Samstag 27. September 1902 152. Jahrgang Erstes Blatt. l'ui r. 89.601 gga. >8 w^0 64 m 64.10 B3 2>U Heutige Mmmer umfaßt 16 Seiten. 87. 17,40 HHHHlVvHIM ü*i HIH6®WeiH€88« r itiei mr laim gtleueri m >en. e 190.80 13180 47^.0 186.40 iba.- 188,70 122.60 I l 9 I I « 48.50 --- 23.90 62.40 35.- 134.- 185.60 158.50 129.1 128.- Nr. 227 Erscheint tSgllch außer 6onntag8. fcem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesflschen Landwirt die Siebener Kamillen, blätter viermal in der Woche deigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei lPietsch Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Fkrnsprechanschluß Nr. 61. Mantf 95 uetfr. toller ' ' ^'Monast.' VtOjtnten. • Thlr. ioo ^•Mlr.lQO °nPrim, Itbr. i, '■II.'. ' I'Milldiner bnbtt u'Sr.Prim^ gf* ** b. 1860 ’• t v. 1854 'utb.Lhlr.4o 4 8ti. 400 JttllWliii dmü u. üiif, 'dacher fi.7 iidurg. fu. ihw.Lhlr.20 nidr.Lhlr.10 •I6nb.5r8.45 ?• grS.lv Icrr. jl iqq in 1864. W. jl. 7' mmger fi. 7 ä«. 6iaati 147.66 160.60 120.60 110.60 186.60 47.- »VS* Aus Stadt und Land. Gießen, 27. September 1902. - Verzeichnis der Sitzungen des Schwurgerichts pro 3. Quartal 1902: 1. Montag den 29. September, vormittags 91/, Uhr, Anklage gegen Conrad Möhlig Wwe. aus Lauterbach wegen Körperverletzung mit tätlichem Erfolg. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Theobald; Verteidiger: Rechtsanwalt Weidig. 2. Dienstag den 30. September, vormittags 9 Uhr. Anklage gegen Johann Jost Scharmann aus Ober-Ohmen wegen Meineids. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß; Verteidiger: Rechtsanwalt Rosenberg. 3. Mittwoch den 1. Oktober, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Wilhelm Altvater aus Ilbenstadt wegen Sittlichkeits» verbrechens. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Theoballd; Verteidiger: Rechtsanwalt Justizrat Dr. Gutfleisch. 4. Donnerstag den 2. Oktober, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Anna Lind aus Villingen wegen Meineids. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß; Verteidiger: Rechtsanwalt Klarenaar. 5. Freitag den 3. Oktober, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Friedrich Wilhelm Rast auS Neudorf wegen Notzuchtsversuchs. Die Anklage vertritt Gerichtsassessor Dr. Hetzel; Verteidiger: Rechtsanwalt Dr, Jung. 6. Samstag den 4. Oktober, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Johann Thomas Bang aus Sinnig wegen Meineids. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß; Verteidiger: Rechtsanwalt Justtzrat Baist. 7. Montag den 6. Oktober, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen den Großh. Bürgermeister Möser aus Babenhausen wegen Verbrechens im Amte. Die Anklage vertritt Gerichtsassessor Dr. Hetzel; Verteidiger: Rechtsanwalt Klarenaar. 8. Dienstag den 7. Oktober, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Philipp Loth au8 Nieder-Ohmen wegen Meineids. Die Anklage vertritt Gerichtsassessor Dr. Hetzel; Verteidiger: Rechtsanwalt Justizrat Hirschhorn. 9. Mittwoch den 8. Oktober, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Heinrich Westerburg aus Bad-Nauheim wegen Meineids. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß; Verteidiger: Rechtsanwalt Katz. 10. Donnerstag den 9. Oktober, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Wilhelm Janisch aus Holzheim wegen Brandstiftung. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß; Verteidiger: Rechtsanwalt Dr. Jung. 11. Freitag den 10. Oktober, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Wilhelm Schwing aus Kohden wegen Raub. Die Anklage vertritt Staatsanwalt HooS; Vertheidiger: Rechtsanwalt Klarenaar. 12. Samstag den 11. Oktober, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Karl Lang aus Hungen wegen Notzucht. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß; Verteidiger: Rechts« anwalt Katz. io rursertt " 4 ao. 3® «** ... M HP .(tBrtüfii- 11 — Aas neue Stadttßcater in Hießen. C. PL Gießen, 27. Sept. Die Bühne fei ein Tempel des Heldentums. Jene hohe sittliche Weihe des Daseins, die wir am reichsten quellend finden in den herrlichen Sagen aus der Urzeit unserer Väter und von denen heute nur selten noch und ganz vereinzelt ein Tröpflein träufelt in die besten Gaben unserer besten Dichter, kann uns die moderne Bühne nicht vermitteln. Aber sie -versucht doch, in Berührung mit einer neuen Art des Heldentums, mit dem Heroismus der modernen Menschheit uns zu bringen. Es ist das Wesen des neueren Dramas, uns von der Bühne herab das menschliche Leben der Gegenwart in seinen Höhen wie in seinen Tiefen zu zeigen. Die plastische Schärfe, mit der die Vorgänge auf der Bühne an unserem Ari^e vorüberziehen, die unmittelbare Einwirkung auf unsere Sinne, die sich gleichmäßig steigernde Wucht des Tragischen, die unsere Seele bis in ihre verborgensten Tiefen in Aufruhr bringt und die edelsten Empfindungen wachruft, endlich die Sprache des Dramas, sein reich und fein gegliederter Aufbau und der erschütternde Eindruck eines echt menschlichen Abschlusses der Handlung bewirken einen Umschwung in unserem Gefühlsleben und machen unsere Seele empfänglich für die alten ewigen, wie die neuen Wahrheiten, die ein van den höchsten Leidenschaften getragenes Leben dem nachfühlenden Beobachter offenbart. Die Erkenntnis dieser der Bühne innewohnenden Kraft hat schon in den fernen Zeiten des Altertums die Städte veranlaßt, mit allen Mitteln den Bau von Theatern zu fördern, um den Dichtern die Möglichkeit zu geben, ihre Werke zur Darstellung zu bringen und dadurch die Volksseele zu erschüttern und zu läutern. Einen wie hohen Rang das Theater in der Antike emnahm, sehen wir beim Durchblättern der Jahrbücher der Geschichte, und wir brauchen uns nicht erst der Dichter zu erinnern, die z. B. in der Blütezeit der Hellenen sich unvergängliche Denkmäler gesetzt haben. Sind heute nun die Verhältnisse anders? Brauchen wir kein Theater mehr, oder haben wir eine Einrichtung, die wir mit gutem Gewissen als einen Ersatz des Thaters bezeichnen dürfen? Ist im Volke das- Kunstbedürfnis nicht mehr vorhanden, bedarf es keines Tempels mehr für die Helden im modernen Daseinskämpfe ? Wohl niemand wird behaupten wollen, daß wir der Bühne entraten könnten. Aber man könnte z. B. mit dem Hinweise auf die primitive Ausführung der Dramen Shakespeares zur Zeit dieses Dichters behaupten, daß die Kraft des Dramas m sich selbst beruhe, daß es keines eigenen Hauses für die Ausführung desselben bedürfe. Das ist trügerischer Schluß: um ein Drama zur vollen Geltung zu bringen, ist es vor allen Dingen notwendig, die Aufführung in einen Rahmen zu kleiden, der, wenn auch noch so einfach, doch den intimen Charakter besitzt, den jede dramatische Dichtung unbedingt für sich beansprucht. Shakespeare wird die mangelhafte Ausführung seiner Dramen gewiß schmerzlich empfunden haben, und unsere modernen Dramatiker schaffen in allererster Linie für die Bühne; die Lektüre ihrer Werke gewährt uns zumeist nur unvollkommene Eindrücke. Wagner i st der eigentliche Schöpfer der modernen Bühne, indem er in seinen großen Musikdramen die schönen Künste Musik, Poesie und malerisch- plastische Architektonik zu vereinen sich bemühte. Gießen steht schon seit langem vor der Frage eines Theaterbaues; und dank dem unaufhörlichen Drängenderer, die den Kulturwert des Theaters abzuschätzen wissen, ist der Bau eines solchen nunmehr b e s ch l o s, e n e Sa ch e. Für Gießen hat ein Theater neben feinem ethrschen auch einen sehr bedeutenden lokalen Wert. Wir erinnern hier nur daran, daß Gießen als Universitätsstadt eine viel größere Anziehungskraft für die Studierenden haben muß, wenn das Einerlei der Kleinstadt durch ein gutes Theater gemildert wird. Ter Zuzug von Fremden ferner, inÄ>e;ondere der wohlhabenderen Klassen, wurde nch überhaupt fteigern Aber vor allem für das geselsichafiliche Leben Gießens muß ein gutes Theater von einschneidender Bedeutung sein. Tie G r o ß st a d l l u f t, die von ihm ausgeht, wird die gesellschaftlichen Verhältnisie außerordentlich wohl- thuend beeinflussen, und das^Theater wird immer der Mittelpunkt bleiben, um den sich alle gelellscha.tlichen Ver- anftaltuugen der Wintersaison drehen. Es sei ausdrücklich micrEannt, daß unser Theaterdirektor Kruse mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und in dem ihm angewiesenen Raume nach befien Kräften •100 - - 851.60 W Miauet£.30 | 9 ww KM Emil Fischbach ÄtzückH n kausMnMviu. Schul- nutoiterricbl teiedM und W l«j MD LU! per loder 15. LK. Sullun, •Derer Familie. 0416 i erfragen Äeichstrahe 20,11 das Möglichste leistet, und wir erhoffen auch von der bevorstehenden Saison eine Reihe schöner Theaterabende von nachhaltiger Wirkung. Aber die gegebenen Verhältnisse setzen die bescheidensten Anforderungen voraus. Wir sagten, der Bau eines neuen Theaters sei eine beschlossene Sache. Es würde sich also zunächst darum handeln, wo soll das Theater erbaut werden. Schon feit langem ist der städtische große Gartenbesitz da, wo Neuem baue, Nenerweg und Johannesstraße zusammenstoßen, als Bauplatz in Aussicht genommen. Doch ist neuerdings außer diesem Garten auch noch ein anderer Platz in Aussicht genommen, der sich noch besser für den Theater bau eignen soll! Herr Bürgermeister Mecum hat uns autorisiert, dies mitzuteilen und auch noch zu sagen, daß wegen des neuen Platzes bereits Verhandlungen gepflogen werden. Mehr können wir allerdings zur Zeit nicht verraten. Im Winter werden die Verhandlungen voraussichtlich abgeschlossen sein. Die Vorarbeiten können dann beginnen. Für das Ausschreiben der Projekte und die auszusetzenden Preise haben der Theater- und der Saalbauverein die Summe von 18 OOO M. zur Verfügung gestellt. DaS Projekt wird ein vollständiges, in sich abgeschlossenes Th eat er mit den nötigen Foyers und weiterhin einen großen Konzertsaal enthalten. Theater und Konzertsaal sind durch ein geräumiges Vestibül zu verbinden, das gleichzeitig die G a r d e r o b e n in sich aufnimmt. Wahrscheinlich wird das Gebäude auch noch kleinere Säle enthalten, die für besondere Zwecke bestimmt sind. Eine große und zweckentsprechend eingerichtete Restauration ist selbstver- lich ebenfalls vorgesehen. Diese Anordnung verbürgt auch die Rentabilität der angelegten Kapitalien, und das wird für später in gewissem Sinne notwendig sein. Denn wenn auch die Stadt uiid verschiedene Kunstfreunde große Summen aufbringen werden, so muß doch damit gerechnet werden, daß dies allein vielleicht nicht genügt. Da ist uns nun schon wiederholt der Vorschlag gemacht worden, die fehlenden Summen durch eine Theaterbaulotterie aufzubringen. Der Vorschlag hat ja viel für sich, und er wird in der Öffentlichkeit gewiß auf guten Boden fallen. Sollte er später definitiv in Erwägung gezogen werden, so hoffM wir, daß die maßgebenden Behörden die Ausführung burct) wohlwollendes Entgegenkommen ermöglichen werden. Deutsches Reich. Berlin, 26. Sept. Die Rückkehr des Kaiser- Paares nach Potsdam wird am Vormittage des 4. Oktober erfolgen. — Der König von Portugal will nach England reisen. Die Abreise des Königs findet am 16. Oktober statt. Der König wird drei Wochen in Paris bleiben und am 9. November, dem Geburtstag des Königs von England-, in L o n d o n sein, wo er mit dem DeutschenKaiserzu- fammentrifft. — Unter dem Vorsitz des Generalfeldmarschalls (Grafen Walders ee findet in Berlin am 17. Oktober die im vorigen Jahre ausgefallene kameradschaftliche Vereinigung der Teilnehmer der China-Expedition im Hotel „Kaiserhof" statt. — Freisinnige Blätter wollen wissen, daß Herr v. P o d - dielski mit einem westpreußischen Gutsbesitzer, dem gegenüber er die Aeußerung vom „Lausekanal" auf einer seiner Inspektionsreisen" gethan, eine lebhafte Auseinandersetzung wegen der Veröffenttichung gehabt habe, und e^wird angekündigt, daß die Sache von freisinniger Seite Wi preuß. Abgeordnetenhause zur Sprache gebracht werden soll. (Das kann ja recht interessante Auseinander- 3. Deutscher Karidrverks- uud Keweröekammertag. I Leipzig, 26. Sept- Unter Teilnahme von etwa 200 Abgeordneten der Handwerks- und Gewerbekammern aus allen Teilen des Reiches trat gestern abend hier der dritte deutsche Handwerksund Gewerbekammertag zusammen. Das Reicksamt des Innern, der preußische Minister für Handel und Gewerbe, das könial. sächsische Ministerium des Innern, das Handelsministerium des Königreich Württemberg, das Großh. Hess. Ministerium usw- haben Vertreter entsandt. Der Vorsitzende der Hannoverschen Handwerkskammer Plate-Hannover eröffnete die Versammlung. Ter frische Zug, der durch das deutsche Handwerk und Kleingewerbe gehe, lasse erwarten, daß die bevorstehende Tagung von reichen Er- folgen für den Stand begleitet sein werde. Den Geschäftsbericht erstattete Geschäftsführer Dr. Lmd- ström-Goslar. Ter Bericht enthielt einen interessanten Ueberblid über die gegenwärtige Zusammensetzung des deutschen Handwerks, der an der Hand einer vom Verbände aufgestellten Statistik gewonnen wurde. Nach dieser Statistik giebt es zur Zeit 1140 000 selbständige Handwerksmeister, 900 000 gelernte Gesellen und 350000 Lehrlinge, so daß von einer Lehrlingszüchterei im Handwerksstande heute nicht mehr die Rede sein tonne. Tie Zahl sämtlicher deutscher Handwerker-Innungen beträgt zur Zeit 8800. 174 Zwangsinnungen lösten sich auf und ebenso 74 freie. Von diesen 74 haben sich aber 28 sofort in Zwangsinnungen umgewandelt und außerdem bildeten sich 779 neue, sodaß von einem Rückgänge des deutschen Handwerks nicht gesprochen werden könne. Im Gegenteil sei in jeder Beziehung ein gesunder Fortschritt zu konstatieren. Tie Kammern von Berlin, Breslau, Darmstadt, Dresden, Lübeck, Dortmund und München wurden wiederum in den Ausschuß gewählt, und Hannover zum Vorort, München zum nächstjährigen Tagungsort bestimmt. Man beschloß, den Entwurf betreffend die Regelung des Submissionsverfahrens, welcher in der Hauptsache besagt, daß Vergebung.von Arbeiten und Lieferungen an Handwerlskorporationen grundsätzlich anzustreben seien, sowie daß bei Arbeiterausständen die Lieferungszeit um die Dauer des Ausstandes zu verlängern sei, mit der Maßgabe anzunehmen, daß dabei die örtlichen Bedürfnisse die nötige Berücksichtigung erfahren. Des Weiteren wurde beschlossen, es sei unbedingt notwendig, daß die obliga torische Invalidenversicherung für sämtlich selbständige Handwerker durch Reichsaesetz eingeführt wird. Mit den nötigen Vorarbeiten wird Die Handwerkskammer Breslau beauftragt. Man beschloß ferner eine längere Erklärung, die dahin geht, daß nach dem Handelsgesetzbuch Handwerker unter bestimmten Voraussetzungen das Recht und die Pflicht haben, ihre Firma in das Handels- re gift er eintragen zu lassen. Ferner wurde beschlossen, für gröbere Handwertsarten, besonders tüchtige und angesehene Handwerksmeister, als handwerkliche Sachverständige für eine Reihe von Jahren zu bestellen und zu vereidigen. Dann wurde eine Erklärung angenommen, nach der für diejenigen Baugewerbe, bei denen mangelhafte Ausführung das Leben und die Gesundheit gefährdet, unter Zugrundelegung der Meisterprüfung der Befähig- setzungen geben.) — Für den Kirchenrat und die Gemeindeverttetung der katholischen Pfarreien Berlins werden jetzt in allen Kirchensvrengeln polnische Kandidaten auf- gestellt, um Die polnischen Bestrebungen auf kirchlichem GÄiete, die Eiuiühmng polnischer Predigten usw. zu fördern. Hamburg, 26. Sept. In der heutigen vertraulichen Vorbesprechung der Delegierten ftum freisinnigen Parteitag wurden die Anträge auf Öffentlichkeit der Verhandlungen abgelehnt. Zum ersten Vorsitzenden wurde Schmidt-Elberfeld gewählt. Herford, 26. Sept. Die Feier der Enthüllung des Denkmals des großen Kurfürsten sand heute in Gegenwart des Kronprinzen, die Minister Budde und v. Hammerstein statt. Dresden, 26. (Sept. Die Stadtverordneten beschlossen, den Rat zu ersuchen, das Ministerium zu bitten, beim Bundesrat erneut darum vorstellig zu werden, die Einfuhr lebender Schweine aus Oesterreich- Ungam nach dem Dresdener Schlachthose wieder zuzulassen, um den Mangel an Schlachtvieh zu beseitigen. München, 26. Sept. Der Abg. Bebel macht jetzt eine agitatorische Rundreise durch Bayern. Bekanntlich hat er den Zentmmsabg. Dr. Sck)ädler zu einem Rededuell in Bamberg gefordert. Dr. Schädler hat aber kurz geantwortet, er werde der Einladung nicht Folge leisten, da er feine Veranlassung dazu habe. Bebel nun ging mit Dr. Schädler scharf ins Gericht. In Nürnberg machte er wieder feinem Grolle gegen die Agrarier Luft. Er sprach von der ,Mickständigkeit" der jetzigen Bauern und meinte, wenn das anders werden solle, müsse der ganze Boden sozialisiert,------------------H x werden; aber es fei jetzt noch unmöglich, die „agrari- ungs-Nachweis gefordert werden soll, scheu Dickschädel" zur Vernunft zu bringen. , | ---------- _ _ Bezugspreis» jRjiMjjijHy ä Q »uonatlich7bPfi viertel» jGäSSr V M A M V jährlich Mk. 2.20; durch Gießener Anzeiger»! W General-Anzeiger 67 .SB Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZW * Spar- und Leihkasse. Wie auS der heutigen Bekanntmachung hervorgeht, beabsichtigt die hiesige Sparund Leihkasse den Zinsfuß für Einlagen vom 1. Januar 1908 ab, auf 3»/, Prozent zu ermäßigen. Es ist selbstverständlich, daß demzufolge auch eine Ermäßigung deS Zinsfußes für die Schuldner der Kaste eintreten wird, wahr- scheinlich auf 4% Prozent. st. Bedenkliche Risse und Senkungen zeigen die an der Bach gelegenen, als Lagerhäuser dienenden Hinter- aebäude der Firma Emil Pistor Nachfolger, die infolge der m jener Gasse vorgenommenen Kanalisationsarbeiten entstanden sein sollen. Bereits ist ein schuppenartiges Gebäude auf Veranlassung der Stadt geräumt und abgerissen worden. Ein zweites in Holzfachwerk errichtetes Haus, das merklich ins Wanken gekommen ist, ist von zwei Seiten mit Stützen versehen worden, um einem eventuellen Einsturz zu begegnen. Dem äußeren Anschein nach wird auch dieses Gebäude, welches allerdings schon recht altersschwach ausschaut, niedergelegt werden müffen. Offenbach, 26. Sept. In der Stadtverordnetenversammlung ist gestern beschlossen worden, mit den Metzgern wegen der von diesen beantragten Aufhebung des Oktrois m Verhandlungen einzutreten. Ferner wurde mit großer Majorität beschlossen, daß die Stadt sich mit 10 000 Mark an der Errichtung der hessischen Hypothekenbank beteiligen soll. WormS, 26. Sept. Wegen der in der gestrigen „Volkszeitung* gegen das Präsidiunr der Handelskammer gerichteten Angriffe wird, wie die „Worms. Ztg.* mitteilt, gegen das Blatt Strafantrag gestellt werden. Vermischtes. * Aachen, 26. Sept. Der kürzlich verstorbene Kommerzienrat Hasenclever vermachte der Stadt Aachen zu gemeinnützigen Zwecken 100 000 Mark. ♦ Leipzig, 26. Sept- Vor einem Bankgeschäft hielt bei Geschäftswagen einer Fabrik, in dessen fest verschlossenem Kasten sich zwei Säcke mit 17 000 Mark in Gold befanden. Diese beiden Säcke wurden von der Straße weg von bisher nicht ermittelten Personen e n t w e n d e t, nachdem der Wagenkasten mit einem Nachschlüssel geöffnet worden war. — Tie preußische Regierung hat den Plan des neuen Zentral-Bahnhofes, für Leipzig, des größten der Welt, genehmigt. Tie Kosten des Bahnhofes sind für beide Regierungen auf 106 Millionen Mark beziffert. Für den Bau sind 12 Jahre vorgesehen. * Hamburg, 26. Sept. Nach einem eingetroffenen Telegramm traf der heute von Newyork in Plymouth an- aekommene Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie „Pennsylvania" am 24. ds. die norwegische Bark „Bothnia" auf 50 Grad nördlicher Brette und 17 Grad westlicher Länge in sinkendem Zu st and. Deren aus 13 Mann bestehende Besatzung wurde geborgen. * Stuttgart, 25. Sept- Einen allzu reichlichen Familienzuwachs hat ein Hausdiener Beck hier erfahren. Seine Frau gebar heute 4 Kinder, drei Mädchen und einen Knaben. * Bei dem Erdbeben in Kaschgar wurde die große Stadt Artusch zerstört, 667 Personen im Bezirke getötet und über tausend Personen verletzt. Leichtere Erdstöße wurden während der letzten fünf Tage verspürt. Kunst und Wissenschaft. Helfiugoer, 26. Sept. Hier bildete sich ein Komitee zum Zweck, gegenüber der Terrasse des Schlosses Kronborg einStand- bild Shakesspeares zu errichten, zu dem der in Rom lebende dänische Bildhauer Hasselries den Entwurf bereits fertig- stellte. Das Komitee, dessen Vorsitzender Oberst Christensen, der Kommandant des Schlosses Kronborg ist, fordert alle Bewunderer Shakesspeares zur Beitragsleistun^ auf. Universitäts-Nachrichten. Berlin, 27. Sept. Den Morgenblättern zufolge wurde als Nachfolger des Professors Gerhardt der Prager Kliniker Professor Jatsch von Wartenhorst an erster Stelle vorgeschlagen. Eisenbahn-Zeitung. Neuer Schnellzug nach Paris. Ein neuer Schnellzug von Paris wird vom 1. Ott. ab durch geringe Zugverschrebungen auf der Strecke zwischen Coblenz, Trier und Luxemburg bergestellt, er geht über Berlin, Nordhausen, Cassel, Gießen, Coblenz, Trier, Luxemburg nach Paris. Er wird verkehren ab Potsdamer Bahnhof 7.30 afcenbs, Gießen an 4.53 nachts. Bon hier ab wird der Zug allerdings ein gewöhnlicher Personenzug. Er geht hier 5.8 morgens ab, ist in Coblenz 8.33, dort geht er ab 8.43 morgens, ab Trier 11.25, ab Luxemburg 12.35, an Paris 6.28. Der neue Zug wird also 23 Stunden von Berlin nach Baris brauchen. In umgekehrter Richtung besteht die Verbindung bereits. Im Anschluß hieran sei mitgeteilt, daß der „Gieß. Anr." in der nächsten Woche wieder seinen bekannten und beliebten neuen Winterfahrplan herausgeben wird, mit dem unsere Leser hoffentlich auch in Zukunft gut fahren werden. Gerichtssaal. M. Gießen, 26. Sept. Strafkammer. Ten Vorsitz führte Landgerichtsdirektor T)r. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Hoos. — Ter Spengler Heinrich Schmidt von Friedberg ist wegen Beleidigung vom dortigen Schöffengericht zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Ter Angeklagte, der im tädlische'n Armenhaus in Friedberg wohnt, lebt nut einer Insassin desselben in Feindschaft und hat derselben vorgeworfen, sie habe in einer gegen ihn verhandelten Privatklagesache einen Meineid geleistet. Die Strafkammer verwarf die von dem Angeklagten gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegte Berufung. — Ter in der Zellenstrafanstalt Butzbach inhaftierte Strafgefangene Peter Kampf von Viernheim hat einen Beschluß des Großh. Oberlandesgerichts Darmstadt, durch den sein Antrag auf Wiederaufnahme des Ver- ahrens abgewiesen worden war, mit allerlei Randbemerkungen versehen, in denen er u. a. die Mitglieder des Oberlandesgerichts der Parteilichkeit und Rechtsbeugung bezichtigte. In gleicher Weise ließ er sich in einem Brief an feinen Verteidiger aus. Wegen Beleidigung wird er zu einer dreimonatlichen Gefängnis- träfe verurteilt. — Der Schlosserlehrling Heinrich Hamel von Rainrob hat ein brennendes Spirituslämpchen so nahe unter ein Holzdach gestellt, daß die Flamme das Holz berührte und entzündete. Der Brand wurde rechtzeitig entdeckt und ein größerer Schaden verhütet. Mil Rücksicht hierauf unb auf den Umstand, daß der Angeklagte in sehr jugendlichem Alter steht und von feinem Lehr- herrn das Zeugnis eines ordentlichen Jungen erhält, erkannte das Gericht nur aus eine G e l d st r a f e v o n 5 M k. — Der Fuhrmann Karl Hickel von Lollar Hal aus grober Fahrlässigkeit auf der Franksurterslraße einen Anderen überfahren und demselben Verletzungen an Hand und Schulter zugefügt. Nur durch einen Zufall wurde ein schlimmerer Ausgang verhindert. Tas Gericht nett eine exemplare Bestrafung für angemesten unb verurteilte ben lngeklagten zu einer Gefängnisstrafe von 2 Wochen. — Der Dienstknecht Wilhelm Bretsch von Vilbel ist des im Rückfall begangenen Diebstahls angeklagt unb wirb unter Annahme mildernber Umstände zu einer Gefängnisstrafe von 7 Monaten verurteilt. — Der Schuhmacher Heinrich Rink von Hattenrod hat einen Anderen im Streit derart in ben Finger gebissen, baß ber Verletzte 6 Wochen klinisch behanbell werden mußte und über diese Zeil hinaus in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich beschränkt war und z. Zt. noch ist. Ta der Verletzte an der Entstehung des Streites größtenteils selbst Schuld trug, hielt das Gericht eine G e l d st r a f e für eine ausreichende Sühne und bemaß dieselbe auf 4 0 M k. — In der Privatklagesache des Betriebs- beamteii A. Schmetter gegen den Jakob Reh 11. in Lollar hatte das Schöffengericht Gieren den Angeklagten wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 60 Mk. verurteilt. Der Privatbeklagte halte den Privatkläger grundlos der Parteilichkeit und Bestechung be- fchuldigt. TaS Berufungsgericht verwarf die Berufung des Angeklagten kostensällig als unbegründet. rg. Marburg, 26. Sept. Ter Nachtwächter Wagner m Linglis bei Borken hatte sich am 6. Juli d. I. einen gehörigen Rausch angetrunken. Als er in diesem Zustande seinen Dienst ausübte, verhastete er ohne jeden Grund einen alten Greis und wollte ihn ins Spritzenhaus stecken, Nachbern sich der Bürgermeister ins Mittel legte, hielt er dennoch seinen Gefangenen fest ilnd fchliig dann mit feinem dicken Knüppel auf ihn ein. Mil Hilfe anderer Leute brachte man schließlich den Nachtwächter von der Straße, damit er nicht weiteres Unheil anslifte. Hierbei erging er sich noch in beleidigenden Ausdrücken gegen ferne Vorge- etzten. Das Gericht verurteilte den Nachtwächter wegen seines eigentümlichen Verhaltens zu vier 2R o n a te n und eine Woche Gefängnis. Berlin, 26.'Sept. Prinz -Stanislaus Radziwill ist durch Beschluß des Amtsgerichts wegen Verschivenduiig entmündigt worden. hauptet. Gerste Braugerste unverändert, Futrergerfle etwas ruhiger. Hafer etwas matter. Mais fest. Tie heutigen Slolirungen sind: filebromier II 122.50—123.50 fDlt Kansas 11 123.50—124.50 Mk. Südruss. Weizen 122—133 Mk., Saxonska-Weizen 130-132 9RL, Rumän. Weizen 124—132 Mk., Rufs. Roggen 100—108 Mk., Nuss. Futtergerste 90 Mk. Russ. Hafer Oktober-Schvember-Abldg. 105 bis U 0 Mk„ Amerikan. Hafer 110 Mk., La-Plata-MaiS rye term» 107 Mk., Mixed-MaiS Dezember Januar-Abladung 91 Mk. per Tonne cif Rotterdam Märkte. Bei dein am 16. und 17. Sept. a.c. zu Gießen startgefundenen Markte waren abgetrieben 1217 Stück Rindvieh und 965 Schweine. Ter nächste Markt stndet am 7. und 8. Oktober statt, am letzteren Tage auch Rramermarft. Gießen, 27. Sept. Ma r k t b e r i ch t. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr.Pfd. 1,10—1,20 All.. Hühnereier pr. St. 7—8 Pfg^ 2Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00-00 Pfg., Enteneier 0—O$fg„ Käse vr.Sick.5-9Pf.,Kasematte2Slck.5—0Vsg., Erbsen pr.Liter 19Psg^ Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar 0,60-0,80Mk., Hühner pr. öL 1,00—1,30 'M!., Hahnen pr. Stück 0,60—0,85 Mk., Emen pr. etucf 2,00—2,30 Alk., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsensletsch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbsleisch pr. Pfd. 68—70 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50-70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,00—5,50 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zeittner 3,75—4,00 Rik., Milch per Liter 18 Pfg. Aepsel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Koblenz, 26. Sept. Wegen der Maul- und Klaueneu che werden alle Viehmärkte des Regierungsbezirks Koblenz aufgehoben, ausgenommen die Märkte der Kreise Wetzlar nnd A11 e n t i r d) en. Ucncste Mewiuigen. Lriginaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeigers. Gera, 28. Sept. Staatsanwalt Engelhardt trott in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Geh. Staats- rat v. Hinüber. London, 29. Sept. Das Polizeigericht zu GrayS (Essex) verurteilte den Leutnant der Reserve in der deutsck)en Marine und zweiten Offizier auf dem Hamburger HandelS- chiff Isis, Theodor Hartung, wegen Schmuggelns von 25 Pfund Cigarren zu 860 Mk. Geldstrafe, und da er nicht zahlen konnte, zu einem Monat Gefängnis. Der Ober-Steward wurde zu 4 Monaten aus dem gleichen Grunde verurteilt, da er außer stände war, die Strafe von 1400 Mk. für 50 Pfund Cigarren und einige Spirituosen zu zahlen. , , „ Toledo, 27. Sept. Infolge einer Grubenexploswn ind viele Arbeiter umgekommen oder verletzt. Rom, 27. Sept. Aus Modica wird weMr ge- meldet: Der untere Stadtteil ist zerstört. Die beiden Gebirgsbäche Sainte Marie und St. Francois, die durch die Stadt in ihrer ganzen Ausdehnung fließen, schwollen plötzlich an und wälzten Schlamm und große Steine mitten ins Land. Tie Wassermassen drangen in die Häuser und rissen Menschen, Möbel, Waren und Tiere mit fort. Acht Häuser sind eingestürzt, viele andere beschädigt. Bisher sind achtzig Leichen geborgen und in den Kirchen ausgebahrt; weitere fünfzig sind schon beerdigt. Die Zahl der durch die Flut Umgekommenen ist immer noch ungewiß. In Scicly sind zwölf Personen umgekommen. In Cassaro ist alles zerstört. Der in Palazzolo, Acreide, Ferla und Geratana angerichtete Schaden ist sehr groß. Ueberall sind Truppen zur Hilfeleistung herangezogen. Infolge der Zerstörung der Telegraphenlinien fehlen direkte 9tach- richten. Rom, 27. Sept. Wie hier verlautet, bat der russische Hof Einwendungen gegen das für den Zarenbesuch entworfene Zeremoniell erhoben, weshalb der Gegenbesuch des Zaren beim hiesigen Hofe wieder fraglich geworden sei. Petersburg, 27. Sept. In hiesigen unterrichteten Kreisen lvird bestätigt, daß, falls Deutschland auf einer turzsichtigen Verlängerung der bestehenden Handelsverträge bestehen sollte, die russische Regierung sich genötigt sehen würde, die Handelsverträge mit Deutschland zu kündigen. Newyork, 27. Sept. Es erregt bier Aufsehen, daß der General Körner, der Oberbefehlshaber der chilenischen Armee, ein Bündnis zwis che n Chile und Peru energisch befürwortet. Die Presse beider Länder spricht sich für die Gründung derVereinigtenStaatenvon Südamerika aus. Höhe der notwendigen Summen kann heute ja kaum annähernd bestimmt werden; vielleicht werden von privater Seite ein Kapital von 3—400 000 Mk. und außerdem beträchtliche Mengen von Baumaterial gestiftet werden; der Rest, der annähernd ebenso hoch sein dürfte, wäre dann von der Stadt und cd ent. von einer Lotterie aufzubringen. Wir haben aber noch keineswegs die Hoffnung aufgegeben, daß im entscheidenden Momente ein großherziger Kunst - und Menschenfreund die finan- ziellenSchwierigkeitenmiteinemSchlagebe- seitigt. Wenn, wie wir hier einschalten wollen, das Baukapital acacn Aktien beschafft ist, so ist die Frage, ob das Theater sich rentiert, natürlich von der größten Wichtigkeit. Aber es liegt ja gar lein Grund vor, an der Rentabilität des Theaters zu zweifeln. Voraussetzung ist allerdings, daß in die Wirtschaftsräume ein tüchtiger und kapitalkräftiger "Pächter gefetzt wird, der es versteht, das Etablissement geschickt zu letten. Deswegen ist auch die Forderung von eigenen Restaurationsräumen durchaus gerechtfertigt. Für die Rentabilität ist es ferner von großer Bedeutung, ob der Theaterdircttor von der Stadt angestellt ist oder ob er das Theater pachtet. Erstrebt wird, daß der Direktor angestellt lvird. Das würde auch, wie wir bereits wiederholt ausführten, für das neue Tcheater das einzig Richtige sein. Die finanzielle Frage wird indes erst zu erörtern fein, wenn die Projekte für den Bau vorliegen und eine lieber- sicht über die notwendigen Summen gestatten. In der nächsten Stadtverordnetensitzung wird gelegentlich der Wahlen für die Kommission zum Städtebundtheater wohl auch die Theaterdaufrage zur Sprache kommen und Herr Bürgermeister Mecum wird vielleicht die Gelegenheit ergreifen, nähere Mtttcilungen über dies weit- tragende und die Bürgerschaft in höchstem Maße interessierende Projekt zu mad)cn. Wir können nur nochmals wiederholen, daß ganz abgesehen von der lokalen Bedeutung, die ein neues Theater für Gießen haben würde, vor allem aus echischen Rücksichten der Bau des Theaters gefordert werden muß. Ein Saal, der nebenbei noch zu allen möglichen anderen Zwecken dienen muß, wird eben niemals das Theater ersetzen, niemals den eigenartigen, intimen Reiz auf den Zuschauer auöüben können, den die Bühne ausüben soll, und der das Theater dem Volke zu einem Tempel macht, in dem cs seine Gött-r und seine Helden findet. Handel uni) Verkehr. Uolliswftlschasl. Berlin, 26. Sept. In der heutigen Sitzung bes li.cn- tralausfchusses ber Reichsbank bemerkte Präftbent Tr. Koch, baß bie Lage bie gewöhnlichen, durch den sich antünbigenben Herbslbebarf veranlaßten Bewegungen zeige. Tie Wechsel-Anlage insbefonbere überschreite bie vom 23. August um 37 Millionen Alk. Die Gesamtanlage sei mit 908 Mill. Alk. gegen ben 23. August zwar um 49 Millionen höher, aber gegen ben 23. Sept. 1901 um 97 Mill. Alk. kleiner, bie jremben Gelber um 90 Mill. Alk. Dagegen sei ber seit 4 Wochen um 64 Mill. Alk. verminderte Mctall- oorrat noch um 25 Mill. Mk. größer als im Vorfahre unb gegen 1900 um 135 Mill. Alk. In der letzten Septemberwoche sei eine starke Anspannung unvermeidlich, indessen sei ungeau)tct der Steigerung des Diskonts am offenen Markie noch nicht abzniehen, inwiefern eine Tiskonterhöhung erforderlich sein werde, zumal Gold mehr zu als abstieße und die fremden Wechselkurse günitig ständen. Seitens des Centralausschusses wurde dieser Auffassung allseitig beigepflichtet. Hannover, 26. Sept. Von der Generalversammlung ber Hannoverschen Brodfabrik würbe ber Abschluß 1901/02 genehmigt, bie Tividende auf 4 pCt. festgesetzt und Techarge erteilt. Tie Aussichten für bas laufende Geschäftsjahr werden als recht günstig bezeichnet. — Ein Konsortium Braunschweiger Banken hat 1 Million Mark 3'/,proz. Braunsch weiger Stadtanleihe zu 99'/« übernommen. — Der Aufsichtsrat ber vereinigten Prnselfabriken Nürnberg wird für bas vergangene Jahr wieder eine Tividende von 11 pCt. vorschlagen. — Tabak. Im Xiaufc der Berichtswoche wurden im badischen Cberlaube ca. 700 Ztr. von Spekulanten an einen Händler m Bruchsal zu Anfang 60 Alk. versteuert verkauft. In 'Mannheim wurden in 1901er Tabak ca. 300 Ztr. Neckarthaler von Spekulant an Händler zu 44—45 Alk. umgesetzt. Tas Geschäft m m Rücklicht auf die neue Ernte etwas lebhafter, die guten Qualitäten werden schlank Abnehmer sinden, doch halten die Fabrikanten infolge des schlechten Geschäftsgangs mit dem Einkauf noch sehr zurück. In loser psälzer Einlage irmrben einige Posten zu Anfang 80 'Mk. verkauft. Im Laufe ber Berichtswoche würben^ burch Händler die in Händen von Spekulanten liegenden neuen -sandgrumpen je nach Qualität in ber Preislage von 44—50 Mk. ausgekauft unb sind dieselben nunmehr in festen Händen. Ter Einkauf in «canbblättem ist beenbet, auch bie Rebut dürfte sehr rafch aufgefanft jein, der Preis für letztere stellt sich je Qualität aui 24—34 Mk. In losen pfalzer Rippen geschäftslos, lose feine 9-9.50 Mk., gebündelte 11 vis 11.50 Mk. . — Getreide. Während ber vergangenen Berichtsivoche war bie Stimmung im Getreidegeschäft ziemlich unverändert. Tas Angebot von Amerika und Rußland mar ziemlich reichlich und auch Rumänieii beginnt wieder, eher Rechnung zu lafien. Tte Preise konnten sich bei regelmäßigen Umsätzen behaupten. Roggen be- Telephonischer Kursbericht- Frankfurt m. Jl„ 27. September 1VU2. 3,/a°/o Reicheanleihe . . 101.90 3'o do. . - . 92.15 a1/.0/, i.oneole .... 102.15 3% do......92.15 3'/2% Hessen .... 99.96 3-6 Oberhessen . . . 99.70 4-6 Oesterr. Goldrente . . 103.00 4',,-6 Oesterr. Öilberrente 101.25 4-6 Ungar. Goldrente . . 103.00 4% Italien. Rente . . . 102.60 4' ,-6 Portugiesen . . . 60.50 i°/ Portugiesen. .... 81.00 156 C. Türken .... — .— Türkenlose......121.40 4°/q Griech. Monopol.-Anl. 44.25 4',,-6 äussere Argentiner —.— 3J/o Mexikaner .... 26.50 4‘/i /q Chinesen . . . . 91.65 Electric, bchuckert . . . 86.00 Nordd. Lloyd . . . . —.— Areditaktien . ... 216.90 Diskonto-Kominandit. . 187.50 Darmstädter Bank . . . 135.90 Dresdener Bank .... 143.40 Beniner Handelsgee. . . 156.60 Oesterr. Staatebahn . . . 158.50 Lombarden.....20.60 Uottbardbahn .... 177.00 Laurahütte...... 203.50 Bochum ... .... 181.20 Hurpener......167.75 Tendenz: ruhig. M U Hel und Industrie. Depositenkasse Giessen. (Darmatädter Bank.) Johannesstrasse 1. Giessen. Etke Neuenweg. An- nnd Verkauf von Wertpapieren. Einlösung von Coupons, Geidsorten etc. Entgegennahme von Bar-Einlagen gegen Verzinsung mit und ohne Kündigung. Die Verzinsung beginnt mit dem Tage der Einzahlung. Hinterlegungsstelle lür Mündelgelder Cassastunden: 8 bis 12*/, Uhr und 2 bis 6 Uhr. Sonntags geschlossen. 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Zufolge der -ehlen biiette Achtet, hat der russische Len Zarenbesuch halb der Gegenbesuch er ixa&li® gewor- hiesigen unterrichteten Teutjchland aus einer ienben Handelsverträge ejiening « S-ft ■i}t mit i>eut[g< HM i" ft* ßhiU unb Peru beider Lander spricht ,ienZtaatenvon Tanz-Unterricht Mein Tanz-Unterricht beginnt wieder Montag den 13- Oktober 1302, Gefl. Anmeldungen erbitte ich vorher in meiner Wohnung, Gegründet 1858 wiwuc jvjot>el- fabrih-Lager Cb. ßrüch, Giessen Gehe dcblossgasse - Kanzleiberg - Brandplatz rSSäfc Teiz^ j^124^0 W ?^nber-Abi^, W ',ta“' zum Schlachten werden stets angekauft. 6009 Keselerf Pferdemetzger. Ein Haus auf dem Lande, m schöner freier Lage mit großem Garten wird zu taufen gesucht, ß Angebote von modernen Spekulationsbauten sind nicht erwünscht. Dorgezogen wird ein älteres, aber gut gebautes Haus. Offerten sind erberen durch Rudolf Mosse In Frankfurt a.M. unt. RH.M.373. 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Dieselben habe ich in meinen der Neuzeit entsprechend «mpbantctt KezcMzloWAe« in vorteilhaftester Weise zur Schau gestellt, worauf ich noch ganz besonders aufmerksam mache. 6756 Ich erlaube mir noch höflichst darauf hinzuweieen, dass es Jedermann gerne gestattet ist, sich vorerst von Güte, Schönheit und Preiswürdigkeit Die Beerdigung findet Sonntag den 28. September, nachmittags 3 Uhr, von den neuen Kliniken aus statt. Todes-Anzeige verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen lieben Gatten, unseren guten Vater, So^n, Bruder und Schwager Jean Eidmann Schneider gestern abend 61/« Uhr nach längerem Leiden zu sich zu nehmen. 6734 Die trauernden Hinterbliebenen. Dießen (Kirchenplatz 18), den 27. September 1902. Herbst- und Winter-Neuheiten in Kinderkleidchen bis zu 12 Jahren Jacketts Mänteln Capes Hüten Hauben Mützen feinen Baby- und Geschenks-Artikeln empfiehlt 6737 ROBERT HAAS NACHF. Inh.: Conr. 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