeit ruhen muß. Das Feuer fand an den ca. 6 Meter hohen Schutz- und Dachbauten, welche ca. 9 Jahre über den Brech- und Sortiermaschinen angebracht und teilweise von außerordentlicher Stärke sind, sehr reiche Nahrung. Das ganze Gebäude war ca. 12 Meter hoch, davon sieht man heute nur noch das Eisengerippe. Zwei Bruch- und Sortiermaschinen sind total unbrauchbar. Von der Stärke der Glut kann man sich einen Begriff machen, wenn man sieht, daß sogar 50—60 Centi- meter hohe Eisenträger verbogen sind. Auch auf den anstoßenden Schmiede- und Maschinenramn sprang das Feuer durch das Dach über. Die 50pferdige Dampfmaschine ist sehr stark beschädigt, der Dynamo, der zum Betrieb der elektrischen Beleuchtungsanlage diente, unbrauchbar. Der Landesbrandkaffe erwächst dadurch bedeutender Schaden. Auch die innere Einrichtung ist gut versichert. Behörden und Staatsanwaltschaft waren heute schon auf der Brandstelle thätig. Es wird Prandstiftung vermuthet, doch fehlt dafür noch jeder Anhaltspunkt. Es sind ca. 40 Arbeiter in dem Betrieb beschäftigt, welche jetzt teilweise in den Steiubrüchen, teilweise mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt werden. Die Schäden an Moblliar, Maschinen und Immobilien rc. dürfte über 60000 Mark betragen. Mainz, 28. Juli. Der Direktor Johann Wilhelm Bo em per ist gestern Mittag im Mter von 65 Jahren nach längerem Leiden verstorben. Von 1864—1899 bekleidete er das Amt eines Direktors der Mainzer Volksbank. — Gestern ist die Z.Eskadron des Husaren-Regiments Nr. 13 zum gefechtsmäßigen Scharftchießen nach dem Garnisonschießplatz bei Sonnenberg ausgerückt; übermorgen be- giebt sich die 4. Schwadron zum gleichen Zwecke dorthin. — Auf der großen Bleiche geriet vorgestern abend ein Radfahrer unter ein Fuhrwerk, wobei die Räder über ihn gingen. Die Aufregung war unter den Passanten äußerst groß. Das Fahrrao lag über dem Verunglückten und ging dabei in Trümmer, während der Ueberfahrene bewußtlos dalag. Der Verunglückte wurde sofort zu einem benachbarten Militärarzt gebracht. Dort erklärte ein Lazarettgehilfe, der dem Bewußtlosen den Puls gefühlt, daß jede Kunst zu Ende sei, der Mann sei tot, man soll ihn ins Rochushospital verbringen. Zu diesem Zwecke wurde von der Polizei ein Krankenwagen herbeigeholt, doch ehe dieser angekommen, schlug der angeblich Tote die Augen auf und meinte treuherzig in seinem österreichischen Dialekt: „Ach woas, i bin schoan vier Stoackwerken arunta gefoallen un hoat mir nix geschoad, deß woar nur a kloaner Schreck. I' geh jetzt hoam!" Spruchs und ging seiner Wege. (?) — Aus Kastel wird unter dem 28. Juli gemeldet: Heute morgen verunglückte der an Epilepsie leidende 15jährige Sohn des Leiters unserer Badeanstalt. Er brachte seinem Vater den Morgenkaffee und machte sich dann an das Reinigen der Schwimmer- abtellung. Dabei bekam er einen Anfall und stürzte ins Waffer. Der Vater konnte seinen Sohn zwar noch lebend herausziehen, mußte ihn aber nach wenigen Augenblicken sterben sehen. Ein sofort gerufener Arzt kam zu spät. Gernsheim, 28. Juli. Wie schon kurz gemeldet, wurde auf dem diesjährigen 19. hessischen Feuerwehrtag in Bad-Nauheim beschloffen, den 2 0. Feuerwehrtag 1906 in Gernsh eim abzuhalten. Die unerwartete Nachricht hat hier vielfach große Freude heroorgerusen. Treffen günstige Umstände zusammen, so sind an diesem Tage 7—8000 Feuerwehrleute unsere Gäste, also gerade doppelt so viel Gäste als Gastgeber vorhanden sind. Die Wahl unserer verhältnismäßig kleinen Stadt mit noch nicht ganz 4000 Einwohnern zur Abhaltung eines so großen Festes ist doch sicher unter diesen Umständen für dieselbe eine große Auszeichnung, der man sich wohl bewußt ist und der man sich freuen nmß. H. Wetzlar, 28. Juli. Am Morgen des zweiten Festtages des ahnthalsängerKundes" sand großes Wecken durchs die Kapelle des Jnf.-Regts. 9dr. 166 statt. Später tagten im Goethschen Garten die Dirigenten des SängerLundes, und hieran schloß sich der Sängertag, der von Schneider-Marburg eröffnet wurde. Der Vorsitzende des Vorort Wetzlar, Hensenberg, begrüßte die Bundesvereine und es wurde die Anwesenheit sämtlicher Vertreter konstatiert. Als nächster Vorort wurde einstimmig Grünberg gewählt. Der Bundeslassierer, Lehrer Slorchf- Butzbach erstattete Bericht über die Kasscnverhältnisse. Der Bundesvorsitzenbe Schneider-Marburg wurde auch für die folgende Arntsperiodc als solcher bestätigt. Mit einem Hoch aus den „Sängerbund" wurde der Sängertag geschlossen. Am Nachmittag zogen die Sänger in der gestrigen Ordnung unter klingendem Spiel nach dem Festplatz am „Traunr." Hier konzertierte die Regimcntskapelle. Der Radfahrverein veranstaltete ein Kunst- und Reigenfahrcn, die Turner stelUen wiederum Leiterpyramidcn bei bengalischer Be- leuchtung und führten hierauf einen Fackelreigen vor. Die brillante Beleuclstnng der Burgruine Kalsmunt bildete den Schluß des allgemein aufs höchste befriedigenden Festes. Frankfurt a. M., 28. Juli. Ein öjähriger Sohn des hiesigen städtischen Untcrbeamten Lutz hatte, wie wir mitteilten, ein Zjähriges Aiädchen mit eigener Lebensgefahr bei Niederbessingen aus den Wellen der Wetter gezogen. Ter Großherzog von Hessen hat dem tapferen Jungen ein Anerkennungsschreiben geschickt und die K önigl. R . zu Wiesbaden hat ihm nunmehr ein Sparbuch mit 25 Mc. als Belohnung zugestellt. Der kleine Mann soll das Geld nebst Zinsen am Tage vor seiner Konsirmation erheben. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Am 27. Juli wurde in Pohlgöns das neuerbaute Rathaus unter Anwesenheit des Kreisrats Fey eingeweiht. — Frau Luise Dr. Löwe-Calbe ist in Bad Nauheim nach schwerem Leiden im Mter von 75 Jahren verstorben. Die Verstorbene war die Witwe des bekannten deutschen Politikers, der 1849 als letzter Präsident des deutschen Parlaments infolge seiner politischen Verurteilung nach der Schweiz flüchten muhte und sich später bis zu der im Jahre 1861 erfolgten allgemeinen Amnestie in Amerika aufhielt. Die nunmehr Verstorbene folgte ihrem Manne in die Verbannung und stand ihm bis zu seinem Tode im Jahre 1886 zur Seite. — Dem Offenbacher Abendblatt wird geschrieben: Herr K a rl Sch mid t, der angeblich nach Unterschlagung von 6000 Mk. flüchtig gegangene Verwalter der Kaiser Friedrich-Quelle hat weder seine Familie im Stich gelassen, noch einen Unterschleif von 6000 Mk. begangen. — Einen Selbstmordversuch beging in Ludwigshafen am 28. Juli um 2 Uhr die 28 Jahre alte ledige Dienstmagd Margarethe Dressel, indem sie von der Landungsbrücke an der Kaiser Wilhelmstrahe in den Rhein sprang. Es gelang, sie zu retten. Ein Arzt ordnete ihre Ueberführung nach dem städtischen Krankenhause an. — Einen entsetzlichen S e l b st m o r d v e r s u ch beging in Fechenheim am 24. Juli früh die Ehefrau eines dortigen Einwohners Sch, Mutter von fünf Kindern. Während der Mann noch zu Bette lag, begoß sie in der Küche chre Kleider mit Petroleum und steckte s i ch d a n n in Brand, ohne einen Laut von sich zu geben. Der Mann and später die Unglückliche schwer verbrannt am Boden liegen. Es ist wenig Hoffnung vorhanden, sie am Leben zu erhalten. — In Mainz verhaftete die Polizei zwei junge Leute, die verdächtig sind, in letzter Zeit bedeutende Silberdiebstähle ausgeführt zu haben. Einem Dritten gelang es, zu entkommen. — Lehrer Kurt Nun, in Kesselstadt, als hessischer Dialektiker in weiteren Kreisen bekannt, hat sich wegen eines schmerzhaften, unheilbaren Leidens erschossen. — In Höchst hat ein Dienstmann sich aus Lebensüberdruß erhängt. Gr war infolge eines körperlichen Leidens, das ihm die Ausübung eines Berufes unmöglich machte, trübsinnig geworden. — Der zu C a s s e l versammelte Kongreß deutscher Zahnkünstler hat beschlossen, Frauen, die eine ordnungsmäßige Lehrzeit nachweisen, aufzunehmen und ihnen gleiche Rechte wie den Verbandsmitgliedern einzuräunien. Zum nächstjährigen 'Kongreßort wurde Halle gewählt. — Aus eigenartige Weise verunglückte in Cassel der dort wohnende Oberstleutnant z. D. Kolbe. Er hatte sich kürzlich eine Wunde zugezogen und trug deshalb einen Watteverband; dieser geriet nun während der Nacht plötzlich in Brand. Kolbe wachte auf und war über seinen Zustand so erschrocken, daß ein Herz- chlag den Tod herbeiführte. — Der Vertrag des Emser Kurtheaters mit Direktor Karl wurde, unter wesent- iich besseren Bedingungen für die Direktion, bis zum Jahre 1913 verlängert. Vermischtes. ' Hamburg, 28. Juli. Die Sammlungen des Ausschusses zur Unterstützung der Hinterbliebenen der bei der Schissskatastrophe am 20. Juli Verunglückten hat jetzt die Höhe von 50 000 Mk. erreicht, jedoch ist die dreifache Summe notwendig, um eine gründliche Hilfe und Unterstützung zu ermöglichen. Danzig, 28. Juli. Gestern abend kollidierten unmittelbar vor Weichselmünde der starkbesetzte Dampfer „Putzig" und der Dampfer „Blitz" infolge Mißverstehens eines dem „Blitz" geltenden Signals umzukehren. Beide Schiffe mußten am Ufer anlegen, von wo sie heute morgen zur Klawitterschen Werst geschleppt wurden. Verletzt wurde niemand. München, 28. Juli. Gestern abend richteten schwere Gewitter in Südbayern vielfach Schaden an. Die Kirche Sankt Heinrich bei Ambach am Starnbergersee wurde durch Blitzschlag entzündet. Sämtliche Holzteile wurden ein- geäschert. Das ganze Vilsthal bei Landau an der Isar wurde durch Hagelschläge verwüstet. Die Eisenbahnzüge erlitten große Verspätungen. Im Marktflecken Langquaid, in Pasina, einem Nachbarorte von München, und in Straußdorf bei Grafing schlug der Blitz in Gebäude, die niederbrannten. * Donaueschingen, 28. Juli. Der elfjährige Erb- prinz Karl Egon zu Fürstenberg stürzte, als er sich vor dem elterlichen Schloß mit Radfahren unterhielt, so unglücklich, daß er einen Schädelbruch erlitt. Zur Behandlung des Kranken wurde außer Leibarzt Dr. Gilly noch der Tübinger Professor Dr. Hofmeister zugezogen. * Schlettstadt, 28. Juli. Ein Jagdunfall mi tötlichem Aus gange hat sich gestern hier ereignet. Zwei Offiziere des 8. Jägerbataillons begaben sich früh morgens auf die Jagd. Auf unaufgeklärte Weise entlud sich ein Gewehr und der Schuß traf den Leutnant Erich Stubenrauch in den Nacken. Derselbe war sofort tot. London, 28. Juli. Eine Aussehen erregende Mitteilung über Marconi veröffentlichst die „Saturday Review." Die Zeitung sagt, Marconi habe schon seit langer Zeit mit einem System drahtloser Telegraphie gearbeitet, dessen Erfinder der italienische Marine-Offizier Marquis Solari sei. In dem betreffenden Artikel heißt es dann, Marconi habe am 16. Juli an das Patentamt einen Zusatzantrag betr. die Eintragung der „durch ihn mitgeteilten" Erfindung gerichtet. Ms kürzlich ein englischer Elektrizitäts-Sachverständiger eine gleiche Behauptung aufstellte, bezeichnete Marconi dieselbe als unwahr. Ein Telegramm aus Newhork meldet, daß Sachverständige für drahtlose Telegraphie des Marine- und Armee-Departements über die Mitteilung der „Saturday Review" nicht überrascht seien. Ihnen sei seit langer Zeit bekannt gewesen, daß Marconi ein von jemand anderem erfundenes System ausnützte. Sie hätten nur den Namen des Erfinders nicht gekannt. ♦ Das verheerende Sturmwetter am Sonntag hat auf dem Seddinsee bei Berlin acht Segelboote und ein Ruderboot umgeworfen. 30 Personen sind ins Wasser gestürzt, ein Mann ist ertrunken, die übrigen Personen sind gerettet. — Der Sturm hat ferner auch in Rußland eine entsetzliche Katastrophe herbeigeführt. Wie aus Petersburg depeschiert wird, zerstörte er im Dorfe Ponyri (Gouvernement Kursk) 300 Häuser und entwurzelte zahlreiche Bäume. 28 Personen wurden hierbei erschlagen; bisher ist es nur gelungen, neun Leichen zu bergen. — Bei Trier hat das Hagelwetter, verbmrden mit einem Orkan, im Hochwald schweren Schaden angerichtet. In De klingen, riß der Sturmwind einen Neubau um. * Abstürze. Der Maler Sittenramer aus Imst ist gestern beim Edelweißsuchen vom Plattjoch abgestürzt und. liegt schwer verwundet auf der Alpe Malton. Von der Zindlerspitze im Wäggithal ist ein junger Mann aus Zürich abgestürzt. Die Leiche ist noch nicht gefunden. Der Schreinermeister Buholtzer aus Malters ist vom Widderfeld im Pilatusgebiet abgestürzt, seine Leiche wurde zu Thal geschafft. no Cholera. Am 2. Juli wurden .in Karro 38 ^odes- alle an der Cholera und 35 neue Choleraerkrankungen estgestellt, in Mucha 21 Todesfälle und 10 neue Ertran- ungen. Wie aus Ch arbin gemeldet wird, sind dort 106 Russen und 276 Chinesen an der Cholera gestorben. Die Epidemie beginnt bereits nachzulassen. Kunst und Wissenschaft. Hamburg, 28. Juli. Zu der hier stattsindenden 6. Versammlung der Führer und Aerzle deutscher freiwilliger ©anitätS- folonnen vom Roten Kreuz sind eiroa 1200 Teilnehmer aus allen Gegenden Deutschlands eingetroffen. Gestern früh wurde zwischen Blankenese und Schulau eine große Hebung ausgeführt. Sie gab ein Bild der ersten Hilfeleistung auf dem Schlachtfeld. Unter Führung eines Hauptmanns stellten 9 Unteroffiziere und 120 Soldaten Verwundete dar. Nach dem vom Hauptmann Sauer entworfenen Plan wurden die Verwundeten über sehr steile Höhen zum Ufer und alsdann unter Schwierigkeiten auf die Schiffe ge- iracht und nach Hamburg überführt, wo sie in 13 Eisenbahnwagen, die, wie die Schiffe, als Lazarette eingerichtet waren, untergebracht wurden. Bei der Kritik sprach Oberstabsarzt Herhold die höchste Anerkennung für das Geleistete aus, hob aber hervor, daß die frei- willigen Kolonnen ihr Hauptaugenmerk auf den Transport und die Verhinderung von Verblutung richten sollten. — In der ge- chäftlichen Sitzung wurden, nachdem die Tagesordnung erledigt war, an den Kaiser, die Kaiserin, den Hamburger Senat und den Kaiserl. Kommissar Begrüßungstelegramme abgesandt. Als Ort ür die 1904 statlfindende nächste Versammlung wurde Metz gewählt. Bayreuth, 28. Juli. Mit der Aufführung der „Götterdämmerung^, die namentlich im Schlußakt von ergreifender Wirkung war, endete heute die erste diesjährige Aufführung der Nibelungentetralogie. Im Mittelpunkt standen Ernst Kraus als „Siegfried". Ellen Gulbranson als „Brünhilde" nud Frau Schu- mann-Heint, die eine „Norne" und „Waltraute" sang. Hans Richter dirigierte die Aufführung. Das Publikum spendete am Schluß reichen Beifall. Iandwirlschast. Alsfeld, 28. Juli. Ein außerordentlich lebhafter Verkehr bestimmte, wie die „Alsf. Oberh. Ztg." schreibt, die Signatur des heutigen Prämienmarktes (ersten Alsfelder Fohlen- uud Pferdemarktes). Ausgetrieben waren 320 Pferde und Fohlen, 180 Stück Zuchtvieh (Bullen, Kühe und Rinder), 450 Schweine (Händ- lerwaare), sowie ca. 100 Stück Zuchtschweine und Ziegen. Es herrschte ein flotter Handel, besonders auch mit Pferden und dieser erste Alsfelder Pferdemarkt eröffnet in jeder Beziehung günstige Aussichten für die folgenden. Verschiedene Firmen hatten chre landwirtschaftlichen Maschinen zur Ausstellung gebracht. Handel und Uerkehr. UMsumlschafl. Die Tabakfirma Oscar Rohte u. Jiskoot, Amsterdam, ist in eine Aktien-Gesellschaft unter der Firma „Oscar Robte u. Jiskoots Tabakhandel" umgewandelt worden. Tas Gesellschafts- kapital beträgt 4 Mill. fl. Märkte. Gieße», 29. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmam kosteten: Butter pr. Pfd. 0,90—1,00 Mk., Hühnereier pr. St. 6—7 Pfg, 2 Stck. 00—00 Pfg, Gänseeier 11—13 Pfg., Enteneier 7—8Pfg., Käse pr. Stck. 5—7 Pf., Kasematte 2 Stck. 0—0 Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg, Linsen pr. Ltter 32 Pfg., Taubenpr. Paar 0,70—1,00All., Hühner pr. St. 1,20—1,50 Mk., Hahnen pr. Stück 0,55—1,20 Mk, Enten pr. Stück 2,30—2,50 Mk, Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg, Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg, Kalbfleisch pr. Pfd. 66—70 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg, Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,50—6,00 Mk, Weißkraut per Stück 00—00 Pfg, Zwiebeln pr. Zentner 9,00—10,00 Mk, Milch ver Liter 18 Pfg. ‘ Aepsel per Pfd. 0—00 Pfg, in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Kirschen 20—30 Pfg. Dauer der Märktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nur auf den bestimmten Verkaufsplätzen und nicht im Umherziehen fellgeboten werden. Krirskasteu der Redaktion. (Anonyme Anfrage» bleiben unberücksichtigt.) M. R. in ft. Außer dem Kaiser trägt auch noch ein anderer deutscher Monarch das Band eines deutschen Korps und ist somit „alter Herr" desselben. Es ist dies der König von Württemberg, Der als damaliger Prinz Wilhelm zu Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Göttingen bei dem Korps „Bremensia" aktiv wurde, nachdem kurz zuvor sem Letter, der verstorbene Herzog Eugen von Württemberg, bei der Göttinger „Saxonia" aktiv geworden war. Letzterer trat auch zweimal auf Mensur an, und zwar das eine Mal als Linksschläger. In dem einen Fall führte er ab, in dem anderen erlitt er eine Abfuhr. Da die Göttinger „Saxonia" nur solchen Aktiven, die eine Charge bekleidet haben, oder eine gewisse Anzahl von Semestern aktiv waren, das Band beläßt, konnte sie dem Herzog das Band nicht verleihen. Er erhielt aber die sehr seltene Auszeichnung der Korpsschleife und damit das Recht, dieselbe Mütze zu tragen, wie die Aktiven bezw« alten Herren. B. T. Sie fragen: Wie hoch ist das Gehalt eineö englischen Premierministers? Antwort: Mit dem Ami ist fein Gehalt verbunden. Mr. Balfour ist aber Erster Lord des Schatzes (First Lord of the Treasury) und Geheimsiegelbewahrer (Lord Privy Seal). Mit dem letztgenannten Amte, das nur dem Namen^nach besteht, war früher eine Einnahme von jährlich 4000 Pfund Sterling verbunden. Dieses Gehalt wurde gestrichen, dann aber wieder auf 2500 Pfund Sterling jährlich festgesetzt, als Der Marquis von Salisbury die Sinekure annahm. Wahrscheinlich wirb diese Einnahme jegt wieder verschwinden, Da Mr. Balfour mit seinem Gehalt als „First LorD of the Treasury" auszukommeo geDenft Dieses Gehalt beträgt 5000 Pfund Sterling jährlich. Ueneste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 29. Juli. Die Kaiserin begiebt sich ür Den nächsten Tagen nach Kiel zur Begrüßung des Kaisers. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Kaiser die Kaiserin nach Kadinen zurückbegleitet und kurze Zeit in Kadinen bleibt. Kiel, 29. Juli. Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord passierte heute nacht 2 Uhr 10 Min. die Holtenauer Schleuse. Die „Hohenzollern" setzte dann ihre Fahrt durch den Kaiser-Wilhelms-Kanal fort. Osnabrück, 29. Juli. Schwere Unwetter haben im Teutoburger Walde und mehreren Teilen Westfalens und Hannover? g^oße Ps-nvÜbungen angerichtet. an WMMKL Cacao _J Leicht löslich *"1 leicht verdaulicher^615 3*/2o/o Reichsanleihe 3% do. 4l/,% Oesterr. Silberrente 102.05 Tendenz: ruhig. 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Wie die „Neue Freie Presse" meldet, wurden die Pferde der Hof-Equipage, in welcher sich Erzherzog Friedrich Karl und sein Adjutant zu einer Regimentsübung begaben, in der Nähe des Bahnhofes s ch e u und rannten gegen den Bahndamm, wo sie zu Fall kamen. Obwohl der Wagen um stürzte, blieben der Erzherzog und sein Adjutant unverletzt. Zur selben Zeit wurde das Pferd des Kommandeurs des Karser-Jäger-Regiments Oberstleutnant Baron Duerfeld scheu und stürzte. Duerfeld wurde von einem Milchwagen, dessen Pferde ebenfalls scheu geworden waren, überfahren und erlitt mehrere Rippenbrüche. Er mußte ins Hospital geschafft werden. Lemberg, 29. Juli. Die Meldungen über die von den streikenden Feldarbeitern verübten Gewalt- thaten, Plünderungen und Brandstiftungen lauten höchst ernst. Die Streikenden versuchen die Brücken über die Flüsse zu zerstören. Die Verhängung des Stand- recht es steht nahe bevor. Graz, 29. Juli. Sechstes D eutsches Sängerbundesfest. Nachdem der gestrige Vormittag durch Ge- samtproben und der Nachmittag durch Einzelproben ausgefüllt war, fand abends die erste Gesamtaufführung statt. Bei den Einzelvorträgen ernteten der Königsberger Sängerverein, der Wiener Männergesangverein und der Schubertbund lebhaften Beifall. Chormeister Wohlgemuth- Leipzig wurde als Dirigent und Komponist lebhaft begrüßt. Achttausend Sänger nahmen an der Aufführung teil und über 20 000 Besucher wohnten der Aufführung bei. Das „Liebesmahl der Apostel" unter Leitung Kremsers-Wien schloß die vorzüglich verlaufene Aufführung. Sofia, 29. Juli. Auf Befehl des Kriegsministers wurde der Kommandeur des 2. Artillerie-Regiments, Oberst Schischkoff, wegen Defraudation und Bestechungen v erh astet. Sofia, 29. Juli. Mit Rücksicht auf die Finanzlage des Landes wurden die Diäten für die Mitglieder der So- b ran je von 25 auf 10 Francs reduziert. Kapstadt, 29. Juli. Dewet ist am 28. ds. hier eingetroffen. Botha, welcher mit Delarey Stellenbosch besuchte, hielt daselbst eine Rede, in der er auf die Wichtigkeit der Erziehung für die Afrikander hinwies. Delarey erklärte, es können alle in Südafrika unter britischer Flagge glücklich sein. (?) Tripolis, 29. Juli. Obgleich die Ankunft eines italienischen Geschwaders unerwartet war, hat dieselbe unter der Bevölkerung keine besondere Aufregung iktllNl. äS ÄA" GehelE nlltW? Wie, M vur^e E als» .dl 2t /Out möbl. Zimmer mit Pension 'S) zum 15. August in der Grünberg erstr. oder unmitt. Nähe zu mieten gesucht. Offert, mit Preis unter Nr. 03253 air die Exped. 5429] Suche für sof. bei gutem Lohn ein braves, träft Mädchen, welches kochen t u. etwas Hausarbeit übernimmt. Fr. Ingenieur Koch, Ludwigstr.61. 5382] Ein braves Mädchen, welches kochen kann, findet zum L Oktober sehr gute Stelle. 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Die Blätter bemühen sich fiort- «esetzt, den Zustand des Königs so günstig wie möglich §u schildern. In eingeweihten Hofkreisen ist man jedoch am.f eine weitere Verschiebung der Kronungs- ße i e r gefaßt, da kaum darauf zu rechnen ist, daß der Patient fchmeu heute und 12 Tagen den Anstrengungen selbst einer »och so summarischen Ceremonie gewachsen sein wird. Der SMungsprozeß der Wunde schrecket zwar fort, hat aber töte Oberfläche noch nicht erreicht. Man nimmt an, daß der König frühestens am Donnerstag den ersten Gehversuch wird machen können. London, 29. Juli. Nach einem Telegramm aus Lingstou sind zahlreiche vulkanische Ausbrüche in den Schwefelgruben seit dem 21. d. M. verzeichnet worden. Die Ausbrüche waren von kurzen Erd- pößen begleitet Brüssel, 29. Juli. Der Zustand der Königin der Belgier, der noch vor kurzem große Besorgniß erregte, hat sich außerordentlich gebessert. Paris, 29. Juli. Eine Nationalisten-Ver- I Sammlung, an der die Hauptpersönlichkeiten der Partei t«ilnahmen, verlief gestern Abend ohne besonderen Zwischenfall. Dank der von der Polizei getroffenen Maßregeln wurde ein Zusammenstoß zwischen den Nationalisten einerseits und den Republikanern und Sozialisten anderersetts, die eine Ge- zenkundgebung geplant hatten, vereitelt. Bern, 29. Juli. In den Glarner Bergen ist ein Herr aus Affoltern im Kanton Zürich abgestürzt Rom, 29. Juli. Satolli, Vannutelli und Kar- dinal-Staatssekretär Rampolla werden als Nachfolger Ledochowskis für die Leitung der Propaganda srde ge- itmnt Der testamentarische Nachlaß des Kardinals übersteigt eine Million Lcke, die zum größten Teck au seinen süchtige Weißbinder tmbi '■*' Handlanger sofort gesucht! im Neubau Einhäuser, Liebigstr.,, bei Weißbinderrnstr. Pitz. 03254- 6intn ArbeiterHlt L. Reitz, Westanlage 27., Tüchtige Arbeiter iTioltkestr. 2 per sofort oder später zu Derrn. Näh, das. 1 Treppe hoch. 3095 5460] Südaulage 16 3. 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