ISS. Jahrgang Erstes Blatt. Nr. 280 Grl-etnl täglich aubei Sonnlag». Den» Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit den, Kesfilcheu Landwirt bie Lietzener Familien« blätter oiermal in der Woche beigelegt. NolalionSdruck u. Verlag de, tJ t ü t) l'schen Univerf.-Buch- u.Slem» dr ud»ret (Vielsch Erden) tUbatuon, (trpcbuum and Druaereli Schul sl ratze 7. tlbiefle iüt Depeschen: Anzeiger «letzen. ^rrnlt>rrc6an1d)lii6'Jtr 61. FreitagS?. NovemberlSOS ve>ag*p»«tst, monoll,ch7bPl^vlerUt» ▼ . jährlich ®IL 2-20; durch ych AA Abhole- u. Zweigstellen /p&Ä. V'-'/'SF monatlid) 65 Pf., durch A B ffl W H die Post Mk.r.—vlenei- W BH jährt, ausscht. Vesiellg, ra M Annahme von Anzelgeg für die lagcenummet iS®' bll vormittag« 10 Uh^ ^3s>2?y Hetlcnpttt«; total IS aixOrvärK 20 Pfg. verantwortlich: v ’ v wr den polil u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen KtKanntmachung. Bett.: Rauschbrand zu Lich. E4 wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß gns der Fürstlichen Gutsverwaltung zu Lich ein Schaf an Rauschbrand gefallen ist. Gießen, 28. November 1902. Großherzaaliches S'maamt Gießen- Dr. Breidert. Per Kass Krupp. Der Kaiser hat Friedrich Alfred Krupp die letzte Ehre erroicfen; einer unter den tausenden von Leidtragenden ging deS Vaterlandes erster Mann Hinter der Bahre, um der Welt zu bekunden, daß em Ehren mann zur letzten Ruhe bestattet wird. In seiner wuchtigen Rede warf sich Wilhelm II. mit der ihm eigenen leidenschaftlich raschen Impulsivität zum Schützer der persönlichen Ehre deS Heimgegangenen aus. Vor diesem Zeugnis allein müßten die infamen Verdächtigungen verstummen. Von den schweren Bezichtigungen, die italienische Lokalblätter gegen Krupp erhoben haben, wußte man in Deutschland an verschiedenen Stellen bereits, bevor der „Vorwärts" sie wiedergab. Man hatte fie hier zu Lande so gut wie unbeachtet gelassen, da man hier sehr wohl wußte, daß es sich um einen systematischen Erpressungs- seldzug gegen Krupp handelte. Diese Erkenntnis der Verhältnisse machte natürlich auch die spateren Angaben des „Vorwärts" im höchsten Grade unglaubwürdig und ließ annehmen, daß das Blatt mit seinen „direkten Informationen" ebenso sehr seiner unverantwortlichen Leichtgläubigkeit wie seinem Haß gegen hervorstechende Vertreter des Kapitalismus zum Opfer gefallen war. Die trotz einiger Schärfen erschütternde Ansprache des Kaisers, der mit Krupp durch ein enges Freundschaftsverhältnis verbunden war und der dem toten Freunde die letzte Ehre zu erweisen unter diesen Umständen als eine besonders heilige Pflicht ansah, hat reinigend gewirkt wie ein Gewitter. Möge sie die beab- kichttgte gute Wirkung auf die Hörer nicht verfehlt haben' Man entnimmt dem Neapeler „Mattino" folgende Einzelheiten über da« Capreser Leben des Verstorbenen. Seir einer Reihe von Jahren pflegte Krupp den Winter in Capri zuzubringen, wo er im Hotel Quisisana abstteg und in den Zimmern Nr. 9 bis Nr. 12 „Hof hielt". Unter Vermeidung jeder zeremoniellen Deußerlichkeit trat der reichste Mann Deutschlands als einfachster Tourist auf und verkehrte mit Vorliebe mti Künstlern, Musikern und der- gleichen, sowie mit den Eingeborenen der Sirenen-Jnsel. Interviewen ließ sich der Geheimrat um keinen Preis: ttotzdem brachten es gewisse Neapeler Zeitungen fertig, große politische Unterhaltungen mit ihm zu veröffentlichen, worauf jedesmal ein geharnischtes Dementi erfolgte. Was Krupp für Capri gethan, wie er eine prächtige Straße — die Strada Krupp — gebaut und das Gold mit vollen fanden unter die längst nicht mehr patriarchalisch naive Bevölkerung streute, wissen alle Besucher des glücklichen Hotel- und Sirenen-Eilandes. In ähnlicher Weise berichten die größeren italienischen Blätter aller Patteien, daß Krupp auf Capri ein moralisch absolut tadelloses Leben führte. Wir erfahren, daß er auf jenem Märcheneilande genau ebenso schlicht und einfach lebte, wie in seiner deutschen Heimat; dort wie hier streute er mit vollen Händen Wohlthaten auS; er unterstützte die Schwachen und Armen und versuchte auf das verlotterte Volk der Capreser, soviel es in seinen Kräften stand, ökonomisch und moralisch erziehlich einzuwirken. Wenn sich eine Partei gegen ihn bilden konnte, so waren e5 diejenigen, die nicht genug bekamen und den anderen das, was sie erhielten, mißgönnten. Diese verluderten Nachkommen der edlen Römer* verfügen zwar über die Pose ihrer „großen Ahnen", aber Armut und Indolenz haben sie moralisch so herunter gebracht, daß sie in den gemeinsten Ehrabschneidereien nichts Anstößiges finden, wenn sie damit ihre Zwecke erreichen. Dies gilt natürlich nicht von allen Capresen, aber von jener entsetzlichen Bande, die dem NichtSthun, der Verleumdung und Rache lebt, der jedes Mittel recht ist, wenn es zu ihrem Vorteil ausschlägt. Ein Mord wurde begangen, sagte der Kaiser m seiner Essener Rede. Das Wort ist stark, ganz gewiß zu stark, und mächtiger als das empörte Gefühl über eine gemeine Ehrabschneiderei, die einen gütigen und kranken Mann auf daS Totenlager warf, ist in Deutschland daS Recht, das den unanständigen Verleumdungsfeldzug mit aller Schärfe, aber nicht über daS Maß verurteilen wird. ES wird nicht vergeßen werden, daß alle jene hetzerischen Reden, die da sagten, die Arbeiter hätten Krupps 25 Millionen verdient, eine kurzsichtige und widersinnige Thorheit, ja von gar vielen wider beffereS Wißen ausgesprochene Lüge war. Das Genie vom Großvater und Vater Krupp hat diese Anlagen geschaffen, die die Bewunderung der Welt erregen. Wenn diese beiden nicht mit ihrem höheren Verstand, ihrem unermüdlichen Fleiß, ihrer Erfindungskraft und ihrer Energie gewirkt hätten, dann hätten eben nicht Hunderttausende von Arbeitern, Beamten 2C. schönen Verdienst und menschenwürdiges Dasein, die deutsche Volkswirtschaft hätte nicht Millionen und Millionen eingenommen. Von diesem großen Unverstand, daß die Arbeit der Handarbetter eS sei, die die „Werte" schafft, ist die Welt beherrscht. Doch nur auf dem Wege eines gänzlich unbeeinflußten gerichtlichen Verfahrens, wie es gegen das sozialdemokratische Blatt eingeleitet und fortgeführt werden soll, wäre es möglich, die Wahrheit zu ergründen. Wenn der Kaiser, einer impulsiven Regung folgend, feierlich erklärte, daß er den Schild des deutschen Kaisers über dem Hause und dem Andenken des Verstorbenen zu halten nach Essen gekommen sei, so bekundete er damit die Vornehmheit seiner Gesinnung und die Ritterlichkeit seines Charakters. Mer er beschwor damit auch die Gefahr herauf, daß seine Worte einen dem Richter unbewußten Einfluß auf das eventuell zu erwartende gerichtliche Urteil ausüben könnten, an den der Kaiser gewiß nicht gedacht hat und den er ganz gewiß unter keinen Umständen wollen wird. Im übrigen hat mit der unseligen Veröffentlichung im „Vorwärts" das deutscheVolk nichts zu thun. Gewiß, sie ist des deutschen Namens unwürdig, und das beweist, daß man den „Vorwärts" mit seiner Veröffentlichung und deren Verantwortung durchaus sich selbst überlassen muß. Essen a. Ruhr, 27. Nov. Der Bürgermeister von Capri, Serena, telegraphierte anläßlich der Beisetzung Krupps an den hiesigen Oberbürgermeister: Ich erfülle meine Pflicht, indem ich Ihnen mitteile, daß unter dem Ausvicien der städtischen Behörden die gesamte Be» völkerung einmütig das Gedächtnis Ihres hochverdienten Ehrenbürgers Krupp feierte und mir den angenehmen Auftrag erteilte, dem Magistrat der Vaterstadt des illustren Toten ihre tiefe und nnauSlösch-! liche Trauer ausAudrücken. • • Ein Teil der Berliner Blätter bespricht die Rede des Kaisers in Essen. Die „P o ft" sagt ut entern längeren Artikel: Die öffendliche Schmähsucht habe seit der Beseittgung des ©ojialiflen* gesetzes an Umfang ungeheuer zugenommen. Der Mißbrauchten die Sozialdemokratie mit der Preßfreiheit treibe, schreie förmlich zum Himmel. Es sei die höchste Zeit, daß diesem Terrorismus endlich eine wirksame Schranke gesetzt wird. Tie „T 5 gl. Runds ck au" meint, die Sozialdemokratie werde die Wirkung des vergifteten Brotes, das fie andern reichen wollte, am eigenen Leibe spüren. Man müßte an der Gesinnung der deutschen Arbeiterschaft verzweifeln, toemc sie das Verbrechen des „Vorwärts" als eigenes tragen, sich zu ihm bekennen wollte. Die „Staatsbürger-Ztg." billigt vollkommen b« Kaiserrede. Zutreffender als dies durch Die kaiserliche Ansprache geschehen, sei das Verhalten der Sozialdemokraten^ bisher nicht gebrandmarkt worden und werde auch nicht' gebrandmarkt werden. Die „Germania schreibt tt a.: Wenn der Kaiser die Hoffnung ausspreche, daß die sozialdemokratischen Arbeiter sich nunmehr bewegt finden würden, das Tischtuch zwischen sich und der Sozialdemokratte zu zerschneiden, so dürste das doch eine zu o p t i m isti sch e Au s f a ssun g sein. Tas Gros der sozialistischen Arbeiter sei so tief verhetzt und so sehr an die KampfeSweise des „Vorwärts" gewöhnt, daß die Stimme des Herzens mit edler menschlicher Empfindung kein Gehör mehr finde. Der „Börsen-Courier" glaubt darauf Hinweisen gix müssen, wie wirkungslos tmb eben deshalb tmzuträglich es sein könne, «daß der Kaiser gewissermaßen ein Lossagen der sozialisttschen Arbeiterschaft von ihrem Zentralorgan! fordere. Das Blatt fürchtet, in dieser Hinsicht werde auf, keine Erfolge zu rechnen sein, so schlechte Dienste her; „Vorwärts" auch mit seinem Vorgehen der Partei geleistet habe. Das „Berl. Tageblatt vertritt die Ansicht, daF es vielleicht besser gewesen wäre, wenn sich in der Nnv- getung des Kaisers ein Mann gefunden hätte, der von.' einer Veröffentlichung des Wortlautes der Rede ebrlich gewarnt und sie so verhindert hätte. Jedenfalls aber Dürfe man die vom Kaiser gebrauchten Ausdrücke nicht auf bie Goldwage legen. Eine dauernde Wirkung kann sich baS Blatt von dieser Rede nicht versprechen. Tie Arbeiter folgten der Sozialdemokratte, weil fie bei ihr ihre Interessen ant besten vertreten zu sehen glaubten. Dieser Glaube werde schlechterdings auch durch den Appell des Kaisers kaum? in einem größeren Umfange erschüttert werden. Die ,^8e r l. Z t g." steht nicht an, auszusprechen, datz Cervantes mit dem Don Quixote, der Rosinante, der Tulcinea, dem Windmühlenkamps unb dem Ritter von der traurigen Gestalt, Moliöre mit den eingebildeten Kranken und dem Tartuffe, der Däne Holberg mit dem politischen Kannegießer und noch einige andere. Auch das wirkliche Leben schafft neue Gattungsbegriffe: wer bei den Alten ein Krösus war, ist bei uns ein Rothschild, Libungtschang hieß der Bismarck des Ostens, Panama ist der Gattungsbegriff der Bestechung geworden. Weihnachts -gSitf rafut* In dem Verlage von C. Bertelsmann ht Gütersloh erschien soeben von Karl Barthels deutscher National- Htteratur der Neuzeit (zehnte Auflage, neu bearbeitet und fortgesetzt von Max Vorberg, weitergeführt und vollendet von Guido Burkhardt) die 7. (Schluß-)Lieferung (1.50 Mk.) Nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten, welche, «sich der Vollendung dieser neuen Bearbeitung, zumal durch den plötzlichen Heimgang des ersten Bearbeiters, entgegenstellten, ist es erfreulich, dieses treffliche Werk nunmehr zum Abschluß gebracht zu sehen. Barthels National- litteratur hat sich Jahrzehnte hindurch bewährt als ein zuverlässiger und verständiger Ratgeber: auch von der Fortführung darf man sagen: is ist ein Pfadweiser auf dem Gebiete der neueren Dichtung, dem sich namentlich der getrost anvertrauen kann, der die Dichterwerke unseres Volkes nicht ausschließlich unter ästhetisch-künstlerischem Gesichtspunkt betrachtet, sondern dem es darauf ankommt, ethische Belehrung zu erhalten. Jede Seite dieses Werkes führt darauf hinaus, was geschehen ist, geschieht oder geschehen könnte zur Hebung und zum inneren Wachstum unseres Volkes durch das Mittel der schönen Litteratur, und so ernsthafte und herzenswarme als tief gehende Untersuchungen werden darüber angestellt. Tas Buch verdient namentlich Eingang in Kreisen der protestantischen Kirchlichkeit. —rt— Von Velhagen L Klasings bekannter schöner und lehrreicher Sammlung „Illustrierte Monographien" erschien soeben der 8. Band: Fr au e n s ch ö n h e i t im Wandel von Kunst und Geschmack von Professor Tr. Ed. Heyck (Preis 4 Mk.) Dies Buch ist, so lebhaft es das Interesse in Spannung hält und durch die wundervolle Auswahl .feiner opulenten Illustration die Augen entFeuilleton. Neber Schrifttrnrr und Sprachschatz hat Prof. Dr.Behaghel aus Gießen im Zweigverein Köln deS Allgemeinen deutschen Sprachvereins einen Vortrag gehalten, in dem nach der .Köln. Ztg/ folgende bemerkenswerte Einzelheiten vorkamen. In seinen Hlussuhrungen wies er nach, welche Einwirkungen der deutsche Sprachschatz, dessen Quelle der mündliche Verkehr und das Schrifttum ist, einerseits durch die gestaltende Thätigkeit des einzelnen Schriftstellers, anderseits durch die Schaffung neuer Wörter, die der Masse des Volkes entstammen, erfahren hat. Meist find es die sog. geflügelten Worte, die Kunde geben von der Stärke, mit der einzelne Schriftwerke den Sprachschatz beeinflußen. Allen voran stehl die Bibel, aus der die meisten stammen. Sonst finden wir fast gar keine solche von deutschen Schriftstellern bis zur Zeit unterer Klassiker. Die großen Kampfe des 16. Jahrhunderts haben 4,ns Wort .Dunkelmänner" geprägt, und a»5 derselben Zeit stammt der Enlenfpiegell. Das 17. Jahrhundert hat uns den _9tiirnbcr- aer Trichtert hinterlassen und das 18. den .Don Iuarrt und die Oeporellorolle . Lessing verdanken wir 20 geflügelte Worte, aus dem Faust stammen 111, aus Schiller dritthalbhundert. Shakespeare, der in der Uebersetzunq fast wie ein deutscher Klassiker roirfl, hat 60 öfter ungezogene Stellen. Vergil und Horaz haben mit 40 und 90 Worten stark auf die deutsche Sprache gewirkt. Werden btefe Worte meist ohne weiteres verstanden, so erfordern andere die Kenntnis ihrer Herstammung, eine geistige Arbeit. Wer z B. von einem .Tag von Damaskus- spricht, setzt bei dem Hörenden die Kenntnis der betreffenden Stelle der Apostelgeschichte voraus und die Fähigkeit, den Begriff sinngemäß zu übertragen. Solche Bilder werden zu lebendigen Gliedern unserer Sprache. Weitere Bereicherungen sind dieser aus dem Märch-n und der Fabel besonders der Griechen und Römer erwachsen. Ost wird auch ein Eigenname zum Ding» wort, indem man damit bestimmte Besonderheiten seines Tragers bezeichnet, z. B. ein Adonis, fein Homer sein. Andere Namen werden auch willkürlich gewählt, ohne daß sie em bestimmtes Bild geben und eine bestimmte Vorstellung fich damit verknüpfen laßt; in vielen Fällen freilich sind die Quellen dafür so veraltet, daß man sie nicht mehr kennt. Der Vortragende bemerkt, daß man z B. im 18. Jahrhundert einen aufgeblasenen Menschen piun§ ernannt habe, nach dem berühmten Scholastiker Duns ecotus. 2be dieser besondere Veranlassung zu einer^solchen Bezeichnung ge- geien habe, ist uns unbekannt. Für die sprach- und < udungs- geshichte ftnb die geflügelten Worte von großer Bedeutung,, fie aebn Kunde davon, wie stark die Schristiverke aui die Bolk^eele einaroirft Haden. Von ausländischen Schriststelleru haben außer Sharjpeare nur wenige den deutschen Sprachschatz beeinflußt, so zückt, doch aus ernsthaftester Absicht geschrieben. Es wird verdienstlich beitragen, ästhetische Probleme der Gegenwart durch seine geschmackgeschichtlichen Darlegungen klaren ml Helsen. Des Verfassers Weise bei kultur- und kunstgeschichtlichen Auseinandersetzungen laßt sich dahin charakterisieren, daß er Verständnis erschließt, anstatt Beschreibungen und Anekdoten zu geben, imfo ldaß er allen Hahlen unb geschraubten Wendungen redlich aus dem Wege geht. SBir: sind der Ansicht, daß das Studium dieses Buches für gebildete Frauen wichtiger ist, wie das einer Modenzeitung, und daß das Vergnügen daraus um vieles reiner, der Gewinn dauernder sein wird. Heinrich Sohnreh. Hütte und Schloß, reich illustr. von, L. Burger (Berlin M. Warneck), 3 Mk. Wir freuen uns dieser neuen Gabe Sohnreys und sind überzeugt, daß ,Lütte und Schloß" neben „F r i e d e s i n ch e n S Lebenslauf viele Freunde finden wird. Es ist interessant zu hören, was Professor Rich. M. Werner über Sohnrey sagt: „Als ich den entzückend-schlichten Lebenslauf Friedesinchens zum erstenmal las, überkam mich tiefe, Beschämung; das köstliche Buch ist bereits vor mehr aV einem Jahrzehnt erschienen und konnte mir vollständig unbekannt bleiben! Ich erinnere mich nicht, jemals eine Besprechung gelesen zu haben, die auf diesen Schatz kerniger^ volkstümlicher und einfacher Poesie hinwies. Sind wir in Deutschland wirklich so überreich an Poesie, daß wir gleich einem früchtegebeugten Baum auf die einzelne Frucht keinen Wert mehr legen können? Diese Frage habe ich mir schon manchmal vorgelegt, we^n ich beobachtete, wie andere Nationen sich über die Leistungen ihrer Dichter freuen." Durch das ganze Buch geht ein Zug von Freudigkeit, der wohlthut und erfrischt. Diese Freudigkeit gemahnt an das Volkslied, das auch besondere Vorliebe für traurige Stoffe hat |U nd selbst das Glück nicht in lustigen Liedern aussprilbt. Freudigkeit ist Frohsinn, nicht Suftißfeit; ist nachdenksam, nicht spaßhaft: ist sinnig, nicht komisch Tie Verlagsbuchhandlung von Martin Warneck hat soeben eine illustrierte Broschüre über Sohnrey herausgegeben. Wir empfehlen, sich diese kommen zu lassen, sie ist umsonst zu haben. der zu: 63 498 2. 3. Hanptvoranschlaa, vorgesehen ist. Jr 4. 5. in 2. 3. 4. Mk. 17 106 600 4 393 400 8 571 unverzinslich: Mk. verzins l i ch Anleche reifen der vormaligen Sesstschen Ludwigsbahn. . . Anleche wegen der übrigen Haupt- und Nebenbahnen . . . Anleihe wegen sonstiger außerordentlicher Staatshedürinisie . Reslkauischilling wegen des Erwerbs Fürstl. Jsenburgischer Besitzungen........ vorgesehen ist. Insgesamt sind die Einnahmen unter dieser Hauptabteilung geschäht zu 521 878 Mk., die Ausgaben zu 3 596 805 Mk., der Zuschußbedarf betragt sonach 3 074 927 Mark. Mehrere Personen wurden bereits verhaftet. — Der Staatsanwalt von Neapel schickte, wie die „Pa- tria" meldet, den Untersuchungsrichter nach Capri, der den Maker Christian Alters für schuldig fand, und einen Ha ft b e fehl erließ. Mers ist jedoch f l ü ch- tig. Die Untersuchung konstatierte ferner die Grundlosigkeit der Anklagen gegen Krupp. — Heute fand auf Capri eine Trauerfeier für Krupp statt. Es bildete sich unter Teilnahme von vielen Freunden des Verstorbenen ein Aua, der nach dem Stadtgarten zog, wo ein Votivaltar errichtet war. Ter Altar war mit vielen Kränzen bedeckt, auch mit der Büste Krupps von Bildhauer Stigliano geschmückt. Tr. Cuomo und Advokat Calobritto hielten Trauerreden. der nach Bestreitung der vorerwähnten Ausgaben der 1. und 14. Hauptabteilung und einiger kleinerer, gleichfalls im 2. Teil dcS Budgets angeforderter, nicht auS Anleihen zu deckender Beträge noch verbleibende Der Entwurf des ^inanzgefctzes und Entwurf de8 Hanptvoraiischla^ her StaatSe nnahmea und -ausgabea des Grofherzogtums für 1903 04 Schluß. 8% Mk. 180 505 100 8 000 000 20 186 032 würde. Aber auch zu anderen Zeiten kann sich zuweilen eine vorübergehende Erhöhung der Betriebsmittel der Hauptstaatskasse als zweckmäßig erweisen, und es unterliegt die Ausgabe von StaatSschahanwe'sungen zu diesem Zweck um so weniger einem Bedenken, als dieselbe nur innerhalb der bereits genehmigten Anleihckredite und nicht über den Betrag von 10 000 000 Mk. hinaus erfolgen darf, auch die Umlaufszeit der Anweisungen nur eine sehr beschränkte ist. Ter Zuschußbedarf bei der 12. Hauptabteilung: Pensionen ist immer noch im Wachsen begriffen, da die neueren Gesetze über «die Gehaltsverbältn'sse der Beamten und Volksschullehrer, sowie die Aufhebung des Gesetzes von 1875, bte Pensionierung der auf Widerruf angestellten Beamten betreffend, ihre Wirkung natürlich erst allmählich äußern: immerhin beträgt bie Steigerung des Bedarfs nur 24 0961 Mark, ist also wesentlich geringer, als im laufenden | . in welchem sie mit rund 129 800 Mk. Essen, 27. Nov. Frau Geheimrat Krupp teilte dem Oberbürgermeister Zweigert mit, daß sie in Uebereinstim- mung mit einer l-^twiMgen Verfügung ihres entschla- jenen G'mahls, in Vertretung ihrer minderjährigen Tochter Bertha, der Stadt Essen eine Mi llion Mark ' u wohlthätigen Zwecken ausgesedt habe. Tem Vernehmen nach stiftete Frau Krnvp für Arbeiterkas- ' en des Werkes 3 Millionen Mark. 3*V-0 Mk. 81 316120 15 834 800 6 109 500 In der der Zweiten Kammer der Stände seitens Groß- bcrzogli'chen Ministeriums der Finanzm zug"gangenen Vorlage, betreffend den Entwurf eines Finan'g-sehes und ben Entwurf des .Hauptvoranschlags der S^ '^--^'nnahmen und -Ausgaben für 1903/04, wird weiter 'rührt: Zmr 11. Hauptabteilung: Auslc' gen und Staatsschuld wird der Stand der Staatsschuld s h zu Beginn des kommenden Etatjahres wie folgt stell'n: Zusammen | 21 508 571 | 103 260 420 | 208 691 132 || 63 498 Aus Stadt und Laud. Gießen, den 28. November 1902. •* Gedenktage. Zu Wien wurde am 29. November 1839 der deutsch - österreichische Schriftsteller Ludwig Anzengruber geboren. Seine Studien mußte er notgedrungen aufgeben, wurde Buchhändler, Schauspieler, Schriftsteller, Kanzleibeamter, bis es ihm 1870 gelang, seinen Namen über die Grenzen seiner Heimat hinauSzusenden mit dem ewig neuen Volksstück .Der Pfarrer von Kirchfeld*. Durch den Inhalt seiner Dramen, die schnell aufeinander folgten, wand er neue Lorbeerblätter zu seinem Kranze. .Der Meineid- bauer*, .Die Kreuzelschreiber*, ,DaS vierte ®cbot* sind unvergängliche Werke beS Dichters, der am 10. Dezember 1889 starb. ** NationaNiberaler Verein-VortragS« abend. Ten ersten Vortrag in diesem Winterhalbjahre wird Prof. Tr. Sievers über „Die deutschen Interessen in Südamerika" halten. Näheres wird durch Inserat in der nächsten Woche bekannt gegeben. ** Tas Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 27, ausgegeben am 24. November d. I., enthält: 1. Bekanntmachung, die Uebersicht der vom Großh. Ministerium des Innern für daS Etatjahr 1902/03 genehmigten Umlagen der Kommunalbedüefnisse in den Gemeinden deS Kreises Büdingen betreffend. 2. Ordensverleihungen. 3. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Am 11. November wurde der GcrtchtSassessor Heinrich Espenschied aus Main; z*r Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Oppenheim zu;e- lassen. 4. Tienstnachrichten. Am 22. November wurde dm Tck)ullehrer Jakob Nothermel zu Nieder-Breidenbich, Kreis AlSfeld, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschul zu Bischofsheim, Kr. Groß^serau, am 29. Oktober wurdc -er tEe Entrüstung des Kaiser? über daS Vorgehen bet poyau demokratischen Presse in diesem Falle der Stimmung weiter kreise entspreche. JndeS sei der Kaiser zu weit gegangen, venn er die sozialdemvkrat''sche Partei gewisssermaven für He Vorgänge verantwortlich macht, die den Tod Krupps ^erbeigeführt haben, und wenn er den Arbeitern, die noch Anftig mit der Sozialdemokratie Zusammengehen sollten, rine moralische Gleichwertigkeit mit Verleumdern und des putschen Namens unwürdigen Schandbuben unterstellt. Tie „VolkSztg." rechnet mit der Möglichkeit, daß erfolge der Wendung von dem „sickeren Versteck eines Redaktions-Bureaus" in der kaiserlichen Rede in weiten Preisen des Publikums Irrtümer über das Verhältnis der presse zu der Öffentlichkeit und zu den Behörden ent- Lehen könnten, die den vielen im journalistischen Berui chätigen hochachtbaren Persönlichkeiten moralisch und gesell- chaftlich zum Nachteil sein müßten. Wien, 27. Nov. Tie Rede Kaiser Wilhelms in Essen nwegt hier in allen Kteisen großes Aufsehen. Tie Blätter »ringen die Rede, die ihnen erst im Laufe des Vormittags suging, noch ohne Kommentar. Nur die „Mittags-Ztg." chreibt: Tie eruptive Art, in welcher der kaiserliche Freund -es Verblichenen seinen Gefühlen für Krupp und feiner Entrüstung über die Angriffe des „Vorwärts" Luft macht stempelt die Rede zu der sensationellsten, die er bisher überhaupt gehalten hat. Nom, 7. Nov. Wie die Blätter melden, haben nack zuverlässigen Meldungen die von den Behörden in Capri vorgenommenen Untersuchungen bestätigt, daß Krupp bas Opfereiner Bande Verleumder geworden st. Krupp hätte schon früher diesen ausgesprengten Ver- eumdungen entgegentreten und die ganze Angelegenheit >er Staatsanwaltschaft übergeben müssen, statt mit Still- chweigen über die Verdächtigungen hinwegzugehen. Tie talienische Staatsanwaltschaft ist nunmehr ent- chlossen, mit aller Energie gegen das neapolitanische Skandalblatt vorzugehen, und da ans Grund des Preßgesetzes den Verleumdern nicht bemifonunen ist, diese als gemeine Verbrecher zu behandeln. Aufnahme einer Anleihe in gleichem Betrage geschehen Tie Bestimmung des Zinsfußes derselben soll, wie in den letzten Jahren stets vorgesehen, dem Ermessen der Regierung überlassen bleiben, sie hätte sich nach der Lage des Geldmarktes bei Begebung der Anleihe zu richten. Auch in diesem Jahre gestatten wir uns zum Schluß die Bitte um eine baldige Beratung und Derabschiedimg von Hauptvoranschlag unb Finanzgesetz; dadurch allein kann der fristgemäße rechtzeitige Ausschlag der direkten Staatssteuern und sachgemäße frühzeitige Inangriffnahme aller Sauarbeiten gewährleistet werden. | im Ganzen: Mk. 197 611 700 93 709 520 36 092 901 6 109 500 333 523 621 Tie 13. Hauptabteilung: Verhältnis zum Reich, schließt in Einnahme mit 11671 274 Mk. und in Ausgabe mit 12 287 084 Mk. ab: -hiernach wäre an das Reich eine Herauszahlung zu leisten von 615810 Mk. Wie bereits erwähnt, ist, da ein Reichsetatsentwurf auch nicht vorliegt, die Aufstellung des vorliegenden Etatsentwurfs im Anschluß an die Festsetzungen im laufenden Etat unter der Annahme erfolgt, daß sich das Verhältnis zwischen der Zahlung von Matrikularbeiträgen an das Reich' und den Ueberweisungen vom Reich nicht noch ungünstiger gestaltet, als solches scl)on im laufenden Reichsetat zum Ausdruck gelangt ist, welcher eine Herauszahlung der Bundesstaaten an das Reich von rund 25 000 000 Mk. — für Hessen also von rund 500 000 Mark — vorsieht. Nach den Ergebnissen der bis jetzt verstrichenen Monate des Etatsjahres 1902/03 steht indessen zu befürchten, daß die Gesamtüberweifungen an die Bundesstaaten hinter dem Etatsansatz um ein Erhebliches, mindestens um 10000 000 Mk., zurückbleiben werden, was für Hessen eine Verschlechterung in seinen Beziehungen zum I Reich von 200 000 Mk. bedeuten würde. Ist schon dieser Ausblick auf die Gestaltung der gesamten Finanzlage in 1903/04 kein erfreulicher, so wird derselbe noch weiter getrübt durch die Thatsache, daß das Reich für 1901/02 mit einem Fehlbetrag von rund 48 000 000 Mk. abschließt, der in 1903/04 wieder eingebracht werden muß und das Budget sür dieses Jahr — 1903/04 — sonach gegen das laufende, in welckwm nur ein Fehlbetrag aus 1900/01 von rund 2 000 000 Mk. in Ausgabe gesteUt ist, um runb 46 000 000 Mark höher belastet. Tess'nungeachtet muß sich allerseits bemüht werden, den Reichsetat derart zum Abschluß zu bringen, daß die derzeitige Ueberlastung der Bundesstaaten, die an sich fast unerträglich bezeichnet werden muß, nicht noch erhöht wird. Nur unter dieser Voraussetzung läßt der hier vorliegende Budgetentwurf noch ohne Anwendung außergewöhnlicher Maßnahmen sich balanzieren. Ter 2. Teil des Hauptvoranschlags-Entwurfs beziffert die Einnahme und Ausgabe des Vermögens zu je 18 485 939 Mark 39 Pfg. Auch hier sind zunächst 1. und 14. Hauptabteilung: Reste aus früheren Jahren und Indisponible und reservierte Fonds zusammen zu betrachten. Unter Hauptabteilung 1 ist als Vermögensrest des letztabgeschlossenen EtatsjahreS 1901/02 in Einnahme gestellt der Betrag von 9 477 057 Mk. 08 Pfg. und in Ausgabe der hieraus zu deckende Fehlbetrag des Derwaltunasbudaet? mit 2 093 961 Mk. 42 Pfg. Unter Hauptabteilung 14 sind in Ausgabe gestellt die jenem Vermögensrest enthaltenen: 1. 5 000000 Mk. Betriebskapital der Hauptstaatskasse, 671028 Mk. 24 Pfg. Beträge, Über welche bereits im Etatjahr 1902/03, in dessen Rechnung jener VermögenSrest übergegangen ist, verfügt wurde, 1389 413,27 Mk. Beträge, die zur Vollendung früher genehmigter Bauten re. noch erforderlich sind und bis zum Schlüsse des EtatSjahreS 1901/02 noch nicht verfallen waren und und dem neuen badischen Rangierbahnhos Mannheim, sowie schließlich für Erweiterung des Bahnhofes Hungen. 441 420 Mk. für den Ankauf von Staatsdomänen, insbesondere für Erwerbung des Staatsministerial- gebäudes, des Schlosses zu Babenhausen und M neuen Schlosses in Gießen. 2587130 Mk. für Erweiterungs- und Neubauten im Geschäftsbereich des Ministeriums des Innern, und zwar abgesehen von den als zweite oder fernere Rate angeforderten Beträgen — insbesondere für Geländeerwerb zum Neubau einer Blindenanstalt in Friedberg, für Erbauung von Gendarmenwohnungen in den drei Provinzen, sowie für die bekannten Erweiterungsbauten bei der Technischen Hocksckule, für einen Neubau für da., akademische Forstinstitut und die forstliche Versuchsanstalt in Gießen, und für eine Erweiterung der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Tarmstadt. 800 669 Mk. für Erweiterungs- und Nnckauten im Geschäftsbereich des Ministeriums der Justiz; herunter erste Raten insbesondere für den Neubau von AmtS- gericktsgebäuden in Tieburg und Lampertheim. 346184 Mk. für Bauten im Geschäftsbereich bei Ministeriums der Finanzen, und zwar erste Raten insbesondere für den Neubau von Tienstgebäuden für Steuerkommissariate und Bezirkckassen in Michelstadt, Alzey und Homberg a. d. O., wie für die Oberförsterei Münster in Tieburg. Tie für Bad-Nauheim vorgesehenen Herstellungen können noch aus dem Kurfonds bestritten werden, im übrigen soll die Deckung der im Gesamtbeträge von 8 735 287 Mark eingestellten Ausgaben — und zwar 3 997 200 Mark für Eisen bahn zwecke und 4 738087 Mark für andere außerordentliche Staatsbedürfnisse — durch VermögenSrest. Terjert>e wrrv nm nach Znsvyruna ber in 1903/04 auf frühere Ausleihungen zu erwartenden Rückzahlungen re. am Ende des Etats- jahres 1903/04 noch auf 317 684,15 Mk. stellen. Ihm ist zuzur-ecknen das in Schuldverschreibungen angelegte Akt'-nm der StaatSschuldenkasse mit Nom. 810800 Mk, sodaß sick danach das gesamte verfügbare Vermögen des Staats stellen wird auf 1 128 484,15 Mk. In dem Entwurf des laufenden Hauptvoranscklags war der am Schlüsse des Etatsjahres 19O2D3 voraussichtlich verbleibende Vermöoensrest zu rund 893 000 Mk. angegeben worden. Turch verschiedene von den Landständen im Ver- waltungsteil dieses Hauptvorcntfchlags veranlaßte Aende- ,rungen wurde der zur Balanzierung desselben aus dem Vermögen zu entnehmende Betrag um runb 210 000 Mk. aekürzt und so jener Rest auf runb 1 103 000 Mk. erhöht. Denn trotzdem der Dermögensrest zu Ende des Etatjahres 1903/04, d. h. al''o nach Entnahme von rund 2 094 000 Mk. Zur Deckung des Fehlbetrages im Verwaltungsbndget 1903— 1904 noch auf mutmaßlich rund 3'8 000 Mk. festgestellt werden kann, so ist dies im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß infolge der unerwartet günstigen Entwtcke- ung einiger Einnahmegnellen, insbesondere bei den Kapiteln Forstdomänen, Lotterie und direkte Steuern, Regalien re ), sowie infolge einer beträchtlichen Ersparnis an Schuldzinsen deS Rechnungsjahres 1901/02 statt deS veranschlagten Fehlbetrages von 2198 000 Mk. in der Rechnung nur einen solchen von 1 142000 Mk. aufweist. Hierdurch allein war es möglich, auch in dem Voranschlag für 1903/04 die Mittel zur Deckung des Fehlbetrages im Verwaltungsteil mit rund 2094 000 Mk. noch auS dem Vermögen zu entnehmen. Unter den übrigen Hauptabteilrmaen des Vermögensetats sind im wesentlichen die nachstehenden Beträge in Ausgabe vorgesehen: 1. 3 997 200 Mk. für Eisenbahnzwecke, und zwar — abgesehen von solchen Bahnhofsanlagen re., für welche bereits in früheren Budgets Beträge vorgesehen waren und für welche daher im vorliegenden Haupt- Voranschlag nur zweite oder fernere Raten eingestellt find — insbesondere für die Vermehrung der Betriebsmittel, für Herstellung und Verbesserung von Weichen und Signalstellwerken und sonstigen Sicherungsanlagen, für Herstellung einer Verbindungsbahn zwischen der Strecke Lampertheim -Mannheim Cs ist hierbei angenommen, daß Mr Beschaffung der in der nächsten Zeit erforderlichen außerordentlichen Mittel — mit Berücksichtigung der Neuforderungen in dem vorliegenden Etatsentwurf von 3 997 200 Mk. für Eisenbahn- zwecke und von 4 738 087 Mk. für andere außerordentliche Staatsbedürfnisse — die Aufnahme einer 3prozenttgen Anleihe von etwa 20 000 000 Mk. zu Beginn des kommenden Etatsjahres erfolgen wird. Ta schon seit 1897 Kredite „für sonstige außerordentliche Bedürfnisse des Staats" zur Ver- ftigung stehen, ohne daß die bewilligten und zum großen Teil bereits verausgabten Beträge durch Begebung einer entsprechenden Anleihe beschafft worden sind, ist beabsichtigt, dafür diesmal eine Anleihe für allgemeine Staatsbedürfnisse aufzunehmen, doch muß Vorbehalten bleiben, falls sich dies als notwendig erweisen sollte, die Anleihe ganz oder zum Teil auch als Eisenbahnanleihe zu begeben. Auch eine Aenderung des Zinsfußes muß sich die Regierung Vorbehalten, wenn die Lage des Geldmarktes bei Begebung der Anleihe dies als zweckmäßig erscheinen lassen sollte. Das Erfordernis für Verzinsung der eigentlichen Staatsschuld — einschl. deS Restkaufschillings wegen der ftüher Jsenburgischen Besitzungen — ist für das kommende Etats- jahr auf rund 10 711 200 Mk. ermittelt worden. Zur Tilgung sind 623 400 M vorgesehen, wovon 79 300 Mk. auf die planmäßige Tilgung der oben erwähnteu Restkaufschillingsschuld entfallen. Tie Landesbulturrentenkasseschuld ist im laufenden Etatjahre gekündigt und zurnckgezahlt worden. Tie Staals- rentenablösungsschuld wird sich zu Beginn des kommenden EtatsjahreS noch auf 4 302 500 Mk. stellen; es ist bei ihr eine Tilgung von 81000 Mk. vorgesehen und das Zinsenbedürfnis zu 172100 Mk. ermittelt worden. Tie Landeskreditkasseschuld wird sich im kommenden Jahre auf etwa 12 609 000 Mk. stellen und einen Aufwand für Verzinsung erfordern von rund 438 000 Mk.; eine Tilgung ist bei ihr nicht vorgesehen, da die von den Schuldnern der Kasse Mr Rückzahlung kommenden Beträge für neue Darlehen aus der Kasse Verwendung finden. Tie Bedürfnisse für die Verwaltung dieser beiden Schulden belasten den Etat indessen nicht, da ihnen Einnahmen in gleicher Höhe gegenüber stehen. Tie Einnahmen ans den Akttven der Hanptstaatslasse und der StaatSschuldenkasse und die Zuschüsse zur Verzinsung ic. der Staatsrentenablösungs- und der Landes- kreditkasseschuld sind zusammen zu 1 397 296.33 Mk. veranlagt, die Gesamtausgaben für Verzinsung, Tilgung und Verwaltung der Staatsschuld zu 12113 346.87 Pfg., es ver« langt hiernach die Staatsschuld einen Zuschuß von 10 716 050.54 Mk. oder 349 485.42 Mk. mehr als im laufenden Etat vorgesehen. Tie in die Hauptabteilung 11 aufgenommene Hess. Landes-Hypothekenbank wird voraussichtlich am 1. Januar 1903 ins Leben treten. Sa8 eingezahlte Aktienkapital wird rund 2 000 000 Mk. betragen, wovon der Staat nach den bis jetzt vorliegenden Anmeldungen der Kiommunalverbände und Sparkassen etwa 1400 000 Mk. übernehmen wird. Im ersten Geschäftsjahre wird nur mit einer geringen Tivi- dende gerechnet werden können, die aber — bei vorerst aleichbleibendem Aktienkapital — von Jahr M Jahr mit dem Anwachsen des Bestandes der Hypotheken- und Korn- munal-Tarlehen steigen wird. Für das Geschäftsjahr 1903 kann immerhin schon eine Dividende von 2 Proz. vor- gesehen werden, und eS darf angenommen werden, daß bereits nach 3 bis 5 Jahren eine solche von 4 Proz. verteilt werden kann. Ta der Staat sich die Mittel zur Heber- nabme .der Aktien durch Begebung von 3 Pwz. Schuldver- schrelbungen, deren Effekttv-Verzinsung etwa 3'/, Proz. betragt, beschafft, so wird im ersten Geschäftsjahre ein ZinS- Verlust von etwa D/s Pvoz. entstehen. Tieser Verlust wird aber nach 2 biS 3 Jahren verschwinden und durch den Mehr- krtrag späterer Jahre völlig ausgeglichen werden. Tie im Finanzgeseh für daS laufende EtatSjahr der Regierung erstmals eingeräumte Befugnis zur Ausgabe von Schatzanwei,ungen zwecks weitergehender Verstärkung des Betriebskapitals der Hauptstaatskasse wird auch im vorliegenden Entwurf des Finanzgesetzes wiederholt nach- gesucht. In den Bem knngen zum laufenden Budget und Finanzgesetz ist bereite- arauf hingewiesen, daß diese Maßregel sich besonders in Elchen Zeiten empfiehlt, in welchen die Begebung fundierter Llnleihen nicht rätlich erscheinen Kunst und Wissenschaft. KE Bierz, Binkaeschäft, Gießen, Neuenbällen 4t Est pax Fomn<>sque altus, En. eolis fax Ex'in ta jamdlul Aviculae silent snb alls; Brevi. mortalis, D'>rmieR tn. geistiger Umnachtung Selbstmord. — Im Marburg er Theaterverein absolviert am 1. Dezember Frau Charlotte Wiehe mit ihrer Pariser Truppe ein einmalige? Gastspiel. | ErhllUkhLiillaibujt^ori.ltmeraDeUMt^aihMdliuiset, smS.QESELLSCHAFT. ö. m. b. H., Frankfort a. M. i Sind Sie magenleidend,muss en Sie in derWahl der Speisen vorsichtig sein, versuchen Sie es mi k Dr.Knechfe Magen bitter,,SänHsr die Wirkung ist eine ganz überraschende. Grosse Flasche M.2,5O.Probeflasche1,OÖ.ÜberaHerhäll)1ich, «kchulaurtSafpiranHn Luise Flick auS Ober-Seemen, R*ret5 »Schotten, eine Lehrerirrnenstelle an der Gemeinde,schule zu «Sriesheim, Kr. Darmstadt, übertragen; am 30. Oktober wurde dem Geometergehülfen Friedrich Rühl aus Nieder- Movs daS Patent als Geometer 2. Klasse für den Kreis ! Lauterbach erteilt; am 5. November wurde der Forstwart- .rspirant Adam Trautmann zu Ober-Ramstadt zum Forst- tvart der Forstwartei Altenhain, Oberförsterei Ulrichstein, ।»mannt; am 7. November wurde dem Schullehrer Peter 'Deckt zu Oberschönmattenwag, Kr. Heppenheim, und Tolnas Burk zu Münster, St. Friedberg, Lehrerstellen an ter Gemeindeschule zu Griesheim, St. Darmstadt, überragen. 5. Dienstentlassungen. 6. Promotionen an der Gr. 'Landesuniversität im Rektoratsjahre 1902/03. 7. Erteilung Iteö Grades eines Diplomingenieurs an der Gvoßherzogl. Technischen Hochschule zu Darmstadt. 8. Charaktererter- : fangen. 9. Ruhestandsversetzungen. Dm 27. September ivurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Groß- ^arben, Kr. Friedberg, Wilhelm Schmidt auf sein Nach- 'fachen, am 4. Oktober wurde der Schullehrer an der Ge- neindeschule zu Gedern, Kt. Schotten, Karl Roth auf fern 'Nachsuchen, unter Anerkennung s'iner langjährigen treuen Dienste, in den Ruhestand versetzt. 10. Kon kurten zeroff- Tnunqen. Erledigt sind: die mit einem evangelischen Lehrer u besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Feld- 'krücken, im Kreise Schotten. Mit der Stelle ist Orga- listen- und Lektordienst verbunden, eine mit einem evang. Mehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu 'ssüddingshausen, im Kreise Gießen. Mit der Stelle kann Orgnisteandienst verbunden werden, zwei Lehrerstellen ,m der katholischen Schule zu Dieburg, eine mit einem .wangelischen Lehrer zu bffetzende Lehrerstelle an der Volks- -.'chule zu Worms — sämtlich mit dem gesetzlichen, nach item Tienstalter sich 'bemessenden, bezw. satzungsmäßigen «Schalt. t ~ ... ** Reichsbank. Dm 1. Dezember d. I. wird in Tulmsee eine von der Reichsbankstelle in Thom abhängige Veichsbank-Nebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränk- :Iem Giroverkehr eröffnet werden. 8 Grüningen, 26. Sept. Das alte Städtchen, früher .ur Herrschaft Münzenberg gehörig, besitzt zwei breitblättrige Ttnden von seltener Schönheit, wovon die eine ten Kirchenplatz ziert und die andere am Oberthor als Merkzeichen steht. Diese Bäume müssen schon ein sehr hohes mer haben, denn das frühere Stadtsiegel zeigt in der Mitte auf einem stehenden Schild eine Linde, auf deren beiden Seiten im Felde Zweige herabfallen, ebenso steht dieser Schild als Wappen auf der Marktfahne von 1713. Es jäte zu wünschen, wenn diese Linden unter den Tenkmal- | chutz gestellt würden, und die leider schon sehr ver- oahrloste Marktfahne zur Aufbewahrung ins Gießener Museum überging. Zu beklagen wäre es, wenn die Ober- .Linde durch einen künftigen Schulhausbau verdeckt wurde, 2a die Gemeinde einen sehr geeigneten Bauplatz auf der Müde und abgerackert während die andere nach vollbrachtem Tagewerk noch frisch und munter ist, weil sie sich durch den Gebrauch von Gioth's gemahlener Kernseiseile mit Salmiak und Terpentin beim Kochen der Wäsche die Arbeit des Reibens fast aus dem Wege geräumt hat. Ein Versuch überzeugt. Per Packet 15 Pfg. Fabrikant I. Gioih. Hanau a. M. 1996 ? 9(mbildnLQt1.3eR «I*t „’M* Ms-; .als für 4 ; ™ge borget ’m vorliegenden Ham jntm Roten einocssk^ ie Vermehrung der \ mb Verbesserung ten und sonstigen M mg einer Verbindung ^mpertbeim—Mannte ngierbahnhof Monud-.^ eitermg des Bahnh^ fa von Staatsdoni:- 3 des Aaatsmiff> . Babenhausen urj ■/ ngs- und Reubmini riums des Jm-'und 113 zweite obt: ien - insbesirin fit . einer BlindMalt in n Gend <>»»s Ä*t d-chsb-n y dn en, dem vtro M- LS" M ^?LschieM S-&AS 'SS** X BeNetrheim, 27. Nov. Der Schretnrrmeister Linguer, bei dem sich schon seit längerer Zeit Spuren von Geistesgestörtheit zeigten, wurde heute von einem Gendarmen zur Beobachtung nach Gießen tu,erstgenannten Ochsen-Weide hat. () Friedberg , 26. Nov. Seminaldirekbor Tr. Ou enteil vom hiesigen Bolksschullehrerseminar hat vor etwa 14 Tagen einen längeren Urlaub angetreten. Wie man hört, 'beabsichtigt Tr. Quentell mit Mcksicht auf seinen Gesundheitszustand demnächst — wahrscheinlich mit Schluß^ des Schuljahres — in den Ruhestand zu treten. Gegenwärtig Zliegt die Leitung des Seminars in Händen des Seminar» H-Hrers Hensing. Dr. Quentell wurde Ostern 1893 nach Ker Pensionierung des langjährigen, verdienstvollen Tire!- dor§ Schäfer mit der Leitung betraut. Als Nachfolger Quen- leNs werden bereits genannt: Kreisschulinspektor Professor Tr. F r e n s e l in Worms und der Direktior des Lehrer- iimenseminars in Darmstadt. ^k— Mücke, 26. Nov. Heute abend spielte sich wischen hier und Kirschgarten ein F a m i li e n - D r a m a ch Ter aus Wettsaasen gebürtige Schmidt, ftüher Schutzmann in Wetzlar, lebt von seiner Frau getrennt und diese bat einen Ehescheidungsprozeß gegen ihren Mann mgeftrengt. Sie kam gestern abend mit ihrem in Wett- ,,aasen gebenden Bruder, Namens Porch, von Grünberg und wollte nach Wettsaasen gehen. Unterwegs wurde ihr fron ihrem Manne, welcher mit einem geladenen Revolver be- öaffnet war, aufgelauert und als sie in Schußnähe war mit der Schußwaffe bedroht. Tie Frau versteckte -M schleunigst hinter ihren Bruder und konnte sich' alsbald durch die Flucht retten, ihr Bruder aber wurde durch, tinen Schuß in den Kopf schwer verletzt. Noch an demselben Abend wurde Schmidt durch einen Genbarmen von Ruppertenrod in der Baist'schen Wirtschaft in Nücke verhaftet und nach Grünberg in Gewahrsam gebracht Sie dem Missetbäter abgenommene Schußwaffe enthielt noch weL icharfe Patronen. Wie man hört, soll Porth nicht lebensgefährlich verwundet worden sein. ■28, »q gioDtni^ Lubiv’S 6f*" «* si* Met, S*’’ 810e’ w rt ourfir,1,nbe gjlein^ DaS orerre der 0 r t r a SW- durch ^n| M:r ' E^KkeidrM w (:) AnS dem DogelSberg, 26. Nov. Auffallend ist der Preisunterschied, mit dem zurzeit das Pe- tro leum verkauft wird. Dieser Preisunterschied ist um so bemerkenswerter, als er nicht von der Art deS Petroleums, pb amerikanisches, ob russisches, abbängig ist. Tas . Liter Petroleum wird auf dem Lande allgemein mit 24 ; Pfennig verkauft, früher mit 20 Pfg. Die Kaufleute in , den Städtchen und Städten verkaufen aber den Liter für ; 18 Pfg., zwei Liter sogar für 35 Pfg. Trotz dieser^ Der- ■ teuerung des Petroleums ist seine Beleuchtungsqualitat um keinen Deut besser geworden. Darmstadt, 26. Nov. Tie Landtagsabg. Dr. Schmitt und Genossen haben im Landtag den Antrag auf Auf- ■ Hebung aller Brückengelder in Hessen eingebracht; ferner haben die Abgeordneten von Brentano und Genofsen bei der Kammer beantragt, die hessische Regierung zu ersuchen, baldmöglichst eine Gesetzesvorlage einzubringen, welche eine feste Entschädigung von zu Unrecht verhafteten Personen vwsieht. — Man schreibt der „Worms. 3tg.": Seit dem Abbruch des Gasthauses „Zur Sonne" ist die Schiller-Gedenktafel, welche das Haus zierte, spurlos verschwunden. Mainz, 26. Nov. Ter städtische Dauausschuß und die Deputation für sozialpolitische Angelegenheiten beschlossen in einer gemeinschaftlichen Sitzung, daß städtische Bauarbeiten in Zukunft nur an solche Unternehmer vergeben werden sollen, bei denen die zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern festgesetzten Arbeitsbedingungen eingehalten werden. Mainz, 27. Nov. Arbeitsnachweis für ländliche Arbeiter. Ter landwirtschaftliche Verein für Rheinhessen hat im Jahre 1900 einen Arbeitsnachweis ins Leben gerufen, nunmehr aber beschlossen, denselbem wieder aufzugeben, da die damit gemachten Erfahrungen nicht gerade die günstigsten waren. Im ersten Jahre hatte man aus Mangel an einheimischen Arbeitskräften den Versuch mit der Verwendung von Ungarn gemacht, es wurde eine große Anzahl deutschsprechender Ungarn, die den verschiedensten ungarischen Nationalitäten anoehörten, bezogen. Ueber die Qualität dieses Drbeitsmaterials gingen nun die Urteile der Landwirte weit auseinander, besonders für den Kleinbetrieb wollte man ihnen nur wenig Gutes nachsagen und nur als Sommer- und Saisonarbeiter füllten sie ihren Platz aus. Infolge des Einmischens der ungarischen Regierung in das Duswandem ihrer Landeskinder, mußte man bald davon absehen, fernerhin ungarische Landarbeiter zu nehmen, und man kehrte zum deutschen Arbeitsmaterial zurück. Aber auch hier ließ die Qualität des vermittelten Personals häufig zu wünschen übrig und Unzu- träglichkeiten traten immer deutlicher in Erscheinung. Vielfach wurden Leute geschickt, die für andere Erwerbszweige unbrauchbar, ihr Heil in der Landwirtsck)aft versuchen wollten, dort aber bei der geregelten und häufig anstrengenden Thätigkeit nicht lange aushielten und vertragsbrüchig wurden. Tie Nachfrage nach Arbeitskräften blieb aber auch immer eine geringere, sodaß nicht ein einziger Gesindevermieter vom Verein hätte dauernd beschäftigt werden können. Infolge dieser Erscheinungen sah sich nun der Prv- vinzialverein veranlaßt, das Arbeitsnachweisbureau zur Vermittelung von Landarbeitern ie. aufzulösen. Wetzlar, 26. Nov. In der letzten Zeit wurde wiederholt der Person des „Sch in der Hannes" Erwähnung gethan in Rücksicht auf den 100jährigen Gedenktag seiner Hinrichtung. Tadurch wurde die Erinnerung an eine Persönlichkeit wachgerufen, welche zur damaligen Zeit in der hiesigen Gegend ihr Unwesen trieb, nämlich den vielbesungenen Tr. Eisenbart. Eine hiesige alte Chronik weiß zu melden, daß der „Zahnoperatierer" Johann Andreas Eisenbart im Jahre 1802 auch einmal in Wetzlar gewesen sei und sich sogar erfrecht habe, mit feiner Truppe von Gauklern und Seiltänzern vor dem Gebäude des Reichskammergerichtes seine Bühne aufzuschlagen und die Verhandlung eines gerade sich im Gang befindlichen heiklen Prozesses zum Gegenstände eines seiner Possen zu machen. Ein Mitglied des hohen Gerichtshofes, ein Freiherr von Ingelheim, habe sogar diese Satyre mit angesehen und seinen Obolus auf den herumgereichten Teller gelegt, worauf er jedoch nach Bekanntwerden dieses Vorfalles von dem Kammergerichtspräsidenten Grafen von Solms scharf getadelt, der Possenreißer aber sofort aus der Stadt verwiesen worden sei. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Wiesbaden beging Major a. D. Koenemann, früher im 167. Regiment, in einem Anfall — Da^ deutsche Stadttheater in Reval, da« vor etwa 14 Tagen durch einen Brand zerstört wurde, wird in nicht allzu langer Zeit wieder aufgebaut werden können. Diwch die Opfer» Willigkeit der deutschen Bevölkerung, die etwas übet 10000 Köpfe beträgt, sind bereits über 30000 Rubel aufgebracht worden, ein für die Reoaler Verhältnisse glanzendes Resultat. Der russische Adel beteiligt sich ebenfalls an den Sammlungen, doch fordert er, dass in dem neuen Theater auch russische Vorstellungen statlsinden sollen. — Der lateinische Goethe. Von .Wanderers Nachtlied^ wurde kürzlich eine wohlgelimgene Uebersetzung mitgeteilt, die Geheimrat I. Becher, dem Vorsitzenden der Berliner Aerztekammer, zum Autor hat. Das stimmungsvolle Lied ist wiederholt in die Sprache Eieeros übertragen worden. So lautet es z. B, in einer Uebersetzung des verewigten Ernst Eckstein: Per culmina ealtua Eingesandt. sFür Form und Inhalt alter umet dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüb« keinerlei Verantwortung.) Herr Redakteur! Die Anwohnea des BrandplatzeS bitten Eie, bekcmntzumacheu, daß infolge deS gestern Abend eingetretenen Frostes der Brandplatz- wieder pässterbar geworden ist. DieZ iehung 2. K lasse der Hessisch-Thüringischen (TI t tteldeutschen) S t a a t s l o 11 e r i e beginnt bereits am 5. Dezember. Wer seine Spielerrechte wahren will» versäume es daher nicht, sein Los schleunigst zu dieser Klasse zu erneuern. 6776 Landwirtschaft. — Die deutsche LaudwirtschaftS-Gesellschaft gedenkt im April 1903 eine Gesellschaftsreise nach Amerika zu unternehmen, um die großartige Entwickluug der Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten zn studieren. ____ Handel und ycrktfa? Mküw irisch ast. Berlin, 27. Nov. Tie Stadtverordneten nahmen heute die Vorlage über Aufnahme einer Anleihe von 228 Millionen an. p Course vom >7 /II.120. 11. 5 Course vom 27. 11.120. 11. c äö —-------- Course vom 27./11.I20./11. w Course vom 27./11. 20. 11. c GO Course vom 27. 11.120711. Zmöf. Cours 27711. e vom 20711, Staatspapiere. Deutsche. 1 1 1 Türken Lit B. do. „ C. do. „ D. 55.60 30.40 27.30 55.50 31.- 28.10 4 6 41/, Wiener 1902 . BuenoS-AireS . bo..... 1.1.1. -- 0 1 0 1 100.80 40L0 Gelsukirch.Brgw harvener , Hibernia , 172.- 165.90 172.60 199 50 172 90 167.10 172.80 199.— 4 4 37, Preuh. Central« Boden . . . Westdeutsche. . 1.02.70 102.20 96.20 4 102.70 102.20 5 96.20 3 Wladikawk 95 steuerst. . . Anatolier . . Salon.-Monast. 99.10 103.- 62L0 99.40 103.20 63.10 3M 3 3M 3 i D. RelchS.-Anl do. . . Preuß. ConsolS do. ... Badische . . . 101.95 91.20 101.95 91.20 105.60 100.70 105.30 100.75 105.70 100.40 89.10 100.60 101 80 91.10' 101.80 91.- 105.65 100 40 105.50 100 60 105.90 100.15 QQ _ 100.60 100 — 4 4 3A 5 VA 1 Ung. Goldrente do. StaatSrentc btflgl. . . Argent. v. 1887 bo. Gold v. 1888 101.60 98 40 90.70 76*60 70 20 101,60 98.15 90.75 87.7" 77.50 72.70 4 31/, 8*/a Stanbe$!}rL Anl. SolmS-Braunf. bo..... Dsend.-Birstem. 8! 1 1 *1 I 97*75 Hörder , Ilic Phönix „ Hoesch Stahl . SchalkerGrubm 76- 173.80 117.- 139.- 318.50 100.50 177.75 117.50 138.75 321.- 4 Preuß. Hypoth.» Afo-Bk. abg.. Essend.-Priortt. 98.40 98.50 4 4 tofe in Prozenten. Bad. Thlr. 100 Bayer. Thlr.100 146.60 146150 159.80 VA 4 VA 1 3K 3 VA 3A do..... Bayer. St.-Obl. do. . . - Hess. St.-Obl. . do..... Württemberg. . Bremen v. 1899 VA 6 5 VA 5 5 Chile Golb'Anl. Chinesen. . . bo..... bi..... Mexikaner Sern 1—4 . Mexicaner v. 99 103*60 99.40 99.55 37.70 99 60 24.20 104*50 100.30 92.35 39.10 100.— 26.25 S‘/4 d1/, 2 7 4 Vank-Aktien. Reichsbank . . Bern.«Märkische Dank . . . Berliner Bank. Berliner Hdlsg. Darmüädter Bk. 155.- 87*60 155.50 136.- 154.- 86*75 154.70 137- 4 3*/i Magdeburger Bergwerk . . BuderuS. . . Pfandbriefe. Franks. Hypotbk. Serie 14 bo. Serie 15 101.50 102.80 100.80 96.40 100*- 102.80 100.80 96.40 4 4 4 4 5 5 Dux-Bodenbach von 1891 . . Elisab. steuerst. Franz Josevh Kaschau-Oderbg. Oesterr Nord- westbabn B. . do. Südbahn 99.40 102.- 99*40 108.70 102.- 101.90 100.-0 99.20 108.80 3V» 37« 3 Vs 3 4 Gothaer Präm^> Pfdbr. L . . do. II. . . Cöln-Mindener Madrider . . Meingr. Präm.- Pfdbr. Thlr. 100... . 111*.- 137.50 48.50 137^0 110*60 137.60 48 50 137 80 3A Hambg. v. 1899 ——.— — •-- 3 bo..... 11 8 Deuische Bk. . DiSconto-Ges. . 210.90 187.— 209.70 186.50 4 Frkf.Hvv.-Creb.« Strem 1905. 101.20 101.20 4 (2omb.) do..... 104.10 90.10 104.15 4 90.10 Oesterr. v. 1860 bo d 1854 152.- 152.30 Ausländische. 100.50 Provinz- und Städte-Anleihe. 4 3 DreSbner Bk. . National-Bk. . 141.90 115.- 142 30 115- 37, 37, bo. 1906. bo. tilgbare 96.20 96.30 96.20 96.30 3 3 do..... Raab.Oedenbg. 62.65 62.80 3 Oldenb.Thlr.40 Türk. Frs. 400 121*40 129*60 120^0 4V| VoSnier . . . 100.40 VA 3A 4 Oberhessen . . Siarkendnrger. Rbemprovinz . 99.80 99.85 103.90 100.10 103 25 98.45 99.70 99.80 99.50 103.90 100.- 103.20 98.4f 99.50 3 Schassbsr. Bkv.. 112.90 113 20 4 Frkf Lanbwtsch. 98.80 98.90 Ebs. . . . 72.50 72.50 5 4 Griech. E.B. von 1890 .. . Griech. Monov- 40.10 43.85 40.20 44 35 8'/. Oest. Creb.'Akt. Industrie -Aktien 209.75 209.60 4 Hamburger Hy- potheken.Bank Ser. 141-250 100.— 100.- 4 Rudolfbahn. . 100.10 100.25 Unverzinsliche pr. Stück u. Mk. 4 Italiener Rente 103.10 103.05 3 Ja bo..... 14 Mainz.Brauerei 277.— 276.50 4 bo. unkündbar •y/10 Jtal. staatl. gar. 68.85 Ansbacher st. 7 64.- 63 80 8 do..... 69 — 69.- 4 Gießener. . . 20 Farbw. höchst. 350 — 348 - bis 1910 102.75 102.75 E. B. . . . 68.60 Augsburg, fl. 7. 33.30 33.60 31/. Oeüer.Silberrte 101.25 101.15ö}j do..... 10 bo. Griesheim 213.20 217.25 3*/, bo. Serie 46 2‘/w Livorneser . . 69.50 69.45 LrIchw.Thlr.20 134.20 —.— b Oester. Goldrte. 103.10 102.90 3% Frankfurter. . Elektr.Lahmcyer 72.- 72.— bis 190. 95.- 95.05 4 Sard. See. stst. Finnldr.Thlr.10 88.80 88.— VA Portpg. Staat. bo.;. . . . Rum. am. Rte. 48.40 49.60 4 Darmstädter —.— _ „ Schuckert 78.- 81- 3'/» bo. Serie301 gar. . . . 101.35 101.30 Mailänd.Frs.45 —.— 51.- 4 30.— 30.90 VA do..... 9T20 8 „ Siemens bis 310. 95.!>0 95.50 37, Gotthardbahn . 102.40 102.25 do. FrS. 10 17.60 18.30 4 97 70 98.— 3A Mamzer. . . 98*20 102.20 1 98.50 1 98.26 103.85 98.86 1 77.9c u. Halske 120.— 116 — 4 Meining. Ser. 8 102.50 102.50 4 Kursk Kiew. stst. Oesterr. fl. 100 4 Runfän. v. 1890 Gold'-Russen v. 1880 . 85.60 85.90 3 lA Offenbacher. . 102.80 98.60 10 Maschf.Grietzner 17150 172.- 37, bo. abg. . 96.- 96.- gar. . . . —.— —.— von 1864. . 486.50 435.- 4 4 Wormser . . 10 bo. Kleyer . 157.50 159.50 Preuß. Boden- 4 Russ. 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