Mittwoch 2«. März 1903 152 Jahrgang Zweites Blatt. Nr. 72 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Hamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Nntvers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erbend Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchulftratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprechanschlirßNr.51. Bezugspreis: monatlich 7bPf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Witiko: für „Stadt und Land'' und , Gertch tssaa!":R.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. GietzeimAnzeiger w General-Anzeiger w Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Die Heutige Kummer umfaßt 12 Seiten. Politische Tagesschau. Ein Einschreiten des Bundesrates gegen unseren Laudcsherrn, den Großherzog Ernst Ludwig, nichts mehr und nichts weniger, verlangen die extrem konservativen, früher ganz, im Dienste von Friedrichsruh stehenden, also aus etwas an- derer Tonart redigierten „Hamb. Nachr." in ihrer Nr. 70. Zur Begrülrdung wird gesagt, im Eingänge zur Reichsver- fassung heiße es, die Bundesfürsten schlössen einen ewigen Bund zum Schule des Bundesgebietes und des innerhalb desselben gültigen Rechtes sowie zur Pflege der Wohlfahrt des deutschen Volkes, die Sozialdemokraten aber wollten oas innerhalb des Bundesgebietes „gültige Recht" um stoßen u. dgl. m. Auf Grund dieser aus dermaßen lächerlichen Beweisführung kommt das Hamburger Blatt zu beni Schlüsse, das Deutsche Reich müsse dieser „drohenden Vers ozialdemokratisierung eines Bundesstaates unter Patronage des eigenen Bundessürsten vor beuge n." Eine Widerlegung dieses Artikels, der wohl besser zum 1. April erschienen wäre, hieße ihm wahrlich zu viel Ehre anthun. Biilow und Priuetti. Es steht nach einer Berliner Drahtmeldung des „Standard", bie angeblich aus ausgezeichneter Quelle beruht, nunmehr als unumstößlich sicher fest, daß eine Begegnung des deutschen Reichskanzlers Grafen v. Bülow mit Signor Prinetti statthabeu wird. Höchst wahrscheinlich wäre ferner, daß der deutsche Botschafter am Quirinal, Gras Wedel, bei der Zusammenkunft zugegen sein würde, die lange zuvor arrangiert gewesen sei, ehe noch Gras v. Bülow Berlin verlassen habe. Die beiden Staatsmänner werden sich in Merale, in der Nähe des Conro-Sees treffen, wo ein Bruder des deutschen Reichskanzlers sich zur Zeit aushält. Selbstverständlich geschähe die Zusammenkunft nicht aus Gründen der reinen Höflichkeit, oder zur Besprechung von Privatangelegenheiten, vielmehr handle es sich um wichtige politische Fragen. Dazu gehöre vornehmlich die Erneuerung des Dreibundes bezw. um Vorschläge zu derselben. Wenn auch Gras Golouchowski allem Anscheine nach nicht zugegen sein dürfte, so „werde doch sein Geist über den deutschen und italienischen Kollegen, walten und bestimmend auf ihre Besprechungen wirken." Ein Teil dieser Nachricht scheint sich bereits bestätigen zu sollen. Aus Venedig wird wenigstens gemeldet, daß dort der Botschafter Graf Wedel aus Rom emgetrossen ist und dem Reichskanzler Grafen Bülow einen Besuch abge- stattet hat. Vom deutschen Bauernland. Nachdem der Deutsche Landwirtschaftsrat in einer Untersuchung über die geographische Verteilung des deutschen Bauernlandes nachgewiesen hatte, daß je ein Drittel desselben in Ostelbien, Westelbien und Süddeutschland liegt, hat er nunmehr in der kürzlich erschienenen Nr. 3 seiner Zeitschrift die Zahl und Fläche der bäuerlichen Betriebe in den fünf Größenklassen von 2—100 ha für die drei Hauptgebiete des Deutschen Reiches mitgeteilt. Danach beträgt die landwirtschaftliche Fläche der bäuerlichen Betriebe von in den 2—5 ha 5—10 ha 10—20 ha 20—50 ha 50—100 ha Gebietsteilen ha ha ha ha ha Ostelbien. . . Westelbien . . Süddeutschland Deutsches Reich Während 732436 1084169 1624653 2769839 1290408 1261305 1544009 2041162 2791896 1146796 1292243 1605478 1822404 1551496 319402 3285984 4233656 5488219 7113231 2756606 von der Gesamtfläche der Betriebe von 2—10 ha fast 40 pCt. in Süddeutschland liegen, entfällt auf Ostelbien noch nicht 7t dieser Fläche, dagegen liegen von der Fläche der bäuerlichen Betriebe von 20—50 ha fast 40pCt. in Ostelbien und nur etwas über Vs in Süddeutschland, bei der Fläche der Betriebe von 50—100 ha steigt sogar der Prozentsatz für Ostelbien auf 47 pEt. oder fast auf die Hälfte, während er für Süddeutschland auf 12 pEt. oder fast auf Vio sinkt. Ebenso tritt das Ueberwiegen des kleinbäuerlichne Betriebes in Süd deutsch land hervor, wenn man die Zahl der bäuerlichen Betriebe in den 5 Größenklassen betrachtet. Es beträgt verteilt sich hie Gesamtzahl der bäuerlichen von in den Gebietsteilen Ostelbien. . . Westelbien . . Süddeutschland ha 50—100 19667 17564 4893 42124 ha 20—50 91160 93112 55371 239643 ha 10—20 115645 145787 131558 392990 ha 5—10 154475 221062 230277 605814 die Zahl bäuerlichen Betriebe von der ha 2—5 . 227244 . 393572 . 395502 . 1016318 Deutsches Reich Schließlich . , „ , Betriebe in folgender Weise auf die drei Hauptgebiete: Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe 2—100 ha: in im ganzen pCt. Ostelbien . . . 608191 26 Westelbien . . 671097 26 Süddeutschland . 817601 36 Deutsches Reich. 2296889 100 Nach der Gesamtzahl der bäuerlichen Betriebe bleibt demnach Ostelbien hinter Westelbien und Süddeutschland zurück, während es, wie früher gezeigt wurde, an der Fläche des Bauernlandes Süddeuischland noch übertrifft. Parlamentarisches aus Heye«. Gegen den Landtagsabg. Haas-Mainz ist durch Beschluß des Landgerichts der Provinz Rheinhessen auf Grund Strafantrags des preußischen Kriegsministers das Hauptverfahren unter der Beschuldigung eröffnet worden, daß er am 14. Januar 1901 Mitglieder der bewaffneten Macht in Beziehung auf ihren Beruf öffentlich beleidigt habe. Ter Abg. Haas hat, nach-- dem ihm Ladung zur Hauptverhandlung auf den 27. September v. I. rechtzeitig zugestellt worden war, in einer Eingabe an die Staatsanwaltschaft Mainz unter Berufung auf den Artikel 84 der Verfassungsurkunde, in seiner Eigenschaft als Mitglied der zweiten Ständekammer die Erklärung abgegeben, daß er der Vorladung zur Hauptverhandlung nicht Folge leisten könne. Die Staatsanwaltschaft hat hierauf Aussetzung des Termines beantragt, worauf neuer Termin zur Hauptverhandlung auf den 20. November bestimmt wurde. Der Angeklagte blieb auch in diesem Termine aus. Der von der Staatsanwaltschaft beantragte Erlaß eines Vorführungsbefehls wurde von der Strafkammer mit der Begründung abgelehnt, daß das Ausbleiben des Angeklagten, der Mitglied der zweiten Kammer der Landstände sei, als genügend entschuldigt anzusehen sei. Aus erneuten Antrag der Staatsanwaltschaft wurde demnächst für die im Termin vom 20. November auf unbestimmte Zeit vertagte Hauptverhandlung neuer Termin auf den 30. Dezember bestimmt, zu dem der Angeklagte abermals nicht erschien. Die Staatsanwaltschaft beantragte nunmehr und erwirkte Vorführungsbefehl der Strafkammer für den auf den 18. April d. I. neu festgesetzten Termin. Da die Vollstreckung dieses Befehls seitens des Gerichts von der vorherigen Genehmigung der zweiten Kammer abhängig gemacht worden ist, hat die Staatsanwaltschaft Mainz die Vermittelung des Staatsministeriums wegen Erwirkung dieser Genehmigung in Anspruch genommen. Das Staatsministerium ersucht um eine Beschlußfassung der Kammer darüber, ob diese zu den gegen den Abg. Haas in Aussicht stehenden Maßnahmen ihre Einwilligung gieöt. Dazu äußert sich nun der zweite Ausschuß folgendermaßen, und man wrrd ihm völlig beistimmen: Nach Artikel 84 der hessischen Der- fassungsurkunde sind die Mitglieder des Landtages während der Dauer desselben keiner Art von Arrest, als mit Einwilligung der Kammer, zu welcher sie gehören, unterworfen. Durch die deutsche Strafprozeßordnung würde, da Reichsgesetze den Laudesgesetzen vorgehen, dieser Artikel 84 aufgehoben seien, wenn nicht § 6 des Einsührungsgesetzes zur Strafprozeß-Ordnung verordnet hätte, daß die landesgesetzlichen Vorschriften über die Voraussetzungen, unter welchen gegen Mitglieder einer gesetzgebenden Versammlung während der Dauer einer Sitzungsperiode eine Strafverfolgung eingeleitet oder festgesetzt werden kann, von den Vorschriften der Strafprozeßordnung unberührt bleiben. Tie alte Streitfrage, ob unter der Fortsetzung der Strafverfolgung auch die Strafvollstreckung zu verstehen sei, kommt hier nicht in Betracht, da es sich im gegebenen Falle um eine laufende Untersuchung handelt. Für die Verhaftung des Angeklagten zu Zwecken dieser Untersuchung ist zweifellos die Genehmigung der Kammer nötig. Der Ausschuß ist aber einstimmig der Meinung, daß diese Genehm i.gung nicht zu erteilen sei. Der Landtag ist Vom Panslavismus. Von den panslavistischen Bestrebungen ist es in letzter Zeit stiller geworden. Ob die Bewegung im nationalen Sinne an Zugkraft eingebüßt hat, läßt sich aus der Ferne nicht 'beurteilen. Eine schwer zu übersteigende, wenn nicht unüberwindliche Schranke aber scheint den Slawisierungs- versuchen gesetzt zu sein durch die wirtschaftlichen Zustände in den Balkanstaaten. Allen Bemühungen russischer Bankagenten und Handlungsreisenden, dort festen Fuß zu fassen, den österreichischen Einfluß in der Geschäftswelt, die westeuropäischen Fabrikate usw. zu verdrängen, war der Erfolg, in dem erhofften Umfang jedenfalls, versagt. Das hat seinen Grund darin, daß die Mehrzahl der Kunden in Bulgarien, Serbien, Rumänien langfristige Kredite beanspruchen, die von den russischen Geschäftsleuten nicht gewähr werden, weil deren „Finanzdecke" ziemlich kurz ist. Non wll weniger sind von dieser Seite bare Vorschüsse zu erwarten. Infolgedessen geht die sla- vische Brüderschaft bald in die Brüche. Tas hat sich vor einiger Zeit in Bulgarien gezeigt, als die Filiale der russischen Handelsbank in Sofia liquidierte; das ist die eigentliche Ursache, weshalb in Rumänien der Panslavis- mus trotz eifriger Agitationsarbeit des in Bukarest erscheinenden russischen Wochenblatts, keine merklichen Fortschritte erzielt; das hat schließlich die Serben zu dem Anerbieten an iranzösische und belgische Kapitalisten veranlaßt, der Erlangung von Bergbau-Konzessionen, der Gründung industrieller Unternehmungen, geschäftlicher Agenturen usw. in Serbien näher zu treten. Es ist übrigens soeben in Belgrad, wie dort in „zuständigen Kreisen verlautet" (!), die heiß ersehnte amtliche Petersburger Mitteilung eingetrofsen, daß das Zarenpaar den König Alexander und Frau Draga voraussichtlich im Juli in Livadia empfangen werde. Auf deu ersten Blick ein Erfolg Serbiens, denn die Einladung war aus bekannten Gründen sehr zweifelhaft geworden. Aber eben weil starke Hindernisse Vorlagen, wird man von Belgrad aus zur Herbeiführung dieser Visite mit Bereitwilligkeit auf Rußlands politische Wunsche, speziell in der Thron- folgesrage, eingegangen sein. Also ein Erfolg Rußlands, das sich mit der Einladung revanchiert. Die Gegenleistung hat den Vorzug, kostbar zu erscheinen und wenig zu kosten. Tiesmal braucht der Rubel nicht zu rollen. zur Zeit noch inmitten seiner Sitzungsperiode. Auch der Termin vom 18. April fällt noch in diese Periode, und.es sind besondere Gründe nicht angegeben für eine Ausnahme von der Regel, daß während der Dauer der Sitzungsperiode der Abgeordnete vor der Verhaftung beschützt werden soll. Daher beantragt der Ausschuß, die Kammer wolle die nachgesuchte Einwilligung zu den gegen den A b g. H a a s (M a i n z) in Aussicht stehenden Maßnahmen nicht erteilen. Der von uns mitgeteilten Regierungsvorlage betreffend den Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Gesetzes, die Ausführung der deutschen Strafprozeßordnung betr., vom 9. Juni 1879, stimmt der zweite Ausschuß der Zweiten Kammer vollkommen zu und wünscht den Eintritt der 2ßtr^ samkeit dieser Aenderung bereitspom 1. April d. I. ab. Deutsches Reich. Berlin, 25. März. Ter Kaiser sprach heute bei der österreichisch-ungarischen Botschaft vor, um persönlich seiner Teilnahme an dem Hinscheiden Koloman Tiszas Ausdruck zu geben. Später hatte der Kaiser eine Unterredung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen unb hörte dann die Vorträge des Chefs b-es Militärkabinetts, des Admiralstabes der Marine und des Marinekabinetts, sowie des Präsidenten des Reichsmilitärgerichts. » — Wie man an hiesiger maßgebender Stelle erfährt, ist bis jetzt als sicher anzuuehmen, daß Kaiser Wilhelm sich im Laufe dieses Jahres als Erwiderung des letzten Zaren besuch es in Deutschland nach Rußland begeben wird. Uebcr den Termin der Reise sowie die Dauer derselben ist bisher noch nichts Bestimmtes festgesetzt worden. Durch die Blätter wurde die Nachricht verbreitet, daß Prinz Heinrich von Preußen sowie Feldmarschall'Graf Wald er fee bestimmt seien, an der Spitze der deutschen Abgesandtschaft in London anläßlich der Krönung des englischen Königs zu erscheinen. Nach Mitteilungen von beftunterrichteter Seite ist diese Nachricht als zum mindesten verfrüht zu betrachten. Eine Bestimmung über die Zusammensetzung der Delegation ist bisher noch nicht ergangen. doch dürste der Bruder des Kaisers wahrscheinlich mit der Sendung betraut werden. — Ter Reafnungsrat Steinbach, der im Prozeß wegen der angeblichen Duell-Aeußerungen des Kaisers zu 350 Mark Geldstrafe verurteilt wurde, hat nach einer Unterredung mit seinem Vorgesetzten, dem Präsidenten der Oberrechnungskammer, vor den er geladen war, sein P e n s i o n s g e s u a) eingereicht. — Eine neue Abteilung des Kriegsministeriums wird am 1. April unter der Bezeichnung „Uebungsplatz-Abteilung" eingerichtet, die ^um Armee-Verwaltungsdepartement gehören soll. Ihre Thätig- keit soll sich auf Beschaffung, Unterhaltung und Bewirtschaftung der Trrchpen-Uebungsplätze re. erstrecken. — An Hiesiger wohlunterrichteter Stelle ist von einem internationalen Schriften wechsel über die ost- asiatischen Zweibuude nichts bekannt. Man sieht hier auch feinen Gru nd zu einer pessimistischen Auffassung der Lage in China. — Aus die vom Vorstande des Deutschen Fleischer - Verbandes an den Kaiser gerichtete Immediateingabe wegen Abänderung der Verordnung vom 27. März 1899 über die Hauptmängel und Gewährsristen beim V i e h h a n d e l ist die Antwort ergangen, daß die in der Eingabe berührten Punkte bei den Beobachtungen, welchck sich auf die praktische Anwendung der Verordnung beziehen, Berücksichtigung sindeu werden. Krefeld, 25. März. Aus Anlaß des heutigen Jahrestages der 2 00jährigen Zugehörigkeit zur Krone Preußens ist die Stadt reich beflaggt. Mittags fand eine Sitzung des Stadtverordnetenkollegiums statt, in der Oberbürgermeister Geh. Regierungsrat Kueper Die Festrede hielt. Nach derselben wurde ein Telegramm an den Kaiser gesandt. Neustadt a. d. Hardt, 25. März. In dem Dorfe Ellerstadt entwickelte im Auftrage des Bundes der Landwirte ein Redner aus Frankfurt a. M. die Wünsche des Bundes, worauf der natiouallib. ReichstagSabg. Fitz für eine gemäßigte Schutzzollpolitik und für den Zolltarifentwurf eintrat. Eine von ihm vorgeschlagene und von der Bundesversammlung einstimmig angenommene Resolution lautet: Tie vom Bunde der Landwirte einberufene Versammlung kann die in der Eingabe des Gesamroorstandes des Bundes an den Reichstag gestellten Mindestforderungen, wie die Forderung: „Altes oder nichts, event. Uebergang zum reinen Freihandel" nicht billigen. Die Versammlung richtet an ihren Abg. Tr. Deinhard die Bitte, die Forderungen des Buitdes im Interesse der Landwirtschaft aus das allereurschiedenste zu bekämpfen. Ausland. London, 25. März. Unterhaus. John Redmond kündigt an, er werde bdi der ersten passenden Gelegenheit die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Vorgänge bei der Ausschließung Dillons von den Sitzungen lenken und eine Resolution beantragen, in der erklärt wird, daß der Sprecher Chamberlain hätte auf fordern müssen, die Aeußerung, „Sie sind ein guter Richter über Verräter", zurückzunehmen. Haag, 25. März. Amtlich wird mitgeteilt, der Gesundheitszustand der Königin ist zur Zeit zufriedenstellend, indessen ist der Leibarzt der Meinung, daß im Interesse der Gesundheit der Königin große Atest rengun gen vermieden werden müssen. Die Königin mußt« zu ihrem großen Bedauern sich entschließen. dieses Jahr den alljährlichem Besuch in Amsterdam aufzugeben. Paris, 25. März. Große Aufregung herrscht in nationalistischen Kreisen, weil der Erfinder des Unterseebootes, Gaubex, sein System an England verkaufen will. Der Erfinder beklagt sich, daß, das französische Marineamt sich energisch weigert, mit ihm zu unterhandeln. Die Engländer wollen ihm 22 Unterseeboote in Auftrag geben und ihm eine Anzahlung von 100 000 Francs leisten und ein Jahresgehalt von 4500 Francs geben zur Beaufsichtigung der Ausführung. Man glaubt, der Erfinder tnerbe diese Offerte annehmen. — In der Kammer bemerkte Minister Delcasse, daß die französisch-russische Erklärung die mehr oder weniger bestimmte Zustimmung der Mächte und den vollkommenen Ausdruck des Vertrauens seitens aller Mächte erlangte. Algier, 25. März. In Berriay fand zwischen Gefangenen und Eingeborenen ein blutiger Kampf statt. Die Gefangenen griffen die Araber an und töteten eine Frau und verwundeten acht Araber schwer. Peking, 25. März. (Reuter.) Wie aus einem heute veröffentlichten Edikt hervorgeht, ist im Süden der Provinz Honan em Aufstand ausgebrochen. 14 eingeborene Christen wurd en ermordet. Der Gouverneur der Provinz erklärt, daß der Aufstand durch die Steuererheb- ungen für die Entschädigungssumme verursacht worden sei. Heber d»e FrredenSausfichterr. Im englischen Unterhause erklärte am Dienstag der erste Lord des Schatzes Balfour, die Regierung habe keine weiteren Nachrichten hinsichtlich der aus Südafrika gemeldeten Verhandlungen. Dagegen liegt eine Privatmeldung aus London vor, die folgendes besagt: Die Militärbehörde erklärt, daß keinerlei Waffenstillstand mit den Buren geschlossen wurde. Man nimmt an, daß der Schritt der Transvaal-Regierung eine Folge der von Lord Landsdowne ihr durch Kitchener übermittelten Korrespondenz zwischen der britischen und der holländischen Regierung ist. Von Krvnstad wird die Transvaal- Exekutive unter sicherem Geleit zur Oranje-Freistaat-Exeku- tive gehen. Nach den letzten Nachrichten befindet sich diese in Hoopstad, etwa 80 englische Meilen südwestlich von Kron- stad. Die englischen Blätter drücken die Besorgnis aus, daß Steijn sich unversöhnlich zeigen werde, und erklären, daß jegliche Angebote der Buren die vorherige Aufgabe chrer Unabhängigkeit und die Anerkennung der Einverleibung der Burenstaaten in das britische Reich zur cdtv= ditio sine qua non haben müßte. Reuters Bureau meldet unter dem 23. März aus Wolvekoel: Mit Lord Kitcheners Erlaubnis haben Schalk Burger, Lukas Mayer, Reitz, Jacoby, Keogh und Vander- velde, welche die Regierung Transvaals bilden, mittels Sonderzuges von Balmoral aus die Reise nach der Oranjekolonie angetreten. Sie verließen Balmoral am 22. März, brachten die Nacht in Viljoen-Drift zu und setzten in Begleitung von 6 britischen Staabsofsizieren am 23. März vormittags die Reise nach Kroonstad fort. Es geht das Gerücht, die B u r e n d e l e g i e r te n seien für allgemeine Uebergabe, um dem Kriege ein Ende zu machen. Das „B. T." meldet aus London: Kommen die Vertreter der Buren-Republiken zu einem bejahenden Entschluß, so werden die Vorschläge vermutlich aus Grund der von Louis Botha in Middelburg gemachten Vorschläge erfolgen. Weigern sich Dewet und Steijn, in Friedensverhandlungen einzutreten, so werden die Feindseligkeiten fortgesetzt werden. Das Resultat der Konferenz wird kaum vor einigen Tagen bekannt werden. Es erscheint angezeigt, wieder einmal auf den Faktor hinzuweisen, der bei Betrachtung der Dinge in Südafrika stets beachtet werden muß und gegenwärtig vielleicht eine besondere Rolle spielt: auf die K r i e g s ko st e n r e ch n u n g der Engländer. Sie stellt sich einschließlich der für das Budgetjahr 1902/03 bewilligten Summen auf 3 7 6 0 Millionen Mark, wobei freilich zu berücksichtigen ist, daß die Zinsen für die verschiedenen Kriegsanleihen — insgesamt gegen 200 Millionen Mark — hinzuzurechnen sind, und der Voranschlag des Kriegsministers nur neun Monate des laufenden Fiskaljahres umfaßt. Mr. Brod- rick ließ sich offenbar von der optimistischen Erwägung leiten, daß der Krieg bis dahin zu Ende sein würde. Der Burenführer Delarey hat ihn inzwischen eines Anderen belehrt, d. h. ihm durch seinen glänzenden Sieg über Me- t'huen vor Augen geführt, daß die Forderung von Nach- tragskrediteu auch in bicjcin Jahre sich kaum wird umgehen lassen. Die Notwendigkeit, eine neue Milliarde Mark — die fünfte! — für Südafrika flüssig zu machen, erscheint also im bedrohliche Nähe gerückt. Vielleicht hat nicht zuletzt dieser Umstand König Eduard zu dem Versuch angeregt, den Abschluß der Feindseligkeiten auf gütlichem Wege herbeizuführen. Sein Vertrauensmann, Lord Wol- seley, trifft noch zeitig genug im Hauptquartier Kitcheners ein, um eventuell auf die Verhandlungen mit den leitenden Buren im Sinne des Königs einzuwirken. Daß die Initiative zur neuesten Friedensaktion von englischer Seite ausgegangen ist, unterliegt keinem Zweifel. Es wird wohl aus Pretoria gemeldet, oaß in den holländischen Kirchen auf Ersuchen dec Burendelegierten der nächste Sonntag als Bettag für die Wiederherstellung des Friedens gehalten werden soll. Aber aus Brüsseler Buren- kreisen wird mitgeteilt, daß von ihnen aus keine Anstalten zur Einleitung von Friedensverhandlungen gemacht worden seien. Das „Echo de Paris" meldet aus London, über die vom König Eduard gegenüber dem Kriege eingenommene Haltung folgendes: Während eines Empfanges, der unlängst stattfand, erklärte der König im Verlauf einer Unterredung über den Krieg, man habe genug an einem Irland. Doch es wird wohl wieder nichts aus allem Hinundher. Tie ganze Sache steht auf dem alten Fleck, der bisher jede Verständigung unmöglich machte. Tie Engländer wollen das Land der Buren haben, und die Buren wollen es nicht aufgeben. Und so wird denn das Ende vom langen Kriegs- liede immer wieder der neue Anfang sein, wie beim Lied vom Trulala: Und wer das Lied nicht weiter kann. Der fängt es wieder von vorne an. Aus MM imö Kauö. Gießen, 25. März 1902. ** Militärdieastaachrichten. Der Vizefeldwebel Spreng el (Friedberg) wurde zum Leutnant der Res. des Jnf.-Regts Kaiser Wilhelm (2. Großy. Hess.) Nr. 116 befördert, den Abschied bewilligt dem Oberarzt der Landw. 2. Aufgebots Prof. Dr. Leutert (Gießen); vom 1. April ab auf ein ferneres Jahr zur D^yrrstleistung beim Großen Gsneralstab kommandiert Oberleutnant Joachim im 6. Großh. Jnf.- Negt. Nr. 168; in das 2. Rhein. Feld-Art.-Reg. Nr. 23 versetzt der Hauptmann und Batteriechef im 1. Großh. Feld- Art.-Regt. Nr. 25 v. Selasinsky, als charakterisierter Fähnrich zugeteilt dem 5. Großh. Jnf.-Regt. Nr. 168 Kadett Fitz au, in das 5. Großh. Jnf.-Regt. Nr. 168 versetzt Leutnant Pyhrr im Füs.-Regt.General-Feldmarschall Graf Moltke (Schles.) Nr. 38. ** Eisenbahndienstnachrichten. Bauinspektor Stieler in Darmstadt wurde mit Wirkung vom 1. April ab zum Vorstand der Maschineninspektion Darmstadt und Eisenbahndirektor O nein er, jetziger Vorstand der Maschineninspektion Darmstadt, zum Vorstand der Werkstätten-Jnspektion Darmstadt ernannt. h. Pferdemarkt und -Lotterie. Am 3. April wird auf oen hierfür vorgesehenen städtischen Marktanlagen an der Rodheimerstraße der FrühjahrspferdLmarkt stattfinden. Den Wünschen der Pferdemarkt-Kommisfion entsprechend, hat das Großh. Ministerium des Innern genehmigt, daß alljährlich zwei Pferdemärkte (Frühjahr und Herbst), verbunden mit je einer Verlosung, avgehalten werden — In diesem Jahre wird der Pferdemarkt und auch die Lotterie sich für die Teilnehmer und das Publikum in wesentlich anderer, verbesserter Form präsentieren. Tie Kommission hat zur weiteren Hebung der seitherigen Einrichtung beschlossen, außer den zum Markt gebrachten Pferden auch Pferde, die im Privatbe sitz befindlich sind, vorführen und durch Ehrenpreise, bestehend in Wertgegenständen, prämiieren zu lassen. Die betreffenden Pferde bezw. Gespanne, sowohl Ärbeits- wie Luxuspserde, können vorgeritten, ein- oder zweispännig vorgefahren oder vorgeführt werden; dieselben müssen vor dem 1. April bei Oekonomierat Sch lenke hier angemeldet und am Tage der Prämiierung gegen 11 Uhr vormittags vorgeführt werden. — Zur Verlosung kommen ein kompletter Viersitzer- Magen (vis-a-vis) nebst Pferd und silberplattiertem Geschirr, sowie 9 Pferde und Fohlen, landwirtschaftliche Geräte, landwirtschaftliche Maschinen, Haushaltungs- und Luxusgegenstände; die Gewinne, mit Ausnahme der lebenden, sind in hiesigen Geschäften bereits angekauft, und die Nachfrage nach Losen ist erfreulicherweise recht groß, sodaß weitaus der größte Teil bereits vergriffen sein dürfte. — Eine weitere Neuerung dürfte den Beifall des Publikums finden, indem bereits um 12i/2 Uhr mittags sämtliche prämiierte und zur Verlosung angelauften Pferde auf dem Markt bezw. Prämiierungsplatz dem Publikum vorgeführt werden. fl Londorf, 25. März. In dem dem Maurermeister Teib el-Lollar gehörigen Steinbruch bei Londorf ereignete sich heute ein scyrecklicher Unglücksfall. Ein Steinschuß mit Dynamit hatte versagt, und man mußte eine Nachbohrung machen. Tas geschieht so, daß ein Arbeiter den Eisenstav dreht, während der andere daraufhaut. Dabei entzündete sich, *(ie im Stein schon liegende Masse, und der Steinhauer Karl Wißner aus Kesselbach wurde am Kopfe schwer verletzt. Das eine Auge flog geradezu aus dem Kopfe heraus, auch auf dem anderen soll er geblendet sein. Der Unglückliche wurde sofort in die Klinik nach Gießen gebracht. Der Fall ist umso bedauerlicher, da der Verletzte Vater von sieben Kindern ist und noch dazu in ärmlichen Verhältnissen lebt. Der andere Arbeiter kam mit leichteren Verletzungen an den Händen davon. — Ein Bäcker hat hier einen «Zwitter aufgezogen, der halb Hahn und halb Henne ist. Das Tier ist seiner eigentlichen Gestalt nach eine Henne. Tocy ist sein Kops mit dem großen Fleischkamme eines Hahnes geziert, und seine Hals- sedern glanzen metallisch; das Tier kräht aber weder, noch legt es Eier. (Wie uns von sachverständiger Seite mit- geteilt wird, gehören solche Mißbildungen 6-ei Hühnern nicht gerade zu den Seltenheiten, doch pflegen die Sinnen int. Gegensätze zu der oben geschilderten Art sonst sich nicht weiter von ihren Stammesschwestern zu unterscheiden. Tie Red.) Butzbach, 24. März. Wegen hohen Alters legte Apotheker H. Vogt sein Amt als Direltor des Mathildenstifts Butzbach nieder. An seine Stelle wurde G. Muller und als dessen Stellvertreter G. Vogt gewählt. Ulrichstein, 25. März. Zu unserer Notiz in Nr. 67, wonach das Justizministerium gegen einen Amtsrichter ein Verfahren wegen unfreiwilliger Versetzung in den Ruhestand eingeleitet hat, wird weiter mitgeteilt, daß es sich um den Amtsrichter Eckstein handelt, der aus seinem Prozeß gegen den Fiskus siegreich hervorging. Das Verfahren wurde in Gemäßheit des Art. 64 des Richtergesetzes und der dort angezogenen Bestimmungen dec Gesetze vom 30. April 1875 und 27. November 1874 eingelcitet. Nur wegen dauernder Dienstunfähigkeit infolge geistiger oder körperlicher Gebrechen kann durch einen Plenarbeschluß des Oberlandesgerichts, wenn zwei Drittel der anwesenden Räte sich für die Versetzung in den Ruhestand ausgesprochen haben, diese durch das Ministerium herbeigeführt werden. § Vom höheren Vogelsberg, 25. März. Wenn auch schon manches für den höheren Vogelsberg geschehen ist, so bleibt doch noch vieles zu wünschen übrig — man denke nur an die Plazierung der Aerzte. Während in einem Bezirke mehr als genug wohnen, fehlen sie an anderen Orten wieder. In Schotten sind z. B. 3, in Ulrichstein 2 und in dem nur eine Wegstunde von dort entfernten Bobenhausen 1; dagegen gibt es in Gedern z. Zt. nur 1 Arzt, der außerdem noch die Stelle eines Kreis-Assistenz-Arztes bekleidet. Bis zum Juni v. Js. waren dort zwei praktische Aerzte. Der Bezirk Gedern ist ziemlich groß und erstreckt sich auf drei Stunden Umkreis. Man nehme an, ein Geburtsfall in Wenings erfordere ärztliche Hilfe undderArzt befindet sich indem abgelegensten Dorfe Sichenhausen ober Volkartshain. Wie lange würde es dauern, ehe ec Wenings erreichen würde! Ueberdies fehlt den meisten Dörfern telephonische Verbindung. Dazu kommt noch die Unwegsamkeit der Straßen bei hohem Schnee! Es wäre sehr angebracht, wenn hier Wandel zum Besseren geschaffen würde. — Seit heute Nacht ist das Gebirge wieder mit einer leichten Schneedecke überzogen. Darmstadt, 24. März. Der Großherzog unterzeichnete am 22. d. die Konzessionsurkunde für die Bahn B u tz- b a ch — Lich. Darmstadt, 24. März. Der Großherzog empfing gestern den Grafen von Stolberg-Wernigerode, der auch zur Frühstückstafel zugezogen wurde. Um 3 Uhr unternahm der Großherzog eine Spazierfahrt nach Wolfsgarten und folgte abends einer Einladung des preußischen Gesandten Prinzen zu Hohenlohe-Oebringen zum Souper. — Die Prirrzesfin Ludwig vom B attcn bi?rg wird dem Vernehmen nach gegen Ende des Aprils mit ihren Kindern au§ Malta in Schloß Heiligenberg eintreffem — Mit dem Wieder- aufbau des vom Marienplatz nach dem nördlichen Teile des Herrngartens zu versetzenden Veteranen-Denkmals ist an diesem Orte begonnen worden. In sehr einfachem Akte, dem Obersthofmarschall v. Westerweller und der funktionierende Generaladjutant v. Wachter beiwohnten, wurde gestern Vormittag die Urkunde neu verlötet und in den Grundstein eingefügt. 8. Darmstadt, 25. März. Ein acht Jahre hier ansässig gewesener früherer Zigarrenhändler, welcher sich hauptsächlich durch Lose und Geldgeschäfte verschiedener Art in dieser Zeck ein Vermögen von über 200000 Mark erworben hat und jetzt in Wiesbaden ansässig ist, ist wegen Uebervorteilung, Wuchers rc. angeklagt, da er kleinen Handwerkern eine gewisse Summe lieh, sich aber einen viel höheren Betrag unterschreiben ließ. Er wurde in Wiesbaden verhaftet und in das hiesige Gefängnis eingeliefert. Bingen, 25. März. In der heutigen Siadt-Ver- o r d n e ten s i tz u n g kam die gestrige P u l v c r*-Ex p l o - sion äur Sprache, und führte infolge der schon an die Stadt gestellten Schadenersatzansprüche zu sehr erregten Debatten. Bürgermeister Neff leihe mit, daß die thatchchlich ganz bedeutend geschädigten Hausbesitzer an der Mainzerstraße, Beck und Seligmann Simon, die Stadt für den Schaden verantwortlich machren. Das massive aus Bruchsteinen erbaute Haus des Beck besonders ist in seinen Grundfesten erschüttert, keine Thür schließt mehr, soweit überhaupt noch Thüren vorhanden sind. Herr Seligmann Simon bat um Ernennung eines Experten, welcher den Schaden feststellen solle, ebenso bat er um eine Nachtwache zur Bewachung seines Hauses. Die Nachtwache wurde für den ganzen geschädigten Bezirk gestern schon gestellt. Der j u r i st i s ch e Beirat der Stadt erklärte, daß die Stadt für Den Schaden nicht verantwortlich gemacht werden könne und demgemäß wurden die Ansprüche abgelehnt. Den beiden Sperren dürften sich die andern Geschädigten anschließen, so daß für Die Stadt Bingen ein R i e s e n p r o ze ß in Aussicht steht. Durch be- hördliche Besichtigung wurde festgestellt, daß eine Selbstentzündung vollständig ausgeschlossen ist. — Von den Urhebern Der Explosion hat man bis jetzt noch, keine Spur. Seit dem 13. März ist die Bretz u. Huff'sche Pulverniederlage nicht mehr betreten worden. Es ist deshalb unmöglich, daß das Unglück durch Unvorsichtigkeit entstanden ist. Da es ferner Thatsache ist, daß bei Pulver eine Selbstentzündung nicht eintreten, seine Explosion vielmehr nur durch unmittelbar damit in Berührung kommendes Feuer geschehen kann, besteht kein Zweifel, daß hier ein Akt tierischer Bosheit vor liegt. Wo der oder diq Urheber zu suchen sind, ist ziemlich klar, wenn man bedenkt, daß unsere Gegend augenblicklich von Gesindel wimmelt, das mit dem Anlegen einer Zündschnur gerade so gut unv- zugehen weiß, wie mit Dolch und Revolver. Ein Bewohner der Mainzer Straße, der gleich nach der Explosion aus Dem Fenster sah, hat einen Vorübergehenden gefragt, was denn geschehen sei, woraus er in fremdländischem Tonfall ine Antwort erhielt: „Da oben in die Wingert hat es gebumst." Ter Inhaber einer nicht weit von der Unglücksstelle gelegenen Weinkellerei hörte kurz vor Eintritt des Ereignisses, daß sein Hofhund außergewöhnlich laut bellte und unruhig war, sodaß er aufstehen und den Hund zur btuhe bringen mußte. Tas sind die einzigen Anhaltspuiikte, die man hat. — Mas das zweite Pulveryäuschen anbetrifft, in dem &. Z. ca. 25 Zentner Spreng- und Jagdpulver Lagern, so hat sich bei genauer Untersuchung herausgestellt, daß keine Verletzung nachzuweisen ist; nur die mit Eisenblech beschlagene äußere Thür — eine zweite eiserne Thür liegt dahinter im Abstande von ca. 40 Ctm. — war am Boden schadhaft, ob infolge von Gewalt, Witterung oder Länge der Zeit, ist nicht ganz klar. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten« Die Schnell'sche Buntpapierfabrik in Kassel wurde durch ein schnell um sich greifendes Feuer größtenteils zerstört. Vermischtes. • Theaterbrände, lieber dem Stadttheater zu Barmen scheint ein tragisches Geschick zu schweben. Im November 1875 wurde das Theatergebäude durch eine große Feuersbrunst, bei der drei Personen ihr Leben einbüßten, völlig zerstört. Nun ist, wie wir bereits gestern kurz meldeten, das damals neu aufgebaute Gebäude durch einen Brand in einen Trümmerhaufen verwandelt worden. Offenbar hatte das Feuer schon längere Zeit im Innern des Theaters gewütet, ehe es bemerkt wurde, denn als gegen 1 Uhr eine heftige Detonation gehört wurde und ein Teil des Daches in die Luft flog, flieg auch gleich eine mächtige Feuersäule zum Himmel auf. Die Feuerwehr war pünktlich zur Stelle, mußte sich aber in der Hauptsache auf den Schutz der Nachbar- gebäube beschränken, da die Flammen im Innern des Gebäudes, vermutlich durch den starken Südwestwind angefacht, immer gewaltiger um sich griffen. • Aus dem brennenden Gebäude konnten nur die wertvolle Bibliothek und der Geldschrank gerettet werden. Das dem Theater gegenüberliegende Restaurant „Germania" fing ebenfalls Feuer, ja, die Flammen setzten das Dach eines Hauses in der Viktorstraße, die zehn Minuten von der Brandstelle entfernt ist, in Brand. In dem Theater stürzte inzwischen ein Rang nach dem andern ein. Von dem Gebäude stehen jetzt nur noch die Umfassungsmauern, die Frontseite mit dem Foyer und zwei Läden ist zwar vom Feuer verschont geblieben, aber so durch das Wasser zerstört, daß sie jeden Augenblick zusammenbrechen muß. Leider ist bei den Löscharbeiten ein Unfall vorgekommen. Ein niederstürzender Schornstein zerriß den Draht der elektrischen Straßenbahn und brachte mehreren Personen Verletzungen bei. Das Theater war mit 430 200 Mk. versichert, da aber verschiedene Neuanschaffungen noch rächt nachversichert waren, trifft den Thecüeroerein ein empfindlicher Schaden. Auch ist mehreren Künstlern die ganze Garderobe verbrannt. — Aus Sidney wird einem Londoner Blatte vom 23. März gemeldet: Her Majestys Theatre wurde am Sonntag durch Feuer zerstört. Die englische Gesellschaft von Mr. Williamson, die in diesem Theater „Ben Hur" aufführte, ist ständig vom Unglück verfolgt worden. Das Theater mußte schon zweimal auf einige Zeit wegen der Pest geschlossen worden, und jetzt, wo das Stück auf der Höhe der Beliebtheit steht, kam das Feuer dazwischen. Man glaubt, daß das Verbrennen von Desinfektionsmitteln nach dem Weggehen des Publikums die Ursache des Feuers ist. „Ben Hur" war die theuerste Aufführung, die man je in Austra- Kon- die die Abendmahl. Ju der Johauuestirche. 3% Hessen der Tendenz: lustlos. aus freitag brn 4. April 1902,1 24/262 — 1900 qm Acker am®tein- braunen, am Leihgestern« gestern« Weg, 28/17 — 850 qm Acker am Alten- ieü) auf das Bruch, Acker daselbst, im der 28/31 — 487 Acker daselb Acker daselb 28/18 — 856 28/22 — 875 28/23 — 875 28/30 — 513 qm qm qm qm 26.55 88.60 112.00 l, k Gemarkung Gießeu. — 6106 qm Wiese an alten Leimenkaute, . 219.60 . 194.50 . 189.75 . 138.90 . 157.30 . 144.60 . 17.70 . 168.00 . 202.75 . 198.00 . 167.00 8% Mexikaner . . 4V2V0 Chinesen Electric. Sohuckert . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien , . . Diskonto-Kommandit, Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . . < Gotthardbahn . . , Laurabütte . . . Bochum . ... Harpen er . . . Flur 3/20 3/21 3/80 — 24Oo qnr Acker auf den Wartweg, 3Vr°/° 3n,0 hV.% 3% 3‘/2o/o — 1256 qm Wiese daselbst, — 1962 qm Acker am Krof- Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Konfirmation der Kinder aus derJohannesgemeindc; Anschluß daran Feier des heil. Abendmahls. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Euler. Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus derLukas- Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Gründonnerstag den 2 7. März. Gottesdienst. Ju der Stadtkirche. Gemarkungerr Gießen und Wieseck unter den bei der Versteigerung befannt zu gebenden Bedingungen öffentlich meistbietend freiwillig versteigert werden. Es sind dies: 68,8 > 41/201 — 4886 qm Acker am Rain hinter der Warte, Abends 6 Uhr: Professor D. Drews. Im Anschluß daran: Entlassung der konfirmierten Chor- schüler. Pfarrer Schlosser. Am nächsten Sonntag den 6. April findet die Konfirmation der Kinder aus der Alarkus-und Militärgememde statt. Tie Beichte zu der mit der Konfirmation verbundenen Abendmahlsfeier findet SamStag den 5. April, nachmittags 2 Uhr, statt. In der Johanueskirche. In der Johauneskirchc. Vormittags 9>/, Uhr: Vorstellung und Prüfung der Kon- firnranüen aus der Johannesgemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Abends 8 Uhr Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und die Johannesgemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Karfreitag den 2% März. Ju der Stadtkirche. Vormittags 91/, Uhr: Professor u. Drews. Beichte und hell. Abendmahl für Matthäus- und Markus- gemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Vormittags 11V, Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgcmeinde. Pfarrer Schlosser. Abends 6 Uhr: Lllurgischer Gottesdienst. Pfarrer Schlosser. Ju der Johauneskirchc. Vormittags 9’/2 Uhr: Pfarrer Euler. Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und die Johannesgemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Nachmittags 5 Uhr: Beichte. Pfarrer Dr. N a u m a n n. 2. O st e r f e i e r t a g den 31. M ä r z. Ju der Stadtkirche. Vormittags 91/, Uhr: Konfirmation der Kinder aus 42/80 und — 813 qm 1 91rf 81„ — 3281 qm / über dem Schäferbrunnen. Gemarkung Wieseck. 21/7 — 1981 qm Wiese im Taubenanger, 21/65 — 2125 qm Wiese in d« Speck am Taubenanger, 21/68 — 15925 qm Wiese daselbst; 22/15 — 1869 pm Wiese am Hammweg. Gießen, den 25. März 1902. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. 2497 4°/. Italien. Rente . . 4* 2% Portugiesen . . . 30/" Portugiesen. . . . . 1% C. Türken . Türkenlose ..... 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 4VZ% äussere Argentiner 101.75 92.45 101.75 92.15 100.10 100.80 44.40 28.40 28.00 113.00 44.30 Ju der Stadtkirche. Vormittags 9>/3 Uhr: Oberkonsistorialrat a. T. Waas. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus- und Markusgememde. Pfarrer Dr. Grein. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser. Im Anschluß daran: Beichte und Vorbereitung zum hetl. 40/335 und \ _ 82 qm =/4 Acker, udoa* / !Q ) V4 Wiese auf dem Sand, 40/348 — 300 qm Wiese auf dem Sand, 40/349 — 575 qm Acker daselbst, 41/66 67 dorfer Weg, 3/142 — 2225 qm Acker auf den Matthäusgemeinde. Feier des heil. Abendmahls für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser. Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Kinder der Markus- und Militärgemeinde. Pfarrer Dr. Grein. Vormlltags 9l/2 Uhr: Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukasgemeinde. Pfarrer Euler. Brüssel, 26. März. Lord Wolseleys Aukunft iu Kap. stadt fällt mit dem Tage zusammcn, wo die Transvaal« dort ebenfalls eintreffcn konnten. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß Wolseley mit der Buren-Regierung in unmittel- barem Auftrage des Königs in Verbindung treten wird. Haag, 26. März. Präsident Krüger bezeichnete „ fob g eude Bedingungen als annehmbar: Innere Unabhängigkeit von englischer Oberhoheit, Amnestie für die Afrikander, Rücknahme aller Verbanuungs- und Konfiskations.Dekrete mrd Wiederaufrichwng sämtlicher zerstörten Farmen. Amsterdam, 26. März. Wie in Burenkreisen ver> lautet, sei König Eduard von England willens, Konzessionen zu machen. Er habe Lord Wolseley die wert- gehendsten Vollmachten erteilt, um mit der Buren-Regierung direkt zu verhandeln. L ö w e n , 26. Mürz. Seit gestern mittag wütet hier eine furchtbare Feuersbrunst. Dieselbe wurde veranlaßt durch eine Naphta-Explosion, d:e in einem Kol-ouialwaren-Lager stattsand. Es wurden 7 Gebäude zerstört. Auch das Postgebäude war stark bedroht. Zwei Personen, welche in einem zu dem Kolonialwaren-Lager gehörigen Keller arbeiteten, sind verbrannt. Der Be-> sis-er rettete sich nur dadurch, daß er aus dem Fenst«: herabsprang, desgleichen ein Arbeiter, der schwere Brandwunden davontrug. Die Feuerwehr der umliegenden Orte mußte iu Anspruch genommen werden. Auch aus Brüssel war ein Spezialzug mit Feuerwehr eingetroffen. Es herrschte große Erfahr in einem Umkreise von. 500 Meter infolge der fortgesetzt stattfindendcn Explosionen von Naphra-Fass ern und der herab stürzenden Balken. Die Garnison wurde alarmiert, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Der Sachschaden ist enorm, aber bisher noch nicht zu übersehen. New-York, 26. März. Die Bundesregierung hat zum Ausgleich des Konflikts über die Fleisch-Ernfuhr die Einsetzung emes Kommission von amerikanischen und deutschen Chemikern vorgeschlagen, welche die Konservierungs-Methode be» gutachteu sollen. Weiher, 32/126 — 1531 qm Wiese daselbst, 32/147 — 2288 qm Acker äuf der Leißeheide, 32/148 — 1144 qm Acker daselbst, 32/148a — 1144 qm Acker daselbst, 37/205 — 2888 qm Wiese hinter dem Waldbrunnen an der Wieseck, 37/206 — 2888 qm Wiese daselbst, 37/208 — 2887 qm Wiese daselbst, 39/117,5 — 2637 qm Acker unter dem Wiesecker Weg, 39/118 — 1181 qm Acker daselbst, 40/26/3 — 963 qm Acker links der Chaussee, 40/26,5 — 962 qm Acker daselbst, 40/26a3 und 26a5 — 925 qm Wiese daselbst, 40/103 und 104« —844 qm Acker in der Schwarzlach, 40/103 und 104,s — 1850 qm Acker daselbst, 40/333 — 462 qm Acker und 334a’/10 — 450 qm Wiese auf dem Sand, 40/3348 a5/10 — 175 qm Acker auf dem Sand, Neue sie Ulewimgeu. Originaldrahtrneldungen des Gießener Anzeigers. L. Darmstadt, 26. März. Tie 2. Kammer fetzte die Be- ratung der Zolltariffrage fort. Abg. Ulrich wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen des Grafen Oriola und mö- besondere gegen das ostelbische Junkertum. Er sucht nachzu- weisen, daß durch Erhöhung der Zölle der kleine Bauer feinen Borteil habe, dagegen der Arbeiter außerordentlich benachteiligt würde. Ueberdies seien jetzt Lohnverschlechterungen in Sicht. Abg. Reinhardt tritt ihm entgegen und spricht für Erhöhung der Zölle. Berlin, 26. Marz. Zu der Reise Schalk Burgers bemerkt die angeblich aus zuverlässigster Quelle schöpfende „Südafr. Corresp.": Wir können aus bester Quelle versichern, daß erstens die Buren auf ihren Bedingungen beharren, zweitens daß die Reise Schalk Burgers auf englisches Ersuchen geschehen ist, drittens daß die Buren führ er in Afrika nicht ohne Einverständnis mit den in Europa Weilenden verhandeln werden. Dresden, 26. Marz. Die Prinzessin Heinrich von Preußen ist heute früh 7.31 Uhr nach Darmstadt abgereist. London, 26. Mttrrz. „Daily Telegraph" meldet aus Kapstadt: Die Mitglieder der Buren-Megierung sind am Sonntag in Kronstadt durchgereist. Man ist hier da.uber einig, daß die Wichtigkeit oer gepflogenen ^eryandlu-.pen von der kontinentalen Presse oedeutend überschätzt wird und daß der Friede aus denselben nicht hervor- gehen könne. In Burenkreisen versichert man, die Lage der Buren seivielzu vorteilhaft, als daß diese jetzt Friedensbedingungen entgegennehmen. London, 26. März. Tie tägliche B e r l u st l i st e d e r engtischen Truppen in Südafrika für gestern umfaßt 2 Tote, 8 Verwundete und 18 an Krankheit Verstorbene. dem Angeklagten gelegentlich seiner Anwesenheit an verschiedenen Orten noch andere Aufträge erteill worden seien, so sei doch nicht erwiesen, daß er bei diesen Gelegenheiten zu Bestellungen provoziert, daß er das Dreschen mit einer Maschine angeboten habe. Es sei vielmehr festgestellt, daß die Anwesenheit des Angeklagten in diesen Fällen die alleinige Deranlaffung gewesen sei, daß die Landwirte ich an ihn wandten. Die Thatsache der Anwesenheit und die That- ache von Bestellungen lediglich infolge derselben seien nicht im Stande, die Auffassung des Steuerkommissanats Friedberg, daß hier ein Anerbieten vorliege, genügend zu stützen. TeüepSwmscher Kursbericht Frankfurt a. SL. 26. März 1902. Reichsanleihe do. Konsole . do . . Hessen Weg, 24/263 — 2325 qm Acker daselbst, 25/230 — 950 qm Acker zwischen dem Aulweg und Leih- Kandwirtschaft. p. Friedberg, 25. März. Wir machen darauf aufmerkfam, daß vom 7.—12. April ein Kursus für Obstweinpro d uzent en an der Obstbauschule in Friedberg abgehalten wird. Ter Kursus umfaßt die Bereitung des Apfelweins, Gärungschemie einschl. der Verwendung von Reinyefen und Hebungen im Üab Oratorium. A. Goodrich schildert in „Worlds Werk" den ungeheuren Aufschwung, den der Tabakbau in Connecticut dadurch genom- . men, daß man die Felder mit Zeltdecken überwölbte. Unter diesen ■ Zelten herrscht beständig eine tropische Wärme. Der Regen dringt nur in Gestatt eines feinen Nebels hindurch und die Insektenplage ist auf ein Minimum reduziert. Der unter diesen Zetten gezogene Tabak, der dem besten von den Sunda-Jnseln gleichkommt, trägt ' ca. 21/, Shilling pro Pfund, während der draußen gezogene kaum einen Shilling einbrachte. Die Errichtung eines solchen Zeltdaches, das auf 200 Pfosten ruht, kostet per Acre 50 Pfund, doch hofft . man durch diese Einführung eine neue Aera in der Tabakkultur 1 eingeleitet zu haben. . Gerichtssaal. M. Gießen, 25. März. Strafkammer. Den Vorsitz führe Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Gerichtsassessor Dr. Hetzel. — Der Dienstknecht Ernst Bertram K i r ch h a r tz aus Bonn wird wegen dreier Diebstähle und einer Unterschlagung von geringwertigen Gegenständen unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten 1 Woche, abzüglich eines Monats erlittener Untersuchungshaft, verurteilt. — Die 15jährige Dienstmagd Lina Kammer aus Obernhofen hat ihrer Dienstherrschaft ein Stück Spitzen und aus einer verschlossenen Kommode einen Geldbetrag von Mk. 6 entwendet und wird unter Zubilligung mildernder Umstände und Aufrechnung eines Monats der erlittenen Untersuchungshaft zu 3 Monaten 1 Tag Gefängnis verurteilt. — Der Landwirt Georg Keil VIII von Nieder-Ohmen war vom Schöffengericht in Grünberg wegen Beleidigung des Kreisstraßenmeisters in Homberg zu einer 3 wöchentlichen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Ter Angeklagte, dem das Anfahren der Steine an den Kreisstraßenbau übertragen worden war, wurde im Oktober v. Js. auf der Ortsstraße in Nieder-Ohmen im Auftrag des Straßenmeisters von einem Unterbeamten aufgefordert, keine Steine mehr zu fahren. Der Angeklagte, der kontraktlich zu dem Anfahren aller Steine innerhalb einer gewissen Zeit verpflichtet war, geriet durch das Verbot in Erregung, in der er den Kreisstraßenmeister einen Chausseeknecht und einen „Hutsch" nannte. — eine in dortiger Gegend einen armseligen, lumpigen Menschen bezeichnende Redewendung. — Das Berufungsgericht war der Ansicht, daß der Angeklagte nicht ohne Grund unmutig gewesen sei, hielt ihm ferner feine Erregung, ui der er die zweifellos beleidigende Aeußerung gethan hat, in weiter- gehendem Maße als das Schöffengericht zu gute und ermäßigte die Strafe auf eine Woche Gefängnis. — Der zur Zeit in der Zellenstrafanstalt Butzbach Strafe verbüßende Schmiedegefelle Heinrich Z w i e r 1 e i n aus Mannheim ist der versuchten schweren Urkundenfälschung inJdealkonkurrenz mttBetrugsversuchangellagt.Er hat zweimalfalsche Einträge in sein Arbeitsbuch gemacht, um dadurch ein höheres Lohiiguanttim zu erlangen. Ein Mitgefangener, dem er die Fälschung zeigte, hat Anzeige erstattet. Die Beweisaufnahme ergab, daß das mit den falschen Einträgen versehene Arbeitsbuch mU Wissen und Willen des Angeklagten nach der Fälschung in die Hände der die Einträge kontrollierenden und die Lohnbeträge berechnenden Behörde gekommen ist, daß mithin nicht eine versuchte, sondern eine vollendete Urkundenfälschung vorliegt. Mit Rücksicht darauf, daß es sich bei der Fälschung nur um den geringfügigen Betrag von 54 Pfennigen gehandelt hat und mit Rücksicht auf das Motiv zur Strafrhat — der Angeklagte wollte einen ihm früher entgangenen Geivinn wieder einbringen — billigte das Gericht ihm miß)ernt)e Umstände zu und verurteilte ihn zu einer 6monatlichen Gefängnisstrafe. — Tie Taglöhner Ludwig Schwabe ans Traubenbach und Johannes Schäfer aus Solz habeii einige Eisenstücke, Dachtändelrohre und Stücke Zink, die offen auf dem Hos eines Gebäudes lagerten, von dort weggenommen, verkauft und den Erlös geteilt. Wegen Diebstahls im strafrechtlichen Rückfälle werden Schwabe zu einer bmonatlichen, Schäfer — der stärker Belastete — zu einer sechsmonatlichen Gefängnisstrafe verurteilt. — Ter Drefchmaschinenbesitzer Friedrich Petry aus Eschersheim, der seine Treschmaschine gegen Entgelt an Landwirte verleiht, erhielt im August vor. Js. einen Strafbescheid des Steuer- kommissariats Friedberg, weil er das Dreschen mit einer Maschine angeboren und ausgeübt habe, ohne die gesetzliche Wandergewerbe- fteüer entrichtet zu haben — Uebcrtretung des Gesetzes, die Besteuerung des Gewerbebetriebs im Umherziehen betreffend, vom 22. August 1900. Der Angeklagte, der auf gerichtliche Entscheidung angetragen hatte, wurde von dem Schöffengericht Friedberg frei- gesprochen. Das freisprecheiidc Erkeniitnis, gegen ^das die otaatd= anwaltschaft Berufung verfolgte, mürbe von der Strafkammer bestätigt. Tas Gericht nahm an, daß ein Gewerbebetrieb im Umherziehen nicht vorliege, daß vielmehr der Angeklagte fein Gewerbe stets nur auf vorgängige Bestellung hin ausgeübt habe. Wenn auch nachmittags 21/, Uhr, sollen auf hiesigem Ortsgericht auf Antrag der Chr. Löoer I. Erben bereit Grundstücke in den An diesem Tage nach allen Gottesdiensten Sammlung für evangelischen Anstalten in Jerusalem. Abends 6 Uhr: Siehe Stadtkirche. 1. Dfterfeiertag den 30. März. Wiese daselbst, Wiese daselbst, - qm . 32/109 — 2394 qm Wiese am Heegstrauch bei derSchwal- bachischen Wiese, 32/125 — 1531 qm Wiese am Altenfeld vor dem alten Vormittags 9'/r Uhr: Vorstellung und Prüfung der firmanden aus der Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser. Abends 6 Uhr: Beichte und heil. Abendmahl für die Matthäus- und Markusgemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Pfarrer Schlosser. 4% Oesterr. Goldretne . . 102.80 4‘,2% Oesterr. Silberrente 101.60 4% Ungar. Goldrente . . 101.05 Leufertsroder Weg, 3/151 -- 2238 qm Acker auf den Leufertsroder Weg, 3/157 — 2088 qm Acker am Flutgraben, am Fabrici'schen Acker, 3/158 — 2088 qm Acker daselbst, 3/159 — 1788 qm Acker daselbst, 3/160 — 1700 qm Acker da elbst, 3/179 — 2532 qm Acker daselbst, 4/4 — 6075 qm Acker über dem Krofdorier Weg, am Fabrici'schen Acker, 4/8 — 5812 qm Acker daselbst, 4/72 — 1669 qm Acker an der Lahn und am Wißmarer Weg, 5/333 — 2862 qm Acker auf den Heddergraben, 6/1 — 2800 qm Acker am Krof- dorser Weg bei der Brücke im Katjcnseld, 6/2 und 3 — 3650 qm Acker daselbst, 6/4 — 850 qm Acker daselbst, 6 '82 — 4169 qm Acker dieZwerg- gewann über dem Schwal- bachischen Acker, 6/90 — 5900 qm Acker am Leufertsroder Weg, 6/96 — 6512 qm Acker daselbst, 8/50,J — 3238 qm Wiese hinter den Schießgärten an der Rodheime r Straße, 8/91,! — 1606 qm Wiese daselbst, 8/92,! — 1594 qm Wiese daselbst, 18/110 — 519 qm Acker daselbst, 24/100 — 2238 qm Acker am halben Zehnten, 24/101 — 2237 qm Acker am halben Zehnten, 24/102 — 3087 qm Acker daselbst, 24/10’3 — 1888 qm Acker daselbst, 24 104 — 1887 qm Acker daselbst, 24/205 — 1025 qm Acker am Schwarzacker, 24/206 — 102o qm Acker daselbst, 24 207 — 1025 qm Acker daselbst, 24/215 — 4809 qm Acker am Schwarzacker aus den Leih- gefterner Weg, 24/222 — 2475 qm Acker hinter den Steinbrunnen auf den Stumpfenweg, [ien gesehen hat. Williamsons Verlust ist außerordentlich schwer, da er nicht versichert war und der Wert seiner Bühneneffekten allein auf 280 000 Mk. geschätzt wird. "Berlin, 25. März. Der aus Eichstädt nach Verübung zahlreicher Urkundenfälschungen und Unterschlagungen geflüchtete Rechtsanwalt Jakob Holtzinger ist hier verhaftet worden. Es wurden noch 4000 Mk. tn Baar bei ihm vorgefunden. Er wurde mittags nach Eichstädt transportiert. _ . . * Haernoesand (Schweden), 25. März. Bet emer Feuersbrunst in der hiesigen Brauerei Nyland verbrannten in letzter Nacht der Brauereibesitzer, dessen Frau und drei Kinder. * London, 24. März. Hier wurde Henry Curzon, ein Sohn des verstorbenen Lord Teylham, englischer Peer und Verwandter des Vizekönigs von Indien, wegen Wechsel- fälschungen verhaftet. Die Affäre erregt großes Aufsehen. . * London, 25. März. Während heute der Pnnz und die Prinzessin von Wales in Chateam dem Stapellauf des Kriegsschiffes „Prinz of Wales" beiwohnten, wurde ein Kanonier beim Salutfeuern tätlich verwundet. Es wurden ihm beide Arme fortgerissen. * Paris, 25. März. Ein plötzlich irrsinnig gewordener Anstreicher beschloß, sich lebendigen Leibes verbrennen zu laffen. Er teilte seinen Entschluß seiner ebenfalls kranken M u t t e r mit, die erklärte, mitihm st erben zu wollen. Sie warfen die Möbel ihrer Wohnung auf einen Haufen und bestiegen denselben, nachdem sie Feuer- angelegt hatten. Nach Ankunft der Feuerwehr wurden die beiden zwar noch lebend, aber mtt schweren Brandwunden bedeckt aufgefunden. Chalons a. Marne, 25. März. Hier wurde em Dynamitattentat gegen die Brücke von Cheverney begangen. Die Brücke wurde teilweise zerstört. Von den XXv hebern des Attentats fehlt jede Spur. Kandel und Verkehr. UolKswittschast. § Butzbach, 25. März. Der heutige Osterrnarkt war durch das Regenwetter ungünstig beeinflußt. Trotzdem machte lieh auf dem Schweinemarkt ein lebhafter Handel bemerkbar, da die Preise für junges Vieh noch ziemlich hoch blieben; es kosteten Ferkel bis 50 All. das Paar, Läufer bis 70 Mk. — Auf dem Kranimarkt waren nicht so viel Stände wie fönst aufgeschlagen und die Ge- schäste weniger günstig. _______________________ gemeinde. Abends 6 Uhr: Pfarrafsistent Vogt. An diesem Tage nach allen Gottesdiensten besondere Sammlung für die Armen. Am Sonntag den 6. April, Konfirmation der Kinder aus der L u k a s g e m e i n d e; im Anschluß daran Feier des heil. Abendmahls. Die Beichte findet am Samstag zuvor, nachmittags 2 Uhr, statt. "LarniUen-Vachriüsicn/^ Gestorben: Kavzleirat Friedrich Jaide in Darmstadt. Wieskaffen öer KMkiton. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt. Abonnent iu Idstein. Die Verfasserin des Romans „ißer* schollen ift Frl. 2. Huyn-Eodlenz, Verleger F. Hölscher daselbst. Nadelholzstämme mit Kl. MMmk rm »>-Zimmerwohn. mit Küche zu vermieten. Lahnstraße 5. 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