Montag »8. April 1903 ISS. Jahrgang Erstes Blatt Nr. 98 Erscheint täglich außer Sonntag-. Dein Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt bte Siebener Zamilien- blüller oicrmat in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen Umvers.-Biich- n.Stein- druckerei lPretsch Erbend Redaktion, Eroeditton uiid Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. ftcrnfprrdjankhhifi Ar. 51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Stehen Vez«g4prei»r . monatlich 7b Pf., vtertel» jährlich Wit. 2.20; durch Abhole- u. HroetgfteQen1 monatlich 65 Pf.; durch! diePost Wlf.2.— viertel» sährl. ausschl. Bestellg.! Annahme von Anzeigen für die Tagesnunnneo biS vorrntttagS 10 Uhr,^ ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den ooln. u. afigem»1 xeil: P. Witiko: füc Stadt und L'anb' und ,Gerichtssaal*:R.Ditt- mann; für den An» zeigenteil: Hans Beck. politische Wochenschau. Der Flutstrom der „Saison" beginnt abzuebben, es weht so etioas wie Sommerlust in den politischen Rc- aionen. Der zu Muße und Erholung lockende Hauch übt seine Wirkung auch auf die Gesetzgeber im Reichshause. Sie haben in der verflossenen Woche die vor der Vertagung noch zu erledigenden Vorlagen betr. den Gerichtsstand der Presse, die Schaumwe in st euer und die Seemannsordnung ein gut Stück gefördert. Tie große Mehrzahl der Erwählten des Volks zog es freilich vor, von dem Fortschrciten der parlamentarischen Arbeiten daheim, aus den Berichten der Presse, Notiz zu nehmen. Doch ihr „Stillleben" hat am längsten gewährt; der gestrige Sonntag sah auf dem Frühstücks tisch aller Säumigen die gemessene Aufforderung des Frakttonsvorfitzenden, unverzüglich den Hoffer zu packen und Leib und Leben dem Berliner D-Zuge anzuvertrauen. Welch' Schauspiel, diese „Jagd nach Diäten", über die am heutigen Montag im Reichstag entschieden werden soll! Tie es zunächst angeht, die Mitglieder der Zollkommission feilten mittlerweile unverdrossen weiter am Marmorblock des Entwurfs. Hatte in der vorletzten Woche Abg. Dr. Heim, der streitbare Zentrumsmann, die Diskussion durch originelle Redewendungen gewürzt, so that dies in der letzlvergangenen Woche Abg. Stadthagen, das redseligste Mitglied der äußersten Linken. Er wusch den Landbundlern mit der „Seife des armen Mannes" gehörig den Hopf und setzte später den aufhorchcnden Hollcgen auseinander, was es mit dem „ethischen" Zweck des Ricinusüls für Bewandtnis habe. Nach der Seite der Erheiterung hin hatte der Herr Exadvokat durchschlagenden Erfolg. Als sachverständiger auf dem Gebiet der Imkerei präsentierte sich der Hom Mission Abg. Dr. Müller-Sagan, der seine Tvktor-Dissertatipn vor Jahrzehnten über die Bienen geschrieben hat. Schade, daß Wilhelm Busch nicht dem Reichstag und der Tarifkommission angehört. Als praktischer Imker hätte er Dr. Müllers Vortrag in zweifellos wirksamer Wetse ergänzen können — falls nicht etwa die Landbündler auf den Einsiedler von Mechtshausen als einen „Honigagrarier" Beschlag gelegt hätten. Im übrigen drang die Regierung in der verflossenen Woche bei einer ganzen Reihe von Positionen mit den Sätzen des Entwurfs durch. Alles nimmt schließlich ein Ende, und wär's selbst die Etatsberatung im preußischen Abgeordnetenhaus. Auch diese beruhigende Gewißheit verdanken wir der hinter uns liegenden Woche. Es ist vielleicht nicht zu viel gesagt, daß selbst die ältesten Mitglieder des preußischen Parlaments einer so ledernen Etatsdebatte sich nicht entsinnen dürften. Es ist das Verdienst der edlen Polen, wenn zuweilen etwas Leben in die Diskussion kommt. Von allgemeinem, über die Grenzen Preußens hinausgehenden Juteresse war lediglich die erneute Erörterung der Frage der Gleichberechtigung der Real- und der Gymnasial-An st alten, die sich in der Hauptsache um die Fortbildung d e r I u r i st e n drehte. Der redegewandte Ministerialdirektor Atthoff legte dar, daß die Realabiturienten die erforderlichen Henntnijfe im Griechischen und Lateinischen sich unschwer aneignen können, sofern sie nicht ihre ganze Aufgabe darin erblicken, dem obligatorischen Frühschoppen zu huldigen. Im übrigen gaben die Ehrentage zweier deutscher Fürsten der vergangenen Woche ein besonderes Gepräge: der Geburtstag des Königs von Sachsen und das Regierungsjubiläum des Groß Herzogs von Baden. Der Kaiser ließ es sich nicht nehmen, beiden ehrwürdigen Herrschern persönlich seine Glückwünsche darzubringen, und in Verehrung und Dankbarkeit ist, soweit die deutsche Zunge hingt, der beiden Heldengestalten aus Deutschlands großer Zeit gedacht worden. In Belgien ist die Ruhe wieder eingekehrt. Einen praktischen Erfolg hat weder die Revolte noch der Generalstreik gehabt. Die deutsche Sozialdemokratie überwies den belgischen „Leidensgenossen" eine Spende von 10 000 Mk. Man muß sich seine eigenen Gedanken darüber machen, wenn man liest, daß der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dietz in einer Versammlung zu Hamburg den belgischen Generalstreik mit dürren Worten eine „D untmljei t" nannte. Zur Unterstützung von Dummheiten sind die Groschen der deutschen Arbeiter doch wahrlich nicht da. Oder glauben die Parteihäuptlinge in Berlin, sich solche „Extratouren" leisten zu können? In Südafrika ist noch alles beim Alten. Zur Stunde weiß niemand, was noch werden mag. Die drei» wöchige Frist, nach deren Ablauf über Krieg und Frieden entschieden fein soll, neigt sich allgemach dem Ende zu. Zu optimistischer Beurteilung der Sachlage ist jedenfalls kein Anlaß. Ein Teil der Buren, als deren Repräsentant Steijn gelten darf, scheint an der Forderung der Unabhängigkeit unbeirrt festhalten zu wollen. Tauchte doch bereits das Gerücht auf, daß diese Unversöhnlichen in dem Grenzgebiet zwischen Deutsch- und Portugiesifch- Südwestafrika sich eine neue Heimat suchen werden. Vielleicht erfährt man bald, was der Spezialgefandte König Eduards, Lord Wolseley, auf dem Kriegsschauplatz ausgerichtet hat. Der W a h l k a m p s in F r a n k r e i ch ist zu Ende. Aus dem verhältnismäßig ruhigen Verlauf darf wohl schon entnommen werden, daß die Zusammensetzung der Kammer im großen und ganzen die alte sein wird. Tie Wahl- refuttatc dürften erst in einigen Tagen vollzählig vor- liegcn. Das Kabinett Waldeck-Rousseau bleibt aller Wahrscheinlichkeit noch am Ruder, und der Zar kann Weiter seine Freude an der „Madame Siepublik" haben. Parlamentarisches ans Hessen. Tie Gemeindevorstände zu Eberstadt (Kr. Gießen) und Torf. Gill haben in einer an die Zweite Kammer gerichteten Eingabe den Wunsch ausgesprochen, bei der end- giltigeu Festlegung der Bahnlinie Butzbach — Lich möchte eine gemeinsame Haltestelle für die Gemeinden Eber- ladt, Torf-Gill und Hof-Gill in der Nähe von Hof-Gill in Erwägung gezogen werden. Tie Regierung hat auf diese Eingabe ein Schreiben an den Vorsitzenden des 1. Anschusses gerichtet, in dem mitgeteilt wird, daß die Wünsche der Gemeinden Eberstadt (Kreis Gießen) und Tors-Gill im gegenwärtige« Stand der Angelegenheit am zweckmäßigsten an die mit den ausführlichen Vorarbeiten beschädigte ^ernia Lenz und Cornp. in Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 11 gu richten sind. Der Ausschuß beantragt demnach, die Vorstellung für erledigt zu erklären. — In derselben Weise erledigte der Erste Ausschuß die Vorstellung der Gemeindevertretung und Einwohner von Birklar, daß die Bahn an ihrem Orte vorbeigeführt und ihm eine Haltestelle gegeben werde.— Ferner erklärt der Erste Ausschuß die Vorstellung des Vereins Großl). Geometer 2. Kl. b.tröstend Einführung des Instituts der Kreisgeometer, unter V.zug- nahme aus die Verhandlung über die Regierungsvorlage, die Anstellung von Kreisgeometern betreffend, in der Zweiten Kammer uni) den dort gefaßten Beschluß, die Regierung zu ersuchen, demnächst ben Ständen eine Vorlage wegen desinitiver Anstellung einer Anzahl der int Krets- geometerdieiist verwenoeten älteren Geometer 2. Kl. zugehen zu lassen, für erledigt. — Tes weiteren hat der Erste erusschuß über den Antrag der Abgeordneten Schonberg.r und Gelt. betr. den Bau einer Nebenbahn von Reichelsheim nach Fürth beraten. Die Regierung hatte zu diesem Antrag in einem Schreiben vom Id. November v. I. Stellung genommen und dargelegt, daß es durchaus im hessischen Jntereste liege, zunäa)sl die Linie Lindenfels— Bensheim zur Ausführung zu bringen, ehe der Frage btr Erbauung einer Linie Reichelsheim—oünh näher getreten werde, wobei zudem nicht übersehen werden dürfe, daß der vorliegende Antrag anscheinend die Erbauung der letztgenannten zu rund 1460 000 Mk. veranschlagten Linie auf Staatskosten voraus setze, während für die unstreitig wichtigere Linie Lindenfels—Bensheim nur ein Staatszuschuß bewilligt worden fei. Dem weiteren Wunsch der Antragsteller, daß die zur Geländestellung für die Linie Reichelsheim—Fürth erforderliche Geldsumme den interessierten Gemeinden vom Staate vorgeschossen werde, würde voraussichtlich nach Erlaß des neuen Gesetzes über die Landes- Kreditkasse seitens dieser Kaste entsprochen werden können; in anderer Weise einen Vorschuß zu gewähren, würde eine Abweichung von der ganzen bisherigen Hebung darstellen. Ter Ausschuß ist der Ansicht, daß der schon so o,t geforderte Ausbau der Strecke Reichelsheim—Fürth durchaus wünschenswert und geboten ist, schließt sich im übrigen aber der Regierungsäußerung an und beantragt, den Antrag Schönberger und Genossen für erledigt zu erklären. Te. ^ußgendarmen i. P. Steinbach zu Friedberg hat an die 2. Kammer eine Bitte um Erhöhung seiner Pension nach dem Wenige Monate nach seiner Pensionierung in ftraft getretenen Gesetz betreffend: die Tienstverhältnisse, Nuhegehalte re. der Staatsbeamten gerichtet, welches den Pensionären zu dem Ruhegehalt 10 Proz. von den ersten 10 Tienstjahren mehr zusichert. — Der Universitätsdiener Ruhl in Gießen bittet in einer Vorstellung die Zweite Kammer, ihm die bis zum Höchstgehalte von 1700 Mk. noch fehlende Dienstzeit mit drei Jahren und acht Monaten von seiner als Fußgendarm zurückgelegten Dienstzeit als Besoldungsoordienstzeit in Anrechnung zu brinaen. Tie Regierung ersucht in einer Vorlage die Zweite Kammer um die Ermächtigung, die für den Aufbau eines dritten Stockwerks auf dem ehemals Greine rschen Haus zur Beschaffung einer Dienstwohnung für den Gärtner der psychiatrischen Klinik in Gießen bewilligten 9300 Mk. zur Erbauung eines kleinen, dem gleichen Zweck dienenden Hausesverwendenzu dürfen. In der Begründung wird ausgeführt, daß bei nochmaliger Prüfung des Entwurfs für den Aufbau sich ergeben habe, daß das verhältnismäßig schmale Gebäude in seiner äußeren Erscheinung durch den Aufbau erheblich verlieren würde und daß es außerdem im Interesse des Anstaltsbetriebes gelegen ist, feine zu hohen Gebäude, von welchen aus man die unruhigen Kranken beobachten kann, in nächster Nähe der Klinik aufzuführen; ferner erschiene es im Interesse des Dienstes und häuslichen Friedens erwünscht, nicht zu viele verheiratete Bedienstete in einem und demselben Hause, in dem jetzt schon der Verwalter, Mechaniker und zwei Heiner wohnen, unterzubringen. Aas Aegurungs-Iubiläum des KroMrzogs von Ataden. Hl. K a rlsruh e, 27. April. Wie wir im Depeschenteil unserer vorigen Nummer bereits mitteilten, traf der Kaiser am Samstag 9l/? Uhr vormittags in Karlsruhe ein. Nach herzlichster Begrüßung fuhren die hohen Herrschaften nach dem Schlosse, wo der Kaiser von der Großherzogin von Baden empfangen wurde. Um IO1/, Uhr marschirten die vereinigten Männer- Gesangvereine mit Militärmusik und Fahnen vor das Schloß, um mehrere Lieder vorzutragen. Ter Kaiser nahm nach seiner Ankunft im Schloß den Vortrag dcS Reichskanzlers Grafen Bulow entgegen. Im Verlaufe des Vormittags empfing der Großherzog den Prinzen Friedrich von Sachsen-Meiningen und die Offiziere der Deputation des 14. Armeekorps, mit dem fomnian» direndcn General v. Bock und P o l l a ch an der Spitze, die Deputationen des 7. Rhein. Ulanen-Rcgiments, dessen Chef der Großherzog ist, des 1. Scebataillons und die des Offizier- korpS des Panzerschiffes „Baden." Der Kaiser gratulirte dem Großherzog an der Spitze der Deputationen der badischen Regimenter und überreichte ihm Proben der durch die neuliche Kabinetsordre verfügten Abänderungen auf den Achselklappen, Epauletten und Achselstücken des 11. Regiments. Um llst/z Uhr fand große Gratulationscour statt. Vorher waren Statthalter Fürst von Hohenlohe-Langenburg und Prinz Albrecht von Preußen eingetroffen. Um 12 Uhr hatten vor dem Schlöffe die Truppen der Garnison Karlsruhe Parade-Ausstellung genommen, auch die Kavallerie und Artillerie zu Fuß. Der Großherzog und die Generalität befanden sich auf dem rechten Flügel. Aus dem Balkon des Schlaffes erschienen die Großherzogin und die anwesenden fürstlichen Damen. Ter Kaiser, in der Hand den Marschallstab, ritt, begleitet von den anwesenden Fürstlichkeiten und Prinzen, von der badischen Nalionalnymne empfangen, vom Schloß nach dem Paradeplatz hinüber und begrüßte den Großherzog. General v. Bock und Pollack; brachte ein Hoch auf den Großherzog aus, woraus die Musik wiederum die badische Hymne spielte. Der Kaiser und der Großherzog ritten sodann die Front der Truppenaufstellung unter den Klängen des PräsentirmarscheS ab und nahmen den Vorbeimarsch der Truppen in Zügen ab. Der Kaiser reichte hierauf dem Großherzog die Hand und kehrte, vom Jubel einer ungeheuren Volksmenge, die sich von beiden Seiten über den Rasen drängte, begrüßt, in das Schloß zurück. Im Schloß nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen. Hierauf fand Familienfrühstück beim großherzoglichcn Paare statt. Nachmittags empfing der Großherzog den General- adjutanten General der Kavallerie z. D. Bülow. Kurz nach 3 Uhr nachmittags traf der König von Württemberg zum Besuche des Großherzogs in Karlsruhe ein und wurde aus dem Bahnhofe vom Großherzog und vom Erbgroßherzog empfangen. Unter dem Jubel einer vieltausendköpfigen Menschenmenge fuhren die Herrschaften zum Schloß. Um 5 Uhr begann in der oberen Gallerie und den anstoßenden Räumen des Schlosses ein Paradediner. Im Verlaufe des Mahles erhob sich der Groß Herzog zu folgendem Trinkspruch: Gestatten Eure Majestät, in Gegenwart meiner lieben Gäste meinen innigsten, wärmsten Tank dafür auszusprechen, daß Sie mir die Ehre erzeigt haben und die Freude, am heutigen Tage hier zu erscheinen und durch Ihr Erscheinen dem Feste, das gefeiert wird, eine noch viel höhere Bedeutnng zu geben. Eure Majestät wissen, ivas ich damit sagen will, und kennen mich genügend, um zu glauben, daß es keine Worte sind, sondern tiefe Empfindungen, Empfindungen des Dankes, die von alter Zeit für das Haus Eurer Majestät mich bewegt, dein ich doch auch einen kurzen Ausdruck geben darf; denn an dieser Stelle hier war es mir vergönnt, ebenso Allerhöchstihren Herrn Großvater vielfach begrüßen, als auch Ihren erlauchten Vater bei verschiedenen Gelegenheiten mit der Gesinnung zu begrüßen, wie sie sich nur durch langes Leben befestigen läßt. Tiefe Erinnerungen sind mir fo wert und teuer, daß sie die Anivesenheit Eurer Maiestar noch bedeutend erhöhen. Ein Rückblick auf die Vergangenheit erfüllt mich ja überhaupt in diesen Tagen ganz besonders, und es wäre eitle Mühe, ivcnn ich sagen wollte, was mich alles dabei bewegt, denn es ist Geschichte geworden und allgemeines Eigentum. Aber das Eine bewegt mich am tiessten, daß ich lange Zeit habe thatig sein dürfen unter Gottes Schutz und Segen. Ihm danke ich dafür. Meine Wünsche gehen aber noch viel weiter: Sie zielen dahm, daß die Regierung Eurer Majestät in jeder Beziehung eine gesegnete bleiben möge, daß Ihnen Freude, Friede, Zufriedenheit entgegenkomme für alle Ihre Unternehmungen, für alles, was Sie zuin Wohle des Reiches und ich darf hinzufügen, zum Wohle der Armee, im Auge haben und durchführen wollen. Dieser Armee anzugehören, in ihr thätig sein können, gehört zu meiner größten Befriedigung, erweckt in mir die Hoffnung, noch weiter in ihr wirken zu dürfen. Daß für die Zukunft diese Möglichkeit beoorstehe, ist es auch, woraus wir alle hoffen, wonach wir alle streben mit der ganzen Kraft unserer Ueberzeugung. Möge es mir gestattet fein, diese Gesinnungen, die mit ganz besonderer Stärke in uns lebendig geworden sind, zum Ausdruck zii bringen. Möge Eure Majestät uod) lange gesegnet regieren. Wir geben den Ausdruck unserer Empfindungen laut mit dem Rufe: „Seine Majestät der Kaiser und König, er lebe hochl" Begeistert stimmten die Anwesenden ein, während die Musik „Heil Dir im Siegerkranz" spiette. In Beantwortung des Trinkspruches de§ Großherzogs hielt der Kaiser folgende Rede: Ew. Königl. Hoheit haben die Gnade gehabt, hier am heutigen Festtage auch meiner zu gedenken, und mit tiefbewegtem Herzen ergreife ich das Wort, um den Tank auszusprechen für diese außerordentlich freundlichen Worte, diese zu Herzen gehenden Worte, die Ew. Köntgl. Hoheit soeben gesprochen haben. Wie diese Halle und wie dieser Fleck, an dem auch ich mich entsinne, die erhabene, Ehrfurcht gebietende Gestalt meines hochseligen Herrn Großvaters und neben ihm die Lichtgestalt meines Vaters gesehen zu haben, so birgt das Karlsruher Schloß in allen seinen Teilen für mich Erinnerungen von höchstem Herzenswert, und eS war natürlich, oaß ich den Wunsch hegte, bet diesem so seltenen und einzig schönen Feste, welche- GotteS Huld und Gnade Ew. königl. Hoheit mit Ihrem Hanse descheert hat, auch meinen bescheidenen Anteil nehmen xu können, ©in Vorbild selbst loser, hingebender Pflichterfüllung in der Re gierung, wie in militärischen Verhältnissen, ein lreuerWaffengenosse undFörderer derGedanke- meines hochseltgen Großvaters, ein emsiger n n d eifriger Hüter der erworbenen Schätze und Güter unteres deutschen D o lkes, in allen diesen fcjmr Bordi' c unsere ungern Generation so stehe» Ew. Königl. Hoheit vor den Augen der Generation, die ich repräsentiere, die unter den Eindrücken des großen Jahres ausgewachsen ist. Es kann für mich nur der höchste Ruhm sein und zugleich in mir die höchste Dankbarkeit erwecken, wenn aus dein Munde des Vertreters oer Generation meines Herrn Großvaters, aus Ew. Königl. Hoheit Dtunde, selbst das Wort ausgesprochen wird, daßSie mit den Grundsätzen, nach denen ich zu regieren versuche, einverstanden sind; denn es geht daraus hervor, daß diese Grundsätze sich in Bahnen bewegen, die mein unvergeßlicher Großvater uns vorgezeichnet hat. Wollte Gott, es hätte ibm gefallen, meinen herrlichen Vater noch recht lange zu erhalten, aber da es nun einmal anders gekommen ist, so bin ich auch fest entschlossen, dem schweren Erbteil, das mir zugesallen ist, mit allen meinen Kräften gerecht zu roerben. Tas geschieht besonders durch die Pflege der Armee. Ich hoffe, daß es mir gelingen wird, durch sorgfältige Pflege sie in dem Zustand zu erhalten, wie sie mein Herr Großvater mir überließ, als ein Instrument in seiner Hand, den Frieden zu erhalten, im Kriege zu siegen, als eine unvergleichliche Schule für die Erziehung unseres Volkes. Ich kann mir aber eine solche Arbeit nur lohnend und zu gleicher Zeit ersprießlich denken, wenn solche Vorbilder, wie Ew. Königl. Hoheit unter den deutschen Reichssürsten sind, mir zur Seite stehen, denn es ist selbstverständlich, daß eine ältere Gelleration, wenn sie mit einem Male ihres würdigen Hauptes beraubt ist, es schwer findeii muß, einer jüngeren Hand zu folgen, denn die Ansichten wechseln, wie die Aufgaben der Zeit. Wenn daher aus so berufenem Munde itnb von solcher Seite mir aus-- munternde und lobende Worte ausgesprochen werben, so schöpfe ich daraus den Mut zu weiterem Streben. Meine Worte sollen damit schließen, daß ich nicht allein, sondern im Namen jedes Deutschen von ganzem Herzen Gottes Segen erflehe für Ew. Königl. Hoheit und Ihr Haus, auf daß Sie auch ferner mir als Bera t e r zur Seite stehen und als Vorbild mir voranstehen. Unseren Ge- sinmmgen geben wir Ausdruck, indem ftnr rufen: Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Baden Hurrah, Hnrrah, Hurrah! Brausend pflanzte sich der Wiederhall des enthusiastisch aufgenommenen Hurras fort. Die Musik spielte die badische Nationalhymne. Der Kaiser und das Großherzogliche Paar hielten nach der Tafel Cercle. Am Abend feierte die badische Studentenschaft den Großherzog durch einen glänzenden Fackelzug in der herrlich illuminierten Stadt. Alle Hochschulen überreichten nach der Ansprache des Studenten Krastel-Heidelberg bei dem Festkomniers dem Kultusminister Adressen. Die Rektoren der Hochschulen und zahlreiche „Alte Herren" wohnten dem Kommers bei. Student Braun-Karlsruhe feierte den Groß- herzog. Es folgten die üblichen Hochs auf den Kaiser und die Professoren, worauf Prof. Heydt von der Technischen Hochschule der sorgsamen Pflege von Badens Hochschulen gedenkt, die das Volk auf ein hohes geistiges Niveau erheben. In großdenkender Weise habe der Großherzog den Hochschulen stets Freiheit der Bewegung und die akademische Freiheit gewährleistet. Das geistige Vorrecht und das eigenste Wesen der Hochschule habe geblüt zur Ehre der deutschen Wissenschaft und zum Heile der gesamten Kulturwelt. Es sprachen noch die Professoren Pfuhl-Heidelberg und Kroske- Freiburg. Der Kaiser reiste 8 Uhr 50 Min. abends wieder ab. Der heutige Tag der Jttbiläumsfeierlichkeiten wurde mit Glockengeläute von allen Kirchtürmen, Salutschießen und mit einem großen Mecken eingeleitet, das von fünf Militärkapellen ausgeführt wurde. Vom Rathausturm erscholl Choralmusik. In allen Kirchen fanden Dankgottesdienste statt. Der gesamte Hof besuchte den kirchlichen Gottesdienst in der Stadtkirche, vor welcher eine Kompagnie des Leibgardegrenadier-Regiments mit Fahne und Musik die Honneurs erwies. Vormittags empfing der Großherzog zuerst im roten Saal des Schlosses die Hofstaaten zur Gratulation, sodann in Gegenwart der Großherzogin, der erbgroßherzog- lichen Herrschaften und der Umgebung vom Dienste das Staatsministerium. Minister Brauer hielt eine Ansprache im Namen des Ministeriums, die der Großherzog erwiderte. Der Großherzog und die Großherzogin zogen darauf die Herren des Ministeriums ins Gespräch. Es folgte sodann der Gnpsang einer Abordnung der ersten Kammer. Prinz Karl von Baden als Repräsentant der ersten Kammer sprach die Glückwünsche derselben aus, und Vizepräsident Gras Bodmann verlas hierauf die Adresse der Kammer. Der Grohherzog dankte in einer Rede, hieran schloß sich der Empiang einer Deputation der zweiten Kammer, deren Präsident, Oberbürgermeister Gönner-Baden-Baden unter Darbringung der Glück- und Segenswünsche der zweiten Kammer eine Adresse der letzteren vorlas. Der Großherzog antwortete auch hier mit einer Ansprache. Das großherzogliche Paar ließ sich auch hier, wie bei der ersten Kammer, die Mitglieder der Depilation vorstellen und zog sie ins Gespräch. Gleich darauf empfing der Großherzog den Erzbischof von Freiburg, welcher in Begleitung zweier anderer Herren erschienen war. Der Erzbischof gratulierte namens oer kirchlichen Behörden und des ganzen Klerus. Der Großherzog antwortete dankend. Das großherzogliche Paar unterhielt sich hierauf mit dem Erzbischof unb feinen Begleitern längere Zeit. Sodann empfing der Großherzog im Marmorsaal in Gegenwart seiner hohen Gemahlin, des erbgroßherzoglichen Paares und der fürstlichen Gäste, sowie der Herren und Damen der Großstaaten das Komitee der I u b i l ä u m s st i f t u n g, als dessen Sprecher Oberbürgermeister Sch n etzler - Karlsruhe dem Großherzog die Gefühle inniger Dankbarkeit des ganzen Landes aussprach und als Zeichen der Dankbarkeit, Treue, Liebe und Verehrung des badischen Volkes eine Adresse überreichte, in welcher dem Großherzog eine aus Sammlungen im ganzen Lande Ktfammeugebrachte Summe von 450000 Mark zu wohlthätigen Zwecken gewidmet wird. In längerer Rede erwiderte der Großyerzog. Der Großherzog unterhielt sich hierauf auch mit den einzelnen Mitgliedern dieser Deputation. Am Nachmittag sand int Museum ein Festmahl der Stadt Karlsruhe statt, bei welchem Oberbürgermeister Schnetzler ein Hoch auf den Großherzog und der Erzbischof von Freiburg dasjenige auf die Großherzogin ausbrachte. Um 4 Uhr hatten in den Straßen der Stadt zum Spalier Aufstellung genommen: Bürger-, Krieger- und Sportvereine, Feuerwehr und Schulen von Karlsruhe und aus dem Laude, int ganzen etwa 15 000 Personen. Der Grohherzog, die Großherzogin und der gesamte Hofstaat unternahmen eine ausgedehnte Rundfahrt und wurden von der Bevölkerung mit stürmischen Hochrufen begrüßt. Karlsruhe, 27. April. Der Kaiser verlieh dem Prinzen Max von Baden den Schwarzen Adlerorden. Der Krostgk-Frozeß XII. Gumbinnen, 26. April. Äü Be-inn pkr heutiArn Bvrhsndlturg ber Her- DdrAkt DWN> crA Berlin za gegangene«, vorn 24. ds- datierten Brief, unter schrieben: „Hermann Barthel, Unteroffizier der Landwehr". Dieser schreibt, er diente bei der 4. Schwadron. Am 10. September 1901 fei er in Gumbinnen gewesen und bei dem Restaurationslokal Kretschmann in der Goldaperstraße vorüberge- gangen. Da sagte Kretschmann zu ihm: „Was meinst Du denn dazu, daß Dein alter Lehrer Marten zum Tod verurteilt worden ist?" Er, Barlhel, bemerkte: „Ich halte Marten für unschuldig, steife Mußen tragen auch noch andere Herren als die Unteroffiziere." Kretschmann versetzte: „Alter Zunge, Du haft recht. Ja) kann nicht genau sagen, ob es am Abend des Mordes oder am folgenden Abend war, da hatte eine Anzahl Dragon er Offiziere in meinem Lokal mit Damenoedienung ein Settgelage. Es wurde u. a. gejagt: „Gott sei Dank, nun ist er toil Also darauf noch eine Pulle!" Unter den Offizieren erkannte ich die Lent-, nants Brandt und Weist Ich tonnte noch bedeutend mehr sagen, aber ich will mui) geschäftlich nicht schädigen." Der Vertreter der Anklage ja)tagt vor, über den Brief zur Tagesordnung überz^geyen. Verteidiger Horn bemerrt: Zur Interesse der ij|fiaiere liegt ein bwßer lieber gang zur Tagesordnung über diesen Brief nicht. Sind die in dem Briese ausgesprochen en ungeheuerlichen Behauptungen unwahr, dann muß eine Bestrafung wegen Beleidigung ein- treten. Der Gerichtshof behäit sich Beschlußfassung hierüber vor. Verteidiger BurckHardt beantragt nochmalige Vernehmung des Gefreiten Stumbries wegen der Bemerkung: „Der Hund muß heute noch Farbe bekennen!" die Marten auf sein Pferd bezogen haben will. Leutnant v. Wedel bekundet, Rittmeister v. Krosigk sprach sich Weihnachten 1900 bet der Vorstellung seiner Re- rrutenabteUung sehr lobend über Marten aus. Wachtmeister Marren berundet, daß Rittmeister von Krosigk so hohe Anforderuiigen an ihn stellte, daß er ihnen nicht gewachsen war. Im uorigen haoe der Rittmeister ihn nie beleidigt; nach seiner Versetzung stand er sich ganz gut mit dem Rittmeister, letzterer äußerte sich auch wiederholt lobend über seinen Sohn. Rittmeister Ackermann bezeugt, Rittmeister von Krosigk habe den Wachtmeister Marten mehrfach vor versammelter Mannschaft in einer Weise behandelt, wie es sich eigentlich einem alten Wachtmeister gegenüber nicht geziemre. Wachtmeister Marten beilagte sich einmal bei iym, der damals der älteste Offizier in der Schwadron war, über den Rittmeister, betome aber ausdrücklich, daß er feine Beschwerde anbringen wollte. Oberleirtiiant v. P o e l l n i tz und Oberleutnant Johl schließen sich im allgemeinen den Bekundungen des Vorzeugen an. v. Poelrmtz teilt noch mit, eine Schneiderin namens Wurl, die für seine Frau arbeitete, erzählte: Gleich nach der Verurteilung Martens sei eines Abenos ein Mann zu ihr gekommen und habe um ein Nachtlager gebeten; sie yabe dem Ersuchen entsprochen. Der Mann, der sich als Besitzer aus der Gegend von Lüallupönen ausgegeben, sagte: „Starten ist unschuldig, ich erschoß den Rittmeister, ich habe seitdem Tag uno Nacht keine Ruhe." Der Mann bot ihr eine große Summe Geldes an, sie habe diese aber mit Dem Bemerken abgelehnt, er solle das zum Gumbinnen- Denkmal beitragen. Der Gerickstsyof behält sich vor, Wurl als Zeugin zu laden. Oberleutnant Johl bekundet, er habe vom Bürgermeister Schirwindt erfahren, der Vater Hickels sei ein ehrenwerter Mann, treibe aber umfangreichen Schmuggel nach Rußland. — Hi ckel jagt, fein Vater sei Besitzer von 60 Morgen Land/habe aber niemals Schmuggel getrieben. Krimrnatschutzmann Schröder - Benin, der früher bei der 4. Schwadron diente, erklärte, Marten habe, als er in Berlin aus der Telegraphen sch ule war, ihn oftmals besucht und erzählt, es sei ihm zugeredet worden, bei deck 2. Garde^Ulanen zu kapitulieren. Er könne dies aber seinem Rittmeister, der iyn )o frühzeitig zum Unteroffizier beförderte, und auch auf die Telegrapyenschule schickte, nicht anthun. Der hierauf erscheinende Feldwebel Tollkühn, Aufseher im hiesigen Mililärgefangms, bekundet über die Flucht Startens. Er wird von dem Angeklagten gefragt, ob es wahr sei, daß er zu Domnig gesagt habe, er stehe mit einem ö'U& im Grabe. Jeder sei sich selbst der ytächste. Wenn er, Domnig, erklärte, Hickel sei nicht zu ihm in den -stall gekommen, sei er sofort freu Zu Hickel soll Dold- kuhn gesagt haben: Ihre #iau ist in gesegneten Umständen; wenn das Kind nur Nicht gezeichnet ist. starten behauptet, ^olliüyu habe ihn schlimmer als eut Stück Vieh behandelt, ^ollkuyn bestreitet dies alles. Es wird darauf Frau v. Krosigk vernommen; sie jagt aus: ^Yr Mann, sei mit dem Wachtmeister Marken sehr unzufrieden gewesen. Dieser habe den ersten Er- foroeniljsen militärischer Diszptin nicht entsprochen. Die 4. Schwadron sei überhaupt sehr verlottert gewesen. Ihr Mann habe gegen die Familie Marten eine große Abneigung gehabt. ^ne habe das Schießen in ihre Wohnung m Staliuponen, das Zerschneiden der Wagen- polster uno auch die anonymen Briese auf die FanulieMarten zuruugefuyrt. Sie habe die Ueberzengung, nag der Thäter vejiimmt m der 4.. Schwadron gewesen sei. Wachtmeister Marien habe auch nur oberflächlich gesucht. Er wollte augeiischeinlich den Thäter nicht entdecken. Mit dem Angeklagten Marten sei ihr Mann dienstlich zufrieden gewesen. Der Mensch tarn ihm aber unheimlich vor, sodaß er ihn gern los werden wollte. Deshalb habe er ihn wohl auch nad) Berlin auf die Telegrapyenschule geschickt. Die Frage des Verteidigers Horn, ob nicht auch schon in Stendal auf die Wohnung ihres Mannes geschossen lüorben fei, bejlteirct die Zeugin. Sie habe allerdings augenscheinlich von sozialdemotratischer Seite aus Stenoal ano- iiyme Briefe erhalten. Sie hörten aber bis Juli 1891 auf. Tie anderen anonymen Briefe begannen im April 1698. Diese hatten also mit den ersten keinerlei Verbindung. Sie HLcke die Ucberzeugung, daß es Kn anonymen Brief- jchreiöern darum zu thmi war, ihren Mann ans Stallu- ponen loszuwerden. In einem dieser Briefe hieß es: Weshalb behandeln Sie den Wachtmeister Marten jo jchlecht? Zch rate Ihnen, daß Sie jo schnell als möglich aus Stallu- pbnen forklommen." Wachtmeister Marten bestreitet, mit den anonymen Briefen usw. in Verbindung zu stehen. Ebenso bestreitet er, daß er den Erfordernissen der militärischen Disziplin nicht entsprochen habe. Er fei selbst sehr streng im Dienst gewesen unb habe selbstverständlich feinen Vorgestern gegenüber bbc ruUuL^ifche Dur-plm hukuuS außer Acht gelassen. sei such unwahr, bay öle 4» DchwaLro« verlottert war. meiner fr. Meinung ge* Rektor Rockicki bekundet, Marten fei lein hervorragend veranlagter, aber ein folgsamer Schüler gewesen. Er sei als Knabe einmal vom Baum gefallen, habe dadurch Nervenzucküngen bekommen und zuckte infolgedessen, besonders wenn er sich über etwas freute, mit den Augen. Generalleutnant a. D. v. Alten bezeugt, Hickel habe sich ganz besonders dadurch verdächtig gemacht, daß er ihm, dem Zeugen, ohne Aufforderung gejagt habe, er habe sich 15 bis 20 Minuten in der Wohnunfg feiner Schwiegereltern aufgehalten. Ties habe Frau Marten nicht bestätigt. Ter VerHandlungs- führer gemerkt, Frau Marten habe erklärt, es fei möglich, daß ihr Sohn und Schwiegersohn, wenn auch nicht im Wohnzimmer, jo doch in einem andern Wohuraum auf- gehalten haben. Am Nachmittag werden mehrere Zeugen vernommen, welche aussagen, Marten sei, als er aus dem Gefängnis entnommen fei, zu ihnen nach Stallupönen gekommen, habe um Nachtlager und Zivilkleider gebeten und gejagt, er wolle über die russische Grenze gehen. Er habe Angst, unschuldig hingerichtet zu werden. Man habe ihm zugeredet, er solle sich freiwillig stellen, und schließlich habe er dies auf Ehrenwort versprochen. Schuymachermeister Schneider -Berlin bekundet, der Pionier Loos habe ihm erzählt, jein Bruder, der in der 4. Schwadron in Stallnpönen stand, habe dem Rittmeister die Wagenpolster zerschnitten. Loos be ft reitet dies entschieden. Der Zeuge bleibt bei seiner Aussage. Der Gerichtshof beschließt, beide Zeugen zu vereidigen. Auf Anregung des Vorsitzenden Oberstleutnant v. Rohden wird jedoch die Vereidigung noch ausgesetzt. Es wird weiter beschlossen, den Bruder des Loos, dessen Aufenthalt inzwischen bekannt geworden, als Zeugen zu laden. Gemeindevorsteyer Toussaint aus Norutschatschen bekundet, daß ihm über die Eheleute Eckert nichts Nachteiliges bekannt geworden sei. Knecht Schlapp sagt aus, er sei am Mordtage nicht mehr im Krankenhause gewesen, er habe nichts gesehen. Frau Hickel sagt aus, sie habe gehört, der 9tttt- melfter suche eine jüngere Kraft als Wachtmeister; Marten sei ihm za alt. Ihr Vater solle deshalb abgehen; das ihr aber bekannt gewesen sei, daß ihr Vater mit Leib und Seele Soldat war, sei sie aus Kindesliebe zu dem kommandierenden General nach Königsberg gefahren und habe um Versetzung ihres Vaters in eine andere Schwadron gebeten. Auf 'Befragen des Verteidigers Horn bemerkt die Zengin, oaß in ihrer Familie niemals etwas Nachteiliges über den Rittmeister v. Krosigk gesprochen sei. Hierauf wird die Sitzung auf.Montag 9 Uhr vertagt. Gerichtssaal. e. Gießen, 25. April. Gewerbegericht. Den Vorsitz führt Beigeordneter Wolff. Als Beisitzer fungieren Schneidermeister Heinrich Leib und Weißbinder Johann Schäfer. — Es steht nur die Klage des Schlossers Ludwig Schneider hier gegen Spenglermeister Otto Kretsch? mann hier zur Verhandlung. Der Kläger verlangt wegen Nichteinstellung zur Arbeit Entschädigung und zwar für 14 Tage 30 Mark. Der Beklagte entgegnet, daß der Arbeitsvertrag nicht zu stände gekommen fei, und bittet um Klageabweisung. Bei der Abrede ist nur des Beklagten Ehefrau zugegen gewesen und diese wird, da sie zur Zeugnisablage bereit ist, als Zeugin vernommen. Aus den Partei-Vorbringen und der Zeugenaussage ist zu entnehmen, daß Beklagter den Zeugen zu sich bestellt, daß Kläger am 13. April — Sonntagmorgens — den Beklagten in dessen Wohnung besucht, unb daß Kläger diesen gefragt hat, ob er ihn zur Arbeit nehmen wolle. Der Beklagte hat darauf entgegnet, daß er vielleicht einen brauchen könne, er solle am nächsten Morgen kommen, um 6 Uhr fange er an. Die Ehefrau des Beklagten erklärt, ihr Mann habe i .E. gesagt: „Du kannst ja mal kommen." Der Kläger erwiderte alsbald, daß er bei Helfenbein, bei dem er jetzt in Arbeit stehe, noch nicht gekündigt habe, das sei aber nicht schlimm, er werde es diesem sagen, wenn er nach Hause komme. Er habe es auch dem Helfenbein gesagt, uno dieser habe ihn ohne Kündigung fortgehen lassen. Erst später, jedoch noch am gleichen Tage, habe ihm der Be- tlagte mitteilen lassen, daß er nicht zu kommen brauche. — Ein Vergleich ist nicht zu erzielen. Der Beklagte erklärt sich jedoch bereit, den Kläger heute noch zur Arbeit ein- stellen zu wollen. Der Kläger lehnt dies Anerbieten ab, und ermäßigt seinen Klageanfpruch auf 13 Mark, für sechs ein halb Tage a 2 Mk. — Das Gericht verurteilte den Beklagten zur Zahlung von 13 Mark an den Kläger, und zur Kostentragung, indem es zur Begründung des Urteils ausführt, daß es nach den Verhandlungen die lieber» zeugung gewonnen habe, dasi es zum festen Abschluß des Arbeitsvertrags gekommen sei. Wenn der Beklagte dem Kläger erst anderen Tags feine Entscheidung habe mitteilen wollen, so hätte er dies bestimmter ausdrücken und den Kläger, nachdem dieser erklärt, daß er fein Arbeitsverhältnis bei Helfenbein kündigen wolle, baboif abhalten müssen, wenn er" ihn nicht endgittig zur Arbett angenommen habe. Daß Beklagter dies unterlassen, zeige aber gerade, daß die Einstellung des Klägers eine bestimmte gewesen fei; ebenso spreche dafür, daß der Beklagte den Kläger auf den anderen Morgen um 6 Uhr bestellte, wo er, Beklagter, zu arbeiten anfange. Folgen der v erab säumten Klebepflicht. Kreisgerichtsrat Dr. 5)i l f e zu Berlin berichtet in der Zeitschrift „Die Jnvaliditäts- und Altersversicherung im Deutschen Reiche" über einen Fall von verabsäumter Klebepflicht, der bei der gerichtlichen Austragung die Verurteilung des Fahrlässigen zur Folge hatte. Der Fall, der für weite Kreise von höchstem Interesse sein dürfte, war folgender: Ein Arbeitgeber hatte es unterlassen, dem von ihm beschäftigten Dienstverpflichteten Marken in dessen Quittungskarte in ausreichender Zahl fristgerecht ein- zukleben. Erst nachdem Invalidität eingetreten und der Antrag auf Gewährung einer Invalidenrente bereits gestellt war, wurde ermittelt, daß durch die eingeklebten Bei- ttagsmarken die Wartezeit nicht erfüllt war, und der säumige Dienstberechtigte zu deren nachträglichem Beibringen angehalten. Er leistete dieser Ausforoerung auch Folge. Obschon unter Hinzurechnung der nachträglich beigebrachten Marken die Wartezeit erfüllt war, wurde dennoch dem AnsprucheaufJnvalidenrentenicht stattgegeben, weil J.-V.-G. § 146 nicht gestatte, nach eingetretener Erwerbsunfähigkeit nachträglich Beiträge zu entrichten, wenigstens nach dem aus den Motiven S. 336 sich ergebenden gesetzgeberischen Willen solche bei Bestimmen der Wartezeit nicht in Berücksichtigung gezogen werden könnten. Die mfotgLdessen um einen 9Lenlen-An- spruch gebrachte versicherungspflichttge Person, eine Kin- derpslegerrn, rief täe Gerichte an und forderte von dem ArbottHebvr die Z«istuns intb Sichrrftelkrng einer JahveS- Man verlange ausdrücklich Pneumatic beste und billigste Bereifung für Fahrräder ■B■38 WWW den VlckeD- WK '5 oC Ahnung habe rharchluiras- 5 lei moo. !anch niajt au J ^Nhi^ Wern)0^ 5*3% bekundet, der indek n Etmeister .^tet dies läge. vereidigen, Ab- Ziohben »mitbiDciter “Wüt in- laden. ^rutschatjchen nichts Nach- Worbtage nicht nchts gesehen. r.t der Ritt. l|ter- Marlen abgehen- da iter mit Leid liebe zu dem fahren und ve Ähwadron )orn bemeitt etwas Stach- Prochen sei- 9 Uhr vertagt. ericht. 2en itzer fungieren inder Johann lojsers Ludwig tto Kretsch^ «erlangt wegen und zwar für iß der Arbeitstier um Klage- agten N-efrau Jeugn&ablage ■ t/rttfei'Sw ichmen, bah > MtzN am M in dessen ^sragt hat, ob ,gie hat daraus tonne, er solle 6 Uhr sanae ihr Mann habe " Der Kläger «ei dem er jetzt das sei aber wenn er nach ein gesagt, und Iahen. G e ihm der Le- rtcn brauche.- Zetlagte erklärt ar Arbck em- Anerbieten ab, Mark, für sechs (teilte den »> t Kläger, und na des Urtells bie u*2 Abschluß des Beklagte dem , habe mittellen & o** Arbeitsverhalt- bhaltenu'N lenommen R- r<ü>e, dad » Än anderen Ä** r'M-r- Duni- ^ur Äftx E*»nd d« !Ä nigä ifät Motiven G-r s fl®. Sportwagen Kinderwagen an. Kinderwagen Fortwährender Eingang von Neuheiten. Sicherhr itugürtei. Zärlanz am 31. Dezember 1901 Passiva. JC Jtc tritt b. 1283,34 5. 6. Reingewinn 56 124,— 1900 Zugang in 1901 , , Nußcokes Nr. 1 . Nutzcokes 9h?. 2 . Siegfried zu Großen-Buseck ein« Moritz Gregori&Sohn Verschredenes. 4. I. A.: A. Schmidt, Rechner. 3356 8246 Vorigjährige Muster und Reste unter Einkauf. Grössere Posten zu ermässigten Preisen. Fritz Nowack 23282,— 10281,30 an 2999 3. 4. 3329 Uhr, Uhr. Gentnern: . 1,05 Alk. . 1,20 „ . 1,25 „ 2,62 2163,19 1. Abhör der Bilanz. 2. Verteilung des Überschusses. 3. Wahl zweier Aufsichtsratsmitglieder. der Mitglieder Reservefond Spezialreseroe- fand Nachlaß von noch nicht fälligen Güterkaufgeldern c. gegen Wertpapiere nachdem Kurs am 31. Dezember 1901 2. Kassenvorrat 3. Unersetzte Vorlagen 4. Ausstände 5. Mobilien 137,77 10% Abschreibung 13,77 Abgang in 1901 ...... Mitgliederstand Ende 1901 . . ♦ Großen-Buseck, den 26. April 1902. 400,— 930,79 4141,— 1410,— 1,25 Mt. 1,30 M. in allen Preislagen und Farben. mit gcschwe ftcn Bäumen hohen Metallr&dern eto. von Mk. ftp ♦” 203561,05 Mitgliederstand Ende Aktiva. 1. Ausgeliehene Kapitalien: a. gegen Obligationen und auf Mittwoch den 7. schüft des Christoph geladen. Tagesordnung: In Wagenladungen von mindestens Stückcokes . . . . Nußcokes 9h:. 1 . . Nutzcokes Nr. 2 . . Bei Entnahme von mindestens 200 Stückcokes .... ftür Cokesabnehmer, welche zwei und mehr Toppelwaggous beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Centner. ö Für Anfuhr au das Haus werden 5 Pscuuig für den Centner berechnet. . H B Sofern das Verbringen der Cokes — bis zu 6 Gentnern — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall rc.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne befondere Vergütung. Spar- und Leihkasse, Eingetr. Gen. m.«. H Der Direktor: Der Rechner: Der Kontrolleur: Schwalb. Schmidt. Stephan. Seltersweg neben Restaurant RoyaL Seltersweg Ecke der Flocksträsse. Korb braun oder altdeutsch lackiert, mit Verdeck und Bycicle-Rädern Mk. englische Form, Korbrohr gelb, farbiges Verdreh, feine Garnierung, Bycicle-Rädern, Ledertuch-Aut schlag Mk. Leiterwagen bis zu 3 Centner Tragfähigkeit von 3 Mark in größter Auswahl und enorm billig empfehlen • ff* Al! i in jeder beliebigen Schriftart und Karton» Iforte, sowie mit Slrkeln aller studentiscdeti V Vereinigungen, liefert zu mäßigen preisen Kier-, Wrin- anb Wajscrschlämhc Fiaschen abfüll schlauche Gentnern: . . 1,- Mk. . . 1,15 , . . 1,20 „ Haupt-Geschäft: Selterswe^S. Spezialgeschäft und Ausstellung für Kinderwagen: Bahnhofstrasse 22. Kinderwagen und Sportwagen - Au‘waM Sicherheets- Gürtel Master geschützt, das Ucraustallen der Kinder unmöglich machend. ■■ Kinderwagen-Räder mit Kugellager leichter, i-eräuscr,loser Gang ohne zu öti-n _______2937 1. Aufgenommene Kapitalien 195395,92 2. Geschäftsguthaben Die Rechnung liegt 8 Tage zur Einsicht der Beteiligten in dem Kassenlokal des Rechners offen. Gleichzeitig werden sämtliche Mitglieder der Spar- und Leihkasse E. G. zu einer Generalversammlung Mai, abends 8 Uhr in der Wirt- passend zerkleinert: Größe 9lr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anthracit, gangbarste Sorte . . . . . . - ♦ • Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit Dienstag den 29. April: sür die Damen um 8 gj—für die Herren um 8'/, 203561,05 33 4 37 4 33 BekamUmachanu. Die Listell über die währeiid der Zell vonr 1. April 1902 dis Ende März 1903 für die Psltchtfcuerwehr heranzuziehenden Personen liegen vom Erscheinen dieser Bekanntmachung ab mährend 8 Lagen auf unfcrem Bureau — Zimmer 9lr. 15 — zu jedermanns Einsicht offen. Es wird dies unter dem Anfügen zur öffentlichen Kemums gebracht, daß während dieser Offenlcgungsfrist Einwendungen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Listen, sowie Besreiungsanjprüche aus Gruiid der Ortsseuerlöschordnung vom 12. Juli 1892, auch Wünsche hinsichtlich der Einteilung in eine bestimmte Abteilung der Pstichtfeuerwehr mündlich oder schriftlich bei uns vorgebracht werden können. Gießen, am 26. 2lpril 1902. 3322 Gtvvherzogriu-e Bürgermeisterei Gießen. Mecum. PleiSttiV'MliN nuferer 8ascM ein und wurden die Preise derselben bis auf weiteres festgesetzt roie Mr den Centner ab Verkaufsstelle: ....... 1,10 Aik. ..................- ; , - ' 9ruß-Cokes, ausschließlich trocken gelagert, m zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge Ofen schachte Schuldscheine 151179,94 gegen Güterkaufgelder 16528,— Gascokes. Infolge Stadtverordneten-Beschlusses vom 10. April d. I eme 3m Gaswerk finbet nur ein Verkauf von über » Centner Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Kkinmkmis dkl GascnKks von 1 bis 5 Centner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19 H. Hof, Bahnhofstraße 33 und 34, Gcbr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Cd. Kliutel, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstrave 10, Georg Schäfer, Licherslraße 2, August Struck, Bismarckstraße 6, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5. Diese Firmen berechnen obenslehende Preise unserer Gascokes jarnt Anfuhr wie das Gasiverk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Gentnern. . Die Preise unserer Gascokes für die Abnehmer autzerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Octroirückvergütuug von 4 Pfg. für den Centner. Gießen, den 16. April 1902. 3086 Städtischcs Gas- und Wasserwerk Gießen. Sommerspiele sowie ^"uMn-Sportwagen von 5 Mark au. Sämtliche Neuheiten m Gardinen. Stores, Rouleaux paF“ sind eingetro£Een. "Ä Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß die Ge- meiudesteuerzettel in den nächften Tagen den «teuerpslichtigen durch die Lchutzinamischaft zugeslellt werden. diejenigen Einwohner, welche bis zum a. Mai kerueu Ge- mciuvcstcuerzcttel erhallen haben, chren Verhältnissen nach aber annehmen müffen, daß sie steuerpflichtig sind, werden hiermit aus- aeforderl, hiervoii alsbald bei Meidung nachteiliger folgen auf dem Bürgermeisterel-Bureau — Zimmer Nr. 15 Anzeige zu erstatten. QQ1A Gießen, den 24. April 1902. , 3310 Ervfzherzvgiiu)e Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Verdichtungen jed. Art, Treibriemen sowie alle technischen Artikel für maschinelle Betriebe. 2789 r.lcpho» 249. cheörüder Hwrg W-llth-rstr. 21. tzrühl'sche Univerfitäts-Vruderei, Schulstrahe 1 Prima Aepfelwein L Liter 35 Pfg. empfehlen A. & 6. Wallenfels Markt 21. (2448) Telephon 46. Alle Sorten Laatkurtosseln empfiehlt 8003 Z. Hantel, Schloßgasse 6. reute in Höhe der ihr zugestandenen Invalidenrente mit 224 Mark. Ihrem Klageantrag wurde gertchtsseMa unter der Begründung stattgegeben, daß B.-G -B. § o2d zum Ersätze des daraus entstehenden Schadens denj^ngen verpflichtet, welcher vorsätzlich oder fahrlässig das l^gen- tum ober ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, bezw. wer gegen ein den Schutz eines anderen bezweckendes Gesetz verstößt. Tie öffentlichrechtliche Arbeiterversicherung bezwecke jedoch den Schutz der wirtschaftlich Schwächeren gegen Rot, Entbehrungen und Inanspruchnahme der öffentlichen Armenpflege, wie der Die Allerhöchste Botschaft vom 17. November 1881 beherrschende Grundgedanke unzweideutig zum Ausdrucke bringe. Sowohl das Alters- und Znvalidenversicherungsgefetz vom 22. Juni 1889, wie auch das Jnvalidenversicherungsgefetz vom 13. Juli 1899 verpflichten den Tienstgeber zum rechtzeitigen Einkleben der Beitragsmarken m ausreichender £>öhe und erforderlicher Anzahl. Ties konnte und mutzte bei einem gewöhnlichen Grade von Aufmerksamkeit demselben bekannt sein, wenigstens dürfe er mit Unkenntnis eines gehörig verkündeten, ihm wissenswerten, Gesetze» sich nicht entschuldigen. Er habe mithin gr obfah rlass ig gehandelt, indem« »sr der Einklebepflicht nicht nachkam, und den darauf ursachlich zurücksührbaren schaden zu vertreten. Aus dem rechtzeitigen Beibringen der Beitragsmarken entspringe der Anspruch aus Rente. Hier sei lediglich infolge der fehlenden Marken die Wartezeit nicht erfüllt, also der Rentenanspruch verwirkt. Demgemäß habe her säumige Tienstgeber die DienstverpflickMe in gleicher Höhe schadlos zu halten, wie ihr durch bie Lanbesversicherungsanstalt eine Invalidenrente hatte zugebillmt werden müssen. Ueber deren Höhe obwalte Bein Streit und ebensowenig über die Vorbedingung der Invalidität nach J.-V -G. § 15. Deshalb sei der erhobene Klageantrag in vollem Umsang rechtlich begründet, und auch der Anspruch aus Sicherstellung. Bou einem Drama in Lffizicrskreifen der Mandschurei wird aus Eharbm, der Hauptstadt des llandes, berichtet: Auf einer Versanunluna der Offiziere des 5. Lslsibirifchen Regiments geriet der Ssomik iKaoallerie-Abteilungsführer) X?. nut dem Xieutnant e. in Streit darüber, wer von Beiden der stärkere fei. Ter Ltreit wurde sofort praktisch zum Austrage gebracht, wobei sich S. als der Stärkere erwies. Ter Ssotnik 1». zeigte sich über den Ausgang des Streites sehr erzürnt und behauptete, fem Gegner hatte gegen dm Regeln des Ringtampfes verstoßen. Ernstlich verstumm, trennten sich darauf die beiden, bis dahm eng beireunbeten Ofsi- uerc Am Abend desselben Tages fand nun mtSlafuio des 5. ^st° Ndirifchen Regiments ein Ball statt, dem auch LeuMant S. und Ssotnik ll., letzterer mit feiner Frau, beiwohnten. ^Obgleich sich und S. wie Femde zu einander verhielten, trat S. auf die ^rau des Ssotmk 2. zu und forderte sie zur Anglaife auf. In der Furcht, den Unwillen ihres Mannes zu erregen, erteilte Frau L. Herrn e. einen «orb. Tiefer schrieb die Absage einer Beeinflussung feines Gegners zu und beschwerte sich bei dem anwesenden Regimentskommandeur über das taktlose Benehmen seines .Kameraden. Zur Vermeidung eines weiteren Kionslikts erteilte der Kommandeur dem Ssotnik L. den freundlichen Rat, mit seiner Frau den Ball zu dw- laüen. L. begab sich indessen zu LeMnant S., überschüttete ihn mit Vorwürfen und sagte, seine Beschwerde beim Regimentskomman^ deur trage den Charakter der Gemeinheit. Als Antwort auf diese schwere Beleidigung versetzte S. dem Ssotnik L. einen Schlag ins Gesicht. Dieser zog darauf einen Revolo e r aus der Tasche und gab auf S. einen Schutz ab. In die Brust getroffen sank S. zu Boden und verstarb nach wenigen Allnuten. £. wurde daraus vor das Militärgericht in Port Arthur gezogen und zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Gleichzeitig beschloß das Militärgericht bei dem Kaiser um Umwandlung dieser Strafe in — dreimonatigen Arrest aus der Hauptwache nachzufuchen. Für empfehlen wir unsere grosse, uuslührliohe Karte von Hensen and den angienzenJen tiebietsleilen. — Unsere Abonnenten erhalten dieselbe zum Vorzugspreise von 1 Jlk. 85 Rammte, Velvets. Man verlange Muster, tzandiuna Krefeld. Man, am 31. Dq-mli-r 1901. WM-MH«. fir .. , 1 Passiva. Aus dem Universitätsfonds 1. AuSgeliehcne Zrapitalten: 1. Aufgenommene X können am 1. Juli Ifb. ^s Eietzeii. ”:ÄÄt'ie SSwaWSgaden 1. Aufgenorninene können am 1. Juli lfd. Js. a. 268636,83 2. d. 698,23 41776,26 3. C. 65,— 54556,26 4. d. Schuld 70,26 betrug Ende 1900 Philwphm 1901 gingen zu 216ö I empfiehlt 3203 Otto Schaaf, Seltersweg 39. D 6 la. 2015 "\ V’tS&ä Ö’R. F* . Gebrauch. 1 über70,0 Einzig. Zuml.Diale. Einzig. Zum ersten Riale! Sieu! Zum ersten Male! Neu! säule. Einzig in Ihrer Art. Neu! Neu! Neu! 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Um geneigten Zuspruch bittet mit vorzüglicher Hochachtung 3350 A Kub*-, Direktor. Donnerstag den 1. Mai Forderungen an den verstorbenen Herrn Heinrich Grün in Gießen, Neustadt Nr. 31, sind inerhalb 8 Tagen bei Meidung der Nichtberuck- ichtigung an mich einzureichen, desgleichen werden alle Diejenigen, welche noch Zahlungen an denselben zu letslen haben, aufgefordert, innerhalb dieser Zett dieselben zu begleichen. Elise Grün, 8276 Marttstraße 1. Nachhilfestunden in allen Fächern werden erteilt. Näh. in der Exp. d. Bl. 1505 Hosen Hemden Blusen 29io Jacken Schürzen rc. werden zu sehr billigen Preisen abgegeben. Robert Stuhl, 23 Neustadt 23. J.fi.HdübßnSohn£arl .. '" Aachen. ^s=ckteUM 273959,30 102 2 104 5 99 Zirkus Lobe _ (f über Hagrnbeck). W Größter Zelt-Zirkus der Gegenwart, Hocheleg. eingerichtet, mit komfortablen Logen u. Fattleuils ausgestattet. Eigene elektrische Beleuchtungsanlage. 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