Dienstag 29. April 19OS 152. Jahrgang Zweites Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen VezngSpretS, monatlich7b'iiL,Diertet* jährlich Sulf. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pi.; durch die Post Alf. 2.— viertel» täbrL auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer biS vormttiaga 10 Uhr. ßcdenprct6: lokal ISPf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den pohi. u. allgem. Teil: P. Wittko; für »Stadt und Vonb* und ,GenchtSfaal*:R.Ditt- mann; für den An» jetgemeil: Hans Beck. Nr. 99 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesflfchen Landwirt die Siehener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brü h l'fchen Unwerf.-Buch» u.6tein- bruderet (Pietsch (Srben) Redaktion, Erpeditior und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. {frnifprrrfjanhfihiß Nr. 51. Sie heutige Yummer umfaßt 10 Seiten. Aas „Taschengeld" der AossLommisston. Unser Parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 28. April. Lin „Kriegsrat" zwischen den Abag. Richter (freis. Vp.) und Singer (Soz.) war das interessante äußere Moment ru Beginn der heutigen Sitzung, und es ließ erkennen, daß die Diätenvorlage der Regierung nicht so „ohne Weiteres" die parlamentarischen Schranken passieren würde. In den Wandelgängen zirkulierte denn auch das Gerücht, die Linke beabsichtige, die Ueberweisung des Entwurfs an eine Kommission zu beantragen, um dort zu versuchen, die Vorlage für die Gewährung allgemeiner Diäten umzuarbeiten. . . . Im Parquett sah man viele Herren, die lange Zeit „nicht da waren"; von der vollen Präsenz war das hohe Haus freilich auch heute noch entfernt. Tie Begründung der Diätenvorlage übernahm Staatssekretär Graf Posadowsky. Er knüpfte an das in der Presse Erhobene Bedenken an, daß der Entwurf eine Verfassungsänderung darstelle. In gewissem Sinne, meinte der Staatssekretär, ist das richtig, „aber die Verfassungsänderung ist nur eine zeitweilige". (Heiterkeit.) Die Verbündeten Regierungen betrachten diese Entschäüigungsgewähr- ung als einen Ausnahmefall. Dies betonte Graf Posadowsky. Der Staatssekretär hatte seine kurze Darlegung kaum beendet, da sah sich Präsident Graf Ballestrem veranlaßt, einen Ordnungsruf zu verhängen. Abg. Singer nannte nämlich in einer geharnischten Rede die Einbring- tna des Entwurfs eine „beleidigende Zumutung" an den Reichstag. Rach Herrn Singers Auffassung bedeutet die Zustimmung zu diesem Entwurf den Verzicht auf die allgemeine Einführung von Diäten. Die volle Wucht seiner Kritik richtete Abg. Singer an die Adresse der Konservativen und des Zentrums, auf dessen spezielle Anregung die Regierung diese „traurige" Vorlage ausgearbeitet habe, wodurch die Abgeordneten in zwei Klassen geteilt würden. Der Redner beantragte die Verweisung des Entwurfs an die Budgetkommission — ironisch erwähnte er auch die mit Arbeit belastete Zolltarifkommission — und stellte in lussicht, daß im Falle der Annahme der Vorlage die auf die sozialdemokratischen Kommissionsmitglieder entfallenden Diäten der „Parteikasse" zugeführt werden würden. Abg. v- Levetzow, der Wortführer der Konservativen, an- tilannte keinen Zusammenhang zwischen der Vorlage und der Frage der allgemeinen Reichstagsdiäten. Alle einsichtigen Leute im Lande billigten es, daß den Zollkommissionsmitgliedern wäl)rend des Sommers ein Entgelt gewährt werde. Von der Versetzung der Kommissionsmitglieder in eine subalterne Lage könne keine Rede sein. In ähnlichem Sinne äußerte sich Abg. Bassermann (nL), der dem Entwurf eine prinzipielle Bedeutung absprach. Ein Verzicht auf die Einführung allgemeiner Diäten liege in der Zustimmung zur Regierungsvorlage keineswegs; der Zwang der Situation bei der zweiten und dritten Plenarberatung des Zolltarifs werde die Regierung schon veranlassen, der allgemeinen Diätenfrage näherzutreten. Dem Optimisten Bassermann trat Äbg. Richter mit massiver Beredsamkeit und derber Ironie entgegen. „Machen wir doch einen Versuch mit der zeitweisen Einführung allgemeiner Diäten, etwa auf zehn Jahre!" rief Abg. Richter, unter großer Heiterkeit, aus. Und dann schilderte er in drastisch-ergötzlicher Weise den „orientalischen handel", wie er in den Kommissionssitzungen zwischen Regierung und Mehrheit sich abspiele. „Je länger die Kommission arbeitet, desto mehr kommen diese Partner auseinander. Und dafür wollen Sie noch Diäten?" Stürmische Heiterkeit, selbst die Herren am Regierungstisch konnten'sich eines Lächelns nicht erwehren. Alsdann widmete Richter dem Zentrum ob des „Umfalls" in der Di- ätenfrage einige „Aufrichtigkeiten", um weiterhin zu konstatieren, daß heute im Sitzungssaale nur zwölf Konservative anwesend sind. Zum Schluß apostrophierte Richter den abwesenden Reichskanzler mit der Aufforderung, den Mut der eigenen Meinung zu haben. Ihm, Richter, habe der verstorbene Dr. Lieber anvertraut, daß Graf Bülow erklärtermaßen ein Freund allgemeiner Reichstagsdiäten sei. (Hört! Hört!) Ter nicht ganz leichten Aufgabe, die Stellung des Zentrums zu präzisieren, unterzog sich mit Geschicklichkeit Abg. Frhr. o. Hertling. Er betonte, daß die Gewährung von Kommissionsdiäten besonders im Interesse der süddeutschen Abgeordneten liege, die gezwungen seien, den Sommer über in Berlin zu weilen. Eine Verweisung der Tiätenvorlage an die Kommission hielt Frhr. v Hertling gleich den Abgg. v. Levetzow und Bassermann, für überflüssig, er wolle indessen nicht widersprechen. Namens der Freisinnigen Vereinigung bekämpfte alsdann Abg. Schrader die Vorlage, während Abg. v. Tiedemann (Ich.) den entgegengesetzten Standpunkt vertrat. In seiner temperamentvollen Art lenkte Abg. Bebel (Soz.) die Aufmerksamkeit auf die verfassungsrechtliche Seite der Sache, die ihm nicht hinreichend gewürdigt erscheine. Staatssekretär Graf Posadowsky nahm infolgedessen Veranlassung, nochmals auf den analogen Vorgang des Jahres 1874 (Antrag Dr. Lasker) zu verweisen- Im übrigen bestritt Graf Posadowsky, daß die Bundesrats- mitgiieder als solche Diäten beziehen. Ter Reichsetat weife keine derartige Position auf, es kämen nur die für Dienstreisen von Beamten üblichen Entschädigungen aus der Staatskasse in Betracht. Bebels Behauptung, das Zentrum hätte die allgemeinen Diäten jetzt durchsetzen können, wenn es gewollt hätte, suchte Abg. Dr. Bachem, il a. unter Bezugnahme auf das Schicksal des Jesuitenantrags, zu entkräften, wobei er mit der äußersten Linken wiederholt hart zusammengeriet. Der Vollständigkeit halber ei noch erwähnt, daß als Vertreter kleinerer Fraktionen )ie Abgg. Liebermann v. Sonnenberg, Werner (Antis.), Delfor (Els.) sprachen, und Abg. Meyer-Jobst (fr. Vp.) eine Bemerkung zur Frage der Bundesratsdiäten machte. „Per- onlich" setzten sich dann noch die Herren Richter und Bachem auseinander. Das Weitere ist der Budgetkommission Vorbehalten. Es hat den Anschein, daß die Zollkommission ihr „Taschengeld" bekommt. Das Regierungs-Jubiläum des Kroßyerzogs von Maden. IV. Karlsruhe, 28. April. Bei dem gestrigen Empfang des Erzbischofs von Freiburg, Nörber, von dem wir bereits gestern berichteten, dankte dieser dem Großherzog für die der katholischen Kirche ivährend der verflossenen 50 Jahre erwiesene Güte und die bewiesene väterliche Liebe. Es gebe niemanden, der dem Großherzog treuer und mit größerer Liebe und Ehrfurcht ergeben sei, als die Kirchenbehörde und der Klerus. Er wünsche von Herzen, Äaß der Großherzog dem Lande noch lange erhalten bleiben möge. Ter Großherzog erwiderte dankend, indem er dem Wunsche Ausdruck gab, es möge mehr und. mehr gelingen, die religiöse Gesinnung in der Bevölkerung zu stärken und zu befestigen, um dadurch die festeste und schönste Grundlage für den Staat zu schaffen. Jrn Namen des Komitees der Jubiläumsstiftung, das hierauf empfangen wurde, gab Oberbürgermeister Schnetzler-Karls- ruhe den Gefühlen inniger Dankbarkeit des ganzen Landes Ausdruck, welches als Zeichen der Dankbarkeit und Liebe dem hohen Jubilar eine Stiftung in Hohe von 450 000 Mark zu wohlthätigen Zwecken überreichen lasse. Mit warmen Worten des Dankes erwiderte der Großherzog: Nur durch die Hilfe Gottes sei es ihm vergönnt gewesen, so lange seine Kraft einzusetzen und feinen Pflichten zu entsprechen. Wenn ihm für das Wenige, was er zu leisten vermochte, in dieser Weise Lob gespendet werde, so wolle er betonen, daß dies nur möglich war in dem Zusammenwirken aller Teile. Mochten auch vorübergehende Störungen vorhanden gewesen fein, immer und immer wieder habe er den Vorzug genossen, da unterstützt zu werden, wo das Interesse des Landes deutlich vor Augen lag, und dafür sei er unendlich dankbar . Möchte das auch künftig oer Fall fein. Mit aller Sorgfalt solle die Verwaltung und Verwendung der Stiftung überwacht und organisiert werden. Er behalte sich vor, darüber näheres mitzuteilen. Er hoffe, die Gabe werde vielen nützlich jein, besonders denen, die ungern bitten. Tie verflossenen 50 Jahre seien für das Land von Segen gewesene Die angeftrebte und erreichte Einigung sei eine Kraft, die uns in die Sage setzt, an den großen Aufgaben, die die verbündeten Regierungen zu bewältigen haben, teilzunehmen. Große Aufgaben ständen uns noch bevor und treue Mitwirkung sei nötig. Dem Staatsminister v. Brauer erwiderte der Großherzog, er danke den Ministern aus tiefstem Grunde seines Herzens für ihren Beistand und ihre Hilfe, denn daß sie ihm bei allen Gelegenheiten das sagten, was sie für das Rechte, Wahre und Nützliche hielten, ohne Rücksicht darauf, ob eine volle Uebereinftimmung erlangt werden kann oder nicht, darauf lege er den größten Mert. Er schließe daran die freudige Ueberzeugung, daß eine volle Uebereinftimmung die Folge einer solchen Aussprache sei. Die Uebereinftimmung beruhe darin, daß er mit gewissenhaften Männern zu thun habe, die nur der Pflicht leben. Orin gutes Verhältnis zu den Ministern hänge immer nur vom Vertrauen ab, während die öffentliche Meinung mit Vorsicht aufzunehmen sei. Beim Empfange der Kammer sagte der Großherzog u. a.: Nur durch festes Zusammenwirken aller Kräfte im Staate ist es möglich, das Gute, was man wünscht, durchzuführen. Hüten wir uns vor dem, was uns alle bedroht. Tie zur rechten Zeit gegebene Verfassung des Landes muß erhalten bleiben. Heute vormittag empfing der Großherzog in Gegenwart' der Großherzogin und des Erbgroßherzogs eine Reihe von Abordnungen, welche in Ansprachen, Adressen und Ehrengaben ihre Glückwünsche zum Ausdruck brachten. Ter Großherzog erwiderte auf jede einzelne der Ansprachen. Es wurden empfangen die Vertreter des evangelischen Lberkirchenrats, der altlatholischen Geistlichkeit, der israelitischen Geistlichkeit, der drei badischen Hochschulen, der badischen Grundherren, der in Baden tl)äagen Reichspoftbeamten, der Kveisausschüsse des Landes, des badischen Handelstages, der badischen Fraucnvereine, her ehemaligen badischen Offiziere, der badischen Militärvereine, welche zugleich im Namen des deutschen Kpffhäuserbundes sprachen, und der in Baden thätigen Reichsbankbeamten. Nachmittags 3 IHjr fanbim Schloß bei dem Großherz-og- lichen Paare Galatafel statt, zu welcher die Mitglieder Der hier anwesenden Deputationen aus dem Lande geladen waren. Tie Tafel war mit roten Nelken und gelben Rosen geschmückt. Tie Kapelle des Dragonerregiments trug ll a. Stücke aus „Lohengrin", „Carmen", „Tannhäuser" und „Volkunger" vor, weiter ein Tongemälde „Die Mühle im Schwarzwald", und zum Schluß des Großen Kurfürsten Reitermarsch. Der Großherzog saß in der Mitte der Innenseite der hufeisenförmig geformten Tafel, zwischen der Kronprinzessin von Schweden und der Erb- großherzogin. Nach rechts folgten Prinz Gustav von Schweden, Prinz Karl von Baden, Minister von Schenkel, Erzbischof Nörber u. a. Nach links folgten der Erbgroß- herzog, Minister v. Brauer, Minister Dr. Buchenberger il a. Im Laufe des Mahles brachte der Erbgroßherzog folgenden Trinkspruch aus: „Cw. Königl. Hoheit haben gnädigst erlaubt, daß ick das Wort ergreife. Uns erfüllt heut Mle der eine Gedanke, der der vielen Dankbarkeit gegen die Vorsehung, die uns dieses herrliche Jubelfest erleben läßt und der eine aus tiefstem Herzen kommende Wunsch, Gott erhalte, Gott schütze auch ferner Ew. StönigL Hoheit. Diese Gefühle, die unsere liebe Heimat vom Bodensee den Lauf des Rheins entlang durchbrausen, erfüllen auch die heutige hiesige Versammlung. Sie finden ihren Ausdruck in dem aus tiefstem Herzen kommenden Rufe: Hoch lebe Seine Königl. Hoheit der Großherzog, unser erhabener Landesherr, hoch, hoch, hoch! Hierauf erwiderte der Großherzog folgendes: Meine Herren! Ich ergreife das Glas, um Ihnen allen, zunächst denen, die uns gestern und heute persönlich oder im Auftrage durch Adressen Glückwünsche gebracht haben, nochmals meinen wärmsten Dank zu sagen und insofern es Adressen sind von Körperschaften aller Art, Sie nock- mals zu bitten, meinen Dani zu übermitteln, meinen recht herzlichen und wannen Tank. Ich ergreife das GlaS, um auf Ihr Wohl zu trinken, auf Sie alle, die heute größtenteils als Vertreter von großen Korporationen hier anwesend sind .Ich fordere Sie auf, zualeich mit mir ein kräftiges Hoch auf unser liebes Vaterland auszubringen. (Bravo.) Rufen Sie aus Ihrem tiefsten Herzen auf das Wohl des Landes, das unserem Herzen recht nahe geht und uns ganz erfüllt, daß wir stets für das Wohl desselben und das Gedeihen und seine Erhöhung alles versuchen, was in den Bereich der höchsten Aufgaben des Lebens gehört, daß wir uns rühmen dürfen, ein braves Land zu sein. In dieser Gesinnung rufe ich: Unser Badener Land, es lebe hoch, hoch, hoch! Ter Großherzog sprach laut und mit lebhafter Wärme. Seine Worte wurden mehrfach von Bravorufen unterbrochen, In das Hoch auf das Heimatlano stimmten die Gäste jubelnd ein, während die Mu»iF die badische Hymne intonierte. In Beantwortung eines Glückwunschtelegrammes, das der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei am Samstag abgesandt hatte, hat der Großherzog gestern folgetides Telegramm an den Zentralvorstand, zu Länden des Dr. Hammacher in Berlin, gesandt: Ter Zentralvorstand der nationalliberalen Partei hat mir durch seine telegraphische Beglückwünschung zu meinem 50jährigen Regierungsjubiläum eine innige unb bewegte Freude bereitet. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für alles, was Sie mir in so sehr freundlicher Gesinnung ausgesprochen haben . Sie sagen nur viel zu viel des Guten über mein Wirken. Nehmen Sie meinen guten Willen für das, was Sie als Erfolge bezeichnen, und seien Sie vor allem versichert, daß dieser gute Wille stets da vorhanden war, wo ich mich eins wußte mit den Zielen der nationalgesinnten Teutschen, nämlich in dem Streben, ein einiges mächtiges Deutsches Reich errichten zu helfen, und das Reich, nachdem es geschaffen war. zu befestigen und auszubauen im'S inne des nationalen Gedankens. Die innige Liebe zum deutschen Vaterlande führt mich auch heute an meinem Erinnerungsfest mit Ihnen zusammen in dem Wunsche: möge uns immerdar in Kraft und Herrlichkeit erhalten bleiben, was mit so schweren Opfern erkämpft werden mußte, die Grundlage dessen, worauf die Zukunft der Nation beruht, das geeinte Deutsche Reich. Politische Tagesschau. Der Aufstand in Süd-China. Sir Henry Blake, der Gouverneur von Hongkong, der soeben in England eingetroffen ist, hat über die Revolution in Süd-China Mitteilungen gemacht, die sehr ernster Natur sind. Der Gouverneur sagt: „Wenn von Nord- China ober aus den Vangtseeprovinzen keine gründlich ausgebildeten Truppen entsandt werden, so weiß ich nicht, ob die chinesische Regierung eine genügende Truppenmacht zur Verfügung haben wird, um den gefährlichen Aufstand im Süden zu unterdrücken. Es ist durchaus möglich, daß die Bewegung, wenn sie an Starke und Ausdehnung noch zunimmt, an Umfang der Taipingreoolution gleich wird. Sollte es aber wahr fein, daß kaiserliche Truppen zu den Rebellen übergingen, so wird dadurch der Ernst der Lage nur gesteigert. Augenblicklich erscheint mir die Gefahr, daß der Aufstand einen fremdenfeindlichen Charakter annehmen könnte, nur gering, aber in China ist alles möglich. Aber selbst wenn dies nicht der Fall ist, wird die Rebellion trotzdem für die Südprovmzen höchst verhängnisvoll sein. — WaS die Meldung von der Beschießung des VertragshafenS von Manning anbelangt, so wird dieser Hafen thatsächlich kaum benutzt unb die Interessen der Ausländer sind dort gering. So lange fremdländische Interessen nicht angegriffen werden, werden die Ausländer sich in diese Revolution, die augenblicklich eine interne chinesische Angelegenheit ist, nicht ein- mischen. Deutsches Deich. Berlin, 28. April. Ter Kaiser schenkte der evang. Hauptkirche in Wiesbaden <000 Mark zu zwei gemalten Fenstern. Ten Platz bestimmt der Kaiser bei seiner Anwesenheit in Wiesbaden im Mai. — Ter Kaiser von China hat seinem hiesigen Gesandten General Diu-Tschang durch Verleihung der berühmten Gelben Jacke, seine besondere Gunst erwiesen. —7Der Pap st empfing nach einer Depesche der „Germ." aus Rom 18 d e u t s ch e D e l e g i e r t e gemeinsam mit 220 bayrischen Pilgern. Fürst zu L ö w e n ft e i n überreichte eine deutsche Adresse und stellte sodann die hervorragendsten 'Teilnehmer des Pilgerzuges dem Papste vor. Demselben wurden besondere Jubiläums-Gaben überreicht, darunter das Geschenk der Erzdiözöse Köln, bestehend aus 14 000 Lire. Der Papst sprach in seiner Erwiderung die Hoffnung aus, daß das Zentrum stets im Geiste Windthorsts geleitet werden möge. Dann wurden die Pilger vom Kardinal-StaatssLkretär Rampolla b. grüßt. — Das „B. T." hört, das Gesetz über die Zucker- konvention und die Zuckersteuervorlage werde heute, dem Reichstage zugehen. Tie Negierung schlage eine Ermäßigung der Zuckersteuer auf 16 Mart vor. — Die Konferenz der vortragenden Räte des Reichspostamts mit 15 Oberpostdirertoren hat die Frage der Aufstellung von Markenverkaufsautomaten in den Schaltervorräumen, die Einführung mehrerer elektrischer Stempelmaschinen, die Schaffung von Unterbeamten- Wohnhäuser und die Verminderung des Schreibwerks zu Hauptgegenstänüen der Beratung gehabt. — Mannschaften des 1. Eisenbayn-Regimenrs, welche zur Vornahme von Uebungsbauten nach Klausdorf kommandiert sind, sind dem „Verl. Tagbl." zufolge unter ve- denklichsten Erscheinungen erkrankt. Es handelt sich um epidemische Genickstarre, der bereits ein Mann erlegen sein soll. Die 6. Kompagnie hat Isolierbaracken beziehen müssen, um eine weitere Infizierung von Truppenteilen möglichst zu vermeiden. Celle, 28. April. Bei der am 21. April stattgehabten Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Celle, Gifhorn, Burgdorf, Peine wurden im ganzen 23573 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Fabrikant Wehl-Celle (nl.) 7382, v. d. Decken-Adendorf (Welfe) 6080, Hofbesitzer Dödicker (B. d. L.) 4673 und Redakteur T h i e l h o r n (Soz.) 5420 Stimmen. Zwischen beiden Erstgenannten hat mithin Stichwahl stattzusinden. München, 28. April- Der Prinzregent fuhr heute vormittag mit dem Grafen Waldersee in offenem Magen, gefolgt von den Herren des militärischen Hauses, nach dem Armeemuseum, um die dort ausgestellten Erinnerungsstücke an die ostasiatische Expedition zu besichtigen. Mährend der Besichtigung teilte Gras Waldersee einige Er-. innerungen an die Expedition in China mit und gedachte dabei besonders anerkennend der Teilnahme der bayerischen Truppen. Im weiteren Verlause des Vormittags besichtigte Graf Waldersee unter Führung der beiden Bürgermeister das Rathaus und trug sich in das goldene Buch ein. Anstand. P o r i s, 28. April. Nach einer von der „Agence HavaS" aufgestellten Wahlstatistik ist das Gesamtergebnis folgendes : G ewählt sind 47 Konservative, 42 Nationalisten, 81 antiministerielle Republikaner, 81 ministerielle Republikaner, 8S Radikale, 49 sozialistische Radikale und 24 Sozialisten. Gewinne und Verluste der Parteien: Republikaner 13 gewonnen, 13 verloren, Radikale 12 bezw. 13, Sozialisten 2 bezw. 4, sozialistische Radikale 5 bezw- 5, antiministerielle Republikaner 19 bezw. 23, Nationalisten 14 bezw. 7, Konservative 3 bezw. 3. Nach der Statistik des Ministeriums des Innern sind 248 Ministerielle und 133 Antiministerielle gewählt. Unter den Gewählten befinden sich der frühere Minister Etienne, der Großindustrielle Thomson und der Konservative Baudry d Asson. Amsterdam, 28. April. Wie aus Schloß Loo verlautet, b e s s e r t e sich das Befinden der Königin W i l - helmina derartig, daß sie schon auf einige Augenblicke das Bett verlassen konnte. Luxemburg, 28. April- Die luxemburgische Regierung ist von der hiesigen Abgeordnetenkammer mit Stimmeneinheit ermächtigt worden, provisorisch für Luxemburg die Schaumweinsteuer unter denselben Bedingungen unter demselben Steuersatz wie im deutsch en Reiche einzuführen, sowie behufs Verteilung der Taxe zwischen den Zollvereinstaaten und dem Großherzogtum ein Abkommen zu treffen. Rom, 28. April. Ministerpräsident Zanardelli teilte in der Kammer mit, daß der König das Entlassungs- gesuch des Kriegsministers angenommen und den Marineminister Morin mit der einstweiligen Verwaltung des Kriegsministeriums betraut habe. London, 28. April. Reuter meldet aus Balmoral «Südafrika) von vorgestern: Lukas Meyer, Krogh und Vanvelden trafen gestern hier ein und reisten am selben Tage mit der gewöhnlichen Post nach Middelburg und Belfast weiter, um Zusammenkünfte mit den Burghers abzuhalten. Cap Haiti, 28. April. Wie aus Santo Domingo gemeldet wird, stellte sich der Vizepräsident H o r a t i o Vasquez an die Spitze der Erhebung gegen den Präsidenten Zimenes Bethune. In Lillers fanden gestern abend und in der Nacht Ruhestörungen statt, wobei ein bedeutender Materialschaden angerichtet worden ist. Um drei Uhr morgens war die Ruhe wieder her gestellt. Statistische Mitteiluugeu aus den deutschen Groß- und Mittelstädten. Von dem „Statistischen Jahrbuch deutscher Städte", das von dem Direktor des Statistischen Amts der Stadt Breslau, Dr. M. Neese herausgegeben wird, liegt der 9. Jahrgang vor. Der Plan dieses Jahrbuchs ist dahin gerichtet, durch vergleichende Zahlenangaben die mannigfaltige Thätigkeit der städtischen Behörden, den Wohlstand, die Steuerkraft, die kulturelle Entwicklungshöhe der deutschen Städte von 50 000 and mehr Einwohnern zu veranschaulichen. Die mannigfach gegliederten Zahlenreihen geben ein lebhaftes Bild von den gewaltigen Fortschritten jener 55 deutschen Städten, deren Bevölkerring seit der Gründung des Deutschen Reiches von 4,5 auf 10,7 Millionen gewachsen ist. Vergleicht man die Ziffer der Heiratenden mit der mittleren Jahresbevälkerung, so entfielen die meisten Heiratenden aiif die Städte Mannheim, München, Nürnberg, Frankfurt a. M., Bochum, Köln, Berlin, Dresden und Düsseldorf mit 12,45 bis 10,66 von je Tausend der mittleren Bevölkerung. Die niedrigste Heiratsfrequenz hatten die Garmsonstädte Frankfurt a. O., Münster und Potsdam mit 8,06 bis 6,42 von je Tausend. Die meisten Ehescheidungen erfolgten in Berlin mit 72,5 auf je 1000 Eheschließungen und 135,8 von 1000 Ehelösungen, Frankfurt a. O. mit 64,8 und 78,6, Magdeburg mit 60,7 und 101,2, Leipzig mit 55,1 pro Mille der Eheschließungen und 100,3 pro Mille der Ehelösungen. Am wenigsten wurden Ehen geschieden in Aachen, Cassel, Krefeld, Dortmund, Düsseldorf und Köln mit 7,8 bis 17,2 pro Mille der Eheschließungen und 13,7 bis 37,1 pro Mille der Ehelösungen. In 21 Städten hat auch die Zahl der Geburten gegenüber dem Vorjahr absolut abgenommen: in Berlin, Charlottenburg, Spandau, Königsberg, Stettin, Magdeburg, Erfurt, Altona, Hannover, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Barmen, Düsseldorf, M.-Gladbach, Crefeld, Leipzig, Zwickau, Hamburg, Lübeck, Bremen und Metz. Die niedrigsten Geburtenziffern hatten die Garnisonstädte Potsdam, Metz mit 21,34 bis 25,94 pro Mille der mittleren Bevölkerung, ferner Wiesbaden mit 25,78 pro Mille. Der Knabenüberschuß unter den Geborenen stieg bis zil 6,36 Prozent der letzteren in Kassel, dagegen überwog das weibliche Geschlecht, in Erfurt und Elberfeld. Die bekannten starken Gegensätze zwischen einzelnenTeilenDeutschlands hinsichtlich derUnehelichen- quote zeigen sich auch im Berichtsjahre. Während m den meisten Städten Rheinlands und Westfalens sich der Anteil der Unehelichen zwischen 3 und 5 Prozent der Geborenen hielt, machten sich in den bayerischen Städten, in Dresden, Leipzig, Metz, Straßburg und Freiburg i. Br. ungefähr 20 Prozent, also ein Fünftel aller Geborenen, aus. Am sechsten stand München mit 27 Prozent. Die höchste Sterblichkeitsziffer hatte 1899, wie im Vorjahre, Bochum mit 27,93 von je Tausend der mittleren Jahresbevölkerung, nach welchem Breslau, Stettin, Chemnitz, Halle, Nürnberg, Königsberg, Posen und Duisburg •mit 26,57 bis 25,12 Promille folgten, die niedrigste Charlottenburg, Wiesbaden, Cassel, Frankfurt a. M., Barmen, Bremen und Erfurt mit 16,01 bis 17,99 Promille. Der Geburtenüberschuß schwankte zwischen 22,30 Prom. der mittleren Bevölkerung in Dortmund und 1,70 Prom. in Potsdam. — Die stärkste Wanderungsbewegung zeigten außer Cl)arlottenburg die Industriestädte des Westens, erner Frankfurt a. M., Halle, Kiel, Kassel, Mannheim. Während die meisten Städte auch durch die Wanderungen einen zum Teil beträchtlichen Zuwachs erhielten, belief sich die Verminderung der Bevölkerung durch Mehrabzug in Braunschweig und Crefeld auf mehr als 1 pCt. Dem Wachstum der Bevölkerung entsprach die Bau- thätigkeit, aber leider auch die Dichtigkeit der Bebauung. In Metz waren am Schlüsse des Jahres 1897 mit Häusern (einschließlich der Hofräume und Hausgärten) 49 pCt. der Ge- amtfläche bebaut, in Berlin 42 pCt. (gegen 33 pCt. im Jahre 1890), in Essen Ende 1898 41 pCt., in Bochum und Dresden je 34 pCt., dagegen in Spandau am Schlüsse des Jahres 1897 nur 6 pCt., in Stettin 7 pCt., in Erfurt, Wiesbaden, Aachen und Straßburg Ende 1898 je 8 pCt. der Gesamt- 'läche. Die gesamte Grundfläche der größten deutschen Städte betrug am Schlüsse des Jahres 1898 oder 1898/99: in ha in ha Köln a. Rh. . . . 11,109 Düsseldorf .... 4,864 Frankfurt a. M. . 8,014 Erfurt .... 4,385 Straßburg i. E. . . 7,829 Spandau .... 4,205 Hamburg .... 7,688 Hannover . ... 3,956 München .... 6,839 Aachen .... 3,912 Berlin .... 6,340 Dresden .... 3,899 Stettin .... 6,100 Duisburg .... 3,753 Frankfurt a. O. . . 5,963 Wiesbaden .... 3,607 Darmstadt . . . 5,760 Breslau . .... 3.593 Leipzig .... 5,551 Würzburg . . . . 3,216 Magdeburg.... 5,547 Elberfeld .... 3,132 Freiburg i. Br. . . 5,151 Stuttgart .... 3,003 Mannheim .... 4,877 In dieser Uebersicht sind als „größte" Städte die an Grundfläche, nicht die an Bevölkerung größten der Reihe nach angeführt. Es geht aus ihr hervor, daß Bevölkerungszahl und Areal der Städte entfernt nicht korrespondiren. Haben doch Köln und Frankfurt a. M. ein weitaus größereres Areal als Berlin, Frankfurt a. O. und Darmstadt ein größeres Areal als Leipzig; Freiburg i. B., Mannheim, Erfurt, Spandau, Duisburg, Wiesbaden ein größeres Areal als Breslau. Es wäre nun von Interesse, festzustellen, ob in (im Verhältnis zur Bevölkerung) kleineren Städten eine Grundrente höher ist und umgekehrt. Aus Stadt und Land. (Nachrichten aus unserem Leserkreise sind uns stets willkommen und werden angemeffcn honoriert.) Gießen, 29. April 1902. Scg. Gründung einer oberhessischen Mifsions-Konferenz. Auf Einladung des Herrn Dekan Hainer von Hungen und unter dessen Vorsitz hatten sich heute Nachmittag etwa 50 Herren — meist Geistliche — aus allen Teilen von Oberhessen im Konfirmandensaale der Matthäusgerneinde zusammengefunden, um über die Begründung einer oberhessischen Missionskonferenz zu beraten. Auch der Schriftführer der bereits seit 6 Jahren bestehenden Starkenburger Misfionskon- ferenz, Herr Pfarrer Röm Held von Pfungstadt, war erschienen und leitete die Versammlung mit einem sehr lichtvollen Referat ein, in dem er Bedeutung, Ausgabe und Organisation der Missionskonferenzen erörterte. In der sich daran anschließenden Aussprache, in der u. a. Pfarrer Schlosser- Gießen darauf Hinweisen konnte, daß schon vom Jahre 1883 bis 1888 eine solche Missionskonferenz bestanden habe, die das Großherzogtum Hessen, die Provinz Hessen-Nassau und den Kreis Wetzlar umfaßte, gab sich eine allgemeine Zustimmung zu dem Grundgedanken des Referates kund. Früher gegen eine solche Missionskonferenz gehegte Bedenken, als ob dadurch die Arbeit der bereits bestehenden Missionsvereine gestört werden könnte, Bedenken, die einst auch das Aufblühen der alten Missionskonserenz gehindert hatten, konnten angesichts der wie anderwärts, so namentlich in Starkenburg, gemachten Erfahrungen nicht mehr aufrecht erhalten werden, da die Konferenzen sich grundsätzlich jeder direkten Missionsarbeit enthalten und nur die Anregung und Förderung einer gediegenen wissenschaftlichen Missionskenntnis bezwecken. So wurde denn einstimmig beschlossen, auch für Oberhessen eine solche Organisation herbeizuführen. Jedoch erachtete man es für den zweckmäßiaeren Weg, dazu einen Anschluß an die Starkenburger Konferenz zu suchen und eine Konferenz für das ganze Großherzogtum anzubahnen. Zu diesem Zweck wurde eine Kommission von fünf Herren gewählt (Dekan Hainer-Hungen, Kirchenrat Kalb Henn-Burggräfenrod, Pfarrer Nies-Melbach, Stiftspfarrer Weber-Lich und Pfarrer Schlosser- Gießen) mit dem Auftrag, mit dem Vorstand der Starkenburger Konferenz in diesem Sinne zu verhandeln. Nur in dem Falle, daß dieser sich ablehnend verhalten würde, solle sie im Herbst eine oberhessische Missionskonferenz im Sinne der Ausführungen des Referenten in Gießen veranstalten, bei der dann auch die Organisationsfragen erledigt werden sollten. * * Turnverein. Die nach den Satzungen des Turnvereins vierteljährlich stattfindende Generalversammlung fand gestern abend im Restaurant Bourgeois statt und war besonders von aktiven Turnern sehr gut besucht. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der 1. Sprecher Pirr dem so jäh verschiedenen Geschäftsführer des 9. Mittelrheinkreises, Registrator Thierolf, einen warmen Nachruf, worin er hervorhob, daß der Verstorbene stets in treuer Pflichterfüllung alles ge- than habe, um die edle Turnsache im Kreis und in den deutschen Gauen zu fordern. Die Versammlung erhob sich zur Ehrung Thier--olfs von den Plätzen. Soda n mürbe mitgeteilt, daß da Turnen im Winterhalbjahr mtxjr abgenommen habe und die Beteiligiing zwar schwächer als im Sommerhalbjahr, immerhin aber befriedigend war. Weiterhin teilte der 1. Sprecher mit, daß die Vergrößerung der Turnhalle, resp. der Bühnenanbau im abgelaufenen Winterhalbjahr bereits dargethan hat, daß sich die bei Schäftung dieser Einrichtung gehegten Hoffnungen erfüllt haben. Abgesehen davon, daß die Halle mit dem Bühnenanbau für den Verein selbst eine geeignete Stelle geworden fei, um die eigenen Vergnügungen darin abzuhalten, ist sie auch bem Verein insofern von Vorteil, als durch Vermietung seine Finanzen verbessert merbcii. Im Ganzen sind an Saalmiete eingenommen 880 Mk., von welcher Summe die Kosten der Beleuchtung und teilweise auch der Heizung für den Raum während der vermieteten Zeit in Abzug kommen. Es wird bei dieser Mitteilung ausdrücklich erklärt, daß der Vorstand durch Vermietung der Halle nicht etlva den Saalbesitzern Konkurrenz mache, wie dies vielfach aitgenommen würde, sondern daß der Verein durch die Vermietung lediglich der herrschenden Saalnot in unserer Stadt abhelfen wolle; denn nur wenn an dem betreffenden Tage, an dem eine Veranstaltung in der Turnhalle stattfinden solle, die anderen Säle besetzt seien, werde diese vom Vorstände freigegeben. Der Versammlung wird dann Bericht erstattet über den Verlauf des Gau-Turn- tages in Steins Garten und des Kreis-Turntages m Limburg. Im Hinweis darauf, daß das nächste Kreisturnfest in Worms und 1904 in Koblenz stattfindet und daß sich für das noch freie Kreisturnfest in 1906 Darmstadt schon jetzt beworben, wird empfohlen, daß auch Gießen schon jetzt für 1 9 06 sich um das Krei§fest bewerben sollte, um wenigstens zu erreichen, daß es als Festort 1908 bestimmt werde. — Die Kosten des Bühnenanbaues, der Renovierung der Halle 2C. haben 19 106 Mk. 25 Pf. erfordert, welcher Betrag in der Weise teilweise gedeckt ist, daß man 12 000 Mk. mit hypothekarischer Deckung aufnahm und 1086 Mk., den Turnerunfallfonds, verwandte; weiter wurde ein Guthaben des Vereins in Höhe von 722 Mk. 40 Pf. und vom Vorstand der Kassenüberschuß von 600 Mk. herangezogen, ca. 5000 Mk. wurden durch freiwillige Geschenke für die Tilgung der Bauschuld aufgebracht, sodaß im Ganzen ca. 18 300 Mk. bezahlt werden konnten. Ein Restbetrag von 6—700 Mk. muß noch getilgt werben. In der Versammlung wurden verschiedene Vorschläge dafür gemacht. — Hierauf entspann sich eine sehr lange Geschäftsordnungs - Debatte über einen Antrag auf Statutenänderung und besonders über die Form, in welcher dieser Antrag eingebracht werden müsse, um den Satzungen und der Geschäftsordnung zu entsprechen. Eine demnächst vom Vorstand einzuberufende weitere Generalversammlung wird den Antrag beraten und darüber beschließen. * * Das Anturnen des Männerturnvereius, das letzten Sonntag im kleineren Rahmen abgehalten wurde, war von der Witterung aufs beste begünstigt. Zum Wettturnen, welches nachmittags gegen 4 Uhr begann, traten 10 Turner an, von denen einer außer Konkurrenz mitturnte. Die vorgeschriebenen Türnübungen erstreckten sich auf Reck, Barren, Pferd, Stemmen und Springen. Die Mindestpunktzahl, welche erreicht werden konnte, war 35 Punkte. Es wurde im allgemeinen gut geturnt, und zeigten die Leistungen mancher Turner von guter Schulung und fleißiger Uebung. An dem Turnen in der Oberstufe beteiligten sich 3 Turner, während in der Unterstufe 7 Turner mitturnten. Das Ergebnis war folgendes: a. in der Oberstufe: Willy Georg den 1. Preis mit 571/2 P., L. Kohler mann den 2. Pr. mit 43 P., Gg. Meyer den 3. Preis mit 35 P. b. in der Unterstufe: Albert Bötz den 1. Pr. mit 53!/2 P., Louis Vogt den 2. Preis mit 52!/2 P., Ernst Schmidt den 3. Pr. mit 501/2 P., Carl Schäfer den 4. Pr. mit 45 l/a P., Ed. Schm all den 5. Pr. mit 45 P., Gustav Schmidt den 6. Pr. mit 36 V2 P- c. C. Demuth (außer Konkurrenz) erzielte 45i/2 P. — Bei der abends in „Steins Garten" ab- gehaltenen Preisverteilung wurde jedem Sieger eine fein aus- geführte Ehrenurkunde überreicht. Außerdem wurde dem 1. Sieger in jeder Stufe ein Eichenkranz zuerkannt. Zu dieser Preisverteilung waren die Vereinsmttglieder mit chren Angehörigen zahlreich erscheinen. Bei Tanz und dem Gesang gemeinschaftlicher Lieder flössen die Stunden nur allzu rasch dahin. Zur Unterhaltung trugen auch die humoristischen Gesangsvorträge eines Turners sowie die Violinvorträge eines anderen Herrn wesentlich bei, sodaß man sich erst nach Mitternacht in der fröhlichsten Stimmung trennte. * * Die Temperatur ist in den letzten Tagen bedeutend gesunken, sodaß es des nachts sogar gefroren hat. Hält diese kalte Witterung an, so dürfte sie auch bei uns den Saaten großen Schaden zufügen. — Wie aus Posen gemeldet wird, hat der Frost in der ganzen Provinz den Saaten bereits Schaden zugefügt. Im Kreis Fraustadt soll das Thermometer bis 9° unter Null gegangen sein. — In Rheinhessen hat man in den Weinbergen, um die frischen Triebe zu schützen, bereits mit Räucherungen begonnen. ** Parlamentarisches, lieber die Regierung^« in jeder beliebigen Schriftart und Karton« I Jill H AVIforte, sowie mit Strfein aller studentischen V »vm Vereinigungen, liefert zu mäßigen Preisen vrühl'sche Unwerfitäts-druckerei, Schulstrahe 7 . 25.50 . 89.10 . 110.00 211*00 . 186.50 . 135.10 . 138.60 . 151.30 . 142.40 . 16.90 . 167.50 . 200.70 . 193.75 . 167.20' • 10 Pfennig für die Buren. Jedem Burenfreund ist jetzt Gelegenheit geboten, etwas zur Linderung der Not und des Elends mancher Burensamrlien beizutragen ohne selbst dafür das geringste Opfer zu bringen. ~ !LC'“ liegendem Prospcct gicbt das Engclswcrt m rroche bei soliden 10 Pfenmg non dem Erlös für jedes ,eurer Buren- . 101.80'3J/o Mexikaner . 92.35 i 4'/r /, Chinesen . ätoCi^Wab r i’b28. April. Die Kammer nahm das Bank- aesetz mit 197 gegen 32 Stimmen endgiltig an. Rom 29. April. Das russophile Stubenten-Kornitee in Turin erhielt seine mit über 6000 Unterschriften: versehene Petition zurück, worin der Zar um Begnadigung der verfolgten russischen Studenten angegangen war. Die russische Botschaft fügte trocken hinzu, die russische Regierung habe es nicht für opportun eracht die Petition dem Zaren zu überreichen. „ New-York, 29. April. Die von Heinze begründete neue Kupfergesellschaft ist in Trentou (NewYersey) unter dem Namen United Copper Company mit einem Kapital von 80 Mill. I Dollars eingetragen worden. Telephonischer Kursbericht. .Frankfurt a. ü.. 29. April 1902. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. 8 Darmstadt, 29. April. Tie 1. Kammer trat heute unter dem Vorsitz des Grafen Görtz-Schlitz zu einer Sitzung zusammen. Nach einem dem verstorbenen Geh. Justrzrat Tr. Weber gewidmeten Aufruf, zu desien Gedächtnis sich das Haus erhob wurde der Voranschlag des Hauses mit 13 000 Mk. beraten' und genehmigt. Server wurden genehmigt dre Re- 31/,0/q Konsole . • . 3% do . . • • 3‘/2% Hessen . . . 3% Hessen .... 4% Oesterr. Goldretne . 4‘ Oesterr. bilberrente 4% Ungar. Goldrente . 40/ Italien. Rente . . 4V2% Portugiesen . . -.0/ Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose , 4°/0 Griech. Monopol -Anl. 4i/i% äussere Argentiner Kunst und Wissenschaft. Dosen, 28. April. Der Provinzialverein zur Bekämpfung der Tuberkulose beschloß die Erbauung emer Lungenhellanstalt für 50 Frauen in Oplawitz bei Bromberg. Der Bau soll bald begonnen^werden.8. P^zregent vollzog heute die Ernennung des Hofkapellmeisters Hermann Z u m p e zum Generalmusikdirektor der Münchener Hosoper. gierungSvorlagen bett, dm Staatsverttag über die Vereinigung' der hessischen und thüringischen Lotterie, betr. den Gesetzentwurf bezügl Veränderungen des Gesetzes vom 4. April 1888 über die Ausführung der Unfall- und Krankenversicherung der m land- und forstwirtschaftlichen Betrieben Beschäftigten und bett, den Gesetzeutwurf bezügl. Veränderungen in der Ausführung der deutschen Strafprozeß-Ordnung vom 9. Juli 1899. Für den Gesetzentwurf betr. den Tcnkmalschutz hat der Ausschuh des Hauses einen neuen Entwurf ausgearbeitet, der mit einigen redaktionellen Aendcrungea angenommen wird. Nach Annahme >011 Mitteilungen der 2. Kammer wurde das Haus auf unbe- Taschenmesser an bie Deutsch- Centtale m München ab Für die PreiSwürbigkclt ber Mester bürgt ber gut-Rus biefer ftirma. Laut Quittungen ber Burencenttale hat das Enqelswerk vom 7. Dezember vorigen Jahre« bis 6. Marz diejes Jahres bereits 2004,10 Ml. abgeliesert unb hofft m ben nächsten Wochen noch mehr zu obigem Zweck °usz°hl-n zu können. 101.80 | Electric, bei ackert 92 30 | Nordd. Lloyd . . 100.10 j Kreditaktien , . — — Diskonto-Kommandil 102.60 ' Darmstädter Bank 101.75 Dresdener Bank . 101.20 Ber iner Handelsges 101.20 i Oesterr. Staatabahn 43.90 Lombarden . . 28.55 Gotthar ibahn . . —.— ' Lauranütte . . . 112.20 Bochum .... 44.00 Harpener . . . Tendenz: schwach. Arbeiterbewegung. London, 28. Aprrl. Nach einer Meldung der „Central News" aus New-Bock hat der Streik der Trambahn-An- a e st e l l t e n in San Francisco mit einem S r e g der letzteren m allen Punkten geendet. Es sei einer der größten Streiks gewesen, der je in San Francisco stattgesunden habe. stimmte Zeck vertagt. t Berlin, 29. April. Wie der „Borsen-Courrer" mit» teilt, hegt die ungarische Regierung die Absicht, die Vertreter der deutschen und österreichischen Regierung nacht Budapest einzuladen, um dort gemeinschaftlich zur -Ser» Hütung gegenseitiger Konkurrenz in der Zucker-Industrie sich zu verständigen. Berlin, 29. Aprib Nach einem Telegramm des „Berl. Tagebl." aus Petersburg haben die letzten Unruhen und Demonstrationen in verschiedenen Städten Mnnlandl.-- in > Regierungskrcisen die Absicht gezeitigt, bei Wiederholung solcher Kundgebungen die Autonomie Finnlands aufzuheben und das Großhcrzogturn als Gouvernemeüt dem Reiche einzuverlciben. Berlin, 29. April. Tas „Berl. Tgbl. meldet aus Newyork: In den Militärskaud al auf den Philippinen wird jetzt auch der Höchstkommandierende General Chaffee hineingezogen, der wiederum mit dem Kniegs- minister Seller im Einverständnis gewesen stm soll. Es scheint undenkbar, daß der Generalissimus keine Kenntnis von den haarsträubenden Torturen und Mordbrennereien gehabt haben soll. Roosevelt ist äußerst empört und wird Chaffee mindestens abberufen, falls das Untersuchung^- Ergebnis keine schärferen Maßregeln erfordern sollte. London, 29. April. Ter „Daily Telegraph" meldet ans Pretoria vom 27. April: Tie Kommandos von Utrecht und Vryheid hielten in voriger Woche Versammlungen ab, denen Louis Botha und andere Bureaführer beiwohnten. „ Es machte sich bei den Versammlungen eine starke Strömung zu Gunsten des Friedens geltend. Die Versammlungen wurden von den britischen Truppen nicht behelligt. Der still, schweigende Waffenstillstand in diesen Bezirken läuft morgen ab. London, 29. April. Den letzten Nachrichten aus Pretoria zufolge find die Friedensverhaudlungen nicht mehr auf so gutem Wege, wie dies in der vorigen Woche behauptet wurde und das zuerst an den Tag gelegte Vertrauen nimmt immer mehr ab. An verschiedenen Stellen ist man besorgt, daß die Engländer sich nicht zu Konzessionen bereit erklären. London, 29. April. Die englische Negierung beantwortete alle Anfragen der französischen und holländischen Regierung, welche um die Erlaubnis nachgesucht hatten, Ambulanzen nach Südafrika zu entsenden, ebenso wie der deutschen Regierung in nach — Seckbach". Frankfurt a. M., 28. April. Gestern Mittag veranstalteten mehrere Werkmeister der Adler-Fahrradwerke! norm. Klener zwischen hier und Homburg v. d. H. eine Probefahrt mit drei Automobilen. Eines derselben, welches von einem jungen Monteur gelenkt wurde, rannte hinter Hausen gegen einen Prellstein. Der ebenfalls m dem Gefährt sitzende Werkmeister August Berbner, verheiratet und Later von drei Kindern, wurde aus dem Fahrzeuge heraus- geschleudert und schwer verletzt aufgehoben. Er wurde nach dem Bockenheimer Krankenhause gebracht, wo er heute Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. : fc. Mainz. 28. April. Die Aktien-Gesellschaft für Handel und Schifffahrt H. Ä. Disch dahier, verteilt eine Dividende von 8 Pro^ , ^fc.^finncL 28. April. Die Aktien-Gesellschaft „Vereinigte > Großalnierodcr Thomverke" in Großalmerode verteilt eine Dividende von 2 Proz., gegen 5 Proz i. D. . orKrf, I HCS. Amerika und die deutsche Industrie, Siefe Stxd)- rubrif wird bald nicht mehr aus den Blattern geschwinden, 2>ie Anastmeierei vor Amerika und der amerlkamchenKonkurrenz greift immer mehr um sich. Es wird ge;ammert daßww letzt schon unter den amerikanischen Riesenbeinen wandeln und es bald Zeit wäre, daß wir uns nach einem schnodenGrab umsahen Em psehlen ivir nun. daß es für unser eigenes Forckommen richtiger wäre, mit den Amerikanern zu gehen und uns wll ihnen zu ver ständigen, als gegen sie Front 8u mad)en. ' ^teM^nt.e^?enb9^C^e schast spukt werter und schon wird die Hoffnung laut, daß die ! deutsche Eisenindustrie sich auch zu emer Jnttressengemeinschaft mit den Amerikanern entschließen wird, ähnlich rote dies bet den Schiffsahrtsgesellschaften der Fall ist. Herr Aiorgan oll vonLondon nach Berlin kommen, um Verhandlungen bezüglichs eines Anschlusses der deutschen Hüttenwerke^an den amerikanischen Staht- trust zu pflegen und für diefen Fall wird der Rat erteilt, die Hüttenwerke sollen sich mit den Amerikanern verstandiaen. Aufrichtig gesagt, sind wir nicht m der Lage, allzu große Sympathie I für bie neue Schifffahrtsinteressengemeinfchast zu Hegeii, wenigsten^ 1 in fo lange nicht, als wir nicht genau wissen, was für die beut-1 schon Gesellschaften dabei herauskommt; aber eme rrgendwie bindende Abmachiing unserer Hüttenwecke wäre denn doch mehr wie veckehlt; ein jämmerliches Armutszeugnis. Wir denken die deutsche I Hüttenindustrie ist kräftig und mächtig genug, um den Amerikanern I die Spitze bieten zu können. Die Ämenkanerfurcht sangt an in bedenklichem Grade zu wachsen. m HC8. Portugiesische Finanzen. Bei Gelegenheit der Neuordnung der portugiesischen Finanzen ist die Rede davon, daß die Gläubiger die Garantie der Zölle m der bisherigen Form behalten sollen, verbrieft durch die erlangte „diplomatifche Garantie . Was eigentlich eine diplomatifche Garantie bedeutet,.ist.schwer zu sagen, da es eine genaue Bestimmung dieses Ausdrucks bisher nicht giebt. Bei Neuordnung der Guatemala-Finanzen ist auch die Rede von einer Art diplomatischer Garantie und zwar soll dieselbe nach Art derjenigen beschaffen sein, wie sie für die Chinesische Anleihe von 1898 formuliert wurde. Diese Garantie scheint also dar, Muster der „Diplomatischen Garantie" zu sein. Im Prospekt der angeführten Chinesischen Anleihe von 1898 ist nun über drest diplomatische Garantie" sehr wenig zu-, finden. Eingangs des Schriftstückes beißt es, daß das Edikt, auf Grund dessen die Anleihe emittiert «werde, an die deutsche und englische Gesandtschaft in Pettna mit- geteilt werde. Es wäre aber interessant zu wissen, welche Rechtsverhältnisse sich an diese, Mitteilung knüpfen. Im Uebrigen ist die Konversion der portugiesischen Ltaalsschuld durch die deputiertem kammer angenommen und somit das Arrangement Portugals nut feinen Staatsgläubigern perfekt. An der noH notwendiaen Zustimmung des Senats ist nicht zu zweifeln. Tas neue Arrange- I ment wird voraussichtlich am 1. Full in Kraft treten. Vorlage, betreffend den Gesetzentwurf über die Landeskreditkasse, erstattete namens de» grabet* * L ausschusses Aba. Dr .Frenay einen ausführlichen Bericht, der im wesentlichen Annahme der Vorlage in t>er Fassung der Regierungsvorlage beantragt. Für Arntei, i | schlägt der Ausschuß nachstehende Fassung vor, in bei die Unterscheidung zwischen den der Kasfe obligatorisch und fakultativ zugeteilten Aufgaben klarer zum Ausdruck komme - Tie Landeskreditkasse gewährt im Falle des Bedürfnisses die darlehnsweise Leistung solcher Geldmittel, welche zum Sck)utzc gegen Ueberschwemmungen, zur Be- oder Entwässerung von Grundstücken, ferner zu den in dem Gesetze, die Bäche und die nicht ständig fließenden Gewässer d/treffend, vom 30. Juli 1887, sowie in dem Ge etze, die Feldbereinigung betreffend, vom 28. -September.188, be- zeichneten Zwecken oder zu Aufforstungen verwendet werden sollen. Des weiteren ist die Landeskreditkasse, soweit ihre Mittel es gestatten, zur Hergabe von Darlehen ermächtigt: 1. an Gemeinden oder weitere Kommunalvervanoe zur Bestreitung von Grunderwerbskosten und Geldbev' trägen zum Bau von Nebenbahnen, sowie der Grunderwerbs- und Baukosten von neuen Kreisstraßen, - an Gemeinden zur Bestreitung der Kosten der Neuanlage von Wasserleitung und der Errichtung für notwendig erkannter Schulhäuser, 3. zur Förderung der Erbauung von Wohnungen für Minderbemittelte nach Maßgabe der Be- ftimniunjri des hierüber zu erlassenden Gesetzes. Für Satz 2 bes Absatzes 1 des Artikels o beantragt der Ausschuß demgemäß folgende Fassung: . .. Tie Zinsen müssen stets von dem ganzen Ursprung-! lichen Tarlehnsbetrag berechnet werden, und der das Zinserfordernis der jeweiligen Restschuld übersteigende Betrag ist gleichfalls zur Tilgung des Darlehns zu verwenden, im übrigen Annahme des Artikels 5 Im Artikel 19, Absatz 1, beantragt der Ausschuß, datz der Aufzählung der durch den vorliegenden Eickwurl aufgehobenen Gesetze noch das Gesetz vom 15. Oktober 1890 nick) der dazu gehörigen Anleihcgesetze hinzugefugt weide^. Im übrigen beantragt der Ausschuß unveränderte Annahme rbemarft«£ottexiEhrendI die Mehrzahl der Losebesitzer schon lange vor dem Ziehungv- tage sich der Hoffnung hingegeben, einen Treffer zu machen, und schließlich doch mit einer Niete oder einem „Gewinn heraustamen, der den Vergleich mit dem von einem Lose- vesitzer mosaischen Bekenntnisses gewonnenen Borstentier! oder mit der von einem Konsistorialrat gewonnenenJ~^}|e| zuläßt, verharren andere in Sorglosigken um das Schicksal ihres in tiefster Abgeschiedenheit der Westentasche fein! -erlnitttrtts Dasein inftenben Doses. ES könnte I°nst nrcht Vorkommen, dah recht ansehnliche Gewinne chre Gewinner nicht jinben. Dies trat bei ber gesttrzen Vteigernng ber nicht abgeholten Gewinne der Gießener Pferbemarkt-1 Lotterie zu tage. Neben einigen kleineren, aber immerhin I reckst hübschen für jeden brauchbaren Gegenständen wurden versteigert ein eichener Sck) reib tisch (Gewinn Nr. 12^ eine Maschmangel mit Schrank (Gewinn Nr. 17). Zu der Eharse- louäue, dem Eisschrank und einer eisernen Aassette hatten sick^ im letzten Augenblick die Gewinner noch gefunden. Tie besonders für die kleineren Gegenstände, erzielten Preise, können als annehmbar bezeichnet werden. Erlöst wurden im ganzen ca. 130 Mark. . ** f e Einbrüche, die in der Umgegend in der f€titen Seit verübt wurden, scheinen kein Ende nehmen zu wollen, so daß man beinahe auf den Verdacht kommt, daß man es mit einer organisierten Einbrecherbande zu thun hat. In der Nacht vom Sonnrag auf Montag wurde, wie uns unser w-Korrespondent meldet, schon wieder in Alten-Bus eck eingebrochen und zwar an drei Stellen. Zuerst stattete der Einbrecher dem Arbeiter Seulmg einen Besuch ab. Man stieg mittels einer Leiter durch ein Kammerfenster im zweiten Stock, drang in bie Küche, fand aber weiter nichts als einen Topf Milch, der geleert wurde. Wie Spuren beweisen, hat der Einbrecher auch andere ^eile des Hauses durchsucht, indessen ohne Erfolg, ^n einem zweiten Hause wurde der Küchenschrank aufgebrochen und Eßvorräte gestohlen. In einem dritten Hause gelangte der Einbrecher mittels einer Egge durch das Küchenfenster, ^»as zerschlagen wurde, in die Küche. fc. Mainz, 28. April. Im nahen Finthen kam em Gaislamm zur Welt, das 2 Köpfe und 6 Beine hat. Es ist munter und gesund. - In Gonsenheim wollte sich ein Brautpaar gestern standesamtlich trauen lassen. Der Bräutigam war zur festgesetzten Zeit m grande toilette zur Stelle- da traf die Nachricht ein: „Die Braut ist abgereist abschlägigem Sinne. „ ,, . , London, 29. April. Die Amsterdamer Meldung, daß die britischen Propositionen von den Buren zuruckgewiesen worden seien, wird in Regierungskreisen als erfunden bezeichnet Es wird positiv versichert, daß die Verhandlungen unentwegt fortbauern unb ein günstiges Resultat ver> ^re£onbon, 29. April. Aus Petersburg wirb den Blättern berichtet, baß in bortigen gut informierten Kreisen das Gerücht zirkuliert, der Zar werde demnächst eine Versa ssungsurRußland veröffentlichen, welche auch die in Finnland abgeschaffte Verfassung ersetzen soll. London, 29. April. Lord Kitchener meldet aus !Pretoria vom 28. d. M.: Seit dem 21. April sind 25 Buren gefallen, 78 gefangen genommen und 25 ergaben sich. Im Westen der Kapkolonie sind Verstärkungen ein- getroffen. Die Operationen im Mrd westen des Oranjefreistaates gegen Badenhorst waren erfolgreich unb die englischen Kolonnen finb thätig, um das östliche und toeft^ liche Transvaal vom Feinde zu säubern- H a a g, 29. April. Der Burendeleyierte Wolmarans stattete gestern dem Präsidenten Krüger einen längeren I Besuch ab. , , Paris, 28. April. Im Ministerium des Innern lagen bis abends 7 Uhr 487 Wahlresultate vor. Gewählt sind nach ben Ausstellungen bes Ministeriums 88 Repwi blikaner, 95 Radikale, 41 sozialistische Rabikale, 22 Sozia-- listen 32 Nationalisten, 66 Konservative, 66 antiministe- rielle Republikaner, 2 bissentierende Sozialisten, zusammen 412 Deputierte. Davon finb 246 Ministerielle unb 166 Antiministerielle. Von 175 Stichwahlen scheinen 125 günstig für die Ministeriellen und 12 günstig für die antimmifte* I rieften Kandidaten zu steh en, bei 38 Wahlen ist der Ausfall Märkte. Gieße«, 29. Apckl. Mark tb e ri cht. Auf dem heutigen Wochenniarki kosteten: Butter pr.Pfd. 1,10-1,20 All., Hühnereier I Stck. 5-6\ Gänfeeier 10—12 Pfq., Enteneier 6—7 Ps., Ka,e pr. «tuet ^7Pf.,Käfematte2Stck.0-0Psg.,Erb^ Liter 32 Pfa., Tauben pr. Paar 0,80—1,00 Mk., Hühner pr. ^tiid 1 00 150 Mk., Hahnen pr. Stück 1,20—1,80 Mk., Enten pr. ^tuct 2.10—960^lt., Gänfe pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochfenfleisch pr. PsundI 66-76'Plg., Kuh- ulid Rindsleifch pr. Pfund 60-64 Pfg., Schweme- fleifck vr Pfund 70—80 Pfg., Schmemefleifch, gewlzen, pr. Pswid 84 Pf/, Kalbfleisch pr. Pfd. 64—66 Pfg., Hammelfleisch vr. Psund 50—70 Pfa Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,00-3,80 Mk., Weißkraut per v0^ Psq7 Zwiebeln pr. Zentner 7,50-8,50 Mk., Milch per Linr 18 Psg. Aepfel per Psd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Psg. Tauer der Macktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Ubr während der ersten drei Stunden der Mackizeit dar? nur aüf den bestimmten Verkaufsplätzen und nicht im Umhe^iehen I feilgeboten werden. UniverMs Nachrichten. Tie 7?reiburaer Hochschule ließ durch eine Deputation dem Großberwg eineOFeftschrift überreichen. Einer Huldigung an den BroISeriog ,°lgen Auffätzc ^m »ran, Qvnua Qirnf Tr Eraiq, Hof rat Prof. Tr. R. Schmidt, tzrof. L^r. I n Änhlnnd ' Geb Hofrat Prof. v. Kries, Hofral ^chotteliuv, Geh. ^rofefior für San^nt unb Tirekwr beä mdogermanifchen JnsttMIs der hiesigen Universität fein 25jahriges .^?"siubilaum als md. | Professor. — Tie von der Münchener vhllosophl chen ^akultat gekrönte Preisschrift! „Studien zum poetischen Plural bei den Ro mer.ck von Paul Maas erschien soeben "^ ^Aiv für lateinische Lerikoaraphie und Grainmatlk lLerlag von B. G. ^.eubner in Leipzia). — Frau Dr. Adeline Rittershaus-Biarnafon, bie sich aÖ Priuaidorentin an ber Züricher Hochschule für das (fach der alt- und neuisländischen Sprache und -tteramr ^Qt |ie t gestern ihre Antrittsvorlesung über das Schema. ,,^ie ^|tc deckung Amerikas ums Jahr 1000 nach den rslandhchen Berichten. — Zn^Berlin ist am 26.^ ds. der Dozent der Chenue an der landwirtschaftlichen und technifchen Hochfchule, Prof. Dr. I. Frentzel im Alter von 42 Jahren gestorben. Mittag verstarb. UermlschteL • Glogau, 26. April. Der Termin in dem VerfahrenI gegen den Grafen Pückler-Klein-Tschirne vor der hiesigen Sttafkarnmer, der für heute anberaumt war, ist abgesetzt worden, da ein ärztliches Attest des Grafen aus einer Schweizer Kaltwasserheilanstalt eingetroffen ist, m dem mitgetellt wird, daß das Erscheinen des Grafen wegen dessen | Eckrankung unmöglich sei. 1 • Mannheim, 28. April. In eurer Mannschaftsstube der neuen Kaserne beging heute früh em Soldat ber 11 Kompagnie Selbstm 0 rd. Der Mann, ber rni zweuen ^ahre diente und Kompagmeschreiber war, hatte in ber verflossenen Nacht eine Rauferei, wobei er mehrere Stichwunden baoonteug. Furcht »or Strafe scheint b-sha-b als Motw an. genommen werben zu können. Wahrenb bie anberen Leute bet Stube ben Kaffee holten, jagte er ffch mit seinem Dienst, geweht eine Kugel in ben Munb. 3*/e% Reichsanleihe 30/j do. . . 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