Nr. 253 Orfftetttt täglich ou&ex KomuagS. Dem Ste&ener Anzeiger werden tm Wechsel mtt dem kefstschen Landwirt die Giehener Kamiliea» blätter viermal in der Woche beigelegt. RoumonSdruck u. Verlag der B r ü h l'scher, Unwers.-Buch-u.Slem- drucktet (Ptetsch Erben) Stedaktton, LrpedUioa und Druckerei: Gchulstratz« 7, Adresse für Depeschenr Anzeiger Siegen. FernsprrchanschlußAr 51. Zweites Blatt. 152. Jahrgang Dienstag 28. Oktober 1903 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ve»«a0pr«i», monalttch7bPf^ oterted» iährllch Tlt. 2JO; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährt. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für dre TageSnummer biS vormittag- 10 Uhr. Zettenprel«: lokal 12 Pf^ aaSwärl- 20 Psg. Derantwortltchr für den polit. n. allgem. Teil: P. Wiltko; für .Stadt und Land^ und .Gerichts!aal"^ Kurt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. 2>ie ymtige Mmmer umfaßt 10 Seiten. Aus dem Reichstage. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt Mrterm 27. Oktober: Schwächer und schwächer bläht der Wind das parlamentarische Segel. Die Präsenzziffer sinkt von Tag zu Tag. Am Sonntag ist offenbar eine ganze Anzahl von Abgeordneten nach der Heimat abgereist. Ob die Herren den Geschmack an den weiteren Zolltarifdebatten verloren haben, oder ab sie nur vorübergehend der ReichShauptstadit den Rücken kehren, etwa bis zur Abstimmung über die Mindestzülle auf Vieh und Fleisch, sei dahingestellt. Ter Sitzungssaal machte heute den Eindruck eines ,Adylls": lange Reihen unbesetzter Bänke; lange Redens die im großen und ganzen des Schwunges ermangelten; eine merkliche Unlust der versammelten Gesetzgeber, chre Teilnahme an der Diskussion durch Kundgebungen für und wider zum Ausdruck zu bringen. Und dabei stand das Thema „F l e i s ch n o t" zur Erörterung, zwar nicht offiziell, aber im Anschluß an die Position: Mindestzölle auf Vieh. Was diese Mindestzölle anbetrifft, so ergab die Debatte erneut, daß Zentrum und Konservative an der Bindung der Viehzölle, wie sie die Kommission beschlossen hat, festhalten. Mit bemerkenswerter Entschiedenheit erklärte Abg. v. Oldenburg (kons.), der Vorsitzende des „Bundes der Landwirte"' für Westpreußen, die Rähte würde an der Frage der Bindung der Viehzölle den Zolltarif eventuell icheitern lassen. Einigermaßen verdutzt blickte bei diesen Worten der preußische Landwirtschaftsminister v. Podbielski auf den Redner. Doch aus dessen Munde kam itn nächstenAugen-- blick ein rundes Lob für Herrn v. Podbielski, und zwar wegen seiner „festen Haltung" in der Frage der Grenzsperre. Namens des Zentrums erklärte Abg. Tr. Spahn, daß die Viehzölle nicht als Kompensationsobjekt beim Al>- schluß von Handelsverträgen benutzt werden dürsten und deshalb nach unten zu binden seien. Für die Regierungs»- Vorlage sprach nur Abg. Tr. Semler (nl.), und zwar im Interesse der viehzüchtenden Marsch/- und Moorbauern Ostfrieslands und Schleswig-Holsteins. Er schloß seine Rede mit einem an die Adresse der Linken gerichteten Citat des Fürsten Bismarck aus den „Gedanken und Erinnerungen". Wortführer der Linken waren die Abgg. Tr. Müller- Sagan (freis. Bolksp.) und Tr. P achn i ck e (freis. Vereinig.), die sich ebenso sehr befleißigten, die „Fleischnot" als etwas Thatsächliches vorzuführen, wie von der anderen Seite dies bestritten oder der Erscheinung lediglich „vorübergehender Charakter" zugestanden wurde. Zur geschäftlichen Lage des Zolltarifs ist von einem in der heutigen Debatte angekündigten Antrag der Sozialdemokraten und Freisinnigen zu berichten, nach Erledigung der Position ,^8iehzölle" die Beratung des Zolltarifs abzubrechen und nach dem Etat wieder aufzunehmen. Aussicht auf Annahme hat der Antrag natürlich nicht. tzlü Kongreß deutscher Agenten findet z. Z. in Berlin statt. Tie Verhandlungen wurden am Sonntag durch den Vorsitzenden des Kongreß-Ausschusses, Ddoritz Goldschmidt-Berlin eröffnet. Als Vertreter des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe war Geh. Ober-Regierungsrat Wendelstadt anwesend. Ter Syndikus der Berliner Handelskammer Dr. Ehlers hielt einen Vortrag über: „Die Bedeutung und das Wirken der Agenten für Handel und Industrie". Die Konstituierung eures Zentralverbandes deutscher Agentenvereine wurde einstimmig beschlossen. Am Montag wurde die erste Werktagssitzung abgehalten. Bergmann-Berlin hielt ein Referat über „die Verweigerung von Gewerbe-Legitimationskarten an die Agenten und die Stellungnahme des Kongresses behufs Herbeiführung einer Aenderung des hierauf bezüglichen § 44 der Reichs-Gewerbe-Ordnung". Ter Vortragende führte aus, daß die Polizeibehörden in zahlreichen Fällen die Ausstellung der Legitlmationskarten verweigern und sich hierbei aus Entscheidungen höchster Gerichtshöfe gestützt hätten, durch die Anweirdung des 8 44 der Gewerbeordnung auf die Handelsagenten werde Ader, der außerhalb seines Heimatbezirkes seinen Geschäften nachgehe, dem Hausierer gleieygestellt; das Gesetz spreche von einem „Gewerbebetrieb im Umherziehen". Danach müsse der Agent das 25. Lebensjahr überschritten haben; der Verkauf einer Anzahl von Artikeln sei verboten, das Betreten fremder Wohnungen ohne vorherige Erlaubnis sei unstatthaft. Ter Handelsagent, welcher gegen diese auf die Hausierer gemünzten Bestimmungen verstoße, mache sich strafbar. Wenn man erwäge, daß sich unter den Handelsagenten viele Angehörige der ersten und zweiten Gcwerbesteuerklasfe befänden, so müsse man den heutigen Zustand als einen ganz unhaltbaren und unwürdigen bezeichnen. Auch die materielle Seite sei zu berücksichtigen. Obnwhl der Agent Gewerbesteuer zahle, könne von ihm noch eine Hausiersteuer erhoben werden. Deutsches Keich. Berlin, 27. Okt- Der Kaiser empfing heute nachmittag den neu ernannten dänischen Gesandten Freiherrn von Hegermann Lindencron in Gegenwart des Staatssekretärs Freiherrn v. Richthofen in Audienz- — Nach neuester Bestimmung trifft der Kaiser am 5. November in Kiel ein und tritt Tags darauf die Reife nach England an. — In Sachen der Weltausstellung in St. Louis ist der zum Generalkommisfar dieser Ausstellung für Europa ernannte Unterstaatsselretär a. D- C r i d l e r in Begleitung seines Assistenten zu mehrtägigem Aufenthalt hier em- getrossen, um mit der deutschen Regierung Verhandlungen einzuleiten zur Einsetzung eines deutschen Komitees. Be- !anntlich interessiert sich der Kaiser lebhaft für die Anstellung und das Zustandekommen dieses deutschen Komitees. — Der Legationsrat der preußischen Gesandtschaft in München Gras Bernstorfs ist zum Botschaftsrat in London ernannt worden. Diese Stellung gilt aber in unterrichteten Kreisen nur als ein Provisorium. Graf Bernstorfs dürfte zum Gesandten in München ernannt werden, da der derzeitige preußische Gesandte in München, Gras von Monts de Mazin, als Nachfolger des Fürsten Eulenburg auf den Posten eines deutschen Botschafters am Wiener Hofe anzusehen sei. (Graf von Monts war vordem preußischer Gesandter in Oldenburg. D. Red. d. Gieß. Anz.) — Tas in Paris in polnischer Sprache erscheinende Blatt „Goniec Polski" ist für die Tauer von zwei Jahren in Deutschland verboten. — Im Befinden des Abg. R i ck e r t ist die B e s s e r u n g anhaltend. Nach Ansicht der Aerzte vom heutigen Tage ist eine akute Lebensgefahr ausgeschlossen. — Ter „Reichsanz." veröffentlicht eine Bekanntmachung vom 22. Oktober, welche die vom Bundesrat erlassenen Vorschriften über die Einrichtung und den Betrieb von Roßhaar-Spinnereien, Haar- und Borsten-Zu- richtereien, sowie Bürsten- und Pinselmachereien enthält. Tie Vorschriften treten am 1. Januar 1903 in Kraft. Karlsruhe, 27. Okt. Morgen ftüh reisen der Gr o ß- h erzog und die Großherzogin nach Coburg zum Beuche der Herzogin Alexandrine von Sachsen-Coburg und Äotha, der Schwester des Großherzogs. Heer und Flotte. B e r ki n, 27. Okt. Nach einer Newyorker Depesche sagte General Cor bin in einer Unterredung, die deutsche Armee sei die beste der Welt, doch seien Armee und Soldaten verschiedene Tinge; die b e st e n So l d a ten seien die Amerikaner. Graf Waldersee werde im April nächsten Jahres Amerika besuchen und dort die Truppen besichtigen. General Aoung erklärte, Kaiser Wilhelm habe sich geäußert, daß er gern Amerika besucht hätte, aber die Entfernung sei ihm zu groß. Er würde einige hervorragende Persönlichkeiten als seine Vertreter zur Ausstellung nach St. Louis entsenden. Beförderung der Militär -Musikmei st er zu Feldwebel-Leutnants. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, wird der Kaiser anläßlich der am 2. 9io- vember erfolgenden Einweihung der neuen akademischen Hochschulen für bildende Künste und Musik in Charlotten- burg den Militär-Musikmeistern den Dienstgrad der Feldwebel-Leutnants verleihen und zwar nach einer gewissen Reihe zurückgelegter Dienstjahre als Musikmeister. EinbayerischerGeneral schreibt der „Allg. Ztg." unter B^ugnahme auf eine Rede des Abg. Pfarrer Hebel: „Der durch allerhöchste Verfügung abgeschaffte bayrische Generalshut, bei Wirch, Staub und Regen unpraktisch im Frieden wie im Kriege, im Kriege als auffallende Zielscheibe außerdem geradezu bedenklich und deshalb in den letzten Kriegen ganz zu Hause gelassen, hätte nach Pfarrer und Landtagsabg. Hebel und dessen Gesinnungsgenossen, um den Empfindungen des Volkes zu entsprochen und nicht ein weiteres Stück bäuerischer Selbsrändig- keit zu opfern, beibehalten werden sollen! Für jeden Einsichtigen möchten diese Anschauungen eines Kommentars nicht weiter bedürfen" Ausland. Stockholm, 27. Okt. Das „Amtsblatt" teilt mit: Der König sprach den Schiedsspruch in der Samoafrage in Üeberemstimmung mit drei hinzugezogenen Juristen, dem ehemaligen schwedischen Justizminister Annerstedt, dem ehemaligen norwegischen Konseilpräsidenten Hagerup und dem ehemaligen Oberrichter auf Samoa, Lederkranz. London, 27. Okt. Von unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß England demnächst seine Gesandtschaft am Hofe des Kaisers von Japan zum Range einer Botschaft erheben wird. London, 27. Ott. Von informierter Seite wird bestätigt, daß die italienische Regierung sich bereit erklärt hat, an der Niederhaltung der Bewegung im Somali- lande mitzuwirken. Konstantinopel, 27. Ott. Zwischen Melnik und Newrokop fand ein Zusammenstoß zwischen Bulgaren und türkischen Truppen statt. 23 Bulgaren wurden getötet, die übrigen zerstreut. Chardin, 27. Okt. Die Stadt Bodune (Sinischen), 120 Werst von Charbin, ist von Chunchusen eingenommen worden. Russische Truppen sind zur Befreiung abgegangen. Buenos Aires, 27. Ott. Präsident Roca hielt bei der feierlichen Einweihung der Hafenbauten in Rosario eine Rede, in der er zunächst die Ursache der letzten Krise besprach, deren Folgen Argentinien noch immer spüre, und der Hindernisse gedachte, die der Ausführung der Hafenbauten entgegenstanden. Er führte aus, die gewaltigen He eres- ausgaben, die beständigen Kriegsbefürchtungen, die verschiedenen Schädigungen, die Viezuchi und Ackerbau heimsuchten, Alles das sei ein trauriges Bild der Lage, welche die gegenwärtige Regierung antraf, aber, fuhr Roca sott, nach und nach sei überall wieder Ordnilng eingekehtt. Seine Regierung zerstreute die vorhandenen Wolken, beschwor die drohenden Gefahren, ordnete die Finanz- verwattung und stellte den Kredck wieder her. Argentinien trete jetzt wieder in normale Verhältnisse ohne übertriebene Hoffnungen, aber auch ohne Pessimismus. DaS werde eS dem Lande ermöglichen, wenn ihm noch mehr Prüfungen beoorstehen sollten, größeren Schwiettgkeiten die Stirn zu bieten, als die waren, die es überftanb. — .......... ' '■■■ ■ ..... Zum RetroleumLrieg finden wir einen Artikel im „Bayer. VolKdoten". In Regensburg hat sich ein Kampf entspannen zwischen der Deutsch-amerikanischen Petroleumgesellschaft und der rumänischen Petroleumgesellschaft, der für uns insofern Interesse hat, als bei uns in Gießen ja ein ähnlicher Kampf geführt wird; nur kommt bei uns weniger die rumänische als die russische Gesellschaft in Betracht. Das genannte bayerische Blatt schreibt u. cl: Beide Gesellschaften (nämlich die amerikanische und die rumänische) haben in Regensburg den Tankbetrieb eingerichtet und stellen den Tetailgeschäften ihre eigenen Ständer leihweise zur Verfügung. Dadurch ist der Preis! des amerikanischen Pettoleums, der im vergangenen Jahre noch 24 Psg. betragen hat, auf 19 Pfg. gesunken, während rumänisches Petroleum um 18 Pfg. pr. Liter verkauft wird. Es ist also bei amerikanischem Petroleum ein Preisunterschied von 5 Pfg. eingetreten, was für den Konsumenten schon eine ganz beträchtliche Ersparnis bedeutet. Tie Reisenden der Deutsch-amerik. Petroleumgesellschaft haben bei allen Kolonialwarengeschäften verlangt, daß dieselben nur mehr amerikanisches Petroleum führen. Die Tetailliften haben aber dieses Ansinnen beinahe durchwegs abgelehnt und die Reisenden sind bann von dieser Bedingung bet den meisten Händlern abgegangen. Die Petroleum-Grossisten haben ihre Schlüsse mit den Detailleuren an die Deutsch- amerikanische Petroleumgesellschaft b er tauft und es ist denselben nunmehr untersagt worden, amerikanisches Petroleum am hiesigen Platze in Fässern zu liefern, es muß alles Petroleum auf dem hiesigen Platze dirett von dem Sttaßenwagen durch die Deutsch-amerik. Petroleumgesell^ schäft geliefert werden. In Anbetracht dessen, daß die Amerikaner lange genug vom Publikum profitiert haben, ist es nur mit Freuden zu begrüßen, daß endlich einmal! die Zeit gekommen ist, wo dieselben gelungen werden, billiger zu verkaufen und einen geringeren Nutzen zu nehmen, als dies seither geschehen ist. Weder die Grossisten noch die Detailgeschäfte haben bei dem Verkaufspreise von 24 Pfennig einen entsprechenden Nutzen gehabt und teilweise sogar mit Verlust verkaufen! müssen. Nunmehr bietet aber die Deutsch-amerikanische Pe- ttoleumgesellschaft den Detailgeschäften einen wesentlich größeren Nutzen, um gerade die Tetailgeschäfte zu veranlassen, dem Publikum das amerikanische Pettoleum zu empfehlen. Wenn aber einmal die Konkurrenz des rumänischen Pettoleums aufhören würde, so würden sicherlich wieder sofort die alten Zustände kommen und die Amerikaner würden den Pettoleumpreis einfach dittieren, wie es ihnen beliebt Die Standard Oil Co. hat in Deutschland schon so viel Unheil angerichtet und schon so viel ehemals blühende und gut situierte Geschästsfirmen begrenzt, daß die Bevötterung sicherlich keinen Anlaß hat, nach dieser Sette Partei zu nehmen. Die Amerikaner stützen sich darauf, ein unermeßliches Kapital zu besitzen und den reichsten Mann der Welt, Rochefeller, an ihrer Spitze zu haben, und deshalb glauben sie, daß sie die rumänische Pettoleum- industrie hier in Deutschland ruinieren können. Mtt ihrem Prinzip „Geld regiert die Welt" scheinen die Amerikaner auch hier rechnen zu wollen. Den Händlern kann ja die Standard Oil Co. dittieren, nicht aber wird es möglich fein, dem Privatmann zu diktieren, welches Pettoleum er verbrennen muß. Aus Stadt uud Land. Gießen, den 28. Oktober 1902. — Der gemeinsame Kandidat der bürgerlichen Patteieu für die Landtagswahl ist Justizrat Dr. Gutfl eis ch. •* Der Plan zur Errichtung eines Städte- bundtheaters wird, wie wir aus der Marburger Presse ersehen, dott nach Kräften gefördert, und es kann deshalb kaum noch ein Zweifel an dessen Zustandekommen bestehen. ** An dem Neubau der katholischen Kirche ist in der vergangenen Woche mit den ersten Arbeiten begonnen worden, lieber die feierliche Grundsteinlegung ist noch nichts desinitioes beschlosien. — Auf dem Braunsteinbergwerk F er nie sind, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, im Laufe des Oktobers 25 Arbeiter neu eingestellt. Der tägliche Versandt an Erz beträgt durchschnittlich 300 Tonnen. Die anders lautenden Meldungen der „Darmstädter Ztg.", des „Darmst. Tagebl.", der „Offenbacher Ztg." und anderer Blätter sind demnach unzutteffend. ** Zu den Landtagswahlen. Im 13. Wahlkreis (Mittelpunkt W o l f s k e h l e n - D o r n h e i m) ist die Wahl- betoegung nun ebenfalls eine lebhaftere geworden. Von einigen Mitgliedern des Bundes der Landwirte ist der Bürgermeister Sensf e 1 d e r - Büttelborn aufgestellt worden. Diese Kandidatur scheint nun nicht nur von einem anderen Bündler - Landwirte, Graf-Büttelborn, wie mehrere „Eingesandts" desselben beweisen, sondern auch von den im Kreise Darmstadt belegenen acht Orten, die zu dem Wahlkreise gehören und bei der Aufstellung der Kandidatur gar nicht befragt worden feien, bekämpft zu werden. — Tor seitherige national! iberale Abgeordnete, Backes- Darmstadt, soll ebenfalls Lmdidierea. — Vmt sioziallstischer Seite ist Friedrich-Darmstadt ausgestellt, diese Partei bat aber nur tn wenigen, aber größeren Orten (Griesheim, Weiterstadt rc.) Aussicht, ihre Wahlmänner durchzubringen. — Von einigen Seiten ist nun auch der keiner politischen Partei angehörige, im Wahlkreise geborene und ourch sein seitheriges Eintreten für eine Bahn Darmstadt- Oppenheim in den Riedorten wohlbekannte Stadtverordnete Schupp-Darmstadt als Kandit«t nominiert worden, und es scheint daher, daß sich demnächst noch ein lebhafter Wahlkamps im 13. Wahlkreise entwickeln wird- — Die Vorstände der deutsch-sozialen (antisemitischen) Re- formpartei und der christlich-sozialen Partei ui Darmstadt fordern in einer gemeinsamen, näher motivierten öffentlichen Erklärung chre Parteiangehürigen und Gesinnungsgenossen auf, bei der Landtagswahl in Darmstadt für die Wahlmännerliste der Kandidatur Oberbürgermeister Morneweg und Landgerichtsrat Tr. Buff zu stimmen. — Aus Mainz wird gemeldet: Im Saale des Lath. Männervereins sand gestern eine Versammlung statt, in der Landtagsabg. Molt Han das sozialdemokratische Programm behandelte. Tas Programm enthalte eine Anzahl Versprechungen, die als utopiftisch bezeichnet werden mußten. Sodann sprachen Landtagsabg. v. Brentano und Pfarrer Forschner. — In Oppenheim ist seitens des Bundes der Landwirte der Gutsbesitzer Josef Sen ft er in Gabsheim als Kandidat aufgestellt worden. — In Lampertheim hat der hessische Bauernbund den Pfarrer Mauer in Fehlheim als Kandidaten ausgestellt. ** Der Allerseelentag fällt dieses Jahr bekanntlich auf den 3. November, well er nach den Bestimmungen der katholischen Kirche auf den 2., als einen Sonntag nicht fallen darf. Bieber, 27. Okt. Durch die Umsicht und Entschlossenhell des Zugpersonals wurde am Freitag morgen der um 5 Uhr 23 Minuten von Bieber nach Offenbach abgehende Frühzug Nr. 663 von einer Katastrophe bewahrt. Zwischen Offenbach und Bieber führt der Bahnkörper durch einen in den Bieberer Berg tief einschneidenden Schacht, dessen Sellenwände mit gewaltigen Felsbläcken bedeckt sind. Infolge der Witterung hatte sich nun in der Nacht ein großer Fels- block losgelöst und quer über den Bahnkörper gelegt. Vom Maschinenführer Kramer wurde er trotz der Dunkelhell noch rechtzeitig entdeckt; er vermochte den Zug vor dem Hindernis zum Stehen zu bringen und machte sich im Verein mit Anderen sofort an die Beseitigung desselben. Nach mehr als halbstündiger Verspätung konnte die Wellerfahrt angetreten werden. -h- Burkhards, 27. Ott. Dem gemeldeten Unfall der fünf Maurer ist noch anzufügen, daß zuerst eine Backsteinmauer, die 12 Zentimeter übermauert war, zusammenstürzte und das Gerüst mittiß; die Handwerker stürzten aus einer Höhe von zwölf Meter herab. Ein Mann hat außerdem noch einen Bruch des Beckens davongetragen. Die Verunglückten besinden sich verhältnismäßig wohl. (:) Darmsta dt, 27. Okt. Die Jahresversammlung des Hessischen Zweiges der Südwe st deutschen Konferenz begann heute morgen im Saale des ,Feierabends für Lehrlinge" in der Stiststraße mit einer unter dem Vorsitz des Professors Weimer tagenden Sitzung des Vorstandes und der Synodalvertreter, in der Pfarrer Schlosser aus Gießen ein Referat über „ba§ Amt der Synodaloertreter* erstattete. Die Versammlung beschloß: 1. die Synodalvertreter sollen von der Dekanatssynode gewähtt und ihr Amt als ein Synodalamt auch dadurch anerkannt werden, daß künftig ihre Auslagen für ihre amtliche Thätigkell nicht mehr aus der Vereinskasse, sondern, wie in Oberhessen, aus der Dekanats- fasse vergütet werden, 2) es sollen Mittel aus der Kasse der Konferenz bereit gestellt werden, um alljährlich einen oder mehrere Synodalvertreter zu ihrer Ausbildung an Anstalten der inneren Mission zu schicken. Tie eigentliche Jahresversammlung lellete Oberkonsistoriälrat Walz mit einer tief in die biblischen Gedanken einführende Andacht über 1. Petr. 4, 10 und 11 ein, in der er Pflicht, Arb und Maß des christlichen Dienens, auch deS Dienens mll dem Wort in neuer Art und auf neuen Wegen besprach. Ter von dem «Vorsitzenden erstattete Jahresbericht erinnerte il a. an den Rücktrllt des bisherigen verdienten Vorsitzenden^ Pfarrer Widmann, und an den Ersatz des bisherigen Sekretärs, Pfarrer Waldeck, jetzt in Beerfelden, durch Pfarrer Braeß, an die Begründung des christl. Vereins lunger Männer in Darmstadt, an den erfreulich-euAuf.schwung unserer Epileptischenanstalt in Nied er-Rarn- st a d t, die jetzt schon erweitert werden muß, an die G r ü n - düng einer Trinkerheilanstalt aufdem Burgbergerhof bei Gelnhausen, dessen Vorstand aus unserem Lande Lbcrmedizinalrat Tr. v. Neidhardt, Tr. Collitz aus Tarmstadt und Dr. Pullmann aus Offenbach zugehören, mrd an das fröhliche Gedeihen der Anstalten und Vereine für innere Mission im ganzen Land, an die Fortführung der Verhandlungen zur Regelung des Kvllekten- wesens, die jedoch z. B. noch nicht die dringend nötige Zusammenlegung der Kollekte für alle Rettungshäuser im Lande zu erreichen vermochte. Alsdann referierte Pfarrer Korell aus Königstädten über ,-Vor träge in Stadt undLand überreligiös-sittlich »Gegenstände von Geistlichen und Laien der Landeskirche"'. Er konnte auf die kräftigen Anregungen, die das Wiesbadener Konsistorium amtlich in dieser Richtung gegeben hat, und auf das Bedürfnis relegiös-slltlicher Aufklärungsarbeit, bei der die Presse vielfach noch versagt, die aber nötig ist, um die Glieder unseres Volkes zu selbständigem Urteilen und Tenken zu erziehen und sie von der Bevormundung durch Schlagworte und durch die Phrasen einer unterchristlichen mechanischen Wett- und Lebensauffassung ru befreien, Hinweisen. Tazu ist der freie Vortrag ein besonders wirksames und durchaus ausfichtsvollcs Mittel. Es sei nicht überall möglich und werde sich durch den inneren Wert des Targebotenen vielfach erst unter der Menge ähnlicher Veranstalwngen Raum schassen müssen. Für das Land gehe da vielfach der Verein für Wohlfahrtspflege auf dem Lande mit gutem Beispiel voran. Nur müsse die sittlich-religiöse Charatterblldung und die Bedeutung der kirchlichen Gemeinschaft im Vordergrund stehen. In einfacher Weies müsse aus der Geschichte der Wert des Glaubens uni) christlicher Gottesfurcht für das Leben nachgewiesen, alle Verhältnisse des O^emeindelebens ins einzelne in das rechte Licht gestellt werden. In der Diskussion wurde ganz besonders die Frage der dafür nötige« Organisation. Ter Landesausschuß wurde beauftragt, einen Ausschuß für Veranstaltung solcher Vorträge zu bilden, der dann die Organisation in Stadt und Land betreiben solle. sd. Darmstadt, 28. Ott. krig. Trahrbericbt Die Evangelische Landes syuode wurde heute v nag 9.45 Uhr vom Vicepräsidenten Professor Stamm-Gießen eröffnet Prof. Stamm widmete ehrende Worte den verstorbenen Mitgliedern: Landgerichtsrat Schneider, Konsisto- rialrat Puhlmann, Präsidenten Weber, Prälaten Habicht uiid Teran Anthes. Oberkonsistoriälrat Buchner stellt hierauf den Regierungskommissar Ministerialrat Tr. Best und den Oberkonsistoriälrat und Gießener Superintendenten Tr. Petersen vor. Es folgt die Verpflichtung der neuen Mitglieder: Oberlehrer Backes, Oberstleutnant v. Frey- a n d, Tekan Stamm- Gießen, Pfarrer Schlosser- Gießen, Oberpfarrer Bogt, Tekan Wagner, Prälat Tekan Walz, Pfarrer Köhler, Los, Scheerer und Weidner. Zum ersten Präsidenten wurde Tekan Stamm-Gießen, zum zwellen Präsidenten Direktor Brand-Mainz gewählt Mainz, 27. Okt Als gestern nachmittag im sechsten Bezirk der Schutzmann Groß einen Bettler anhielt und dessen Papiere verlangte, griff dieser mit einer furchtbaren Wut den Groß au, wobei Beide zur Erde stürzten. Der Bettler, der Sckiffer Heinrich Bauer aus Wörth, biß bei dieser Gelegenyett dem Schutzmann so furchtbar in die Hand, daß dieser schwere Verletzungen davontrug. Ter Bissige kam in Untersuchungshaft. Wetzlar, 27. Okt Während allenthalben in der Industrie über Mangel an Beschäftigung geklagt wird und mehr oder minder große Arbeitsbeschränkungen oder Arbeiter- entlasiungen vorgenommen werden, ist die Zahl der Arbeiter un Handelskammerbezirk Wetzlar (Kreis Wetzlar) gestiegen. Nach einem Bericht der hiesigen Handelskammer waren in den zwölf hauptsächlichsten Industriebetrieben am 1. Oktober 1902 beschäftigt 3899 Personen gegen 3702 am 31. Dezember 1900 und gegen 3687 am 31. Dezember 1901. Diese Zunahme ist in der Hauptsache auf die Neueinrichtung einer großen Röhrengießerei durch die Buderus'schen Eisenwerke zurückzuführen, in welcher allein 423 Mann beschäftigt werden. Zugenommen hat die Arbeiterzahl ferner in der optischen Industrie der Stadt Wetzlar, welche gegenwärtig 460 Arbeitskräfte in Anspruch nimmt, ebenso in der Hand- schuh - Industrie, während Zementfabrikation und Wollspinnerei eine nicht unbeträchtliche dtbnahme zu verzeichnen haben. Frankfurt a. M., 26. Ott. Tie Freunde des Achtuhr-Ladenschlusses sind mit ihren Bestrebungen in der Herrenkonfettiousbranche hierselbst durchgedrungen. Ter Regierungspräsident hat, nachdem ein Antrag aus den betreffenden kreisen gestellt und dieser Antrag eine Zweidrittelmajorität gefunden hat, bestimmt, daß sämtliche offenen Verkaufsstellen der Herrentonfektionsbranche in Frankfurt a. M- abens 8 Uhr für den geschäftlichen Verkehr zu schließen sind. Ausgenommen sind die Samstage und die nach § 139 e, G.-O., für eine verlängerte Beschäftigungszeit gesetzlich zugelassenen Tage. — Zu den am 12. November stattfinüenden Stadtverordnetenwahlen — ein Tritte! der Stadtverordneten scheidet turnusgemäß aus — haben die N a t i o n a l l i b e r a l e n mit dem Zentrum einen Bund geflochten, in dem die Handwerkerpartei des Stadtverordneten Hettler der Tritte ist. Freisinnige und Demokraten stellen einen gemeinsamen Zettel auf, während die S o z i a l d e m o- kraten den Sturm aufs Rathaus allein unternehmen wollen; sie stellen in allen Bezirken eigene Kandidaten aus. — Eine im Roten Kreuz-Krankenhause unter getarnt) te 35- jährige Frau stürzte sich aus dem Fenster des oberen Stockwerks auf den Hof und war alsbald eine Leiche. Sie sollte wegen einer Unterleibskrankheit operiert werden. Wiesbaden, 27. Okt. Gestern entstand in einer Wirtschaft ein Streit, in dessen Verlauf der 60 Jahre alte Bäcker Horn von dem Taglöhner Ficht, der dort aushilfsweise Kellnerdienste verrichtete, auf die Straße geworfen wurde. Horn schlug so unglücklich zu Boden, daß er einen Schädelbruch erlllt. Er wurde besinnungslos zum städtischen Krankenhause gebracht, wo er noch gestern abend an den erlittenen Verletzungen gestorben ist. Der Thäter wurde in der vergangenen Nacht verhaftet. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Leiche des durch Selbstmord ums Leben gekommenen Mainzer cand. med. Karl David - fon ist im Heidelberger Krematorium verbrannt worden. Vermischtes. B e r Ti n, 27. Okt. Gegenüber einer Meldung des „Berl. Tagebl.", nach der am 19. Oktober in Staßfurt eine wettere Verhaftung von Falschmünzern und Brief mar keu- fäl schein erfolgt ist, welche gestanden hatten, feit zwei Jahren Falsifikate von 80 000 Mk. in mehr als 40 Städten Teutschlauds nntergebracht zu haben, führt dtt „Berl. Jtorr." aus, diese Nachricht sei in allen Stücken sals ch. Tie Briefmarkenfälscher wurden gleich bei den ersten Versuchen, die Briefmarken unterzubringen, abgefaßt. Tie Zahl der an Zahlungsstatt ins Publikum gelangten Briefmarken beträgt etwa 1500. Tie meisten dieser Marken wurden bei den Inhabern beschlagnahmt. * Paris, 27. Okt- Dem „Soir" zufolge wurde der Bankier Boulaine, welcher den ihn begleitenden Schutzleuten entwischt war, heute abend ui einem Pariser Vororte wieder verhaftet. * Cattaro, 27. Okt. Gestern abend wurde hier ein starkes, 5 Sekunden dauerndes Erdbeben verspürt. Tie Richtung war Südost. * Die Frauen als Einjährig-Freiwillige. Professor Zimmer weist tti den „Bl. für Volksgesundheitspflege" auf die große Bedeutung einer körperlichen Er- ziehung der Frauen hin, die mit der militärischen Dienstzeit der jungen Männer zu vergleichen wäre. Tas geeignete Gebiet, auf dem die Frauen eine solche Stählung ihres Körpers mit gleichzeitig wvhlthätiger Einwirkung auf die geistige Richtung durchmachen könnten, wäre die Krankenpflege. Ter evangelische Diakonieverein hat sett über acht Jahren ein Freiwilligenjahrinderkranke n- pflege für Mädchen und Frau^en von höherer allgemeiner Bildung eingeführt. Tie Schülerinnen werden, nachdem sie, ähnlich wie es bei den Männern vor (Eintritt in das Heer geschieht, durch den Arzt auf chre Tienstsäbig- feit geprüft worden sind, in größeren städtischen Krankenhäusern in der Krankenpflege theoretisch und praktisch aus- gebiwet und ein Jahr lang beschäftigt. Solche Kurse sind vorläufig in Elberfeld, Zerü, Erfurt, Magdeburg, Stettin und Tanzig eingerichtet. Ter Ein- und Austrttt ist völlig freiwillig, nur daß eine Kündigungsfrist von vier Wochen verlangt werden kann. Professor Zimmer weist besonders auf die gesundhettliche Bedeutung dieses Freüvilligcnjabrs für das weibliche Geschlecht hin. Tie jungen Mädchen der wohlhabenden Stände haben selten Gelegenheit zu körperlicher Bewegung und gröberer Arbeit. Bei der Krankenpflege aber tst es rmerQMcy, datz die chr ergebenen Personen keine Arbeit als erniedrigend scheuen, wenn auch ungewöhnliche körperliche Leistungen von den freiwilligen Pflegerinnen nicht verlangt werden. In den ersten Wochen wird die Thättgkett mit ihren Ansprüchen an die Körperkräfte vielleicht recht anstrengend sein, aber der Lohn zeigt sich schon in der wohlthätigen Müdigkeit, in dem erquickenden Schlafe und der gesunden Eßlust, die sich bei chnen stetsj als Folge der kräftigen Mus kett Hörigkeit bemerkbar machen. Bei geeigneter Leitung kommt jedes junge Mädchen, dessen körperliche Anlage nicht von vornherein ungenügend ist, über die erste Zeit gut hinweg und gewöhnt sich bald an die Leistung der gestellten Anforderungen. Der Segen einer derartigen Beschäftigung reicht aber noch wett über die Kräftigung der Gesundheit hinaus. Tie jungen Mädchen und Frauen lernen, daß gewisse Verrichtungen, die sie sich sonst nicht zumuten würden, in der Krankenpflege nickt nur notwendig, sondern auch hochgeachtet sind. Sie sammeln eine Fülle von Erfahrungen, die ihnen als Gattinnen und Mütter von unermeßlichem Werte sein werden und sich bei ihrer Umgebung segensreich bemerkbar machen dürften. Vorläufig sei noch erwähnt, daß die freiwilligen Krankenpflegerinnen nach den bisherigen Feststellungen innerhalb des Tienstjahres nicht abzumagern, sondern 15—20 Pfund zuzunehmen pflegen. Tie Bestrebungen, die hier gekennzeichnet worden sind, haben eine so große Bedeutung, daß sie dem allgemeinen Interesse nicht warm genug empfohlen werden können. * Morgans Verdienst. Die Kleinigkett von zirka 170 Millionen Mark Nutzen haben nach einer Aufstellung der „Newyork-NewS" Mr. Pierpont Siorgan und seine Kompagnons für 1902 von folgenden Unternehmungen gehabt: Von der „Steel Corporation" 20 340 000 Dollars, von der „Northern Securities" 4 500 000 Dollars, von der Tampf- schiffenreinigung 2 500 000 Dollars, von der „Harvesters Merger"" 5 500 000 Dollars, von der „Louisvttle and 9tash- ville Railroad" 6 000 000 Dollars, von der „Realty Eom- panh" 3 000 000 Dollars, — macht zusammen 41S4000Q Dollars. AtteraMr. — Im Kampf um Südafrika, das abschließende Werk übet den Burenkrieg, an dem die ersten Staatsmänner und die Generale der Buren muwitten, beginnt soeben in I. F. Lehmanns Verlag, "München zu erscheinen. Ter Kamps der Transvaater wird von General Ben Viljoen, einem der schneidigsten Buren, geschildert. Er führt Schwert und Feder gleich jchars und schonungslos deckt er auch die pehler aus, an denen die Bnrenrepublckeu gelitten haben. Mit diesem hochinteressanten Band beginnt die Lieferungsausgabe zu erscheinen. Tas Gejamtiverk soll All. 28.—, die einzelnen Bande, elegant getnuiöen, All. 6 und Alk. 8 kosten. Im ganzen werden vier Bände erscheinen, von denen wir z. Zt. unjern Lesern nähere Mitteilungen zu machen gedenken. Gisenlmhli-Zeitung. Wien, 27. Okt. Eijenbahnminliter Wittel richtete an die ihm unterstellten Verwaltungen der Privateisenbahnen einen Zirkularerlaß, in dem er unter Hinweis daraus, daß die Fabriken der Maschinenbranche, insbesondere der Lokomotiv- und Waggonsabrrken infolge der fehlenden Aufträge der traurigen Zwangslage entgegensehen, den bereits wesentlich herabgemmderien Betrieb weiter em- zuschränken, wenn nicht ganz emstellen zu müssen, die brmgenbe Aufforderung ausspricht, durch möglichst rasche Erteilung von Aufträgen auf die für 1903—1904 in Aussicht genommenen Lokomotiv- und Waggonlieferungen den betrefsenden Fabriken die ungestörte Aufrechterhaltung dcs Betriebes zu ermöglichen. — ' ............' 11--, Gerichlssnal. München, 27. Okt. Wegen Zweikampfes hatte sich bet cand. mea vet. Peter Kö11isch von Nürnberg zu verantworte»!. Gelegentlich einer Schläger mensur im Juni d. Js. erhielt er zwei Kopfverletzungen, die infolge Vernachlässigung feine Verbringung ins Krankenhaus notwendig machten, wodurch die Sache aufkam. Kollisch ist geständig, verweigert jedoch nähere Angaben. Tas Urteil lautete auf das Minimum: brei Atonale Festungshaft. Landwickschast. — Der Flächeninhalt der mit Tabak bepflanzten Grundstücke im Deutschen Reick)e hat sich int laufenden Jahre gegenüber dem Vorjahre nur unwesenllich geändert. Er hat fick um 394L ha erweitert. An der Erweiterung sind hauptsächlich Bayern und Elsaß-Lothnngen beteiligt. Im Uebrigen entfallen von der Gesamtfläche die weitesten Bezirke auf die schon immer als Tabakbaugebiete geltenden Staaten ober Staatsteile. Von den 17 357.2 ha Gesamtfläche des Jahres 1902 nehmen Baben 7059.6 ha, Bayern 2622.9 ha, Provinz Brandenburg 2358.0 ha, Elsaß- Lothringen 1361.4 ha und Provinz Pommern 1215J ha in Anspruch. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenbea Arlttel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Zum Theaterneuban tu Gießen. Obgleich es etwas Bestechendes hat, in Gießen ein neitef Theatergebäude zu errichten, so sollte doch in Erwäguna gezogen werden, ob es nicht zweckmäßiger ist, ein, jetzt sehr bald freiwerdendes älteres Gebäude zu einem Theater umzubauen. Tie alte Zeughauskaserne wird demnächst frei, und roenn ein Umbau derselben auch nicht gerade billig sein dürste, so ist doch anzunehmen, daß er etwas billiger sein würde, als ein ganz neues Gebäude. Wenn es auch keine Frage ist, daß wir Gießener für Kunstzwecke, speziell auch im vorliegenden Falle, die durchaus notwendigen Summen auftreiben werden, so ist doch nicht einzusehen, warum nicht zu sparen versucht werden soll, wo es geht. Aeußerlich ist ja die Zeughauskaserne jetzt ein alter, langweiliger Kasten, aber bei einigem guten Willen läßt sich doch noch eine einigermaßen passable Fassade schaffen. Und es kommt noch hinzu, was sollte ivohl sonst mit der alten Kaferne geschehen, roenn das Militär auSgezogen fern wird? Billige Wohnimgen kann man doch nicht daraus Herstellen, für Schiiten eignet es sich auch nicht, ein Museum haben wir, und die Behörden ziehen auch lieber in Helle, lustige, neue Hauser ein. Bleibt also allem der Umbau zu einem Theater. Und eignet es sich dazu nid)t vortrefflich? 'Ulan muß sich nur mit dem Gedanken befreunden, dann wird man sehen, daß er sehr praktisch ist. vt. .Paßt eine Fuhrmannskneipe in die unmittelbare Nähe des UniversitätSgebäudesk* Diese Frage wird jeber unbefangene Beurteiler, jeder wahre Freund unserer Hochsihule verneinen. Verneinen wird sie wohl auch der akademische Senat und auch unsere fürsorgliche Stadwerordnetenversammlung. Es fei deshalb hier darauf hmgewiesen, daß schon mehrere male diese Eventualität einer Fuhrmannskneipe in nächster Nähe deS Kollegien- hauses gedroht hat. Speziell scheint die einzige direkte Zufuhrstraße aus dem Stadtilmern, die Goethestraße, dieser Gefahr auSgefetzt zu sein. Wenigstens wißen wir positiv, daß erst vor einigen Wochen wieder, allerdings ohne Erfolg, versucht wurde, einem Hauseigentümer der Goethestraße sein Haus (zirka 40 Schritte südwestlich von dem UntDerfitatsgebaube) zu diesem Zweck abzujchwätzen. Es sollte auch noch eine Backerei daselbst err ichtet werden. Ta wir fast das ganze Jahr hier Südwestwind haben, so würde das chemische Laboratorium und das Kollegienhauc-, falls das .Gcschäftche^ zu Stande gekommen wäre, fast beständig dem Backerrauch ausgesetzt gewesen fein. Tie Goethestraße wirb ja voraussichtlich, roenn |ie Das Geschäft Mumlichk-it-n m den Stand gesetzt, -mser Lager ganz bedentend zu vergrötzeru, smd ndr heute m der Lage, auch de» wcUgchcndsteu Ansprüche» genügen zu können. __ 17 Neuenweg 17 wird in unveränderter Weise weitergeführt. Hochachtungsvoll Neuenweg 17 & SOMSBOra Martetrasse 25 Herren- und Knabenkleider Manufaktur- und Wech-Waren Anfertigung nach Maaß Bettfedern und Betten _______ Geschäfts-Erweiterung Einem verehelichen Publikum v°n Gieße» und Umgegend bringen wir zur g-fl. Kenntnis, daß mir 25 Marktstrasse 25 MKoubeht öasheizöfen ► Vertreter an Fast allen Plätzen. T-7- L ( k . A lüHoubenSohnlarl Telephonischer Kursbericht« 2630t 8u/o Mexikaner 3% Oberhessen uch. Reue Echte 7082 4»/j Italien. Rente 4%% Portugiesen 30/ Portugiesen. . 1% C. Türken . Türkenlose . . . . 102.00 . 92.00 . 102.00 . 91.95 . 100.15 . 99.80 . 102.90 41/2% Chinesen . . Electric, bchuckert . Nordd. Lloyd . ♦ Kreditaktien * . . Diskonto- Komm andü. 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Anfragen und Be-\ stellungen erbeten 74ito’ Braudplatz 10, im Laden. Neueste Uleldunaen. Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeiger. Berlin, 28. Ott- Ueber die gegenwärtige h a n d e 1 s politische und parlamentarische Situation Lugerre sich ein im Mittelpunkt der Ereigni.se stehender Staatsmann einem Interviewer gegenüber il a. wie folgt Die Regierung beurteilt die gegenwärtige Lage trotz der inzwischen erfolgten Abstimmungen keineswegs ollzu pessimistische Sie erwartet vielmehr, daß bie Qinsicht von der Bedeutung der Handelsverträge überall kurckidringen wird. Keine Partei könne dre Verantwortung Lasur übernehmen, daß wir schließlich in einen Ertrags- Hosen Zustand geraten. Tas aber konnte leicht eintreten- :ageg^i biete grade die gegenwärtige Sachlage hinreichende Gelegenheit, sich auf die ungefähren Sätze der Regierur^- Zorlage zu einigen, ohne dabei den eigenen grundsätzlichen Krieskasten der Redaktion. («nouhme Aufrageu bleiben unberücksichtigt.) Fortbildungsschule. Rach Art. 23 des Dollsschulgesetzes sind tae aus der Volksschule austretenden Knaben noch drei Jahre lang n ;m Besuch der Fortbildungsschule verpflichtet, soweit nicht m an- dcerweiter genügender Werse für den ferneren Unterricht derselben apsorgt ist, worüber die kkreis-Schullommifsion zu entscheiden hat. gu den zum Besuch der Fortbildungsschule Verpflichteten gehören cuuch solche Knaben im Alker von 14—17 Jahren, welche aus den Volksschulen anderer Gemeinden ausgetreten und^ihren Wohnsitz in der betr. Gemeinde genommen haben. Es macht dabei keinen Unterschied, ob der Zuzug aus einer hessischen oder nrchthessischen Gemeinde erfolgt isL . <- .!Aa Postzoueu. Für den praktischen Gebrauch wird die geograpische Meile zu 7,5 km angenommen. Diese Annahme ist auch bet der oft Dr. Wimmenauer beginnt seine Vorlesimaen Mittwoch, den 29. Oktober, Pros. Dr. Heß Dienstag, den 28 Oktober Uie praktischen Kurse beginnen Samst^, den L Der beginn ist für alle Semester derselbe. Die Tage und Stunden, die f r die einzelnen Vorlesungen angesetzt sind, ergeben sich aus dem l'iuflichen Vorlesungsverzeichnisse. 8® zum Schiffenbergerweg wellergeMhrt ist, eme sehr belebte Der- kichrsstraße werden. Gerade deshalb aber, und well sie an und Hfo sich nicht breit ist, darf es unter lernen Umstanden geduldet arerden, daß die Strecke Ludwigstraße-Seltersweg durch sürnden- Icmg dort stehendes Fuhrwerk versperrt und durch dv° Fütterung d»>d j« gtien«. ^eutung, igMt von zirka ^Ausstellung ,unb l«ne ®Uor3, von der !ön der W E'Esters Ee and Ash. "Realth Coin. Men 41 840 00Q * leinst« PtaMtata. Preis pro Pfund 7<> Pfg. 2hi jedem Pfund Palmin erhält der Kanter ein Serienbild. 4485 . . 102.90 . . 50.25 . . 31.45 . . 28.00 . . 123L0 -AnL 44£0 Frisch eingetroffen holl. Bollheringe marinierte Heringe mit flrrchtvarem D-achen explodierte. Ein DimSewmLemvS aufaerifsenem Unterleib mehrere M^t« Meill>evt, zwei andere schwer verwundet. ^Stücke ter Bombe richteten cm dem Kirchen-Pvrtal imd den umliege». den Gebäuden furchtbare Verwüstungen an unbi zerschlugen Mauern und Zäune, sodaß cmsclllenHauserw dieMeuschen auf die Straße flüchteten Em ME Wiw kurz vor der Explosion eine feingek 1 erdete Damy M der Unglücksstelle gesehen haben, welche fUtchllchnlw^ davon gelaufen sei. Der Bischof von Lworw war wegM seiner anti-monarchischen Halmng sehr unbeliebt und häufig Gegenstand feindlicher Lemonstratiouen. __ Wien, 28. Oft Tie von ungarischen Mattern verbreitete Nachricht daß ErzherzogFranzFerdinaudi seinen Thronsolgerechteu zu Euusten bed ® 8 b e r* zvgz Karl Franz Joses zu entsage« baaLsnMge, wird offiziell als vollständig unwahr bezeichnet. Wien, 28. Oft. Die Gräfin Lonyay, die im strengsten Inkognito hier eintraf, empfing den Besuch deq Kaisers. Tie Gräfin soll den Kaiser über die Vorgänge in Brüssel unterrichtet und seine Jnterventwn w den schwebenden vermögensrechtlichen Angelegenheiten «weten haben. - Nach dem Beispiel der Wiener Techniker beschlosst die Sjörer der Berg-Akademie in Löben gleichfalls bie Einstellung des Besuches der Vorlesunge^ Die Professoren ertannten die Berechtigung des Streikes an und stellten die Vorlesungen ein. , . Lemberg, 28. Okt. In den Bonslawer Erdwachs- aruben ist auf bisher unaufgeklärte Weise em großer Brand ausgebrochen, welche einen bedeutenden Schaden anrichtete und wobei der Verlust von zwei Menschen- leb en zu beklagen ist. ------------------ fes hatte sichK g ju oerantiDofic. uni d. Js. atm iiftgimg leine wodurch die v» edoch nähere Saint; brei WM _ , 8 , 10 , 76 „ „ . 6 „ 10 tt 55 u per Pso. 40 „ per Faß 1.60 Mk. per Stück 7 Pfg^ 10 Stück 65 Pfg. Bratheringe. Paris, 28. Oktober. Wie dem „Figaro" aus Cannos gemeldet wird, trifft König Eduard von Engiänd bestimmt nächsten Monat in Fr an kr eich em und wird mehrere Tage dort verweilen. Er wird an Bord der koni^ lichen Nacht Viktoria and Albert reifen und wahrscheinlich den internationalen Regatten vom 8. bis 15. November fomWj a?.f e t (t e, 28 ort Ter italienische Dampfer Oala- bria ist mit 8 Schiffbrüchigen des italienischen Dampfers Helene hier eingetroffen, der in der Nähe von Bonifamo gesunken ist. 5 Mann der Helene sind ertrunken Livorno, 28. Okt. Zu der Bo m b en - Ex p 1 os io n (üflL ,LLermischtes") wird noch gemeldet: Drei Kinder fanden auf dem Tomplatz beim bischMichen Palais emen rauchen- I pen Gegenstand, der, während sie chm staunend betrachteten, Ausruf zur Errichtung eines ■ Turmes auf dem Haufftem. Seit einiqen Jahren schon sammelt der Vogelsberger Höhen-CIub Beiträge zur Errichtung eines Bismarckturines aus dem Taufstein. - Die beiden alten Holzturme sind bausallig und ur.be- fteigbac «g«*«. Punkte im ®roWe™stum b« bitt* seine herrliche Lage inmitten der prächtigsten Wälder und seine großartige Aussicht aus Rhon^^ Taunus urw Odenwclld ausgezeichnet ist, em wuchtiger und Eindrucksvoller Stemturm errichte^ werden. Dem Keilten unseres gewalligen Reichsfchopiers soll er gelten und seinen Namen tragen. uiroeiuen 9 ansehnlicher Naufchatz gesammelt, aber er genügt noch lange mchll Die Gienener Sektion des Vogelsberger Höhen°Elubs (Sektion Taufftem) wendet sich darum an den oRerwül^^gen Süm der Bevölkemng und bittet durch Beisteuer und Werbung, das Weck zu fördern - Freunde der Natur, Verchrer des großen Namens, den der Turm tragen wird, folgt loiuecn. ü ct j. (aa(je auch die kleinste, ist willkommen! berellwillig^die ^„gegangmen Beträge wird seinerzeit im Gießener Anzeiger quittieck werden. Der Vorstand der Sektion Haufstein des Dogelsberger Köhen-Klubs. qnhn(lrtt Ausland begegnen könnten. Auch dem enragrertesteu Agrar t e r müsse es nach den wiederholten eindringlichen Erklärungen des ReichsLnzlers und des Staatssekretärs d^. Jun^n nunmehr ausgeFchlosseu erscheinen, daß dre verbündeten Regierungen in Bdg auf die ^rsdehnung d^. der Mindeste oder in Bezug auf dre Zollsätze für Körnerfrüchte Konzessionen machen. Weit mehr stehe zu erwarten, daß die verbündeten Regierungen bevert fein mürben, auch noch auf diejenigen Miude st zolle, dre i)rc£) heute in bei Vorlage vor find en, zu verzichten. London 28. Okt. Die Morgenblätter veröffentlichen Telegramme aus Johannesburg, worin mitgeteilt wird, baß bas Haus Krügers in Pretoria wegen Baufallrgkeck abgetragen werben müsse. Werter torrb berichtet, baß die Opposition wegen ber Ernennung europäischer Beamten eine immer heftigere wirb. Die meisten Beamten verstehen die holländische Sprache nicht, obwohl dre meisten Totumente in bieser Sprache abgefaßt fmb. JMuch die Polizer- agenten sind weder der holländischen weder der Kafferu- spräche mächtig. Brüssel, 28. Okt. Aus Ypres melbet ern hiesiges Blatt: Die Ausständigen beabsichtigen, die Brücke über bie Lisse bei Warmeton in bie Luft zu sprengen, um die Befördermig von Kohle nach Frankreich zu verhindern Tie gesamte Gendarmerie gmg sofort bat)m ab, ebenso wird ein Bataillon Infanterie marschbereit ge- Wasche mit Luhns Danksagung Herrn Kari Vogt II., Kontrolleur der Gewerbebank, Die trauernden Hinter blieb enen Ntt Woche H4-Tijür. MMIlmk den 5. ylld 6. Novenlbtt Vs DL 3.50 Mk. 7- DL 14.- Mk. 28- empfiehlt die 7591 Gießen, erbeten. 7M8 Grosse Posten cm mieten. «ießeu. 7526 i^roßeo, schön möbl. Rimmer per jojorl zu vermieten. 7574 vraudplatz 15, I. Mäuaburg 5. Mäusburg 5 Grösstes Lager in Teppichen, Fellen und Bettvor‘agen. ^Urbanlttge 3. 4708 zu verlausen. 7580 H Sack Z., Schreinermeifier. zugeben. Der Vorstand. 6353 Licherstratze 5. Kompletter 7547 Ter Dirigent 7583 Mädchen gej. 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