Nr. 200 erffleint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Urrtvers^Buch- u. Steindruckerei lPietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. AernsprechanschlußNr.51. Zweites Blatt. 152. Jahrgang Mittwoch 27. August LV08 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen verug-preis, monatlich 7bPf., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk.2.— viertel- fährt. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie TageSnumiirer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. teil: P. Wittko: füx .Stadt und £anb' und .Gerichtssaal': E url Plato; sür den Anzeigenteil: Han» Beck. S Die heutige Mummer umfaßt 10 Ketten Die Aeise des Königs von Italien. J. R. Berlin, 26. August. Die kleine, idyllisch int Grünen gelegene Bahnstation Wildpark bei Potsdam wird, wie bei anderen Herrscherbesuchen, auch diesmal den Vorzug haben, den König von Italien in Empfang zu nehmen. Der Kaiser hat in Wildpark ein besonderes, im nordischen Stil errichtetes Statronsgebäude. Daß Wildpark gern als Ankunftsort von den befreundeten Herrschern gewählt wird — auch der Zar wurde dort vor einigen Jahren vom Kaiser begrüßt — hat seinen Grund nicht nur in der Nähe des 9icuen Palais. Sicherheitspolizeiliche Erwägungen kommen auch in Betracht. Die kleine Station kann auf das Zuverlässigste Tage vorher überwacht, die Absperrung mit der peinlichsten Genauigkeit vollzogen werden . Früher war es der Herscher aller Reußen, dessen Besuch die Organe der Polizei, der Bahnverwaltungen und die Militärbehörden geradezu alarmierte, sodaß ein allgemeiner Seufzer der Erleichterung zum Himmel stieg, nachdem der Zar auf der Rückfahrt wohlbehalten die Grenzen des Deutschen Reiches passiert hatte. Der Sicherheitsdienst für den König von Italien erfordert ein kaum minder gewalliges Aufgebot. Von dem Gesichtspunkte aus, daß unsere Behörden die Verantwortung sür die persönliche Sicherheit des königlichen Besuchers haben, wird man die Absperrungen — auch das Schloß, und der Park BabelÄberg, der Licblingsaufenthalt Kaiser Wilhelms I., sind von Mittwoch bis Samstag unzugänglich — immerhin verstehen. Der Kaiser ist kein Freund von Absperrungen. Als die „Brotkrawalle" in Berlin tobten, ritt er eines Nachmittags, nur von wenigen Offizieren begleitet, durch die Straße Unter den Linden. * * * Der „Reichsanzeiger" schreibt: König Viktor Emanuel von Italien wird während der nächsten Tage als herzlich willkommener Gast des Kaisers und Königs in Potsdam verweilen und in bie Reichshauptstadt feierlich einziehen. Es ist die erste Begegnung, die den erlauchten Herrscher nach seiner Thronbesteigung mit- unserem Kaiser zusammenführt. Ihr Verlauf wird Zeugnis dafür ablegen, daß die Gefühle treuer Freundschaft, mit denen der ritterliche König Humbert hier allezeit ausgenommen wurde, aus seinen edlen Sohn und Kronerben mit unverminderter Innigkeit übertragen werden. Diese Freundschaft der Dynastien ist der deutschen wie der italienischen Nation wertvoll als Unterpfand für die Festigkeit der beide Länder untereinander und mit Oesterreich^Ungarn verknüpfenden politischen Beziehungen. Der Dreibund beruht auf dem gemeinsamen Bedürfnis der Erhaltung des mitteleuropäischen Besitzstandes. Er bürdet keinem seiner Mitglieder eine Last auf, die nicht jeder einzelne Staat in eigenem Interesse freiwillig übernehmen müßte. Als den Staatsmann, der im Sinne seines Königs zur Erneuerung dieses bewährten Systdms territorialer Garantien mitgewirkt hat, freuen wir uns, den in Begleitung seines Souverains eintreffenden Minister Prinetti begrüßen zu können. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Am Vorabende des dem Besuche des Königs von Italien gewidmeten festlichen Tages heißen- wir den erlauchten Gast Deutschlands und seinen hohen Verbündeten mit herzlicher Freude willkommen! Nicht als Unbekannter kommt König Viktor Emanuel zu uns. Mehrmals, zuletzt als er bei der Feier der Großjährigkeit des Kronprinzen seinen edlen schmerzlich betrauerten Vater vertrat, haben wir uns seiner Gegenwart gefreut. Jetzt tritt er wieder in unsere Mitte, zum erstenmal als König des geeinten Italiens, ein ernster hochbegabter Herrscher, von dessen unbeirrtem Streben sein Land vieles erwarten darf. Dem Sohne Umbertos und Margheritas haben seit seiner frühesten Jugend, wo wir ihn als einen zarten Knaben auf dem Arme Kaiser Friedrichs sahen, unsere Sympathien gegolten. In seiner charaktervollen Eigenart sind Züge ausgeprägt, die gerade das deutsche Empfinden besonders ansprechcn: männliche Selbstbeherrschung, an Körper und Geist für seinen hohen Beruf gestählte, soldatische Tüchtigkeit, die ihn zum ersten Offizier eines tapferen Heeres macht, gewissenhafte Erfüllung feiner königlichen Pflichten, tägliche Arbeitsamkeit für das Wohl seines Volles. Ter Rückblick aus das erste Jahr feiner Regierung zeigt uns Italien im Innern wirtschaftlich erstarkt, nach Außen an Ansehen und Ernslutz unter Großmächten gewachsen. Einer thätigeren Politik, für die der Monarch an dem in seiner Begleitung gern begrüßten Minister Prinetti einen verdienten Mitarbeiter gefunden hat, ist es gelungen, neben der Neubefestigung der erprobten Bündnisse weitere Fr e un d s cha f t s b e z te h- ungen anzuknüpfen. König Viktor Ernmtuel findet bet ün/°fs°n° Söerjen Schon in der dritten Generatron raub von den Kaisern der Hohenzolleru dw ^voyern treue Freundschaft gehalten, die dem polit-schen Bundnis der Staaten das Siegel aufdrückt. Zwischen Deutschland und Italien giebt es leine Gegenstände des Nmdes. Wir freuen uns des kräftig aufstrebenden Fundes genossen, und wünschen dem italienifchen Volke, daß es'wie das deutsche aus eigener »traft auf der Grundlage der nationalen Em heit und Wohlfahrt seine Weltstellung am>bcme. Möge dereinst die Geschichte rühmen, daß die Regierung des dritten Viktor Emanuel für ^lienernela^eEpoche friedlicher Erfolge glücklichen Fortschritt» herausgeführt hat. H^uchacc^dicser hochoffiziösen liegt auf dem Latze, daß zwischen Deutschland '3^« fern Gegenstände des Neides existieren. Die kühle AMsaffunL die Graf Bülow über die „Extratouren Italiens tn sein Reichstagsrede an den Tag legte, kommt in der Feststellung zum Ausdruck, es sei einer „thätigen Politik" gelungen, neben der Neubefestigung erprobter Bündnisse weitere Freundschaftsbeziehungen anzumüpfen. Für den Minister Prinetti, Lombarde von Geburt, als solcher kein Freund Oesterreichs, zudem Franzosenschwärmer, enthalten die Worte „erprobter Bündnisse" eine kleine Lektion. Die „weiteren Freundschaftsbeziehungen" haben eben noch erst den Beweis der Zuverlässigkeit zu erbringen. Erst dann wird man von einem thatsächlichien Erfolg der „thätigen Politik"' Prinettis sprechen können. König Humbert hatte Berlin „im Sturm erobert". König Viktor Emanuel bringt für den Ruhm der Vergangenheit, der bewährten Freundestreue die verheißenden Eigenschaften der Jugend mit. In ihm verkörpert sich die Zukunft des schönen Italiens, das wir alle „mit der Seele suchen", des Landes, dem unser Träumen gehört. * * * Ein Freund unseres Blattes schreibt uns aus G ö s ch e n e n, 26. August, mittags 2.05 Uhr: Ich komme von Luzern und halte im Zuge sitzend hier unmittelbar vor dem Gotthardt-Tunnel. Der Bahnbof ist festlich geschmückt. Ich sehe eine Kompagnie schwarzer Alpenjäger als Ehrenkompagnie, zahlreiche Schweizer Offiziere, den Schweizer Bundesrat im Gehrock und Cylinder. Mein Zug ladet noch Blumenarrangements aus, die mit von Luzern kommen. Der König von Italien wird hier erwartet. Ferner liegen noch folgende Meldungen aus Gösche- n en vor: König Viktor Emanuel ist heute nachmittag 4.45 Uhr hier eingetroffen und von einer Abordnung des Bundesrats empfangen worden. Der König tauschte bei der Begrüßung wiederholten Händedruck mit dem Bundespräsidenten Zemp aus. Nach dem Abschreiten der am Bahnhof aufgestellten Ehrenkompagnie sand die gegenseitige Vorstellung statt. Hierauf wurde das Mahl eingenommen, an welchem 35 Personen teilnahmen. Während des Mahles unterhielt sich der König lebhaft mit seinen Nachbarn, den Bundesräten Brenner und Müller. Zemp unterhielt sich längere Zeit mit Prinetti, dem italienischen Minister des Aeußeren. Bei dem Mahle entbot Bu n d e s- Präsident Zemp dem Könige den Gruß des Bundesrates und des schweizerischen Volkes. In dem Besuch erblicke er einen neuen Beweis der f r eun d s cha f t liche n Gesinnungen des Königs für die Schweiz und die Eidgenossenschaft. Der Besuch werde dazu beitragen, die von altersher zwischen der Schweiz und Italien bestehenden freund nachbarlichen Beziehungen zu befesti- gen und enger zu knüpfen. Redner trank schließlich aus das Wohl des Königs und der königlichen Familie, auf die Wohlfahrt und das Gedeihen des italienischen Volkes. Der König erwiderte italienisch mit einem Trinkspruch, in welchem er seine Sympathie sür die Schweiz ausdrückte, und trank auf das Wohl des Bundesrats und des Schweizervolkes. Der König reiste um 6.30 Uhr weiter. Die Ein- und Ausgänge des St. Gotthardttunnels, die der kgl. Sonderzug passiert, waren übrigens der Sicherheit halber durch Soldaten bewacht. Schaffhausen, 26. Aug. Der Zug mit dem König von Italien traf um 10 Uhr abends hier ein. Der Rheinfall war bei der Vorbeifahrt prächtig beleuchtet. Am Bahnhof empfingen badische Baynbchörden den Zug, um ihn nach, Deutschland weiterzubegleiten. Mitische Tagesschau. Der vi^e internationale Kongreß für Handel und Industrie ist in Ost en de am gestrigen Dienstag unter dem Vorsitze des Grafen Ursel, Gouverneurs von Ostflandern, eröffnet worden. Nach dem Austausch von Begrüßungs-Ansprachen legten die Delegierten Fremouse (Paris) und Strauß (Belgien) das Programm des Kongresses dar, soweit es die Handelstarife betrifft und die Maßnahmen der Regierungen hinsichtlich der Arbeiterpensionen. In der Teilnehmerliste bemerkt man nicht weniger als drei Rothschilde, mehrere frühere französische und italienische Minister, viele japanische Persönlichkeiten der gesetzgebenden und Handclswelt; auch fehlt nicht der frühere bulgarische Ministerpräsident Jwantschow. Die deutsche Regierung hat keinen offiziellen Vertreter bei diesem Kongreß. Wohl aber erwählte Deutschland ein Patronatskomitee, das folgende hervorragende Männer u. a. umfaßt: Geh. Regierungsrat Dr. Wagner, Dr. Soetbeer, Generalsekretär des deutschen Handelstages, sämtlich aus Berlin, Geh. Hofrat Brentano-München, Professor B i e r m e r - Gießen, Professor Dietzel-Bonn, Geh. Regierungsrat Professor Lexrs- Gottingeu, Professor Lotz-München, Geh. Kommerzienrat Stephan, Karl Michel-Mainz. Der Kongreß zählt drei Sektionen. In der ersten kommt namentlich die Frage des Für und Gegen der Handelsverträge, der Minimal- und Maximaltarife zur Sprache. (Berichterstatter: Ex- mrnifter Boes Guyot, Emile Ceulemans, Präsident der wirtschaftspolitischen Abteilung der Antwerpener Handelskammer Frederiksen, Kopenhagen, Professor an der Univerptat usw.). Die zweite Sektion bespricht: 1) die Gesetzgebung über die Handelsfonds, beten $erpfantniTtg unb Eertaue. Berichterstatter: Advokat Hubert Brunarb-Brussel Präsident ber Abteilung für Hanbelsrecht an der Brüsseler Handelskammer. 2) Die Gesetze, betreffend den Schutz des industriellen Eigentums vom mrernanonalen Gesichtspunkte. Berichterstatter: Maunowry, vom Appellattons- gerich^shof zu Paris, Pierre Grossils, Mllg ied des belgischen Hohen Rates für Handel und Jnburstte Jn^ der dritten Sektion wirb bie Frage erörtert: ^oll ber L>taat bei ber Gewährleistung ber Alterspen,ivnen Mitwirken? Die Aeltesten ber Berliner Musmannschaft find amtlich vertreten, von beutschen Hanbelskammern die zu Dessau, Magdeburg, Metz, Straßburg. Ein polizeilicher Mißgriff erregt in Hamburg Aussehen. Tort wurde eine junge schwedische Künstlerin abends um kalb 7 Uhr auf einer ber belebtesten Straßen unter dem Verdacht, eine lüder- liche Person zu sein, verhaftet. Sie mußte die Nacht auf der Polizeiwache in Gemeinschaft mit Dirnen, Vagabunden usw. zubringen, wurde aber am andern Morgen um N Uhr ohne weiteres entlassen. Darauf wandte sie sich an das schwedisch-norwegische Generalkonsulat, um eine Genngthuung sür die ihr widerfahrene Unbill zu erlangen. Dort wurde sie aber wenig freundlich empfangen, man erklärte ihr, die Sache werde wohl ihre Richtigkeit haben und weigerte sich irgend welche Schnitte in ihrem Interesse zu unternehmen. Tas Mädchen behauptet sogar, man habe die Absicht gehabt, sie auf die Polizei zurück- zuschafsen, doch habe sie sich dem durch die Flucht entzogen. Ein Bekannter des Mädchens, der sich der Sache annahm, begab sich daraus zu dem Rat Tr. Hopf, dem die Sittenpolizei unterstellt ist. Tiefer sagte sofort eine eingehende Untersuchung zu, und schon nach wenigen Stunden wurde dem Mädchen von der Polizeibehörde eröffnet, daß sie das Opfer eines bedauerlichen Mißgriffs geworden sei und daß ber Beamte, der sie verhaftet habe, vorbehältlich weiterer Ahndung sofort von der Sittenpolizei entfernt worden sei. Nun teilte ber Bekannte des Mädchens dies dem schwedischen Generalkonsul mit, doch sand er dort auch jetzt nur ein mäßiges Entgegenkommen. Wie die Schweden die Rechne ihrer Landsleute im Auslande vertreten lassen wollen, ist ihre Sache. Tie Polizeibehörde hat, indem sie ihren Mißgriff eingestanden hat, ganz richtig gehandelt. Tie Hamburger Blatter, die sich mit diesem Fall befassen, fordern, daß in allen derartigen, nicht ganz tlaren Fällen die verhaftete Person sofort einem höheren Polizeibeamten vorgeführt werde. Tann wäre ohne Zweifel sofort die Entlassung des Mädchens verfügt worden. Deutsches Keich. Berlin, 26. Aug. Ter Kaiser hörte heute die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, Graf Hülsen-Häseler und des stellvertretenden Chefs des Marinekabinetts Kapitän v. Müller. Heute abend sand im Neuen Palais eine Tafel statt, zu der u. a. erschienen waren: Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold, Prinz Heinrich XXX. Reuß, Generaloberst v. Hahnke, Wirkt. Geh. Rat Tr. v. Lucanus, der Kronprinz, Minister v .Wedel, Generalfeldmarschall Graf Waldersee, Kriegsminister v. Gotzler und fremdherrlichie Offiziere. Bei der Tafel erhob sich der Kaiser, der bie Uniform ber 8. Grenadiere trug, zu folgendem Trinkspruch: „Mein Trinkspruch auf die in Waffen wohl- geübten Marter des 3. Armeekorps soll in dem Wunsche gipfeln, daß das Armeekorps im Frieden auf ber Höhe der taktischen Schulung sein möge sür die Jetztzeit, wie es einst unter dem Prinzen Friedrich Karl gewesen ist, und daß es im Ernstfälle die gleiche Haltung bewahren möge und dieselben Lorbeeren um seine Fahnen flechte, wie am glorreichen 16. unter Konstantin v. Alvensleben. Das 2. Armeekorps Hurra! Hurra! Hurra!" — Nach einer Meldung aus London erfährt „Daily Telegr." aus angeblich bester Quelle, daß Kaiser Wilhelm zwei bis drei Tage vor dem 9. November, dem Geburtstag König Eduards, in England eintreffen wird. Ter Kreuzer „Prinz Heinrich' und das Torpedoboot „Sleip- ner" hätten Befehl erhalten, bereits am 5. November seeklar zu sein, um die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord nach England zu geleicen. — Außer dem Kriegsminister Brodrick, Lord Roberts und General Killy-Kenny werden Lord Lonsdale und gegen 20 britische Offiziere den Kaisermanövern in Deutschland beiwohnen. — Ter Leiter des deutschen archäologischen Jnstttuts in Athen, Professor W. Törpfeld, ber gestern beim Kaiser zur Tafel geladen war, hat dem Kaiserpaar ein demnächst erscheinendes größeres Werk über die Ausgrabungen in Troja vorgelegt, dessen Widmung der Kaiser angenommen hat, wie ber Monarch auch zu den letzten Grabungen in der Burg des Priamos die Geldmittel selbst bewilligt hatte . — Aus Glogau wird gemeldet, daß von der Berliner Staatsanwaltschaft gegen den Grafen Pückler-Klein- Tschirne en Verfaihren wegen Aufreizung zu Ge- waltthätigkeiten eingeleitet worden ist. Diese wird in. der Rede des Grafen über den angeblich in der Schweiz gegen ihn verübten Vergiftungsversuch gefunden. Ebenso hat die Staatsanwaltschaft gegen den Grafen PÜck- ler Anklage wegen Beleidigung des Geh. Sanitätsrats Tr. Neumann in Glogau erhoben. — Ter Landesökonomierar v. Mendel-Stein- fels, Mitglied des prenß. Abgeordnetenhauses, ist auf einer Reise in Bayern gestorben. Tie Nachricht kommt überraschend, da Herr v. Mendel-Steinfels noch vor Monatsfrist auf einer Versammlung ber landwirtschaftlichen Genossenschaften in Kiel sehr rüstig auftrat. Ter Verstorbene war ein streilbarer Vorkämpfer des Agrariertums, ber über eine eindringende Kenntnis der Landwirtschaft verfügte; so hat er längere Zeit in Nordamerika gelebt und die landwirtschaftlichen Verhältnisse der Vereinigten Staaten gründlich studiert. Nach seinen Studienjahren wurde v. Mendel zunächst Generalsekretär der Landwirtschasts- gesellschafi in Oldenburg, bann kam er 1887 nach Halle, wo er als Generalsekretär bes landwirtschaftlichen Zentral- verbandes, Direktor der landwirtschaftlichen Genossenschaft Der Proorns Sachsen in® Iwzenr efreundeten Artillerieoffizier geführt. Ich mußte dem letzteren als Sekundant dienen. Obgleich das Duell mit einer nur unbedeutenden Verwundung des Jnfanterieoffiziers endete, kam es doch aus besonderen Gründen zur Anzeige und zur kriegsgerick llichen Verhandlung. Tie gesetzlichen Strafen des Duellierens waren damals in Preußen von einer drakonischen Strenge, wurden aber gerade aus diesem Grunde fast immer durch bald erfolgende Begnadigung gemildert. In der That wurden durch das in Magdeburg über Duellanten und Sekundanten abgehaltene Kriegsgericht diese zu fünf, jene zu zehn Jahren Festungshaft verurteilt. Ich sollte meine Hast in der Zitadelle von Magdeburg absitzen und mußte mich nach der eingetroffenen Bestätigung des kriegsgerichtlichen Urteils daselbst melden. Um die Zeit zu meinen Studien benutzen zu lönnen, suchte ich auf dem Wege zur Zitadelle eine Chemikalienhandlung auf und versah mich mit den nötigen Mitteln, um meine elektrolytischen Versuche sortzusetzen . Ein freundlicher junger Mann in dem Geschäfte oc. prach mir, nicht nur diese Gegenstände in die Zitadelle einzuschmuggeln, sondern auch spätere Requisitionen prompt auszuführen, und hat fein Versprechen gewissenhaft gehalten. So ricytete ich mir denn in meiner vergitterten aber geräumigen Zelle ein kleines Laborä- torium ein und war ganz zufrieden mit meiner Sage. Das Glück begünstigte mich bei meiner Arbeit. Ich glaube, es war eine der größten Freuden meines Lebens, als ein neu- filbcrner Theelöfsel ,den ich mir dem Zinkpole eines Daniell- schen Elements verbunden in einen mit unterschweslichsauer Goldlösung gefüllten Becher tauchte, während der ttupfcrpol mit einem Louisdor als Anode verbunden war, sich schon in wenigen Minuten in einen goldenen Löffel vom schönsten reinsten Gologlanz verwandelte. Ich schloß gleich daraus mit einem 9jiagbeburger Juwelier, der das Wunder ver- nommen und mich in der Zitadelle aufsuchte, einen Vertrag ab, durch den ich ihm das Recht der Anwendung meines Verfahrens für 40 Louisdor verkaufte, die mir die erwünschten Mittel für weitere Versuche gaben. Inzwischen war ein Monat meinet Haft abgelaufen und ich dachte wenigstens noch einige weitere Monate ruhig fortarbeiten zu tonnen. Da erschien unerwartet der Offizier der Wache und überreichte mir zu meinem großen — Schrecken,wie ich bekennen muß, eine königliche Kabinettsordre, die meine Begnadigung aussprach. Es war wirklich hart für mich, meiner erfolgreichen Thätigkeit so plötzlich entrissen zu werden. Nach dem Reglement mußte ich noch an demselben Tage die Zitadelle verlassen . Ich schrieb deshalb an den Festungskommandanten ein Gesuch, in dem ich bat, mir zu gestatten, meine Zelle noch einige Tage benutzen zu dürfen, damit ich meine Angelegenheiten ordnen und meine Versuche beendigen könnte. Da kam ich aber schlecht an! Gegen Mitternacht wurde ick durch den Eintritt des Offiziers der Wache geweckt, der mir mitteüte, daß er Ordre erhalten habe, mich sofort aus der Zitadelle zu entfernen. Der Kommandant hatte es als einen Mangel an Dankbarkeit für die mir erwiesene königliche Gnade angesehen, daß ich um Verlängerung meiner Hast gebeten. So wurde ich beim um Mitternacht mit meinen Effekten aus der Zitadelle geleitet und mußte mir in der Stadt ein Unterkommen suchen." * Die Wahlkinder der Zukunft. Prof.Leopold Schenk, der jüngst dahingeschiedene Gelehrte und Phantast, der das Geheimnis der „G e s ch l e ch t s b e ft i m m u n g" gefunden haben wollte, soll, nicht zufrieden mit feiner vermeintlichen Entdeckung, die Hoffnung ausgesprochen haben, es werde eine Zeit kommen, in der es möglich sein werde, den Wunsch der Eltern, ihr zukünftiger Sohn möge ein Musiker ober Schriftsteller oder 'Mathematiker werben, zu erfüllen. Im Wege einer hygienisch-therapeutisch-gastrono- mlschen Behandlung ber 'Mutter werde die Möglichkeit geboten werben, das Fundament zu ganz bestimmten Anlagen des künftigen Menschen zu legen. Ein Mitarbeiter des „N. W. Xgbl." macht dazu folgende launige Bemerkungen. Was die Cmbryologen, die Physiologen, die Psychologen und alle anderen Gelehrten auf ,flogen" zu dieser Hypothese sagen, gehört auf ein anderes Blatt, dem Dichter aber, dem Phantasten und Märchenerzähler wird dadurch jedenfalls eine Perspektive eröffnet, geeignet, alle bisher gütigen und eingelebten menschlichen Verhältnisse auf ben Stopf zu stellen. ^Paul und Virginie haben vor Längerem geheiratet; nichts fehlt zu ihrem Glucke, als daß ber zu erwartende Sprößling dereinst der Verfasser einer neuen Logarithmentafel, ber Entdecker einer neuen Methode, Kartoffeln vor Fäulnis zu bewahren, oder auch ber Dichter einer Epopöe weroe. Nichts einfacher als das- Die junge Mutter wirb entweder mit Quadratwurzeln ober mit Stärkemehl ober auch mit Versfüßen genährt. Nach zwanzig Jahren ist der künftige Euklid ober Homer fertiggestellt. Bei solcher Art Züchtung unb Zuchtwahl würbe über kurz ober lang die Welt von lauter Genies bevölkert; dagegen wäre an Menschenkinbern, die gewissen nützlichen Berufsarten angeboren, betrübender Mangel. Welche Mutter ließe sich aus die zukünftigen Hilfsschreiber und Straßenkehrer hin ernähren ober sonst hygienisch beeinflussen? Der Ueberfluß an erleuchteten Elementen müßte zu einem staatlichen Prohibitivsystem führen, etwa derart, daß nur ein gewisser Prozentsatz dieser neu-faustischen Mütter im Sinne eines zukünftigen Ideals genährt uno beeinflußt werben bürsten, indes ben übrigen im Wege ärztlicher Behandlung ber nachmalige Schuster, Schneiber, Rechnungsrat, Tapezierer unb Buchhalter suggeriert werden mußte. Man sieht, die Wahlkinder würden nur eine Verschärfung des sozialen Problems heraufbeschwören. Alters- und Znvalideu-Verficherung. Wie aus dem neuesten Ausweise des Versicherungs- amtes über die Entwickelung ber aus Grund bes Jnva- libenversicherungsges-etzes gezahlten Renten hervorgeht, liefen von biefen Renten am 1. Juli d- I. nicht weniger als 718370. Davon waren 534 000 Invalidenrenten. Diese Rentenart erfährt noch immer ganz beträchtliche Steigerungen. Im letzten Vierteljahr betrug ihre Zunahme nicht weniger als rund 25 000. Es ist selbst verständlich, baß bei einer solchen Zunahme auch ber vom Reiche zu leistende Zuschuß eine entsprechende Er- Höhung im Etat erfahren muß Die Alte rsrenten, von denen am 1. Juli d- I. rund 174000 liefen, nehmen an Zahl noch immer etwas ab, jedoch läßt ber jetzige Umfang ber Abnahme barauf schließen, baß das Behar- rungsstabium nicht mehr lange auf sich wirb warten lassen. Jedenfalls ist nicht daran zu denken, baß die ?ldnahmc in ber Altersrentenzahl auch nur einen in Betracht kommenben Teil ber Zunahme bei ben Invalid^ iatSrenten ausgleichen wird. Die neueste Rentenart, die seit dem 1. Januar 1900 bewilligt wirb, ist die ber Kranken renten. Bon ihnen liefen am L Juli b. I. runb 10400. Sie steigen an Zahl recht langsam, weil ber Wegfall infolge Tod oder Wiedererlangung der Erwerbs- •z E Wetter August Z äo W Höchste Temperatur Meorigste „ vom 6007 6010 versteigert werden. 6015 6013 26. 26. 8Vs% 8°/o 3V,% 3°/o ■'S' & 372% Heesen . . 8 % Oberhessen 4% Oeeterr. Goldretne 2640 92LO 89,80 215*60 184.60 136 JO 143LO 156.80 154.00 18L5 T7L50 , 197.40 183ö0 162JO, Gießen, den 26. August 1902. Stadtkasse Gießen. Doepfer. Geffenttiche Bekanntmachung. Im Verfahren betreffend Legalisierung des Grundbuchs für die Gemarkung Gießen hat die Ferdinand Burk Witwe in Gießen die Einschreibung des in der Gemarkung Gießen gelegenen, bis jetzt noch nicht katastrierten Grundstücks Flur XLVIII Nr. 3125/10 (neu) auf ihren Namen beantragt. Alle Diejenigen, welche Ansprüche an dieses Grundstück erheben zu können glauben, werden aufgefordert, dieselben binnen 4 Wochen, vom Tage der Einrückung an, bei unterzeichnetem Gericht geltend zu machen, widrigenfalls die Einschreibung der genannten Parzelle im Grundbuch nach Antrag mit dem Erwerbtitel „Ersitzung" erfolgt. Grummetgras- Berfteigerung. Zugleich nach Beendigung der Grummetgras - Versteigerung von den Gemeindewiesen soll das Grummetgras von den hiesigen Pfarrwiesen im Dorfeld'schen Garten dahier Schiffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 20. August. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschraubendampfer „Kassel", Kapt. B. Petermcmn, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 1 Uhr morgens wohlbehalten in Baltimore angekommeii. 103.40 50.00 30.00 10.00 113.80 44.30 10.— 47,96 Portugiesen . . . 8% Portugiesen 1% C. Türken . . . . Türkenlose 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 47,-6 äussere Argentiner lichen Postamt in Friedberg (Hessen) aus. Darmstadt, 23. August 1902. Kaiserliche Ober-Postdirektion, föo-kelt. Reiohsanleihe do. Konsole . do. . . Straßen unter Wasser gesetzt. Barcelona, 27. Aug. Ein fwrchtbaror Sturrm ist über die Stadt Felanix auf der Insel Nlajorka mederge-- gangen. Der Schaden ist sehr bedeutend. Zahlreiche Härter ind eingestürzt. Viele Personen sind verumglKckt. Rom, 27. Aug. Amtlich wird mitgeteilt, daß die Königin Helena im Dezember einem sreLLdiKLM, Ereignis entgegensehe. Wien, 27. Aug. Die Blätter besprechen in sympathischer Weise den Besuch des Königs von Jckackiem in Berlin. Die „Neue Freie Presse" legt dem Besuche chon deshalb eine außergewöhnliche Bedeutung bei, weil dadurch die in letzter Zeit zirkulierenden Gerüchte, daß M Italiens Verknüpfung mit dem Dreibünde gelockert und daß man in Rom eher dem Zweibund hinneige, ein entschiedene^ Dementi erfahren. Budapest, 27. Aug. Bei den Divisionsmarröperu tu der Nähe der Hauptstadt wurde während eines Feuer-Gie- fechtes gegen einen markierten Feind der kommandierende Leutnant Preht durch einen von gegnerischer Sette kommenden scharfen Schuß schwen verwundet. Gerüchten zufolge galt die Kugel mäfc dem Leudunrh, sondern einem hohen Offizier, doch hat LiMr lute Untersuchung noch kein Resultat ergeben. Zürich, 27. Aug. Auf den in Bern aufgestiegeuen. Militärballon, in welchem sich der Chef der schweizerischen Luftschifferabteilung, Oberst Schaeck, befand, wrrrüew in der Nähe von Freiburg m der Schweiz mehrere, Flintenschüsse abgegeben. 9tur durch rasches Auswerfew von Ballast konnten sich die Luftschiffer retten. Eine strengp Untersuchung ist eingeleitet. New-Por k, 27. Aug. Ein Telegramm aus St. Thomas berichtet, daß laut Mittellung aus Martinique gesternzwischeu 10 Uhr morgens und 3 Uhr nachmittags in der Richtung ' des Mont Pelve große schwarz-e Wolkon beobachtet worden sind. Gleichzeitig wurde ein starkes unterirdische Getöse vernommen. Ein vulkanischer Aschenregen' ist über die ganze Insel niedergegangen. . 102155 . 92.85 . 102.80 . 92.60 . 100.15 . 99.70 . 103.70 3% Mexikaner . . . 41/2% Chinesen . . . Electric. Sohuckert . , Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . . Berliner Handelsges. . Oesterr. Staatabahn . . Lombarden . . . . Gotthardbahn . , . . Laurahütte . , , 4 Bochum Harpener Tendenz: fest Gießen, am 23. August 1902. Großherzogliches Amtsgericht. fähigkeit verhältnismäßig bei dieser Reutemmt bedentmrd ifü Jedenfalls nimmt bte Gesamtzahl der aus l^und des Jnvattüenversicherungsgesetzes laufenden Renten stetig und beträchtlich zu. Im letzten Vierteljahre hat dre Steigerung 23000 betragen. Es ist nicht anzunehmen, daß sich m dieser Entwickelung bald eine starke Aenderung vollziehen wird. Demgemäß ist vorauszusehen, daß innerhalb eüva dreier Jahre die Zahl der auf Grund des ^nvattdQEr- sicherungsgesetzes lausenden Renten die erste Mrliron überstiegen haben wird. ___ Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Telephonischer Kursbericht* .Frankfurt a. M.., 27. August 1902. Seidensfoffe&±*si von Elten & Haussen, Äi Krefeld. MrElronen Franes belaufen sich unsere chaden. Tie englischen 75 Millionen Francs findJLig. lich zur Einlösung der bis auf das Fundament zerstörten Farmen bestimmt. Tie von den Engländern Vvlll-- tändig ausgeplünderten, ihrer Habe nrrd ihres Viehes beraubten Landleute bl-arb^u völlig unberücksichtigt. Nach Ansicht der Buren- führer müßte der Kontrakt von Vereenrging einen jenen traurigen Verhältnissen entsprechenden Zusatz erhalten. Die volle Wahrheit über das Zustandekommen jenes Vertrages werde übrigens in kürzester Zeit Kestell in einem Buche bringen, das in französischer, englischer, deutscher uribi holländischer Sprache erscheinen wird. Paris, 27. Aug. In hiesigen Regierungskrersen wüd- neuerdings behauptet, daß der Körnig von Italien dem, Präsidenten Lonbet noch in diesem Jahre einen BeHnch. abstatten werde. Madrid, 27. Aug. Ans der Provinz Alicante wird über einen heftigen Orkan berichtet, der dort ungeheuren Schaden anrichtete. In mehreren Ortschaften wurden dmch die niedergehenden Regenmaffen und die austretenden M^se 47, % Oesterr. Silberrente 102J.0 4-6 Ungar. Goldrente . . 102.05 4°/j Italien. Rente . Kunst und Wissenschaft. — Für die geplante Pariser Theaterfahrt deutscher Künstler nahm Präsident Loubet das ihm angetragenL Protektorat innerhalb Frankreichs an und sagte Empfang der^ell- nehmer an der Fahrt int Elysee zu. Bekanntmachung. Das 3. Ziel Gemeindesteuer und das 2. Quartal Schulgeld pro 1902/03 können in den nächsten acht Tagen noch ohne Kosten anher entrichtet werdem Zahlftunden: Täglich vormittags. Zuschneide-Lehranffall Grünbergerstraße 14 a (Mittelbau). Maßuehmen, Musterzeichueu, Zuschneideu und Verarbeiten kann jebe Dame gründlich erlernen. Der Kursus beginnt am 15. September 1902. Anmeldungen vom 5. Sept, ab erbeten. 6003 Iiina Petri, grprüste Fehreriü. Bekanntmachung. Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Tele- graphenlinie an der Landstraße Bellersheim—Trais-Münzen- berg (sogen. Obergasse in Bellersheim) liegt bei dem Kaiser- Grummetgras- Versteigerung. Das Grummetgras von den Wiesen der Gemeinde Wieseck soll nächsten Samstag, den 30. August d. Js., versteigert werden. Der Anfang zu den Wiesen bei Wieseck ist des Vormittags 10 Uhr in dem Dorfeld'schen Garten dahier, und zu den Wiesen bei der Badenburg des Nachmittags 5 Uhr auf der Badenburg. Wieseck, am 26. Aug. 1902. Großh. Bürgermeisterei Wieseck. S vm-menlrrd. 6014 Versteigerung. Donnerstag den 28. d. M., nachm. 3 Uhr, sollen dahier Neuenweg 28: 1. 1 Faß Spiritus, drei Faß grüne Farbe und 1 Faß Rüböl, 2.1 Nahmaschine, 3. Hausgeräte aller Art zwangsweise gegen bar versteigert werden. Gießen, 25. August 1902. Seipel, Gerichtsvollzieher. Hrieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) L. Es ist Ihnen wohl unbekannt geblieben, daß von Mainz der Vorschlag ausgegangen ist, die Eisenbahn-VerwaUungen mögen im Gegensatz zu dem jetzt an sie gestellten Ansinnen dafür Sorge tragen, daß PetrvLeumtauLs so viel als nur möglich auf ihrem Grund und Boden angel-egt werden, denn auf diesem Wege könne sich der Staat einen Einfluß auf die Deutsch-amerikanische Gesellschaft sichern, der um so größer werde, je mehr Kapital seüens der Gesellschaft in den Tankanlagen re. investiert werde. 9L H. Der Name des Bildhauers Pros. Up hnes, der das — übrigens recht dutzendhafte — Kaiserin Friedrich-Denkmal in Hombrr^, geschaffen hat, ist plattdeutschen Ursprungs. Das Wort bedeutet so viel wie „auf dem Hause" und ist „Up-Hüs" auszu- prechen Auch der 9tonte des Schriftstellers Tovote ist plattdeutsch (— zu Fuße). Neue Frühkartoffeln rote, Eentner 2J>0 Mk., gelbe, „ 3.50 „ franko Haus empfehlen 5991 A. & 6. Wallenfels 21 Markt 21. Telephon 46. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Garteustraße 2 (Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Ausgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbettern jeglicher Art, Dienstboten uud Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 Uhr geöffnet. Angebot der Arbeitnehmer: 1 Heizer oder Kesselwärter, 1 Schlosser, 2 Taglöhner, 4 Hausburschen, 1 Gärtner, 1 landwirtschaftlicher Arbeiter, 1 Packer, 1 Erdarbeiter, 1 Spenglerlehrling zu srrengem Meister, 4 Laufftauen, 2 Dienstmädchen, 1 Näherin, 1 Wäscherin, 1 Expedient. Nachfrage der Arbertgeber: 1 Wagner. 1 Wagenlackwrer, 1 Schreiner, 1 Knecht, 1 landwirthschaftl. Arbeiter, 2 Bäcker- lebrlinae, 1 Spengler!ehrlina, 1 Schlosserlehrlmg, 3 Dienstmädchen per sofort, 1 desgl. per 1. Sept. 1 W- per 15. Sept., 2 desgl. per 1. Oktober, 1 desgl. per 1. Nov., 1 Laufsrau, 1 Hausmädchen, 1 Küchenmädchen. __ Landwirtschaft. sh.AusdemÄreiseLautcrbach,27.Aug. Dem massenhaften Auftreten der Raben, Krähen, Dohlen, Elstern und Häher in unserem Kreise, worüber schon viel geklagt wurde, sucht das Kreisamt durch ein Ausschreiben entgegenzutreten. Danach soll in jeder Gememde einigen zuverlässigen Leuten un Einvernehmen mit den Jagdpächtern die Erlaubnis zum Abschreßen der Raben und rabenartigen Vögel ertellt werden. Aus der Ge- meindekasse können 20 Pfg. für einen Vogel und 10 Pfg. für eingehobenes Ei vergütet werden. —Dieses Ausschreiben—so lobenswert die Absicht rst — hätte im Frühjahre erfolgen müssen, um weügehenden Stutzen zu bringen; denn der Schaden ist sehr bedeutend, den die Rabeii, Elstern und Häher durch das Plündern uud Vernichten unserer nützlichsten Vogelarten anrichten. Die Häher fressen außerdem zur Sommerszeit mit besonderer Vorliebe den Weizen. Im Frühjahre zur Brutzeit kann man diese Vögel, die bekanntlich sehr scheu sind, Mich viel leichter vertilgen, oder deren Brut zerstören. New-Aork, 26. Aug. Nach dem Berichte des Ackerbau- Brrreaus wird eine entschiedene Verschlechterung des Standes der B ä n m w 0 l l e un allgemeinen aus den mittleren und wesllichen Teilen des mit Baumwolle angebauten Gebietes, ebenso aus einem großen Teile der östlichen Bezirke ge- meldet.■ MKriegerverem Gießen. Sedanieier Sonntag den 31. August, von nachmittags 4 Uhr ab, auf dem Schützenhaus. Konzert, Volksbelustigung und Tanz. Auf dem Juxplatz befindet sich ein Doppet^Karussell, Schau- und Schießbuden. 6017 Nichtmitglieder zahlen 20 Pfg. Eintrittsgeld. Kinder frei. Vereinsabzeichen, Orden und Ehrenzeichen sind anzulegeu. August 20,0° 0. „ 11,9° C. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 27. Aug. Ter Mörder der Justizrätin Jßmer hat gestern eingestanüen, daß er keine Komplizen gehabt hat. Er hat seine That in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag voriger Woche verübt. Berlin, 27. Aug. Tie Kaisermanöver im nach st en I ah r e sollen in derPr 0 vinz Sachsen stattfinden und zwar sollen daran das 4. und das 10. Armeekorps teilnehmen. München, 27. Aug. Zum Einstu r z d er Cvrne- liusbrücke wird noch gemeldet: Ter eingestürzte Bogen, welcher kurz vor der Vollendung der Betonierung stand, maß in der Länge 38 Meter und in der Breite 18.50 Meter. Kurz vorher angestellte Messungen bei einer Besichtigung konnten nichts Verdächtiges ergeben. Die an der Brücke beschäftigten 40 Arbeiter stürzten mit in die Tihfe. 16 wurden schwer, 14 leichter verletzt. Von den ersteren sind, wie beretts gemeldet, zwei inzwischen gestorben. Tie Ursache des Zusammenstoßes wird durch die amtlich? Untersuchung festgesiellt werden können. Ausreichende Hilfe war sogleich an der Unglücksstelle anwesend. Ter bauleitende Ingenieur ist selbst mit abgestürzt, hat aber keinen Schwaden genommen. Der Menfchenandrang zu der Unglücksstätte ist ungeheuer. London, 27. Aug. Aus Durban wird gemeldet: Eine große Anzahl Bureng efangener ist zurückgekehrt. Dieselben werden ins Innere weiterbefördert. Die Buren- gefangenen zeigen sich über die Einstellung der Feindseligkeiten befriedigt. Die meisten gehen zuerst zu ihren Familien in den Konzentrationslagern. Unter den Gefangenen befinden sich auch verschiedene Kaprebellen, die sofott verhaftet wurden. Paris, 27. Aug. Ter ehemalige Staatssekretär von Transvaal, Reitz, machte hier vor seiner Abreise nach Amerika über die in London seitens der Buren geltend zu machenden Ansprüche folgende Mitteilungen: Aus 500 25. August bis 25. „ „ M3 Proz. rückzahlbaren Tsllsthuldoerschreibrmgen der Straßenbahnen so zahlreiche Voranmeldungen ein, daß voraussichtlich eine Ueberzeichmmg des aufgelegten Betrages und eine vorzugsweise Berücksichtigung zu Kapitalanlagen bestimmter Zeichnungen mü Sperrverpflichtung eintixten wird. Gijentmhn-Zeitung. — Mit Toiletteeiurichtuugen soll endlich ein Teil der neu 5u erbauenden Eisenbahnwagen vierter Klasse auf Zerfügung der beteiligten Eisenbahndirektionen versehen werden. Einige wenige Wagen 4. Klasse, die eine solche Einrichtung haben, sind bereits feit kürzerer Zeit in Betrieb gestellt. Handel und Uerkehr. DMöwirtschost. — Schuckert-Gesellschaft. Von Berlin aus ist der Elek- trizitäts--Gcselljchast Schuckert in Nürnberg ein neues Anerbieten gemacht worden, um ihr die erforderlichen Barmittel im Betrage von etwa 7,5 Mill. Alk. zuzuführen. Es handelt sich dabei um bte Realisierung von Aktiven der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungeit nach einem von der Berlmer Handels- Gesellschaft in Vorschlag gebrachteit neuen Modus. Die Ent- fchetdung der Schuckert-Gesellfchaft dürfte spätestens nach Beendigung der Generalversammutng der Schuckert - Gesellschaft zu erwarten seiNt — Nach einer Nürnberger Meldung laufen die Verhandlungen darauf hinaus, daß die Berliner Hairdels-Geseüschaft eine Anzahl Obligationen der ersteren, bezw. der Kontinentalen, darunter Aktien der Augsburger und Zwickatter Straßenbahtr, zu bestimmten Preisetl fest übernimmt, die Schuckert-Gesellfchaft aber von einem etwaigen Mehrerlös davon die Hälfte erhält. Veranlassung zu dem Abkomnnm bilde die Befriediaung der Hauptgläubigerin der Schuckert-Gesellfchaft, der Bayerischeit Veremsbank in München, welche aus dem Schuckert-Llonsortium ausscheiden will. (Nach der „Frkf. Ztg." wird die Nichtigkeü dieser Meldung in Berlin bestrittetch ^.jch^b^ncbenstelle. Am 9. September d. Js. wird in Lohr a. Ai. eine von der Reichsbankstelle in Würzburg abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Berlin, 26. Aug. Der Abschluß der Deutschen Kabelwerke ergiebt bei Atk. 112 423 (t. V. M. 53516) Abschreibungen „ach Absorbirung von Mk. 101 578 Reserve eine Unterbilanz von Mk. 132 779 (i. V. Mk. 93 645 Abschreibungen, woraus damals 4 Proz. Dividende). „ — Zn der Gewerten-Bersammlnng der Gewerk,chaf Kyffhäuier (bekanntlich eine der Unternehmungen, welche die Verluste der Deutschen Genossenschaftsbank veranlaßt haben), wurde kein Berichterstatter zngelassen. — Bei der Harpener Bergbau-Aktien-Gcsellschaft betrug tm Juli er. (27 Arbeitstage) der Ueberschuß 1 Oll 000 Mk. gegen 1020 000 Mk. im Juni (25 Arbeitstage) und 1404 000 Mk. tm Juli 1901 (27 Arbeitstage). — Das Salzbergwerk Neu - Stratzfurt vettetlt für den August eine Ausbeute von 125 Mk. pro Kuxe. — Bochum-Gelfeukircheuer Straneubahu. Wte uns mtt- yeteilt wird, gehen auf die zur Subskription gestellten 47°proz. mit Wieseck, am 26. Aug. 1902. Sommerlad, Bürgermeister. Krisch geleerte Weinfässer in allen Größen empfiehll Ludwig Kohlermunu IV., Küferei, Aleichstraße 12. Obstpresse zu verleihen.4692. 26. 2M 746,9 19,6 11,8 70 NE. 4 Bed. Himmel 26. 925 745,5 15,6 12,1 92 N. 2 ir 27. 7“ 742,8 14,8 12,0 96 NNE. 2 II bat Gott dem Allmächtigen gefallen, meinen lieben Gatten und unseren teuren Vater Carl Schwaal heute nachmittag zu sich zu rufen. Die tieftrauernd Hinterbliebenen. Giessen, den 26. August 1902. 6016 Die Beerdigung findet Donnerstag den 28. August, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Seltersweg 23, aus statt. 4778] Goethestraße Nr. 19, Neubau, ist der mittlere Stock, bestehend aus 5Zimmern, Küche, Badezimmer und Mansarde per 1. Oktober oder auch früher zu vermieten. Nah. Goetheslr. 21. 5369] Elegante 4-Zimmerwohn., Mansarde mit Koch- und Leuchtgas, nebst Bleichplatz u. Gartenanteil, per 1. Oktober zu verm. ____________Roonstratze 36. ^->n dem Hause Rordaulage 7 Xj ist eine elegante 6-Zimmer- wohnung mit Bad, Balkon und allen sonstigen, der Neilzeit entsprechenden Einrichtungen zu vermieten. Nah. Franksurterstr. 29. _ 5432] «lieestr. 19 1. Stock, 5 bis 6 Zimmer, neuhergerichtet, per 1. Oktober l. 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