Nr. 173 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Änzeiger werden im Wechsel mit dem keffischen randwirt die Lietzener Kamilien- blülter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Acrnsprechanschluß Nr. 51. ites Blatt. 153. Jahrgang Samstag 36. Juli 1903 Eichener Anzeiger w Eeneral-Anzeiger '*•' Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen Bezugspreis, monatlich7b Pf., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole. u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Ml.2.— viert el- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenprets: lokal 12 Pf, auswärts 20 Psg. Verantwortlich; für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko: für ,Stadt und Land" und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Kamerun. Auf dem Wege zur Erschließung Kameruns für die deutsche Herrschaft ist in jüngster Zeit eine außerordentlich wichtige Etappe erreicht worden. Drei verschiedene mili- tarische Expeditionen unter Führung von Offizieren der deutschen Schutztruppe sind in den nördlichsten Zipfel unseres Schutzgebietes, der im Süden etwa vom 10. Grad nördl. Breite begrenzt wird, und sich nach Norden bis an das Südufer des Tschadsees erstreckt, vorgedrungen und haben damit die deutsche Fahne in Gebiete getragen, in denen der deutsche Name bisher fast unbekannt war. Hauptmann Cramer von Clausbruch, Oberlt. Dominik und der Kommandeur der Schutztruppe, Ober st lt. Pavel, waren die Führer dieser Expeditionen. Soweit die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes über deren Verlaus bisher unterrichtet ist, hat sie in der Tagung, zu der der' Kolonialrat vor vierzehn Tagen Mammengetreten war, darüber Mitteilungen «gemacht, uno aus diesen gewinnt man den Eindruck, daß es nicht in den ursprünglichen Absichten des Gouvernements gelegen hat, in Adamaua und den Tschadseeländern jetzt schon festen Fuß zu fassen, daß vielmehr zufällige und unvorhergesehene Ereignisse dazu geführt haben. Um so erfreulicher ist der Erfolg, den die drei Expeditionen errungen haben. Auf der Grundlage, die Hauptmann Cramer von Clausbruch dadurch geschaffen hatte, daß er Ngaundere eroberte, in Garua einrückte, den von den Engländern vertriebenen, auf deutsches Gebiet übergetretenen Sultan von Zola völlig schlug, und dadurch die freiwillige Unterwerfung der auf deutschem Gebiet gelegenen Vasallenstaaten des Sultanats Zola herbeiführte, bat Oberlt. Dominik weitergebaut. Ihm gelang es, den Lamido von Marrua, den Verbündeten des Sultans von Pola zu schlagen, was zur Folge hatte, daß die übrigen Fullahstaaten die deutsche Herrschaft auerkannten und mit Mandara und vor allem mit Dikoa, das infolge des Vorgehens der Franzosen in den Gebieten am Schari in letzter Zeit mehrfach Zerrannt worden ist, in Verbindung zu treten. Das Verdienst des Oberstlts. Pavel besteht darin, daß er nach, Unterwerfung der unbotmäßigen Stämme der Bangwa, Basut und Bandeng die Verbindung mit Garua gesichert hat. Während sich diese wichtigen Vorgänge vom Sommer vor. Jahres bis in das Frühjahr d. I. im Norden Kameruns abspielten, hatte der Stationschef Frhr. v. Stein schon im Jahre vorher durch eine Reihe von Expeditionen im Sanga-Ngokogebiet die Erforschung des südöstlichen Teils unseres Schutzgebiets erheblich gefördert. Bei Vukaduma, unfern Bertua, wurde ein Posten angelegt, und es ist gelungen, eine wenri auch nur vorübergehende Verbindung zwischen dem entlegenen Südosten des Schutzgebietes und der Küste herzustellen. Man würde zu weit gehen, wollte man behaupten, daß durch diese Erfolge, die unsere Expeditionen in den bisher neuerschlossenen Gebieten im 9iorden und Süden des Schutzgebietes erzielt haben, alle die Aufgaben gelöst sind, deren Lösung erforderlich ist, um über , das ganze weite Gebiet nunmehr eine geordnete deutsche Verwaltung auszudehnen. Hierfür ist die Zeit noch nicht gekommen und stehen dem Gouvernement die erforderlichen Mittel nicht zur Verfügung. Die deutsche Schutztruppe zählt nur etwa 90 Weiße an Offizieren und Unteroffizieren, Aerzten, Zahlmeistern usw. Die Zahl der schwarzen Mannschaften beläuft sich auf 900, die der Beamten wird in der letzten Denkschrift, die dem Reichstage vorgelegt worden ist, auf 70 angegeben. Der Reichszuschuß für die Zivil- und Militärverwaltung beläuft sich auf 2 205100 Mark. Dazu kommen aus eigenen Einnahmen des Schutzgebiets 2 031500 Mark, so daß der Etat in Einnahme und Ausgabe sich mit 4 236 600 Mark das Gleichgewicht hält. Daß mit einer solchen Summe und mit einer solchen Zahl von Beamten und Soldaten eine geordnete Verwaltung nicht über ein Gebiet von der Große des Deutschen Reichs ausgedehnt und aufrecht erhalten werden kann, liegt auf der Hand. Es wäre verkehrt, aus der Feststellung dieser Thatsache den Schluß ziehen zu wollen, daß alsbald das Beamtenpersonal und die Schutztruppe aus die hierzu erforderliche Stärke gebracht werden müssen. Im Gegenteil wird die nächste Aufgabe, die der Verwaltung erwächst, darin besteben müssen, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, die ausgereicht haben, die unbotmäßigen Eingeborenen zu unterwerfen, diese in Zukunft so weit im Zaume zu halten, daß der Handel an die wirtschaftliche Nutzbarmachung des Gewonnenen gehen kann. Von den im Süden durch Frhrn. v. Stein erschlossenen Gebieten weiß man, daß sie Gummi und Elfenbein in großen Mengen bergen. Von den Ländern um den Tschadsee, die sich in verhältnismäßig hohem Kulturzustande befinden, darf man nach den Berichten älterer Forschungsreisenden annehmen, daß sie nicht blos von Natur reich genug sind, um für die Hebung des Ausfuhrhandels an Skrturerzeugnissen ins Gewicht zu fallen, sondern auch aufnahmefähig für die Erzeugnisse des deutschen Mutterlandes. Bisher hat der Handel aus den Tschadseeländern, soweit er sich nicht nach dem Sudan erstreckte, den Weg zur Küste fast ausschließlich über den Benue und Niger durch englisches Gebiet genommen. Bei den deutschenglischen Verhandlungen über die Festlegung der Grenze hielten die englischen Unterhändler s. Z. mit zäher Hartnäckigkeit an der Forderung fest, daß Yola dem englischen .Gebiet einverleibt blieb, obwohl die von dem Sultan von Zola abhängigen Vasallenstaaten fast sämtlich in die deutsche Interessensphäre fallen. Man wußte in London sehr wohl, daß Bola den Handelsmittelpunkt für ganz Adamaua und das Tschadsee gebiet bildet. An dieser Thatsache ist auch durch die jetzt erfolgte Anerkennung der deutschen Herrschaft durch die Vasallen des Sultans von Zola nichts geändert worden. Es wird daher keine leichte Aufgabe sein, den Niger-Benuehandel aus dem alten Geleise zu leiten, und ihm neue Bahnen zu weisen. Aber diese Aufgabe ist lohnend, falls ihre Lösung gelingt. Unter diesen Umständen darf es als wertvoller Zufall angesehen werden, daß die lediglich wirtschaftlichen Zwecken dienende Expedition des Niger-Benue-Tschadfee-Komitees sich zum Teil bereits in Süd-Nigeria befindet und somit noch unter dem frischen Eindruck des erfolgreichen Vorgehens der deutschen Expeditionen ihre Thätigkeit aufnehmen kann. Der Handel kann der Flagge folgen. Zur Lösung der wichtigen Aufgabe, Kamerun, das Kenner der Verhältnisse als die wertvollste und aussichtsreichste aller unserer Kolonien bezeichnen, wirtschaftlich zu erschließen, wrrd auch der Schritt beitragen, zu dem sich gerade jetzt das kolonialwirtschaftliche Komitee entschlossen hat. Das Komitee will unter Führung des Leiters des botanischen Gartens in Kamerun, Dr. Preuß, eine aus landwirtschaftlichen Beamten unserer Kolonie kombinierte Expedition nach den fremden und deutschen Kolonien Westafrikas entsenden zum Studium der Produttions-, Handels- und Verkehrsverhältnisse der dortigen Eingeborenen- und Plantagenkulturen. Die gesammelten Erfahrungen sollen insbesondere durch Anlegung von Versuchs- und Lehrstationen in den Kolonien verwertet werden. Dr. Preuß ist überzeugt, daß eine Hebung der Kulturen der Eingeborenen in Kamerun möglich ist, wenn man sich zunächst auf die Kultivierung der Oelpalme und der Kickxia zur Gewinnung des Kautschuks und des Kakaobaumes beschränkt. Die vorerwähnte Expedition soll den Versuchen zur Hebung der Eingeborenenkulturen vorangehen. Es wäre erfreulich, bald zu hören, daß das rührige kolonialwirtschaftliche Komitee an die Ausführung seines Planes herangetreten ist. Der Boden ist in Kamerun jetzt so weit geebnet, daß er zur Aufnahme kultureller Aussaat bereit ist. Anozui) ans den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Lukasgemeinde. Ten 19. Juli. Heinrich Dietrich Eckeberg, Zeitungs-Expedient zu Bremen, und Anna Wil-- belmine Henriette Decker, Tochter des verstorbenen Reallehrers Wilhelm Decker zu Allendorf a. d.Lda. — Johannesaemeinde. Den 12. Juli. Friedrich Albert Hatz, Taglöhner zu Gießen, und Elisabethe Rücker, Tochter des verstorbenen Taglöhners Georg Rücker zu Bellersdorf. Getaufte. Markusgemeinde. Ten 15. Juli. Dem Fabrikarbeiter Karl Fleischer ein Sohn, Wilhelm Ludwig, geboren den 6. Mai. — Lukasgemeinde. Den 20. Juli. Dem Bahnarbeiter Wilhelm Blank eine Tochter, Johanna Erna, geboren den 22. Juni. Denselben. Dem Former Wilhelm Pletsch ein Sohn, Ernst Wilhelm, geboren den 7. Juni. Denselben. Dem Kürschner und Mützenmacher Richard Otto Frenzel eine Tochter, Karola, geboren den 8. Mai. Denselben. Den: Kaufmaim Philipp Heyligen- staedt eine Tochter, Erna Sophie Johanna Therese Emma, geboren den 6. Juni. Denselben. Dem Hütteningenieur Wilhelm Völker ein Sohn, Roland Hermann Franz Johannes, geboren den 10. Juni. — Johannesgemeinde. Den 19. Juni. Dem Uhrmacher und Optiker Karl Ramslock eine Tochter, Pauline, geboren den 17. März. Beerdigte. Matthäusgemei nde. Den 19. Juli. Marie Noll, geb. Löber, Rentnerin, Wirwe des Oekonomen Louis Noll, 69 Jahre alt, starb den 17. Juli. Hof-Möbelfabrik und Kunstschreinerei von Ludwig Alter in Darmstadt Permanente Ausstellung von 120 Zimmer-Einrichtunge*1 Auf Wunsch kostenlose Unterbreitung meiner Haupt-Kollektion. Hochfeine, stilvolle > Einrichtungen | 758 Etablissement allerersten Ranges. Grossh. Hessischer und Kaiserlich Russischer Hoflieferant Unerreichter Insectentödter! Kaufe aber nur in Flaschen/wo Plakate aushäugen. Giessener Ruder-Gesellschaft 1877, e. V. Sonntag den 27. Jaali 1902; Jiibiläw-JUgatta (XI. Huder-Regatta) zu Giessen auf der Lahn unter Beteiligung folgender Vereine: Bremer Ruder-Verein von 1882, Bremen. Ruder-Gesellschaft „Rhenania“, Coblenz. Crefelder Ruderklub 1883, Crefeld. Ruderverein Ems, Ems. Frankfurter Ruderverein, Frankfurt. Frankfurter Ruder-Gesellschaft „Oberrad“, Frankfurt. Frankfurter Ruder-Gesellschaft „Germania“, Frankfurt. Frankfurter Ruder-Gesellschaft „Sachsenhausen“, Frankfurt. Frankfurter Ruderklub, Frankfurt. „Hassia“, Hanau a. M. Heidelberger Ruderklub e. V., Heidelberg. Ruder-Gesellschaft „Heidelberg“, Heidelberg. Mainzer Ruderverein, Mainz. Mannheimer Ruder verein „Amicitia“, Mannheim. Offenbacher Ruder verein 1874 e. V., Offenbach a. M. Offenbacher Ruder-Gesellschaft „Undine“, Offenbach a. M. Ruderverein „Hellas“, Offenbach a. M. Wetzlarer Ruderklub, Wetzlar. Giessener Ruder-Gesellschaft, Giessen. Während der Regatta: Grosses Konzert, ausgefiihrt von der Kapelle des Leib - Dragoner - Regiments Nr. 24 (Kaiser Nikolaus) unter Leitung des Musikdirektors Herrn Stütze!. Programm. Samstag den 26. Juli, abends 9 Uhr: Gesellige Zusammenkunft auf dem Bootpiatz. Sonntag den 27. Juli, vormittags 9 Uhr: Beginn der Vorrennen 10 Uhr: Frühschoppen am Bootplatz. Mittags IH1/^ Uhr: Festessen im Festsaale des Gesellscbaftsvereins. Anfang der Regatta: nachmittags 3x/2 Uhr. Nach Beendigung derselben: Preisverteilung am Bootplatz. Abends 9 Uhr: Reunion in den Sälen des Gesellschaftsvereins für aktive und passive Mitglieder und die Inhaber der Passe-partont-Karten. dpp P|ät7Pa 1™ Vorverkauf: I. Platz Mk. 1.50, II. Platz Mk. 0.80. An der Kasse: I. Platz Mk. 2.—, II. Platz Mk. 1 —, Schürz’sche Bleiche 20 Pfg. uül lldUiv, Kinder unter 14 Jahren frei. — Karten im Vorverkauf sind zu haben bei den Herren: Heinrich Hettler, Südanlage; Heinrich Noll, Mäusburg; Daniel Heil Nachf., Lindenplatz. Des* RegaHa-ÄUSSCllUSS. Presse der Plätze für unsere Mitglieder nur im Vorverkauf bei Herrn Emst Challier, Neuen weg 9: I. Platz Mk. 1.—, Beikarte 75 Pfg-, II. Platz gratis, Beikarte 50 Pfg. — Kinder unter 14 Jahren frei. 5246 Der Vorstand der Giessener Ruder-Gesellschaft 1877, e. V. - 58 Os n " — <-t r- 3 3 2.» 3 3 2> te) ZS-& 3,p 3 -i L gi a-& ff" •a s ® 3 5 3 3 3 3 CD o 6)3 8> »C O r a 3 3 iso 40 3 40 ■E Za 2 3 ISO Cfl ISO 3 ba oa tO O LO 05 2 e o R •so 3 CD ®o ° 3 .3 5 3’ 3 D ISO D 2 3 L3 6) CD -8 ff'* iS -»-iS =rs =,3 D 3 CD IM CD 3 3 3' >2 CD 32 D 3 :<ö* =»*a 3 iS Z Ö--R r»a 3 ® 3 £ 3.A CD R er P- D ri ISO e 5' 8 ro «—< V3S< § 3 § 3 3 §» 3.2.0 G»a 3 er 2 3 m 3 2 5 g» --‘3-ra £* -r® 3 £. ÖCD ^ZZ HZ 3 "ff* -D'-tr Scd'^ ^a^- see G)^ff 3 «■ 3 _ o ro 5 3 3^ cr^a 2 3 2 « ö s 3 8§ 2 3 3 o o a§^ » 5 3 ff; 3 D1 ®"§ä (S)3 epff 3 CD 3 o •So o S*H © II ©°§ ISO 1^ ? 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