Drittes Blatt. Samstag 27.Dezember 19058 152. Jahrgang Schrrlstraße 7, Adresse für Depeschen: «nzetger Gießen. Krrnsprechanschluß Nr. 51. Nr. 30B Erscheint täglich außer Sonntag-. Dem Eigener Anzeiger -werden im Wechsel mit dem hefßschen Landwirt die Sietzener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen -Univerf.-Buch- u. Steindruckerri (Piets ch Erben) GlchenerAnzelgerW General-Anzeiger v den polit. u. allgem. Teil Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Stehen zeigenteil: HanS Beck. KoMische Tagesschau. Tabak-Statistik. Das 4. Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches, Jahrgang 1902, enthält u. a. eine Statistik über die Labakernte und Tabatbcsteuerung im deutschen Zollgebiet für das Erntejahr 1901 (1. Juli 1901 bis 30. Ium 1902) nebst einigen vergleichenden Zusammenstellungen für die letzten zehn Erntejahre. Im Anschluß daran werden vorläufige Nachweise über den Tabakanbau im Jahre 1902 veröffentlicht. Mit Tabak bebaut wurden im Erntejahr 1901 innerhalb des Zollgebiets 16 963 Ha (1900: 14751 Ha., 1899: 14 615 Ha., 1898 • 17 652 Ha.). Die Ernte an trockenen, dachreffen Tabakblättern betrug 40 013 T. (1900: 34 790 T., 1899: 30 075 T 1898: 32 559 T.), sodaß aus 1 Ha. der ab- aeernteten" Fläche durchschnittlich 23,6 Dz. Tabakblätter, ebensoviel wie im Vorjahre, entfallen und der zehniähnge Durchschnittsertrag von 21,5 Dz. nicht unerheblich übertroffen wird Die Preise dagegen, welche von den Pflanzern erzielt wurden, blieben im allgemeinen etwas unter den vorjährigen. Als mittlerer Preis, einschließlich der Steuer für 1 Dz., wurden durchschnittlich 85,4 Mk. ermittelt (1900: 89,1 Mk., 1899: 81,8 Mk., 1898: 75,3 Mk.). Die Tabakernte des Jahres 1901 ist nach Menge und Beschaffenheit im allgemeinen als gute Mittelcrnte, m vielen Bezirken als gut und teilweise sogar als sehr gut zu bezeichnen, obwohl sie an Qualität hinter der vorjährigen Ernte etwas zitrückstand. Schuld daran soll, namentlich in Suddeutschland, die ungünstige Witterung zur Zett der Ernte Parlamentarisches. Ter Zweiten hessischen Kammer ist eine Mitteilung der Großh. Regierung, zugegangen über die poli- zeilicheBeaufsichtigung der Mietwohnungen und Schlafstellen. Sie enthält eine Uebersicht üder Zahl, Art und Beschaffenheit der dem bez. Gesetze vom 1. Juli 1893 unterliegenden Mietwohnungen, Schlafstellen und Schlafräume, sowie über die Zahl der auf Grund der Artikel 7 und 15 l. c. beanstandeten Wohnungen und verfügten Ausweisungen aus dem Zeitraum vom 1. April 1901 bis 31. März 1902. Zu der Uebersicht wird erläuternd bemerkt, daß in den Städten Darmstadt, Mainz und Offenbach eine Vermehrung der Zahl der beanstandeten Wohnungen (Spalte 5 der Uebersicht) im Vergleich zu der im Zeitraum 1'900/1901 festgestellten Zahl zu konstatieren ist. Dagegen hat im Kreise Offenbach, die Stadt Offenbad) ausgenommen, nunmehr eine erhebliche Verminderung der beanstandeten Wohnungen stattgesunden. Infolge reger Bauthätigkeit haben sich dort die Wohnungsverhältnisse in der Mehrzahl der Landgemeinden gebessert. Was die beanstandeten Wohnungen in der Stadt Darmstadt anlangt, so ist zu bemerken, daß die Zahl derselben int Verhältnis zu der Zahl der daselbst bestehenden Mietwohnungen nicht aUzu hoch zu nennen ist, so daß von einem eigentlichen Wohnungselend keine Rede sein kann. In der St adt O ff en b ach erklärt sich die Zunahme von beanstandeten Wohnungen daraus, daß die Stadtverwaltung zur Zeit größere Arbeiten Herstellen läßt, was ein Anwachsen der arbeitenden Bevölkerung und damit der Zahl der Schlafstellen im Gefolge hat. Die in der Stadt Mainz erhobenen zahlreichen Beanstandungen haben sich schließlich durchweg als geringfügig erwiesen, und sind zum größten Teile alsbald erledigt worden. Im übrigen ist die Zahl der in den verschiedenen Kreisen des Landes beanstandeten Wohnungen durchschnttt- lich die gleiche geblieben wie im Jahre 1900/01. Eine Ausdehnung der Besttmmungen des Gesetzes auf Gemeinden unter 5000 Einwohner hat im Jahre 1901/02 nicht statt gefunden. In dieser Rich- tung liegen zwar aus dem K r e i s c G r o ß - G e r a u bere its eingehende statistische Erhebungen vor; von einer Weiterverfolgung der Sackte ist jedoch vorerst Abstand genommen worden, da die Zeit wirtschaftlicher Depression nicht geeignet erscheint, durch die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse auf dem Wege einer Erweiterung des Geltungsbereiches des Mietwohnungsgesetzes zugleich die Veranlassung zu einer damit Hand in Hand gehenden Steigung der Mietpreise zu geben. Ein Antrag des Aog. Seelinger lautet: Ver- ehrliche Kammer wolle beschließen. Großherzogliche Regierung zu ersuchen, veranlassen zu wollen und zu beantragen, daß bei dem WärterhauS Rr. 10 an der Bür- städter-Wormjersttaße der Gemarkung Lampertheim demnächst eine Halte- und Güterverladestelle errichtet werde. E i n e V o r ste l l u n g der Großherzoglichen Domanral- forstwarte betrifft die Erhöhung ihres'Diensteinkommens; eine Vorstellung des Karl Heinrich Ganß, Gendarm in Pension, betrifft Gewährung der Dienftbeschädtgungs- ^E^-ne Anfrage des Abg. Köhler betrifft die Be- känwsuug des ansteckenden Sck)eidekatarrhs unter dem Rindviech sowie eine zu erlassende Vorschrift für gewerbs- mänia Viehhandel treibende Geschäftsleute zur Führung von Registern über Ab- und Zugang des verhandelten Viehes und seine Herkunft. Eine Anfrage der Abgg. Horn und Genossen betrifft das Brechen von Tannenzapfen. Eine Anfrage der Abgg. Dr. Schmitt und Genossen betrifft die elektrische Bahnantage Mainz—Wiesbaden. gewesen sein, da der Tabak häufig naß eingebracht werden mußte. Feuchte Nebel und schlechte Behandlung während der Hänge- und Trockenzeit führten dahin, daß der Tabak häufig an Dachbrand und Rippenfäule erkrankte und viel Abfall ergab. Der nicht beschädigte Tabak ist jedoch in der Regel zur Zufriedenheit des Käufers ausgefallen und hat in Bezug auf Leichtigkeit, Geruch, Brennbarkeit und Feinheit des Blattes den vorjährigen Tabak fast erreicht. Die Tabaksteuer hat im Erntejahre 1901 einen Ertrag von 13,1 Millionen Mk., der Eingangszoll vom Tabak 53,9 Millionen Mk. ergeben. Nach Abzug der gezahlten Ausfuhr - Vergütung verblieb eine Netto - Einnahme von 66,6 Millionen Mk., das ist 1,16 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung. — Der Verbrauch von Rohtabak und Fabrikaten, umgerechnet in fabrikationsreifen Rohtabak, berechnet sich für den Durchschnitt der letzten sechs Jahre auf 1,62 Kg. auf den Kopf. Dte vorläufigen Nachweise über den Tabakanbau im Jahre 1902 zeigen, daß der Flächeninhalt der mit Tabak bepflanzten Grundstücke gegen das Vorjahr um 394 Ha. zugenommen hat; es wurden 17 357 Ha. mit Tabak bepflanzt.________________________________________________________ Aus StM uni> Kund. Gießen, den 27. Dezember 1902. ** Hessische Handwerkskammer. Am Montag den 22. Dezember fand im Sitzungszimmer der Handwerks- kanuner zu Darmstadt eine gemeinsame Sitzung des Vorstandes und des Ausschusses für das Lehrlingswesen statt. Mit kurzer Unterbrechung während der Mittagspause dauerte die Sitzung von halb li Uhr morgens bis halb 8 Uhr abends. Zum ersten Male wohnte der neue ^Kommissar der Kammer, Herr Regierungsrat Dr. Wagner den Verhandlungen bei, während sich der bisherige Kammerkommissar Herr Ober-Regierungsrat Dr. Usinger von der Versammlung mit herzlichen Worten verabschiedete. Tie reichhaltige Tagesordnung, deren einzelne Punkte ein- gehende Durchberatung fanden, umfaßte u. a.: i. Berichterstattung über die Ansschiußsihung zu Braunschweig; 2. Bericht über die Ergebnisse der im Jahre 1902 stattgefundenen Gesellenprüfungen; 3. die Wahlen für den Gesellenausschuß v’t Jahre 1903, hier die AuStoiuug; 4. Eingabe der freien Bereinigung bec Maler, Lackierer und Tünchermeister von Worms bett. Regelung des Submissionswesens, hier Trennung von Berputz und Anstrich bei Ausschjreib- ungen; 5. Gesuch des Verbandes der deutschen Beruss- genossenschaften um Unterstützung ihrer an den Herrn Reichskanzler gerichteten Eingabe betr. die Aufhebung der die wettere Ansammlung von Reservefonds vorschreibenden Bestimmung des § 34 des Gewerbeunsallversicherungs- gesetzes; 6. Verstaatlichung der Mobiliarversicherung mit Beitrittszwang; 7. Herstellung einer 2. Auflage des Leitfadens zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung; 8. die Revisionen der Handwerksbetriebe. Ter im (Ättwurf vorliegende Fragebogen, nach, welcher Richtung hin die Organe, welcl)e die Revision der Handwerksbetriebe vornehmen werden, ihre Erhebungen anzustellen haben, wurde nach eingehendster Aussprache mit einigen Abänderungen fest- gestellt und beschlossen; 9. der Erwerb der Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen durch den Besuch von gewerblichen Schulen; 11. die Prüfung von Bildhauer-, Treher- rc. Lehrlingen bei der Mainzer Möbelfabrikanten- und Schreinermeifter-Jnnung. Wad) Erledigung einiger weiterer Einläufe wurde die Sitzung von dem Vorsitzenden mit Worten des Tankes an die Mitglieder geschlossen. ** Innere Einrichtung des Stech en Hauses. Wir berichteten seinerzeit über die stattgehabte Submission der Betten und Wüsche für das Siechenhaus. Tie Vergebung dieser Lieferung, um die sich, wie sich unsere Leser erinnern werden, awfy große Firmen aus ganz Deutschland beworben hatten, hat zu einem überaus ehrenden Zeugnis betreffs der Leistungsfähigkeit der Geschäftsleute unserer Provinz Oberhessen geführt. Es ist bei der Vergebung dieser Lieferung durch Sachverständige festgcstellt, daß nach den vorgelegten Mustern und den dazu eingcgangenen Offerten bei der gesamten ausgeschrieben gewesenen Lieferung der Betten, Bettstellen, Matratzen, Wäsche rc. betreffs der Preise und der vorliegenden Qualitäten die Offerten aus der Provinz Oberhessen die günstigsten waren. Es sind bei der im einzelnen vorgenommenen Vergebung dieser Lieferung alle Kreise der Provinz bedacht worden, besonders aber ist es erfreulich, konstatieren zu können, daß es auch möglich war, kleineren Geschäftsleuten Aufträge für das Siechenhaus erteilen zu können. Es soll übrigens an gewisser Stelle die Absicht bestehen, mit der Anfertigung der Einrichtung für das Tirektorzimmer der Anstalt freihändig Schreiner, die in Oberhessen wohnen, zu bettauen, sodaß also das von der Provinz auszugebende Geld für die Einrichtung des. Siechenhauses allein dem Gewerbe in Oberhessen wieder zufließt. ** Einziehung derNoten derDankfür Süddeutschland. Aus Grund des Bankgesetzes hat der Bundesrat den Aufruf und die Einziehung der von der Bank für Süddeutschland ausgegebenen Noten zu 100 Mk. mit der Maßgabe ungeordnet, daß diese Noten nad) dem 31. Dezember 1902 aufhörcn Zahlungsmittel zu sein. Vom 1. Januar ab werden deshalb von den öffentlichen Kassen Noten der Bank für Süddeutschland nickst mehr in Zahlung genommen. •• Allgem elner Verein für Armen- und Krankenpflege. Wie alljährlich hat Herr C. W. Fernie, der frühere Besitzer des Braunsteinbergwerks, durch den Generalbevollmächtigten, Herrn S. Pascoe, eine größere Anzahl von Gaben zu wohlthätigen Zwecken gespendet, so unter Anderem au Herrn Pfarrer Schlosser 250 Mk. (100 Mk. f. d. Allgemeinen Verein f. Armen- und Krankenpflege, 150 Mark für Liebeswcrke in der Mathausgcmeinde und im Oberhessischen Verein für innere Mission. () Klein-Linden, 23. Dez. Durch Vermittelung des Direktors Pasloe wurden wiederum aus der Fer- nie'schen Stiftung der hiesigen Kleinkinderschule 100 Mark und einer armen Witwe 40 Mark als Weihnachtsgabe in hochherziger Weise gespendet. Groß en-Lin den. Dieses Jahr ist unsere hiesige Kleinkinderschule wieder zum Weihnachtsfeste mit einer freudig begrüßten Gabe im Beträge von 150 Mk. durch die viele Jahre her erfahrene und erprobte Liberalität des früheren Besitzers des Gießener Braunsteinbergwerks, des Herrn C. W. B. Fernie, erfreut worden, wofür auch öffentlich dem freundlichen Geber der herzlichste Dank ausgesprochen wird. t>. Leihgestern, 23. Dez. Auch in diesem Jahre haben wir von einer reichen Weihnachtsgabe zu berichten, welche die hiesige Kleinkinderschule durch die Güte des Herrn Direktor Pascoe erhalten hat. Sie ist gerade jetzt doppelt willkommen, da die nicht unbedeutenden Kosten zu bezahlen sind für die Erweiterung des Schulsaales, die wegen der großen Anzahl der Kinder (91) unvermeidlich war. Dem herzlichen Dank für die uns gewordene Unterstützung möge an dieser Stelle öffentlich Ausdruck gegeben sein. 1. Garbenteich, 24. Dez. Eine Weihnachtsfreude wurde heute drei Arbeitern der hiesigen Cigarrenfabrik bereitet. Die Inhaber der Firma Aug. Ackermann überreichten nämlich bei der Auslohnung jedem dec drei Cigarrenarbeiter, K. Panzer, K. Damasky und Johs. Hinkler, die 25 Jahre ununterbrochen in dem Geschäfte thätig sind, ein ansehnliches Geldgeschenk. Gerichtssaal. Mainz, 23. Dez. Vor der Kammer für Handelssachen wurde heute nachmtttag in der Klagesache des Emil Disch gegen die letzte Generalversammlung der Aktiengesellschaft für Handel und Schifffahrt H. A. Tisch wegen Berechnung der Tantiemen vom Saldovortrag Urteil gesprochen. Das Gericht wies die Klage als zum größeren Teil unbegründet ab, nur wurde bei der Extrazuweisung auf den Erneuerungsfonds in Höhe von Mk. 66 000, von welcher summe der Direktion vertragsmäßig ebenfalls 10 pCt. Tantieme zusteht, die Klage über den Betrag von Alk. 45 400 hinaus, mit Mk. 2059 Tantieme, als begründet erklärt. Der Kläger wurde in 6Z, und die Beklagte in V7 der Kosten verurteilt. Insterburg, 23. Dez. Das Kriegsgericht der 2. Division verurteilte den Militärbäcker Georg Reimann, der am Tage vor seiner Entlassung in betrunkenem Zustande an einem Krawall gegen zwei Unteroffiziere teilgenommen hatte, wegen militärischen Aufruhrs, Gehorsams-Verweigerung und Achtungs-Verletzung zu 6 Jahren 1 Monat und 2 Wochen Gefängnis. Eine für Hausbesitzer und Mieter gleich wichtige Entscheidung hat nach der neuesten Nummer der juristischen Zeitschrift „Tas Recht" das Reichsgericht gefällt, indem es folgenden Rechts- fatz aufstellte : Wird dem Vermieter das Vorhandensein von Mängeln durch den Mieter angezeigt, so darf er nicht einfach unthätig bleiben, wenn er selbst nicht beurteilen kann, ob die Beseitigung dieser Mängel ihm oder dem Mieter obliegt. Er muß vielmehr, um nicht gegen feine Verpflichtungen als Vermieter zu verstoßen, in einem derartigen Falle burd)‘ einen Sachverständigen ermitteln lassen, welches die Ursache der hervorgetretenen Mängel ist. Tiefe Entscheidung ivird die Herren Hausbesitzer zu größerer Bereitwilligkeit, nachgewiesene Mängel freiwillig abzustellen, wohl schwerlid; veranlassen; aber sie stärkt doch die Stellung des Mieters dem Vermieter gegenüber. Verlobte -HW verlangen von der Darmstädter Möbel-Fabrik, Darmstadt, Offerte nebst Katalog und Preisliste. Bedeuteirdstes und größtes Einrichtungshaus Mittel- und Süddeutschlands für alle Ltände. 160 Zimmer-Einrichtungen wohnungsfertig, einschließlich Küche, Sebeuswürdigkeit 1. Ranges. Spezialität: Brautausstattungen in jedem Genre und Preis. Konkurrenzlos in Auswahl, Form, Gediegenheit und Preis. 3789 Beim Einkauf von Knöterich-Thee und -Bonbons achte man auf den Russen. Siehe heutige Annonce. 7315 Waen&mg I Die meisten Nachahmungen von Dr. Hammels Haematogen werden, um das D. K. P. No. zu umgehen, nnt Zubhfenanme von Aether bereitet, ein Zusatz, der insbesondere für Kinder und Nervöse direkt schädlich ist. 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Teiv Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Metzen ™ zeiqenteil: HanS ®edj Ki« innere AolitiL Aentschkands im Jahre 1902 ^ie innere Politik Deutschlands stand fast ganz unter d«tt Zeichen der Zolltarifverhandlungen, «selbst im breip Aschen Landtag zog sich der Kumpf ünt den Zolltarif als roter Faden durch die Verhandlungen, wenngleich damit nicht gesagt sein soll, daß diese Körperschaft nichts anderes geschossen hätte. Nachdem die preußische Regierung am 4. Januar mit der Zulassung der Realabiturienten zum Nechtöstudium bahnbrechend vorgegangen war, sah sie sich durch die maßlose Agitation der polnischen Propaganda, welche auS dem Wreschener Prozeß Kapital zu schlagen suchte, veranlaßt, vom Lande größere Mittel zur Stärkung de- Deutschtums im Osten zu verlangen. Es kam aus diesem Anlaß am 13. Januar zu einer großen, teilweise sehr erregten Debatte, in welcher Graf Bülow positive Erklärungen über die künftige Polenpolitik abgab. Tie wichtigeren Aufgaben deS Landtages waren damit erschöpft. Der Reichstag hatte mehr zu thun, wenngleich sich zunächst auch hier die Hauptarbeit in der Kommission und hinter den Kulissen abspielte. Am 9. Januar trat die Zolltarif- kommission zu ihrer ersten «Sitzung zusammen und schon wenige Tage darauf prallten hier die Gegensätze zwischen Freunden und Gegnern der Vorlage scharf auf einander. Zufrieden war wohl keine Partei mit dem Tarif, alle wollten sie für sich mehr herausschlagen, ganz gleich, ob es sich um Agrarier, Industrielle oder Handeltreiderche handelte. Tie Sozialdemokraten sehen in dem Tarif sogar ein vorzügliches Agitationsmittel für die kommenden Wahlen und hatten von vornherein die Parole ausgegeben> daß der Tarifenttvurs nicht Gesetz werden dürfe, damit sie bei den Wahlen damtt operieren könnten. Hier Schutzzoll, hier Freihandel, tönte der Schlachtruf. Am 7. Februar erklärte der Reich,Äkanzler im Land wir ts chaftsr at ausdrückliche daß die Regierung für eine Erhöhung der von ihr vorgeschlagenen landwirtschaftlichen Zollsätze nicht zu haben fein werde und verwies im Interesse der derechjtigten Wünsche der übrigen Erwerbszweige auf die Notwendigkeit, die mittlere Linie einzuhalten. Ter Bund der Landwirte hiett diese Erklärung nicht für ausreichend und erklärte oen Zolltarif in der vorliegenden Fassung für unannehmbar. Ter äußersten Linken, der sich inzwischen als Vertreter des Großhandels die freisinnige Vereinigung angeschlossen hatte, war diese Bundesgenossenschaft hach willkommen und so hatte der Tarif kaum irgendwelche Aussicht auf Annahme. Es war daher sehr natürlich, daß sich auch, äußerlich bald eine heftige Spannung Uv eschen den extremen Parteien und denjenigen, dis wenigstens etwas retten woltten, zeigte und so kam es denn in der Zolltarifkommission selbst schon am 14. Februar zu heftigen Zusammenstößen, als Herr v. Kardvrfs die Geschäftsordnung entgegen den Anschauungen der Mehrheit handhabte. An seine Stelle trat der konservative Abgeordnete Rettich! als Präsident. Inzwischen batte aber die äußerste Linke begonnen, durch Obstruktion die Erzielung irgend welcher praktischer Ergebnisse nach Möglichkeit zu erschweren, da- burdi wurde zunächst eine Scheidewand zwischen der Linken und beniemgen errichtet, welche wenigstens etwas erreichen wollten. Aus diesem erst losen Zusammengehen ent- wickelle sich allmählich eine Koalition der nichtagrarischen Konservativen, Reichsparteiler und Zentrumsleute, welcher eS auch, schließlich am 26. Februar gelang, in der Kommission den sogenannten Kompromißantrag auf Einführung des 6 Miark-GetteidezolleS iint> Bindung der Mindest- zolle für Vieh durchzubringen. Tie Nationalliberalen hatten sich demgegenüber von vornherein auf den Boden der Regierungsvorlage gestellt. Während die Kommission dann zur Beratung der einzelnen Tarifpositionen schritt, erledigte der Reichstag selber die Brüsseler Zuckerkon- öention und das Zuckersteuergcsetz. Während der Parlamentsferien tagte die Zolltarifkommission gegen Entschädigung toeiter, und so konnte am 11. August die Kommission die erste Lesung des Tarifs beenden und am 2. Oktober die Tarifberatung in allen Lesungen für Erledigt erklären, nachdem noch am Tage zuvor Graf Posadowsky die Verpflichtung übernommen hatte, behufs Klärung der in der itommiffion wiederholt angeschnittenen Kärlellfrage eine Enquete von selten der Negierung vorzunehmen. Am 14. Oktober trat dann der Reichstag wieder zusammen und nun begann eine Reihe der schwierigsten Verhandlungen, die wohl je der deutsche Reichstag geführt hat. Tie Linke war so unvorsichtig, vorweg mit ihren Mafien zu prahlen, und nötigte die Gegner dadurch, größtenteils gegen den eigenen Willen, zu einem immer engeren Zusammengehen. Am 21. Oktober nahm das Haus zwar noch die Konunissionsbeschlüsse für Getreide an. Ta aber von feiten der Regierung aufs Neue betont wurde, daß sie diesen Beschlüssen, namentlich aber auch der Bindung der Viehzölle nach, unten niemals zustimmen könne, andererseits die Annahme des Anttages für die äußerste Linke das Signal war, mit ihrem schwer st en Geschütz drein zu fahren — es regnete Tauer reden, Geschäfts- ordnungsdeballen und namenlliche Abstimmungen — wurden die Koalitionsparteien mehr und mehr dem Standpunkt der Nationalliberalen zugeführt. «Schließlich kam eine Einigung der Mehrhettsparteien gegen die extreme Linke zu stände, welche in dem am 13. Viobember angenommenen Antrag Aichbichler auf Abänderung des Modus der na- meullichen Abstimmungen sich zuerst betätigte. Seitdem nahmen die Verhältnisse im Reichstag einen akuten Charakter an, die Linke wehrte sich mit allen Mitteln der Geschäftsordnung verzweifelt gegen jedes weitere Bor- wärtstommen des Tarifs. Thalsächlich waren bis zum 25. 9tobember noch nicht einmal die zwölf Paragraphen des Tarifgefetzes erledigt. Leider überschritt die Linke in ihrem Verhalten aber dermaßen die Grenzen der parla- mentarischen Würde, daß man bereits begann, Vergleiche zwischen dem Reichstag und anderen Parlamenten zu ziehen. Tie Freunde der .Vorlage standen nun vor der Alternative, nichts zu erreichen, ober wenigstens etwas durchzusetzen, zu dem die Regierung nicht von vornherein nein' sagen konnte. Zur Erfüllung ihrer Wünsche in letzterer Hinsicht verhalf chnen der am 27. November eingebrachte Antrag Kardorff auf Enbloe-Anncchme des Tarifs unter Erhöhung gewisser Jndusrriezölle und vorläufigen Beibehaltung der Wmmissionsbeschlüsse. Ta die Linke in diesem Antrag die Guillotine für ihre Bestrebungen erblicken mußte, kam es zu unerhörten (Svenen im Parlament. Und nun griff die Rechte, welche in der Wahl ihrer Mittel auch immer skrupelloser wurde, dabei abca sich immer mit dem Verhalten der obstruierenden Parteien Decken konnte, zu weiteren Beschränkungen der GeschästK- ordnung, indem sie dem Präsidenten Die Erlaubnis gabN das' Wort zur Geschäftsordnung nur nach freiem Ermessen zu erteilen, und die Rededauer hierbei auf fünf Minuten beschränkte. Tamit war das Schicksal der Linken besiegelt, zumal auch die Mehrheitsparteien alle ihre Reserven heranzogen und schon von Beginn des Tezember an sich beschlußfähige Häuser stellen tonnten. Am 11. Tezember wurde Der Antrag Kardorff und damit die zwette Lesung des Tarifs angenommen. Am 12. Tezember wurde bann der enbgütige Antrag Herold zwischen -weiter und dritter Lesung formuliert, der die Regierungsvorlage bei ben| Getreidezöllen unter Erhöhung Des Zolles für Braugerste von 3 auf 4 Mark wiederherstellt und auf Bindung der Biehzölle nach unten verzichtet. Tiefer Antrag wurde in der Nacht vom 13. auf 14. Tezember nach mehr alsj achtzehnstündiger Debatte angenommen. Die Regierung Halle damit ihren Zolltarif erlangt. Tie in der _ Kvm- miffion noch gefaßten Beschlüsse, welche der Regierung nicht genehm sind, werden mit Hilfe einer Novelle an das Haus ihre Erledigung finden. Was unser Verhältnis zur Curie anbelangt, fb hatte bereits am 15. Januar der Papst prinzipiell seine Zustimmung zur Errichtung einer katholischen Fakultät an oer Universität Straßburg i. Elf. erteilt. Wenn sich, die vollstänbige Regelung bieser Frage auch bis zum Ende bes Jahres hingezogen hat und Frhr. v. Hertling noch manchesmal die Alpen hat kreuzen müssen, ehe alles klipp und klar war, das eine steht fest, unsere Beziehungen zum päpstlichen Stuhl sind die denkbar besten. Zum 25jährigen Pontifikaljubiläum bes Papstes überbrachte am 6. Marz Generaloberst v. Los demselben ein eigenhändiges Glückwunschschreiben des Kaisers, und bald darauf nahm der! Kaiser selbst Gelegenheit, in feierlicher Rede auf die Anschauungen des Papstes über Die Wohlfahrt der Katholiken in Deutschland hinzuweisen. Bon großer Bedeutung für unser deutsches Vaterland war der 1. April, denn an diesem Tage traten die Verträge mit Württemberg in Kraft, durch welche wir für das ganze! Reich mit alleiniger Ausnahme Bayerns eine einheit^ liche Marke unb somit em neues einigendes Band erhalten Haden. Von besonderer Wichtigkett für Elsaß- Lothringen war die Aufhebung des Diktaturparagraphen am 9. Dttu. Wenige Tage daraus gab! auch der Reichstag seine Zustimmung. Hier möchten wiL aucr,i die für unsere innere Politik bemerkenswerten Reden erioähnen, toeLdje Se. Majestät am 5. Juni beim Johanniters fest in Marienburg und am 4. September in Posen über die Polenfrage gehalten hat und in denen er sich zunächst als bat Gehorsam heischenden König, dann aber als den Landesvater hinstellt. Von inneren Unruhen, mit denen fast alle unsere Nachbarstaaten, sogar die friedliche «Schweiz, zu thun hatten, sind wir verschont geblichen, abgesehen von einem unbedeutenden Zusammenstoß Arbeitsloser mit der Polizei in Frankfurt a. M. am 10. Januar, auch unter Ausständen hatten wir in geringem Maste zu leiden. Dagegen flößt die immer Wetter um sich greifende tzine Weihnachtsfeier in Metyteyem. Ten großen katholischen Gottesdienst am Weihnachtsabend in der GeburtMrche zu Bethlehem, dem ehrwurdi- gen Denkmal alter christlicher Baukunst, schttdert em Teil- ne^mer in Bethlehem. Wir standen Mtt der großen Menge in der Geburtskirche, ^derselben Stelle, wo nach der Uebertteserung vor 2000 Jahren das größte Drama in der Geschichte der Welt fernen Anfang nahtw Hier wurde der Hettand in riner fttippe gehren öpbl aber wird das große Ereignrs anders als damals gefeiert Tie rollenden Töne der Orgel, die sich mit der fieudigen Festmusik ausdehnen und anfchwellen, verllcn- deten den Beginn der Messe und das Nahen der Prozesswn. Chorsänger mit Talaren, Aiönche, Prrefter mit Gtolen, Ävtten weltliche und geistliche Brüder traten in anscheinend endlosem Zuge unter Absingung der^FestesHymne ein. Zuletzt kam der Bischof mit Krummstab und Mttra und segnete alle, während er durch ine tmeenbe Menge SuÄhritt. Tann folgten die katholischen Konsuln und ihr Gefolge unter Vorantritt der türkischen PolizeifolDaten, und alle nahmen vor dem Altargitter Platz Jetz begann hü> alün^ende Feier, die fünf Stunden wahrte. Am Hochf- altar strahlte alles in glänzendem Licht. Die Jnvestttur des Bischofs begann und der Chor mit den ^A^chen -stimmen begann seinen langen prächtigen Gefang. - die Lutt erbebte, als die mehr als 100 Stimmen ®ut unb Ä. etttangen. Tas Prächtig« Ritual dauerte Stunden die erregten Beter oder Zuschauer merkten dies Tie cvni’tie war erhoben und gewecht worden, und die "-llkommeue Stille der Nacht beherrscht« ein« Augen, die a^oia: Menge. Tie Glocken verkündeten die herlrge S? cö 12 geschlagen, so wurde über dem War ein iwrhan^ sortgezogM, und die Gestalt eines “ p.m'hnrenen Kindes wurde den Augen der er» n^»^H^n;pnae ae^eiat ^ioch einmal tönten die Glocken gnsfenen . 9 ÖöJJÖ __ Glocken wetteiferten mit - in Mtem 3ubet und Glückseligkeit. „Christus sü'°aebore ", Ä 5 v°u °ll°u Lippen und der reicht 5b°? ianq wie nie vorher von der Jrerche rn dcnHerzM der Beter, und in Gedanken erinnerte sich ,eder de-denk- ^Wieder^Ech^ ^StMe. Große Lichter wurden an- gezündet und unter den Chor, dee GelstlMert und die Konsuln vertettt. Zu zweien führten die Chorsänger immer lauter singend den Weg zur Geburtskapelle selbst. Tie Kerzen glänzten dann und wann in der Entfernung unter den Hallen und Kapellen der großen Kirche- Tie Konsulatsbeamten folgten, und zuletzt kam der Bischof, der m den Armen einen Korb aus Stroh mit der Gestalt eines Kindes in Windeln trug, dessen Hand segnend erhoben war. Tie Gläubigen knieten nieder, als fidji die hohe Gestalt des Priesters nahte und küßten den Saum seines Kleides. Der Gesang wurde allmählich schwäche^ als die Prozession sich zurückzog. Tie Spur der Füße, der immer mehr sich entfernende Gesang leitete uns, als wir die Grotte besuchten, deren Wände — wie die Ueberlieferung meldet — auf die Geburt Christi, die Ankunft der Hirten und die Anbetung der drei Wnige geblickt haben. Tas Kind wurde auf den Platz gestellt, an dem Christus geboren sein soll, auf den Altar gelegt, der die Stelle der Krippe bezeichnet, und dann zog die Prozession zur Kirch,e zurück, und der Gottesdienst nahte seinem Ende. . . „La (Tarmellte", die Novität der Pariser Komischen Oper. Tie Komische Oper in Paris gab am 16. Dez. die erste Vorstellung der neuen vieraktigen Oper „La Carmelite" von Reynaldo Hahn, einem in Caracas geborenen Deutschen von 28 Jahren. Schon im Jahre 1898 hatte Hahn auf Der gleichen Bühne „L'Jle du Reve" auf» führen lassen, die jedoch nur eine achtbare Schülerarbeit war. Ter Fortschritt ist erstaunlich. Denn die Karmeliterin ist ein sehr glücklicher Versuch, die Spieloper mit ernstem Hintergrund zu erneuern. Der Erfolg ließ, wie man dem „Rh. C." schreibt, nichts zu wünschen übrig und machte sich in der Wiederholung von drei Stücken geltend. Ter bekannte Dichter und Kritiker Catulle Mendes hat übrigens durch die geschickte Tramatisierung der Geschichte der Louise de La Balliere, die, nachdem sie Ludwig XIV. verlassen hatte, „Karmeliterin" wurde, wesentlich zum Erfolge beigetragen. Er hat die Geschichte der Musik zuliebe von allen historischen Einzelheiten befreit. Ludwig XIV. wird ein fad) König genannt, Bossuet Bischof, und die Tarnen tragen bloß ihre Eigennamen. Ter erste All stellt in amüsanter Weise die Probe zu einem Singspiel bar, worin der König die erste Rolle har und ihm die La Balliere als Diana entgegentritt. Tas eben an den Hof gekommene- Mädchen schwärmt für den König und dieser belauscht sie insgeheim und erwidert fofort chre Neigung, die mitten im Theaterspiel ihren Ausdruck findet, da der König voll-, ständig aus der Nolle fällt. Im zweiten Akt wird Louise (so heißt die La Balliöre im Stück) umsonst vom Bischof gewarnt. In einem leidenschaftlichen Tuett ergiebt sie sich dem König, während die eifersüchtige Athänals (Montespan) eine schwarze Messe bestellt, um den König für sich au gewinnen. Im dritten Att hat sich der König der AthsnaiS rugewandl, und Louise will ins Kloster gehen, aber der Bischof findet sie nicht würdig genug. Sie demütigt sich nun so sehr, daß sie ihrer glücklichen Nebenbuhlerin als Zofe dient, und dafür wird sie im vierten Akt feierlich als Nonne eingelleidet. Am Schlüsse verzeiht ihr sogar die Königin und beneidet ihr Los. Ter erste und der letzte Akt sind dem Komponisten am besten gelungen. Ter erste ist fast ganz im Stile des 17. Jahrhunderts gehalten, und im letzten herrscht die religiöse Musik von klassischem Gepräge vor. Tie „Karmeliterin" ist auf alle Fälle eine große Verheißung für Die Zukunft. Emma Calve, für welche die Titelrolle gesd>rieben ist, hat einen großen Triumvh erlebt und darf die Karmeltterin als ihre beste Partie neben die Carmen stellen. Eine Bahn auf den M o n t Blanc. Ter Ruhm der sd)weizerischen Jungfraubahn läßt den französischen Ingenieuren keine Ruhe, und sie wollen jetzt dem Mont Blanc mtt einem Schienenstrang zu Leibe gehen. Wie aus Bern telegraphiert wird, bezeichnen §err Ballot, der Direktor des Observatoriums auf Dem Mont Blanc, und zwei Professoren Deperret aus Lyon in einem Gutachten den Bau einer elektrischen Bahn auf die Spitze des Mont Blanc als ausführbar. Die Bahn würde beim savoyscheu Dorfe Houches beginnen und 17y2 Kilometer lang sein. Das Projekt wurde dem französischen Minister des Innern zur Genehmigung unterbreitet. N a ch Der Flotte des Lerxes. Deren Schiffe feit 2300 Jahren auf Dem Meeresboden liegen, sollen laut einer Nachricht von Athen jetzt Nachforschungen angestellt werden. Die Veranlassung dazu bietet die Erfindung eineä neuen Instruments von eigenartiger Wirkung, das Den Namen Hydroskop erhalten hat. Schon seit zwei Jabren hat dieser Apparat zur Entdeckung altertümlicher Schatze auf Dem Meeresboden wunderbare Dienste geleistet. Man will ihn ferner dazu benutzen, um das von pompejus zur Entführung Der in Athen geraubten Kunstschätze gecharterte Schiss aufzuspüren. Tie^ Fahrzeug editr vor etwa 195H Jahren im griechischen Jnselmeer Schiffbruch. Propaganda der Sozlaldemokratt e, welch« %wc Erreichung ihrer Ziele in der Wahl ihrer Mittel nicht wählerisch ist, doch allen staatserhaltenden Parteien eine gewisse Be- iorguis ein. Tas traurige Geschick des Geheimen Rat Krupp, das unmittelbare Folge eines sozialdemokratischen Angriffes war, der ganz gleichgiltig, ob das Material auf Wahrheit beruhte oder nicht, von selten niedriger Denkart zeugte, hat vor allem den: Kaiser aufs neue Gelegenheit geboten, die deutsche Arbeiterschaft fort von der Sozialdemokratie zu rufen, und die begeisterten Zustimmungen, die dem Kaiser aus Anlatz seiner Reden in Essen und Breslau von der Arbeiterschaft selbst zugingen, lassen uns Hie die kommenden Wahlen hoffen, daß dem Vordrängen der Sozialdemokratie enalich Halt geboren wird. Unser wirtschaftliches Leben stand noch immer unter der Nachwirkung des vorjährigen Krachs. Handel und Wandel lagen, wenigstens in der ersten Hälfte des Jahres, noch völlig darnieder. Handelte es sich doch auch damals noch mehr um die Liquidierung der Rückstände im vorigen Jahr. Treberprozeß, Sanden-Prozeß und Leipziger Band-Prozeß wurden zu Ende geführt. Aber währens in Amerika unter der Aegide Morgans Ströme von Geld sich in alle Kanäle von Industrie, Handel und Verkehrsunternehmungen ergossen, wirkte dieser amerikanische Geldüber- sluß auf uns beängstigend und lähmend zurück. Man hatte bei uns allen Mut verloren. Bleiche Furcht vor Morgan machte sich überall bemerkbar. Aber auch diese Zeit ging vorbei, noch sind wir ja nicht vermorganisiert, vielmehr können wir mit Freude konstatieren, daß sich gegen Ende des Jahres wieder lebhafteres Vertrauen zeigt. Es geht ja nur sehr langsam, aber es geht doch vorwärts. Wir schließen hieran noch eine Zusammenstellung für die Geschichte des Jahres bedeutsamer Daten, auf die des näheren einzugehen, der Raummangel verbietet: 16. Januar Landrat v.Bennigsen-Springe wird vom Domänenpächter Falkenhagen im Duell erschossen. 20. Januar Brand des Stuttgarter Hoftheaters. 5. Februar. Dewet durchbricht den englischen Cordon mit Hilfe einer Ochsenherde bei Lindley. 15. bis 22. Februar. Straßenunruhen in den russischen Universitätsstädten, ferner in Katalonien und Norditalien; überall blutige Zusammenstöße mit dem Militär. 6. März. Abschluß der Brüsseler Zuckerkonvention. 8. März. Lord Methueü von Delarey bei Tweebosch gefangen genommen und geschlagen. 22. März. Beginn der Friedensverhandlungen bei Pretoria. 31. März. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Lieber stirbt in Camberg. 20. April. Tod des Fürsten Heinrich XXII. Reuß ä. L. 30. April. Im Wiederaufnahmeverfahren des Krosigk-Pro- zesies werden Marten und Hickel freigesprochen. 8. Mai. Zerstörung der Stadt St. Pierre auf Martinique durch einen Ausbruch des Mont Pels. 31. Mai. Unterzeichnung des Friedensvertrags in Pretoria. 19. Juni. König Albert von Sachsen stirbt in Sibyllenort. 24. Juni. Torpedoboot 8 42 wird in der Elbemündung von dem englischen Dampfer „Firsby" überrannt. 28. Juni. Verlängerung des Dreibundes. 7. Juli. Unfall Chamberlains bei einer Droschkenfahrt. 11. Juli. Rücktritt Salisburys, an dessen Stelle Balfour tritt. 14. Juli. Einsturz des Campanile in Venedig. 20. Juli. Der Hamburger Dampfer „Pttmuß" wird vor Blankenese von dem Schlepper „Hansa" überrannt, über 100 Personen kommen dabei ums Leben. 7. August. Tod Rudolfs v. Bennigsen. 28. August. Katholikentag in Mannheim. 4. September. Unfall des Präsidenten Roosevelt durch Zusammenstoß seines Gefährtes mit der elektrischen Straßenbahn. 5. September. Rudolf Virchow stirbt. 19. September. Tod der Königin Henriette der Belgier. 24. September. Präsident Roosevelt muß infolge des Unfalles vom 4. September sich einer Operation unterziehen. 19. September. Tod Emile Zolas. 14. Oktober. Beendigung des amerikanischen Grubenarbeiter- Ausstandes durch em Schiedsgericht. 3. November. Tod Heinrich Rickerts. 5. November. Beschießung von Midi durch die Italiener. 15. November. Mißglücktes Attentat auf den König der Belgier. 22. November. Tod des Geh. Rats Krupp. 26. November. Rede des Kaisers in Essen gegen die Sozialdemokratie. 5. Dezember. Rede des Kaisers in Breslau an die Arbeiterschaft. 7. Dezember. Deutschland stellt an Venezuela mit England zusammen ein Ultimatum. Aus Stadt und Land. Gießen, den 29. Dezember 1902. ** Gedenktage. Als Sohn eines reichen Kaufherrn wurde am 29. Dezeniber 1809 der liberale englische Staatsmann William Ewart Gladstone in Liverpool geboren. Trotz der äußerlich neutralen Haltung im deutsch- französischen Kriege bewies er deutliche Sympathien für Frankreich. Gladstone erlitt verschiedene Niederlagen im Parlament, die ihn aber in seinem Amte nie abschrecken konnten. Die beschämende Niederlage englischer Truppen durch die Buren, die Beschießung Alexandrias nach Arabi Paschas Aufttand, die Preisgabe Gordons in Chartum erregten große Mißstimlimng gegen Gladstone, sodaß er 1885 bei einer unbedeutenden Frage sein Amt niederlegen mußte. ♦♦ Aus Ar abungen. Nachdem einige Zeit die Ausgrabungen in der Lindener Mart geruht hatten, machten die Herren Lehrer B. und E. aus Klein Linden einen Fund, der geeignet ist, ein helles Streiflicht auf die Lebens- gewohnhciten der Bewohner unserer Gegend in der Hall- stcünzeit zu werfen. Tie Herren glaubten an einer bc- stimmten Stelle ein Skelettgrab vermuten zu dürfen, beim Einschlag sanden sich die Kncxhen eines Wiederkäuers, welche sich bei näherem Besehen als die eines Pferdes erwiesen. Dieselben zeigten an chrer Oberfläche feine Riefelungen, welche von einem um die Erforschung unserer prähistorischen Zeit hochverdienten Philologen als menschliche Zahnspuren, herrührend vom Nagen an jenen Knochen, gedeutet werden, während die Interpretation derselben als Derwitrer-Mgs- puren abzulehnen fei. Der Sachverständige war so Mig, uns seine Meinung über den Fund auszusvrechen, nchin gehend, daß in jener Zeit offenbar Pferdefleisch verzehrt worden wäre, im Widerspruch mit der weitverbreiteten Meinung- daß das Pferd als heiliges Tier des Wotan unverletzlich gewesen fei. Die Möglichkeit läge vor, daß jene Hallstadtleute einmal im Falle großer Not Pferdefleisch verzehrt Hütten, oder daß bei der eventuell schon damals bestehenden Fleischnot der Pferdefleischgenuß allgemein verbreitet war. Für den letzteren Umstand spräche Die große Menge gefundener Knochen. Vielleicht wäre auch zu bedenken, daß das tiefe religiöse Gefühl unserer heidnischen Vorfahren diese vom Pferdefleischgenuß zurückgehalten hätte, und daß es sich nicht um einen germanischen Stamm handelt, sondern daß es Kelten gewesen seien. Ta- gegen sprächen allerdings wieder Gesichtspunkte aus der lettischen Philologie. Daß thalsächlich lenes Fleisch verzehrt wurde, ist daraus wahrscheinlich, daß in derselben Sandgrube bereits vor längerer Zeit Herdstätten mit verbrannten Knochen und Geschirr Überresten gefunden wurden. Eine dieser Scherben zeigte feine linsenförmige Vertiefungen, die unser Gewährsmann als Eindrücke von Stoppeln herrührend aussprach. Daraus folge, daß zu jener Zeit bereits der Gebrauch der Sichel bekannt war. Ob damals die Arbeitsteilung bereits soweit gediehen war, daß das Schlachten der Pferde besonders dazu ausgebildeten Personen oblag, ließe sich allerdings nicht ermitteln. Wir übergehen die weiteren scharfsinnigen Folgerungen, welche boduhmr dem Wissenschaftler verständlich wären und welche nur mit größter Akribie und Eleganz mitgeteilt werden. — Eine Mitteilung, die wir dem Herrn Sandgrubenpächter Bechthold in Lützellinden verdanken, dürfte allerdings geeignet sein, den Fund in einem anderen Lichte erscheinen zu lassen. Dieser sagte nämlich, daß sich, vor gar nicht weit zurückliegender historischer Zeit an jener Stelle ein Abdeckerplatz befunden habe und daß vielleicht die gefundenen Knochen von diesem herrühren dürften, während Die Herdstätten vielleicht daher kämen, daß er in der Sandgrube zeitweilig Kaffee zu kochen pflege. "Aus dem Theaterbureau. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß heute der erste Charakterdarsteller des Frankfutter Schauspielhauses, Herr Max Bayr- hammer, als „Franz" in Schillers „Die Räuber" gastiett. Der Künstler zählt diese Rolle zu seinen hervorragendsten Leistungen. — Morgen (Dienstag) wird als 6. Volks - Vorstellung Adolph L'Arronges beliebtes Volksstück mit Gesang „Mein Leopold" gegeben. — Für den Neujahrstag sind zwei Vorstellungen vorgesehen. Als Nachmittags- Vorstellung zu ermäßigten Preisen geht zum letzten Male in dieser Saison das amüsante neue Lustspiel von Blumenthal und Kadelburg „Das Theaterdorf" in Szene, abends gelangt die große GesangSposse „Höhere Töchter" zum ersten Male zur Aufführung. I. GrÜningen, 27. Dez. Auch in diesem Jahre rourbe eine hiesige hochbetagte arme Witwe, deren Sohn einst im Gießener Braunsteinbergwerk ums Leben gekommen ist, von Herrn Fe rnie mit einem ansehnlichen Weihnachtsgeschenk hocherfreut. § Butzbach, 28. Dez. Der hiesige Turnverein veranstaltete gestern Abend im Saalbau des „Hessischen Hof" seine erste größere Vereinsfeier in diesem Winter. Dieselbe war sehr stark besucht und verlief zur vollsten Zufttedenheit der Teilnehmer. — Auch die heutige Weihnachtsfeier des evangelischen Arbeitervereins Butzbach in demselben Lokale war eine Veranstallung, die zahlreich besucht gewesen und sehr schön verlaufen ist. k. Friedberg, 28. Dez. Der Direktor i. P. Schäfer ist hier gestorben. Herr Schäfer war der erste Direktor an der hiesigen Großherzoglichen Blindenanstalt und trat erst vor einigen Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Er hat ein reichgesegnetes Leben hinter sich und stand bereits in den 80er Jahren. — Dem hiesigen Stadtkirchenbauverein wurde dieser Tage das Vermächtnis von Fräulein Herpel in Höhe von 5000 Mk. ausbezahlt. r. Nieder-Mockstadt, 26. Dez. Heute Morgen hat sich der 18jähttge Sohn des Kaufmanns Liebmann Halberstadt, der seither als Schneider in der Fremde war, erschossen. Motiv zu der That ist unbekannt. p* Ober-Widdersheim, 24. Dez. Am vergangenen Montag ist im hiesigen Basaltwerk durch eine eingestürzte Wand ein junger Mann aus dem benachbatten Rodheim erschlagen worden. Derselbe blieb auf der Stelle tot. p. Hainchen, 27. Dez. Gestern feierten die Eheleute Heinrich Reichard I. das Fest der goldenen Hochzeit. Von 1880—1898 war Reichard Bürgermeister unseres Ottes, welches Amt er dann mit Rücksicht auf sein hohes Alter niederlegte. m. Grünberg, 17. Dez. Heute verschied der Rektor der höheren Bürgerschule, Herr Dr. Busch, infolge eines Herzschlags. Derselbe war zu seinem in Berlin wohnenden Bruder gereist, wo ihn dieser jähe Tod ereilte. st. Groß-Felda, 27. Dez. Heute hielt der Realgymnasiallehrer Kahl aus Darmstadt im hiesigen Otts- gewerbeoerein einen Vortrag über das Thema: Welche Anforderungen stellt die Gegenwatt an die Ausbildung der Handwerker? Herr Kahl verbreitete sich mit großer Sachkenntnis, gewürzt mit einem frischen Humor, über die Ausbildung der Lehrlinge in Werkstatt und Schule und machte die Versammlung mit den wichtigsten Bestimmungen der Gesetze und Statuten über die Organisation des Handwerks, über Gesellen- und Meisterprüfungen bekannt. g. Geiß-Nidda, 26. Dez. Am 24. Dezember wurde in hiesiger Kirche von Schülern der Oberklasie das Weihnachtsfestspiel „Glaube, Liebe, Hoffnung" aufgeführt. Als Einleitung trug das Männerquattett einen Weihnachtsgruß vor. Die Einzeldarstellungen, wie das Zusammenspiel der Schüler gelangen vorzüglich. Die eingelegten Schülerchöre wurden recht präzise vorgetragen. Tas Festspiel machte auf alle An- wesenden einen erhebenden Eindruck; es war eine würdige Chttstfeier. Schon 1/2 Stunde vor Beginn der Feier war die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Still und andächtig lauschte die Menge bis zum Schlüsse. B. Grebenau, 27. Dez. Schon mehrmals wurden die an der Kreisstraße von hier nach Udenhausen angepflanzten Lindenbäumchen beschädigt oder abgeknickt. In vergangener Nacht ist wieder eins der schönsten, beinahe armdicken Bäumchen mit einem Mester abgeschnitten worden. Vom Thätcr hat man keine Spur. Toteuliste für das Jahr 1902. (Nachdruck verboten^ ES sind gestorben: e. von sonstigen deutschen Beamten im Staat», dien st i aktiv und nicht mehr aktiv: Senatspräsident beim Reichsgericht Tr. Tähnhardt am 21. 1. ln Leipzig, Gouverneur Kohler von Togo am 19. 1. in Lome, früherer Senatspräsidenl beim Lderlandesgericht in Hamm Geh. Lber- justizrar Sck)wiele am 27. 1. in Hamm, Vorsitzender des deuischen Amvalloerems Geh. Jtlstizral Blecke am 29. 1. in Leipzig, ipeh. Regieruiigsrat Dr wed. Geißler, Direktor des Slanslischen Bureaus m Dresden am 5. 2. in Dresden, Senatspräsidenl a. T. Geheimrat Dr. v. Staudinger am 3. 2. in München, Präsident des Reichsaufsichtsamts für Privalversicheruna Wirtl. Geh. Ober- Regierungsral Dr. v. Woedrke am 22. 2. in Wiesbaden, Mummet- gerichlsrat a. D. v. Uechlritz-Stemkirch am 7. 3., deutscher Honjul in Bordeaux Walther Tietz am 15. 2. in Bordeaux, deutscher Konsul Steppuhll in Baku am 12. 3., früherer Staalsiekrelär von Elsaß-Lothringen Wirtl. Geheime Rat Kart Herzog am 24. 3. ui Berlin, Wirkt. Geh. Lberbaurat Slreckert am 13. 4. m Berlin, Präsident des Lber-Berwaltungsgenchts Wirkt. Geh. Rai Tr' Kügler am 24. 5. in Berlin, Geh. Oberiuslizral und früherer Landesgerichtspräsidenl Schultheis Mille Mai in Marburg, Geheime Baurat Adolf Heyden am 11. 6. in Berlin, Wirtl Geheime Obersinanzrat Lehmann am 11. 6. in Berlin, Laiidesgenchtsdireklor Kammerherr Frhr. von Hügel am 19. 6. in Tübingen, deutscher Konsul Wilhelm Heinssen am 4. 7. in Puerto Plata, Lande»- gerlchtspräsidenl Geh. Oberjustizrat Lützeler Anfang Juli in Köln, Oberbaurat Karl Prenmnger am 11. 7. ui Reichenhall, Landes- gerichtspräsident Geh. Oberjustizrat Richard am 12. 7. in Denn« brück, deulfcher Konsul Hermann von Bremen in Ankona am 28. 7., Ministerialrat a. D. Wilhelm von Behringer am 29. 8. in München, Regierungspräsident von Niederbayern Ludwig von Meixner am 1. 9. zu München, früherer Oberpräsidenl von Pommern von Behr-Negendank am 8. 9. auf Semlow, Geh. Regierungsrat Hofsmann früherer Oberbürgermeister von Königsberg am 5. 9., bayrischer Kämmerherr Gras Lothar v. Hegnenberg-Dux am 6. 9., Handelskammersekretär Prof. Dr. Nies-Worrns am 21. 9., früherer Präsident des Oberverwaltungsgerichts Wittl. Geheime Rat Persius am 20. 9. in Berlin, Oberpräsident von '13e|i- preußen v. Goßler am 29. 9. in Danzig, Generalslaatsanwalt Paul Schlippe am 10. 10. in Darmstadt, Geh. Baurat Wilhelm Bockmann am 23. 10. in Berlin, Wirkl. Geb. Ober-Regierungsral a. D. Christoph Hucke am 25. 10., Wittl. Geh. Ober-Jiqiizrar Florschütz, Oberlandesgerichtspräsident, am 31. 10. in Kiel, König!. Ganen- baudirektor Karl Lackner am 10. 11. in Steglitz, Bayerischer Landeskonsulent für Fischerei Alfred Schillinger am 16. 11. in München, Ministettalrat Otto Ritter v. Schubert am 20. 1L in München. tuen deutschen Beamten in städtischen Diensten und bekannten ausländischen Staatsbeamten. Stadtbaurat James Hobrecht am 9. 9. in Berlin, Stadtrat Mam- roth am 23. 9. in Berlin, früherer Polizeipräfekt müer Napoleon III. Pietri am 5. 1. auf Koffika, Gouverneur von französisch Westafrika Ballay am 27. 1. in St. Louis (Senegambien), früherer Vizekönig von Indien, Lord Dufferin am 12. 2. in London, früherer Adjutant des Kaisers Maximilian von Mexiko, Graf Ludwig von Sternberg-Rudelsdorf am 4. 2. in Innsbruck, Direktor des russischen Staatsarchivs Baron von Stuart Ende Aprü in Petersburg, belgischer Generalkonsul Georg Goldberger in Berlin am 12. 8., russischer Staatsrat v. Wied am 5. 9. in Zürich. g. von aktiven Militärs. Generalleutnant Eugen v. Keyler, langjähttger Kommandant von Königsberg 16. 1. Berlin, Hauptmann vom Lustschifferbataillon Aeronaut Bartsch von Sigsfeld verunglückt 1. 2. Zwyndrechl bei Antwerpen, Major Christ, Kommandeur des 3. Seebataillons 14 2. Tsingtau, Oberleutnant Schulte von der Schutztruppe Ansang März Kamerun, Generalmajor Freiherr v. Feilitzsch 18. 6. Germersheim, Generalmajor o. Nirnheim 27. 6. Wetzlar, Cberfi v. Ziegler, Kommandeur der Kttegsschule in Potsdam 22. ö., Generalleutnant Fritz Gras Waldersee Anfang Oktober Schwerin i. Meckl., Oberft Eduard von Pannewitz, Ches des Generalstads des 3. Armeekorps 15. 11., General Hennequin vom belgischen Generalstab 24. 3. Brüssel, Feldzeugmeister Graf Grünne 2. i Dobersberg, General Graf Andreas Palffy 15. 4. Wien, Bize- Admiral 3Ji6narb 20. 4. Paris, Amerikanischer Admiral Sampson 7. 5. Washington, Italienischer Admiral Magnaghi 21. 6. Spezia, Generalaojutant Oberst Forestier Walker verunglückt 31.7. Heluan (Egypten), Burengeneral Lukas Meyer 8. 8. Brüssel, Feldzeugmeister Baron Thoemmel 4. 8. Peuma bei Görz, französischer General Temassieux 16. 8. Martigny-les-bains, französischer üon- tre-Admiral Merleaux-Ponty 80. 8. Paris, französischer Brigade- General de la Noö 1. 9. Paris, englischer Admiral Watson 24. 9. Malta, russischer General Guttschm, Kommandant von Wilna, 28. 9. Wilna, General Chttstian Botha 28. 10. Koksstadt (Oft* gttqualand). (Forts, folgt.) Ist ein Tyeaterunteruehmer berechtigt, Iersouen vom tz-eateröesuch auszuschtreßen § Von Tr. jur. Richard Treitel. Man sollte meinen, das Bild eines sich vor Entzücken über den Zustrom des Publikums die Hände reibenden Theaterkassierers seiden Unternehmern sv sympathisch, daß es ihnen nie entfalten kann, in die Lage zu kommen, darüber nachHudenken, ob sie berechtigt seien, eine bestimmte Person vom Theaterbesuch auszuschließen. Und mit dieser Meinung hat man wohl auch Recht. Aber es ilsh eben nicht alles „Publikum", was ins Theater geht. Es giebt and) Rezen- sent en. Es fragt sich^ ob diese oder überhaupt irgend welche Personen nach dem besteheitden Recht von öffenÜtchM ,Veranstaltungen ausgeschlossen werden können. Ueber eine Reihe von Theaterunternehmungen, bei denen dies Recht nach der übereinstimmenden Meinung der Theaterrechtsschriftsteller unbedingt ausgeschlossen fll, kann rasch hinweggegangen werden. TaS sind solche, dte der Staat oder eine andere öffentlich-rechtliche Kvrporatton betreiben. Es würde sich in diesem Falle um publizistische Anstalten handeln, die ihrem Wesen ita.l)| der Benutzung jedermanns offen stehen, der das seinerseits Erforderliche gethan hat, um der Benutzung teilhaftig zu werden. In diesem Falle ist also ein Ausschluß mißliebiger Personen rechtlich unzulässig. Weit wichtiger für unsere Theaterrechtsverhältnisse ist es, ob für ein von Privatpersonen betriebenes Theate^ unterttehmen ein Kontrahierungszwang besteht, xa» Theaterbillet ist rechtlich ein Inhaberpapier. Tas heißt: Jeder Inhaber ist berechtigt, die Leistung entgegenzüney- men, dte der Aussteller des Inhaberpapiers durch die uus* gäbe dem Inhaber als solchem verspricht. Auf diesem sehr leicht zu begehenden Umwege kann also auch der verhaßteste Ktttiker ins Theater kommen. Schon daraus geht die Unhaltüarkeit des Satzes hervor, daß es überhaupt ein Recht auf Theaterausschlüß geben kann. _ Nicht so ganz einfach ist die Begründung die,es -satzes. Man hat eine Theorie des rechtlichen Rlonopols D?» Theaterunternehmers aufgestellt. Tiefe Theorie würde Jedoch nur bann richtig sein, wenn wir wirklich ein Theatermonopol Hütten. .. Andere sprachen von der Theorie des thatjachltchen Monopols aus das Auvschlußrecht dem Vieaterdireno ab. An recht vielen Orten befände sich nur ein Theater, und es sei faktisch kaum möglich, daß sich ein -w"! daneben austhun würde. So bestünde rein faktisch em uco- nopol des Theare»-'in^''nebm^rL das rur Folue haben um» ) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Bestimmungen 8868 5, 6. 8925 8942 Fürstlich Solmfische Oberförsterei. an solche verstorben uns vor- Der AufsichtLrat: H e y l i g e n st ä d t. Hand erfolgen. Angebote nimmt gerne entgegen Lich (Oberhessen), den 27. Dezember 1902. spätestens den o. Januar 1903 zu richten. Gießen, am 22. Dezember 1902. Schiffsnachrichten. „Red Star Linie" Antwerpen. Der Postdampfer „Pennland" der „Red Star Linie" in Aut- werpen ist laut Telegramm am 25. Dezember wohlbehalten in Philadelphia angekommen. Die Schulleitung: Traber, Großherzoglicher Hauptlehrer. ErbältlichLallenbesser.Colonlalwaren-u.DellcatessenhancUungen. Qratis-Proben dircct von der IS-OE SELLS CHA FT. 0. m. b. H.. Frankfurt a. M. itaß allen Personen bo8 EintttttSrecht zugehMgt tottben miß. Tie Thatsache, daß er konkurrenzlos dastehe, muß, Wir geben nachstehend die Bestimmungen für den Verkehr mit unserer Abteilung für Spareinlagen zur allgemeinen Kenntnis der Interessenten. Gießen, im Dezember 1902. ZZank für Kandel und Industrie. Aeposttenkaffe Kießen. Bankgebäude: Johannesftraße 1. Vermischtes. • Nur 500 Mark statt einer halben Million! Wie noch in Erinnerung sein dürste, erregte eL vor einigen Monaten außerordentliches Aufsehen, als bekannt wurde, daß die Firma Israel in Berlin von zweien chrer Angestellten, den Brüdern Julius und Berthold BesaS, die beide bei der Firma gelernt hatten, und von denen der eine 48, der andere 40 Jahre im Geschäft thätig war, um zirka eine halbe Million Mark bestohlen und betrogen worden sei. Am 31. Oktober wurden beide Brüder verhaftet. Das eingeleitete Verfahren lautete auf Urkundenfälschung und Betrug. Die eingehendste Durchsicht der Bücher hat aber nun ergeben, daß dem Hause Israel nicht 500000 Mk., sondern nur 500 Mk. veruntreut worden sind, und Urkundenfälschung überhaupt nicht vorliegt. Demgemäß lautet auch die Anklage nicht mehr auf „Urkundenfälschung und Betrug", sondern lediglich auf „Diebstahl". Die Verteidiger haben demgemäß beantragt, die beiden Brüder I gegen Kaution aus der Haft zu entlassen. Diesem Anträge ist stattgegeben worden, doch hat die Beschlußkammer mit Rücksicht auf daS Vermögen der Beschuldigten die Kautionen hoch bemeßen. Für den einen wurde die Hinterlegung von 40000, für den anderen von 75 000 Mk. in mündelsicheren Papieren erfordert. Die Kautionshinterlegung hat bereits stattgefunden, worauf die Freilassung der Verhafteten erfolgt ist. I. 2. 3. 4. Tli o ne- Eiscuits Zu haben bei Loti. J. JhLonx, äeltersweg No. 25. 8505 GrHeWl. GemrWnle Gieheu. MchMMllgen in Lbcrhcjsen betreffen-. Wir beabsichtigen, einem bei der ersten Meisterprüfung aufgetretenen Bedürfnisie entsprechend, während der Zeit vom 13. Januar bis 13. Februar 1903 an unserer Gewerbeschule einen Spezial - Ausbilduugskursns für Vorbereitung zur Meisterprüfung — bei genügender Beteiligung — abzuhalten. Diejenigen Gesellen und bereits selbständigen Handwerker in der Provinz Oberhessen, welche sich demnächst der Meisterprüfung unterziehen wollen, werden zum Besuche dieses Kursus eingeladen. Die Gebühren für diesen Kursus betragen 10 Mk. Anmeldungen sind schriftlich — mit genauer Adresse des Teilnehmers — an die unterzeichnete Schulleitung bis l 9 Bekanntmachung. Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Eingehung derJnvalidenversicherungsbeiträge für diejenigen Versicherten mr die sie seither durch die Grotzh. Bürgermeisterei Gießen erfolgte, mit Wirkung vom 29. Dezember 1902 an die Ortskrankenkasse Wietzen überwiesen ist. Gleichzeitig sind der Ortskrankenkasse Gießen llie Geschäfte der Meldestelle übertragen worden. Die Einziehung der Beiträge seitens der Ortskrankenkasse Wietzen erfolgt in demselben Umfange wie bisher durch Erhebung. Sämtliche erforderlichen Meldungen haben vom 29. Dezember 1902 au ausschließlich bei der Ortskrankenkasse Gießen ^udwigstraße 12) zu erfolgen. Bon dem gleichen Tage an haben die sogenannten unständigen Arbeiter ihre Quiltungskarten zur Kontrolle der Ortskrankenkasse Wietzen vorzulegen. Gießen, am 23. Dezember 1902. . _ 8886 Grotzyerzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. br 19oa ! "nie« m am 9i, :eftoc KM KM '^rtt ctaQ,c :Ä^ »am 13. U7 - ' -Ml. L'tzK Käste. ’ »«* 'S* ;*n am 12, f JS* ^«men tn Mn?361 au( 'äemloni, K •on Mis Dr. faHtaiß Dbetpratibem 'fenetalitaatianwai!^ Maurat Viih^^, ■ 0bw-3u|lizral • ln Stiel, Somglfc/. ®. ^legltz, jjqM chmmger am 16. li a >• vdjubm am2v.ii.; städtischen riech» m ötaatäbenmu- m Berlin, Lladlra A> ^lizeiMfeli unter X?:- jtoiroeweur von svvM ii3(6enegambitn),inj$: n am 12.2. inÄk an von Mexiko, & 2. in Jmüdrnik, iiak in Stuart 6nbt V1.? wrg Goldberger in fc am o. ö. in Zürich. ilitärs. langjähriger lnnvornLufmhiff^^- lückt 1.2. JroijjiW ir des 3. SeebalMl n der vchutzlruppr irr v. Feilitzsch MX- m 27.6. Wetzlar, fe hule in Potsdam: Infang Cftober ec tz, Ehes des Sen«- leimequm vom «..■ meister Sras Patsch 15.4. SBih, amjcher Admiral ew» >r oerungludt i >r 8.8. Änisfel, M ' ima bei Söq, W ' S-bains, ljawJJ m3, fM' G Heber Admiral W* 231101 M Tage. .............. , ., mittags halb 4 Uhr: „Tie Piccolomini." Abends 7 Uhr: A------ steins Tod." Montag den 5. Januar: Zum ersten Mate: „Die Gerechtigkeit/' Dienstag den 6. Januar: „Die Gerechtigkeit." Mittwoch den 7, Januar: „Monna Banna." ött-chtis«, N11 MmpfoiMmi SchMWßraße 4 Jac. Pereyn empfiehlt täglich frisch: feinste Süßrahm-Butter per Kilogramm 1.Ä5 Mark. 8448 Auch bei den Mllchfabrern zu bekommen. S »«6 * J >i-1811 ,j4» Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Msere Kasse im laufenden Monat. zur Erhebung oder Kcischreibung der Zinsen Dienstags, Mittwochs, Lonncrstags und Samstags geöffnet flt. Gießen, den 9. Dezember 1902. 8600 Der Direktor der Spar- und Leihkasse Gießen. Wiener. Spiripllm der «renrigten Frankfurter Stadtkhratrr. Opernhaus. Dienstag den 80. Dezember, nachmittags halb 4 Uhr: „Fran Holle.-' Abends 7 Uhr: „Der Bajazzo." Hierauf: „Cavallena ruatioana“. Mittwoch den 81. Dezember, nachmittags halb 4 Uhr: „Frau Holle" Abends 7 Uhr: „Tie Geisha." Donnerstag den 1. Januar 1903, nachmittags halb 4 Uhr: „Frau Holle." Abend- 7 Uhr: „Teil". (Oper). Freitag den 2. Januar, nachmittag- halb 4 Uhr: „Frau Holle." Abends geschlossen. Samstag den 3. Januar, nachmittags halb 4 Uhr: „Frau Holle." Abeiids 7 Uhr: „Die Zwillinge." Sonntag den 4. Januar, nachmittag- halb 4 Uhr: „Frau Holle." Abends 7 Uhr: „Samson und Dellla". Schauspielhaus. Dienstag den 30. Dezember'): „Im bunten Rock." Mittwoch ben 31. Dezember: „Das Theatcrdorf." Donnerstag den 1. Januar 1903, nachmittags halb 4 Uhr: „Alt-Heidelberg." Abends 7 Uhr: „Monna Banna." Freitag den 2. Januar: „Monna Banna". Samstag den 3. Januar: „lieber unsere Kraft." L Teil. Sonntag den 4. Januar: Schillers WaUenstetmTrilogie an einem i. Vormittags halb 12 Uhr: „Wallensteins Lager." Nach- - ' • *• ...........Wallen- ^"Jhre Verdauung wird geregelt ' I ’'m wenn Sie nach jeder Mahlzeit ein Gläschen D! W. Knecht s W MaQenbilter.Säntis* zu sich H nehmen. Grosse Flasche M. 2.50 ! Probeflasche M/LÜberall erhältlich Bekanntmachung. Es ist uns ein Waggon Briketts zur Verteilung fTamilien überwiesen worden, in welchen ein Elternteil lii und noch schulpflichtige Kinder vorhanden sind Meldungen sind bis zum 3. Januar k. Js. bet den 24. Eejember 1902. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Mecum. __ FititwUijttlolz-VtrXMrf. Die Fürstlich Solmsische Oberförsterei zu Lich hat aus dem Distrikt Riedwald ca. 4100 Fichten - Reisstangeu — ca. 57 fm und ca. 2000 Fichteu-Derbstaugen — ca. 102 fm zu verkaufen. Die Stangen eignen sich zum Zumachen, zu Baumpfähleit, zu Wagnerstangen, Mmwer- und Weißbinderstangen, Sparrenholz u. j. w., etwas leichtes Fichten-Bauholz kann zugegeben werden. Die Vermessung ist auf Mtttendurchmeffer und Lange mit der Rinde erfolgt. Bei Abnahme größerer Partteen kann der Verkauf aus der be> Wirt- überhaupt Vorhand« ist. Und barm: eS ist nie ratsam, Rechtstülle mit einander zu vergleichen. Die größte äußerliche Aehnlichkeil verbürgt oft die innere Verschiedenheit der Fülle. Zwei Umstände sind es, die verhindern, daß die zuleßt hervorgehodenen Einwendungen eine Aenderung des einmal vorgenommenen Standpunktes bewirken können. Die absolute Gleichstellung des Theater- aewerbeS mit jedem anderen Gewerbe entspricht nicht der in den weitesten Kreisen des Publikums vorhandenen Auffassung. Und auch die Thaaterurrternehmer würden sie ablehnen, — wenn nicht, wie im vorliegenden Falle, sich ihnen aus der Gleichstellung eine Waffe aegen unbeliebte Zbritiker darbieten würde. Dieser Tharsache, daß die Bevölkerung die Weigerung eines Theaterunternehmens, jemandem für eine angekürrdigte Vorstellung ein Billet zu verkaufen, als unrechtmäßig empfinden würde, wird auch die Wissenschaft und die Rechtsprechuirg Rechnung tragen müssen. Es scheint weit angemessener, den Kontrahierungszwang der Theatepunternehmer auch für die privaten Theaterunternehmungen anzunehmen. Dazu kommt noch, daß das Recht der Verbirrdlichleit einer einseitigen WillenserkÜrrung durchaus anerkennt. Tas ist der Fall, wenn es sich bei Vertragsschlüssen um solche hartdelt, die jeder persönlichen Beziehung entbehren. Und das ist bei den Offerten der Theaterunternehmer durchaus der Fall Für den Theaterunternehmer kommt der Gegenkontrahent als sogenannte fungible Person in Betracht, >as heißt, als eine, ein bestimintes (Snigelt für eine be- timmte Dienstleistung leistende Person, nicht aber als be- timmte Tienstlerstung leistende Person, nicht aber als den Auslobungen, in denen sich jemand dem Finder eines verloren gegangenen Gegenstandes zu einer Stiftung verpflichtet. Wer auch die Sache findet und abgiebt, hat den Anspruch auf die Belohnung, die ausgeseßt ist. Genau so allgemein, wie die Auslobung, ist die in der Verbreitung von Inseraten enthaltene Aufforderung, einer Vorstellung im Theater beizuwohnen. Und dieser Aufforderung nachzukommen, muß jeber das Recht haben. Der Kontrahierungszwang ist aus oieser so gehallenen Auf- forderuna abzuleiten; denn in der Aufforderung liegt zugleich die Willensäußerung des Unternehmers, mit jedem zu kontrahieren, der die in der allgemeinen Aufforderung verlangte Gegenleistung ordnungsmäßig bietet Außerhalb dieses Vertrages liegende Verhältnisse dürfen dabei keine Berücksichtigung sinoen. jüben Sie schon einen schneidigen Schnurrbart? wcun nicht, so gebrauchen Sie meinen weltberühmten Bartbesörderungv-Balsam „KO MM EL IN“. Der Erfolg garantirt tn wenigen Woche«. Prei» p. Dose Stärke I r Mk., Stärke ll 8 Mk., ia ungünstigsten Fällen nehme man Stärke NI zu 5 Mk. Kein Bartwuchs» schwindel, denn dieses beweise« meine «nzähligr« Anerkennungsschreiben. Auch wurde wein Präparat In Paris 1900 mit der goldene« MedaUl» prämllrt. Ber- sandl p. Nachnahme. Porw *0 Pfg. Bei Nichterfol> zahle Veld rurück, daher kein Ristko Nur< zu beziehen von «ob. Havberg, Neuenrade A 80 iLestsale»), auszuqehen. 8. Bormüllder können die Zinsen für chre Mündel erheben, roenn das Gericht nicht anders bestimmt hat. Bei Kapitalrückzahlungen bedarf es der schriftlichen Ermächtigung der obervormundschaftlichen Behörde. 8625 Bürgerliches HcheiyMn empfiehlt prima bürgerlichen Mittagstisch von 70 Pfg. an, trühstücks- und Abendtisch von 50 Pfg. an, prima Melchior- ter, Butzbach, und Löwenbräu, München, sowie reine Weine. Separate Zimmer für Gesellschaften und Vereme zu vergeben. Angenehmer Familien-Aufenthalt. Warme, reichhaltige Küche bis 12 Uhr nachts. Um gütigen Zuspruch bittet 8894 C. Helder, früher langjähriger Kellner am Hauptbahnhof Frankfurt. a.M. ' Gründen scheitert. Doch auch mit dieser Theorie wird man nicht weiter kommen. Denn einmal trifft sie nur für die Zülle zu, in denen in einer Stadt nur ein Theater ist; tidjt. für die Städte, die mehrere Theater haben. Tann »mthall sie gegenüber den Theaterdirektoren solcher nur iirit einem Theater begabter Städte eine Härte. Man könnte den Kontrahierungszwang des Theater- intern ehmers mit jedermann aus der öffenllichen Zrveck- I Bestimmung des Theaters entnehmen. Aber haben denn rrnsere Theater eine öffentliche Zweckbestimmung? Etwa loie die Eisenbahn? Dre Telegraphie? Damit ein solcher, 'suasi publizistischer Charakter des Theaters anerkannt werden kann, ist erforderlich, daß der Staat die Benußulrgs- I Bedingungen seststellt, daß er nicht gestattet, daß irgend • ün, Privatullternehmen durch willkürliche Bor- schriften gewisse Personen von der Benutzung >!iner Bildungsinstitution ausschließt. Eine solche obrigkeitliche Fixierung ist nicht vorhanden. Man kann sagen, glück- Ilicherweise nicht vorhanden. Daraus, daß sie nicht vorhanden ist, ergebt sich aber, daß man im rechtlichen Sinne von mner öffentlichen Zweckbestimmung des 'Theaters auch nicht neben kann. Alle diese Theorien leiden daran, daß in ihnen eine ssolche öffentliche Zweckbestimmung stillschweigend voraus- ,zese^t wird, dre also in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. 'Natürlich müssen ine Folgerungen, die aus einer zu Un- i:echt als vorhanden angenommenen Voraussetzung gezogen werden, schief sein. Man darf jedes Theaterunter- inehmen nur als ein rein privatrechtliches Institut ansehen. c tdß der Staat eine Konzession geben muß, nimmt dem i Unternehmen nicht diese Stellung. Diese ist auch zu ,:echt vielen anderen Gewerbebetrieben erforderlich. Und aus Lieser allein dem Privatrecht an gehörigen Stellung des Theaters laßt sich nur die Frage beantworten, ob ein Ächeaterunternehmer berechtigt ist, Eintrittsuchenden den Wntritt in seinen Dheaterraum zu verweigern. Dadurch, daß jemand bekannt macht, daß an einem betreffenden Abende in dem bestimmten Theatergebäude mit der bestimmten Besetzung ein bestimmtes Stück gegeben werden würde, erläßt man eine Aufforderung an Las Publikum schlechthin, dieser Vorstellung beizuwohnen. «Oder in der Rechtssstrache: Man macht den Interessenten «ine Offerte. In dieser Offerte ist enthalten, daß man Hich jedem gegenüber, der ine Offerte unter Erfüllung der erforderten Gegenleistung — Bezahlung des bestimmten Äheaterplatzes — annimmt, seinerseits zur Erfüllung der von ihm versprochenen Leistung verbindlich mache. Sobald nun jemand den in der Offerte enthaltenen, von ihm als Gegenkontrahenten erforderten Be- Lrag zahlt, muß ihm das Billet ausgehändigt werden, □ie Aushändigung des Billets bildet ine Perfektion des Vertrages, zu dessen Abschluß der Dheaterunternehmer durchs die von ihm ausgestellten Inserate aufgefordert hat. Die urchtliche Möglich keit, irgend welche Personen auszuschließen, iJt nicht vorhanden. Die generell gehaltene Offerte, der Vorstellung beizuwohnen, kann jeder an sich gerichtet be- ucachten und demgemäß auch annehmen. Man hat diese Offertentheorie heftig angegriffen. Man figte, ihr wohne eine rechtliche Bindung, wie sie oben an- nmommen wurde, nicht inne. In der Verbreitung von Inseraten über die Vorstellung liege nur eine Aufforderung Mm Abschlüsse von Verträgen. Das Angebot mache der Mlletreflettant; dem Leiter der Veranstaltung stehe es fstti, das Angebot anzunehmen oder nicht anzunehmen, llabe die gleiche rechtliche Bedeutung wie etwa die Aus- ligung von Speisekarten in einem Restaurant. Und auch Restaurateur sei nicht verpflichtet, irgend einem Qast, der in die ganze Umgebung, in Den Kreis der Per- fionen, die in dem betreffenden Lokale verkehren, nicht Meinpasse, die Erzeugnisse seiner Küche und feines Kellers üorzusetzen. Zunächst würde es sich fragen, ob ein solches Recht Das Einlagebuch wird mit 10 Pfg. berechnet. Einzahlungen können täglich geleistet werden. Das Einlagebuch ist von dem Besitzer gut zu verwahren. Kommt ein Einlagebuch abhanden, so hat der Sparer unverzüglich bei der Bank Anzeige zu erstatten. Die Bank ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, bei Kapital» rückzahlungen die Legitimation des Vorzeigenden zu prüfen. Die Beischreibung der Zinsen erfolgt im Januar jeden Jahres in den Büchern der Bank. Die Besitzer der Eiulagebücher können die Auszahlung oder Beischreibung iedoch ganz gele« gentlich auch in anderen Monaten veranlassen. 7. Kapitalien unter 1000 Mark können ohne Kündigung abgchoben werden, dagegen hat der Zurücknahme von Beträgen über 1000 Mark in der Regel eine dreimonatliche Kündigung vor- Bekanntmachung. Das Armenamt befindet sich vom 29. Dezember d. Js. ab ün 1. Stock des Hauses Neuen-Bäue 9hr. 43. Gießen, 19. Dezember 1902. 8926 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. dTr-it-l SM ÄS »äW . 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