Samstag 28. Jrmi 19028 Zweites Blatt 152. Jahrgang GietzenerAnzeiger v ** General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblati für den Ureis Gießen Bezugspreis: monatlich 75 Pf., viertele jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenprers: lokal 12Pf* auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den poliL u. allgenu Teil: P. Witiko: für »Stadt und Land^ und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Nr. 14« Erscheint täglich autzer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kelfischen Landwirt die Eichener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt. /Rotationsdruck u. Verlag bt. Brüh l'sche- Univers. Buch-u.Stei. bruderct (Pietsch Erben) ihebaLiL. Expedition mu Druckerei: Schulstraße 7. Ldresie für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. Iie heutige Yummer umfaßt 16 Seiten. König tzduards Krankheit. Das am Freitag um 11 Uhr abends ausgegebene Bulletin lautet: Das Befinden des Königs ist in ;eder Beziehung befriedigend. Der König hat einen guten Tag verbracht. Sein Zustand hat sich bemerkenswert gebessert. Der König ist, so wird weiter aus London gemeldet, während der ganzen Krankheit in guter Stimmung, und die Aerzte führen seinen gegenwärtigen günstigen Zustand teiltteise darauf zurück. Dr. Lister und seine Kollegen hatten eine längere Beratung darüber, ob die Operations- nähle entfernt werden sollen, wenn die günstigen Symptome andauern. Die Entfernung der Nähte dürfte Sonntag oorgenommen werden, den man als „kritischen Tag" betrautet. Erne medizinische Autorität erklärte, der Wieder-Ausbruch der Entzündung unv Geschwürbildung beziehungsweise der Bauchfell-Entzündung sei zu befürchten. Die Leibärzte befürchten außerdem, der Zustand des Königs könnte durch das Lesen von Zeitungserörterungen, die sich an beunruhigende Berichte knüpfen würden, beeinflußt werden. 2m Donnerstag abend hatte die Bank von England twachtvoll illuminiert. Tausende von Glühlampen bildeten Die Inschrift: „Gott schütze den König." Auch andere offizielle Gebäude Londons hatten illuminiert. Zn dem etwas nördlich von London belegenen Wat- / o r d gab es am Donnerstag erhebliche Unruhen, nachdem das Festkomitee beschlossen hatte, alle Krönungsfeiern zu verschieben. Volksmengen sammelten sich aus dem Marktplätze, und fingen an, die Geschäfte, welche Mitgliedern des Komitees gehören, mit Steinen zu bewerfen. Von dem Laden des Vorsitzenden des Komitees wurden die eisernen Rolläden abgerissen, der Laden zertrüm- merr und in Br an d gesteckt, so daß die Feuerwehr kommen mußte. Auch die Fenster der Privatwohnung des Vor- sitzenden wurden eingeworfen. Dann zündete man ein Freudenfeuer an, und der städtische Ingenieur, der dies derhinoern wollte, wurde arg mißhandelt. Ein Schuhgeschäft wurde aufgebrochen, und der Inhalt geraubt. So gmg es vielen anderen Geschäften auf dem Marktplatze und (in der Hauptstraße. Da auch die von auswärts herbeigeholte Polizei nicht die Ruhe Herstellen konnte, wurde nach Nitternach die Aufruhr-Akte verlesen. Ungefähr 100 besondere Konstabler wurden vereidigt, und dann em Angriff aus die Volksmenge unternommen. Erst nach drei Uhr morgens waren die Straßen gesäubert. Viele Personen erlitten Verletzungen, dreißig Personen wurden verhaftet. Kaiser Wilhelm ließ in Kiel durch Flaggensignal folgende Antwort des Königs von England bekannt geben: Ties gerührt durch das gütige Gedenken bin ich stolz, Admiral in Deiner Marine zu sein. Dre „9wrdd. Allg. Itg." schreibt: Die „Hamburger Nachrichten erheben Einspruch dagegen, daß die „Nordd. Allg. Ztg." sich in ihrer neuerlichen Kundgebung bei der Ertrinkung des Königs von England zum Dolmetsch der Gefühle des deutschen Volkes gemacht habe, wobei durch die Berufung auf die übereinstimmende Auffassung des deutschen Volkes letztere zum Widerspruche provoziert wurde. Wir glauben nicht, daß das Hamburger Blatt mit diesem Protest dem Empfinden unseres Volkes gerecht geworden ist. Die „Nordd. Allg. Ztg." hatte einfach bemerkt, das deutsche Volk vereine sich mit dem Kaiser und kgl. Hause in aufrichtiger Teilnahme und dem Wunsche, daß dem kranken Könige Eduard baldige Genesung beschieden sein möge. Das ist eine Empfindung, die für jeden fühlenden Menschen selbstverständlich ist, und man wurde unserer Meinung nach das deutsche Volk beleidigen, wenn man annehmen wollte, daß sie von ihm nicht geteilt wird. Zur KolerrpolitiL. Wie die „Post" berichtet, beschäftigt sich der Kaiser zur Zeit viel mit oem amtlichen Material über die polnische Bewegung in Posen. Er beabsichtigt, für seine Anwesenheit dort während der großen Manöver sich programmatisch über die Polenpolitik des preußisch en St a a t e s zu äu ß e r n. Die Gelegenheit hierzu wird voraussichtlich das Bankett bieten, das der Kaiser am 4. September den Ständen der Provinz Posen im neuen Provinzialmuseum giebt. Damit ist also eine neue Polenrede des Kaisers signalisiert. Wir zweifeln jedoch an der Richtigkeit dieser Meloung, zumal diese Politik bereits wiederholt und hinreichend deutlich, auch vom Kaiser selbst, klargelegt worden ist. Dahingegen wird von anderer Seite, die für unterrichtet gelten Darf, in Aussicht gestellt, daß eine Stärkung des deutschen Elements durch Maßregeln der Militärverwaltung eine Folge des Kaiserbesuchs in Posen sein dürfte. Namentlich sei Gegenstand der Erörterung die Umquartierung von Truppenteilen in eine Anzahl im Bereich des 5. Armeekorps gelegener Landstädte. Im Reichstag ist von den deutschgesinnten posenschen Abgeordneten seit Jahren auf die Zweckmäßigkeit solcher Maßregeln hingewiesen worden. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die deutschen Geschäftsleute und Gewerbetreibenden in den Landstädten des Ostens an einer Garnison einen schätzenswerten Rückhalt besitzen. Bemerkt sei noch, daß der Gemeinderat der galizischen Stadt Stanislau eine Protestkundgebung gegen die Marien- burger Rede des deutschen Kaisers beschlossen hat. Deutsches Keich. Berlin, 27. Juni. Zur Abend täfel beim Kaiser- paar auf der „Hohenzollern" war gestern Admiral von Eisendächer geladen. Heute vormittag hat sich, wie man aus Kiel meldet, der Kaiser, begleitet vom Prinzen Adalbert, mit einem Teil des Gefolges auf seiner Dacht „Meteor, die von einem Torpedoboot zum Start geschleppt wurde, zur Regatta begeben. Die Kaiserin fuhr mit dem Depeschenboot „Sleipner" auf das Regattafeld, und folgte den Fahrzeugen in See. — In der gestern unter dem Vorsitze des Staatssekretärs Grafen Posadowsky abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats gedachte der Vorsitzende mit warm empfundenen Worten des Hinscheidens des Königs Albert und gab der tiefen Trauer des Bundesrats Ausdruck. Der sächsische Gesandte Graf Hohenthal-Bergen nahm Veranlassung, namens des jetzt regierenden Königs von Sachsen dem Bundesrat für die Teilnahme zu danken. — Die dem König Albert seinerzeit vom Herzog Wilhelm von Braunschweig testamentarisch übereignete Herrschaft Sibyllenort soll durch letztwillige Bestimmung des Monarchen an König Georg fallen. Der Königin-Witwe würde jedoch die Nutznießung bleiben. Sämtliche schlesische Besitzungen der sächsischen Königsfamilie würden auch in Zukunft stets, in das Eigentum des jewelligen Königs übergehen. — Reichskanzler Graf Bülow empfing heute mittag den Fürstbischof Dr. Kopp aus Breslau zu einer längeren Unterredung. — Vom neuen Eisenbahnminister Budde wird mitgeteilt: Herr Budde hat bereits am Tage seiner Ernennung einen Beweis von gutem Geschmack und man könnte fast sagen, von Charakter abgelegt, er hat nämlich dem Photographen, der Bild er von ihm besitzt, verboten, sie zu verkaufen. Er will nicht, daß sei n Konterfei in der Presse erscheint. Mags eine begreifliche künstlerische Scheu gegen die oft bedenklichen Schnellprodukte der schwarzen Kunst sein, oder mag's mehr sein, eine verständige Abneigung gegen die bis zur Verblödu ng getriebene Industrie der Fütterung des Publikums mit den Bildern alle?-öffentlich hervortretenden Persönlichkeiten, vom Raubmörder bis zu gekrönten Häuptern, kurz, Minister Budde will nicht äbgebildet sein. München, 27. Juni. Mit der Möglichkeit einer partiellen Ministerkrisis wird in Bayern gerechnet. Jtt parlamentarischen Kreisen wird erzählt, Kultusminister von Land mann, dessen Stellung infolge seines Verhaltens während der Etatdebatte im Landtage als erschüttert gilt, werde zum Regierungspräsidenten von Oberbayern ernannt werden an Stelle des seitherigen Präsidenten von Auer, der aus Altersrücksichten zurücktritt. Ausland. London, 27. Juni. Der Vicekönig von Szetschwan benachrichtigte die Regierung, die Gebäude der anglo-- amerikanischen Mission in Tienkuchao seien von einem Volkshaufen zerstört worden. Ein Missionar wurde ermordet, dessen Name und Nationalität nicht gemeldet ist. Es erging ein Edikt, durch das die Ortsobrigkeit des Ranges entsetzt und die Ausrottung der Aufrührer ange-, ordnet wird. Mehrere Rädelsführer sollen enthauptet fein. Reuters Korrespondent fügt hinzu, es scheine sich um einen Auf st and zu handeln, der gegen die Eintreibung der Auflagen für die Kriegsentschädigung gerichtet sei, ähnlich den Aufständen in oerichiedenen Teilen des Reiches. — Ein Telegramm aus Pretoria berichtet, daß die Gesamtzahl der Buren, die sich bisher unterworfen haben, 20 005 beträgt. Paris, 27. Juni. Senat. In Beantwortung einet Anfrage erklärt Rouvier, die Jahresrate der chinesischen Entschädigungssumme für 1902 sei zum großen Teil be zahlt. Darauf setzt das Haus die Beratung des Antrages betr. die Einführung der zweijährigenDienst- z e i t fort. General Billot behauptet, die zweijährige Dienstzeit könne nur Enttäuschungen und schweres Mißgeschick yerbeisühren. Er weist auf den Wert des russischen und des Deutschen Heeres hin, welch letzteres das erfte iw der Welt nach dem französischen sei. — Deputiertenkammer. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation Mirman betteff end die Humbert- Angelegenheit. Mirman fragt die Regierung, weshalb! man die Schuldigen habe entfliehen lassen und ver, breitet sich aussichrlich über die Haltung der Gerichte, welche selbst in die Angelegenheit v er wickelt seien. Binder fragt, was die Regierung gegenüber dem Generalprokurator Bulot zu thun gedenke, der vom Justizminister selbst als in die Angelegenheit verwickelt namhaft gemacht worden sei. Justizmmister Balls erklärt, das Verhalten Bulots sei vorwurfsfrei gewesen. Der Minister hegt die Zuversicht, daß Frau Humberts Verhaftung erfolgen werde. Es ist nicht zu verwundern, wenn angesehene Republikaner im Hause eines ehemaligen Ministerpräsidenten verkehrten. Aber man traf bei den Humberts auch Grafen, Markgrafen und Geistliche, und selbst: einen berühmten General; denn Frau Humbert gehörte zur Partei Boulanger. Er fügt hinzu, bei der Verhandlung gegen sie werde es Ueberraschungen geben und die Liebhaber von Skandalen auf ihre Kosten kommen. Das Haus nimmt eine Tagesordnung an, welche das Vertrauen zur Regierung ausspricht, daß sie jegliche aus der Angelegenheit Humbert sich ergebende Sttasfälligkeit nachdrücklich zut Rechenschaft bringen und der Sache Die ausschließlich juristische Folge geben werde, welch? ihrem Wesen entspreche. Rom, 27. Juni. Der Tod des Königs Albert von Sachsen hat auf den Papst den schmerzlichsten Eindruck gemacht. Als er die Trauerkunde empfing, äußerte er sich über den herben.Verlust und gedachte der persönlichen Tugenden des Verstorbenen, sowie des innigen Verhältnisses, das jederzeit zwischen dem sächsischen Königshause und dem Papst geherrscht habe. Petersburg, 27. Juni. Der Forschungsreisende Sven Hedin, der jüngst? aus Mittelasien zurückgekehrt ist, wurde vorgestern vom Kaiser in Auoienz empfangen. St. Helena, 27. Juni. Gestern sind 478 gefangene Buren nach Südafrika ab gegangen. Washington, 27. Juni. Der Senat nahm in seiner letzten Sitzung das Panama-Kanal-Gesetz an. kosten pro Stück nur 50 Pfg. und können durch jede Buchhandlung oder direkt durch den Verleger Feodor Reinboth in Leipzig gegen Einsendung des Betrages bezogen werden. Unter dem Titel „Akademische Unfreiheit, zeitgemäße Bettachtungen über Schattenseiten des deutschen Studentenlebens, gab soeben Max Jacobi im Verlage von Rich. Sattler in Leipzig eine Broschüre heraus. Ohne Rücksichtnahme auf mehr oder weniger durch Alter „geheiligte" Institutionen hat der Verfasfer es versucht, für alle an dem Wohl und Wehe des akademischen Bürgers interessierten Kreise „Geschwüre" bloßzulegen, von denen er meint, daß deren Einfluß den deutschen „corpns acade- nticum" der Gegenwart inora lisch und physisch zu Grunde richten müsse. Es lag dem Verfasser nicht daran, mehr ober weniger einseitige Besserungsvorschläge zu machen, sondern er will durch Hinweis aus Auswüchse die deutsche Studentenschaft aufrüttetn. Wie Fritz Reuter Doktor wurde. Die Ernennung Heinrich Seidels zum Ehrendoktor Der philosophischen Fakultät zu Rostock wird dem Dichter eine ganz besondere Freude bereitet haben. Einmal weil es die heimische Universität ist, die ihm, dem Mecklenburger von Geburt, diese Auszeichnung darbietet, und dann auch wohl, weil die gleiche Würde einst auch dem großen plattdeutschen Humoristen, seinem Landsmann Fritz Reuter, zuteil geworden ist. Es war im März 1863, als die philosophische Fakultät zu Rostock auf Antrag des Germanisten Karl Bartsch Reuter einstimmig die Ehrenwürde verlleh. Wie der Dichter damals die Auszeichnung aufnahm, darüber schrieb ein Bekannter Fritz Reuters, der in Breslau verstorbene Prorektor Dr. Maaß: ,,Jch sitze an einem Nachmittag ruhig in meiner Stube und korrigiere Schülerhefte. Da klopft es, und herein tritt Fritz Reuter, nicht mit ,^arquinius- schritten", nein, mit den richtigen breitspurigen EnspeLter Bräsig-Schritten. Ich lade ihn auf das Sopha ein, aufs welches er mit dem entsprechenden Applomb niederfällt, und dann überreicht er mir ein Dokument und sagt halb verschämt wie eine Jungfrau: „Herr Dr. Maaß, ick wull Sei doch wisen; sie hewwen mi in Aiostock tau’n Dotter matt von wegen ntine „Olle Kamellen", denken Sie ob librum aureolum huncce Olle Kamellen. Wenn dat de olle Cicero wüßt!" Einen Abdruck seines Ehrendiploms sandte Reuter auch seiner unlängst verstorbenen Schwester Sophie und schrieb ihr: „Min Döchting, dat möst Du di atoroerretten taten." In seinem Antwortschreiben an den Dekan Professor Fritzsche erinnerte der Dichter an seine Rostocker Burschenzeit, als er — obwohl Jurist — es zuwellen wagte, in Fritzsches Vorlesungen über Aristophanes als „demütiger Hospitant" zu erscheinen. Und an den Schweriner Großherzog schrieb Reuter damals: „Denken Sie sich^, Könige liche Hoheit, einen Humoristen in der Toktorrobe!" Aber zum Justizrat Schultze, feinem treuen^ „Kaptein" aus der Festunaszeit, meinte er mit luftiger Selbstironie: „Denke Dir, alter Junge, daß die zäheste Fakultät in deutschen Landen, die Rostocker philosophische, mich. Deinen dämlichen Charles douze, zum Doktor honoris causa gemacht hat! Na, sie haben sich den rechten ausgesucht!" Feuilleton. GriebensReisebücher. Band 36, derSchwarz- wald, ist unlängst in 12. Auflage erschienen. Er umfaßt nicht nur ba£ gesamte Gebiet bes Schwarzwaldes, sondern führt den Wanderer von Heidelberg bis zum Bodensee. Das Buch ist wohlbewährt. Selbstverständlich ist der neu markierte Hohenweg Pforzheim-Bafel berücksichtigt. Der Fußwanderer wird gut thun, den Zeitbestimmungen nicht unbedingt zu vertrauen; so läßt sich namentlich die für drei Wochen vorgesehene Fußtour in dieser Zell selbst von rüstigen Bergwanderer nicht ausführen. Vermissen toüfc mancher einen Stadtplan von Karlsruhe. Immerhin ist dies von PH. Bußmer bearbeitete Reisebuch von allen Schwarzwaldführern wohl der beste. Preis geb. 3 Mk. Das Touristeu-Bureau F. Beyers in Christiania hat in deutscher Sprache ein „Kursbuch für Norwegen" (Juni, Jrlli und August) herausgegeben, das in handlicher ftorm die Fahrpläne, Preise rc. für Eisenbahnen und Dampfschiffe wieder giebtt Als ein Vorzug für die Besitzer von Lockowitz, Opernführer bezw. Operettenführer (Mk. 2), dürften die jährlich erschernenden Nachträge sein. Vom Opernführer erschien bereits der Dritte Nachtrag, der die neuesten Repertoire-Opern enthält, während der gleichzeitig erschienene Nachtrag zum Operettenführer die neuesten, beliebtesten Operetten inhaltlich wiedergrebt. Diese Nachttäge Die ZolltarifLommissioo beriet am Freitag die Positionen 452 bis 457, Gewebe, die nicht unter die früheren Positionen falten. Nach längerer Debatte wird Position 452 nach einem Antrag Müller- Fulda angenommen. Darnach zahlen rohe Gewebe, 80 Gr. oder mehr auf den Quadratcentimeter wiegend, bis 35 Fäden in Kette und Schutz auf fünf Quadratmillimeter enthaltend, 40 ML statt 50 ML, von 35 bis 44 Fäden enthaltend 60 statt.' 80 ML, über 44 Faden enthaltend 80 statt 110 Mk. Position 453 rohe Gewebe 40 bis 80 Gramm auf Quadratcentimeter wiegend, in gleichen Einzel- abteilungen wird nach Antrag Müller-Fulda von 100, 130, 160 ML auf 90, 100, 150 Mk. ermäßigt, desgleichen Position 454 rohe Gewebe unter 40 Gramm wiegend auf 120, 150, 170 Mk .ermäßigt. Position 455 zugerichtete, gebleichte Gewebe wurde nach der Vorlage genehmigt, wonach dieselben einem Zollzuschlag von 20 ML zu dem Zoll aus Rohgewebe unterliegen, Position 456 und 457 werden gemäß dem Anträge Müller-Fulda verschmolzen, indem gefärbte und bedruckte Gewebe ohne Rücksicht auf die Zahl der verwandten Farben 50 Mk. Zoll zahlen. Position 458 Wirkstoffe und Netzstoffe wurde mit einem Zollsatz von 100 Mk. nach der Vorlage genehmigt. Position 459 Handschuhe und Haarnetze werden gemäß dem Antrag Förster von 180 auf 160 Mk. ermäßigt, desgleichen Position 460 Strümpfe, geschnitten von 100 auf 80, regulär von 140 auf 120 ML herabgesetzt. Zu Position 461 Fis chernetze wird ein Antrag Müller-Meiningen angenommen, den Zollsatz, wie bisher bei 3 ML, statt 50 ML zu belassen. Position 463 geschnittene oder reguläre Wirk- und Netzwaren werden nach der Vorlage mit 100 ML angenommen. Der Leipziger Bankprozetz. n Leipzig, 27. Juni. Die Verlesung der Protokolle wird fortgesetzt. In einem Protokoll vom 23. Juni 1892 werden die Reisen Exners nach Paris, Nantes und Rußland erwähnt, ebenso die Studienreisen Sachsenrvders, Völkers und Dr. Gentzsch nach Ungarn und Bosnien sowie die Erfahrungen in Bezug auf die Ergebnisse der Treber-Unternehmungen. (Spier sagt aus, er habe in Nantes, wo er mit Schmidt zur Besichtigung des Unternehmens zusammentraf, ein ausgedehntes Werk gesunden, von dem drei Viertel in Betrieb waren, und das ihm als günstig geschildert wurde. Exner wird vorgehalten, daß nach feinem Briefe vom 15. Dezember 1899 an Schmidt die französische Gesellschaft in Nantes Kassel um Maschinen drängte, sonst müsse Nantes im Jahre 1900 den Betrieb einstellen. Exner schildert dann die Gründung der russischen Gesellschaft, die ursprünglich deutsch war und dann russisch geworden ist, für die die Leipziger Bank die Finanzierung übernahm. Tann schilderte er die Idee der Gründung der englischen Gesellschaft, die die russischen Aktien übernehmen sollte. Die Gründung war ziemlich fertig, scheiterte aber im letzten Augenblicke infolge Ausbruchs des Krieges in Südafrika. Doüel erinnert sich genau, daß über die Transaktion mit der russischen und englischen Gesellschaft im Aussichtsrate der Leipziger Bank ausführlich verhandelt wurde, und auch über das Programm und die Gutachten der englischen Sachverständigen Bericht gegeben setz Es wird beschlossen, diese Gutachten herbeizuschafsen. Sachverständiger Schlieper weist daraus hin, daß in dieser Sitzung des Aufsichtsrates zum ersten Male mitgeteilt worden ist, daß das Bergmann'sche Patent versage und fragt, ob dies nicht das Vertrauen des Aufsichtsrats erschüttert habe. Dodel führt aus, daß dies nur in einem einzigen Falle vorgekommen sei, der das Vertrauen nicht erschüttert habe. Auch Wölter empfing in Bosnien den denkbar besten Eindruck Sachverständiger Taltrow sagt aus, daß die Bank im April 1899 bereits von der Wertlosigkeit der bosnischen Gesellschaft gewußt habe, während Exner, obwohl er der Direknonsrat derselben war, davon keine Kenntnis gehabt haben wilL Der Vorsitzende greift dann aus die Gutschrift von Wechseln zurück Schmidt spricht Exner gegenüber in einem Briefe vom 30. März 1899 die Bitte um nochmalige Verlängerung von Wechseln der Aufsichtsratsmitglieder aus. (Schulze-Delwig 450 000, Schmidt 450000, Hermann Sumps 600 000, Arnold Sumpf 600000, Schlegel 175000, Otto 820 000 Mark.) Der Vorsitzende sagt hierzu, daraus gehe hervor, daß Kassel weiter Geld haben wollte. Es kommt die Zeit zur Sprache, als man sich um die Zulassung der jungen Treberaktien an der Berliner Börse bemühte. In einem vertraulichen Briese Schmidts an Gentzsch vom 31. August 1899 wird ein anderer Modus wegen der Wechseltrassierung auf die Aufsichtsratsmitglieder in Kassel vorgeschlagen. Die Bank ist damit einverstanden, daß nicht mehr Kassel, sondern die Leipziger Bank auf die Kasseler Aussichtsratsmitglieder unter ausdrücklicher Garantie von Kassel trassiere. Es sollte vermieden werden, den Zusammenhang von Kassel und seinem Aufsichtsrat darzulegen. Ans den Briesen geht hervor, daß Gentzsch in alle Transaktionen der Trebergesellschaft und Leipziger Bank eingewecht war. Unter dem 16. September 1899 spricht Schmidt in einem Briefe an Gentzsch von einer Annäherung an die Firma Heydt u. Co. in Berlin zur Einführung der jungen Treberaktien in Berlin. Gentzsch weist den Vorschlag, daß die Leipziger Bank gemeinsam mit der Firma Heydt den Prospekt unterzeichnen solle, zurück, Exner nehme denselben Standpunkt ein. In einem Briese Schmidts an die Leipziger Bank vom Oktober 1899 sagt Schmidt unter gleichzeitiger Einsendung des Kontolorrentauszuges vom 30. September 1899, daß die Kasseler Gesellschaft zur Vermeidung von Indiskretionen bas Saldo der Leipziger Bank unter dem 16. September von 7 828000 Mark von der laufenden Rechnung auf Se- paratlonto übertragen habe. Mau sei mißtrauisch geworden, weil Versuche gemacht wurden, Beamte der Gesellschaft zu bestechen. Im November 1899 teilt Schmidt mit, daß die Deutsche Bank gegen Exner Abneigung habe, obwohl Exner von chr sichere Hilfe erwartete. Exner sagte aus, bie Deutsche Bank sei nicht feindlich gegen ihn gewesen; vielleicht verstimmte es, daß die Leipziger Bank nicht alle Geschäfte mit chr machte. Tas Aussichtsratsprotokoll vom 10. November 1899 berührt die großen Engagements mit Kassel und weist aus das Gesamtverzeichnis aller Engagements bei der Trebergesellschaft hin. Mtt dem Äreditgeben solle ausgehört, das Konto verringert werden. Aussichtsrat und Direktion gelangten zu der Ansicht, daß man nicht mehr zurück könne. Fortsetzung morgen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 28. Juni 1902. ** Der Großh erzog wird, wie uns aus Dartn-- stadt telegraphisch gemeldet wird, erst Ende uAdifter Woche aus London zurücktehren. — Die Zweite Kammer wird ihre Sitzungen deshalb erst am Donnerstag nächster Woche schließen; Ansang übernächster Woche wird dann die offizielle Verabscheidung der Kammer durch den Großherzog stattfinden. ■ fi. Für das studentische Fest im Philosophenwald hatten bis gestern Abend die (Korporationen 470 Teilnehmer angemeldet. Von den nicht corporierten Studenten waren 300 m die Liste eingetragen. Die Beteiligung an diesem Fest seitens der Bürgerschaft scheint nur sehr schwach zu werden. In 2 von uns eingesehenen Listen hatten zusammen 70 Zeichnungen stattgefunden, von denen s/4 Damen waren. Die Lieferung von 5—8000 belegten Brödchen für das Fest ist dem Hoflieferanten Schwab übertragen, während die Bierlieferung an unsere 4 Großbrauereicn übertragen worden ist. Heute mittag lagen, nach Erkundigungen an zuständiger Stelle, etwa 800 Anmeldungen insgesamt vor. * ’• Das Promenaden-Konzert findet morgen in der Ostanlage statt. Gespielt werden: 1. „Spanisches Lustspiel", Ouoerture, Keler Bela; 2. Paraphrase über „Home sweet Home“, Voigt; 3. „Espana", Walzer, Waldteufel; 4. Fantasie über Koschats „Verlassen", Reindel. * * Th e ate r-Ver ein. Auf die Bekanntmachung des Vorstandes im heutigen Anzeigenteil, betreffend Preisermäßigung für die Mitglieder, beim Besuche der Vorstellung des „Vogelhändler" sei hierdurch hingewiesen. * * D er Wohlthatigkeits-Ve r ein Contentiä veranstaltet am Sonntag den 6. Juli auf der „Schönen Aussicht" ein großes öffentliches Sommerfe st. Die Ueberschüsse dieses Festes werden bekanntlich dazu verwendet, armen Kindern ein warmes Frühstück zu gewähren, weshalb auf einen lebhaften Besuch gerechnet werden kann. ** Ev angelischer Arbeiterverein. Wie wir bereits berichteten, findet hier am 2 7. Juli das Verbands- feft des Mittelrheinischen Verbandes evangell Arbeitervereine statt. Damit verbunden ist die Fahnenweihe des hiesigen eoangel. Arbeitervereins. Die Vorbereitungen zu dem Fest sind in vollem Gang, mancherlei Ausschüsse haben sich innerhalb des Vereins gebildet und sind ernst an der Arbeit, um einen glatten Verlauf des Festes zu ermöglichen rmd den vielen fremden Gästen, die z. T. mit Extrazug eintreffen, den Aufenthalt in unserer Stadt möglichst angenehm zu gestalten. Nach dem Empfang der auswärtigen Gäste findet um 10*/4 Uhr in der Stadtkirche ein Festgottesdienst statt, in dem Pfarrer Loos aus Butzbach predigen wird. Während der Delegtertenoersammlung, die um IP/2 Uhr im „Cafo Ebel" tagt, werden die sonstigen auswärtigen Gäste unsere Stadt besichtigen, worauf um iy2 Uhr der Festzug sämtlicher Vereine und Vertreter von Oswaldsgarten nach Steins Garten sich bewegt. Nach der Fahnenweche, die der verdiente Ehrenvorsitzende, Professor Dr. Stamm vollzieht, findet ein Gartenfest statt, in dem neben den Vorträgen der gesamten Negimentskapelle auch die Ge- sangschöre der einzelnen Vereine ihr Können zeigen werden. Abends 8y2 Uhr wird sich — gleichfalls in Steins Garten — die Familienfeier des eoangel. Arbeitervereins Gießen anschließen, die neben den musikalischen Darbietungen mancherlei Ueberraschungen an lebenden Bildern u. dgl. bringen wird. — Wir hoffen, daß alles einen guten Verlauf nehmen wird, und dürfen vorausfetzen, daß die eoangel. Einwohner unserer Stadt an der Feier regen Anteil nehmen und dies durch Beflaggung ihrer Häuser bekunden werden. §*Eisenbahndiebe! In Mannheim wurde am Donnerstag bei Ankunft des dort um 1.32 Uhr fälligen Mailand-Kölner D-Zuges ein Reisender als Eisenbahndieb verhaftet. Er hatte einem Mitreisenden die Brieftasche entwendet, die er bei feiner Verhaftung sofort zuruckaab. In Mainz wurde darauf im Eisenbahnabteil eine mit dem verhafteten Dieb in Verbindung stehende weibliche Person fest genommen. Der Dieb war fein gekleidet und gab sich den Anschein der deutschen Sprache nicht mächtig zu fein. Er behauptete, ein gewisser Mündel aus Rumänien zu fein, doch dürften diese Angaben falsch fein. Man bringt die Verhaftung in Zusammenhang mit den in letzter Zeit mehrfach gemeldeten Diebstählen in D-Zügen. rg. Großenbuseck, 27. Juni. Der hiesige vor zwei Jahren gegründete Turnverein hat wiederum schöne Erfolge zu verzeichnen. In Lauterbach wurde der 3., 16. und 20. Preis von hiesigen Turnern errungen und auf dem Feldberg errang unter über 800 Mitbewerbern Balth. Dort den 19. Preis. m. Sch w arzbei Alsfeld, 25. Juni. Seit einigen Tagen wird die Frau eines hiesigen Einwohners vermißt. Sie hat sich am vergangenen Samstag in der Frühe mit einem Korbe am Arm aus ihrem Hause entfernt und ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt; auch haben in der Umgegend angestellte Nachforschungen nach zu keinem Resultat geführt. — Der Neubau unserer zweiten Schule wird in diesem Sommer noch aufgeführt werden, sodaß der Bau nächstes Frühjahr wird bezogen werden fönnen. fc. Mainz, 28. Juni. (Orig.-Telegr. des Gieß. Anzeiger". Aufsehen erregte hier vor einiger Zeit, als der Bruder des bekannten Meisterschafts-Radfahrers Lehr, der hier beim 87. Jnf.-Regt. dient, wegen wiederholter Fahnenflucht bestraft und in die zweite Klasse des Soldatenstandes versetzt wurde. Jetzt hat eine ärztliche Untersuchung ergeben, daß Lehr geist es krank und erblich belastet ist. Die Strafen gegen ihn sind für nichtig, er selber gänzlich rehabiliert und für dienstuntauglich erklärt worden. — Am 4. Juli tritt hier eine aus den besten Radfahrern des 18. Armeecorps gebildete Kolonne zusammen. Es sind 10 Offiziere, 30 Unteroffiziere und 60 Mann. Frankfurt a. M., 28. Juni. Ein mysteriöser Vorfall ereignete sich gestern im städtischen Schwimmbad. Vormittags halb 10 Uhr erschien dort die 31 Jahre alte Kleidermacherin Kathinka Petry und bestellte em Einzelwannenbad. Als in später Abendstunde (!) eine Zelle immer noch die Bezeichnung „Besetzt" trug, klopften die Wärterinnen an die Thür. Man öffnete sie, da keine Antwort erfolgte, und fand die Petry in der Wanne tot vor. Sie war in fast sitzender Stellung, der Kopf raate aus dem Wasser, vor dem Munde stand Schaum. Die Angehörigen der Verstorbenen, die in der Schwimmanstalt bekannt war, wurden sofort benachrichtigt und ein Arzt geholt. Dieser konnte vorläufig wenigstens das Eine feststellen, daß der Tod nicht durch Ertrinken eingetreten war, was übrL- gens schon aus der ganzen Sachlage hervorging. In den Kleidern der Petry fand man ein Fläschchen, das der Polizei übergeben wurde. Leute, welche die Petri kennen, glauben nicht, daß sie freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Sie woNte tn wenigen Wochen heiraten. Die Pewy Ittr an epileptischen Anfällen, zu deren Bekämpfung sie vielleicht immer ein Mittel, eben in jenem Fläschchen, bei sich trug. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie einem solchen Anfall erlegen ist. Höchst fahrlässig haben diejenigen Personen des Aufsichtspersonals gehandelt, denen jene Zelle unterstellt war. Möglicherweise hätte — vorausgesetzt, daß die Petry wirklich von Krämpfen heimgesucht wurde — bei rechtzeitiger Revision der ZeUe, um die sich von morgens" bis abends niemand bekümmert hat, das Leben der Urglück- lichen gerettet werden können. * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. Im Kurhaussaal zu Bad Nauheim findet am Dienstag ein Konzert der Kammersängerin Erika Wedekind statt. Frau Wedekind wird Lieder von Mozart singen. 1 "■ " ..........■ ........»■■■■■■....... s Vermischtes. * Koblenz, 27. Junü Die.Wichsefabrik Maier und Holinghausen in Neuendorf brannte heute nachmittag mit Vorräten an Waren und Rohmaterial nieder,. * Posen, 27. Juni. Eine R e v 0 lv er af faire hat hier viel Aufregung hervor gerufen. Der zu einer Uebung eingezogene Leutnant der Reserve, Regierungsrefeiendar Freiherr von M a s s e n b a ch, schoß früh gegen fünfeinviertel Uhr, als er nach seiner Wohnung heimleyrte, mittels Revolvers auf einen an der dort stehenden Litfaßsäule mit Zettelan kleb en beschäftigten Arbeiter. Die Kugel drang dem Mann ins Handgelenk. Hierauf begab sich WL nach feiner Wohnung, und erschoß sich. Der Tod trat sofort ein. Das Motiv zur That ist anscheinend momentane Geistesgestörtheit. Der verletzte Arbeiter, welcher verheiratet ist, wurde nach dem Stadtlazarett geschafft. Tie Verletzung ist nicht lebensgefährliche * München, 27. Juni. Der Regierungsdirektor der pfälzischen Kreisregierung, Hübsch, der zur Heilung eines Nervenleidens hierhergekommen war, sprang in einem Anfall seines Leidens in die Isar und ertrank. * Lond on, 27. Juni. In der Kriegsschuld in Sandhurst brach gestern wiederum eine Feuersbrunst aus. Es ist dies seit kurzer Zeit der vierte von Schülern der Anstalt gelegte Brand. Man befürchtet noch weitere Racheakte seitens der Schüler. Dieselben Daren kürzlich wegen eines Aufruhrs bestraft worden. * L 0 n d 0 n, 27. Juni. In Birkenhead verbrannten zwei mit dem Anzünden der Freudenfeuer beauftragte Männer durch in Brand geratenen Theer. Die Katastrophe war durch Unvorsichtigkeit eines der Arbeiter verursacht. * Wien, 27. Junü Infolge eines auf der Conan herrschenden Sturmes wurden drei Boote, in welcher sich zusammen 25 Personen befanden, auf den Babakai-seljen geschleudert. Sämtliche Insassen ertranken. * Budapest, 27. Juni. Wie aus Kecskemet genielbet wird, wurde der Oberleutnant des dort garnisonrerlnden Infanterie-Regiments Nr. 38 namens Adam, der mit einer brennenden Zigarre im Bett einschlief, am Morgen als verkohlte Leiche ausgefunden. Durch die Zigarre war das Bett in Brand geraten. * Budapest, 27. Juni. Im Bozovicser Walde wurde der Kaufmann Maier von Räubern überfallen, ausgeraubt und tätlich verwundeL * Lemberg, 27. Junü Der Direktor des hiesigen städtischen Schlachthauses erschoß nachts einen Wächter, weil dieser, wie der Direktor behauptet, ein Attentat auf ihn habe aus üb en wollen. * Eines reichen Kindersegens erfreut sich ein Ehepaar in Heusenstamm, dem der Klapperstorch neuerdings zum dritten Male Zwlllinge bescherte. Der glückliche Vater steht im Alter von 66 Jahren. Bedeutend überholt wurde indessen dieses Ehepaar von einem Elternpaar in einem Städtchen an der Bergstraße. Dort brachte Adebar in einem Zeitraum von vier Jahren den Ellern insgesamt neun Kinder: dreimal Zwillinge und einmal Drillinge. ♦ Eine äußerst rohe That ließ sich in Karlsruhe ein Zimmermann zu schulden kommen, indem er einem Mauerpolier nach einem kurzen Wortwechsel auf dem Dache eines Neubaues einen Fußtritt versetzte, infolge dessen der Polier aus einer Höhe von 14 Metern auf die Straße stürzte und tot liegen blieb. Der Thäter wurde sofort verhafteL * Ei n en Stu dentenulk im großem Stil leisteten sich neulich nachts Angehörige der Heidelberger Korps. Nach einem gemütlichen Bierbock der Studenten-Korps, an dem auch Prinz Georg von Cumberland und Graf Rhena teilgenommen, zogen sie gegen 12 Uhr mit Pauken und Trompeten durch die im Schlummer liegende Stadt Heidelberg. Auf dem Marktplätze machten sie vor der Polizeistation Halt und brachten dem gerade allein anwesenden Wachtmeister ein regelrechtes Ständchen. Von dort bewegte sich der Zug nach dem Bezirksamt, wo man unter Assistenz der Musikkapelle ein donnerndes Hoch auf die wohllöbliche Polizei in die Nacht hinausschmetterte und wecker musizierte, bis eine starke Abordnung der helligen Herrnandad auf der Bildfläche auftauchte und die Uebermütigen auseinander- ttieb. * Von dem mysteriösen Abenteuer eines Prinzen in London wird heute ausführlicher folgendes gemeldet: Mehrere Individuen aus dem verkommensten Osten Londons waren angeklagt, Erpressungsversuche an einem Mitgliede eines europäischen regierenden Fürstenhauses unternommen zu haben. Die Namen des Anklägers und des Verhafteten waren nicht, wie üblich, auf den Aktenstücken, in welche die Presse Einsicht nehmen darf, angegeben, und jedes Ansuchen, sie zu nennen, wurde abgelehnt. Der Prinz soll am Dienstag abends seine ihm vorn Hofe angewiesene Wohnung verlassen und in einem fashionablen Hotel binirt haben; bann aber — so heißt es — hat er sich mit mehreren Frembeu in eine Matrosenkneipe in Southwark begeben unb ist bort unter unnennbaren Umftärtben mit seiner Umgebung verhaftet worben. Bis bahin hatte niemanb geahnt, baß bie Hauptperson bes Dramas cm Prinz sei. Die Polizei war wie zerschmettert, als sich bies herausstellte. Von einer einfachen Entlassung konnte nicht bie Re8e sein, ba bie Polizei selbst ihre Detektives entfenbet hatte, um bas übelberüchtigte Lokal auszuheben. Man telephonierte an ben Polizei- präsibenten unb nun würbe bie Sache s0 bargestellt, als ob ber Prinz nach Southwark zum Zwecke bec Erpressung verschl eppt worben wäre. Die Flamen ber Erpresser werben geheim gehalten. Die Hauptperson ist ent- weber ein Prinz aus bemSübwesten Europas ober aus einem östlichen Reiche. Auskunft. Märkte. g Wetter Juni Z S Sonnenschein KlarerHimmel Sonnenschein 102.00 93.75 102.00 92.10 99.80 99.30 102.90 37-°/° 3% 37,°/° 3% 37-°/° 102.70 46.20 29.55 111*20 44.30 25,70 c. 10,8° C. 4% Italien. Rente . . . 47,96 Portugiesen . 8% Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . . Türkenlose 4% Griech. Monopol.-AnL 47,96 äussere Argentiner £ 2 d TD s Z Telephonischer Kursbericht* Frankfurt a. L., 25. Juni 1902. bis 27. Juni , 27. , • Ein großes neues Petroleumfeld ist nach einer Mitteilung des „Engineer^ in Nord-Rußland am Weißen Meer entdeckt worden. Die Oclquellen liegen in alten (paläozoischen) Gesteinsschichten in der Landschaft Timan längs des Flusses Uchta im Gouvernement Archangelsk. Gießen, 26. Juni. Nachdem nunmehr die Verlegung der Apotheken für Gießen die Genehmigung gefunden hat, ist auch der Verkauf des Hauses der Firma Alexander Mayer (Inh. Gebr. Falk), Marktplatz, Ecke Schulsttaße, zum Zwecke der Errichtung der neuen Engel-Apotheke perfekt geworden. Gebrüder Falk beabsichtigen ihr über 50 Jahre bestehendes Geschäft aufzugebeu und wollen ihr gewalttges, noch wohlassortiertes Lager in Manufaktur-, Wall-, Leinen-, Baumwollen- und Kurzwaarea ausverkausen. Die Firma hat bereits mit dem Ausverkauf begonnen. 4741 ' Reiohsanleihe do. Konsols . do. . . Hessen Oberhessen 26. 26. Universitäts-Nachrichten. — Der Bremische Senat hat dem Direktor des dortigen Bakteriologischen Instituts Dr. med. Hermann Tjaden den Titel Professor verliehen. Pros. T. war früher Kreisasstflenzarzt und Schularzt in Gießen. . — Privatdozent Dr. Theodor Ludwig in Straßburg r. E. ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität in Straßburg ernannt worden. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 8V».. 4% Oesterr. Goldretne . worden ist, so daß der vorhandene Vorrat um dieses Quantum sich vermehrt bat. Für den kommenden Monat ist ein Versand von 9—10000 Tons sicher. , , . Frankfurt a. M., 27. Ium. Die heutige Generalversammlung der Accumulatorenwecke System Pollak, in der 37 Aktionäre mit 1121 Stimmen vertreten waren, genehmigte nach mehrstündiger Debatte die Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung pro 1901, erteilte dem Vorstande Entlastung und aeceptierte das Angebot des Aussichtsrates, die im Vorjahre zu Utrecht gezahlte Dividende von 132 000 Mk. und die Tantiömen in Höhe von 8466 Mk. । an die Gesellschaft zurückzuzahlen. Der Aufsichtsrat wurde wieder- gewählt. Aus Gefundheltsrücksichten scheidet Emil Kalb aus. Frankfurter Börse. Mangels jeglicher Anregung verkehrte auch die heutige Börse lustlos und schleppend und so war auf allen Gebieten große Zurückhaltung und Geschäftsstille vorherrschend. Das geringe Angebot in Disconto Eommandit, Creditactien und einigen Montanwerten genügte, Druck auf die genannten Papiere auszuüben, sodaß dieselben im Preise verloren. Hauptsächlich ent- springt diese trostlose Apathie unserer Börse in der immer nicht befriedigenden industriellen Lage. Ails diesen Gründen waren Jndustriewerte — Kohlen und Eisen — schwach und verloren im Durchschnitt 7,-1 pEt. Deutsche Fonds gut behauptet. Türken etwas schwächer, Spanier fest. Staatsbahn nachlassend, Lombarden etwas niedriger. Die uneinheitliche Lage des Rheinisch-Westfälischen Koh- lenmarktcs hat sich nach der Z." noch verschärft, als die Unlust aus dem heimischen Markte eher größer geworden ist, in vielen Zweigen herrscht Zurückhaltung, die dadurch verstärkt wird, daß der Friedensfchluß in Südafrika bis jetzt fast gar keine Wrrkrmg ausgeübt hat. — In Amoy (China) ist — wie uns das Reichspostamt mitteilt — eine deutsche Postanstalt eröffnet worden. Ihre Thätigkeit erstreckt sich auf den Briefpost-, Zeitungs- und Postanweisungsdienst, sowie aus die Annahme und Ausgabe gewöhnlicher Packele mit oder ohne Nachnahme. Lieber die Taxen und Versendungsbedingungen geben die Postanstalten auf Verlangen Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die Brühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7] 3% Mexikaner ... 47r7o Chinesen . . . Electric. Sohuckert . . Nordd. Lloyd . , . Kreditaktien , . . . Diskonto-Kommandit, . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . . Berliner Handelsges. . Oesterr. Staatsbahn . . Lombarden . • ♦ . Gotthardbahn , . , . Laurahütte • • • • . Bochum ..... Harpener .... Tendenz: ruhig. Höchste Temperatur am Niedrigste , „ 25.45’’ 90.65 103.80 212'25 184.70 137.40 144J2O 156.20 151.20 18.20 170.25) 202.00 192.50 174.60 4l/2% Oesterr. Silberrente 101.65 4% Ungar. Goldrente . . 101.55 Gießen, 28. Juni. Marktbericht. Auf demheutigenWochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 0,80—0,90 Mk., Hühnereier pr. St. 6—7 Pfg., 2Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 10—12 Pfg., Enteneier 6—7 Pfg., Käse vr.Stck. 5—7 Pf., Käsematte 2 Stck. 0—0Pfg., Erbsen pr.Liter 19Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar0,80—1,00Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,50 Mk., Hahnen pr. Stück 0,90—1,60 Mk., Enten pr. Stück 2,40—2,60 Mk., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 66—70 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,50—4,00 Alk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 14,00—15,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepsel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Dauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nacbrntttags 1 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nur auf den bestimmten Verkaufsplätzen und nicht im Umherziehen eilgeboten werden. Kunst und Wissenschaft. — Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen (ur eine Einb anddecke veranstaltet zum 20. August dieses Jahres die von Alexander Koch in Darmstadt herausgegebene Deutsche Kunst und Dekoration. Es sind drei Preise von nrfamrnen 500 Mark ausgesetzt: 1. Preis 250 Mark, 2. Preis 150 Mark, 3. Preis 100 Mark. — Mit Spannung sieht man m beteiligten Künstlerkreisen auch der am L September erfolgenden Preisgerichts - Entscheidung entgegen in dem gleichssalls von Alexander Koch veranstalteten Wettbewerbe, welcher die Schöpfung mustergültiger künstlerischer Wohnung s° Entwürfe einfacher Art zuin Zweck hat und der dem Preise im Gesamtbetrags von 2 600 Mark zur Verteilung gelangen. Bei der Wichtigkeit der zu lösenden Ausgabe, und da das Preisgericht von einer Reihe unserer namhailesten Gewerbekünstler, Kunstkritiker und Möbelsabrikanten gebüdet wird, dürfte ein bedeutsames Resultat zu erwarten sein. Nähere Angaben finden sich in den letzten Heften der Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration" (im Verlag von Alex. Koch, Darmstadt). Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 28. Juni. Tas Vertragsinstrument des Bund- niffes mit Oesterreich-Ungarn und Italien ist heute vom Grafen Bülow und den beteiligten Ministern unterzeichnet worden. Der Dreibund dauert in unverändereer Weise fort. Hamburg, 28. Juni. Die vereinigten Ziegelei- Besitzer von Hamburg und Umgebung erklärten sich solidarisch mit den Jnnungsmeistern des Baugewerbes und beschlossen, denjenigen Meistern, welche die Forderungen der Arbeiter bewilligen, fortan keine Baumaterialien mehr zu liefern. , London, 28. Juni. Vor dem Gericht m der Bow- street wurde gestern der deutsche Hauptmann von Lat- t o r f auf einen Auslieferungsantrag hin vorgeführt. Der selbe ist angeklagt, zwei Wechsel gefälscht zu haben. L o n d o n, 28. Juni. Wie verschiedene Blätter berichten, hat Lord Milner y2 Million Pfund Sterling an die englischen Landwirte in Transvaal gezahlt. London, 28. Juni. „Daily Telegraph" meldet aus Ceylon: Eine nicht unbedeutende Anzahl Buren-Gefangener hat beschlossen, sich auf der Insel an zu siedeln und zwar aus Wunsch der dort bestehenden holländischen Kolonie. Paris, 28. Juni. Die Gerichtsbehörde von Douar befaßt sich augenblicklich mit einer Spionage-Angelegenheit, in der ein deutscher Offizier kompromittiert sein soll. Der Betreffende soll sich seit längerer Zett unter dem Namen Leroi dort aufgehalten haben mtt der Absicht, eine Anzahl neuer Geschütze, die augenblicklich in den französischen Werkstätten fabriziert werden, zu besichtigen und deren Munition in die Hände zu bekommen. Er sei durch seinen Hotelier angezeigt worden, durch dessen Vermittelung er die Geschosse zu erhalten hoffte. — Wie weiter aus Douai gemeldet wird, isst 150 Arbeitern der dortigen MllttärwertstLtteu aus Manger au DLschSfttgtMg gekündigt worden. ., Paris, 28. Juni. Der „Figaro" berichtet ans Fez^ daß ein deutscher Beamter, welcher beauftragt war^ in Fez ein deutsches Konsulat zu errichten, durch einen Sturze vom Pferde einen Armbruch erlitten hat. Madrid, 28. Juni . Im Königs schlosse wurdch durch die Explosion in Carabanchel viel Schaden^ angerichtet. Im Gala-Speisesaal sind fünf Glasschränke, in einem anderen Saal ein riesiger venetianischer SpiegeL zertrümmert worden Viele Möbel wurden beschädigt, Thüren und Fenster aus den Angeln gehoben, hundert^ von Fensterscheiben zersplittert. Alles war mtt Staub unbtl Schutt bedeckt. In den Räumen der Königrn-Mutter! prangen fünf geschlossene Behältnisse auf. Wien, 28. Juni. Nach aus Budapest eurgetroffenew, Informationen kommt Szell Montag oder Dienstag hiev^ her, um dem Kaiser vor seiner Abreise nach Ischl ^Öericfj^i zn erstatten Bei dieser Gelegenheit würden beide Minister-; Präsidenten ihre Besprechungen betreffend den Ausgleichs wieder aufnehmen W i e n, 28. Juni. Wie eine hiesige Korrespondenz melk bet, schweben zwischen Rom und Berlin Verhandlungen^ wegen Errichtung einer päpstlicheu Nuntiatur in Berlin ~ Prag, 28. Juni. Wie die „Narodni Lisch" melden, tot absichtigt die Regierung die Auszahlung von Diäten und! Reisegeldern an die Reichst: ats-Mitgliederst ab zu schaffen und dafür ein Fixum eintreten M lassen. c. Lemberg, 28. Juni. Wie verlautet, wurde dre @e* meinde-Vertretiung von Stanislau wegen der beschlossenen Protest-Kundgebung gegen die Marienburger? Rede des deutschen Kaisers behördlich aufgelöst, da M ihren statutarischen Wirkungskreis überschritten habe. Die Krankheit des Königs Eduard» London, 28. Juni. Die Arzte sind mit der Besses rung im Befinden des Königs, die langsam aber sicher« fortschreitet, zufrieden. Die günstigen Bulletins haben im- ganzen Lande die Hoffnung auf die Wiederherstellung deA Königs erhöht. In der „St. James Gazette" erklärt em mit dem König befreundeter Wundarzt: Wenn die gegeu^ wärtige Besserung eine Woche oder 10 Tage lang nach der! Operation anhält, könne man die Vorbereitungen zutt Krönung wieder aufnehmen Die starke augen-^ blicklich herrschende Hitze wird in der Krankenstube durch elektrische Fächer behoben Nach dem bisherigen Arrange-- ment wird Prinz Heinrich heute nach Portsmouch ab-, reisen. — Ein Telegramm aus Berlin berichtet, Kaiser Wilhelm habe beschlossen, sofort nach England ab*, zureisen, falls sich der Gesundheitszustand des KönigÄ wieder verschlimmern sollte. — Die Königin hegt große Hoffnung auf die Genesung ihres Gatten Der König sicht gut aus, und richtete einige launige Worte an die Königin^ Der Prinz von Wales unterhiett sich eine halbe- Stunde! lang mtt dem König, und unterrichtete chn über die Hab- tung des Auslandes. Der König zeigte sich schr erfreut über die Kommentare der ausländischen Presse, besonders der von Paris und Newyork. Die Aushebung bei} Truppenschau hat unter den Kolonialtruppen und beit kubischen Abgesandten eine große Enttäuschung hen vorgerusen. „Daily Mail" will wissen, daß die Flotten^ schau möglicherweise doch noch in der nächsten Woche statte finden soll. , Gerichtssaal. M. Gtttzeu, 27. Juni. Strafkammer. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Gerichtsassesior Dr. Hetzel. — In der Straffache gegen den Konrad Koch von Rainrod wegen Betrugs wurde durch gestern verkündetes Urteil das verurteilende Erkenntnis des Schöffengerichts Alsfeld bestätigt. — Der wegen Betrugs vielfach vorbestrafte Schneider Karl Ernst Katzmayer von Stuttgart wird wegen des gleichen Delitts zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten verurteilt — Der Dienstknecht Heinrich Fritzges von Götzen hat sich verschiedentlich auf dem Lande als Taglöhner verdingt, das Mietgeld sich geben lassen, den Dienst jedoch in keinem der Fälle angetreten. Da er wegen derartiger Mietgeldschwindeleien vorbestraft ist, wird er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.— Der Taglöhne'' Johannes Hamel von Vadenrod hat sich des im strafbaren Rückfall begangenen Betrugs in drei Fällen, der intellektuellen Urkundenfälschung und der Angabe eines falfchen Namens schuldig gemacht und wird deshalb tn eine Gesamtgefängnisstrafe von einem Jahr und sieben Monaten und in eine durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erklärte dreiwöchige Haftstrafe genommen. Außerdem werden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren aberkannt. — Die Berufung des Schweizers Siegfried Bieri von Hof-Albach gegen das ihn wegen Körperverletzung zu vier Wochen Gefängnis verurteilende Erkenntnis des Schöffengerichts Gießen wird beim Ausbleiben des Angeklagten kostenfällig verworfen. — Der Karl Wilhelm Kost von Nieder-Wöllstadt ist der Körperverletzung mtitels eines Messers angeklagt, wird jedoch, da er in Notwehr gehandelt hat, von Strafe und Kosten freigesprochen. Mainz, 27. Juni. Eine ergötzliche Szene trug sich, wie wir einem Mainzer Blatt entnehmen, gestern am hiesigen Amtsgericht zu. Ein hiesiger ca. 60 jährig er Herr hatte sich mit einem ca. 16jährigen Mädchen verlobt. Die Verlobung ist aber schließlich rückgängig geworden. Der Lehrer erhob nun Klage auf Herausgabe der Brautgeschenke. Unter großer Heiterkeit der gesamten Anwesenden machte die frühere Braut geltend, daß sie den Bräutigam bei einer Krankheit zehn Wochen lang ,e in geriet) en" habe, wofür sie Ersatz verlange. Es fand nun ein recht lebhafter Meinungsaustausch zwischen den Parteien statt; die Mutter der Beklagten ging gegen den Kläger mit dem Sonnenschirm los. Der Kläger erklärte, die Brautgeschenke deshalb nicht missen zu können, weil dieselben von feiner „seligen Frau" herstammten, worauf die „Braut" schlagfertig erwiderte: „Das ist ja gar nicht wahr, Sie haben ja das Zeug auf dem Pfandhaus gesteigertl" Damit erreichte die Heiterkeit ihren Höhepunkt. Schließlich kam ein Vergleich zu Stande, die ehemalige Braut erhält für ihre Bemühungen von dem Kläger 100 Mark, sie giebt dagegen Ning und Uhr mit Kette heraus. Zum Untergänge des Torpedobootes 8. 42. Vor dem Amtsgericht zu Cuxhaven fand am Freitag die Verhandlung gegen den Kaprtän des englischen Dampfers „Firsby" statt, der am 24. Juni mit dem Torpedoboot 8 42 zusammenstieß. Ter Kapitän wurde freigesprochen. Firsby" verließ um 1 Uhr 30 Minuten Cuxhaven und ging in See. Leipzig, 27. Juni. In der heutigen Verhandlung desBank- prozesses wurde zunächst das Protokoll der Aufsichtsratssitzung vom 24. Juni 1899 verlesen, worin über die Beteiligung der Bank an den belgischen Werken berichtet wird. Exner giebt Auskunft über die Werke in Nantes und Rußland. Hierauf gelangt ein vertrauliches Schreiben Schmidts vom 28. April 1899 an die Leipziger Bank zur Verlesung und alsdann mehrere von Gentzfch an Schmidt gerichtete Briefe. In dem einen derselben bittet Gentzsch Schmidt dringend, die Konten geheim zu halten, was ihm Schmidt in seiner Alttwort zusichert. Daraus tritt eine Pause ein. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erklären Exner und die Aufsichtsrats» mitglieber, daß sie von dem Briefe des Gentzsch an Schmidt keine Kenntnis gehabt haben. Es wird alsdann zur Erörterung des Protokolls der Aussichtsratssitzung vom 10. November 1899 über- gegangen. — Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. fi. Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke vorw. Fernie. Der Versand an Erzen betrug für Mai 6420 Tons, für c>uni 8941 Tons. Im letzten Halbjahr wurden 7575 Tons ver- sandfahiges Erz mehr gefördert als von der Gewerkschaft geliefert 27. 225 755,0 25,5 9,2 39 SSW. 4 27. 926 754,8 19,2 11,0 66 ENE. 1 28. 754,9 19,4 11,2 66 NNE. 4 Blusen 50. bis Mk. zu Blenden 4719 Giessen Holterhoff 50. 50. 50. in-Blusen, schwarz Kattun-Blusen, waschecht, Hemd-Blusen . . . Costum-Röcke, Loden, .... do. Alpacca, do. Cheviot, mit Blenden, » . • do. Cheviot, rein WoUe, mit Volant do. Cheviot, rein WoUe, mit Volant Todes-Anzeige Um stille Teilnahme bittet Giessen, den 28. Juni 1902. 4754 Die Beerdigung findet Sonntag den 29. Juni, abends 6 Uhr, vom Sterbehause, Rodheimerstrasse 19, aus statt. Kaisergarten Montagabend: 4764 drittes großes Wililör-Koazert Anfang 8 Uhr. Eintritt 20 Pfg. Fest-Ordnung Abende 8 Uhr: I. A.: Schneider. Den Nagel auf den Kopf Abends 8 Uhr: 4747 4743 2. I. 2L: Förster, Kreisstraßenmeister. 4745 Wilhelm Brück altes Montag de« 30. Juni 1902, DaS Kommando. 3325 02814] Kinderwagen zu ver- Asterweg 19. kaufen. 'M LrnnfGelnchc verlWdkNts WSMWn W vrrhiuifcn b. Schmiedearbeiten, c. Weißb ind erarb eiten, 131.60 220.55 lebendem Bild. Konzert und Tanz. Morgens J1 Uhr: Nacbm. 1*/, Uhr: Punkt 2 Dhr: .sollen Montag den 7. Juli L I., vormittags 11 Uhr, itn der israelitischen Schule zu Londorf öffentlich in Mord vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen bis zum 7. Juli l. I. bei dem unterzeichneten Kreisstraßenmeister Förster zu Allen- dorf a. d. Lda. zur Einsicht der Interessenten offen. Allendorf a. d. Lda., den 27. Juni 1902. Ernestine Hopfner Grünbergerstraße 17. Aergebung von ZZauaröeiten. Die zur Renovierung der Synagoge nebst Lehrerwohnung für die israelitische Religionsgemeinde zu Londorf erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, al§: veranschlagt zu a. Maurerarbeiten einschließl. Materiallieferung 96.— Mk. techniker Georg Joch daselbst. Gießen, den 25. Juni 1902. Großherzogliches Amtsgericht. Samstag den 5. Juli: Kommers in der Festhalle, Liedervortrage, Ansprachen, turnerische Vorführungen der Mädchen, Knaben, Turnerinnen und Turner. Sonntag den 6. Juli: Konzert in der Festhalle. Aufstellung des Festzages am Griedelerthor. Abmarsch nach dem Festplatz. Hierauf Aufmarsch zu den Stabübungen, Festrede, Stabübungen. Vereinsturnen. Feierliche Preis Verteilung in der Festhalle. Aufführung des Festspiels: ,,Germanias Kindel einst und jetzt“, unter Mitwirkung von über 200 Personen (Mädchen, Knaben, Turnerinnen und Turner). Konzert und Tanz. Montag den 7. Juli: Einzelwetiturnen auf dem Turnplatz. Konzert. Festzug vom Weiselerthor aus. ß.abübuogen und Wettturnen der Schüler. Verkündigung der Sieger im Einzelwettturnen in der Festhalle. Feierliche Preisverteüung an die Schüler mit Im Hamen der trauernden Hinterbliebenen Jean Brückmann. 7/isitenkarten liefert rasch und billigst Brühl’sche Univ^DruckereL Kekanntmachung. In der Zeit vom 21. bis 28. Juni 1902 wurden in hiesiger Stadt Gefunden: 1 gold. Brosche, 1 Ring, 1 Herrenhut, 1 Spazierstock, 7 Rechenbücher und 1 photographischer Apparat. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände ^belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 28. Juni 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. 1 > WMMMWW G. R. V. 1885. Montag de« 30. Juni: Abendtour über Großenlmden, Leihgestern. Atef: ßafe Krämer. Abfahrt 8»/, Uhr: Kath. Kirche. 4757 Der Fahrwart. flobiliar-Versttijeraig. Mittwoch den 2. Juli, nachmittags 2 Uhr, werden aus dem Nachlaß des Herrn Georg Heß, Rentner, in Gießen in dessen Wohnung, Goethestraße 27, III., nachverzeichnete Mobilien re. gegen Barzahlung versteigert: 1 Kasten Tafelfilber, sowie diverse Silber- und Christoste-Gegenstände, 1 Partie silberne Messer, Gabeln und Löffel, 1 Alabasteruhr mit zwei Leuchter, 6 silberne Leuchter, 1 Kronleuchter und verschiedene Lustres, 1 Schreibpult in Mahagoni, 2 Seffel, Betten und Bettteile, Nachttische, Sophas und Schränke, 1 Bertikow, Tische und Stühle, Bilder und Spiegel, verschiedene Portiören und Vorhänge mit Chales und Zubehör, Wanduhren, Teppiche und Läufer, 1 Etagöre, 1 Partie Bücher, 1 Vorratsschrank, 3 Fahnen, 1 Noten- und 1 Lesepult, 2 Masolika-- Jardinieren, Wand- und Eckbretter, Barometer und Thermometer, 1 Säulentischchen, Vasen, Gartenmöbel, 2 Gasherde, 1 japanischer Theekasten mit Dosen, 1 Fliegenschrank, Zinn-, Messing- und Ernaille- geschirr, 1 Partie Wein-, Römer- und Champagnerkelche, Wein- und Biergläser, 1 irischer Ofen, 1 Ofenschirm, 1 Polsterwand, Bügeltische und Teppiche, Hänge- und Stehlampen, verschiedene Koffer, 1 spanische Wand, 2 Böcke mit Querstange zum Teppichklopfen, Champagner in Vi und i/2 Flaschen, 1 Kiste Wein, Winkler Hasensprung, 3 Flaschen Johannesberger, 3 Fl. Vollhardsberger, Weingestelle, einige Fässer, eine große Partie Herrenkleider und Herrenwäsche, ein großer Posten Weißzeug und Bettwäsche, 6 Bettüberdecken, 14 Blatt lose Gardinen, Teppiche und Kolter, Haus- Im Stricken u.Anstrickeu von Strümpfen empfehle ich mich angelegen'lichft StriLgarnestkstrBllslltätmI habe ich stelS vorrätig. Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister, Abt. A, wurde heute eingetragen: die Firma „Karl Ampt" zu Gießen; Inhaber: Kauf- -tnann Karl Ampt daselbst. Angegebener Geschäftszweig: Papierhandlung en groa; die Firma „Georg Adami" zu Gießen; Inhaber: Kaufmann Georg Adami daselbst; die Firma „August P. Christophersen" zu Gießen; Inhaber: Kaufmann August Peter Christophersen daselbst; die Firma „Philipp Gebhard" zu Gießen; Inhaber: Weinhändler Philipp Gebhard daselbst; die Firma „Georg Joch" zu Gießen; Inhaber: Elektro- trifft jeder, der statt werthloser Nachahmungen nur das allein echte I iohin’8 Puddingpulver LluUiy ,mlt dem Bäckerjun gen- (D. R. P. A. 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Die nicht abgeholten werden den Gewinnenden baldigst gebracht. 4756 Gießen, den 27. Juni 1902. *^r. Naumann, Pfarrer. Die Versteigerung zu 1 findet bestimmt, zu 2 teilweise statt. 4752] Bor«, Gerichtsvollzieher. Versteigerung. Mittwoch den 2. Juli d. I., vormittags 10 Uhr, versteigere ich am Güterschuppen dahier, gemäß handelsgesetzlicher Bestimmung für Rechnung den es angeht, gegen Barzahlung: 1 Wllgcn AchMln. Versteigerung bestimmt. 4753] Born, Gerlchtsvollzieher. Regenschirm. 1 Rollwagen, 1 Break, zwei Bände Schlagwortkatalog, eine vollständigeLeihbibliothek, drei Wanduhren, 1 Oelbild und Möbel aller Art. Ankauf von Lumpen, Knochen, Eisen, Papier und Metall, auch Bücher und Kleidungsstücke. Jakob Ncustädter, 02523 Wallthorstraße 46. Auf Verlangen wird abgeholl. Blechbüchsen von Kindermehl (Neftles re.) kaust stets 4686 Otto Schaaf, Seltersw. 39. Desgleichen je nach Bedarf Flaschen v. Bordeaux, Fachinger, Salzschlirfer re. auf vorh. Anfrage. 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