Nr. 174 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener .samillen- biätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brü h l'sehen Unwers.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Erpedition und Druckerei: Schul st ratze 7, Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Erstes Blatt. 152. Jahrgang Montag 28. Juli 1902 MtzenerAnzeiger General-Anzeiger 'ea*' Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen BezngSpreiSr monatlich 76 Pf., viertele jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen Monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.-viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeUenpreis: lokal 12 Pfauswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko: für „Stadt und £anb* und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Deutsches Reich. Berlin, 27. Juli. Aus Saßnitz wird gemeldet: Der Kaiserist an Bord der ,Lohenzollern." heute abend hier eingetroffen. Heute wurde in Cadinen der Geburtstag ^des Prinzen Oskar gefeiert. Vormittags wohnte die Kaiserin mit den Prinzen und Umgebung dem Gottesdienst in der im Park gelegenen Kapelle bei. Nachmittags fand eine Bewirtung der Gutsleute und der Dorfkinder statt. Zur Mittagstafel waren der Landrat v. Etzdorf und Gemahlin sowie der Ortsgeistliche geladen. — Der Besuch, des Königs von Italien in Berlin wird, nach der römischen „Patria", im letzten Drittel des Monats August stattfinden; der König wird vom Minister des Auswärtigen Prinetti begleitet sein. Ter Aufenthalt des Königs in Deutschland wird fünf Tage dauern. — Wie die „Ehemn. Allg. Ztg." mitteilt, soll der erste Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Freiherr v. Wangenheim, durch Dr. Roesicke ersetzt werden. Ter antisemitische Abg. Liebermann v. Sonnenberg soll zum zweiten Vorsitzenden ernannt werden. — Die „Staatsbürgers." bezweifelt die Richtigkeit der letzten Meldung. — In Rom werden, wie der „Kurjer Pozn." erfährt, Schritte gethan, um die sterblichsen Ueberreste des Kardinals Ledochowski in den Posener Dom überzuführen, wo man die Erzbischöfe von Gnesen-Posen zu begraben pflegt. Es soll, falls der Plan zur Durchführung kommt, im Tom eine feierliche Trauerandachl abgehalten werden. — Erzbischof v. Stablewski erließ aus Anlaß des Todesfalls ein Rundschreiben an die Geistlichkeit, das am Sonntag in allen Kirchen statt der Predigt von der Kanzel herab verlesen wird. —< Tas Direktorium des Zentralverbandes deutscher Industrieller hat an den Reichstag eine Eingabe gerichtet, in der um Ablehnung des Antrages v. Hehl, Bassermann u. Gen. gebeten wird, nach welchem dem Bundesrat die Befugnis gegeben werden soll, für bestimmte Gewerbe, in denen Arbeiterinnen oder jugendliche Arbeiter neben ihrer Befchö-ftigung an der Fabrik vom Arbeitgeber zu Hause beschäftigt werden, diese Beschäftigung außerhalb der Fabrik zu beschränken. — Das „Statist. Jahrb. f. d. Deutsche Reich" enthält eine Zusammenstellung über die Rechtsprechung der Gewerbegerichte int Jahre 1900, aus der sich ergiebig daß zwischen den einzelnen Gebieten des Reichs hinsichtlich der Zahl und des Ausgangs der vor die Gewerbegerichte gebrachten Rechtsstreiligkeiten sehr große Verschiedenheiten bestehen. Vor den 316 Gewerbegerichten, die im Deulschien Reich vorhanden waren, wurden 84164 Rechtsslreitigkeiten anhängig; davon entfallen 50 664 aus Preußen, 12 407 auf Sachsen, 6083 auf Bayern, 3150 auf Hamburg, 3049 auf Baden, 2555 auf Württemberg, 2103 auf Hessen und 1142 auf Elsaß-Lothringen. Kiel, 26. Juli. Der frühere französische Ministerpräsident Waldeck-Rousseau ist an Bord der Aacht „Ariane" heute von Kopenhagen hier eingetroffen. Ausland. London, 26. Juli. Der König wohnte an Bord seiner Pacht einer Sitzung des Geheimen Rates bei und unterzeichnete zwei Erlasse, in denen die Krönung auf den 9. August festgesetzt und dieser Tag zum Bank- fei er tag gemacht wird. — Obwohl Lord Lister, der bei oer Operation des Königs konsultativ mitgewirkt hat, gestern abend erklärte, er halte die Wahl des 9. August zum Krönungs-Termin nicht für unvorsichtig und übereilt, bestehen in Hofkreisen starke Zwerfel, ob es möglich sein wird, die Feier an dem genannten Tage zu absolvieren, ohne gerade das Leben des Königs aufs Spiel zu setzen. Angesichts seines gegenwärtigen Zustandes scheinen diese Zweifel nur zu berechtigt. Der Wnig hat bis heute noch keinen Schritt gehen können. Die Zeremonie ist zwar nach Möglichkeit abgekürzt worden. Immerhin aber wird der König während der anderthalb stündigen Dauer der Ceremonie etwa 500 Fuß weit in der Abtei zu gehen und mehrere Stuken zu steigen haben, und ob er dazu obendrein unter der Last des schweren goldgewirkten Krönungsmantels heute über 14 Tage im stände sein wird, erscheint mehr als fraglich Thatsache ist, daß in der Hofgesellschaft Unsummen darauf gewettet worden sind, daß im letzten Augenblick ein nochmaliger Aufschub der Feier sich als notwendig erweisen wird. Southampton, 26. Juli. Ter frühere Buren- general Lucas Meyer ist heute hier aus Südafrika nngetroffen. Er sagt, daß die Regelung der Verhältnisse bisher mit Befriedigung begrüßt werde. Man werde aber sehen müssen, wie die britische Regierung die Buren behandeln werde. Wenn die den Buven gemachten Versprechungen erfüllt würden, sehe er keinen Grund zu einer llnzufriedenheit. Er glaube, daßderFriedevonTauer sein werde. Ter General geht nach. Dresden, um seine Zrau zu besuchen, und gedenkt, Ende Oktober nach Süd- ifrika zurückzukehren. P a r i s, 27. Juli. Nach einer Depesche aus Brazzaville aom 26. d. Mts. ist der Kommandant der Kongomiliz^ l!anglair, in der Nähe von Libreville von Elephanten- jägern ermordet worden. Der Milizosfizier Laurent, -ter von Mponnios angegriffen wurde, tötete den Häuptling des Tories Janboc. Der Gouverneur Grodet kann Degen des niedrigen Wasserftandes nichts unternehmen. Lissabon, 36. Jutt. Wie aus guter Quelle rnitge- itilt wird, beabsichtigt die Negierung, die aufzunehmcndc Anleihe im Betrage von 200 Millionen mit den Erträgen aus den Kolonien zu garantieren. Wie es heißt, wird England die Anleihe übernehmen. Rom, 27. Juli. Der italienisch-schweizerische Konflikt ist gelöst. Tie „Tribuna" sagt, alle Schwte- rigkeiten seien dank der freundschaftlichen Vermittelung Deutschlands überwunden worden, das Italien einen neuen Beweis seiner herzlichen Freundschaft gegeben habe. Wien, 26. Juli. Ter niederöfterreichische Landtag nahm den Tringlichkeitsantrag Kolisko betreffend die gesetzliche Festsetzung der deutschen Sprache als ausschließliche Unterrichtssprache an sämtlichen Schulen Niederösterreichs einstimmig an. K a p st a d t, 27. Juli. In einer Versammlrmg in Paarl hielten Botha und Telarey Ansprachen an die Anwesenden. Botha sagte: Ganz Südafrika steht jetzt unter einer Fahne. Müssen wir sagen, wir sind besiegt worden? Nein. Eine dunkle Zukunft liegt vor uns, aber der Glaube und die Hoffnung wird uns hindurchsühren. Afrika ist unser Vaterland, unsere Erbschaft, auf das unsere Geburt uns ein Anreckst giebt. Wir sollten danach streben, Afrika zu einem glücklichen Heim zu machen, und gemeinsam daran arbeiten, die h e r a n w a ch s e n d e Generation so zu erziehen, daß auch sie den künftigen Beherrschern des Landes gehört. Delarey führte aus, er achte jeden britischen Gegner, aber er fühle sich betrübt, wenn er an die National Scouts denke. In dem Namen Afrikander könne jetzt ein Ausdruck des Vor Wurfes liegen, wie einst im Namen Hugenotten, aber er werde zu einem Ehrennamen werden. Mun anschließen. Andererseits hat die Regierung viele Glückwunsch-Adressen aus der Provinz erhalten, in denen die antiklerikale Politik des Kabinetts gebilligt wird. Auch in der Provinz haben die antiklerikalen Regierungsmaßnahmen bisher keine erheblichen Folgen gehabt. Nur in einzelnen Orten kam es zu einzelnen größeren Straßenskandalen, wie in Lille, Mouvaux, Lyon, Dünkirchen, Privas, Concarneau rc., wo bei Schlägereien Publikum und Polizei verwundet wurden und Verhaftungen vorgenommen werden mußten. Dow französischen Kulturkampf. Am Samstag wurde mit der Zustellung des Dekrets, das die Schließung von kongregalistischen Nieder l a s s un gen in Paris und im Seinedepartement verfügt, begonnen. In der Schule in der Rue Salneuve wurde den Schwestern gestattet, zu bleiben, weil eine Waiscnansta.lt und ein Greisenasyl mit der Schule verbunden sind, die Schule selbst wurde geschlossen Die Schwestern in der Rue Saint Maur wurden von ungefähr 50 Personen, an deren Spitze sich Girard und Jaume, die ehemaligen Gefangenen des „Fort Chabrol", befinden, thatsächlich gefangen gehalten und verhindert, das Haus zu verlassen, obgleich sie sich der ihnen von ihrer Oberin erteilten Weisung gemäß nach ihrem Mutterhaus begeben wollten. Am Samstag Nachmittag aber haben sie dann doch das Haus räumen können. In Paris soll ein „Kongreß für Freiheit des Gewissens und Volksabstimmung (Referendum)" abgehalten werden, der die Rückgängigmachung der gegen die Ordensschwestern ergriffenen Maßregeln betreiben soll. Ein vorbereitender Ausschuß ist zusammengetreten. In einer von der „Ligue de la Patrie Franyaise" auf Samstagabend zur Wahrung der Freiheit des Unterrichts einberufenen Versammlung führte Jules Lemaitre den Vorsitz. Der Saal war bis aus den letzten Platz gefüllt; unter den Anwesenden befanden sich viele Frauen. Coppee und Lemaitre hielten Ansprachen. Coppee griff die Regierung heftig an. „Im Hinblick auf die heutigen Kundgebungen", erklärte Coppee, „werde vielleicht morgen Frauenblut fließen, aber es werde dasselbe Blut sein, das in den großen geschichtlichen Tagen Frankreichs floß." Vor dem Versammlungslokale waren umfassende Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Einige Gruppen, die Hochrufe auf die Freiheit ausbrachten, wurden zerstreut, mehrere Personen wurden verhaftet, darunter ein Priester, ©iner Gruppe von etwa 200 jungen Leuten gelang es, die von der Polizei gebildete Absperrungskette zu durchbrechen und eine Kundgebung zu veranstalten. Doch wurden sie von der Polizei zerstreut. Obwohl auch Gegenkünd- gebungen stattfanden , bei denen Scl)mährufe gegen die Nationalisten ausgebracht und die Arbeitermarseillaise gesungen wurde, kam es doch zu keinem erheblichen Zwischenfall. Am Sonntag besetzten starke Abteilungen von Polizisten zu Fuß und zu Pferde den Concordienplatz und die Elyseischen Felder, auf denen Kundgebungen der christlichen Frauen Frankreichs stattfanden. Auf dem Concordienplatze war eine größere Anzahl Anhänger der Kongregationen und Sozialisten zusammengeströmt, die sich unter großem Lärm stritten. Die Kundgebungen bewahrten ihren friedlichen Charakter. Man lachte und hatte die Polizei zum Besten wegen ihrer Bemühungen, beide Parteien auseinanderzuhalten und die Anhänger der Kongreganisten sowie einzelne Priester zu schützen, welche sich auf den Platz gewagt hatten. In der Avenue des Champs Misees kam es zu einer Schlägerei, wobei einige Verhaftungen vorgenommen wurden. Gegen 4 Uhr 45 Minuten wandte sich eine große Anzahl von Leuten ,die eine Gegenkundgebung veranstalteten, und „Meder mit den Pfaffen" schrie, nach der Avenue Gabrielle. An einer Straßenecke stießen diese mit Anhängern der Kongregationen zusammen. Die Gegenkundgebung wandte sich gegen die Mitglieder des Klubs „Union artistique", der an den elyseeischen Feldern liegt. Die Leute warfen mit Steinen,Erde, Schmutz und Hüten; Polizisten rückten heran, räumten die Straße und nahmen einige Verhaftungen vor. Ein zweiter Zusammenstoß ereignete sich an der Ecke der Rue Royale, wo Sozialisten eine Priester kappe herumtrugen und „Nieder mit den Pfaffen" riefen. Eine Patrouille berittener Polizisten zerstreute den Auflauf. Gegen 6 Uhr trafen einige hundert Anhänger der Kongreganisten, geführt von einem klerikalen Deputierten, mit Sozialisten in den Champs Glysees zusammen. Es kam zu Thätlichkeiten, Bei denen mehrere Personen Verwundet wurden. Der „GauloiS" veröffentlicht zahlreiche Briefe von Akademikern, die sich einem Protestschreiben deS Grasen de Are Irrvrläums-Kegatta der Gießener Iwder- Kesellschast am gestrigen Sonntag wies eine große Zahl von Meldungen auf. Dies mag mit Veranlassung gewesen • fein, daß zum ersten Male der Versuch gemacht wurde, drei Boote zugleich laufen zu lassen. Ob dieser Versuch zur dauernden Einrichtung bei künftigen Rennen wird, darüber wird von Fall zu Fall entschieden werden müssen. Die große Zahl der Meldungen hatte auch zur Folge, daß vier Vorrennen gefahren werden mußten, wodurch manche sonst treffliche Mannschaft vom Hauptrennen ausgeschlossen war. Auffällig war, daß die sieggewohnte Frankfurter „Germania" vollständig leer ausging. Das Gleiche widerfuhr der Gießener Rudergesellschast, die den im ersten Rennen gewonnenen Vierer im zweiten aus Einspruch des Wetzlarer Ruderclubs nochmals gefahrenen Rennen an Wetzlar verlor. Im Allgemeinen wurden die Nennen durch scharfen Gegenwind, der namentlich die Vorrennen nachteilig beeinflußte, erschwert. — Die Beteiligung des Publikums, besonders auswärtiger Sportfreunde, war diesmal eine große, so daß in dieser Hinsicht das Rennen mit zu den besten bisher stattgchabten gehörte. Rach dem Vorrennen fand um 10 Uhr Frühschoppen auf dem Bootsplatz, darauf Festmahl im Saale des Gesellschaftsvereins statt. Von den hier ausgebrachten Toasten ist besonders derjenige des Rektors unserer Ludoviciana hervorzuheben. Der Rektor brachte ein Hoch auf den Vorstand der Gießener Rudergesellschast aus, hob dessen große Verdienste für die Hebung des Rudersports in unserer Unioersitätsstadl hervor und sprach den Wunsch aus, daß die Studentenschaft sich diesem gesunden Sport mehr widmen möge. — Frank- Hanau toastete auf den Ehrenvorsitzenden, die Ehrenmitglieder und Freunde der Gießener Rudergesellschast, was den Ehrenvorsitzenden, Stadtv. Kirch veranlaßte, den Dank für diese Ehrung abzustatten. Ueber den Verlauf der Regatta teilen wir Folgern des mit: 1. Junior-Einer. Der Ruderoerein Hellas-Offenbach cnM. ging allein über die Lahn. Zeit 7,45 Min. 2. G roher Vierer. Wanderpreis der Stadt Gießen Sieger von 1900: Frankfurter Rudergesellschaft Germania. Letztere beabsichtigte am Vormittag, die Verteidigung des Preises aufzugeben; sie meldete aber später wieder, sodaß die brei gemeldeten Boote von Start gingen. Der Offenbacher Ruderoerein von 1874 überließ auf halber Lange die Bahn den beiden Frankfurter Mannschaften „Sachsenhausen" und „Germania". Nach scharfem Bord- an-Bord-Rennen siegte „Sachsenhausen" nut halber Bootslänge. Zeit: „Sachsenhausen" 6,247v, „Germania" 6,27-/5. 3. Vierer. Preis von der Lahn. Sieger von 1900: Ruderclub Ems. Tie Gießener Rudergesellschast übernahm kurz nach dem Start die Führung und behielt dieselbe mit über Bootslänge bis ans Ziel. Ruderverein Ems folgte als zweiter, Wetzlarer Ruder- club als Dritter. Letzterer erhob Einspruch gegen die Giltigkeit des Remiens, da er aus halber Bahrr von „Ems" angelaufen wurde. Dem Einspruch wurde stattgegeben und unter Ausschluß von Ems das Rennen noch einmal gefahren. Dasselbe wurde von Wetzlar leicht gewonnen. Zeit 6,43. 4. Einer, Lahn-Pokal. Waiiderpreis des Deutschen Ruderverbandes. Sieger von 1900: Frankfurter Ruderoerein. Das Renneil wurde vom Mainzer Ruderverein leicht gewonnen. Zeit 6,59‘/6. Ruderverein Hellas-Offenbach war in 7,15‘75 Zweiter, während die Hanauer Rudergesellschast Hasiia das Rennen aufgab. 5. Zweiter Vierer. Preis des Regatta-Komitees. Wetzlarer Rudcrclub und Offenbacher Rilderverem fuhren auf der ganzen Bahn ein scharfes Rennen; die knapp halbe Bootslänge betragende Differenz konnte Wetzlar indeß trotz kräftigen Endspurts nicht ausgleichen und mußte Offenbach als ersten durchs Ziel lassen. Zeit: Offenbach 6,44* 6, Wetzlar 6,44* 6. 6. Junior-Achter. Jubiläumspreis von Gönnern del Gießener Rudergesellschast. Der Franksurter Ruderverein durchfuhr als erster das Ziel in 6,9, ihm folgte mit zwei Bootslängen Abstand der Frankfurter Ruderklub in 6,19‘/6. 7. Dollen-Zweier. Der Erefelder Ruderklub 1883 fuhr in 7,59 allein über die Bahn. 8. Junior-Vierer. Preis, gestiftet t>on einem Freunde des Rudersports. Erster: Frankfurter Ruderklub in 6,31 l/s, zweiter: Hanauer Rudergesellschast „Hassia" 1884 6,47Vs. Leicht aeivonnen. Die Gießener Rudergesellschast gab vorm Ziel das Rennen auf. 9. Akademischer Vierer. Der Kampf um dieses Rennen wurde von den beiden Heidelberger Mannschaften allein ausgetragen. Erster: Rudergesellschast Heidelberg 6,32, zweiter: Heidelberger Ruderklub 6,34* G. 10. Großer Achte r. Großherzogs - Preis. Wanderpreis, verliehen von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog. Sieger von 1900: Frankfurter Ruderoerein. Gemeldet 5 Boote, an Start: Frank- urter Ruderoerein und Frankfurter Rudergesellschast Sachsenhausen. Letztere übernahm die Führung vom Start ab und behielt ic bis zum Ziel. Zeit: Sachsenhausen 5,25, Frankfurter Ruder- verein 5,50. Scharfes Rennen. 11. Ermunterungs-Vierer. An ©tart: Frankfurter Rudergesellschast „Germania", Hanauer Rudergesellschast „Hassia" 1884, Gießener Rudergesellschast. Erster: Hanauer Rudergesellschast 6,47, zweiter: Frankfurter Rudergesellschast „Germania" 6,49V8, dritter: Gießener Rudergesellschast (ohne Zeitabnahme). Nach Beendigung der Rennen fand die übliche Preis«- Verteilung auf dem Bootsplatze statt. Die Reunion int Saale de§ Gesellschastsvereins war zahlreich besucht. Ans StaN und Land. Gießen, 28. Juli 1902. * * Vürg erntet ft ertag. Am Samstag nachmittag fand in Gießen im (Safe Ebel eine, vom Kreisamt ein- berufene Versammlung der Bürgermeister des Kreises Gießen statt, in der sich der neue Provinzialdirektor Dr. Breid ert den Erschienenen vorstellte. Es sei ihm Pflicht and Bedürfnis gewesen, so etwa führte er aus, die Bürgermeister hierher zu bitten, und sie kennen zu lernen. Die Aufgaben der Bürgermeister und des Kreisamtes seien gemeinsam . Außerdem sei das Amt eines Bürgermeisters heute schwieriger als je, sodaß er erwarten könne, daß sich ein gemeinsames Arbeiten erzielen lasse, wobei er weniger als Vorgesetzter, sondern als Freund in allen Fragen des Dienstes gern seinen Rat geben werde. Die Rede des Provinzial- direktors wurde von häufigem Beifall unterbrochen, ein Zeichen, daß er von den Versammelten nicht nur angehört, sondern auch verstanden wurde. Da die Versammlung sich nicht in den Grenzeri strenger Formen bewegte, sondern Mehr eine zwanglose Unterhaltung war, war eine eigentliche Tagesordnung nicht herausgegeben; es wurden deshalb einzelne Gegenstände, die ein bedeutenderes aktuelles Interesse beanspruchen, herausgegriffen und besprochen. So die Begründung einer Pfandbriefbank, die mit Herausgabe von Aktien von 500 bis 10 000 Mk. gedacht wird und an der sich die Kommunalverbände recht lebhaft beteiligen sollten. Justizrat Dr. Gut fleisch erörterte die Aufgaben der Bank, die durch Amortisation der Hypotheken eine allmähliche Entschuldung des Grundbesitzes ermöglichen solle. Man wolle den öffentlichen Sparkassen keine Konkurrenz machen; die Sparkassen können Geld auf unkündbare Hypotheken nicht ausleihen, sie müßten vielmehr Winter eine verhältnismäßig kurze Kündigungsfrist erfordern. Das sei aber nicht notwendig bei den Hypothekenbanken, die hier ihr eigentliches Gebiet fänden. Redner erläuterte dann noch die Stellung des Staates zu der geplanten Bank, die Dividendenfrage und weitere Details. Provinzialdirektor Dr. Breidert hielt dann eine Umfrage, ob eine regelmäßige vierteljährliche Revision der Kasse der Gemeindeeinnehmer durch die Bürgermeister Anklang finde. Es schien aber keine Stimmung dafür vorhanden zu sein. Regierungsrat Dr. Wagner sprach dann über die Erteilung von Wirtschaftskonzessio- n en, wobei er die Fragen nach der Persönlichkeit des die Konzession Nachsuchenden, und nach der Beschaffenheit des Lokals, die Bedürfuisfrage und die Zahlung des Stempels einer eingehenden Besprechung unterwarf. Ferner wurden vom Provinzialdireltor noch die Schornsteinfeger- frage und kleinere Angelegenheiten angeregt und von der Versammlung besprochen. So will der Provinzialdirektor im Kreisausschuß beantragen, daß das Kreisveterinäramt Telephonanschluß erhält. Endlich wurde ein Ausschreiben des Ministeriums über öffentliche Gesundheitspflege verlesen, nach dem vier bis sechs Veröffentlichungen des deutschenVereins fürVolkshygiene den Bürgermeistereien zugehen sollen. Damit war der offizielle Teil der Versammlung erledigt. Die Herren blieben dann noch längere Zeit zusammen; und man kann das Fazit dieser ersten Bürgermeisterversammlung wohl dahin ziehen, daß ein Zusammenarbeiten des Kreisamts mit den Bürgermeistereien im Sinne des Provinzialdirektors nunmehr gewährleistet ist. — Die nächste Bürgermeisterversammlung soll in Hungen stattsinden. H Gerichtsferien. Wahrend der Dauer der diesjährigen Gerichtsferien vom 15. Juli bis 15. September sind folgende als Richter fungierende Herren des Großh. Amtsgerichts Gießen beurlaubt: Vom 15. Juli bis 15. August Amtsrichter Zimmermann und Gerichtsassessor Schmidt, vom 30. Juli bis 30. August Geh. Justizrat Oberamtsrichter Langer mann, vom 15. August bis 15. September Amtsgerichtsrat Gebhardt und Amtsrichter Wiener, bis zum 1. August Gerichtsassessor Keller, vom 1. August an Ge- richtsasiessor Dr. Möbius. Während der betreffenden Zeit werden die beurlaubten Herren von den übrigen vertreten. In den Ferien werden regelmäßig nur in folgenden Sachen Termine abgehalten und Entscheidungen erlassen: Strafsachen, Arrestsachen und einstweilige Verfügungen; Meß- und Marktsachen; Streitigkeiten zwischen Vermietern imd Mietern wegen Ueberlassung, Benutzung oder Räumung von Wohnungen, sowie wegen Zurückbehaltung eingebrachter Sachen; Streitigkeiten zwischen Dienstherrschaft und Gesinde, zwischen Arbeitgebern und Arbeitern hinsichtlich des Dienst- oder Ar- öeitsverhältnisses; Wechselsachen und Bausachen. Auf das Mahnverfahren, das Zwangsvollstreckungs- und Konkursverfahren sind die Ferien ohne Einfluß. ff Vereinigung der Gerichtsaccessisten. Wie wir effahren, haben sich wie in anderen Städten auch die i Gießen beschäftigten Gerichtsaccessisten vereinigt, um neben 'er Geselligkeit auch die Wissenschaften zu pflegen. Es sind deshalb innerhalb der Vereinigung regelmäßige Vorträge über juristische Fragen in Aussicht genommen worden. Als Ort der wöchentlichen Zusammenkünfte wurde (Safe Ebel gewählt. • * Gemeinde st euerergebnisse. Den niedrigsten Ausschlag hat die Gemeinde Rieder-Rosbach im Kreise Friedberg mit nur 8,242 Prozent, dann kommt Schaafheim im Kreise Dieburg mit 11,306 Prozent. Den hö chsten Ausschlag sinden wir bei der Gemeinde Unter-Flocken- bach im Kreise Heppenheim mit 262,363 Prozent. Der Kreis Heppenheim hat überhaupt 13 Gemeinden, die über 200 Prozent erheben. Sonst sinden sich noch Landgemeinden mit über 200 Prozent Gemeindesteuerausschlag in den Kreisen Friedberg (Hausen), Erbach (Hesselbach), Alsfeld (Höingen, Vockenrode und Wettsaasen), Gießen (Lindenstruth, Rüd- dingshausen und Trohe), Bensheim (Glattbach) und Schotten (Schmitten). * * Der gestrige Sonntag, der als Hauptfesttag in der Reihe seiner Vorgänger (und wohl auch der Nachfolger) bezeichnet werden kann, hielt alle, die etwas sehen wollten, i>om frühen Vormittag auf den Beinen. Sowohl das Verbandsfest der Evangelischen Arbeitervereine des Mittelrheingebiets wie die Jubiläums-Regatta der Gießener Rudergesellschaft führten ber «Stabt eine große Anzahl Gäste aus Nah unb Fern zu. Heber beibe .Festlichkeiten berichten wir an anderer Stelle. — Das 24. Gesangsfest des Lahnthal - Sängerbundes entführte dagegen einen Teil der Gießener Einwohnerschaft vor allem die Gesangvereine „Hanuvme". „Heiterkeit", „Gemütlichkeit" und die „Bauern" nach der Nachbarstodt Wetzlar. Auch über den Verlauf dieses Festes berichten wir an anderer Stelle-- das Fest findet am heutigen Msntag seinen Abschluß. — Der Kriegerverein Gießen zog mtt Musik zum Waldfest nach dem Ludwigsbrunnen, um dort bei Konzert, Jugendspielen und Tanz den Nachmittag zu verbringen. — Auf der „Liebigshöhe" und in der „Ludwigsburg" zu Heuchelheim fanden Sommerfestestatt, die gut besucht waren. Kirchweihfeste gab es in der näheren Umgebung gestern nicht. i Großen-Buseck, 27. Juli. Bei ber Beigeorb- netenwahl am 26. bs. Mts. würbe ber seitherige Beigeordnete Lorenz Henß zum dritten Male einstimmig wieder- gewählt. [] Effolderbach, 27. Juli. In diesem Frühjahr erbaute ein hiesiger Bürger ein schönes Wohnhaus mit Steinsockel unb Blenbsteinen. Zum Sockel oerroenbete er aber einen sogenannten „Lungenstein„ von poröser Art, ber auf seinem Grunbstück gewonnen würbe. Obwohl ber Stein in frischem Zustanbe noch weich war, hoffte man, er würbe sich später erhärten. Allein bas Gegenteil trat ein. Gegenwärtig zerbröckelt nun der Stein dermaßen, daß das Haus dem Einstürze droht; in größter Eile müssen Teile des Sockels nach und nach entfernt und durch solides Mauerwerk ersetzt wenden. II Gedern, 27. Juli. Bahnbau Grebenhain — Gedern. Trotzdem noch einmal bei dem Eisenbahn-Ministerium in Berlin versucht worden war, eine Aenderung des Projekts zu erzielen, worauf jene Behörde aber nach nochmaliger technischer Prüfung nicht einging, sind nunmehr die Arbeiten zum Bau der Bahn ausgeschrieben. Die ganze Strecke von etwa 24 Kilometer ist in 2 Lose eingeteilt ; die Bewerbungen müssen bis zum 20. August, vormittags 11 Uhr, beim technischen Bureau Königl. Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M., Hedderichstraße 67/69, eingelaufen sein. Darmstadt, 27. Juli. Der Großherzog wird am 30. Juli zu gewohnter Stunde im Residenzschloß Audienzen erteilen, sowie Meldungen und Vorträge entgcgennehmen. § Klein-Krotzenburg, 27. Juli. Der Landwirt Michael Trageser hier ist im Besitz eines bereits mehrere Wochm alten Huhnes, das eine seltsame Abnormität darstellt. Der ganze Rumpf des kräftigen Hausvogels ist nämlich nicht besiedert, sondern wie die Säugetiere dicht behaart. Tie btaubraune Behaarung verleiht dem Huhn das Aussehen eines Stallhasen. Dabei trägt die Mißgestalt die befiederten Flügel nicht an den Rumpf geschmiegt, sondern aufwärts gestülpt und über dem Rücken zusammen geschlagen. Die muntere Rarität findet allgemeine Bewunderung. Mainz, 27. Juli. Heute nacht gegen 12 Uhr fuhr ein Offizier mit feinem Maschinisten auf einem Automobil über die Große Bleiche. Plötzlich stürzten einige Leute aus einer Wirtschaft auf das Automobil zu und einer derselben schlug mit seinem Stock auf die Insassen des Fahrzeuges. Der Maschinist hielt an, um die Ursache des Ueberfalles zu ermitteln, war aber kaum auf der Straße angekommen, als er überfallen und gewaltsam in bie Wirtschaft geschleift würbe. Dort würbe ihm erklärt, baß er nicht früher das Lokal verlassen dürfe, bis er eine größere Glasscheibe in der Thür, die bei dem Ueberfall auf das Automobil zerbrochen worden war, mit 2,80 Mk. bezahlt hätte. Der Offizier war mittlerweile hinweggefahren, um Polizei zu holen, und traf auch alsbald einen Polizeibeamten, den er nach der Ueberfallstelle fuhr. Die Angeschuldigten werden sich demnächst wegen Freiheitsberaubung, Erpressung und groben Unfugs zu verantworten haben. Mainz, 26. Juli. Der voriges Jahr wegen Zweikampfes mit Hauptmann Richter zu 2 Jahren Festungshaft verurteilte Leutnant Vogt vom 13. Husarenregiment wurde vom Kaiser begnadigt und aus der Haft entlassen. Vogt wird in ein anderes Kavallerieregiment eintreten. Alzey, 27. Juli. Wie es heißt, hat Bürgermeister Dr. Sutor in der letzten Stadtverordneten-Sitzung erklärt, daß, nachdem die Irrenanstalt für Alezy genehmigt fei, die Bürgermeisterei in Verbindung mit den Stadtverordneten, die er um ihre Unterstützung bat, alles thun werde, damit die Arbeiten und Lieferungen soweit nur irgend möglich in unserer Stadt bleiben. 11. Iervandssest des mittekheinischen Seröandes evangelischer Aröeiter-Aereiue zu Hießen. —bc.— Giehen, 28. Juli. Begünstigt vom schönsten Wetter — die drückende Schwüle war durch das wohlthätige Gewitter des Samstags einigermaßen gebrochen — verlief das Verbandsfest in schöner, glänzender und durchaus harmonischer Weise. Der Gießener evangelische Arbeiterverein, dem das Fest zugleich die Weihe seiner prachtvollen, neuen Fahne brachte, kann stolz auf dies Fest sein: die Arbeit der DorauSgegangenen Wochen und Tage — und sie ist für viele wahrlich nicht gering gewesen — war nicht vergeblich; in dem frohen Gefühl, daß alles wohl gelungen, konnte das Fest aus- üingen. Pünktlich um 9 Uhr 47 Min. traf gestern morgen der von Frankfurt kommende Extrazug, der das Gros der auswärtigen Festteilnehmer brachte, hier ein: es waren im ganzen ca. 800 auswärtige Gäste. Bald kam Ordnung in das fröhliche Gewimmel und Getümmel, war doch der Empfangs- Ausschuß nebst zahlreichen Fremdenführern am Platze. Allmählich formierte sich unter der umsichtignen Leitung des 2. Vorsitzenden, Lackierer Rttsert, der Zug, die Fahnen traten an die Svitze und es ging — der Kirchenzeit halber natürlich, ohne Musik — durch die Bahnhofsstraße der Stadtkirche zu, deren Geläute die Nahenden begrüßte. Bald war das Gotteshaus in allen seinen Teilen gefüllt, mächtig hallten die altehrwürdigen Choräle durch den weiten Raum, der vortresstich geschulte Kleinlindener Posaunenchor sowie der bewährte gemischte Chor des hiesigen evangelischen Arbeitervereins verschönten die Feier, deren Höhepunkt die Festpredigt des Pfarrers Loos-Butzbach bildete, die auf Grund von Eph. 3, 10 dem Taye die rechte Weihe gab- — Nach dem Gottesdienst fand im (Safe Ebel unter Vorsitz des Pfarrers Küster-Höchst a. M. die Cwlegierten-Bersamm- lung statt, die Eichen Festteilnehmer zerstreuten sich — von den Fremdenttihrern freundlichst geleitet — in die Stadt, die verschiärenen Sehenswürdigkeiten besichtigend und nahmen dann in den bestimmten Standquartieren — ca. 16 Restaurants — das Mittagessen ein. Bald nad) 1 llhr begann in Oswalds Garten reges Leben und T-reiben. Die ve^chicdenen Vereine rrchen ein und ordneten sich mtt ihren Fahnen — die Herren Ritsert und Keßler führtes hier das Kommando — unD reicht lange währte es, so erklangen die schmetternden Tön« unserer Regimentsmusik von ferne: es nahte die Fahne des Gießener Vereins, die noch verhüllt getragen — von 24 jungen, weißgekleideten Damen und dein Vergnügung^* ausschuß aus der Wohnung des Vorsitzenden, Pfarrer Dr. Grein Unter Vorantritt der Regimentskapelle abgeholt worden war. Kurz nach 2 Uhr setzte sich ber Zug in Bewegung, zwei Musikkorps ließen ihre Weisen erklingen und in langer Reihe folgten mit ihren Fahnen die Vereine von Mainz, Oberursel, Hanau, Frankfurt, Fechenheim, Meder- rad. Höchst a. M., Griesheim, Bockenheim, Sindlingen, Butzbach, Oberrad, Offenbach, Sossenheim, Unterliederbach, Wiesbaden, Zeilsheim,, Homburg, Friedberg. Den Schluß bildete der Gießener Verein. Der ungefähr 1000 Teilnehmer zählende Zug bewegte sich — ein wechselndes und durch die zahlreichen Fahnen belebtes Bild darbietend — durch die Neustadt, Bahnhofstraße, Westanlage, Seltersweg, Mäusburg, Marktplatz, Schulstraße,. Neuebäue, Gartenstraße, Bergstraße nach Steins Garten. Zahlreiche Häuser gaben durch Beflaggung den Sttaßen ein festliches Gepräge, wie auch eine geschmackvolle Ehrenpforte am Eingang der oberen Bahnhofstraße die Festteilnehmer bei ihrer Ankunft begrüßt hatte. Eine große Menge harrte bereits in Steins Garten freudig gestimmt auf das Nahen des Zuges; bald war der festlich und äußerst geschmackvoll dekorierte Saal völlig überjüllt, Hundene tonnten zu dem nun folgenden Weiheakt leider leinen Zutritt finden, unb nachdem die Fahnen um das Podium auf gestellt waren, ergriff der Vorsitzende des hiesigen Vereins, Pfarrer Dr. Grein, das Wort zu einer zündenden und begeisternden Begrüßungsansprache, die in ein brausendes Hoch auf Kaiser und Groß- herzog austtang. Nach einer weiteren die Zwecke und Ziele der Arheitervereine darlegenden Ansprache des Verbands- Vorsitzenden, Pfarrer Küster-Höchst a. M. hielt Professor Dr. Stamm in markigen Worten Sie eigentliche Weiherede. Nachdem die Hülle gefallen, übergab mit sinnigen Versen Fräulein Bickel namens der Frauen und Jungfrauen des Vereins die Fahne dem Vorsitzenden, dieser überreichte sie dem Fahnenträger, Eisendreher Graulich, der sie mit kurzen gelobenden Worten übernahm, worauf ein schwungvolles Fahnenlied des gemischten Ehors den Weiheakt wirkungsvoll abschloß. Es folgten noch Ueberreichungen von Fahnennägeln und Fahnenschleifen seitens der Vereine Frankfurt, Bockenheim, Griesheim und des gern. Chors des hi es. Vereins sowie Begrüßungen auswärtiger Vereine, worauf der Vorsitzende kurz dankend erwiderte. Bei dem nun beginnenden Gartenfest wechselten Gesaugsvorträge der Vereine Frankfurt, Wiesbaden, Hanau, Homburg, Höchst, Bockenheim, Gießen mit Vorträgen der Regimentskapelle und Ansprachen des Herrn Schuhmacher Begemann- Bockenheim, Werkmeister B ä r r n - Frantflrrt, Lackierer Ritsert - Gießen, Verbandsrechner Hofmann- Höchst und Lehrer Ohl-Hanau, bis kurz nach 7 Uhr ein großer Teil der auswärtigen Gäste unter klingendem Spiel, und Vorantritt der neu geweihten Gießener Fahne noch dem Bahnhof marschierte. Die Fahne wurde alsdann nach der Wohnung des Vorsitzenden zurückgebracht, dem noch als wohlverdienter Dartt ein Hoch erklang. Um 81/2 Uhr sollte die Farnttienfeier des Gießener Arbeitervereins beginnen, und schon vor 8 Uhr war der Saal in Steins Garten von einer erwartungsvoll harrenden Menge völlig überfüllt. Der Saal war durch die Muni- ficenz eines ungenannt bleiben wollenden Gönners des Vereins prachtvoll geschmückt — aus den Gnirlanden, die in geschmackvollen Windungen den Saal durchzogen, blitzten ca. 600 in allen Farben strahlende elektrische Lichter hervor, wie denn auch die Stadtkirche in der schönsten Weise gärtnerisch geschmückt war. Nachdem der Vorsitzende, Pfarrer Dr. Grein, die Versamnllung begrüßt, wechselten Darbietungen der mamiigfachsten Art. Da bei der Ueberfülluna des Saales viele keinen Einlaß mehr finden konnten und im Garten sich niederlassen nrußten ,konzertierten gleich- zeittg zwei Kapellen — die eine im Saal, die andere im Garten. Sehr wirksame und schöne Darbietungen des Zither-Vereins „Alpenröschen", sowie äußerst präzise und treffliche Vorträge des gemischten Chors des Vereins erfreuten die Anwesenden, ebenso wie das originelle Manbo- linen-Solo des Dirigenten des gemischten Chors, Gernhardt, und das reizende Kinderlieb von Johanette Lein. Den Höhepunkt des Abends bildeten fraglos die wunderbar schönen Lebenden Bilder, sowie die „Hesselänner Kirmes", deren Arrangierung und glänzende, durch wunderbar schöne elektrische Lichteffekte gehobene Ausstattung, die Herr Ingenieur Muhlert besorgte, und die der Verein gleichfalls dem schon erwähnten Gönner des Vereins verdankt. Während das erste lebende Bild — unter der geschmackvollen Regie des Herrn Peter — das Wirken der evangelischen Arbeitervereine in seiner Mannigfaltigkeit aufwies, und das zweite Musik und Gesang in anheimelnder Weise verkörperte, zeigte die „Hesselänner Kirmes", ein fröhliches Bild, frisch Pulsierendes oberhessisches Leben — wie alles mit lebhaftestem Beifall begrüßt. — Den Schluß bildete ein Tänzchen, das die Jugend noch einige Stunden vereinte. Wenn der verehrte Vorsitzende des Vereins, Pfarrers Grein, der uns leider bald verlassen wird, am Schluß des offiziellen Teils allen dankte, die zum guten Gelingen des Festes beigetragen, so gebührt wohl solcher Dank in erster Linie ihm selbst. Unb er gebührt gewiß allen, die manchen Tag geopfert, um alles wohl geraten zu lassen — so besonders auch den Herren Ritsert, Dr. Häuser, Schufst unb Graulich, wie dem gesamten Vorstand und allen aus dem Verein zugezogenen Kräften! Dem verdienstvollen Diregenten der Gesangsabteilung des Gießener Vereins, Gernhardt, wurde als Zeichen der 9lnerfennung eine1 Blumen-Lyra überreicht. Möge das schön und harmonisch verlaufene Fest dem Verein Segen bringen und auch solche über das Wesen evangelischer Arbeitervereine aufflären, die ihm seither fern standen!__ Vermischtes. • Berlin, 26. Juli. Der Kaffenbiener der Seehandlung, Wagner, legte gestern ein Geständnis ab und gab an, daß er das Geld bei Tegelort vergraben hat. Gestern Abend wurde ein Teil des Geldes gefunden, heute früh der Rest. Tie gestohlene Summe war annähernd 55 000 Mark, davon hat Wagner seinen Gläubigern etwa 3000 Mark gegeben. Nachdem diese 3000 Mk. von den Gläubigern wieder eingezogen sind, fehlen der Seehandlung noch etwa 1000 die Wagner wahrscheinlich für sich verbraucht haben wird. * Dresden, 26. Juli. Gestern versuchte der Königl. Waldwärter Lohse in Arnsdorf bei Dresden feine Frau und feine 13jähr. To chter mit einem Beile zu erschlagen. ‘3l(5bann beging Lohse Selbstmord durch Erschießen. Von Nachbarn, denen die Ruhe im Lohse'schen Hause auffiel, mürbe abends ba£ Haus geöffnet und Lohse als Leiche, jsirre Silben a*. hte bie $0* -tragen ** ,^bNÜgnnZ ZA Krs Stzjz «t ungefähr 7 cm wechjL d ° W, d» . äahlreic^ A°Ue am ehw-er bei ihrer ' ^crte bereits uhcn des Zuaes- detorie^ ^nunfolgen- lnb nachdem die "gni's der Lor- ;n^r£lIb das ■h.NNw >ail" und Groß, -wecke und Ziele dev VerbE hielt Professor ilche Seiherede. 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Die beiden letzteren wurden nach Dresden in die Dia- tomssenanstalt transportiert. • Plauen i. 23., 27. Juli. Als heute nachmittag die einige Feuerwehr anläßlich ihres 30jährigen Stiftungseine Uebung abhielt, stürzten infolge eines plötzlichen Windstoßes zwei Schiebeleitern um. Dabei wurde ein Kind getötet und ein anderes und sieben Feuerwehrleute verletzt, darunter zwei schwer. Die Festlichkeit wurde sofort ab- geü rochen. • Das Schiffsunglück auf der Elbe. In Hamburg fand gestern nachmittag die zweite Mass en - bestattung von 23 mit dem „Primus" untergegangenen Personen von der Leichenhalle am Lübecker Thor aus statt. Am Trauerzuge beteiligten sich viele Liedertafeln und Gewerkschaften, sowie Tausende von anderen Leuten. In den Straßen, die der Trauerzug passierte, bildeten gewaltige Menschenmassen Spalier. Am Grabe wurden mehrere Ansprachen gehalten. — Fortwährend treiben an den beiden Elbufern bis Brunshausen hinunter Leichen an. Eine im Geländer des „Primus" festgeklemmte weibliche Leiche ist durch Beseitigung des Geländes geborgen worden. Beim Abbrechen des Geländers verletzte der Schlag einer Kurbelwinde einen Maschinisten erheblich am Kopf. Die befreite Leiche wurde nach Hamburg gebracht. Drei hamburgische und zwei preußische Regierungsdampfer sind zum organisierten Leichenaufsuchungsdienst in Thätigkeit. — Die Verhandlung vor dem See amte über den Zusammenstoß zwischen der „Hansa" und dem „Primus" sindet voraussichtlich am kommenden Donnerstag statt. — Wie sich nach Besichtigung des Wracks des „Primus" herausstellt, hat die ,Hausa" den „Primus" nicht vor, sondern hinter dem Radkasten auf der Steuerbordseite getroffen. Die „Hansa" hat üen Radkasten zerdrückt. Dieser ist weggetrieben, das Rad ober nur verbogen. Der Kollisionsriß ist etwa ein Drittel Schiffslänge vom Achtersteven entfernt, woraus sich erklärt, daß das Hinterteil zuerst wegsank. Eisenbahn-Zeitung. — Einer Personentarifreform soll der neue Eisenbahn- minifter Budde nach Mitteilungen eines höheren Beamten, der riach dem „Mainzer Anz." kürzlich eine sehr eingehende Uruer- haltuna mit dem Minister gepflogen hat, nicht abgeneigt ntn. Diese Personentarisresorm solle darauf abzielen, daß die Rückfahrkarten ganz abgeschafft, und deren Preis zur Hälfte auf die Karten für einfache Fahrt übertragen wird, unter Wegfall jeder Art von Ermäßigungen. Vor: einer solchen Maß- regd war schon in den letzten Wochen der Amtssührung des Herrn von Thielen die Rede. Selbstverständlich wurde damals msere Meldung „dementiert". Vielleicht wird auch die obige Ileldung diesein Schicksal nicht entgehen. Deshalb braucht sie natürlich nicht unzutreffend zu sein. Kunst und Wissenschaft. Bayreuth, 26. Juli. Die heutige Aufführung der „Walküre" unter Direktion Hans Richters erziette einen großen Erfolg. Der Bestall des internationalen Publikums steigerte sich von Alt zu Akt und wollte am Schluffe nicht enden. Die Rollen waren wie folgt besetzt: Siegmund: Burgstaller-Frankfurt, Hunding: Lohsing- Hamburg, Wotan: van Rooy-Rotterdam, Sieglinde: Alarie Wittich- Dresden, Brünhilde: Ellen Gulbranson-Ehristiania. Auch die übrigen Walkürenrollen waren mit ersten Kräften besetzt. Tie Leistungen des Orchesters und die wundervolle Inszenierung ernteten rückhaltlose Anerkemmng. — Frau Eosima Wagner ist wieder gesund. Graz, 27. Juli. Dem geftern Abend in der prächtigen Festhalle des deutschen Sängerbundesfestes abgehaltenen Kommers roohnten 15 000 Sänger bei. Bürgermeister Tr. Graf begrüßte die Sänger und brachte ein Hoch auf die Kaiser Franz Josef und Wilhelm aus, worauf die österreichstche Volkshymne und das „Heil Dir im Siegerkanz" intoniert wurden. Professor Gellert-Leipzig dankte, wobei er den nationalen Charakter der Stadt betonte und «klärte, die Deustchen feien mit Begeisterung dem Rufe nach Graz, dem Bollwerk des Deutschtums im Süden, gefolgt. Der von den s achsischen Sängern gesungene Begrüßungschor „An Steiermark" mürbe mit stürmischem Beifall ausgenommen. — Der Ausschuß des Sängerbundesfelles beschloß, dem Sängertage als Ort des wachsten Bundesfestes Frankfurt a. M. vorzuschlagen. — Tas Verbot der Teilnahme der Offiziere und Soldaten erfolgte, weil der Festausschuß es ablebnte, das Verlangen des Korpskommandos zu erfüllen, sämtliche schwarz-roth-goldenen Flaggen einzuziehen und er auch auf die Mitwirkung der Kapelle des bosnischen Infanterie-Regiments verzichtete, mit der Motivier- umg, daß das Fest ein rein deutsches sei. Bei dem gestrigen Kon- z.ert wirkte die Kapelle des 3. Bayerischen Fußartillerie-Regiments ams München mit. — Der heutige grandiose, bei tropischer Hitze wbgehaltene F e st z u g bildete den Mittelpunkt des Festes. An dem Zuge, der aus einem drei Stunden langen Wege die Stadt burch- zpg, nahmen bei 15 OOO Sänger teil, darunter 6000 aus Deutsch- 1 anb in 20 Festwagen. Die beutschen Sänger wurden auf bem Wnzen Wege mit Heller Begeisterung seitens des Spalier bildenden, vuf 80 000 Personen geschätzten Publikums aufgenommen. Die Sänger fuhren zumeist in Wagen mit Bannern, stürmisch begrüßt umb mit Blumen überschüttet. Unioersitüts-Uachi schien. ? Marburg, 27. Juli. Zum Rektorder Universität twurbe ber Professor ber klassischen Philologie und der Berebsamkeit Tr. Theodor Birt gewählt Zu Dekanen werden gewählt: in d>er theologischen Fakultät Prof. Jü l ich er, in ber juristischen Prof. Träger , in ber mebizinischen Prof. Bach, in ber philosophischen Prof. Schmibt. Halle a. S. Der Architekt W a l b e von hier, früher Stadt- b-auinspektor, nahm eine Berufung für eine Professur an ber Tech- m>schen Hochschule in Darrnstabt an. — In Leipzig würbe Prof. Wach zum Rektor ber Univer- fiat Leipzig gewählt. Gerichtssaal. Darmstadt, 27. Juli. Wegen Berg ehens gegen bas Tuellgesetz hatten sich ber Stubent Hch. Bloch, 24 Jahre alt, ans Saargemund, z. Zt. Charlottenburg, sowie ber Stubent Fritz- Sroße-Weschebe, 25 Jahre alt, aus Bochum, wohnhaft in Karls- rrche, zu verantworten. Beide Angeklagte haben am 13. November v«. Js. dahier auf dem Heil. Kreuzberg einen Zweikampf a u f Säbel ausgefochten, bei welchem Bloch eine Verletzung am lÄnfen Auge davontrug. Die Ursache des Zweikampfes war nicht sLstzustellen und verweigern auch heute bie Angeklagten jebe Auskunft hierüber, währenb sie bie That selbst nicht leugnen. Der Serichtshof verurteilte beide Angeklagte in eine Festungshaft von je vier Monaten. Landwirtschaft. AlSfeld, 26. Juli. Der Kreis-Ziegenzuchtverein hielt am Mtttwoch hier seine erste Generalversammlung aL. In derselben wurde der vom landwirtschaftlichen Bezirksverein provisorisch gewählte Vorstand einstimmig bestäriot. Die vor- haabenen Mittel iollerr diesmal alle rum Ankauf von Saaner Zuchtmaterial verwandt werden, wozu schon zahlreiche Meldungen einliefen. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berlin, 26. Juli. In der heutigen Sitzung des Zentralaus- schuffes ber Reichsbank bemerkte Präsibent Dr. Koch, baß nach ber am Schluffe bes letzten Vierteljahres hervorgetretenen debeuten- ben Anspannung allmählich roieber eine starke Rückströmung wahrzunehmen ift Die Anlage sei settbem um 260 Millionen, bie Wechsel allein um 178 Millionen Mark gefallen. Das Metall sei feit Schluß bes Quartals um 69 Millionen g e ft i e g e n und weit stärker als jemals um diese Zeit. Insbesondere sei das Gold selbst gegen 1895 noch um 76 Millionen stärker. Die fremden Gelder hätten seit Quartalschluß um 10 Millionen und in den letzten beiden Wochen allerdings um 63 Millionen Mark sich gehoben. Indessen betrage bie steuerfreie Notenreserve 84 bezw. 242 Millionen mehr als in ben beiben Vorjahren. Der Privat- biskont sei niebrig, bie fremben Wechselkurse ;eboch im Steigen. Die Goldbewegung nach und von außen sei gleichwohl schwach. Die große Vermehrung des Goldbestandes der Reichsbank stammen fast ganz aus dem inneren Verkehr. Eine Veränderung des hier wie in London und Paris drei Prozent betragenden Diskonts merbe nicht beabsichtigt. Der Zentralausschuß stimmte ohne Erörterung zu. Nürnberg, 26. Juli. In der heutigen Sitzung des' Aufsichtsrats der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vor m. Schuckert u. Co. wurde ber Abschluß pro 1901/02 vorgelegt, ber infolge von Minderwert der Materialien sowie Abschreibungen und eines Delcrebere-Fonbs für Minderbewertung in Höhe von 9 Millionen mit einer Unterbilanz von 15 >/2 Mill. M k. abschließt. Der am 19. August 1902 ftattfinbenben Generalversammlung wird vom Aufsichtsrat und Vorstand vorgeschlagen werden, den Verlust durch Entnahme aus dem Reservefonds zu decken. — In der ebenfalls heute stattgehabten Aufsichtsratssitzung der „ContinentalenGeiellschaft für elektrische Unternehmungen" wurde die Bilanz vorgelegt. Danach wurde im abgelausenen Geschäftsjahr erzielt aus Unternehmungen, Effekten und Zinsen 2 177 023 Alk. Gewinn, wozu noch der Vortrag des letzten Jahres mit 125 009 Mk. kommt. Die Ausgaben für Verwaltung, Steuern und Abgaben betragen 413 607 Mk., für Bankspesen und Zinsen 1422 890 Mk. und für Anleihezinsen 400 000 Alk. Von den Effekten und Konsortial-Anleihen werden als Verlust 836 796 Mk. abgeschrieben und für Kapitaltilgung und Erneuerung der Betriebsunternehmungen 427 109 Alk. zurückgestellt. Das Gewinn- und Verlust-Konto schließt demnach mit einem Ver- lust von 1 198 372 Mk. ab, wobei bie Anlagen, soweit nicht Börsenkurse in Frage kommen, zu ben Gestehungspreisen eingesetzt ftnb. Zur teilweisen Deckung des Verlustes ist ber Reservefonbs mit 439183 All. heranzuziehen, sobaß ein Verlust von 759188 Mk. verbleibt. — Kommerzienrat Moritz Guggenheimer, ber im finanziellen und kommerziellen Leben Münchens eine große Rolle spielte, ist gestorben. — Südderttfche Eisenbahugesellschaft, Darmstadt. Der Aussichtsrat hat beschlossen, der auf den 10. September ein= zuberufenden Generalversammlung für 1901/02 eine Dividende von 5'/, pCt. (i. V. 61/, pCt.) vorzuschlagen. — Von der Börse. Auch in der abgelaufenen Woche trug die Börse wieder eine recht trostlose Physiognomie. Es fehlt andauernd jede Unternehmungslust, was am besten dadurch charakterisiert wird, daß für eine Reihe von sonst lebhaft gehandelten Spekulationspapieren des öfteren erste Kurse nicht zur Norierung gelangen konnten. Die aus ben rheinisch-westfälischen Jnbustriebezirken unb vom Ruhrkohlenmarkt einlaujenben ungünstigen Berichte trugen nicht am wenigsten bazu bei, ber Börse ein unfreunbliches Gepräge aufzubrücken unb büßten Bochumer 8 pCt., Laura unb Harpener je 5 pCt. ein. Coneorbia auf ben nicht befriebigenben Semesterabschluß schwächer. Bei ber andauernden Gelbflüssigkeit machte sich wieberum für beutsche unb russische Fonbs recht reger Begehr geltenb. Die Kurse stellten sich fast burchweg höher. In umfangreichen Beträgen rourben 3proz. Anleihen für auslänbische Rechnung aus bem Markt genommen. Rumänen unb Serben auf günstige Ernteberichte bevorzugt. Für Kanaba zeigte sich große Kauflust zu erheblich gebesserten Kursen. Das Geschäft in Bank-Aktien war sehr beschränkt unb haben bie- selben meist Kursabschwächungen aufzuweisen. Schifffahrts-Aktien unoeränbert Maschinenfabriken meist nichtiger. Zement-Aktien fast durchweg höher. Märkte. Grünberg, 28. Juli. Fruchtmarkt. (Durchschnittspreis pro 100 Kilo.) Weizen 00.00 bis 00.00 Mk., Korn 15.00 bis 00.00 M, Gerste 00.00 bis 00.00 Mk., Hafer 17.10 bis 00.00 Atk., Erbsen 19.60—00 Mk., Linsen 00.00 Mk., Lein 00.00 Mk., Wicken 00.00 Mark, Samen 22.62—00.00 Alk., Kartoffeln 0.00 bis 0.00 Mk. fc. Frankfurt a. 9)L, 28. Juli. (Telegr. Oria.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche 9iotierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen 375 Ochsen, darunter 128 aus Oesterreich, 58 Bullen, darunter 2 aus Oesterreich, 664 Kühe, Fersen, Stiereund Rinder, OKühe aus Oesterreich, 169 Kälber, 000 Schafe und Hämmel, 961 Schweine, 0Ziegen, 142 Ziegen-, 0Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht; Ochsen 1. Qualität 70—72Mk^ 2. Qual. 66—68 Ack., 3. Qual. 61—63Mk.; Bullen l.Qual. 59 bis 61 All., 2. Qual. 55—57 Mk.; Kühe 1. Qual. 66—68 Mk., 2. Qual. 62-64 Mk., 3. Qual. 52—54 Bck, 4. Qual. 43—45 Mk., 5. Qual. 00-00 Mk. Kälber:!. Qualität 78-80 Pfg., Lebendgewicht 48-49 Pf., 2* Qual. 72—75 Pfg., Lebendgewicht 43—46 Pfg., Schlachtgewicht 59—63 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 64—66 Pfg., 2. Qual. 60—62 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 67—00 Pfg., Lebendgewicht 53 Pfg., 2. Qual. 66 Pfg., Lebendgewicht 52—00 Pfg., 3. Qual. 54—58 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft bei Hornvieh gut, Ueber|tanb gering, bei Kleinvieh gut, alles verkauft. fc. Frankfurt a. M., 28. Juli. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen ber heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Atk. 00.00—17.75, Kurhessischer Alk. 00.00—00.00, La Plata Alk. 17.75—18.00, Kansas Alk. 17.75—18.00, Roggen (hiesiger) Mark 15.50—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 00.00—00.00, Franken-, selber Alk. 00,00—00,00, Hafer Alk. 18.00—18.50, Mais Alk. 12.00—12.25, Weizenmehl 0 Mk. 25.00—25.50, 2. Qualität Alk. 23.00 bis Mk. 23.50, 8. Qualität Mk. 21.00—21.50, Roggenmehl 0 Mk. 24.00—00.00, 1. Qualität Alk. 21.50—00.00, Weizenkiele Alk. 8.75 bis Alk. 0.00, Roggenkleie Mk. 9.50—0.00, Maiskeime Akk. 10.00 bis Alk. 00.00, Franken, Pfälzer, Rieb Mk. 00.00-00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. Wöchentliche Ueberflcht der Todesfälle in der Stadt Gießen. 27. Woche. Vom 29. Juni bis 6. Juli 1902. (Einwqhnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 24,09, nach Abzug von 6 Ortsfremben 12,05 %o* Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Tuberkulose b. Lungen 1 1 — — Tuberkulose b. Gehirns 2 (1) 2 (1) — — Gehirnhautentzübung 1 (1) 1 (1) — — Krebs 1 1 — — Blutvergiftung 1 (1) 1 (1) — — Lungenödem 1 1 — — Herzbeutelentzündung 1 (1) IC1) — — Blinddarmentzündung 1 (1) 1 (!) — — Krämpfen 1 — 1 — Lebensschwäche 1 (1) — 1 (1) — unbek. Krankheit 1 — 1 — Summa: 12 (6) 9 (5) " 3 (1) — Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel ber Tobesfälle in ber betreffenben Krankheit auf von auswärts nach Gieszen gebrachte Kranke konmien. Famlllen-Mchrichlen. Getraute: Willy Loehr, Großh. Hess. Hoffchauspieler, mit Charlotte Loehr, geb, Jager. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleibe» unberücksichtigt.) H. W. Reuters Werke in neuer wohlfeiler Volksausgabe in 8 Bänden gebunden zu Mk. 10.—, werden Anfang September zu erscheinen beginnen. Mneste Meldungen. Originaldrahtmeldungeu des Gietzener Anzeigers. Mainz, 28. Juli. In Bad Gastein ist gestern die Witwe des ehemaligen Präsidenten des GewerbevereinZ^ Dietrich, gestorben. Durch diesen Todesfall gelangt der Gewerbeverein in den Besitz eines ihm testamentarisch vermachten Legats von 150,000 Mark, von welcher Summe die Verstorbene die Nutznießung hatte. Marburg, 28. Juli. Bei dem gestern in Reddighausen abgehaltenen Kriegerfest wurden mehrere Schaubuden durch den Sturm zerstört. Durch bie Trümmer wurde eine Frau getötet und ein Kind schwer verletzt. Berlin, 28. Juli. Wie die Blätter melden, hat sich der verheiratete 45jährige Prokurist Gustav Pahnke schwere Sittlichkeitsverbrechen zu Schulden kommen lassen. Derselbe ist flüchtig. Berlin, 28. Juli. Nach einer Meldung aus Harzburg schreitet die Besserung im Befinden des Professors Virchow nur langsam fort. Der Patient muß das Zimmer hüten. Sein Allgemeinbefinden ist ohne Fieber. Berlin, 28. Juli. Wie die „Welt am Montag" meldet, kenterten gestern bei stürmischem Wetter auf dem Zeuthener See 7 Pachten. Eine Person soll ertrunken fein. Flensburg, 28. Juli. (Eig. Drahtbericht.) Einem hier eingelaufenen Telegramm zufolge ist der der hiesigen Rhederei 3E. Schultz gehörige Dampfer „Adelheid" während eines Taifuns an der chinesischen Küste untergegangen; die Besatzung wurde gerettet. Paris, 28. Juli. In den verschiedenen Gemeinde-- ratswählen, welche gestern in der Provinz stattfanden, siegten, wie die bisher bekannten Resultate ergeben, die Republikaner in zahlreichen Bezirken gegen die Nationalisten. Lyon, 27. Juli. Gestern abend brach in einem Ccrsö auf dem Bellecour-Platze ein Streit zwischen Soztalishen; unb Klerikalen aus, die sich gegensettig mtt Tomaten warfen., An verschiedenen anderen Punkten der Stadt kam es ebenfalls zu Aufläufen, bei denen einige Personen verletzt imb’ mehrere Verhaftungen vorgenommen wurden. Partenkirchen, 28. Juli. (Eig. Drahtbericht^ Am Samstagnachmittag wurde der Realschullehrer Kreuth er aus Regensburg beim Abstieg von dem Zugspitz vom Schlag getroffen und war sofort tot. Der Realschulasfistevt Poellein erschrack darüber so, daß er abstürzte und ebenfalls sofort tot war. Belgrad, 27. Juli. Stanojewttsch stellte gewisse 23e* dingungen für den freiwilligen Rücktritt vom Präsidium der Stupschtina, darunter die Forderung der Demission des Ministers des Innern, Stefanowitsch Ministerpräsident Wuitsch lehnte jedoch die Forderung ab. Stanojewttsch erbat sich Bedenkzett bis morgen. Der erste Vizepräsident der Skupschttna, Stojan Protitsch, ist zurückgetreten. Konstantinopel, 28. Juli. Infolge des Ans» bruches der Cholera in Egypten ist eine 12tägige Quarantäne gegen die Schiffe aus Egypten verhängt worden. Kapstadt, 28. Juli. Morgen nachmittag findet in Kapstadt die Vermählung der Tochter Delareys mjf Ferrero statt. Derselbe ist Sekretär des Gouverneurs von Kapstadt. Die Ceremonie findet in der holländisch-reformirtev Kirchs statt. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. Jü., 28. Juli 1902. 372% Reichsanleihe . . 102.70 30/0 do. ... 93.35 3V,% Konsola .... 102.60 3% do......93.10 31/a°/o Hessen .... 100.80 3'/,56 Oberhessen . . . 99.50 4% Oesterr. Goldretne . . 103.75 41/2% Oesterr. Silberrente 102.10 456 Ungar. Goldrente . . —.— 4% Italien. Rente . . . 103.20 4*/256 Portugiesen . . . 47.20 ä0/ Portugiesen. .... 29.20 156 C. Türken .... 28.10 Türkenlose ..... 113.60 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.90 47,56 äussere Argentiner —.— 3v/o Mexikaner .... 26.4a 4V2V0 Chinesen .... 91^5 Electric. Sohuckert . . . 96.50 Nordd. Lloyd . . . . 106.70 Kreditaktien 213.70 Diskonto-Kommandit. . . 183.50 Darmstädter Bank . . . 135.30 Dresdener Bank .... 143.20 Berliner Handelsges, . . 154.10 Oesterr. Staats bahn . . . 150.90 Lombarden .... 17.70 Gotthardbahn 17830 Laurahütte 194.00 Bochum . ..... 181.00 Harpener 163.90 Tendenz: ruhig. — Die lex Heintze unb bie mit ihr in Zusammenhang stehende starke Bewegung kommt einem beim Anblick eines neuen Ankömmlings wieder zur Erinnerung, der seit kurzem die Verbrechergallerie des „ C a st a n ' s ch e n Panoptikums" ziert — des Biedermanns Heintze, welcher bei dem erwähnten Gesetz Gevatter stand. Nicht minder großes Interesse dürste der Mörder der Gypsschuttze,! „Der Schuster Gönezy", „Der Berliner Maffenmörder Popp^ finden. Von den sonstigen neu eingetroffenen Figuren verdienen besonders Richard Wagner und Lessing ihrer lebenbigen Natürlichkeit wegen Beachtung. Da die Schaustellungen fortwährend bereichert werden, dürste ein erneuter Besuch des Panoptikums recht lohnend sein. 2lus bem Frankfurter Zoologischen Garten. In der vergangenen Woche gab es wieder zahlreiche Neuheiten, d. h. Arten, bie bisher noch nicht lebenb gezeigt worben finb, wie bie merkwür» bigert Stranbreiter SÜbeuropas, Sumpfvögel mit abnorm hohen rochen Beinen, bie barum auch „S t e l ze n l äu f e r genannt werben, währenb ihre schwarzwelße Färbung ihnen ben Namen „S10 rchschnepfen" verschafft hat. Feriier finb neu bie Rücken st reifkängn ruh, seltene Tiere ans Neu-Sübwales. Auch von ben zahlreichen neu eingetroffenen norbamerikanischen Schlangen waren einige Arten früher noch nie lebenb hier, so bie leuchtenb rothe Prachtschlange unb bie Schweinsrüsselschlange mit eigentümlich verdickter Schnauze. — Die hervor- ragenbste Novität aber finb zwei kalifornische See 1 öwen; eine Tierart, bie seit langer Zeit riicht mehr im zoologischen Garten gewesen i|L Diese Tiere bürsten aus lange hinaus einen Hauptan- ziehungspmikt für bie Besucher unseres Gartens bilben, ba sie bei ihrer geschmeibigen Beweglichkeit im Wasser, namentlich währenb ber Fütterung em überaus sesselnbes Schauspiel abgeben. Sie be- roegen sich auch auf bem Laube weit geschickter unb schneller alä bie Seehunbe, finb aber trotzdem echte Wassertiere und begeben sich hauptsächlich nur aus das Trockene um zu schlafen. a**4i^o* in jeder beliebigen Schriftart und Karton« l/llllllirf k sl forte, sowie mit Zirkeln aller ftuöentiftben Vereinigungen, liefert zu mäßigen Preisen vrühl'sche UniverfitSts-vruckerei. Zchulittaße Z Todes-Anzeige riedrich Karl heute mittag 12 Uhr nach kurzem, schwerem Leiden im zarten Alter von 48/^ Jahren sanft verschieden ist. Giessen, Nürnberg, 27. Juli 1902. Von Blumenspenden bittet man Abstand zu nehmen, da die Ueberführung der Leiche nach Nürnberg bereits erfolgt ist. 5427 auegefilhrt von der Gießen, den 27. Juli 1902. 5422 Eintritt 50 Pfg< Anfang 8 Uhr. Danksagung zurückzugeben 5417 mit gelbe Rübe«, Mulchgurkeil v. -PerlzmM einer großen Sendung 5426 Gießen, den 28. 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