Zweites Blatt. |Q Inerte 51 werden. P. W. V * 153. Jahrgang eniaoipjeni les mm Die deutschen Fleischer und der Zolltarif. Heber die im Zolltarif vorgesehenen Fleisch- und Viehzölle hat der Dentsche Fleischerverband auf seinem in Stuttgart abgehaltenen Verbandstag folgende Resolution nskonlt ertheilt Carl Loos Joliufi Karl [eidorScbulhof rFuchs ia Fachs Kuhl Ühlte, ^esterwajjx । 1902. rbnleuaUrAv iorrejp.,Abjchrijl.> n und erbitte gefi. Mr. 61, IV. en Samstag 2«. Juli 1908 Bezugspreis: monallich75Ps.,viertele jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel» jährl. ausfchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps- auswärts 20 Psg. Ö3233 effliihc11110 «btt ® «i (f10“ S •|unflct1. .. ob-; ’ das eEr^ h“nbe £rlfl ;&** Kslel tfej? 'protie^616. Nr. 173 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Univers.-Buch- u.Slein» druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. lU£^er, welche ge= er dlehdxrficher' jutrelen, werben deu 28. । tu einer echung ation rrilllaas, lost, emzeladen, rr, Weißzeug wirt P ausgeb., in u. a Rodheimerstt.38,1 'immt noch Wäsch Mierslraße 23. Utero. AM xmögut, al§ Mrt- -Mg, (udböxV >eier Tomen - Ü LelbslslM xen im Alter K belieben Cfienr. 1874 pofilagetrl bei Wesel a. Rs kretionEhrensach Frankfurt, 25. Juli. Die hiesige MuseumsgeselNchaft hat threin langjährigen Dirigenten, Kapellmeister Kogel, auf I. Juli 1903 g e k ü u d i g t und sucht, vorbehaltlich der Zustimmung der Generalversammlung einen anderen Dirigenten. Bei aller Anerkennung der Verdienste Kogels, jagt der Vorstand, jei es gegnet, und es schließen sich ihm unsere Herzen auf; unsere Seele schwingt sich wieder zurück in das köstliche Jugendland und wir befreunden uns herzlich mit einer ganzen Reihe umgänglicher Menschen. Aber trotzdem erblicke ich doch immer hinter all diesen llug und sicher erfaßten Charakterbildern den für mich gar zn el g:nhn Sierra 2i; t r Rudolf Stratz, den nach allerneuefter Mode geschniegelten Tandy mit dem brertberänderten Monvele, der Tuberose -oder dem Chryscm- themum im Knopfloch des lächerlich kurzen semmelblonden Heberzieherchens, den grünen Schnabelschuhen und den aufgekrempelten „Unaussprechlichen", wie ich ihn vor ein paar Jahren im westlichen Thüringen seinen Freiund Dr. Karl Peters auf einer Wahlagitationsreise begleiten sah. Von den Wahlkomiteeherren Pflegte er fast allenthalben vor dem Antlitze der biederen Waldbauern bedeutsam verborgen gehalten zu werden, da er mit seinem weltlichen, unwäldlichen G-ewande sicherlich ganze Versammlungen gesprengt haben würde. Stratz ist eben auch als Romanschriftsteller der stets hochelegante Allerweltsmensch Alle die großen Vorzüge einer echten Heimatkunst, wie sie z. B. den Hessen Holzamer und Bock eigen sind, gehen diesem Badenser völlig ah; es fehlt ihm, dem geborenen Heidelberger, das Wüchsige seines badischen Heimatbodens. Weit mehr die buntfarbige, heitere internationale Fremden- und Musenstadt, als der nahe deutsche Oden- und Schwarzwald mit ihrer schichten, stillen und tiefen Poesie haben auf seine dichterische Entwickelung eingewirkt. Stratz wird immer der Liebling der großen wogenden eleganten Welt bleiben und niemals ein treuer Freund einsamer Menschn 'A mit '$teic lildin - KP igverein erkeit Tram®11 Gegen den Bund der Landwirte wendet sich das amtliche Organ der badischenl Regierung, die ,Farlsr. Ztg.", in einem Leitartikel über „das wahre Interesse der Landwirtschaft". Darin wird betont, daß eine extrem agrarische Politik in weiteren Kreisen unseres Volkes eine starke Gegenströmung Hervorrufen müsse. Ferner wird auf die Möglichkeit hingewiesen, daß sich unter vorläufiger Zurückstellung anderer Gegensätze eine große Koalition zur Abwehr gegen das ganze übrige Erwerbsleben bedrohenden Forderungen des Bundes der Landwirte bildet. Der Artikel schließt mit folgenden Sätzen: „Es könnte dann auch nicht ausbleiben, daß die Koalition, wenn auch in erster Linie gegen den Bund gerichtet, ganz in das antiagrarische Fahrwasser aedrängt würde, zumal wenn der Bund der Landwirte in der Lage ist, darauf zu rochen, daß seine Behauptung, er vertrete in Wirklichkeit die deutsche Landwirtschaft unwidersprochen geblieben sei. Darüber aber, daß die Landwirtschaft, wenn sie allein alle, übrigen Zweigen des Erwerbslebens feindlich gegenüber» stände, sehr stark Gefahr tiefe, den Kürzeren zu ziehen, kann angesichts der Stärkeveryältnisse beider Parteien ernstlich fein Zweifel bestehen. Es liegt daher in erster Linie im dringenden Interesse der deutschen Landwirtschaft, sich von den extremen Bestrebungen des Bundes der Landwirte zu emanzipieren und diesen gegenüber an einer mittleren Linie fest- zuhalten, welche mit den Lebensbedingungen der anderen Zweige des heimischen Erwerbslebens vereinbar ist." Die jüngsten Vorgänge auf dem Gebier der Hochschnlverwaltung geben der „Straßö. Ztg." Veranlassung, sich über Wesen und Bedeutung der „konfessionellen Professuren" zu äußern. Die genannte Zeitung spricht geradezu von dem „Fluch der konfessionellen Professuren." Es heißt da unter anderem: „Es geht durch die deutschen Unioersitätskreise das Gefühl der Degradierung"; dieses Wort der berühmten Mommsen- Erklärung kam uns immer rvieder in den Sinn, als wir die Vor- aänge im bayerischen Landtag verfolgten, welche bekanntlich zu der Amtsniederlegung des Würzburger Senats geführt haben. Durch das Studium der in der bayerischen Presse aussührlich behandelten Vorgeschichte dieses denkwürdigen Hniversitätsstreites haben wir die Heberzeugung gewonnen, daß der Fall Chroust in Würzburg wie der Fall S p a h n in Straßburg in letzter Linie wünschenswert, daß in der Leitung eines solchen Orchesters einmal ein Wechsel eintrete. (Sonderbar, höchst sonderbar! D. R.) Bayreuth, 25. Juli. Heute begann die Nibelungen- Tetralogie mit Der Aufführung des „Rheingol b" unter Hans Richters Leitung. Jin Vordergründe der Aufführung standen van Rooy (Wotan), Briesemerster (Loge) und Frau Schumann- Heink (Erda). Besonders wirkungsvoll waren die Dekorationen. Nach der Vorstellung fuhr der Groß Herzog von Hessen mit Frau Cosima Wagner nach der Stadt zurück. — Eine Handschrift des Nibelungenliedes. Aus Rosenheim in Bayern wird berichtet, daß dort auf einem in der Pfarr- Registratur entdeckten Umschläge eines alten Kammerrechnungs- raptilars aus dem Jahre 1649 Fragmente aus dem Nibelungenlied entdeckt wurden. Vorgenommene Untersuchungen seitens des Stadtarchivars Eid erzielten durch Ablösung des Umschlages 7 zweispaltig je 28 Zeilen beschriebene Pergamentblätter, von denen zwei vollständig, die übrigen zum Teil 'erhalten sind. Die ins 14. Jahrhundert datierten Schriften erzählen von der Fahrt nach Worms und werden von Universitälsprofessor Paul, München, jur Gruppe J*, die bis jetzt vier Handschriften zählt, gerechnet. Die weitere wissenschaftliche Bearbeitung des wertvollen Manuskriptes wird Professor Braune in Heidelberg vor- nehmeri. — Der Wiederaufbau des Campanile von Sau Marco. Der „Gieß. Anz." hat sich von vornherein gegen den Aufbau des emgelttirzten unschönen Turmes ausgesprochen. Aehnlich urteilt jetzt in den „Al. N. N." Geh. Rat Prozessor Dr. v. Webe r in München, Direktor dec Zentralgemäldegallerie. Er schreibt: „Bezüglich des Campanile von San Marco bin ich der Ansicht, daß er, wenn er gänzlich abgetragen werden muß, um Rost- lind Grundbauten zu erneuern, dann nicht mehr kopiert werden sollte. Erweist sich jedoch dies als unnötig, dann sollte man das Eingestürzte erneuern. K u n st g e j ch i ch t l i ch ist nämlich der ^.urm nicht von der Bedeutung, luie z. B. die Campaniles der Tome von Florenz und Pisa. Auch die Anbringung der Logietta am Fuß oes Campanile war nicht so glücklich, um eine völlig neue Kopie wünschenswert zu machen, und die Skulpturen derselben siird wahrscheinlich gänzlich zertrümmert." junge Dame, bei seins müde, md il Oss. von ehren- wenn a.o. Vermög. form", gStrtto 14. Heirat rermittelt au Krämer, Leipzig, iskanft gegen 3l)Pi W Feuilleton. „Alt-Heidelberg du ferne,..." Roman Hn er S tu d entin von Rudolf Stratz (I. G. Cot- iafdje Buchhandlung in Stuttgart). Meyer-Försters Schauspiel „Alt-Heidelberg" war bekanntlich im verflossenen Winter wie in ganz Deutschland auch bei uns in Gießen ein Lieblingsstück des Theaterpublikums. Wer jedoch kein Freund davon ist, zwischen 8 und 10 Hhr abends auf Rauchen mtd Trinken zu verzichten und mit dem Opernglas hantieren zu müssen, wird an diesem neuen Stratzschen Bucht ähnliche, Loch noch aufrichtigere Freude haben und in der Lektüre - eigentümlichkeit der preußischen Rasse durch den französi- jchen Blutzusatz, der mit den vertriebenen Hugenotten in die Mark Brandenburg kam, in ein ganz neues Licht gerückt, werden Tolstoi (dessen gesammelte Werke z. Z. in einer ausgezeichneten deutschen Ausgabe bei Eng. Tiede- richs in Leipzig erscheinen) und Nietzsche als germanische slawische Mischlinge sozusagen bis aufs Blut untersucht. Im siebenjährigen Kriege wurden, Driesmans' zufolge, die Franzosen bei Roßbach, und Leuth en eigentlich durch ihr eigenes Blut (Hugenottenblut in märkischen Adern) besiegt, ähnlich wie jetzt ja die amerikanische Gefahr im Kem .her Kampf des germanischen Amerika gegen das germa- irische Europa ist. Eine derartige „Mutschau" in der Geschichtsschr eibung ist lehrreicher als eine Zusammenhäufung und Aneinanderreihung von Thatsachen und immer wieder Thatsacheu. Das Driesmans'sche Buch leitet übrigens auf eine aktuelle Frage: Wenn das Rassenblut eine solche Rolle spielen Bann, dann Verantwortlich: Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ßWD __________ " zeiqanteil: Hans Beck. müßte man ja befürchten, daß in einer Zeit, wo wir das Polentum in seine Schranken verweisen müssen, Minister mit polnischem Blutzusatz, wie Posadowskh und Podbielski, als „befangen" und zu einer rein deutschen Politik nicht geeignet befunden werden dürften. Dem steht jedoch die Thatsache gegenüber, daß Mischlinge oft gerade die ausgesprochensten Patrioten des Landes sind, dem sie politisch und durch Geburt angehören. Durch das Dries^- mans'sche Buch versteht man auch, warum man so viele französische Minister mit deutschen Namen, und deutsche Minister mit französischen und polnischen Namen in der Geschichte sind et. Es ist ein Hauptsatz dieser ,Mutschau", daß durch Blutmischung Kultur und höheres geistiges Leben entsteht. Volitische Tagesschau. Die Zolltarifkommission des Reichstages ist am Freitag in die Beratung der Eisenzölle eingetreten. Die Debatte wurde aber vor der ersten Abstimmung abgebrochen und auf Dienstag vertagt. Trotzdem wird daran festgehalten, daß bis zum 8. August die erste Lesung zu Ende geführt werden soll. Tie Silberzölle wurden nach der Vorlage angenommen. In der Debatte bewirkte eine Aeußerung des sozialdemokratischen Abg. Hoch über die für den Tarif in erster Linie verantwortliche Stelle, daß es zu grmrdsätzlichen Er- örterungen über die Behandlung der handelspolitischen Fragen seitens der Regierung und der Partei kam. Abg. Hoch erhielt für die Bemerkung, er nehme aus der Kommission den Eindmck mit, daß in ihr das rücksichtsloseste Ausbeutertum Schutz finde, einen Ordnungsruf. Staatssekretär Graf Posadowskh führte aus, der Standpunkt d er Sozialdemokraten, für alles Zollfteiheit zu verlangen, führe zu nichts, sicher nicht zu Handelsverträgen. Zollfreiheit sei nur durch internationale Vereinbarungen zu erreichen. Die Sozialdemokraten verführen umgekehrt, wie Marquis Posa bei feiner Forderung nach Gedankenfreiheit. Sie sagten: Geben Sie Zollfreiheit! Würde diese Freihell aber Thatsache werden, dann würde im wirtschastlichrn Leben Deutschlands bald die Ruhe eines Kirchhofs herrschen. Die Sozialdemokraten Und Freisinnigen hielten demgegenüber unter Hinweis auf England daran fest, daß das Freihandelsprinzip nicht zu unterschätzen sei. Graf Posadowskh wiederholte, daß bei der Aufstellung des Tarifs nicht das ReichDamt des Innern, sondern das Reichsschatzamt die Führung gehabt habe. Eine Bemerkung des genannten Abgeordneten, daß die Regierung bei den Handelsverträgen mit den anderen Staaten nur Zugeständnisse erzielen könne, wenn sie selbst etwas zu bieten habe, wurde vom Staatssekretär dankbar als Zugeständnis zu seiner Politik angenommen. Ein Fraktionsgenosse des Abg. Hoch^ erklärte das Verfahren als Protest gegen das ganze handelspolitische System, während es von freisinniger Selle als praktisch unzulässig bezerchuet wurde, nachdem einmal für Rohstoffe und Halbzeugfabrikate Zölle beschlossen worden sind. Eine Korrespondenz berichtet, daß nach Beendigung der ersten Lesung die Regierung sicht sofort darüber schlüssig machen wird, welch,e von der Kommission angenommenen Aenderungen des Tarifs sie aceeptieren könne, und sie wird vermutlich Vorschlägen, in der zweiten Lesung nur noch diejenigen Positionen zu diskutieren, über die bisher keine Einigung erzielt worden ist auch eine Folge der von den Regierungen geduldeten Sem* sesstomrlisierung der Wißen schäft ist. Daß aber solche politisch-konfessionellen Gesichtspunkte bei Berufungen und Beförderungen eine Rolle spielen müssen, ist höchst bedauerlich und für das Ansehen der Universitäten sowie für die der wissenschaftlichen Arbeit nötige Ruhe außerordentlich schädlich. Das ist die „Dregradierung" der Wissenschaft, von der Mommsen spricht. Wer ist aber daran schuld? Nicht die Fakultäten, die sich mit Leidenschaft gegen die Errichtung konfessioneller Professuren iwehren, sondern die Regierungen, welche so schwach sind, demAn- fhrntt ultramontaner Heißsporne nachgeoen ,unb auf^diese Weise die Wissenschaftlichkeit der deutschen Universitäten auf dem Altar der Pcrtteipolttik opfern. Wie weit das Bestreben nach Konfesftonalisierung führen kann, lchrt noch ein anderer höchst bedauerlicher Fall an der Universität Würzburg. Der außerordentliche Professor der englischen Philologie Marx Forster erhielt im Sommer v. I. zwei materiell höchst verlockende Rufe an die eben gegründete Haitdelshochschule m Köln und Akademie der Sozial- und Handelswißenschasten in Frankfurt a. M. Fakultät und Senat wollten sich aber diese höchst geschätzte Lehrkraft erhalten und schlugen Förster zum Ordinarius vor. Das Ministerium ging auf die Wünsche der Universität ein unter der Bedingung, daß die Universität aus eigenen Mitteln die Echöhung des Gehaltes Försters bestreite. Das machte keine SchwierHkeit. Die Sache schien gesichert, und Förster lehnte ab. Kaum war dies geschehen, so schrieb irgend ein Hetzblatt einen fulminanten Artikel gegen die Würzburger Universität: „Förster", so sagte das Blatt, „war Protestant, deshalb beförderte man ihn, Lhrouft war Katholik, deshalb wollte man ihn nicht haben!" — Man sollte es nicht für möglich hatten, aber dieser Angriff eines Untergeordneten Preßoraans genügte, um das Ministerium Land- marax ernzuschüchtern. Es beförderte Professor Förster nicht. Niedergang des russischen Bauernstandes. Die Feststellung der Ursachen des Verfalls der bämer- Ocheu Wirtschaften in Rußlano bildet eine der Kardinal- Msgaben der von dem Landwirtschastsminister eingesetzten besonderen Konferenz. Besonderen Wert beansprucht eine Publikation der SemstwoVerwaltung von Schadrinst. Diese Verwaltung hat in diesem Jähre eine Arbeit veröffentlicht, in der sie den Gang der bäuerlichen Wirtschaften im Laufe der letzten 20 bis 30 Jahre behandelt. Das Material hierzu haben chr die Antworten von 180 Korrespondenten geliefert, denen die Frage gestellt worden war, ob sich die bäuerlichen Wirtschaften im Laufe der genannten Periode verbessert oder verschlechtert hätten. föon diesen 180 Korrespondenten glaubten 30 nur relative Verbesserung konstatieren zu können, während alle übrigen direkt oder in- virekt einen Niedergang feststellen. „Große Wirtschaften", so schreibt ein Korrespondent, „giebt es sehr wenige, etwa gegen 2 Proz. Die Tnrchschnittswirtschasten besitzen wenig Vieh, keine Vorräte an Getreide, kein Geld. Die Miß- ernte eines Jahres, selbst wenn sie auf eine Reihe guter Erntejahre folgt, droht mit Hunger. Die Zahl der Armen ist im Wachsen begriffen." Ein anderer Korrespondent glaubt den Niedergang der Wirtschaften darin konstatieren zu können, daß die Bauernhäuser schlechter, das Vieh weniger und Keiner und die Aecker ebenfalls schlechter geworden seien. „Ob der Bauer sein Getreide säet oder nicht, für sich, behallen kann er es doch nicht, weil er es zum Decken seiner Steuerzahlungen verkaufen muß. Tie Bauern besitzen nicht daA nötige Getreidegucmtum, um sich zu ernähren", schreibt ein Priester, und ein zweiter bemerkt, daß der Niedergang schon an einer Abnahme des Viehes und an einer Verschuldung der Bauern zu tage träte. Ein Lehrer schreibt: „Die Bestellung der Aecker hat abgenommen und der Boden ist erschöpft. Fast keine Wiesen sind mehr vorhanden, und die Wälder sind ausgeholzt, dabei sind die Steuern gewachsen und die Mißernten häufiger geworden. Der Niedergang der bäuerlichen Wirtschaften liegt darin, daß die Ausgaben nicht mehr durchs die Einnahmen gedeckt werden können." Sehr charakteristisch ist die Antwort eines anderen Priesters: ,Mn jeder Bauer, der einen Landanteil von acht Dessjatinen besitzt und sich ausschließlich mit Getreidebau beschäftigtkann bei einer Durchschnitts ernte nur kaum sich und seine Familie ernähren, daher fehlen bei zwei Drittel der Bevölkerung die Getreidevorräte und mangelt es an Aus- saatkorn, welches die Bauern zu Wucherpreisen leihen müssen. Infolgedessen tritt von Jahr zu Jahr eine Abnahme des mit Getreide angebauten Areals zu tage. Die ganze Tragik der gegenwärtigen Lago des Bauern besteht darin, daß das, was er erarbeitet, zu gering ist, um alle Natural- und Reallasten zu tragen." — Was die Ursachen der Mißernten betrifft, so wird in den Antworten hauptsächlich auf eine Erschöpfung des Bodens, ungenügende Düngung, schlechte Bearbeitung und Unkenntnis der Führung der Wirtschaft hingewiesen. Selbst in Wirtschaften, wo der Bauer zu einer intensiveren Bearbeitung gegriffen hat, läßt sich der Rückschritt nicht leugnen. So besagt ein günstiges Urteil: „Die bäuerliche Wirtschaft verbessert sich im Sinne der Bodenbearbeitung, dagegen verschlechtert sie sich im Sinne der Ertragfähigkeit. Eine Verbesserung tritt darin zu tage, daß vervollkommnetere Geräte und besseres Saatgut benutzt werden; eine Verschlechterung in einer progressiven Abnahme ldes Ertrages pro Tessjatine." Ein anderes Urteil lautet: „Die bäuerliche Wirtschaft geht der Verarmung entgegen. Was die Führung der Wirtschaft betrifft, so verbessert sie sich von Jahr zu Jahr, und die Arbeit des Bauern wird durch Anwendung besserer Geräte leichter; aber der Niedergang tritt trotzdem zu tage." Aus Stadt und Zand. Gießen, 26. Juli 1902. ** Das Vorlesungsverzeichnis der hiesigen Universität für das Winterhalbjahr 1902/03 ist erschienen. Der Beginn der Immatrikulation ist für den 20. Oktober, der der Vorlesungen für den 27. Oktober vorgesehen. Die Dekane für 1903 sind: für die evangelisch-theologische Fakultät Prof. Dr. Baldensperger, für die juristische Fakultät Geh. Justizrat Prof. Dr. Schmidt, für die med^inische Fakultät Prof. Dr. Geppert, für die philosophische Fakultät Prof. Dr. Dieterich. Von den angelündigten Vorlesungen erscheinen uns folgende llrr die Allgemeinhett bemerkenswert: Prof. Dr. Baldensperger über das Leben Jesu, Privatdozent Lie. Köhler über Hessische Kirchengeschichte, derselbe über die Aufklärung und ihre Bedeutung für die geschichtliche Entwickelung, besonders in Deutschland, gratis (für Studierende allerFa- kultäten), Prof. Dr. Schmidt über Grundzüge des deutschen Privatrechts mit Berücksichtigung der Rechtsentwickelung in H e s s e n, Privatdozent Dr. Bötticher über Unfallheilkunde mit Kranken Vorst e II u n g e n, Prrvatdozent Dr. Dann emann über f o - r ensische Psychiatrie für Mediziner und Juristen, Geh. Hofrat Prof. Dr. Sieben über Wesen, Ursprung und En tw icrlung der Sprache, Prof. Dr. v. Wagner über Desc-endenztheorie, Prof. Dr. Sievers über Geographie von Hessen, Privatdozent Dr. Liefmann über Geschichte der Nationalökonomie und des Sozialismus, derselbe über Grund- züge der Finanzwissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der hessischen Steuerreform, Pros. Dr. Wimmenaner über Waldertragsregelung nach hessischer Vorschrift, mit Ausführung eines praktischen Beispiels, Geh. Hofrat Prof. Dr. O n ck e n über Geschichte der französischen Revolutionszeit 1774 bis 1804, derselbe über Deutsche Geschichte in der Zeit der Fremdherr schäft, der Befteiungskriege und des deutschen Bundes (180ö—1848), derselbe über Streitfragen der Geschichte des Altertums und der Neuzeit, Prof. Dr. Sauer über Berühmte Kunstwerke aller Epochen (mit Projektionsbildern), Geh. Hofrat Prof. Dr. B e h a g h e l über Geschichte der deutschen Sprache, Privatdozent Dr. Collin über Ge- schichtedesdeutschen Dramasiml9. Jahrhun - d ert. Teil II. (1850—1900), Musikbirektor Trautmann über L. van Beethoven und seine Werke, mit Beispielen am Klavier. Auch Prof. Dr. Gundermann hat Vorlesungen angekündigt. ? Evang elis ch er Arbeiterverein Gießen. Mit dem, nächsten Sonntag hier statt find enden Verbandsfest des Verbandes mittelrheinischer Arbettervereine ist bekanntlich die Fahnenweihe des hiesigen Arbeitervereins verbunden. Sie wird nachmittags 21/2 Uhr in Stein's Garten — nach einer Begrüßungsansprache des Pfarrers Dr. Grein — durch den Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. Stamm vollzogen. Die Fahne, die auf hellblau-weißseidenem Stofs prachtvolle Gühenlaub-Stickereien trägt, zeigt auf der Vorderseite das kunstvoll ausgesührte Gießener Stadtwappen mit der Umschrift: „Ev. Arbeiterverein Gießen 1902." Auf der Rückseite befindet sich das Symbol: Zwei verschlungene Hände, umrahmt von dem Wahlspruch des Vereins: „Habt die Brüber lieb, fürchtet Gott, ehret den König!" — Die Fahne wird nächsten Sonntag um 1.15 Uhr von der Wohnung des derzeitigen Vorsitzenden unter Vorantritt der Regimentskapelle nach Oswalds Garten verbracht, wo um IV2 Uhr der Festzug sich in Bewegung setzt. Die Betelligung von auswärts scheint sehr groß zu werden. Ein Extrazug von Frankfurt bringt allein über 500 Festteilnehmer. ** Wetterbericht. Die Luftdruckvertellung ist noch etwas unregelmäßiger geworden, wobei fortgesetzt noch geringe Unterschiede in den Barometerständen herrschen. Im Norden des Erdteils besteht niedriger Druck mtt einem Depressions-Zentrum an der norwegischen Westküste fort, während über den kontinentalen Lagen relativ hoher Druck liegt. In Italien ist das Barometer unter 760 Mlllimeter gesunken. Das Wetter ist meist wollig oder trüb und von Zeit zu Zett fällt strichweise Regen. Die Temperaturen haben keine wesentlichen Aenderungen erfahren, -r- Voraussichtliche Witterung: Abwechselnde Bewölkung mit Ge- wtttern und Strichregen, mäßig bewölkt. ** Biograph. Auf Oswaldsgarten sinden von Sonntag, den 27. Juli, ab täglich fünf Vorstellungen von Bläsers Riesen-Kinematograpb statt. Dieses Unternehmen wurde vom Großherzog und der Großherzogin von Hessen, vom Kaiser und der Kaiserin von Rußland und anderen hohen Persönlichketten in ehrenvoller Weise anerkannt. (Siehe Jnserctt) e. Bad-Nauheim, 25. Juli. Die Frequenz hat abermals zugenommen, trotz des schlechten Wetters der letzten Tage. Nach den amtlichen Zählungen sind in der vergangenen Woche 1311 Fremde hier zur Kur angekommen, sodaß die Gesamtfrequenz am 24. Juli 15162 Personen betrug, gegen 13 852 zur selben Zett im vorigen, Jahre. Anwesend sind z. Z. 5956 Kurgäste, gegen 5865 zur gleichen Zett im Vorjahre. Vom 1. April bis 24. Juli wurden 176 875 Bäder gegeben, im Vorjahre 175 514. Es sind jetzt 1310 Kurgäste mehr in der Gesamtfrequenz gezählt, wie 1901. () Stornfels, 25. Juli. Ein Beweis dafür, daß in unfern Vogelsberger Wäldern das Hochwild noch nicht ausstirbt, ist, daß der Jagdaufleher Rummel hier heute einen kapitalen Hirsch erlegt hat, den zweiten innerhalb kürzer Zett. Einen anderen Hirsch hat der Schütze leider nur angeschossen und gelang es ihm bis jetzt noch nicht, desselben habhaft zu werden. O s fenb ach, 24i Juli. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß heute auf Grund des Art. 10 des Gesetzes vom 30. März 1901, betr. die Gemeindeumlagen, die Befreiung der Einkommen weiblicher Personen bis zu 500 Mark von der Gemeind esteuer für das Jahr 1902. Im vorigen Jahre ist ein gleicher Beschluß gefaßt, jedoch vom Kreisamt angefochten worden. Die Entscheidung des Ministeriums darüber steht noch aus. Im Laufe der Verhandlungen teilte der Oberbürgermeister mit, daß der Hafen voraussichtlich Ende September dem Betriebe übergeben werden kann. — Flüchtig gegangen ist unter Mitnahme von ca. 6000 Mark fremden Geldern der Vertreter der Kaiser Friedrich-Quelle KarlSchmidt von hier. Schmidt, welcher in den besten Gesellschaftskreisen großes Ansehen genoß, hat Frau und fünf Kinder im Stich gelassen. Ein großer Teil der veruntreuten Summe soll bereits gedeckt sein. Kassel, 24. Juli. Der Kongreß des Verbandes der Zahnkünstler-Vereine Deutschlands wurde heute abend hier eröffnet. Der Geschäftsbericht konstatiert eine günstige Entwickelung des Vereins; über 450 Mitglieder sind zugekommen, so daß insgesamt der Verband 1450 Mitglieder zählt. Besonders erfreulich entwickelte sich die Fachschule Berlin. Vermischtes. * Berlin, 25. Juli. Im hiesigen Jnstttut für Infektionskrankheiten befinden sich zwei Lepra-Kranke, ein Zigarrenmacher ans Breslau und dessen Frau. * Baden-Baden, 25. Juli. In Oos wurde ein junger Mann verhaftet, als er mit einem Revolver auf ein Mädchen schoß. Ter Verhaftete nennt sich Ganton Crispi, behauptet, in Rom als Sohn de^ Staatsministers Crispi geboren zu sein und sei Hauptmann einer Räuberbande. Er spricht geläufig deutsch (rheinisch Dialekt). Bei ihm wurden außer Revolver mit scharfer Munition, eine silberne Remontott- uhr, auf deren Staubdeckel „Zinghan Josef, ans Cardan, Mosel" eingraviert ist, ein Dolch mit Horngriff und Lederscheide, ein Meterstab und eine Mllttärkoppel gefunden. Die Staatsanwaltschaft in Karlsruhe ersucht um Mittettung über den wahrscheinlich Geisteskranken. * Kairo, 25. Juli. Die Cholera verbreitete sich über ganz Kairo. Gestern wurden^ 38 Cholerafalle fest- gestellt. Die Zunahme ist heute unbedeutend, doch, ist die Zahl noch nicht amtlich festgestellt. Die Gesamtzahl der Ctzoleraerkrankungen in Mucha und Kairo seit dem 15. Juli belauft sich auf 307 bei 227 Todesfällen. Zur Zett sink» 63 Fälle in Behandlung. Alle egyptischen Truppen in Kairo sind nach dem Lager von Abbassye verlegt worden. * Ter Kaiser und Siegmund Lautenburg.^ Th. Kappstein veröffentlicht im „Hamb. Korr." ein Feuilleton „Die Berliner und ihr Kaiser", worin er unter anderen Räubergeschichten erzählt, die Franzosen hätten dem Kaiser in einem eingeschriebenen Bries ihre Kaiserwürde angeboten. Wörtlich fährt Herr Kapp- stein fort: „Thatsache ist, daß der Direktor unseres Residenz-Theaters, S. Lautenburg, im vergangenen Jahre aus Paris nach wenigen Tagen Aufenthalts geflüchtet ist, wett ihn die Pariser nach Physiognomie wie Barttracht und Kleiderschnitt für den deutschen Kaiser gehalten haben und ihm nicht von den Fersen wichen." * Zum Tode des Frl. Dr. Elise Neumann können wir unsere Mitteilungen ergänzen, daß es höchst- wahrscheinlich ist, daß die Dame ein Opfer ihrer wissenschaftlichen Thätigkeit geworden ist Als Frl. Dr. N. dem Cyankali ein anderes Ingredienz hinzu- fügte, sind aller Wahrscheinlichkeit nach der Mischung stark giftige Gase entstiegen. Diese hat sie, wie vermutet wird, eingeatmet und dadurch ihren Tod gefunden. Ihrem Körper haftete nach dem Tode ein starker Blausäuregeruch an — Ter Tod von Frl. Dr. Neumann ruft in allen Kreisen, denen die Dame nahe stand, die aufrichttgste Teilnahme hervor. Frl. N. bekundete u. a. auch für die Luftschiffahrt lebhaftes Interesse und hat erst Ende des vorigen Monats in Gemeinschaft mit Graf von Zeppelin und Prof. Miethe von der Charlottenburger Technischen Hochschule eine Auffahrt gemacht, von der sie ganz entzückt war. Ueber diese Fahrt gab die Dame in der letzten Sitzung des Deutschen Vereins für Luftschiffahrt eine äußerst beifällig auf genommene humorvolle Schilderung. Frl Dr. N. hatte auch die Aufgabe übernommen, eine ausführliche Abhandlung über die für die Luftschif fahrt höchst wichtige Frage der „Gasexplosionen und Zündung durch Sauerstoff" abzufassen Solche Explosionen sind schon wiederholt vorgekommen, ohne daß die eigentliche Ursache hat ermittelt werden können. Es sei nur an die große Explosion im Jahre 1894 bei der Luftschifser-Ableilung erinnert, welches Vorkommnis die Folge hatte, daß das jetzige mustergiltige Kasernement in der Jungfernherde gebaut worden ist Es flogen damals! 1500 Gasbehälter in die Luft, von denen ein Teil zündete. In neuester Zett ereignete sich, ein ähnlicher Fall in der Geisenheimer Fabrik bei Bitterfeld. Frl. Dr. N. war mtt vollem Eifer >an die ihr geftellte Aufgabe herangetreten und hatte die einlettenden Arbetten hierzu bereits in Angriff genommen. * Eisenb ah nun fall. Am Freitag entgleiste in Granica (Polen) der 3u$, in dem sich die Königin von Griechenland befand. Der drenstthuende Stationsbeamte soll sofort nach Oesterreich geflohen sein. Die Königin blieb unversehrt._________________________________________________ Universttäts Nachrichten. — Einen bei seinen Hörern ungewöbnlich beliebten Lehrer besitzt das Polytechnikum in Zürich. Man schreibt von dort untevm 24. ds.: ^Dem Professor für Geometrie am Eidgenössischen Polytechnikum. W. Fiedler, ist gestern von etwa 200 Studierenden wieder einmal eine Katzenmusik gebracht worden. Irre ich nicht, so ist damit das Dutzend voll geworden und Professor, Fiedler dürfte wohl einen schwer zu brechenden Rekord, wenn auch wider Willen, aufgestellt haben." — Aus Münster t W. wird berichtet: Zum Rektor der hiesigen Universität wurde für bad1 nächste Studienjahr Prälat Prof. Dr. Schröder, zum Dekan der theologischen Fakullät Prof. Dr. M a u s b a ch, der Philosoph». scheu Fakultät Prof. Dr. Lehmann gewählt. — Man schreibt aus St Petersburg: Tas Unterrichtsministerium hat das Gesuch der Leitung der im September 1900 eröffneten Hochschulkurse für Frauen in Moskau, die Höchstzahl der Hürerilinen um 100 zu vermehren, genehmigt. Die Zahl der Hörerinnen betrug im letzten Herbst 480. Die hiesigen Hochschulkurse für Frauen werden von fast 1000 „Kursistki" besucht. Bern, 25. Juli. Als gestern Abend Universitätsprofesior Stein in seiner Villa Mitglieder des Preß-Kongresses, Diplomaten und Professoren empfing, teilte Erziebungsdirektor Gobat offiziell mit, die Berner Regierung habe die Errichtung einer Journalist e n s ch u l e an der Universität Bern beschloßen. Gerichtssaal — Der Prinz von Braganza vor Gericht. Bei der bereits gestern gemeldeten Wiederaufnahme des Vorverfahrens gegen den Prinzen Franz Joseph von Braganza und Genoffen, er», schienen, wie heute au§ London ausführbar gemeldet wird, als! Zeugen des Prinzen dessen Bruder Miquel und ein Freund Graf Sizzo, die bekundeten, daß der Prinz Franz Joseph iw jener verhängnisvollen Nacht zum Diner und Souper scharf ge trunken hatte und nicht nüchtern war. Auch habe er ein Rendezvous mit einer Dame nachts um 12V2 Uhr verabredet. Die Rede des Verteidigers des Prinzen stützte sich auf drei Punkte: Nach ärztlichem Zeugnis sei kein Verbrechen verübt worden, ferner habe der Hauswirt, der dies konstatiert haben will, nach Zeugenaussagen nicht durchs Schlüsselloch sehen können und sei erst später mit seiner Aussage herausgerückt, daß er sich ein Spionierloch in die Wand gebohtt habe, unb schließlich liege ein offenbarer ErpressundZversuch vor. Ter Richter Chapmcm erklärte, es sei nicht unmöglich, daß der Prinz in eine Falle gelockt wurde, aber er könne sich n i ch t überzeugen, daß der Prinz in aller Unschuld das fragliche Haus betreten habe. Er wolle nicht den Funktionen der Jury vor- greifen, und wenn er den Prinzen freijpreche, so beschuldige er die Zeiigen Burbidge und Street, die durchs Spionierloch gesehen haben wollen, des Meineids. Tas könne er nicht, obwohl in analogen Fällen Erpressung sehr wahrscheinlich, müsse er den Fall vor die Geschworenen verweisen. Ter Prinz und Genossen wurden dem Old Bailey-Gericht überwiesen, der Prinz aber gegen Kaution auf freiem Fuße belassen. Sport. Kassel, 25. Juli. Der finanzielle Abschluß des Deutschen Radfahrer-Bundestages wird ein erhebliches Defizit aufzuweisen haben. Soweit sich bis jetzt ersehen läßt, wird der Garantiefonds, den meistens Wirte und kleine Kaufleute gezeichnet haben, bis zu 60 Prozent in Anspruch genommen werden müssen. Das Defizit ist durch den relativ geringen Besuch entstanden, man erwartete 10 000 Radler, es waren aber nur etwa 3000 gekommen. Submisstons-Kalender. 28. Jnli. Darmstadt. Großh. Bürgermeisterei. Lieferung von 400 Zentner Thomasmehl und 400 Zentner Kainit. Bedingungen liegen auf dem Stadthaus zur Einsicht auf. — 28. Juli. Ai a i n z. Großh. Hochbauamt, Vergebung der erforderlichen Arbeiten zur Vergrößeruiig der Forstwartwohnung Vorholz. Bedingungen gegen Erstattung der Selbstkolten. — 28. Juli. Mainz. Großh. Hochbaiianlt. ^Vergebung der Verputz- uiid Anstreicherarbeiten für den Erweiterungsbau des Schulhauses im Fürsien- bergerhof. Bedingungen gegen Erstattung der Veroielfältigungs- gebuhreu. — 31. Juli. Darmstadt. Großh. Hochbauaml Aus- führung der Schreiner-, Glaser- und Weißbinderarbeiten zur Vergrößerung des Wohnhauses zu Hof Rheinfelden. Bedingungen gegen Erstattung der Selbstkosten. I beliebten Lehrer schreib! von Dort n Eidgenössischen enva 260 Stuhl worden, ^re >en und Prosessor ’Jorb, wenn auq ft er l Ä. wird mürbe für bas r, jum'M’w btt Mchopi - Mm schrei tum Haldas G- ,en hochschulkursr innen um 100 js betrug im letzte» auen werden von iwerMprosessor .sses, Tiplomaiw >r Gobal osstziell »inet Journa« en. entgleiste h die Königin talionsdecunte ■ Wnigm blich 50®elJ jiiirte meistes ,rd) ßy1 £ üBfi t, . tijp enint; \ $. >- i ’^rv 28. ÄrfÄ * Ä i-rf Äi^"' lllt Zeit stz,v )Pen iu gW Men*0 ."‘‘iburg ä ’> 8r ‘l* :t%e 15' Ittra$ und ^eumattn S?- ift 8® » hinl. Eichung jt£ ZMet ff ^tem Körper -Aruch an. _ ÄS ,N. Miethe Me eine LU^ tiefe des Teutschen uSaufgenom. hEe auch Mdluug über ge der „Gas- [" abzusasseu. kommen, ohne !rden können. IM bei der iomnuns die isernement in letzen damals ■ Teil ziurdeL T M in der t. 81. toar mit herangetreten bereits in An- Jei der beretß versahrens nd GenoßM' J -meldet wird, o» * «oiH « 3*L“ E-rsch-E Auch habe er em i Uhr verabredet. hÄ drei Punk» Lethen verüb* W l4h.Lnrg vor- rsz-x Kirche «nd Schule. — Streitigkeiten zwischen den Studierenden des höheren tech- rischen Instituts in Kothen und dessen Direkter Dr. Holzapfel landen einen unerwarteten vorläufigen Abschluß, indem Dr. Holzapfel, gegen den wegen angeblicher Zeugnisfälschung und Anregelmäßigkeiten bei den Prüfungen Anzeige bei der Dessauer Regierung erstattet wurde, wegen dieser Angriffe fein A m t vorläufig n i e d e r l e g t e. Die Leitung des Instituts übernahm der Ingenieur Perwo. Die anhaltische Regierung hat die Disziplinaruntersuchung gegen Direktor Dr. Holzapfel eingeleitet. Der Konflikt zwischen Direktor Dr. Holzapfel und den Studierenden des Instituts war veranlaßt durch die Relegation der Vertrauensmänner des Studentenausschusses, welcher suspendiert war, weil er eine Beschwerdeschrift wegen mehrerer nicht erfüllter Wünsche der Studierenden dem Kuratorium der Anstalt überreicht hatte. Doch da ca. 450 Studierende darauf mit ihrem Auszuge aus Köthen drohten, erfolgte durch Vermittelung des Gemeinderats in den letzten Tagen eine Einigung dahin, daß die Relegationsnaßregel zurückgenormnen und die Erfüllung mehrerer Wünsche ^ugesagt wurde. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Im Konkurs der Bankfirma Marx u. Söhne in Darm- -stabt wird ein Zwangsvergleich mit 20 pEt. vorgeschlagen. Hamburg, 25. Juli. Die Aktt-Gesellsch. „De Z u i d a f r i - Raansche Fabriken voor ontplofbare Stoffen" fsind nach der „H. B. H." in einer gestern in London abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung in ein britisches Unternehmen mit dem Sitz in London und Johannesburg umge- mandelt worden. Die Gesellschaft führt fortan die Firma *The Hrttish Southafrican Erplosives Company Lim." Märkte. Gieße«, 26. Juli. Marktbericht. Auf demheuttgenWochenmarkt Kosteten: Butter pr.Pfd. 0,90—1,05 Mk., Hühnereier pr. St. 6—7 Pfg., LStck. 00—00 Pfg^ Gänseeier 11—13 Pfg., Enteneier 7—8Pfg., Käse vr.Stck.5—7 Pf^ Kasematte 2 Stck. 0—OPfg^ Erbsen pr. Liter 19Psg^ Linsen pr. Liter 32 Pfg^ Taubenpr. Paar 0,70—1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,20—1,50 2JIL, Hahnen pr. Stück 0,55—1,20 9JIL, Enten pr. Stück 2,30—2,50 Mk., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg^ Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfa^ Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg^ Schweinefleisch pr. Pfimü 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Psg^ Kalbfleisch pr. Pfd. 66—70 Pfg^ Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg^ Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,50—6,00 Mk., Weißkraut per Stuck 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 9,00—10,00 Mk., Milch her Liter 18 Pfg. Aepsel per Pfd. 0—00 Pfg^ in Korben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Kirschen 20—30 Pfg. Dauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten bret Stunden der Marktzeit oarf nur auf den bestimmten Verkaufsplätzen und nicht im Umherziehen feilgeboten werden. A-Sj-S BUS btu Sl-Msmlsresistttll btt Stabt Sitßkll. Aufgebote. Juli. 17. Peter Becker, Meier dahier, mit Christina Müller in Lang-Göns. 19. Ludwig Erb, Schreiner dahier, mit Elisabeths Stumpf Hierselbst. 20. Heinrich Momberger, Bäcker dahier, mit Auguste Kurz in Niederscheld. 2L Karl Flohr, Oberpostasfistent dahier, mit Elisabethe Henriette Karoline Meister Hierselbst. 2L Peter Schomber, Taglöhner dahier, nut Franziska Kaczmarek Hierselbst. 21. Dr. Georg Wilhelm Horn, Unwersttätsproseffor dahier, mit Emma Katharine Wagner in Großen-Buseck. 22. Kaspar Otto Urstadt, Oberlehrer am Gymnasium dahier, mit Marie Wilhelmine Henriette Karoline Louise Diehm Hierselbst. 22. Georg Karl Schuchmann, Lehrer an der Realschule dahier, mit Marie Luise Mathilde Henzerling Hierselbst. Eheschließungen. Juli. 19. Adolf Heinrich Diedrich Eckeberg, Zeitungs- Expedient in Bremen, mtt Anna Wilhelmme Henriette Decker dahier. 25. Wllhelm Krätzer, Wirt dahier, mit Barbara Maier Hierselbst. Eiweiss Cakes Geborene. Juli. 13. Dem Kaufmann Wilhelm Kahl eine Tochter. 13. Dem Weißbindermeister Karl Friedrich Marx ein Sohn, Karl. 15. Dem Taglöhner Heinrich Wölfina ein Sohn. 15. Dem Schlaffer Johannes Roch IL eine Tochter, Marie. 16. Dem Fuhrknecht Michael Rüdel eine Tochter, Elisabech Christine Walburga. 16. Dem Taglöhner Heinrich Wllhelm Frank ein Sohn. 16. Dem Hausburschen Wilhelm Lipp eine Tochter, Anna. 17. Dem Fräser« Adolf Langsdorf ein Sohn, Albett Hermann. 17. Dem Eisenbahw- arbeitet: Philipp Reinhard Bohrmann eine Tochter. 17. Dem Bahnarbeiter Karl Volz zwei Söhne, Justus und Wllhelm. 17. Dem Schlosser August Appel eine Tochter, Marie Emilie. 18. Den» Architekten Hans Meyer ein Sohn. 19. Dem Kaufmann Augu^ Waag ein Sohn. 19. Dem Glaser Theodor Schäfer ein Sohm 20. Dem Schreiner Karl Neurach eine Tochter, Luise Dorothea. 23. Dem Gerber Heinrich Schulz ein Sohn, Wilhelm. 23. Dem berittenen Gendarmen Rad Jansohn ein Sohn, Richard. 24. Dem Kaufmann Johann Rad Eichmann eine Tochter, Minna. Gestorbene. Juli. 19. Anna Mohr, geb. Rudolph, 66 Jahre alt, Witwe des Schuhmachers Ludwig Mohr dahier. 2L Karl Ludwig Strauch, 45 Jahre alt, Eisenbahnbettiebssekretär dahier. 23. Auguste Koch, geb. Langermann, 75 Jahre alt, Witwe des Fabrikanten Wllhelm Koch dahier. 24. Emmy Elisabech Prinz, 2 Jahre alt, Tochter des Kutschers Heinrich Prinz dahier. 25. Johann Wallenfels, 65 Iah« alt, Stationsassistent i. P. dahier. _ _ ■ » Bewährtes Hasse Flechten, “t len ärztlichen Anerkennungsschreiben ist Obermeyeds Herba-Seife. Z. h. p. 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September findet auf den städtischen Madtanlagen nächst der Rodheimerstraße Pferdemadt statt. Für Stallungen in der Nähe des Marktes ist ausreichend Sorge getragen; wegen derselben wolle man sich an Herrn Hoflohnkutscher Huhn dahier wenden. Auskunft über sonstige Marktcmgelegen- hetten ertellt Herr Weinhändler August Schwan dahier. Mtt dem Pferdemarkt ist eine Prämiierung verbunden, für welche 1565 Mk. zur Verfügung stehen. Der Prämiierungsplan ist von Herrn Oekonomierat Schlenks, Hardthof k»ei Gießen, zu erbitten. Die Preisverteilung erfolgt im Anschluß am die Prämiierung um 121/, Uhr. Omnibusverbindung von dem Bahnhof nach dem Madtplatz mnd zurück. Am 11. September, nachmittags 2 Uhr, findet in der Turnhalle der Stadtknabenschule eine Verlosung Dttt von Pferden, Wagen, landwirtschaftlichen Maschinen und Terätschasten, Haushaltungs- und Gebrauchsgegenstänoen. Der Heneralvertrreb der Lose ä 1 Mk. ist dem Herrn Richard Buch- anker dahier übertragen. Gießen, Juli 1902. 5394 Tie Pferdemarktkommission zu Gießen. Jean Kirch, Stadtverordneter. Arsteigerilug eines alten abgängigen Nachens. Samstag den 2. August l. Js., 10l/2 Uhr, soll an i-em Lahnpegel bei Gießen ein abgängiger Fahr-Nachen öffentlich gegen Barzahlung versteigert werden. Mainz, den 25. Juli 1902. Großh. Wasserbauamt Mainz. Schmitt. 5396 Geschw.Aron Korsetten-Hans Seltersweg 89. GieSSCfl. Seltersweg 89. Wir empfehlen als letzte Neuheit: Frack- Korsetts (gerade Form), Reform- und Sport-Korsetts Gurt-Korsetts für Damen mit starkem Leib und Hüften Umstands- und Nähr-Korsetts nach ärztlicher Vorschrift Kinder-Korsetts und Geradehalter in allen Formen. Ferner führen ein grosses Lager in Wnterröcken, von den einfachsten bis z a den elegantesten stets vorrätig. 352 Zur Stadt Marburg. MM Türmst.« Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. 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