Dienstag 27. Mai 1002 Erstes Blatt. 152. Jahrgang GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Nr. 121 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Letstscheu Landwirt die Gießener Familien blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unwers.-Buch- u.Steir»> druckerei (Pietsch Erbenl Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprkchanschlußNr.bl. vezugsprei», monatuch7üPs., viertel» jährlich Mk. 2LV; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Dik. 2.— viertel» jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagcsnummer bis vormittag- 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal ILPs^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wntko: für , Stabt und Land" und .Gericht»! aal": R. D i t t« mann; für den An» zeigenteil: Hans Beck. Ariedrich der Kroße in Washington. Der deutsche ÄXiifer hat vor eitriger Zeit der Stadt Rom eäi Standbild Goethes geschenkt und vor einigen Dagen der amerikanischen Nation ein Denkmal Friedrichs des Großen. Beide kaiserlichen Handlungen tragen äußerlich dieselben Züae, aber ihrer inneren Bedeutung nach, sind sie wesentlich verschieden von einander. In beiden Fällen handelt es sich um wirkliche Denkmäler, nicht um bloße Werke bildhauerischer Kunst, bei denen das Werk des ausübenden Künstlers das Entscheidende ist. Diese beiden Werke der Bildhauerkunst sollen mehr sein. Diese kaiserlichen Geschenke be^ kommen ihren Charakter nicht durch die Hand des Künstlers, sondern durch die Persönlichkeiten, welche der Bildhauer oarzustellen hat, durch den Sinn, den der Geschenkgeber in die Gabe gelegt hat, und durch den Ort, wo sie zur Aufstellung gelangen. Es ist etwas anderes, ob man eine Statue für ein Museum oder für einen öffentlichen Platz stiftet; es ist etwas anderes, ob die Statue in einem beschgu- lichen Ort oder tnitten in der volkreichen Hauptstadt eines mächtigen Landes errichtet wird; und unter allen .Hauptstädten der Welt sind cs wiederum Rom und Washington, welche den Besucher beziehungsreich anmuten, Rom als Siü einer durch Jahrtausende sich hinziehenden weltlichen und geistlichen Vorherrschaft. Washington als der politische Mittelpunkt der jüngsten und mooernften Weltmacht. „Ja! Es ist alles beseelt in deinen heiligen Mauern, ewige Roma" — so sang der Dichter der römischen Elegien und des Torquato Tassv. Wenige haben den unendlichen Reiz der ewigen Roma stärker empfunden als Goethe. Deutschland hat keinen Mann hervorgebrachit, von dem man mit solcher Sicherheit wie von Gethe sagen kann, daß sein Ruhm dauern wird wie der Name Rom. Die Werke dieses umfassenden Geistes sind Schjätze $>cr Weltlitteratur, seine geistigen Thaten sind der gesamten Menschheit zu gute gekommen. Ein Denkmal Goethes in Rom kann deshalb auch den empfindlichsten italienischen Nationalisten nicht befremden. Mit dem Denkmal Friedrichs des Großen in Washington liegt die Sache, so führt Tr. Th. Barth in seiner Wochenschrift „Die Station" aus, nicht unwesentlich anders. Dies Denkmal wird das erste sein, das auf dem Boden der amerikanischen Republik einem Monarchen errichtet wird, einem Monarchen, der bei aller philosophischen Vorurteilslosigkeit doch ein spezifisch deutscher, ja man kann sagen preußischer Nationalheld ist, der Schöpfer der Großmacht Preußen, ein Staatsmann und ein Feldherr, der die reichen Gaben seines Geistes und die stärke seines Charakters nicht in den Dienst der Menschheit, sondern ausschließlich in den Dienst seines Landes, des Landes Preußen, gestellt hat. Die welt- bürgerlichen Ideen, denen der fürstliche Jüngling in Rheinsberg nachhing, gingen nicht so tief, daß sie die Politik des Königs Friedrich IL irgendwie beeinflußt hätten. D)er Anteil, den der große Friedrich an den Schicksalen anderer Völker nahm, war, soweit diese Schicksale nicht die Kreise der eigenen preußischen Politik berührten, nicht allzu groß, und auch den Unabhängigkeitskampf der amerikanischen Kolonien (g»egen England betrachtete er nicht mit enthusiastischem "Wohlwollen, sondern nur mit Gelassenheit eines in harter, nationaler Arbeit hart gewordenen Herrschers. Wenn einem solchen Monarchen in der Hauptstadt einer großen Republik auf öffentlichem Platze ein Denkmal errichtet wird, so setzt die Aufstellung eines solchen Ätonu- ments beim Stifter wie beim Empfänger eine ungewöhnliche nationale Vorurteilslosigkeit voraus, ein volles Verstände nis auch für die Größe der Helden einer fremden Nation. My country is the world, my countrymen are all mankind (Meine Heimat ist die Welt, meine Landsleute sind die Menschenkinder) — nach diesem Grundsätze handelte der Sklavenemanzipator Harrison; aber dieser Grundsatz ist in unserer vom Nationalitätenhader erfüllten Zeit gar sehr aus der Hebung gekommen. Ja, vielfach gilt es als ein besonderes Zeichen nationaler Gesinnung, die Leistungen fremder Völker und die Thaten fremder Helden gering zu achten. Die Statue Friedrichs des Großen, die sich in der Stadt Washingtott erheben wird, ist eine Aufforderung an das amerikanische Volk, in einem Angehörigen eines fremden Volkes, in dem Träger einer Königskrone, in einem Helden mit stark ausgeprägtem preußischen Egoismus doch die Größe des Menschen, die hervorragenden Gaben des Geistes und die unbeugsame Stärke des Charakters zu bewundern und als einen dauernden Besitz der ganzen Menschheit anzuerkennen. Soll dem Denkmal eine Inschrift gegeben werden, so würde man schwerlich eine bessere finden fönnen als das Hör arische Wort: Aequam momento rebus in arduis Sorvare meutern. (Bedenk es, wie du standhaft tm Ungemach Den Gleichmut wahrest.) Der große Friedrich wird für alle Zeiten und für alle Völker ein Vorbild dafür bleiben, was selbst unter den verzweifeltsten Umständen ein unbeugsamer Wille und das strengste Pflichtgefühl vermögen. Das politische Lebenswerk Friedrichs des Großen gehört zu den höchsten Leistungen des menschlichen Geistes, dem auch der Fremde zu huldigen vermag, sobald er die engen Bande nationalistischer Vorurteile abgestreift hat. Aus demselben Geist heraus würden auch sreigesimrte Deutsche die Errichtung einer Statue von George Washington oder Abraham Lincoln in Berlin würdigen. Auch in diesen beiden Männern, so sehr dieselben spezifische amerikanische Nationalhelden sind, steckt soviel rein menschliche Größe, daß man ihnen außerhalb der Grenzen des eigenen Landes ebenfalls den Zoll der Verehrung und Bewunderung, wie er in der Aufstellung eines öffentlichen Denkmals liegt, entrichten kann, ohne dem eigenen Nationalgefühl etwas zu vergeben. Wie viel man einem Volke in dieser Beziehung zu- muten darf, das läßt sich nicht in bestimmte Regeln! bannen. Selbst der schlimmste Englandhasser würde schwerlich gegen die Errichtung eines Shakespeare-Denkmals in Berlin etwas einzuwenden haben; aber eine Statue Wel- lington's, obgleich derselbe mit Blücher bei Waterloo gefochten hat, würde bereits einem gewissen nationalen Mißbehagen begegnen. Auch einem öffentlichen Denkmal Lord Ehatl)ams, obgleich derselbe zu dem glücklichen Ausgang des siebenjährigen Krieges für Preußen nicht wenig beigetragen hat, würde die deutsche Bevölkerung noch fremd, wenn nicht gar feindlich gegenüberstehen. "Niemand würde Anstoß daran nehmen, wenn auf dem Gendarmenmarkt in Berlin Moliore ein Denkmal erhielte; aber die Statue eines französischen Feldherrn oder Staatsmanns ist auf deutschem Boden heute nicht denkbar. Die Anerkennung fremdländerischer Verdienste ist eben an gewisse Grenzen geknüpft, die vom Volksempfinden gezogen tverüen. Die Denkmalstiftungen des deutschen Kaisers in fremden Ländern sind wohl geeignet, solche Grenzen zu erweitern; sie sind sichtbare Proteste gegen nationale Engherzigkeit, Monumente einer weltbürgerlichen Gesinnung, die inan selbstverständlich nicht bloß anderen Völkern znmuteu darf, sondern in erster Linie auch selbst bethätigen muß. Das Denkmal Friedrichs des Großen in Washington hat neben allem anderen auch eine solche weltbürgerliche Mission zu erfüllen, und gerade darin scheint der Hauptwert dieses latferlichen Geschenks zu beruhen.__________________________ Komische Tagesschau. Zum Prozeß des Profeffors Schmoller. In dem Prozeß des Professors Schmoller gegen den Studenten Woth wegen Veröfsentlichnng einiger Aeuße- rungen aus seinen Vorlesungen ist, soviel wir sehen, auffallender Weise nirgends aus einen berühmten Präzedenzfall hingewiesen worden, der seinerzeit weithin das größte Aufsehen erregt hat. Er spielt ebenfalls zu Berlin, int Jahre 1844, und betrifft den Philosophen Schelling. Dieser war von Friedrich Wilhelm IV. 1841 aus München fortgerufen word-m, um in der preußischen Hauptstadt die glaubensfeindlichen Strömungen durch seine Lehre zu bekämpfen. Unter atemloser Spannung seiner von allen Seiten herbeigeeilten Zuhörerschaft gab er die sehnlich erwarteten Aufschlüsse, ließ sich aber zu einer Drucklegung seiner Vorträge nicht herbei, obwohl man ihn durch die Beschuldigung zu reizen suchte, seine Lehre habe das Licht zu scheuen. Bald begann man Auszüge aus seinen Vorlesungen in die Zeitungen zu bringen; ja sogar mehrere Schriften er-, schienen, die ganze Partien in wörtlicher Nachschrift Wiedergaben und zu polemischen Zwecken verwerteten, darunter eine von dem späteren Schopenhauerianer Frauenstädt. Schelling reagierte nicht, aus private Anfragen nannte er die letztere Publikation „das Produkt einer bettelhaften und schmutzigen Buchmacherei". Als aber sein alter Feind, der rationalistische Theologe Paulus in Heidelberg, ein Älol- legienheft.auf eigene Kosten hatte nachschreiben und wörtlich unter Zugabe der wüstesten Sck;mähungeil abdrucken Der Schaß von Wersten in Venedig. Mozaffer-Ed-Din, der Schah von Persien, weilt, wie imsere Leser wissen, z. Z. auf europäischem Boden, und zwar in Italien. Am ersten Pfingsttage traf er in Venedig ein und wurde dort auf der Bahnstation von den Spitzen der dortigen Behörden, darunter dem Sindaco (Bürgermeister), begrüßt. Eine nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge, unter der auch ich mich befand, hatte das prächtige norditalische Pfingstwetter sich zu nutze gemacht, um den exotischen Herrscher mit seinem Gefolge zu schauen. Die venezianische „Trambahn" — Dampfer, die Venedig in seiner ganzen Ausdehnung vom Bahnhof bis zu den Giardim pubhei (dem Stadtgarten) auf der „Hauptstraße", dem Canale grande, in kurzen Zwischenräumen durchfahren und eine Fahrgebühr von nur 10 centeaimi (= 8 Pfg.) erheben — war den ganzen Nachmittag über geradezu lebensgefährlich stark besetzt. Man stand auf den Bänken und Tischen des Dampfers und schaute sich die Augen aus nach dem morgenländischen Monarchen, von dem man nur wußte, daß er am Nachmittag in Venedig eintreffen und , nebst Gefolge vom Bahnhof bis zu dem am anderen Ende der Stadt an der Riva degli Schiavoni gelegenen Hotel Royal Danieli, das- in deni prächtigen Palazzo Donatelli unter- gebracht ist, gondeln würde. Endlich, gegen 6 Uhr, traf der Schah ein, und eine ganze Flottille prächtigster Gondeln bewegte sich alsbald auf dem Canale grande der Riva zu. In einer mit der italienischen Königskrone geschmückten Gondel erblickte man den Schah, einen alten, müde aussehenden Herrn, heften äußeres Hauptcharakteristikum ein martialischer grauer Schnurrbart ist, dessen Enden melancholisch herabhängen. Ans großen schwarzen Augen blickt der Schah apathisch vor sich und nur selten um sich, ernst und schwermütig. Ich sah ihn am anderen Tage zufällig noch einmal in unmittelbarer Nähe. Er hatte soeben den Dogenpalast besichtigt. Nun stützte er sich, sichtlich höchst ermattet von der langen Bsanderung durch die zahllosen ^ale des unvergleichlichen venezianischen Prunkgebäudes, auf den Arm seines rüstigen schwarzbärligen Großveziers. Er trug persische Genercüsuniform, einen langen schwarzen Mantel mit breiten roten Aufschlägen und einen auffallend großen gekrümmten Degen an der Seite. Man gewann von ihm den Eindruck eines freudelosen, lebensmüden Greises, der mit fast ratloser AenaitlickKeit vor dem Andrängen des Publikums am Arme seines klug und interessiert durch scharfe Brille um sich blickenden Premierministers Schutz suchte. Wie ich später aus dem Munde von Venezianern hörte, gewann sich der Schah schnell das Herz der Bevölkerung, die seine generöse Freigebigkeit sofort kennen lernte. Er hätte gern die persischen Dokumente über die venezianisch- versischen Handelsbeziehungen im Cinquecento gekauft, von Denen er sich mit seinen Würdenträgern kaum trennen konnte. Als er hörte, daß die Papiere unverkäuflich seien, befahl er, Nachbildungen von ihnen anfertigen zu lassen. In einem Geschäfte kaufte er für <000 Lire Aquarelle und Photographien; venezianische Glasarbeiten erstand er für 40 000 Lire. Bei seinen Ausflügen durch Venedig war seine ständige Führerin (Sontefja Foscari-Baro^zi, die er mit Aufmerksamkeiten überhäufte. Tas Leben des Schahs im Hotel zu Venedig hatte auch seine Eigentümlichkeiten. Einige besonders aufgeweckte Herren seines Gefolges hatten die Aufgabe, ihren Gebieter während des Diners bei gutem Humor zu erhalten. Sie standen vor der Tafel und, während Der Schah speiste, erzählten sie persische Schnurren, die Mozaffer-Ed-Din oft durch lautes Lachen unterbrach. Bei Tisch wurden europäische Speisen serviert, aber stark „verpersert"; indem alle Saucen mit unheimlichen Mengen von Pfeffer und Zwiebeln angemacht wurden. Der Schah aß stets allein, während die Würdenträger unter der Leitung des Großveziers speisten. Auch als die Behörden von Venedig zu Tisch geladen waren, wurde keine Ausnahme gemacht: der Großvezier empfing sie, führte sie in den Speisesaal und aß chnen etwas vor, worauf sie auch essen durften; der Schah ließ sich während der ganzen Zeit nicht blicken. Tie Art, wie sich der Schah in Schlaf „wiegen" läßt, ist noch viel mertroürbiger. Sobald Mozaffer fein Haupt auf die Kissen gelegt hat, erscheint ein Wiener und bearbeitet mit einem silbernen Hammer das Kopfkissen solange, bis der Schah eingeschlaien ist. Dieser mechanische Bromersatz soll, wie der Schah behauptet, ein ausgezeichnetes Einschläferungsmittel sein. Den Angestellten im Lwtel Danieli hat der Schah 800 Mark Trinkgeld gegeben. Sehr erfreut war man im Hotel, daß die persischen Gäste besonderes Vergnügen am Baden hatten. Die Perser hielten die zahlreichen Badezellen des Hotels fast fortwährend besetzt und badeten so „intensiv", als wenn sie sich Jahre lang nicht gewaschen hätten. Als ein Kuriosum wurde in Venedig der Pfeisenstopfer des Schahs angestaunt. Das ist ein Diener, der nur die „nargilehs" seines Herrn und der hohen Würdenträger zu reinigen und in Brand zu stecken hat. Der gute Mann hat den ganzen Tag vollauf zu thun. Von Venedig begab, sich der Schah nach Rom, von dort am letzten Sonntag nach Florenz und trifft am 29. d. M. in Berlin ein. —o. Kesstsche Bereinigung für Volkskunde. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") IL fc. Frankfurt a. M. 25. Mai. Prof. Tr. Tieterich führte in seinem Vortrage feinen Zuhörern das Wesen der Volkskunde in seinen Wurzeln und Uranfängen vor Augen. Unter Volkskunde versteht er die Kunde vom Volke im engeren Sinne im Gegensatz zu den durch Bildung irgend einer Art veränderter Kreisen. In den letzteren versteht man das Volk und das Leben des Voltes nicht mehr. Aber die Zeit ist vorüber, wo man von seinem aufgeklärten Standpunkte verächtlich auf das Leben und Treiben des Volkes, sein Sinnen und Trachten herabsah. Die vornehmste Ausgabe des Vereins soll es sein, ivieder die Liebe zum Volke ru wecken, die Kluft zwischen den Gebildeten und dem Volke zu überbrücken. Tem Arzt und dem Juristen würden Kenntnis des Volkes, seiner Denlungsart, Sprache usw. nur dienlich sein. Nicht nur überall, wo Kultur vorhanden ist, giebt es Volkskunde, sondern auch bei den Naturvölkern. Wie von vergleichender Sprachwissenschaft kann man auch von vergleichender Volkskunde sprechen, die sich natürlich auch mit den Naturvölkern zu beschäftigen hat. Dies Hatzen besonders diejenigen Engländer, die sich für Volkskunde interessieren und sich zur „Folklore society" zusammengeschlossen haben, begriffen. Redner geht dann näher auf die Geschichte der Volkskunde ein, erinnert an das Aufblühen unserer Poesie von dem Moment ab, wo man sich wieder mit dem Volksliede beschäftigte, an das Interesse, das Goethe der Volkskunde entgegengebracht hat u. a. Prof. Tieterich ist der Ansicht, daß sich die Volkskunde auf Volksdenken, Volksglauben, Volkssitte und vielleicht Volkskunst beschränken soll, wenn er auch ein Zusammenarbeiten mit Anthropologen, Ethnologen und Sprachwissenschaftern für notwendig hält. Wie wir aus unseren Zaubersprüchen und Zaubergebräuchen der Reihe nach die verschiedenen religiösen Vorstellungen, die unser Volk beherrscht, fest- gestellt haben, so können wir diese auch bei den Naturvölkern feststellen, und wenn wir dann finden, daß dieselben Zaubersprüche bei den verschiedensten Völkern wiederkehren, so haben wir darin das Material zu einem lofjen, rtß ihm die Geduld uud er klagte gegen den Heraus- gÄ^er auf Nachdruck. In einer „Appellation an das wahrheitsliebende Publikum" suchte Paulus sein Verfahren zu rechtfertigen, ja sogar sein Vorgehen gegen die in seinen Augen schädliche Philosophie als gemeinnützige That hinzustellen und deduzierte, sein Buch sei kein Nachdruck, sondern ein Vordruck und überdies durch die darin geknüpften historisch-kritischen Ausführungen sein geistiges Eigentum. Bis hierher liegt die Sache prinzipiell ebenso wie im Falle Schmoller, aber das Urteil fiel damals anders aus: das Gericht gab dem unbefugten Veröfsentlicher der Vorlesungen recht. Man sieht, Professor Schmoller hat es bei den preußischen Gerichten besser getroffen, als sein oe- rühmter Landsmann und Universitätskollege vor zwei Menschenaltern. Die Zweite Kammer der«Landstände hat an Stelle der bereits gestern von uns mitgeteilten; Einladung zur 103. Sitzung auf 'Dienstag den 3. Juni eine Einladung zur 103. Sitzung aus Freitag, den 30. Mai, vormittags 10 Uhr, soeben ergehen lassen. Inzwischen hat sich der Erste Ausschuß auch über den Staatsvertrag zwischen Hessen, Preußen und Baden über die Vereinfachung der Verwaltung der Mlain-Neckar- Bahn schlüssig gemacht. Angesichts der gegenwärtigen höchst komplizierten Berwaltungsoeehältnisse und der That- sache, daß bei der rund 95 Kilometer langen Main-Neecar- Bahn -aus 1 Kilometer Bahnlänge 1,33 Arbeitskraft sich er- giebt, während bei anderen Verwaltungen diese Ziffer in der Regel nur auf 0,50 bis höchstens 0,70 ansteigt, sowie angesichts der Thatsache, daß nach der Reichsstatistik für 1899 der sogenannte Betriebscoesfieient (Prozentsatz der Ausgaben zu den Einnahmen) z. B. bei den Preußisch-Hessischen Bahnen 57,95 Prozent betrug, bei der Main-Neckar- Bahn sich auf 77,18 Prozent bezifferte, sind die drei beteiligten Regierungen einstimmig der Ansicht, daß die der- malige Verwaltungsorganisation der Main-Neckar-Bahn, und insbesondere nach den im Eisenbahnwesen überhaupt eingetretenen Veränderungen, nicht mehr zeitgemäß sei und eine Neuordnung dringend geboten erscheine. Heber diese Neuordnung haben sich die Regierungen bekanntlich geeinigt. Demzufolge wird die fetzige selbständige Verwaltung der Main-Neckar-Bahn aufgehoben, die Verwaltung und der Betrieb zwar einheitlich gelassen, allein unter Aushebung der jetzigen Verwaltungsorganisation, in erster Linie der Tirek- tion in Darmstadt, vom 1. Oktober ab, der preußischen und hessischen Eisenbahndirektion in Mainz unter Oberaufsicht der Zentralstelle der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemein- schast übertragen, welche die Main-Neckar-Bahn mitver- waltet. Hierdurch wird eine Betriebsgemeinschaft zwischen Laden einerseits und der Preußisch^HLssischen Eisenbahngemeinschaft andererseits geschaffen. Tie Zustimmung der hessischen Regierung ist u. a. für nicht durch Tarismaß- nahmen allgemeiner 2lrt veranlaßte Aenderungen der Personen- und Gütertarife, sowie für die Aushebung oder Einschränkung im Personeiwerkehr bestehender und gewohnheitsmäßiger Erleichterungen (Sonntagskarten rc.) aus den in Preußen und Hessen belegenen Strecken der Main-Neckar- Bahn, sowie für Feststellung des Personenzug-Fahrplanss für die aus hessischem Gebiet liegenden Strecken der Main- Neckar-Bahn. Eine Finanzgemeinschaft zwischen Baden und der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft findet nicht statt. Tie Einkünfte aus dem Betriebe der Main-Neckar-Bahn werden vielmehr in der Weise zwischen Ersterem und der Letzteren verteilt, daß Baden die Verkehrseinnahmen der auf seinem Gebiete gelegenen Strecken erhält und davon als seinen Anteil an den Ausgaben der Main-Neckar-Bahn denjenigen Prozentsatz erstattet, der sich aus dem Verhältnis der Jahresausgaben zu den Jahreseinnahmen (Betriebscoessicient) bei der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft ergiebt. Die zwischen Hessen und Preußen in dem 1896er Vertrag bezüglich ihres beidesteiligen Eisenbahnbesitzes vereinbarte Finanzgemeinschaft hat bereits den Anteil Hessens und Preußens an der Main- Neckar-Bahn zum Gegenstand. Hessen und Preußen verteilen den Reingewinn der Main-Neckar-Bahn, der nach Abzug im 1896er Verttag festgesetzten Teilungsziffern. Alle Aufwendungen für größere Erweiterungen und Neubauten, dre über 100 000 Mark betragen, erfolgen ausschließlich auf Kosten des Territorialstaates, für Hessen und Preußen mit der Folge, daß jedem nach den Bestimmungen des 1896er Vertrages 3 Prozent seiner Aufwendungen seiner gesamten Teilungsziffer Anwachsen. Die am 1. Oktober vorhandenen Betriebsmittel der Main-Neckar-Bahn werden der Preußisch- Hessischen Gemeinschaft überwiesen, da ihr der Betrieb und die Beschaffung der für solche erforderlichen Mittel obliegt. Im AMchuß wurde der Vertrag mit der Regierung eingehend besprochen. Auf die Behauptungen, dag Hessen durch den Vertrag seine Eisenbahnselbständigkeit vollständig verliere, das parlamentarische Kontrollrecht imnmehr auch für die Main-Neckar-Bahn auf den preußischen Landtag übergehe, entgegnete die Regierung, daß bei der Beteiligung von drei Staaten an der Verwaltung der Main-Neckar-Bahn eine Selbständigkeit auch seither nicht vorhanden gewesen fei und daß sie vor der Wahl gestanden habe, entweder es auf die Ausführung des 1896er Vertrags also die bedingungslose Einbeziehung der hessischen Strecke der Main-Neckar-Bahn in die Betriebsgemeinschaft ankommen zu lassen, oder in Bezug auf die Main-Neckar-Bahn eine andere als Gie im Vertrag vorgesehene Lösung und damit ein größeres Maß von Selbständigkeit zu erreichen. Sie habe sich für das Letztere umsomehr entschieden, als es hierbei möglich gewesen sei, eine günstige Lösung der Darmstädter Bahnhofsfrage zu erzielen. Die Regierung habe jeden Versuch, an den Grundlagen des 1896er Vertrags hinsichtlich der übrigen Gemeinschaftslinien zu rütteln, von vornherein als aussichtslos ansehen und sich vielmehr lediglich auf die Regelung der künftigen Verhältnisse der Main-Neckar-Bahn beschränken müssen. Es sei ihr hierbei gelungen, für H e s s e n einen größeren Einfluß auf den Fahrplan, wie auf die Tarife, sowie eine Sicherung des einen Kostenaufwand von über 12 Mill. Mark erfordernden Bahnhofsumbaues und der Werkstätte- erweilerung und Erhaltung der Vetriebsinspektion und die Errichtung einer weiteren Werkstätteinspektion in Darmstadt zu erreichen, wie dies in dem Vertrag seinen Ausdruck gefunden habe. Weitere Vorteile zu erzielen, sei. gänzlich aussichtslos gewesen. Tarauf wurde im Ausschuß erwidert, Preußen hätte offenbar das allergrößte Interesse an dem Zustandekommen des Vertrages und deshalb hätte man sehr wohl auf einer Revision des 1896er Vertrages, der für Hessen in vielen Beziehungen ungünstig sei, bestehe n sollen; auch auf die Gefahr hin, daß Preußen abgeleynt, dasselbe wäre schon wieder gekommen. Die Regierung glaubt aber diese Ansicht in keiner Weise teilen zu können. So viel sei Preußen die jetzt beabsichtigte Regelung der Main-Neckar-Bahnfrage nicht wert. Andererseits könne Hessen den Abmachungen mit Baden über die Auslösung der Main-Neckar-Bahn-Gemein- schaft nicht entgegentreten, bezw. könne es solchen die Genehmigung nicht versagen, ohne gegen den 1896er Vertrag zu verstoßen und sozusagen vertragsuntreu zu werden. Man dürfe der Regierung nicht zumuten, einem Vertragsstaat gegenüber in derartigen Verhandlungen etwas völlig Aussichtsloses zu vertreten. Hessen stehe aus Grund des 1896er Vertrages mit Preußen in einem solchen Verhältnis, daß darin die gegenseitige Loyalität eine Rolle spiele und spielen müsse. Regierung und Stände hätten sich loyal auf den Boden des Vertrags zu stellen. Menu Hessen in dieser, Sache Schwierigkeiten mache, so seien Versttmmungen unausbleiblich, und diese könnten unmöglich im Interesse des Landes und der Bevölkerung liegen. Es wurde in dem Ausschuß weiter geltend gemacht, daß die hessische Teilungsziffer nicht gerecht festgesetzt und zu unserem Nachteil sei. Tie Regierung bestritt aber, daß diese Einwendungen zutreffend seien, und lieferte dazu auch, statistisches Material. Auch in Bezug auf die im Ausschuß zur Sprache gebrachte Umleitung eines Teiles des Güterverkehrs, wodurch die Main-Neckar-Bahn geschädigt worden, erwiderte die Regierung, daß dieselbe weder Hessen noch Preußen geschädigt habe, weil die unigeleiteten Güter auf Gemeinschaftsstrecken gelaufen seien, und dies der Gemeinschaft Vorteil, Nur Baden Nachteil gebracht habe, da dieses an dem Verkehrserträgnis keinen Teil genommen. Es wird auch rechnerisch nachgewiesen, daß die finanzieller» Vorteile Hessens infolge der Eisenbahngemeinschaft nicht zu unterschätzen sind, und von der Regierung geltend gemacht, „daß die Finanzgemeinschaft mit Preußen auch n Bezug auf die Main-Neckar-Bahn Hessen nur den er warteten Vorteil gckoracht habe"; schon diese Thatsache stehe jedem Versuche, an solcher und bezw. an der für solche festgesetzten hessischen Teilungsziffer rütteln oder revidieren zu wollen, entgegen. Eine Revision der Teil- ungszisfern werde voraussichtlich in keinem Falle zum Vorteil Hessens ausfallen. In Bezug auf die hessische Teilungsziffer wurde im Ausschuß weiter geltend gemacht, daß die demnächstige ehr erhebliche Ersparnis an den beträchtlichen Betriebskosten der Main-Neckar-Bahn, Hessen anstatt nach Verhältnis der Baukapitalien mit etwa 42 Prozent nur mit zwei Prozent, Preußen dagegen mit 98 Prozent zu gute komme, und dies eine Unbilligkeit in ich schließe. An eine derartige Ersparnis der Betriebs- wsten sei bei Abschluß des 1896 er Vertrages sicher nicht gedacht worden. Ferner entsprächen die drei Prozent, welche nach dem 1896 er Staatsvertrag von den Kosten für größere Erweiterungen den Teilungsziffern zuzuschreiben seien, nicht mehr den Verhältnissen bei dem gewachsenen Zinsfüße und dies sei für Hessen, da es 12 Millionen für die Umbauten in Darmstadt aufwenden solle, von finanziellem Nachteil. Alle diese Einwendungen sind von der Regierung widerlegt worden. Der letztere Einwand erfuhr folgende Entgegnung: Bis jetzt, seit Bestehen der Eisenbahngemeinschast hätten die 3 Prozent bei dem seitherigen Rein- erträgnis jener 3,7 Prozent, 3,8 Prozent, 3,9 Prozent und 3,6 Prozent ergeben, wären also finanziell immer noch von Vorteil gewesen. Zum Nachteil könnten dieselbens nur ausschlagen, wenn der Reingewinn gegen seither erheblich zurückgehe, was aber doch nicht wahrscheinlich sei. Im Artikel 11 Absatz 9 des 1896 Vertrags fei indessen ganz ausdrücklich Vorbehalten im Wege der Verständigung eine entsprechende Aenderung der Zinssätze eintreten zu lassen, sobald Einverständnis darüber herrsche, daß die bedungenen Zinssätze den tatsäch lich en Verhältnissen nicht mehr entsprächen. Preußen sei ja bei dieser Frage in gleicher Weise wie Hessen und zwar zu 98 Prozent intern essiert. Aber abgesehen hiervon, so habe Hessen nach Artikel 12 Absatz 4 des Staatsvertrages das Recht, für notwendig werdende größere Erweiterungen die Ausbringung der Kosten abzulehnen, und Preußen die Befugnis an Stelle desselben zu treten, in welchem Falle dann die 3 Prozent seiner Teilungsziffer zugeschrieben werden- Hessen könne danach zwar die Vornahme der Darmstädter Umbauten Preußen überlassen, dies werde jedoch von den Ständen, schon weil unwirtschaftlich, kaum befürwortet werden. Der Ausschuß ist in seiner Mehrheit aus Gruni dieser Besprechungen mit der Regierung bei seiner roeiteren Beratung zu der Ansicht gelangt, den Vertrag mit Schlußprotokoll der Kammer zur Annahme zu empfehlen. Es wird in den Ausführungen, welche Erwägungen zu diesem Enschlufse geführt haben, besonders betont, daß „bis jetzt greifbare Thatsachen hierfür, daß Preußen seine prävalierende Stellung in einer Art und Weise zur Geltung bringe, die Hessen zum Nachteil gereichte, nicht hervorgetreten seien; vielmehr wurde von der Regierung hervorgehoben, daß man nach nunmehr 5 jährigem Bestehen der Gemeinschaft die Ueberzeugung gewonnen habe, daß unter gleichen Verhältnissen eher die hessischen Interessen bevorzugt würden, und sich alle Mühe gegeben werde, Hessen zufrieden zu stellen." Man gewinnt bei Durchsicht der umfänglichen Schrift-, stücke den Eindruck, daß sowohl von der Regierung wie vom Ausschuß die ganze Materie sehr genauer Prüfung nach allen Richtungen hin unterzogen worden ist. Es darf danach angenommen werden, daß sich auch das Plenum mit dieser Regierungsvorlage einverstanden erklären und Gesetze der Entwickelung des menschlichen Wesens. Wir kommen dadurch zu den Gesetzen des menschlichen Denkens Zum Schlüsse wandte sich der Redner energisch gegen bie Auffassung, daß es noch nicht an der Zeit jei, ftch mit Voltstunde zu befassen, weil das Material noch nicht genügend vorhanden jei. Er hält es für die höchste Zeit, damit anzufangen. Dabei wies er noch einmal auf die andern Orts entstandenen Vereine für Volkskunde hin, so in Berlin, Schlesien, Sachsen, Mecklenburg, Oesterreich und die Schweiz. Für den hieftgen Verein für Geschichte und Altertumskunde versprach sich dessen zweiter Vorsitzender, v. N a t h u- sius, nachdrückliche Unterstützung der'Bestrebungen der Vereinigung. Unserem gestrigen Bericht haben wir übrigens nach- zutragen, daß die Frankfurter Versammlung keine konstituierende war, wie es darin heißt, sondern die ordentliche Mitgliederversammlung (Generalversammlung) dieses Jahres. Als selbständige Gesellschaft konstituiert hat sich die Vereinigung bereits am 25. Ottober v. I. Daß ferner „größere Publikationen möglichst oft in der Tagespresfe gebracht werden sollen", steht weder in den Satzungen des Vereins, noch ist in Frankfurt davon die Rede ge- toefen. Ebenso ist es weder die Absicht des Vereins, noch ist es auf der Mitgliederverfammlung in Frankfurt gesagt worden, daß „die Versammlungen stets in Frankfurt abgehalten werden sollen." Unter dem Titel „Illustriertes Prachkalbum der Riviera" erscheint im Verlag von Alexander Kohler in Dresden ein prächtig ausgestattetes Bilderwerk, das auf 94 Querfolioseiten eine anschauliche Darstellung dieses schönen Landstrichs gewährt. Die reizenden Landschaftsbilder, sowie die zahlreichen Typen und Szenen aus dem bunten Volkstrerben begleitet ein unterhaltend geschriebener Text in deutscher, englischer und französischer Sprache. Der Preis des ganzen Werkes beträgt 8 Mk., 's kann auch in 12 Lieferungen zu 60 Pf. bezogen werden. Meyers Volksbücher (herausgegeben von Dr. Hans Zimmer, Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien) bringen in einer soeben veröffentlichten neuen Serie von 20 Nummern (1291—1310) in erster Linie, eine Fortsetzung zu ihren wegen der Zuverlässigkeit und Umsicht der Bearbeitung vielbenutzten Gesetzausgaben in dem Bändchen „Tie Reichsgesetze über das Urheber- und Verlagsrecht vom 19. Juni 1901" (Nr. 1291). Die umfangreichen Ausgaben zweier berühmter, zum allgemeinen Bildungsgut gehöriger Werke der Weltliteratur, nämlich von Darwins „Entstehung der Arten" (Nr. 1292—1301) und von Ren ans „Leben Jesu" (Nr. 1302—1306), welche die neue Serie der „Volksbücher" darbietet, werden sich durch den beigegebenen Kommentar und vorzügliche Register vornehmlich für das Privatstudium brauchbar erweisen. An unterhaltender Lektüre enthält die Serie ein von Dr. Maximilian Kohn zusammengestelltes und gewandt über- etztes „Modernes französisches 'Novellenbuch" (Nr. 1309), endlich von Koloman Mikszath die beiden Humor- und gemütvollen Erzählungen „Des Feldzeugmeisters Tod" und „Servus, Vetter Paul!" (Nr. 1310). Ter Preis jeder Nummer beträgt 10 Pfennig. Einige Aeußerungen des Kaisers über den Wert und dieAufgabendesTheaters werden in der französischen Frauen-Zeitung „La Fronde" von deren Herausgeberin veröffentlicht, die in Wiesbaden einer Oberon-Verstellung beiwohnte: „Tas Theater ist nicht nur ein mächtiges Agens der Belehrung und der moralischen Propaganda", sagte Kaiser Wilhelm zu der Dame, „es sollte auch Eleganz und Schönheit bieten, wie eine Traumwelt. Man sollte das Theater nicht schwach und entmutigt verlassen, nur in der Erinnerung an düstere und trügende Bilder befangen, sondern man sollte besser geworden sein, gestärkt für den täglichen Kampf des Lebens und bereit, heiter dem Ideal nachzugehen, dem, man mag sagen, was man will, jedes menschliche Wesen nachstrebt. Das Leben ruft uns schon täglich zu den traurigen Wirklichkeiten zurück! Die modernen Autoren, die sich mehr und mehr darin gefallen, diese Wirklichkeiten auf die Szene zu bringen, thun ein ungesundes und deprimierendes Werk." Der Kaiser sprach dann vom neuen Foyer int Wiesbadener Hoftheater. „Ich hoffe", fügte der Kaiser hinzu, „daß die Wiesbadener Damen nun, da sie ein so wunderschönes Foyer haben, an Eleganz mit einander wetteifern werden. Feine, hübsche To i l e 11 e n schmücken einen Theatersaal. Unsere deutschen Damen sind immer noch nicht dieser Meinung." Die Französin ergriff hier die Gelegenheit, ihre Ansicht über die bei uns übliche Verdunkelung des Zuschauerraums darzulegen. Man behauptet, sagte sie, daß dabei die volle Aufmerksamkeit auf das Stück konzentriet wird. Das mag richtig sein, wenn das dar- gestellte Stück ein Meisterwerk der ihm ft ist, welchem man mit Andacht folgen muß. Aber die Leute zwingen, in dunkler Nacht eine Operettenmusik oder irgend ein Possenwerk anzuhören, das ist Unsinn. Für die Theaterdirektoren ist das jetzt eine reine Sparfamkeitssrage, aber das Theater, der Ort der Heiterkeit und des Vergnügens, verliert dabei ungeheuer. „Das ist sehr möglich", sagte der Kaiser, „ich toerM daran denken und darüber sprechen." Der Kaiser sprach bann von einer Vorstellung^ von „Polyeuete", der er als junger Prinz im Jahre 1878 -in Paris beigewohnt hatte. Er war ferner sehr erfreut, daß das Gastspiel Eoquelins und seiner französischen Gesell- chaft einen so großen Erfolg in Deutschland gehabt habe, und kam dann auf feine Auffassung vorn Theater zurück. „Das Publikum, glauben Sie mir", sagte er, „ist im Grunde meiner Meinung. Dieser „Oberon", den wir hent abend applaudiert haben, dessen Inszenierungen und Dekorationen feenhaft sind, ist in diesen zwei Jahren nun sechzig Mal und immer mit demselben Erfolge gegeben worden. Hülsen hat sich darin wirklich übertroffen. Ich habe an chm einen kostbaren Menschen, der meine Ideen versteht und sie auszuführen weiß. Er ist geradezu ein Gelehrter, ein Arbeiter, ein großer, ein sehr großer Küntz- ler....." Eins der feinsten Novellenbücher des Büchermarktes ist Kurt Arams „Die vornehme Tochter", Geschichten und Skizzen. (Berlin, F. Fontane u. Co.) Einzelne Geschichten, wie namentlich die erste, der das Buch den Titel verdankt, lassen uns geradezu cm Munpass ants große Charakterisierungskunst denken, von der die vortreffliche deutsche Gesamtausgabe seiner Werke (in demselben Verlage) fo überraschend viel wiedergiebt. Aram führt, nach Hartlebens Vorbild, eine Dame der Hattrwelt in ein stilles Provinznest. Sie weckt dort in den schlummernden Seelen der Männer, des Apothekers, des Amtsrichters die sündhaftesten Gefühle, sodaß sich alle wieder jung fühlen. Das wird von dem Dichter mit vollendetem satirischen Humor erzählt. Die größte Erzählung, „Der Knecht", enthält Szenen von erschütternder Lebenswahrheit und psychologischer Tiefe. Der Verfasser schreckt in seinem Drange nach Wahrhaftigkeit nicht vor dem Aeußersten zurück. Lebenswahr ist jedenfalls der Konflikt zwischen dem Landpfarrer, dem vornehmen, reinen und gütigen Menschen und den derben Bauern, hauptsächlich aber mit dem Pflegesohn desselben geschildert. Die sieben Seiten lange Skizze „Zwei Grüber" enthält das ganze Schicksal zweier Familien. Die älteren Romanschriftsteller hätten hieraus einen mehrbändigen Roman gemacht. Erwähnt sei auch noch „Der Hänfling", eine Geschichte, bei der man das Gruseln lerne« kann. ’S Wetter Mai c s w Bed. Himmel Sonnenschein 2“ 9’s 36 754,3 753,1 751,6 15,0 11,4 12,0 6,8 8,1 8,4 26. 26. 27. 54 81 82 sS 15,40 c. 5,6° 0. E. E8E. WSW. ist ein ausserordentlich nahrhaftes Getränk, welches einen wohl- thuenden Einfluss auf die Nerven ausübt. Unübertroffen für den täglichen Gebrauch. VAN HOÜTEN’s CACAO 2 2 1 ' lnz.E auf einer Brunnengruppe sich aufbauen, eurem ou-5 »er Schloßmauer hervorspringendcn, Wasser speienden Löwen - köpf; mit der Fayade nach dem freien Platz vor dem Schlosst Zeigend, flankiert vom frischen Grün der Parkanlagen und mit dem Hintergrund des Großh. Schlosses wird es sich zweifellos überaus wirksam und geschmackvoll präsentieren. Mit der Ausführung der Idee wurde em Komitee betraut, in welches folgende Herren gewählt wurden: KreiSrat Dr. Melior, Bezirkspräsident Kurtz-AlSfeld, Bürgermeister Schmidt- Romrod, Pfarrer Klingenschnudt-Rornrod, Oberförster Hof- mann-Romrod, Bürgermeister Wolf-Kirtorf,Forstwart Bambct)- Zell, Lehrer Kremm-Romrod, Forstwart Frank-Alsfeld, Forstwart Büttner-Eifa, Bücking-Romrod, Völzmg-Groß-Fclda, Dickel-Bralierschwend, L. Martin-Alsfeld. W. Bad Salzhausen, 26. Mai. Gestern begann hier die Reihe der Kurkonzerte mit einem Konzert der ganzen Kapelle der Hanauer Ulanen, das int Freien unter den gewaltigen Bäumen des Parkes abgehalten werden konnte. Der Park nut seinem verschiedenen Grün gewährt gegenwärtig einen schönen Anblick. Der Kurpächter Emcke hat die von Kraft-Cloos erbaute Villa Quisisana zu seinem Kurhaus gemietet und ausgestattet. m. Mainz, 26. Mai. Unter den Pferden der 1. und 3. Batterie des 63. Feldartillerie-Regiments ist die Brust- seuche ausgebrochen. fc. Alzey, 26. Mai. Aus Heimersheim ist der Monom und Weingulsbesitzer Knell mit seiner Nichte durchgebrannt. Er hat die Summe von 200 000 Mk. mitgenommen. Das Pärchen soll sich nach Samoa begeben haben. fc. Kassel, 26. Mai. Wie verlautet, hat das ll.Armee- korps im nächsten Jahre zusammen mit dem 18. Armeekorps Kaisermanöver. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Höchste Temperatur am 25./26. Mai Niedrigste „ „ 25./26. „ Damen-Handschuhe Preislagen A. Waag, Ä > '■«■_______ggü o = 9 Landwirtschaft. _Im Verlag der Deutschen Seemarte in Hamburg erscheinen seit kurzem Zehntägige Witterungsberichtc für die Landwirt- chaft. Diese werden von dem landwirtschaftlichen Witterung-- dienst ait der Deutschen Seewarte herausgegeben. Sie verfolgen, ganz für die Zwecke der Landwirtschaft bestimmt, in erster Lmie die Aufgabe, durch Vorführung der Wetterkarten der einzelnen Tage, die sich durch einen kurzen Text erläutert finden, das Interesse und Verständnis für die meteorologischen Vorgänge, für das Zustandekommen der Witterung und bereit Wandlungen zu fördern. An der Hand der erlassenen Wettervorhersagen gewahren sie gleichzeitig einen tieferen Einblick in deren Wesen und vernrügen dadurch auch zur Erhöhung deS praktischen Erfolges der täglichen Wetterprognosen beizutragen. Um weiteren Bedürfnissen der beteiligten Kreise z»i entsprechen, 'st eine große Zahl von Korrespondenten anS allen Teilen des Reiches, u. a. auch, wie wir aus der uns vorliegenden ersten Nummer ersehen, aus dem Großherzogtum Hessen, gewonnen worden, bereit fortlaufend zu veröffentlichende Berichte neben der Mitteilung von besonders auffälligen WitterungS- vorgängen eine kurze Charakterisierung der beobachteten Witterung unb daneben als sehr erwünscht noch Angaben über den Stand der Saaten re., über die Entwicklung der Schäd- l i n g e io. enthalten werden. DerAbonnenientspreis ist 3 Alk. pr. Jahr für die 36 Nummern. Bei den Postämtern ist ans die Berichte zu abonnieren. . Eingesandt. (Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Erwiderung. Gießen, 26. Mai 1902. Der geehrte Verfasser der Festzeitung hat dem veterinärmedizinischen Studium an der Uni-- versität eine längere Betrachtung gewidmet, in welcher ich Verschiedenes anzufechten habe. Es stimmt, daß auf die Veterinärmediziner der Löwen- Anteil der Jmmaturi kommt. Das bedurfte aber gar nicht Ihrer Feststellung, es ist auch eine leicht verständliche Er- scheinung, da in den. gesetzlichen Bestimmungen nur bic Reife für die Unterprima verlangt wird. Machen Sie deshalb nicht uns dafür verantwortlich, baß wir immatur sind, sondern die gesetzlichen Bestimmungen und den hohen Bundesrat, der bereits vor längerer Zeit eine ander weitige Regelung unseres Studiums versprochen, aber bis her sein Wort nicht erfüllt hat. Sie würden sich in Ihrem wie in dem Sinne der Tierärzte außerordentlich verdient machen, wenn — Sie gerade — bei einem hohen Bundes rate noch einmal speziell und persönlich um die Einführung des Abituriums für die Tierärzte petitionieren würden, mit der Begründung, daß die immaturen Tierärzte ein Schönheitsfehler der Universität Gießen wären. Auf die Antwort bin ich neugierig. Sie fragen sich, wie kommt das kleine hessische Land dazu — selbstlos — die Ausbildung der Veterinäre für einen großen Teil Deutschlands zu übernehmen? Verletzen Sie nicht mit diesen Worten aufs schwerste das Gastrecht, das wir Veterinärmediziner gern und dankbar genossen haben, wofür wir aber auch schwere Kollegiengelder zahlen müssen? Sind die deutschen Hochschulen nicht jedem Deutschen geöffnet? Rach Ihrer partikularistischen Ansicht also sollen in Gießen nur Hessen, in Tübingen nur Württemberger usw. studieren! So spricht ein Deutscher im, Jahre 1902! Und studieren nicht viele Hessen in Berlin, Göttingen, Leipzig, Heidelberg und München? Wie würden sich die Herren beklagen, wenn ihnen in Leipzig bedeutet würde: warum kommt ihr hierher? wir haben leinen Grund euch auszubilden, laßt euch in eurer Heimat unterrichten ! Ich will hier gleich anführen, wieviel der hessische Staat für die Veterinärmediziner selbstlos ausgiebt; da sind im Staatsbudget 1902/03 für Tierheilkunde 23 615 Mark ausgeworfen, das mach bei 168 Sttudenten auf den tropf 140 Mark, während für einen Theologen entsprechend 440 Mark geopfert werden. Dazu steht Gießen mit seinen veterinärmedizinischen Instituten in Deutschland an allerletzter Stelle. Von Selbstlosigkeit des hessischen Landes den Veterinärmedizinern gegenüber ist da wohl nicht zu reden, dieses Attribut möchte ich einzig unseren Professoren beigelegt wissen, die es mit anerlennungswerter Geschick- lichkeit verstehen, die große Menge unserer Studierenden in den unzulänglichsten Räumen unterzubringen. Ein großer Irrtum Ihrerseits ist es auch zu behaupten, daß bte dieser Beschluß auch unserem Lande zum Vorteile gereichen ' nrtrb. , , , , ____. . , 1 EH verdient noch bekannt gegeben zu werden, dast । bet Ausschuß diesen Staatsvertrag mit 5 gegen 2 Stimmen gebilligt hat. Von den 5 Zustimmenden gehören 4 der ] nationalliberalen Fraktion an. Der Fünfte ist der chrtst- lich-soziale Weidner, der im Ausschuß den Bauernbund vertritt. , Aus Stadt und Saud. Gießen, den 27. Mai 1902. *• Wissenschaftlicher Fortbilduugskursus für Bolksschullehrer. Verschiedene Umstände (Ferien und Aufführung der Missa solemnis) bedingen eS, daß m dem Vorlesungsplan eine Heine Aenderung getroffen werden mußte. Die Vorlesungen beginnen nach Pfingsten erst am 4. Juni und werden dann am 14., 18., 25. und 28. Juni fortgesetzt bezw. zu Ende geführt. Vorlesungstage sind also noch: 4., 14., 18., 25. und 28. Juni. - Ein Kleinbahn-Idyll aus Oberhessen wird uns von einem Korrespondenten mitgeteilt: Fuhren da am letzten Sonntag mehrere Herren auf der Ohmthalbahn. Ihre Fahr karten lauteten: Riedergemünden—Amöneburg. Unterwegs änderten die Reisenden ihren Plan und verlangten auf der Station Amöneburg Fahrkarten zur Weiterreise nach Kirchhain. Der Fahrkartenverkäufer verwies sie zur Empfang- nahme der Billets an den den Zug begleitenden Packmeister; er bedauere, die Karten nicht verausgaben zu dürfen, weil der zur Abstempelung nötige Apparat nicht in Ordnung fei. Aber auch der Packmeister sprach sein Beda»iern darüber aus, daß er nicht m der Lage sei, das Fahrkartengeschäft abzuwickeln, weil er, trotz der Inanspruchnahme der Kassavorräte deS gesamten Zugbegleitpersonals außer Stande sei, das ihm als Entgeld für die Fahrkarten ausgehändigte 10-Markstück zu wechseln, er vertröstete bic Passagiere damit, daß wohl die nächste Stationskaffe Kirchhain genügend Wechselgeld haben werde. Die Station Kirchhain endlich war denn auch wirklich in der Lage, das Wechselgeschäft zu erledigen. U. Für Steinbrüche und Steinhauereien tritt mit dem 1. Oktober eine neue Bundesratsbekanntmachung in Kraft, au« der zunächst die nachstehenden öeftimnumgen als besonders wichtig erscheinen dürsten: Es müssen den Arbeitern zur Unterkunft ivährend der Arbeitspausen ausreichend große und wetterdichte Räume zur Verfügung stehen, die genügend erhellt, mit einem dichten Fußboden versehen und bei kalter Witterung geheizt sind; sie müssen für jeden Arbeiter einen Sitzplatz enthalten; auch müssen Vorrichtungen zum Wärmen der Speisen vorhanden sein. Die Unterkunftsräume sind täglich zu reinigen; sie dürfen nicht als Lagerund Aufbewahrungsräiime benutzt werden. Ferner müssen Bedürfnisanstalten in ausreichender Zahl vorhanden sein, welche den Anforderungen der Gesundheitspflege und des Anstandes entsprechen. Es liegt im Interesse der Steinbruchsund Steinhauereibesitzer, daß sie die günstige Jahreszeit zu den infolge dieser Vorschriften nötigen Umänbernngcn in ihren Betrieben benutzen. e. Bad Nanheim, 26. Mai. Heute abend 6 Uhr 22 Mui. traf die Königin von Württemberg in Begleitung zweier Hofdamen und eines Herrn in Bad-Nauheim ein, um ihrem inkognito hier zur Kur weilenden Vater, dem Prinzen Wilhelin von Schaumburg-Lippe, einen Besuch abzustatten. Die Herrschaften machten eine Rundfahrt und nahmen dann den Thec in der Villa ...... ein, wohin der behandelnde Arzt, Dr. Bittelmann, zur Audienz befohlen war. Abends 9 Uhr besichtigten die Herrschaften mit Gefolge von der Wohnung des Großh. Kurdirektors, Kammer- herrn v. Grolman, den 14,70 Meter hoch springenden Sprudel XII, der sich bei rasch inszenierter bengalischer Beleuchtung mit seiner gewaltigen weißen Schaumfontaine prächtig zwischen dem Grün des Parkes ausnahnf. Um 9 Uhr 48 Min. erfolgte die Abreise der Königin. Alsfeld, 26. Mai. Der Kriege rve rei n§b ezirk Alsfeld hat vor einiger Zeck den Beschluß gefaßt, dem verstorbenen Großherzog Ludwig IV., dem verdienstvollen Führer der hessischen Division im deiltsch-französischen Kriege, innerhalb des Bezirks ein Denkmal zu errichten. Als Bewerber in der Platzfrage traten Alsfeld und Romrod auf. Auf dem gestrigen Bezirkstage hat man sich in Er- . roägung der monumentalen, dekorativ-künstlerischen Vorzüge sowie auch der pekuniär-praktischen Vorteile, welche die Auf- stellung deS Denkmals vor bem, freigelegten, restaurierten Großh. Schlosse zu Romrod bietet, für Romrod entschieden, nachdem Alsfeld als Bewerber zurückgetreten war. Das Monument, ein mächtiger Obelisk mit dem Medaillon-Bildnis des verewigten Landesherrn, soll nach dem „Alsf. Oberh. Maturitas, wie sie seber Deutsche heutzutage kennt, au den geschichtlichen Grundlagen der Universität gehört. Wissen Sie nicht, baß Jahrhunderte lang blos ein Empfehlungsschreiben des Vorstandes einer Schulanstalt, Gym- nasii, Schule, Akademie, eines Geistlichen oder Lehrers genügte, Studiosus zu werben, daß ein Abiturientenexamen n Preußen erst 1788 durch königliches Machtwort cingesührt wurde? Zum Schlüsse verwahre ich mich im Namen in eiet Kollegen ganz entschieden dagegen, daß Sie uns die Gleichberechtigung mit den anderen Studenten nur bebingungd-- weise zugestehen. Dieser Versuch Ihrerseits uns $u Stu- deuten zweiten Ranges sierabzudrücken, noch dazu tu einer Festzcitung, die in Tausenden von Exemplaren im Lande verbreitet wirb, ist eine schwere Beleidigung für alle Bete- rinärmediziner und bedeutet eine schwere Störung des akademischen Friedens, für deren Folgen Sie als Verfasser allein die Verantwortung tragen. Paul K u h l i s ch, caud. med. vet. Gerichtssaal. Berlin, 26. Mai. Im Prozeß gegen Sanden unb noffen wurde bic Verhandlung heule bi» Mittwoch vertagt, damit der vauptangeklagtc, Kommerzienrat Eduard Sanden, sich über baß Material genau informieren kann. Es luurbe Kommerzienrat Lueas über das Vermögen unb da» Einkommen, das die Angeklagten versteuerten, vernommen und darüber, ob die optimistischen Berichte Sandens gerechtfertigt gewesen wären. Kommerzienrat Lucas bejahte bic». Der Verteidiger beantragte, den früheren Landwirtschastsminister FrhrN. v. Lucius zu vernehmen, der ssch geäußert habe, daß seit dem Eintritt Heinrich Schmtdfs vollständige Crbnunq bei bor Preußischen Hypotheken-"Aktienbank geherrscht habe. Die Geh. Regierungsräte Hermes und Hoppe vom Landwirtfchaft- lichen SDlinifterium bauen sich dieser Auffassung anaeschlossen. er Versitzende erklärte, daß sich das Gericht den Beschluß hierüber Vorbehalte. Bekanntmachung. Es hat sich herausgestellt, daß seitens hiesiger Leichenfrauen mehrfach den Angehörigen Verstorbener ungerechtfertigt hohe Beträge an Geld abgeforbert unb baß in zahlreichen fällen Rfeibunge^ stücke und Bettzeug der Verstorbenen von ihnen als ihr Recht verlangt worden sind. Auch sollen Leichenfrauen deii städtischen Friedhofsarbeitern Trinkgelder vermittelt haben. Wir brmgen daher zur öffentlichen KennMis, daß den Leichenfrauen nur ein Anspruch auf angemessene Bezahlung der von ihnen geleisteten Dienste zufteht und daß alle weitergehendcn Forderungen als Mißbrauch ihrer Stellung anzusehen stud. Gleichzeitig ersuchen wir, uns von Fällen, tn denen Leichenfrauen mit derartigen Forderungen an Hinterbliebene herangetreten sind ober sich zur Trinkgelderoermittelung hergegeben haben, ungesäumt Mitteilung machen zu wollen. Gießen, Öen 26. Mai 1902. 3929 Großherzogliche Bürgermeistern Gießen. Mecum. Arbeitsvergebung. Die »um Umbau des alten Schlosses am Kanzleiberg Hierselbst erforderlichen Tischler-, Schlosser-, Glaser- und Anstrcicher- arbeiten solle,i nach einzelnen Losen getrennt zur Vergebung kommen. Die Zeichnungen und Bedingungen liegen m der Baustube des allen Schlosses zur Einsicht aus, woselbst auch die ftoften- anschlagsauszüge als Eingabeformulare gegen Erstattung der Schreibgebühren in Empfang genommen werden können. Die Angebote sind in vorschriftsmäßige^ Weise bis zum 12. Juni d. I., abends, an die unterzeichnete stelle emzuretchen. Gießen, den 24. Mai 1902. . 3911 _ - «roßh^zogtiche löürgermeqteiet Gießen. " Mecum- FleWerdiMiiz. Arn 2. Juni 1902, vormittags 10 Uhr, wird im biesfeitiaen Geschäftszimmer, Kaserne I, ber Bedarf an Fleisch- unb Wurstwaren für die Garnison Gießen auf bie Zeit vorn 1. Juli 1902 bis 31. Dezember 1902 verdungen. Tie Lieferunys - Bebingungen liegen im Geschäftszimmer aus; dieselben können auch gegen Zahlung der Selbstkosten bezogen werden. Schriftliche und versiegelte Angebote sind im Geschäftszimmer vor Beginn des Termins mit der Aufschrift „Angebot auf Lieferung von Fleisch- und Wurstwaren" versehen abzugeben. Garnisonverwaltung. 8799 Versteigerung. Dieudlag den 10. Juni Ifd. Jo., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Psandlolal Leitersweg 11 gegen Barzahlung: 1 Landauer, 3 Schweine, einen Kaffaschrank, 1 Pianino, 1 Schreib- sekretar, 5 Stämme Eichenholz (geschnitten), Sofas, Kommode, Kleiberschränke, 1 Nähmaschine u. a. m. 3927 Gießen, 27. Mai 1902. Mulch, Pfandmeister. Bekanntmachung. Montag den 2. Juni 1902, vormittags 10 Uhr, sollen auf hiesigem Rathaus die der Gemeinde Münzen- berg gehörigen Sandsteinbrüche auf dem Submissionswege auf 4 Jahre in Pacht gegeben werden. Bedingungen können auf dem Büreau der Großh. Bürgertneisterei vom 25. bis 28. Mai eingesehen werden. Münzenberg, 21. Mai 1902. Großherzogl. Bürgermeisterei Münzenberg. Gorr. 3836 MalmschcAnWimWen (46:65 cm) zum Preis von 5 Mk. 3875] Kunstmaler £. Fritz, Goethestratze 46, Atelierhaus. Sandalen sind wieder eingeiroffen. Franz Rcumeier, Schuhlager, Sonnenstraße 22. 2040 Arbeitseinstellung der 8806 Zimm- uni» Mnum-Asellen in Kiel. Arbeitswillige nur tüchtige Gesellen, insbesondere Zimmerer, sinden dauernde Beschäftigung bei 55 Pfg. Stundenlohn. 10 Mark Reisekosten werden nach Aufnahme der Arbeit in Raten vergütet. Da der Zuzug sehr stark (eö arbeiten bereits über 600 hiesige und fremde Gesellen in Kiel) ist vor- her anzufragen im Büreau der Bauhütte, Faulstraße 7. Kikl-, Wem- uni) WMWche Flaschenabfüllschläuche Verdichtungen jed. Art, Treibriemen sowie alle technischen Artikel für maschinelle Betriebe. 2789 Telephon 249. cheörüder cheorg Wallthorstr. 24« Zlncrrticht in Ante und -Doftkgeschmaät sind 3413 GEMüSE'u.MUFF' ä uppen, MAGGI’5, fiWürfe/n für 2 Telle», au-.uu^iuinciti ipuLiamcii uausirau, wie dem praktischen Junggesellen angelegentlichst empfohlen von A. & G. 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Am Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Ceutner Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Klrimrdms der Gasttliks von 1 bis 5 Centner ««gerichtet, nämlich bei den Herren: Aoh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 33 und 34, Gebr. Kahl, Frankfurterstrabe 151, Cd. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirch er tplatz 9, Emil Ptstor Stachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Lrcherstraße 2, August Struck, Bismarckstraße 6, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gascokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch m Mengen unter 5 Centnern. Dre Preise unserer Gascokes für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gieße« ermäßigen sich um den Betrag der OeLroirnckvergütuug von 4 Pfg. für den Centner. Gießen, den 16. April 1902. 3086 Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Hochfeine Thüringer Salzstangen vorzüglich schmeckend zum Bier empfiehlt 3722 ChristianWallenfels 17 Marktplatz 17 am Krieger-Kenkmal. Telphon 262. Gegründet 1826. ist Familienverhältnisse halber sofort zu verkaufen oder zu verpachten. Einern Metzger ist Gelegenheit geboten, sich sichere Existenz zu gründen, da in der kiiiilfr-möSpiinwagcfl in modernster Ausstattung von den billigsten bis zu den hochfeinsten Sorten, sowie eine größere Auswahl Marktwagen empfiehlt Friedrich Kühne sen. ,l?ranz Neumeier Somttmstratze 20 Schuh lager Sormerrstratze 22 Zpefialität w @riginfll=Goodyear=ö)dtattiäd«. Herren- Chevreaux-Schnür-, Knopf- u. Zugstiefel v. JL 11.— an Herren-Voxkalf-Schuür- und Zugstiefel „ „ 11.— „ Herren- Voxkalf-Schuallenstiefel „ „ 13.— v Hochfeine Herren-Zng-, Schnür- und Schnallen »Stiefel, m amerikanischer Ausführung, System Handarbeit, Mk. 15.—. Kießmer Zither-Kluß. (Wohlthätigkeits-Verein.) Sonntng len 1. Znni, non nnlhinittngs 3 Uhr an: Wes glshes Simiiirrfcll auf der Schönen Aussicht. Karussell, Schietzbudeu, Schnell-Photographie re. — Großartige und iuteressaute Volks- spiele, sowie Aiuderbelustignugeu (Sackhüpfen, Wurstschnappen, Ballwerfen) und sonstige neue Ueberraschunaen. Bei eintretender Dunkelheit: Jttumiuatiou des ganzen FestPlaheS. Tanz. Aufstkigku tints Rieftv-Fsstballons. Tanz. Ate MustL wirb ausgeführt von der Kapclke des Anf.-Negis. Kaiser Wilhelm Wr. 116. Eintritt L Person 20 Pfg. Militär ohne Charge 10 Pfg. Mitglieder und Kinder frei. Der Ueberschuß wird wie immer bei unserer Weihnachts-Bescherung für hiesige bedürftig« Kinder verwandt. — Im Jnteresie der guten Sache bittet um zahlreiche Beteiligung 3932 Der Vorstand. empfiehlt August Noll Bahnhofstraße 51. flAAAIMAHM^A kilESSSN Cossmann s Kaffee-Geschäft S“™ J. Seibel, LUmOlatz. ßotlliltt -«a »*- kmekiwmß feinster Qualität empfiehlt 3944 ChristianWallenfels Marktplatz 17 am Kriegerdenkmal Telephon 262. Gegründet 1826. Prima neue Malta-Kartoffeln fi. Mjes-HmiM empfehlen 2650 A. & G. Wallenfels Markt 21. Telephon 46. bei 44