Freitag 3b. September 19058 183. Jahrgang Zweites Blatt. 6704 z>i« heutige Kummer umfaßt 10 Seiten. AMarisLsmmWou. Donner-Lag Abschn Rohstoffe uno in» darf. f t litt 2, m t n e- Mineral- UN Nr. 226 VtlfttU« tL-ttch außer Sonntags. Dem Dtetzener An-etger werden im Wechsel mit dem kefflfcheu Landwltt die Gießener Kamiliem dlütter viermal in der Woche beigelegt Rotationsdruck u. Vertag der Brüh riefen Untveri.-Buch-u.Stei«- dructerei (Pietsch Lrden) Redaktion, Lrpeditio« und Druckerei: Schulstraß« 7. tldress« für Depeschenr Anzeiger Siebe«. Fernsprechanschluß Nr. 5L /Uniiliertrüffwi '^Billig und praktisch1 ' .jEineWasche" ^'',u1oilettesßifti.* . Ueberaller/ial!Jith j l®asenT Weintrauben 6m« x9^”11'4- Frische Eier PK 6tU(f 8 i|f]J o K.-. n Sranh mir größerer Par ElNMch.ANMs L^d). Sotttn, Hinter / Kraakfuner 6)nt 1 Paar 8U Ps. Reue Heller-Liasn 1 Psd. 18 Ps. n empsiehlt t «teinbi- Telephon M. Neue Bam!' *■ "HÄS i 10 Psg. W-N* *«0 ■rä«f) «n^rÄ'^C't‘ Öu ’ ’ Prinzip' fleißigen )tr s^ nN11111 ft oe>» * »rd** heische — und doch kam kein Ausgleich der widerstreitenden Interessen zu stände. Ter Zolltarifentwurf hat gar nicht so viel begeisterte Anhänger, als Herr Möller vielleicht beult Frhr. v. Hehl, der nationalliberale Abgeordnete und Wormser Großindustrielle, traf in der Kommission den Nagel auf den Kopf mit seinem Ausspruch, daß keiner im Lande eine rechte Freude habe an diesem Tarif. Minister Möller glaubt, was er wünscht. Herr v- Thielen hat an die werbende Kraft des „Kulturwerks ersten Ranges" geglaubt — mit dem sich Herr v. Podbielski scherzhafterj Weise „nicht vor den Bauch stoßen lassen" will — und, Miquel starb, ohne die Verwirklichung seiner ReichSstnanz- reform, die er für seine bedeutendste That hielt, erlebt zu haben. Gewiß, das Notwendige muß kommen- Aber wann? Das ist die Frage. Neue Admirale. Man schreibt uns aus Berlin, 25. September: Aus Marinekreisen verlautet, daß die Ernennung btiS Marinestaatssekretärs, Vizeadmirals v. Tirpitz, zum Madrid und Rom. Tie Verhandlungen der spanischen Regierung mit dem Vatikan über die Ordensfrage nähern sich dem Stadium, in dem Sagasta, wie er im Sommer erklärte, „energische Maßregeln" ergreifen will. Madrid erkennt nur drei Orden an und wünscht von diesen obendrein zwei selbst zu bestimmen. Daß der Vatikan hierauf eingeht, erscheint ausaeschlossen, andererseits kann Sagasta mit Rücksicht auf die Stimmung des spanischen «Volkes weitergehende Zugeständnisse dem Vatikan kaum macken. Ihrer Abneigung gegen die geistlichen Genossenschaltetf haben die Anhänger der Oppositionsparteien bereits seither thätlich Ausdruck gegeben; es sei mir an die Erstürmung und Verbrennung verschiedener Klöster erinnert, lind das Vorgehen der französischen Regierung gegen die geistlichen Genossenschaften ist im spanischen Volke sicher nicht unbemerkt geblieben, sodaß gegebenenfalls noch ärgere Ausschreitungen gegen die OrdenSangehörigen in Spanien eintreten könnten. An dem weiteren Verhalten SagastaS in der Ordensfrage wird sich erkennen lassen, ob die römische Kurie am Madrider Hofe unveränderten Einfluß besitzt. »ZS ffe ft den Gerücht", daß Gras Bülow persönlich den Agrariern eine Erhöhung der Getreidzölle um 50 Pfg. über die Regierungsvorlage hinaus zugesagt habe, ohne jedoch hierfür, ebenso wie bei den Reichstagsoiäten, die Zustimmung deS Kaisers zu erlangen. „Nichts als müßiges Gerede", erklärt unwirschen Tones das Organ des Reichslanckers. Graf Bülow ist augenscheinlich besonders ärgerlich darüber, daß man ihm Msichten zuschreibt, die ilm in den eklatantesten Gegensatz bringen zu seiner wieoerholten öffentlichen Aeußerung von Der Grenze der Zugeständnisse an die Landwirtschaft. Milder wird von der „Nordd, Allg. Ztg." die Mitteilung der „Franks. Ztg." behandelt, wonach bereits mit ausländi- chen Regierungen auf der Grundlage eines 5 Mk.- Äetreidemindestzolls eine Verständigung getroffen et „Tie ernsthafte Seite" — von der die Nachricht herrührte — „ist schlecht unterrichte t", läßt Graf Bülow kurz und trocken konstatieren; in keiner Weise habe sich die Regierung dem Ausland gegenüber für die Zukunft zollpolitisch gebunden. Endlich erhallen römische Blätter- meloungen eine sanfte Korrektur: in amtlichen Kreisen sei nichts davon bekann t, daß über die provisorische Verlängerung des deutschen Handelsvertrags mit Oesterreich-Ungarn Anfangs Oktober Verhandlungen beginnen sollen. Ter Vollständigkeit halber, weil Graf Bülow einmal am Tementieren war, hätte noch ein Viertes richtig gestellt werden können, nämlich die Pariser Meldung der Wiener „Neuen Fr. Presse", daß der russische Finanzminister Witte den russisch- deutschen Handelsvertrag zu kündigen beabsichtige. „Nat.-Ztg.", „Boss. Ztg." und „Berl. Tagebi." bezweifeln übereinstimmend, daß jene Meldung zutrifst. Mit Recht schreibt die „Nationalztg.", Witte werde wahrscheinlich jetzt selbst noch nicht wissen, zu welcher Entscheidung er gelangen werde, denn maßgeoeno für diese Entschließung wird voraussichtlich die zollpolitische Lage sein, wie sie sich in den verschiedenen Vertragsstaaten bis zum 31. Te- zember d. I. gestaltet haben wird. Also auch der russische Finanzminister muß, wie Graf Bülow, abwarten, „wie der Hase läuft."_________________________________________________ Politische Tagesschau. Eine Ministerrede. Während des Festaktes während der hundertjährigen Jubelfeier der Vereinigten Königsund Laurahütte auf dem Ringe in Königshütte hielt am Donnerstag der preußische Handelsminister Möller eine Rede, in der er im wesentlichen solgenoeS ausführte: WaS wir hier auf diesem gewaltigen Werke sehen, ist der Widerspiegel dessen, was wir im ganzen beutschen Vaterlande an Der Industrie erlebt haben. Viele Millionen fleißiger Hände regen sich täglich und erwerben ihr Brot in der Industrie. Mehr als ein Fünftel, ja man kann wohl sagen, mehr als ein Viertel der Deutschen lebt direkt von der Industrie. Tas ist uns ein Bild von der Bedeutung, welche die Industrie für das deutsche Vaterland hat. Ohne die tverbenden Hände der zahlreichen Industriellen und Arbeiter hätten auch die großen Staatsmänner, die wir das Glück haben, zu besitzen, nidj.t das für das deutsche Vaterland schaffen können, was sie geschafsen haben, aber auch die Industrie hätte das nicht werden können, was sie geworden ist, wenn die großen Staatsmänner die Geschicke des Landes nicht so ausgezeichnet leiten würde". Leider wird vielfach im Lande die hohe Bedeutung der gewerblichen und industriellen Arbeit nicht voll erkannt. Ter erste Gedanke jedes Staatsmannes muß sein, die gewaltige Macht, welche die Industrie für das Vaterland bedeutet, im allgemeinen Interesse, allerdings nicht in ihr eigenen Sonder-Interessen, weiter zu entwickeln. Ter Vorredner hat von gewesen schweren Wetterwolken, welche am Himmel stehen und die Fortentwickelung der Industrie zu bedroben scheinen, gesprochen. Ich habe die Zuversicht, daß dies nicht der Fall fein wird. Wir sind nicht mehr das Volt von Träumern, welche wir vor mehreren Jahrzehnten noch gewesen sind, sondern wir sind thatkräftige ziel- bewußte Männer, welche die Interessen des Landes wohl zu würdigen verstehen. Ich bin Überzeugt, ein Ausgleich der widerstreitenden Interessen wird sich finden. Was notwendig ist, muß kommen. Der Minister wies sodann noch auf Die Lebenshaltung Der Hüttenarbeiter hin, Die sich in Den letzten Jahrzehnten erheblich gebessert unD vervollkommnet habe unD betonte, Daß Der Dank hierfür auch Den Männern mit gebühre, Die Das Jubiläumswerk geschaffen haben. Allerdin^ könne sich der sichtbare Dank nur auf die Lebenden konzentrieren, die in Der vollen Arbeit stehen. Auch der Kaiser hege diese Tankesgefühle und ihm dem Minister sei die ehrenvolle Aufgabe zu teil geworden, verschiedene Auszeichnungen, die der Kaiser zu diesem Tage verliehen habe, bekannt zu geben. Herr Möller ist also voll Hoffnung, daß „Ende gut, alles gut" für den Zolltarifentwurf gilt. Er ist „überzeugt, daß ein Ausgleich der widerstreitenden Jntereffen sich finden wird". Er'begründete diese Herzensmemung mit den Worten: „Was notwendig ist, muß kommen." Eine feine, philosophische Sentenz, Die auf Den ersten Blick besticht. Aber Dann erinnert man sich, m wie vielen Fallen Die Politik Den Satz über Den Haufen geworfen hat. Nur um ein einziges Beispiel aus der neueren Zett heraus- zugreifen: Sind die großen Kanäle m Preußen etwa nicht „notwenDig", „mußten" sie nicht „kommen". Hier lag doch gewiß ein äußreft scharfer Truck in den Verhältnissen, wurde allseitig anerkannt, daß der Verkehr gebieterisch eine Vermehrung der Beförderungsmittel er- Deutsches Reich. Berlin, 25. Sept. Der Kaiser trifft am 3. Oktober nachmittags 1 Uhr von Rominten in Marienburg und gegen 7 Uhr in Langfuhr ein, von wo er um 10 Uhr nach Berlin abreist. — Regierungsrat p. Tzschoppe, Mitglied Der frei- konservativen Fraktion Des AbgeorDnetenhauses, hat sein Mandat nieDergelegt. Er vertrat Den Wahlkreis Hetzen. — AhlwarDt sprach gestern in Kellers Festsälen vor ca. 1500 Personen über „TasJuDentum eineWelt - macht." In seiner ReDe nannte er Die Reichsbank eine Judenbank. Besonders scharf zog-er gegen ba$ Auskunftswesen zu Felde und kündigte an, daß er im Reichstage krasse Fälle Über Mißbräuche in den Auskunfteien zur Sprache bringen werde, lieber die Gründe seines Wiederauftretens teilte er mit daß es nach den vielen Bankkrachs gewaltig in ihm rumort habe, er mußte wieder zum Volke gegen das Judentum reden. Ta sei er zu feiner ersten Liebe, dem deutschen Antisemitenbund zurück- gekehrt. Bei den nächsten Wahlen würden seine Gegner Wunder erleben. Im Osten seien mit Leichtigkeit für die Antisemiten ü Wahlkreise zu erobern. Er werde in Geaen- ben, wo sonst die Agitatoren nicht hinkämen, den Antisemitismus hintragen. Tie Versammlung nahm einen ruhigen Verlaus. — Laut der „Nat. Korresp." beginnen in Vreußen demnächst die Konferenzen der Ministerien zur Ausstellung der Etats. Trotz der günstigen Finanzlage soll doch ein beträchtlicher Teil der Forderungen der verschiedenen Ressorts festgehalten werden, insonderheit sollen notwendige Arbeiten mit Rücksicht auf die jetzigen Verhältnisse nicht zurückgestellt werden. — Zur Vorbereitung eines Gesetzentwurfs wegen Errichtung kaufmännischer Schiedsgerichte erfährt Die gleiche Quelle, Daß finanzielle BeDenken nicht mehr entgegenstehen. — Ein parlamentarischer Berichterstatter schreibt: Bel Dem schnellen Tempo bei ben VerhanDlungen über Die zweite Lesung Des Zolltarifs steht zu erwarten. Daß Die Kommission morgen in Dreiftünbiger Sitzung Den Tarif beendet und in nächster Woche das Gesetz beraten wird. Ter Zolltarif liegt am 18. Oktober dem Reichstage demnach bestimmt vor. , i ~ ec — Zur Richtigstellung einer Mitteilung wird ber„JtorDD. Allg. Ztg." geschrieben, daß die Ausweisung einer An- Zur Beratung stand am * ralisch e und fossile Rohstoffe öle, Positionen 219 bis 244. Äntrick spricht sich gegen Den Bimsstein-, Petroleum- unb Eementzoll auS. Frhr. v. Wangenheim beantragt, Bimsstein z o ll- fr ei zu lassen, ebenso PortlanDeement unb Den Zollsatz von 10 Mk. für roheS und gereinigtes Petroleum nur ersterem aufzuerleaen und letztere- mit 12 Mk. zu verzollen. Dr. Pach nicke spricht die Hoffnung auS, daß Wangenheims Eintreten für Zollfreiheit bei seinen Fraktionsgenossen mehr Beifall finde, als feine bisherigen Anträge. Schließlich wird Abschnitt 2 unverändert angenommen, ebenso Abschnitt 3, Wachs und Fettsäuren, umfassend die Positionen 275 biS 262. UM Q © «ÄWU GlcheimAnzelgerW • W General-Anzeiger * SST v tot btnpolll. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen b“ V -Nr 1 Kr zeigsnteil: Hans Beck. WLM m wirklich sauberer unü grjchi?: voller Ausiuhruyg lleseü in & füqtltei fleü 6" WMlliMm Küeiüüst KlürÜntmi a Tie Kommission nahm nach kurzer allgemeiner Erörterung ohne Einzelberatung den vierten Abschnitt, der die Pos. 263 bis 388, chemische, pH ar mazeutisch e Erzeugnisse und Farbwaren umfaßt, nach den Beschlüssen der ersten Lesung an und begann den fünften Abschnitt, Spinnstoffe, beriet die Pos. 392, 393 und 406 und beschloß nach dem Anträge Arendt, für künstliche Seide, ungezwirnt, menn, ungefärbt 30 (Beschluß der ersten Lesung 20), gefärbt 60 (erste Lesung 40), zweimal gezwirnt 90 (erste Lesung 60) Mk. Tie Kommission beschloß ferner zu Pof. 406 die von Bachem mit Rücksicht auf bie Krefelder Ar epp Industrie beantragten Zollsätze, undichte Gewebe aus Seide (Gaze, Krepp, Flor) über 20 Gramm pro Quadratmeter wiegend 1000 Mk. (erste Lesung 400), 20 Gramm und Darunter 1500 (erste Lesung 1000) Mark. Tie Kommission hob die in der ersten Lesung beschlossenen Herabsetzungen der Garnzölle auf und beschloß dafür nach den Anträgen Paasche und Gen. folgendes; Pos. 438, Garn eindrähtig, roh, die Nummer 11 englisch sechs Mark, biö 17 acht Mark, bis 63 zweiundzwanzig Mark, bis 88 achtundzwanzig Mark, bis 102 vierunddreißig Mark, darüber vierzig Älark, in Pos. 440 Garn zwei- ober mehrdrähtig, einmal gezwirnt, wenn gebleicht, gefärbt oder bedructt Zoll des eindrähtigen rohen Garns plus 11 Mark, ferner Pos. 442, Garn zwei- oder mehrdrähtig, wiederholt gezwirnt, roh, 40 Mark, gebleicht oder gefärbt rc. 48 MarL In Pos. 444 wird die Regierungsvorlage wiederhergestellt. In Pos. 452 werden die Zollsätze auf 50, 70 unb 90 Mark festgestellt. In Pos. 466, Seile, wird 40 Mark beschlossen. Für Jutegarne Pos. 481, und dichte Handgewebe, Pos. 496, wird die Regierungsvorlage wiederhergestellt. — Die Kommission erledigte darauf die TarifabsHittte 6 bis 13 nach den Beschlüssen der ersten Lesung. Bei dem Abschnitt 14 wird für Pos. 719, Thon röhren, die Regierungsvorlage wiederhergestellt, nach Der Trainröhren frei und andere Röhren und Röhren- formftücke 40 Pfg. zahlen. Ter Abschnitt 14 wird im übrigen angenommen. Im Verlaufe der dann beginnenden Grenzzoll- debatte befürwortete Der sächsische Bevollmächtigte Rueger die Wiederherstellung des Entwurfs und bemerkte, die Beschlüsse ber ersten Lesung riefen Bestürzung hervor. Tie Verwirklichung würde eine Katastrophe yerbeiführen. Bayerischer Bevollmächttgter v- Geiger und württembergischer Bevollmächtigter Schneider befürworteten ebenfalls die Regierungsvorlage im Interesse der süddeutschen Spinner. Ministerialdirektor Wermuth erklärte, die Regierung hält Die Beschlüsse Der ersten Lesung für bedenklich; ihre Tragwette sei nicht zu ermessen. Bei ben Spinnereien handle eS sich vielleicht um Die bedeuten D st en Werke unserer Volkswirtschaft. Es sei darin ein Kapital von 500 Millionen angelegt, der Jahresumsatz betrage 350 Millionen. Ter Schwerpunkt der Produktion liege in Den g rödsten Nummern, Die nach Den Beschlüssen Der ersten Lesung fast ungeschützt seien. Er bitte, Die Regierungsvorlage wiederherzustellen. Beumer (nl.) befürwortete das Gleiche, eventuell die Annahme der Paasche- schen Anträge. Tie Beschlüsse der ersten Lesung würden Den völligen Ruin Der Deutschen Spinnerei, namentlich der rheinisch-westfälisch.en, bedeuten. Wie wenig in Der Öffentlichkeit noch auf Das Zustande- kommen Des Zolltarifs gerechnet toirD, erhellt u. a. Daraus, daß man bereits über Die „Opfer" Mutmaßungen anstellt, Die Der Gesetzentwurf mit „in Die Tiefe reißen" werde. Zunächst wird der Staatssekretär Graf Posa- dowsky genannt, wohl nicht mit Unrecht. Denn es wäre beareifUd), wenn der Staatssekretär aus dem Scheitern der Tarifvorlage, dieses Hauptwerkes seines staatsmännischen Lebens, Die Konsequenz des Rücktritts vom Amte bezw. Der Uebersiedelung in ein leitenDes Amt Der Provinzialver- maltung (Oberpräsidium 1 zöge. Weiter eröffnet man die Möglichkeit, daß die Ablehnung des Zolltarisentwurfs durch den Reichstag Frhr. v. Thielmann Die Leitung Des Reichsschatzamtes niederlegen werDe. Auch Diese Annahme hat einige Wahrscheinlichkeit, weniger vielleicht, weck Der Schatzselretär mit Dem Tarifentwurf verwach;en wäre, wie Graf PosoDowsty, als weil Der Anlaß beDeutenb genug erscheinen dürfte, seine seit geraumer Zett gehegte Absicht, in Den Diplomatischen Dienst zurückzutreten, zu verwirklichen. BesonDers behaglich hat sich Frhr. v. Thtelmann als Schatzsekretär kaum jemals gefühlt. Es liegt in Der krttischen Situation begründet, daß fortwährend Aieldungen auftauchen über das, was die Regierung angeblich zu thun gedentt, um auS der zollpoltti- scheu Sackgasse herauszutommen. Gleich drei solcher Nachrichten werden jetzt von der „Nordd. Allg. Ztg." dementiert. Am schärfsten bezeichnenderweise Die Mitteilung Der „Freis. Ztg." von einem „in parlamentarischen Kreisen umlaufen- ADmiral binnen kurzem zu erwarten fein dürfte. Herr v. Tirpitz hätte dann die höchste Seeoffizierscharge in verhältnismäßig jungen Jahren erreicht. Ferner heißt es, daß auch der frühere Chef des ostasiatischen Geschwaders^ Vizeadmiral Bendemann, seine Beförderung zum W- miral bald zu gewärtigen habe, die ihn aller Wahrschei; lichkeit nach in ein, direkten Verkehr mit dem Kaiser bedingendes Dienstverhältnis bringen werde. Bendemann soll sich besonderer kaiserlicher Wertschätzung erfreuen. Es könnte dann eigentlich nur in Frage kommen die Berufung Bendemanns in die Leitung des Marinekabinetts, die zur Zeit Flügelodjutant v. Senden-Bibran inne hat. Schließlich sei des Gerüchts von der demnächstigen Besör- derung des Chefs der Etats ab tei tun g im Reichsmarineamt, Kapitäns z. S. Capelle, zum Kontreadmiral Erwähriung gethan. Kapitän Capelle hat sich in das komplizierte Etatswesen so vortrefflick) eingearbeitet, daß sein Verbleiben im Marineamt wohl auf absehbare Zseit als gesichert gelten SaHk'jLptt irischer Händler vvn d er zur ffarolitten- gruppe gehörenden Insel Ruck rm Anschluß an deren durch richterliches ErkeimtniS erfolgte,Verurteilung wegen Zuwiderbaudlu n g geaen das E in fuhr verbot von Waffen und Munition -rfvlgte. — Zur Fleischteuerung hat Gutsbesitzer Dau- Hohenstein Kmu Hamburger Parteitag der Freis BolkSpartei folgenden Antrag gestellt: „AngesichtS der Unklarbeit, die in weiten Kreisen herrscht Über die Ursachen der jetzigen Fleischteuerung, sowie, um die Ursachen etwaiger späterer Fleischieuerungen stets rechtzeitig und richtig erkennen zu können, ist es im Interesse der Konsumenten wie Produzenten erforderlich, durch regelmäßige Zählungen in «kurzen Zeiträumen ^es^ustellen: 1. wie grrkß der Bestand an Zuchwieh ist: 2. wie groß die daraus erzielte Produktion und 3. wie viel Tiere in Abgang gekommen sind für die verschiedenen Verwendungszwecke." — Die „Nationallib. Korr." deutet an, daß über einen Vorschlag, der ähnliches vorsieht, und auch aus Einführung rationeller Veröffentlichungen über Futtermittelstatistik abzielt, eine Verständigung zwischen den verbündeten Regierungen in der Anbahnung begriffen sei. T h o r n, 25. Sept. Den im Vorjahre wegen Geheim- büudelei verurteilten polnischen Gymnasiasten soll der Berechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen Dienst belassen werden, sofern sie nicht Strafen von über eine Woche Gefängnis verbüßt haben. Den übrigen wird der Schein entzogen, falls nicht besondere Miu^rungs-- gründe vorhanden sind. Stuttgart, 25. SepL Der Gemeinderat bat heute nach eingehender Beratung den sozialdemokratischen Antrag auf zeitweise Aufyebung der städtischen Fleischsteuer mit großer Mehrheit abgelehnt. M ü n ch e u, 25. Sept. Wie die „Münch Ztg." aus guter Quelle erfahrt, wird trotz der diesbezüglichen Ankündi^ng deS Reichstagsabg. Dr. Schädler in Tuntenhausen das Zentrum im Reichstage eine Interpellation über die bekannte Kaiserdepesche, betreffend die Kun st ab striche nicht einbringen, da eine einheitliche Auffassung in dieser Sache innerhalb der Partei nicht vorhanden ist. Heer und Flotte. Militärische Befestigung von Borkum. Auf Anordnung des Kaisers soll im Lause des nächsten Sommers der Süden und der Westen der Insel Borkum mit Strandbatterien ausgerüstet werden, wodurch die Ems- mündung und der Emdener Hafen, sowie die Insel selbst als Ausgangspunkt der deutschen Seekabel militärischen Schutz erhaltdp werden. Bei den letzten großen Landungs- manövern vor und auf DorlUm ist diese Frage eingehend erörtert worden, auch dort beretts eine Abteilung Marine- Infanterie und ein Detachement Fuß-Artillerie mit acht Geschützen zurückgeblieben. Da auf der Insel auch eine Station für drahtlose Telegraphie errichtet werden soll, so wird Borkum mit der Zett ein verhättnismäßig stark befestigter militärischer Puntt werden. HBF1.11 i."-!.»-!!.-».'»».' " -.. ....... . _____! —— Ausland. Amsterdam, 25. Sept. Tie Generäle Botha und Delarey werden in den nächsten Tagen Groningen, Zwolle und Arnheim besuchen. Dewet wird sie nicht begleiten, da er das Bett hüten muß. Utrecht, 25. Sept. Dio Generäle Botha und De- larey statteten gestern dem Präsidenten Krüger einen Besuch ab. Hierdurch werden die Gerüchte dementiert, wonach zwischen Krüger und den Generälen ein gespanntes Verhältnis bestehen soll. Brüssel, 25. Sept. Ein feierlicher Trauergot- tesdienst zum Gedächtnis der Königin Henriette wurde heute vormittag in der St. Gudula-Kirche abge- halten. Tas Innere der Kirche war mit Trauerdekorationen auf das Eindrucksvollste ausgeschmückt. Den Ehrendienst versah eine Abteilung der Bürgergarde und Milttär in Gala. Im Hintergründe eines großen ChorS erhob sich der Baldachin, rechts von ihm der Thron. Ter Sarg war im Querschifs der »kirche aufgestellt und vom Künigsmantel und der Königskrone bedeckt. Um IlÜ/s Uhr betrat Geistlichkeit die Kirche. Bald darauf trafen die geladenen Gäste, die Abordnungen des Senats, der Kammer und der Gerichtshöfe, das diplomatische Korps, die Minister und die Zivil- und Militärbehörden ein. Darauf erschien der Hof, und die Trauerseier begann. Um elf Uhr war dieselbe beendet. Der König verließ mtt der königlichen Familie die Kirche. Das Publikum zeigte eine würdige Haltung. Nach der Trauerferer reiste der König mit Sonderzug vom Bahnhof am Lackener Palais nach Vagnöres de Luchon ab. — Eine SympathiekundgebungfürdiePrin- zessinStephanie wurde heute in den Straßen Brüssels bemerkt. Zahlreiche Personen trugen an ihren Hüten das Bildnis der Prinzessin. Diese Bilder wurden von den Straßenhäudlern in großen Massen abgesetzt. — Tem „Petit bleu" zufolge, hat die Königin Henriette keinerlei Bar- vermögen hinterlassen, da sie fett Jahren alles für die barmherzigen Schwestern verausgabt habe. Rom, 25. Sept. Ter „große Orient" der italienischen Freimaurer tyat beschlossen, eine Subskription zu Gunsten der Buren zu eröffnen. Washington, 25. Sept. Ein Telegramm aus Panama berichtet: General Salazar sandte an den Kommandanten des amerikanischen Kreuzers „Cincinnati" eine Mitteilung, in der es heißt, die Regierung besitze die erforderlichen Machtmittel, um das Leben und das Eigentum der Fremden zu schützen und die Rechte zu verbürgen. Sie halte bie Landung amerikanischer Truppen für ungerechtfertigt und sehe darin einen Versuch, die Herrschaft über Columbien sich anzueignen. Sie erhebe Einspruch und mache Mac Lean veranuoortlich für die Folgen, welche die Landung von Marinesoldaten nach sich ziehen würde. Sidney, 25. Sept. Neu-Südwales hat das Stimmrecht der Frauen anerkannt, während in Viktoria, wie ein Korrespondent der „Mornmg Post" es beschreibt, die Sandesvertretung „noch zitternd am Ufer steht und den gefährlichen Sprung noch nicht recht zu machen tvagt". Süd- und Westaustralien waren Neu-Südwales schon früher mit gutem Beispiel vorangegangen, und nur in Tasmcmia und in Queensland scheint inan sich mit dem Gedanken, den Frauen politische Gleichberechtigung zu geben, nicht befreunden zu können. Aus Stadl und Saicd. Gießen, den 26. Sept. 1902. — Auszeichnungen. DemLazarett-Inspektor Stein- mann bei dem Garmsonlazarett Wittenberg, bisher bei dem Garnisonlazarctt Darmstadt, ist das Rttlertreuz 2. Klasse deö Verdienstordens Philipp- des Großmütigen, das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren dem Mttgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Kostheim Friedrich Siebenhaar daselbst verliehen worden. - Von der Universität. Wie unS zuoerlästig be- richtet wird, beabsichtigt der außerordentl. Prof. Dr. Preuße 3um 1. Oktober aus dem veterinär-medizinischen Kollegium und auS dem Hess. Staatsdienste überhaupt auSscheiden. - Personalien. Der KreiSbauinspektor deS Kreises Heppenheim Otto Raupp ist unter Verlechung deS Titels .Bauinspektor" zum Ministerialsekretär bei dem Ministerium der Finanzen ernannt worden. — In den Ruhestand wurden versetzt der Stationsassistent Wilhelm Kern in Bingen, der Weichensteller Wilhelm Knierim zu WormS, der Weichensteller Gustav Alexander Streck zu Raunheim, der Bremser Jakob Diehl zu Bischofsheim, — sämtlich in der Hessisch» Preußischen Eisenbahngemeinschaft. ** Der Akademische Gesangverein, der, wie wir hören, nächster Tage sein großes und bedeutendes Winterprogramm der Oeffentlichkett vorlegen wird, nimmt seine Proben am 6. Oktober wieder auf. Es stehen uns, wie wir heute schon verraten können, wieder ganz exquisite musikalische Genüsse in Aussicht. • • Sta dtth eater. Es sei wiederholt darauf auf» merksam gemacht, daß die Vorstellungen im hiesigen, gänzlich renovierten und umgebauten Stadttheater am Sonntag, dem 28. d. Mts., mit Gustav v. Mosers fünfaftigem Lustspiel „Der Hypochonder" beginnen. Eintrittskatten sind im Vorverkauf bereits von Samstag früh ab in der Musikalienhandlung von Ernst Challier zu haben. Am Sonntag finbet der Billetvoroerkauf von 11 bis 3 Uhr bei Herrn Challier, von 4 bis 6 Uhr im Theaterbureau statt. g. Der Gießener Radfahrer-Verein 1885, e. V., hielt gestern abend seine diesjährige Jahres-Hauptversammlung bei recht zahlreichem Besuche ab. Der 1. Vorsitzende, Herr L. Seuling, erstattete den üblichen Jahresbericht, woraus wir besonders heroorheben wollen, daß sich der Verein auch in verflossener Saison wiederholt an radsportlichen Wettbewerben mit Erfolg beteiligte, so bei der Vereinsdauersahtt und Reigenfahren in Butzbach, beim Preiskorso am Bundestage in Kassel, der Fernfahrt „Rund im Nordbezirk" u. s. w. Der Mitgliederstand ist ein andauernd günstiger (rund 100 Mitglieder). Ebenso konnte Herr Zahlmeister Serwas zur Freude aller Anwesenden einen recht ansehnlichen Bestand seiner Kasse konstatieren. Zwecks zahlreichen Besuches des nächstjährigen Bundestages in Hamburg hat der Verein eine Reisekasse errichtet, an welcher bis jetzt sich schon einige zwanzig Herren angeschlossen haben. Die Vorstands- und Verwaltungsausschußwahlen hatten folgendes Ergebnis: Vorstand: L. Seuling, Vorsitzender, H. Becker, Schriftführer, C. Weidig, Zahlmeister; dem Verwaltungsausschuß gehören an: I. Serwas, G. Reinhardt, C. Schneider, C. Bucher und A. Kretzschmar. Nachdem noch verschiedene kleinere geschäftliche Angelegen- hetten ihre Erledigung gefunden hatten, schloß der 1. Vorsitzende die Versammlung mtt einem dreifachen „All Hell" auf den schönen Radlerspott. • * Zu den Landtagswahlen. Aus Mainz wird gemeldet: Als Kandidaten der vereinigten Nationalliberalen und Freisinnigen für die demnüchstige Landtagswahl werden Oberbürgermeister Dr. Gaßner und Stadtv. Rechtsanwall Börkel genannt * * Hessischer Handelskammertag. Für Sonntag den 12. Oktober ist in Mainz ein hessischer Handelskammertag einberufen, dem auch ein Mitglied des hessischen MinistettumS beiwohnen wird. Von der Gießener Handelskammer ist bisher noch kein Vertreter bestellt worden ** Besitzwechsel. Dachdeckermeister Carle vettaufte sein Liebigstraße 87 belegeneS neuerbautes HauS an fföein- händler Zadock Kann für den Preis von 62 000 Mk. " Die Bierlieferung an die Großherzogl. Hofhaltung während deS Aufenthalts deS Großherzogs in Friedberg war durch das Hofmarschallamt in Darmstadt der Aktien-Brauerei zu Gießen bireft übertragen worben. ** Auszeichnung. Der hiesigen Weinhanblung unb Beerenweinkelterei C. Herber (Fr. Leo Nachf.), Seltersweg, würbe auf ber soeben beenbeten Ausstellung für volks» verstänbliche Hygiene in Hannover bie höchste Auszeichnung, die goldene Medaille, zuerkannt. ** Zum Tod Patriz Huber's. Einige Blätter haben gemeldet, daß die ftühere Verlobte des Künstlers eine Mainzerin gewesen sei. Das ist nicht richtig. Die Dame ist die Witwe eines bekannten Verlagsbuchhändlers, eine Frau B. aus Darmstadt, wo Huber sie während seines Aufenthaltes in der Künstlerkolonie kennen gelernt halte. — Der zweite Selbstmörd er, der ehemalige Freund Hubers, ist der Schriftsteller und Architekt Felix Commichau, der im Eisenbahnzug in der Nähe von Neu-Sttelitz seinem Leben ein Ende gemacht hat. Huber wurde, wie mitgeteilt, vor einigen Tagen in seiner Wohnung Charlottenburg tot auf- gefunben. Eine Revolverkugel hatte seinem Leben ein Enbe gemacht. Kurz zuvor hatte H. Besuch empfangen, mit bem es zu einem heftigen Wortwechsel kam. Es mar ber 28jährige Commichau, der zuletzt in Berlin gewohnt hatte. Commichau hatte am Mittwoch auf dem Stettiner Bahnhof m Berlin einen Zug bestiegen, der nach Neustrelitz fuhr. Kurz vor ber Endstation jagte er sich eine Revolverkugel in bie Schläfe. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte nur noch ben inzwischen eingetretenen Tod des Bedauernswetten feststellen. In der Kleidung des Lebensmüden fand man eine Fahrkarte Berlin— Saßnitz, ferner einen Barbetrag von etwa 30 Mk. sowie eine Anzahl Briefe mit dem Poststempel Magdeburg und Darmstadt. C. hatte den kurzen Aufenthalt auf der Durchgangs- station Fürstenau dazu benutzt, um sich von dem Schaffner des Abteils einen Bleistift zu leihen und einen Zettel zu beschreiben, in dem er den Wunsch ausdrückte, m Neultrelitz beerdigt zu werden und seine in Dresden wohnende Schwester von seinem Tod zu unterrichten. Ter Schuß ging in die rechte Schläfe durch den Kopf. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Ueberführung der Leiche nach Strelitz an. Der m Neustrelitz am 15. Februar 1886 verstorbene Vater des Selbstmörders, früherer Fabrikbesitzer Commichau, war aus Rußland ein» ewanden.— Wie sich aus den aümälig bekannt werdenden I Details immer mehr crgiebt, ist übrigens die Verzweiflung über ben Verlust der Geliebten nur ber letzte, «msschlag- gebenbe Beweggrunb zu der That Patttz HuberS gewesen. Die nervöse Ueberreizung, die in Huber baS unberechtigte Gefühl ber Zurücksetzung und beS VerkanntseinS auslöste, hatte ben traurigen Ausgang biefeS Künstlerlebens innerlich offenbar schon seit Langem vorberetttt. W. Wies eck, 25. Sept. DaS BezirkSkriegerfest für den KttegervereinSbezirk Gießen sinbtt im nächsten Jahre, unb zwar voraussichtlich im Juni, hier statt. Unser Kriegerverein verbinbet mtt der Feier sein 30. Stiftungsfest unb 25. Fahnenjublläum. W. SßhSmar, 25. Sept. Sell vorigem Frühjahr hat unser Dorf deine Post-Agentur erhallen und wiederum steht eine neue Begünstigung für unS in sicherer Aussicht, nämlich die Erttchtung einer Güterverladestelle, wozu unsere Gemeinde einen erheblichen Beitrag spenden wird. Auch plant man hierorts eine Wasserleitung und eine elektrische Beleuchtungsanlage. Der Fabrckneubau der Firma Rum u. Kloos ist bis auf die letzten Weißbinder-, Glaser- und Schreinerarbeiten fertig und wird voraussichtlich noch im Herbst in ^Betrieb genommen. § Butzbach, 25. Sept. Der Erweiterungsbau am hiesigen Stationsgebäude macht erfreuliche Fortschritte, die zu der Ermattung berechtigen, daß er noch im November bezogen werden kann. m. Friedberg, 25. Sept. In Oberwöllstadt brach heute Vormittag auf noch unaufgeklärte Weise Feuer aus. Mehrere gefüllte Scheuern mit Nebengebäuden standen in Flammen, welche an den Heu- und Sttohvorräten reichlich Nahrung fanden. Die hiesige Feuerwehr wurde alarmiert und ging sofort ab. — Bei der heutigen Ob st Versteigerung stellte sich der Zentner Aepfel am Baume auf durchschnittlich 8 Mk. Nidda, 23. Sept. Die Spar- und Leihkasse Nidda hielt gestern ihre Generalvers ammlung ab. Von ber Behörbe war KreiSarntmann Dr. Neibhatt an« wesenb. Der Direktor, LanbtagSabg. Erk, begrüßte die Versammlung unb erstattete ben Rechenschaftsbericht. DaS Ergebnis war für 1901: Einnahme 765 752.23 Mark, Ausgabe 730583.32 Mark, mithin Gesamtumschlg 1 496837.55Matt, ber Reingewinn 12 509.22 Mark. Einschließlich ber Prämie für Dienstboten würben für gemeinnützige unb wohllhätige Zwecke oerroenbet 4862.50 Matt; der Rest fließt in den Reservefonds. Es wurde noch beschlosien, vom 1. Januar 1903 an den Zinsfuß für Einlagen auf 81/, Prozent, für Darlehen unb Kaufschillinge auf 4 Prozent festzusetzen. — Das sich anschließenbe gemeinsame Mahl fanb im ,Gam- brinus" statt. — Die Temperatur ging letzte Woche so herab, baß bie Mäher in den Wiesen GiS an ben Sensen hatten unb an tiefgelegenen Otten Frostschaben entstand. Seligenstadt, 24. Sept. Dem auf einem Dienst- gange begriffenen Fußgendarmen Weitz dahier begegnete heute Vormittag unweit Zellhausen ein Infanterist deS 168. RegtS. in Gesellschaft eines Zivilisten. AIS der Soldat des Polizisten ansichtig wurde, nahm er sofort ReißauS unb erweckte gerade dadurch den Verdacht der Desertion. Nach längerer Verfolgung gelang bem Gendarmen in der Nähe deS hiesigen BahnhofeS die Festnahme bei Flüchtlings unb besten Internierung im StabtgefängniS. Der Häftling giedt an, Auguft Pahl zu heißen, aus WormS zu stammen unb schon vor mehreren Tagen auS seiner Garnison Offenbach desettiett zu sein. Welche Gründe den Mann, der vor feiner Entlastung zur Reserve stand, zur Desertion veranlaßten, entzieht sich unserer Kenntnis. Unter militärischer Eskorte wurde der Ausreißer bereits wieder feinem Truppenteile zu- gefühtt. -k- Mainz, 25. Sept. Die nüchtlichen Einbrüche mehren sich hier in wahrhaft erschreckender Weise. So fanden in verflossener Nacht wieder an vier Stellen Einbrüche statt und zwar sämtlich in ziemlich belebten Straßen der Stadt. In zwei Fällen ist den Einbrechern eine ziemlich reiche Beute in die Hände gefallen. Offenbar werden die Einbrüche von einer organisierten Bande auSgefühtt, und es muß Wunder nehmen, daß eS der Polizei, ttotz der feit Monaten fortgesetzt vorkommenden Einbrüche, bis jetzt noch in keinem Falle gelungen ist, nur die geringste Spur von den Einbrechern zu ermitteln. Die in der letzten Zell in den Nachbarstädten Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt unb Worms in gleicher Weise verübten Einbrüche lasten vermuten, daß man es mit einer wellverzweigten Diebesbande zu thun hat, die auf einem großen Arbeitsfelde operiert — Von einem weiteren Einbruch wird gemeldet: In der ver- flostenen Nacht wurde in einer Wirtschaft der Kapuzmergasse ein Einb ruch verübt Wie die Einbrecher in das WittS- zimmer gelangten, ist noch nicht aufgeklärt, aber mit ungemeiner Frechheit haben sie sich daselbst betragen. Sie zechten von dem Dorgefunbenen Wein unb tranken acht Flaschen auS, außerbem verspeisten sie bie vorhanbenen Eßwaren, besonberS Würste. Als sie sich satt getrunken unb gegeben hatten, zerschlugen sie noch bie Flaschen unb ließen die Scherben liegen. — Ein breijähriges Mäbchen wurde vorgestezn obenb im Gattenfeld auf gegriffen und nach dem 5. Polizeibezirk verbracht. Das Kind konnte nicht angeben, wo ferne Eltern wohnen. Nachdem wiederholt in der Nacht nach allen Bezirken telephoniett worden, ob nicht daS vermißte Äinb angemeldet fei und dies jedesmal verneint wurde, mußte die Polizei das Kleine die Nacht über in Verwahrung behalten. Erst gestern mittag meldeten sich die Eltern, die in Weisenau wohnen. DaS Kind hatte den Weg von dott nach hierher allein eingeschlagen. — Riesig ange* schwollen ist seit heute vormittag der Rhein, in den die verlassenen Liebsten der 63. Attillettsten ihre AbschiedSthränen meinten. Es ist jedoch sichere Aussicht vorhanden, daß keine Ueberschwemmung eintritt und das Wasser wieder auf seinen allen Stand zurückgeht, wenn die schmucken Bockenheimer Husaren emrücfen. W. Frankfurt a. M., 26. Sept. (Eig. Drahtbericht.) Heute vormittag zwischen 10 und 11 Uhr fanb der Einzug der 1. Abteilung deL Artillerie-Regiments Nr. 63, das hier gamifoniren wird, statt. Der koninlandirende General des 18. Armeekorps, v. Lindequist, rüt den Ankömmlingen bis zu den Riederhöfen entgegen, desgleichen die Reserveoffiziere des Regiments und die Offiziere des 81. Infanterieregiments. Am Allerheiligenthor fanb die offizielle Begrüßung durch die Bettreter des Nlagistrat? iti E* & Öerläet ft 1,1 heute. ■ Der Yei Set gr^en «erbe- A fiat wuptversaoi ■ Han muB h franben Ue I in LersaiM | beide-Sei I reinen Seff I liken Lettin I rhrliche ToU I Äl/ k i3#faflen ifanei frtyt 604' unter tn M t 5esllneich 6 slawischen 5 - not Senszei Gafincutii'd Mt hat, t deren 6-11 I 2643 509 < katholischen all das C I Ile Pflege k Liebe und l Sfc“ werden iPOB | sliid. des-m 11 bie «wingd n Lols-Lerei > skmaild slu R i)en andern z; ieute nicht nichtössentl ■ schledenen •.ir.gelegent | neben spn | teftanti Sitzuna sc ber ersten, Hause» tag öotflf. ( Preußen-, 1 anz OMüdifätt itfüifyat, b trit hiMen-L 1 » tn^^?auben sland«, reich, CT* rourie «2- öe Nge» Obstoer, r am Baume auf und "vrrsammiuna ab, E Dr.Mhart an >• H begrüßte die Ver> ^chastSbericht. Das Er. )b 752.23 Slatf, AuSgab« Gg U96 837.55 Mark, Einschließlich der Prämie lliitzige unb wohlthätige er Rest fließt in den Re. losten, vom 1. Jamun i aus 81/, Prozent, für Prozent festzusetzen. - Mahl sand im,6am* ir ging letzte Woche so sen LiS an den Sensen Frostschaden entstand. Dem auf einem Dienst, eitz dahier begegnete heute nfanterist deS 168. RegtS. der Soldat des Polizisten §auJ unb erwecke gerade >L MH längerer Ber. ■ Wolf-Verein unterstützt würden. Nicht wemger als irgend rna nb sind wir bereit zur Befolgung deS: „Ertraget einer )en andern in der Liebe." Es ist beschämend, daß LandA- eute nicht Frieden mit einander sollen halten können. Mn muß zuerst innere Toleranz üben, d. h. Achtung vor r nnden Ueberzeugungen; die muß dann in der Presse und || tu Versammlungsreden bewährt werden .und zwar auf s graben Seiten. Der Geisteskampf muß weiter gehen mit fretinen Waffen. Redner fordert von den maßgebenden Kvtho- iilen Vereinigung mit uns zum Eintreten für gegenseitige II chttliche Toleranz in Sachen der Mischehen und der Mnder- il Erziehung, der Behandlung der Kranken und der Gestor- || de-nen. DaS würde zum Frieden aus Erden, Gott zu einem L-ohlgefallen und dem Höchsten zur Ehr dienen. Pfarrer D. Hartung- Leipzig erstattet den Jahres- 4l/s% Oesterr. Silberrente 101J30 456 Ungar. Goldrente . . 101.95 war damals eine Fleischnot im heutigen Umfange auch nicht möglich, weil man in Berlin selbst noch tüchtig Viehzucht trieb und die rundlichen Schweinchen Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht oft genug entgegen liefen, wenn der hohe Herr in seiner schönen Residenzstal^ einmal lustwandeln ging. Damals war eben hinter jedem Hause ein geräumiger Hof mit .Stallungen und einem verläßlichen Schweinelob en, und die Berliner hatten nicht nötig, auf die Produkte der umwohnenden Dörfler zu warten. So ganz sür umsonst sind wir schließlich auch nicht die gesundeste und reinlichste Großstadt der Welt geworden! — Aber man kann es wirklich verstehen, daß unsere lieben Hausfrauen, die nicht eine unbeschränkte Wirtschaftskasse haben, in diesem Herbst mit sorgenvollen Gesichtern einheraehen und die vier Rechnungsarten viel eingebender bei ihren Einkäufen zu Rate ziehen, denn je! Kostet doch ein Pfund Kochfleisch vom Rind — bei einem soliden Schlächter mit kleinbürgerlichen Preisen gekauft — 80 Psg., vom Kalb sogar 90 Psg.; und muß sie für Karbonade vom Borstentier doch setzt schon 1,10 Mk., für Schweineschnitzel sogar 1,40 Mk. bezahlen. Ach, die Berliner Schlächter wissen nur zu gut, welche Stücke die Herren Ehemänner am liebsten auf dem Tisch sehen, und bei diesen legen sie die Schraube natürlich am kräftigsten an. Für Kalbschnitzel opfert die Hausfrau jetzt 1,60 ML; in den Geschäften, wo man das Renommee mitbezahlt, soaar 2,40 Mk. Guter Schinken ist bis aus 1,80 Mk. geklettert; Speck kostet 90 Pfg. und 1 Mk. Aehnlich verhält es sich mit den Wurstwaren. Und dabei kennen unsere Verkäufer die schöne Sitte des „Ausschlags" der Wage ganz und gax nicht. Das Gewicht stimmt, aber auch aufs Haar. Zugabe ist eine falsche Sentimentalität, durch die man minbepend zwei Jahre später Rentier wird! Daß die Zunft der Knochenhauer trotz aller hohen Preise, die sie fordert, in einer kritischen Zeit lebt, beweisen übrigens die zahlreich-» Bankerotte gerade in diesem Jahre. Die hohen Ladenmieten schlucken den größten Teil des Vierdienstes ftret, und so provitiert schließlich auch nur der Großhändler. Ein Glück, daß bie Wildperiode mit niedrigen Preisen eingesetzt hat unb so die Kalamität nicht noch schttmrner macht; das Geflügel tft durchweg auch teurer wie in anderen Jahren! Durch die Zufuhr von aßen Seiten hat man in Berlin meist sehr niedrige Db ftp reife. Es ist erstaunlich^ was zur Zeit der Hochreife die Erdbeeren mm Beispiel billig sind. Augenblicklich geht's uns so mit Wsintrcmben. Nur darf man nicht hei den ambulanten Händlern hersinfollen, die mit ihren Wagen von Straße zu Straße ziehen und' das Pfund ihrer „Goldtrauben" oder ,Mttetrcmben" rc. noch 5—10 Pfg. billiger anbieten tote der solide Kaufmann. Entweder ist die Ware nämlich minderwertig oder das Gewicht ist falsch. Die Sitte, aus der Düte schnell ein paar Pflaumen oder Trauben zu essen, um den mahnenden Magen noch eine Stunde langer hinzu halten, ist selbst unter Erwachsenen der besseren Stände hier ziemlich verbreitet. Keinem von diesen fällt te ein, Lu kontra ltterem ob dieses „Pfund Trauben" auch wirklich ein Pfund if£ Und nun gar die Kleinen, die zur Schule wandern mijd ihr Frühstück dadurch ergänzen sollen. Sie erhalten oft kaum die Hälfte des richtigen Quantums. Dieser einträgliche Handel ist in Berlin rissig beliebt. Junges Volk, baS nicht Lust zu einer regulären Arbeit hat, zieht im Verein mit gleichaltrigem W-eibsvolk ,aus, sich damit sein Brot ni — verdienen. Wehe dem, der an der Richtigkeit der Wage oder des verabfolgten Quantums zu mäkeln prägt! Die d reiste Grobheit dieses Gelichters ist asnüaenb 5e- kannt! Und trotz alledem satten tagtäglich Tausende auch die Bescheid wissenden — ans diesen Unfug herein, anstatt in das nächste seßhafte Geschäft zu gehen, wo fte ehrlich bedient werden. Die Welt will nun einmal Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 18. Sonntag nach Trinitatis, den 28. September. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Schlosser. Nächstfolgenden Sonntag den 5. Oktober findet im Haupt- gottesdienst Beichte und heil. Aberrdrnahl für Matthäus» und Markusgerneinde statt. Dieientgen Gemeindemitglteder, die daran teilnehmen wollen, werden gebeten, sich vorher bei dem Pfarrer ihrer Gemeinde aruurneldeu. Psarrasststent Bogt wohnt Goethestraße 27, 4. Zu der Johanne» kteche. Vormittags 9*/» Uhr: Pfarrer Euler. Beichte unb bell. Abendmahl für die LukaS- und die Johannes- gemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Vormitt. II1/« Uhr: KindergotteSdlenst für die LukaSgemeinde. Pfarrer Euler. Sonntag, abends 8 Uhr. Versammlung uub Bibeibefprechung im Konfirmanden!aal der JoyanneSktrche. 1. Lorr. 1, 4—8. Katholische Gemeinde* DamStag den 27. September. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 28. September. 19. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6*/, Uhr an: Gelegenhell zur heil. Beicht. , um 7 Uhr: Die erste heil. Meße, vor und in derselben Austeilung der hell. Kommunion. Vormittags um 8 Uhr: Die zweite hell. Messe. , r 9>/, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 21/, Uhr: Christenlehre, darauf Andacht. Bon Mittwoch an ist im Oktober täglich deS abends um 61/, Uhr Rofenkranzandacht mit Segen. Gottesdienst in der Synagoge Montage, Israelitische NeÜgionsgemeinde. Samstag, den 27. September 1902. Vorabend: 6 Uhr. MorgenS: 8" Uhr. Nachmittags: 4 Uhr. Sabalhausgang: 7 Uhr. Methodiften-Gemeiude. (Asterweg 16.) Evangelischer Gottesdienst. Sonntag nachm. 4 Uhr: Predigt. Mittwoch abend 8*/a Uhr: Bibelstunde. 4,/sVq Chinesen . , . Electric. Bchuckeri . , Nordd. Lloyd . .. Kreditaktien . . . . Diakonto-Konnnandit. , Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . , Berliner Handelsgut. . Oesterr. ßtaatsbahn . , Lombarden . . . . Gotthardbahn . . . . Laurahütte . . . . . Bochum ...... Harpener..... Plaudereien aus der Kaiserstadt. (Nachdruck verboten.) Berliner Fleischtheuerung. — Die gute, alte Zeit. — Preise iob heute. — Obst bei den StratzeuhLudleru. — Die Welt will betrogen sein! Selten haben die Stoßseufzer über die gute alte Zeit o kräftige Echos gefunden als Heuer in den Zeiten der ifleif Steuerung. Denn daß eine wirkliche Teuerung mist, kann auch der „eingefleischteste" Grenzhüter soweit s sich um ib!ie Ochsen und Schweine der Pußta handelt, iaht mehr bestreiten. Daß sich speziell etliche der Berliner - hlächter die kritische Situation zu Nutze machen und >i»! Preise über die Gebühr hin au streiben, sei >o«t vornherein zugegeben. Das war indessen schon zu ilten Zeiten so, sonst hätte der Nürnberger Rat sicher ; liiöt so strenge Gesetze für seine „Fleischhauer" notig ge- Mt, die uns in einem alten Gedicht, wie folgt, ans- -ckoahrt sind: „Der Fleischverkauf ist also bestellt: Schlägt man eine Kuh oder Stier, So sind dazu zwei oder vier. Die das Fleisch schätzen gar eben, Wie man jegliches Pfund soll geben. Um drei Pfennig oder um zw e en! — Muß an einem Brett gemalet stehn Das Geld und auch das Tier dabei, So sieht auch jeder, was es sei, Und die Leut nicht schätzen für Narren, Verkaufet Kuh fleisch für Farren" rc. Auch der Berliner Rat schrieb vor drei Jahrhunderten, ilsin Brandenburg und Meißen ein fetter Ochse fünf Selben galt, den Meistem die Kleinpreise vor. Freilich ch-st 'M------ «l* Cf* t" Sanbi «u86«M in vnbckch«, Ml* mir d>! i, b« * 81 itaM D°mM “ft?”»®* Sie i* tlbfl trarf» hatten, I«' ,t,nl bie *• ****^^5 ,ie ** r. . k u«-'" -LS Der heutige yestgottesdienst füllte die weiten Räume großen MartinSkirche so feyr mit DrangsalS Hitze, daß tn anderer Stelle ein zweiter Gottesdienst eingerichtet narben mußte. In demselben predigte Professor Stonf^ Heil Haupt auS Halle. Nach dem Festgottesdienst wurde dis erste öffentliche )«nptversatmnlung vom O. K. R. Pank eröffnet. Panks gleitende Ansprache hatte zum Leitmotiv die Mahnung, Miakeit ün Geiste zu pflegen, nicht Einer leih eit, aber Ünrsöhnutig auch über die Nationalitätsgrenzen hinaus. SÄ werden in dieser Hinsicht Anklagen widerlegt, welche >on magyarischer und tschechischer Seite erhoben worden imb, besonder- die Verleumdung, als ob in Oesterreich )i.* Evangelischen Hochverrat planten und darin vom Gustav- Wols-ÄZerein unterstützt würden. Nicht weniger als irgend Neueste Meldungen. Originaldfahtmeldungen des Gießener «nzeiger^. Loudon, 26. Sept. Telegramme aus Washington richten über ein anarchistisches Attentat gegen den Präsidenten Roosevelt. Diese Nachricht wurde aber alS» bald dementiert. Ein weiteres Telegramm au8 New-Pork be- richtet, datz ein Attentat gegen da» Hotel ,»« goldenen Adler in Washington stattgefundea hat. Da» Hotel wurde teilweise durch eine Bombe zerstört, welche durch einen gewissen Mackeray geworfen wurde. Mackeray beging s» fort Selbstmord. Wie es heißt, handelt e» sich nicht um ein politisches Attentat, da Mackeray seit zwei Zähren in de« Hotel wohnte und noch kürzlich einem großen Bankett beigevohut hat,j welches der Eigentümer de» Hotels gab. 80 Personen wurden bet der Explosion verletzt. London, 26. Sevt. Eine Depesche deS Reutersc^r^ Bureaus berichtet aus Pretoria vorn 24. Okwber i Dtej Regierung übernahm die Berantwortlichkett für die bet1 dem Waisenkommissar der ehemaligen südafrikanischen Re-' publik h nterlegten Gelder Minderjähriger. DaSj Kapital und die Zinsen werden an dem jeweiligen Fällig^ keitstermin gezahlt. Die von dem früheren SBaifentonte, missar verwahrte Summe belief sich annähernd auf Lstr. 280 000, von denen nur Lstr. 8000 gesetzmäßig angelegt! waren. Ter Restbestand wurde von Beamten der ehemaligen Regierung, als sie aus dem Lande flohen, os- schlagnahmt. । Brüssel, 26. Sept. Königin Henriette hat den Haupttell ihres Barvermögens im Betrag von 50 000 FrL. ihrem alten Leibdiener vermacht. Das Palais in Spa, wo die Königin die letzten zehn Jahre gewohnt hat und wo sie gestorben ist, erhält ihr Privatsekretär Goffinet, der bereits; den Marstall erhalten hat. Die Schmucksachen gehen an W drei Töchter Luise, Stephanie und Clementine über. Marseille, 26. Sept. In der Nähe von Birofay fand zwischen zwei Polen, die sich in Paris zur Bervoll- kommnung in der französischen Sprache aufhietten, ein Duell statt, bei dem einer der Duellanten getötet wurde. Wien, 26. Sept. Der in Roveredo in Haft befindliche Advokat Murri verlangt mit Ungeduld, den italienischen Gerichten ausgeliefert zu werden. Er leugnet entschieden, in Geldverlegenheiten gewesen zu sein und will 65 000 Lire besessen haben. Belgrad, 23. Sept. Die Lage in Mncedonien hat sich drohend gestaltet. In Konstantinopel scheint man Unruhen in Macedonien zu befurchten. Bon allen Setten langen Truppen-Berstärmngen an. Auch auS Altserbten, kommen beunruhigende Nachrichten. Der Albanesen-Häupte ling Mustafa Feradagie hat sich Boljetinaz angeschlossen und mit 1000 bewaffneten Albanesen fein Lager in der Nahe von Mitrowitza aufgeschlagen, welches er in Brand zu stecken droht. Es tarn bereits zu einem Zusammenstoß mit türkischem Militär, wobei es aus beiden Setten Tote und Verwundete gab. Moskau, 26. Sept. Die Primadonna ber Dptx m Kaluga wurde von einem 18jährigen Kaufmannssohn auS Eif ersucht auf der Promenade erdolcht. New-Pork, 26. Sept. Das Befinden beB Präsidenten Roosevelt ist befriedigend. Die Aerzte haben dem Kranken vollkommene Ruhe vorgeschrieben. Der Präsident wird daher nur einige Mitglieder deS Kabinett empfangen, sowie diejenigen Personen, die beauftragt sind, ihn über gewisse wichtige Fragen zu informiren. Man glaubt, daß keine Komplikationen ein treten werden, eS müßte denn sein, daß der verletzte Knochen am Knie angegriffen fei, was jetzt nicht festgestellt werden kann. die Ausrottung beS Deutschtums in Oesterreich Mnarbette. Alles daS zeige, wie sehr es unter den Katholiken Oesterreichs gähre unb wenn hier unb dort Uebertritte erfolgt en, so sollte der Gustav Adolf-Ger ein für die religiöse Versorgung derselben möglichst viel thun, um sie dem neuen Glauben zu erhalten. Redner bittet schließlich um Unterstützung deS Lillier MrchbaueS, zu dem ber katholische Bürgermeister bereits den Baugrund lotzerttoS überlassen habe. Pastor Torre von- Frankfurt a. M. verwies auf das Auftreten AbbS DourrierS, da- in Verbindung rntt den kürz- lich erfolgten Uebertritten von 40 bis 50 französischen Priestern deullich zeige, wie auch in Frankreich bte Los von Rom- Bewegung immer weitere Fortschritte mache. Die Priester seien der Unruhe des katholischen Pfarrhauses müde, und die Unterstützung der aus der Kirche ausgetretenen Geistlichen sei dringend nötig, da sie meist so ungebildet seien, daß sie nur noch tn niederen Berufen, so alS Droschkenkutscher, Verwendung finden könnten. In Paris seien sogar 4—5 ehemalige Geistliche als Rosselenker angestellt. Auch die Thatsache, daß der ehemalige katholische Priester und jetzige Ministerpräsident Combes seine berühmte Rede in Sachen der Kongregationen gehalten habe, infolge seiner Agitation gegen Rom in das französische Parlament gewählt worden sei, gebe doch zu denken. Die Zeichen der Zeit forderten die Aufmerksamkeit des Vereins heraus. Psarreor Faehue-Kaaden in Nordböhmen bat um Liebesgaben für die nordböbmischen Gemeinden. Es sprachen bann noch Pastor Geißler aus Bosnien, Pfarrer Gutemar aus Arco in Südtirol und der Pfarrer von Graslitz in Böhmen. Die Hauptversammlung wählte Hamburg als Ort der nächstjährigen Tagung. Die kleine Liebesgabe von 21000 Mark beschloß man der Gemeinde Villach in Kämthen zuzuwenden. ie richt. 8042 Gemeinden stehen in unserer Pflege, bar- unter tn Nassau 40, Hessen-Kassel 26, Hessen-Darmstadt 28, vssterreich 516, wo der nationale Streit bei deutschen und »slawischen Evangelischen schweigt, wo Überall die Schulamt Seufzer auspreßt, wo aber auch das Diakonissenhaus 'Mneufiräjen in eine größere Gemeinde überzusieoeln den !)Üit hat, wo an mehr als einer Stelle aus einer Pfarre ■ ll ren 6—10 werden. Der katholische Bonisaciusverein mit ü 48 509 Mk. Jahreseinnahme, — die Erbauung vieler ttlholischen Kirchen in sonst rein evangelischen Gegenden, jiii das Gewissen wach erhalten zu der Erkenntnis, daß &!t* Pflege ber evangelischen Diasporen eine Pflicht ber A ehe unb ber Selbsterhaltung zugleich ist. Im Anschluß an die erste Hauptversammlung trat die ni-chtöffentliche Versammlung der %bgeorbneten der vermiedenen Zweigvereine zusammen, um über einige interne ingelegenheiten des Gesamtvereins -u verhandeln. Danetten sprach Pfarrer Dnschek ans Kolin über den Pro- IiestautismuS unter den Tschechen. An diese U Si-Sung schlossen sich Hw ei Abendversammlungen an. In trr ersten, die im Festsaale deS Evangelischen VereinS- icurfe» tagte, führte Superintendent Kar man n-Schw etz d en ÜOrsitz. Er schilderte die Lage in der Diaspora West- । pi mßenS, die gleichermaßen gegen PoloniSrnuS und Rvma- li^mus anzu kämpf en habe. Ein .Untergang deutscher unb i^ngelischer Kultur in jenen Geaenden sei jedoch nicht zu teffilrchten, denn wenn auch die ehemals deutschen Cdelleute Ei t Hutten-EzapsD), p. Lttllkstein, v. WollschlLger, v. Rosfow o. a., unter der polnischen Herrschaft ihr Deutschtum voll- 1 sLadig verloren ober auf gegeben hätten, so habe doch der i Iri-irerzett auS Westfalen, Friesland, Med er sochsen ufto. ein- ^ttvanderte deutsche Bauernstand in den gesegnetenWeichsel- riKberungen trotz per jahrhundertelangen harten Berfol- Sicna durch den volnrschen KlerikalismuS niemals fein I^ttschttun unb [ein iEvangelium verleugnet und fei noch .ernte der festeste Wall gegen alle deutschfeindlichen und LMievangelischen Strömungen. (Lebhafter Beifall.) Aber :u-tzdem sei es nötig, chnen durch den Gustav-Adolf-Merein lt: chen und Schulen zu bringen, um auch ihrem Nachwuchs !eu Väter Glauben zu erhalten. Pastor May- Cilli schilderte die Verhältnisse in dieser r teiermärkischen Stadt, die zur Zett mitten in ber LoS von kiwin-Bewegung stehe, nachdem sie schon vorher durch den .iMversitätsstreit, die Sprachenverordnungen u. a. m. in hwen Tiefen aufgeregt worden sei. Eine bemerkenswerte ö6rberung habe die Bewegung dort von seiten der Katho- ü!-n selbst erfahren, die von ihren Priestern bisher forte ;essetzt gequält und getreten worden seien. So sei der Mrger- natifter mit seiner ganzen Familie übergetreten und auch iei armen Slovenen meldeten sich massenhaft, um des ZLzens des Evangeliums teilhaftig zu werden. Vom Amts- loitt der Stadt sei der zum Besuch kommende Erzbischof rocar als fanatischer Agent jener Macht bezeichnet worden, w seit Jahrhunderten Oesterreich beunruhige und die auf Coursbericht don Joseph Herz» Bankgeschäft, Gießen, NeueMnen 41 '! 100L0 । 39.- 1 I 100.50' Türken 1 39L5 5 47i do. 96.20 96 JO 3 98J20 i 98.80 4 97.65 Lisenb.-Pttsrit. 97.70 «X 4 1 i 155.50 155.- 8X 108. 4 109.— 3 102.60 64.85 1906. do. 3 100.60 100.10 73LO 4 100.20, 100.20 2Vw 4 102.75' 102.75 do. 37, 99.80 95.25 95.30 do. 37. 80X0 3 X 17.40 3 101.10 100.70 99.50 99.40 1101.50 8X 1O2.VO' 102.80 1 4 4 99.50 99.45 99.30 | 96.75| 96.75 37, Franz Bfeumeier eeeeeeeeoeeeeeeoe® ! Orpheum I! Orpheum Sounenstr. 22 großes Schu^warenlüger Soaueustr. 22 w 6699 )öei nur kann gekellert 6664 werden. nur Gtuige 6701 amerikanisches Petroleum 6707 führen. Lubwtgsplatz 14. 4766 6886 empsiehlt Der Vorstand. 6617 6977 Orpheum i Asterwcg 57. au verm. 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