Die Heutige Mummer umfaßt 12 Seiten Nr. 73 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Famitten- biätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Vo» lag der Brü h l'schen Univers.-Buch- u.Steur- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depesche«: Anzeiger Vietze«. FervsprcchanschlnßNr.51. im 47. Lebensjahre. Er ist Dr. jur. und Rittmeister a la suite der Armee mit der Uniform des Königs-Husarenregirnents, ein talentvoller Komponist. Als er vor einigen Jahren von nationalen Reichstagswählern des Fürstentums Reuß j. L. aufgefordert wurde, zum Reichstag zu kandidieren, oll er so charakteristisch als scherzhaft geäußert haben- ,Ja, meine Herren, oas wäre ja ganz schön, dann könnte ch ja aber nicht mehr komponieren?" das „BroLwucher"^Äeschrei der Sozialdemokraten mischten sich Rufe wie „Eitel Dun st und Schwindel!" „Das Judentum ist der Träger des Wuchertums auf dem Lande!" „Der südafrikanische Krieg ist ein Judenkrieg!" usw. Der Tumult wurde so groß» daß die Polizei einschreiten mußte. Der Redner schloß schleunigst die Versammlung. Das Lied „Deutschland, Deutsche land über alles" wurde von den Anwesenden mit der Arbeitermarseillaise erwidert. Nur dem energischen und besonnenen Einschreiten der Polizei war es zu verdanken, daß die erhitzten und verhetzten Gemüter nicht aufeinander prallten. Dresden, 26. März. Staatssekretär Graf Posa- dowsky ist gestern hier ein getroffen und hatte heute eine mehrstündige Konferenz mit dem Ministerpräsidenten v. Metz sch und dem Finanzminister Dr. Rüger. Es ist anzunehmen, daß es sich bei dieser Konferenz um die Frage oer Reichs-Steuer-Reform und der M a t r i - kular-Beiträge handelt. In der zweiten sächsischen Kammer war vor kurzem aus Anlaß der Beschwerdeführung des Abg. Hausse über dos allzu schnelle Anwachsen des Matrikular-Beitrages Sachsens von der sächsischen Regierung die Zusage gegeben worden, sie werde im Sinne der zweiten Kammer auf eine baldige Rcichs-Finanz-Resorm dringen. Stuttgart, 26. März. Dem „Staats-Anz." zufolge ist der königlich preußische Generalleutnant von Hugo, bisher Kommandeur der 7. Division in Magdeburg, mit der Führung des würtembergischen Armee-Korps beauf- tragt worden. Deutsches Mich. Berlin, 26. März. Der Kaiser nahm heute das für das Reichstagsgebäude bestimmte Gemälde: „DasRoß- thor in Tangermünde" im Atelier des Pros. Hertel in Augenschein und machte dann einen Besuch im Atelier des Bildhauers Pros. Walter Schott. (Später hörte er die Borträge des Chefs des Eivilkabinetts v. Lucanus und des Ministers des Innern, Frhrn. v. Hammerstein. — Die „Köln. Ztg." meldet auch Aachen : Der Besuch des Kaisers wird am 20. Juni erfolgen. Der Aufenthalt dürfte nur drei Tage dauern. — lieber den GesundyeitsEstand des Königs Otto v o n B a y e i n ist, nach einer Meldung aus München, heute die offiziöse Mitteilung ergangen, daß in der Krankheit, an der der Monarch leidet, keine Veränderung eingetreten sei. — Der Reichskanzler übernahm den Ehrenvorsitz über das deutsche Zentralkomitee zur Errichtung von Lungenheil st ätten. — Dem Reichstagsabg. v. Le v e tz o w ist die Chinadenk- münze ans Stahl verliehen worden. — Der vortr. Rat un preuß. Kultusmunstermm Geh. Oberregierungsrat Förster ist zum Ministerialdirektor und Wirkt. Gey. Ober-Regierungsrat mit dem Range der Räte erster Klasse ernannt. , . ,, , m Köln, 26. März. In einer gestern stattgehabten Volksversammlung, in der Reichstagsabg. Liebermann von S o n n e n v e r g über den Verzweiflungskampf der schaffenden Stände um ihre Existenz sprach, erhob sich während der Ausführungen des Redners eine wü st e Schreierei. In Sine Wiederlage Delareys. Lord Kitchener meldet aus Pretoria vom 25. März: Mehrere Kolonnen Berittener unternahmen am 23. März abends ohne Geschütze oder irgendwelche Bagage eine kom-> dinierte Bewegung gegen Delarey. Die Kolonnen von Oberst Kekewich und General Walter Kitchener erbeuteten drei FünfzehnPsünder, zwei Pompons, machten 135 Gefangene und erbeuteten eine Menge Magen und Vieh. Die Truppen legten in 24 Stunden 80 Meilen zurück. Unleugbar ein bemerkenswerter englischer Erfolg zu Ungunsten der Delareyschen Streitkräfte! Diese Meldung hat in London selbstverständlich freudige Aufregung verursacht. Ueber die Einzelheiten des Kampfes verlautet, daß nach 24stündigen Gewaltmärschen die berittenen englischen Kolonnen sich vereinigten und Delarey bei Tagesanbruch an* griffen. Delareys Truppen wurden überrumpelt. — Es wurden also die fünf Geschütze von den Engländern wieder erbeutet, die Delarey Lord Methuen bei Tweebosch abgenommen hat. Die Verluste an Toten und Verwundeten auf englischer sowohl wie aus der Burenseite sind noch nicht bekannt. Tie Buren, heißt es, verteidigten sich energisch. Englischer seit s sollen die Verluste ziemlich bedeutend sein. In Londoner Finanzkreisen herrscht die Ansicht vor, daß dieser Sieg großen Einfluß aus die begonnenen Friedensunterhandlungen ausüben werde und die Buren zur Nachgiebigkeit zwingen dürste. In Burenkveisen glaubt man, daß Delarey im Vertrauen auf den Waffenstillst arid es an der nötigen Vorsicht habe fehlen lassen. Ta bat sich also Delarey schnöde getäuscht. Zwar ist von englischer Seite viel die Rede von Waffenstillstand gewesen, wohl auch zwischen Lkitchener und Schalk Burger, aber man hatte dabei anderes im Sinne und überrumpelte die auf die Worte der Engländer bauenden Buren. tfJian. gab wohl feine Versicherungen, aber täuschte mit verschieden deutbaren Reden die Ehrlichen, wie jüngst den niederländü- schen Ministerpräsidenten Tr. Kuyper. Das sind nun also böse Ostern für die Buren gewesen. Allerdings kommen auch ein paar den Buren g ü n st i g e Nachrichten > vom Kriegsschauplätze. Kitcheners Verlustliste der vergangenen Woche beweist, daß die Buren nicht nur bei Lyoen- burg, sondern auch an mehreren anderen Orten siegreich geblieben sind. Als bedeutsam wird die Thatsache angesehen, daß Malan und Fouchö aus der Ostecke oer Kap- kolonie nach Ueberwindung großer Hindernisse ins Zentrum der Kapkolonie vorrückten, wo sie durch die Kommandos Maritz und Wessels verstärkt wurden. Tie Buren sollen übrigens im Nordwesten der Kapkolonie eine neue Republik gegründet haben, die das Gebiet von Calvinia bis zum Oranjefluß umfaßt. Diese Nachricht ist zlveiselloS Brüsseler Unsinn. Inzwischen fahren die Engländer fort zu rüsten. Ca- nada erklärte sich sa.uf Chamberlains Ersuchen bereit, abermals 2000 Mann nach Südafrika zu entsenden, und englische Agenten kaufen in Südrußland fortgesetzt große Mengen für Südafrika bestimmte Pferde auf. Ter „Daily Expreß" erfährt aus Melbourne: Major Linchan meldete bei seiner Rückkehr aus Kapstadt dem General Hutten und dem Ministerpräsidenten Barton, daß, während er int vorigen Oktober 400 Buschmänner im Ko- mati-Tistrikte kommandierte, die Buren einen seiner Leu t- nants surchbar verstümmelten. Bier australische subalterne Offiziere schwuren, chren Kameraden zu rächen, und ließen, nachdem sie eine Art Kriegsgericht gehalten hatten, bei verschiedenen Gelegenheiten zwölf Buren erschießen. .Der kommandierende General des Diftrktes leitete eine Untersuchung ein, infolge deren Leutnant Whiton aus Victoria yingerichtet und Leutnant Morant aus West-Australien zu drei Monaten Festung in Kapstadt verurteilt wurde. Die Nachricht erregt große Aufregung in Australien. Vermutlich aber waren die Verstummter nicht Buren, sondern Kafsern! Cecil Rhodes ist am 26. d. M. in Kapstadt ge* stör bi n. Aus Stadt und Land. Gießen, 27. März 1902. ** SOjähriges Doktorjnbiläum. Heute sind 50 Jahre vergangen, seit der Rektor a. D. Dr. phil. Wilhelm Somrner- lad in Frankfurt a. M. an der Universität in Gießen promovierte. Der Jubilar ist im Mai 1861 in den Schuldienst der Stadt Frankfurt a. M. getreten. Er übernahm im Frühjahr 1873 das Rektorat der Liebfrauenschule und trat auf sein Ansuchen im Oktober 1895 in den Ruhestand, wobei ihm der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen wurde. Der Jubilar, geboren 1828 zu Reiskirchen in Hessen, erfreut sich guter Gesundheit und geistiger Frische. ** Von der Universität. Wie uns ein Privattelegramm aus Darmstadt meldet, hat der Großherzog den Primär- arzt der gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses der Ellsabethinerinnen in Breslau, Prof. Dr. Pfannenstiel, mit Wirkung vom 16. April zum ordentlichen Professor der medizinischen Fakultät der Landesuniversität und Direktor der Universitätsfrauenklinik ernannt. * * Das Regierungsblatt Nr. 14, ausgegeben am 26. März, enthält: Bekanntmachung, die Prüfung der Apothekergehilfen, hier die Beschäftigung von Apothekergehilfen mit ausländischen Prüfungszeugnissen in deutschen Apotheten betreffend. Vom 15. März 1902. * * Bahuhofsumbau. Die Unterführung für den Personenverkehr auf dem Bahnsteig Gelnhausen soll, wie wir hören, bis zum 1. Ostertag fertig gestellt sein. * * Von btt Eisenbahn. Seit etwa 14 Tagen haben die Arbeiten zur Erweiterung des durch Erdrutschungen gefährdeten Einschnittes zwischen Gi e ß en und Großen lind en ihren Anfang genommen. Der Einschnitt wird auf beiden Seiten des Bahnkörpers etwa 5—10 Mtr. erweitert. Die gefährdete Stelle ist 1—2 Klm. lang. Die Arbeiten sind auf die Dauer von drei Jahren verteilt, da für Ausgaben in jedem Jahre nur 20-—25 000 Mark vorgesehen sind. Die Erdmassen werden mittels Rollwagen auf Gelände gebracht, das die Bahnverwaltung von der Gemeinde Großenlinden erworben hat. Unternehmer Rosenthal aus Kreuznach führt die Arbeiten aus. Die Arbeiter sind größenteils Kroaten. Gegenwärtig gehen die Arbeiten infolge der Ungunst der Witterung nur sehr langsam vorwärts. Der Boden bearbeitet sich nicht besonders gut, da er zum größten Teil aus Lett besteht. • • Omnibus-Gesellschaft. Auf die heute abend 8Vs Uhr im „Cafä Bavaria" (Feidel) stattfindende Generalversammlung der hiesigen Omnibus-Gesellschaft sei auch an dieser Stelle nochmals besonders aufiuerffam gemacht. Wenn unser Berichterstatter recht unterrichtet ist, dürste ein Antrag auf Liquidation der Gesellschaft eingebracht werden, indem trotz Zuschusses der Stadt das Unternehlnen nicht rentabel ist. ** Restaurant Kaiserhof. Die schönen Lokalitäten des „Kaiserhofes" gehen, lüic wir erfahren, zum 1. April nach langwierigen Unterhandlungen der Beteiligten in die bewährten Hände des bisherigen Pächters des „Cafs Leib", Herrn Ferd. Harnickel, über. Der mit dem seitherigen Pächter, Herrn ©tegmann, abgeschlossene Vertrag ist auf gütlichem Wege zu diesem Zeitpunkt aufgehoben ivorden. Wie wir weiter erfahren, wird, wie bisher, im „Kaiserhof" sowohl das Bier der Aktienbrauerei Gießen wie der Brauerei Denning- hoff zum Ausschank gelangen. ** Schlechtes O sterwette r. Die Hoffnung, daß der Frühling ebenso schön, wie er angesangen hat, auch in seinem Weiteren Verlauf sein möchte, scheint fiel) nicht verwirklichen zu wollen, und mit den Aussichten auf Spaziergänge während der Ostertage sieht es recht irüb aus. Bereits seit Ende der vorigen Woche hat es fast täglich, wenn auch mit Unterbrechungen, geregnet, und seit gestern ist der Regen ab und zu sogar mit Schnee und Hagel untermischt. Es scheint, daß wir in eine Regenperiode hineingekommen sind; und auch das Barometer, das seit gestern zwar langsam, aber stecig fällt, macht uns keine Hoffnung aus besseres Wetter. Immerhin sind wir in Gießen und der näheren Umgebung noch besser daran, als andere Gegenden. So meldet uns unser ^Korrespondent aus dem oberen Vogelsberg, daß sich das Wetter dort wieder recht winterlich gestaltet bat. Es habe tüchtig geschneit und seit einigen Tagen sei es aiul) recht stürmisch. — Unser k-Korrespondent meldet aus Ranstadt, daü gestern nachmittag über die dortige Gegend ein Hagelschauer niederging, der mit schweren elektischen Entladungen verbunden war. Ein Blitzstrahl sei in eine Pappel gefahren, habe diese zerschmettert und auch ein darunter befindliches Huhn getötet. — Aus Lampertheim kommt die Nachricht, däß dort am Dienstag ein starker Sturm gewütet habe. Aua) ein anhaltendes Hagelwetter sei niedergegangen. — Ebenso wurde, wie W. T. B. meldender südliche Laubaner Kreis am Dienstag von einem schweren Gewitter heimgesucht, bei dem der Wirtschaftsbesitzer Seidel in Neugersdorf vomBlitz erschlagen wurde. • * Mißbrauch mit Rückfahrkarten. Daß die neuere Be- Zweites Blatt. ISS. Jahrgang Donnerstag SV. März 1902 V VezngSpretSr /PJMKy A monatlich 7bPs., viertel» ifilW ▼ rNr H ▼ . jährlich Mk. 2.20; durch Gietzener,Anzeiger m General-Anzeiger v w v -*7 Jur den uoht. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MM V I KP zeigenteil: Hans Beck. Ausland. Paris, 26. März. Die franz ösische Regierung kaufte die im diesjährigen „Pariser Salon" zur Ausstellung gelangenden PortrattL der Aiadame Roosevelt crnd Miß Alice Roosevelt an, um sie dem Präsidenten Roosevelt zu schenken. Das Pottrait der Frau Roosevelt ist für den Hauptsaal des Weißen Hauses, das Pottrait der Miß Alice ist für das Arbeitszimmer des Präsidenten bestimmt. (Der „Pariser Salon" ist eine alljährlich im Frühjahr veranstaltete Gemäldeausstellung. Herr Loubet beabsichtigt also, angesichts der deutschen Prinzenreise nach Amerika, sich bei seinem Kollegen Roosevelt in angenehme Erinnerung zu bringen. D. Red. d. Gieß. Anz.) Krakau, 26. März. Der „Nowa Reformer" meldet aus Warschau: Die Beziehungen zu preußischen Agenten hatte Oberst Grimm vor sechs Jahren angeknüpft und im ersten Jahre ein Gehalt von 40000 Rbl. erhalten, die jedoch, da man von Grimm noch mehr verlangte, im Laufe der Jahre auf 12 000 Rubel reduziert wurden. Er war wegen dieser Behandlung unzufrieden nnd knüpfte deshalb Verbindung mit einer anderen Macht an. Entgegen den Meldungen französischer Blätter, der französische Generalstab sei auf die Spuren von Gttmms Machinationen gekommen, wird festgestellt, daß dies der Militärattache in Wien, Woronin, gewesen sei. Belgrad, 26. März. Die Hofdame der Königin, Frl. Petrovijewitsch, wird binnen Monatsfrist ihrer Stellung enthoben und statt ihrer eine Frau zur Hofdame ernannt werden, weil die Königin in gesegneten Umständen sei und der Gesellschaft einer verheirateten Dame bedürfe. (Dame Draga hott also nicht auf, ihr süßes Saschachen auf seinem Dhrönchen an dem Näschen herumzuführen. D. Red. des Gieß. Anz.) Sofia, 26. März. Einer Blättermeldung zufolge werde der Fürst von Bulgarien, einer Einladung des Kaisers von Rußland entsprechend, im August den russischen Manövern beiwohnen; infolgedessen wurde die Schipkafeier auf den Monat September vertagt. — Es verlautet, die Reise des Ministerpräsidenten Da new nach Petersburg bezwecke, den maßgebenden Personen über die finanzielle und politische Lage Bulgariens mündlich zu berichten. Valitijche Tagesschau. In den Fürstentümern Reuß geht das Gerücht, daß unter Leitung deS Fürsten Heinrich XIV. von Reuß j. L. vor etlichen Wochen auf dem Resideuzschlvsse Ostersteiu bei Gera ein Familienrat des fürstlichen Hauses Reuß abgehalten worden fei, der sich mit der Frage einer etwaigen Regentschaft in Reuß ä. L. beschästtgt habe. Dort ist neben dem zur Zeit nicht unbedenklich erkrankten 56jährigen regierenden Fürsten Heinrich XXII. als einziger männlicher Sproß der Familie der 24jährige, geistesschwache, körperlich aber kerngesunde Erbprinz Heinrich XXIV. vorhanden, sodaß die Möglichkeit des Eintritts einer Regentschaft nicht ausgeschlossen erscheint. Nach der Verfassung von Reuß ä. L. ist bei der jetzt vorhandenen Sachlage der nächste volljährrge und regierungsfähige Agnat des fürstlichen Gesamthanses Reuß zur Regentschaft berufen. Wie man hört, totrb dies Fürst Heinrich XXIV. von Reuß-Köstritz, das Haupt der Paragiatslinie Reuß- Schleiz-Köstritz sein, der sämtlich im Heere stehenden zahlreichen Prinzen Reuß angehören. Fürst Heinrich XXIV. ist durch seine verstorbene Mutter Luise, verwitwete Pttn- zessin von Sachsen-Altenburg, geborene Prinzessin Reußä L, ein naher Verwandter des jetzt regierenden Fürsten Heinrich XXII. von Reuß ä. L. Er residiert abwechselnd in Köstritz und in Ernstbrunn in Oesterreich, ist verehelicht mit Elisabeth, geb. Prinzessin Reuß-Schleiz-Köstritz, und steht ftimmung der nochmaligen Durchlochung der Rückfahrkarten Mißbräuche uicht ausschließt, beweist die seltsame Zuschrift eines leider anonym gebliebenen „alten Reiseonkels" an die „Schles. Ztg.", aus der folgende Sätze mitgeteilt seien: „Ich fahre seit langer Zeit jeden Monat öfter die Tour Breslau- Stettin, und zwar löse ich mir in Breslau eine Rückfahrkarte 2. Klaffe nach Stettin. Auf der ersten, und um Auffälligkeiten zu vermeiden, auch manchmal auf der zweiten Station steige ich aus, lasse mir die Fahrtunterbrechung bescheinigen, löse eine einfache Karte nach Breslau und fahre zurück. Mit dem nächsten Zuge fahre ich nach Stettin und löse mir eine Rückfahrkarte nach der Station, wo ich die Fahrt unterbrochen habe. In Stettin gehe ich mit meiner Rückfahrkarte Breslau-Stettin durch die Bahnsteigsperre. Während ich in Stettin meinen Geschäften nachging, fuhr meine Schwester auf eine neue Rückfahrkarte nach dem nächsten Vorort, ließ sich die Fahrtunterbrechung bescheinigen und kam auf ein einfaches Billet zurück nach Stettin. Jetzt war die Sache auf 45 Tage im Gange. Ich konnte von Stettin nach Breslau auf diese zwei Rückfahrkarten ungehindert fahren, so ost ich wollte, brauchte mir zu diesem Zweck jedesmal nur ein Retourbillet nach dem Vorort von Breslau bezw. Stettin zu kaufen, wo ich die Fahrtunterbrechung auf meinem Retaur- billet Breslau-Stettin bei der Hin- und Rückfahrt mir hatte bescheinigen lassen. Bei meiner Ankunft in Breslau oder Stettin übergab ich meine beiden Rückfahrten für die ganze Reise und die Rückfahrkarte für den Vorort meistens einem Reisefreunde, der denselben Tag durch Lösung einer Rückfahrkarte der Abfahrtsstation bis zur bescheinigten Unterbrechungs- station unbehelligt nach Breslau bezw. Stettin gelangte. Bei der Bahnsteigsperre durste natürlich nicht die Rückfahrkarte Breslau-Stettin abgegeben werden, sondern nur die Vorortkarte. Auf diese einfache Weise habe ich mit einigen Freunden zwei Rückfahrkarten 2. Klasse Breslau-Stettin bezw. Stettin- Breslau innerhalb der 45 Tage bis 32mal benutzt, nur immer mit Lösung der Retourkarten für die genannten Vororte. Eine Revision, die oft genug stattfand, konnte natürlich nichts sinden, denn die Karten waren ja vollkommen vorschriftsmäßig bescheinigt. Die Reisespeisen stellten sich für uns auch recht gering. Da ich nicht mehr genötigt bin, in dem Umfange zu reisen, wie bisher, so möchte ich hieruul meine diesbezüglichen Erfahrungen gern zu Nutz und Frommen der Eisenbahnbehörde veröffentlicht sehen und will verraten, daß diese Art, billig zu reisen, eine viel größere Ausdehnung gewonnen hat, als sich die Bahnverwaltuug träumen läßt. Jetzt soll die Hinfahrt durchlocht werden; dies schützt bei weiteren Reisen aber auch nicht, denn der Reisende kann sich in einem Vororte eine Karte lösen, die er durchlochen läßt und dadurch so billig reift und so betrügerisch wie bisher ich und meine Freunde.» tt Lollar, 26. Marz. Die neue Bahnstrecke nach Londorf ist bis auf den Anschluß an das Hauptgleffe der Main- Weser-Bahn, womit man jetzt beschäftigt ist, fertig gestellt, sodaß die Eröffnung der neuen Linie mit Beginn des Sommer- fahrplans erfolgen kann. — Wie man hört, soll auch das hiesige Stationsgebäude in Kürze durch einen Umbau eine Erweiterung erfahren. Der Zugang zu den Zügen erfolgt in Zukunft durch eine Unterführung, deren Herstellung bereits in Angriff genommen wurde. -t- Beuern, 26. März. Am Chavfreitag Nachmittag, 1/22 Uhr beginnend, bringt der hiesige evangelische Kirchengesangverein .Succos Oratorium: Heör Gott, du bist unsre Zuflucht für und für rc. für Chor, Soli, Gemeindegesang und Orgel in der hiesigen Kirche zur Aufführung. Ter Eintritt in die Kirche ist frei, doch werden am Ausgange freiwillige Gaben zur Deckung der Unkosten entgegen- genommen. — Am zweiten Ostertage, nachmittags 1/26 Uhr, wird Pfarrer Deggau vom Elisabethenstifte in Darmstadt eine Kleinkinderschulschwester in ihren Dienst im Gottesdienste einweisen. Die Kleinkinder schule wird gleich nach Ostern beginnen. 8 Ruppertenrod ,26. März. Aus der Oberklasse der hiesigen Volksschule wurden zwei Konfirmanden entlassen, von denen der eine das respektable Gewicht von 139 Pfund besitzt bei einer Körpergröße von 1,69 Meter, der andere die respektable Höhe von 1,75 Meter bei einem Körpergewicht von 127 Pfund. t. Burkhardsfelden, 26. März. Unser Ort wächst mit jedem Jahre. Nicht nur die Einwohnerzahl, sondern auch die Zahl der Gebäude nimmt zu. Im letzten Jahre (1901) wurden einschließlich des Schulhauses 7 Neubauten fertiggestellt. — In die Schule werden in diesem Jahre 22 A-B-E- Schützen aufgenommen, während 16 Schüler entlassen werden. 1' Groß-Felda, 25. März. Am Sonntag, während Sohn und Tochter in der Mittagskirche waren, erhängte sich.in seiner Wohnung ein hiesiger Bürger, der sich noch im besten Mannesalter befand. Er hatte noch vor einigen Tagen Rechnungen für die hiesige Apotheke ausgetragen und das Inkasso besorgt. In solchen Geschäften war der! Verstorbene überhaupt zuverlässig. Die Beweggründe zur traurigen Thal sind noch unbekannt. ? Burg-Gemünden, 26. Mrz. Ein hiesiger Knabe war gestern mit Holzspalten beschäftigt. Ein fünfjähriges Mädchen sah mit zu und half wohl auch. Da traf das Beil ihre Hand, uni) Mittelfinger und Ringfinger d u r ch s ch n i tt der Hieb. Während von letzterem das vordere Glied glatt durchgehauen wurde, hing der Mittelfinger noch so an, daß er vom Arzte an genäht werden konnte. [J Aus dem Seern en th ale, 26. März. Tie Winterfrucht, Raps und Klee, haben recht gut überwintert. Tie Befürchtungen, daß durch den Sonnenschein bei Tag mit darauffolgenden Frostnächten dem Klee und Raps schwerer Schaden zugefügt wurde, hat sich nicht erfüllt. Wie sich die Wiesen beginnen in neues Grün zu kleiden, so fängt auch auch bereits der Klee an zu wachsen. Bei der geringen Törrfutterernte des vorigen Jahres käme ein reiches Grünfutterergebnis um so willkommener. Laubach, 25. März. In nächster Zeit wird in unserer Gemarkung eine umfangreiche Entwässerung vorgenommen. Zu diesem Zwecke hat sich eine „Wassergenossen- schaft" konstituiert, die hier ihren Sitz hat. Die Kosten der gemeinsamen Anlagen werden von der Genossenschaft getragen ; die Kutturinspektion Gießen ist mit der Ausführung der Arbeiten beauftragt. Darmstadt, 26. März. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen werden am Freitag, vormittags 10 Uhr vier Minuten zu längerem Besuche hier eintreffen. Im Gefolge befinden sich Hofdame Fräulein v. Plänckner und Kapitän-- leutnant v. Egidy. b. Mainz, 26. März. Der Gemahlin des Oberbürgermeisters Dr. Gaßner hat der Groß Herzog sein Bild in einem prächtigen Rahmen übersandt, wie es in dem Begleitschreiben heißt, „zur Erinnerung an den unvergeßlichen Tag — 23. September 1901 —, den ich in Ihrem Hause verlebte". An dem bete. Tag weilte der Großherzog bekanntlich anläßlich der Eröffnung der Gartenbauausstellung in der Famllie des Oberbürgermeisters. Mainp 26. März. Wie der ,Mainz. Anz." sicher vernimmt, wird der Kaiser im Mai gelegentlich seines Besuches der Wiesbadener Festspiele auch nach Mainz kommen, allerdings nicht zu einer Truppenschau, wie gemeldet worden war, sondern zur Besichtigung der Neubauten für das Jnf.- Leibregiment Großherzogin 9h:. 11 und des Husaren-Regts. Nr. 13, sowie der neuen Militärbäckerei und des Proviantamtes in der Neustadt. Eine Truppenschau in Mainz durch den Kaiser dürste jedoch für August wahrscheinlich sein, da in diesem Monat das kaiserliche Hoflager nach Homburg v. d. H. übersiedeln wird, wo die Einweihung der Denkmäler des Kaisers und der Kaiserin Friedrich in Aussicht genommen sind. — Gestern Mittag tötete sich mit seinem Dienstgewehr durch einen Schuß in den Mund der Unter» Offizier Krüger von der 8. Komp, des Fuß-Art.-Negiments Nr. 3 auf feiner Stube in der Bauhofkaserne. Um 5 Uhr trat am Thatorte die Militär-Gerichtskommission zusammen. Krüger, in Berlin gebürtig, ist erst seit IV2 Jahr von der Infanterie zum Regiment übergetreten und wollte die Zahl- metfter»Äarriere einschlagen. Was ihn zum Selbstmord trieb, konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. -i- Mainz, 26. März. Am heutigen Tage hat Professor Dr. M. Biermer aus Gießen den von dem Großh. Ministerium des Innern in Verbindung mit der hiesigen Handelskammer ins Leben gerufenen „H and e l s wissenschaftlichen Vortragskur s", der an acht Abenden im Saale der Liedertafel im Laufe des März stattfand, zu Ende geführt. Der Kurs behandelte in acht andertha.lv- stündigen Vorlesungen das Geld-, Währungs-, Kredit- und Bankwesen. Der Kurs war von Anfang bis zu Ende außerordentlich zahlreich besucht, lieber 220 Leitnehmerkarten waren gelost worden, und da auch regelmäßig die Mitglieder der Handelskammer, eine größere Anzahl von sonstigen Prinzipalen, höheren Juristen, Verwaltungsbeam- ten und Banbdirektoren zu den Hörern gehörten, so war an jedem Vortragsabend der gvoße Saal der Liedertafel vollständig besetzt. In den kaufmännischen Kreisen unserer Stadt ist man allgemein der Ansicht, daß durch regelmäßige Fortbildungskurse der Art der Handelshochschuigedanke den besten Ausdruck findet, und wie wir hören, ist das Darmstädter Ministerium ebenso wie die hiesige Handelskammer entschlossen, diese handelswissenschaglichen Vortragskurse in den zukünftigen Wintersemestern fortzufetzen und sie zu einer dauernden Einrichtung zu geftalteu. Der Gedanke einer ständigen Handelshochschule in Mainz darf dagegen als au, gegeben betrachtet werden. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die alldeutschen Vereine Rheinhessens haben beschlossen, einen Bis marckturm zu errichten. Als Standort ist das Waldeck bei Jngelh eim ausersehen, eine Anhöhe, die weithin sichtbar ist und besonders gut von den Nheindampfern aus gesehen werden kann. Zu Ostern erscheint ein Aufruf an die Bevölkerung. — Am Montag Vormittag wurde die englische Erzieherin Miß Stiltom, als sie mit zwei Kindern im Walde in der Nähe des Forsthauses im Frankfurter Stadtwald promenierte, von drei Burschen im Alter von 16—19 Jahren üb er fallen und einer kleinen Handtasche beraubt, die sie am Gürtel trug, und in der die Straßenräuber jedenfalls einen größeren Geldbetrag vermuteten. Das Fräulein lief mit den Kindern nach dem Forsthaus und erzählte dort den Vorfall, worauf sofort die Polizei verständigt wurde, die eifrig auf der Suche nach den Wegelagerern ist. — Ein Tagelöhner in Bad-Ems wollte seine in dem Krankenhause untergebrachten Kinder besuchen. Er wurde in das Wartezimmer geführt und erschoß sich dort, noch ehe ihm die Kinder zu- geführi waren. Vermischtes. * Bremerhaven, 26. März. Mit dem Lloyddampfer „Dresden" traf Terlinden, begleitet von amerikanischen Polizisten hier ein und wurde nach Duisburg weitergeführt. * Konstantinopel, 26. März. In der letzten Woche sind in Medina 11, in Mekka 523, in Djedda 17 Choleratodesfälle vorgekommen. Seit Beginn der Epidemie ereigneten sich 1129 Todesfälle. New-P0rk, 26. März. Die Auslieferung Herr- les, welcher der Veruntreuung beim V0rsch uß - verein in Landshut beschuldigt wird, ist angeordnet worden. * Ein schwerer Wagen-Unfall bei einem Begräbnis hat sich am Bahnhof in Belzig bei Potsdam ereignet. Etwa 20 Equipagen waren aufgefahren, um die zum Begräbnis der Mutter des Landrats von Tschirsky-Bögen- dorf eintreffenden Leidtragenden nach dem Familiengute Glien zu befördern. Als die Gespanne mit den Trauergästen abfuhren, gerieten einige Wagen derartig in Trab, daß sie auf die vorderen Wagen auffuhren. Zwei Wagen stürzten um. In dem einen befand sich der frühere Regierungs- Präsident von Potsdam Graf Hue de Gres mit feiner Gattin, die beide einige leichtere Verletzungen an Kopf und Armen erlitten. Schlimmer erging es dem Regierungs- Assessor von Wed eil. Derselbe erlitt einen sehr komplizierten Fußbruch, während Herr von Bredow mit leichten Ver- letzungen davon kam._____________________________ Gerichtssaal. L Gieße«. 26. März. Schöffengericht. Das Schöffen^ gericht beschäftigte sich u. a. mit der Strafsache gegen einen hiesigen Gastwirt und Konzerthausbesitzcr sowie dessen Sohn wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz. Beide waren auf den Gedanken gekommen, die Bierreste zu sammeln, mit Bier aus dem Fasse ausmfrischen und diesen Mischmasch den Gästen zu verabreichen' desgl. sammelten sic den von den Gästen verschmätzten Wein, gossen denselben untereinander und verkauften ihn andern Wirtshausbesuchern, von denen sie voraussetzen dursten, daß sich diese eines nicht allzuverwöhnten Gaumens erfreuten. Diese Handlungsweise ist um so schwerer zu ahnden, als hierdurch Krankheitsübertragungen Thür und Thür geöffnet wurde. Das Gericht erkennt gegen beide Beschuldigten auf eine Geldstrafe von je 40 Mk. — Ein Dienstmädchen aus Gießen, das sich in der hiesigen Fraueiiklinik befand, entwendete dort anbcrit Personen einen 9iock unb ein paar Stiefel. Sie erhält eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen. — Unter der Beschuldigung, seinen Geschaftsgehilfen die nach Maßgabe der Gewerbeordnung vorgeschriebenen 3t ut) e» pausen nicht zu gewähren, war ein hiesiger Bäckermeister zur Anzeige gebracht ivordcn. Gegen den ihm zugestellten Strafbefehl hatte er Einspruch erhoben, unb zwar mit Erfolg, beim bas Gericht gelangt zu einem freisprechenden Erkenntnis — Ebenfalls auf Freisprechung lautet bas Urteil gegen einen hiesigen Schorn- steinsegergesellen, ber wegen Sachbeschädigung zur Verantwortung gezogen worben war. Händel und Verkehr. VolkLmirlschäst. fc. Bon der Lahn, 26. März. Die Thon- und Steingutwarenfabrik in St affel, welche sich im Herbst v. Js. genötigt gesehen hatte, von ihren 500 Arbeitern über 300 zu eiulassen, beschäftigt jetzt wieder über 300 Personen. Arif dem Eisenwerk Kartshütte konnte der Betrieb vollständig aufrecht erhalten werden. Arbeiterentlassungen tarnen nicht vor. Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank). Der Geschäftsbericht rveist auf die Umstände hin, die den rvenig günftigeit Verlaus des Jahres 1901 verschuldet haben, insbesondere auf die übergroße Expansion unserer heimischen Industrie und als Folge davon die Anhäusuub starker spekulativer Engagements in schwachen Händen, die ber Abnahme der Konjmiktur zu einer akuten Krisis führten. Durch diese Ereignisse habe die Geschästs- lage zeitwellig einen ernsten Anblick erhalten, als nach Lage der thcNsächlichen Verhältnisse gerechtfertigt war, es stabe gegen Ende des Jahres denn auch das Vertrauen des Publikums in unsere Industrie ziirückzukehren begonnen. Bei einer verständigen Mäßigung könne mit Sicherheit eine Heilung der entstandenen Schäden und eine Rückleitung des Geschäfts ut normale Bahnen erwartet werben. Unumgänglich notwendig dazu sei, daß unferm Außenhandel durch die Annahme gemäßigter und langfristiger Handelsverträge unb unserm Börsengeschäft burch die Aushebung ber ebenso ftörenben wie unzweckmäßigen Bestimmungen bes Börsengesetzes bie Möglichkeit einer gejunben Entfaltung gewahrt werbe. Bezüglich ber starken Reservestellungen, bie die Verwaltung vorgenommen hat, wird bemerkt, daß die seit Ende 1901 eingetretenen Kurssteigerungen die geübte Vorsicht teilweise als übertrieben erscheinest lassen. Das ungünstige Ergebnis finde seine Erklärung im ivesentlichen in der Verteilung der Einnahmequellen, wobei das Hauptaugemnerk dem Effekten- und Emisswnsgeschaft zugewendet wurde, während bas Konto-Korrentgeschäft an bie zweite Stelle trat. Diesem Mangel solle burch Gründung weiterer Filialen unb Depositenkassen abgeholsen werben. Zwei größere Verluste traten burch bie Verbmbung mit Terlinden unb bem Bubapester Hause Haas u. Deutsch ein. Eine erhebliche Erweiterung bes Konto-Korrentverkehrs erwartet bie Verwaltung von ber Anglieberung ber Breslauer Diskontobank. Der Schaden, welcher aus der Verbindung mit Differdinaen-Dannenbaum drohte, wurde durch die Reorganisation auf ein Minimum reduziert, aus diesem Engagement dürste im lausenden Jahre ein nicht unbedeutender Nutzen erfolgen. Der mäßige Verlust an dem Aktien-Engagement bei der Rheinischen Bank wurde abgebucht. Die aus der Reorganisation der Deutschen Grundschuld-Bank hervorgegangene 9leue Boden-Aktiengesellschaft befinde sich in erfreulicher Entwicklung. Der unter Führung des Instituts oorgenommene Sanierungsplan ber Pommerschen Hypotheken-Attienbank habe Annahme seitens nahezu aller Pfandbriesbefitzer gefunben; es lasse sich eine, wenn auch langsame, so doch gedeihliche Entwicklung dieses Instituts erwarten. Zur Emission von Stadtauleiheu. Aus Berlin wird berichtet: Die Stabt Offenbach a. M. hatte für ihre 3>/zproz. Schuldverschreibungen im Gesamtbeträge von 6000000 Mark Pro» spektsreiheir beim Hanbelsminlster nachgesucht. Die Aeltesten beschlossen, bas vom Handelsminister erforderte Gutachten dahin ab» zugeben, daß sich die Veröffentlichung eines vollständigen Prospekts empfehle insbesondere auch mit Rücksicht auf die ziemlich hohe Verschuldung der Stadt Offenbach. (Der Fall ist im Hinblick auf das starke Anwachsen der städtischen Anleihen in Deutschland sehr bemerkenswert und verdient auch im Hinblick daraus Beachtung, daß gerade bei städtischen Anleihen vielfach ber Modus beobachtet wird, die Anleihen zunächst ohne Veröffenllichung eines Prospekts, aufzulegen unb nachträglich erst die Zulassung zu beantragen. In dem vorliegenden Falle hat die Darmstädter Bank die Anleihe freihändig in ihrer Kundschaft untergebracht. Baukcn-Fufiouen. Das neueste Schlagwort lautet: Interessengemeinschaft. Zwischen den Schaaffhausen'schen Bankverein und ber Pfälzischen Bank ist es zwar nicht zu einer Fusion aber boch zu einer Interessengemeinschaft gekommen. Die Fusion ber Farmer Handelsbank unb ber Bergisch» Märki scheu Bank ist gesichert. Die Berliner Bank sucht noch nach einem geeigneten Anschluß; vorläufig steckt sie vorsichtig ihre Fühler aus, um ihren Geschäftsumsang zu vermehren. So erwarb sic das Baickkommissions- unb Depositengeschäft ber Mecklenburg - Strelitzischen Hypothekenbank. Lieber all herrscht bas Bestreben, bie Wunden, bie bas vergangene Jahr geschlagen hat, wieber auszumerzen. Bestellung von Güterwagen für die Preußischen StaatS- bahuen. Wahrend urspünglich nur 4800 Stück Wagen bestellt werben sollten zur Lieferung dis Herbst, ist nunmehr laut „Berl. Akt." ben Waggonfabriken ein Auftrag von über 8200 Stück Wagen zur Lieferung bis April n. Js. erteilt worben. Frankfurter Maschinenfabrik - Aktieugesettfchaft Frankfurt a. M. Wir haben bereits über das ungünstige Resultat des abgelaufenen Geschäftsjahres kurz berichtet. Die Gesellschaft zahlle 1899 25 Prozent, 1900 12 Prozent Dividende unb bas Jahr 1901 hat einen Fehlbetrag von Mk. 38 232 gebracht, burch dessen Deckung sich die Reserve auf Mark 32.064 stellt bei 1 Mill. Mark Aktienkapital. Die Schuld an dem ungünstigen Ergebnis ruht in den prekären indnstrieellen Verhältnissen des vergangenen Jahres. Die Direktion hofft durch Reduzierung der Geschäftsunkosten sowie durch rationelle Einrichtung ber Fabrikation bie Selbstkosten zu ermäßigen und dadurch in die Lage zu kommen, bei einer Besserung ber Absatzverhältnisse mit ersprießlichen Resultaten arbeiten zu können. Lieber ben Geschäftsgang int neuen Jahr wird nütge- teilt, baß sich Anzeichen einer Besserung bemerkbar machen, inbem eine Zunahme ber Aufträge zu verzeichnen ist. Neue Anleihe der Stadt Homburg v. 0. Höhe. Die Stabt Homburg v. b. H. beabsichtigt bie Aufnahme einer 3'/»proz. Anleihe von 2 Mill. Mk. Bergwerksgefellfchaft Hibernia. In ber orbentlichen Generalversammlung sprach sich ber Direktor. Bergrat Behrens, auch über bie Lage aus. Er meinte, baß die Beschäftigung ber Kohlenzechen bavon abhängig bleibt, ob bie leichte Besserung ber Eifeninbuftrie sich fortsetzen wirb. Aber auch bann werbe bie Wirkung auf bie Kohlenzechen nur eine langsame sein können. Vom 1. April ab wirb ber Preis burchschnittlich um V- bis 1 Mark nichtiger; zu biesem Preise habe auch bie große Anzahl ber Verbraucher für bas nächste Jahr abgeschlossen. Auch für Koks involviere bie bekannte Preisermäßigung einen erheblichen Ausfall. Märkte. Limburg a. d. L., 26. März. Fruchtmarkt. Durchs schliittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.40 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 10.70 Mk., Gerste 9.46 Mk., Hafer 8.40 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungeu des Gießener' Anzeigers. Berlin, 27. März. Das Schicksal des dem Abgeordneten- hause vorliegenden Gesetzentwurfs wegen der Aenderung der juristischen Vorbildungs-Bedingungen wird in unterrichteten Kreisen als unsicher angesehen. Vorwiegend neigt man der Auffassung zu, es werde der Vorschlag der Verlängerung der Studienzeit und der Abkürzung des praktischen Vorbereitungsdienstes angenommen, das Zwischenzeugnis und die Bestiinrnnng wegen der Zwangsübung aber verworfen werden. Kiel, 27. März. Prinzessin Heinrich von Preußen ist vormtttags 9 Uhr hier eingetroffen. junger Bursche vom Lande, V der mit Pferden umgehen L, sucht Stelle als Kutscher oder Hausbursche. Näheres 01276 Gutheil, Schulslraße 11. (T^ur Erlernung des Haushalts iu -O der Küche sucht junges gebild. Mädchen Stellung mit Familienanschluß und einer kleinen monatlichen Vergütung; dasselbe ist im Nähen durchaus erfahre«. Hute Dcyandkung Kauptbediug««,-. Gest. Offerten bitte zu richten an Frl. A. Dillman«, Dortmund i. 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Wie mehrere heutige Morgenblatter berichten, liegen Gründe vor, die darauf schließen lasten, daß die Armee demnächst mit einem neuen Gewehr-Modell Entsicld versehen werden wird, das namhafte Verbesserungen erfahren und eine grüße Aehnlichkeit mit dem Mausergewehre besitzt. — Lord Salisbury hatte gestern eine Audienz beim Könige und wurde von diesem zur Tafel gezogen. Da das Parlament in die Ferien gegangen ist und die meisten Minister London verlassen haben, wird man über die Unterhandlungen mit den Burenführern weder von der Negierung noch vom Parlament etwas erfahren. .Man nimmt an, daß die Burenführer in Pretoria persönlich u. a. sagt, die Behauptung, daß Oberst Grimm den ftcm- zösisch-russischen Mobilisierungsplan verkauft, wäre eine Unwahrheit. Grimm habe vielleicht mehrere Festungspläne und Schriftstücke über künftige Bewegungen der Truppen verraten. Seine Komplizen seien ein Jntendanturofsizier, zwei oder drei Suballernofsiziere. — Puszyrewski wird heute dem russischen Boffchafter einen Besuch abstatten. Nom, 27. März. Minister Prinetti hat sich gestern Abend nach Venedig begeben, wo heute die Zusammenkunft mit dem Grafen Bülow stattfindet. Es güt für wahrscheinlich, daß die Zusammenkunft Z an ar dell iS mit dem Grafen Bülow am Samstag in Peschiera statthaben wird. Konstantinopel, 27. März. Die Generale Fuad und Nizam Pascha sind zur Degradation und lebenslänglicher Festungshaft verurteilt worden. Fuad ist vorläufig in der Kaserne in Damaskus aber mit allen Ehren als Marschall interniert. Warschau, 27. März. Ein unblutiges Duell fand gestern zwischen dem Direktor der Philharmon.schen Gesellschaft Reich, mann uud dem Schriftsteller Szgietinski statt. Der vor- hergegangeue Streit brach am Dienstag im vollbesetzten Konzert- saale aus, wo sich die Gegner ohrfeigten. . Kapstadt, 27. März. Die Leiche Cecil Rhodes wird heute nach seinem Schloß Grootschwur in der Nähe von Kapstadt überführt werden. Rhodes wird auf Staatskosten beerdigt. Die Begräbnisfeier findet in Maetao statt, dem früheren Aufenthaltsort des Verstorbenen. Sämtliche Blatter Araber Junge aus onftönb. ■ö Familie, ev. Waise, kann das Portefeuille-Geschäft bei einem Offenbacher Meister gegen freie ftoft u. Logis gründlich erlernen. Offerten unt.Angabe näh.Umstände unter F A 1276 an H. A. Aauöe “ 2468 2305] Eine Wohnung, 4 Zun. u. Küche i. 2. Stock, Grünbergerstraße, per 1. Juli zu vermieten. Offert, u. 2305 an die Expedition. Lehrling gesicht,Berechtigung, für eine hiesige größere Fabrik der Baubranche. Selbstgeschrieb. Offerten unter ll 2544 an die Expedüion d. Bl. erbeten. /Achön mobL Zimmer z. 1. April 'ö od. später an Kaufmann od. Beamten zu vermieten. 2514 ____________Seltersweg 4. C^iir Einjährige.Gut möbliertes ly Zimmer per 1. April zu ver- mieten. Brandgasse 3, I. 01253 HeMrstchemg. Montag den 7. 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Unseren! lieben Kameraden Karl Damm zu seinem 17.Wiegen feste ein donnerndes Hoch, daß cs im Oberdorf schallt und in GundrumS widerhallt. 01282 Das durstige Kleeblatt. 2. und 8. Feiertag: Tanzvergnügen 01295 Der Bvrftand. Danksagung. . Wr die »leien Beweise herzltcher Teilnahme bei dem Ableben unseres lieben Sohnes und Bruders Heinrich Grün sagen herzlichen Dank 01288 Die trauernden Hinterbliebenen. Aießeu, den 26. März 1002. TodeS-Anzeige. "Nb Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß gestern abend unsere liebe Tochter und Schwester Anna | nach langen», schwerem Leiden im 21. Lebensjahre sanft ” entschlafen ist. z 1 ’ Familie Starl Drescher. yilllUy* toffuf. Feder erhält sofort 600 reicht I'arllen, auch Bilder zur Auswahl. Senden Sie nur Adresse „Reform“, Berlin 14. zu verkaufen. Souneustraße 30. Einige Halbbrrdecke Brod- u. Metzgerwageu, zwei emsp. Chaiscngcschirre pretsw. abzug. Fr. Schwan jr., Wetzlar. 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