Nr. 24 Mittwoch, 29. Januar 1902 152. Jahrg. Erscheint täglich mit Ausnahme deS SonntagS. Die „Siebener Lamilienblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ,Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Siebener Anzeiger Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witiko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitätsdruckerei (Pietsch Erben), Gießen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Centrums: Am 1. Februar 1899 hat der Reichstag einen Gesetzentwur bettefsend die Aufhebung des Jesuiten - Gesetzes vom 4. Juli 1872, sowie einen Gesetzentwurf bett, die Aufhebung des § 2 dieses Gesetzes beschlossen. In der Uebersicht der bundcSräthlichen Entschließungen vom ember 1900 ist dem Reichstage mitgetheilt, daß die Be- Parlamentarische Berhandlnngcn. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattete Deutscher Reichstag. 128. Sitzung vom 28. Januar, ff Uhr. Das Haus ist gut besetzt. Am Bundesrathstisch: Graf Posadowsky u. A< Der Kaiser hat für die Glückwünsche zu seinem Geburtstage jein Dankschreiben gesandt. . Das Andenken des verstorbenen Grafen Klrnckowström l(kons.) wird durch Erheben von den Sitzen geehrt. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation des Dezember 1900 ist dem Reichstage mitgetheilt, daß schlußfassung des Bundesrathes über die beiden Gesetzentwürfe noch aus st ehe. Wir richten an den Reichskanzler bte Frage: 1) Liegt ein Beschluß des Bundesraths in dieser Angelegenheit auch heute, nach 3 Jahren seit der Beschlußfassung des Reichstags, noch nicht vor? und wenn nicht: 2) ÄuS welchen Gründen hat der Bundesrath die Fassung einer Entschließung über den Reichstagsbeschluß bis jetzt ver- I Ton in ihrer Polemik gegen die Protestanten anwenden würden, wie jetzt der Evangelische Bund gegen die Katholiken? Sie fürchten die Störung des konfessionellen Friedens, aber ist denn irgendwo im : Auslände durch die Jesuiten der konfessionelle Friede gestatt? So gut wie Sie sich überzeugt haben, daß die Katholiken nicht so schlecht : sind, wie man sie macht, so gut werden Sie sich davon überzeugen, daß die Jesuiten nicht so schlecht sind. Alle Befürchtungen, alle Besorgnisse. vor den Jesuiten sind hinfällig. In den verschiedenen i Gegenden Deutschlands werden die Jesuiten ganz verschieden be- i handelt, wen sie Missionen abhaltcn wollen. Der Bundcsrath scheint kein Gefühl zu haben für die rücksichtslose Art, in der preußische Staatsbürger, die sich nichts haben zu schulden kommen lassen, auf Grund des Jesuitengesetzes ausgewiesen werden. Den : Bundesrath läßt so etwas kalt, er ist so erhaben über die Kränkung des Gefühls unseres katholischen Volkes, so erhaben über die innere Empörung, die jeden Katholiken ergreift, daß er sich seit Jahren in : Schweigen hüllt. Er ist aus seiner Lethargie nicht hcrauszubringen. Der innere Friede ist nur möglich auf Grund voller religiöser Parität. Wir haben unsere Interpellation nicht der Jesuiten wegen ein* gebracht, denn die Jesuiten können auch ohne Deutschland auskommen. Die Welt ist groß, und sie können an so vielen Stellen im Weinberge des Herrn arbeiten. Auch die katholische Kirche kann . ohne die Jesuiten auskommen. Mir verlangen die Aufhebung des Gesetzes, weil es ein Ausnahmegesetz ist, das angewcndct wird gegen ; Leute, die sich nicht das Geringste haben zu Schulden kommen lassen. : Das Recht der freien Meinung können Sie niemandem verwehren. Nihilisten, Atheisten, Sozialdemokraten und Anarchisten dürfen in : Deutschland bleiben. Von ihnen fürchten Sie keine Störung, aber die Jesuiten dulden Sie nicht. Da muß doch tm Katholiken der innere Mensch knirschen, wie einmal der alte Mallinckrodt sagte, Gerechtigkeit muß nach allen Seiten hin geübt werden. Gerechtigkeit . überall, auch gegen die Jesuiten. (Beifall im Centtum.) Abg. Delsor (Els.): Das Jesuitengcsetz ist der Bruder des Diktaturparagraphen. Gewiß kann die katholische Kirche, wie der Vorredner meinte, ohne Jesuiten bestehen, aber sie kann nicht bestehen ohne das Recht, Jesuiten zu haben. Wir hoffen, daß der Bundesrath bald dem katholischen Volke sein Recht werden laßt. (Beifall im Centtum.) Abg. Stöcker (f. k. P.): Ich wünsche für beide Kirchen absolute Freiheit. Den religiösen Kampf bedauere ich im Interesse unseres Vaterlandes. Aber ich kann nur sagen, wie es in den Wald hinein- schallt, so schallt es heraus. Der Haß, die Giftigkeit ist auf beiden Seiten gleich. Mein Ideal liegt in den Anfängen des vottgen Jahrhunderts, wo die Kinder beider Kirchen ein Herz und eine Seele waren. Dahin müssen wir wieder kommen. Der verstorbene Fürstbischof von Breslau hat einmal gesagt: „Wenn zwischen den beiden Konfessionen ein (streit entsteht, so soll cs nur der Wettstreit der christlichen Liebe fein". Ich sehe nicht ein, warum wir uns dieser; Auffassung nicht anschließen sollten. Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich habe nur einige staatsrechtliche Bemerkungen zu den Ausführungen des Abg. Bachem zu machen. Der Bundesrath ist kein Parlament; er ist kein Oberbaus, die Mitglieder des Bundesraths haben nicht ihre persönliche Ansicht zu bertreten, sondern der Bundesrath ist die Vettretung der deutschen Fürsten und Staaten, welche den völkerrechtlichen Bund des deutschen Reiches geschloffen haben. Daraus folgt, daß zwar bte einzelnen Mitglieder im Bundesrath ihre persönliche Auffassung geltend machen können, sie können die Gründe für unb gegen eine gu ergreifende Maßregel abwägen, aber bei der Schlußabstimmung haben sie lediglich das Votum abzugcben, bas ihnen ihre Regierung vorgeschrieben hat. Was weiter bas staatsrechtliche Ver- haltmß bes Reichskanzlers zum Buudesrath betrifft, so ist zu bemerken, baß wenn ber Reichskanzler ober eine Einzelregierung einen Antrag beim Bundcsrath cinbringt, dieser den Antrag prüft unb eventuell abänbert. Der Reichskanzler steht bann vor bec Frage, ob er geneigt ist, diesen Beschluß des Bundesraths zu vertreten und damit die politische Verantwortlichkeit zu übernehmen, oder nicht. Daß ber Reichskanzler die unveränderte Annahme seiner Vorlagen verlangt, ist vollkommen ausgeschlossen. Das würde das Ende bes föberativen Systems im Reiche fein; bas würbe noch weiter gehen, als sogar bie Vefugniß eines Ministerpräfibenten gegenüber seinem Staatsministerium. Der Kanzler ist auch nicht in der Lage, jedem abändernden Beschluß des Bundesraths gegenüber etwa dre Kabinetsfrage zu stellen. Der Fall kann eintreten, obwohl er äußerst unwahrscheinlich ist. Abg. Singer: DaS glaube ich!) Ja, es kann der Fall cintreten, daß der Kanzler aus einem Beschluß des Bundesraths eine Kcwinetsfrage macht, aber das wäre nur eine Ausnahme. Für die Politik im Reiche aber ist nicht ein einzelner Beamter verantwortlich, sondern bie Gesammtheit ber berbünbeten Regierungen. Abg. Bachem (Ctt.): Meine Vorwürfe haben sich auch nicht gegen ben Reichskanzler gerichtet, sondern gegen die verbündeten Regierungen. Der Reichskanzler kann nur die Beschlüsse des Bun- desrathes vertreten. Ebenso wie der Kollege Stöcker wünsche auch ich Frieden zwischen den Konfessionen. Wir müssen die Gefühle Andersgläubiger schonen. (Beifall im Centtum.) Abg. Schrader' (freif. Vgg.): Dem Herrn Staatssettetär er* JüDere ich, daß uns gegenüber die Beschlüsse des Bundesraths von dem verantwortlichen Reichskanzler vertreten werden. Wie die Beschlüsse zu Stande kommen, ist uns gleichgiltig, uns genügt es, wenn öer Kanzler die Verantwortung dafür übernimmt. Nach einer Bemerkung des Abg. Stöcker (b. k. P.) schließt dieBesprechungderJnterpellation. Es folgt bie Fortsetzung der zweiten Berathung des Etats bei r / f,,a m 15 6 e 5 3 n n e r n, beim Titel „Gehalt des Staats*. . . Neu eingegangen ist eine Resolution Dr. Pachnicke (freif Vereinigung s. Bassermann (nat.-lib.), durch die ber Reichskanzler er* J/JÄrr btScr bestchenben Versicherungs-Einrichtungen gegen 9f,C.2^raeu''r° 3U prüfen unb Vorschläge über eine zweckmäßige dieses Zweiges ber Versicherung zu machen. Abg. Stolle (Soz.): Ich bleibe dabei, daß in der Sozialpolitik n0uJ.h’!,c nichts geschehen ist. Eine Verordnung über die Kinder* n?6“ soll uns erst jetzt zugehen, ttotzdem auf bie schreienden Mißende schon feit 20 Jahren hingewiesen ist. Die Rechte wirft und immer SrerroriSniud vor. Aber ber Terrorismus der Unternehmer ist weit schlimmer. Die Verträge, bie geheimen Klauseln, bie bec Centralverband seinen Mitgliedern zur Pflicht macht, sind geradezu gemeingefährlich In Sachsen wurden auf Grund dieser Klauseln Tausende von Arbeitern kurz vor dem Weihnachtsfeste auf di- geworfen, em Fabrikant sagte einer Arbeiterfrau, ihm thäte das selbst leid, aber er könnte nicht anders handeln, weil er sonst eme hohe Konventionalstrafe zahlen müßte. Und gegen so ettoa5 der Bundcsrath nicht ein. Im Gegentheil, wenn die Arbeiter sttiken wollen, wird ihnen damit gedroht, daß Militär geholt wird und die blauen Bohnen fliegen sollen. Die unteren Ver* ^^^ehorden m Sachsen, besonders im Kreise Chemnitz, haben es durch allerhand Chikanen erreicht, daß die Arbeiter keinen Saal für ihre Versammlungen finden, während der Bund der Landwttthe ungehindert Versammlungen selbst am Sonntag abhalten darf Der Staatssettetär lobte so unsere Unfallverhütungs-Vorschriften, aber zögert? 3) Gedenkt der Reichskanzler eine solche Entschließung noch vor Beendigung der gegenwärtigen T'a gung des Reichstags herbeizuführen? Auf die Frage des Präsidenten erklätt sich Staatssettetär Graf Posadowsky bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. Abg. Dr. Spahn (Ctt.) begründet die Interpellation. Als ber Reichstag zum ersten Male den Beschluß auf Aufhebung des Jesuitengesetzes faßte, war der Bundesrath mit seinem ablehnenden Bescheid schnell bei ber Hand. Degegen haben wir auf unseren letzten Beschluß, der 1899 gefaßt wurde, jetzt nach drei Jahren, noch keine Antwott. Man sagt, wir hätten unsere Interpellation nur eingebracht, um auf die Regierung einen Druck bezüglich des Zolltarifs auszuüben. Eine solche Verquickung von witthschaftlichen und religiösen Fragen würde das katholische Volk nicht verstehen. (Sehr wahr! im Ctt.). Das Jesuitengesetz hat sich als ein ungerechtes, verwerfliches und widersinniges in seinen Wirkungen gezeigt. Die Thätigkeit der Jesuiten ist eine segensreiche; ich erinnere nur daran, daß eine ganze Reihe unserer Kolonien nur durch die Arbeit der Jesuiten mit unserem deutschen Vaterland in Verbindung gehalten wird; bie Jesuiten sind es, die dott deutsche Kultur verbreiten. (Sehr richtig! im Ctt.). Wenn ein Orden in dieser Weise für das Deutschthum thätig ist, so begreife ich nicht, warum man ihm die Rückkehr verwehtt, zumal in einer Zeit, wo die Regierung von uns Geld für eine Kolonialschule verlangt. Man hat den Jesuiten die Möglichkeit genommen, sich in den staatlichen Anstalten zu bilden, aber ttotzdem verbreiten sie deutsche Bildung im Auslande. Ich weise ferner auf die Verdienste der Jesuiten um die Wiffenschaft hin. In der deuffchen Poesie giebt es nicht Anmuthigeres, als bie von Jesuiten gebichteten Lieder. Glauben Sie denn, daß Sie durch Ausweisungen die Jesuiten zwingen können, ihr Verbindung mit den Katholiken in Deutschland zu lösen? Nein, die von ihnen herausgegebene Zeitschrift für katholische Mission bringt doch in unsere Häuser und wird von uns allen gern gelesen. Die Unterdrückung einer geistigen Regung verfehlt immer ihren Zweck. Durch die Ausweisungen der Jesuiten schädigen Sie nicht nur das katholische, sondern das ge- fmrnnte deutsche Volk. (Lebhafte Zustimmung im Ctt.) Der Kaiser hat selbst die Verbreitung der chttstlichen Grundsätze empfohlen. Dazu sind doch aber besonders die Jesuiten berufen. Ich will hier nicht rechten mit der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts, wonach apologetische Vorttäge unter das Jesuitengesetz fallen, sondern nur darauf aufmerksam machen, daß apologetische Vorttäge auch jeder Laie halten kann. Besonders hart wird das Gesetz in Preußen angewendet, unb bas zu bcrfclben Zeit, wo sich ein evangelischer Verein gebildet hat mit dem ausgesprochenen Zweck, die Katholiken von ihrem Glauben abspenstig zu machen. Wie mir erzählt wird, soll Preußen sich sogar an Holland mit der Bitte gewandt haben, die Jesuiten aus Holland auszuweisen, ein Verlangen, das abgelehnt wurde. Der holländische Minister hat geantwortet, er habe den Werth ber Jesuiten kennen gelernt, unb sei stolz barauf, ihnen den Schutz zu gewähren, ben sie in Preußen nicht genießen. !(Hört! hört! im Ctt.). Der Reichstag hat Alles gethan, was in seinen Kräften steht, um dies Ausnahmegesetz aus der Welt zu schaffen. Daß es noch in Kraft ist, dafür trägt allein ber Bundes- rath die Verantwortung. Ich hoffe, baß er sich noch in biefer Session über seine Stellung zu unserem Anttage schlüssig machen wird. (Beifall im Ctt.). Staatssettetär Dr. Graf v. Posadowsky: Ich habe in Stellvertretung des. ^Reichskanzlers folgende Erklärung abzugeben: Die Anträge, welche Gegenstand der vorliegenden Interpellation sind, unter - Iiegen der eingehenden Prüfung ber einzelstaatlichen Regierungen. stLachen nn Ctt.) Von katholischer Seite ist wieberholt barauf hin- gewiestn, daß die Thätigkeit ber Prebigerorben, insbesondere des Jesuitenordens, zur Ergänzung unb Unterstützung bec orbens- yaroajialen ©eclforge in gewissen Fällen und in gewissen Landes- il)cucn ntdjt entoebrt werden könne, baß in der aushilfsweisen Thä- ^.9'olt jener Predigerorden vielmehr eine nothwendige Forderung für die Befriedigung der konfessionellen Bedürfnisse ber katholischen «ira)c liege, unbererfeits hegen weitere Kreise ber protestantischen Bevölkerung auf Grund geschichtlicher Entwickelung gegen die Wieber- zulaffung des Jesuitenordens schwere Besorgniß. Wenngleich unter Der modernen einzelstaatlichen Gesetzgebung die Stellung der ein- zelnen Konfessionen eine wesentlich andere geworden ist, so bleibt JPÄ die -batlache bestehen, daß jene Besiirchttmg ziemlich tief int {Bolle "tzistwurzelt ist. Man wird diesen Widerstreit der Meinungen auch nicht beseitigen können durch ben^Hinweis barauf, baß in modernen Staaten bie verschiedensten ethischen Richtungen im geisti- gen Kampfe ihr Gegengewicht unb ihren Ausgleich finben müssen, imb daß cm solcher Kampf bie natürliche Voraussetzung für bie !°L^chte Auffrischung des geistigen Lebens einer Nation sei. Unter Elchen Verhältnissen ist es erllärlich, daß bie einzelstaatlichen Re- gicrungcn auf bem streitigen Gebiet erst nach reiflicher unb langer ertoagung Entschließungen fallen können gegenüber Anträgen, welche erne Abänderung des gegenwärtig bestehenden gesetzlichen Zustandes bezwecken. Es ist zu erwarten, daß die verbündete Re- ^r-ungen sich noch imi Saufe der gegenwärtigen Session zu ben schwebenben Fragen schlüssig machen werden, unb wird ber Beschluß ber berbünbeten Regierungen bem Reichstage demnächst in ber bis- her üblichen Form mitgetheilt. (Lachen im Centtum ) ßl ^rl-sung bi-ftr Erklärung verläßt ber ©taatSfelretör Kiaf v. Posadowsky Öen Saal. Auf Antrag des Abg. Rintclen (Ctt.) findet bie Besprechung ber Interpellation statt. Abg. Stockmann (Rp.): Wir erblicken nach wie vor in ber Wieberzulassung der Jesuiten eine Gefahr für ben konfessionellen Frieden. (Lärm im Centtum.) Davor wollen wir unser Vaterland bewahren. (Oho! im Centtum.) Dem Wunsch, daß wir über ben Reichstagsbeschluß aufgeklärt werben, kann ich mich nur anschließen. Das Schweigen bes Bundesraths hat auch in protestantischen Kreisen erregt; ich hoffe, baß wir recht bald Klarheit bekommen unb baß bic Antwort bes Bunbesrctths ein kurzes und bündiges Nein fern wird. Abg. Blos (Soz.): Wir sind Gegner aller Ausnahmegesetze. Aber wenn Sie wollten, müßte es Ihnen auch (zum Centtum) gelingen, das Jesuitengesetz zu beseitigen. Unsere Regierung treibt Weltpolitik; sic braucht Schiffe und Kanonen; und um diese zu erhalten, muß sie eine Bewilligungspartei haben. Diese war bisher bas Centtum. Wenn bas Centrum nun burchaus bie Aufhebung bes Jesuitengesetzes will, braucht es nur Mann für Mann in den Jesuiten-Orbeii einzutreten. (Heiterkeit.) Sie sollen mal sehen, wie schnell es bann aufgehoben wirb. (Heiterkeit.) Abg. v. Staudy (kons.): Auch wir wünschen, daß die Regierung zu Reichstagsbeschlüssen schneller Stellung -iimmt, als es zuweilen geschieht. Der völligen Aufhebung des Jesuitengesetzes kann bie große Mehrheit meiner Freunde nicht zu stimmen. Die Zulassung der Jesuiten würde in unser Volk eine so große Erregung tragen, daß der konfessionelle Friede dadurch aufs schwerste gefährdet würde. (Lärm im Centtum.) Ein Thcil meiner Freunde stimmt ber Aufhebung des § 2 des Gesetzes zu; ein anderer Theil glaubt aber auch hierfür die Verantwortung nicht tragen zu können unb befürchtet, daß dann der Zweck des ganzen Gesetzes nicht erreicht würde. Abg. Fürst Rndziwill (Pole): Wir erblicken in bem Jesuitengesetz einen traurigen Rest des Kulturkampfes. Wir proteftiren gegen dieses Gesetz, das eine unzulässige Beschränkung der Freiheit der Kirche ist. Abg. Büsing (nat.-lib.) verliest folgende Erklärung: Meine politischen Freunde bedauern mit den Interpellanten, baß ber Bun- besrath eine Verzögerung in ber Erledigung des Reichstagsbeschlus- ses vom 1. Februar 1899 hat eintreten lassen. Auch diejenigen, welche, wie wir, bie Aufrechterhaltung bes Jesuitengesetzes für noth- toenbig erachten müssen, beanspruchen ebenfalls, baß ber Bunbesrath gegenüber Beschlüssen bes Reichstags klare Stellung einnimmt. In ber Sache selbst sinb wir nach wie vor ber Ansicht, baß im Interesse ber Aufrechterhaltung bes Friedens in einer konfessionell gemischten Bevölkerung Niederlassungen des Jesuitenordens nicht zuzulassen sind und daß daher ber § 1 bes Jesuitengesetzes aufrecht zu erhalten ist. Was unsere Stellung gu § 2 anlangt, so ist ein Theil meiner Freunde auch jetzt noch bereit, einer Aufhebung dieses Paragraphen zuzustimmen, zumal von ihm nur selten Gebrauch gemacht worden ist, während ein anderer Theil auch der Aufhebung des § 2 widerspricht. Abg. Schrader (freif. Vgg.): Auch wir bedauern, daß der Reichstagsbeschluß so wenig Beachtung seitens des Bundesraths gefunden hat. Die Stellung meiner Freunde zum Jesuitengesetz ist bekannt. Wir wollen überhaupt keine Ausnahme-Gesetze und haben daher auch für bie Aufhebung bes Gesetzes gestimmt. Hoffentlich wird der Bunbesraths-Befchluß bald gefaßt, bamit bas Gerücht enblich aufhört, der Bundcsrath müsse wegen des Zolltarifs Rücksicht auf das Centrum nehmen. Abg. Richter (freif. Vp.): Ich kann mich dem Vorredner nur anschließen. In ber Sache selbst sind wir alle für bie Aufhebung des § 2. lieber bte Aufhebung bes § 1 sind wir geteilter Meinung. Abg. Dr. Bachem (Ctt.): Ich bedauere es, baß ber Reichskanzler heute nicht hier war. Noch mehr bebauere ich es, baß ber Vertreter bes Reichskanzlers keine Grünbe angegeben hat. Der Bunbesrath hat sich heute toicber auf bas Minimum von Vertretung beschränkt. Der Staatssekretär ist gleich nach seiner Erklärung verschwunden. Um so erfreulicher ist es, baß wenigstens einige Vertreter bet Einzelstaaten hier finb, um bie Stimmung bes Reichstags kennen zu lernen. (Heiterkeit.) Hoffentlich telegraphiren sie das, was sie hier hören, nach Hause. (Staatssettetär Graf Posa- bowsky betritt toieber ben Saal.) Zu meiner Freude kann ich lonftahren, daß der Staatssettetär wieder da ist, meine bösen Befürchtungen sind also nicht eingetroffen. (Heiterkeit.) Ich weiß nicht, ob bie Bunbcsrathsrnitgliebcr schon Jnsttuk- tionen erhalten haben, nach ber Meinung des Reichskanzlers wären sie vielleicht noch gar nicht in ber Lage, abzuftirnmen. Ich verstehe nicht, wie ber Bundcsrath sich eine solche Meinung gefallen läßt. Denn wenn dies wahr wäre, so wäre der Bundcsrath doch nur ein Phonograph (Heiterkeit), ber Ja ober Nein ruft, je nachbem cs hineinhallt (Heiterkeit), unb wenn keine Instruktionen vorhanben sinb, wissen bie Bunbcsrathsmitglieder gar nicht, wie bie Walze zu stellen ist. (Erneute Heiterkeit.) In einem ist der ganze Reichstag vollständig einig: in bem Befremben über das Schweigen bes Bundesraths. Wenn der Bundcsrath Ja sagen will, thue er es möglichst schnell; wenn er Nein sagen will, so habe er auch bie Courage, es schnell zu thun. Daß bem Vertreter bes Reichskanzlers bie Antwort auf bie Interpellation schwer gefallen ist, glaube ich gern. Denn wie soll er bic Stellung des Buiibcsraths angeben, wenn ber Bunbesrath überhaupt noch nicht Stellung genommen hat! Der Bunbesrath ist mit „cin- gehenben Erwägungen" über ben Reichstagsbeschluß beschäftigt. Ja, so heißt es immer. Diese „gewissenhafte Prüfung" bauert aber schon feit bem Jahre 1895! Tas Argument gegen bie Zulassung ber Jesuiten sind „geschichtliche Erinnerungen". Ist es nicht bloßstellend für ben Bunbesrath, baß kein anberer Grund für seine Weigerung, ber Aufhebung bes Jesuitengesetzes zuzustimmen, sich finben kann? Soll benn biefe Frage nicht nach Recht unb Gerechtigkeit entschieben werben? Lediglich „geschichtliche Erinnerungen" sollen maßgebend sein, nicht einmal Thatsachen, sondern nur Diskussionen, Angriffe und ganze Berge von Verleumdung! Es ist wirklich sehr viel von dem hohen Bundcsrath, baß er jetzt, nachdem er sechs bis sieben Jahre bie Frage geprüft hat, wirklich noch in biefer Session einen Beschluß zu unserem Anträge fassen will! Für ein solches Ausnahmegesetz müßten doch wenigstens die allerschwerwiegendsten Gründe angeführt werden. Nichts von alledem! Die Herren fürchten von der Zulassung der Jesuiten eine Storung des religiösen Friedens. Ja, haben wir denn jetzt den religiösen Frieden? Nein, wir haben ihn nicht, und so lange Konfessionen an ihre göttliche Berechtigung glauben, find sie verpflichtet, für ihre Ausbreitung zu kämpfen. Wir dürfen nicht den geistigen Kampf — mehr wollen wir nicht — auf irgend eine Weise cinschränken. Sehr häufig vergleicht man Jesuiten und Freimaurer. Ist es uns denn jemals eingefallen, zu verlangen, daß ber Staat bie Freimaurer unterdrücke? Auch wir wollen, daß die Diskussion über religiöse Fragen rücksichtsvoll und an- tändig bleibe. Aber nicht wir haben diese Linie überschritten, ' sondern der Evangelische Bund. Tagtäglich lesen wir in den Zei- : hingen aus ben Kreisen bes Evangelischen Bunbes und auch aus ; den Kreisen der Universitätsprofeiwren Aeußerungen über die ■ katholische Mrcke, bie so verletzend und beleidigend sind, wie ' es seitens ber Katholiken niemals Vorkommen wird, i Glauben Sie, daß die Jesuiten, wenn sie zurückkommen, jemals den < toir hatten im letzten Fahre 8000 Todte und 90 000 Verbündete. Die Unfallverhütungsvorsckriften sind eben noch durchaus ungenügend. Die meisten Unfälle geschehen auf den Bauten. Die Einführung des Befähigungsnachweises würde da gar nichts nützen, denn es ist Thatsachc, daß die meisten Unfälle den geprüften Fnnungsmcistcrn passircn. Von großer Wichrigkeit ist die Besserung des Lehrlingswesens;die Lehrlingszüchterei muß an Ende nehmen. Die Revisionen der Gewerbe-Inspektoren finden viel zu selten statt; cs ist höchste Zeit, daß namentlich für die Frauen- und Kinderarbeit endlich eine wirksame Kontrole cingefübrt wird. Die Mißstände sind so schreiend geworden, daß man seinen Patriotismus lieber darin bethätigen sollte, sie abzustellen, starr uns anzugreifen. Sächsischer Ministerialdirektor Dr. Fischer: Die sächsischen Verwaltungsbehörden haben keinen Einfluß auf die Kontrakte der Fabrikanten, bei Konventionalstrafen rc. handelt es sich um rein zivilrechtliche Fragen. Hier haben die Fabrikanten und Arbeiter genau dieselben Rechte. Nicht denken kann ich mir nach Lage des sächsischen Vcrcinsgesetzes, daß die Arbeiter keine Lokale zu ihren Versammlungen erhalten. Wenn dies wirtlich der Fall gewesen sein sollte, so liegt die Schuld nicht an den unteren Verwaltungsbehörden, sondern an den Gastwirthen, die ihre Lokale den Arbeitern nicht hergcbcn wollen. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Daß Mißstände, besonders in der Heimarbeit bestehen, erkenne ich gern an. Meine Negierung ist auch bereit, dem entgegen zu treten, die neuesten Vorlagen des Bundesraths verfolgen ja diesen Zweck. Ter Vorredner beklagte die geringe Zahl der Gewerbcrcvisioncn. Aber die Statistik ergiebt, daß Sachsen gerade hier in Bezug auf die Zahl der Revisionen an der Spitze steht. Wenn nicht Alles so ist zwischen Arbeitern und Gewerbcinspektoren, so liegt das an der Verhetzung, die von einigen Seiten betrieben wird. (Lärm bei den Sozialdemokraten.) Mit den weiblichen Assistenten der Inspektoren hat Sachsen nur wenig Erfolge gehabt. Redner kommt sodann auf einige Angriffe zurück, die bei der ersten Lesung des Etats gegen Aufsichtsräthe gerichtet worden sind. In Sachsen seien die Bestimmungen über Aufsichtsräthe sehr ftrcng. So dürften selbst pensionirte Beamte keine UnfsichtSrathsstellev beilcidev, dis mit einer Remuneration verbunden sind. Der Dbg. Südekum hat gesagt, die Verhältnisse w der SiemenssÄen Glasfabrik in Tresden seien so schlimm, daß ein höherer sächsischer Beamter ihm erzählt habe, er würde auch Sozialdemokrar werden, wenn er unter diesen Verhältnissen zu leiden Härte. Tas kann ich so lange nicht glauben, als ich nicht den Namen dieses Beamten erfahre. (Lachen bei den Sozialdemokraten.- Aehnlich ist cs anscheinend dem Setzer oder Korrektor des „Vorwärts" ergangen, dem diese Behauptung so Unglaublich schien, daß er aus dem sächsischen höheren Beamten einen „sächsischen höheren Arbeiter" machte. (Große Heiterkeit.) "Abg. Paul! (Potsdam, b. k. P.) bedauert, daß das Zwangs - F'.mungs-Gesetz vom Reichstag so verschlechtert worden sei, daß es jetzt den Handwerkern nur Schaden bringe. Namentlich die neueste Rechtsprechung und die Handhabung des Gesetzes seitens der Verwaltungsbehörden erschwerten die Bildung von Zwangsinnungen. Redner greift besonders den Minister Möller an, der dem Obcrvräsi- dentcn von Brandenburg aufgetragen habe, die großen Firmen- schildergeschäfie, die vorher für innungspflichtig erklärt waren, für nicht zum Handwerk gehörig zu erklären. Wenn es so weiter gehe, werde das Handwerk ruinirt werden. Deshalb müsse man das Gesetz revidiren. Daß Arbeitgeber zuweilen die Unfallvcrhütungsvor- schriften nicht beachteten und dadurch Unfälle hcrbeiführten, sei rich- tia: aber das Gleiche komme auch bei den Arbeitern vor; von der Anstellung von Arbeitern als Kcntroleure könne er sich keinen Erfolg versprechen. Ein Geheimrath aus dem preußischen Handelsministerium ist der Meinung, daß die Beschwerden über Vcrwaltungsmaßnahmcn preußischer Beamten in den preußischen Landtag gehörten. Allerdings ist die Anwendung der Grundsätze der Gewerbeordnung nicht immer leicht; das preußische Handelsministerium ist aber beswebt, die Schwierigkeiten befriedigend zu lösen. In dem von dem Vorredner erwähnten Fall war die Verwaltung an eine gerichtliche Entscheidung gebunden. Abg. Dr. Eiche (nai.-lib.)': Eine Petition gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hat der Reichstag seiner Zeit dem Bundesrath als Material überwiesen; ich bedauere, daß darauf seitens der verbündeten Regierungen nichts erfolgt ist. Tie Nolhwendigkeit, dem Alkoho- kismus entgcgenzutrcten, erhellt aus der Zunahme der Geistes-, Mevev- und Herzkrankheiten, die auf übermäßigen Alkoholgenuß zurückzuführen sinv. 40 pCt. deL Geisteskrankheiten und 60 pCt. der Verarmung haben dem Alkoholgenuß ihren Ursprung zu danken. Leider ist die Regierung dagegen noch nicht wirksam euigeschritten. Reckt ckarakteristisck ist cs, daß die Einnahmen aus der Vcanntweln- steuer um 6 Millionen gestiegen sind. In Amerika giebt es bercUs 10 Millionen Abstinenzler, und die Amerikaner sind doch praltilche Leute, aber keine Ideologen. Das Rcichsgesundheitsamt sollte Sckriften gegen den Alloholismus herausgeben und die Devolkeruyg über die Gefahren des Alkoholismus aufklären. Auch die Wehrhaftigkeit unserer Armee würde durch die Enthaltung von geistigen! Getränken erhöht werden, ganz abgesehen von den Fällen Morchingen und Insterburg, die aus dem Alkoholgcnuß entstanden sind. Erfreulich ist es, daß fetzt auch in Deutschland Arbeiter Abstmenzvere- eine in immer höherer Zahl gründen. Der Alkoholfrage mußten alle Parteien ihre Aufmerksamkeit widmen. Wenn das Retchs- amt des Innern sich auf dem internationalen Anttalkoholtter- kongreß im Jahre 1903 vertreten läßt, so hoffe rch, daß m Deutschland dann bereits ein Gesetz gegen die Trunksucht verabschiedet sei« wird. „ Hierauf vertagt nck das Haus. Präsident Graf Ballestrem schlägt vor, die nächste Sitzung am Mittwoch um 1 Uhr mit folgender Tagesordnung abzuhalten: Initiativanträge betr. kaufmännische Schiedsgerichte, Sickerung des Wahlgeheimnisses und der Toleranzantrag des Centrums. Zur Geschäftsordnung bemerkt Abg. Cckrader (frei). Vgg.): Ich erhebe keinen Widerspruch gegen die Tagesordnung, sondern will nur dem Wunsch-Ausdruck geben, daß der Bundesrath morgen bei dem zweiten Punkt der Tagesordnung sich recht zahlreich vertreten läßt, damit er hört, wie der Reichstag über das Wahlrecht denkt. Es bleibt also bei der Völl; PräMÄLll vorgeschlggelM LaLeL- ordnung. Schluß M. Aus MM und Zand. (Der Abdruck der unter dieser Rickrik befindlichcnOriginal-Nachrichten ist nur untcr^gcnauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, 29. Januar 1902. ** Der Großherzo g von Hessen passierte heute vormittag 8 Uhr mit dem D-Zuge 76 auf der Rückreise von Berlin, wohin er sich zur Teilnahme an der Geburtstagsfeier des Kaisers begeben hatte, den hiesigen Bahnhof und traf vormittags 10 Uhr 4 Min. in Darmstadt ein. Fulda, 28. Jan. Heute nachmittag wurde auf den ,S ch n e l l z u g Nr .15 ein Schuß abgegeben ; er durch-- lochte die Scheibe des Ausgucks für den Packmeister. Es wurde niemand verletzt. Eine Untersuchung wurde veranlaßt. Vermischtes. * Leipzig, 28. Jan. Die Kriminalpolizei verhaftete in der letzten Nacht den Postsekretär Wie sing vom Berliner Haupt-Fernsprechamt, der nach Unterschlagung von 22 000 Mk. flüchtig geworden war. Von dem unterschlagenen Gelde hatte Wiesing bereits einen erheblichen Teil durchgebracht. * New y or k, 28. Jan. Bei der gestrigen Dynamit- ^xplosion in der vierzigsten Straße sind nach bisherigen Feststellungen sechs Personen getötet worden, darunter drei Gäste des Hotels Murray Hill, 75 sind schwer, gegen 100 leicht verletzt Darunter viele Besucher und Angestellte des Hotels. Eisenbahn-Zeitung. Ludwigshafen, 28. Jan. Die Direktion der Pfäl- Aischen Eisenbahnen teilt mit: Die Betriebsrechnung der Pfälzischen Eisenbahnen für 1901 schließt mit einem vom Staate zuzuschießenden Passivrest von 437 347 Mk. ab. Der Bezug der Pfälzischen Eisenbahn-Aktien für 1901 bleibt danach auf die garantierten Zinsen und Präeipuen beschränkt, d .h. die Ludwigsbahn auf 9, für die Maximilicms- bahn auf 5i/2 und für die Nordbahnen auf 4 Proz. Gerichtssaal. Cassel, 28. Jan. Nach erneutem Beschlüsse des Gerichtes verbleibt es dabei, daß die Verhandlung gegen den Aufsichtsrat der Trebargesellschäft am 3. Februar statt findet. Neueste Meldungen. Origmaldrahtmeldnngen des Gießener Anzeigers. B e r l i n, 28. Jan. Wie von angebliche gut unterrichteter ,Seite mitgetellt wird, habe eine Berliner Firma die Lieferung von Pferden für die englische Armee in Südafrika übernommen. Der Ankauf geschieht in Ost- und Westpreußen durch beauftragte Händler. Die Pferde würden per Extrazug nach Rotterdam geschickt und von dort nach England eingeschifft. Seitens der englischen Armee-Verwaltung finden die preußischen Pferde große Anerkennung. Sie kommen an Ausdauer und Schnelligkeit txen Burenpferden gleich. Berlin, 28. Jan. Der Prinz von Wales hat heute vormittag 10 Uhr Berlin verlassen und sich zum Besuche des Großh. Hofes nach Neu-Strelitz begeben. Der Kaiser und Prinz Heinrich, beide in englischer Uniform, gaben dem Prinzen von Wales, der preußische Garde-Dra- goner-Unisorm trug, das Geleit zum Bahnhof, wo auch der .englische Botschafter anwesend war. Die Verabschiedung des Prinzen vom Kaiser und dem Prinzen Heinrich war äußerst herzlich. Nach der Abfahrt unterhielt sich der Kaiser noch längere Zeit mit dem englischen Botschafter. Der Prinz von Wales kehrte heute abend hierher zurück, um sofort nach Köln weiter zu fahren. Berlin, 29. Jan. Wie die „Voss. Ztg." vernimmt, beabsichtigt' der hiesige Goethebund, dem Kaiser für den Entschluß des Geschenkes an die Stadt Rom eine Huldigung darzubringen. Von einer eigens hierzu einberufenen Versammlung des Bundes soll ein Danktele- axamm an den Kaiser abgesandt werden. Berlin, 28. Jan. Die Zolltarif-Kommission des Reichstages trat heute in die Beratung des § 8 in Verbindung mit verschiedenen dazu gestellten Anträgen ein. Von den Abgg. Grafen Kanitz und Genossen lag 'ein Antrag vor; den Absatz 1 dahin zu fassen: Bei der Maren-Einfuhr ist ein Nachweis über den Ursprung der Waren zu erbringen, widrigenfalls die Abfertigung unterbleibt- Von den Äbgg. Hehl und Gamp wurde folgende Fassung beantragt: Bei der Einfuhr von Waren, welche verschiedenen Zollsätzen unterliegen, ist ein Nachweis über ihren Ursprung zu erbringen, widrigenfalls die Abfertigung zu den höchsten Zollsätzen stattfindet. Darüber erhob sich eine lange Dis- kussion. Nachdem noch eine Reihe anderer Anträge gestellt worden war, wurde schließlich auf Wunsch des Lmndelsministers Möller und des Staatssekretärs Frhrn. v. Thielmann die Fortsetzung der Debatte auf morgen vertagt, da noch verschiedene ungedruckte Anträge eingebracht worden waren. Greiz, 27. Jan. Der in Tirol weilende Fürst von Reuß ä. L. hat das Protektorat über den in Frankfurt gebildeten deutschen Antiduellverband übernommen. (Konnte man denn keine geeignetere Persönlichkeit finden als gerade Fürst Heinrich den Unartigen? D. Red.) L o n d o n, 26. Jan. Die Regierung brachte für das mit dem 31. März 1902 endigende Etatsjahr im Parlament einen Nachtragkredit von fünf Millionen Pfund Sterling zur Deckung der Mehrkosten des Krieges in Südafrika ein. London, 28. Jan. Ein hiesiges Blatt veröfsenllicht Auszüge von Briefen englischer Soldaten, ans denen hervorgeht, daß die südafrikanischen Truppen voll- ständig kriegsmüde und entmutigt sind. Die Soldaten wollen die Blockhäuser nicht mehr verlassen- London, 28. Jan. Kitchener telegraphiert aus Johannesburg vom 2. Januar: In verflossener Woche wurde von den englischen Truppenabteilungen gemeldet, daß 31 Buren gefallen, 20 verwundet, 322 gefangen wurden, während sich 53 ergaben. Im Nordosten der Kapkolonie verminderte sich der Feind derartig, daß General French einen Teil der Truppen von dort zurückzog. Im Westen der Kolonie näherten sich die Vorbereitungen zum Vormarsch der Beendigung, aber infolge der großen Entfernungen müsse das Vorrücken sehr langsam vor- sichgehen- Die Blockhauslinie in Frankfort ostwärts werde morgen nahe Vrede mit derjenigen, die vom Bothapaß hergeführt wird, zusammentreffen. Die Feldkornets von Bodes Kommando berieten darüber, ob sie sich ergeben wollten. Es erhob sich ein Streit. Die Beratung wurde abgebrochen, worauf Bodes Feldkornets und drei andere sich ergaben. Die Meldung über die Einnahme eines Lagers bei Welspan wird von Kitchener dahin ergänzt, daß 94 unverwundete Gefangene in seine Hände fielen. Eine starke Patrouille von Lichtenberg sei a b g e schnit ten worden. Ein Tell derselben sei vom Fände in der Nähe von Rietolei, südöstlich Lichtenberg, umzingelt. Acht seien gesallen, fünf verwundet, 41 gefangen, die inzwischen freigelassen seien. Infolge Mitteilung von dem beabsichtigten Zusammentreffen Mischen Schalk Burger und Ben Vilj oen bei Lydenburg wurde eine englische Abteilung entsandt, die der Abteilung Vlljoens nahe der Blockhauslinie auflauerte. Hierbei wurde der Adjutant Nel getötet, der Adjutant Vestres gefangen genommen London, 28. Jan. (Unterhaus.) In Beantwortung einer Anfrage erklärte der Erste Lord des Schatzes, Balfour, Friedensanerbietungen seien von niemand, der ermächtigt wäre, im Namen der Buren zu sprechen, an die Regierung gelangt- Jedoch am letzten Samstag fei eine Mitteilung der niederländi- schen Regierung eingegangen, die gegenwärtig der Erwägung unterliege. Er werde Abschriften dieser Mitteilung und der englischen Erwiderung sobald wie möglich auf den Tisch des Hauses legen- Brüssel, 29. Jan. „Petit bleu" schreibt: Die heutige Erklärung Balfours im Londoner Unterhaus ist dahin ausgelegt worden, daß damit ausgedrückt werden sollte, England seien von der niederländischen Regierung im Namen der Buren Friedens-Vorschläge gemacht worden. Wir sind in der Sage, diese Auslegung für falsch zu erklären- Die Burendelegierten in Europa haben keinen Friedensvorschlag formuliert und niemand beauftragt, einen solchen für sie zu machen- Sie wissen nicht, welche Mitteilung die niederländische Regierung der englischen hat machen können- Das Blatt fügt hinzu: Es ist nicht unmöglich, daß die niederländische Regierung in freundschaftlicher Gesinnung aus sich heraus es unternommen hat, die englische Regierung zu sondieren- Es ist auch möglich, daß ihre Mittellungen sich nur auf niederländische Angelegenhellen beziehen. Aber die Burendelegierten stehen diesem Schritt auf alle Fälle fern. Paris, 28. Jan. Auf dem Schlosse de la Grlllöre wurde der Graf de Bethune, sowie seine Gäste infolge eines Versehens des Küchenchefs, der eine Dose mit Salmiak angerichtet hatte, vergiftet- Der Graf 'tarb sofort, während die Gäste schwerkrank darnieder-, liegen. _ t ... Toure oin g, 28. Jan. Ein Ehemann, der mit) einer Gattin in Unfrieden lebte, erschoß diese gestern auf einem öffentlichen Platze und tötete sich darauf selbst- Wien, 29. Jan. Gegenüber den in den letzten Tagen verbreiteten Gerüchten, König Alexander von Serbien wolle auf die Krone zu Gunsten des Prinzen Kara g eo r g ewitsch v er zich ten und sich mit einer Apanage ins Privatleben zurückziehen, womit Oesterreich und Rußland einverstanden seien, erklärt das Fremdenblatt, diesen müßigenAnnahmenseidie That- ache entgegenzuhalten, daß es keine serbische Thronfolge- rage giebt, zum mindesten keine aktuelle. König Alexander teht im 26. Lebensjahre, und die Möglichkeit direkter Nach^ kommenschaft fei keineswegs ausgeschlossen. Peking, 29. Jan. (Reuter.) Der Kaiser und die Kaiserin-Witwe empfingen die fremden Ge- a n d t e n in Audienz. Die Gesandten, Geschäftsträger und Gesandtschaftssekretäre zählten fast 100. Der österreichische Gesandte überreichte eine Adresse und hob die Wwderher-, stellung freundschaftlicher Beziehungen zu China hervor. Die Mächte hofften, daß die Beziehungen noch inniger wer» den würden. Der Kaiser und die Kaiserin-Witwe erwiderten. Letztere drückte ihr Bedauern über das Vergangene aus und gab Versicherungen für die Zukunft. Verpachtung von Gelände Das am Mittel- und Wetzlarerweg gelegene Gelände, dessen Bebauung erst später erfolgen wird, soll in 7 Abteilungen zunächst auf ein Jahr Donnerstag den 30. l. Mts., nachmittags 4 Uhr, an Ort und Stelle verpachtet werden. Gießen, den 25. Januar 1902. 827 §Wknaffknschiift des kvavgkt. Arbtitkkvttms;n Gießen. Eingetr. Genossenschaft mit beschr. Haftpflicht. Doering. E Kmkm- Md ÖrgrähisMe des Verbandes ^WDenlslher Wndlmgszkhilski Leipzig. Eingeschriebene Hilfskasse. Größte, leistungsfähigste anerkannte Hilsskasse für Kaufleute von ca. 22 000 Mitgliedern. Im Jahre 1900 allein 429000 Mark für Krankcnunterstützung und 15000 Mark für Begräbnisgeld aus- gezahlt. Bei niedrigen Monatsbeiträgen freien Arzt, Arzenei, und bet Erwerbsunfähigkeit bis zur Dauer voller 52 Wochen tägliches Krankengeld von 5.—, 3*/2, 2‘/4 Mark u. s. w., sowie Begräbnisgelü bis zu 300 Mark. Die DerWattungssttlle Gießen. H Kmricii. Anmeldeformulare, Prospekte und Auskünfte auch durch die Herren Lang & Wiedersteiu, Marktstraße, Karl Retter, Schulstraße, und Rich. Hünig, Stephanstraße 39. 682 Theater - Verein 7. Vorstellung: Donnerstag den 30. Januar: J ohannisfauer. Schauspiel von Hermann Sudermann. Gast: Irene T rieselt, Berlin. Anfang 8 Uhr pünktlich. Ende 10% Uhr. Billets im Vorverkauf bei Ernst Challier (Rudolphs Nachfolger) --und abends an der Kasse. vk6 Emugtlischer UkglilW- uiii Mmemrm. Vereinsabende: Sonntag, Montag, Donnerstag u. Samstag, von abends 8 Uhr an. Versammlungsort: Diezstraße 15. — Gäste willkommen! 192 Der Vorstand: Dr. 91 auntann, Pfarrer. Nr. 24 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Bei lag der Brühl'sch'. Unwers.-Buch- u.Stein druckerei (Pietsch Erben Redaktion, Erpeditw.c und Druckerei: «chulstraße 7 Adresse für Depeschen. Anzeiger Gießen. Fern sprrchanschlußNr.51. 152. Jahrgang Erstes Blatt Mittwoch 29. Januar 1903 Bezugspreis: 9 monatlich 7öPf., viertel« jährlich 9)iL 2.20; durch k ydk Abhole- u. Zweigstellen a ''-.’T* monatlich 65 Pf.; durch «k 'vä M Lti '■££> .3 T die Post Dtk.2.— viertel- ■■■■ w\vii^i 7B 11iii8< | syrtsäft H M ÖL_ R Wrj hL HL RgL 1 W-W' El B3l5Q HL für die Tagesnummer ■ ■ W w W vormituuju IO Uhr. BW zr-Jy Zeilenpreis: lokal ISPf, General-Anzeiger ez .ää v für den polit. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen v -*>7 " zeigenteil: Hanö Beck. Einladung zum Bezüge des Hießener Anzeigers. Durch seine Reichhaltigkeit, die zahlreichen Original- Meldungen aus Stadt und Land, die ausführlichen, jeder Großstadtzeitung gleichwertigen Berichte über die Reichstags- Verhandlungen in besonderem Parlamentsblatte, den großen Depeschcntcil u. s. w. ist der Gießener Anzeiger zu einem ersten Provinzblatte herangewachsen. Wir werden unermüdlich an dem weiteren Ausbau desBlattes arbeiten und alle berechtigten Wünsche unserer Leser nach Möglichkeit berücksichtigen. Daß unsere Bemühungen in reichem Maße Anerkennung finden, beweist das fortwährende Steigen unserer Abonnentenzahl. Zum Bezüge für die Monate Februar und März laden wir hiermit höflichst ein. Bestellungen nehmen alle Zeitungsträger, Zweigstellen, Postaüstalten und die Expedition mtgegen. Hochachtungsvoll Verlag des Gießener Anzeigers. KeKanntmachung. Der LandeS-Pferdezuchtverein im Großherzogtum beabsichtigt, mit den im Frühjahr und Herbst d. I. zu Darmstadt cäzuhaltenden Pferde- und Fohlenmärkten eine Verlosung von Pferden, Fohlen, landwirtschaftlichen Geräten und sonstigen Gegenständen zu verbinden. Großh. Ministerium des Innern hat die nachgesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosungen unter der Bedingung erteilt, daß successive bis zu 50000 Lose zu 1 Mk. daS Stück ausgegeben werden dürfen und einschließlich der Reichsstemoelabgabe mindestens 70 Prozent des Bruttoerläses aus dem Verkauf der Lose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Lose im Großherzogtum gestattet worden.^ Gießen, den 25. Januar 1902. Großherzogliches Kreis amt Gießen- v- Bechtold. Politische Tagesschau. Die Beschäftigung von Gastwirtsgehilfeu. Der „Reichsanzeiger"" veröffentlicht die am 1. April in Kraft tretende Verordnung des Bundesrats über die Beschäftigung von Gehilfen und Lehrlingen in Gast- und Schankwirtschaften. Die Verordnung bestimmt, daß jedem Gehilfen und Lehrling über 16 Jahre für die Woche siebenmal eine ununterbroch eneRuhezeit von mindestens acht Stunden zu gewähren ist. Für Gehilfen und Lehrlingen unter 16 Jahren muß die Ruhezeit mindestens neun Stunden betragen. Durch Polizeiverordnungen kann diese längere Ruhezeit auch für Gehilfen und Lehrlinge über 16 Jahre vorgeschrieben werden. Die höhere Verwaltungsbehörde ist befugt, in Bade- und anderen Kurorten die Ruhezeit für Gehilfen und Lehrlinge über 16 Jahre in Gastwirtschaften während der Saison, jedoch nicht über eine Dauer von drei Monaten, bis auf sieben Stunden herabzusetzen. Neben dieser Ruhezeit müssen täglich, abgesehen von den Mahlzeiten, Ruhepausen in der Gesamtheit von mindestens zwei Stunden gewährt werden. Der Zeitraum zwischen zwei Ruhezeiten, welcher auch die Arbeitsbereitschaft und die Ruhepausen umfaßt, darf für Gehilfen über 16 Jahre höchstens 16 Stunden, für Gehilfen unter 16 Jahren höchstens 15 Stunden und in Bade- uno anderen Kurorten höchstens 17 Stunden betragen. Eine Verlängerung dieser Zeiträume ist für den Betrieb bis zu sechzigmal im Jahre zulässig. An Stelle einer der ununterbrochenen Ruhezeiten rst den Gehilfen und Lehrlingen mindestens in jeder dritten Woche e in m al ein e ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 24 Stunden zu gewähren. In Gemeinden, welche nach der jeweilig letzten Volkszählung mehr als 20 000 Einwohner haben, ist diese Ruhezeit mindestens in jeder zweiten Woche zu gewähren. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, ein Verzeichnis an- zulegen, welches die Namen der einzelnen Gehilfen und Lehrlinge enthalten muß. In das Verzeichnis ist für jeden einzelnen Gehilfen und Lehrling einzutragen, wann und für welche Dauer eine Ruhezeit von mindestens 24 Stunden gewährt worden ist. In ein weiteres Verzeichnis ist einzutragen, wann Ueberarbeit im Betriebe während des Kalenderjahres stattgefunden hat. Gehilftn und Lehrlinge unter 16 Jahren dürfen in der Zeit von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens nicht beschäftigt werden. Außerdem dürfen Gehilfen und Lehrlinge weiblichen Geschlechts zwischen 16—18 Jahren, welche nicht zur Familie des Arbeitgebers gehören, während dieser Zeit nicht zur Bedienung der Gäste verwendet werden. Von diesem Verbote sind diejenigen Personen ausgenommen, welche bei der Verkündigung dieser Bestimmungen Kellnerinnen sind. Ladenschluß. Dem Vernehmen der „Rh. W. Ztg." zufolge hat der Bundesrat Bestimmungen darüber getroffen, wieviel Geschäftsinhaber in einer Stadt nötig sind, um Anträge auf Einführung eines früheren als des Neun-Uhr- Ladenschlusses stellen zu können. Danach hat die höhere Verwaltungsbehörde zu dieser Feststellung, sofern es nach den Umständen des Einzelfalles geboten erscheint, einen Kommissar zu bestellen. Dieser hat eine Liste der beteiligten Geschäftsinhaber auszustellen und darin ersichtlich zu machen, welche den Antrag gestellt haben. Diese Liste ist zwei Wochen lang zur öffentlichen Einsicht auszulegen, Einsprüche gegen deren Richtigkeit und Vollständigkeit können von den Beteiligten bis zum Ablauf der Frist schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden- Gegen die Entscheidung des Kommissars über die Einsprüche ist binnen zwei Wochen die Beschwerde an die höhere Verwaltungsbehörde zulässig. Dann stellt die letztere auf Grund der ihr vom Kommissar eingereichten Liste fest, ob der Antrag in den Fällen des § 139 f Absatz 1 von zwei Dritteln, in den Fällen § 139 f Absatz 2 von einem Drittel der beteiligten Geschäftsinhaber gestellt ist. Ist gemäß Absatz 2 der Aittrag auf eine Abstimmung über die Verlängerung der Lndenschluß- zeit von mindestens einem Drittel der beteiligten Geschäftsinhaber gestellt, so hat die höhere Vertvaltungs- behorde die letzteren einschließlich der Antragsteller durch ortsübliche Bekanntmachung oder besondere Mitteilung zur Abgabe ihrer Aeußerung unter Angabe der Zeit und des Ortes für deren Entgegennahme aufzufordern. Dabei ist darauf hinzuweisen, daß bei der Feststellung der erforderlichen Mehrheit von zwei Dritteln nur diejenigen Geschäftsinhaber gezählt werden, welche eine bestimmte Aeußerung für oder gegen die Aenderung innerhalb der gesetzten Frist abgegeben haben. Auch diese Liste ist wiederum der höheren Verwaltungsbehörde einzureichen, die ihrerseits feststellt, ob zwei Drittel der Mstim menden sich für die Abänderung der Ladenschlußzeit erklärt haben- Als beteiligte Geschäftsinhaber im Sinne dieser Bestimmungen gelten: 1. sofern die Ausdehnung des gesetzlichen Ladenschlusses für sämtliche Geschäftszweige erfolgen soll, die Inhaber aller offenen Verkaufsstellen der Gemeinde oder Gießener Uadttheater. Alt - Heidelberg. Schauspiel in 5 Akten von Wilh. Meyer-Förster. „Wenn ein Unglücklicher mich fragt, wo er leben müsse, um dem lauernden Kummer dann und wantl auf eine Stunde zu entrücken, so nenne ich ihm Heidelberg; und wenn ein Glücklicher mich fragt, welchen Ort er wählen soll, um jede Freude des Lebens frisch zu kränzen, so nenne ich ihm abermals Heidelberg." Mit diesen lockenden Worten Kotzebues, der bekanntlich ein Badenser war, leitet Gernot Gunt-herr (wohl ein Pseudonym) seine „Heidelberger Lieder"*) ein, die mir just in diesen Tagen auf den Redaktionstisch gelegt wurden. Ich möchte hier nur folgende Strophen aus dem hübschen, litterarisch ja durchaus anspruchslosen, aber harmlos gefälligen Studentengesangbüchlein wiedergeben: Die Hirschgasse flimmert in Blütenschnee, Dort paukt der Heidelberger S. C. Rings Wappen gelb, grün, weiß, rot, blau! Im Halbkreis malerisch stehen zur Schau: Die Schwaben, Guestphalen und Preußen zumall Vandalen, Rhenanen, in stattlicher Zahl. Uub scharf und schneidig die Schläger klirrn, Tie Quarten fauf en, die Terzen schwirrn. Tes Unparteischen Kommando erschallt, Tre Sekundanten rufen ihr „Halt""! Und über allem ein lichter Schein Eon Lenzeszauber und Lebensmain. Ein Blühen und Duften weit und breit — £ felige, goldge Studentenzeit! O selige, goldge Studentenzeit! Ja, wir Deutschen sind i016 noch dre guten alten Romantiker, und lvenn uns ine Glocken der Erinnerung läuten, dann wird es Sonntag ^^sbren Herzen! Ob wir auch täglich frisches, frohes! Studentenleben um uns sehen, uns geht doch immer aufs neue das Herz aus, wenn wir uns unter die akademische Jugend mischen bie junge Burschenherrlichkeit von der Warte der alten herab voll weicher Wehmut sinnend betrachten. Mll welchem freudigen Feuereifer versentt sich selbst das bemoosteste, dreizähllge Semester in solche prächtigen Bücher wie Dr. Ficks „Auf Deutschlands hohen Schulen" (Berlin, Hans Ludw. Thilo) und Paul G):ab eins ,O alte Bur scheu Herrlichkeit"" (Stuttgart, Union). Und giebt es irgendwo in Deutschland einen alten Burschen, der m fernen jungen Jahren singend durch die Well gefahren, einen Schläger in der Hand, auf der Brust DreifarbenbanL, und sänge und hörte nicht auch im engsten Philistertum am *) 3. umgestaltete Ausl. (101 S.) Frankfurt a. M., Gebr. Knauer. 2 Mll liebsten unter allen Liedern eines derer von I. V. Scheffel, jene Lieder, die den Ruhm von Stadt und Schloß Heidelberg über alle Lande und Meere getragen haben! Ja, Heidelberg ist doch immer noch die schönste Universllätsstadt der Welt, mit den herrlichen Kastanienwäldern auf den Hügeln und Bergen ringsum, mit der ganzen paradiesischen Schönheit des Neckarthates, mit den verfallenen Renaissance- Palästen Otto Heinrichs und Friedrichs IV., an deren herrlicher Pracht uill) unvergleichllchier Wirkung wunderliche Flickschuster jüngst sich vergreifen wollten, bis sie schließlich, doch den energischen Protesten des ganzen poesiefühlenden Deutschlands gegenüber die Waffen streckten und den Ausbau ad Calaendas Graecas vertagten. Geradezu märchenhaft aber ist der Anblick Heidelbergs im Frühjahr zur Zeit der Obstblüte, wenn die großen zartrosa Blumensterne der Mandelbäume aus den fRebgärten ins Thal leuchten und die Knospen der Aprikosen-, Pfirsich- und Krrschbäume auf- brechen. Niemand kann sich dem Zauber entziehen, den Meister Joseph Victor so wundervoll in Worte zu kleiden verstanden hat: „Und kommt aus lindem Süden Der Frühling üb er's Land, So weht er Dir aus Blüten Ein schimmernd Brautgewand. Auch mir stehst Du geschrieben Jn's Herz gleich einer Braut, Es klingt wie süßes Lieben Dein Name mir so traut." Diese Verse summten wieder und immer wieder mir in den Ohren bei der gestrigen Erstaufführung von Wilhelm Meyer-Försters neuem Schauspiel „Alt-Heidelberg". Frühling draußen in der Natur, in dem reich gesegneten Neckar- thale, und Frühling drinnen im Herzen, wie in dem schönen Mulusstücke Max Halbes, „Jugend" benamst, das ist dieses romantischen Schauspiels zugleich frischfrohe und wehmütig süße Stimmung. Meyer-Förster, heute ein Vierziger — man findet fein Portrait im neuesten, 11. Hefte der illustrietten Familienzeitschrift „Zur guten Stunde" (Berlin, Bong u. Co., pro Heft 40 Pfg.) — hat als Student vor annähernd zwanzig Jahren feine litterarische Laufbahn als „Samar Gregorow" mit einer frischen Satire auf den einst viel gelesenen Saxoborussenrornan des Ostpreußen Meding, der sich Gregor Samarow als Schriftsteller nannte, eingeleitet. Seiner alten Liebe für Studententum und Stndentenpoesie ist er treu geblieben. Vor etwa einem Jahre wohl gab er bei Karl Krabbe in Stuttgart eine mit hübschen Illustrationen reich geschmückte Erzählung unter dem Titel „Karl Heinrich" heraus. Alt-Heidelberg war der Boden, auf dem sich jenes Geschichtlein abspielte, und das erquickende, gesangvolle Leben der Burschenjahre mit seinen goldenen Stunden und seinen Feierklängen von der allgemeinen, alle Standesunterschiede nivellierenden Jugendbruderliebe war darin mit Anmut geschildert. Jetzt hat Meyer-Förster diese Erzählung zu einem Schauspiel umgestaltet, das mit seinem inneren, lieblichen Schmelz uns alle, die wir in der schönen, der köstlichen Zeit, in den Tagen der Rosen mit gefühlt und m itgesungen haben, zeitweise in eine eigene gefühlsweiche Stimmung versetzte — wenn es auch hier und da, wie natürlich, mehr novellistisch als dramatisch wirkte und mitunter allzu stark Gustav Freytags „Verlorener Handschrift" nachempfunden ist. Aus einer griesgrämigen kleinen Residenz kommt nach strenger fteudloser Jugend ein schüchternes Prinzlein ii die Musenstadt. Wie mancher andere Mulus, der zum ersten Male die Schwelle der altna mater überschreitet, steht der aus Meyer-Försters Dichtersingern gesogene Erbprinz von Sachsen-Karlsburg zunächst pochenden Herzens und befangen der neuen Welt gegenüber, die sich ihm eröffnet und der er von nun ab angehören soll; wohl leuchtet in fein bislang etwas nebelhaftes Prinzendasein schon die ausgehende Sonne der lange ersehnten akademischen Freiheit wie das goldene Morgenrot, zauberisch schimmernd, glückverheißend, aber das geheimnisvolle unbekannte Land, in das er sich halb zitternd, halb ungeduldig hineinbegiebt, ist ihm noch ftemd und unverständlich. Doch das wird gar schnell anders. Hier auf dem herrlichen Stückchen Erde weckt die freie, frische Burschenherrlichkeit die unterdrückte Jugend aus ihrer Schlummerbefangenheit, Prinz Karl Heinrich wird Mensch unter Menschen, und es entwickelt sich aus ihm ein neuer Phönix, ein frischer, froher Fuchs, dem Burschenlust und die erste keusche Jugendliebe das reine Herz erfüllen. Gar bald auch lernt Karl Heinrich den Rundreim begreifen: Doch Keine ist aequalis Ter Filia hoapitalis. Von allen den Mädchen so blink und so blank gefällt ihm am besten die Käthie, des Wirtes Nichte, sie ist sein Gedanke bei Tag und bei Nacht. Aber mitten aus dem Genuß des Lebens, aus dem süßen Zauber thörichter und doch so süßer Jugendliebe ruft ihn die Fürstenpsücht. Ter durchlauchtigste Onkel ist schwer erkrankt und Erbprinz Karl Heinrich muß an seine Stelle treten. Schwer rcißt er sich los und geht, nicht, wie er noch soeben gehofft hatte, mit Käthie nach Paris, sondern nach dem verschlafenen Karlsburg, Alt» Heidelberg und Käthie im Herzen. So weit wirkte das Stück durch das stets gefällige Ereignis, einen Fürsten niedersteigen zu sehen unter gewöhnliche Sterbliche, mit denen er Mensch ist und bei denen er das Glück findet — und namentlich durch den Reiz der Stimmung, die thatsächlich — trotz mannigfacher Unwahrscheinlichkeiten — viel von der Poesie der Jugendsrische, der Burschenlust, von dem milden Zauber der Maienliebe, von der deutschen Studentenromantik bietet. Es ist aber nicht Scheffels feuchtfröhlich lachendes Gesicht, das dabei Herrn Meyer-Förster über die Schulter sieht, nicht des prächtigen Heidelberg^ der örtlich zusammenhängenden Gemeinden, 2. sofern die Ausdehnung nur für einzelne Geschäftszweige beantragt ift, die Inhaber aller offenen Verkaufsstellen, welche Waren der in Frage kommenden Art führen, auch wenn sie außer- -bem noch andere Waren feilhalten. Man kann nicht sagen, daß sich diese Anweisung durch 'ggroße Klarheit oder Einfachheit auszeichnet. Deutsch-französische Kolonialentente. Anläßlich der Rede des französischen Deputierten Menne, welche die Gegensätze zwischen England -und Frankreich in fast allen Fragen der Kolonialpalitik rbarlegte, hat die Pariser Zeitung „Eclair" eine eingeweihte Persönlichkeit darüber befragt, ob jemals ein ernsthafter Schritt zur Herstellung einer kolonial politischen Entente zwischen Frankreich u n b Deutschland unternommen worden sei. Die Persönlichkeit hat be- ■ja hend geantwortet und ausgeführt, die ersten Vorbesprechungen hätten 1894 unter dem Ministerium Casimir-Perier begonnen, als die Festsetzung der Kamerun-Kongo-Grenze beendet war. Die Verhandlungen wurden unter dem Ministerium Meline von Hanotaux weitergeführt und wären beinahe durch einen Akkord sanktioniert worden. Einige Tage vor dem Sturze des Kabinetts erhielt Hanotaux aus den Händen des Grafen Münster das Projekt .einer Entente zwischen Frankreich und Deutschland. Das Projekt bezog sich auf Portugal und die portugiesischen Kolonien in Ostafrika, war aber so wenig eng umgrenzt, daß es .Frankreich und Deutschland zu einer gemeinsamen Politik Hegen England in ganz Afrika verband. Der Rücktritt Hanotaux unterbrach die Verhandlungen, die Delcasse nicht ,fortsetzte. Erst ein Jahr nach dem Zwischenfalle von Faschoda wollte Delcasse die Idee einer deutsch-französischen Entente wieder aufnehmen, die deutsche Regierung verhielt sich jetzt ..aber reserviert. Ein anderer Gewährsmann des Eclair glaubt, Deutschland habe inzwischen eine Entente mit England geschlossen. Auch Delcasse erstrebe gegenwärtig eine Annäherung an England. Kaisers Geburtstag. IV. Das Telegramm des Kaisers an den Admiral ch. Köster, in dem er diesem mitteilt, er habe die Yacht .„Meteor" der Marine geschenkt, lautet: Ich habe beschlossen, am heutigen Tage die Yacht „Meteor" der Marine zum Geschenk zu machen mit der Bestimmung, daß dieselbe dem Offizierkorps in Kiel zum Gebrauch überwiesen wird, während „Komet" den Offizieren in Wilhelmshaven dienen soll. Indem ich Sie ersuche, dieses dem Offizierkorps bekannt zu geben, spreche ich den Wunsch aus, daß die Yacht „Meteor", die fortan den Namen „Orion" führen soll, allen denen, welche im Interesse des Segelsports sich einschiffen, ein Kleinod sein möge, das sie hüten und pflegen, und daß die Yacht den Offizieren so viel Stolz und Freude einbringe, wie ich auf diesem noch heute kaum übertroffenen Fahrzeug in mancher siegreichen Wettfahrt erlebte. Wilh elm. Admiral v. Köster sandte darauf folgendes Telegramm: Mit tiefstem* Dank für den abermaligen Beweis allerhöchster Gnade, welchen das Offizierkorps der Ostseestation durch die Schenkung der Yacht „Orion" empfangen hat, wird dasselbe bestrebt sein, dieses herrliche Fahrzeug in stolzer Erinnerung an den bisherigen Besitzer auch weiter siegreich zum Ziele zu führen. In dankbarster Ergebenheit wagt das Offizierkorps Ew. Majestät tiefgefühltesten, ehrerbietigsten Glückwunsch zu Füßen zu legen, indem es begeistert in den Ruf emstimmt: Hoch lebe der Kaiser! Ter Kaiser richtete an Admiral Th omsen in Wilhelmshaven folgendes Telegramm: „Es lag mir schon lange am Herzen, für die Offiziere in Wilhelmshaven beizuiragen an den Freuden des Segelsportes und dem Leben auf dem Wasser. Nachdem ich heute meine Yacht „Meteor", welche fortan den Namen „Orion" führen wird, der Marme §um Geschenk gemacht und den Offizieren in Kiel zugewiesen habe, bestimme ich nunmehr, daß die Yacht „Komet" den Offizier e n- in Wilh elmshavenzur Verfügung gestellt werden soll. Indem ich Sie ersuche, dies denOfsiziereu bekannt zu machen, gebe ich dem Wunsche Ausdruck, daß der „Komet" den Offizieren manche freudige Stunde bereiten möge, wobei sie sich erinnern wollen, wie erfolg- und genußreich das gute starkü Seesahrzeug durch viele Jahre dem Kaiser gewesen ist." Der Eisenbahn-Verein Gießen feierte gestern abend in Steins Saalbau das Geburtsfest des Kaisers in besonders festlicher Weise. Die Beteiligung war so zahlreich, daß der große Saal nicht ausreichte, um die Erschienenen sämtlich aufzunehmen, und auch die Neben- räutne benutzt werden mußten. Nach zwei Vorträgen des Musikkorps sprach Frl. Nordmann einen schönen Prolog, der mit großem Beifall ausgenommen wurde. Sodann hielt Verkehrs-Inspektor Nordmann die Festrede. In schwungvollen Worten hob er die vielseitige segensreiche Thätigkeit unseres Kaisers hervor. Insbesondere betonte er seinen hohen Sinn für Kunst und seine große Friedensliebe, die er auch im letzten Jahre wiederholt bethäticst habe, so auch in der chinesischen Angelegenheit. Freilich sei in China nicht viel zu holen gewesen, aber das deutsche Volk habe doch gezeigt, daß sein Schwert auch heute noch ebenso scharf sei wie vor 30 Jahren. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß diese Friedensbestrebungen Seiner Majestät auch für die Folge von Segen begleitet sein mögen, und brachte in diesem Sinne das Kafierhoch aus, in das die Anwesenden mit stürmischer Begeisterung einstimmten. Nunmehr sang Frau Hüttenberger aus Homburg v. d. H. zwei Lieder, auf die ein Violinsolo des Herrn Hüttenberger folgte. Wie sehr ihre Leistungen, die in der That hervorragend waren, gefielen, bewies der rauschende Beifall, den beide ernteten. Nach einem Piston-Solo wurde die Belly'sche Posse „Monsieur Herkules" aufgesührt. Stations-Assistent Fischer spielte den Direktor der Erziehungsanstalt Mahlmann mit solcher Natürlichkeit, daß man kaum einen Dilettanten in ihm vermutet hätte. Frl. Meisinger hatte die Rolle seiner Tochter Ernestine übernommem Auch sie zeigte, daß sie ihre Aufgabe völlig beherrschte. Ein Sohn des Stations- Assistenten L a a t s ch gab einen tadellosen Kandidaten Maus ab. Ebenso gewandt traten die Darsteller des Schreiers und des Auswärters August, die Brüder Dotzenrod, sowie des Zäsar, Kaufmann Möckel, und des Stubenmädchens Hanne, Fräulein Rinn, auf. Die urkomischen Verwechselungen, die den Inhalt des Stückes bilden, riefen förmliche Stürme der Heiterkeit hervor; und es braucht kaum erwähnt zu werden, daß die Darsteller den größten Beifall ernteten. Nach einer längeren Pause ergriff nochmals Verkehrs-Inspektor Nordmann das Wort. Er rief dem Eisenbahndirektor Schob erth, der in den nächsten Tagen Gießen verläßt, um seine neue Thätigkeit in Mainz anzutreten, herzliche Abschiedsworte zu, dankte ihm für seine vielen Bemühungen um den Verein und bat ihn, auch in Zukunft, so oft es ihm möglich sei, den Verein mit seiner Gegenwart zu beehren und zu erfreuen. Eisenbahndirektor Schoberte dankte dem Vorredner für seine herzlichen Worte und sprach die Hoffnung aus, auch späterhin öfter inmitten des Eisen- bahnvereins Gießen weilen zu können. Er trank auf oaS fernere Wohlergehen des Vereins. — Nach einem wiederum mit dem größten Beifall aufgenommenen Lieder- und Violin- Vortrage von Frau und Herrn Hüttenberger wurde das Genrebild „Kaffeeklatsch" von Hübner aufgeführt. Naturgetreuer kann ein Kaffeeklatsch wohl kaum dargestellt werden, und die Darstellerinnen, die beiden Frl. Mar golf, Frl. Müller und Frl. H o e r ft e r, fanden denn auch den wohlverdienten Beifall. — Ein urfideles Tänzchen, au dem sich nicht nur das junge Volk, sondern auch mancher Alte beteiligte, und das sich bis zum Morgengrauen ausdehnte, bildete den Schluß des schönen Festes. Unserem vorgestrigen Bericht über die Kaiserfeier des Kriegervereins ist noch hinzuzufügen, daß auch Herr I. K. Spies ein Ehrendiplom für 25jähr. Mitgliedschaft erhielt. Der Prolog, den Herr Ehr. Lehr d. I. für die Feier dichtete, hat folgenden Wortlaut: Des Kaisers Tag, ein Festtag aller Deutschen Ward uns von Neuem heut' geschenkt, Und dankerfüllt in allen deutschen Gauen Singt jeder Deutsche seines Kaisers Lied.. Wohl lange ist's, feit seines Großahns Mannen Im heil'gen Krieg die Einheit uns errangen, Doch jung wie je im Strahlenkranz der Kraft Steht heut das Werk gefügt aus Blut und Eifen. Ihr lebt ja noch, ihr alten festen Degen, Die damals treu für Ehre, Gott und Recht Geführt von ihm, dem Großen, Unvergeff'nen, .In Feindesland den Kaiser euch erwählt! Ihr lebt ja noch, ihr Jüngern, die als Knaben Aus frohen Kehlen jeden neuen Sieg, Den eure Väter kampfesfroh erftritten, Hinaus ins junge Deutschland freudig schriet! Habt ihr im Alltagssinn daran gedacht, Daß Schöpfern großen Werks Erhalter müssen folgen? Gleich großen Sinns? In Wort und That Dem Schöpfer gleich und ähnlich unentwegt? Schaut nur empor zu unserm jungen Kaiser Ihr Alt' und Jungen! — Hoch den Blick! Ein Kaiser ist's, ein wahrer, echter, Um den des Auslands Völker uns beneiden. Kriegsherr der Deutschen, Friedensfürst und Mehrer Des Deutschen Reichs an Macht und Ehr und Ruhm! Dich grüßen Deine Völker heut begeistert Und schwör'n aufs Neue Dir den Eid der Treue. „Hie Zollern"! tönts, wenn die Trompeten blasen, „Hie Kaiser"! Hie ein Volk, ein Gott, ein Recht!" Ob Neider Dich und uns auch nah und fern umgeben, Viel Feind, viel Ehr. Ein Hurra unferm Kaiser! S. Lang-Göns, 28. Jan. Kaisers Geburtstag wurde hier von dem Kriegerverein im Gasthaus zum Schwan mit Konzert gefeiert , w. Nidda, 28. Jan. Kaisers Geburtstag wurde bei uns durch Schulfeier, Veranstaltungen des Eisenbahn- Vereins in der Brauerei Kraft und -einem Kommers iw Sängers ursprünglicher Humor klingt aus dem Gaudeamus der Studenten heraus, sondern mehr die anempfundene, senti- mentalere Stimmung Rudolf Baumbachs, dessen Schüler auch der neueste Heidelberger Sänger Gernot Gunt-herr ist. Aber 'für eine Schaubühne hat doch fo eine Antrittskneipe der Heidelberger Korps etwas für sich. In einem großen, mit allem Koulissenzauber ausgestatteten Theater muß es wirken, wenn die Korps in ihren bunten Mützen singend aufziehen, wenn das Neckarthal mit den Brücken über dem Fluß, das alte Heidelberg und die waldige Höhe mit der imposanten Schloßruine sich dem Auge bietet, wenn die Höhen leuchten im Abendrot, der Illumination der Erinnerung, und sich der Abend mllde senkt auf die Gassen, in denen die Fenster auf- jleuchten; wenn dann endlich der liebe Mond auffteigt und langsam zieht durch die Maiennacht, den Strom versilbernd .mit seinem Nebelglanz. Der schroffste Gegensatz, dieses 'landschaftlich gehobene Biermilieu, zu dem Milieu des ersten .Aktes, in dem der steife, starre Etikettenzwang am Hofe zu Karlsburg mit flüchtig karrikierenden Strichen geschildert ist, ! wenngleich mit Verwertung mancher possenhafter Antiquitäten, !cms dem Schönthanschen „Cornelius Voß" re. Nun aber wird Prinz Karl Heinrich Regent und Fürst. 'Er muß als Serenissimus von morgens ftüh bis abends spät heftig regieren und hat den lieben langen Tag nur immer Müh und Plag! Mit jedem neuen Morgen fängt wieder das Regieren an. Er bleibt, nichts als Lakaien mit großen und kleinen Titeln um sich, ein Einsamer auf dem Throne, der die kurzen Heidelberger Tage als kostbares Erinnerungsgut im Herzen bewahrt. Im 4. Akte ist es Meyer-Förster wohl .mehr als er's beabsichtigt hat, gelungen, dem Publckum die öde Langweile Sachsen-Karlsburg zum Bewußtsein zu bringen. In einem Monolog — es wimmelt überhaupt von langen Einzelgesprächen in dem Stücke — faßt er den Entschluß, noch einmal zurückzukehren nach Heidelberg, gemäß dem seinem verstorbenen Erzieher Dr. Jüttner abgelegten Gelöbnis, die ckurze Jugend nicht zu vergessen, und Herr Meyer-Förster meint, das Publikum wurde nicht merken, daß so ein Monolog ein ganz fauler Notbehelf ist. In Heidelberg findet Karl Heinrich alles anders als er sichs gedacht hat, die meisten der lieben Korpsbrüder sind längst als bemooste Burschen -ausgezogen, dem Korps selbst ist er entfremdet; es empfängt den Fürsten, auf dessen fördernde Gunst wohl einige ältere. Semester rechnen, mit devoter Förmlichkeit, die Burschenlust kommt nicht auf im Kreise der befrackten Zecher. Enttäuscht sieht der Fürst die Kehrseite des akademischen Lebens, mit deren Zeichnung sich Meyer-Förster wieder ein winziges Sa- tirchen auf studentisches Strebertum erlaubt hat. Nur Käthie, die liebe Käthie ist die alte geblieben, in stürmischer Freude fällt sie dem Wiedergekehrten um den Hals und nennt ihn 'wieder, wie vor zwei Jahren „Karl Heinrich". Sie ermutigt ben Verdrossenen zum Wege der Pflicht, den auch sie gehen will, dort, wohin die Verhältnisse sie weisen. Thränenden Auges bleibt sie allein zurück, ihr schöner kurzer Jugendtraum ist aus — Ob sie ihrem Franzi, dem österreich-ungarischen Roßtäuscher, treu bleiben wird? Schließlich liegt ja die thüringische Residenz Karl Heinrichs nicht außer der Welt . . . Der trübselige Schluß ist ja undramatisch, aber zum tragischen Ausgang fehlen doch die Voraussetzungen. Namentlich in den beiden letzten Akten „Alt-Heidelbergs" macht sich eine starke Dosis Gartenlaubenpoesie im Genre der saccharin-süßen E. Werner bemerkbar, deren Romane z. Z. in einer neuen Lieferungsausgabe schädlicherweise in das deutsche Volk geschleudert werden. Diese weiche Rührseligkeit nimmt dem Ganzen die Kraft innerer Ueberzeugung. Man erinnert sich stellenweise sogar der vergilbten Mimili- und Lisiii-Romcmtik des unseligen, moschus-duftigen Clauren. Es bleibt alles äußerlich, wenn auch gelegentlich das ganze Kommersbuch lebendig wird und die vollendetste Prositstim- mung auf kommt. Das Stück ist mit feinen 5 Akten von schwer erträglicher Länge — es spielt netto 3l/2 Stunden — trotzdem hat sich der Verfasser feine Zeit zu einer tieferen Motivierung der Seelenwandlungen genommen, ganz abgesehen von gänzlich unwahrscheinlichen Aeußerlichkeiten, wie der Quartiervorbereitung, dem blitzgeschwinden „Keilen" und Verlieben des weltscheuen Prinzleins rc. rc., und dann gar erst der Vorgänge bei Hofe! Aber wenn auch! Der Gesamteindruck des oberflächlich unterhaltsamen Stückleins ist doch ganz erquicklich, und Herr Direktor Kruse, der wohl noch nie ein so volles Haus gesehen hat, kann fröhlich fingen: „Alt- Heidelberg, du feine!" Gespielt wurde bei uns die Novität im ganzen recht gut. Herr Schneider gab dem impressioniblen „Helden" in jeder Stimmimgslage die rechte Farbe. Den unerfahrenen, wie in einem Gefängnis aufgewachsenen Prinzen, den schüchternen Keilfuchs von guter äußerer Haltung, den lebenslustigen Studenten, den mit Mißmut wegen der schnell entschwundenen Jugend erfüllten Fürsten, den durch die einstigen Korps- brüder Enttäuschten und in Käthies Armen mit alter Seligkeit neu Beglückten brachte Herr Schn, mit gleichem Gelingen zur Darstellung. Herr Ramsey er als Dr. Jüttner bot, allerdings in unmöglicher Tournüre — man denke, er lebte 8 Jahre an jenem steifen Hofe — die humorvoll angelegte Gestalt eines gemütvollen, von der Erinnerung ans akademische Leben zehrenden, kurzatmigen, herzverfetteten, schlemmerisch dahinschwindenden Mentors, der mehr Freund ist als Lehrer. Ein liebliches, frisches Mädchenporträt von tiefem ehrlichstem Empfinden malte Frl. Hohenfels als Käthie, weniger das naive, lebenslustige süddeutsche Blut, als das fernige Mädel, das ohne Berechnung nur aus Liebe liebt und bei aller Heiterkeit immer verständig bleibt Von ben Hofchargen ist der korrekte, im Dienst verknöcherte Staats- .minister des Herrn Le-ßmann als durchweg gelungene Leistung anzuerkennen. Eine in Maske und Haltung ge* lungene Charge war der Korpsdiener Kellermann des Herrn W o i s ch. Mit dem übergeschnappten Kammerdiener fand sich Herr Hertzog so gut er's konnte ab. Herr Zoder war wieder einmal in zwei Rollen vortrefflich am Platze, als Hofmarschall wie als Wirt. Unter den Studenten trat Herr Gerlach hervor, dessen starke Heiserkeit fast den Eindruck der beabsichtigten Nuance machte. Die Lieder und der Suff reiben die Kehle uff. Herr G. hatte auch das Stück nach besten Kräften für unsere Verhältnisse ganz ansprechend inszeniert. Die Ruine des Heidelberger Schlosses, die Farbensymphonie der bunten Studentenmützen re. rc., das war alles ganz hübsch. Manche von den Korpsstudenten machten zwar recht fragwürdige Figuren, und den Salamander konnten die braven Jungen auch nicht reiben. Und dann machte auch die Diaiekt- szene wieder einige Schwierigkeiten. Aber das Publikum, das nach einem frischen litterarischen Trünke dürstete, war mit allem zufrieden, auch mit dem unlitterarischen Stücke. Der reiche Beifall galt viel weniger der Dichtung als der Darstellung. p, W. * Studenten auf der Bühne sind ja, feit Bruder Studio allerlei Stücke aufführt und jetzt sogar nach Paris gehen wird, um sich den Franzosen als klassischer „Räuber" zu zeigen, nichts neues mehr. Aber angesichts der von uns gemeldeten Thatsache, daß bei der Wiener Erstaufführung von „Alt-Heidelberg" W iener Stud enten die Heidelberger Studenten auf der Bühne dar gestellt haben, sei hier an einen früheren Theaterbrauch erinnert. In Königsberg und wohl auch in anderen Universitätsstädten war es Sitte, daß bei der Aufführung des Schauspiels „Das bemooste Haupt" von Benedix die Studenten der Universität ihre Komilitonen ans der Bühne darstellten, natürlich nicht in den sprechenden Studentenrollen, sondern als Statisten. Es war das Privilegium der Studenten, den Chorus der luftigen Musensöhne zu machen, so oft das Stück gegeben wurde. Auch der verewigte Ernst Wichert hat als Student bei einer solchen Vorstellung mitgeioirtt. Wie luftig es dabei hinter den Kou- liffen herging, welche tollen Extempores von den Musensöhnen Thalias auf der Bühne gemacht wurden und welches lebhafte Echo die tun)tierischen Leistungen der Studenten bei ihren Kommilitonen im Parterre fanden, kann man sich denkend Diese Mitwirkung von Nichtschauspielern bei den auf der Bühne des Königsberger Theaters aufgeführten Stücken beschränkte fich übrigens nicht nur auf das „Bemooste Haupt" und bie Studenten. In Aubers Oper „Der Maskenball" wurdeni früher die nicht singenden Masken des Maskenballes, auf dem Gustav III. von Schweden ermordet wird, vom Publikum gestellt. Da diese Oper meist zur Karneoalszeit gegeben wurde, so war dieser Maskenball im „Maskenball" ein .Haupt--' faschingsvergnügen der Königsberger. Sambrinus gefeiert Merwärts herrschte eine gehobene Dornstadt, 28. Jan. (T arm st. Ktg.") Zum gestri- A— ^«.stmahle der Beamten und Bürger un ^albau waren über 100 Gedecke aufgelegt Staatsminister richtete folgende Ansprache an die Anwesenden: ^Meine .frerren! Wie alljährlich am 27. Januar, so muh' beute wieder zu rmsereS Kaisers hehrer Geburts- masfeier in festlichem Kreise vereinigt, sind es Gefühle freudigen Tantes und zugleich Gefühle freudiger Zover- ückt die uns für Seine Majestät beseelen. Wohl sind wir' uns des Ernstes der Zeit bewußt, und kennen die Sorgen welche die Leiter und die Vertreter der Nation wie diese selbst bewegen, indessen wir dürfen und wollen vertrauen auf den lauten Kern, der in unsrem Volke lieat und bauen auf seine gesunde Kraft, die es zur frohe geführt hat und mit Gottes Hilfe befähigen wird, auch weiter auf dieser Höhe zu verharren. Vor allem aber und mehr noch wie zuvor sind heute un,cre Blicke auf Seine Majestät den Kaiser gerichtet Mit freudigem Danke und berechtigtem Stolze erkennen wir an, was Kaiser Wilhelm II. für uns, für Deutschlands Entwickelung aus geistigem und materiellem Gebiete, für seine Ehre und Machtstellung gethan, und mit freudiger Zu- Jerfid)t sehen wir die Geschicke des Vaterlands in Seine kräftige Hand gelegt, und Seiner weitblickenden Einsicht anvertraut ~ Meine Herren! Lassen Sie uns, wie seither, unbeirrt durch den wogenden Kampf der Parteien und unbeirrt durch den heftig entfachten Widerstreit der Meinungen, treu und fest zu Kaiser und Reich stehen und lassen Sie uns unsere ehrerbietigsten und auf- richtigsteii Wünsche zum heutigen Tage für Seine MaMat und Sein kaiserliches Haus zusammenfassen in den Rus: Seine Majestät, unser Allergnädigster Kaiser, Kaiser Wckhelm IL, König von Preußen hoch, hoch, hoch! Oberbürgermeister M o r n e ü>e a gedachte in einer Ansprache des hohen Landesherrn, Allerhöchftwelcher sich. yim Dolmetsch der Gefühle, welche die Versammlung beseelten, am Kaiserlichen Hofe gemacht habe. Auch dieses Hoch wurde enthusiastisch ausgenommen und die Hymne stehend an gehört Wie später Oberbürgermeister Morneweg mit» teilte, wurde an den Kaiser die Absendung folgenden Telegramms beschlossen: Sr. Majestät Kaiser Wilhelm, Berlin. Ew- Majestät bitten die aus Anlaß der Allerhöchsten Geburtstagsfeier zum Festmahl versammelten Beamten und Bürger der Stadt den Ausdruck ehrfurchtsvollster Glückwünsche genehmigen zu wollen. Rothe, Morneweg, Staatsminister. Oberbürgermeister. London, 28. Jun. Bei dem Feste im Carlton-Hotel, dem die deutsche Kolonie auf Einladung des deutschen Botschafters Grasen Wolff-Metternich gefolgt war, führte der Botschafter in einer Ansprache aus, die Deut- chen Londons seien der Einladung gefolgt, weil sie die alte Heimat nicht vergessen, die in dem Oberhaupte des Reiches den vornehmsten Ausdruck finde. Von besonderer Bedeutung sei der heutige Tag für die Deutschen, die in diesem gastlichen Lande ihn begehen, deshalb, weil der Herrscher des Landes seinen Sohn, den Thronerben, hinausgesandt uni) Kaiser Wilhelm die Freude bereitet babe, gemeinsam mit ihm das Geburtstagsfest in Freundschaft un b Eintracht zu feiern. „Jeder gute Patriot, glaube ich, darf den Wunsch hegen, daß dieses von den Für st en gegebene Beispiel von Eintracht auch von den Völkern befolgt werden möge. Mit diesem Wunsche erhebe ich mein Glas mit dem Rufe: Ter Kaiser, König und Friedensfürst lebe hoch." — „Pall Mall Gazette" bringt einen sympathischen Beglückwünschungsartikel. Der Artikel rühmt die Fähigkeiten und die Vielseitigkeit des großen Herrschers und spricht seine Freude über den dem Prinzen voii Wales in Berlin bereiteten Empfang aus. Ter Hinweis des Kaisers auf die große Reise des Prinzen werde in England gern vernommen. Noch wohlthuender seien die Worte des Kaisers über die britische Armee. Ter Artikel schließt: der Besuch des Prinzen in Berlin weise auf die Be ständ i g ke it der beide Nationen vereinigenden Interessen hin. Shanghai, 28. Jan. Tie deutsche Kolonie beging den Geburtstag des Kaisers in feierlicher Weise. Am Vormittag sand Parade der deutschen Garnison, später Frühstück beim deutschen Generalkonsul statt. Am Abend vereinigte sich die Kolonie zu einem Bankett. Aus Stadt und Land. (Der Albdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß, -luz." gestattet). Gießen, 29. Januar 1902. ** Französische Vorträge und Rezitationen. Heute, Mittwoch, wird Lektor Goetschy feinen Zyklus von Vorträgen und Rezitationen schließen und die Frage: „Qu’ ent ce que l’esprit franqaib?“ zu erörtern versuchen. •• Direktor Helm schreibt uns heute, unter Bestätigung unserer gestrigen Nachricht aus St. Gallen folgendes: „Ich gestatte mir, Ihnen die Mckteilung zu machen, daß ich zum Direktor des Kurtheaters in Bad Kreuznach gewählt worden bin. Nicht die Firma Kruse u. Helm ist gewählt, sondern ich allein." ** Irene Driesch, die wegen ihres auf morgen, Donnerstag, angesetzten Gastspiels jetzt den Mittelpunkt des Interesses in Gießen bildet, tritt am 2. Februar eine auf mehr als vier Wochen berechnete Gastipielreise an. Unsere Leser werden sich wundern, wenn sie hören, welche Anstrengungen der Künstlerin auf dieser Reise zugemutet werden. Frl. Triesch machte dem Vorsitzenden des Theatervereins darüb-w folgende Mittellung: „Am 2. Februar spiele ich in Köln, 3. in Bonn, 4. in Berlin, 5. in Frankfurt, 6. in Köln, 7. in Berlin, 8. in Frankfurt, 9. in Köln, 10. in Nürnberg usw. durch Süddeutschland, die Schweiz und Oesterreich". Eine Künstlerin ist also, sobald sie erst berühmt geworden ist, gewiß nicht aus Rosen gebettet, und Frü Triesch kann deshalb mit einiger Berechtigung schreiben: „Ich bin wie eine Sklavin festgekettet" und „Mein Leben gleicht einer atemlosen Hetzjagd." r Z. Watzenborn - Steinberg, 27. Januar. Am 14. Januar konnte unser Polizeidiener Joh. Eberh. Reitschmidt, auf eine fünfundzwanzig- jährige Amtsthätigkeit als Gemeindediener zurückblicken. Der Jubilar, der seinen schweren Dienst stets in tmtaji Pflichterfüllung versah, nahm als aktiver Soldat an den beiden Feldzügen 1866 und 1870/71 teil. Hoffentlich wird) er seine erprobte Kraft noch lange in den Dienst unserer? Gemeinde stellen können. un. Großen-Linden, 27. Jan. Am SamStag, bau 26. d. M., feierte der Gesangverein „Germania" in dem festlich geschmückten Schaumschen Saale sein Winterfest. Tie flott gespielten Theaterstücke sowie die vorgetragenen Lieder unter Lellung des Dirigenten Harnisch sanden allgemeine Anerkennung und kräftigen Beifall. Ein Tänzchen hielt die Mitglieder bis gegen Morgen zusammen. r. tzberstadt, 27. Jan. An Stelle des seitherigen Bei-' geordncten unserer Gemeinde, der dieses Amt 27 Jahre Der», maltet und eine Wiederwahl aus Gesundheitsrücksichten ab»- gelehnt hatte, wurde dessen Schwiegersohn Wilh. Müller? gewählt. z. Muschenhelm, 26. Jan. Die seit vorigem Jahre im Bau begriffene Straße von hier nach TraiS-Münzenberg wird- in diesem Jahre vollendet werden. Die Planierung ist bereits fertiggestellt, sodaß nur noch der Ausbau, sowie der Bau einer Brücke über die Wetter zu erfolgen hat. Die große Mehr> zahl unserer Gemeindeglieder ist von der Anlage, die sie ein schönes Stück Geld kostet, ihr aber keine nennenswerten Vor-l teile bietet, nicht sonderlich erbaut. Der Verkehr zwischen! beiden Orten und auch der Durchgangsverkehr ist äußerst gering, da sich von Trais—Münzcnberg aus der Verkehr mehr nach Butzbach—Friedberg, von hier aus aber mehr nach Gießen zu wendet. Der Landwirtschaft bringt sie ebenfalls keinen großen Nutzen, da das Feld, sowie das Wicsenthal, das oon ihr durchschnitten wird, auch seither auf leichte Weise erreicht werden konnte. Hoffentlich hat sie von der künftigen Bahn Butzbach—Lich mehr Vorteile. Das Interesse, das dieser Bahn bei uns entgegengebracht wird, ist sehr groß. Die ®e=- meinde zeichnete für den Bau 45 000 Mark. — In diesem Jahre werden es 25 Jahre, daß der hiesige Gesangverein ins Leben trat. Gründer war Lehrer Hotz, gegenwärttg v-tz Nidda. Der Verein beschloß, das 25 jährige Jubiläum festlich zu begehen. Für den 29. Juni ist ein größeres Sänger/fest geplant. Aus diesem Anlaß werden demnächst an alle im Umkreise sich befindlichen Gesangvereine Einladungen ergehen. Darmstadt, 27. Jan. Am 5. Februar, dem 80. Geburtstage des Prälaten D. Habicht, findet im „Darmstädter Hof" ein gemeinschaftliches Mittagessen stakst, woran auch die Mttglieder des Ooerkonsistoriums, die Familienangehörigen, sowie Freunde und Verehrer des Jubilars Anteil nehmen werden. — Die, welche sich an dem Essen beteiligen wollen, namentlich die von auswärts Kommenden, werden gebeten, dem Hotelbesitzer Wiener längstens bis zum 2. Februar mit Karte davon Kenntnis zu geben. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Donnerstag den 30. Januar, abends 8 Uhr, im oberen Konsirmandensaal (Kirchstraße 9): Bibel stunde. Psalm 46, Pfarrer Schlosser. empfiehlt sein 1H aller Art. Bekanntmachung. In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Ehr. Rebe Eheleute in Gießen wurden im Schlußtermine noch berechttgte Forderungen geltend gemacht. Es beträgt in Folge dessen der zur Verteilung verfügbare Massenbestand jetzt 1407.06 Mk. Die nicht bevorrechtigten Forderungen betragen 16 560 Mk. Die Schlußdividende mußte deshalb von 9°/, auf 873% reduziert werden. 909 Das berichtigte Schlußverzeichnis ist auf der Gerichts- schreiberei Gr. Amtsgerichts niedergelegt. Der Konkursverwalter. Verdingung von Fährlöhnen Das Anfahren von Holz re. für die slädttschen Anstalten, sowie die Leistungen derTages- fuhren für das Rechnungsjahr 1902/03 sollen Samstag den 1. Februar, vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. Die Bedingungen liegen auf unserem Bureau in den Neuen- Bäuen Nr. 43 (Zimmer Nr. 2, Schreibstube) zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Eießen, 25. Januar 1902. Das Stadtbauamt. Schmandt. 898 Hotzversteigerung im Gießener Stnbtnmlii. Montag, den 3. Februar, vormittags 97, Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald, in den Distrikten Uuterhag und Waldshute versteigert werden: 154 Fichten-Derbstangen mit 13,90 Festrn^ 5 nn Eichen-Scheitholz 78 rm Naoel-Scheitholz, 358 rm Nadel-Knüppelholz, 135 rm Nadel-Stockholz, 7760 Wellen Nadel-Neistg. Die Zusammenkunft ist auf dem alten Steinbacher Weg, am Waldeingang. 897 Gießen, am 27. Januar 1902. Großh. Bürgermeisterei Gießen. ________Mecum._______ Versteigerung. Donnerstag den 30. d. Mts., vormittags 11 Uhr, versteigere ich dahier 17 Kuchen-Stämme. Zusammenkunft der Steiglieb- haber in der Nordanlage," bei der Turnhalle. Die Versteigerung findet voraussichtlich statt. Gießen, den 28. Januar 1902. 896 Seipel, Gerichtsvollzieher. Bekanntmachung. Donnerstag den 30. o. Mrs., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Hofe des Gastwirts Otto Luft dahier (Neuenweg 28) auf Grund des § 489 G. B. infolge gerichtlicher Anordnung ein Pferd (Goldfuchsstute). Tie Versteigerung findet ganz bestimmt statt und kann das -p^rd genannten Tags von nn|^ CenetaMalxS toBs schleimlösendes Milte! bei * MustenJfeiserkeit.. IfersehleimunaJißlskretzen etc. Senega 0,5«/.. 1991 Zu haben in allen grosseren Apotheken und Drogerien. I 1898 Vorkommens en Wlißer-WM unter Garantie sachgemäßer. 3 5024 [400] 38 84 149 89 218 340 [3000] 402 3 10 53 519 61 669 [400] 721 89 803 [400] 914 32 3 6001 [500] 9 52 73 [400] 132 49 60 63 71 98 376 412 91 95 517 45 77 [400] 601 33 [400] 36 99 743 807 44 76 [400] 80 [500] 84 909 [400] 72 3 7039 40 [30 000] 65 [400] 91 [400] 121 [509] 22 [4001 202 [400] 30 38 41 48 97 313 [400] 14 48 [400] 409 29 87 591 625 53 [1000] 59 84 719 811 42 74 [400] 950 [400] 55 3 3030 46 96 145 209 395 473 96 532 34 [400] 35 58 648 60 61 91 765 86'2 915 61 39002 [500] 18 138 [400] 265 [500] 352 67 [400] 85 434 41 [400] 500 26 60 717 21 28 [2000] 67 [400] 896 949 46013 [5000] 30 60 63 114 33 39 207 310 68 404 17 [1000]"62 91 543 58 [400] 615 896 996 48010 72 75 98 135 55 84 90 268 75 329 30 [500] 403 32 [500] 53 594 600 14 712 824 [400] 941 55 65 87 42000 103 [400] 75 79 248 365 419 39 65 76 514 [1000] 15 60 95 632 55 86 764 [400| 66 78 802 13 1400] 18 78 [400] 43007 135 55 79 [400] 201 84 90 348 432 35 59 [5001 91 [30001 508 25 46 76 78 602 10 94 712 56 [400| 82 832 62 84 916 29 [2000] 78 [4001 44006 14 89 98 198 52 59 [400] 211 46 56 71 76 [400] 348 [4001 422 41 [40-0] 52 66 [500] 69 76 510 19 36 40 [1000] 614 34 80 707 59 79 [500] 802 6 [400] 28 84 £1000] 937 aus der Aktien-Brauerei (hÄl und dunkel) Bg» Bichler (hell und dunkel) Röhrle (Denninghoff) (hell) Münchener Augustiner-Bräu Dortmunder Löwenbräu Kulmbacher Export-Bier. IV. Kr. Kefstsche ^andes-