Montag A7. Oktober 1902 L5S. Jahrgang Erstes Matt. Er entisi. ohne eindkingend. genommen, nachdem freilich noch in den letzten Dagen und Nächten, in denen der Ausstand noch sehr einem Aufstande glich, viel Unfug verübt worden war. So ver- noch bleiben, auch wenn er im übrigen das ganze Stück, gleichermaßen wie die Zeichnung Jagos, als Meisterwerk anerkennen dürfte. Es ist und bleibt eine Dichtung strahlend von bewunderungswürdiger psychologischer Offenbarung, trotz mancher einander verbietenden Voraussetzungen. Aber höchst verkehrt ist der alte und immer wieder aufs neue gehörte Em- wurf, daß Desdemonas Liebe schwer glaublich sei. Ganz absehen kann man von der so oft bei Frauen sich dokumenüeren- den Neigung zum Exotischen, die oft schon die wundersamsten psychologischen Rätselfälle gezeitigt hat; der Dichter schlldert den Mohren als einen mannhaften echten Helden von gütiger Größe, Eigenschaften, die sehr wohl in reinem werblichem Herzen Liebe erwecken können. Welches feinste, mildeste, zarteste und edelste Gefühl hätte nicht gerade in dieser Dichtung einen unnachahmlich schönen und entzückenden Ausdruck gefunden! Und doch, welchen Scheußlichkeiten begegnen wir andererseits hier! Grandioses und Groteskes, die schroffsten Gegensätze stnd es, die, wie es einmal die Weltenregel will, dicht beieinander Bekanntmachung. Betr.: Die eingeschriebene Hilfskaffe .Glück auf' in Kassel; hier: Errichtung einer örtlichen Verwaltungsstelle für die Provinz Oberheffen mit dem Sitz in Meßen. Die eingeschriebene HilfLkaffe „Glück auf', Hessische Hilfskaffe für ganz Deutschland', mit dem Sitz in Kaffel hat für den Bereich der Provinz Oberheffen eine örtliche Verwaltungsstelle in Gießen errichtet und zum Verwalter derselben den Fr. Kröll dahier, Grabenstraße Nr. 7, bestellt. Es wird dies unter dem Anfügen zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die genannte Kaffe den Anforderungen des § 75 des Krankenversicherungsgesetzes nicht entspricht. Gießen, 22. Oktober 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breidert. Nr. 252 Gr|d)etnt tSgllch außei Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesflschea Landwirt die Siebener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scher» Üntvers^Buch- u. Steindruckerei (Pietsch (fcrben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st raße 7, Kdresse für Depeschen» Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 5L üuedrich Mer ein n Cetonom Heinrich ilmann Gustav Stein i°r Jakob Weber ein -chiosser Wilhelm Oüe Filter ein Lohn, Kor! besonders eindringliche Kleinmalerei ein ebenso kraftvolles als abwechselungsreiches Bild des eifersüchtigen Mohren. Sehr viel Temperament, schöne, mitunter, wie z. B. in der Szene, da er Desdemona und Emilie mit den fürchterlichsten Vorwürfen überhäuft, etwas gesuchte Plastik in Formen und Bewegungen, dabei ein wahrhaft großer Charakter und viel Farbe. An Farbe giebt Herr K. im sprachlichen Ausdruck, un Wort sein Bestes. Sein Organ ist etwas schneidend, sein r stark rollend, aber seine Betonung bewegt sich zwischen weiten Grenzen, Für die großen Empfindungen, Haß, Liebe, Freude, Trauer findet er den treffendsten, bisweilen hinreißenden Ausdruck; ihnen ordnet er das einzelne Wort, die einzelne Gebärde mit großer Abwechselungskunst unter. So erhält das Großzügige seiner Darstellung Vielförmigkeit, das Heldenhafte eine gewiffe Kompliziertheit. Bei Shakespeare ist der Othello der mittleren Akte ein anderer als der des ersten, der des letzten ein anderer als der der mittleren. Ebenso Herr Kirch. Im ersten Akte ist sein Othello der welterfahrene lorbeergeschmückte Kriegsheld, der von seinen Erfolgen m seinem ganzen Auftreten doch wohl etwas mehr Wesens macht, als es für den feierlichen Ort — wir befinden uns im venetianischen Dogenpalaste in einer Sitzung des Großen Rates — und seine Stellung sich ziemt; und auch das primitiv Heldenhafte, das Shakespeare dem Mohren gab, leidet ein wenig unter dem Prätenziösen dieses schwarzen Kriegsmannes. Im zweiten Akte ist er der umsichtige, Händeln abholde, über Recht und Gerechtigkeit mit wachsamem Auge waltende Gouverneur, den Herr K. mit maßvollem Takte darstellte. Und dann setzt die eigentliche Tragödie ein. Hier rmgt Herr K. seinem starken Organ ab, was er nur zu geben vermag. Erstickte Kehllaute und unterdrücktes Röcheln, ein beinahe raubster- artlgeS Keuchen und qualvolles Seufzen, wehmütiges Klagen liegen. Von dem lyrischen Dust und Zauber, der über bie Dichtung ausgebreitet ist, hatte unsere Regie leider so wenig gelaßen, daß mans kaum verspürte. Sie hatte, wohl um dem Theaterabend die gewöhnliche Länge zu lassen, ungemein viel gestrichen, sehr auf Kosten der dichterischen Stimmung. Und dazu kam noch eine solche Menge von störenden Stockungen im zwecken Telle der Aufführung, daß der Gelamteindruck erheblich Eintrag erhielt. Den Othello spielte Herr Kirch vom frankfurter Stadttheater. Er löste diese ungeheuer schwere Bühnenaufgabe mit — * *’ ' ‘ '.'.isendfachen falten Anlaut in Herford Miet. Georg Karl iflavia Marie Nemel t mit Elise Manche Miet mit Barbara Sys* Wt an Boü» 1 MiS ft hauptsächlichste Band zu erhalten, welches Regierung und Volk zusammenknüpst, und das ist eben die Sorge für das wirtschaftliche Wohlergehen. Des Volkes Zunge ist des lieben Gottes Kesselpauke, sagt ein persisches Sprichwort, und es hat nicht unrecht, denn der Wille des Volkes ist die alleinig rechtmäßige Quelle der Mucht. Tie „Nordd. Allg. Ztg." schreibt an der Spitze chrer er Rubrik stehend« Wihim gegenüber V) type genormt, emer [ui schädlicher ait MMÜrchllich - axWn Besang!! Mdw schön und? «ab weitschaÜ^- - unserer UnwierM m Leäer des Same: i bereiten, die grantln verspeisen? Schausenstem unfera -ingdroM M Bänger unb bie twg-- neW“1! i, besten M «- hollsten Werse M Lj mit einem non bedenkt,dotzve sehr nützlicher A- «rr* e» ist, 1 Jahr 8 Monate dahier. 2lm 20. Dfi dahier. Am 22. LL ■es Taglöhners Roms) Grebe, 1 Jahr ch Miet. Am 23.it liec. Adam lobte, Kall Wr kl, er. Votitische Wochenschau. Tas große wirtschaftspolitische Kvmödieuspiel, dessen ©yme der Reichstag gegenwärtig wieder bildet, hat in der vergangenen Woche feinen Höhepunkt überschritten. Tie Spannung ist ausgelöst und das Interesse an dem Fortgang der Handlung beginnt zu erlahmen. Graf Bülow beharrt darauf, daß die Zollkomödie bis zum letzten Ende aufgeführt werde. Nach dem ersten Akt zwar, der trotz der rethorischen Leistung des Kanzlers mit einer totalen Ablehnung der von ihm vorgoschlagenen Zollsätze für Roggen und Weizen endete, zog er sich mit mehr Gleichgiltigkeit, als angesichts der Situation zu erwarten gewesen war, hinter die Kulissen zurück, und auch das verunglückte Zwisch,enspiel mit dem G e r st e n - und H a f e r- zoll scheint ihn nicht sonderlich tangiert zu haben, und die Erörterung der Vieh zolle führten chn auch nicht auf die Szene. Graf Bülow hat inzwischen Fühlung mit dem Träger der Krone des Reichs genommen; man darf dher gespannt darauf sein, ob er in dieser Woche,mit neuen Inspirationen kommt, oder sichauf die gleiche passsive Rolle beschränkt, die er im ersten Akt spielte, passiv insofern, als er es nicht über sich gewinnen konnte, über die Ablehnung seines Werkes eine entsprechende Quittung zu erteilen. Allem Anschein nach rechnet er noch immer damit, daß die, welche bei der Komödie die Komparserie abgeben, aus chrer in den Fraktionen sorgfältig einge- paukten Rolle fallen, und sich seiner Regie unbequemen Mit wieviel Recht oder Unrecht, mag dahingestellt bleiben. Die Ansichten und Neigungen, welche unter den Parteien jetzt Oberwasser zu gewinnen trachten, sind kaum jemals kaleidoskopartiger gewesen, und es hält außevordenllich. schwer, mit einiger Sicherheit auch nur vorauszubestimmen, welkes Gebilde sie schließlich ergeben werden. Daß bei einzelnen Parteien eine große Neigung zum Umfall besteht, darüber können kaum Zweifel obwallen, ob dieser Umfall aber die Zollkomödie vor der Versenkung zu retten vermag? . Tie Sympathien für die Reichsregierung sind gegenwärtig so gering, daß ob der Niederlage Bülows nirgends Bedauern laut wurde. Ein Symptom, das der Kanzler nicht unterschätzen sollte, und das sich immer mehr verstärken wird, je weiter wir in die parlamentarische Saison hineinkommen. Tie leitenden Kreise haben sich noch nicht zu der Erkenntnis aufzuschwingen vermocht, daß die Scheidewand, welche sie vom Volke trennt, bereits derart wurde, daß es geraten erscheint, mll Sorgfalt das letzten Nummer: i „Tie „Rhein. Wests. Ztg." läßt sich aus Berlin eine : Erzählung aufbinden, in der folgendes zu lesen ist: Trotz allen offiziösen Schönfärbereien ist es sicher, daß Graf Bülow den Empfang (der Bur en g!en e r al e) nicht wün schte, und daß er ihm ein Bein gestellt hat, vermutlich so, daß er erst feststellte, der britische Botschafter werde die Generale nicht einführen, daß er dann dem Kaiser die entstehende Blamage vorgehalten, das Zögern der Burengenerale (welche aus politischer Besorgnis direkte Berufung erwarten mußten) als Nicht-Annahme der Einführungs-Bedingung auslegte und dann eiligst die Thür mit der Note der „Norddeutschen Allgemeinen" zuschlug. Ter Kaiser durchschaute heute die Sachlage und die Kaiserin habe In voriger Woche gelegentlich eines Tamenempfanges bemerkt, der Kaiser habe gesagt, daß er nicht mehr Herr in seinem Hause sei." Wir erinnern uns nicht, in einem Blatte, das auf politische Bedeutung und nationalen Takt Anspruch macht, einem alberneren Schwindel begegnet zu sein: Es ist auch nicht ein wahres Wort an der ganzen Geschichte. Tas ist kräfttg und deutlich, aber beseitigt doch immer nicht die Mißstimmung, die in weiten Kreisen wegen der in Berlin beliebten Behandlung der BurLngenerals Platz gegriffen hat. Dazu erfuhr man in den letzten Tagen von der seltsamen Behandlung der Lehreir in dem großen staatlichen Betriebe des kgl. preuß. Landesgestüts Trakehnen, und schließlich kam noch eine Meldung von der nicht minder seltsamen Behandlung eines Katto- witzer Redakteurs, der eines Preßvergehens halber mit einem Zuchthäusler zusammengekettet durch die Straßen geführt wurde. Tas sind so Steinchen zu dem Mosaikbilde des Nichtverstehens und Nichtachtens der Volksseele, das sich jeden Augenblick enthüllen ließe. Auch das Volk hat Rechte, und es kann nicht ausbleiben, daß es sie denen gegenüber, die da nach dem Neronianischen Grundsatz: „Was liegt am Volke, wenn Zäsar fröhlich ist", die Polttik des Reiches leiten und betreiben, betont. Es scheint — allgemein genommen — so eine Arft Bazillus zu (ein, diese Verkennung des Mifbesttmmungs- rechtes des Volkes, denn die daraus resultierende Um Zufriedenheit macht sich nicht nur bei uns im Deutschen Reiche geltend. Tie ywoße Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten, die infolge des Eingreifens des Präsidenten Roosevelt jetzt glücklich ihrer ganz augenscheinlichen Gefahr entlleidet worden ist, die Bemühungen der französischen Grubenarbeiter, einen allgemeinen Ausstand herbeizuführen, sie liefern, wenn ihre Ursachen auch ausschließlich auf wirtschaftlichem Gebiete zu suchen sind. Beweise dafür, daß das Bewußtsein, einen nicht zu unter* schätzenden Faktor im Staate zu bilden, sich immer lebhafter im Volke regt und dementsprechend lassen es sich die staatlichen Repräsentanten ja auch angelegen fein,, überall vermittelnd einzugreifen. So scheint auch Fr an k- reich diesmal hart an der Klippe eines allgemeinen Ausstandes vorbeikommen zu sollen, wenn auch weitere , Gefahren dort noch keineswegs beseitigt sind. Tenn in dem Grubenarbeiterausstande ist die Lage unverändert. . Tagegen wurde in den Häsen von Marseille, und selbst von Dünkirchen und Havre die Arbeit bereits wieder auf- ve»ng«pret», monatlich 7bPU viertes jährlich Mk. ÜLO; durch Abhole- u. Zweigstelle» monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk. 2,— viertele fährt, ausscht Bestellg, Annahme von Anzeige« für die rn^eSnurnmer bis vormittags 10 Uhr, Zetlenpreis. lokal 12Pf^ auSwärtS 80 Pfg. Verantwortlich» für den volit. u. atigern, teil: P. Wittko: fü, .Stadt und Lcmd' und .Gerichlssaal': Eurt Plato; für den An- jetgenteil: HanS Beck. £ Haltestelle foirx gen. Litt Ätzers"- TL wurde N zkretseu , - sest^ AM tet X ^den ragens rif, d- "7 KerdieB gen KL lUttö' Ak°dLjSE K-v* if#** & ^^rderungr", In StÜt Sitjtg, ^assendiener bahi« uchten in Dünkirchen die Ausständigen das GefängneS zu stürmen um die verhafteten Kameraden zu befreien, wurden jedoch von Polizei und Gendarmerie vertrieben. Alsdann machten sie den Versuch, in das Arsenal einzudringen, um sich in den Besitz der Waffen zu setzen wurden aber auch hier von den Truppen zerstreut Man kann aus solchen Vorkommnissen die Lehre ziehen, daß mit dem Volke zu regieren, höchste Staatskunst ist, denn mächtig und beständig ist nur die Regierung, die vom Bolle geliebt wird, und sie allein ist in der Sage, aus dem verwirrenden Dunkel der Parteileidenschaften heraus zu jener befreienden Höhe zu führen, die der Allgemeinhert zum Wohle gereicht und nach der wir alle streben. Dieses Ansehen aber ist schon wegen des Ansehens nach außen hm nätiger, denn je, schon deshalb, well Femde und Neider unausgesetzt am Werke sind, Schwierigketten zu bereiten,, wo immer es nur angeht. Tie Deutschen sind überall im Wege, und überall versucht man, sie zu verdränaen. So bemüht sich Rußland neuerdings mit Eifer, den deutschen Einfluß in der T ü r t e r unb besonders in Kleinasien, der niemals größer war, denn jetzt, zu schwächen; England und Frankreich sehen gleichermaßen scheel auf die Zunahme der deutschen Interessen in Siam, das beide gar zu gern in die Tasche stecken möchten, und soeben fühlt sich nicht nur England, sondern gleichzeitig auch Amerika gekränkt, weil der zum Schiedsrichter an gerufene König von Schweden im Sain o a st r e i t nach dreijähriger Prüfung der Verhältnisse zu Gunsten Deutschlands entschieden hat. Diese Entscheidung ist ihnen so unangenehm, daß sie sich mit einemmale desi Schiedsgerichtshofes im Haag erinnern, das besonders England zur Zett des südafrikanischen Krieges anzuerkennen sich hartnäckig weigerte. Jenseits des Kanals sitzt man übrigens wieder recht pt Schwulitäten. Die Nachrichten, die aus dem Somalilande an der Oftküste von Südafrika kommen, haben die Gewißheit gebracht, daß auch die zweite englische Expedition durch die Scharen des Mullah, die den Handelsverkehr nach Abeflynien fast gänzlich unterbinden, schwere Verluste erlitten hat. Nach Reuters neuester Meldung wurde die in Somalilaud stehende britische Strettmacht am 6. Oktober in dichtem Gestrüpp von dem Feinde angegriffen. Sie leistete entschlossenen Widerstand. Infolge einer Verwirrung in dem Fuhrpark wurde jedoch die englische Gefechts- linie durchbrochen. Ein Maximgeschütz fiel in die Hände des Feindes und auch die Geschützte span-- nung geriet in Unordnung. Endlich wurde der Feind durch den Obersten Soayne zurückgetrieben und eine Zariba errichtet. Durch einen darauffolgenden Ausfall wurde der Feind dann verjagt. Derselbe ließ 62 Tote auf dem Kampfplatz zurück. Die En glänber verloren 70 Tote und 100 Verwundete. Dieser nicht unbeträchtliche Verlust will schon etwas besagen und erscheint in einem um so ernsteren Lichte, als das englische Prestige infolge des Transvaalkrieges ohnehin bei den unter Englands Oberhoheit ' stehenden Völkerschaften nicht unwesentlich gelitten hat. DaS sieht man auch in London ein und beeilt sich deshalb, durch ' die Entsendung indischer Truppen schwereren Gefahren vor- ' zubeugen. Zudem bietet sich von moslemitischer Sette den Engländern Hllfe in diesem Kampfe. Wahrscheinlich wird : es sich auch ermöglichen lassen, aus China Truppen zu- : rückzuziehen und nach Ostafrlla überzuführen. Man scheint ' allerseits ernstlich die Räumung Shanghais zu beabsichtigen. Gießener StadUheoler. Othello. Genau vor 300 Jahren, im Jahre 1602, fand die erste Aufführung des .Othello' statt. Die von den Poeten jener Zeit hochgepriesene Lady Derby hatte die 70jährige Königin Elisabeth, deren Stern sich dem Untergänge neigte, nach ihrem Schlosse Harefield bei London geladen, und diesem Besuche zu Ehren ging .Othello" unter der Leitung des Dichters selber zum ersten male in Szene. Welchen Eindruck mußte die Vorstellung auf die Königin machen! Der furchtbare Jrttum des Mohren mußte ihr eigenes Spiegelbild ihr zeigen. Wie er den Einstüsterungen des Jago und seinem eigenen Argwohn, so hatte auch sie dem .Ungeheuer mit den grünen Augen , der Verleumdung ihr Ohr geliehen. Getrieben non dcr Eiser. sucht, hatte sie Essex verfolgt, war sie auf Raleigh, auf-ord Hunsdon, auf Leicester eifersüchtig gewesen und hatte -Shakespeares Freund, den Lord Southampton, tn den Tower geschickt, weil er ohne ihre Genehmigung sich vermählt hatte. Ihr Vater, Heinrich VIII., hatte auf einen bloßen Verdacht hin ihre Mutter, Anna Boleyn, dem Schaffst überliefert, von ihm her lag ihr die mörderische Eifersucht un Blute. Noch düsterer, als sie gekommen, verließ die Königin das Schloß der Gräfin Derby, Shakespeare's große Tragödie der Eifersucht hatte sie in die innerste Seele getroffen, immer tiefer versank sie in Trübsinn, und im Jahre darauf erlosch ihr Lebenslicht. Hatte Shakesspeare's „Othello" ihr den Todesstoß gegeben? Vom Baume der Weltgeschichte sind die Blätter längst darüber gefallen und haben, wie so vieles, auch dieses mit GietzeimAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ^^^Mirchtett'ich^ unb^ qualvoll' wird jedem nicht ganz starker Geistesthätigkeit, tief m die Gefühllosen die Tragödie des Mohren von Venedig auch heute Shakespearlscher Wortku. einbrtngen frische trat den Abend über an dem Castro des Herrn o. Stahl angenehm hervor. P. W. Weltgist betitelt sich ein neuer Roman von Peter Rosegger (2 5 */» Bogen 8° in bester Ausstattung, broschiert Mk. 4.—, Einbanddecke gezeichnet von M. Bernuth, Verlag von L. Strackmann in Leipzig). Nach längerer Pause bietet der Dichter seinen Lesern wieder einen Roman, ein groß angelegtes Werk, das unbedingt ganz besonderes Aufsehen erregen wird. Trotz des tragischen Unterganges der Haupt- person läßt der Roman doch nicht den freudigen, aufbauenden Optimismus vermissen, mit dem der Dichter noch immer das Wesen und Schaffen seines gesunden Volkes geschildert hat. Bei der Eigenart des Stoffes und dessen Verarbeitung wird cs sich nicht vermeiden lasten, daß dieser oder jener mit Einzelheiten nicht sympathisiert, keiner wird aber verkennen können, daß er es auch hier mit einem .echten Rosegger" zu thun hat. Jedenfalls gehört das Werk zu den interessantesten Büchern des Jahres, mit dem sich jeder Gebildete beschäftigt haben muß. Als Neuheit brachte das Opernhaus in Frankfurt am 23. ds. Tschaikowskys lyrische Scenen aus .Eugen Oneain" in einer Aufführung, die vielleicht nicht alle feinmusikalischen Reize des eigentümlichen Werkes ausschöpste, aber doch solid und voller Fleiß war. Dr. Pröll nahm sich in der Titelrolle wieder besonders gut aus, auch Frau Kernic als Tatjana, Hensel als Lenski und der Dirigent Dr. Rottenberg verdienen besondere Anerkennung. Ter Beifall zeugte von Wohlgefallen an der Darstellung und Achtung vor dem Werke, versprach aber diesem leider kein sehr langes Leben un Spielolan. Aihuvgerr des kau-wirtschaftt. ^rovinzralvereius. bcL Gießen, 26. Ott. Am vergangenen Samstag, den 25. Oktober, fand die Hauptversammlung des laudw. ProvinzialvereinS statt, der eine Ausschußsitzuna voranging. — Es war in dieser ein neuer Rechner in Vorschlag zu bringen. Das Präsidium wurde, da eine Neuwahl noch nicht stattfinden konnte, ermächtigt, sich einstweilen ohne einen angestellten Rechner zu behelfen. Weiter wurde beschlossen, die Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Hannover im kom- meriden Sommer mit Vogelsberger Vieh zu beschicken. Tie Auswahl dieser Tiere soll durch eine Kommission, bestehend aus dem Lekonomierat Leithiger, Gutspächter Klein und Oberverwalter Bellstein, zeitig geschehen. Voraussichtlich wird die Ausstellung auch mit Pferden, Schweinen rc. beschickt werden. Jedenfalls wird die Beschickung nicht sehr umfangreich werden, da in Gießen im September 1903 eine landwirtschaftliche Provinzialausstellung stattfinden wird. Tie Beschlüsse der Kommission, die kürzlich in Gießen tagte, um unter Leituna der landwirtschaftlichen Versuchsstation Darmstadt die systematische Durchführung von Düngungsversuchen anzubahncn, wurden genehmigt. — Tie Wahl des Hauptkomilees für die im Herbst 1903 abzuhaltende Provinzialausstellung wird vollzoaen und den Abteilungen das Recht eingeräumt, sich durcb Zuwahl zu ergänzen. Ter Vorstand des Komitees setzt sich aus den Mllgliedern des Präsidiums des Vereins zusammen. — Damit wurde die Ausschußsitzung geschlossen und die Hauptversammlung sofort eröffnet. Tiefe wie die Ausschußsitzung waren gut besucht. Ter Vorsitzende begrüßte die Hauptversammlung, insbesondere die Vertreter der Regierung, die Herren Ministerialrat Braun und Landesökonomierat Müller, den Vertreter des Hessischen Landwirtschaftsrates, Herrn Generalsekretär Dr. Müller, den zum äfften male im laudw. Pro- vinziawerein erschienenen Provinzialdirektor, Herrn Dr. Breidert, und Baron Albrecht v. Riedesel. Ter Vorsitzende gedachte dann aller der Mitglieder, die der Tod im verflossenen Jahre a-bgerufen hat, und bat die Versammlung, das Andenken derselben durch Erheben von den Sitzen zu ehren. Tann nahm der Vorsitzende das Wort zur Erstattung des Jahresberichtes. Derselbe ist so umfangreich, daß sich im Einverständnis mit der Versammlung der Referierende darauf beschränken mußte, den Bericht im Auszug zu erstatten. In der Zellschrift wird der unverkürzte Bericht demnächst erscheinen. Ter Vorsitzende referiert: Tas Geschäftsjahr schloß mll dem 1. April 1902. Der Verein konnte sich darauf beschränken, sich mehr technischen Fragen im Landwirtschaftsbetriebe in der Provinz zuzuwenden und bei der Behandlung volkswirtschaftlicher Fragen durch seine Vertreter im Hessischen Landwirtschaftsrat zu wirken. Die Klagen über ungenügende Rentabllität der Landwirtschaft verstummten auch im Berichtsjahre nicht. Die Zucker- und Spirituspreise gingen immer mehr zurück infolge der Ueber- produltion. Die Getreidepreise besonders die der Brotfrüchte blieben niedrig. Fleischpreise begannen erst am Schlüsse des Berichtsjahres sich allmählich zu heben. Tie Löhne blieben hoch. Ter Arbeitermangel erreichte den Höhepunkt. Unter diesen Umständen waren die Einnahmen und Ausgaben selbst bei strengster Wirtschafllichkeit nicht immer in Einklang zu bringen. Aller Augen richten sich in diesen Tagen nach der Reichshauptstadt. Werden die Beschlüsse unserer Reichsboten der bedrängten Landwirtschaft Hülfe bringen? — Unser Vereinswesen, das sich mehr auf die Wintermonate beschränken muß, blüht. Tem Provinzialverein sind angeschlossen sechs Bezrrksvereine, sieben Bezrrks- zuchtvereine, resp. Lokalzuchtvereine, zwei Kreisziegenzuchtvereine, sechs Ortsziegenzuchtvereine, neun Geflügelzucht- Vereine, sechs Schweinezuchtvereine. 'Die Zahl der Mll- alieder des Provinzialvereins betrug am L April 2522, das sind 128 mehr, als im Jahre vorher. Am 30. November 1901 fand die letzte Hauptversammlung statt, im Laufe des Jahres fünf Ausschußsitzungen. In den Bezirksvereincn sind, wie in früheren Jahren, zwei Hauptversammlungen und eine größere Anzahl gelegentlicher Versammlungen in den Vereinsgebieten abgehalten worden. Bei diesen Gelegenheiten hielten unsere Landwirtschaftslehrer zusammen 106 Vorträge, lieber Geflügelzucht hat Herr Lehrer Knaup in Kleinkarben Vorträge gehalten, während die Herren Dr v. Peter und Prof. Reichell nebst den drei Obstbautechnikern des Oberh. Obstbauvereins in dieser Beziehung thätig waren. — Das Rechnungswesen regelte sich gut, man richtete sich mll den eigenen Mitteln und mll den Staatszuschüssen ein, was asber nur dadurch möglich war, daß man auf die Beschickung der Ausstellung der Deutschen Landwirtschasts- gesellschast verzichtete, d. h. hierfür keine Mittel zurückstellte. llnterrichtswesen. Die Ackerbauschulen in Alsfeld, Büdingen, Friedberg waren gut besucht, aber noch nicht überfüllt. So war es mit der Haushaltungsschule in Lindheim und der Mvlkcreischule in Lauterbach, die von jungen MDcheu besucht werden. Der Otzerh. OHstbau- vereiu veranstaltete Kurse über Obstverwartung rc., die von rusammen 126 Personen besucht wurden. Die Landwirt- schaftslehrer waren dem Provinzialverein treue Arbeits- oenossen auf allen Tbätigkeitsgebieten. Auf diese Weise bleiben dieselben mit der landwirtschaftlichen Bevölkerung in enger Beziehung, lernen chre Bedürfnisse genauer kennen und können chre Vorträge diesen besser unpassen. Meliorationen. Hier sind in erster Linie die Feld- bereinigungen zu erwähnen, bei denen Parzellen zusammen- gelegt, «regelmäßige Grundstücke geschaffen werden, auf die Maschinen aller Art verwendbar sind, da jeder Besitzer in der Folge durch ein entsprechend angelegtes Wegenetz unabhängig vom Nachbar sein Grundstück erreichen kann. Bei diesen Anordnungen werden gleichzeitig Ent- und Bewässerungen vorgenommen. Große Erfolge werden erreicht durch die Meliorationen vieler Hutweiden im hohen Vogelsberg. Es werden dadurch Gemeindehutweiden in erster Linie für das Jungvieh geschaffen, die eine rationelle Aufzucht desselben gewährleisten. Futter- und Wiesenbau. Mll der Hebung der Viehpreise muß die Hebung des Futter- und Wiesenbaues Hand in Hand gehen. Durch Ent- und Bewässerung, durch Anwendung der mineralischen Hülfsdünger, durch die wir den Futter- und Wiesenpf tanzen reichliche Mengen Phosphorsäure und Kali zuführen, erreichen wir Ernten, die sich nach Güte und Maß auszeichnen und die gute, reiche Ernährung unserer Nutztiere sichern. Ter Verein ist ganz besonders bemüht, in dieser Richtung fortgesetzt anregend zu wirken. Rindviehzucht. Wir streben seit Jahren an die Reinzucht des Vogelsberger und Simmenthaler Rindes. Die als rein gezüchtet anerkannten Tiere werden durch Ohrnummern gekennzeichnet und ins Herdbuch eingetragen. Am 1. April 1902 standen im Herdbuch 3413 Simmenthaler Tiere, 1425 Tiere der Vogelsberger Rasse. Die Zahl war auch wirklich vorhanden, stand nicht nur auf dem Papier. — Die Zahl der Zuchtvereinigungen wurde schon oben genannt und beläuft sich insgesamt auf 119. Neben 15 Bullenstationen für Simmenthaler Vieh bestehen vier Zuchthöfe für Vogelsberger Rinder. Von diesen Zuchthöfen wurden un Berichtsjahr 12 Bullen an Gemeinden geliefert. Tierschauen. Es wurden fünf Ortsschauen, neun Stallschauen und eine Bullenschau, besonders im Interesse rer kleineren Landwirte, die größere Ausstellungen ungern beschicken, abgehalten und für Prämiierungen 3735 Aiark verausgabt. Bezirksschauen wurden nicht gehalten und die Ausstellung der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Halle mit nur zehn Vogelsberger Tieren und zwei Simmenthalern beschickt, dabei sechs Preise, zwölf Anerkennungen und an Geldprämien 1645 Mk. errungen. — Die Zuchtviehhöfe für Vogelsberger Vieh befanden sich in Eschenrod, auf der Bingmühle bei Lauter, in Homberg a. O. und in Zwiefalten. Zuchtvieheinfuhr. Zur Hebung der Zucht wurden 13 Bullen, 25 Rinder, 17 Saanen-Ziegen und Böcke aus i)em Berner Oberland ein geführt. Junaviehweiden und Tummelplätze. Im Berichtsjahre waren erst zwei Jungviehweiden im Betriebe: in Wern ings, Kreis Büdingen (aufgetrieben 74 Rinder), Tiergarten bei Hungen (aufgetrieben 41 Rinder und 26 Fohlen), außerdem die Fohlenweide in Merlau (Auftrieb Öl Fohlen). Eingerichtet wurden die Jungviehweiden bei Lauterbach und Zell-Romrod. In Crainfeld und Hörgenau wurden Gemeindejungviehweiden in Betrieb genommen, in 20 anderen Gemeinden des hohen Vogelsberges sind die Meliorationen vorgenommen, die Jungviehweiden werden remnächst eingerichtet. Schweinezucht: Es sind ' sechs Schweinezüchiereien entstanden, die es sich zur Aufgabe machen, das deutsche Edelschwein rein zu züchten, um Zuchtmaterial an Gemein- >en und Private auch über unsere Grenzen hinaus abgeben zu können. Zur Beschaffung von reinrassigen Ebern wurden an 31 Gemeinden Beihilfen gewährt und zwar 33 ein Drlltel Prozent der Ankaufssuumre. Ziegenzuchtvereine bestehen in Gießen, Wieseck, Büdingen, Langsdorf und Lich, Kreisziegenzuchtvereine in Alsfeld und Lauterbachs Es wird vorherrschend die hornlose weiße Saanenziege gezüchtet und die vorhandenen einheimischen Ziegen mit reinen Böcken gekreuzt. Tie resten Ziegen liefern 5—6 Liter ausgezeichnete Milch, die im Haushatt des geringen Mannes verwendet, zur richtigen Ernährung der Kinder sehr wescnllich beiträgt. Tem Verband der Geflügel zu chtvereine in der Provinz gehören an: der Wetterauer Geflügelzucht- Verein in Friedberg, die Geflügelzuchtvereine Gießen, Al- lendorf a. Lda., Grünberg, Lick), Hungen, Lauterbach und die Sektionen der Geflügelzucht der landwirtschaftlichen Bezirksvereine Lllsfeld, Büdingen und Schotten. 109 Zucht- tämme für Hühner (Italiener und schwarze Minorkas), 16 Zuchtstämme für Enten und 6 für Emdener Gänse sind vorhanden. Gießen unterhielt mit besonderem Erfolg dÄ Geflügeluzchtstation an der Hardt. Obst und Gemüseb au. Ter Oberhess. Obstbau-Verein in Friedberg zählt 4500 Mitglieder, beschäftigt drei Techniker, hielt 200 Versammlungen in der Provinz ab. Tie Herren Direktor v. Peter und Professor Reichell beteiligten sich in erster Linie bei Abhaltung der Vorträge, es fand in Schotten eine Lbstaussiellung statt, die darthat, daß auch im Vogelsberge, tüchtiges in der Kultur von Edelobst geleistet werden kann. — Baumwärterkurse werden durch den Oberhess. Lbstbauverein regelmäßig abgehalten, Kurse im Obstbau für Geistliche und Lehrer, für Kandidaten des Predigeramts, Lbstverwertungskurse für Frauen und Mädchen, welche von 64 Schülern und Hörern besucht wurden, ferner wurde in Lich ein Kursus abgehalten, an dem 62 Frauen und Mädchen teilnahmen. Ter Vorsitzende schloß mit Dorten des Tankes für alle, welche den Bestrebungen des Vereins helfend zur Seite standen, auch den Bezirksvereinsdirektoren, der Regierung und den Ständen und forderte die Versammlung auf, in ein Hoch auf den Landesherrn einzustimmen, der als Schutz- und Schirmherr auch über uns wacht, und dem wir immerdar in Treue und Ergebenhell zu dienen bereit seien. Temnächst bat der Vorsitzende den Herrn Professor' Tr. Albert-Gießen zu seinem Vortrage das Wort zu nehmen. Ter Vortragende sprach in sehr anregender Weise über das Thema: Welche Gesichtspunkte sind bei Auswahl des Saatgutes im Gebiete der Provinz Lber- hessen zu befolgen. — Aus dem Bortrage lassen sich an dieser Stelle nur die Hauptpunkte hervorheben. Tor Vortragende leitete seinen Vortrag mit den Worten ein, das Bibelwort: was der Mensch säet, das wird er ernten, sei in unserem Falle nicht zu wörtlich zu nehmen. Auch die Vorbereitungen zur Saat seien es, die die Entwickelung des ausgestreuten Saatgutes sehr beeinflußten. Vorbedingungen seien ordnungsmäßige Bodenbearbeitung, rationelle Tüngung, die Auswahl des Saatgutes, richtige Bestellung, Pflege der Saaten und schließlich die Ernte. Bei der Auswahl des Saatgutes haben wir wohl auf die äußere Gestalt, noch mehr auf die Eigenschaften der Leistungsfähigkeit Rücksicht zu nehmen. Tie inneren Eigenschaften sind den ursprünglichen Pflanzen den 9iatui> pflanzen durch bic fortgesetzte Kultur anerzogen, die Pflanze erweist sich dankbar, sie bringt größere Erträge und wird brauchbarer für den Genuß von Mensch und Tier. Tie höhere Leistungsfähigkell wird angezüchtet, Boden und Klima beeinflussen dieselbe im hohen Maße. Erträge gehen weit auseinander, die eine Züchtung liefert unter bestimmten Verhältnissen 16 Zentner pro Morgen, die andere 23 Zentner. Tabei kann die Brauchbarkeit für bestimmte Zwecke recht verschieden Jein. Ter eine Hafer liefert wohl erhebliche Erträge, steht aber an Nährwert einer anderen Sorte, die nicht so viel Masse liefert, außerordentlich nach, so daß die größere Ernte nicht feiten die minderwertige fein kann. Es sei Aufgabe der Wissenschaft durch mehrjährige Anbauversuche, die für bestimmte Böden und klimatische Verhältnisse geeigneten Saatfrüchte als brauchbar zu erkennen und dann erst den Landwirt zu veranlassen, diese durch äußere und innere vorzügliche Eigenschaften u.nter besten Vorbedingungen anzubauen. Ausführliche Mittellungen folgten dann über Ergebnisse von Anbauversuchen. Ter Vortrag wurde sehr beifällig ausgenommen und führte zu einer lebhaften Aussprache. Nach Schluß derselben brachte der Vorsitzende die Fleischnotfrage zu einer ausführlichen Besprechung, in der besonders Herr Schade-Altenburg in sehr sachlicher und ruhiger Weise sich äußerte. Er betonte besonders, daß wir in der Lage seien, genügende Mengen von Schlachttieren zu produzieren, man sollte uns nur etwas Zell und vor allen Tingen die Seuchen durch dauernde Sperrung der Grenzen von unseren Viehbeständen fernhalten. 'Weiter wurde ausgesprochen, daß vorübergehend hohe Preise, be- önders Schweinefleischpreise nicht dazu führen dürften, ofort die Grenzen zu öffnen und durch die Seuchengefahr >ie Viehzüchter zu entmutigen. Als die Jndustrieerzeug- niffe in den letzten Jahren ungewöhnlich hoch im Preise Ianben, haben die Landwirte bei auffallend niedrigen, Preisen für ihre Produkte ruhig zahlen müssen. Tas müßten sich in derselben Weise die jtonf umenten von Fleisch auch, einmal gefallen lassen. Aufs bestimmteste wurde die Behauptung, es bestehe eine Fleischnot, zurückgewiesen. Jeder Metzger habe seinen Bedarf an Schlachttieren, wenn auch zu hohen Preisen, jederzeit decken können unö da könne man doch wohl von einer Ileischnot ernstlich nicht teden. Es wurde festgeftellt, daß heute den Landwirten 64 Psg. pro Pfund für gute Schlachtschweine gezahlt würden, dem Händler dagegen 67—68 Pfg. An Oktroi und Schlachtgebühren inkl. Untersuchung des Fleisches werden ür ein Schlachtschwein von der Stadt Gießen 3.54 Mk erhoben. Wiegt das Tier 150 Pfg., so kommen auf 1 Pfd. voller Ergriffenhell und wildes Schreien der Wut und des Ingrimms: alles das gleitet wellenspielend neben einander hin und in einander über. Hier, in der großen Scene mll Jago und in seinem Monolog, ist Herrn K.'s Othello am be- deutendsten. Dann aber, je näher wir der Katastrophe kommen, von der Scene mll den Frauen, wo vieles Pose ist, bis nahe an den Schluß, hat die Darstellung des Herrn St Riffe und Schlacken. In der schönen Elegie aber, mit der et vom Leben Abschied nimmt, wächst er wieder gewaltig und als Riese bricht er zusammen. In Frl. Feige schienen bisher innerliche Empfindung und eine nur äußerliche Manier ein wenig durcheinander zu laufen. Ihrer DeLdemona war indes davon kaum etwas an» zumerken. Sie zeigte vielmehr ein auffallend vervollkommnetes Bühnengeschick. Schade, daß die letzte Scene des vier- ten Aktes ganz gesllichen worden war, die schöne Scene mit dem Weidenliede, das einst in England ebenso bekannt gewesen sein mag, wie bei uns heute Heines »Ich weiß nicht, was soll es bedeuten", sodaß Shakespeare nur wenige Verse 3U zitieren brauchte, um es dem Publllum seiner Zeit voll ms Gedächtnis zu rufen. Wilhelm Jordan hat in seiner Othello-Uebersetzung einige der ansprechendsten Züge ausgehoben unb zu drei Strophen verwoben, die zu den glänzendsten Perlen der Uebersetzungskunst gehören. Den Bösewicht Jago, der für gewöhnliche Nerven sonst bie Grenze der tragischen Rührung zu überschreiten pflegt, hat Herr Steinert oerjleuiert". Anzuerkennen ist der Mut dieses Darstellers, der jede Spur von Ueberlieferung, dem Theaterpathos und dem Augenrollen des Jntriguanten, auswich, ohne aber leider überhaupt zu emer bestmimten Lharatterütil zu gelangen. Wll wollen annehmen, daß er im Sinne der verislischen Spielweise die größte Vereinfachung erstrebte, und die ist ihm ja auch im gewissen Sinne gelungen. Daß dabei der Untergrund von Verbissenheit, von Hypochondrie und Eifersucht — diese letztere, die eine so überaus interessante Kontroverse zwischen den gleichen Leidenschaften eines edelmütigen Naturmenschen und denen eines übermässig schuftigen Mitgliedes von Londons jeuneese doree darbietet, macht allein sein Thun halbwegs psychologisch möglich — verloren gehen mußte, war unvermeidlich. Aber die Maske des Biedermannes und treuen KriegSmannes war wohl gelungen, und selbst in seinen Monologen, in denen er wenigstens einen Teil seiner grundlos schwarzen Seele enthüllt, blieb er sich so konsequent, blieb er so diskret und maßvoll, daß wir uns den ganzen Abend über einem gänzlich neuen Jago gegenübersahen. Der Darsteller des Rodrigo, Herr B a tt ig e, führte nicht ohne Absicht den beliebten Possendümmling vor. Man kann gewiß in Rodrigo mit einigem Geist und gutem Willen allerhand komisch-humoristische Elemente entdecken, aber er müßte denn doch von ganz anderem Schlage sein als der des Herrn B. und sicher feinere Lustspielatmosphäre atmen. Frl. Brücher zeigte in ihrer ersten kleinen Szene mit ihrem Scheusal von Gatten die Anmut eines echt weibliche Empfindens und machte dadurch chrersciis die Handlungsweise Jagos plausibler als dieser selber. Gar wohl kann maßlose Rache um dieses niedlichen Weibes willen der Herr Fähnrich üben. Aber vielleicht weil diese Emilie diesen Jago gar so matt und farblos sah, ward sie es im Laufe des Abends selber und versagte in der über alle Gebühr zusammen- sestrichenen Schlußszene ganz. £emperameniwlte DarÜLllungS- Wl? der snln^. drei essvr fef °b. K» -Nirse für nb Hörern?^ :*sft ' '°A>-L eimr,cltllniIuna Wrnmen X9 eü ru dienens Ä t»' Drr sF'ft tolti) ernten, "nehmen. Auch e dle Entwickelung nflußten. Bo> 'noearbeituna, rtu Mtguteä, richtige •ieR. die Ernte auf die Wsten der Leist- e inneren Eigen- den Natur- c anerzogen, die r größere Ertrüge von Mensch und wird angeziichtet, ün hohen Maße. ie Züchtung liefen hier pro Wegen, Brauchbarkeit für Ter eine Hafer ber an Mhrwea ässe liefert, aup wnte nicht s.Ä chabe der M- die für beMmie [neten Sachüchte den Wirt zu mere vorzügliche igm onzubauen. über Ergebnisse de sehr beifällig ,aflm L/Hrache. ArHenöe die fpredR, xxi V r sachlicher ur: ‘ besonders, H gen von Schlacht' u etwas Zeit uti membe Sperrurz ernhalten. 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