Nr. 199 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Keffischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unwers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietfch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprechanschlußNr.51. Zweites Blatt. ISS. Jahrgang Dienstag Ä6. August LSQS GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amis- und Anzeigebialt für den Kreis Gießen jährlich Mk. LL0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Pf.; durch diePost Mk. 2.— viertel» jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer biS vormülags 10 Uhr. ZetlenpretS: lokal 12Pf, auLwärtS 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. all gern. Teil: P. Witiko: für .Stadt und Land'' und .Gerichtsfaal": Curt Plato; für den An- zeigsnteil: HanS Beck. Q Me heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. Zum Fülle Löhning. W. Dreßen, 26. August. Die Löhnmg-Affäre ist durch die (gestern in unserer ^Politischen Wochenschau" mitgeteilte) Preß-Replik zwischen bem zwangsweise pensionierten Provinzialsteuerdirektor und einen: Berliner Journalisten in ein Stadium getreten, das die bisherigen unbedingten Vertreter eines der preußischen Fmanzoerwaltung entgegengesetzten Standpunktes stutzig machen mußte. Die bevorstehende Gerichtsverhandlung wird vielleicht mancherlei überraschendes aufdecken. Der Kamps gegen versteinerte Vorurteile, gegen verstaubten Standesdünkel wirb ja immer berechtigt bleiben, aber es lassen sich Spezialfälle .sehr wohl denken, die ein Eingreifen der Regierung in der vom preußischen Finanzminister beliebten Art doch als nicht ungerechtfertigt erscheinen lassen können. Inzwischen beeifert sich die oppositionelle Presse Berlins, durch unermüdliches Stöbern im abgegriffenen Buche der Vergangenheit alte „Löhning-Fälle" aufzudecken. Das hatte ja einen gewissen Sinn, indem man dadurch die preußischen Regierungstraditionen genauer charakterisieren wollte. Aber die hochsommerliche Sülle bringt es mit sich, daß nachgerade, um es rund heraus zu sagen, geradezu Unfug damit ge- itrieben wird und Dinge erzählt werden, die feststehende That- sachen direkt auf den Kopf stellen. So erzählt heute die „Voss. Zig." ihren Lesern folgendes zweifellos ganz amüsante Märlein: Wenn wir den Fall Löhning mehrfach einer besonderen Würdigung unterzogen haben, so geschah es in der Ueberzeugung, daß er nur ein einzelnes Symptom der kulturwidrigen Gesinnung und des rückständigen Kastengeistes darstellt, wovon ein Teil unserer sogenannten „höheren Kreise" erfüllt ist. Es kann keinem Zweifel unterliegen, das ähnliches wie im Falle Löhnung sich öfter ereignet, wenngleich es aus guten Gründen nicht immer nach außen dringt. Ein Vorgang ähnlicher Art, der uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, verdient in werteren Kreisen bekannt zu werben. In einer Stadt Ostpreußens wirkte ein O b e r b ü r g e r - meister 16 Jahre hindurch in tadelloser Amtsführung und mit großem, durch seine Wiederwahl und deren Bestäligring anerkanntem Erfolge. Vor etwa drei Jahren verlobte er sich mit einer an einer dortigen städtischen Schule angestellten Lehrerin. Kaum war diese Verlobnng erfolgt, so erklärte der Regierungspräsident Hegel, ein Schwager des Oberpräsidenten v. Bitter in Posen, dem Stadtverordnetenvorsteher, nach dieser Verlobung sei die Stscklung des Oberbürgermeisters unhaltbar. Diese Aeußerung kam auch der Braut des Oberbürgermeisters zu Ohren. Diese Dame, eine Witwe mit fünf Kindern, die nach dem Tode ihres ersten Gatten sich und ihre Familie ohne jedes Vermögen von ihrer Arbeit ernährte, hatte den Edelmut, um in die amtliche Laufbahn ihres Bräutigams keine Störung zii bringen, ihm nicht nur sein Wort zurückzugeben, sondern auch noch durch Tritte besondere Bemühungen anzustelleii, dainit der Oberbürgermeister diesen Verzicht annchme. Dieser aber, ein Mann von unabhängiger Gesinnung unb ein Ehrenmann, dachte nicht daran, den aus innerster Steigung geschlossenen Bund zu lösen, und heirathete feine Braut. Alsbald nach Vollziehung der Ehe wurde dem Oberbürgermeister vom Regierungspräsidenten Segel eine Disziplinaruntersnchung an* gekündigt, falls er nicht in seine Pensionierung willige. Der Oberbürgermeister hatte aber schon mit Rücksicht darauf, daß infolge der Aeußerung des Regierungspräsidenten zu den: Stadtverordnetenvorsteher auch gewisse „Honorationenkreise" von den Standesbedenken des Herrn Hegel befallen wurden — man muß es erwägen, welches Aufsehen es in einer Mittelstadt erregt, wenn ein Heiratskandidat von Stand und Würderl statt einer der vielen heiralswilligen Honoratiorentöchler eine arme Wittwe heiratet — ■ eine Pensionierung selbst beantragt und willigte, um ich aller Fesseln widriger Vorurteile zu entledigen, in seine Pen- ionierung. Bemerkt muß noch werden, daß bei dem Reyierungs- iräsidenien Hegel der freisinnige und unabhängige Charakter des Oberbürgermeisters, den dieser in seiner amtlichen und bürgerlichen Haltung bewährte, schon wiederholt A n st o ß erregt hatte. So erklärte nach einer Landtagswahl der Regierungspräsident, die Wahl m dem betreffenden K^ise sei gut — hierunter verstand er natürlich konservativ — ausgefallen, wenngleich der Landgerichtspräsident und der Oberbürgermeister freisinnig gewählt hätten. Sollte auch in diesem Falle, wie in dein Falle Löhning, eine fromme Seele durch Auf- tischung von allerlei Klatsch dem Regierungspräsidenten Hegel, wie eine jüngst andere dem Finanzminister v. Rheinbaben im „Reichsboten", zu Hilfe kommen, so wird es an der Antwort nicht fehlen. 9hir zugestoßen, wir parieren! Diese Geschichte ist zwar sehr schön, aber sie entspricht nur zu einem Teile den Thatsachen. Wir sind in der Lage, aus eigener Kenntnis Genaueres darüber mttzutcilen. Der Vorgang hat sich s. Zt. in Tilsit abgespielt. Oberbürgermeister The sing, vordem Stadtrat in Danzig, war s. Z. von den Tilsiter Stadtverordneten zum Stadtoberhaupt gewählt worden, nachdem er ihnen die Versicherllng gegeben hatte, daß er freisinnigen Anschauungen, die in jener Stadt weitaus dominieren, huldige. Kauin aber hatte er sein neues Amt angetreten, als er sich auch schon in einen Gegensatz zu der Bürgerschaft stellte. Er suchte seinen privaten Verkehr fast ausschließlich in den dortigen Ofsizierskreisen, verkehrte kaum je in der sogen. „Bürgerhalle", einem sowohl von der gesamten Ausschlag gebenden Bürgerschaft wie von dem größten Teil der höheren Beamtenschaft, dem Richterkollegium re., gern und viel frequenüerten Vereinshause, und trat einer anderen geselligen ^Bereinigung, der Casinogesellschaft, an deren Spitze ein als freisinnig bekannter Landgerichtsdirektor stand, überhaupt nicht, sondern nur einer ganz exklusiven Gesellschaft bei, die sich fast ausschließlich aus dem Offizierkorps und den großen Gutsbesitzern der Tilsiter Niederung, b. h. also bec konservativen Partei ober bem Bunbe ber Landwirte an- gehärenden Herren, zusammensetzt. Seine derben Sühne schickte er auf eine Kadettenanstalt, — kurz und gut, er that alles, um sich in der, wie gesagt, überwiegend freisinnigen Bürgerschaft unbeliebt zu machen. Wenn er nach Ablauf der ersten Wahlperiode zum Oberbürgermeister wiedergewählt wurde, so verdankte er das in Wahrheit einzig und allein dem Umstande, daß der um die Stadt hochverdiente Stadt- verordnetenvorsteher, ein nationalliberaler Industrieller von größtem lokalen Einflüsse, aus persönlicher Sympathie den Mann nicht fallen lassen wollte, der durch seine (des Stadtv.- Vorstehers) Initiative nach Tilsit berufen worden war. Er hätte in seiner Selbstschätzung das Unterliegen des Oberbürgermeisters als eigenes Unterliegen angesehen, unb ihn wollte bie Bürgerschaft nicht fallen lassen, benn man hielt ihn, nicht ohne guten Grunb, für kaum ersetzlich. Nun aber traten ganz besonbere Umftänbe ein. Man begann zu munkeln von einer vom Oberbürgermeister an» geknüpften Liaison mit einer stäbtischen Lehrerin unb von baraus erwachsenen Zwistigkeiten mit seiner Gattin, mit ber er in langjähriger Ehe verbunben roar. Es kam schließlich zur Ehescheidung unb nun heiratete ber Herr Oberbürgermeister Thesing nach ganz kurzer Zeit jene Lehrerin. Das ist im wesentlichen ber Sachverhalt, der zu ber Pensionierung bes Oberbürgermeisters Thefing führte, bie biefer wohlweislich selber beantragt hatte, um den Unannehmlichkeiten eines Disziplinarverfahrens aus dem Wege zu gehen! — Heber die Stellung des Grafen Bülow zum eigentlichen Fall Löhning findet sich im „Pesler Llob" eine Zuschrift aus Berlin, bie ben Anschein zu erwecken sucht, daß ihr Verfasser über Bülows Stellung zu ber Sache unterrichtet ist. Unter anderem heißt es da: „Es wäre bedauerlich, wenn bie allseitig verlangte und von dem zuständigen Minister versprochene Aufklärung der Löhning- schen Pensionierung darunter leiden sollie, daß man sie zum Gegenstand einer Kraftprobe zwischen R e g i e r u u g unb öffentlicher Meinung zu machen versucht. In ber Hauptsache gibt es ohnehin keine Verschiedenheit der Auffassung. Es weiß schließlich jeder, daß bie Verquickung eines politisch notwendig geworbenen Vorgehens gegen Löhning mit seiner Liebes-, Ver- lobungs- und Heiratsgeschlchte dem Ministerpräsidenten Grasen Bülow ebenso zuwider ist, wie nur irgend einer der darüber in Harnisch geratenen Zeitungen. Auch hegt gewiß niemand lebhafter als Graf Bülow den Wunsch, daß der von seinem Finanzkollegen angetretenc Beweis für das Ausschlaggeben polen- politischer Rücksichten bei der Entfernung des Posener ©teuer- direktors unzweudeutig geführt werde." Danach bestände also doch eine Differenz zwischen bem Ministerpräsidenten unb bem Finanzminister. Man wirb nicht umhin können, beren Fortschleppung bis zum Zusammentritt bes preuß.Lanbtag als keineswegs wünschenswert anzusehen, wie man sich auch in Zukunft zu bem „Fall Löhning" zu stellen haben wirb._____________________________________________ Kor dem Aesuch des Königs von Italien. Aus Berlin, 25. -August, wird uns geschrieben: In ber Rahe des Potsdamer Platzes und auf dem Bahnhofe in Berlin sieht es weihnachtlich aus. Es duftet nach Tannen. Gewaltige Mengen dunkelgrüner Reiser lagern in der Bahnhofshalle, offene Güterwaggons sind ganz beladen mit riesigen Tannenzweigen, rasch und umsichtig geht die Verteilung vor sich. Messungen werden vorgenommen, man hört Hämmer klopfen, Spaten klirren; Bretter, graue Sackleinwand, Säulen, Postamente, Farben- unb Bronce- töpfe treten diskret in Erscheinung; Männer mit wichtigen Mienen notieren wichtige Dinge; die Beamten und Schutz? leute haben eine seierlich>-erwartmigsvolle Haltung; Unter den Linden, in der berühmten Prachtstraße, die lange Zeit ein so trostloses Aussehen gewährte, wird mit Feuereifer gearbeitet, das durch die Umgestaltung und „Verschönerung" entstandene Chaos zu beseitigen; Bretterbuden und Löcher, lebensgefährliche Hindernisse des Berliner Asphalt, bie sich mit jedem Tage vermehrten zum Schrecken argloser Wanderer, verschwinden mit zauberhafter Geschwindigkeit; in den Stadtverordneten-Familien herrscht große Nachfrage nach weißen Ehrenjungfrau-Gewändern, in den Innungen ein ebenso ungestümer Bedarf an Fracks und Cylinderhüten; die kleinen Gipsfiguren-Jungen, die Medaillon- und Ansichts- Eartenöerläufer mit dunklem Haar und malerischer Kopfbedeckung erfreuen sich ungewohnten Wohlwollens jetzt, da sie noch einmal so stolz die Straße ziehen — mit einem Wort: Berlin erwartet den Gast des Kaisers, den König von Italien. Nach den Vorbereitungen zu schließen, wird der Empfang großartig werden und dem Empsana des König Humbert nicht nachstehen, der an jenem köstlichen Maitage 1889 seinen glänzenden Einzug in Berlin hielt und auf dem ganzen Wege von nicht endenwollenden jubelnden Kundgebungen der Bevölkerung begrüßt wurde. Aber, mag sich das Bild wiederholen, mag es Überboten werden, der Unterschied drängt sich doch auf, daß damals Berlin den erprobten, treuen Freund, den Bundesgenossen, der es mit ganzer Seele war, willkommen hieß- während der junge König Viktor Emanuel für uns Deutsche em unbeschriebenes Blatt ist. Man weiß noch nicht recht, woran er glaubt, ob er innerliche Sympathien empfindet für den Zweibuüd, an den sich beim „Verbrüderungsfest" m Toulon, April vorigen Jahres, sowie durch den jüngsten Besuch in Peters- brug eine bemerkliche Annäherung vollzog - ob er die Bundesaenossenschast mit Deutschland und Oester reich-Un- narrt mehr im kühlen Lichte des Nützlichen, des Zweckmäßigen betrachtet. Der italienische Minister des Auswärtigen, Herr Prinetti, wird den König auf seinem Berliner Besuch begleiten. Von Herrn Prinetti weiß man schon etwas mehr: daß er früher mit viel Feuer für die Annäherung an Frankreich thättg gewesen ist und diese Neigung beibehalten hat, wenn ihm auch die Staatskunst gebot, ein Bündnis zu erneuern, das Italiens Macht stärkt, ohne ihm dafür Verpflichtungen oder gar Opfer nach der militärischen Seite hin aufzuerlegen. Prinetti hat in der Diplomatie den Ruf, ein „schlauer Fuchs" zu sein; er nimmt das Gute, wo er es findet. Eigentliche politische Fragen giebt es zwischen Italien und Deutschland nicht, geschweige denn irgendwelche Differenzen politischer Art. Wenn Graf Bülow und Minister Prinettt sich zurückziehen zu einem kollegialen Meinungsaustausch, bann kann nur em Thema in Betracht kommen: ber künftige Handelsvertrag mit Italien. Im Interesse unseres Gartenbaues sindd von der Mehrheit der Zvlltarifkommiffion bie Zölle auf eine Reihe ttalie- niscl)er Hauptausfuhrwaren, insbesondere auf Südfrüchte, zum Teil erheblich heraufgesetzt worden. Die Bertteter'der Regierung haben dagegen Einspruch erhoben; alber es scheint, daß auch in der zweiten Lesung des Tarifentwurfs das Ergebnis der Beratung und Abstimmung im wesentlichen kein anderes sein wird. Graf Bülow kann also Herrn Prinetti einstweilen nicht viel Hoffnungen auf einen Umschwung machen, er wird ihm nur versprechen können, daß die Regierung ihr Möglichstes thun will, das Reichstagsplenum zu einem größeren Entgegenkommen gegenüber den Wünschen des Verbündeten zu bewegen. Damit wird sich Herr Prinetti bescheiden müssen. Ein Schelm giebt mehr, als er hat. Verhältnismäßig Wenige sind auserwählt, dem Einzug des Königs von Italien beizuwohnen. Soeben ergeht eine Bekanntmachung des Berliner Polizeipräsidenten wegen der Absperrungen. Begreiflicherweise keine populären Maßregeln. „Nach! Bedarf" werden auch die Bürgersteige der Straßen gesperrt, durch die der Zug seinen Weg nimmt. Die Fahrdämme sind für jeglichen Verkehr gesperrt. „Ich wollt', ich wär' dabei gewesen!" so wirb an diesem Tage gar mancher enttäuschte Einwohner Berlins mit dem Dänenprinzen Hamlet ausrufen. Das Anarchistenor gan „Neues Leb en" brachte biefer Tage im Briefkasten unter „Bombe" folgende schamlose Notiz, bie zeigt, wie frech sich die Anarchisten ausführen: „Ei freilich auch bei uns wird der am 28. d. Alls, ftattfinbenbe Besuch des Königs von Italien gefeiert werden. Zunächst haben unsere Genossen aus Paterson Platziv Bombonino, Iwan Dolchpwski und Dynamito Gly- cerino, Spreng indiäuftio ihren Besuch angekündigt. Tann haben mir aus gut informierter Quelle bie sichere Nachricht, daß am 28. August (unserem Expedttionstag) zur Feier des Tages bie Polizeiposten in der Nähe der Expeditton versechsfacht werden, — damit uns Anarchisten kein Leid geschieht. Bei ber hochwichtigen Bedeutung, bie solche Besuche für bas Volk haben, hat das Exekutivkomitee der Berliner Anarchisten beschlossen, in „Neues Seben" eine Abhandlung über die Nützlichkeit der Fürstenbesuche für das Volk und einen anderen Artikel über die Schad lichkeit der Attentate (insbesondere für bie davon Betroffenen) zu publizieren. Der Redatteur hat für diese beiden hochinteressanten Publikationen ein Extrahonorar von 1 Mk. 93 Pfg. erhalten (mehr war zurzeit nicht in ber Kasse). Diese Agitattonsnummer wird in einer Auslage von 75000 Exemplaren gedruckt und — probatum eft — per Luftballon in den Feststraßen verbreitet. Ist doch fein, nicht wahr? Ja man muß die Feste feiern, wie sie fallen." Wahrhaftig, diese Notiz ist der Gipfel der Schänrlosig- teit. Derartiges Gewäsch ist selbstverständlich nicht ernft zu nehmen, es ist aber gewiß angebracht, daß die Berliner Sicherheitsbehörden sich vorgenommen haben, die anarchistische Bewegung ganz besonders streng zu überwachen. Insbesondere ist, wie uns von anderer Seite gemeldet wird, an die Polizei-Organe Berlins und der Vororte An- weisung ergangen, wahrend der nächsten Tage die dort ansässigen, als verdächtig geltenden Italiener genau zu observieren. Schließlich erhallen wir folgenden Drahtbericht: se. F r a n f f u r t a. M., 26. Aug. (Drahtbericht unseres fc.-Korrespondenten.) Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, trifft der König von Italien am Sonntag, den 31. d. Mts., 6 Uhr abends, von Potsdam kommeno, in Frankfurt a. M. auf dem Hauptbahnhofe mit großem Gefolge ein und begießt sich nach dem Hotel Imperial am Opernplatz. Vom Bahnhof bis zum Hotel wird ihn eine Schwadron seines Regiments (1. Kurhessisches Husaren-Regiment Nr. 13, König Humbert von Italien) eskortieren. Am Opernplatz findet eine Parade stall, die der König persönlich abnimmt. Nach der Parade veranstaltet das Ofsizierkorps des Husaren- Regiments seinem Ches ein. Diner, an dem 70 Personen teilnehmen. Gegen 9 Uhr setzt der Königseine Reise nach Rom fort. Mitüche Tagesschau. Vom französischen Kulturkampf. Die „Libre Parole" veröffentlicht einen von Francois Coppöe unb Eduard Dramont unterzeichneten Artikel mit ber Ueberscheift: „Die Liga für Verweigernngder Steuerzahlung". Dann wird bie Steuerverweigerung als ein Mittel bezeichnet, um sich „einer Regierung zu widersetzen, welche bie Achtung der Steuerzahler verloren habe, indem sie deren Eigentum, Freiheit unb Recht nicht respektiert". Ein Telegramm aus Mende berichtet, baß ber Gerichtshof von Marovejols sich nach Chanae begeben hat, um bort bei denjenigen Ordensschwestern, bie sich dem Gesetze nicht unterworfen habe». metfiEt von Meslay ihrer Aemter 5000 je Frankfurt a. M-, 23. Äug. Der hiesige Magistrat Vermischtes. v. müßte. Idjähriger Arbeiter. Schramberg, 25. Aug. Am Samstag Abend fuhren mehrere junge Arbeiter der Hamburg-Amerikanischen Uhrenfabrik hier im Uebermut bei der Rückkehr von einem Wald- fcfte in sehr raschem Tempo auf einem leeren Bi erwägen nach Hause. An einer steilen Stelle kam der Wagen in's IRollen und stürzte mit sämtlichen Insassen eine 10 Meter hohe Böschung hmunter. Drei junge Leute blieben sofort tot und 10 Personen wurden mehr oder minder schwer verletzt. ö Braunschweig, 25. Aug. Ter D-Zug Nr. 9, der um 5.42 Uhr die Station Braunschweig verlaßt, e n t g l e i st e infolge eines Radreifenbruches der einen Maschine auf dem Bahnhofe von Schandelah. Beide Maschinen des D-Zugs und auch der vordere Packwagen wurden quer über die Schienen geworfen. Der Packwagen fing Feuer, das jedoch bald gelöscht wurde. Anfangs wurde der Verkehr durch Umsteigen aufrecht erhalten, jetzt werden die Züge über Oschersleben umd Helmstedt nach Magdeburg geleitet. Von den Passagieren sind vier Personen leicht verletzt. Vom Fahrpersonal sind vier ernstlich und zwei leicht verwundet. Verbrühungen, die de? Heizer erlitten hat, sind scklechte Behandlung und mangelhafte Beköstigung angegeben. Auf Gru^d dieser Angaben wurde ermittelt, daß der Maler Wagner seiner Tochter wegen auf die Justizrätin schlecht zu sprechen war. Wagner hatte am Tage vor dem Morde seiner Frau gegenüber nächtliche Arbeit vorgeschützt und war erst am Donnerstag mittag wieder nach Hause gekommen. Das bestärkte den Verdacht, und sigen Sparkasse versammellen sich heute zur Verivaltungs- ratssitzung und der Generalversammlung. Das Ergebnis des Jahres 1901 war ein recht erfreuliches. Namhafte Unterstützungen waren an viele Anstalten verwilligt worden, über 10 000 Mk. betrug der 9Leingewmn, von welchem, wie alljährlich, dem Reservefond, der ca. 113 000 Mk. beträgt, ein Teil zugewendet wurde. Der Regierungsvertreter, Kreisrat Boeckmann-Büdingen, wohnte der Versammlung bei. Im Casino sand ein Essen statt. I Gladenbach, 25. Aug. Gestern und heute wurde hier ein landwirtschaftliches Fest, verbunden mit einer von der Herdbuchgesellschaft des Kreises Biedenkopf veranstalteten B u l l e n s ch a u und Prämiierung für Vogelsberger Rindvieh abgehalten. Während der gestrige Tag mehr dem Vergnügen gewidmet war, begann heute früh der Austrieb des Viehes. Bei der Preisverteilung, welche mittags statt- fand, hielt Landrat v. Heimburg-Biedenkopf eine Ansprache, m der er betonte, daß im Amt Gladenbach die Zucht des Vogelsberger Höhenviehs bedeutende Fortschritte gemacht habe. Insgesamt gelangten alsdann 600 Mk. an die Besitzer der preisgekrönten Tiere zur Vertellung. Der beste Preis für den mit großem Interesse entgegengesehen. tz Butzbach, 26. Aug. Unsere Metzger haben wegen des Mangels an Schlachtvieh die Fleisch- und Wurst - preise erhöht. — Ter im hiesigen Gefängnis wegen des Einbruchsdiebstahls im Jagdhause bei Münster seither untergebrachte Schreinergeselle Schäfer ist gestern Mittag in das Provinzialarresthaus zu Gießen überführt worden. Demselben sollen auch noch andere Entwendungen, bei seinen ! Lehrherrn bezw. Meistern rc. zur Last fallen, bezüglich deren die Thäterschaft erst neuerdings ruchbar wurde. § Gambach, 25. Aug. Wegen der hier bei Kindern vorgekommenen Scharlacherkrankungen ist die für unseren Flecken angesagte mllitärische Einquartierung nach Butzbach überwiesen worden. — Die heutige Besichtigung der Gefechts schießübungen auf dem Manuöverfeld inI unserer Nähe durch den Brigadekommandeur Grafen Kanitz, • Berlin, 25. Aug. Unter dem Verdachte, den Lust, mord bei Plötzensee an dem Schulmädchen Baade verübt zu haben, wurde heute der Malergehllfe Lemmer verhaf- tct. Der Verhaftete leugnet bisher, die That begangen zu Iwerbslosigkeit unterstützungsbedürftig ge- worden zu sein :c. Tas Rundschreiben ersucht dann die Magistrale der benachbarten Städte, zur Beratung dieser Angelegenheit im Laufe des Monats Oklober d. I. zu einer Konferenz zusammenzutreten, bezw. die Bereitwilligkeit hierzu zu erklären. Cronberg, 25. Aug. Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland reiften gestern abend nach Berlin ab. Von da bcgicbt sich das kronpnnzliche Paar nach Petersburg zur Tellnahme an der Hochzeltsfeier des Prinzen Nikolaus von Griechenlaud. — Der gestern abend 7 Uhr 30 Min. hier abgehende Personenzug erlitt auf der Station Eichborn infolge Reißens der Kuppelung eure mehrstündige Verspätung. Passagiere sind nicht zu Schaden gekommen. gregatioueu beteiligten. PolizeiLommissar Ball laut, der in Fonds-Crott bei der Ausweisung der Ordensschwestern Verrats Schmand t, der bekanntlich Mitte September Gießen verläßt, findet am kommenden DcmuerStag im Cafs Ebel statt. ** Personalien. Regiernngsassessor Schloss er, Mitarbeiter bete hiesigen Bürgermeisterei, verläßt am 1. Oktober Gießen und tritt die Stelle eines Assessors an der Stadtverwaltung in Elberfeld an. ?! Zur hiesigen Klinik wurde am Samstag «chr zwölfjähriges Mädchen aus Friedberg gebracht, das sehr ernster Natur. * Troppau, 24. Aug. Nach Meldungen aus Karmin wurden infolge einer Explosion auf der Gabrielen- zeche zwei Mann getötet, drei schwer verletzt und drei verschüttet. Das Maschmengebäude des Wetterschachtes ist zerstört, der Ventilator und die Grube sind unversehrt. * Das Programm des Kronprinzen. Der New-Yorker „Tribüne" geht von ihrem Pariser Vertreter em Kabelbericht über den Klatsch zu, in den der „Matin" den deutschen Kronprinzen zu verwickeln suchte. Diesem Bericht zufolge ist Miß Gladys Deacon dem Kronprinzen nur ein einziges Mal begegnet und hat angeblich m folgendem Stil sich mit ihm unterhalten: Miß Deacon: „Denken Sie Bullen fiel nach Erdhausen. ____ , , Offenbach, 25. Aug. Ein s chw er er Auto- nicht, daß eine kritische Periode für Deutschland kommen mobilunfall hat sich, gestern auf der von Seligenstadt wenn der Kaiser von Oesterreich ans dem Leben scheidet?" nach Offenbach führenden Kreisstraße ereignet. Ein Frank- __ ftronvrinv . Gewiß: doch wir werden auch über die c___x__r.___- r.x. , c.„; S..»»- etII fC290 39614 40497 44435 45021 50229 691 52151 54183 Berlin, 25. Aug. In Gegenwart des Gewähr. Paares und des Kronprinzen ist heute vonntttag mel Bahnbau Butzbach—Lich. Dem ab gesteckten | Kapernaum kirche in der Seesttaße feierlich eingewecht -^e, demzufolge die neue Bahn das Wetterthal be- worden. KUrz noch 9 Uhr fuhr das Kayerpaar unter dem &ei ber Bergermühle (Muschenheim) in großem Ehrengelett einer Eskorte vom 2. Äarde-Dragoner-Regi- ^aen nach dem Hofgute „Hosgill" abbiegt, dort die mmt iin osftnen Wagen an der Kirck^ ^r. Wahrend der E^rstadt—Lich überschreitet, um dann, denJäger- Karfer die Front der Ehrenkompagnie abschjrttt, nahm bie . un^ t)en Mnsburger Wald durchschneidend in der Kaiserin von einem jungen Mädchen einen Blumensttauß N^d uw . ^oleyausen wieder ins Wetterthal ein- enttzegen. Genrralfuperintendent F^r begrübe da» ^en,^soll von den Gemeinden Eberstadt, Birk- Karserpaar, das in feierlichem Zuge unter Vorantritt der L iolDic von Fürstlich-L icher und Gräslich- GeiMchkeit die Kirche betrat. Haber hielt die Weiherede. e[n anderes entgegengestellt werden. Alsdann fuhren das Kaiserpaar und der. K^onp^nz zur ^^eser Seite will man an maßgebender Stelle dahin Sreges^illee, wo als deren ^chl u.h st er n die vorstellig werden, daß die Bahn schon bei Münzenberg das hulluug d-es Roland-Brunnen stattfand, liegen verläßt, »ich von dort nach Eberstadt wendet, dreiviertel 11 Uhr fanden jich die Vertreter der Behörden i)ann Don hiec aus an 5Aofgiil, Muschenheim, dort ein. Außerdem waren anwesend die Minister Dr. ^lu.^ die Weller überschreitend, und Birtiar vorüber, von Langsund v. Hannnerstein und der Stadtkommandant von Berlin! Seite kommend in die oberhessische Bahn bei Lich Höpsner. Kurz nach 11 Uhr kam das Kaiserpaar, eStoi» | e;nAum^n^en Den dieserhalb gepflogenen Verhandlungen tiert von einer Schwadron des miri) von feiten der an dem Bahnbau beteiligten Gemein- Regmients im offenen Wagen mit Spitzenreitern. x>ui! Pnfnpnp-nnpfphpn. zweiten Wagen saß der Kronprinz und in dem folgenden das Gefolge. Der Kaiser trug die Uniform des ersten Garde- Regiments zu Fuß und den Feldmarschall-Jnterims-Stab' in der Hand. Er begrüßte die Erschienenen auf das Lent- feligste. Alsdann fiel die Hülle des Brannens. Das Kaiserpaar unternahm eine eingehende Besichtigung des-! selben und zog verschiedene der Erschienenen in ein Gespräch, Insbesondere unterhielt sich der Kaiser auffallend lange mit dem Oberbürgermeister Kirschner, dem er den Kronenorden zweiter u.lasse überreichte. Nach der Denkmalsenthüllung begab sich, der Kaiser zu dem Bildhauer Johannes Bo e s e, wo er das große Modell der Figur König Friedrichs I. für den Weißen Saal des Königlichen Schlusses besichiiigte. c . — Ueber das Ergebnis der Besprechung, welche heute beim Landwirtschaftsminister v. Podbielski mit den Vertretern der Posener Stadtbehörden, dem Vorsitzenden der dortigen Landwirtschaftstammer und dem Vorsitzenden der Zentrale für Viehverwertung stattgefunden ’ hat, wird mitgeteilt, daß der Landwirischastsminifter erklärte, die Oeffnung der Grenze aus veterinär- polizeilichen Gründen nicht konzedieren zu können, baß die Zentrale für Viehverwertung es aber übernommen hat, dafür zu sorgen, daß wahreiid der bevorstehenden Menschenaichäufung in Posen eine reichliche Zufuhr von Schlachtvich, namentlich von Schweinen, dorthin stattfinde. — Die Aenßerung des Landwirtschaftsministers v. Po d- bielski: ,^ck wer mir doch nich mit dein Lausekano 1 vorn Bauch stoßen lassen" hat bisher, so unglaublich, sie klang, ein Dementi nicht erfahren. In der „Zukunft" wird jetzt berichtet, daß Privatbriese die Meldung bestätigen; der Satz sei wirklich so gesprochen morden . — Eine Mitteilung des „Standard" aus Odessa von einem Konflikt des Kommandanten des deutschen Kriegsschiffes „Loreley" mit dem russischen Kommandanten der Stadt Mkolajew, der zwei deutsche Matrosen angeblich wegen Trunkenheit habe verhaften lassen, wird an hiesigen amtlichen Stellen für entweder ganz erfunden oder start aufgebauscht erklärt, loeil man sonst irgendwelche Kenntnis hier davon haben Heiligen Geist fanden in mehreren Gemeinden von Leon und Eoinouailles Kundgebungen statt. 2'5509 -E E 31818 35722 3613510^- > ' . " ' irtert Klerus den formellen Befehl des Papstes, sich 41051 43482 44v84 45581 52496, __ Frankfurt a. M-, 23. Aug. Der hiesige Magistral dem Vereinsgesetz zu unterwerfen. Der Staats- je 2000 Mk. auf Nr. 1221 4219 5460 7779 8731 an die Magistrate der benachbarten Städte sekretär soll außerdem den Veranstaltern der französischen 9299 -9799 10764 11938 12434 13691 15162 17214 Meßen befindet sich nicht dabei, xie Web.) epi Rund- Pllgerfahrten nack> Rom mitgeteilt haben, daß der Papst 18987 20534 20797 32212 33739 35275 38554 39273 s ch r e i b e n erlösen, in welchem e» heißt: Im letzten Winter in diesem Jahre keine französischen Pilger §u 43888 43221 44336 50817 51592; llt es, wie m Frankfurt a auch in den meisten aurpsangen gedenke, um jede Kundgebung zu ver- 1000 Mk auf 1269 1418 7981 8324 8739 8944 der uns benachbarten etabte notwendig geworben, Ar- Ausland. Amsterdam, 25. Aug- Eine Gruppe holländischer Aerzt e strebt bie Gründung eines Staatsfonds an zu dein bie ärztliche Behanblung würden für ledermann Wett vo ^varatur »'ollt'c ^das Automobil gttterndivi du eil und kommerziell zu entwickeln. gratis sein, ausgenommen für wohlhabende Klassen, die Auftragaeber zurückgebracht werden. An der Zahrt Deacon: „Denken Sie einmal einen friedlichen Herr. ^^A-^^^2000 einroobn^r9fommen^f^aü^^aanÄ beteiligten sich vier Monteure der genannten Fabrik und scher abzugeben?" — Kronprinz: „Ganz entschieden! ^Arzt °uf -000 Einwohner kommen, sodaß für ganz . <§ßEannte üon if)nen aus Offenbach. Die Reiftroute Mir ist das militärische Zeremonienwesen und notwendig waren. nnterredunaen Zwischen 9^g anschieineiid auf Umwegen über Darmstadt, ba§ Solbaten leben im Allgemeinen nicht sympa- dem ^bolländUcben M^nMerprchibmten ^Km e^ ^fen unb geligenftabt nad), 00'611501^; unb ^ranffurtJöcim I tIjif dj. Ich würde alles lieber meinen jüngeren Brüdern totiS ÄWÄ Wf en ui» SS begeflnete bem m raferi>£r überfaffen.« - Miß Seacon: „Aber würde das auch klug österreichischen Mmist-rpräsidenten de» »toniättigen » o n E°^weich°n k-in? Wäre es nicht gefährlich, wenn Sie emen Jtzer G°lnch°wdky wurde hauptsächlrch em Vertrag zw.sthen ^f°hr°r^ Leim 8tüb« zum Chef der Armee machten? Denken «,e Holland und dem Dreibund betr. internationale Stell e ^^r Motorwagen um unb begrub fünf von doch nur an bie Geschichte vom Romulus und Remus. — luiig Hollands erörtert. Holland soll gewisse Garantien Insassen unter seiner schweren Last, der Der „Esprit der schönen Amenkanerin tritt, wie bas^B.T.* geben. Deuts chland ^0"ders an der Errichtung sechgte^wurde herausgeschleudert. Tas wertvolle Automobil sehr richtig bemerkt, dem wir diese scherzhafte Mitteilung ent. S a n R c in o, 25. Aug- Für den Präsidenten Krüger hatten sch we V er l e V u n S en f 11 e r t” u n b ** 2er mutmaßliche Mörder der greifen unb bessen Gefolge sind hier drei Vlllen gemietet worben, ^^^^L^^^HnXr^ifXmüfen^er^cit erhebliche Potsdamer Justizratswitwe Jßmer, der 42 U -äi“wää‘äs »” und 8m». ff SFSSFä&ÄP KL.'LMW 'mer des verunglückteii ^^^wurdcn am emen hatte diese aber nach einem Xage verlassen, ohne daß sie verständige schätzen »ar äX? gekommen war,, Als « hatte fie bis -An! Ult 102.65 92.80 4°/o Italien. Rente 4V3% Portugiesen 8°/.. Portugiesen. ♦ 1% C. Türken . Türkenlose . . . 30.00 28.75 113.40 44.10 Telephonischer Kursbericht. Frankfurt u. 1DL, 28. August 1902. 4% Grieoh. Monopol 4'/z-6 äussere Argentiner 103.50 50.00 Familien Nachrichten. Gestorben: Geh. Negierungsrat 2. Achenbach, Darmstadt. . 26.35 . 92.05 . 90.50 . 107.70 . 214V0 . 184.70 . 135.90 . 143v90 . 15710 . 15390 . 18.50 . 17LOO . 198.00 . 184LO . 16150 an Lindern verh afttet. — Der größte Teil einer Bonde von jüngeren Boden- und Wohnungsdicbcn, die in den letzten dreiviertel Jahren mehrere Hunden! Ern- bruchsdieb stähle verübt hatten, ist von der Kriminal polizer gestern dingfest gemacht worden. Den übrigen Mitgliedern der Bande ist man auf der Spur. Paris, 26. Aug. Die Geschworenen sprachen eine Arbeiterfrau, welche bet einer nächtlichen Rauferei ihres Mannes und ihres Bruders mit mehreren Bekannten einen Revolver aus ihrer Wohnung hotte und in der 2lbsicht, den tz>auptgegner niederzuschießen, chren eigenen Bruder tötete, frei. Brest, 26. Aug. de Ceue, Leiter des MLerstandeK in Ploudaniel, ist gestern abend nach längerem Verhör vor dem Untersuchungsrichter verhaftet und ins Gefängnis abgeführt worden. Der Unterpräsekt hat vor dem Untersuchungsrichter die Ertlärung abgegeben, daß eine gmt$c Reihe katholischer Priester sich an den Ztundgebungen gegen die Behörden beteiligt hat. Messina, 26. Aug. Seit mehreren Tagen zeigen die Erdbeben-Apparate Erdstöße an. Die Bevölkerung i# jedoch hiervon nicht benachrichtigt worden, um eine PcmÄ zu verhüten. Trient, 26. Aug. Der seit langem gesuchte italienische Anarchist .Hildebrand Trovi aus Ancon-L wurde von der hiesigen Polizei verhaftet und aus Oefter- reich ausgewiesen. Fiume, 26. Aug. Der Dampfer „Adria" der ungarischen Dampftchiffahrisgesellschast ist nachts auf hoher See mit einem kleinen englischen Dampfer, welcher den Namen „Castner" führt, zusammengestoßen, wobei der Kapitän, der Steuermann und ein Matrose des letzteren Schiffes er* tranken. Kapstadt, 25. Aug. Im Kapparlament brachte der Oberstaatsanwalt die Jndemnitätsvorlage für cktte unter dem Kriegsrechte begangenen Handlungen ein. Er sagte, er halte es für notwendig, eine Kommission zu ernennen, um über die Anwendung des Kriegsrechts Untersuchungen anzustellen. Bundespräsident Theron erklärte, er stimme der Vorlage zu und würde sich freuen, wenn eine Untersuchungskommission ernannt werden sollte, damit die Welt erfahre, was das Volk gelitten habe. Das Haus müsse daran denken, daß man es mit einem unterdrückten, mißhandelten Volke zu thmr habe, welches viel, wenn auch schweigend, litt. Die holländischen Mitglieder wiesen besonders darauf hin, daß Eingeborene als Kundschafter verwandt worden seien. N e w y o r k, 26. Aug. Die venezolanische Regie- rung hat die Vorschläge Deutschlands, Frankreichs und Englands betreffend die Blokade ab gelehnt und erhebt Einspruch gegen die Nichtanerkennung der Blokade. Ein holländisches Schiff, welches dieselbe nicht beachtete, ist beschlagnahmt worden. New York, 26. Aug. Senator Hannah hat das Amt eines Schiedsrichters im K o h l e n a r b ei t e r ft r e i k wegen der ablehnenden Haltung Morgans niedergelegt. .Der Streik dauert fort. Reiohsanleihe 3°/o do. 3*/i% Konsole . 3°/0 do. . . 372% Hessen 3% Oberhessen . 102.70 . 92.60 . 10010 . 99.50 4% Oesterr. Goldretne . . 10170 473% Oesterr. öilberrento 102.10 4% Ungar. Goldrente . . 102.90 — Man schreibt aus Heidelberg: Der kürzlich inBaden- Baden verstorbene Rechtsanwalt Göring hat die hiesige Universität durch letztwillige Verfügung mit reichen Legalen bedacht. — Dr. Th. Siebs, a.-o. Prosefior für deutsche Sprache imt> Litteratur in Greifswald, ist als ordentl. Professor au die Universität Breslau berufen worden. — In der Zeitschrift für Sozialwisfenfchaft teilt Dr. Prinziug über die Zahl der Aerzte in Europa Folgendes mit: Es kommen auf je 1000 Einwohner Aerzte (mit Emschluß der Wundärzte): in Deutschland 51, Oesterreich 41, Ungarn 2.8, Italien 6.3, der Schrveiz 6.1, Frankreich 3.9, Spanien 71, Belgren 5D, England 6.1, Schottland 7.7, Irland 5.6, Dänemark 6.4, Norwegen 5.3, Schweden 2.7, Rußland 2.7. Auf je 10000 Einwohner entfielen: in Berlin (1900) 141, Paris (1896) 9.7, Brüssel (1897) 14.7, London (1895) 12.8, Madrw 24.4, Wien (1896) 13.0, Budapest (1896) 16.4 Aerzte. die Polizei nahm sowohl bei der Tochter,zu DowaweZ,. als auch bei dem Vater Haussuchungen vor. Bei der Tochter fand man nichts Verdächtiges, bei dem Vater da- ( nÄen im Keller in einem Kartoffelkasten unter Kartoffeln Msteckt und in Arbeitszeug eingewickelt ein Futteral, 1 das die Uhr des verftorLeuen Justrzrats Iß- . mer enthielt. Außerdem zeigte das Beinkleid Wagners scheinbar Blutflecke. Als die Beamten darauf < hindeuteten, äußerte Wagner: „Einen Augenblick, ich werde 1 Euch zeigen, was das ist!" Ohne daß die Beamten, die noch bei der Untersuchung waren, es bemertten, zog er ■ ein Messer ans der Tasche und brachte sich einen tiefen Stich in den Unterleib bei. Als Wagner dann nach Potsdam abgeführt werden sollte, brache er zusammen und wurde nad) dem Oberlin-Krankenhaus gebracht. Dort erschienen alsbald der Polizeipräsident und der Polizei-Inspektor zur Vernehmung des Mörders. Er bestritt die Thäterschast und fügte hinzu, daß er im Genesungsfalle die Thäter nennen werde, sonst aber nicht. Die Uhr habe er von jemandem erhallen, den,er zwar kenne, aber nicht nennen könne. Die Wunde ist gefährlich, so daß das Aufkommen Wagners zweifelhaft erscheint; er wird im Krankenbett von einem Polizeibeamten bewacht. Wagner lleß sich in den letzten Tagen von der Frau Geld geben, nm angeblich, nack) Berlin aus Arbett zu fahren. That- sächlich that er nichts. Seit Wechnachten arbeitete er nicht; die Frau mußte durch Waschen und Plätten den Unterhall beschaffen. — Das Mordwerkzeug wurde noch nicht gefunden, ebensowenig ist bekannt, ob Geld vorhanden war oder genommen wurde. Uebrigens paßt die Beschreibung des Mannes, der über die Einfriedigung der Jßmerschen Vllla stteg, auf Wagner. ♦* Aus den Alpen. Ein junger, durch einige historische Arbellen vortellhast bekannter Gelehrter der Westschweiz, Dr. Emlle Dunauü, Konservator des archäo- logoschen Museums in Genf, ist, wie bereits berichtet wurde, am Mont Pleureur (3700 Meter) im Val de Bagnes (Wallis) gelegen, durch Absturz verunglückt. Dr. Dunant hatte die Absicht, nach Ersteigung des Mont Pleureur den Giötrvz-Gletscher zu überschreiten und nach Mauvoisin htn- überzugehen. Er wollte die Tour ttotz Abmahnung allein machen. Als er zur vorher angesagten Zell in Fionnay, wo er mit Verwandten sich aufhielt, nicht emgetroffen war, gingen einige Führer van dort aus auf die Suche. Sie fanden den Verunglückten am Fuße eines Couloirs mit zerschmettertem Schädel als Leiche vor. Der Tod muß der Verletzung nach sofort eingetreten sein. Die eine Hand des Toten hielt krampfhaft einige Edelweiß umklammert, bei deren Pflücken er vielleicht abstürzte. Die Leiche wurde nach Fionnay und von da nach Gens gebracht, woselbst die Beerdigung stattftndet. — Der Bergführer Franz Wenter ist bei einer Tour int Drapp- schluchtkamin (Südtirol) abgestürzt und hat sich dabei tätlich verletzt. — Der Prokurist Czerny aus Men ist mit seiner Frau von der Neuen Almscharte (Steiermark) abgestürzt. Czerny ist schwer verletzt von Touristen aufgefunden worden, dagegen ist es noch nicht gelungen, dessen Frau zu finden. C h r i st i a n ia, 25. Aug. Wie „Afteuposten" aus Vad- toe (Finnmarken) melden, sind bei den Untersuchsungen, die im Sommer in Südvaranger vorgenommen wurden, Eisenfelder von seltener Größe entdeckt worden Fachleitte schätzen, daß sie alle bisher bekannten über- tteffen Es seien Memtdern von 70 bis 200 Meter Mächtigkeit gefunden worden. Die kleinsten Adern seren 30 Meter dick. Ter Ort sei, da er nur einen Kilometer vom Barangerfjord entfernt liege, günstig für den SöMstrans- port. Ein großer Teil des Erzes enthalten 60 bis 70 pCt. Eisen. Ter Durchschinittsgehalt sei anscheinend 40 bis 50pCt. Der Betrieb solle im nächsten Sommer beginnen Ganz in der Nähe fließe der Pasvikelf vorbei, der wie man schätze, 40000 bis 50 000 Pferdekräfte abgeben könne. 3% Mexikaner . . . 41/29/o Chinesen . . . Electric, ßchuckert . . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien . . Diskonto-Kommandit. . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . « Lombarden . • • • Gotthardbahn , . . . Laurahütte . . « , . Bochum Harpener..... Tendenz: fest. Gerichtssaal. sm. Gieße«, 24. Aug. Kriegsgerichtssitzuug vom 19. August Es standen drei Fälle zur Verhandlung. Angeklagt war zunächst ein Llompagniehandwerter wegen gefährlicher Körperverletzung. Derselbe hatte spasseshalber die vom Lügentijch bekannte Nadelgeschichte aufgesührt und sein Opser dabei erheblicher verletzt, als es vorauszusehen war. Da Lähmungserschemungen austraten, die auf den Nadelstich zurückgeführt wurden, wurde bte Anklage erhoben. Der Sachverständige erklälle aber, daß sich die, übrigens in bedeutender Besserung befindlichen Lähmungs- erscheinungen nicht mit unbedingter Sicherheit auf den Stich zurückführen ließen und erfolgt deshalb ans Antrag der Anklagebehörde die Freisprechung. — Der nächste Fall betraf ein Verbrechen und Vergehen gegen die militärische Unterordnung, begangen von einem Musketier gegen einen Gefreiten, der als Vertreter des Stubenältesten auftrat. Der Angeklagte behauptet, in dem Gefreiten, mit dem er sehr gut stand, nicht den Vorgesetzten gesehen zu haben, vielmehr habe er nur kameradschaftlich scherzen und necken wollen. Gleichwohl erhält er nach stattgehabter Beweisaufnahme l Jahr 3 Monate Gefängnis. Tas schlappe Verhalten des Gesrellen, das die Veranlassung zu dem Vergehen gab, wird entsprechend scharf kritisiett und derselbe der Disziplinarbestrafung anheimgegeben. — Zum Schluß stand ein Fall wegen ^Unterschlagung von 5 Mk. seitens eines Unteroffiziers. Im Laufe der Sitzung wurde die Anklage auf Betrug bezüglich 15 Mk. und später 20 Mk. ausgedehnt. Ter Angeklagte behauptete, unschuldig zii fein, da er sich für berechtigt gehalten habe, das ihm gegebene Geld zu verbrauchen und soviel Vermögen unb aridere Hilfsquellen besessen habe, um im Notfall den Betrag sofort decken zu können. Das sei bis jetzt noch nicht vollständig geschehen, da die Darlerherin Frist gegeben habe und mit Abzahlung einverstanden sei. Nach umfangreicher Beweisaufnahme unb längerer Beratung wirb bie Ver- künbigung ber Entscheibung auf Freitagnachmittag vertagt unb an biesem Tage Urteil bahin verkünbet, baß ber Angeklagte von ber Anklage bes Betrugs freizusprechen, bagegen wegen Uiiterschlagimg von 5 Mk. zu 14 Tagen Gefängnis zu verurteilen sei. Die roeitet beantragt gewesenen Nebenstrafen ber Degrabation unb Versetzung in bie 2. Klasse bes Solbatenstanbes ivurben nicht ausgesprochen. — Als Verteibiger fungierten bie Herren Rechtsanwalt Mendelsohn, Oberleutnant Ziegler unb Rechtsanwalt Notar Römhelb. _______ Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Höchste Temperatur vom 24. August Niedrigste „v 24. „ Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 26. Ang. Gestern abend wurde der Buch»- hatter Wolf wegen wiederholter Sittlichkellsverbrechen 25. August 12,0« c, 25. „ 15,4° C, August । roaromerer auf 0° reduziert < 6= der Luft Absolute Feuchtigkeit । Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 25. 235 746,5 19,0 12,0 74 W. 2 Bed. Himmel 25. 925 747,9 15,7 11,4 86 0. 0 Bew. Himmel 26. 7 26 749,2 13,2 10,1 90 N. 2 n Benoit Ahlers g”1 ■" .................... ifN-Mtf kouilßl! | prima Portland Gement Bachenheimer & Schaumberger 22 Marburgerstraße 22. 5698 03679 Anfang 8'/r Uhr abends. WMl-Wrich. la. Speisckckffelil Fuhbodenlackfarbe prc 598i 5981 J. Hankel, Schloßgasfe 6. Loose L Mk. in Gement verschenkt von 75 bis 100 Liter Juha t von 75 bis 100 Liter Inhalt 5456 Prima werden angefertigt bei 5995 Karl Germer in Heuchelheim bei Gießen. 50 Karren stets auf n unferent Neubau sind zwei V elegante 5-Zim.-Wohmmgcn per 1. Oktober zu verm. 5996 Aktt» LAoemtkng, Hojmanustr. 6. Wohnung (öroße Alühlgasse 37. Kleines Logis zu vermieten. vV 03667 Wolkengasse 17. Ätube nebst Küche und ein möb- '**' lierles Zimmer ztt verm. C. 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