Nr. 200 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kesfischen Landwirt die Siebener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegl. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl ffchen Untvers.-Buch-u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß 9tr. 51. Erstes Blatt. 152. Jahrgang Mittwoch 27. August Sietzener Anzeiger ** General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen Bezugspreis: monatlich 75Ps., viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.—Vierteljahr!. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zetlenpreis: lokall2Pf^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich', für den polit. u. atlgem. Teil: P. Witiko; für „Stadt und Land" und .Gerichtssaal"! Curt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Gießen, 22. August 1902. Betreffend: Entschädigung für an Milzbrand und für an Rauschbrand gefallene Tiere; hier: Ernennung der Schätzer. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen arr die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Die Dienstzeit der in 1899 gewählten Lchätzn und deren Stellvertreter wird demnächst ablaufen, mir geben Ihnen daher auf, binnen einer Woche zu berichten, welche vier Personen als Schätzer, bezw. als Stellvertreter für Ihre Gemeinde seitens des Ortsvorstandes vorgeschlagen werden. Soweit die seitherigen Schätzer noch am Leben und dienstfähig sind, empfiehlt es sich, dieselben wieder vorzuschlagen. I. 83.: Dr. Heinrichs. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Geuiartung Garbenteich. Dienstag den 16. September 1002 findet die Ueberweisung der neuen Grundstücke und die Versteigerung der Massegrundstücke vom II. (letzten) Felde an Ort und Stelle statt. Zusammenkunft vormittags 9 Uhr im Gemeindehaus zu Garbenteich, woselbst auch die Versteigeriingsbedingungen bekannt gegeben werden. Tie Ueberweisung erfolgt unter folgenden Bedingungen: 1. Meliorationsarbeiten können auf den überwiesenen Grundstücken auch fernerhin vorgenommen werden. 2. Eigentumsveränderungen, die infolge der Ausführung von Meliorationsarbeiten, der Anlage von Wegen und Gräben und dergleichen innerhalb der Zeit der Ausführung dieser Arbeiten notwendig werden, müssen die neuen Eigentümer dulden. Ein hierdurch bedingterAb- und Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentümer nach dem Bonitätswert vergütet bezw. zugeschrieben. Friedberg, den 22. August 1902. Der Großh. Bereinigungskommissär: I. V.: Schnittspahn, Regierungsassessor. Nolitische Tagesschau. Kavallerie für den Osten. Aus Berlin, 25. August, wird uns geschrieben: Es liegt in der Msicht der Heeresverwaltung, eine Reche von Landstädten Posens und Westpreußens mit Garnisonen zu belegen, um die dort besonders schwierige Stellung der deutschen Gewerbetreibenden und Geschäftsleute dem vordrängenden Polentum gegenüber zu stärken. Wie von gut unterrichteter Seite verlautet, wird dieses Garnisoniernngsprojelr seinen Niederschlag in der nächsten Militärvorlage finden, und zwar speziell in der Forderung von Neusvrmationen für die Kavallerie. Man will dadurch dem männlichen Nachwuchs der ostdeutschen Landwirte mehr als bisher Gelegenheit geben, bei Ableistung der Militärpflicht — die ja mit Vorliebe bei der Kavallerie und auf Grund freiwilliger Meldungen erfolgt — in der Nähe der heimatlichen Schotte und in persönlicher Verbindung mit ihren Angehörigen zu bleiben. Es wird erwartet, daß nicht zuletzt unter diesem Gesichtspunkt der ReickMag den Mchrsorderungen für die Kavallerie sich geneigter erweisen werde, als bei der Militärvorlage im März 1899. Im übrigen gilt die Neuforderung für Heereszwecke vor Ablauf des bis zum 31. März 1904 reichenden Quinquennats nicht für wahrscheinlich, schon im Hinblick auf die Finanzlage. Heer und Flotte. Berlin, 25. August. Aus Anlaß der H e r b st m a n v - der des 3. Armeekorps wurden verliehen: Die Krone zum Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub dem Gereeralmajvr BartelS-Berlin, die Brillanten zum Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub dem Landesdirektor Frhrn. v. Manteuffel, der Rote Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub dem Oberpräsidenten von Bethmann- Hollweg, der Rote Adlerorden zweiter Klasse dem Grafen zu Lynar. Ferner wurde dem Vorsitzenden des Provinzialausschusses der Provinz Brandenburg Grasen von Wila- mowitz-Möllendors der Charakter als Wirklicher Geh. Rat mit dem Prädikat „Exzellenz" verliehen. Der Katholikentag in Mannheim. iil Mannheim, 26. August. Der zweiten geschlossenen Generalversammlung ging heute vormittag eine Generalversammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland voraus. Der Vorsitzende, Fabrikbesitzer Franz Brandts-München-Gladbach, gedachte zunächst des Ablebens des Abg. Dr. Lieber und teilte dann mit, daß der Volksverein zur Zeit 210000 Mitglieder zähle. Der Jahre s b e r i ch t wurde vom Generalsekretär Dr. Pieper-Mün- chen-Gladbach erstattet. Der Volksverein zählte im Jähre 1901 insgesamt 185 011 Mitglieder (Hessen - Darmstadt 3699). Ende Juni 1902 zählte er 209 000 Mitglieder. Der Verein habe, führte Redner aus, im. vergangenen Jahre heftige Kämpfe zu bestehen gehabt. Diese seien ganz besonders durch die Zoll- tarifvorlage entstanden, gegen welche die Sozialdemokratie eine heftige Agitarion entfaltete. , Dieser Agitation sei der Volksverein mit aller Entschiedenheit eni> gegengetreten. Die Einnahmen des Vereins beMern fich aus 162 721 Mark, die Gesamtäusaoben auf 138 540 Mark. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. Neu in denselben wurden berufen Reichjsgerichtsrat Dr. Spahn-Leip- zug, Abg. Cahensly-Limburg, Pfarrer Graßmeyer-Münster und Seminarlehrer Scheffers-Paderborn. Eine längere Rede hielt Justizrat Dr. Lrimborn-Köln- Dieselbe befaßte sich hauptsächlich mit den Bestrebungen des Volksvereins und betonte u. a., der Volksverein habe die Aufgabe, dahin zu wirken, daß das gesamte katholische Volk wie ein Mann zum politischen Zenrrum stehe. Alsdann sprach Landgerichtsrat Dr. Grö b er-.Heilbronn über die Apologetik- Er verteidigte die katholisch-e Lehre gegen alle Angriffe und Beschuldigungen, die gegen sie von gegnerischer Seite erhoben würden. Buchhändler Hutter-Freiburg bezeichnete es als notwendig, daß alle Katholiken fick) zum politischen Zentrum bekennen, damit dieses wisse, daß das katholische Volk hinter ihm stehe. Die Generalversammlung des Volksvereins wurde mit einem dreifach-en Hoch auf den Kaiser, den Papst und den Großherzog von Baden geschlossen. In der zweiten geschlossenen General-Versammlung wurde der Bonifaziusverein der werkthäti- gen Unterstützung empfohlen, ebenso die katholische kaufmännische Vereinigung. Ferner wurde die Errichtung einer Annoncenexpedition möglichst in Verbindung mit der Zentralstelle der Volksvereine beschlossen, und ein Antrag Ries- Ludwigshafen angenommen, daß redegewandte Männer aller Stande sich der Zentralstelle für die kathol. Vereine zur Verfiigung stellen mögen. Schließlich gelangte ein Antrag des Oberbürgermeisters Dr. Antoni-Fulda und des Justizrates Custodis-Kulu zur Annahme, in dem der Eintritt in die A n t i d u e l l l i g a empfohlen und die Erwartung ausgesprochen toirb,. daß dem Duell, besonders dem mor alt sch en Duellzwauge, ein Ende bereitet werde. Darauf wurde die Versammlung geschlossen. Die zweite öffentliche Versammlung der Katholiken Deutschlands wurde um 5 Uhr eröffnet. Präsident, Chefredakteur Dr. Cardauns, gab Kenntnis von folgendem Antworttelegramm des Kaisers: „S. M. der Kaiser und König haben den Ausdruck der Treue seitens der dort vereinten Katholiken Deutschlands huldvollst entgegenzunehmen und mich zu beauftragen geruht, der Generalversammlung allerhöchsten Tank auszusprechen. o. Lueanus, Geh. Kabinettsrat." Die Versammlung brachte nach Verlesung des Telegramms ein stürmisch aufgenommenes Hoch auf Kaiser Wilhelm aus. — Bischof Ehrler-Speyer bemerkte, daß gegen die katholische Kirche von allen Seiten ein Vernichtungskampf geführt werde. Wenn man aber heute diese großartige Versammlung sehe, brauche ma^'um die Zukunft der katholischen Kirche nicht besorgt zu sein. Das katholische Volk hat die katholische Presse, die große Macht der katholischen Kirche, geschaffen. Man hat geglaubt, wenn die Weltherrschaft des Papstes gevrochen fei, bann werde auch die geist- liche Herrschaft ein Ende haben. Das katholische Volt hat aber um so fester zum heiligen Throne Petri gehalten. Der Bischof wandte sich zum Schlüsse gegen den sich immer mehr ausbreitenden Unglauben. 'Nach der mit großem Beifall angenommenen Ansprache verlas der Präsident ein Telegramm, das vom Kardinal-Staatssekretär Rampolla-Rom eingelrosfen ist, und folgende:. Wortlaut hat: „Ter heilige Vater hat von der herzlichen Begrüßung vieler tausender deutscher Katholiken mit Freude und Genngthuung Kenntnis genommen und erteilt allen Denen, die der Generalversammlung anwohnen, gern und freudig den apostolischen Segen. Der heilige Vater giebt sich der Hoffnung hin, daß es ihm im nächsten Jahre vergönnt fein möge, eine große Zahl deutscher Katholiken in Rom zu segnen." Sodann nahm Universitütsprofessor Braig das Wort, welcher sich in längeren Ausführungen über den katholischen Glauben und die wissenschaftliche For- chung verbreitete. Braig führte aus, die katholische Kirche ei niemals eine Feindin der Freiheit gewesen, ebenso tehe die katholische Kirche zu den Ergebnissen Der Wissenschaft in keinerlei Gegensatz^ Die katholische Kirche wolle nur die Wahrheit. es der Prinz zum Essen benutzte. Bald lernte ich den Zweck kennen, denn die Forken waren an der einen öeite etwas geschärft, womit Prinz Wilhelm die Speisen zerdrückte, wozu er ausschließlich die rechte Hand gebrauchte, indessen die linke während der ganzen Mahlzeit auf dem Schoße ruhte. Als die Gesellschaft sich nach dem Tiner in den Salon nebenan begeben hatte und hier der Kaffee eingenommen wurde, entstand die Frage, wohin sie wollten, worauf Prinz Wilhelm im gemütlichen und echten Berliner Jargon sagte: „2Bir jehen natürlich nach Mutter Irin!" Dieser Ausspruch klang mir eigentümlich in den Ohren, denn ich hörte wohl täglich allerlei Sprachen in Paris, nur nicht echt Berlinerisch — und dann in solcher Gesellschaft. Bald darauf fuhren denn auch die Wagen vor und alle begaben sich nach dem Bois de Boulogne. Bei der Abfahrt des Prinzen Wilhelm machte ich noch einen Angestellten des Hotels, der während des Krieges als Gefangener in Viagdeburg interniert gewesen war, auf den Prinzen aufmerksam mit den Worten:Wollen Sie mal den zukünftigen deutschen Kaiser sehen, ohne auch nur im geringsten zu ahnen, datz sich diese Worte schon nach zehn Jahren erfüllen sollten." ' Ein Defraudant. Wie aus Coburg berichtet wird, ist der Kassierer des sozialdemokratischen Landesvercins im Herzogtum Coburg, Schäfer, nach Veruntreuung ihm übergebener Kaffengelder in die Schweiz geflüchtet. Kunst und Mssrnschast. Saßnitz, 26. Aug. Die Berliner Gesellschast für bra^t- lose Telegraphie (System Braun-Siemens) errichtete hier eme öl atro n und machte in dieser wahrend den letzten Wochen höchst ^gelungene Versuche. Tas telegrcrphisch berichtete Ergebnis vom toomitag, das darin bestand, daß mit der Italien Groß- Mölln, also auf eine Entfernung von über 160 Kim., Tepescheu empfangen und gegeben würben, ist nur insofern bemerkenswert, als auf einer neuen Station dre Apparate nicht immer fosort in wünschenswerter Werse zu funktionieren pflegen. Aus die gleiche Entfernung, sogar^noch aus längere Strecken', ivurden früher hauftq zwischen anderen Stationen Telegramme ausgewechselt, ohne dag die Deutlichkeit der Zeichen oder Worte etwas zu wünschen übrig ließ. — Freue Driesch. Um falschen Annahmen zu begegnen, die stch bei rms in Gieß en in gewissen Kreisen über die Thätigkeü der Irene Triefch am „Deutschen Theater" in Berlin gebildet zu haben scheinen, sei erwähnt, oaß dre Künsllerin dort dieser Tage wieder einmal in der „Nora"-Pcuttie reiche Lorbeeren geerntet hat. Einer der Rezensent«! schreibt z. B.: „A:eneTriejch ist gegenwärtig wohl die beste und eigenartigste Nora, besonders im Schlußakt, den sie mit jähem Temperament giebt Sie ringt sich hier vom All- gememen zrun Leid der Einzellren durch, sie geht vom Typischen aus und gestaltet ganz unbewußt das Jndwiouelle. Darum erschüttert fie und überzeugt.' — Ein anderer Rezensent rühmt „ihre eigenartige Kunst in der Ausgestaltung der „Nora"-Parlie rc. :c. — Prof. Olbrich, der bekannte eigenartige Architekt der Darmstadter Künstlerkolonie und Erbauer des Wiener Sezessionshauses, ist vom Komllee der unter dem Protektorat der Großfürstin Sergius (Prinzessin Elisabeth von Hessen) stehenden Ausstellung für moderne Architektur und Kuiistgewerbe in Moskau zum Bevollmächtigten für Deutschland ernannt worden. — Otto Gildemeister ist am 26. ds. Mts. in Bremen gestorben. (Dr. Otto Gildemeister, Senator der Stadt Bremen, ist 1823 in Bremen geboren. In weiteren Kreisen ist er als Ueber- fetter, Kommentator und Essayist bekannt geworden. Er übersetzte u. a. einen Teil der Shakespeare'schen Dramen, die Sonette Shakespeares, Dante's „Göttliche Komödie" und Ariost's „Rasenden Roland".) — Drahtlose Telegraphie. Der Direktor des physikalischen Instituts der Universität Strasburg, Prof. Braun, bezeichnet als nächste Ziele der Forschungen auf dem Gebiet der Funkentelegraphie starke Geberwirkung und abgestimmte Enipfcmgerwirkung. Ucber die Aussichten, den praktischen Wert uitb die voraussichtliche Entwicklung der drahtlosen Telegraphie äußert sich der Genannte wie folgt: „Ter Wert als ein verbesserter Signaldienst, der unabhängig ist von jedem Wetter, von Tageszeit, von Nebel, Regen und Schnee ist bereits bekannt. Dieser wird für viele Fälle bleiben, selbst wenn die Hoffnung, die Stationen von einander unabhängig zu machen, sich nicht in dem Maße, wie wir es wünschen möchten, erfüllen sollte. Als Illusion wird man es aber — voraussichtlich für alle Zeiten — bezeichnen müssen, wenn man hofft, damit die Draht- telegraphie beseitigen zu tonnen." — Die in unserem Lande wohlbekannte Großh. Hess. Kammer- ütriuofm Frl. Frieda Hodapp hat sich in London mit Prof. James Kwast, dem ausgezeichneten Piaiiisten, der im Herbst als Lehrer in das Kölner Scharwenka-Konservatorium ein- lrilt, vermahlt. Unioersttüts-Uachrichtea. Wien, 26. Aug. Der Kaiser bestätigte die von der Akademie der Wissenschaften oorgenonnnene Wahl des Geh. Ober- Regierungsrats Dr. Ernst Dümmler-Berlin und des Unwersiläts- vrofeffors Dr. Wilhelm Thom sen-Kopenhagen zu Ehrenmilgliedern, der Universitätsprofessoren Dr. Ernst K u h n-Müncheü, Dr. Eduard Sievers-Leipzig, Dr. Eduard v. Wölfslin-München, Dr. Emil Fischer-Berlin und Dr. Karl v. Voit-München zu korrespondirenden Mitgliedern. — Akademie für praktische Medizin in Frankfurt a. M. Nach der „Frkf. Ztg." soll besonders eine staatliche Z entr al- prüsungsstelle für Arznei-, Nähr- und Nahrungsmittel, für die bei der jetzigen Flut von Präparaten ein Bedürfnis allseitig erkannt worden ist, in Aussicht genommen sein. Mit diesem Laboratorium würde auch eine medizinisch-diagnostische Anstalt nach dem Berliner Muster eingerichtet. — Aus Dresden wird gemeldet: Dem o. Proseffor an der hiesigen Technischen Hochschule, zugleich Professor an der Kunstakademie und Direktor der föntgl. Skulpturensamnilungen, Geh.» Hosrat Dr. Georg Treu, wurde der z. Z. auf die Geschichte der antiken Kunst beschränkte Lehrauftrag auf die Geschichte der Bildhauerei und der dekorativen Plastik im Mittelalter, der neueren und der neuesten Zeit ausgedehnt. — Der Regierungs-Bauführer, Maschineningenieur E. Heinrich aus Kannstadt' wurde zum Assistenten für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule m Stuttgart ernannt. — Mit der provisorischen Leitung der psychiatrischen Klinik an der niederösterreichischen Landesirrenanstalt tn Wien wurde dis auf weiteres Dr. Reuman n betraut — Der Ausschuß für volkstümliche Hochschulkurse der deutschen Universität in Prag veranstaltet vom 1.—13. September einen Ferienkursus in Prachatitz. — Die von Professor C. Seitz geleiteten Ferienkurse an der lüterar-philosophischen Fakultät der Genfer Hochschule sind in diesem Jahr außerordentlich stark besucht. Es nehmen daran teil 133 Herren und 109 Tarnen; die Deutschen sind mit 114 Personen am stärksten vertreten. — Prof. F. Pasternazki ist am 20. August auf seinem Landgut im Gouvernement Minsk im 59. Lebensjahr gestorben. Er wickte seit 1891 an der St. Petersburger Militär-Medizinischen Akademie. Pasternazki hat u. a. Arbeiten über die verschiedenen Arten des Typhus sowie die kaukasischen Bäder veröffentlicht. — In P r a g ist der ehemalige o. Professor der Pastoraltheologie an der dortigen Universität Dr. W. H o r a k im 57. Lebensjahr gestorben. Sport. vr. Niedcr-Moos, 24. Aua. Ter Radfahrerverein „Vogels- berg" veranstaltete hier ein Fest, zu dem viele auswärtige Fahrer und Vereine erschienen waren. Das Fest nahm einen prächtigen Verlauf. Von den Einzelheiten erwähnen wir die Preis- verteilung, die nach dem Straßenrennen ftattfanb: Haupt- fahren im ©trafjenreimen: 1. Preis Jost von Storndorf bei Alsfeld, 2. Preis Abel in Fulda, 3. Preis Albrecht tn Fulda. Er st fahren: 1. Preis Hamburger aus Alsfeld, 2. Preis Jost aus Alsfeld, 3. Preis Schott aus Schotten. ** Frankfurter Automobilklub. Nach dem definitiven Meldeschluß sind wir in der Lage, folgende Meldungen müzuteilen: 1. Klaffe: Motorzweiräder: 1. F. Rigaux-Liittich, 2. F. Kirchheim- Eisenach, 3. Wllhelm Winter-Lll.-Stelnheim, 4. Paul Pierotb-Kl.-- Steinheim, 5. Franz Keil-Frankfurt a. M., 6. Hemr. Opel-Ruffelsheim, 7. Fritz Opel-Rüffelsheim, Wilhelm Opel-Rüsselsheim — 2. Klasse: Voüurettes: 1. Akt.-Ges. vorm. Cudell u. Co.-Aachen, 2. dieselbe, 3. Josef Goebel-Mainz (Fabrikant Bergmanns Im dustriewerke-Gaggenau), 4. Ernst Hammler-Eisenach (Fahrzeug- sabrik Eisenach), 5. Adler, Fahrradwerke Frankfurt a. M., 6. Brauda-Paris (Opel-Tarracq). — 3. Klaffe: Leichte Wagen: 1. Max Eisemann-Hamburg (Aktiengesellschast vorm. Cudell u.Co.- Aacheir)/ 2. Aktiengesellschaft Cudell u. Co.-Aachen), 3. dieselbe, 4. A. Kiehnle-Ludwiashafen (Bergmanns-Jndustriewerke), 5. Karl May-Frankfurt a. M. (Opel-Darracq), 6. Adler, Fahrradwerke- Frankfurt a. 9)L 7. Direktor Poege-Chernnitz (Opel-Tarracq), 8. Fritz Opel-Rüffelsheim (Opel-Tarracq), 9. Heinr. Lpel-Rüffels- heim (Opel-Darracq), 10. Brauda-Paris (Opel-Darracq). — 4. Klasse: Leichte Wagen: 1. Aktiengesellschaft vorm. Cudell u. Co.- Aachen, 2._ dieselbe, 3. dieselbe, 4. Bergmanns Jndustriewerke- ®aggenau,5. F.Kirchheim-Eisenach (Fahrzeugjabrik-Eiserrach, 6. Adler, Fahrradwerke-Frankfurt a. M., 7. dieselben, 8. DirektorPoege-Cheninitz (Opel-Tarracq), 9. Bonnsist-Paris (Opel-Tarracq), 10. Georges- Paris (Opel-Darracq), 11. Müller-Rüsselsheim (Opel-Tarracq). — Club-Vorgabefahren: 1. Bräuning-Hanau (Adler), 2. Aschoff-Aachen (Cudell), Livmgstone-Frankfurt a.M. (Adler), 4. Dr. Jsbert-Frank- furt a. M. (de Dietrich), 5. (Teoes?) Adler-Fahrradwerke, 6. H. Opel-Rüffelsyeim (Opel-Darracq), 7. Wilhelm Lvcl Rüsselsheim (Opel-Darracq). Rennen Nr. 6. Vorgabefahren für Herrcnü(wer: 1. de Dietrich-Niederbronn, 2. Mathis-Straßburg (de Diein ,, 3. von Devoorde-Bremen ^Cudell), 4. Akü-Ges. vorm. 6ub.li u. Co. Aachen (Cudell), 6. Dieselbe (Cudell), 6. A. Kiehnle-Ludw:q: pofen (Bergmchms Jndustriewerke), 7. Joses Goebel-Mainz (Bergmanns Jndustriewerke), 8. Direktor Ehrhardt-Eisenach (Fahrzcugfabril Eisenach), v. Karl Atai-Frankfurt a. M. (Opel-Darracq), 10. Direktor Poege-Cheinnitz (Opel-Darracq), 1L Adler Fahrradwerke-Frankfurt a. M^ sl2. F. Opel-Rüsselsheim (Opel-Darracq-, 13. H. Opel- Rüsselsheim. (Opel-Darracq), 14. Brauda-Paris (Opel-Darracq) 15. Max Eisern.ivii-Hamburg (de Dieterich). Klaffe 5. Große Wagen: 1. Dtob. Katz^nnem-Frankfurt a. M. (Mercedes Simplex,, 2. de Dietrich-Riedevbroim, 3. Mathis-Straßburg (de Dieterich), 4. Max Eisemaml-Hamo»lrg (Cudell), 5. von Devoorde-Bremen (Cudell-, 6. Mt.-Ges. vorrii. Cudell u. Co.-Aachen (Cudell), 7. Franz Knecht- Paris (Bergmaivi»-<^^»'ir'ewerke, 8. Carl Atay-Frankfurt a. M. (Opel-Darracq), 9. Direktor Ehrhardt-Eisenach, 10. H. Opel-Rüsselsheim (Opel-Darracq Typ. Paris-Wien), 11. Brauda-Paris (Opel- Tarracq) 12. Auffen Ordl jr.-Baden-Baden (Panhard u. Levaffor), 13. Clarence Georg Tuismore-Newyork (Mercedes Simplex. LMdwirtschaft. ' b. Garbeutcich, 25. August. Aus den meisten Tellen Ober- heffens, ganz besonders aber aus der Wetterau, werden ganz vor- zügliche Ernten gemeldet. In unserer Gemarkung kann dagegen die jetzt zu Ende geführte Ernte nur als mittelmäßig be- zeichnet werden. Tie Schuld hieran trägt nicht allein die un- güiislige, trockene Witterung, sondern auch die durch bie Feld- bereimgung hervorgerufene neue Lage des Geländes, das von den Grundbesitzerii, da sie erst feit vorigem Herbst im Besitz desselben, noch nicht gründlich genug bearbeitet werden konnte. Die Hack- f r it d) t e bagegen stehen durchschnittlich recht gut. Aepfel gibt es in aroßer Menge, fast kein Baurn uerfaat, während Zwetschen und Nü.s s e total erfroren sind. Auch Birnen gibt es wenig. Tie Grummet ernte auf trockenen Wiesen ist gleich Null, da die durch die Feldbereinigung geschaffene Bewässerungsanlage aus Mangel an Wasser nicht in Thätigkeil gesetzt werden konnte.- Ein durchweichender Regen, der namentlich auch den Stoppelerbsen mangelt,, wäre erwünscht. Aus dem östlichen Ldeuwalde, 22. Aug. Die Henle eröffnete Jagd ans Rebhühiier ergiebl in unserem Gebirge fast durchweg ein günstiges Resultat. Alan trifft außerordentlich viel Ketten an. Doch sind die meisten Ketten noch nicht schußserüg, d. h. die Hühner sind noch sehr klein. Auffällig ist, daß sich Heuer viele kleine Hühnerketten ziijammengestellt haben. Ketten von 20 bis 30 Stück sind deshalb keine Seltenheit. Soweit man bei der Hühner- juche konstatieren kann, wird auch die Hajeiijagd im Felde heuer ivieder gut. Ter Jäger wird aber im Jntercffe des Hasenbestandes gut thun, den Abschuß der Hasen nicht gleich vom 1. September ab vorzunehmen, denn erfahrungsgemäß iverden im September meistens trächtige Häsinnen gejchossen. Ein im September geworfener Junghase giebt aber bekanntlich noch einen vorzüglichen Weihnachtsbraten. Der Saatenstaud im Deutschen Reiche um Mitte Augus betrug (die eingeklammerten Zahlen sind die von Mitte Juli): Winterweizen 2,3 (2,2), Sommerweizen 2,5 (2/1), Winterroggen 2,4 (2,3), Semmerroggen 2,4 (2,4), Sommergerste 2,4 (2,3), Haser 2,5 (2,6), Kartoffeln 2,5 (2,6), Klee 2,5 (2,5), Luzerne 2,7 (2,7), Wiesen 2,4 (2,4). Tie Witterung in der abgejaufenen Berichtsperiode war, einige Gebietsteile im Osten und Südwesten ausgenommen, im ganzen Reiche meist trübe regnerisch und kalt. Tie Ernte der Winterfrüchte verzögerte sich sehr und ist nur in einigen Teilen Süddeutschlaitds größtenteils beendet. In 2)littel- und Norddeutsch- land ist sie in vollem Gange. Weizen bietet etwas bessere Aussichten als Rvggcn, der wegen der regnerischen Witterung noch nicht eingefahren werden konnte. Die Reise des Somniergetreides ist durch iüe ungünstige Wüterung ebenfalls ungemein verzögert. Dem Hafer schadete die Nässe noch verhältnismäßig am wenigsten. Der Stand der Kartoffeln ist sehr verschieden. Berichten über guten Knollenansatz stehen vielfach Klagen über geringen Stand gegenüber. Handel und Verkehr. Kolkswittschast. Frankfurt a. 9JL, 26. Aug. In der heutigen außerordeill- licheii Generalversammllmg der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vormals Lahmeyer u. Co. waren von 20 Millionen Aktienkapital ca. 8'/z Millionen vertreten. Nach ausgiebiger Debatte, in welche Gemcinderat Lucian Brunner-Wien, sowie auch Richter-Berlin bemängelnd eingriffen, wurden auf Antrag Richters sämtliche Anttäge der Verwaltung angenommen und zwar per Acclarnation. Der Generaldirektor Salomon bezeichnete die Abnahme der eigenen Aufträge um ca. 12 Prozent, während sämtliche größeren deutschen Elettrizlläts-Gesellfchaften nur 50—60 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit in Anspruch genommen sehen. Tic noch »u entwickelirden Unternehmen der Trustgesellschaflcu repra sentteren ca. 20 Millionen für die nicht gerade sofort, sondern im Lause der Zeit ca. 6 Millionen nötig seien. Die Durchschnitts renle der fertigen Unternehmen sei 3H,—4 Prozent des Brutto wertes. Die einzelnen Unternehmen würden später in selbständige Aktiengesellschaften umgewandelt. , Wien, 26. August. Ter Chef des Großhandlungshauses Boschaus Söhne, Karl Rllter von Boschau, ist gestorben. ZpielplM der oerriirigtell Frankfurter Ztadttheater. Opernhaus. Mlttlvoch den 27. August, abends 6 Uhr: „Die Meistersinger von 9iürnberg/ Donnerstag den 28. August*): „Carmen." Frellag den 29. August, abends Halo 8 Uhr: „Aiarcha" oder „Der Ätarkt zu Richmond." Samstaa den 30. August: „Nlargarethe." Sonntag den 31. August: Neu einstudiert: „Die Großherzogin von Gerolstein." Montag den 1. September, abeirds halb 8 Uhr: „Hoffmanns Erzählungen." Schauspielhaus. Mittwocb den 27. August'): „Eyprienne." Cyprienne: Frl. Camilla Daloerg vom Hostheater in Hannover a. G. Donnerstag den 28. August: Zu Gocthe's Geburtstag: „Iphigenie auf Tauris." Freitag den 29. August: „Die Jäger." Samstag den 30. August: „Robett und Bettram." Sonntag den 31. August: „Alt-Heidelberg." Montag den 1. September: Dramen-Zyklus zum Abschiede vom allen Schauspielhause. Elster Abend. Otto Ludwig: „Der Erbförster." ') Ansang, wenn nicht anders bemerkt, abends unt 7 Uhr^ SchlssSlMMichleti. „Red Star Linie" Anttverpen. Der Postdampfer „Zeelcmd" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 25. Auqu'l wohlbehalten in 9tew-Pork angekommen. Die zweckmäßigste Heizung unserer Wohnräumc ist eine Frage, deren Lösung von Jahr zu Jahr die Heutechnik zu neuen Fortschritten führt, und groß ist der Aufschwung der letzten Jahre in Heizungs- und Beleuchtungsanlagen. Als allgemeine An- sorderungen an einen guten Ofen sind zu stellen: Bei Verwendung jeder guten Hausbrandkohle schnelle Wärmeabgabe nach dem Anheizen, einsache Bedienung, gleichmäßige Erwärmung mit Lusuirkulation unö Ventilation im Zimmer. Tauerbrand oder zeitweiser Brand und genaue Regulierbarkeil, so daß Wärme nur dann erzeugt und Brennmaterial verbraucht wird, wenn das Bedürfnis dafür vorhanden ist. Eine Cfcnart, die den höchsten Anforderungen in besonders hervorragender Welse gerecht wird, sind Winters Dauerbrandöfen Germanen, von denen seit 8 Jahren über 200000 Stück verkauft wurden, ein Erfolg, den fein anderes Ofensyslem in Deutschland erreicht bat. Die Cefen lassen sich mit jedem Brennmaterial Heizen, eignen sich für alle Zwecke und sind im Preise mäßig. Dieselben sind zu beziehen durch jede beffere Ofenhandlung oder durch Verntittelung des Fabrikanten Oskar Winter in Hannover. Tie Germanen-Oefen sind iwr echt, wenn sich in der Glimmer- thür der Name „Germane" befindet, und hüte man sich vor den vielfachen Nachahmungen. Wer sich einen wirklich dauerhaften Schirm wünscht, lasse sich denselben genau nach Wunsch und Auswahl des Ma- rerials bauen. Kein Schirm-System, welches bei mir nicht repariert werden könnte. 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Nach § 3 der Sttftungsurkvnde können zur Bewerbung um die Gaben nur zugelasien werden: ,0raa\^Moe™“roäd)e w-hr-nL des Feldzuges 1870/71 im Mllitärverhclltms gestanden haben, b Frauen und Kinder solcher Personen, vorausgesetzt, daß diese unter a. und b. bezeichneten Bewerber eurer der- artiaen Unterstützung bedürftig und würdig sind und daß dieselben von der Zeit der Bewerbung rückwärts gerechnet mindestens zwei ^chre in Gießen ununterbrochen gewohnt haben. Die Bewerber werden hierdurch aufgefordert, sich bis zum 20, September L I. bei Großb. Bürgermeisterer Greßen schrrst- lich oder zu Protokoll anzumelden und ihre Qualifikation zum B^nge der Unterstützung näher zu begründen und zu belegen. Gießen, am 2L August 1902. ^929 Der Bürgermeister: Mecum.__ Pferdemarkt zu Gießen. Am Mittwoch den 10. September findet auf derr städtischen Marktanlagen nächst der Rodheimerstraße Pferdemarkt statt. Für Stallungen in der Nähe des Marktes ist ausreichend SoE getragen: wegen derfelben wolle man sich an Herrn Hoslohukutscher Huhn dahier wenden. Auskunft über sonstige Marktangelegen- heiten erteill Herr Weinhändler August Schwan dahier. Mit dem Pferdemarkt ist eine Prämiierung verbunden, für welche 1565 Mk. zur Verfügung stehen. Der PrL- miierungsplan ist - von Herrn Oekonomierat Schlenle, Hardthof bei Gießen, zu erbitten. Die Prersoertellung erfolgt rm Anschluß an die Prämiierung um 12l/a Uhr. Omnibusverbindung von dem Bahnhof nach dem Marktplatz und zurück. . . Am 11. September, nachmittags 2 llhr, findet m der Turnhalle der Stadtknabeujchule eine Verlosung statt von Pferden, Wagen, landwirtschaftlichen Mchcbinen und Gerätschaften, Houshaltungs- und GebrauclMgegeManden. Der Generalvertrieb der Lose L 1 Mk. ist dem Herrn Richard Buch- Aersandt nach auswärts sehr .prompt, da nur 4 Minute« von den Aahnhöfen u. Kauptpostamt. Frisch geleerte ßeüinöc in jeder Größe stets vorrätig bei 'P. 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