Nr. 74 vrscheirrt tLgtt» außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamtlien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers^Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprrchanschluß Nr. 51. Samstag 29. März 1008 152. Jahrgang Erstes Blatt. Bezugspreis: monatlich 75 Pf., viertel-' jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen' monatlich 65 Pf.; durch diePoft Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg«! Annahme von Anzeigen für tue Tagesnurnnrer' bis vormittags 10 Uhra Zeilenpreis: lokal 12 Pf^' auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem.' Teil: P. Wittko; für; Stadt und Land" und „Gerrchtssaal":R.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. GirKenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen P. W. SB Auferftanoene wird uns diese Freude nicht miß- Verzögerungen nunmehr envlcch hinausg^andt hat. Es das das sagt Und so rufen wir denn zum Osterfeste^ mit dem Dichter unserer Tage, toenn auch in anderem Sinne, nicht in dem des bloßen rücksichtslosen Rechtes der Person-- lichkeit, sondern in dem des Rechtes Aller wie dess! Leben. In seinen letzten Lebensworteu, nachdem er menschliche Gefilde gegen die Meeresflut gesichert hat, Faust: „Tas ist der Weisheit letzter Schluß: Nur der verdient sich Frech eit und das Leben, Euch ist der Meister nah. Euch ist er da! Christ ist erstanden! Freude dem Sterblichen, Ten die verderblichen, Schleichenden, erblichen Mängel umwanden . . . Christ ist erstanden Aus der Verwesung Schoß. Reißet von Banden Freudig Euch los! Thätig ihn preisenden, Liebe beweisenden, Brüderlich speisenden, Predigend reisenden, Wonne verheißenden, Ter täglich sie erobern muß." Unserem Volke ist das große Glück beschieden gewesen, ein seit Jahrhunderten von den Besten erstrebtes Gut nach langen Mmpfen sich zu erobern: die nationale Einigung. Sie brachte den deutschen Landen ein neues Leben. Zwar kamen die verdienten Früchte dieser welthistorischen That erst allmählich zur Reife, aber sie reiften köstlich und trugen reichen Segen. Für alle Gebiete der politischen und sozialen, gewerblichen und wissenschaftlichen, kaufmännischen und ackerbauenden Arbeit gab es eine unübersehbare Fülle neuer Älussaaten, neue Ziele, neue Aufgaben. Weiter und weiter dehnte sich der Gesichtskreis internationaler Verbindungen, mutig, ja bald sogar übermütig regte sich der Unternehmungsgeist in Fabriken und Werkstätten, gründlicher behandelte die Dichtung die großen Probleme des seelischen Lebens, furchtloser entschleierte die Wissenschaft die verborgenen Geheimnisse der Natur. Neberlieferung und Autorität, Schlendrian und Gewohnheit fing man an, wie alte Götzen von ihren Säulen zu schleudern; das alt gewordene, gereifte 19. Jahrhundert hörte auf, davor das Knie zu beugen. An soie Thür pochten unaufschiebbare Neugestaltungen der wirtschaftlichen Ordnung, der Verkehrsmittel, des Unterrichtswesens, der Kriegsbereitschaft, der Politische Tagesschau. Nationalliberale und Tabakzoll. Zu der Meldung, daß in der Zolltarifkommission von den vier Mitgliedern der nationalliberalen Partei nur der Abg. Quentin gegen die Zollerhöhung gestimmt habe, schreibt die „Nationallib. Korresp.", daß nur die Abgg. Fitz und Dr. B l a n k e n h o r n mit den vier Konservativen für eine Zollerhöhung für Rvhtabak auf 100 Mk. gestimmt haben. Ersterer hätte als Vertreter eines Pfälzer Wahlkreises den Antrag seiner, rheinisch-hessischen Nachbars, des S^errit v. Hehl, ausgenommen, den Zollsatz aber später auf 100 Mark ermäßigt, nachdem der bayerische Bundesratsbevollniächtigte diesen Satz für erwünscht erklärt hatte. Dr. Blankenhorn stimmte für diesen Satz, der einem oft geäußerten Wunsch der badischen Regierung entspricht. Gegen jede Zollerhöhung erklärten sich die Abgg. Dr. Paas ch e und Quentin. Sie dürften auch, so'schließt die Mitteilung der „Nationallib. Korresp.", die weitaus größte Zahl ihrer Parteigenossen hinter sich haben, da nicht einmal alle Abgeordneten aus Baden, Rheinhessen und der^ Pfalz für einen erhöhten Zollschutz eintreten. Eine Bauernversammlung gegen die Getreidezö'llc. Aus Elsaß-Lothringen wird geschrieben: . Am letzten Sonntag tagte im unterelsüssischen Dorfe Hatten eine vom Bürgermeister des Ortes geleitete Versammlung, in der der Gutsbesitzer Wolf über den Zolltarif unter besonderer Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Zölle referierte. In seinen Ausführungen trat er der Behauptung entgegen, daß die Landwirtschaft in ihrer Gesamtheit notleidend sei. Ohne Widerspruch zu finden, führte er aus, daß die Mehrzahl unserer Bauern, trotz der für die Landwirtschaft nicht günstigen Verhältnisse, doch vorwärts gekommen sei, und meint, daß eine Erhöhung der Getreidezülle der Mehrheit unserer Landwirte nicht nur keinen Nutzen bringen, sondern im Gegenteil schaden werde. Besonders aber wandte er sich gegen die Zölle aus Futtermittel, die die kleinen uno mittleren Bauern als die Träger unserer Viehzucht schädigen und auch denjenigen, die Getreide verlausen tonnen, den aus den Gelreidezöllen gezogenen Gewinn wieder nehmen würden. Auch die Erhöhung des Hopfenzolles bezeichnete er als verwerflich, weil für den Hopfenbauer schädlich. Die feinen Sorten böhmischen Hopfens würden trotz des Zolles eingeführt werden, dagegen würde die Gefahr entstehen, dag insbesondere der elsässische Hopfen sein Haupt-Absatzgebiet nach Belgien und Frankreich verlieren würde, da zu erwarten wäre, daß diese Staaten eine Erhöhung unseres Hopsenzolles mit einer Erhöhung ihres Zolles beantworten würden. Die deutschen Hopsen-Proouzenten seien aber auf die Ausfuhr angewiesen, lvas schon aus der Thatsache hervorgehe, daß wir viermal mehr Hopsen ein- als aussühren. Wie die Erhöhung der Futtermittelzölle, so werde auch die Erhöhung der Zolle auf sämtliche landwirtschaftliche Bedarssarrikel für den Lauern schädlich wirken. Der Referent faßte feine AuSjührnngen dayin zusammen, daß die Bauern gegen die Erhöhung der Zölle und für langfristige Handelsverträge eintreten müßten, da das Wohl und Wehe unseres Bauern ft andes verknüpft sei mit dem Wohl oder Wehe der industriellen Ar- beiterbevölterung, die tue Hauptabnehmerin der landwirtschaftlichen Erzeugnisse ist. Zum Schluß nahm die Versammlung folgende Resolu- tion an: . c o „Die Versammlung vermag in dem neuen Zolltarif keine, den Bauernstand nachhaltig fördernde Tendenz zu sinoen, hält dagegen eine Verteuerung der Futtermittel, emc Verteuerung sämtlicher landwirtschaftlicher Bedarfsartikel für verhängnisvoll. Insbesondere protestiert sie gegen jede Hoch,chutzzollpolitik. Sie erblickt in der Fortführung unserer beirährten, für oas Blühen unseres wirt- schastlichen Lebens notwendigen Handelsvertragspolitik die Vorbeoingulig der gedeihlichen Weiterentwickelung des mit der Gesamtheit verknüpften Bauernstandes." Eine notwendige Verstärkung der Schutztruppe. Aus Kolouialtceisen iüilu ulu! geschrieben: Die Schutztruppen,rage ist bei der Beratung des Kolo- uialetats gar nicht erörtert worden. Dagegen wird sie, • mwr Voraussicht nach, aui dem im Herbst ui Berlin zu- : .ammenrretenoen K o lo n i a l-K o n g r eb eingehend be- ! handelt werden. Besondere Beachtung verdienen in dieser Einsicht die Verhältm,,e in Kamerun. Die Ermordung !ftes Oberleutnants Nolte hat eindringlich erkennen lassen, ! jü|j es im Hinterlande dieser Kolonie um die persönliche ! Sicherheit noch schlecht bestellt ist. Gerade Rese Gegenden aber )dio das j.vi. von orsch..ngsexpcditionen, die auch ^enlschlano nach jahrelangen Vorarbeiten und w^derholten Ueberwindung des Lebens, zum Teil wenigstens, ab- und einer mehr tändelnden Neoromantik zugewandt, die in Gefahr steht in Weichlichkeit und Flachheit zu verfallen. Vielleicht darf man im allgemeinen nicht ohne Grund behaupten, daß in der Gegenwart die Extreme sich berühren, um entweder einander kampflos, plötzlich, schier unvermittelt abzulösen oder aufs erbittertste zu bekämpfen — wie in der Kunst, so im Leben. Tort wird der Monarch durch eine Polizeiarmee «ängstlich umschanzt, hier scheut sich in schöner Unvoreingenommenheit der Fürst nicht an festlichem LLbend sich „gemein" zu machen, mit den theoretisierenden Bekampfern des Monarchismus zwanglos zu plaudern. Suchen die Einen bei der Vertretung ihrer Berufsinteressen mit rücksichtsloser Trittfestigkeit eisenbeschlagener Sohlen über jedes Hindernis hinwegzukommen, so meinen andere, daß die Stunde nicht fern sei, wo jeder Bürger von Staatswegen zum Straßenkehren in eigener Person angehalten werden dürfte. Tie- selbe Polizei, die für Ordnung und Sicherheit sorgen soll, nimmt durch unbegreifliche Mißverständnisse unschuldige, harmlose Personen fest. Die Betriebskräfte und Verkehrsvermittelungen der Eisenbahnen zeigen sich, wie wir fast allenthalben und fast täglich im Kleinen, im Großen erst dieser Tage wieder aus dem Altenbekener Eisenbahnprozeß ersahen, den fortwährend sich steigernden Anforderungen nicht gewachfen. Der zelotischen Intoleranz, die die Mauern nicht hoch und die Gräben nicht breit genug machen kann, damit kein Ungläubiger in ihr Heiligtum" eindringen könne, antworten wahnwitzige Gotteslästerung und cynischer Christushaß. Nun, die Wandlungen der Menschheit sind ähnlich dem Wechsel der Jahreszeiten. Dem Sommer, in dem neben dem zarten jungen Weizen um die Wette auch das Unkraut wächst, und in dem die süßen Laute der Nachtigall auch das mißtönige Krächzen der Krähe unterbricht, folgt der Winter, den wir auch in Geduld zu ertragen gelernt haben, wenn er auch noch so hart ist, und mit ganz anderen Plagen uns Heimsucht als es die störenden Begleiterscheinungen des Sommers sind. Dem Minter folgt schließlich doch auch immer der Frühling, und trotz aller Unbill erwacht die Lebensfreude doch Seemacht, der Rechtspflege. Ein Volk, das in diesem Wett- . bewerb zurückbleibt oder unterliegt, so verkündete eine neue Weisheit von der Welt, scheidet aus der Reche der Kulturvölker aus. Wer die Augen hatte zu sehen, der sah, wenn er bisher auch vielleicht anderer Anschauung gehuldigt hatte, zum mindesten für unsere Tage die Notwendigkeit der Welt in Waffen, schon angesichts des Ausganges des spanisch-amerikanischen Krieges, der da lehrte, daß in der modernen Welt nicht die verrosteten Schwerter ritterlicher Ahnen entscheiden, sondern die blanken Waffen in der Faust, die sie am tapfersten schwingt. Und es entscheiden auch nicht die ehrwürdigen Pergamente wohlverbriefter Vorrechte, sondern die kühn und beharrlich geltend gemachten Ansprüche bürgerlicher Gleichheit vordem Gesetze. Und wo heutzutage ein Wille ist, da ist auch immer noch ein Weg oder sogar mancher Weß zur Auswahl, ihn zu verwirklichen. Kaum hat ein genialer Kopf das Leitmotiv einer folgenreichen Neuerung auf dem Felde der ' Technik, der Heilkunde, der Optik angegeben, so sind hundert Hände bereit, es in ebenso vielen Variationen durchzu- führen. Aus ihren stillen Klausen sind die Männer der i Wissenschaft in die Laboratorien der Chemie, in die Fa-! britätionsräume der Elektrotechnik herausgetreten, um dir Lorbeern ihrer Vorfahren in lohnenderes Gold zu verwandeln. Die Schriftftellerei ist nicht mehr der Zauberstab einer eng umgrenzten Zunft, sondern der Alterweltskiel, den in Mußestunden nahezu jeder fuhrt, der auf Bildung einigen Anspruch macht. Welcher Aufschwung der öffentlichen Meinung hat sich zu Gunsten der Stellung der Frauen vollzogen! Alle Studien ergreifen sie, alle Laufbahnen schlagen sie — trotz Bülow und Studt, den Beherrschern des preußischen Kultus, nicht der deul,chen Kultur — ein, betreiben alle Geschäfte, üben alle Künste aus, bereisen alle Erdteile. gönnen. Denn er kam nicht nur, uns das Jenseits der himmlischen Ruhe und Seligkeit aufzuschließen, sondern auch, uin das Diesseits mit den Keimen und Kräften seines Geistes zu erfüllen, und mit vollem Verständnis für den Ostersegen schreibt deshalb Paulus im Brief an die Römer: Wie Christus auserweckt wurde von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. neu zur Osterzeit. Tie Kinder jauchzen, daß sie nun wieder, der Haft des winterlichen Hauses entronnen, spielen und jagen können draußen auf der Straße — leider freilich bei uns gar zu viel und unstörbar auf dem Trottoir, ohne Rücksicht auf den Verkehr der „Großen". Sie, die Kleinen, glauben und hoffen auf die Zukunft. Wie wird's, so sagen sie täglich wohl an die Tutzendmal, schön sein, „wenn ich einmal groß bin!" Was wollen sie alles schassen in jener goldig erträumten Zukunft! Wie neidcnswert ist dies Vertrauen auf die eigene Thatkraft! Auch sie werden sich die Freiheit und das Leben durch tapferes Tagewerk zu erobern haben, und werden dieses Leben lebenswert finden in dieser Arbeit, die sie zu führen vermag weit hinaus über die Kraft der eigenen Hände zur Kraft des Weltgerichtes. Betrachten wir sie, die da draußen ihre Kreisel drehen im jungen Lenz, selber im jüngsten Lebenslenze stehend, dann weht ein Hauch des Hoffens auch uns um Kopf und Brust. Wir wissen es ja, es dreht sich alles im Kreise wie dieses Kinderspielzeug, die Erde und die Weltgeschichte, die Geschicke der Gesamtheit und des Einzelnen! Aber jedem Wachsenden bietet das Leben neuen Reiz, in der eigenen Arbeit, die man für sich und für die Gesamtheit leistet. Wir wissen es, daß alle Wunden vernarben, auch die, die unserem Handel und Wandel die Zeit soeben geschlagen hat. Es geht ein Hauch von neuer Hoffnung durch die Lande. Unzweifelhaft stehen unsere wirtschaftlichen Verhältnisse im Begriff, sich wieder um einiges zu bessern; wir sehen wieder lichte Streifen aut Himmel, nicht allein in Wahrheit das Zo- diakalicbt, das an nebligen Marz- und April-Tagen gleich nach Sonnen-Untergang den weftlteyen Hunmel bestrahlt, sondern auch im übertragenen Sinne, an jenem Phantasiehimmel, der eben noch grau in grau gemalt uns erschien, und es kommt über uns wie Fauststimmung: Hs leöe das Leöen! EineOsterb.etrachtu.ng. Mr haben unlängst in unserem, nun schon der sommerlichen Ruhe anheim gefallenen Stadttheater Sudermanns neues Drama „Es lebe das Leben" gesehen. Die Aufgabe, die der Dichter sich stellte, wuchs ihm über die Kraft. Seine Lösung des Problems vom Lebenswerten des Lebens haftet ganz am Irdischen, bringt uns nicht die Freimachung davon, seine Ueberwältignng. Me hat Goethe in seinem Faust das Problem gelöst! Sudermanns „Held^ wird vom Leben bezwungen, Faust bezwingt Einzelnen: Es lebe das Leben! Freilich, mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts! gönnen, trat leider in dem gewaltigen Aufschwung, der uns hellem Frohlocken gestimmt hatte, ein Stillstand, ja ein Rückgang auf verschiedenen Gebieten ein. Grade um die Osterzeit des vorigen Jahres herrschte in deutschen Landen fast allgemein der düsterste Pessimismus. Die deutsche „Weltpolitik" kehrte dann aus Ostasien nicht ruhmvoll heim, Industrie und Handel laborieren zur Zeit noch an einer bedauerlichen Ueberproduktion, immer dringender meldet sich die Notwendigkeit eines starken Schutzes für die notleidende Landwirtschaft. Die deutsche Dichtung .endlich hat sich von der menschlichen Seelenanalyse, vom Begriffenen und Bewältigten, von der Erkenntnis des Realen, von der Durchdringung und Gießen, 24. März 1902. Betreffend: Die Beitreibung der Gemeindeausstände. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir empfehlen Ihnen, Ihre Gemeinde-Einnehmer, soweit dieselben noch im Rückstände find, aufzufordern, alsbald die Mahn- und Pfandbefehle über rückständige Gcmeindeschuldig- keiten vorzulegen._________________________v. Bechtold. Bekanntmachung. Betr.r Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen. In der Zeit vom 2. April l. Js. bis einschließlich 8. April l. Js. liegen auf dem Amtszimmer der Großherzoglichen Bürgermeisterei Daubringen zur Einsicht der Beteiligten offen das Verzeichnis über die Herauszahlungen: 1. für zum Bau der Nebenbahn Lollar—Londorf abgetretenes Gelände mit 4 °/o Zinsen pro 1900 und 1901; 2. für Pachtentschädigungen pro 1900 und 1901 für diejenigen Besitzer, welche für das zum Bahnbau Lollar—Londorf abgetretene Gelände Ersatz in Land erhalten. Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des Ausschluffes innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist schriftlich bei Großh. Bürgermeisterei Daubringen einzureichen. Friedberg, den 20. März 1902. Der Großherzogliche Bereinigungskmnmissär: Spamer, Kreisamtmann. läßt sich nicht verhehlen, daß in der Erschließung der Tschad- seegebiete die Franzosen und Engländer den Deutschen voraus sind, und ein Aufkommen Deutschlands erscheint nur möglich, wenn nach Nordtamerun einige Militärstationen gelegt werden. Zu deren Besetzung reicht aber die Schutztruppe in ihrer jetzigen Stärke — 100 weiße Chargierte und 900 farbige Mannschaften — nicht aus; eine Vermehrung erscheint unumgänglich und auch gerechtfertigt, wenn man berücksichtigt, daß Deutsch-Ostafrika heute schon eine stärkere Schutztruppe hat, obgleich die Eingeborenen dort eine weit friedlichere Haltung bekunden, als diejenigen Kameruns. Es wäre bedauerlich, wenn mangels ausreichender militärischer Sicherung die Erschließung Kameruns weitere Opfer an Menschenleben erforderte. Aus Stad! und Sand. Gießen, den 22. März 1902. * * .F ü r st l i ch e Gäste. Am Charfreitag passierten früh 7.57 Uhr, mit dem D-Zuge von Kiel kommend, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen nebst Begleitung und Diene, chaft die hiesige Station und nahmen das vorher telegraphisch bestellte Frühstück im Salonwagen ein. * * Auszeichnung. Der Großherzog hat dem katholischen Pfarrer Dexelrnann zu Westhofen, im Kreise Worms, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ^Pensionierung. In den Ruhestand wurde versetzt der Bahnwärter bei der Main-Neckar-Eisenbahn Heinrich T r a s e r auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April. * * Post-Personalnachricht. Ter Postkassierer Olbricht in Gießen ist zum Postinspektor ernannt worden. * * Militärdienst nachrichten. Frhr. v. Zedlitz u. Neukirch, Major und Bats.-Kommandeur im Füp-Regt. von Gersdorsf (.Kurhess.) Nr. 80 wurde unter Beförderung zum Oberftlt. zum Stabe des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 und Frhr. v. End e, Major aggreg. dem 6. Rhein. Jnf.-Negt. Nr. 68, als Bats.- Kommandeur in das Füs,-Regt. von Gersdorfs (Kurhess.) Nr. 80, — versetzt. * * Osfene Stellen für Militäranwärter im Bereiche des 18. Armeekorps. Ehringshausen, Amtsgericht, ständiger Kanzlcigehilfe, 7 bis 10 Psg. Schreiblohn für die Seite, je nach der Leistung, voraussichtlicher Jahresverdienst 400 Mk., der Schreiblohn kann nach 18 Jahren auf 11 Psg. und nach 21 Jahren aus 12 Psg. für die Seite erhöht werden. — Nastätten, Magistrat, Pvlizeifergeant, jährlich 900 Mk.; Ausrüstungsstücke werden geliefert. * * Pferde markt -Omnibusverb in düng. Wie uns der Vorstand der Omnibus-Gesellschaft mittcilt, hat er beschlossen, zu dem Mittwoch, den 3. April, stattfindenden Pferdemarkt eine regelmäßige Omnibusverbindung zwischen Rodheimerstraße und Bahnhof, und zwar zu allen vormittags ankommenden uno abgehenden Eisenbahnzügen, einzurichten. Der Wagen wird durch Fahnen kenntlich gemacht werden. ** Omnibusgesellschaft. Die am Donnerstag Abend unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Grünewald im „Seife Vcwaria" abgehaltene Generalversammlung der hiesi- geu Omnibusgesellschäst war verhältnismäßig schlecht besucht. Der Geschäftsbericht erbrachte leider kein erfreuliches Resultat, indem trotz Wegfall der Schaffner und sonstiger Einschränk- kungen der Ausgaben eine Unterbilanz von Mark 2858,10 Psg. festgestellt wurde. Wenn auch der Personenverkehr innerhalb der Stadt nicht abgenommen, sondern sogar etwas zugenommen hat, sind trotzdem die Gesamteinnahmen namentlich auf den Linien C. D. (Wieseck-Schiffenbergerwald) erheblich zurückgegangen; auch die abnorm hohen Futter- und Strohpreise haben ungünstig auf die Ergebnisse eingewirkt. — Die Geschäftsanteile der Genossen (Mf. 100) betrugen zu Anfang des Jahres 1901 noch Mk. 39,01 Psg.- nach Abschreibung des obigen Fehlbetrages dürften dieselben noch einen Wert von ca. Mk. 26,44 Pfg. repräsentieren. Ein gemeinsamer Antrag. Les Vorstandes und des Aufsichtsrates, bei der Stadt darum .einzukommen, außer dem seitherigen Zuschuß auch noch die stlnterbilanz pro 1901 zu übernehmen bezw. aus städtischen Mitteln zu decken, wurde abgelehnt, dagegen ein nunmehriger Antrag des Stadtverordneten Kirch alsbald eine außerordentliche Generalversamnilung mit der Tagesordnung „Auflösung der Genossenschaft" zu berufen, einstimmig angenommen. Der seitherige Vorstand und Aufsichtsrat wurde durch Zuruf Iviedergewählt. ** Carlschulz-Abend. Wie wir bereits gestern mitteilten, veranstaltet Herr Carlschulz im Hotel „Einhorn" am 2. und tarn 3. Osterfciertage fein-humoristische Abende. Wir geben “in Folgendem noch eine Kritik der „Siegener Zeitung" vom 19. März wieder: Der von Herrn Opernsänger F. Carschulz- iRostock im Saale des Herrn Reuter gestern veranstaltete fein- “humoristische Abend nahm einen glänzenden Verlauf und wird Len Zuhörern sicher noch lange in angenehmer Erinnerung Dleiben. Sowohl die vorgetragenen Lieder, wie die mannigfachen munteren Gedichte wirkten in einer sehr belebenden und erheiternden Weise auf die Versammlung. Das Interesse an den Darbietungen steigerte sich fortschreitend mit jeder Nummer. Herr Carlschulz hat sich nicht allein als Sänger, sondern auch als Rezitator und Deklamator den vollsten Beifall erworben. Eine höchst schätzenswerte Zugabe wurde dem Publikum durch die wahrhaft virtuosen Klaviervorträge der Pianistin Fedora Petrowska geboten, bei denen die besten Meister der Vergangenheit und Gegenwart Berücksichtigung fanden. So haben sich Künstler und Künstlerin schnell die volle Gunst des Publikums erworben; wir rufen ihnen ein herzliches „Auf Wiedersehen!" zu. ** Die Opern-Vorstellungen des Dessauer Hof-Theaters werden leider nicht zu st an de ko mm en. Alles war schon aufs Beste geregelt. Ta ließ der Vorstand des Theater-Vereins, der die Leistung der verlangten Garantie in Höhe von etwa 3000 Mark zugesagt hatte, vorsichtshalber noch eine Liste bei seinen Mitgliedern herumgehen, und das Resultat war: — von 140 Mitgliedern, die befragt wurden, sagten ganze 18 die Abnahme von 10 Billets zu, 44 wollten sich die Sache überlegen, 56 lehnten ein Abonnement ab, 22 waren verreist. Nach diesem überraschenden Ergebnis wurde die Umfrage abgebrochen, da keine Aussicht vorhanden roar, auf die im ganzen ecu 4500 Mark betragenden Kosten zu kommen. T enn von Nichtmitgliedern des Theatervereins waren auch nur vier Abonnements bei Herrn Challier gezeichnet worden. — ,Tie letzten Opernvorstellungen haben hier vor neun Jahren Istattgefunden. Man hätte also glauben sollen, daß jetzt geradezu ein Bedürfnis nach solchen bestand. Zudem ist ch.ie. Dessauer Hofoper ausgezeichnet^ noch vor-- kurzem war ein Teil derselben, sogar der ganze Theaterchor ans Wres- badener Hoftheater berufen, wo das Chorwerk „Judith" ihres ersten Kapellmeisters, des Dr. Klughardt, zur Aufführung kam. Und trotzdem diese geradezu beschämende Teilnahmlofigkeit unseres Publikums dem geplanten Gastspiel gegenüber! ** K u n st v e r e i n. Die Gemälde-Ausstellung im Turmhause am Brand hat diese Woche eine Aenderung erfahren, indem zu den seit 14 Tagen ausgestellten Gemälden wieder 18 hinzugekommen sind. Es sind nunmehr über 100 Bilder ausgestellt, die ihre Anziehungskraft auf unsere Kunstfreunde nicht verfehlen werden. Wir empfehlen den Besuch der Ausstellung umsomehr, als in der kommenden Woche ein Teil der seit kurzem ausgestellten Bilder wieder zur Weiter- sendung gelaugt. An ihrer Stelle wird dann eine Kollektion des Malers Gwilt Jolley in Paris zur Ausstellung kommen. Die Ausstellung ist an den Feiertagen von 11 bis 3 Uhr nachmittags ununterbrochen geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt an Sonn- und Feiertagen 20 Psg. ** J,m Kaiserpanorama finden wir vom ersten Feiertag ab eine Reihe von Bildern aus dem herrlichen Schwarzwald ausgestellt. In entsprechender Reihenfolge wechseln Ausnahmen von Städten mit solchen von großartigen Waldszenerien ab, dem Auge manch farbenschönes Bild zeigend. Wir besichtigen u. a. F r e i b u r g, das Höllenthal, Neustadt und den Titisee, das Falkenthal, Sankt Blasien, das Bernauthal mit Blösliug, Fürtwangen, den Feldberg (1500 Meter), Feldsee von Seevuck, das Gutach- thal re. Im ganzen 50 herrliche Aufnahmen. Das Panorama ist auch an den Feiertagen geöffnet. ** Vom Bahnhofsumbau. Auf dem oberhessischen Teil des Bahnhofs sind die alten unschönen Fachwertschuppen, die zur Aufnahme der oberhessischen Lokomotiven dienten, entfernt worden. Ter Bahnhof ist dadurch bedeutend größer geworden. Der gewonnene Raum wird zur Anlage von Aufstellungsgeleisen für Personenwagen hergerichtet. — Die Bauthätigkeit auf dem Bahnhof Gießen erstreckt sich gegenwärtig auf den Ausbau der Geleise, Weichen und Sicherungsanlagen auf dem Nordende und dem oberhessischen Teil des Bahnhofs. Auf dem Nordende gehen die Arbeiten ihrem Ende entgegen, auf dem oberhessischen Teil sind sie noch im Anfänge. Tas hier zu errichtende Stellwerk 14 wird in den nächsten Tagen in Angriff genommen werden. — Ter Bahnsteig für die Züge in der Richtung Gelnhausen nebst dem dazu gehörigen Tunnel ist übrigens entgegen der Meldung unseres Berichterstatters bereits am Donnerstag Vormittag in Betrieb genommen worden. Die Einrichtung dürfte, besonders bei dem gegenwärtig starken Andrang von Reisenden, wesentlich zur Erleichterung des Verkehrs beitragen. Der Tunnel wird in derselben Weise ausgestattet wie der auf der Main-Weser-Seite befindliche. Die Porzellanplättchen zur Verkleidung der Wände werden nach den Öfterfeiertagen eingesetzt werden. — Das Herausschaffen des Kerns des hinter diesem Teil liegenden Tunnelabschnittes geht rüstig von statten. Doch verursacht die Beseitigung des zum Teil außerordentlich harten Gesteins oft große Arbeit. ** Sicherungsanlageu im Eisenbahnverkehr. Die sämtlichen Geleise, Weichen und Sicherungsanlagen von der Klinikbrücke bis zum Klein-Lindener Einschnitt sind bereits fertiggestellt. — Die beiden vor dem großen Lokomotivschuppen liegenden Drehscheiben werden seit kurzem elektrisch betrieben. Während früher zum Drehen der Maschinen immer 4 Mann nötig waren, ist jetzt für diese Arbeit nur noch ein Mann erforderlich. Auch die schwersten Lokomotiven fahren auf die Drehscheiben. Es ist interessant zu sehen, mit welcher Leichtigkeit das Drehen der Maschinen jetzt bewerkstelligt wird. Sind sie auf der Drehscheibe zum Stehen gebracht, so genügt die Umdrehung eines Hebels, und der schwere Eisenkoloß setzt sich, ohne daß irgend eine weitere Anstrengung nötig wäre, in Bewegung. ** Der Rhein-Main-Ga st wirte-Verband, der mit einer Gesellschaft einen überaus günstigen Vertrag zum Zwecke der Lieferung von Kohlensäure für Bierausschank und Mineralwas,erfabritation abgeschlossen hat, wendet sich in einem Fragebogen an alle Gastwirte seines Bezirks, um festzustellen, wie groß der Jahvesbedarf an Kohlensäure ist. Die Lieferung der flüssigen Kohlensäure erfolgt von Löhnbach bei Weilburg, wo ein größeres Eta- blisfement in Anlehnung an den dortigen Selterssprudel Augusta Viktoria in Errichtung begriffen ist. ** Internationale wissens cha ftliche Ballonfahrt. Die Internationale aeronautische Kommission giebt bekannt: Am 3. April findet in den Morgenstunden eine internationale wissenschaftliche Ballonfahrt statt. Es steigen bemannte und unbemannte Ballons auf in: Trappes, Paris, Straßburg, München, Wien, Krakau, Berlin, St. Petersburg, Moskau, Blue Hill Observatory bei Boston U. L. A. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt, und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet. Auf eine vorsichtige Behandlung der Ballons und Instrumente wird besonders aufmerksam gemacht. Um Irrtümer zu vermeiden, wird daraus hingewiesen, daß für Hilfeleistungen beim Landen eines bemannten Ballons besondere Vergütungen bezahlt werden, deren Hohe jedesmal von dem Ballonführer fest- gestellt wird. ** Honi g. Die Osterzeit ist allgemein die Zeit des Honiggenufses. Wir wollen nicht verfehlen, erneut auf die heilsamen Wirkungen dieses Naturerzeugnisses hinzuweisen. Vor allen Dingen sollte der Honig niemals den Kindern vorenthalten werden. Ist doch der fleißige Honiggenuß die ficherste Grundlage für das fröhliche Gedeihen derselben. Nicht mit Zucker und Bonbons macht man die Kinder gesund und rotbackig, wohl aber mit Nektar aus den Blüten, d. i. mit reinem, unverfälschtem Honig. Er bedarf im menschlichen Magen keiner besonderen Verdauung, sondern geht, ohne Rückstände zu hinterlassen, direkt ins Blut über. Erfahrungsgemäß fühlen sich Bleichsüchtige, Brüst-, Nerven- und Magenleidende durch den anhaltenden Honiggenuß merklich gekräftigt, wie in allen Fällen der Rekonvaleszenz sein kräftiger, belebender Einfluß überaus wertvoll ist. Ein so miet)tiger Förderer der natürlichen Gesundheitspflege sollte daher in der Osterzeit auf keinem Frühstücks- oder Kaffeetische fehlen! t Bermuthshain, 27. März. Gegen die kürzlich hier stattgehabte B ü r g e r m e i st e r w a h l ist Reklamation erhoben worden. Der erste Anfang von Parteiwesen in unserem Ort datiert von der Bürgermeisterwahl vor neun Jahren her. Die damals unterlegene Partei beruhigte sich die ganzen Jahre hindurch nicht und die Uneinigkeit ist immer großer geworden, was man bei der letzten Wahl deutlich sehen konnte. he. Wustwillenroth, 28. März. In unserem ruhigen Ort ertönte gestern ein Feuersignal. Das ganze Dorf geriet in Aufregung. Als man sich nach dem Grunde erkundigte, da stellte sich heraus, daß ein junger Mann ein ähnliches Signal auf dem Horn des Schweinehirten geblasen hatte. Jedenfalls wird die Sache ein gerichtliches Nachspiel haben. r. Stangenrod, 27. März. Bei der heutigen Bürger- meisterwahl wurde unser Bürgermeister Bock mit 62 Sd- einftimmig wiedergewählt. Nidda, 28. März. Am 5. April werden es 50 Jahre» daß in unserer Stadt der erste Totenwagien ange-- schafst wurde. Der Fuhrmann, welcher damals das Fahren der Leichen übernahm, versieht das Amt noch; es ist der 84 jährige Landwirt Christian Hofmann. Tie Krugsche Stiftung, welcher der Wagen gehört, hat dem Jubilar 25 Mark Remuneration bewilligt. Es ist interessant, von dem Alten zu Horen, wie hartnäckig sich damals manche Leute dagegen gewehrt haben, daß ihre Angehörigen gefahren werden sollten, statt auf der Schulter getragen zu. werden. Es mußte in einigen Fallen mit Gewalt gedroht werden. Uebrigens ist der damalige erste Wagen* vor etwa 6 Jahren außer Dienst gestellt, und ein neuer, den jetzigen Anforderungen entsprechender beschafft worden. Merkwürdig ist es, wie die „Darmst. Ztg." schreibt, auch, daß bis heute noch dem Fuhrmann die anfängliche Taxe von 2 Gulden (3,45 Mk.) bezahlt wird. Jedoch soll von nächstem Jahre an eine zeitgemäße Erhöhung vorgesehen werden. Ter Wagen dient nur den christlichen Konfessionsangehörigen. Schotten, 28. März. Die Generalversammlung des Zweigvereins Schotten dev Vogelsberger Hohen- l l u b s beschloß u. a., im Laufe des Sommers folgende Ausflüge auszusühren: Sonntag, 20. April: Tour nach dem Reipperts—Salzhausen, zurück per Bahn; Sonntag, den 1 Juni: Tour nach der Schreinersmühle—Jägerhaus; Sonntag, 10. August: Tagestour Ulrichstein-—Hoherodskopf; 14, September: Burckhardser Schutzhütte. r. Darmstadt, 28.' Marz. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen sind bald nach 10 Uhr ein- getroffen und vom Großherzog am Bahnhof herzlich begrüßt worden. Ein zahlreiches Publikum jubelte den Herrschaften zu. D a r m st adt, 27. März. Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen sind heute mittag 12.58 Uhr zum Besuche am Großherzoglichen Hofe hier eingetroffen. Drrnnschtes. * Bremerhaven, 27. März. Der Dampfer „Dresden" mit Terlinden an Bord mußte gestern nach seinem Eintreffen wegen ungünstigen Wasserstanoes vor der Weser- mündung vor Anker gehen. Nach Mitternacht lief der Dampfer ein und langte im Hafen nach 2 Uhr an. Dann wurde Terlinden durch Hafen-Polizeibeamte an Bord ir Empfang genommen und per Droschke nach dem Polizei- gesängnis überführt. Von dort brachten ihn heute morgen zwei aus Hannover eingetroffene Kriminalbeamte nach dem Bahnhofe, von wo in einem abgesonderten Coups 3. Klasse seine Ueberfühmng nach Duisburg erfolgte. Terlinden, ein mittelgroßer, korpulenter Mann, sah sehr wohl aus,, war gut gekleidet und legte große Gleichmütigteit an den Tag. * Wittenberg, 27. März. In dem benachbarten Derenburg wurde gestern abend ein Raubmord verübt. Der Kaufmann Runge wurde von drei Strolchen in seinem Laden überfallen, gewürgt und dann auf» gehängt. Geraubt wurden 385 Mart bares Geld sowie eine Menge Waren. Die Polizei ist den Thätern auf der Spur. * Ein Gnadengesuch des Domänenpachters Falkenhagen, der den Landrat v. Bennigsen erschossen hat, ist abgelehnt worden. * Im Semmering -Gebiete herrscht heftiger Schneefall. Die Berge find bis zur Thalsohle in Schnee gehüllt. Auch hier fällt zeitweise Schnee.____________________ Universitäts-Nachrichten. — Man schreibt ans Düsseldorf: Atädemiedrrektor Professor Peter Janssen wird am 1. April das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit als Lehrer an der hiesigen königl. Kunstakademie feiern. — Henri Erman in Lausanne, Professor des römischen RechtS, hat eine Berufung an die neu begründete Juristenfakultät zu Münster erhalten. — Aus Altenburg schreibt man: Im Alter von 85 Jahren ist hier Hofkapellmeister Dr. Wilh. Stade gestorben. Bis 1860 mar Stade Universitätsmusikdirektor m Jena, dann wurde er nach Altenburg berufen. Bei seinem Scheiden von Jena erhielt er von der philosophischen Fakultät den Ehrendoktor. Stade mar mit Liszt eng befreundet und galt schon während seines Jenenser Aufenthaltes als vorzüglicher Orgelspieler. Bon ihm ist das bekannte Studentenlied: „Auf den Bergen die Burgen, im Thale die Saale". — Ter Univ.-Pros. Riehl zu Leipzig erhielt einen Ruf an die Klinik des verstorbenen Prof. Kaposi in Wien, dem er Folge leisten wird. Camburg, 27. Märr. Im benachbarten Schieben verschied der Rittergutsbesitzer Karl Zeitschel im 92. Lebensjahre. Der Verstorbene war der älteste aller ehemaligen deutschen Eorpsstudenten und beteiligte sich als solcher trotz seines hohen Lebensalters bis zuletzt an den jährlichen Zusammenkünften auf der Rudelsburg, auf der er überhaupt ein öfter gesehener Gast war. Gerichtssaal. e. Gießen, 26. März. (G ew erb eg erich t.) Den Vorsitz fuhrt Beigeordneter Wolff. Der Taglohner Friedrich Müll hier verlangt von dem Fuhrunternehmer Heinrich Her^berger hier wegen unbefugter künbigungsloser Entlassung 30 Mk. Erstschädigung. Der Beklagte wendet ein, daß er mit dem Kläger vereinbart habe, daß die Kündigungsfrist ausgeschlossen sei. Der Kläger habe aber auch, nachdem er am 20. d. M. zwei und eine halbe Stunde gearbeitet, die Arbeit verlassen und sei erst am 24. d. M. wieder erschienen. Dies berechtige ihn, selbst wenn die Kündigungsfrist^ nicht ausgeschlossen sei, zur snfortigen Entlassung des Klägers. Der Kläger entgegnet, daß er vier Wochen krank gewesen und am 19. d. M. vom Arzte für gesund erklärt worden sei. Sim 20. März habe er bei Herzberger zu arbeiten wieder begonnen. Um 10 Uhr vormittags desselben Tages sei er zur Ortskrankenkasse gegangen, um sich das ihm noch zustehende Krankengeld zu holen. Da er im stnte Schmerzen verspürt, sei er nach Hause und nicht mehr zur Arbeit gegangen. In ärztliche Behandlung habe er sich nicht begeben, auch habe er nicht für nötig gehalten, dem Beklagten Mitteilung von seinem Unwohlsein zu machen. Daß die Kündigungsfrist ausgehoben sei, davon wisse er nichts. Die Parteien baten um Erlaß des Urteils ohne Zuziehung von Beisitzern. Tas Gericht wies die Klage, unter Verurteilung des Klägers ui die Kosten des Verfahres ab, mit der Begründung, daß es unentschieden bleiben könne, ob die gesetzliche Kündigungsfeist durch Vereinbariing ausgeschlossen worden sei. Die Entlassung des Klägers sei vielmehr schon deshalb gerechtfertigt gewesen, weil das Verhalten des Klägers ein unbesugles Verlassen der Arbeit — § 123 Pos. 3 der Gew.-Ord. — darstelle. — In einem weiteren Rechtsstreite war nur der Beklagte erschienen, welcher jedoch einen Antrag nicht vorbrachte. feZätffl FAbsoluMbestes SMündwasser^ 2546 in engl. Tüll, Spachtel und Lacet. Bunte Schlafzimmer-Gardinen A. Reinig Optische Waaren - Giessen Selterswog 30 Snrau ist I Kämpfen deshalb besondere Geltung für sich bemflpruchen, weil sie I ein S^n, Otto Hei Sqen Be° trotz der günstigenProduktionsverhältnisse chrerWettbewerbslLnder ern Sohn, Ernst cden. . Tas einen Zoü nicht beansprucht. 1 a 4 Zu haben'in Gießen auf dem Fabritlager bei Herrn Emil' Horst, Riegelpfad. ^ospecte, Muster?Bewtise übcrBewährung* V sendet portofrei der febrikant \ A :WL Andernach x^/j, Beus/«>/»Rhein . Wasserdichter------‘“J?\ Luft und fester haiibarer aJ. ♦< 4a Verputz durch Sekieidungmit leidiauna zu 1000 Mk. Oiclöliraic verurreur rooiveiu Gericht hat als erwiesen angesehen, daß er 1899 und 1900 durch anonyme Briefe mehrere Familien beleidigt habe. In den Biesen, foWesim Urteil, wird in der schamlosesten Weise cmf unerlaubten Verkehrtes Frauenarztes Dr. A. mit seinen Patientinnen, besonders Frau K., hmaewiesen. Auch der Nebenkläger, Rechtsanwalt S., wurde, nachdem er die Vertretung des Dr. A. übernommen hatte, durch Briefe ohne Unterschrift beleidigt. Sämtliche Briese sind mit roter Tinte in schräger Schrift geichrieben Ter Anßeklagte hatte gegen das Urteil Re»U<°n eingelegt Md vertrat sie persönlich vor dem Reichsgericht. Er erklärte mit Ent ickiedenbeit er sei „nicht der Schreiber dieser gemeinen anonymen Briefe"? Im übrigen werde in der Reviiwnsschrist behauptet, es sei nicht sestgestellt, welcher von den inkrimimrten Brie en die Thäterschaft des Angeklagten erweisen soll. Auch der Strafantrag des Dr. A. wurde bemängctt. Das Reichsgericht erkannte auf Verwerfung der Revision, da der strafbare Thalbestand emwands- frei sestgestellt sei.___ __________ - - " " inrich Wilhelm. Dem Taglohner Ernst Martini Wilhelm. Dem Agenten Heinrich Schmitt ein Friedrich Otto. Dem Bahnarbciter Philipp Balser eine Tochter, Marie. Am 21. Dem Taglöhner Start Frielmg eine Tochter Paula. Dem Schlosser Johann Becker ein Sohn, Heinrich Hermann. Dem Tapezier Adolf Noll em ^ohn. Dem Lokomotivheizer Wilhelm Grau eine Tochter. Am 22. Dem -^trt und Spezereihändler Johannes Marker eine Tochter, Paula Reachre. Dem Händler Johannes Ruth eine Tochter. Dem Postschaffner Christoph Becker 11 em Sohn, Wilhelm. Dem Schuhmacher Peter Gerber ein Sohrn Am 23. Dem Schloffer Richard Felber eure Tochter, Marie Ursula Wilbelmine Luise. Dem Lokomotivheizer Joseph Zobus eine Tochter, Anna Marie. Gestorbene. Am 21. März. Elisabethe Schmidt, geb. Friedrich, 67 Iah« alt, Witwe dahier. Am 22. Elisabethe Helene Fürst, geb.«Strack, 59 Jahre alt, Witwe dahier. Ida Hornberger, geb Markus 58 Jahre alt, Wstwe dahier. Auguste Elise liebel, 2 Alonate alt, Tochter des Sattlers Karl Diebel dahier. Am 23. Johann Jost Henkel, 53 Jahre alt, Schneider dahier. Heinrich Grün, o4 Jahre alt, Wirt dahier. Am 25. Elisabethe Werner, 1 Jahr alt, Tochter des Taglöhners Ludwig Werner dahier. Moses Sternselt, 82 Jahre alt, Rentner dahier. Am 26. Anna Drescher, 20 Jahre alt, Näherin dahier. — Zum Konkurs der Trebertroünuugsgefellschaft. Zu den jüngsten Meldungen bett, den Konkurs der Trebertrocknungs-- ge ellschaft ist noch nachzutragen, daß weitere Forderungen m Hohe von ca. 8 Mill. Mark angemeldet wurden, die jedoch bestritten werden. Eharakteristisch ist, daß sich darunter eine Forderung der „Berliner Finanz- und Handelsztg." in Höhe von 1,9 SühU. Mark befindet. Darüber Details zu ersahren, durste äußerst mter- — Auonvme Briefe. Don der Strafkammer « ' im November v I. der Arzt Dr. R. Hauck in Forst wegen un Rovemver Mk. Geldstrafe verurtellt worden. Das einen Zoll nicht Man verlange überall: Iloell's vOTsügüädw Kronen-Papier-Wäsche ind achte beim Einkauf auf die nebenstehende Schutzmarke. ... . ---—r-r— -r-r? ■■•r .■ ■ •------- - * cn'antjem.^ der Reichsschuldenkommiffiou ist als besonders erwähnenswert zu entnehmen, daß der Bestand des : Reichsinvalidensonds Ende 1900 367 442 887 All. bettug. — Geldversteifung. Die Berliner Maklerbanken haben chre Zinssätze im Kaffakoittokorrentoerkehr sür alle Werte auf 2'/» pEt. im Kredit und aus 3'/, pEt. im Debet erhöht. Ultimogeld wurde in Berlin bis zu 4 pEt. bezahtt. In Frankfurt a. M. stellte sich am Donnerstag der Privatdiskont auf 2,3/8 pEt. _ . — Pfälzische Bank. Zu den dieses Institut betr. Nachrichten verlautet weiter, daß die von der Bank kommanditterte Firma Herz, (Stemm u. Eie. liquidieren und ihr Mitinhaber Herz in die Direktion der Pfälzischen Bank eintreten wird. — Hamburg-Amerika-Liuic. Anläßlich der iimgiten Generalversammlung hat man doch auch etwas über die B e r h a n d- lungen mit den transatlantischen Linien ersahren. Es ei irrig, daß es sich nur darum handle, an Stelle srüherer, unwirksam gebliebener Tarifkonventionen neue zu setzen. Es handle sich vielmehr um die Schaffung einer I n t e r e s s e n g e m e i n - ch a f r, die eine Abgrenzung des Arbeitsfeldes und emo lieber- einstimmung in den Dispsitionen berbeisühren soll. Die Verwaltung hofft, rn einer demnächst beliufs Beschlußfassung über die Abmachungen einzuberufenden Generalversammlung wettere Mitteilungen darüber machen zu können. Es werden dafür Statutenänderungen ersorderlich fein, namentlich um das Eindringen fremden Einflusses in den Betrieb zu verhindern. Also roird dieser Einfluß noch immer befürchtet. — Erwähnt sei, das; die Erklärungen des Generaldirektors Ballrn m Bezug auf die oben erwähnten Vereinbarungen an der Hamburger Börse kernen guten Eindruck gemacht haben; man hat dieselben als unzureichend — 'Anleihe der Stadt Eaffel. Die Stadt Eassel hat die Genehmigung zur Aufnahme einer Anleihe von 15,30 Mill. Mark erhalten. Der Zinsfuß für die zunächst auszugebende Serie 1 von 5,30 Mill. Mark ist ans 3onner*tag, 3. April, nachmittags V-S Nhr anfangend, meistbietend gegen gleich bare Zahlung, als Erkerreklamefiguren, Waren-, Schau-, Reklame-, Musik- Automaten Piws, FlöteMerke, Lchestrions, PiRö-Lrchcsirivns Phonographen, Kinematograph, Theatrophou, Motors, Akkumulators, prachtvolle Patent - Instrumental - Orchester - Pianos. 2555 I?Hedräch Brandt. Auktionator. und v Stores Meilen in talitto Portieren. Emst Bloedner, Seltersweg. Kaufmännischer Verein Gießen. Samstag den 19. April, aöends 9 Hthr pünktlich im Bereinshaufe: ordentlicheKeneralversammlung Tages-Ordnung. 1. Bericht über das Geschäftsjahr 1901/02, Vorlage des ge- ' prüften Rechnungsabschlusses und Entlastung des Vorstandes. 2. Neuwahl des Vorstandes, der Revisoren zur Prüfung der laufenden Jahresrechnung, des Aufnahme-, Schul- und Vergnügungs-Ausschusses. 3. Beratung und Feststellung des Voranschlags pro 1902/03. 4. Etwaige Anträge der Mitglieder in Gemäßheit § 51 der Satzungen. 2557 Wir bitten um zahlreiches Erscheinen. Der Vorstand. SilberschrM § zu verkaufen. Sonneustraße 30. Einige Halbverdecke Brod- u. Metzgerwageu, zwei einfp. Chaifengeschirre preiSro. abzug. Fr. Schwan jr., Wetzlar. AWsn voran 2559 Krumm. Vorzüglicher deutscher u. franz. Kognak ärztlich empfohlen die Flasche von Mk. 1.50 an in gut gelagerter Qualität stets vorrätig bei 1396 A. & G. Wallenfels, Weinhaadlang Telephon46. MarktÄl. Für Hotels u. 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