ISS. Jahrgang Erstes Matt. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Mill. Mk. mehr Zeitung", fettig, 'die „Jüdin von Toledo" hinzustellen als «will, kam die ^Ausführung wesentlich zu Hilfe; im Vorder im Vorjahre. Da der Etatsanschlag eine Einnahme vvn 479 Mill. Mk. Voraussicht, fehlten Ende Februar nur noch 24 Mill. Mk., sodaß die Zolleinnahmen einen wesentlichen Ueberschuß ergeben werden. Die Zuckersdeuer hat ihren gehört hatte, hatte diesmal recht, zehnmal recht. Der meines Erachtens allein richtigen Auffassung der Tragödie, die in Alfonso und nicht in der Jüdin — diese beherrscht den König und so wohl mittelbar, aber nicht unmittelbar die Handlung — die tragische Hauptfigur sehen des laufenden Etatsjahres betrug die Zolleinnahme Anschreibung 487,4 Mill. Mk. d. i. 32,5 Mill. Mk als im Vorjahre. Die Jsteinnahme belief sich auf 455,1 Mill. Mk. und war damit um 27,2 Mill. Mk. größer als diePost Mk. 2.—viertel- fährt. ausfchl. Bestellg. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wiltko; für Stadt und Land" und ,Gettchtssaal":R.Ditt« manu; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Charaktere zil schildern weiß, die ja freilich anderer, sagen wir: übertünchterer Art ist als die der viel gerühmten Größen unserer Tage, und einem großen Teile unseres heutigen Publikums, selbst manchem Alten unter uns, nicht mehr recht be- hagt; man bevorzugt eben die Problemdichtungen unserer Zeit, Seelenanalysen bieten geringeres Interesse. So bekommt es denn Dr. F. M a m r o t h, der Rezensent der „Franks. Josef Kainz und Irene Triesch in Frankfurt. Zwei der bedeutendsten Größen deutscher Schauspielkunst, Joseph Kainz vom Wiener Hofburgtheater und Irene Triesch vom Deutschen Theater in Berlin, haben sich für ein paar Tage in Frankfurt ein Stelldichein gegeben. Ihr erstes Gastgeschenk am Montagabend brachte Grillparzers „Jüdin von Toledo". Wer sich mit den Dramen des österreichischen Poeten, die das große Publikum noch immer in der Mehrzahl kaum dem Namen nach kennt, näher beschäftigt — die kürzlich bei Cotta erschienene neue billige Ausgabe, in vier Markbände gebunden, giebt dazu die beste Gelegenheit —, den wundert nur Eins: daß sie nicht samt und sonders Heimatrecht seit Jahr und Tag auf der deutschen Bühne gefunden haben. Ihre Bühnenwirksamkeit ist geradezu machtvoll, ihre künstlerischen Qualitäten sind groß, und die Anregungen, die jedes dieser Werke bietet, dürften hundertfältig und von immer neuem, reizvollem Zauber sein. Dabei ist Grillparzer ein feiner Psychologe, der mit einer Treffsicherheit, geboren aus der intimsten Kenntnis seelischer Regungen, menschliche „das unerfreulichste von allen Dramen Grillparzers mit seiner Erzwungenheit und seiner Fülle von Trivialitäten." Der aufmerksame Leser Mamroth'scher Besprechungen von dichterischen Werken wird die Beobachtung gemacht haben, daß diesem klugen, philosophisch geschulten Kopfe, der die unbeirrbare Logik des Mathematikers und das scharfe Messer des Chirurgen bei seiner krittschen Arbeit benutzt, die Gabe des künstlerischen Mitfühlens mit dem Kunstgeschaffenen nicht in besonders besonders hohem Maße eignet. Das trat u. a. sehr klar zu Tage bei der Frankfurter Erstaufführung von Strmd- berg's „Ostern", meines Erachtens einer außerordentlich feinen Dichtung, die von Mamroth geradezu grausam mißverstanden worden ist; das zeigt sich nun ebenso deutlich gegenüber der „Jüdin von Toledo" und der, nach meinem Gefühl, Grillparzer kongenialen Leistung von Joseph Kainz, an der Mamroth eigentlich garnichts zu rühmen weiß. Das Frankfurter Publikum bereitete der Dichtung und der Künstlerin eine enthusiastische Aufnahme. Nach jedem Atte mußte sich der Vorhang mehrere Male heben, und nach dem 4. Aufzug und am Schluffe kannte die Begeisterung kaum Grenzen. Und das Frankfurter Publikum, das so teilnahm- und beifallslos das immerhin sehr respektable Drama Sudermann's „Es lebe das Leben" unlängst anMittwoch 36. März Bezugspreis: monatlich 7bPs.,vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch Die Personalverhältnisse der höheren Postbcamten. Seit dem Erlaß des SLaaissekrettirs des Reichs-Post- amtes vom 1. Januar 1900, durch den die Personal-Verhältnisse der mittleren Beamten eine neue Regelung erfahren haben, uni) durch den für die später bei wieder eintretendem Bedarf anzunehmenden höheren Beamten ein mehrjähriges akademisches Studium vorgesehen ist, waren die jetzt im Dienste stehenden Beamten der höheren Laufbahn voller Erwartung, welche Änderungen bezüglich Rang und Titel nunmehr für sie in Aussicht genommen werden würden. Tie Würfel sind jetzt gefallen; das Amtsblatt des Reichs-Postamtes macht der Ungewißheit ein Ende. Der die Neuregelung betreffende Erlaß lautet: Mit Genehmigung des Kaisers treten v v m 1. April ab in den Beamtenverhältnissen und Titelbezeichnungen bei der Reichs-Post- und Tclegrapheiiv-erwaltung folgende Aenderungen ein. Die Postpraktikauten haben nach ihrer etatsmaßi- gen Anstellung die Amtsbezeichnung „Postpraktikant" weiterzuführen. Nach dem Bestehen der höheren Verwaltungsprüfung für Post und Telegraphie erhalten die Postpraktikanten die Amtsbezeichnung „Ober-Po st- praktikant". „ Bei den Ober-Posidirektionen werden Hilfsreferenten und bei größeren Verkehrsämtern I. Klasse Ortsaussichts- zur Thatsache wird. Tie Zolleinnahmen haben allerdings in letzter Zeit wesentliche Mehrerträge ergeben. Es sind zur Anschreibung gekommen im Februar d. I. 33,9 Millionen Mark, geaen 32,0 im Februar 1901. Die Jsteinnahme abzüglich der Verwaltungskosten belief sich auf 41,2 Mill. Mr. gegen 36,8 im Vorjahre, hat also eine Steigerung um 4,4 Mill. Mk. oder fast 12 v. H. erfahren. In den verflossenen 11 Monaten laufenden Etatjahres betrug die Zvlleinnahme in der gründ stand mit erdrückender Wucht der stolze Kastilianer, und die Rolle der Jüdin wurde zur Episode. Frhr. v. Berger, der Direktor des neuen Hamburger Schauspielhauses, dec Verfasser einer lesenswerten Schrift „Ucbcr Drama und Theater" (Leipzig, Ed. Avenarius), hat von dieser Grill- parzer'schen Gestalt das schöne Wort gesagt: „Er geht aus dem Stücke hervor mit einer Schuld gesegnet, die für ihn von nun an die dunkle Wurzel sein wird, aus der die Blüten feiner Tugenden erwachsen." Das hat uns Kainz sehen lassen. Grillparzer hat sein geniales Drama, das vielleichtfein interessantestes ist, allerdings ganz merkwürdig aufgebaut; er Hat es verschmäht, eine „regelrecht" gebaute Handlung zu konstruieren und einen Trauerspielhelden zu schaffen. Er schuf dafür aber einen Menschen, einen echten Menschen von Fleisch und Blut, voll wilder Leidenschaft und großer Schwächen. König Alfonso ist, wenn man so will, ein „schlimmer Bub", ein unreifer, leicht aufbrausender, fahriger Jüngling — gerade das „Fahrige", das Kainz mit bestem Rechte der Grillparzer'schen Gestalt nach- schafft, tadelt Mamroth! Die bewundernswerte Konsequenz, mit der der Dichter Hen Charakter dieses halben Kindes durchführte, drängte ihn mit absoluter Notwendigkeit zu jenem Abschluß, der das Kopfschütteln von Äitteraturgrößen hervor- gerufen hat. Alfonso ist selbstbewußt und selbstherrlich, aber wie ein Knabe eigensinnig, innerlich noch ganz unfertig, lebensunklug und menschenunkundig, wenn auch scharfsichtig, unschlüssig, launenhaft ttotz bester 'Anlagen des Geistes und der im Grunde besten Absichten. Den Höhepunkt dieser bewunderungswürdigen Charakterschilderung bildet gerade des Dramas Schluß; er giebt auch den Schlüssel zum Drama für enormen Ausfall im Februar, soweit die Anschreibung in Betracht kommt, noch um 1,5 Millionen Mark vergrößert, während die Jsteinnahme um 700 000 Mark gestiegen ist. Die zur Anschreibung gelangte Einnahme beträgt bisher 97,5 Mill. Mk., wogegen der Etatsanschlag 148,5 Mill. Mark voraussieht. Die Jsteinnahme bleibt mit 86,2 Mill. Mark um 18,5 Mill. Mk. hinter der vorjährigen zurück. Allerdings hatte das Etatsjahr 1900 einen Ueberschuß über den Voranschlag von 21,4 Mill. Mk. ergeben; da aber der Voranschlag für 1901 um fast 10 Mill. Mk. erhöht ist, wird im laufenden Jahre der Ertrag der Zuckersteuer sehr wesentlich hinter der angenommenen Summe zurückbleiben. Die T a b a k st e u e r hat in der Anschreibuna ein Weniger von 15000 Mk., in der Jsteinnahme ein solches von 47 000 Mk. gegenüber dem Februar 1901 ergeben. Bei der Salz- steuer haben sich die Einnahmen um 104 000 und in der Jsteinnahme um 82000 Mk. erhöht. Die Branntweinsteuer zeigt in der Anschreibung eine Zunahme um rund 900 000 Mk., in der Jsteinnahme um 730 000 Mk., doch bleibt bei beiden Steuern die angeschriebene Einnahme hinter der vorjährigen zurück. Die gesamten Zölle und Verbrauchssteuern betrugen in den ersten elf Monaten in der Anschreibung 808,5 (1900 795,5 Mill. Mk.) und die Brausteuer eine solche um 150000 und 109OOOMk., in der Jsteinnahme 748,3 (739,6) Mitt. Mk. Die Vor sonst euer hat im Februar d. I., trotz des oft lebhaften Ge- chäftes, nur einen Mehrertrag von 275 000 Mk. gegenüber dem Vorjahr gebracht. Die Stempelsteuer für Wertpapiere hat bisher 42,9 Mitt. Mk. ergeben, während der Etat sie auf 34 Mill. Mk. veranschlagt, die Stempelsteuer für Kaufgeschäfte beträgt 12,1 Mill. Mk. gegenüber einem Anschlag von 21 Mill. Mk. Bisher sind also aus der Börfensteuer erst 25 Mill. Mk. eingegangen, während 55 Millionen veranschlagt sind. Der Ausfall des laufenden Etatsjahres gegenüber dem Voranschlag wird sicher 25 Millionen Mark übersteigen. Diee P r i v a t l o 11 e r i e n haben bisher 5,0, die Staatslotterien 30,9 Mill. Mk. ergeben; bei beiden wird der Anschlag von 6,7 und 38,2 Mitt. Mk. nicht erreicht werden. Die Post- und Telegraphen Verwaltung hat im Februar 1,4 und in den 11 Monaten 18,9 Mill. Mk. mehr ergeben, als im Vorjahre, wird aber den Voranschlag, der 420,2 Mitt. Mk. beträgt, wohl kaum erreichen, da daran noch 42 Mill. Mk. fehlen. Die Reichs- Eis enbahnverwalrung hat mit 76,7 Milk. Mk. bisher 5,4 Mill. Mk. weniger ergeben als im Vorjahre. Nr. 72 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Samllietv blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univett.-Buch- u. Steindrucke'. . i (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr.öl. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Bekanntmachung. B etr.r Feldbereinigung in der ©emartung Daubringen. In der Zeit vom 2. April l. Js. bis einschließlich 8. April l. Js. liegen auf dem Amtszimmer der Großherzoglichen Bürgermeisterei Daubringen zur Einsicht der Beteiligten offen das Verzeichnis über die Herauszahlungen: 1. für zum Bau der Nebenbahn Lollar—Londorf abgetretenes Gelände mii 4 % Zinsen pro 1900 und 1901; 2. für Pachtentschädigungen pro 1900 und 1901 für diejenigen Besitzer, welche für das zum Bahnbau Lollar—Londorf abgetretene Gelände Ersatz in Land erhalten. Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des Ausschlußes innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist schriftlich bei Großh. Bürgermeisterei Daubringen einzureichen. Friedberg, den 20. März 1902. Der Großherzogliche Vereinigungskommissär: Spam er, Kreisamtmann. Uaiitische ÄagesjHau. Die Einnahmen des Reiches. Die Zahlen über die Einnahmen des Reiches lassen erkennen, daß der Februar im allgemeinen finanziell nicht schlecht verlaufen ist; doch sind die Ausfälle der voraufgegangenen Monate nur ganz unwesentlich herabgemindert, und auch der letzte noch ausstehende Monat des laufenden Etatsjahrs wird kaum eine Aenderung bringen, sodaß der ungünstige Abschluß dieses Jahres, den man schon seit langen Monaten voraussehen konnte, beamte (Inspektoren) angestellt. Tie Hilfsreferenten werden zu Po st Inspektoren, die in stellen für Ortsaufsichtsbeam'te bei Verkehrsämtern etatsmäßig an- gestellten Beamten entweder zu P o st i n s p e k t o r e n ober zu Telegraphen Inspektoren ernannt, je nachdem die Anstellung bei einem Postamte oder bei einem Telegraphen- oder Fernsprechamte erfolgt. Tie als Hilfsreferenten und als Ortsaufsichtsbeamte etatsmäßig an- gestellten Postinspektoren und Telegrapheninspckcoren gehören zur fünften Rangklasse der höheren Provinzialbeamten und haben demgemäß den Wohnungsgeld-Zu- schuß III 2 des Tarifs zu beziehen. Tie als Bezirksaufsichtsbeamte bei den Ober-Post- direktionen etatsmäßig angestellten Postinspektoren erhalten die Amtsbezeichnung „O b e r - P o st i n s p e k t o r". Tie Amtsbezeichnungen für die höheren Beamten sind jetzt demnach: Posteleve, Postpraktikant, Ober-Postpraktt- kant, Postinspektor bezw. Telegrapheninspektor, Ober-Post- in pektor, Postrat, Ober-Postrat, Ober-Postdirektor. Tre Titel der Beamten des Reichspostamts werden durch den Erlaß nicht berührt. Ter mittleren Laufbahn stehen nunmehr ausschließlich folgende Titel zu: Post- bezw. Telegraphengehilfe, Post- bezw. Telegraphenassistent, Ober-Post- cmiftent, Post- bezw. Telegraphensekretär, Ober-Post- bezw. Ober-Telegraphensekretär, Postkassierer bezw. Telegraphenamts kassi erer und Postmeister. Hessischer Landtag. ßrste Kammer der Stände. Darmstadt, 25. März. Tie Erste Kammer hielt heute nochmals eine Sitzung ab und erledigte, mit der gleichzeitig tagenden Zweiten Kammer korrespondierend, die Rückäußerungen derselben über die abweichenden Beschlüsse in Betreff des Budgets, ferner das Regentschaftsgesetz, den Antrag Ulrich betr. die obligatorische Vieh- und Schlachtviehversicherung, den Gesetzentwurf über die Anlegung und den Betrieb von Lampf- qefäßen, sowie die Regierungsvorlage betr. die tzlbänder- ung des Ausführungsgestzes der land- und forstwirtschaftlichen Unfall- und Krankenversicherung, meist durch Beitritt zu den Beschlüssen der Zweiten Kammer. Tem Beschluß der Zweiten Kammer bezügl. des Antrags Ulrich, die obligatorische Mobiliar-Feuer-Ver- s i ch e r u n g betreffend, wird nicht beigetreten, dafür an die Regierung das Ersuchen gestellt, über die Ausführbarkeit einer staatlichen obligatorischen Mobiliar-Feuer- Versicherung in einer den Interessen des Staates sowohl als auch der zu Versichernden entsprechenden Weise nähere Ermittelungen eintreten zu lassen. Bezüglich des Arbeirshauses Tieburg bleibt es bei einem einseitigen Ersuchen der Zweiten Kammer. Auch in Betreff der außerordentlichen Professur für Geographie an der Landesuniversität beharrt die Erste Kammer auf ihrem gestrigen, von dem der Zweiten Kammer abweichenden Beschluß. Zweite hessische Ständekammer. 100. Sitzung. Tarmstadt, 25. März. Präsident Haas eröffnet die Sitzung 10 Uhr 15 Minuten. Anläßlich der hundertsten Sitzung ist der Prä- sidenteittisch mit Blumen geschmückt, für welche Aufmerksamkeit der Präsident seinen Tank ausspricht. Am Regierungstisch: Staatsminister Rothe Exz., Finanzminister Gnauth Exz., Geh. Staatsrat v. Krug, Geh. Rat Emmerling, Ministerialräte Dr. Becker, Braun, Breidert, Dr. Eisenhut und Ewald. Zunächst kommt der Antrag Haas-Darmstadt auf Einsetzung eines aus neun Mitgliedern bestehenden Son- Gießen, 25, März 1902. Betr.: Die Zustellung der Steuerzettel für 1902/03. Das Großh. Steuer-Commissariat Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Bezirks. Wir ersuchen Sie, die Ihnen heute übersandten Staats- steuerzettel für 1902/03 alsbald den Pflichtigen zustellen zu laffen und dafür Sorge zu tragen, daß die Zustellung am 1. L Mts. beendigt ist. Dr. Metzler. Kelmnntmachung. Nachdem die unter dem Schweinebestand des Weißbindermeisters Conrad Dürr, Weserstraße 15 dahier, aus- gebrochene Rotlaufseuche erloschen ist, wird die angeordnete Gehöfffperre aufgehoben. Gießen, 24. März 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. derausfchusses zur Berichterstattung über den Antrag auf Errichtung einer Landwirtschaftskammer betr., zur Beratung und wird angenommen. Sodann erhält als Berichterstatter Abg. Köhler- Tarmstadt (nl.) das Wort zu den Rückäußerungen der ersten Kammer. Bei Kap. 31: Gendarmerie, eirrpfiehlt der Ausschuß Beitritt zuin Beschlüsse des andern Hauses, auf Annahme der Regierungsvorlage, wofür auch Ministerialrat Breid er t spricht, der darauf hinweist, daß die Regierung eine Aenderung dieser Organisation plane. Nachdem Abg. Bähr (fr. w. V.) für Aufrechterhaltung des früheren Beschlusses gesprochen, und Staatsminister Rothe nochmals um Annahme der Vorlage gebeten, wird der Ausschußantrag auf Bewilligung des geforderten Betrags angenommen. Bei Kap. 34: Arbeitsbaus Dieburg, hält das Haus seinen früheren Beschluß, diese Anstalt unter die Justizs- Verwaltung zu stellen, aufrecht. Zu Kap. 36: Landesuniversität, Umwandlung der außerordentlichen Professur für Geographie in eine ordentliche, stellt der Ausschuß den Antrag, dem gestern in dem andern Hause genehmigten Antrag des Geh. Justizrats Prof. Dr. Schmidt nicht beizutreten. Abg. Dr. Schmitt (Ztr.) spricht für Annahme dieses Beschlusses, die Umwandlung erst auf Befürwortung der Universität vorzunehmen. Abg. Jöckel weist auf die Bedeutung dieses Lehrstuhls an der Universität hin und empfiehlt den Ausschußantrag. Derselbe, der dahin geht, die Umwandlung dieser Professur für das nächste Budget vorzusehen, wird angenommen. Bei Kap. 36: Gymnasien, Realgymnasien und Realschule, tritt das Haus dem Beschlüsse der andern Slam nie r auf weitere staatliche Subventionierung der Vorschulen an diesen Anstalten wieder bei. Ebenso werden bei den Kapiteln „Hofbibliothek" und „Landesmuseum" die gestrichenen Summen von 2000 bezw. 8000 Mark in den Ausgaben nachträglich bewilligt, desgleichen die Ausgabe von 3000 Mark für die militärische Landesaufnahme bei Kap. 102: Kataster, wogegen sich Abg. Bähr aussprach. Ter Antrag Diehl zu Kap. 114, betr. Einfuhr von Zuchtfohlen aus Nheinpreußen wird dem Beschlüsse der Ersten Kammer entgegen aufrecht erhalten. Zu Kap. 123, betr. Verkauf von fiskalischem Gelände an die Postbehörde zu Bad-Ruruheim spricht Finanzminister Gnauth für Beibehaltung des von der Negierung festgesetzten Preises von 15 Mark pro Quadratmeter anstatt der von der Kammer angesetzten 20 Mark, da die Regierung der Ansicht sei, daß sie der Postbehörde dieses Entgegenkommen erzeigen könne. Die Abgg. Dr. Schmitt, Jöckel und Ulrich sprechen gegen dieses Entgegenkommen, worauf der Ausschuß-Antrag zur Annahme gelangt. Nach Erledigung des Budgets kommt zur Beratung die Regierungsvorlage: Entwurf eines Gesetzes, die Abänderung des Gesetzes, die Ausführung der Unfall- und Krankenversicherung der in land- und for st wirtschaftlich en Betrieben beschäftigten Personen betr. Die einzelnen Artikel dieses Gesetzes werden mit einigen Abänderungen des Wortlauts und Zusätzen in den Artikeln 6, 7, 13 und 19 dem Ausschußantrag genehmigt, ebenso wie die Ueberschrist Eingangs- und Schlußworte. Den zu dieser Vorlage gestellten Antrag Jöckel empfiehlt der Ausschuß für erledigt zu erklären, und stellt das Ersuchen an die Regierung, sich mit dem Vorstände der land- und forstwirtschaftlichen Genossenschaft über eine entschiedene Verbilligung der Kosten ins Benehmen zu setzen. Nachdem sich hier eine längere Debatte über die Kostenfrage entspannen, wird der Ausschußantrag angenommen. Ebenfalls genehmigt wird der nachträglich auf die Tagesordnung gesetzte Voranschlag der zweiten Kammer für das Rechnungsjahr 1902/3. Nach einer Pause findet die Wahl des erwähnten Sonderausschusses statt. In denselben werden mit Akklamation ohne Widerspruch gewählt die Wgg. Diehl, Schönberger, Erk, Dr. Heidenreich, v. Brentano, Dr. Frenay, Köhler- Langsdorf, Bähr und Dr. David. Zur Berichterstattung erhält dann das Wort Abg. Dr. G u t f l e i s ch über die Regierungsvorlagen, b-etr. Strafverfolgung des Abg. Haas-Marnz wegen Beleidigung von Mitgliedern der bewaffneten Macht (derselbe hatte die Truppen des Expeditionskorps nach China des ungestraften Mordens, Stehlens, Raubens und Plünderns beschuldigt), und betr. den Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Gesetzes, die Ausführung der deutschen Straf^- pro zeßordnung betr., vom 9. Juni 1879. Der Ausschußantrag zu ersterer Vorlage wird angenommen, der Regierung die nachgesuchte Einwilligung zu den gegen den Abg. Haas in Aussicht stehenden Maßnahmen (für die Tauer der Sitzungsperiode) nicht zu erteilen. Ferner wurde der Gesetzentwurf mit einer kleinen Aenderung in Art. 3 (das Gesetz soll mit dem Erscheinen im RegierungÄblatt anstatt am 1. April in Kraft treten) einstimmig angenommen. Tie Anfrage des Abg. Grafen Oriola, betr. Getreidezölle (ob die Regierung für eine Erhöhung der Minimalzölle eintreten würde) beantwortet Staatsminister Rothe dahin, daß die Regierung es nach Mcaßgabe der Verhandlungen zwischen den verbündeten Regierungen und dem Reichstage nicht für angebracht halten tonne, jür eine Erhöhung der Zölle einzutreten. Abg. Graf Oriola nimmt Bezug auf die im Reichstage abgegebenen Erklärungen des Grafen Posadowsky und des Schatzsekretärs v. Thielmann. Es frage sich, ob diese Erklärungen den Ansichten aller Bundesregierungen entsprächen, oder ob nicht einige im Plenum des Bundesrats überstimmt worden seien. Tie Antwort der Regierung habe ihm leider eine gewisse Klarheit gegeben. Er habe es für geboten erachtet, baß man den Interessen der Landwirtschaft noch weiter entgegenk)mmen müsse, als die Regierungsvorlage es thue. Denn die Leute, die ein Interesse an der Erhöhung der Minimalzölle hätten, das seien in unserem Lande nicht die Großgrundbesitzer, sondern gerade die Heinen Bauern. Hessen sei einer der deutschen Staaten, bei denen die Erhaltung der Landwirtschaft am allermeisten vonnöten sei. Namentlich komme für Hessen der Gerstenbau in Betracht, der hier am größten fei, dann komme nach Hessen Bayern, dessen Vauernstaiid über die niedrigen Zölle sehr erregt sei. Was der bayerische Abg. Heil neulich über die Verhältnisse in Bayern gesagt habe, träfe auch wörtlich auf Hessen zu. Von besonderer Bedeutung namentlich sei der Gerstenverkauf für die kleineren Landwirte, lieber die Brotwucheragitatioii wolle er sich nicht verbreiten, hier stehe er ganz ;a ui den Anschauung en der verbündeten Negierungen. Nachdem sich Redner noch des weiteren über die Meistvergünstigungsverträge mit den außereuropäischen Ländern verbreitet, deren Kündigung günstig auf einen gesunden Zolltarif einwirken würde, richtet er zum Schlüsse nochmals an die Negierung das dringende Ersuchen, für Erhöhung der Minimalzölle eintreten zu wollen. (Beifall.) Tas Haus vertagt sich gegen V?2 llhr und wird Mittwoch, vormittags 9 Uhr, in oer Besprechung der Jnrer- peUation des Grafen Oriola fortfahren. Aus Sludl und Kund. Gießen, 26. März 1902. ** Zur Konfirmation. Uufer Herr 6-. L-r. - Mitarbeiter schreibt: In diesen Tagen rüsten die evangelischen Gemeinden unserer Stadt, und in ihnen hunderte von Familien zur Konfirmation ihrer Kinder. Am zweiten Osterseiertag werden in der Staotkirche die Kinder aus der Matthäusgemeinde konfirmiert (93 Kinder, 46 Knaben und 47 Mädchen), in der Johanneskirche die Kinder aus der Johaiiiiesgemeinde (66 Kinder, 35 Knaben und 31 Mädchen), am Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti), dem fogenannlen weißen Sonntag, in dec Stadtrirche die Kinder aus der Ai ar ins- und Militärgemeinde (75 Kinder, 39 Knaben und 36 Mädchen), und in der Johanneskirche die der Lukasgemeinde (99 Kinder, 50 Knaben und 49 Mädchen), zusammen 333 Kinder (170 Knaben und 163 Mädchen). Noch gilt der Tag der Konfirmation bei uns in allen Streifen der Gemeinde als ein festlicher Tag von hoher Bedeutung. Und das mit Recht. Ruht doch die Zukunft unseres Volkes auf unserer Jugend. Es gießt für uns gar keine wichtigere Aufgabe, als sie im rechten Sinne zu erziehen, sie mit dem rechten Geist erfüllt in's Leben zu entlassen, sie zu wappnen gegen die Mächte des Verderbens, die sie in unserem modernen Leben auf allen Seiten bedrohen. Dem wird aber wahrlich nicht genügt durch bloße Aufklärung des Verstandes, durch Ausdehnung der Schulbildung und Hebung des Unterrichts. Was auf diesem Gebiet geschieht, namentlich auch zur Förderung der geringer Bemittelten, wollen wir freudig begrüßen. Aber das sittliche Leben stammt aus tieferer Quelle als aus dem weltlichen Wissen. Es giebt darum nur ein Mittel, das Herz der Menschen auf die rechten Ziele zu lenken und zum sittlichen Kampf zu erwecken: das ist die Gottesfurcht. Viele meinen freilich heutzutage, daß man ohne Gott weiter komme, als mit Gott. Aber das ist doch in den Augen jedes tiefer blickenden Menschen im bejicn Fall eine leere Schwärmerei, im schlimmsten sittliche Leichtfertigkeit. Echte christliche Gottesfurcht allein schafft freie und wahrhafte starke Charaktere. Wenn unsere Jugeno Gott vor Augen und im Herzen hat, dann können wir sie getrost hineintreten lassen in den Kampf des Lebens und seine Versuchungeii. Ihnen das mitzugeben dient vor allem die Zeit des Konfirman- denunterrichts und die ernste Feier der Konfirmation. Mir können und wollen ja niemanden zuin Glauben zwingen: aber wir wollen die jungen Seelen unseres Voltes Hinweisen auf das Eine, was ihnen helfeii kann, wir wollen ihnen das Bild des Erlösers vor Augen stellen, und es ihnen einprägen, daß sie zu Gotteskindem und zu Nachfolgern Jesu berufen sind. Hier hat aber nicht bloß, die Kircke eine große Aufgabe an unserer Jugend zu erfüllen, sondern auch das Elternhaus, alle die, die den Kindern nahe stehen, und später vor allem auch die, in deren Dienst und unter deren Leitung sie ihre Arbeit thun, und ihren Beruf üben werden. Mögen die Konfirmationsfeiern, die wir jetzt wieder in unseren Kirchen begehen, in allen Beteiligten das Gefühl der ernsten Verantwortung, die sie für unseres 'Volkes Jugend haben, beleben, und sie willig machen, mit über ihre Entwickelung zu wachen, sie zu behüten vor allem, was ihr inneres Leben verkümmert, und ihr zu helfen, daß ein in Gotte--' furcht freies, fröhliches und starkes Geschlecht aus ihr erwachse! ** Von der Universität. Der Groß Herzog hat am 22. März den außerordentl. Professor bei der philosophischen Fakultät der Landesuniversität Dr. Haußner auf sein Nach- suchen mit Wirkung vom 1. April an aus dem Staatsdienste entlassen. * " Vom D ü n S b e r g. Dank der Unterstützung weiter Kreise, besonders verdient dabei unser Nachbarsrädtcheu Wetzlar hervorgehoben zu werden, das zahlreiche Mitglieder zum Tünsbergverein stellt, sind die Schulden, die gemacht wurden, um den Berg mit einem massiven Aussichtsturm und mit einer Schutzhütte zu versehen, nicht nur in kurzer Zeit sämtlich bezahlt worden, sondern der über 300 Mitglieder zählende Verein verfügt zur Zeit noch über ein kleines Kapital. Bereits im vergangenen Jahre erhielt der Verein für den Gipfel des Dünsberges die Wirtschaftserlaubnis. Man schickt sich nunmehr an, auf der Höhe deS Dünsberges, gegenüber dem Aussichtsturm, an der nach Hohensolms hin gelegenen Seite, eine etwa 10 Meter lange und 3,50 Meter breite, nach dem Turm zu offene Sommer- Halle mit Tischen und Bänken einzurichten. Anschließend au diese Halle ist der Bau eines unterkellerten fogenannten Buffetraumes geplant, in dem der mit der Bewirtung der Gäste betraute Wirt größere Vorräte an Speisen und Getränken aufbewahren kann. Außerdem ist die Errichtung zweier Bedürfnisanstalten vorgesehen. Der Dünsbergverein, der für diese Einrichtungen weitere 1000—1200 Mark aufwendet, hofft dadurch der Bevölkerung der näheren und weiteren Umgebung und besonders den zahlreichen Vereinen Veranlassung zu geben, den so prächtig bewaldeten Düns- berg recht oft zu besuchen. ** Opcrnvorstellungeu. In Ergänzung unserer gestrigen Notiz werden wir gebeten, darauf aufmerksam zu machen, daß das Zustandekommen des Unternehmens nur dann gesichert ist, wenn in den alle r nächsten Tagen zahlreiche Abonnements bestellt werden! Denn nur in diesem Falle kann der Theateroerein die verlangte hohe Garantiesumme zusagen. Sollte bis spätestens'Freitag Abend keine lebhaftere Beteiligung eintreten, als sich bis jetzt gezeigt hat, so wird der Vorstand des Theatervereins annehmen müssen, daß ein Bedürfnis nach Opernvorstellungen hier nicht besteht, und dem Unternehmen seine Unterstützung versagen! * * Warnung vor dem Studium der Medizin. Vor kurzer Zeit ging durch die meisten hessischen Zeitungen eine Nachricht, worin unter genauen statistischen Angaben vor dem Studium der Jurisprudenz gewarnt wurde wegen der in diesem Fache zurzeit herrschenden Uederfüllung. Falls diese Warnung ihre Wirkung thut, wird naturgemäß der Andrang zu den übrigen Fakultäten dementsprechend zunehmen, und es dürfte daher allgemein interessieren, daß auch die Aussichten für das medizinische Studium keine günstigen sind. In Nr. 468 des „Aerztlichen Vereinsblattes" (erschienen Anfang März 1902), dem Organ des deutschen Aerztevereinsbundes, der die Mehrzahl aller deutschen Aerzte umfaßt, findet sich folgende Notiz, die allgemeine Verbreitung verdient und deren Hauptsätze hier wiedergegeben sein sollen. Sie betitelt sich: „Die Zukunft des deutschen Arztes auf Grund der Statistik. 1. 1880 kamen auf einen Arzt 3400, 1900: 2000 Seelen; 1906 wird das Verhältnis 1: zirka 1850 fein. 2. Die Zahl der Aerzte beträgt 28,174, darunter sind 6 Proz. staatlich beamtete Aerzte, die übrigen 94 Proz. haben keine Pension, keine Befreiung von Gemeindesteuer, und müssen meist teuer wohnen. 3. Bis 1906 sterben jährlich 500 Aerzte, dagegen kommt von den Universitäten ein Zuwachs von 1350, 'sodaß also die Zahl der Aerzte jährlich um 850 zunimmt. 4. Vorbedingung für das medizinische Studium ist das Zeugnis der Reife von einem Real- ober humanistischen Gymnasium. Das medizinische Studium selbst dauert von jetzt ab mindestens 6^ Jahr, durchschnittlich aber viel länger und kostet mehr als 12 000 Ml., sehr selten etwas weniger. 5. Eine Ermittelung des Einkommens der Aerzte ist im Gange, sodaß die Statistik darüber demnächst veröffentlicht werden kann; sicher ist schon jetzt, daß weit mehr als die Hälfte ein Einkommen aus der Praxis von weniger als 3000 Mk. versteuert. 1887—1896 betrug die Bevölkerungszunahme 11,5 Proz., die Zunahme der Aerzte 63,8 Proz. * * Predigerseminar in Friedberg. Die Aufnahme neuer Mitglieder in das eoang. Predigerseminar zu Friedberg, sowie der Beginn des Sommersemesters 1902 soll Samstag den 19. April, vormittags 11 Uhr, im Seminargebäude stattfinden. Die Kandidaten, welche neu eintreten wollen, haben sich zeitig genug bei der Direktion schriftlich anzumelden, dabei ihre Befähigung zur Aufnahme, einschließlich der Erledigung ihrer Militärpflicht, statutengemäß nachzuweisen, sich Tags vor der Aufnahme persönlich vorzustellen und am oben genannten Tag einzufinden. Die Entlassungsfeier bei Schluß des Winterfemesters findet Dienstag den 1. April, vormittags 11 Uhr, im Festsaale des Predigerseminars statt. jeben, der bis dahin vielleicht den Dichter noch mißverstand. Der junge König, der, vor wenigen Minuten noch über den Tod der Geliebten rasend, den Mördern unerbittliche Rache geschworen hat, wird angesichts der Leiche von einem eigenen Grauen gepackt. Die Tote flößt ihm geradezu Widerwillen ein; die brennende Liebe zur lebenden Geliebten wandelt sich in dem schnellen, schwankenden Jüngling fast in Haß gegen den reglosen toten Körper. Hier ersieht maus deutlich, daß es die Absicht des Dichters war, all den bösen Eigenschaften des Weibes die gleichen beim Manne gegenüberzustellen, und zu zeigen, daß diese Eigenschaften durch die grundverschiedene Erziehung zu verschiedenen Ergebnissen führen. Der Schluß der Dichtung ist im höchsten Sinne des Wortes realistisch, ober anbers gesagt: er enthält Wahrheit der Dichtung unb Wahrheit des Lebens. Die ganze Dichtung ist von der ersten bis zur letzten SzeiW von echtem, stark pulsirendem wahren Leben beseelt, sie ist erhaben in der Weisheit, hinreißend durch die Schönheit der Sprache und bewundernswert als dramatische Schilderung menschlicher Leidenschaften und menschlichen Wankelmuts. -Grade indem Kainz die dichterische Gestalt bei dem Wankelmut anpackte, indem er von vorn herein die stürmende, jähe und jähzornige Jugend das Stück erleben ließ, that er da§ einzig Rechte, unb ein ganz Großes der EharLkterisierungS- fkunst. Das war bic warme, blühende Natur des LeöenS- lenzes, die der große Künstler bot — eine grandiose Leistung, der nur noch m. E. sein Hamlet gleichkommt. Dieser aber, der Hamlet, ist das Größte, was ich je darstellerische Kunst leisten sah. Woher es kommt, daß große Künstler so gerne Rollen spielen, die in ihrer Natur nicht liegen, das ist eine Frage, die vielleicht aus der nämlichen Richtung ihre Antwort erwartet wie die, woher es kommt, daß mancher Dichter, mancher Tondichter grabe seine von dem Urteil der Welt als schwächstes Werk angesehene Leistung als die liebste schätzt und als die beste. Mit diesem Gedanken ging ich zur „Jüdin von Toledo" der Irene Tnesch, wie einst zu ihrer „Hedda Gabler". Nun, es ist staunenswert, was diese merkivürdige Künstlerin von der Rolle, die ihrem ganzen Wesen doch eigentlich fremd ist, mit ihrer Energie sich anzueignen weiß. Sie zwingt da etwas aus sich heraus, was man niemals in ihr vermutet hat, und kommt auch hier zu Momenten von ganz großer darstellerischer Schönheit. Aber ihr mangelt doch die Carmen-Art dieser Gestalt, die feurige Sinnenglut dieses südländischen Mädchens au§ niederem Volk, wozu hier noch voin feinsinnigen Poeten der unbewußte Reiz des frischen Naturlindes braufgegeben ist. Der Darstellerin große Kunst vermag diesen Fehl nur zu verhüllen, nicht auszugleichen. Auch das Kindische und Eitle ist nicht Art der Tnesch. Ihr gelangen darum naturgemäß weit mehr und häufiger, als der Dichter es so meinte, die Momente des Leides und der tiefen, echten Klage. Kurzum, Frl. Triesch nahm, trotz aller ihrer gegenteiligen Bemühungen, die Rolle zu schwer, zu ernst. Neben diesen beiden Hauptrollen weist das Stück nur mehr oder minder umfangreiche Episoden auf, die in Frankfurt nicht alle gleich gut besetzt waren. Frl. Boch, die sonst ivohl kaum je versagt, gab die sittig-kühle Tochter Albions so langweilig, daß der Kontrast zwischen ihr und der Jüdin für einen Blinden fühlbar gewesen wäre. Recht gut war Herr Diegelmann als Don Manriqpe. Mit der Rolle der Esther, die ziemlich überflüssig erscheint, mühte sich Frl. Klinkhammer ab, ohne es zu einer stärkeren Wirkung zu bringen, während Herr Hermann aus dem widerlichen Vater Isaak eine gut studierte, mit Recht durchaus ernst geratene Charge machte. Für den weiberfreudigen heldenhaften Don Gareeran hätte sich wohl ein geeigneterer Darsteller sinben lassen, als der weichliche Herr A. Meyer. — Die Regie hatte für ein gutes Zusammenspiel unb eine Ausstattung gesorgt, die zwar nicht glänzend genannt werden kann, aber doch einen würdigen dekorativen Rahmen für die schone Dichtung abgab. Uebersehen hatte sie, daß der Stönig un ersten Akte ausdrücklich von Gartenanlagen in eng» lis cher Manier sprach. P. W. eitrigen machen, dann zahl- nur in e hohe Frei- 'eten, id des -nach d dem n, die . ÄUZ- }t nut • über 9 über erhielt chchs- he dez ' uach lange nimer- 'eßend unten '9 der d Ächtung urein, 1 auj. u uiü> -r-men Tuns- c kurzer : Nach- >or dem der in Falls der An- nehmen, iud) die i keine blattes^ rutschen i Aerzte breitung i sollen, f Grund 1900: 0 fein. > w in leine en meist izte, da- n 1350, »nimmt. sZeug- n Gym- oon jetzt : länger iveniger. ist im ffentlicht als die ger als erungs- Proz. : neuer irg, amstag )e statt- i, haben n, dabei lebigung ch Tags oben ge- j Schluß irmittags Lottes, s ihr lertiesen, ler ihrer ernst- itück nur n - die sonst . ä[[bionä er Kdm aut ter * sich Ö, jrfutf iu iderlich^ rnst 9e# enhasten )arsteller _ Die ne \ werben T sür ,et Kön'9 n eng' W. «A A Passiva. 175375.37 a) 41006.14 b) 96267.— c) 13829.— 239L0 Wöbet der Mitglieder betrug Ende 1900 Die Zahl 1901 gmgen zu Während 1474 für 2488 Dr. Rausch. gationen gegen Bürgschaft gegen Güterkaufgelder anerkannt billige Bezugsquellt komplette AmichtilWw Während 1901 gingen ab Daher Stand der Mitglieder Ende 1901 Leihgestern, den 25. März 1902. 4051.— 1146.— 386.08 Aufgenommene Kapitalien Geschäftsanteile der Mitglieder Reservefond Betriebsrücklage d) gegen Pachtgelder e) gegen Wertpapiere Kassenvorrat Ausstände Mobilien Zimmer und Küche. Einzelne Möbel in großer Auswahl. Möbelmagazin Ang. Oßmanu, 89 Settersweg 98. Bis Freitag ötn 28. März Sonnenschirme au bedeutend ermäßigten Preisen. 2323 Casseler SchimsM Gießen Seltersweg 9. LelterSweg 9. Zur Jüljalrsbeflauni empfehle 01258 großblumige Penf^es, in Farben und auch gemrscht, sowie: Gartennelken, Bellis, weiß und rot, Bergig meinnicht, Primeln und Goldlack, gefüllt und einfach, in nur starken, gesunden Pflanzen. Otto RÄfiilleu-, Loüar, Handelsgärtner. ____ Ausgeliehene Kapitalien: gegen Obli- toMoerts mit Krma billigst ^rühl'sche Universitatr-Druckerei. Spar- und Worschuß-Werein Leißgestern Einaetr. Genoffenschast mit unbeschr. Haftpflicht. Will, Direktor. Weller, Rechner. 2490 180958.45 153 6 159 2 157 19350.80 5363.69 4804.34 98.18 180958.45 Städtischer Arbeitsnachweis Eichen Gartenstraüe 2. Angebot der Arbeitnehmer: 1 Bäcker, 1 Fuhrmann, 6 Taglöhner, 1 Kellner, 1 Arbeiter. , . . Nachfrage der Arbeitgeber: 2 Lchremer, 1 Hausburzche, 3 Laufs rauen, 2 Dienstmädchen. Lehrlinge: 1 Schlosser, 1 Friseur.-________________________ HroA Realgymnasium und Realschule mit Dorschute zu Gießen. Anmeldungen für das Schuljahr 1902/03 werden Freitag den 4. April, vormittags 9 bis 12 Uhr, in dem Schulgebäude, Ludwigstraße 11, entgegen genommen. Bei der Anmeldung sind Geburtsschein, Impfschein und eventl. das Abgangszeugnis von der zuletzt besuchten Schule vorzulegen. c ,r Der Unterricht beginnt Dienstag den 8. April, vormittags 8 Uhr. Großh. Direktion des Realgymnasiums und der Realschule. Bilanz am 31. Dezember 1901 Aktiva. A H Passiva. lohnend. frage seinen Arzt. 2053 für unsere Abonnenten. Preis für Mchtabonnenten Mk. 5.00. Wortes unter Blumen. Insbesondere geben die Rosen durch ihren Blütenreichtum und ihr gutes Aussehen von guter Pflege Zeugnis. Rächst den Rosen sind es dann die indischen Azalien, deren leuchtende Farben dominierend auftreten. Auffallend sind stets die ponttschen Azalien in ihrer angenehm wirtenden 9lüancicrung. Hyazinten, Tulpen, Tazetten, Cme- rarien u. s. w. sind in entsprechenden Gruppen vereinigt, deren Mittelpunkt von den prachtvollen Amaryllis mit ihren großen, bis 20 Centimeler im Durchmesser enthaltenden Blumen von leuchtend scharlachroter Farbe gebildet wird. Abwechslung bieten verschiedene Treibslräucher, so die rosafarbene Mandelpflaume Prunus triloba, die Accacia hispida und verticillata mit gold - gelben Blütenköpfchen u. a. m. Ein Besuch des Gartens ist jetzt für jeden Blumenfreund werden. Mainz, 24. März. Zwischen der Stadt und der Regierung ist ein Vertrag zu Stande gekommen, nach deni der Negierung ein auf dem Terrain der Schloßfreiheit gelegenes Gelände von 7800 Quadratmeter, auf dem das neue Justizgebäude errichtet werden soll, zu dem Preise von Mk. 702 000 abgetreten wird. Das seitherige Justizgebäude wird zu einem Gymnasium umgebaut, während das alte Gymnasium in das Eigentum der Stadt übergeht, alles natürlich unter Vorbehalt der Genehmigung durch die Landstände. Frankfurt, 24. März. Trotzdem es auch überall im Garten zu grünen und zu blühen beginnt, müssen wir doch schöne Blüten noch im Glashause aufsuchen, wo sie am geschützten Platze sich zu voller Pracht entfalten können. So macht jetzt die Blütengalerie des Palmengartens einen großartigen Eindruck, man wandelt dort im vollen Sinne des Passendes Geschenk für Schüler! Karte ™ Messer und den angrenzenden Gebietsteilen zum Preise von Finanzkalamität befindet. Der Staat hat kurzfrffttge Anlechen cäS Bons abgeschlossen, die aus dem Nlonopolremertrage gezahlt wev^ den- dann hat er andere schwebende ^chiüden, am welche dre Zinsen aus den ordentlichen Staatseinkünften entrichtet werden. Der Bericht des Finanzministeriums behauptet zwar, dap die schwebende Schuld 30 Millionen nicht übersteige, aber m dieser Summe sind nicht auch die bewilligteii Kredite, d. h. das Defizit aus dem Vorjahre inbegriffen. Dieselben werden auf etwa 12 Millionen geschätzt. Kommt feine irabtle Anleihe zu stände, so wird sich das Defizit auf mehr als 8 Millionen steigern. Dresdener Bank. In der gestrigen ordentlichen General- versannnlunq wurde die Bilanz uub die befchlohene Landende von 4 Prozent genehmigt. Tie Mahl der Herren (Geheimer ^manzraL H. Zenke und Geheimer Oberregierungsrat -rr. Meere, Ministerialrat a. D., in den Aufsichtsrat, findet eine sehr günstige Beurteilung. Auf Anfragen aus Aktionärkreisen teilt die Direktion mit, daß die Berliner Terraingeschafte im Verhältnifse zum Aktien- tapttal nicht erhebliche sind und hohe (Seiohme versprechen. Die in Aussicht genommene Transaktion mit der Rheinischen Bank sei gleichsalls nicht von Belang. Es handle sich lediglich umUeoe^ nähme eines kleinen Betrags von Aktien des genannten Instituts und dies sei vollständig risifolos. Dementi der Pfälzischen Bank. Wir haben gefiern unfern Zweijeln Ausdruck verliehen, daß die Pfälzische Bank mit em ent Berliner Institut in Fusionsverhandlungen eingetrelen sei. Zuerst ivar die Berliner Handelsgesellschaft als dasjenige Znfiitut bezeichnet worden, in welches die Pfälzische Batik ausgehen wurde unb dann der Scha aff Hans ens che Batckverein. Nun bezeichnet die Pfälzische Bank alle Gerüchte, die em Ausgeben ihrer Selbstständigkeit mvolviren würden, als falsch; doch wird sie in nähere Beziehungen zu dem A. Schaasfhaujenscheii Baiikvereui treten. Helios, Elektrizitätsgesellschaft Köln. Wie die „K. L. ö» erfährt, kann die Hellosgesellschaft mit Sanierungsvor, chlagen vorläufig noch nicht hervortreten, weil infolge der wettverzweigten Beziehungen des Werkes äußerst umfangreiche Vorarbeiten twd- wendig sind. Die Direktion ist schon seit einiger Zett aitgeftrenat mit diesen Vorarbeiten beschäftigt; doch sind dieselben noch nicht o mcit gediehen, daß irgend etwas über dieselben bekamtt gegeben werden lömtte. Jedenfalls ist es aber ausgeschlossen, daß die sJteu- gestaktung des Helios gleichzeitig mit derjenigen der Attiengesell- schaft für Elektrizitätsanlagen erfolgen könnte. ^rufkallen öer Kröatrlwn. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt. Herrn I. Ä. Die gleiche Beobachtung haben wir, wie jetzig bereits vor Jahresfrist gemacht. Doch sind leider alte Verbindlich- lichkeiten vorhanden, die umzustoßen zu Unzuträglichkeiten führen müßte. Immerhin sind wir, die Redaktion, längst davon überzeugt, daß ein Wandel, wie auch m mancher anderen Beziehung, auch in dieser eintreten müßte, und wir werden fortfahren, auf Besserung zu dringen. — Für Ihr so schätzenswertes als liebenswürdiges Interesse besten Tank! . N. B. L. Z. Der Weiler Gießen im Wurtembergischen liegt unweit des Bodensees bei Friedrichshafen im Arzenkhale, wo auch das Schlößchen Gießen stand, das neben manchen Ruinen aus älterer Zeit jetzt noch einen hohen Tnrm und ein sehr solides- Wohngebäude mir Nebengebäuden hat. **Diehessisch-thüringischeStaatslo tteri e, die, wie wir bereits in unserer Nr. 70 mitteilten, mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. in Kraft tritt, stellt uns eine sog. 1 Lotterie Freizügigkeit in Aussicht. Aber auch wenn diese nicht zu erlangen sein sollte, ist die bevorstehende , Lotteriefusion von unschätzbarem Wert. Die Gemernschasts- , lotterte erhält damit ein so großes Absatzgebiet, daß ihre Existenz und damit die Einnahmen aus der Lotterte gesichert erscheinen. Das ließ sich bisher mit voller Sicherheit von unserer Lotterie nicht behaupten. Sie hat nur nut Hülse des Loosevertriebs außerhalb ihres natürlichen Absatzgebietes ihr Spielkapital auf diejenige Höhe bringen können, die notwendig ist, um mit konkurrenzfähigen Sptell- plänen auftreten zu können. Die Gemeinschaftslotterie wird unter allen Umständen ein genügend großes Kapital ans- spielen und konkurrenzfähig bleiben tonnen. Die nächste Folge des Zusammenschlusses dürfte die Herausgabe eines noch schöneren Planes sein, als er der Anfang April dieses Jahres beginnenden 5. Hessischen Landeslotterie zu Grunde liegt. Hat dieser schon, namentlich vermöge der Einführung von sieben unbedingt und von zusammen 18 mit höchster Wahrscheinlichkeit zur Verteilung gelangenden hohen Prämien, Anerkennung gefunden und dazu geführt, daß die zu der Lotterie mehr ausgegebenen 10 000 Lose schon jetzt fast vollständig ausv er kaust sein sollen, so werden die Kollekteure auf einen schnellen Ausverkauf auf Grund eines großen neuen Planes bei geringeren Äbsatzspesen als bisher sicher rechnen können. Die gegenseitige Konkurrenz der hessischen und thüringischen Kollekteure wandelt sich nun in eine gemeinsame Reklame um, die mittelbar oder unmittelbar jeöem einzelnen Kollekteur zu statten kommen muß. Zu einer übergroßen tteberschwemmung des Publikums mit Offerten wird sie keineswegs führen. Soll es doch in der bisher Lhüringisch-Anhattischen Lotterie nur drei Kollekteure geben, die 1000 und mehr Lose übernommen haben. Der Fusionsvertrag trägt dem Vernehmen nach dem von Hessen im Loseabsatz erzielten Vorsprung Rechnung, soll aber im übrigen den Nutzen und das Risiko des Unternehmens nach Maßgabe der Bevölkerung der beteiligten Staaten verteilen. x Grimberg, 23. März. Im hiesigen Gewerbeverein hielt gestern Abend Neallehrer Hans Kahl aus Darmstadt zwei Vorträge über „die soziale Stellung und wirffchaftliche Bedeutung des Handwerkerstandes" und über „die Sicherung der Forderungen der Bauhandwerter gegen Bauschwindel". Der Redner wies zunächst nach, daß den Handwerkern selbst der Vorwprf nicht erspart werden könne, den Niedergang des Handwerks und die mißliche Lage des ganzen Standes mit- verfchuldet zu haben. Das Streben vieler Gewerbetreibenden, ihre Söhne sog. gelehrten Berufen zuzuführen, die oft unlautere Konkurrenz, die namentlich bei unserem heutigen Submiffionsverfahren in die Erscheinung trete, der Mangel an Standesgefühl bei vielen Handwerkern u. a. hätten nicht dazu beigetragen, das Ansehen des ganzen Standes zu fördern. Erhöhte allgemeine und tüchtige Berufsbildung, Charakterfestigkeit und treues Zusammenhalten der einzelnen Glieder des Handwerkerstandes seien die Haupterfordernisse, um dem Handwerk wieder die Stellung zu erobern, die ihm gebühre. — Im zweiten Vortrage erläuterte der Vortragende mit großer Sachkenntnis die von der Reichsregierung ausge- arbeiteten beiden Gesetzentwürfe zur Sicherung der Bauhandwerker, indem er dabei auf die wichtigsten Unterschiede beider Entwürfe aufmerksam machte. Durch dieses Gesetz solle dem Bauschwindel in den großen Städten, durch welchen schon viele Bauhandwerker wirtschaftlich ruiniert worden feien, gesteuert werden. — Nach reger Aussprache faßte die Versammlung folgenden Beschluß: „Der Ortsgewerbeverein Grünberg bittet die maßgebenden Faktoren, den von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf B zur Sicherung der Forderungen der Bauhandwerker anzunehmen." Diese Resolution soll dem Vorstand der Handwerkskammer zugestellt 'Fulda, 25. Mcärz. Dieser Tage wurde hier ein Bauern tag abgehalten, zu dem die Reichstagscibgg. Herold und Müller-Fulda sich eingefunden hatten. Müller-Fulda sprach die Zuversicht aus, daß Landwirt- schaftsminister v. Podbielski bei Eröffnung des geplanten Korn Hauses nach Fulda kommen werde. Der Minister Hab e chm mitgeteilt, daß die Regierung das Kornhausprojekt auf Staatskosten ausführen werde, obschon der Kornhausfonds von fünf Millionen Mark bereits vergriffen fei. Des weiteren nahm Müller den Landwirtschaftsmnnster in Schutz gegenüber den Angriffen, denen er in letzter Zeit in der Presse vielfach ausgesetzt gewesen war, indem man ihm nachsagte, er fei kein Mann der That. Gerade das Gegenteil sei der Fall. Schon als Unterstarttssekretär des Reichspostamtes habe er die Ausdehnung des Fernsprech^- weseus auf Landorte sehr befürwortet und fei für alle landwirtschaftlichen Wohlfahrtseinrichtungen stets eingetreten. Reichstagsabg. Herold verbreitete sich in ausführlicher Weise über den gegenwärtigen Stand des Zolltarif es in der Kommission. Es sei große Gefahr vorhanden, daß die Vorlage ganz scheitere, und zwar zunächst infolge der seitens der Befürworter der Zolltarifoorlage angewandten Taktik mit der großen Ausdehnung der Debatten und den zahlreichen Unteranträgen. Die Regierung hinwieder versteife sich aus den von ihr vorgelegten Taris und scheine kein Entgegenkommen für den Kompromiß- antrag zu zeigen, während die Parteien der Linken im Reichstag die Vorlage durch Obstruktion überhaupt über den Hausen werfen möchten. Sollte indes der Zolltarif, wie ihn der Kompromiß wünsche, zustande kommen, so lege er großen Wert darauf, daß man sich vor Ueberschätzungen hüte. Einerseits dürften trotz dem höheren Zolle die Erwartungen der Landwirte auf Erhöhung der Getreidepreise herabgedämpft werden und andererseits würden sich die Befürchtungen hinsichtlich einer Verteuerung der Lebensmittel als übertrieben Herausstellen. Redner versicherte, daß die Mehrheit der Zolltarifkommission alles daran setzen werde, um einen Mindestsatz für Vieh- und Fleif ch- zölle herbeizusühren. Nach feiner Meinung werde die Regierung einer großen Reichstagsmehrheit sich beugen. Handel und Verkehr. Uslkswülschast. Darmstadt, 25. März. Die Dividende der Süddeutschen Eisendahngej ells ch asr wird auf das erhöhte Kapital auf etwa 5V, Prozent geschätzt gegen 6'/-,, Prozent im Vorjahre. Kranrfurt cu M., 25. Marz. In der Generalverfammlung der Buderus'schen Eisenwerke äußerte Generaldirektor Kaiser, un Roheis eng eschäst zeige sich wieder mehr Leben, die Abnahme sei befriedigend, auch neue Aufträge feien reichlich vorhanden, so daß die Gesellschaft die ganze Produktwn für 1902 mit 79000 Tonnen bereits zu amiehmbaren Preisen verkauft habe. Auf dem Rementmartt herrsche Verwirrung, die Verkaufspreise vermögen nicht annähernd die Selbsllosten zu decken, weshalb die Gesellschaft die Produktion dieses Nebenartikels stark emschränke. Kastel, 25. Atärz. In der Gläubigerversammlung der Treber- Gesell schäft wurde eine größere Anzahl der Forderung en bestritten, darmtter die der Hemixen-Gejellfchast und der Kinanz- und Handelszeitung : ferner wurde die Forderung der Leipziger Bank von ursprünglich 75 Millionen auf 56 244 965 Mark festgestellt. ar , , 3ur neuen russischen Anleihe. Die neue Anleihe, welche demnächst an den Atarkt kommt, ist m mancher Beziehung von snmpthomatischer Bedeutung. Zunächst 'dürste mit der Unterbringung der 400 Atillioiien-Anleihe, von der zunächst 293 Acill. Mark zu Emission gelangen, der Beweis erbracht sein, daß die politischen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarreichen zur Beit sehr gute sind, was gerade jetzt, da die Handelsbeziehungen Fvischen uns und dem Ausland neu geordnet werden sollen, von Wichtigkeit ist. Im Kampf um die Handelsverträge wird der russische wieder das Hauptziel bilden. Deshalb rlt cs recht erfreulich üaß mit der Unterbringung der Russenanleihe auf dem deutschen Markt vor aller Welt festgestellt wird, daß die beiden Lander gute Freundschaft halten und sich gerne zusammenfinden, wenn es [hr gegenseitiger Vorteil erheischt. Nicht ohne Grund hat man den Emissionskurs auf höchstens 98 Prozent bemessen so daß der Erfolg ein großer werden nmß. Alan wollle offenbar, daß die Wiedereinsührimg russischer Staatsanleihen auf dem deutschen Kapitalmarkt m einem glänzenden Rahmen vor sich gehe. dur serbischen Finanzlage. Aus dem Bericht der serbischen Budgelkommission ist zu ersehen, daß Serbien sich in fortgesetzter AMTLICH GLÄNZEND BEGUTACHTET: gKEE.y ÄSALUTMISS TOILETTE-FETT-SEIFE Unübertroffen für Bant- u teintpfieaet Rein, mild, sparsam. C. Naumann, Seifen- u.-Parffimeriefabrik, Offenbach a.M. Ni-o-ne. 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