Donnerstag S7. März 1908 158* Jahrgang Erstes Blatt. E Nr. 73 Erscheint tSgNch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- -latter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwerj.-Buch- u.Stein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprrchanschlußNr.51. es nicht besser fertig bringen würden. Die Begehrlichkeit der ostelbischen Innrer sei tu den Verhandlungen der Zolltarifkommission des Reichstages so recht klar jutaße getreten, und sie versuchten, die Zollsätze möglichst in die Höhe zu treiben, unbekümmert, was daraus entstehe. Aber bestehe denn die gar^e Nation aus Junkern! Andere Menschen hätten das Recht, mindestens auch so zu leben, wie der Durchschnittsbauer, dessen Lebenshaltuna weit besser sei als die des Arbeiters. Daß der ganz kleine Bauer leide, bezweifle er keineswegs; dies-er sei der Zinssklave der Kapitalisten, während der Arbeiter deren Lohnsklave sei. Wer der kleine Bauer habe seinen Vorteil von der Zollerhöhung. Von den Grenzen der Zollerhöhung habe man immer noch nichts gehört. Die .7,50 Mk. genügten heute chon nicht mehr; der Bund der Landwirte habe erklärt, daß man für tbrie Folge daran denken müsse, 10—15 Mark Zoll zu fordern. Das seien die Herzenswünsche der agrarischen Junker. Man wisse also heute noch nicht, auf welche Zollsätze man sich festlegen werde, und die Regierung habe ich darauf berufen, daß der Kompromißtarif das Aeußerste et; darüber dürfe man nicht hinausgehen, da sonst die Abschließung von Handelsverträgen unmöglich sei. Abg. Gras Oriola habe erklärt, besonders die hessische Landwirt- chast sei an den Zöllen in hohem Maße interessiert. Diese Annahme entbehre aber thatsächlich jeder Unterlage, weil die Mehrheit der hessischen Bauern nicht in der Lage sei, Getreide kaufen zu können, oder andernfalls selbst Brot und Futtergetreide zu hohem Preise zukaufen müßte. Die amtlichen Ziffern ergeben die Richtigkeit der von ihm vertretenen Auffassung. 79000 hessische Landwirte hätten unter 2 Hektar Land, 28000 hätten 2—5 Hektar, 16 000 besäßen 5—10 Hektar, 7000 Lanowirte 10—20 Hektar, 1600 20—100 Hektar und 123 Besitzer mehr als 100 Hektar. In Summa hätten also nur 20000 Besitzer den Vorteil, wahrend 100 000 hessische Landwirte nicht das geringste Interesse an der Zollerhöhung hatten. Das seien denn doch ehr merkwürdige Ziffern. Dagegen zeige der ostelbische Besitz ganz andere Verhältnisse; dort besäßen östlich der Elbe 78 Prozent über 100 Hektar. Die Zvllerhöhung komme also nur einem kleinen Kreise von Landwirten zu Gute aus Kosten der Allgemeinheit. Was nun die hessischen Steuerverhältnisse anlange, :-o gebe hier die Steuertabelle von 1900/01 sehr interessante Aufschlüsse. 22 200 Steuerpflichtige der 1. Llbteiluna repräsentierten ein Steuerkapital von 23 Millionen Mark, während die 2. Wteilung (500—2600 Mk. Einkommen) ein solches von 16 Millionen Mark aufweise; in dieses teilten sich 274 884 Censiten. Davon hätten 189 000 unter 1100 Mark Einkommen, also 71 Prozent. Das seien Leute, die von jeder Erhöhung am aller empfindlichsten getroffen würden, und die am Hungertuche nagten, wenn sie einmal eine Woche keine Arbeit hätten. Die Regierung habe deshalb allen Grund, gegen diese maßlosen Wünsche der Agrarier energisch Front zu machen. Den Pfaden der agrarischen Junker zu folgen, sei Brotwucher. Daß die Arbeiter auf die Stufe des Parias, des Lumpenproletariats, herabgedrückt werde, das müsse man zu verhindern suchen. Abg. Gras -Oriola habe weiter gesagt, man müsse die Meistbegünstigungsverträge kündigen und Kampszölle schassen. Werde man diesen Vorschlägen folgen, so werde dies von unberechenbaren Folgen sein. Wenn der Herr Graf von dem drohenden Untergang der Landwirtschaft gesprochen habe, so sage er, es wäre der Untergang des Volkes, wenn ihm Brot und Kartoffeln verteuert würden, denn dadurch treibe man das Volk zur Verzweiflung. Abg. Reinhart (nL) bittet, die Debatte über die Getreidezölle möglichst abzukürzen, da die Sache ja im Bundesrat und Reichstag erledigt werde. Der Brotwucher bestehe nur in der Theorie, aber nicht in der Praxis. Bei dem Wfchlusse neuer Handelsverträge müsse man die Fehler der alten vermeiden. Die von Amerika drohende Gefahr dürfe man nicht unterschätzen. Die praktischen Geschästs- lrute, darunter auch die Landwirte, verständen ihre Vorteile wohl besser als die Herren vom grünen Tisch. In dieser für Deutschland außerordentlich wichitigen Frage müsse man mit veralteten Theorien, wie dem Freihandel, brechen und sich nur die Frage vorlegen, wie kann der Vorteil Deutschlands am besten gewahrt werden. Angesichts der Gefahren, die der deutschen Industrie namentlich von Osten her drohen, dürfe man die Hände nicht ruhig in den Schoß legen. Durch einen angemessenen Schutz der Industrie und der Landwirtschaft schaffe man auch dem einheimischen Arbeiter Arbeitsgelegenheit und genügenden Verdienst. Wg. Gutfleisch (sreij.-wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen des Wg. Grasen Orrola hinsichtlich einer Abweichung eines Freisinnigen von den Parteigrundsätzen in der Zollsraae. Die Debatte sei seiner Ansicht nach in ein falsches Fahrwasser geraten. Heute handele es sich nicht um die Frage des Schutzzolles ober Freihandels, sondern um die Haltung der Regierung in dieser Frage. Man sollte doch der Reichsregierung das Vertrauen entgegenbringen, daß sie bei der Feststellung der Ziffern in den Verhandlungen mit anderen Regierungen die Interessen der deutschen Landwirtschaft wahren werde. Mit derartigen Forderungen dürfe man die Regierung nicht in solcher Weise drängen. Die Regierung habe ihre Antwort gegeben und er habe zu ihr das Vertrauen, daß sie in Berlin alles getljan habe, was sie thun zu können in der Sage gewesen sei. Wenn man weiter gehen wolle, als die Regierung in dieser Hinsicht gehen könne, dann werde man keine Handelsverträge abschlleßen können. Diese Wsicht der । Regierung, Handelsverträge zu schließen, resultiere aus der Erkenntnis, daß nicht nur die Landwirtschaft in einseitiger Weise begünstige werden könne, sondern daß auch Handel und Gewerbe geschützt werden müsse. Und deshalb freue er sich, daß die Regierung dem Grafen Oriola entgegengetreten sei und sich der Reichsregierung in der ZoUtaris- frage angeschlossen habe. In einem Zollkriege könne die Nation verbluten. Ein Interesse zu begünstigen und andere zurückzustellen, gehe nicht an. Abg. Wolf (fr. w. V.) tritt einzelnen Ausführungen des Abg. Ulrich entgegen und wünscht insbesondere einen erhöhten Gerstenzoll. Abg. David (Soz.) erwidert, daß geraoe der kleine Viehbesitzer Konsument ausländischer Gerste sei. Dieser werde daher in erster Linie von einer Erhöhung getroffen. Sie wollten die Interessen der 58 Prozent deutscher Landwirte vertreten, die feine acht Morgen Feld hätten. Der hessische Kleinbauer mit 2—4 Hektar sei auf die Industrie angewiesen, da ihn dieser Besitz nicht ernähren könne, und müsse seine Söhne und Töchter industriellen Unternehmungen zuwenden. Abg. Reinhart schließe sich den agrarischen Forderungen an, wie er sage, im Interesse der Arbeiter. Wer er sei in dieser Beziehung anderer Ansicht. Nun sage man, die Lebenshaltung der Arbeiter sei billiger geworden; aber gerade das Umgekehrte sei der Fall; man solle nur einmal die Begründung zum Beamtenbesoldungsgesetz studieren, dann werde man zu anderer Ansicht kommen. Tie amerikanische Konkurrenz sei deshalb so gefährlich, weil die Arbeiter dort ihre Lebensunterhaltungsmittel billiger hätten und deshalb leistungsfähiger seien. Daher könne die deutsche Industrie nie an die erste Stelle rücken, denn die besfere Lebenshaltung des Arbeiters fei das Fundament hierzu. In dieser Weise lasse sich der deutsche Arbeiter, wie es die Agrarier versuchten, nicht übers Ohr hauen. Geh. Staats rat v. Krug: Die Antwort der Regierung sei in der Regierungsvorlage und deren Begründung auch in Bezug auf die Höhe der Sätze enthalten. Deshalb könne sich die Regierung jetzt darauf beschränken, Bezug zu nehmen auf die Vorlage, die dem Reichstage vorliege. Ministerialrat Braun: Er wolle nicht auf alle hier aufgeworfenen Fragen eingehen, denn er glaube, daß die Negierung ihre Siellungnahme nur abschwächen werde, wenn sie sich an der Debatte beteilige. Nur einen Punkt wolle er herausgreifen. Man habe speziell auf die Wichtigkeit des Gerslenzolles hingewiesen, aber Graf Oriola habe es gestern unterlassen, Zahlen anzugeben. Der Interpellant habe lediglich gesagt, die Regierung solle eintreten für höhere Zölle, aber nicht gesagt, für was für welche. Wg. Wolf habe einen Gerstenzoll von 51/2 Mk. verlangt. Gegenüber dieser positiven Forderung könne er in Bezug auf die Gerste nur das wiederholen, was in der Zolltarifkommission beschlossen worden sei: daß dieser Satz in einer derartigen Höhe in keiner Weise annehmbar sei. Ein so umfängliches Werk wie der Zolltarif, dürfe nicht schablonisiert werden, sondern man müsse jede Position in ihren Einzelheiten prüfen. Auf Grund der angestellten Ermittelungen könne er nicht sagen, daß für hessische Verhältnisse gerade die Gerste eines erhöhten Zvllschutzes bedürfe. Bei unserer intensiven stultur in Hessen hatten wir einen Anbau und einen Ertrag an Gerste, wie ihn fein anderer Staat in Deutschland habe. In Hessen seien 540 000 Hektar dem landwirtschaftlichen Betrieb gewidmet, davon diene nicht ganz die Hälfte dem Körnerbau. Davon entfielen auf .Weizen 14 pEt., auf Roggen 33 pCt., 28,5 pCt. auf Gerste und 24 pCt. auf Hafer. Also Hessen fei in Bezug auf den Anbau der Gerste allen Staaten weit voraus und auf den Hektar käme ein Durchschnittsertrag von 23,6 Doppelzentnern. Starkenburg sei beim Gerstenbau mit 23 pCt., Oberhessen mit 33 pCt. und Rheinhessen mit 54 pEt. beteiligt. Bei derartigen hohen Beträgen brauche die Gerste bei uns am wenigsten Schutz. Der verantwortliche Leiter der Reichspolitik habe ihm persönlich gesagt, daß wir mit den vorgeschlagenen Sätzen bis an die äußerste Grenze, auf Grund Deren Handelsverträge abzuschließen seien, gegangen wären. Im Gefühle seiner Verantwortlichkeit könne er auf das Ersuchen des Abg. Wolf nicht emgehen. Wg. Schmitt (Ztr.) wendet sich vor allem gegen die Meiitbegünstigungsverträge mit außereuropäischen Ländern. Im übrigen habe die diesjährige Debatte gegenüber der vorjährigen im Wesentlichen nichts neues gebracht. Was er damals gesagt habe, gelte auch heute noch. Redner wendet sich bann gegen einzelne von den Sozialdemokraten vorgebrachten Punkte unwesentlicher Natur und wünscht in Deutschlanb denselben autonomen Zolltarif wie in ber Schweiz, sowie eine Zollunion der europäischen bezw. ber mitteleuropäischen Staaten gegen das außereuropäische Gebiet. Wg. Köh le r-Langsdorf (fr. 10. V.) freut sich, daß die Industrie eingesehen habe, daß sie mit der Landwirtschaft in der ZoUfrage Hand in Hand gehen müsse. Wg. Graf Oriola (nL): Wg. Ulrich solle doch einmal die landwirtschaftlichen Versammlungen ansehen, bann werde er nicht mehr von ostelbischen Junkern sprechen. Seine Ausführungen seien von Ulrich in verschiedenen Punkten mihberstcmben worden. Unter Kampfzöllen verstehe man doch nur Zölle in einer Höhe, die die Regierung in die Sage versetze, anderen Regierungen, die keine Handelsverträge schließen wollen, in entsprechende Weise gegen- übertreten zu können. Von seinen gestrigen Ausführungen nehme er nichts zurück, auch der Regierung gegenüber nicht. Der .Herr Ministerialrat Brau» hätte statt des Bruttoertrages auch den Nettoertrag des Gersteanvsus angeben müssen Auch die hessische Gerste bedürfe des Zollsatzes von 5.50 Mark. Er hoffe, daß seine Anfrage dazu beitragen werde, der Sandwirtschaft die entsprechenden Zollsätze zu gewähren. Schluß 2 Uhr. Das Haus vertagt sich sodann auf unbestimmte Zeit. ______ _ _ vezng»pret»r EH monatlich75Ps.,viertel- GietzeilerAMger« W General-Anzeiger v „Es» Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Karfreitag. Ein Tag ernster Erinnerung und besonnener Einkehr zieht morgen herauf. Auf der kahlen Höhe von Golgatha blutete für die Sünden der Menschheit der Reinste und Edelste, den je eine Mutter geboren, der je auf Erden gewandelt ist. Er, der ein Herrscher werden sollte über die Ewigkeit, ist den niedrigen Tod des Sklaven gestorben, nachdem er durch Schmach und Schmerzen gewandelt, wie sie noch keiner trug. Mögen viele von uns den Glauben an das christliche Dogma, mögen andere selbst den Glauben an Gott und Unsterblichkeit verloren haben, so muß doch jeden die Geschichte jener Stunden gewaltig ergreifen, in denen des Menschen Sohn, eben noch von einer jubelnden Menge mit Blumen und Blüten überschüttet und mit lautem Hosianna begrüßt, im Garten von Gethsemane mit der letzten menschlichen Schwachheit rang, in der er die Lebenssehnsucht der Kreatur besiegt, um unter unsäglicher Pein seine ©enbung zu erfüllen. Niemals hat eine Seele sich größer offenbart, als in den Worten, die damals vom Kreuze herab zu den Henkern klangen: „Vater, vergieb ihnen." Solchen, Heldenmut muß jedes Herz sich beugen. Und selbst dort, wo man den Gang der Geschichte nach mechanischen Gesetzen regeln zu können vermeint, wirb man die schlichte Thatsache nicht leugnen dürfen, daß noch immer die Lehre des erhabenen UmgeftaUerS altjüdischer lieber» lieferung, um mit dem Hrchristen Tolstoi zu reden („Meine Beichte", Bd. I. von Tolstoi's „sämtlichen Werken", Leipzig, Eugen Diederichs) die Kraft habe, die Menschen zu adeln und zu beglücken. Daß aber die Reinheit dieser Lehre um selbstischer Zwecke willen getrübt, ja in ihr Gegenteil umgewandelt ist, das ist das tiefe Bedauern des großen russischen Poeten. In Jahrhunderten ist der blanke Stahl fleckig geworden durch manchen Blutstropfen, der um der Religion willen vergossen wurde, und der Haß ist auf den Feldern emporgewuchert, in die einst das ©amenforn der Liebe versenkt worden ist. Wie die religiösen Satzungen der Inder, die das gluterdrückte, aus- gedörrte, diesseitige Leben nur als eine Vorbereitung zum Tode, die den dünnen häßlichen Körper nur als eine Fessel der ringenden Seele bettachten, den Fanatismus des Einzelnen auf sich selbst lenkten, daß er vorzeitig die Last des Daseins von sich abwirst, wie das Hellenentum seinem weisesten Sohne den Giftbecher an die Lippen preßte, wie gegen den Juden Baruch Spinoza der Arm des Meuchelmörders gelenkt wurde, wie die Lehre Muhameds die Instinkte des Orients zu blutiger Vernichtung aufreizte, so hat auch das Christentum unter der Zucht engherziger Hnduldsamkeit seine Spuren in Blut getränkt zurückgelassen. Wir Neuen, gefestet durch die Arbeit der Naturforscher und Philosophen, ringen gegen diese Unduldsamkeit, aber noch immer hat es sich erwiesen, daß kein Kampf schwerer ist als solcher Kampf, und daß kein Haß größer ist als der Haß, der auf dem Boden der Liebe erwächst. Darum ist unsere Zeit ungefüllt mit religiösen Zwisten, die nicht mehr, wie in den Tagen Karls V., furchtbare Völkerkriege herausführen mögen, die nicht mehr, wie in den Zeiten eines Torquemada die Scheiterhaufen anzünden für den Andersgläubigen, die aber dennoch einen tiefgehenden Einfluß ausüben auf die Geschichte der Gegenwart. Es ist ein gefälschtes, innerlich verkrüppeltes Christentum, das uns überall dort entgegentritt, wo Herrschsucht die Geister in Ketten und Banden schlägt, wo die Unduldsamkeit die Führung hat und ihre Anathema ausspricht über Jeden, der die Freiheit des Geistes fordert. Von der Höhe von Golgatha tönte in die Herzen das Wort: „Herr, vergieb ihnen." Der Sterbende am Kreuze hat freiwillig der irdischen Macht entsagt. Wann wird die Zeit kommen, in der die Schlacken von der Menschhett fallen und sie wiederum, ungestört und ungehemmt durch starren Dogmatismus und priesterliches Herrschervedürfnis, lauschen darf auf die reine, herrliche Lehre, die mit dem Opfer seines Lebens der Menschensohn auf den kahlen Höhen von Golgatha geweiht und besiegelt hat! Hessischer Landtag. Zweite hessische Ständekammer. 101. Sitzung. Darmstadt, 26. März. Dritter Präsident Schmitt eröffnet die Sitzung um 9.15 Uhr. Arn Regierungstisch: Staatsminister Rothe Exc., Finanzminister Gnauth Exc., Geh. Staatsrat v. Krug, Ministerialräte Braun und Ewald. Es wird mit der Debatte über die Anfrage der Wgg. Graf Oriolaund Genossen,dieGetreide- zölle betr., f0rtgesahren. Abg. Ulrich (Soz.): Die Ausführungen des Grasen Oriola in dessen gestriger Rede müsse er im Interesse der arbeitenden Klasse entschieden zurückweisen. Es sei ein gefährlicher Weg für die kleinen Bauern, den Lockungen der ostelbischen Junker, die ihm vorkämen, wie der Rattenfänger von Hameln, zu folgen, sonst würden.sie zu spät einsehen, daß sie sich in das eigene Fleisch geschmtteu hätten. Auch ihn befriedige die Antwort der Regierung nrcht, da sie ein Festhalten an der Vorlage des Bundesrates bedeute. Diese Vorlage habe aber eine Verteuerung des Brotes für den kleinen Mann im Gefolge. Das sei eine Politik der Aufreizung, wie es hundert sozialdemokratische Agitatoren Darmstadt, 26. MärH. Unseren Bericht über die Zolltarifi>ebatte, die am Dienstag in der zweiten Kammer begann^ ergänzen wir durch folgendes nach der „Darm". Ztg.": Die Anfrage der Abgg. Graf Oriola und Gen., betr. die Getreidezötle, beantwortet Staatsminister Rothe wie folgt: Durch Beschluß der verehrnchen zweiten Kammer vom 29. März v. I. zu dem Antrag der Abgg. Haas (Darmstadt), Köhler (Langsdorf), Dr. Frenay und 37 Genossen, betr. die Schutzzölle (Drucksache 510), ist die Großh. Regierung unter anderem ersucht worden, einzutreten: L „für eine, die Notlage der Landwirtschaft voll berücksichtigende, ausreichende Erhöhung der bestehenden Getreidezötle, in Verbindung damit 4. für den Abschluß neuer Handelsverträge, in welchen die vorstehenden Wünsche nach Möglichkeit erfüllt werden." In Uebercinstimmung mit diesem Ersuchen hat sich die Großh. Regierung auf den Boden der zur Zert der Beratung des Reichstages unterliegenden Zolltarifvorlage gestellt, deren § 1 insbesondere diejenigen Mindestzölle für Getreide enthält, bei deren Aufrechterhaltung der erwünschte Abschluß von Handelsverträgen noch möglich erschien. In vollem Einvernehmen mit der von dem Herrn Vertreter der Reichsregierung in der ZolltarisLommission abgegebenen Erklärung und ihrer Begründung sieht sich die Großh. Regierung darum auch jetzt außer Stande, auf eine Erhöhung der Mindeftzölle für Getreide hinzuwirken, sie erachtet es vielmehr im eigensten Jntevesse der Landwirtschaft gelegen, zu verhüten, daß etwa durch Bekämpfung oder Erhöhung der gedachten Sätze das Zustandekommen des neuen Zolltarifes und neuer Handelsverträge gefährdet wird. Aba. Graf Oriola beantragt darauf Besprechung der Anfrage und wird vom Hause unterstützt. Er führt un g efähr folgendes aus: Zur Stellung der Anfrage an die Großh. Regierung sei er veranlaßt worden durch die Mitteilung hervorragender Personen in der Zolltarifkommission, daß die verbündeten Regierungen nicht weiter gehen können, wie dies die Vorlage der Regierung vorsehe. Die Ausführungen des Staatssekretärs v. Posadowsky, daß Kompromißanträge unannehmbar seien, sowie die Erklärungen des Schatzsekrctärs v. Thielmann, daß die Regierung ihre Vorschläge als das Aeußerste betrachte, was sie thun könne, hätten im Lande große Erregung hervorgerufen und erschwerten eine Verständigung außerordentlich. Als Vertreter des hessischen Volkes und besonders der Landwirtschaft habe er Wert darauf gelegt, zu erfahren, ob die Groß- herzogliche Regierung weiteres Entgegenkommen in dieser Angelegenheit zeigen könne, und demgemäß handeln werde. Allgemein sei die Ansicht verbreitet, daß gerade die süddeutschen Staaten, insbesondere Hessen, durch ihre Stellungnahme eine Verständigung sehr erschwerten. Man würde werter kommen, wenn die preußische Regierung sich nicht an ihre diesbezügliche Abmachung mit den süddeutschen Staaten für gebunden erachte. Redner hat durch die ihm gewordene Antwort Klarheit erhalten, ist aber der Meinung, daß die Regierung dem Lande mehr entgegenkommen müsse, wie geschehen, und daß sie nicht auf ihrem Standpunkt beharren sollte. Die Regierung sollte wissen, wie das Land über die Vorlage denkt, die nicht den Wünsche der Bevölkerung und der Mehrheit des Hauses entspreche. Dafür seien Zeugeu die Gutachten des Landwirtschaftsrates, der landwirtschaftlichen Vereine, der Banernversammlungen rc.; auch "müsse er hier vor dem Lande öffentlich aussprechen, daß nicht die Großgrundbesitzer in Hessen, sondern hauptsächlich die kleinen Bauern es sind, die für die noch weiter zu erhöhenden landwirtschaftlichen Zölle eintreten. Es sei längst widerlegt, daß dies eine Angelegenheit der ostelbischen Junker sei; das beweise auch die Kundgebung der nationalliberalen Vertrauensmänner des Kreises Worms. Dieselben ständen auf dem gleichen Standpunkte wie Redner, und möchte er deren Grundsähe der Regierung zur Berücksichtigung empfehlen. Hessen gehöre zu denjenigen deutschen Staaten, die auf die Erhaltung eines guten soliden Bauernstandes den größten Wert legen müßten. Redner geht im weiteren auf die einzelnen Zölle näher ein und erklärt, daß besonders der Gerstenzoll ungenügend sei, da das intensive Lllrwachsen der Gersteeinfuhr geradezu bedenklich geworden; gerade in Hessen sei ein großer Teck der Ware dadurch unverkäuflich. Der bayerische Finanzminister sei insbesondere gegen weitere Erhöhung dieser Zölle, weil er im Interesse der mächtigen bayerischen Großbrauereien handle. Mau müsse Bayern die ungünstigen Verhältnisse der hessischen Bauern im richtigen Lichte zeigen. Ein Hauptgrund, daß die Konkurrenz der billigen Gerste so groß, feien die billigen Wasserwege, die den Transport besonders nach Hessen außerordentlich verbilligten. Hier müsse man auch entgegenarbeiten. Das Prinzip der äußersten Linken sei freilich, der Landwirtschaft keinen Groschen zu bewilligen, und habe Abg. Bebel ja im Reichstage Die Beseitigung aller Zölle befürwortet; von dieser Seite werde ein Tarifsatz von 3,50 Mk. ebenso für Brotwucher erklärt, wie derjenige von 5 Mt. Von Seiten der Regierung sei aber ein weiteres Entgegenkommen nötig, dies liege auch im Interesse der Industrie, die sich einen konsumkrästigen Bauernstand erhalten müsse. Nur durch eine gegenseitige Rücksichtnahme könnten brauchbare Handelsverträge geschaffen werden. Die Erklärung der Regierungsvertreter, daß man mit der Regierungsvorlage den Mittelweg einhalte, sei unrichtig. Sehr erschwerend für eine Verständigung wirkten die Meist- begünstigungsverträge mit außereuropäischen Staaten, deren Kündigung eine absolute Notwendigkeit sei, wenn eine verständige Handelspolitik möglich sein solle. Ohne K'ampf- zölle und 5lompenfationsobsekte werde man nichts erreichen, nur wenn man in dieser Beziehung gut gerüstet sei, werde man gute Beziehungen zu den fremdländischen Mächten herstellen können. Das Wort Bismarcks: .„Wir Deutsche fürchten Gott rc." habe anscheinend in der Zollpolitik seine Geltung verloren, man sei allzu Mhaft, während man doch die Landwirtschaft in erster Lime schützen müsse. Gehe diese in Hessen zu Grunde, so habe man dies viel schwerer zu tragen, wie in anderen Ländern; bvefeltbä sei ein Stützpunkt des Reiches und der gesellschaftlichen Ordnung. Verkenne man dies, so schädige man den Bauer und mit ihm das Land und das Reich. .Kämen die Zölle überhaupt nicht zustande, so stehen Industrie und Handel vor oer Gefahr der Kündigung der Handelsverträge. Der' Handel dürfte sich sehr wohl dabei fühlen, ihm werde aber der Spaß verdorben werden, wenn sich die Kaufkraft entsprechend vermindere. Redner richtet nochmals an die Regierung die dringende Bitte, auf Erhöhung der Minimalzölle und Kündigung der Handelsverträge im Bundesrat hinzuwirken, damit im Interesse der hessischen Landwirtschaft die sehr wichtigen und schweren Verhandlungen zu einem guten Abschluß gelangen. Aus Stadt und Land. Gießen, 27. März 1902 • * Karfreitag. Unser Herr Osr^Mitarbeiter schreibt: Man hat wohl das Won des allen Kirchenvaters Augustinus „die Seele sei von Natur Christin" dahin gewandelt, daß die deutsche Volksseele einen natürlichen Zug zum Christentum besitze. Das zeigt sich unter anderem auch am Karfreitag. Mögen sich die trotzigen Söhne der germanischen Wälder wohl zuerst vielfach gegen eme Botschaft gesträubt haben, die ihnen das willige Erdenleben von Unrecht, Schmach und Leid, als die höchste Tugend pries — sie vernahmen doch bald die ihnen verwandten Töne, die daraus erklangen und ließen sich dadurch innerlich überwinden. Durch das deutsche Gemüt gehen tiefe Züge schwermüügen Mitempfindens mit dem Leid der Welt, hochherzigen Opfersinnes, ein starkes Gefühl menschlicher Schuld und ein mächtiges Sehnen nach Frieden. Für das alles bringt das Kreuz Jesu Cristi die rechte Lösung, die volle Befriedigung und Erfüllung. Wir erleben es fort und fort, daß der offizielle Buß- und Bettag tausenden und abertausenden nichts mehr zu sagen hat. Aber der stille Freitag hat doch seine Macht über die Gemüter auch bei solchen nicht eingebüßt, die dem Buß- und Bettag den Rücken kehren. Die innere Herrlichkeit des Gekreuzigten, seiner sich opfernden Liebe, seines das Leid und den Tod überwindenden Glaubens, der in ihm sich bezeugenden Barmherzigkeit Gottes findet noch immer einen Widerhall, überall da, wo das deutsche Gemüt und seine tieferen Bedürfnisse noch nicht im oberflächlichen Treiben erstickt sind. Beklagenswert ist, wen die stille Majestät des Karfreitags nicht mehr m die Sülle zu führen vermag, wem es unheimlich zu Mut wird, wenn er sich in der Stille mit sich selbst und mit den Dingen beschäftigen soll, die jenseits der zerstreuenden Geschäfte des irdischen Daseins liegen. Das Leben ist dazu doch zu ernst. Wer in seine Tiefen blickt, dem vergeht der L-ichtsinn und es wachen ihm Fragen auf, die ihn bedrücken und gebieterisch Antwort begehren. Und wiederum wird doch das Leben erst dadurch wertvoll, reich und schön, wenn man es ernst nimmt, und lernt, die eigenen kleinen Anliegen freudig für große Pflichten und heilige Aufgaben zu opfern. Für das alles ragt unter uns das Kreuz als Wahrzeichen, als Wegweiser, ja als Lebensbann. Karfreitag will es uns wieder in das Herz prägen zum Trost in allem Leid des Lebens, zur Stärkung in aller Schwachheit. Möchte es die rechte Stille bei uns sinden! * * Audienzen. Ter Großherzog empfing am 26. März u. a. den Professor Höhlbaum von Gießen, den Geheimen Medizinalrat Professor Eckhard von Gießen, den Professor Kramer von der Augustinerschule in Friedberg. * * Auszeichnung. Ter Großherzog hat der Handarbeitslehrerin Metzger in Heppenheim a. d. B. die Silberne Medaille des Ludewigs-Ordens verliehen. * * Ernennungen. Der Großherzog hat den Zivil- Ingenieur, Regierungsbaumeister Schm ick zu Frankfurt am Main, zum Vortragenden Rat bei der Abteilung für Bauwesen des Ministeriums der Finanzen mit dem Amtstitel „Oberbaurat" mit Wirkung vom 1. April an, den Wasserbau-Assessor Spam er zu Darmstadt zum Sekretariats-Assistenten bei dem Ministerium Der Finanzen mit der Berechtigung zur Führung des Titels „Regierungsbaumeister" neben seinem Amtstitel mit Wirkung vom 1. April 1902 an, den Hochbauaufseher des Hochdauamts Alsfeld Wollrab zum Hochpauaufseher für besondere Bauausführungen, den Hochbauaufseher bei dem Hochbauamt Tieburg August Neumann zum Hochbauaufseher bei dem Hochbauamt Mainz, die Bauaufseher-Aspiranten' F e i g k aus Tarmstadt, G ö t h aus Oppenheim, Freudenberger aus Rüsselsheim, Neumann aus Darmstadt, Schüßler aus Pfungstadt zu Hochbauaufsehern ber den Lochbauämtern Friedberg, Tieburg, Friedberg, Alsfeld, bezw. bei dem bautechnrschen Bureau der Abteilung für Bauwesen zu Tarmstadt, sämtliche mit Wirkung vom 1. April an, ernannt. — Ter Großherzog hat ferner den Zeichner bei dem Forstvermessungs- und Taxations-Bureau, Forst- Assessor Delp zu Darmstadt, mit Wirkung vom 1. April ab zum forsttechnischeu Beamten bei dem Forstvermessungsund Taxations-Bureau, und den Steuerkontrolleur Regier- ungsassejsor Kn ab in Mainz mit Wirkung vom 1. April zum Steuer-Kommissariats-Assistenten bei dem Steuerkommissariat Friedberg, ernannt. — Der Großherzog hat dem Kontrollbeamten der Lokalkassestellen für den Bezirk Tarmstadt IL Robert Ban gel in Darmstadt den Titel „Finanzamtmann" verliehen. — Ter Großherzog hat den Negierungsassessor Schu d t aus Muschenheim (Neumühle) unter Verleihung des Titels „Finanzamtmann" mit Wirkung vom 1. April zum Kontrollbeamten Der Lokal kasse- fteilen für den Bezirk Gießen, den Assistenten bei der Bezirkskasse Tarmstadt I. Ruh 1 zu Darmstadt zum Bezirkskassier der Bezirkskasse Ortenberg, den Assistenten bei der Bezirkstässe Worms, Bezirkskassier Strack zu Worms zum Bezirkskassier der Bezirkskasse Ulrichstein, den Finanzaspiranten Krüger aus Wrietzen a d. Oder zum Assistenten bei der Bezirkskasse Tarmstadt I, sämtlich mit Wirkung vom 1. April an, ernannt, ferner den Hauptsteueramts- rendanten bei dem Hauptsteueramt Offenbach Rechnungsrat Bischoff in gleicher Tien st ei gen schäft mit Wirkung vom 1. April an das Hauptsteueramt Tarmstadt versetzt und den Rendanten bei dem Salzsteueramt Wimpfen Weiß mit Wirkung vom 1. April zum Hauptsteueramtsrendanten bei dem Hauptsteueramt Offenbach und den Finanzaspiranten Buxbaum aus Langen-Brombach mit Wirkung vom 1. April zum Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Offenbach ernannt. * * Die 43. ordentliche General-Versammlung der Gewerbebank zu Gießen, e. G. m. u. H. fand am Mittwoch abend im Hotel Einhorn statt. Wie aus dem vom Vorsitzenden des Aussichtsrates, Carl Loos erstatteten Geschäftsberichte zu entnehmen, nahm die Bank auch im verflossenen Geschäftsjahre einen erfreulichen Aufschwung. Es entwickelte sich in allen Branchen oes Instituts ein reger Verkehr; immerhin blieb die industrielle Krisis nicht ohne Einfluß auf den Geschäftsgang. Ter (Heldzufluß war größer wie im Vorjahr; der Zinsfuß hielt mit demjenigen der Reichsbank gleichen Schritt. Ter Gesamtumsatz war über 5^2 Mill. Mark höher als im Vorjahr (er bezifferte sich auf vd. 25 Mill. Mark), infolge der größeren Diskonts an Wechseln, des gesteigerten Verkehrs im Kredit der laufenden Rechnungen, der Zunahme der Einwohnerzahl, und damit der Zahl der Genossen, so daß der Reingewinn als befriedigeno bezeichnet werden kann. Die Geschäftsführung des Vorstandes wurde vom Aufsichtsrate überwacht; in 50 ordentlichen und einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates wurde ca. 6600 Gesuche erledigt. Wie vorher, so wurden auch im Berichtsjahre die Geschäfte mit Vorsicht geleitet. Unter Hinweis auf die erhebliche gesteigerte AÄeitslast nahm der Vorsitzende Veranlassung, dem Vorstande im Namen des Aussichtsrates für die vorzügliche Geschäftsführung zu danken, und gab schließlich der Freude darüber Ausdruck, daß der Rechner der Bank, Wagner, seine infolge Krankseins unterbrochene Thätigkeit wieder aufnehmen konnte. Ter steigende Umfang des Geschäfts machte es nötig, daß für den L April eine Hilfskraft angenommen wurde. Ter Vorsitzende gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Bank auch in Zukunft weiter gedeihe im Interesse der wirtschaftlich Schwächeren und zum Nutzen der Bürgerschaft. — Bei Punkt 2 der Tagesordnung: Ersatzwahl des Aus- fichtsrates, gedenkt der Vorsitzende der Verdienste, die sich Die im Berichtsjahr verstorbenen Aufsichtsratsmitglieder Ehr. Leo und Carl Schmitt um die Bank erworben; dieselbe werde den Verstorbenen stets eine dankbare Erinnerung bewahren. An Stelle der Genannten wurden die Herren Hermann Eichenauer und G. E. Möhl gewählt, während die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder: Wilh. Herbert, tzch. E. Jughardt, Louis Kattrein, Louis Petri II. und Carl Wenzel wieder gewählt wurden. — Tem Vorstande wurde, nachdem der Vorsitzende des Aufsichtsrats die Richtigkeit der Rechnung bekundet, Entlastung erteilt. — Die Verteilung des Reingewinns im Betrage von Mk. 49 559.17 betr., teilt der Vorsitzende mit, daß man im Aufsichtsrat nicht ganz einig über die Höhe der Tividende gewesen; der größeres Risiko bedingende größere Umsatz und die ungünstige geschäftliche Konjunktur Hütten einige Mitglieder veranlaßt, sich für eine Tividende von nur 6 Prozent auszusprechen; andererseits wurde geltend gemacht, daß eine den verschiedenen Reservefonds zu- fließende Zuwendung im Betrage von 21000 Mark genüge. Tie Versammlung erklärte sich darauf mit der vom Aufsichtsrate vorgeschlagenen Verteilung des Reingewinns einverstanden, nämlich dem Hauptreservefond b013.97 Mk., dem Tubiosen-Konto 5000 Mk., dem Effekten-Reservefond 4000 Mk., Dem Beamten-Pensionsfoud 6000 Mk. zu überweisen, und den Mitgliedern 6i/2 Prozent Dividende zu gewähren, und zwar aus 439157 vollen Mark 28455.20 Mk. * * Alice-Schule-Gießen. Am 19. d. M. schloß die Alice- Schule mit einer Prüfung der Handarbeitslehrerinnen das Wmtersemester 1901/02. lieber 100 Schülerinnen haben im Laufe desselben sich m den verschiedenen Zweigen weiblicher Berufsarbeiten weiter gebildet. Sehr befriedigende Resultate hat der in Gemeinschaft mit dem kaufmännischen Vereine und der Alice-Schule eingeführte Handelsturfus geliefert. Zum er st en male fand vor Vertretern der staatlichen Behörde und des kaufmännischen Vereins, sowie dem Vorstande der Alice-Schule eine Prüfung der 25 Schülerinnen des Kursus statt. — Wie aus dem Inseratenteil unseres Blattes ersichtlich ist, beginnen am 14. April die Sommerkurse der Schule, in die als neu hinzutreten Unterricht an der Schreibmaschine und in den sehr schönen und modernen Lederarbeiten. Es kann Eltern und Vormündern nicht genug an's Herz gelegt werden, für chre Töchter und Mündel die Schule und das, was sie bietet, eifrig zu benutzen. Alle dort zu erwerbenden Kenntnisse und Fertigkeiten werden denselben auf ihrem Lebenswege von großem Vortell fein. *• Der 17. Deutsch'evangelische Kirchengesangvereinstag des Evangelischen Kirchengesangvereins für Deutschland (Vorsitzender: Geh. Kirchenrat Professor Dr. Köstlin in Darmstadt) wird vom 8. bis 10. Juni in Hamm in Westfalen statisinden. Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinde. e Kars ams tag den 29. März. Vormittags um 7 Uhr: Hellige Weihen. „ u 87, Uhr: Hochamt. Nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit gur. heil. Beicht. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Keligionsgemeinde. Samstag, den 29. März 1902. Vorabend: 680 Uhr. Morgens: 9 Uhr. Nachmittags: 3 Uhr Schrifterklärung. Sabbctthausgang: 740 Uhr. Gottesdienst drr israelitischen Deligionsgesrllschast. Sabbathfeier am 29. März 1902. Freitag abend 6ao. Samstag vormittag 8°°. Nachmittag 4®°. Sabbathausgang 740. Wochengottesdienst: morgens 646 Uhr, abends 680 Uhr. GingesanÄ. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber1 keinerlei Verantwortung.) Gießen, 27. März 1902. Noch einmal Agrarisches k Aus den Artikel der Gräsl. Solms-Laubach'schen Nent» kämmer in Nr. 69. 2. Bl. (Der Setzer hatte in jenem Artikel das Wort „Gräfl." irrtümlich sortgelassem D. Red.) wird folgendes' erwidert: Die Angaben über die Höhe des Vachtpreises in Utphe entnahm ich der Nr. 50 des „Vorwärts", welche ich für zutreffend halten mußte, da mir eine Berichtigung dieser Angaben nicht zu Gesicht gekommen ist. Im übrigen beharrt mein Gewährsmann in Utphe auch jetzt rwch dabei, bay Mk. 7 2.— der seitherige Pachtpreis gewesen sei. Ob dieser durch Bonifikattonen u. s. w. herbei- geführt wurde, ist nebensächlich. Mir galt es in der Hauptsache darum, den Beweis zu führen, daß nicht alle Landwirte an die allgemeine Notlage der Landwirtschaft glauben; den Beweis erbringt die Gräfliche Rent- kammer selbst aufs glänzendste, indem sie bestätigt, daß kleine Besitzer 116—120 Mk. pro Hektar Pacht bezahlen. Diese Leute wollen doch leben, und so ziehe ich den Schluß, daß, wenn das Pachtland Eigentum wäre, sie recht reichlich leben fönnten. Nicht in der Stärkung und Befestigung des Großgrundbesitzes, wie es die ganze Schutzzöllnerei bewirkt, liegt das Hell der Landwirtschast, sondern die Kleinbauern müssen geschützt werden; nicht durch Zolle, davon haben sie nichts, sondern durch bte von mir in diesem Blatte empfohlenen Mittel. __E. Krumm. «e * j jejjT । ü bis Mk? 5.85 pr. Foulard-Seide« n Setoe" in schwarz weiß und farbig von 95 Pfg. bis Mk. 18.65 pr. Mtr. Absolut kein Zoll zu zahlen! ba bte portofreie Zusendung der Swffe durch meine Seidensabrik auf deutschem Grenzgebiete erfolgt. — Npr echt, wenn direkt von mir bezogen. Muster umgehend. G. Henneberg, Seidensabrikant (K. u. K. Hoflies.), Zürich. Bekanntmachung. Heber das Vermögen des am 8. Februar 1902 verstorbenen Maurermeisters Wilhelm Steinbach in Gießen wurde auf Antrag der Erben und mehreren Nachlaßgläubigern durch Beschluß des unter- zeichnetenGerichts vom 22.März 1902 eine Nachlaßpflegschaft zum Zwecke der Befriedigung der Nachlaßgläubiger angeordnet. Zum Nachlaßverwalter wurde Kaufmann Konrad Schmidt 11. in Gießen bestellt. Rechtsanwalt Römheld in Gießen ist Zustellungsbevollmächtigter des bestellten Nachlaßverwalters. 2526 Gießen, den 25. März 1902. Großh. Amtsgericht. K 16/02. Donnerstag den 17. April 1902, nachmittags 2‘/2 Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Ncunen des Earl Schleenbecker und bezw. dessen Ehesrau von Krofdorf stehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen: Flur 26/114,8 — 306 qm Hos- raite auf der Weißerde, auf den obersten Riegelpfad, Flur 26/114^/ioo — 1121qm(Sra§= garten dafelbst, Flur 26 1143*/ioo — 185 qm Hof- raite daselbst, Flur 26/114" I00 — 231 qm Grabgarten daselbst, Flur 26/2528 io — 46 qm Hof- raitegrund am untersten Riegelpfad, Flur 26/251ö/io — 359 qm Grasgarten daselbst, Flur 3/85 u. 86 — 2044 qm Wiese am Krofdorf erweg, Flur 3/87 u.88 — 1812 qm Acker daselbst, Flur 3/91 — 4056 qm Acker daselbst, . Flur 5/438 — 1038 qm Wie,e über dem Fabrieischen Acker auf den Fluthgraben, Flur 5/461 — 1869 qm Wiese am Krofdorserweg öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 12. März 1902. Großh. Ortsgericht Gießen. Grvs. 2110 AliÄW ks Zggilrchts r der Gemarkung Münchholzhausen,enthaltend 585 ha, darunter ca. 133,5 ha Wald, soll Montag den 7. April d. I., nachmittags 4 Uhr, Hierselbst im Saale des Wirts Wilhelm Amend öffenllich auf 9 Jahre vergeben werden. Der Jagdbezirk liegt von der Eifenbahnhaltestelle Dutenhofen im diesseitigen Kreise kaum 2 Kilometer entfernt. Gr.-Rechtenbach (Kr. Wetzlar), den 24. März 1902. ,52s Der Bürgermeister. Nutzyolz- Bersteigerung. Dienstag den 1. April l. I. sollen in dem Gemeindewald zu Frankenbach folgende Holzsortimente meistbietend versteigert werden: 11 Eichenstämme mit 3,67 km. 1 Kirschbaum mit 0,60 fm. 397 Nadelholzstämme mit 127,94 fm. 201 Stangen 1. Kl. 251 , 2. , 709 , 3. , 287 „ 4. „ 33 rm Nadel-Schichtholz. 70 „ Nadel - Schichthaufen, zu Spalier geeignet. Der Anfang ist morgens 7210 Uhr im Distrikt Läusel an der Staatsstraße nach Gießen. Frankenbach, 25. März 1902. Der Bürgermeister. Schneider. 2500 Gießener Hmnivus -Gesellschaft E. G. m. b. H. Der Hufbeschlag unserer Pferde soll vorn 1. April d. I. bis zum 31. März 1903 vom Vorstand aufs neue vergeben werden. Interessenten werden ersucht, ihre Offerten bis zum Samstag den 29. d. Mts., abends 6 Uhr, auf dem Depot aözugeben. 2510 HShem.En»kiintkWiheiO!ck zu Gießen. Das neue Schuljahr beginnt Montag den 7. April. Bei den Anmeldungen, die an diesem Tage von 10 Uhr ab im Schulhause in der Schillerstraße entgegen genommen werden, sind Geburts- und Impfschein vorzulegen. Kinder, die aus einer anderen Schule kommen, haben außerdem ein Abgangszeugnis, und wenn sie über 12 Jahre alt sind, eine Bescheinigung der zweiten Impfung beizubringen. Gießen, den 27. März 1902. 2518 Großh. Direktion der Höheren und Erweiterten Mädchenschule. Dr. Stoeriko. Telephon 240. Masih- iVrivMipä Allce-Sohule Oiesseai (Hessen). Begm lier ZMllmkllrse: 1-LIpril 1902 5 Mon. 21/g Mon. 1 Mon. Ausbilduiig der Handarbeitslehrerinnen Handarbeitskursus........ Schneiderkursus ........ Bügelei und Kuiistwäscherei . . . . Kochkursus, 50 Vormittage, . . . ,. Weiß- und Buntstickerei, Brandmalerei, Schnitzerei, Lederarbeiten . . Handelsschule Schreibmaschine........ Für den Vorstand: 2540 Frau B. Gebhardt. ________ 50 JL — JC —X 30 „ 16 „ 6ch0 , 30 v 20 „ 12,- , 15 „ 8 „ 3,50 „ 20 „ I, , n 10 „ H ' / u Die Oberlehrerin: Fräul. L. Möser. Akice-Kochschule. Der WW beginnt am l April. Anmeldungen nimmt die Lehrerin Fräulein Renner in der Schule entgegen.2515 Neue 2287 TT MaM» Konserven soeben eingetroffen bei ChristianWaliesfels 17 Marktplatz 17 am Krieger-AenKmac. Telephon 262. Gegründet 1826. empfiehlt zu billigsten Preisen Karl Eichmann Ederftraße 1 Nordanlage. 2«i versendet franko gegen Nachnahme: 2132 10 Pstilh Fleisch ohne Knochen Mk. 3.- 10 „ Fleischivlllst mit Echmeineflisch „ 4- 10 „ AoblLllchmiirstchen „ 4.- 10 „ Ceroelntmnrst „ 10 „ Rnnchsleisch „ 3.- SCessBea*, Aoßschlachtttei, Wurstfabrik mit elektrischem Betrieb. Pferde zum Schlachten werden stets zum höchsten PE angekauft, auch im Beisein des Eigentümers sofort geschlachtet. ! Wieseris. I Die 2374 ! tziAwirtichis! non M früher Karl Dorfeld, Gießenerstraße, I hält sich den geehrten Besuchern bei Verabreichung guter Speisen und Getränke bestens empfohlen. | Schöne Lokalitäten. Separate Zimmer. Billard. Schützenspiel. Aufmerksame Bedienung. B Bei größeren Gesellschaften bitte um vorherige Anmeldung. 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