Freitag 27. Juni 1903 ISS. Jahrgang Zweites Blatt. Nr. 148 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem KeMschen Landwirt die Siegener Zamllien- hlätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bi. Brühl'sche- Univers. Buch»u.Stei. drackeret (Pietsch Erben) 9ubofuu.. ExpedttiMc wu Druckerei: Schul st raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fkrnsprechanschluß Nr. 51. Eichener Anzeiger *'■* General-Anzeiger ö Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 7b Pf., viertel jährlich Wik. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal*: Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. König ßduards Krankheit. Der in der letzten Nacht 11 Uhr 30 Min. ausgegebene Krankheitsbericht besagt: Der König verbrachte den Tag recht gut, bei ausrechterhaltenem Krästezustand und Verlängert nach Nahrung, die sorgsam verabreicht wird. In der Wunde machte sich neuerdings etwas Schmerz bemerkbar. Dr. Laking verließ den Buckingham ^Palast gestern nachmittag aus kurze Zeit. Dies wird als günstiges Zeichen angesehen. Wie weiter aus London gemeldet wird, drängt die Krankheit des Königs fortgesetzt alle anderen Ereignisse tief in den Hintergrund. Der Zustand des Monarchen ist noch immer kritisch, obwohl nicht hoffnungslos. Der König nahm von einigen eingelaufenen Telegrammen Kenntnis. Die Aerzte, die der Operation beiwohnten, versichern, da nicht die mindeste Spur von Krebs oder irgen einer bösartigen Wucherung im Unterleibe dabei zum Vorschein gekommen ist. Der Geheim-Sekretär Sir Francis Knollys, der um Auskunft darüber befragt wurde, gab sein Ehrenwort, daß der König nicht an Krebs leide und sich auch kein darauf hinweisendes Symptom gezeigt habe. In der Krankheit des Königs sei keinerlei ungünstige Entwickelung eingetreten. Die „Times^ schreibt: Obgleich anerkannt werden muß, baß man noch auf mehrere Tage hinaus unmöglich mit Zuversicht über den endgiltigen Verlauf der Krankheit des Königs sprechen kann, so hegen doch die Urteilsfähigsten die Ansicht, daß, wenn der Verlauf so andauert wie bisher, der König im August wieder wohl genug sein wird, um gekrönt werden zu können. Dann wird sich allerdings die Frage erheben, ob man die Feier nicht lieber nach den tarlamentsferien Ende September oder Aniang Oklob-r attsinden lassen soll. dieelsässischeRegierungunterstützedenGroß^ kapitalismus. Vorsitzender Rettich rügt beide Aeuße- rungen. Brömel protestiert gegen Schlumbergers Ausdrücke, und die Antwort, wie sie Abg. Münch-Ferber (nk.) Herrn Schlumberger zu teil werden ließ, dürfte unterf Kollegen derselben Fraktion, wenigstens „vor versammeltem Kriegsvolk", auch noch nicht dagewesen sein. Gegenüber dem Abg. Schlumberger, der „im Namen der gesamten Baumwollweberei" zu sprechen erklärte, konstatierte Abg. Münch-Ferber ungleich wirksamer, er, Münch-Ferber, sei weder Vertreter eines Verbandes noch eines Syndikats. Vorher gab es in der Sitzung noch eine „Sensation": der konservative Führer Abg. Graf Kanitz hielt es für an gezeigt, ein wenig den Schleier zu lüsten, den die Regierung bisher über die Beratungen des „Wirtschaftlichen Ausschusses" zur Vorbereitung der Handelsverträge gebreitet hat. Graf Kanitz enthüllte, daß im „Wirtschaftlichen Ausschuß" ursprünglich überall Doppeltarife eingesetzt worden, diese aberi ohne Grund wieder verschwunden seien. Staatssekretär Graf Posadowsky, eilends herbeigeholt, konnte nicht umhin, die Thatsache selbst M bestätigen, aber nachdem die verbündeten Regierungen sich gegen den allgemeinen Doppeltarif entschieden, sei es unnütz, „ein totes Pferd noch zu schlagen." Dem Grafen Posadowsky wird diese unerwartete Erörterung um deswillen nicht angenehm gewesen sein, als s. Z. in parlamentarischen Kreisen verlautete, daß gerade das Reichsamt des Innern die Aufstellung eines Doppeltarifs, auch für die Industrie-Zölle, auf das entschiiedenste empfehle, daß aber sowohl das Reichsschatzamt wie das Auswärtige Amt hiergegen Einspruch erhoben, weil ein solcher Tarif den Abschluß von Handelsverträgen zu er- chweren geeignet sei. Reichskanzler Graf Bülow trat dieser Auffassung bei, ebenso die Mehrheit der verbündeten Regierungen, gestützt auf Gutachten von Handelskammern und anderer sachverständiger Korporationen, wodurch der Doppeltarif zu Fall gelangte und nur noch für die wichtigsten landwirtschaftlichen Zölle aufrechterhalten blieb. Politische Tagesschau. Die Zolltariskommission begann am Donnerstag die Beratung des Abschnittes „W ar en aus Baum w o ll g esp inst en". Nach erregter Debatte wird Position 444, dichteGewebefürMöbel- undZimmerausstattungin Stück 180, äbgepaßt 220 Mark, adgelehnt, ebenso alle dazu gestellten Anträge aus Herabsetzung bezw. Zollsreiheit, sodaß der Vorsitzende bemerkt, die entstandene Tariflücke müsse bei der zweiten Lesung ausgesüllt werden. Die Position 445, 446 und 447 wurden nach einem Antrag Müller-Fulda beschlossen. Dann aber gab's Sturm! Der alte Gegensatz zwischen Spinnern und Webern sand schärfsten Ausdruck. Der elsässische Abg. Schlumberger (Hospitant der Nationalliberalen) bedachte die Befürworter der Garin- zoll-Ermäßigungen mit recht unparlamentarischen Ausdrücken, wie „Hetze r" und „Schwindle r", Schlumberger, der hervorragendste Industrielle des Elsaß, mag wenig erbaut davon fein, daß einstweilen die Spinner gesiegt haben —die verbündeten Negierungen werden sich über die von der Kommission herabgesetzten Garnzölle noch, schlüssig machen — aber es sollte doch ein deratiger Ton bei den zollpolitischen Jnteressenkämpfen, wie sie z. B. auch zwischen der Soda- und der Seifeninduftrie bevorstehen, peinlich vermieden werden. Es bedarf nicht solcher „Deutlichkeiten", um gehört zu werden. Allerdings ist Abg. Schlumberger von außerordentlich lebhaftem, um nicht zu sagen cholerischen Temperament; wiederholte höchst kräftige Auseinandersetzungen mit den Sozialdemokraten sind in Erinnerung. Der Thüringer Sozialdemokrat Baud er t nannte gestern in der Sitzung Herrn Schlumberger einen Vertreter des Ausb eutertums, und tugr hinzu. Die Londoner Blätter sind voll des Lobes für die tapfere Haltung der K ö n i a i n, die den ganzen Tag über und den größten Teil der Nacht am Krankenlager ihres Gemahls weilt. Die Zensur läßt, wie verlautet, Telegramme mit alarmierenden Nachrichten über das Befinden des Königs nicht durch. Der allgemeine Eindruck in der Bevölkerung ist aber der, daß der Zustand des Monarchen hoffnungs- l o s ist. Diese Ansicht soll auch der Großkanzker des Buckingham-Palastes ausgeorückt haben. Im Lause des Mittwoch wurden vom Londoner Zentral-Telegraphenamte nicht weniger als 300 000 Telegramme über das Befinden des Königs befördert. Die Behörden haben beschlossen, die Krankheits- berichte in sämtlichen Postanstalten des Landes anschlagen zu lassen. Jn Dunstable führte die Absagung der Krönungsfestlichkeiten zu einem Tumult. Eine Protestversammlung wurde veranstaltet. Die Teilnehmer zogen dann vor die Wohnungen des Bürgermeisters und Pastors und warfen unter vielem Gejohle die Fenster ein. Dann zog man zu den Chlltern-Hügeln und zündete dort das Krönungs-Freudenfener an. In H e m e l - H e m p st e a d war beschlossen, das zur Armenspeisung angeschaffte Fleisch und die Lebensmittel zu verkaufen. Die darüber erbitterten Armen rotteten sich zusammen und warfen den Mitgliedern des Festkomitees die Fenster ein. Der einem Aldermann gehörige Porzellanladen wurde ganz zertrümmert. Die Polizei der Stadt konnte den Tumult nicht unterdrücken. Erst berittene Polizei aus Watford und Berkhamp- stead stellte die Ruhe Her. In Newton in Montgomeryshire mußte der Vorsitzende des Komitees, der dafür verantwortlich war, daß alle Festlichkeiten, auch ein Thee für die Kinder, abgesagt wurden, vor der johlenden Menge in einen Gasthof flüchten und der Gasthof wurde von Hunderten von Menschen belagert. Kurz vor Mitternacht kündigte der städtische Ausrufer an, der Thee für die Kinder würde statt- inden. Zwei Mitglieder des Distriktsrates hatten die Verantwortung dafür übernommen. Am Donnerstagnachmittag wurde in der St. Pauls- Kathedrale zu London ein Gottesdienst für die Genesung des Königs abgehalten, zu dem die Botschafter und Peers mit ihren Gemahlinnen und viele Orientalen in ihren malerischen Trachten erschienen. Zur gleichen Zeit sand in bur St. Margaretskirche Gottesdienst statt, dem der Sprecher des Unterhauses und die Mitglieder des Parlaments beiwohnten. Trotz des schönen Wetters, und obwohl in diesen Tagen keine Börse ist, sah man verhältnismäßig wenig Feiernde in den Straßen. Feldmarschall Gras Waldersee ist am Donnerstag ab gereist. Der deutsche Kaiser hat den König von England a la suite der Marine gestellt. Der Kaiser, der sich bekanntlich z .Z. in Kiel befindet, gab gleichzeitig der Flotte durchs Flaggensignal folgenden Befehl: „Eduard, König von England, geruhte die Stellung a la suite Meiner Marine anzunehmen. Ich hoffe, dieselbe bleibt sich dieser Ehre allezeit bewußt, welche sie gleichzeitig in engere Beziehungen zu unseren Kameraden von der englischen Marine bringt." Die Flotte setzte sofort englische Doppflaggen und feuerte 21 Schuß Salut. Drei Hurrahs für den König von England! Der Befehl des Kaisers wurde von den im Kieler Hafen liegenden Kriegsschiffen sofort ausgeführt. Das „Journal de St. Petersbourg" bespricht an leitender Stelle die Nachrichten über die Krankheit des Königs Eduard und bemerkt schließlich: Nicht nur im ganzen vereinigten Königreiche, sondern überall außerhalb desselben hegt man ebenso aufrichtige wie herzliche Wünsche für die schnelle Wiederherstellung der Gesundheit. Unter den Auszeichnungen und Rangerhöhungen ist weiter noch von Interesse, daß zum Mitgliede des Geheimen Rats auch der aus Köln stammende Werlagshändler Sir Ernest Cassel, der neulich 4 Millionen Mark für Lungenheilstätten spendete, ernannt wurde. Also sie kommt nun, trotz bisheriger gegenteiligen Aussichten, doch — die Wahlreform! Wir erhalten also aller Wahrscheinlichkeit nach die direkte geheime Wahl mit nur einigen Bedingungen für die verschiedenen Bethätigungen (dreijähriges Domizil in Hessen und Erwerb der Staatsangehörigkeit, Erledigung auch der fälligen Gemeindesteuer, Vollendung des 25. Lebensjahres usw.). Die Regierung ließ mit Recht keinen Zweifel darüber, daß sie auf diese Kautelen nicht verzichten könne. Höchst wertvoll ist es, d'aß der Gegensatz zwischen Stadt und Land, der in unserem Parlament schon oft eine so verhängnisvolle Rolle gespielt hat, wenigstens diesmal end- ailtig überbrückt zu sein scheint. Daß die aus dem Hause beantragte Einführung der Wahlpflicht, deren Durchführung sich u. E. gar nicht ermöglichen lassen wird, und die die Regierung mit sehr triftigen Gründen bekämpft, auch Gesetz werden soll, halten wir dagegen für durchaus verfehlt. Jedenfalls bleibt das große Nachgeben seitens des ländlichen Teiles der Kammer hoch erfreulich. So ist denn nun doch wohl die ganze Mühe der Regierung nicht umsonst gewesen, und man wird hoffentlich in der bevorstehenden zweiten Lesung der Vorlage wirklich noch ein greifbares Ergebnis erzielen. Ale heutige Summer umfaßt 12 Seite». Die neue hessische WahlrechLsvorlage scheint nunmehr im großen und ganzen gesichert! So wird uns aus Darmstadt geschrieben. In einer von der Freien Vereinigung (ca. 12 meist oberhessische Abgeordnete) stattgehabten Versammlung, in der auch Herr Hirschel anwesend war, ist es gelungen, eine Ernigung dahin zu erzielen, daß diese Partei nunmehr für den Vermittelungsantrag Wolf, der den Städten Mainz, Darmstadt und Offenbach einen weiteren Abgeordneten zusagt, stimmen werden. Gießen und Worms kommen dabei allerdings zu kurz. Auch die Wahlpflicht wird Annahme finden voraussichtlich mit einem Zusatzantrag Wols, wonach dem Wähler, der seiner Wahlpflicht nicht nachkommt, im nächsten Jahre das Wahlrecht entzogen wird. Die Vorlage wird nun erst in der nächsten Woche zur Beratung resp. zweiten Lesung kommen, da wegen des am Samstag stattfindenden oberhessischen Provinzialtages an diesem Tage die Kammersitzung ausfällt. Man darf auf die Stellungnahme mancher Abgeordneten, die bei her ersten Lesung in der sicheren Voraussetzung, daß das Gesetz doch falle, mit „Ja" stimmten, sehr gespannt sein. Der Staats- und der Finanzminister hielten am Mittwoch nachmittag gemeinsam mit dem Bureau der Zweiten Kammer, bestehend aus den drei Präsidenten und den beiden Sekretären, eine nahezu einemhalbstündige Sitzung ab, in der über die Geschäftslage des Hauses beraten wurde. Wie jetzt bekannt wird, beabsichtigt die Regierung die Vorlagen bezüglich des Hoftheaters und der Technischen Hochschule zurückzuziehen. Der Schluß des Landtages durch S. K. H. den Großherzog, der am Freitag von England zurückkehren wird, i st/ür Donnerstag den 3. Juli vorgesehen. Die erste Kammer dürfte am nächsten Mittwoch, den 2. Juli, zusammentreten. Gestern, am Donnerstag nachmittag, fand bei dem Präsidenten .Haas ein Diner statt, zu dem der zweite Präsident Dr/Schmitt, der dritte Präsident Reinhart, sowie die Sekretäre Schmalbach und Brauer und die Abgg. Dr. Heidenreich, Dr. Gutfleisch und von Brentano geladen waren. Der 6. internationale Arbeiterverficherungs-Kovgreß zu Düsseldorf ist am 24. d. M. geschlossen worden. Uebet die Schlußsitzung wird geschrieben: Der letzte Verhandlungstag galt dem außerordentlich wichtigen Thema der Witt- wen- und Waisen-Versorgung. Nachdem Bergbau- Ingenieur Bellom-Paris die von ihm entworfenen Grundsätze für die Wittwen- und Waisenversorgung aufgestellt hatte, gab Präsident Bödiker das Korreferat. „Eine Utopie", führte der Redner aus, „sei der Wunsch nach der Wittwen- und Waisenversorgung nicht. Zwar solle der Arbeiter bei Lebzeiten die ©einigen für die Zeit nach seinem vorzeitigen Tode sicher zu stellen suchen. Aber viefach, vielleicht in der Reael sei der Arbeiter aus seinen Kräften allein nicht hierzu imstande. Es möge auch fein, daß manche Wittwe durch schlechte Wirtschaft es mitverschuldet hat, daß die Mittel für eine rechtzeitige Fürsorge fehlten. Aber durch den Tod des Ernährers sei sie für allen Leichtsinn gestraft und man habe es mit einer hülflosen Frau mit hülfs- bedürftigen Kindern zu thun. Hier trete das reine Mitleid für die Hülflose in die Schranken, und man könne aus moralischen und sozialen Gründen die Notwendigkeit der Wittwen- und Waisenversorgung wohl verfechten. Die technische Durchführung sei zumal in einem Lande wie Deutschland, wo es schon Versicherungsorganisationen gebe, an die sich die neue Versicherung nur anzuglicdern brauche, verhältnismäßig sehr leicht.- Es bleibe nur ein Hindernis — Bedenken könne man nicht sagen — das seien die hohen Kosten. Es fei klar, daß ein Land wie Deutschland, das in 2 Jahrzebnten die Riesengebäude der Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Atters- Versicherung ausgeführt habe, zunächst einer ausgiebigen Ruhe bedürfe, ehe es an den Ausbau eines vierten Gebäudes, das das teuerste von allen werden würde, Herangehen könne. Allein das Ziel liege als erstrebenswert vor Augen und wenn die mirtschast- lichen Verhältnisse des Landes sich noch ferner günstig entwickeln sollten, so werde man langsam aber sicher sich diesem Ziele nähern können." Redner schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß viele der Anwesenden die Erreichung des Zieles zu ihrer besonderen Freude und Befriedigung noch erleben würden. Nachdem dann noch allgemeine Erörterungen stattgefunden hatten, sprach Chaisson-Paris dem Präsidenten Bödiker für dessen Bemühungen um das außerordentlich gute Gelingen des Kongresses den Dank aus, der sich auf die Stadt Düsseldorf nnd den Oberbürgermeister Dr. Wülfing erstreckte. Schließlich brachte Graf Skarzynski-Petersburg auf den Präsidenten Bödiker ein Hoch aus, und nach Dankeswotten des Gefeierten erklätte dieser den Kongreß für geschlossen. Am Abend fand noch ein Festmahl statt. Präsident Bödiker machte Mitteilung von einem Begrüßungs- und Dankesielegramm-Austausch zwischen dem Kongreß und dem am Erscheinen leider verhindett gewesenen französischen Minister d'Eßournelle de Constant. Redner fuhr dann fort: Die moralische und materielle Verbesserung des Looses der Besitzlosen war das in allen möglichen Tonarten variierte Thema unserer Verhandlungen, dies ihr idealer Hintergrund. Und je mehr der Zug der Zeit im Geschwindschritt der technischen und kommerziellen Entwickelung den Sinn auf das Materielle hinlenkt, um so eifriger haben mir unser Ideal gehütet, haben das Ziel der Verbannung von Not und Elend und der Verstopfung dieser reichlich gießenden Quelle der Immoralität im Auge gehabt. Daneben haben wir unter uns freundschaftliche Beziehungen geschlossen, die feder von uns mit in seine Heimat nimmt, von dem Gefühl durchdrungen, es sei die beste Rüstung, die ein Land sich anlcgen kann, wenn es die Lage der unteren Schichten der Bevölkerung verbessert. (Beifall.) Gehörten alle Menschen unserm Kongreß an, so wäre der ewige Friede gesichert. Denn keiner hoben werden. uns heute mitgeteilt, die Meldung, auf Einspruch der bei der Thüringisch-Anhaltischen Staatslotterie beteiligten Einnehmer werde an Stelle eines Planes nach dem System der an die Spitze der Hess.-Thür. Staatslotterie tretenden Lotteriedirektion zu Darmstadt ein 5-Klassenplan mit dem Gewinnverhältnis 2:1 treten, beruhe auf Irrtum. Das System des bisherigen hessischen 6-Klassenplanes und das darin angewendete Gewinnvcrhältnis von 2 Gewinnen auf 5 Lose hat, nachdem eine größere Anzahl von Thüringer Einnehmern mit | iben Hessischen Kollekteuren in Eisenach persönlich Fühlung! genommen hat, auch bei der weit überwiegenden Zahl der Thüringer Einnehmer Zustimmung gefunden, und viele der letzteren haben bei der Loszeichnung ihren Beifall zu der für sie neuen Planung dadurch bewiesen, daß von chnen mehr ,Lose gezeichnet worden sind, als sie unter der Herrschaft des das Publikum eher zum Kaufe eines Lotterieloses veranlaßt als eine etwas größere Aussicht auf Rückempfang des gezahlten Kaufpreises, beweist nicht nur die fortwährende Vermehrung der Loszahl der Hess. Landeslotterie, sondern neuer- dings wieder der flotte Absatz der Lose der Darmstädter Schloßfreiheitlotterie. Man kauft diese Lose offenbar deshalb so gern, weil man sich mit einem Einsatz von nur 3 Mk. für das Zehntel an einer sehr stattlichen Anzahl großer Gewinne, die überdies völlig abzugsfrei ausgezahlt werden, betet- beauftragen. Hauptsächlich habe ich diesen Uebelstand an dem Briefkasten Ludwigsplatz 10 beobachtet, doch wird es an ligen kann. ** Gastspiel des Operetten-Ensembles des anderen Stellen nicht besser sein. fc. Dünsbergsfesi. Kommenden Sonntag, den 29. ds. Mts., findet, wie in den Vorjahren, seit Errichtung des Dünsbergturmes, das Dünsbergsfest statt. Wiederum wird am Sonntag auf dem Berges-Plateau eine Musikkapelle für heitere Feststimmung sorgen. Selbst bei zweifelhaftem Wetter lasse sich niemand abhalten, den herrlichen Aufstieg! zu machen; denn man hat für alle Fälle Hallen aufgeschlagen, unter denen die Besucher des Festes gegen die Unbill des Wetters Schutz finden. Der Turm selbst ist einer gründlichen l Reinigung unterzogen worden. Wer einmal oben auf der Bergeshöhe geweilt, der mit dem Gleiberg und Vetzberg gemeinsam unserer Landschaft ihr reizvolles Gepräge geben, der wird dessen Spitze immer aufs neue aufsuchen. ** Von der Landeslotterie-Direktion wird Orchester wird von der hiesigen Regimentskapelle gestellt. Billets im Vorverkauf zu ermäßigten Preisen, sowie Textbücher, find in der Musikalienhandlung des Herrn Ernst Challier zu haben. Der Beginn der Vorstellung ist auf 8 Uhr festgesetzt. Das Emser Kurtheater verfügt über erste Kräfte, so z. B. Frl. Carla F ü r st, 1. Operettensängerin vom Karl Schultze-Theater in Hamburg, Frl. Else Rosen, Operettenalte vom Stadttheater in Erfurt, 1. Tenor Herr Bernard de Fries von Leipzig, die Komiker Walter und >Werblowski vom Stadttheater zu Bremen, der 1. Tenorbuffo Carl Lerchenfeld von Wien und vor allem die reizende, niedliche Soubrette Fräulein Else Berger als „etar“. — Die Direktion beabsichtigt event. im Juli noch 6 Vorstellungen zu geben und dazu ein Abonnement zu eröffnen. In Aussicht genommen sind u. A. die hervorragendsten Novitäten auf dem Gebiete der Operette wie „Puppe", „Landstreicher", „Kellermeister", „Klemen Lämmer". — Hoffentlich ist der Besuch am Montag recht großer, damit sich die Direktion vor weiteren Vorstellungen nicht zu schreiten. . Deputiertenkammer. Fmanzmtnrster Rou- vier führt aus, die finanzielle Lage müsse, obwohl sie nicht bedenklich sei, im Auge behalten werden. Man solle erst die äußere Lage Frankreichs sicherftellen. Erst müsse man ein starkes Heer haben. (Beifall rechts und in fier Mitte. Unterbrechungen auf der äußersten Linken). Zum Schluß erklärt Rouvier, man müsse die Ausgaben einschränken. Jaures führt aus, Frankreich müsse, wenn es stark sein wolle, ein Land des Fortschritts sein. Die Vermehrung der Ausgaben für militärische Zwecke sei eine Folge des Fanatismus und der Furch t. Sodann wird der Gesetzentwurf betreffend die Ergänzungskredite ange- scheuen hat. Bad-Nauheim, 26. Juni. Die zur Zett m Bad- heim anwesenden amerikanischen Kurgäste werden den 4. Juli (Jndependence Day) festlich begehen. Der Generalkonsul der Vereinigten Staaten zu Frankfurt, Richard Günther, wird die Festrede halten. Unter den Komiteemitgliedern befinden sich mehrere bekannte Persönlichkeiten, wie M. W. Harrimann aus New-York, der Direktor des Harrimann'schen Eisenbahn- ! systems ist; ferner R. I. Croß von der Bankfirma Morton Bliß il Co., New-York; A. C. Hutchinson aus New-Orleans, Präsident der Morgan-Dampfschifflinien; Herbert Myrick, Präsident ber Orange-Judd-Company, eine der ersten Verlagsfirmen in den Vereinigten Staaten. Zur Beteiligung an dieser 4. Juli-Feier werden viele Amerikaner aus anderen Plätzen Deutschlands erwartet. I. Orten berg, 26. Juni. Schon seit vier Jahren war die hiesige Wasserversorgungsfrage eine brennende geworden. Es ist nun in diesen Tagen definitiv ein großartiger Plan zur Reife gediehen. Ortenberg hat sich mit den Orten Lißberg, Eckartsborn, Wippenbach und Hof Konrads- dorf zu einer Wassergenossenschaft zum Bau einer Quell- I Wasserleitung zusammengeschlossen. Oberhalb Merkenfritz wurde eine reichhaltige und gute Quelle erworben, hoch genug, um das Wasser in die genannten Orte zu liefern. Die Leitung wurde schon für 170000 Mk. vergeben, während das große Sammelbassin für 12 000 Mk. errichtet wird. Schon am 1. August wird mit den Arbeiten begonnen. Balduinstein, 26. Juni. Königin Wilhelmina von Holland hat allem Anscheine nach auf der Schaumburg erfreuliche Fortschritte in ihrer Genesung gemacht und I sich dort vorzüglich eingelebt. Alltäglich macht sie in Begleitung ihrer Mutter und einer ihrer Hofdamen eine oder zwei Ausfahrten im Schatten des herrlichen Waldes und geht I auch wohl eine Strecke zu Fuß, wobei der Wagen langsam nachfährt. Wenn der Wagen zur bestimmten Stunde lang- ' sam vom Schlosse bergabwärts fährt oder wieder aufs Schloß zurückkehrt, steht jedesmal ein ansehnliches Publikum an dem „Waldecker Hof" Spalier und begrüßt die jugendliche Herrscherin. Kürzlich besuchte die Königin den Flecken Katzenelnbogen. Am Eingang des Ortes verließ sie mit der Königin-Mutter den Wagen und begab sich zu Fuß nach dem Schlosse. Der ganze Aufenthalt war so wenig auffallend, daß nur wenige Einwohner etwas von der Anwesenheit der hohen Frau bemerkten. Die Königin wird sich noch zu weiterem Kurgebrauch nach Langenschwalbach begeben. Aus Stadt und Land. Gießen, den 27. Juni 1902. ** Zur Briefbestellung. Aus unserem Leserkreise wird uns wohlmeinend geschrieben: Schon öfters ist es mir begegnet, daß zwischen den Drähten, die an den Briefkästen zum Schutze gegen diebische Eingriffe angebracht sind, Postkarten und" Briefe steckten, sodaß sie jedermann leicht herausnehmen und lesen konnte. Es ist deshalb allen Brief- schreibern dringend zu empfehlen, ihre Postsachen in Zukunft sorgfältiger in "den Briefkasten zu werfen und besonders nie- mals Kmder mit dem Einwerfen wichtigerer Sendungen zu von unS würde gegen den anderen die Waffen erheben. (Heiserkeit und Beifall.) Daß unser Kongreß einen so schönen Verlauf nahm, verdanken wir in erster Linie den Regierungen, | die ihn beschickten. Sämtliche Staatsoberhäupter, die den Kongreß durch Entsendung von Regierungsdelegierten ausge- I zeichnet haben, dürfen uns als eine freiwillige Schutztruppe, betrachten, der es Ehre und Pflicht ist, in Bescheidenheit und Liebe ihren wohlgemeinten Absichten zu dienen. Zum Zeugnis dessen, daß dem so ist, sowie zum Zeichen Ihrer respektvollen Liebe und Dankbarkeü bitte ich Sie, die Glaser zu erheben und mit mir einzustimmen in den Ruf: die Souveräne und Oberhäupter der auf unserem Kongreß versammelten Staaten leben hoch! (Die Versammlung stimmt mit Händeklatschen und Rufen ein.) Weiter sprachen noch Cheysson, Graff, Suchard und Beigeordneter Dr. Wülffing, aus deren Reden das Gefühl aufrichtiger Genugthuung und wärmsten Dankes über den außerordentlich harmonischen und schönen Verlauf des Kongresses herausklang. Thür. Gewinnplanes abgesetzt haben. Das hiernach für die große Gemeinschaftslotterie zur Anwendung kommende Hessische Lottcriechstem iinterscheidet sich bekanntlich von den übrigen Staatslotterien dadurch, daß, während dort mit Hilfe einer sehr großen Anzahl von Gewinnen, die nur die Einlage zurückerstatten, die Hälfte der Lose Gewinne erhält, in Hessen erheblich mehr mittlere und größere, überhaupt mehr wirkliche Gewinne ausgespielt werden. Daß die bessere Aussicht auf wirkliche Gewinne Vermischtes. • Berlin , 26. Juni. Der 23jährige Schächter Schiller gab heute vormittag im Verlaufe eines Streites auf seine Geliebte, die 25jährige Kellnerin Emma Kienast, in deren Wohnung einen Revolverschuß ab und tötete sich dann durch einen Schuß in den Kopf. Die Kellnerin ist nicht gefährlich verwundet. * Paris, 26. Juni. „Libre Parole" will erfahren haben, daß die Familie Humbert sich in drei Gruppen geteilt und sich auf verschiedenen Wegen nach Corfu begeben habe. Frau Humbert sei nach England gereist, Louis i d'Aurignac nach Wien, Frederie d'Aurignac und ^räulem Eva hätten sich nach Bari und von dort nach Corfu begeben, hier seien sie am 11. d. zusammengetroffen, wo sie sich noch aufhielten, weil sie sich dort sicher glaubten. * Aus Paris wird geschrieben: Eine Lebedame gab I in den jüngst vergangenen 4 Jahren bei einem berühmten Damenschneider 310000 Fr. aus. Nun prozessiert sie gegen den Schneider wegen einer Ueberforderung von 20000 Francs. Ihr Anwalt behauptet, man habe einmal für An» in ähen eines Knopfes hundert Franc auf die Rechnung gesetzt und ähnliche Kleinigkeiten mehr. '* Niort (Frankreich), 26. Juni. In der Nähe vor Melle entgleiste infolge Schienenbruchs ein Personen. Izug, etwa 30 Personen erlitten Verletzungen, Ausland. Loudon, 26. Juni. Unterhaus. In Beantwortung einer Anfrage erklärt Cranborne, die abgeänderten Bedingungen für die Zurückziehung derprovisori- schen Regierung aus Lientfin werde vor eine Deutsches Reich. Berlin, 26. Juni. Der Kaiser besichtigte heute! vormittag in Kiel die Neubauten auf der Kaiserwerft, besuchte Mittags den Geheimrat Krupp auf seiner Yacht und begab sich später auf das Regattaseld. Zur gestrigen Frühstückstafel an Bord der „Hohenzollern" war Staatssekretär v. Tirpitz geladen. Die Kaiserin nahm das Abendessen beim Prinzen Adalbert ein, und begab sich spater mit dem Prinzen an Bord der „Iduna", wo auch der Kaiser nach der Abendtafel eintraf. — Eine trauer feier für König Albert von Sachsen fand heute in der evangelisch-lutherischen Kirche in der Annenstraße statt. Eine Trauergemeinde von über 1000 Personen, darunter der sächsische Gesandte Graf Hohenthal, die übrigen Mitglieder, sowie die Damen der Gesandtschaft und zahlreiche sächsische Offiziere, nahm an fier Feier teil. Vollzählig war das Offizier korps des 2. Garde-Ulanen-Regiments, dessen Chef der Verewigte war, erschienen. t . _ — Der Reichskanzler empfing den Professor Dr. Schulte aus Breslau, der bisher mit der kommissarischen Leitung des historischen Instituts in Rom betraut war. — Der bisherige Minister der öftentlichen Arbeiten p. Thielen hat sich gestern von den verschiedenen Abteilungen des Ministeriums, sowie von der Verwaltung des Aeichseisenbahnamtes verabschiedet. Die Verdienste des bisherigen Chefs feierten der Unterstaatssekretär Fleck und Ministerialdirektor Schulz. Nach der Verabschiedung begrüßte fier neue Minister Budde die Beamten mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß er die gleiche Unterstützung, wie sein hochverdienter Vorgänger, finden werde. J- Dem'Generalintendanten Grafen Hochberg wurde fias Kreuz und der Stern der Komthure fies Hausordens von Hohenzollern verliehen. . . — Der Direktor der Reichsdruckerei, Geh. Regierungsrat Wendt, hat seine Entlassung eingereicht, und tritt mit dem 1. Oktober in den Ruhestand. Der Bundesrat überwies den Entwurf einer Bekanntmachung wegen w e ch s els eiti g er B en ach r i ch - tigung der Militär- und Polizeibehörden über das Auftreten übertragbarer Krankheiten und den Entwurf eines Gesetzes, betr. W eißp h o s p h o r- zünd war en an die zuständigen Ausschüsse. Dem Aus- schußantrage zu den Beschlüssen des Reichstages zu dem ' Gesetzentwurf, betr. den Servistarif und die Klasseneinteilung der Orte sowie die Abänderung des Gesetzes! über die Bewilligung von Wohnungsgeldzuschus- fen wurde die Zustimmung erteilt. — Der „Reichscmz." veröffentlicht das Gesetz betr. die Verpflichtung der Kauffahrteischiffe zur Mitnahme heimzuschaffender Seeleute, welches am 1. April 1903 in Kraft tritt. n .. „ ... , 3 — Der Mailänder „Osserrvatore Cattollco ist das erste V at i kau b l at t, das über die Aachener Kaiser r e d e das Schweigen bricht. Das Blatt lobt die Behandlung der deutschen Katholiken und die ganze Rich- tung der inneren Politik Deutschlands, die das Reich groß und mächtig mache im Gegensatz zu Frankreich, das unter der Herrschaft der Freimaurerloge immer mehr verliere. Es gab", fährt der „Osservatore" wörtlich fort, „allerdings einmal einen kleinen Kulturkampf im jungen Reich, der einige Zeit andauerte. Aber heute ist jener Kulturkampf nur mehr eine historische Erinnerung, und die Katholiken können sich über schlechte Behandlung wirklich nicht beklagen." Dresden, 26. Juni. König Georg erklärte sich zum Chef des Leib-Grenadier-Regiments Nr. 100, des Garde-Reiter-Regiments und des Feldartillerie-Regiments Nr. 12 und bestimmte: 1) das 7. Infanterie-Regiment Prinz Georg Nr. 106 hat fortan die Benennung 7. Königs- Jnsanterie-Regiment Nr. 106 zu führen unter Beibehalt des bisherigen Namenszuges; 2) das Schützen-Regiment Prinz Georg Nr. 108 behält diese Benennung unter gleichzeitiger Fortführung des bisherigen Namenszuges auf den Leibriemenschlössern bei; 3) der König verbleibt auch ferner Chef der unter 1) und 2) genannten Regimenter; 4) das 2. Königin Husaren-Regiment 9h:. 19 hat fortan die Benennung 2. Husaren-Regiment Königin Karola Nr. 19 zu führen; 5) das 5. Infanterie-Regiment Prinz Friedrich August Nr. 104 erhält die Benennung 5. Infanterie-Regiment Kronprinz 9lr. 104, während das erste Königs-Hu- saren-Regiment Nr. 18 fortan die Benennung 1. Husaren- Regiment König Albert Nr. 18 zu führen hat. — Wie das „Dr. I." meldet, ist die Armeetrauer für die sächsischen Truppen auf sechs Wochen, beginnend mit dem 20. d. M., festgesetzt worden. — Am Dienstag wurde im königlichen Schloß sofort nach dem Empfang des Grafen von Posa- dowsky der Präsident Graf Ballestrem vom König Georg in einer Privataudienz empfangen. Dieser drückte dem | Könige Namens des Reichstages das Beileid aus Veran-^ lassung des Ablebens des Königs Albert aus, und brachte dem König Georg ebenfalls Namens des Reichstages seinen Glückwunsch zum Regierungsantritt bar. In herzlicher Weise sprach der König seinen Dank dafür aus. Stuttgart, 26. Juni. Der Landtag nahm den Kommissionsantrag an, wonach das Ein komm en unter □00 Mark steuerfrei ist (bisher 350 Mk.) und von dem Einkommen über 100 000 Mark 6 Proz ent er- nommen. — Wenn man wissen will, wie man vor 2b Jahren über den jetzigen Präsidenten der Republik gedacht hat, schreibt der „Gaulois", muß man emen unparteiischen Chroniqueur lesen, der am Tage nach den Wahlen des Jahres 1876 die Biographieen der neu erwählten Abgeordneten veröffentlichte. Auf Seite 251 liest man: „Landet (Emile) 37 Jahre, Advokat, Doktor der Rechte, Con- seiller general, Maire von Montelimar, gehört keiner politischen Partei an; er ist „Loubettist". Seine kleinen Geschäfte treiben und feinen Ehrgeiz befriedigen ist sein Ziel. Emile ist mittelgroß, untersetzt, plump und ohne Vornehmheit... Er ist der beste Mensch von der Welt, gefällig, sanft, aber schlau wie em Normanne . . . j Wollte Maire von Montelimar sein, er ist es gewesen; Conseiller general, ist er gewesen; Abgeordneter, er ist es. . . Im Grunde sehr konservativ, er wird niemals mit den Radikalen stimmen." Wien, 26. Juni. Die halbamtliche „W. A." ist zu der! Erklärung ermächtigt, daß die Mitteilung über die Absicht, einige Handelsverträge und Konventionen mit dem 31. Dezember zu kündigen, nicht von Seiten der Regierung in die Öffentlichkeit gebracht wurde. (Immerhin scheint man aber da mit dieser Erklärung die Absicht zu- I geben zu wollen. D. Red. des „Gieß. Anz.") Washington, 27. Juni. Beide Häuser des Kongresses nahmen einen Gesetzentwurf an, wonach, wenn die richterlichen Beamten der Regierung entscheiden, daß es möglich sei, einen sicheren Titel für die Besitzrechte der Panama-Gesellschaft zu erlangen, der Präsident die Rechte der Gesellschaft für 40 Millionen Dollars käuflich erwerben soll. Sollte sich ein sicherer Titel nicht erreichen lassen, o solle er den Bau des Nicaragua-Kanals anordnen. Zu diesem Zwecke sollen 130 Millionen Dollars zweiprozentiger Goldbonds ausgegeben werben. Vollversammlung der fremben Vertreter gebracht werben, an ber auch ber amerikanische unb ber japanische Glaubte teilnehmen würden. Der britische Gesandte in Peking Gerichte, daß das russische Mitglied der proviso- rischeu Regierung, der Tientsin verlaßen habe, nicht erseht werden wird, und daß der russische Gesandte in Peking erklärt habe, er sei nicht ermächtigt, sich daran zu beteiligen, daß der chinesischen Regierung Bedingungen auferlegt werden, die er nicht billigen könne. Der englische Gesandte sei in Kenntnis gesetzt worden, daß er sich bemühen solle, eine Abänderung einiger ber vorgeschlagenen Bedingungen durchzusetzen. Paris, 26. Juni. Senat. Die Beratung des Antrages, betreffend Einführung der zweijährigen Dienstzeit wirb fortgesetzt. General 9)tercrer wendet sich gegen die Einstellung von Soldaten aus den Hilfstruppen. Die gegenwärtige Ausdehnung der Weltpolitik fordere, zuerst die militärischen Angelegenheiten in Erwägung zu ziehen, darnach erst die sozialen. Das franzo- | fische Heer würde in der Lage sein, dem deutschentzeere die Spitze zu bieten, aber nur unter der Bedingung, daß die Cadres noch mehr ver- ir... , r stärkt werden. Redner glaubt, daß schließlich durch bie Kurtheaters zu Bad Ems. Am Montag, 30. Ium, Einführung ber zweijährigen Dienstzeit bie Heeresstärke um Im Stadttheater ein Probcgastspiel des genannten En- 35 000 Mann vermindert und die Kosten noch vermehrt I r^mbles stattfinden. Zur Aufführung gelangt Zellers reizende, werden würden. Frehcinet meint: -ter Militärdienst ^Agdienreiche Operette „Der Vogelhändler". Das sei die heiligste der Pflichten unb müsse von allen m ab-1 nieiooiencemjt . «... „ soluter Gleichheit geleistet werden. Wenn alle Franzosen zwei Jahre dienen werben, .werbe bie Ausbilfiung besser Kein. Die Mehrausgaben werben 25 Millionen nicht über- darunter 10 schwere. Mehrere Eisenbahnwagen find völlig zertrümmert. * Madrid, 26. Juni. Heute fand im Militär- Zeltlager Carabanchel bei Madrid eine schreckliche Pulver-Explosion statt. Zahlreiche Opfer befinden sich unter den Trümmern des Lagers. Dasselbe war eine Zeit lang in dichte Rauchwolken gehüllt. Die Detonation war furchtbar und wurde in ganz Madrid gehört. In den unteren Teilen der Stadt wurden über 100 Fensterscheiben zertrümmert. 17 Menschen sollen verletzt und ins Krankenhaus gebracht sein. Die Verletzten find Soldaten, bis auf einen Feldarbeiter, welcher in einer Entfernung von 400 Mir. verwundet wurde. Nach den letzten Meldungen wurde die Katastrophe durch explodierende Granaten verursacht. Der König begab fich an die Stelle, wo die Explosion stattfand. "Algier, 27. Juni. Als sich 3 Soldaten in die Gegend Le Figuier zum Fischfang begaben, wurden sie von 2 Eingeborenen in ein Gespräch gezogen. Im Verlaufe desselben tötete plötzlich einer der Eingeborenen einen Soldaten durch einen Schuß, während der zweite Eingeborene den andern Soldaten erstach. Der dritte Soldat entfloh zuerst, kehrte dann aber zurück und stellte den Tod seiner Kameraden fest. Es herrscht große Aufregung. " Algier, 26. Juni. In Mustapha wurde ein Dynamitattentat gegen das Haus eines Eingeborenen verübt. Der Besitzer des Hauses wurde getötet, seine Frau und sein Kind sind schwer verletzt. Der Attentäter gab bei seiner Verhaftung als Grund der That Rache an. * Ein frecher Attentatsversuch wurde in der Nacht zum Montag auf den um 1 Uhr 17 Min. von Hof (Bayern) in Plauen ankommenden O-Zug, welcher mehrere für Fürstlichkeiten reservierte Salonwagen mit sich führte, verübt, indem ein unbekannter Thäter vor der Station Schönberg den Zug mit Steinen bewarf. Ein Fenster wurde zertrümmert, und ein Stein fiel in das Coupee des Herzogs Urach von Württemberg. Im Zug befanden sich u. a. noch folgende Fürstlichkeiten: Prinz Ludwig vonBayern, der Fürst von Hohenzollern, Carl Theodor von Bayern mit Gemahlin und Herzog Thomas von Genua. * Ein Prinz unter Gaunern. Im Londoner Polizeigericht von Southwark wurde den anwesenden Reportern einzeln bedeutet, es käme ein Fall zur Verhandlung, der einen der königlichen Gäste betreffe und die auswärtigen Beziehungen Englands berühre, die Reporter möchten darum über den Fall nichts berichten. Nachdem der Reporter des „Star" sich geweigert hatte, ein solches Versprechen zu geben, schloß der Polizeirichter, als der betr. Fall zur Verhandlung kam, die Oeffentlichkeit aus. Da der Ausschluß der Oeffentlich- keit in englischen Polizeigerichten ganz ungewöhnlich ist, erregt der Vorfall Verwunderung. Dem „Star" zufolge liegt folgender Vorgang zu Grunde: Ein als königlicher Gast zur Krönung anwesender junger Prinz aus einem europäischen regierenden Hause verließ Dienstag Abend die ihm zur Verfügung gestellte Wohnung und dinirte in einem vornehmen Hotel. Nach dem Diner begab er sich in Gesellschaft mehrerer Fremder in eine Schänke in Southwark. Hier zeigte sich, daß er einer Zigeunerbande in die Hände gefallen war, die an ihm Erpressungen ausüben wollte. * Ein Doppelmord wird aus Edinburg berichtet. In dem dortigen wundärztlichen Institut erschien gestern der Thürhüter der Anstalt M'Clinton mit einem geladenen Gewehr. Er trat ins Laboratorium und erschoß den bejahrten Professor der Chemie M'Adam und feuerte sodann auf dessen Gehilfen Forbes, der so schwer verwundet wurde, daß er nach Aufnahme int Krankenhause st arb. Der Thäter wurde entwaffnet, ehe er einen dritten Schuß abfeuern konnte. Der Grund ist angeblich Rache, weil M'Clinton sich von dem Vrofessor gekränkt fühlte. "Die Rache der durchgefallenen Abiturienten. Die Reifeprüfungen am Gymnasium zu Karlstadt in Kroatien hatten ein sehr ungünstiges Ergebnis, indem von 35 Kandidaten nicht weniger als 21 das Examen nicht bestanden. Aus Aerger über den Mißerfolg veranstalteten die durchgefallenen Primaner in corpore eine Demonstration und begingen allerlei Exzesse. Sie warfen nachts die Fenster des Gymnasiums ein und beschmutzten das Gebäude mit Tinte. Im Amtszimmer des Direktors fand man am anderen Morgen zahlreiche Steine. Den rachsüchtigen jungen Leuten dürfte aber der Unfug böse bekommen; fünf von ihnen sind in Has genommen worden und mit einer Wiederholung des Examens wird es nun wohl nichts werden. Kunst und Wissenschaft. § Der erste geheilte Fall von Zungenkrebs, tzn der letzten wissenschaftlichen Sitzung der Gesellschaft der Aerzte in Wien demonstrierte Dozent Primarius Dr. Conrad Büdiuger einen im Rudolph-Spital erfolgreich operierten Fall von Zungenkrebs, wobei selbst die Zungenbasis entfernt wurde. Die Ergänzung des fehlenden Glottis- schlusses beim Schiluckakt stellte sich durch eine Annäherung des Zungenrestes an den Kehlkopf ein. Der demonstrierte Kranke repräsentiert in der medizinischen Litteratur den ersten geheilten Falk, denn bisher sind hier nur 13 Fälle von Exstirpation des Zungengrundes beschrieben, die aber sämtlich ein tötliches Ende nahmen . Leipzig, 28. Juni. Gegen die Erwerbung des K l i n g e r s ch e n „B e e t h o v e n" für das städtische Museum in Leipzig ist ein Komitee in Bildung begriffen. Dieses will gegen die Höhe des städtischen Zuschusses aus Stiftsmitteln durch Stadtverordnete Protest einlegen. Die Zeichn nun gen für den Kaufpreis haben bis jetzt kaum 100 000 ML. ergeben. Azrche und Schule. Schwiebus, 26. Juni. Die hier tagende 56. Hauptversammlung des brandenburgischen Hauptvereins der „Gustav-Adolf-Stiftung" hat nachfolgendes Huldigungstelegramm an denKaiser gesandt: „Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät wagt die Jahresversammlung des brandenburgischen Hauptvereins der „Gustav-Adolf-Stiftung", als dem Allerhöchsten Protektor und erhabensten Mitgliede unseres Vereins in ehrfurchtsvoller Huldigung ihren erneuten Gruß darzubringen. Unmittelbar an den Grenzen der Ostmarkprovinzen Westpreußen und Posen tagend, deren evangelische Glaubensgenossen für unseren brandenburgischen Hauptverein Gegenstand besonderer Fürsorge sind, werden wir gerade in Betreff unseres Vereinswerkes an die jüngst von Eurer Majestät bei dep Einweihung der neuerstandenen Marienburg dieses Wahrzeichens für deutsche Arbeit gesprochenen Worte gemahnt. Ten evangelischen Brüdern dienend, wollen auch wir dem Aufrufe Eurer Majestät entsprechend die nationalen Güter des deutschen Volkes an diesen Ostmarken wahren helfen. Zugleich aber wissen wir uns dabei mit Eurer Majestät in dem Bestreben eins, den konfessionellen Frieden fördern zu Helsen, sowie in dem Ge^ lübde, das Allerhöchstdieselben an einer, durch, große geschichtliche Erinnerungen geweihten Stätte, zugleich mit dem Bekenntnis zu Dem abgelegt haben ,in dessen Namen allein Heil und außerdem kein anderer Name den Menschen ge«* geben ist, darinnen wir sollen selig werden." Gerichts saal. Berlin, 26. Juni. (Sanden-Prozeß.) Die Bausachverständigen Malachowski und Zoche äußern sich über den Wert eines mit 400 000 Mk. beliehenen Grundstückes in der Brüderstraße. Ersterer schätzt es auf über 2 Millionen, letzterer auf 733 000 Mk. Geheimrat Hecht hält selbst bei der Zugrundelegung Malachowskis die Taxe der Beleihung von 60 Prozent für ausgeschlossen. Die Verteidigung beantragt. Den Ratszimmermeister Arens mit der Ermittelung des Wertes des Grundstückes im Beleihungsjahre 1897 zu beauftragen. Der Gerichtshof lehnt den Antrag ab. Nachdem Zeuge Jänichke, Prokurist der Firma Anhalt u. Wagener bargelegt, wie die Firma aus ihren Verpflichtungen durch Anträge mit Banken herausgekommen ist, wird die Verhandlung auf morgen vertagt. Leipzig, 26. Juni. Das Reichsgericht verwarf auch die Revision des Zugführers Paters-Berlin, welcher am 22. März vom Landgericht Paderborn wegen Verursachung des Eisenbahnunglücks zu Altenbeken,, fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt wurde. Ein Polizeibeamter mit langen Fing ern. Der Polizeiwachtmeister R i ch t e r in Eisenach wurde am 24. d. M. vom dortigen Schöfsengericht gemäß dem Anträge des Vertreters der Staatsanwaltschaft zu einer Woche Gefängnis verurteilt, weil er für überführt erachtet wurde, im März d. I. in einem dortigen Delikateßwarengeschäft eine Cervelatwurst gestohlen zu haben. Tas Vorleben Richters erwies sich in der gericyt- lichen Verhandlung als nicht ganz sauber, it cl ist seine Bestechlichkeit von dem Schöffengericht Apolda als erwiesen angesehen worden. Sport. Antomobil-Wettrenucu Paris-Wien. Die Abfahrt der Teilnehmer erfolgte am 26. d. Alls, früh von Chambigny. Unter den Startenden befinden sich Fornieur, Girardot und RenSdeKnyff. Tie einzelnen Wagen wurden in Zwischenräumen von 2 Minuten abgelassen. Gleich am Anfang stürzte ein Wagen. Fahrer und Chauffeur wurden verletzt. Gerüchtswelse verlautet, Girardot habe zwei Personen überfahren. Eine soll schwer verletzt sein. In Belfort kam Rens de Knyff als Erster an. Fournier erlitt in Landoeuvre einen Maschinendefekt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 5. Sonntag nach Trinitatis, den 29. Juni. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- gemeinde. Vormittags 9l/a Uhr: Professor D Drew Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Machäusgemeinde. Pfarrer Schlosser. Die auf den Abend angesagte Versammlung der k o n f i r - mierterr männlichen Jugend der Matthäusge- m e i n d e muß auf nächsten künftigen Sonntag, den 6. Juli verschoben werden. Dagegen findet die Versammlung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde Montag, den 30. Juni, statt. In der Johauneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde. Vormittags 9>/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Am Sonntag, abends 8 Uhr, Versammlung und Bibel- besprechung im Konfirmandensaal der Johauneskirche. Katholische Gemeinde. Samstag den 28. Juni. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 29. Juni. 6. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Blesse, vor und in derselben Austeilung der hell. Kommunion. „ , 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. „ „ 91/2 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2'/, Uhr: Andacht. Gottesdienst in der Synagoge Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 28. Juni 1902. Vorabend: 7" Uhr. Morgens: 8^° Uhr. Nachmittags: 4 Uhr: Sch rifterklärung. Sabathausgang: 9" Uhr. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Wetzlar, 27. Juni. Generalmajor Nirrnheim, Kommandeur der 21. Feld-Artillerie-Brigade in Frankfurt a. M., ist heute früh hier gestorben. London, 27. Juni. „Daily Maik" meldet, daß in Gibraltar ein Aufstand ausgebrochen ist. Die Verpflegung der Truppen ist hierdurch bedeutend erschwert. Man befürchtet den weiteren Ausbruch von Unruhen. Paris, 27. Juni. Gestern abend ging das Gerücht, Baron Heinrich Rothschild sei das Opfer eines Automobil-Unfalles geworden. Die Familie erhielt jedoch ein Telegramm des Inhalts: Ich bin wohlbehalten in Belfort angekommen. Andererseits wird mttgeteilt, daß der Wagen Rothschilds tatsächlich bei Langres einen Unfall hatte. Er fuhr mit furchtbarer Gewalt gegen eine geschlossene Msenbahnschranke, wobei der Mechaniker getötet und der Heizer schwer verletzt wurde. Auch )er Mechaniker des Wagens 146 ist auf eine ähnliche Weise ums Leben gekommen. Madrid, 27. Juni. Das große Pulvermagazin bei Carobouchel, das gestern explodierte, ist dem Erdboden gleich gemacht. Ein großes benachbartes Pulvermagazin, eine Kirche und viele Häuser sind stark beschädigt. 2 Personen find tot, 25 verwundet. Genua, 27. Juni. An Bord des Dampfers „Duea Gallieva" ist die Bub onenpest ausgebrochen. Der Dampfer wurde mll allen Passagieren nach Asinara in Quarantäne gebracht. Cettinje, 27. Juni. Die Vermählung des Prinzen Mirko mit Fräulein Constantinowitsch findet am 12. Juli statt. Die Königin von Italien wird der Ver-, mählungsfeier nicht beiwohnen, da sie sich wegen ihres! Zustandes Schonung auf er leg en muß. Tarn 0 p 0 l, 27. Juni. Die Exzesse der landwirtschaft> lichen Arbeiter gewinnen an Ausdehnung. In den Ortschaften Janowka und Zagrobela fanden ernste Ausschrevi hingen statt. Tokio, 27. Juni. In Tchelkado auf Korea ist eint Meuterei ausgebrochen. Drei japanische Einwohner wurden anläßlich eines Streites bei Eintreibung der Steuer getötet. In einer anderen Ortschaft wurden aus dem gleichen Anlaß sechs japanische Fischer ermordet. Man erwartet infolgedessen das Eingreifen der Regierung. Die Krankheit des Königs Eduard. London, 27. Juni. Der König befand sich verhältnismäßig wohl uud hat neuen Muth gefaßt. Er hat bisher nur die Königin, den Prinzen von Wales und seine 3 Töchter gesehen. Er ist bemüht, seine Leiden mit Standhaftigkeit zu tragen und seine Familie durch hoffnungsvolle Stimmung zu ermuthigen. Es steht fest, daß er schon geraume Zeit vor der Krönung erhebliche Schmerzen ausgestanden hat. Der dem Absceß entnommene faulige Eiter wog P/g Pfund. — Der Bankfeiertag wurde gestern, obwohl die meisten Geschäfte geöffnet blieben, von großen Menschenmengen mit ziemlich ungestörter Lebhaftigkell in und um London festlich begangen. Die verhältnißig günstigen Bulletins trugen zu der gehobenen Stimmung der Bevölkerung bei. Der Umstand, daß der Prinz und die Prinzessin von Wales einem im Marlborugh-House angesetzten Festschmause für 1300 arme Londoner Schulkinder in festlicher Stimmung beiwohnten, wurde als günstiges Symptom ausgelegt. Der Prinz von Wales fuhr nachm. zum König und auch Prinz Heinrich von Preußen sprach im Palast vor, um denMtt- gliedern der kgl. Familie seine und des Kaisers Freude über den bisherigen guten Verlauf der Krankheit auszudrücken. Wie gerüchtweise verlautet, soll Kaiser Wilhelm den Wunsch ausgesprochen haben, nach London zu kommen, um seinen Onkel zu sehen. Man habe chn jedoch gebeten, vorläufig davon abzusehen. London, 27. Juni. Die heutigen Morgenblätter verzeichnen übereinstimmend die Ansicht der Aerzte, daß die Krisis erst am Sonntag eine entscheidende Wendung nehmen werde. — Die Blätter versichern, daß die Behörden Vorkehrungen treffen, eine Truppenschau über die Kolonialtruppen zu organisieren. Andererseits wird berichtet, daß bei der Rückkehr Kitcheners große Feste stattsinden werden, und daß sich sämtliche Truppen, die an der Krönungsfeier teilnehmen sollten, gelegentlich der Ankunft Kitcheners an dem Umzuge beteiligen werden. Dieser Umzug soll dann als Ersatz für den ausgefallenen Umzug bei der Krönungsfeier gelten. — Während des Gottesdienstes, den der Bischof von Rochester für die Genesung des Königs abhielt, erklärte dieser in seiner Rede, die Regierung verdiene V 0 r w ü r f e wegen ihrer Haltung gelegentlich der Erkrankung des Königs. Eine Regierung' habe nicht das Recht, das Volk in einer sb wichtigen Frage zu täuschen, sondern sie müsse die nackte Wahrheit sagen. * Kiel, 27. Juni. Zwischen dem Kaiser und dem Lon» doner Hof besteht ein reger telegraphischer Verkehr. Die eingegangenen Nachrichten lauten, die Situation sei unverändert, die Lage nach wie vor ernst. Auch Persönlichketten aus England erhielten gleiche Nachrichten. Einige der gut informierten Personen, die aus sportlichen Interessen in Kiel sind, hatten das Unterleibsleiden des Königs für unhellbar. Telephonischer Kursbericht« Frankfurt a. JÄ., 25. Juni 1902. 37ao/o Reicheanlelhe . . 101.55 30/0 do. ... 99.65 37,0/0 Konsole .... 101.80 30/0 do......99.25 3 ‘/a°/n Hessen .... 102.85 31 /i% Oberhessen . . . 101.75 4-6 Oesterr. Goldretne . . 101.70 4l/a% Oesterr. Silberrente 102.60 45L Ungar. Goldrente . . —.— 4°/j Italien. Rente . . . —.— 4*/a% Portugiesen . . . 46.25 »o/ü Portugiesen. .... 29.70 1% C. Türken .... 26.30 Türkenlose ...... 111.20 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.30 4'1,% äussere Argentiner 8% Mexikaner .... 25.60 4,/b7o Chinesen .... 90.65 Electric. ßchuckert . . . 103.50 Nordd. Lloyd . . . . 107.80 Kreditaktien , . . . 211.40 Diskonto-Kommandit. . . 184.25 Darmstädter Bank . » . 136.90 Dresdener Bank .... 144.10 Berliner Handelsges. . . 155.60 Oesterr. Staatsbahn . . . 150.70 Lombarden . . . . . 18.10 Gotthardbahn ..... 170.20 Laurahütte...... 204.00 Bochum.......195.00 Harpener......175.30 Tendenz: schwach. Sicherem Vernehmen nach wird die rühmlichst bekannte, 50 Musiker starke Kapelle der Badischen Leibgrenadiere aus Karlsruhe unter Leitung des weit über die Grenzen unseres deutschen Vaterlandes bekannten und hochverehrten Königl. Musikdirektors Adolf Boettge Sonntag, den 6. Juli in Steins Garten, Nachmittag mrd Abend rwei hochinteressante Konzerte veranstalten. Das Programm bringt Nationalmusik aus aller Herren Länder mit Benützung der erforderlichen, eigens hierfür konstruierten Instrumente. Nach jedem Abschnitt wird die betreffende Nationalhymne gespielt. Kinderwagen, Sportwagen wegen vorgerückter Saison billigst 4724 tSLngust Kilbiüffer. Gestern abend verschied plötzlich unser lieber Gatte, Vater, Bruder, Schwiegervater und Grossvater Herr Beniner August Kröl im 67. Lebensjahre, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten schmerzerfüllt mitteilen. Die trauernden Hinterbliebenen 4728 Die Beerdigung findet Samstag den 28. d. Mts., vormittags 11 Uhr, vom Sterbehause, Goethestrasse 31, aus statt. Ein Hausbursche alsbald gesucht. 4706 Neue Kliniken. meister, Tiefenweg 9. 3943 kauft stets 4686 Mraoes,fleißiges Dienstmädchen ■V zur Aushilfe gesucht. Frau Dr. Alker. 02752 Zltllt'n-Gesnche MWKWK vkrsljsiedtNts" iE Blechbüchsen von Kindermehl (Restles rc.) Technikum Jlmenau Höhere o mittlere Fachecbu e für Elektro- u. Maecbinen-Ingenieure; Elektro- U Maschinen-Technik er u. .Werkinelster DI ektor Jentien Otto Schaaf, Seltersw. 39. Desgleichen je nach Bedarf Flaschen v. 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