Dienstag 29. April 1003 152. Jahrgang Erstes Blatt Nr. 99 Urschet«« täglich anher Sonnlags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kesstschen Landwirt bte «ichener Familien blätter viermal in der Woche betgelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen Univers.-Buch- u.Slein- druckeret (Pietsch (irben) Redaktion, Erpedltion und Druckerei: Schul st ratze 7. Ildresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. ^ernsprrchanlchliißNr.bl. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v ** Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Vezvgsprets» monatüch7bP1., viertel» jährlich Lik. 2.30; durch Abhole- u. Zweigstellen inonatlich 66 Ps.; durch die Post Mk.8.— viertel^ jührl. aueschl. Beslellg. Annahme von rlnzeigt« sür die Tagesnummer bis vormittag« 10 Uhr, geilenpreis: lokal l3Ps^ auflivärt» 80 tilg. Beranl wörtlich: für den polit. u. allgem. Teil: P Witiko: für „Stadt und Vanb* und „Gcrlcht0saal".R.Dit9 mann ; sür den Anzeigenteil: Ha uv Beck. KeKanntmachnng. Die am 1.April 1902 fällig gewesenen Pflegegeldcr und Unterstützungen der Waisen von Gießen können nunmehr von den empfangsberechtigten Pflegern pp. bei unterzeichneter Kasse an den Zahltagen in Empfang genommen werden. Gießen, den 29. April 1902. Großherzogliche Bezirkskasse I. Hansult. Polizerverordnung, betreffend Verhütung von Waldbrändcn. Mit Rücksicht auf die große Zahl von Waldbrändcn, welche infolge der zurzeit bestehenden außerordentlichen Trocken- hsit entstanden sind, bestitntnen wir auf Grund des Art. 79 der Kreis- und Provinzialordnung das folgende: 1. Bis auf weiteres ist das Rauchen von Zigarren, Zigaretten und ungedeckelten Tabakspfeifen in Waldungen und auf Haiden außerhalb der chaussierten OrtSverbindungS- wege verboten. 2. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 90 Mk. bestraft. Gießen, den 21. April 1902. Großherzogliches Äreiöamt Gießen. v. Bechtold. Politische Tagesschau. Die Reichstags-Ersatzwahl in Saarbrücken endete mit einem glänzenden Siege der Nation allib c - taten und bedeutet einen Mißerfolg für das Zentrum. Der Vorsprung, den der nationalliberalc Gegner vor dem Zcntrumskandidaten gewonnen hat, ist bedeutend größer als un Jahre 1898. Damals erhielt der nationalliberale Justizrat Boltz bei der Hauptwahl 11 094, der Zentrumskandidat (5: ul er 10 806 Stimmen; dieser blieb also hinter jenem nur um 288 Stimmen zurück. Diesmal hat Boltz 17 967, der Zentrumskandidat Dr. Muth 14 393 Stimmen erhalten, der Vorsprung des Siegers beträgt also 3564 Stimmen. Selbst wenn wir berücksichtigen, daß sich im Jahre 1898 zwei nationalliberalc Kandidaten entgegenstanden und die auf den nationalliberalen Gegner von Boltz gefallenen 2198 Stimmen diesem noch zurcchnen, hat damals der Vorsprung nur 2486, also 1078 Stimmen weniger betragen als jetzt. Bei der Stichwahl im Jahre 1898 erhielt der nationalliberale Kandidat 16 249, der Zentnmskandidat 13 562 Stimmen, der Unterschied von 2687 Stimmen war also auch hierbei geringer als heute. Der Zuwachs, den der Zentrumskandidat gegen 1898 erhalten hat, beträgt 3587 Stimmen und gegenüber der Stichwahl immer noch 831. Aber der Zuwachs, den Justizrat Boltz gewonnen hat, ist noch größer. Gegen die Hauptwahl von 1898 beträgt er 6863 und selbst wenn wir ihm die Stimmen seines nationalliberalen Mitbewerbers von damals zurechnen, noch 4665 und gegen die Stichtvahl 1708. Zu bedenken ist dabei, daß der Wahlkreis überwiegend katholisch ist. Auch die Sozialdemokraten haben in Saarbrücken wiederum schlecht ab geschnitten. Sie brachten es nur auf 826 Stimmen gegen 710 im Jahre 1898, trotzdem sie eine nicht geringe Agitationsthätigkeit vor der Wahl entfalteten. Der Antisemitismus und die akademischen Kreise. Die „Akademischen Blätter", das Organ des Vereins deutscher Studenten, brachten kürzlich einen Artikel, in dem es heißt: „Da können wir denn mit freudiger Genugthuung feststellen, daß die Gedanken, die die Gründer, unserer Vereine zuerst vertraten, auf der ganzen Linie in der Studentenschaft gesiegt haben. Die gesellschaftliche Iso lierung der jüdischen Studenten ist heute in der Haupt sache vollzogen. Die gesamten angesehenen Eoulcur-Vcr- bände, Korps, Burschenschaften, Landsmannschaften und sarbentragcnde Turncrschaften, foivie die Hauptmasse der schwarzen Verbände, die akademischen Turnvereine, Gc sangvereine und wissenschaftlichen Vereine schließen heute die Juden von ihrer Mitgliedschaft and. . . . Soll unsere Arbeit auf akademischem Bodeu zugleich eine That sür das Volk sein, so dürfen wir uns nicht damit begnügen, die für unser gesellschaftliches Leben so angenehme That- sache der Exklusion des Judeutums festzustellen, wir müssen mit Entschiedcuheit auch darauf hinwirken, daß die Ströme jüdischer Denkart, die unausgesetzt vont akademischen Booen zur deutschen Volksseele yinabströmen, mehr wie bisher unterbunden werden!" Hierzu bemerkt die „Allgemeine deutsche Uuiversitäts^ Zeituug": „Es scheint kauni glaubbar, daß zu Beginn des neuen Jahrhunderts noch Tausende und aber Tausende akademisch gebildeter Leute an einer solchen Judenhetze ihr Gefallen finden und nicht nur einzelne, sondern ganze Korporationen und Verbände die Pflege des Antisemitismus sich zur erhabensten Aufgabe stellen." Die Pflichten der Treue und des Gehorsams gegenüber Kaiser uud Reich. Ter welfisch gesinnte LaudgcrtchtSpräsident Dr. Dedekind in Braunschweig be ft reitet, wie wir am Samstag mitgeteilt haben, gegenüber der Justizkommission des braunschweigischen Landtages, daß in Braunschweig die Unterthanenpflichten der Treue und ocs Gehorsams gegen Kaiser und Reich bestehen, weil der Kaiser nurinPreußenSouverän sei, nicht aber im übrigen Reiche. Allerdings ist der Kaiser nicht Souverän im Reiche, sondern er ist, mit Georg Meyer zu sprechen, ein bevorrechtigtes Mitglied, dem ein ideeller Anteil an der Reichsgewalt zu steht und daS die ihm übertragenen Befugnisse nicht im eigenen Namen, sondern imNamen des Reiches oder per verbündeten Regierungen ausübt. Aber derselbe Staatsrechtslehrer, der solchermaßen die Stellung des Kaisers im Reiche umschreibt, sagt in seinem „Lehrbuch des deutschen Staatsrechts" von den Pflichten der Unter* thanen: „In bundesstaatlichen Verhältnissen besteht die Gehorsamspflicht sowohl gegenüber dem Bunde als gegenüber den Einzelstaaten, in Deutschland also sowohl gegenüber dem Reiche als gegenüber den Säubern. Auch die Kommunal-Verbändc haben Anspruch auf Gehorsam, soweit ihnen die Ausübung obrigkeitlicher Funktionen übertragen ist." — Daß gegenüber dem Reiche die Gehorsamspflicht aller Reichsangehörigen selbstverständlich ist, leuchtet ohne weiteres ein, wenn man sich vergegenwärtigt, daß der Gehorsam sich äußert: als Gehorsam gegen die Gesetze, gegen die Verfügungen der Gerichte, gegen die Verfügungen der Verwaltungsorgane. Will Herr Dedekind etwa bestreiten, daß diese Gehorsamspflicht in Bezug auf Reichsgesetze, Reichsgerichte und Reichsämter besteht'?! Als Verletzung der Treupflicht gegenüber dem Herrscher erscheint einer Reihe der angesehensten Staatsrechtslehrer, Laband, H. Sck)ulze, Garets, Seydel, Haencl, Zorn, v. Stengel u. «„.namentlich die Begehung von Hochverrat und Landesverrat. Vom Standpunk dieser Staatsrechtslehrer aus bedeutet die Theorie des Herrn Dedekind die Freigabe des Hochverrats in Bezug au )cn Kaiser und die Freigabe des Landesverrats in Bezug uf das Reich Man braucht aus der Theorie des Herrn Dedekind nur die praktischen Folgerungen zu ziehen, wenn man sich ihre vollkommene Haltlosigkeit klar machen will. Die Kap Katro Bahn. Cecil Rhodes ist tot, aber sein Plan einer Eisenbahnverbindung zwischen dem Kap und Kairo lebt weiter. Bisher galt als feststehende Tyalsacye, daß die Bahn läng- des OstuferS des Taugauyikasccs ihren Weg durch deutsclj-eS Gebiet zum Viktoria Nyanza nehmen werde. Jetzt meldet das „Bür. Reuter", dieser Plan fei aufgegeben worden und die Bahn solle, statt durch deutsches, durch k o n g o st a a t l i ch e s Gebiet geführt werdeu. Die Meldung des „Bür. Reuter" lautet: Am 14. April war in Brüssel ein Abkommen unterzeichnet, wodurch bestimmt loird, daß der Plan der Eifenbahnverbinduilg zwischen Kapstadt uud Kairo so zur Ausführung gelangen soll, daß die Bahnlinie durch den Kougoslaat geht und nicht durch deutsches Gebiet. Der Kongoflaat habe erlaubt, daß die Bahn von der Nordgrenze von Rhodesia zu dem See Kasali, in dem Was »erlauf des Lualaba, durchgefül)rt werde. König Leopold lverde den Präsidenten und zwei Direktoren für biejeu Teil der Bahn zu ernennen haben, während von englischer Seite der Vizepräsident und zwei andere Direktoren zu ernennen siud. Diese Ernennung soll bereits slattgefunden haben. Das Abkommen schreibt vor, daß 40 Prozent des ganzen Ei s e n b a h n b e d ar s- in England zu laufen i st. Der Erfolg dieses Planes wird der sein, daß die transkontinentale Eisenbahnlinie, die nach den bisherigen Bestimmungen nördlich vom Zam- besi zu dem Tanganyika und den großen Seen führen sollte, verlegt wird. Diese Linie wird jetzt wahrscheinlich nördlich der Viktoriasälle nach der Kongogrenze gerichtet werden, von tvo sie 360 englische Meilen lucit nach Norden durch Katanga nach dem südlichsten schiffbaren Punkt des Lualaba gerichtet werden wird, von wo ein Wasserweg nach Stanleyville am oberen Kongo offen steht. Von dort ist eine Eisenbahn nach Mahagt am Wertfee in Aussicht genommen, die weitere Wasserbildung auf dem Nil bieten würde. Was die Verbindung der neuen Linie mit dem RhodeS'schen System aubetrifft, so soll Mr. Williams, der Leiter des Unternehnlens, von Rhodes schriftliche Vollmacht besitzen, die Maschoualandlinic mit dem durch den Kongofreistaat gehenden Teil der Kap-K'airobahu zu verbinden und aus diese Weise eine direkte Verkehrsverbindung zwischen Kairo und der Kapstadt über den Lualaba, den oberen Kongo, den Albertsee und den Nil herzustelleu. Bestätigt sich diese Nachricht des Reuter'schen Bureaus, dann bedeutet das für uns eine weitere Absperrung unserer ostasrikanischeu Kolonien vom Weltverkehr. Dieser Aus> gang ist nach all' den Verhandlungen, die s. Z. mit Rhodes in der Angelegenheit geführt toiirbcn, und die, wie es damals hieg, zu einem durchaus befriedigenden Ergebnis geführt hätten, vorläufig nicht verständlich. So entsteht für uns von neuem die Mahnung, endlich ernstlich an die Lösung der Frage der Zentralbahn heranzutreten. Aus Kindt und Kund. Gießen, den 29. April 1902. ** Auszeichnung. Herzog Friedrich von Anhalt Hal dem Bürgermeister W ö r n e r in Bud-Nauheim die Ritter-Insignien 2. Klasse des Herzoglich Anhaltinischen Hausordens Albrecht des Bären verliehen. ** I n das G r o ß h. R e a l g y m n a f i u in n n d die R e a l s ch u l e H u G i e ß e n sind zu Beginn des neuen Schuld jahres 131 Schuler neu ausgenommen worden gegen 121 im Fünfte Berliner Sczesstons-Ausstellung. Ter Präsident der Sezession, Prof.Max Liebermann, weihte die neue Ausstellung, die, wie wir bereits mitteilten, am Samstag eröffnet wurde, durch eine Ansprache, die namentlich feine, treffende Bemerlungen über die Wandlung des Kunstgeschmacks enthalt, und aus der man gewissermaßen eine Antwort auf die kürzlich von allerhöchster Stelle gemachten Aeußerungen über die Kunst heraushört, ein. Liebermann sagte: „Je mehreineAusstellungs- leüuna bestrebt ist, die Kunstwerke nicht sowohl nach hergebrachter akademischer Schablone als vielmehr nach der m ihnen zum Ausdruck gebrachten Individualität auszuwahlen, desto mehr ronb sie auf ihren Geschmack angewiesen sein. Hub über den Geschmack ist bekanntlich nicht nur nicht zu diskutieren, sonderii er unterliegt auch immerwährenden Schwankungen. Rembrandt, der jetzt selbst den "Ruhm des .göttlichen" Rasael überstrahlt, war im 18 Jahrhundert wegen der gemeinen -typen in feinen Bildern nicht salonfähig, und Frans H a 1 s' Toelenstücke lagen als minderwertig ausgerollt in einem Bodenraum des Haarlemer Rathauses. Und nun erst heutzutage: Manet und Böcklin wurden em Menschenalter hindurch verhöhnt und ausgelacht, bis sie jetzt über alles gepriesen und — nachgeahmt werden. Jedes neu aufstrebende Genie ändert den Geschmack: Ter Künstler zwingt uns s e,n Schönheitsideal auf, und, ob wir wollen ober nicht — und meistenteils wolle.» wir nicht, weil das 9leue eilt Umlernen notig macht - wir müssen ihm gehorchen. Nicht der mächtigste Fürst, der Künstler zeichnet der Kun,t bic Wege vor, d.e sie zu oer- folgen hat. Freilich erscheint daS Neue ost unverständlich, und die Ui,Verständlichkeit eines Werkes ist noch lange nicht der Beweis für seine Güte. Aber selbst auf die Gefahr hin, uns geirrt zu haben, wagen wir, es zu zeigen. Tenn nur aus emer eigenen und insofern neuen Naturanschauung kann eme Jhcuaiflance ber Kunst hervorgehen. Es wäre ber Ruin der Kunst, aus der Anschauung Der vorhandenen Kunstwerke Neues schaffen zu wollen. Was die Ausstellung selbst betrifst, so steht mt Vordergründe des Interesses der vielbesprochene Beethoven von Max Klinger, bas heißt, bas kleine, in halber Große beS Monumentalwerks ans- geführte Gypsmodell. Taß nichl nur bas Verhältnis ber 'teile zu einander, sondern auch die absoluten Maße entscheidend die Wirkung mitbeftimmen, haben wohl alle vor diesem Beethoven empsunden. Die an ingrimmige Verzweiflung grenzende Erregung, in ber Klinger ben unsterblichen Kimber des MenschbeitSleides bargestellt hat, — ein Affekt, der den Gesichtstiipus durch die büftere Spannung ber Büge, die zusammengepreßten Lippen unb daS hart vorgeschobene Kmn ganz merkwürdig inbtötbualtfierl — nimmt in dieser Verkleinerung etwas Koboldartiges an, die ein wenig eingesunkene Brust des sitzend dargesiellten Geisteshelden wirkt kranthaster als es in der monumentalen Ausführung der Fall fein mag. Des weiteren hat Klinger eme polychromierte Slarmorbüfte ber Schriftstellerin Aseniesf, ein Bild „Horner" unb eine Gypsbüste von Liszt ausgestellt, bte in ihrer Farblosigkeit von außerordentlicher Kraft der Empfindung ist. Tie ihr etwa gegenüber ausgestellte Tolstoibüste von Naoum Aronson bringt es in ber Empfindung nicht ganj_ so hoch, bars aber in ber Kraft bes Charakteristischen als em Seitenstück gelten. Max Liebermann hat mit seinem biblischen Gemälde Simson unb Delila" sein Wort vom Schönheitsideal, baS sich und aufzwmgt, in ber kühnsten Art tüuftnrt. In ben beiben nackten Gestalten bes Bildes, dem erschöpft hmgesunkeneii schlafenden, gedauerten Kraftmenschen und dem mageren Philisterwelb an seiner Seite, das sieh jäh ausrichtet, ben aller Reize cnttleibeten Megärenkopf m bie Hohe reckt und bie geraubten Locken in ber emporge- hobenen Rechten wie eine Trophäe schwingt, die sie mit gierigem Blicke betrachtet, ist eine Art tragischer Vertierung bargestellt. Vorerst flüchteten wohl die meisten Beschauer gern au ben anberen Werken Liebermanns, zumal zu bem Bilde „Im Meere", bas mit seinem Festhalten eines transitorischen Moments — em Knecht chwingt sich auf em Pferb, bas in bie Fluten hmemwatet — ber nefe tzten Aesthenk gewiß auch em Schnippchen schlägt, aber durch bie überzeugende Krast der Bewegung, durch die wundersame Frische der Seelust, die aus dein Gemälde entgegenhaucht, durch die treffende Kühnheit des Farbenstrichs, sich wohl dem Besten anreiht, was wir von Liebermaiin besitzen. Erst rätselhaft unb verblüffend, bann bewegend, ja herzergreifend, spricht Auguste Robin in (einem Marmorwerke „Tie l Versuchung des heiligen Antonius" zu und. Ten meisten Widerspruch wird der unziveiselhast hochbegabte Norweger Eduard Munch Hervorrufen, von bem man nicht sagen kann, daß er seit seiner ersten Kollektivausstellung vor etwa zehn fahren — ein anderer geworden. Erstklassige Werke wird mau sonst nicht viele sinden. Ein Weck Arnold Bocklins (Ritt des Todes), drei prächtige Bilder von Wilhelm Leibi (Wilderer — Hände mit Stutzen und ein um vollendet gebliebenes Bildnis einer Bäuerin), sowie Bilder von Ed. Manet und Victor Müller gehören Verstorbeiien an. Fntz v. Uhde hat einen liebevoll gemalten „Ausgang" (em Mairn, ber eben ben Rock anzieht, um sortzugehen), Gras Leopold v. Kalck- reutl), ber Direktor ber ©hütgarter Slunftafabemic, hat einige Silber aus ber Hamburger Kunsthalle beigesteuert. Von Lubwig v. Hofmann sieht man u. a. eme Wieberholung semcS Verlorenen Paradieses, nur m anderer Auffassung. Isaac JSraLls ist mit 7 Bildern vertreten. Walter Leistikow, Paul Baurn, George Breitner (Amsterdam), Philipp Franck, Kurt Herrmann haben zum Teil ansprechende LandschastSbilder. Hans Thoma hat außer einem merkwürdigen mythologischen Bilde (Eharon) mehrere stirnmungsreiche Landschaften unb Wilhelm Trüb,ter ist durch sieben Stücke vertreten, unter denen namentlich zwei Reiterportraits hervorstechen. Alar Slevogt interessiert wieder durch fein Kolorit. Xtonis Corinth ist mit dem zwar skizzenhaften, aber ungeheuer packenden Ganzporträt des Berliner Tichlcrs Peter Hille vertreten. Ten Biedermelerton trifft Hans Balufchek im Sinne bürgerlicher Bilderjournale ganz ausgezeichnet. SDlandicd, wie Martin Brandenburgs „EadmuS", Joses Oppenheimer- japanischer JongleuH, Theodor Heines „TickNerling" und Vestalin" läßt groteske Wirkungen auifommen. Endlich sind noch die Plastiken von August Kraus (canbalenbinbcrm), Fritz Klimi ch (Tr. Thoma, der „Peter Schlemihl" des „Limplicissimus"), Nik. Friedrich (Ningkämpser), Adols Hildebrandt und LouiS Tua «Hon rühmend zu nennen. Paris, 26. April. Tie Akademie der moralischen und politischen Wiffenschaften ernannte den Universitattz - Professor Brunner in Berlin zum korrespondierenden Diitglied. Vorjahre. Darunter sind 69 (tm Vorjahr 79) Gießener?, 40 (34) sonstige Hessen, 22 (10) Nichthessen. 116 (i. V. 108) fehören dem evang. Bekenntnis an, 7 (4) dem katholischen, (9) sind Israeliten. ** Das Großh. Gymnasium zu Gießen nahm Ostern d. I. 62 Schüler aus (gegen 58 im Vorjahre-. De?m Wohnsitze der Eltern nach waren 55 aus Hessen und 7 aus dem übrigen deutschen Reich. (1901 Hessen 49, übriges Deutschland 8, Ausland 1.) Der Konfession nach schieden jich die Aufgenommenen: et). 47, kath. 11, isr. 4 (1901: ev. 47, kath. 6, isr. 5). Die Voraussetzung, daß die Schülerzahl infolge der Gleichberechtigung der Realgymnasien und der begonnenen Gründung der Oberrealschule abnehmen würde, traf demnach nicht zu. Ueberhaupt ist die Schülerzahl in den letzten Jahren derart gestiegen, daß zwei Klassen im Realgymnasium untergebracht werden mußten. ** Ernennungen. Ernannt wurden der Lehramts- accessist V e r n i u s zu Darmstadt zum Lehramtsassefior und die Regierungsbauführer Schmidt aus Darmstadt, S a e g e r aus Darmstadt, Karl Koch aus Alsfeld, Hechler aus Darmstadt zu Regierungsbaumeistern. ** Jubiläum. Heule begeht Herr Wilhelm Seibert aus Hungen das 25jährige Jubiläum als Schießer in der früher Ehr. Faß'schen, jetzt W. Frey'schen Bäckerei. Der Jubilar erfreut sich des Rufes eines unermüdlich fleißigen und gewissenhaften Arbeiters. In den 25 Jahren hat er etwa 2t Millionen Brötchen ein- und ausgeschossen. Möge er als Vorbild der Gesellenschaft seinem Berufe noch recht lange erhalten bleiben. ** Aerzrewagen. Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten hat nunmehr endgiltige Bestimmungen über die Herstellung von Aerzlewagen getroffen, welche bei Eisenbahnunglücksfällen zu benutzen sind. Danach werden insgesamt 77 solcher Wagen gebaut und aufgestellt werden. Von diesen sollen 28 durch die Eisenbahn- oirektion in Berlin, 13 durch die in Breslau, 11 durch die in Hannover, 12 durch die in Köln und 13 durch die in Essen hergestellt werden. Tie Berliner Eisenbahndirektion ist bereits beauftragt worden, 6 Aerzlewagen herzustehen, von denen einer zunächst für die Ausstellung in Düsseldorf bestimmt ist. Je ein Wagen wird demnächst den anderen, oben genannten Eisenbayndirektionen als Muster überwiesen werden. Für die Herstellung der Wagen sind von Eisenbahn-Direktionen breite Durcygangs-Personenwagen 4. Klasse, die für den Verwundeten-Lransport eingerichtet sind, zur Verfügung zu stellen, wobei selbstverständlich die für btc Bildung der Kreislazarettzüge bestimmten Wagen außer Betracht bleiben. ** Gründung einer Trinkerheilanstalt für das Großherzogtum Hessen und Hessen- Nassau. Aus Einlaoung des Frankfurter Zweigvereins gegenö en Mißbrauch geistiger Getränke tagten am Freitag nachmittag im Sentenoergschen Institut zu Frankfurt a. M. bic Vertreter mehrerer interessierter Vereine, um über bie Gründung einer Trinker-Heilanstalt für das Großherzogtum Hessen und die Provinz Hesten-Nassau zu beraten. Eine derartige Anstalt ift schon längst als ein dringendes Bedürfnis empfunden und deren Einrichtung angesichts der leider immer mehr zunehmenden Fälle zur unabiveis- baren Notwendigkeit geworden. Der Vorstand des Hessischen Landesvereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke (mit dem Sitze in Darmstadts war durch meyrere seiner Mitglieoer oertreten; er erklärte, daß er schon vor einigen Jahren vor- bereitenbe Schritte gethan habe, um eine Trinkerheilanstalt für das Großherzogtum Hessen zu errichten, daß es bisher aber einerseits immer noch an den erforderlichen Mitteln, andererseits an einem geeigneten Platze gefehlt habe, um das Projekt zur Ausführung bringen zu tonnen. Nachdem es nun neuerdings gelungen ist, einen Komplex von 90 Morgen Land ausfindig zu machen, der für sehr billiges Geld zu haben und zu dem Zwecke der Errichtung einer Trinkerheilanstalt, nach dem übereinstimmenden Gutachten '»er Autoritäten, vollständig geeignet ist, glaubte die Ver- .ammlnng einen kräftigen Schritt vorwärts thun zu können. Man einigte sich dahin, eine Gesellschaft, eine eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht, zu gründen, die erforderlichen Mittel zu beschaffen und bann mit aller Energie an bie Ausführung des Projekts heranzugehen. Der Staat als solcher wird sich bei aller Sympathie für das Unternehmen noch nicht aktiv beteiligen können, er wirb bie Grünbung einer solchen Volkswohlfahrtseinrichtung privaten Organen überlassen müssen, dagegen glaubt man sicher, bie beteiligten Regierungen, auch die Kreis- unb Gemeinbeverbänbe würben insofern ihre Hilfe ange- deihen lassen, als sie Mittel zu Unterstützungszwecken in ihre Budgets einstellen werben. Auch bie Vereinsthätigkeit (Mäßigkeits- unb Enthaltsamkeitsvereine, Fürsorgevereine für entlassene Sträflinge, Missionen re.) und nicht minder die private unb freiwillige Liebesthätigkeit müßten in Betracht gezogen werben. ** Sübwestbeutsche Konferenz. Ihr diesjähriges Jahresseft feiert bie sübwestdeuksche Konferenz für innere Mission, zu ber auch unser oberhessischer Verein (für innere Mission gehört unb bie vergangenes Jahr inFrieb - Berg getagt hat, am 4. unb 5. Juni inHeidelb e r g. Der Beginn am Mittwoch, 4. Juni, ift auf 10 Uhr vormittags festgesetzt. Nach einer Begrüßung wirb Pfarrer Georgi- Frankfurt referieren über: Was forbert bie Gegenwart von ber inneren Miss ion? Am Nachmittag um 3 Uhr wirb ber als Schriftsteller unter dem Namen Ernst Schrill bekannte Pfarrer Samuel Keller-Düsseldorf einen Vortrag über das zeitgemäße Thema: Die jungeMännerweltund bas Evangelium halten. In bem um 6 Uhr in ber Pelerskirche beginnenden Fest- gottesbienft wirb Pfarrer Cordes-Frankfurt prebigen. Abenbs um 8 Uhr finbet volkstümliche Versammlung mit verschiebenen Ansprachen statt. Die Verhanblungen am Donnerstag, 5. Juni, werben burch eine von Oberkirchenrat Oehler- Karlsruhe gehaltenen Morgenanbacht um halb 9 Uhr eingeleitet. Daran schließt sich an bas Referat von Pfarrer Sirnsa-Halle a. S. über: Die Rettung ber Trinker. Zum Schlüsse finbet gemeinsames Mittagsmahl statt. An jeben Vortrag schließt sich Diskussion an. Die Beteiligung von Damen ist nicht nur gestattet, sondern sogar erwünscht. ** Jubiläumsmedaille. Der Großherzog von Baden hat aus Anlaß seines 50jährigen Regierungs- Jubiläums eine Medaille gestiftet, welche u .a. auch sämtlichen etatsmäßigen badischen Beamten der Main- Neckar-Bahn verliehen worden ist. Aus dem gleichen Anlaß hat der Großherzog den Maschineningenieur bei der Main-Neckar Bahn, Maschineninspektor Gugler zum Oberingenieur ernannt und dem Rechnungsrat bei der Di- zeftion der Main-Neckar-Bahn, Zeil, das Ritterkreuz 2. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. o. Krofdorf, 26. April. Erst in diesen Tagen ist der tzir die hiesige Pfarrei in Aussicht genommene Pfarre« Knieper aus Herdorf von der Regierung zu Cvblenz bestätigt worden. Er wird voraussichtlich am 15. Juni hier eingeführt werden. )( E k t i n g s h a u s e n, 25. April. Dieser Tage wurde unser im Dezember neugewählter Bürgermeister Heinrich Keil V. in sein Amt eingewiesen. Er war langjähriges Mitglied des hiesigen Gemeinderats und ist seit mehreren Jahren Rechner der Spar- und Tarlehnskasse. Hoffentlich gelingt es dem Neugewählten, die durch die langen Wahl- lämpfe etwas erbitterten Gemüter recht bald »neuer zu beruhigen. B ad-Nanh eim, 28. April. Vom 1. bis 24. April sind 452 Kurgäste angekommen. Die Gesamtfrequenz bis zu diesem Tage beträgt 499 Personen, wovon noch 454 orts- anwefend sind. Bäder wurden bis jetzt 3650 abgegeben. — Dem Schniamtsaspirant Reinhardt von hier wurde eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Darmstadt übertragen. — Gestern ist nach kurzem Krankenlager Stadtkämmerer Christoph Grünewald II. gestorben. Durch feinen Heimgang geht ber Stabt ein um ihre Interessen hochverdienter Mann verloren. r. Mücke, 26. April. Gestern stürzte ein noch ziemlich wertvolles Pferd des Mühlenbesitzers Phil. Heister aus der Herrnmühle bei Merlau über das niedrige Mauerswert der Seenbrücke bei Merlan und brach den Rückgrat. Es mußte aus dem Wasser gezogen werden und verendete bald darauf. (:) Flensungen, 27. April. Am Dienstag begeht Lehrer Becker mit seiner Ehefrau das Fest der silbernen Hochzeit. sh. Wallenrod, 27. April. Verflossene Woche hat sich hier ein schweres Unglück ereignet. Der 19jährige Schmied Adam Krömmelbein, welcher bei seinem Bruder arbeitet, war damit beschäftigt, Stahlzinken in eine neue Egge zu klopfen. Bei einem ganz mäßigen Schlage sprang ein Stahlsplitterchen ab unb dem unglücklichenManne in bas rechte Auge. Er eilte sofort in bas Krankenhaus nach Lauterbach, wo der Arzt feststellte, daß ber Splitter burch bie Linse gebrungen ist. Ob bas Auge erhalten werden kann, ist zur Zeit noch nicht festzustellen. Der Unglücksfall trifft den Schmied um so schwerer, als sich der überaus! tüchtige und brave Mensch freiwillig für den Herbst zur Artillerie nach Fulda gemeldet hat und als Schmied viele Hoffnungen darauf setzte. d. Schotten, 26. April. Bei der heutigen Kreistagssitzung wurde der Graf zu Laubach und Bürgermeister Kromm zu Schotten zu Mitgliedern des Pro- oinzialtages gewählt. — Der Förster auf bem Jägerhause bei Schotten, Martin W agner, ber so manchem Touristen als freundliche, biedere deutsche Urgestalt bekannt ist, ist am Freitag gestorben. — Das bem Vogelsberger Höhenklub gehörige kleine T au f st e i n g e r ü st würbe wegen Bau- lälligkeit heute im Klubhaus zum Abbruch versteigert. ch. Ilbeshausen, 27. April. Die gestern und vorgestern in ben nahen Walddistrikten Sälen, Nesselberg, Hettgeshainer Heeg, Budenacker, Mönchwald usw. im Ober- walb ab gehaltenen H o lz v e r st e i g e r u n g e n ber Ober- [örfterei Lauterbach ergaben niebrige Preise. Buchenscheitholz 1. Kl. kostete pro Raummeter 3.60 bis 4.20 Mk., 2. Kl. 1.50 bis 1.80 Mk., Buchen-Knüppel 1. Kl. 3 bis 3.50 Mk., 2. Kl. 2 bis 2.30 Mk., Buchen-Reisig (ausgebengelt) 50 bis 70 Pfg., Buchen-Stockholz 1.80 bis 2.20 Mk., Ahorn, Eschen, Ebereschen usw. 2 bis 2.50 Mk., Fichtenholz in Schicht- Hausen 3 bis 4 Mk. Ferner kam viel Wagner- und sonstiges Werkzeugholz zur Versteigerung, das etwa 25 Proz. unter den früheren Taxen blieb. )( Hartmannshain, 27. April. Der Pferdehändler Schuster von Ober-Seemen wollte in Bermuthshain ein Pferd verkaufen. Der Handel kam jedoch nicht zu stände. Auf dem Heimweg fiel das Tier unterhalb unseres Ortes bei dem sog. Weibhecken- oder Totenteich um, und verendete nach einigen Zuckungen. Darmstabt, 28. April. Ein entsetzlicher Un- gl ü ck s f a l l hat sich gestern morgen gegen 8 Uhr in einem Hause ber Taunusstraße hier ereignet. DerElektromechaniker Karg, Sohn bes verstorbenen Eisenbahndirektors Karg von Kronberg, beschäftigt sich in seinen Mußestunben mit ber Zusammensetzung von chemischen Präparaten unb inssondere mit Mischungen zu Feuerwerkskörpern. Dabei siel ihm heute morgen eine Flasche mit einer Mischung von Knallsilber tunb chlorsaurem Natrium aus ber Hand auf ben Bob en seiner Wohnung und explobierte unter einem bonnerähnlichen Knall. Die Detonation war weithin hörbar. Durch bie Explosion würbeder junge Mann fürchterlich verletzt. Tie linke Hanb hing nur noch in Fetzen am Arm, während die rechte Hanb ebenfalls sehr schwer beschädigt würbe. Auch im Gesicht hat ber Bedauernswerte sehr schwere Verletzungen durch die Glassplitter erlitten und insbesondere das linke Auge dürfte verloren sein. Ems, 28. April. Die Kaiserregatta auf der Lahn ift auf Sonntag, den 13. Juli, artberaumt. Der Verein beabsichtigt, sich hier und in Gießen an der Regatta zu beteiligen. Franfnrt a. M., 26. April. Wie es heißt, hat der Kai ser bestimmt, daß der zweite Gesang-Wettstreit deutscher Männergesangvereine um de» von ihm gestifteten Ehren-Wanderpreis im Frühjahre des Jahres 1903 in Frankfurt stattfinden soll. Ter erste Gesang-Wettstreit, auf dem, wie erinnerlich, der Kölner Männergesangverein ben Wanderpreis gewonnen, hat im Mai 1899 in Kassel ftattgefunben. Frankfurt a. M, 28. April. Der Magistrat hat in seiner Sitzung vom 18. April in Bezug auf bie Verwendung der Iügel'schen Stiftung die Er rich t un g unb Unterhaltung einer allgemeinen öffentlichen akabemischen Unterrichtsanstalt für bie Gebiete ber Geschichte, ber Philosophie und der deutschen Sprache, sowie der Sitteratur beschlossen und beantragt bei ber Stadtverorbnetenversamm- lung, ben entworfenen Satzungen bie Zustimmung geben zu wollen; ferner soll bie Verwaltung ber genannten Stiftung ermächtigt werden, das Bürgerhospital nebst angrenzendem Gelände in Größe von 68000 Quadratfuß für 1400000 Mark käuflich zu erwerben und darauf ein Stiftungsgebäude im Herstellungswerte von 1100 000 Mark zu erbauen. Die Stadtgemeinde soll u. a. zu ihren Lasten bie Unterhaltung, Verwaltung und Heizung des Jügel- schen Stiftungsgrundstückes übernehmen, wogegen die Jü- gel'sche Stiftung sich verpflichtet, für Volksvorlesungen wissenschaftlicher Art geeignete Vortragsräume verschiedener Größe allwöchentlich an den zu vereinbarenden Tagen unentgeltlich — abgesehen von einer Vergütung für Beleuchtung — zur Verfügung zu stellen. — Die gestrige Festversammlung ber katholischen Einwohner Frankfurts zur Feier be5 Pontifikat-Jubilä ums des Papstes Leo XIII., von ber wir bereits gestern berichteten, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung. Die weiten Räume des großen Saales des Saalbaues vermochten kaum btt Massen zu fassen, bie in gemeinsamer Erbauung das Jubiläum bes Oberhauptes der katholischen Kirche feiern wollten. Folgendes Huldigungstelegramm wurde an den Papst abgesandt: „Die zur Feier des Jubiläums Seiner Heiligkeit des Papstes versammelten katholischen Frankfurter bringen dem Oberhaupte der katholischen Kirche zu seinem glorreichen 25 jährigen Jubiläum die herzlichsten Glückwünsche dar und geloben ehrfurchtsvolle Treue und erbitten den apostolischen Segen." Mit dem allgemeinen Chorgesang der Papsthymne „Den Gruß laßt erschallen zum ewigen Rom" endete das Fest. — Georg Speyer, der Seniorchef des Bankhauses Lazard Speyer-Ellissen, wurde gestern vormittag im israelitischen Friedhof zur letzten Ruhestätte geleitet. Die Grabrede hielt Herr Rabiner Dr. Plant. Nach der Rede des Geistlichen trat Oberbürgermeister Dr. Abickes an den Sarg, um mit folgenden Worten eine herrliche Kranzspende nieber- zülcgen: „Dem Edlen, Hilfreichen, Guten, der so erschreckend jäh und plötzlich viel zu früh seiner Familie« und uns allen entrissen ist, dem (. oßen Menschenfreunde, der selbstlos und nie für sich sorgend die einzige Freude daran sand, anderer Thränen zu trocknen und für andere zu sorgen; dessen großes Herz allen Bestrebungen zugänglich war, die das Elend lindern und Hilfe bringen füllten, dem treuen Sohne dieser Stadt, dessen Name obenan auf allen Blättern steht, auf den Thaten des Bürgersinns der letzten Jahrzehnte verzeichnet sind, sei es, daß es sich darum handelte, Stätten der Wohnungen für Minderbemittelte zu schaffen, ober für Kinder zu sorgen, ober Leibenben Erquickung zu spenben; ber zuletzt im Verein mit seiner hochherzigen Gemahlin die Georg und Franziska Speyer'fche Studienstiftung errichtet hat und damit neue Grundlagen wissenfchaftlichen Lebens in dieser Stadt geschaffen hat, ihm widme ich Namens der dankbaren Vaterstadt diesen Kranz. Sein Andenken wird alle Zeit unvergeßlich sein." Der KrostgL-Urozeß. XIII. Gumbin nen, 28. April. Bei Beginn der heutigen Sitzung kam ber Vorsitzende Oberstleutnant v. Rhoden auf ben Zwischenfall in ber letzten Sitzung zurück, der durch bie Verlesung eines ber Verteibigung aus Berlin zugegangenen Briefes veranlaßt war, und erklärte: Am vergangenen Samstag verlas ber Verteibiger Horn einen Brief von einem Unteroffizier ber Landwehr B a rt e l aus Berlin, in dem gegen bie Offiziere des hiesigen Tragonerregiments bie ungeheuerlichsten Auf «Huldigungen erhoben werden. Wenn der Vertreter der Anklage vorschlug, ben Brief zu ben Akten zu legen, so that er das selbstverständlich nur, weil er ber Ansicht war, daß der Brief zur Entdeckung pes Thäters nicht im Geringsten beitragen kann. Horn betonte mit Recht, daß der Gerichtshof verpflichtet sei, in erster Reihe die Ehre der Offiziere zu schützen, wenn auch jedem Gebildeten klar sei, daß die Anschuldigungen jeder Begründung entbehren. Das hiesige Dragonerregiment unrernahm sofort die energischsten Schritte, um Aufklärung in die Sache zu bringen. Da die Angelegenheit am Samstag in öffentlicher Verhandlung mitgeteilt ist, halte ich mich für verpflichtet, dieses auch hier öffentlich bekannt zu geben. Es wird danach Frau E ck er t eindringlichst unter Hinweis auf die Strafe Gottes und bie Strafen, bie auf bem Meineid stehen, aufgeforbert, bie volle Wahrheit zu sagen. Zeugin wiederholt bie Aussagen. Sie habe am Morbtage zwischen 4 unb 5 Uhr nachmittags in der Dragonerstraße einen Schuß gehört, ber in ber Reitbahn ober auf bem Kasernenhofe gefallen sein müsse. Gleich barauf sah sie zwei Männer in Zivilkleibern aus dem KasernenthoreindieLazarethstraße eiligst laufen. Was für Kopfbedeckung die Männer hatten, wisse sie nicht. Aus wiederholtes Befragen des Verhandlungsführers bleibt Zeugin dabei, daß es an einem Montag gewesen sei, als sie ihre Wahrnehmungen gemacht habe. An demselben Abend erzählte ihr ihr Mann, als er nach Hause kam, daß der Rittmeister erschossen sei. Sie erinnere sich auch daher so genau, weil am 23. Januar in der N ach t vorn Dienstag zum Mittwoch ihre Tochter in Berlin gestorben sei. Auf die Vorhalte des Verhandlungsführers, daß sie bei der Vernehmung am Freitag gesagt habe, es sei am Samstag gewesen, bemerkt Zeugin, sie habe dies verwechselt. Verteidiger Bnrchardt unb ber Vertreter bet Anklage beantragen von ber Vereibigung ber Zeugin, weil unglaubroürbig, Abstanb zu nehmen. Verteibiger Horn bemerkt, er sei boch ber Meinung, baß die Aussagen der Zeugin von Erheblichkeit seien und deshalb Vereidigung werde erfolgen müssen. Der Ehegatte der Zeugin, P r o v ian t am tsar b ei^ ter Eckert, ersucht, seine Frau nicht zu vereidigen, da dieselbe doch nicht mehr genau alles wisse. Dieser bekundet darauf auf Befragen, er wisse genau, daß, als er abends nach Hause kam, er seiner Frau erzählt habe, der Rittmeister sei erschossen. Darauf habe ihm seine Frau erzählt, was sie am Nachmittage desselben Tages in der Dragonerstraße beobachtet habe. Sein zehnjähriger Sohn habe die Erzählung seiner Frau bestätigt. Auf Befragen d es Verhandlungsführers, weshalb fit ihre Wahrnehmungen nicht früher mitgeteilt, bemerkt Frau Eckert, sie hätte dies vergessen. Sie lese keine Zeitung und habe weder gewußt, daß Marten und Hickel des Mordes angeklagt seien, noch daß Marten zum Tode verurteilt war. Erst vor vierzehn Tagen habe ihr dieses ihr Mann erzählt. Der Gerichtshof beschließt schließlich, beide Eheleute zu vereidigen. Die Schneiderin W u r l bekundet, einige Tage nach der ersten Kriegsgerichtssitzung sei nachts ein Mann zu ihr ins Zimmer durch basFenstergestiegen, wobei berselbe bie Scheiben zerbrach. Der Mann sei barauf »lieber burchs Fenster geflohen, unb in das Lokal des Restaurateurs Höft gegangen. Letzterer sagte ihr auf Befragen, ber Mann sei Reservist unb jetzt im Lanbratsamt Pillkallen beschäftigt. Höft sei auch einige Tage barauf mit bem betreffenben Manne zu ihr gekommen. Letzterer gab zu, baß er durchs Fenster zu ihr eingestiegen und ihr Schweigegeld geben wollte. Sie habe dies nicht angenommen. Im weiteren Verlaufe der Verhandluna wird vom praktischen Arzt Wisse link bekundet, daß die alte Frau Schlemminger, die ben Vizewachtmeister Bunkus ber That verbächtigte, ganz schwachsinnig sei. Bon »ah!re>cben wlssenscha'l icheu Aulort täten und prntiiidjen Wernen gesLäyt.' fino die «potaeter Rich. Brandt'- schen Schwrizeroiltrn feit Iadrzehn- ten in ölen Streifen da» beliebteste Hausmittel. Ansichtspostkarten der Schweiz. die interessantesten Gegenden, L4 serien ä 5 Ltnck find itt säst ollen Apotheken gratis erhältlich •tr - CG CO ,\t unter hm. iftn, die auf c Verteidiger ier der Land- die Offiziere Neuerlich, ’n. Wenn der zu den Akten weit er der des Thäters i betonte mit n erster Reihe , wenn auch igungen jeder zonerregiuient um Slufläb legenfait am ’ilt ift, falte tüdj bekannt 28. April. E Vorsitzende Unfall in Lesung eines Brieses per- a” ltC5 ,u^ l F“ H- •Äs un den ^Mne -le.dasÄ !ta&S MitL te !./rschreLnd !le’ und uns sreunde, der Me Freude lur andere jungen zu- Sih bringen Ä» Name ,m widme uh stanz. Sein nn. - in der Trader Reitbahn müsse. Gleich iilkleidern irethslratze j die Mnner Befragen des ch es an einem lehmungen ge- ihr ihr Mann, iter erschossen tau, weil am zum Mittwoch fei. . .. rer», daß su je, es sei am ibe dies Vertreter der g der W , Verteidiger die Aussagen S Vereidigung amtsarbei« ’ihigen, da Lieser behlndet «ls °° *, d» t stau «#' "r DE"«' h°b- z w-si°id K Ä rten zu^^ses K v ßfleHr i'd°r°uf el*” Kolat d-S Os Letzlerei- Ijcteil' auf gebaut werden, auf das die ganze Nation Innung sehe. . . - ... _ am 28. April 10,6° C. 0,8° 0. 28. Höchste Temperatur Niedrigste „ Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. sehen hatte^o^l^hn. Tas habe ich nicht gesagt. O.-K.-R. Scheer: Was haben Sie denn da getagt. Zeuge Tollkühn: Ich habe zu Domming nur getagt,, wenn er unschuldig fei, brauche er nur die Wahrheit zu' lagen. O.- K.-R- Scheer: Sind Sie denn als Arresthausauf,eher berechtigt, mit den Gefangenen zu sprechen und ihnen Auskunft zu geben? Zeuge Tollkühn: domming meinte immer unb i>a toollte ich ihn trösten. Zeuge Tollkühn erklärt bann noch, er habe sich seine Aussage vorn Samstag überlegt und noch einiges anzuführen. Hickel wünschte mir ein fröhliches Weihuachtsfest und da sagte ich ihm, das konnte ich ihm leider nicht wünschen, denn das wurde wie Hohn klingen, wenn ich ihm das auch wünschte. Einmal Ipiette Hickel mit meinen Kindern und da — Zeuge Tollkühn fangt an zu meinen - sollte ich solche Äußerungen S-than haben, wie sie mir Hickel entgegengeichleudert hat? ^zch habe auch Marten nicht unmenschlich behandelt und er hatte Gelegenheit, auszutreten. Die Musterungen von „Fressen und Saufen" gethan Sc haben, gebe ich zu, das habe ich aber Marten gegenüber nicht direkt gesagt. Marten war die Vergünstigung des Lesens entzogen worden und der Herr Oberpfarrer sagte mir, ich solle ihm die Bibel vorläufig nicht geben, erst wenn er sie verlange Das hat Marten aber nicht gethan. Als dann ein Paket für ihn ankam, sagte ich allerdings zum: Kalfaktor: Es ist eine Sünde, der Marten denkt nur an Fressen und Saufen. Bert. R.-A. Horn: Ich möchte bitten, den Zeugen Domming zu fragen, ob er nicht bei mir war, um Anzeige gegen den Arrestaufseher Tollkühn wegen Verleitung zum Meineide zu erstatten. . Zeuge Domming: Tas ist ein Irrtum. Nicht gegen Tollkühn, sondern gegen den Kriminalkommissar von Bäckmann wollte ich eine solche Anzeige erstatten. Backmann hatte mich bedroht, v. Bäckmann: ^zch bestreite, den Beugen Domming irgendwie bedroht zu haben, habe den Zeugen Domming eindringlich zur Angabe, der Wahrheit ermahnt und habe von Hickel.vielleicht.gesagt, ; der steht schon mit einem Fuß. im Grabe ober vielleicht ' sagte ich auch: Nehmen Sie sich in Acht, der andere ist ' schon einquartiert. Ich gebe zu, dast das nicht korrekt ist, es ist aber ein alter kriminalistisch technischer Ausdruck. Zeuge Domming: Der Herr Kriminalkommissar hat mir mit Haft gedroht. Er sagte, ich solle michi in Acht nehmen. Die anderen Unteroffiziere wußten alle nichts und ich wolle so viel wissen? v. Bäckmann: Das bestreite ich. Zeuge Domming: Als ich verhaftet wurde, sagte der Herr Kriegsgerichtsrat Lüdicke noch zu mir: -tomming, das ist nicht mein Werk, dast Sie verhaftet werden. Ich finde Sie auch unschuldig. O.-K.-N. Scheer: Ter Herr Kriminalkommissar ist doch dazu hergeschickt worden, um e- _ roenn man nur mit Seife, IS 1t UeB^cillte Seis'enpulverrc.rc. wascht. Man jene auch etwas Serfa zu und die Wäsche wird bedeutend mehr geschont, schneller und gründlicher gereinigt, desinfiziert, sowie gebleicht. 2 Märkte. Grüubera, 26. April. Fruchtmarkt. (Durchschnstts- preis pro 100 Kilo.) Weizen 16.92 bis 00.00 Mk., Korn 14.24 bis 00.00 Mk., Gerste 14.40 bis 00.00 Mk., Hafer 16.20 bis 00,00 Mk., Erbsen 16.28 bis 00.00 Mk., Linsen 00.00 Mk., Lein 00.00 Mk., Wicken 00.00 Mk., Samen 00.00 Mk., Karlost'eln 2.90 bis 0.00 Alk. die Leute auszufragen. , Es wurden dann nochmals an den Gefreiten Stum- bries einige Fragen gestellt. Bors. Oberstleutnant von Rohden • Hatte Marten, als er von dem „Farbe bekennen" sprach, auch den Rittmeister erwähnt? Zeuge Stum- bries- Nein, garnicht. Oberstleutnant v- Rohden: Sagte er aber „heute noch"? Zeuge Stumbries: Jawohl, er sagte, „der Hund soll heute noch Farbe bekennen". Beisitzer Hauptmann Flechtner: Halten Sie es für möglich, daß Marten am Abend das Pferd noch reiten konnte? Zeuge: Tas weist ich nicht. O.-K.-R. Rößler. Wurde nicht in der Schwadron davon gesprochen, dast Marten den Ausdruck: „der Hund soll heute noch Farbe bekennen" schon gebraucht hat, als er aus der Reitbahn 1 ging? Zeuge Stumöries: Davon weiß ich nichts. Oberstleutnant Herhuth v. Rohden: Jener Ausdruck bezog sich also Ihrer Meinung nach auf das Pferd „Isidor"? Zeuge Stmn- Nachd^emO^dcr Zeuge Dragoner Bartulein und der Dra- aoner Weber ihre Angaben über die Begegnung mit Marten auf dem Korridor wiederholt haben und vereidigt sind, wird um 6 Uhr die Sitzung auf morgen früh 9 Uhr vertagt. • Mit der Vereidigung des Fahnenschmieds Skopek ist der Prozeß in sein entscheidendes Stadium getreten. Skopek ist der wichtigste Belastungszeuge gegen die Angeklagten, und wenn der Gerichtshof zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß offenbare Unglaubwürdigkeit bei Skopek nicht oorliege, so ist der Ausgang des Prozesses aller Wahrschem- lichkest nach mindestens für Marten cm ungünstiger. Das ist auch die Annahme der Verteidigung, die sich aufs äußerste bemühte, die Unglaubwürdigkeit der Skopek'schen Aussagen , darzuthun. Wenn Skopek nicht unvereidigt bleibe, erklärte mit Spannung sehe. Verteidiger Horn widerspricht der Vereidigung aus rechtlichen Gründen. Erst als Bäckmann nach Gumbinnen gekommen sei, änderte sich die Sache. Skoppek sei aus der Hast entlassen und Hickel verhaftet worden. Ware die erste Aussage des Krümperkutschers richtig, wonach skoppek nicht mehr im Stall war, als der Schuß fiel, dann wäre eE bjßeeter° Ve^^nUage Meyer ersucht Skoppek zu vereidigen, da derselbe in seiner Aussage von Anfang an konsequent geblieben sei. Außerdem habe Skoppeck keinen Beweggrund gehabt, den Rittmeister zu erschienen. Wenn Stoppet nichtrichterlichen Personen nichts gesagt habe, so habe er einfach unter dem Eindruck des Rates gestanden, den ihm Bäckmann gegeben habe. . . Ter Gerichtshof beschloß nach einer Beratung von kaum 5 Minuten, Skoppek zu vereidigen, da em gesetzlicher Grund zur Nichtvereidigung nicht vorliege. Skoppek wird hierauf vereidigt und die Verhand- ; lung bis 4 Uhr nachmittags unterbrochen. Von dem Stadtverordnetenvvrsteher, den Ratvherren und dem Pfarrer von Schirwindt ist em Del^ramm an den Gerichtshof eingegangen de- Inhalts, daß der Vater des Angeklagten Hickel sich eines t abet lo f en Rufs erfreue und keineswegs unter dem Verdachte des Nach Eröffnung der Nachmittagssitzung giebt V^cht- meifter Buckpesch an, daß ihm von der von der grau v Krosigk bekundeten Thatsache, daß Hickel mehrmals mit dem Flickjournal bei dem Rittmeister habe antreten müssen, nichts bekannt fei. . ,, . . Ter frühere Unteroffizier Domming giebt an, daß er von 4 Uhr nachmittags an im AB-Stall Stalldienst gehabt habe. Um 4 Uhr 10 Minuten sei die A-Abteckung m den Stall zurückgekehrt. Um 4 Uhr 20 Minuten begann der Putzdienst. Er wollte die Lampen anstecken lassen, gmg in den Rekrutenstall und ließ sich von SHillat Streichhölzer geben. Als er zurückkam, war eine der vorher an gezündeten Lanipen ausgegangen, und gleich darauf auch die andere. Ich stellte mich in meinem Beritt hm und mag etwa 10 Minuten im Dunkeln gestanden haben, als ich horte, daß jemand vorbeikomme. Ich dachte, es fei em MflS^r ober Wachtmeister und ging etwas nach vorne, xa drehte die Person — es war Hickel — sich um und sagte zu mir: Domming, sind Sie es? O.-K.-R. Scheer: Hickel wilaber nach dem Dragoner Mazik gerufen haben. Haben Sie das nickt gehört? Zeuge: Nein. O.-K.-R. Scheer. Wii haben es aber doch neulich im Stall probiert. Wenn er gerufen hätte, hätten Sie es doch hören müssen. Was sprachen Sie mit Hickel? Zeuge: Er fragte, weshalb nicht Licht im Stall an gezündet sei. O.-K.-R. Scheer: Wie lange haben Sie mit Hickel gesprochen? Zeuge: Die Zeitschatzung fehlt mir O.-K.-N. Scheer: Es hat aber keiner von den Leuten, die Stalldienst hatten, gehört, daß Sie mit einem Unteroffizier gesprochen hoben. Zeuge: Die Leute achten nicht darauf. O.-K.-R. Scheer: Es war doch aber dunkel, da konnten Sie doch nicht sehen, ob nicht jemand von den Leuten Ihnen zugehört. Zeuge: Oas wagen die ~eute gar nicht. O.-K.-R. Scheer: Es ist doch aber wunderbar, daß ] niemand im Stalle etwas davon gehört hat. Zeuge: Bei i her ersten Vernehmung hat einer der Leute ausgesagt, daß er gehört habe, daß ich mit einem Unteroffizier gesprochen habe. Ob es Hickel war, habe er nicht erkannt. Die Leute fagen aber immer, w e nm f i e über etwas gefragt werden, was mit dem Morde im Zu- ammenhang steht, am besten s ei es, m an w i s se gar nichts. O.-K.-R. Scheer: Wann kam Hickel in ben Rekrutenstall? Zeuge: Kurz vor oder kurz nach halb o Uhr. Er blieb einige Zeit bei mir und ging bann nach dem C-T- Stall O-K.-R. Meyer: Haden Sie Hickel nachher noch ge- feben^ Zeuge: Erst nach dem Morde traf ich ihn wieder. O-K.-R Scheer: Wann erfuhren Sie, daß der Rittmeister v.' Krosigk ermordet sei? Zeuge: Etwa 7 bis 10 Minuten foäter Dragoner Bandella kam in den Stall und erzählte es den Leuten. Ich lief zur Reitbahn, sah durch bad Guckloch und lief dann zurück zu den stallen. Im Rekrutenstall traf ich Hickel und ^illat. Hickel wollte es Nicht glauben. Darauf liefen wir alle drei zur Bandenthur. Tort waren auch schon Leute von unserem Beritt. Wir sahen alle nochmals durch das Guckloch unb ich bemerkte dann am Boden den Karabiner hegen. Hickel sagte: Wir wollen in die Reitbahn hineingehen, der Rittmeister ist ja töt Als wir hineinkamen, verlangte der Oberleutnant m Hofmann ein Messer, das ihm auch der Unteroffizier Sttllat gab. O.-K.-R. Scheer: Wie wurden ^e im Mitttar- arresthaus behandelt? Hat der Arresthousie find aleick frei Zeuge: Das weiß ich jetzt nicht mehr. ÄngAl Marten: Ich bitte, den Zeugen zu befragen, ob ich nicht mit ihm zusammen morgen» früh außer Dienst Pferde geritten habe. O.-K.-R. L>cheer: Wie isy das mtt dem Ausdruck „F a r b e b e k e n n e n" ? Zeuge: Der wurde o f t g e b r a u ch t. O.-K.-R. Scheer: Durften denn die Pferde blutig geritten werden? Zeuge: Ter Rittmeister sah es svg« Wenn ein Pferd spormert werden sollte, und es UniversüAs-Nachrichten. Berlin, 28. April. Der Professor der Mathematik an der Berliner Universität Fuchs ist gestorben. tjmiM uuii yeikfijr. Uolliswutschast. der Verteidiger Martens, io sei dem Gcrichtsho, d-S Mt-ll Über die Angeklagten berens oorgezeichnet Em .klassischer Zeuge ist allerdings dieser zuern der Müthallrschast V-r. dachtige nicht. In seinen Angaben ,u>d mancherlei Wider, sprüche ausgesallen; er selbst sagte van sich, er erzähle m der Trunkenheit bisweilen Märchen, „um die Leute zu unter- halten" Aber in der Hauptsache, m der Behauptung, daß er vor' der Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk zwei Männer nut steifen Mützen, anscheinend Vorgesetzte, an der Bandenthür haben stehen sehen, ist er bei den Kreuz- und Querfragen fest gebt,eben. Zweifellos tzi Ckopek em sehr be- schränkter, leicht emgeschüchterter Menich; der Eindruck, den er heroorrust, mag nicht der beste sem. Aber für die Der- mutung, daß er als Mitthäter in Betracht kommt, seh t cs doch an genügenden Anhaltspunkten t fehlt vor allem em rechter. Motw rurThat. Ebenso unhaltbar erscheint die Annahme, rach,ucht,gc von dem Rittmeister v. Krosigk gekränkte Cwilpertonen konn- tcn den Mord verübt haben. Einen solchen sicheren, unmittelbar tätlichen Schuß abzugeben, das unternimmt nur em ausgezeichneter, geübter Schütze, der sich auf seine Hand und fein Auge absolut verlassen kann. Unternimmt auch nur Jemand, der die Verhältnisse des Ottes und des militärischen Dienstes auf das Genaueste kennt. Weder ein Eivilist noch eck gemeiner Soldat hätte die Tollkühnheit gehabt, sich an die Bandenthür heranzuschleichen und sich in den Hinterhalt zu legen. Das durfte nur Jemand wagen, der em gewisses Maaß von Autorität, von Befehlsgewalt besaß, der tm Fall einer etwaigen Ueberraschung vor Begehung der That irgend welche dienstliche Obliegenheit vorschützen konnte u. s. w. Dem Urteil des Kriegsgerichts und noch mehr dessen Begründung sieht die Öffentlichkeit mit der gespanntesten Erwartung entgegen. Der Angeklagte Hickel wirb wohl auch diesmal wieder freigesprochen werden. Allacmcine Deutsche Kleinbahn-Gesellschaft, Berlin. Nachdem die Generaloerjammlung die Herabsemmg des Aktien- kapitals durch Zusammenleauna von je sechs Aktien zu einer beschlossen hat, werden die Aktionäre aufgefordert, ihre Aktie,i zu diesem Zweck bis spätestens 31. Juli einzureichen. Nordstern" LcbcnS-Bersicherungö-Tlkticu-Gcscllschaft zu Bcriin. In der am 28. April unter Vorsitz bcs General-Konsuls Russell abgehaltenen Generalversammlung ivurde die vorge- schlaacne Gewinn-Verteilung genehmigt, wonach außer der Zahlung von Mk 1800.— gleich 4 Prozent Zinsen aus vollbezahlte Aktien noch Mk. 273 900 an die Aktionäre gleich 166 Mark für die Aktie, 1214700 09 Mk. an die am Gewinn beteiligten Versicherlen und 21087 45 Mk. der Gewinn-Reserve zu ülierweisen find. Von dem Anteile der Versicherten fallen 1050060.98 Mk. auf Nordstern- Policen und gestalten die Ausschüttung einer Dividende von 18 Prozent auf die vollen Tarifprämien berechnet. Der Rest von 164 639 11 Mk. fällt in den Gewinnsammehonds der Schlesischen Gewinnverbände und ist hier bedingunasgemätz nach 2, 3 und 4 Jahren zu verteilen. — In der sich anschließenden General-Versammlung der Aktionäre des Mordstern Unfall- und Alter sversicherungs-Aktien-Gesellschaft" wurde ebenfalls einstimmig die vorgeschlagene, nach dem Statut zulässige Maximal-Tivldende von 10 Prozent der Einzahlung gleich 90 Mk. pro Mtie an die Aktionäre und die Ueberweyung von 63327 Mk. zum Dividendenfonds der am Gewinn beteiligten Versicherten und 27 973.42 Alk. zum Risiko-Reservefonds genehmigt. Dem Geschäftsberichte der Mainzer Boltobank (e. G. m. b f>) über das Jahr 1901 entnehmen wir, daß der Gesamtumsatz Mk7 84800000 gegen Alk. 68600000 im Jahr 1900 betrug. Das Guthaben der Mitglieder auf Stammanteil-Konto ist gewachsen von Mk. 1715664 nm 31. Dezember 1900 auf Alk. 1785 892 am 31 Dezember 1901. Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1901 im Ganzen 3148 gegen 3385 am 31. Dezember 1901. Der Aujsichtsrat schlägt vor, Älk. 100665 als Dividende zu verteilen, d i 6 Prozent von Mk. 1677 750, ferner sollen dem Baufonds Mk. 35000 dem Garantiefonds Mk. 15000, dem Reserve- und dem Schmidt-Bömper-Fonds je 10000 Mark übertragen werden. Als Vortrag für das Jahr 1902 sind 15 396.01 Mk. vorgesehen. kam fein Blut, so normte er den Reiter einen schlappen Kerl. O.-K.-R. Meyer: Hat Hickel Ihnen nicht gefugt, , was Sie angeben sollen, wie lange Sie nut ihm in Den Stall gen>ejen waren? Sw haben erst angegeben: 1-d Minuten sei Mittel mit Ihnen tm Stall zusammen gewesen, woraus Hickel meinte, es sei länger gewesen. Zeuge: aa- kann nicht stimmen. Zch habe zuerst 20 «muten angegeben O.-K.-R. Scheer: Hat Hickel nicht auch zu Ihnen gesagt, es M gut, baß ich im Stall gewesen bin, sonst wäre es leicht möglich, da» auch ich in Verdacht komme? Zeuge: ^a, da- hat er gejagt. Meyer hält bem Zeugen mt5 dem Protokoll vor, bag dort stehe, datz Hickel tmt l-3 Minuten bei ihm gewesen sei. Zeuge: Wenn ich bao gesagt haben sollte, so habe ich mich geirrt. r..-K.-A. Lcheer: Kam Hickel öfter m ben »talt? 3euge_ Jawohl öfter. L.-K.-R. Scheer: Darum pel ^hneu das nicht besonbers auf. Zeuge: Nein. Beiutzer Hauptmann iflechtner: War ber Mann, dem eie tm etall nachgmgen, schon so weit vorgegangen, bah er bis zum Stand von Mazik kam und wieder zurückgegangen wäre aas waren dock gegen 20 Schritte. Zeuge: Tas weiß ich Nicht. Beisitzer Hauptmann Flechtner: Drehle der Mann sich denn nicht nach Ihnen um? Zeuge: Vorsitzender v- Rohden . Es war doch dunkel im Stall? Zeuge: Wenn man mit jemand spricht, dreht man sich doch nm, Herr Oberstleutnant. Vors. v. Rohden: Oh nein, ich spreche oft mit lemand, ohne daß ich mich umdrehe. Zeuge. Htckel drehte sich aber um. O.-K.-R. Scheer: Haben Sie ihn denn gesehen? Zeuge: Jawohl, das habe ich gesehen. Bors. v. Rohden. Tann war es aber auch nicht dunkel. O.-K.-R. Rößler. Ter Angeklagte Hickel hat anfänglich auch angegeben, 2-d Minuten sei er mit Domming zusammen gewesen und dann nach dem CD-Stall weitergegangen. Der Angeklagte Hickel bestreitet, das gesagt zu haben. O.-K.-R. Sckieer . Ov steht aber im Protokoll. Angekl. Hickel: Ich muß dann mißverstanden sein. Ich glaube immer 10 Minuten angegeben zu haben. O.-K.-R. Meyer: Nach dem Protokoll vom 28 Januar hat Domming auch 3 Minuten^angegeben , Zeuge Domming: Das stimmt nicht. O.-K.-R- Sc^eer: hat Ihnen der Arresthausausseher Tollkühn gesagt, als Sie in Untersuchungshaft waren? Zeuge: Er sagte, ich r müsse wohl geträumt haben, daß ich Hickel im Stalle ge- Zwei Zeugen bekunden, daß der Fahnenschmied Krieg yrr qeit des Mordes in der Kantine war. __ Krieg giebt auf Befragen an, er sei magenleidend und werde leicht unwohl. - Zeuge Skoppek soll vereidigt werden. Der Verteidiger Burchardt weist darauf hin, daß derselbe sich Dieb- fach ni Widersprüche verwickelte und erklärt habe, er huve eigentlich gar nichts gesehen. Er werde den Herren schon etwas vorlügen. Er habe sich nun einmal hineingeredet und müsse sich nun wieder herausreden. Er gab auch die Möglichkeit zu, daß es Cwilpersonen gewesen seien. In der ersten Verhandlung vor dem Kriegsgericht sei Zeuge einstimmig für unglaubwürdig erkannt und deshalb nicht die Vereidigung vom Ä-riogsgericht beschlossen. Als er in der Verhandlung von dem Oberkriegsgericht vernommen sei, habe er nicht gewusst, daß Kriminalkommissär Bäckmann lhm^den Rat gegeben habe, er solle sich nicht aussragen lassen, xie»* mal habe er es als möglich zugegeben, aber aejagt, er könne sich nicht erinnern. Er, Burchardt, halte dafür, Skoppek sei ein Zeuge, dem man das Bewußtsein^von der Heiligkeit des Eides nicht zutrauen tonne, ^auc: öer Nichtvereidigung Skoppeks sei allerdings dem Gerrcht-Hos der 'Weg bereits vorgezeichnet, aber er sei der Meinung, es könne unmöglich ein Zeuge, der sich derartig widei> sprachen habe, vereidigt werden und auf dieses Zeugnis, hin ein Urteil aufgebaut werden, auf das die ganze Nation Auf der jüngst in London slattoehabten Militär-Exposition, war die Firma C. H. Knorr A.-G. Heilbronn mit ihren einen Weltruf genießenden Erzeugnissen vertreten, welcher von der Jury die „goldene Medaille" als höchste Auszeichnung zuettannt wurde. April Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft । Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit 3 T- i Windstättc Wetter 28. 2“ 747,9 10,6 3,0 31 E 4 Sonnenschein 28. 9“ 747,8 5,3 2,9 43 NE. 4 Klarer „ 29. 747,6 3p 3,2 54 NE. 2 Sonnenschein öle ®) bis 3202 VI VII Es der 1. der Pfg. * tNDL Hoflieferant Stemmers 2237 I. 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