Zweites Blatt. Samstag 87.Dezember LVOA 158. Jahrgang 78 3>U heutige Dummer umfaßt 12 Ketten. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«. FkrnsprrchanschlußRr.bl. Bekanntmachung. In der Zeit vom 20. bis 27. Dezember 1902 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Handtäschchen mit Inhalt, 1 Henkelkorb mit Inhalt, 1 Regenschirm, Briefmarken und ein Gürtel au6 Kleiderstoff; verloren: 1 goldene Damenuhr, 1 goldenes Medaillon, 1 graues Perlentäschchen, 1 wollene Viehdecke und 1 Brodsack. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 27. Dezember 1902. Grosiherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. monatlich 75 Pf^ viertel» jährlich DN. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePostMk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittag» 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal ISPf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den polit. u. allgsm. Teil i.V.: tzr.Hannemann; für,Stadt u. Land* und .Gertchtssaal*; Eurt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck. machen, was das Weihnachttfest cm Glück und Freude uns und Miseren Mitmenschen beschert hat. Unter all der großen Aufregung, die die Feiertage mit sich, brachten, war dann der heilige Weihnachtsabend angebrochen; die Wachs- l-a^ter tvurden angezundec und Freude und Jubel erreichten den Höhepunkt bei denjenigen, die sich unter dem Christ- Laum versammelt hatten. Tann kamen die sZeiertage, die laute Festesfreude wich stillerer Ruhe und die GeseLligkeit kam zu ihrem Rechte. Zwar fehlte der Schnee, welcher der Natur erst die richtige Weihnachtsstimmung giebt, aber dafür hat uns das Wetter wenigste:^ nicht ganz im Stich gelassen. Ter anhaltende Frost vor den Festtagen hat es doch ermöglicht, daß die Eisbahn eröffnet weroen konnte, und daß Dächer, Felder, Bäume mit fingerdickem Reif, bis zum ersten Feiertag, überzogen waren, sodaß man glauben tonnte, es wäre wirklich Schnee gefallen. Vom ersten Festtag ab trat dann eine wärmere, feuchte Witterung ein, die auch> heute luxfy anhält. Ten Wirten ist dieser Wetterumschlag zum Teil sehr willkommen gewesen, sie machten gute Geschäfte, lieber all sand man gefüllte Häuser. Konzert, Theater, Eislauf und sonstige Veranstaltungen boten jeden: genügende Zerstreuung und Vergnügen. Tie weihnachtlichen Vereinsfestlichkeiten nahmen auch, während der Feiertage ihren Fortgang und verliefen unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder aufs schönste. Tie Bürger gesell schäft feierte am 1. Feiertage in der Turnhalle, der Wohlthatigkeitsverein Kontentia auf der Schönen Aussicht feine Ehristbescherung. Ter Männer - turnverein hielt am zweiten Feiertag seine Weihnachts- bescherung in Steins Garten, der Maschinenbauerverein auf der Liebigshöhe, der Bäcker-Verein im Restaurant Sauer, per Turn verein in der Turnhalle ab. Gießener Anzeiger General-Anzeiger w '**sZ Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Nr. 303 •rftetnt ««sttch außer Sonntag». Dem Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem vesflfchen Landwirt hie Siegener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'fchen ,Unwerf.-Buch- u.Stein- t ruderet (Pietsch Erben) Redaktion. Lxpedittoa und Druckerei; Parlamentarisches. Der Zweiten hessischen Kammer ist ein 2to* trag der Abgg. Korell und Brauer zugegmrgen, betreffend die Diäten und Gebühren der Staatsbeamten. Tie Genannten beantragen: Die Zweite Llammer wolle beschließen, die im Hauptvoranschlag pro 1903/04 für Beamte des Staates eingestellten Beträge für Diäten' und Gebühren sind dahin zu verwenden, daß aus denselben nur Ersatz für Barauslagen bei auswärtigen Tienstgeschäf- ten geleistet wird, und sind dieselben in den einzelnen Kapiteln dementsprechend zu kürzen. JHe Macht der sächsischen Kronprinzessin. Ueber die Stimmung am sächsischen Königshofe weiß der Dresdener Korrespondent eines Berliner Mattes folgende Mitteilungen zu machen, die er direkt von dem Hosmarschall von Carlowrtz erhallen haben will. Irgendwelche neue Exzentrizitäten von Seite' der Kronprinzessin werden, wie der Hofmarschall versicherte, nicht befürchtet, ebenso seien besondere Schritte seitens des Dresdener HofeS nicht zu erwarten. Die Auseinandersetzung, deren Notwendigkeit allerseits anerkannt werde, sei sehr kompliziert und werde viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmen. Neben dem säcbsischen und österreichischen Hose sei der Heilige Stuhl an ihr interessiert; es seien sehr verschiedenartige Rücksichten zu nehmen, auch seien die zivilrechtlichen Verhältnisse sehr schwierige. In zivilrechtlicher Beziehung ist, soweit Herr v. Earlowitz die Frage übersieht, ein ad hoc zu berufender Gerichtshof unter deni Vorsitze des Königs befugt, die Ehe eines Mitgliedes des königlichen Hauses zu trennen. Was die Dis- penssrage anlange, so liege immerhin die Möglichkeit vor, daß der Heilige Stuhl von dritter Seite um den Dispens zur Ermöglichung einer völligen Scheidung angegangen werde. Auf die Bemerkung, daß in der Presse die Nachrichten, welche in den letzten Wochen über das Befinden des Königs Georg und den Unfall des Kronprinzen bekannt gegeben worden wären, mit der Abreise der Kronprinzessin in Verbindung gebracht würden, erwiderte der Hosmarschall: „Irgend ein Zusammenhang besteht nicht, wie ich auf das Bestimmteste versichern kann. Ter Stönig leidet an einer Influenza; der Husten stört ihn manchmal in der Nachtruhe, er befindet sich aber aus dem Wege der Besserung. Ich habe ihn heute gesehen, es aus feinem Munde gehört, daß er sich wohler fühlt, und sein Aussehen bestätigt die Lhatsache. Sein Herzleiden hat sich glücklicherweise nicht wieder gemeldet. Ter Kronprinz ift von seinem Zagdunsall so weit wieder hergestellt, daß er sich umherfahren läßt. Ueber die Flucht der Kroirprinzessin erfährt ein Münchener Korrespondent, daß Giron am 12. Dezember in München lvar iuü> auf ein Telegramm nach Freilassing reiste, wo die Kronprinzessin in Begleitung der Hofdame Schöriberg später eintraf. Die Krorcprinzessin bestimmte die Hofdam., nach Salzburg zurückzufahren. Diese fetzte Den Großhcrzog von Toskana von der Anwesenheit Gicons in Freilassing in Kenntnis. Damals war eine Flucht be- absichtigt gewesen, wurde jedoch durch Eingreifen des Großherzogs vereitelt. Giron hielt fick) bis zum 15. Dezember in Freilassing bei Salzburg auf. Während dieser Zeit hat er einmal in Gegenwart des Erzherzogs Leopold Die WeihnachLstage. Greßen, 27. Dezember 1902. Tas WeihnackMest ift vorüber, die Lichter an den Weih- nachisbäumen find erloschen und die vor Erwartung zitternden Herzen unserer Kinder haben sich beruhigt. Tie Christ- ineßbuden auf den Straßen mrd Plätzen, vor denen unsere Meinen mit stillen Wünschen so gerne weitten, surd verschwunden, utul) der Glanz der Hellen Lichter in den Schauenstern ist wieder auf die nottvercdige Beleuchtung be- schräntt worden. Tas Weihnachtsgeschäft hat fern Ende befunden. Nach den ^lussagen der Geschäftsleute rst es vesentlich besser als im vergangenen Jahre gewesen. We- tiger Leben und Verkehr herrscht nun in den Straßen unserer Stadt; die Urlauber sind zum größten Teil tu ihre Garnisonen zurückgekchrr, Besuch und .Verwandte lini> letzten Wochen vor Weihnachten sind voll von der Geschäftigkeit gewesen, die dem Feste so eigentümlich rst, ;eder hatte Ehristgescherrke auszu,uchen und e^utemfen, "im seinen Familienmttglredern, Verwandten und Bemnnten Hine Freude zu bereiten. Rastloses Leben und Treiben herrschte w ährend der letzten Tage' m ^nSttaßen der •6tait und wenn wir in all die Häuser hrnernblrcken konnren, rin denen Mütter und TÄchter, Väter und Söhne srch gegen- ii'itia Freude bereiteten, wenn wir alles uber,ehen tonnten, it'as Gutees und was Liebes geboten wurde, wenn ttnr sehen Lönnten, wie tief hinab autiji irr ärmere dursttge Verhältnisse das Weihnachtsfest serne Sormenstrahlen geschickt hat ind die Herzen erwärmte, wieviel Unglück getroster, urro Kammer durch milde Gaben und Geschenke geheilt worden gt, daun Lönnren wir uns erst ein rechtes Bild von dem Wägungen, die tot Einvernehmen mit dem österreichischen und toskanischen Hofe geführt würden, seien noch nicht so weit gediehen, um dem Kronprinzen, der völlig niedergedrückt ist, konkrete Vorschläge zu unterbreiten, umsomehr, als solchen auch Verhandlungen mit der Kronprinzessin vor an gehen müßten. Ob diese ihre ursprüngliche Absicht, sich in Mentone niederznlassen, aussühren werde, sei un- oerannt, da seit dann Tage der Flucht kein Lebenszeichen von ihr eingetroffen sei. Ter sächsische Hof finde keine Erklärung für das Vorgehen der Prinzessin, da die Ehe des Kvonprinzenpaares bis in die letzte Zeit ungetrübt geblieben sei. Tie Nachricht, der sächsische Hvf habe sich bereits an den Papst wegen völliger Trennüng der Ebe gewendet, sei vollkommen unrichtig. Tvch sei vielleicht nicht ausgeschlossen, daß dies noch geschehe. Weiter wird aus Dresden gemeldet: Die Kronprirv- zesfin soll nach ihrer Flucht tot Salzburger Palais einen Brief an den Kronprinzen zurückge lassen haben, in welchem sie ein rückhallloseS Geständnis ihrer Beziehungen zu Girvn abgelegt und zugleich erklärt habe, inemalH au den sächsischen Hof zurückkehren zu wollen. Weihnachtsverlosung von vielerlei Geschenken, die oft große Heiterkett unter den Teilnehmern hervorriefto, amerikanische .Versteigerungen, Konzert, Theater, Vorträge, an die sich Tanzkränzchen anschlossen, bildeten den Inhalt des Programmes all dieser Feiern. Draußen auf der Eisbahn vergnügte sich am ersten Festtag Jung und Alt, und das Militärkonzert am zweiten Feiertag war gut besucht- Ausflüge nach Wetzlar, Windhof, in den Philosophenwald und nach. Tutenhofen wurde:: veranstaltet; bie ElsenbahnkoupeeH waren auf fast allen Strecken überfültt. Nach all diesem Festestrubel ist nun wieder Ruhe ein- getreten; wir sind wieder in die alte Bahn eingelentt, und Arbeit und Pflicht stehen wieder auf der Tagesordnung. Ist nun aber auch mit dem Weihnachtsfeste jeder Weih- nachtsgedanke in uns erloschen, bis wieder einmal die Lichter angezündet werden? Toch wohl nicht. Das Fest hat nicht nur die reiu äußerliche Freude mü> Zufriedenheit in uns wachgerufen, es ist uns auch ein tteserer Eindruck geblieben: die Erinnerung, daß die gesamte Christenheit eine einzige Brüdergemeinschaft sein soll, daß es sür uns ein Friede, ein Glück und eine Freude giebt, die ungetrübter und segensreicher kein anderes Fest so sehr in unsere Herzen pflanzen kann, als gerade das Weihnachtssest. TaS Geschick hat es diesmal glücklich gefügt, daß wir noch einen dritten und vierten Feiertag feiern können, da oer vierte Feiertag ein Sonntag ist. Nach diesem kommen dann die Tage „zwischen den Jahren", u:rd wieder wird ein Fest erscheinen, wenn auch nur ein weltliches. Ein ueues Jahr wird anbreche::, naajsent das alte still in nie Ewigkeit hinab gesunken ist. Eine kurze Spanus Zett noch lüib am Meilenstein vorüber eilen wir der Zukunft entgegen. Gg. Ehr. Stephany. Deutsches Reich. Berlin, 26. Dez. Der Kaiser hat, wie die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, anläßlich des ^Weihnachtssestes eine Reche von Auszeichnungen an Beamte des Auswärtigen Dienstes verliehen. Unter anderem wurde der Gesandte in Brüssel, Graf Wallwitz, zum Wirklicheu Geheimrat mit dem Präottat Excellenz ernannt. Tem Gesandten beim päpstlichen Stuhle Frhr. v. Rothenhahn wurde der Rote Adler- orLen 1. Klasse mit Eichenlaub und dem Botschafter Grafen Wvlfs-Metternich der Kronenorden 1. Kl. und dem Gouverneur Grafen .Götzen der Rote Wlerorden 4. Kl. verliehen. . — DieWeihnachtSbefcherunginderkaiser«. tichen Familie fand am Mrftwoch-Spätnachmtttag im. Muschelsaale des Neuen Palais statt. Auf langen, weiß gedeckten Tafeln stehen die auS der Rominter Heide stammenden Tannenbäume, neun an der Zahl, je einer für den Kaiser, für die Kaiserin, den Kronprinzen und die übrigen kaiserlichen Kinder. Ter Kaiser hat den größten, die Prinzeß Viktoria Luise den kleinsten, etwa zlvei Meder hohen Baum. Etwa eine Stunde vor Beginn der Bescherung nahm die kaiserliche Famllie mit den Lur Bescherung befohlenen hohen Staatspersönlichketten mtb dem internen Gefolge int Apolloaale ein Diner ein, zu welchjem unter anderem auf be- onderen Wunsch des Kaisers Karpfen in polnischer Sauce erviert wurden. Es ist dies ein MesischeS Gericht, das mdessen, dlem Wunsche des Monarchen entsprechend, sehr streng gewürzt ist. Nach Aufhebung der Tafel nimmt das Kaiserstaar eine Äorbesichfigung des Geschenkeaufbaues vor. Auf em Zeichen des Monarchen öffneten sich die Flügel- thüreni und die Bescherung erfolgte. — Nach dem,/Reichsanzeiget wurde der Unten staatssekretär im Justizministerium Tr. Küntzet zum Wirkt. Geheimrat mit dem Prädikat Excellenz ernannt. — Tas Befinden des Chefs deS kaiserlichen Zivil- kabinetts v. LucanuS war gestenr weniger günstig, doch Ferdinand die Lronprtozessto gesprochen. Die Kronprinzessin ging nicht freiwillig nach Dresden, andern ward, wie man bestimmt versicherte, nachdem der Kronprinz am 8. Dezember eine erregte Auseinandersetzung mit derselben hatte, zu chren Ettern nach Salzburg to Begleitung des HofmarschaLlS Tümpling gesandt. ES wurde ihr auch verboten, von ihren Kindern Abschied zu nehmen. Der Großherzog von Toskana duldete die Krouprinzessin nach ihrer Zusammenkunft mit Giron nicht in seinem Palais. Er wollte nach einer stürmischen Szene die Kronprinzessin in eine Nervenanstalt bringen lassen. Dem widersetzte sich Erzherzog Leopold Ferdinand und floh mit feiner Schwester. Die Nachricht, daß vom baverischen Hofe VerföhnungSversuche gemacht wurden, sino unwahr, du man bei der Lage der Angelegenheit die Nutzlosigkett voraussah. Der Großherzog von Toskana ist übrigens erkrantt. Aus Wien werden vom Wölfischen Telegraphenbureau nock folgende Einzelheiten berichtet: Ter Erzherzog sandte feine Ehrenzeichen an die betreffenden Höfe ab und gab seinen Austritt aus derÄrmee bekannt. Dieses hängt mit der Absicht zusammen, eine Ehe mit einer Schauspielerin zu schließen. Der Erzherzog war Oberst des 8L Infanterie-Regiments und fett längerer Zett beurlaubt. Die Schauspielerin, welche er zu ehelichen gedenkt, heißt Adamovicz, sie ist die Tochter eines Postbeamten in Jglau, 28 Jahr alt und hat eine Schwester in Graz verheiratet, die sicü ebenfalls der Bühne widmet. Der Erzherzog verkehrt in diesen Kreisen stets unter dem Namen Woelslmg — Aus Salzburg schreibt das „Neue Wiener Tageblatt^^: Heute wird bekannt, daß von der Kronprül^esfin von Sachsen und dem Erzherzog Leopold Ferdtoano Briefe zurückgelassen sind, in denen sie ihr Vorgehen motivieren. In dem Briese der Kronprinzessin kommt ein PassuS vor, to dem sie die (Mutung abgiebt, daß sie unter keinen Umständen zu ihrem Gatten zurückzukehrem gedenke. Erzherzog Leopold Ferdinand giebt die Erklärung ab, daß er mit dem Vorgehen seiner Schwester einverstanden sei und fügt hinzu, daß er so lange auf alle Würden mrd Tttel ver- zicbte, als die Angelegeuhett nicht in der von seiner Schwester gewünschten Weise erledigt sei, — Ueber die Flucht selbst wird bekaunt, daß der Erzherzog und die Prinzessin tu einem zweispännigen Mietwagen nach Hallein fuhren; es hatte den Anschein eines Ausfluges zur Jagd. In Halleto wurde der Wagen zurückgeschickt und das Geschwisterpaar bestieg einen Eilzug. In ganz Dresden zirkuliert, nach einer Depesche des „Berl. Lokalauz.", das Gerücht, daß im Zusmnmenhang mit der Angelegenheit der Kronprinzessin ein Hofkaplan verhaftet worden sei. Auchenrisch wird dem Blatte gemeldet, daß to der That em Geistlicher festgenommen worden sei; doch stehe diese Festnahme in keinem Zusammenhänge mtt den Vorgängen am Hofe. Der betreffende Geistliche fei auch nicht Hoskaplan. Der Verhaftungsbefehl sei von einer auswärtigen Gerichtsbehörde aus Grund emeS angeblichen Sittlichkettsdelittes ergangen. Tas Wölfische Tel.-Bur. meldet aus Wien: Dem „Fremdenblatt' wird aus Tresden gemeldet, der sächsische Hof sei offiziell von dem Llufenthalt der Kronpruizessm nicht verständigt worden. Er wisse jedoch, daß die Kronprinzessin sich auf Umwegen nach Gens 6ege6en hch>e mit der Abficht, nach Aienivne zu reisen und dort Aufenthalt zu nehme::. Ta der Aufenthalt der Kronprinzefsin bisher offiziell nicht bekannt gegeben wurde, war die Einleitung von Verhandlungen mtt der Kronpriuzefsin bisher nicht möglich. Eine Siückkebr der Kronprinzessin in ihre frühere Stellung sei ausgeschlossen, doch sei es die Frage, ob die völlige Auflösung der Ehe möglick) [ein werd?. Im Ministerium des Köuiglicheu Hauses finden gegenroärtig Beratungen über die Frage statt, was zu geschehen habe, um die Interessen des sächsischen Hofes zu wahren. Tie Er- yofsen die ALrzte, daß die LungerEttzündung Geerr normalen Verlauf nehmen werde. — Herzog Karl (Kruarb von Sachsen Coburg Wird demnächst die Kriegsschule in Metz beziehen, um dort in gesonderten Kursen unterricht zu nehmen. Ausland. Brüssel, 24. Tez. Die belgische Regierung richtete in llebereinstimmung mit der deutschen und englischen Regierung eine Note anVenezuela, in rvelcher sie aus Erfüllung ihrer pekuniären Ansprüche dringt.. Eng- umb1 urnv Deutschland belasten sich mit der Eintreibung dieser Forderungen. — Nach hier eingegangenen Nachrichten hat fid}; das Befinden des Präsidenten Steijn bedeutend Rom, 24. Tez. Die Meldung auswärtiger Blätter, wonach der Papst während des gestrigen Empfanges des Kardinal-Kollegiums von einem Unwohlsein befallen und aus dem Thronsaal in seine Privatgemäch^r getragen werden mußte, entbehrt jeder Begründung. Der Papst fühlt füfi[ außerordentlich wohl und hat heute früh die Messe gelesen. Um Mitternacht wird der Papst in der Privattapelle die WechnachtMeste celebrieren. — Ter Tampfer „Herzog von Galiera" ist gestern aus Buenos-Aires mit 11 aus Argentinien ausgewiesenen Anarchisten an Bord in Genua eingetrofsen. "— Tire italienische Regierung bewilligte 14 Millionen Franks zur Entschädigung derjenigen italienischen Missionare, deren Eigentum während der Unruhen in China zerstört worden ist.______________________________________________ Aus Stadt und KanL. Gießen, den 27. Dezember 1902. — Don der Landesuniversität. Zur Jubelfeier der Universität Dorpat am 25. Dezember hat die Landes- miversttät eine Glückwunschadresse abgesandt. *• Auszeichnung en. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Heppenheim a. d. B.: Johann Hafner, Spritzenmeister, Johann Katzenmaier, Hydrantenmeister, und Franz Saul, Spritzenmeister. ** Person alten. Tas Großherzogliche Oberkonsi- ftoriumhat den Pfarrer Georg Schönewolf zu Geinsheim auf sein Rachsüchten von der ihm übertragenen evangelischen Pfarrstelle zu Sprendlingen, Dekanat Wöllstein, wieder enthoben. — Versetzt wurden die Hauptsteueramtsassistenten Friedriche Bollbach zu Gießen und Franz Wißner zu Worms in gleicher Diensteigenschast an das Hauptsteueramt Mainz, bezw. Gießen. — Ernannt wurde der Jorst- accessist Adolf Keil aus Melbach bei Friedberg zum Forstassessor. — Versetzt wurde am 22. Dezember der Hochjbau- aufseher bei dem Hochhauamt Dieburg Philipp Haller mit Wirkung vom 1. Januar 1903 an als Hochbauaufseher nach Gießen. •* Das Großh. Regierungsblatt, Beil. Nr. 29, ausgegeben am 22. Dezember d. Js., enthält: 1. Bekanntmachung, Vorarbeiten und Vermessungen für eine elektrisch zu betreibende Nebenbahn von Darmstadt über Nieder-Ram- stadt nach Ober-Ramstadt betreffend. 2. Summarische Ueber- sicht der Rechnung Großh. Landeswaisenkaffe zu Darmstadt für 1901/02. 3. Ordensverleihungen. Se. Kgl. H. der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem Polizei- kommissär Wilhelm Schildwächter zu Bad Nauheim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm verliehenen Ritterkreuzes 2. Klaffe des Hausordens Albrechts des Bären, dem Portefeuiller Georg Wolf in Offenbach die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm verliehenen Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse zu erteilen. — 5. Dienstnachrichten. — 6. Dienstentlassungen. — 7. Charaktererteilungen. — 8. Konkurrenzeröffnungen. Erledigt sind: eine mit einem cd. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ehringshausen, Kr. Alsfeld; die mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Münster, Kr. Friedberg, mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden; eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Pfungstadt, Kr. Darmstadt; die Lehrerstelle an der kath. Schule zu Weinheim, Kr. Alzey, mit der Stelle ist Organistendienst verbunden; zwei mit kath. Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Viernheim, Kr. Heppenheim. Sämtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstaller sich bemessenden Gehalt. •* Die Großh. Landeswaisenkasse hatte im Jahre 1901/02 eine ordentliche Einnahme von 200 382.05 Mk., eine außerordentliche Einnahme von 15 173.35 Mk., zusammen 215 555.40 Mk., eine ordentliche Ausgabe von 200 334.19 Mk., eine außerordentl. Ausgabe von 14 000 Mk., zusammen 214 334.19 Mk. Am Schluffe des Rechnungsjahres 1901/02, Ende März 1902, blieben in Verpflegung 1933 Waisen. ** Das Promenadenkonzert findet morgen in der Südanlage um */, 12 Uhr statt. Gespielt werden: 1. Ouvertüre „Die Fclsenmühle" von Reisfiger. 2. Krönungsmarsch („Prophet") von Meyerbeer. 3. In der Venusgrotte! Walzer von Richardi. 4. Finale aus der Oper „Aida" von Verdi. ** Billigeres elektrisches Licht. Die Stadtver- srdnctcn beschloßen, den Preis des elektrischen Stromes für die Kw.-Stunde für Beleuchtungszwecke von 65 auf 50 Pfg. und für Kraftmaschinen von 25 auf 20 Pfg. herabzusetzen. Mit dieser Preisermäßigung hofft man den Verbrauch von Elektrizität zu (teigem, weil nur dadurch unser städtisches Elektrizitätswerk sich rentabler gestalten kann. — Als Leiter des Elektrizitätswerks ist mit Genehmigung der Stadtverordneten der Assistent des Direktors vom Gas- und Waffcrrverk, Herr Frehm, ernannt worden, der die neue Stellung im Nebenamt verwalten wird. "Seltene Jagdbeuten scheinen Heuer in unserer Gegend alltäglich zu werden. Erst wurde eine Zwergtrappe, dann eine echte Wildkatze geschossen. Heute feilt man uns aus Burg-Gemünden mit, daß der Jagdaufseher Werner eine in unserer Provinz selten geschoffene Trappen-Henne, welche eben un Auffliegen begriffen war, flügellahm ge- schoffen und dann abgestochen hat. Herr Hotelbesitzer Christel (Prinz Carl) in Gießen hat das zehn Pfund schwere Fedcr- ivild, welches mit ausgespanmen Flügeln 1,75 Meter mißt, erworben und wird es als eine besondere Delikatesse am Sylvesterabcnd seinen Gästen servieren lassen. Die Trappe lebt von Körnern und HM sich gewöhnlich nur in ganz ebenen Gegenden auf. Der Vogel ist überaus scheu und furchtsam und wird daher auch von Jägern selten erbeutet. ** Stadttheater. Am zweiten Weihnachtsseiertage bescherte uns die Direktion des Stadttheaters zwei gefällige Stücke, nachmittags daS immer wieder gern gesehene Schauspiel „Alt Heidelberg", und abends eine Novität, das dreicrktige Lustspiel „Im bunten Rock" von Franz von Schönthan und Freiherrn von Schlicht. Wie uns „Alt Heidelderg" hineinführt in den verjüngenden Zauber urechten Studentenwesens, so zeigt uns das neue Lustspiel einen bunten Abschnitt frischen Soldatenlebens. Der Wettbewerb um eine sternreiche Amerikanerin; die in der Liebe alles begnringcnöe Kraft des „Bunten Rockes". Tie Dienstqualen und Mühsalen eines zu Hause verwöhnten Einjährigen; die Empfänglichkeit des Unteroffiziers für geschenkte Hasen uni> andere Leckerbissen, alles dies ist zu einer munteren, in der Gegenwart zu Berlin spielenden Handlung verflochten, die an flotter Durchs führung lebenswahrer Züge, an der Darbietung wechselreicher, bunter und von warmem Leben durchströmter Bilder, vor allem an frischem, köstlichem Humor nichts zu wünschen übrig läßt. Das Lustspiel hat sonach den gestrigen, durch reichen, selbst während der Akte gespendeten Beifall und durch herzliches Lachen bewiesenen Erfolg vollauf verdient. Die tadellose, unter der Regie des Herrn Heinrich Gerlach erfolgte Darstellung, an der wir kaum etwas auszusetzen hatten, dürfte an der überaus guten Aufnahme des Stückes gestern wesentlich beigetragen haben. ** Aus dem Theaterbureau. Am Sonntag, den 28. d. Mts., wird das neue breiaftige Lustspiel von Schönthan und Freiherr v. Schlicht „Im bunten Rock" zum ersten Male wiederholt und zwar im Abonnement bei gewöhnlichen Eintrittspreisen. Montag den 29. ds. gastiert hier der erste Charakterdarsteller des Frankfurter Schauspielhauses, Herr Mar BayrHammer, als „Franz" in Schillers „Die Räuber". •• Vom Wetter. Nachdem wir in der Nacht vom 23. zum 24. Dezember eine Temperatur von — 7,4 0 C. zu verzeichnen hatten, zeigte heute morgen die Quecksilbersäule eine Wärme von -s- 5,30 C. **DasEndeder Fle i schno t. Wir lesen im „Bert. Kl. Journal": „Mit dem Ende der Fleischnot begründen die Schlächtermeister die jetzt überall ein getretene Herabsetzung der Fleisch preise. In den Schaufenstern befinden sich! vielfach Plakate, wonach die Preise für die Fleischwaren zum Teil um 25 bis 30 Prozent herabgesetzt sind. In vielen Fällen ist der Preisrückgang noch erhebllchier. So kündigte ein Fleischermeister in Wilmersdorf dieser Tage an, daß er 20 Stuck frisch^ geschlachtete Schweine das Pfund mit 62 und 66 Pfg. verkaufe. Ferner haben Berliner Firmen der Garnisonverwaltung Ochsenfleisch mit 48 Pfg., Küh- fleisch mit 47 Pfg. angeboten. Ein anderer Schlächtermeister will Schweinefleisch für 59 Pfg. liefern. Ein Hosschlächjter- meifter, der sich gleichfalls um die Lieferung bewirbt, hat Schreine fleisch mit 60 bis,62i/r Pfg. angeboten." — Wann werden die Greßener Metzger dem löblichen Beispiele ihrer Berliner Kollegen folgen? () Klein-Linden, 25. 'Dez. Die Wechnachtsbesche- bescherung der Zöglinge unserer Klein kin d e r s ch ule wurde heute abend wie alljährlich in feierlicher Weise in der Kirche abgehalten. Um diese Beschwerung recht reichlich zu gestallen, wurde auch diesmal wieder eine Hauskollelle erhoben, deren Ertrag die verhältnismäßig bedeutende Summe von 132.90 Mark ergab; gewiß ein schönes Zeichen von Opferfreudigkell in unserer Gemeinde. () Lützellinden, 24. Tez. Der frühere Besitzer des Gießener Braunsteinbergwerks, Herr Fernie, hat auch an' dem diesmaligen Weihnachtsfeste unserer Kleinkinderschule zur Bestreitung ihrer Unkosten 100 Mark, und außerdem einer bedürftigen Bergmannswitwe in Hörnsheim 40 Mark geschenkt. )( Allendvrf a. d. Lahn, 26. Tez. Am 21. dl DK hielt der hiesige Kriegerverein seine dritte außerordentlichse Generalversammlung ab. Herr Lehrer Volk aus Schüden- bach hielt einen lehrreichen Vortrag über Deutschlands Kolonien und über die Notwendigkeit einer starken Kriegs»- flotte. Abends um 8 Uhr versammelte sich der Verein nochmals zur Weihnachjtsbescheruug für die Mitglieder. Es gab eine große Ueberraschung; denn es waren nur nützliche Haushaltungsgegenstände von dem Vorstände zur Bescherung aus- gewählt worden. )( Wißmar, 26. Dez. Der Verein Bürger- Kasino feierte heute sein diesjähriges Weihnachtsfest. In dem großen Saale des Vereinslokals waren alle Plätze besetzt, em Zeichen, wie sympathisch man die Veranstaltung des Vereins aufnahm, ©inen großen Teil der Unterhaltung bestritt der, auch in Gießener Vereinskreisen bekannte Humorist Spanier, dem anhaltender Beifall für seine Vorträge zu Ziel wurde. (:) Grünberg, 26. Dez. Ein Kunstgenuß, wie er selten einem so kleinen Städtchen geboten wird, wurde uns heute abend zu Teil durch das von Dem jugendlichen Geigen- und Pistonvirtuosen Karl Gieß, einem geborenen Grünberger, veranstaltete Konzert in der Turnhalle unter Mitwirkung des Frl. Auguste Gr oß aus Frankfurt a. M. und des Musillehrers Herim A l b e r t ft' a r ft e n aus Gießen. Tie geräumige Turnhalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Alle Musikstücke ließen erkennen, daß die Vortragenden hervorragende Künstler sind, und der oftmals stürmische Applaus war wohl verdient. Offenbach, 26. Dez. Die Verhandlung im Tis- ziplinarstrafversahren gegen den Beigeordneten Wolff, welche auf nächsten §arnstag angesetzt war, ist verschoben worden. Wetzlar, 24. Tez. Tie bei Gelegenheit der Düsseldorfer Ausstellung verliehene Staatsmedallle für gewerbliche Leistungen erhiellen die Buderusschen Eisenwerke (Staatsmedaille in Bronze), die Firma Ernst L e i tz, die schpn die Staatsmedaille in Bronze besitzt, erhielt diejenige in Silber. Totenliste für das Jahr 1902. (Nachdruck verboten.) LS find gestorben: a. von regierenden Fürstlichkeiten: Fürst Heinrich XXII. Neuß ältere Linie am 19. 4. in Greiz, der Lei von Tunis am 11. 5. in Tunis, König Albert von Sachsen am 19. 6. in Sibyllenort, 74 Jahre alt, der Sultan von Sansibar Hamud bin Mohammed am 18. 7. und die Königin der Belgier Maria Henriette am 19. 9. in Spaa. b. von nicht regierenden Fürstlichkeiten: Infantin Maria Christine Isabella von Spanten am 19. 1. in Madrid, Prinzessin Balhildis von Schaumburg-Lippe, Mutter der Königin von Würctemderg am 10, 2, zu Nachod, Fürstin-Mutter Maria zu Wied am 24. 3. zu Neuwied, Prinz Georg von Preußen. am 2. 5. zu Berlin, Prinz Mdcrt von DStylen-Mtenvurg arn 24. 5. in Serrahn, Wilhelm Fürst zu Hanau am 4. Juni zu Letscho, witz in Böhmen, Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg 117 in Alexisbad, Prinz Eduard von Sachsen-Weimar, englischer Generalfeldmarfchall, am 16. 11. in London, Prinz Heinrich von Waldeck-Pyrmont am 13. 11. in Wiesbaden, der Jnsant Fran» von Assisi, Gemahl der Königin Isabella, am 17. 4. zu Epmay Herzog Rudolf Croy-Tülmen am 9. 2. in Cannes, Relchsgrüfin Sophia von Görtz-Schlitz am 2. 11. in Berlin und Gräfin Anna von Schlitz genannt Görtz 'am 6. 11. in Schlitz. c. von Staatsmännern im aktiven Dienst: Johann von Bloch, russischer Staatsmann, verdient um bit Friedensbewegung am 6. 1. in Warschau, bulgarischer M,nister Kantscheff am 6. 2. in Sofia, dänischer Minister Hörup am lö. 2. in Kopenhagen, russischer Minister des Innen: Ssipiagin ennordet am 15. 4. in Petersburg, ungarischer Handelsminister Horanstky am 19. 4. in Budapest, japanischer Marquis Saigo am 17. 7 sächsischer Kriegsminister Edler v. d. Planitz am 17. 8. in Dresden,' portugiesischer Minister Ferreira Almeida am 15. 9. in Livorno niederländischer Kolonialmimster von Asch von Wyck am 9. 9. Haag, Vizekönig Liukunyi Ansang Oktober m Nankiirq, Vizekönig von Liankwang Taomu am 10. 10., Bundesrat Hauser, Chef der schweizerischen Finanzverwaltuna am 22. Oktober in Bern, Vorsitzender der Hamburger Bürgerschaft S. Hinrichsen am 22. Oktober in Hamburg, belgischer Staatsrnmister Jacquemin, Ratgeber btS Königs von Siam am 8. Januar in Brüssel, italienischer Gesandter im Haag Baron Galvagna, am 3. 1. im Haag, mexikanischer Gesandter m Wien, JnsS de Teresa y Miranda am 12. 1. tn Wien, belgischer Gesandter in Tanger Anspach am 16. 2. in Tanger' chinesischer Gesandter in Petersburg Jangyü am 18. 2. in Petersburg, rumänischer Gesandter in Konstantinopel Alexander Ghika am 27. 2. in Paris, deutscher Botschafter in Paris Fürst Georg Münster von Derneburg, am 28. 8. in Paris, engltjcher Botschafter Lord Pauncefote, am 24. 5. in Washington, sranzösischer Handels- attachs in Berlin Monod am 18. 7. in Högenäs (Schweden», österreichisch-ungarischer Gesandter Graf Wodzicki m Brüssel ani 2. 10. in Mofsova, türkischer Botschafter in London Costaki Antho» pulos Pascha am 11. 10. d. von nicht mehr aktiven Staatsmännern: Früherer spanischer Finanzminister, Senator A. Llorente am 5. 1. zu Madrid, früherer Gouverneur von Mozainbique, Albuquerque am 9. 1. in Lissabon, früherer serbischer Handelsminister Stephan Popowitsch am 16. 1. in Belgrad, früherer Präsident des serbischen Staatsrats Nikolaus Christiych am 25. 1. in Belgrad, früherer französischer Kriegsminister du Barail am 80.1. in Pan?' früherer serbischer Minister Belinoff am 31. 1. in Sosia, früherer serbischer Minister Kosta Tanschanoivitsch am 8. 2. in Fiume, früherer niederländischer Aiinister van den Putte am 3. 3. un Haag, früherer Gouverneur Altgeld von Jllsirois am 12. 8. in Joliet, früherer ungarischer Mintsterpräsident Koloman Tisza am 23. 3. in Budapest, früherer italienischer Gesandter in London Senator Ferrero am 7. 8. in Rom, früherer spanischer Gesandter in Berlin Graf Raseon am 26. 8. in Madrtd, früherer Gros; britannischer Minister Gordon of Ellon am 2. 10. zu Würzburg, ehemaliger österreichisch-ungarischer Botschafter in Rom, Baron Karl Ludwig Brrtck, am 11. 11. in Spielfeld (3teiennarf) und früherer türkischer Militür-Attachö in Berlin Hamdi-Bey am 14. 11. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. *P aris, L6. Tez. Tie Aktiveninder Humbert- Affäre belaufen sich, jetzt auf 2 Millionen, welche Summe durch die in Madrid beschlagnahmten Gelder und Pretiosen sichj auf 21/2 Million erhöht. Es wird hervorgehoben, oaß die drei HauptFeugen, die beiden Anwälte der Familie Humbert, Tu Buit und Lanquet, sowie der Anwalt des angeblichen Craw'fords, Augaux, sich jedem Verhör entziehen können, indem sie das Amtsgeheimnis vorschutzen. Seit der Verhaftung der Hunrberts hat die ftanzösische Botschaft in Madrid zahlreiche Klagen auf Forderungen einer ganzen Anzahl Madrider Lieferanten, denen die HumbertS bedeutende Summen schulden, erhalten. — Tas W. T. B. meldet auS Paris: Ein Morgenblatt hatte behtmpttt, Paul Loubet, ein Sobn des Präsidenten der Republik, habe während seiner Studienzeit von Frau Humbert 2000 Franes geliehen. Eine Note der ,^Agenee HavaS^' erklätt diese Behauptung formell für unbegründet mit dem Hinzu- fügen, Paul Loubet habe weder direkt noch^ indirett irgend welche Beziehungen zu einem Mllgliede der Familie Hum» bert gehabt und daher von einem solchen auch niemals irgend eine Summe geliehen. * Einst und jetzt. In einem Artikel über die Frankfurter Freiwilligen von 1814/15 teilte die ,Fleine Presse" u. a. auch mit, auf welche Weise in jener Zeit zum Schießen kommandiert wurde. Da sich in diesem Kommando die seither tn der Waftentechnik gemachten ungeheuren Fortschritte sehr drastisch darstellen, dürfte es manchen interessieren, zu erfahren, daß man damals die „Chargierung" tn folgenden zwölf Tempi mit, 18 Bewegungen aus führte: 1) „Ladt's Gewehr", 2) „Ceffnet Pfann", 3) „Ergreift Patton", 4) „Oeffnet Patton", 5) „Pulver auf Psann", 6, „Schließt Pfartn", 7) „Zur Ladung 's Gewehr", 8) „Patron in Lauf", 9) ,Liebt aus den Ladstock', 10) „Stoßt an die Ladung", 11) stock an Ort", 12) „Schullert's Gewehr". Und erst wenn dies alles geschehen war, war der Mann endlich in die Lage versetzt, — vorbeizuschießen. Anspg ans drn äiauitsnutsrtgißtrn irr Statt Kitj«. Aufgebote. Arn 22. Dez. Johann Welter, Rechtsanwalt in Alzev mu Anna Charlotte Marie Ackermann dahier. Adam, gen. Andreas Erhardt, Schlosser dahier mit Lina Katharine Reuter hterfeldu. Johann Heinrich Wilhelm Joh, Kaufmann dahier mit Alane Schepp in Homberg a. d. Ohm. Eheschließungen. . K . Am 20. Dez. Max Julius 'JJlüÜer, Kaufmann in FranNuN am Main mit Marie Pfaff dahier. Am 22. Tez. Ludwig Wetnrtch, Fuhrmann dahier mit Katharine Bernhardt Hierselbst. Am 24. Heinrich Christian Brückel, Bauführer in Frankfurt a. M. mit Theodore Susanne Wilhelmine Michel Hierselbst. Geborene. Am 12. Tez. Dem Mechaniker Karl Habenen eme^Tochtet Luise Charlotte. Am 15. Dez. Dem Kaufmann Aloys Spengler ein Sohn. Dem Taglöhner Kaspar Lenz ein Sohn. Am 16. -t- ez. Dem Lackierer Georg Reih eine Tochter, Elisabeth Emilie Katharine ftaroline. Dem Lokomotivführer August Aieckelburg ein «oyn- Dem Buchbinder Ludwig Schlaudraff ein SoJm. Am 17. A.tv Dem Taglöhner Johann Philipp Mandler ein Lohn, Adam Hann Adolf. Dem opengler und Installateur Wilhejm Reuwei e eine Tochter. Dem Gastwirt Philipp Hofmann em IM., W 00.00 Akk., altes Korn 10.«u 2?rf., neues .eui uu.uu 8.63 Mk., alter Hafer 6.81 Mk., r icr U.Ou Alk., Erb ft arte fi ein 0.00 Mk. ft Durch- eisicr Weizen l'lark, Gerste en 0.00 iDtt, Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger. Darmstadt, 27. Dez. Laut „Darmst. Zig." ist ber Großherzog gestern morgen auf der , Arabia* wohlbehalten in Bombay angekommen. Berlin, 27. Dez. Der Polizeibericht von den Weih- nachtsfeiertagen meldet eine ganze Reihe von Selbstmorden, darunter einen solchen unter dem Weihnachtsbaum. Oldesloe, 27. Dez. Ein Gefährt mit fünf Insassen stürzte auf der Thaustee um und warf alle Personen in den ca. ein Meter hoch mit Wasser gefüllten Chausseegraben. Alle fünf ertranken. München, 27. Dez. Die Geliebte deS Erzherzogs Leopold Ferdinand, Adamovic, die seit acht Tagen von ihrer hiesigen Wohnung, Bürgerstraße 10, wo sie den ganzen ersten Stock bewohnte, abwesend war, wird nicht mehr hierher zurückkehren. Die Adamovic ist, wie der , Rhein. Cour.* meldet, als lästige Ausländerin au8 Bayern auS- gewiesen worden. Von Genf aus gab sie Anweisung, ihren Münchener Hausstand aufzulösen. München, 27. Dez. Von einer den hiesigen Hos- kretsen nahestehenden Persönlichkeit erfahren wir, daß das Verhalten der Kronprinzessin längst beim hie* sigen Hofe einen Stein des Anstoßes bildete. Es wurde alles angstlüh vermieden, bei dem Hiersein der Prinzessin mit derselben in Berührung zu kommen, und infolgedessen beschränkte sich deren Verkehr lediglich auf den hiesigen sächsischen Gesandten. Daß am Dresdener Hofe gewisse Maßnahmen gegen die Prinzessin ergriffen wurden, lag in ihrem Verhalten begründet, das namentlich in Bezug auf die eheliche Treue ein derartiges war, daß man tn sächsischen Hoskrersen schon langst den AuSbruch eines großen Skandals am sächsischen Wnigshofe befürchtete. Nürnberg, 27. Dez. Auf der Station Roth wurde gestern ein Postbote von einem Schnellzuge überfahren und auf der Stelle getötet. Paris, 27. Dez. Der Figaro teilt mit, der Kabinetts- chef des MarnremtnistermmS, Pelletan, werde sein Amt niederlegen. Madrid, 27. Dez. Der letzte Zug nach Frankreich ist gestern Abend ohne die Humberts abgegangen. Auch wird nicht gemeldet, daß auf irgend emem Bahnhofe ein Spezialzug zusammengestellt worden sei. Die Familie Humbert hat alle Kleidungsstücke zurückerstattet erhalten. Die »Korrespondenzia* teilt mit, daß die Familie Humbert in Barcelona sich aufgehalten hat, ehe sie nach Madrid gegangen ist. Geralde - glaubt, daß die Humberts noch im Laufe des heutigen Tages nach Frankreich abreisen würden. Madrid, 27. Dez. Die Arbeiter-Bewegung in San Fernando gewinnt an Ausdehnung. Auf den staatlichen Werken mußte die Arbeit eingestellt werden, da die Kredite erschöpft sind. Barcelona, 27. Dez. Drei von Buenos Ayres herüber gekommene Anarchisten wurden hier verhaftet. Wien, 27. Dez. Wie in hiesigen Hofkreisen verlautet, wird Erzherzog Leopold Ferdinand dauernden Aufenthalt in Südafrika nehmen. Krakau, 27. Dez. Im Kohlenbergwerk Jaworzno wurden durch eiuen Brand zwei Schächte vollständig zerstört. Budapest, 27. Dez. Die an der hiesigen königlichen Oper engagierte Opernsängerin Therese Kramer, die seiner Zeit cm der Dresdener Hofoper engagiert war, bestätigte einem Redakteur des Budapester Tageblatt, daß die Behandlung der Kronprinzessin Luise am Dresdener Hofe derartig schlecht war, daß man sich nur wundern müsse, daß ste eS solange ausgehalten habe. Man habe ost in daS Zimmer eingesperrt, rhr die Kleider '.veK genommen und ihr häusig den Theater-Besuch verboten. Tanger, 27. Dez. Der Sultan hat dem Bruder deS Kriegsministers das Kommando über die Kolonne anvertraut, die gegen den Thron-Prätendcnten in die Gegend von Tazza vordringen soll. Die gesamten Streitkräfte, welche dorthin entsandt werden, belaufen sich auf 10000 Mann. Schiffsnachrichten. „Red Star Linie" Antwerpen. Der Postdampfer „Rroonfanb8 der »Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 23. Dezember wohlbehalten in New-Pock angekommen. , 124.20 44.60 3% Oberhessen 4% Oestorr. Goldrente 103.10 49.80 31.55 40/ Italien. Rente , . . 4t/1% Portugiesen . . . 80/ Portugiesen. . . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose..... 4% Grieoh. Monopol.-AnL 4‘/,% äussere Argentinor Wlo 8O/1 3V,o/o 3% Win 3°/o Mexikaner . . 4,/e'7o Chinesen . . Electric. 8ehackert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . . « Gotthardbahn . . . Laurahütte .... Bochum ..... Harpener .... Tendenz: fest. Reichsanleihe do. Konsole . do. . . Hessen Telephonischer Kursbericht. Frankfurt *. SS., 27. Dezember 1902. 24.15 91.00 77.50 95.80 214.00 189.40 134.50 143.90 157.90 145.50 16.70 . . 179.00 . . 208.90 . . 179.25 . . 166.90 . 102.20 . 91.55 . 102.05 . 91.55 . 100.80 . 99 80 . 102.80 4ilJ% Oesterr. Silberrente 101.50 4% Ungar. Goldrente. , . 101.25 Unter den Importen der 1902er THee-Ernte befinden sich einige Ehops allerfeinster chinefischer Ware, welche als sog. .Faiser- thee" von der bekannten Theefirma Meßmer in den Handel gebracht werden. Der Thee ist in Blechdosen verpackt und zu Mk. 1,25 per 100 Gramm käuflich. Kennern sei eine Probe empfohlen. 6262 i 8848 zu vermieten. 3-Zimmer-Wohnung t. mittleren Stock per sofort zu vermieten. Kirchstraße 2. 5299 zu richten. 8913 Vertreter. 8913 in Lollar. 05630 Südanlaqe 20, I. 05617 zu vermieten. 8539 3809 zu vermieten. erlernen. 8824 AlU'tiU'suchr .Icrmictminen 05620] Freundl. möbl. Zimmer zu verm. Westanlage 19, part. Neujahrskarten Brühl’sche Druckerei Vertreter gesucht! Wir suchen sofort einen bei der einschl. Kundschaft besteingeführt, 3519] Großer Steinweg 28 ist der dritte Stock, 5-Zimmerwohn. nebst Bad, Loggia und allem Zub. per sofort zu vermieten. Näheres Wallthorftraße 71, kl. 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