Nr. 48 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Sesstschen Landwirt bte Siebener Zamttien- ■ blätter viermal in der Woche beigelegt. -iotattonsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch- u.Siein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Echulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Sieben. Kernsprkchanschluß Nr. 51. Erstes Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch 3«. Februar LS«S GletzenerAnMger ” General-Anzeiger ** 3ä“ä v für den polit. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WW v zeigenteil: Hans Beck. Z>er Kampf um die Nalancierrrog des Etats. s. In der Zweiten Kammer der hessischen Land stände wird eben ein Kampf um die Balanzier- ung des Etats geführt, dessen Ende nicht vorausMsehen ist. Mieder einmal wollen die Einnahmen an die von der Regierung für unbedingt notwendig erachteten Ausgaben nicht heranreichen und &ur Erzielung des erforderlichen Gleichgewichts schlägt die Regierung eine Erhöhung der Vermögenssteuer von 36 vier Elftel Prozent vor, d. h. eine Erhöhung von 55 Pfg. auf 75 Pfg. auf je 1000 Mark steuerbares Vermögen. Hessen ist nicht der einzige Staat des deutschen Reiches, dessen Finanzen zur Zeit in Unordnung geraten sind. Fast alle übrigen Staaten leiden unter demselben Druck, dlber das, was in Hessen die Lage als besonders schwierig, ja vielen als ver- « erscheinen läßt, jst der Umstand, daß der laufende eichfalls nur mit einem Defizit abgeschlossen werden konnte und zwar mit einem noch viel größeren von rund 2 Millionen Mark gegen 809 091 Mark des nächstjährigen Etats. Die Gründe des Fehlbetrags sind sattsam bekannt. Sie liegen, wie wir wiederholt ausführten, nicht in einer schlechten Finanzwirtschaft und verfehlten Wirtschaftspolitik, sondern allein in den erheblichen Rückgängen der Einnahmen aus den Eisen- babnen und den Rückgängen der Ueberweisungen vom Reich. Der Reinertrag aus der hessisch-preußischen Eisenbahngemeinschaft bedeutet für das künftige Jahr einen Ausfall von nahezu drei Viertel Millionen Mark. Dieser Weniger-Erlös in unserem verhältnismäßig'kleinen Etat .hat naturgemäß eine sehr starke Rückwirkung. Hat die mißliche Finanzlage ihren Grund besonders in dem Rückgang der Eisenbahn-Einnahmen, so ift klar, daß nicht schlecht, sondern gut gewirtschaftet wurde und daß, wenn die allgemeine wirtschaftliche Konjunktur auf der Höhe früherer Jahre geblieben wäre, das Gleichgewicht im Etat nahezu hergcstellt wäre. Wir müssen sogar anerkennen, daß unsere Finanzlage gegen früher bedeutend besser geworden ist, denn das Defizit deslaufenden Etats von 2 Millionen ist auf etwasüber drei Viertel Millionen heruntergegangen. Wir brauchen daher trotz alledem keineswegs zu verzweifeln und dürfen $uin Finanzminister, unserem früheren Stadtoberhauht, das Vertrauen haben, daß es ihm gelingen wird, das Gleichgewicht baldigst herzustellen. Freilich will Dr. Gnauth zur Erreichung dieses Zieles einen kräftigen Ruck in der Steuerschraube vornehmen, während der Finanzausschuß der Zweiten Kammer, dessen Bericht bekanntlich vor kurzem an die Landstände gelangt ist, von einer solchen Manipulation nichts wissen will. Günstig sind die Lotterie-Einnahmen. Wie bekannt, hat die Regierung mit Oldenburg einen Staatsvertrag abgeschlossen, wonach das letztere Land ihre Grenzen der hessischen Staatslotterie öffnet. Dadurch wird auf eine Mehreinnahme von 260 230 Mark gerechnet. Ganz besonders vorteilhaft hat sich die Steuerreform entwickelt. Zur Abschaffung der Realsteuern wurde eine anbere Art Einkomntenfteuer mit Progression und zur Ergänzung derselben eine Vermögenssteuer eingeführt. Im laufenden Jahre kommen beide zum ersten Male zur Erhebung. Sie sind von der Regierung für das neue Etatsjahr veranschlagt zu 10,7 Mill. Mk., während die früheren Steuern zusammen einen Ertrag von nur 10,36 Mill. Mark lieferten, jetzt also durch die beiden Steuern schon ein Mehrerlös von 0,34 Mill. Mk. statthat. Die damals weiter vorgesehenen Ersatzposten liefern ebenfalls ein bedeutendes Mehr und sind cutgesetzt: Stempelsteuer mit 2,92 Mill., Erbschaftssteuer mit 0,6 Mill., Hundesteuer mit 0,34 Mill., Lotterie mit 0,979 Mill., Eisenbahnen mit 0,67 Mill., zusammen 5,509 Mill. Dazu der Mehrerlös der beiden anderen Steuern mit 0,34 Mill, die in Summa 5,849 Mill, ergeben. Die Realsteuern ergaben 2,231 Mill., bleibt also ein Mehr gegen früher von 3,618 Mill. Mk. Trotz dieser erheblichen Steigerung der Einnahmen ist ein bedeutender Fehlbetrag zwischen Einnahmen und Ausgaben vorhanden, den die Regierung durch Steuer-Erhöhung, der Finanzausschuß durch Kürzung der Ausgaben und Mehreinstellung in den Einnahmen decken will. Alle Kosten, die hierdurch alteriert werden, und zum Teil recht wesentliche Veränderungen erfahren, anzuführen, würde hier an dieser Stelle zu weit führen. Vielleicht geben uns die Etatsberatungen Veranlassung, auf die wichtigeren noch beson-- ders einzugehen. Nur das sei hier erwähnt, daß man mit dieser Stellungnahme auch innerhalb des Ausschusses auf Widerstand gestoßen ist, sowie der Ausschuß der Ersten Kammer mit den Posten, wie sie von der Regierung eingestellt sind, fast durchgängig einverstanden ist, man also auch hier vor einer Erhöhung der Steuer nicht zurückschreckt. Auch zeigen die Verhandlungen in der Zweiten Kammer, daß bie Majorität des Finanz - Ausschusses keine sehr leichte Aufgabe haben wird, die bereits iugegeben hat, daß die Regierung bei der Aufstellung oes Etats sich großer Zurückhaltung bei den Ausgaben befleißigt habe. Der Kampf ist wichtig genug, um mit Interesse beachtet zu werden. Selbst wenn die von der Majorität des Ausschusses vorgenommene Aenderung des Etats in der Zweiten Kammer die Mehrheit erlangen wird, so bliebe noch eine Verständigung mit der Ersten Kammer zu erzielen, die der Regierung mehr zu willen zu sein scheint, als jene. Wie wird aber das Ende sein? Tie Erhöhung der Vermögenssteuer ist vorgeschlagen. Nun ist aber diese Steuer in Hessen jetzt schon höher, als in Preußen, wo nur 50 Pf. auf je 1000 Mk. Vermögen erhoben werden gegen 55 Pf. in Hessen. Auch beginnt hier das steuerbare Vermögen schon bei 3000 Mark, in Preußen erst bei 6000 Mark. Eine Erhöhung aus 75 Pf. für je 1000 Mark wird um so schwerer empfunden werden, als Preußen die Einkommen erst bei 900 Mark, Hessen aber schon bei 500 Mark heranzieht. Außerdem hat die Fahrradsteuer nicht populär werden können. Ohne die indirekten Steuern hereinzuziehen, ist ersichtlich, daß die hessischen Staatsangehörrgen über Mangel an Steuer sich gerade nicht beklagen können. Aber doch haben wir, wie gesagt, keine Ursache, trübe auszuschauen. Tie Finanzlage hat sich nicht verschlechtert, sondern, wie oben nachgewiesen, sogar verbessert, und ziehen wir den durch die zur Zeit herrschende ungünstige wirtschaftliche Konjunktur Einnahmeausfall bei den Staatsbahnen, mit dem der neue Etat rechnen muß, in Betracht, so ist die Verbesserung gar nicht unbeträchtlich. Aber eine vorübergehende Erhöhung der Steuer wiisd sich kaum vermeiden lassen; ob in dem Umfange, wie die Regierung meint, darüber ließe sich vielleicht noch reden. Sie selber hat sich auch schon mit der Streichung einiger nicht unbedeutender Posten einverstanden erklärt. Ter Finanzminister schlägt eine allgemeine Erhöhung der Vermögenssteuer um 20 Pfg. auf je 1000 Mark Vermögen vor. Bei der Beurteilung des Gesetzes, das uns die Steuerreform gebracht hat, haben wir unsere Gedanken schon ausgesprochen. Auch jetzt noch befürworten wir eine stärkere Heranziehung der größeren Vermögen und reden einer progressiven Verl- mögenssteuer das Wort. Warum sollte diese nicht möglich und durchführbar sein, und den vorhandenen Fehlbetrag nicht decken können? Oder wenn, um diesen ganz verschwinden zu lassen, die Progression in der Vermögenssteuer zu stark sein müßte, scheuen wir uns nicht, auch die Einkommensteuer noch mehr progressiv zu gestalten, obwohl die Progression um einige Zehntel bereits höher ist, als in Preußen. Die stärksten Schultern können auch am meisten tragen. Eine ablehnende Stellung hat, wie mitgeteilt, der Ausschuß in seiner Majorität eingenommen gegen das von der Regierung beantragte Institut der Kreisgeometer, zu welchem Zwecke von derselben 224 500 Mk. in Einnahme und 229 500 Mk. in Ausgabe gestellt worden waren. Tas ergab eine Mehrbelastung des Etats, von nur 5400 Mk. Es ist für jeden Kreis die Anstellung von zwei .Geometern 1. Klasse und von 13 Assistenten als Hilfspersonal, die vorzugsweise aus den Geometern 2. Klasse entnommen werden sollen, in Aussicht genommen. Dieselben sollen Staatsbeamte sein und der Kreisverwaltung beigegeben werden. Die staatliche Anstellung wurde einer solchen durch den Kreis vorgezogen, weil dadurch die Möglichkeit der Versetzung in andere Kreise gegeben ist. In technischer Beziehung sollen sie von der oberen Katasterbehörde kontrolliert werden. Ihre Thätigkeit zur Wiederherstellung der trigoirometrisch bestimmten Punkte und für die materielle und formelle Prüfung der Meßbriefe soll für die Interessenten unentgeltlich sein, während für die Fortführung der Ortsgrundbücher und Grundbuchskarten sowie der Jmmobiliarkataster und die Ausführung der im Interesse der Kreise und Gemeinden vorzunehmcnden geometrischen Arbeiten Gebühren erhoben werden sollen, die so bemessen sind, daß aus der Einführung des neuen Instituts eine allzu große Belastung oer Staatskasse nicht entstehen soll. Die Mehrheit des Ausschusses hat ein Bedürfnis nach Kreisgeometern nicht anerkannt und die Befürchtung ausgesprochen, daß durch Herabsetzung der Gebühren, die notwendigerweise eintreten muß, das Staatsbudget eine dauernde Mehrbelastung erfahren würde; auch würde eine Verschlechterung der bisherigen Verhältnisse zu erwarten sein. Wir bedauern diese ablehnende Haltung der Ausschußmehrheit. Da die Wiederherstellung der trigonometrisch bestimmten Punkte unentgeltlich würde ausgeführt werden, würde dadurch eine starke Entlastung der ärmeren, in gebirgigen Gegenden liegenden Gemeinden herbeigeführt, bei denen die genannte Arbeit vermöge ihrer Lage, die bedeutend mehr trigonometrische Punkte für die Gemarkungen erfordert, als es in der. Ebene, wo die Gemeinden wohlhabender sind, der Fall ist, viel Kosten verursacht. Der Finanzausschuß der Ersten Kammer hat der Regierung zugestimmt, und es ist darum das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen, zumal die Mehrbelastung des Etats gering ist. Eine ganz andere Bewandtnis hat es unserer Ansicht nach mit der vorgeschlagenen Veränderung des Gerichts- vollzie Herinstituts. Bekanntlich haben wir in Hessen das sog. Gebührensystem, d. h. der Gerichtsvollzieher hat. einen rechtlichen Anspruch auf seine durch Reichsgesetz bestimmten Dienstgebühren, die seinen Gehalt darstellen. Bei Versetzung des Gerichtsvollziehers in den Ruhestand wird bei der Berechnung der Pension ein Einkommen von 2600 Mk. zu Grunde gelegt. Dieses Gebührensystem hat manche Unzuträglichkeit im Gefolge, besonders der gänzlich ungleichmäßigen Besoldungserträgnisse. Es haben denn auch unter den 72 Gerichtsvollziehern 12 ein Tiensteinkommen von unter 2000 Mk., 16 ein solches von 2000 bis 3000 Mk. und die übrigen über 3000 Mk. So sitzt der eine in der Gießener Stadühcater. Hamlet. Tragödie in 5 Akten von William Shakespeare. Am Dienstag spielte zu seinem Ehrenabend unser Charakterdarsteller Herr L eß mann seinen Haupttrumpf aus, um mit ihm das Spiel rühmlich zu gewinnen. Shakespeare schilderte, als er die altnordische Sage dramatisch gestaltete, um sie seinen Zuschauern vorzuführen, nichts weniger als Nordlandsrecken, sondern seine Zeitgenossen, und er hat die Hofleute mit so wunderbarer Treue und Anschaulichkeit uns vorgeführt, daß wir mit Erstaunen bemerken, wie wenig die Kavaliere von damals von denen der heutigen Zeit verschieden sind. Die guten Lehren, die der alte Oberkämmerer Polonius seinem nach Paris reisenden Sohne Laertes giebt, könnte ebenso ein weltkundiger guter Vater unserer Tage feinem Sohne geben, der die Universität beziehen oder in ein Regiment emtreten will. Und wie Laertes als vollkommener Kavalier nach Hause kommt, so würde der Sohn des Oberkammerherrn und demnächstige Kammerjunker als schneidiger Saxoborusse aus Heidelberg oder als flotter Leib- Husar aus irgend einer feudalen Garnison der deutschen Armee zurückkehren. Daraus geht hervor, daß die darstellenden Künstler mit ganz besonderer Sorgfalt auf die goldenen Regeln, die Hamlet seinen Schauspielern erteilt, achten und jedes falsche Pathos vermeiden müssen, durch das die Personen uns entfremdet, anstatt nähergebracht werden. Die Titelrolle im „Hamlet" ist für alle deutschmCharakterspieler seit langen Jahren eine Art von unerläßlichem Probe- und Meisterstück. Herr Leßmann hat das seine gestern abgelegt. Die Hamlet-Auffassung unseres Herrn Leßmann machte den Eindruck überzeugender Klarheit. Nicht erst das schaurige Geschick seines Vaters hat ihn, so scheint es, zum Grübler und Träumer gemacht; er war es wohl von Natur aus. In der 4. Szene des 1. Aufzugs, in der ihm der Geist seines Vaters erscheint, überhastete er sich anfangs dermaßen, daß er völlig unverständlich blieb; er wollte wohl darntt seine große Erregtheit über das ihm bevorstehende „fragwürdige" Ereignis zum Ausdruck bringen. In Erwartung der wunderbaren Dinge, die da kommen sollen, läßt er einen Sprudel von Worten, höchst nebensächliche Dinge, sich ergießen; er denkt nur an das kommende Wunder. Das ist jedenfalls mit Geist erdacht, verfehlt aber auf den Zuschauer jede Wirkung. D:e Erscheinung modelt ihn ganz und gar um. Von nun ab ist er der mißtrauisch philosophirende, sein „tolles" Doppelspiel mit kaustischem Witz spielende tief- sinnige Pessimist, der unglückliche Gedankenweltzerstörer und Menschheitsverächter, der vor einer furchtbaren Rachethat, einer Henkerarbett, sich so mutlos als feinfühlig scheut und doch in seinem Zaudern immer nur Rachegedanken wägt, der trotz scharfen Sinnes und scharfen Blickes, trotz vollkommener geisttger und leiblicher Gesundheit doch geistig unheilbar, unrettbar verloren ist fürs Lebensglück, ein moralischer Diagnostiker, der in dem beständigen Karneval der menschlichen Gesellschaft die sozialen Masken durchschaut und durch sie hindurch die Gesichter erkennt, wie aufgeschlagene Bücher. Es giebt ja keine zweite Rolle in der Bühnenlttte- ratur, bei der es so schwer ist festzustellen, inwiewett der darstellende Künstler den Intentionen des Dichters in Auffassung des Charakters gerecht wird. Eines allerdings darf man von jedem ernst zu nehmenden Darsteller des Hamlet unbedingt verlangen, daß er seiner Auffassung der Rolle — sei sie im Uebrigen wie fte will — überall treu bleibe. In dieser Hinsicht ift Herrn Leßmann zunächst Anerkennung zu zollen. Man erhielt den Eindruck einer nach einheitlichem Plane geschaffenen Figur. Wenn ich recht gesehen habe — ich konnte leider nur dem kleineren Teile der Aufführung beiwohnen — bemühte sich Herr Leßmann, mit Aufwendung von alledem, was ihm an kalter, bittrer Ironie, an satirischer Denkkraft zur Verfügung steht, das immer noch gültige Goe- thesche Wort „Hamlet sei der That nicht gewachsen" (das, m. E. fälschlich, der Königsberger Aesthetiker Prof. Baumgart in „entwachsen" geändert wissen will), zu illustrieren. Interessant war die Behandlung der Shakespeareschen Verse durch Herrn Leßmann. Er löste sie eigentlich in volle Prosa auf. Wenn auch die Schönheit der bilderreichen Sprache darunter litt, so gewann dadurch die Verständlichkeit, und manche geistreiche Pointe hob Herr L. auf diese Weise gewissermaßen wie etwas Selbstverständliches aus dem an Rätseln reichen Texte heraus, der ja unermeßliche Schätze in seinem Labyrinthe birgt und unzählige Deutungen zuläßt. Einige Betonungen dürften zu beanstanden sein. Wenn z. B. Po- lomus das Ansinnen, ein Fischhändler zu sein, ablehnt, so muß Hamlet antworten: „So wünsche ich, daß Ihr ein ehrlicher Mann wäret"; die Ehrlichkeit ist nicht zu betonen, diese Spitze nimmt sich Polonius selbst heraus. Durchaus ungezwungen und natürlich floß aber Herrn L. sonst die Rede aus dem Munde. 9tur selten, zum Beispiel in der zweiten Szene des 2. Aktes, gegen das Ende, im Gespräch mit Polonius, schien manches konventionell, niemals aber versiel er in hohle, nur klingende Deklamation, ins Pathos, in theatralische Jugendsünden. Im ganzen war sein Hamlet eine realsstische Leistung von vortrefflicher Wirkung. Seine Vorzüge sind lebendige Ausdrucksfähigkeit, klare Gedanken, ohne Nüancenjagd und Effekthascherei, richtige Empfindung, fast vollkommen fertige Gestaltungskraft. Nur selten, wie in dem Schlußmonolog des 2. Aktes, den er sonst ganz richtig nicht ins Publikum spricht, sondern als smen Gedankenprozeß gibt, der stürmisch das Hirn durchwühlt, ohm allen rhetorischen Aufwand, hat man doch den Eindruck des nicht ganz Ausgeglichenen; zumal sein Seufzen, sein Aus- Willkür völlig bar. dem Orte eine Schauspielerin lebte, die seit einigen Monaten ohne Engagement war. Sofort wurde zu der Dame hingeschickt und diese erklärte sich auch gern bereit, die Rolle der Königin zu übernehmen. Ihre Garderobe hatte sie zwar mottensicher verpackt, doch schnell waren die notwendigen Kleidungsstücke herausgesucht und eben noch rechtzeitig erschien die imposante Figur der Mutter Hamlets auf der Bühne. Ihr stolzes, siegesgewisse Auftreten machte auf das Publikum den besten Eindruck, übte aber auf die anderen Bühnenmitglieder eine höchst originelle Wirkung aus. Der König schien einige krampfhafte Versuche zu machen, seine Würde zu bewahren, brach aber plötzlich in so heftiges Niesen aus, daß die nicht allzu festen Bretter, auf denen er stand, bedenklich erzitterten. Sämtliche Höflinge, die Ehrendamen, alle folgten sie dem königlichen Beispiel. Nun erschien Hamlet mit einer tief tragischen Miene, doch nach einigen konvulsivischen Bewegungen, die seine prinzlichen Züge verzerrten, verhüllte er das Haupt mit seinem düsteren Gewände und Niesen auf Niesen war alles, was das verblüffte Publikum zu hören bekam. Dunkelrot vor Zorn trat zuguterletzt noch der Regisseur hinter den Koulissen hervor, um nach der Ursache der eigenartigen Epidemie zu forschen. Aber ehe der Gestrenge noch zu Worte kommen konnte, brach auch er in niarkerschütterndes Niesen aus. Zwischen den Lachsalven der stürmisch applaudierenden Zuschauer und deni immer noch nicht enden wollenden Niesen auf der Bühne senkte sich der Vorhang. Wie sich dann herausstellte, hatte die fremde Schauspielerin es in der großen Hast versäumt, ihre königliche Robe, die sie zum Schutz gegen die Motten sehr stark eingepfeffert hatte, genügend auszuschütteln. Die wirkungsvollste „Hamlet"-Aufführung, die em Theater je erlebt, kam jüngst in einer kleinen englischen Provinzstadt zustande. Eine reisende Schauspielertruppe hatte für den Abend eine „Hamlet"-Vorstellung angesagt, und da die Leute wirklich gut spielten, war schon am Nachmittag das ganze Haus ausoerkauft. Nun erkrankte plötzlich die Darstellerin der Königin. Ratlos irrte der Direktor umher und brachte schließlich in Erfahrung, daß in Hessischer Landtag. Zweite hessische StändeLammer. 83. Sitzung. Darmstadt, 25. Febr. Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 10 Uhr 15 Minuten. Am Regierungstisch: Staatsminister Rothe Exz., Fi- nanzminister Gnauth Exz., Geheimer Staatsrat v. Krug, Ministerialräte Milbrand, v. Biegeleben, Breidert, Geh. Oberfinanzrat Dr. Becker. Auf der Tagesordnung steht die Spezialberatung des Budgets. Ter hierzu gestellte Antrag des Finanzausschusses lautet: „Tie Kammer wolle beschließen: 1. daß die Kredite für laufende Unterhaltung von Gebäuden nur unter der Beschränkung bewilligt werden, daß Uebertragungen in das Rechnungswesen der nachfolgenden Finanzperiode nicht stattfinden dürfen; 2. daß den Bewilligungen für Neubauten und größere Herstellungen bei allen Bauwesen die Beschränkung bei- aefügt wird, daß Ersparnisse, welche bei der Vergebung von Arbeiten durch Abgebote an den Voranschlägen erzielt geben. Ter Antrag wird einstimmig angenommen. Es folgt die „ II. Hauptabteilung: Domänen des Grotzh. Hauses: Kap. 2: Kameral- und Forstdomänen, Titel 1, Einnahme aus Kameral- und Forstdomänen unter Verwaltung der Oberförstereien und Titel 2, Kameraldomänen unter Verwaltung der Baubehörden. Ter Ausschuß beantragt: Genehmigung der Einnahme unter Kap. 2 im Betrag von 5 696 640 Mark. Hierzu führt Ministerialrat Milbrand folgendes aus: Die Regierung könne im allgemeinen ihr Einverständnis mit den Ausführungen des Ausschusses erklären. Er wolle hier nur auf einen Punkt zurückkommen, der näheres Erläuterung bedürfe, nämlich die Düngung der Do- manialwiesen. Der Ausschuß sei der Ansicht, daß der Ertrag durch Meliorationen und verstärkte Düngung gesteigert werden könne. Hinsichtlich der Ergebnisse der Düngung sei er in der Lage, folgendes Material geben zu können. In dem Zeitraum von 1875—1886 sei der Ertrag der Miesen 103 Mark pro Hektar gewesen. In den Jahren 1886—1895 sei nicht gedüngt worden und der Ertrag auf 83 Mark herabgegangen. Trotzdem man nun in den folgenden Jahren intensive Düngung angewandt habe, sei ein finanzieller Mehrertrag trotz der erheblich gestiegenen Futtermenge ausgeblieben, im Gegenteil sei nur ein Turchschnittsertrag von 81 Mark pro Hektar zu verzeichnen gewesen. Ter Grund für diese Erscheinung sei zu suchen in dem Aufschwung der Landwirtschaft, die auf den Aeckern viel Futter baue und deshalb weniger Nachfrage habe. Werde nun eine stärkere Düngung verlangt, jo komme diese bedeutende Ausgabe in erster Linie Nicht der Landwirtschaft, sondern lediglich dem Militärs.skus und den Besitzern von Luxuspserden zugute. Ferner habe der Ausschuß vorgeschlagen, die Wiesen in eigener Regie zu ernten. Aber gerade zur Zeit der Heuer,nte bestehe- ein großer Arbeitermangel, auch fehle es an Räumen zur Aufspeicherung. Ein solches Verfahren sei mir angezeigt bei großen Wiesenkomplexen, wo geeignete Räume vorhanden seien. Abg. Häusel (nl.) erklärt bezüglich der Position 6: „Lokalverwaltungskosten", Beiträge der waldbesitzenden Gemeinden zu den Kosten der Besoldungen des Forstpersonals folgendes: Er sei gegen eine Erhöhung dieser Beiträge der Gemeinden, da namentlich im Odenwald der Ertrag der Gemeindewaldungen an Eichenlohrinde bedeutend zurückgegangen und zudem noch die Lage der Gemeinden durch das Gesetz, die Gehaltsverhältnisse der staatlichen Forstwarte betreffend verschlechtert worden sei. Dadurch und Einatmen beim Offenbaren seelischen Leidens hat etwas Gezwungenes, Gesuchtes; hier fehlt noch die Abrundung. Aber unzweifelhaft hat nach seinem überraschend guten Mephisto Herr L. mit seinem Hamlet gezeigt, daß er ein ernster Künstler ist, der Hochschätzung verdient und zu größeren künstlerischen Erfolgen berufen scheint. Es ist oft die Rede gewesen vom „fetten" Hamlet. Viele Kommentatoren haben sich, mit mehr oder weniger Geistaufwand, bemüht, nachzuweisen, daß wir uns Hamlet als fett geradezu denken müssen." So Lüning, Rosner re. Herr Leßmann konnte kein fetter Hamlet sein, ebenso wenig wie es z. B. Kainz ist oder die Sarah Bernhardt. Mir scheint die Annahme des Dr. Frhrn. v. Westenholz, daß das „fat“ („fett") im Texte nur eine Abkürzung tm Manuskript für „fatigate" (gleich „müde") sei, ganz plausibel. Die Döring'sche Auffassung, daß Hamlet ein Jüngling sei, hatte sich auch Herr L., m. E. vollkommen mit recht, zu eigen gemacht. Zwei Worte über Hamlet fielen mir gestern immer wieder ein, die ich nie recht verstanden habe und zu deren Verständnis ich auch gestern nicht gekommen bin. Börne erfand in dunkler Zeit aus seinem liebeglühenden Herzen heraus das Schmerzenswort „Hamlet ist Deutschland". Mir scheint das em Wort geistreicher Kritik über Deutschland, nicht über Hamlet zu sein. Und Bulthaupt versteigt sich zu der Behauptung, daß Hamlets Unglück „unser aller Unglück" ist; das klingt zwar sehr sublim, sehr hamletisch traurig, aber denken kann ich mir nichts Rechtes dabei. Denn das Leid Hamlets ist doch höchst individuell und „unS alle" berührt nicht das zaudernde Schwanken eines sensiblen Schwächlings. Das leider in sehr geringer Zahl erschienene Publikum — das Fest des Akademischen Gesangvereins in „Steins Garten" that der Vorstellung den größten Abbruch — zeigte ich dem Benefizianten sehr geneigt und applaudierte ihm wiederholt stürmisch, wie auch den Mitwirkenden. Unter diesen hatten wir wir in dem guten graubärtigen Schwätzer Polonius Herrn Hofschauspieler Link aus Meiningen als willkommenen Gast zu begrüßen. Er betonte in seiner schönen Darstellilng in erster Linie die humoristische Ader des alten Herrn, den er als liebenswürdigen Dümmling von guten Manieren hin- tellte und in der Rede vortrefflich pointierte. Dabei war jede Geberde wohl überlegt und doch von dem Eindruck der Arbeitslöhne. .. Ministerialrat Milbrand: Daß die Lohne günstiger geworden seien, könne schon aus dem Budget ersehen werden, und nur dadurch sei die Forstverwaltung in der Lage, sich ein tüchtiges und geschultes Arbeiterpersonal zu erhalten. Daß die Regierung ein Herz besitze für die Arbeiter, das gehe hervor aus den Mohlfahrtseinrichtungen in Hessen, die im Reich als die besten von allen deutschen Staaten bekannt seien. Die Regierung werde in dieser Beziehung alles thun, was in ihren Kräften steht. Abg. Weidner (fr. w. V.): Er stimme vollständig überein mit den Ausführungen des Abg. Korell über Düngung und Meliorationen. Die Regierung dürfe in dieser Einsicht nicht nachlassen, aber dies treffe nur generell zu. wurden, nur insoweit zur Verwendung kommen dürfen, als sie zur Deckung von Aufgeboten über die ^ranschlage oder zu Fundamentierungsärbeiten oder )on,t ttch ?ls notwendig erweisenden Verbesserungsarbciten bezüglich der baulichen Anordnung, des Rohbaues und des inneren Ausbaues innerhalb des Rahmens des genehmigten Projekts erforderlich sind; ~ w 3. ihr Einverständnis mit dem Inhalt der m dem Hauptvoranschlag beigefügten bezw. nach den Nachtragen und Berichtigungen in der Anlage zur Drucksache Nr. <41 beizufügenden Anmerkungen, nachgesuchten Befugni^e, Be- rrechtigungen und Vorbehalte der Großh. Regierung insoweit erklären, als nicht ein das Einverständnis ablehnender oder beschränkender Beschluß gefaßt wird. Ter Ausschußantrag wird oebattelos und einstimmig angenommen. , rr _ c Zur Beratung kommt sodann der erste Teil des Budgets: Für die Verwaltung. Bei der I. H aup tabtilung: Reste aus früheren Jahren, beantragt der Ansfchnß bei Ka- pitel I Titel 1: Rest nach Abschluß der Staatsrechnungen 1900/01 den Betrag von 566 828,24 Mark emzustellen. Ter Antrag wird ohne Debatte genehmigt. _ Hierbei ist jedoch zu bemerken, daß von diesem Rest diejenigen Beträge in Abzug zu bringen sind, über dneteresse der kleinen Leute seiner Gegend, denen man die Gelegenheit, für ihren Bedarf zu sorgen, nicht dadurch nehmen solle. Bezüglich der Forstdomanen habe der Finanzminister einen großen Ausfall angekündigt. Seiner Ansicht nach treffe dies in dem Maße nicht zu An den geringen Erträgen sei die Regierung zum Teil selbst mit schuld Durch das ausgedehnte Submissionswesen werde ein großes Angebot auf den Markt geworfen und dadurch ein Preisdruck hervorgerufen, während stets ein Mangel an Brennholz herrsche und die Leute gezwungen werden, um jeden Preis zu kaufen. Es fei infolgedessen für ine Landwirte vorteilhafter, Submifsionsholz zu taufen und es nachher zu Brennholz zu zerschneiden. Ministerialrat Milbrand hebt hervor, daß rm letzten Jahre 66 000 Festmeter Holz mehr gefallt worden seien. Die Regierung sei somit bemüht gewesen, das Aeußerste zu thun, um dem Bedürfnis entgegenzukommen. Nutzholz zu Brennholz zu zerschneiden, sei vom finanziellen Gesichtspunkt aus betrachtet, durchaus unrentabel. Abg. Gramer (Soz.) wünscht Auskunft seitens der Forsiverwaltung über die Lohnhöhe der Holzhauer und Waldarbeiter und eine gelegentliche Zusammenstellung der Wolle, der andere auf dem dürren Ast, obwohl bei beiden : dieselbe Vorbildung und der gleiche Eifer vorhanden sind. ■ Mit Rücksicht auf die Ungleichheit im Einkommen sind Preußen, Bayern, Sachsen und Hamburg, also gerade die drei großen Staaten im Reiche, mit der Verstaatlichung des Gerichtsvollzieherinstituts vorgegangen. Das Gleiche beabsichtigt die hessische Regierung, und schlägt eine Gehalts- skala von 1800 bis 2800 Mk., in 15 Jahren erreichbar, vor, zuzüglich 25 Proz. der Gebühren aus Prioataufträgen. Bei einer so einschneidenden Veränderung, wie die hier in Aussicht genommene, sind die Erfahrungen anderer Länder zu beachten. Nun steht fest, daß die Verstaattichung des Gerichtsvollzieherinstituts in Preußen in Interessentenkreisen sehr heftig getadelt und die größte Unzufriedenheit darüber laut geworden ist. Ist auch dieser Umstand kein Zeichen für den Vorteil ober Nachteil der neuen Einrichtung, so ist doch zu bemerken, daß die gesammelten Erfahrungen ein abschließendes Urteil in dieser Sache noch nickst zulassen. Es dürfte daher doch wohl besser sein, noch einige Jahre zu warten. Aber andere größere Bedenken stehen der Umwandlung entgegen, denen sich ein Einsichtiger nicht verschließen kann und die unseres Erachtens so durchschlagend find, daß wir das Gebührensystem dem System des fixen Einkommens vorziehen. Die Regierung sagt: Bei der Gewährung fester Gehalte wird das Bestreben der Gerichtsvollzieher durch Eifer und Tüchtigkeii im Dienste sich auszuzeichnen, nicht so gefördert, wie bei dem Gebührensystem, denn dieses schaffe einen freien Wettbewerb unter den zuständigen Gerichtsvollziehern. Die Gefahr, daß durch unveranlaßte, übergroße Milde gegen die Schuldner die Interessen der Gläubiger gefährdet werden, ist nicht zu unterschätzen. Auch ist das Wahlrecht der Parteien mit dem Gehaltssystem unoereinbarlich, und fällt die Möglichkeit des Publirums, unter verschiedenen Gerichtsvollziehern zu wählen, fort. Wir halten eine Verstaatlichung der Gerichtsvollzieher im Interesse der Bewohner sowohl, wie der Beamten selber, für ebenso unthunlich, wie die Ver- staattichung der Notare und Rechtsanwälte. Wir heben außerdem hervor, daß die vorgeschlagene- Gehaltsskala zu niedrig gegriffen ist Die Gerichtsvollzieher stehen auf gleicher Stufe mit den Gerichtsschreibern, haben aber einen noch viel schwierigeren Tienst, als o auch das Recht der Gleichstellung im Gehakt mit diesen. Dadurch würde aber der Etat dauernd belastet. Und doch müssen mit dem Gerichtsvollzieherinstttut Veränderungen vorgenommen werden, denn die Ungleichheit in der Einnahme ist zu groß, als daß hier länger stillschweigend könnte zugesehen werden. Der Ausschuß schlägt eine staatliche Garantie eines Mindesteinkommens von 2000—2500 Mark vor, wie es zur Zeit in Baden der Fall ist. Das istein Weg, der gangbar erscheint, jedoch glauben wir, daß durch die Art der Be- und Versetzung die Unebenheiten in den Gehaltsbezügen noch mehr könnten ausgeglichen werden, so nämlich, daß man weniger einträgliche Stellen Anfängern im Amte überträgt, die dann mit vorgerückterem Alter in bessere Stellen aufrücken. Dienstalter und Einkommen müßten Tüchtigkeit im Amt bei Versetzung maßgebend sein. Wenn auch jetzt schon manches durch Versetzung geschreht, es ist aber lange noch nicht genug. Dazu ist nötig, daß freigewordene Stellen bekannt gemacht und möglicherweise zu einer Konkrurenz ausgeschrieben werden. Beides ist bis jetzt nicht der Fall zum Nachteil des bewährten Jnstttuts der Gerichtsvollzieher. Hervorzuheben ist noch, daß der Finanzausschuß der ersten Kammer die fragliche Umgestaltung befürwortet. Frl. Feige sah als Ophelia sehr gut aus. Die anderen Darsteller traten alle sehr in den Hintergrund. Es gab gewiß jeder von ihnen das beste, nur die Herren Sandor und Zoder nicht so viel als sie besitzen; sie standen für die höflschen Freunde Rosenkranz und Gülden- ftern gar zu nichtssagend, zu verständnislos, zu steif da. Die beiden Herren vom dänischen Hofe sind durchaus nicht ganz so ansichtslos. Mit dem ehrlichen „Geist", den einstens Shakespeare selber darzustellen pflegte, gab sich Herr H e r tz o g redliche Mühe, ohne schaurig und ergreifend zu wirken, wie es die Dichtung verlangt, eine Aufgabe, die freilich unserem heutigen Publikum gegenüber sehr schwer zu lösen sein dürfte. Den Horatio sprach Herr Gerlach verständig. P. W. In Oberhessen sei in einzelnen Oberförstereien für Dungung schon viel zu viel Geld ausgegeben worden, ohne batf der Ertrag eine Steigerung erfahren habe. Außerdem Jet die Futteroermertung keine angemessene; die Grasverstciger- ungen würden von den Oberförstereien zu früh gel.gr; es wäre besser, sie gleichzeitig mit der Heuernte anszu- schreiben, dann werde man ein besseres Resultat erzielen. Unlautere Manipulationen der Steigerer sollten der Versteigerungen vermieden werden. Bezüglich der Holzeinnahmen glaube er nicht an einen so großen Ausfall. Bei Aufhauung von Schneisen solle man das Holz den armen Leuten gegen einen geringen Preis abgeben. Bezüglich des Losholzes müsse er sagen, daß dies sozusagen mir Treck und Speck zusammengesetzt werde, um sodann den Leuten für teures Geld angerechnet zu werden. Hier sei entsprechende Abhilfe dringend not. Abg. David (Soz. : Aus der von der Zentralstelle für Landesstatistik herausgcgeb nen Stakistit über die Lohn Verhältnisse der Waldarbeiter habe er sich eine Belehrung nicht holen können. Die Zahlen seien ihnen durchaus in roher Form überliefert; der Laie könne sich gar nichts daraus entnehmen. Es fehlten vor allem Durchschnittsund Prozentberechnungen, Additionen rc. Die Zentralstelle mache sich die Arbeit überl^arrpt sehr leicht. Hier müsse endlich einmal Abhilfe geschaffen werden. Abg. Berthold (Soz.- rügt die in Groß-Gerau vorgekommene Bestrafung einer Arbeiterfrau, die unter Nichtbeachtung des bestehenden Verbots Leseholz auf einem Wagen nach Hause geschafft habe. Ministerialrat W i l b r a u d erklärt diese Bestimmung als gerade im Interesse der Armen getroffen. Dadurch werde verhütet, daß die Reicheren der ärmeren Bevölkerung das Leseholz wegfahren. Die Forstverwaltung übe in dieser Beziehung die größte Humanität. Abg. Haas-Offenbach (natL): Der Regierung gegenüber müsse er zwei Wünsche aussprechen. Bereits vorhin sei darauf aufmerksam geinacht worden, daß die Regierung an der Verbesserung der Erträge der Wiesen Mitarbeiten müsse. Düngung und Meliorationen müßten ins Auge gefaßt werden. Dreimal habe er bei der Regierung angeregt, sich durch eine Kommission zu überzeugen, in welchem Zustande die siskalischen Wiesen sich befinden. Das erste Mal sei er aus Widerstand gestoßen, und man habe sich gegen den Vorschlag einer Untersuchung durch staatliche Kulturtechniker ablehnend verhalten. Das zweite Mal habe die Regierung zustimmend geantwortet, aber das Maiterial sei ruhig beiseite gelegt worden, und man habe von der Meliorationsthätigkeit nichts weiter gehört. Im Lande sei man einig, daß die Staatswiesen sehr meliorationsbedürftig sind, beispielsweise feien sie in Oberhessen zum Teil versumpft. In der Wctterau sei seinerzeit die sog. Markwiese melioriert worden mit erheblichen Kosten und heute werde berichtet, daß das Interesse an der Erhaltung dieser guten Melioration nicht mehr vorhanden sei und infolgedessen der Ertrag zurückgehe. Weiter sei er der Meinung, daß nicht alle Oberförster sich zur Verwaltung der Kameral- domänen eignen. Er sei der Ansicht, daß wir bei der früheren Verwaltung durch die Rentämter besser weggekommen seien. Er gebe deshalb der Regierung anheim, ob sich nicht ein günstigeres Resultat erzielen lasse, wenu man für diese Verwaltung besondere Beamte einsetze. — Eine andere Frage betreffe die Waldankäufe zur Arron- dierung. Im Odenwald habe es der Staat jetzt haupltsäch- lich auf den Ankauf der ,Lohschläge abgesehen, die nicht mehr rentieren, weil einerseits die Private zu früh verkaufen müssen und außerdem ein großer Preisrückgang der Lohe von 9 Mk. auf 4.50 Mk. zu verzeichnen ist. Angesichts dieser Thatsachen sei der Private zum Verkauf geneigt, das Geld werde aber nicht wieder zum Ankauf von Grundbesitz verwandt, sondern verpulvert, und in kurzer Zeit sei der Mann seinen Wald und sein Geld los. Dies liege gewiß nicht im volkswirtschaftlichen Interesse, und es fei in dieser Hinsicht seitens der Regierung nicht angezeiät, den Leuten den Wald abzukaufen. Den Odenwäldern hb Ko der Station Gießen 226 92° 725 0 - o'H ~ c C o s - Aosoiüi' üestes Mundwasser der Welt! Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Gartenstraße 2. __ Angebot der Arbeitnehmer. 3 Schlosser, 1 Schneider, 1 Schreiner, 1 Wickelmacher, 1 Hausbursche, 1 Taglohner, 4 Fuhr- knechle, 1 Pflasterer, 3 Lauffrauen, 1 ältere, gut empfohlene Frau als Wartfrau zu Kindern. 1 Schmiedelehrling zu katholischem Meister. Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Friseur, 1 Schmied, 1 Fuhr- knecht, 2 Dienstmädchen, 1 Laufmädchen. Lehrlinge: 2 Schmiede, 2 Schreiner, 1 Friseur, 1 Glaser. Bekanntmachung, betreffend: Haftpflichtversicherung. Die Stadt beabsichtigt, für ihre sämtlichen Betriebe und Verwaltungszweige eine Versicherung abzuschließen gegen alle Schadenersatzansprüche, welche auf Grund der Haftpflichtbestimmungen gegen ste geltend gemacht werden können. Die dahier wohnenden Versicherungsagenten, soweit sie nicht heute bereits durch Schreiben von uns zur Abgabe von "Angeboten aufgefordett worden sind, werden ersucht, auf deni Bureau der Bürgermeisterei — Zimmer Nr. 15 — die erforderlichen Unterlagen zwecks Einreichung eines Angebots einzufordern. Gießen, den 25. Februar 1902. 1643 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. __________________I. V.: Wolff. Verdingung. Die zum Neubau eines Schulhauscs in Krofdorf erforderlichen Bauarbeiteu und Lieferungen: Die Erd- und Maurerarbeiten, Maurermaterialien, Asphall-, Stein- Hauer-, Zimmer-, Dachdecker-, Klempner-, Schreiner-, Schlosser- Glaser-, Anstreicher- und Tapezierer-Arbeiten und die innere Einrichtung sollen öffenllich vergeben werden. ütmin: Mittwoch, Jen 5. Mörz, mittags 12 Uhr. Zeichnungen und Bedingungen können vorher eingesehen und Verdingungsanschläge von hier bezogen werden. Wetzlar, den 20. Februar 1902. 1535 Der Kreisbaumeister: W. Witte. Arbeits - Vergebung. Die zur Vergrößerung des Kohlenfchnppens für unser Pumpwerk Queckborn erforderlichen Arbeiten, nämlich: Maurer-, Zimmerer-, Dachdecker-, Spengler- und Pflasterarbetten sollen auf dem Wege der üffenllichen Ausschreibung an einen Bauunternehmer dergeben werden. Die Bedingungen, Zeichnungen u. s. w. liegen während der Dienststunden auf unserem technischen Büreau zur Einsichtnahme auf. Angebote sind bis zum 10. März, vormittags 11 Uhr, verschloßen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bei uns einzureichen. Gießen, den 25. Februar 1902. 1624 Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Otto Bergen. Mlanz am 3L Dezember 1901. Aktiva. Passiva. Kaffenbestand 935.20 Geschäftsanteile der Warenvorräte 6162.90 Mttglieder 555.— VorhandeneEmballage 102.05 Kapttalschulden 1800.— Ausstände 3115.18 Warenschulden 4966.83 Vorlagen 75.25 Reservefonds 2148.45 Reingewinn 920.30 10390.58 10390.58 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1900 107 Während 1901 gingen zu 7 114 Während 1901 gingen ab 3 Daher Stand der Mttglieder Ende 1901 111 Lang-Göns, den 25. Februar 1902. Landnmtschastl. Konsumverein Langtzöns. Eingetr. Genossenschaft mit unbeschr. Haftpfl. K. K. Brücket, Direttor. K. I. Wentzel, Lagerhalter. Muhßolz-Herkäufe in der Oberförsterei Brandoberudorf. I. Mittwoch den 5. März 1902, vormittags 2 Uhr, auf dem Rathause zu Cleeberg: a) Staatswald, Distrikte Strettwald und Sankhard: Eichen, 95 St. II.—IV. Kl. mit 89 fm; Distrikt Gänsrod: 125 Gruben- und Werkstämme mtt 25 fm; Distrikt Einhäuser- felb: 22 St. mtt 9 fm, Wagnerholz; in verschiedenen Distrikten: 58 rm Nutzknüppel, 1,75 m lang, sowie Fichten einige Stämme und 45 Stangen III. Kl.; b) Gemeindewald Cleeberg: Eichen: 63 St. II.—IV. Kl. mtt 55 fm aus Mohrswald, 111 Gruben- und Werkstämme mit 21 fm aus Fuchskopf und Niederlach, 33 rm Nutzknüppel, 1,75 m lang. Buchen: 4 St. mit 5 fm aus Mohrswald. Nadelholz aus Gaulskopf und Total. 165 St. mit 37 fm, 1500 Stangen mit L—III. Klasse, 800 Reiserstangen. 1567 II. Donnerstag den 6. März 1902, im Walde der Gemeinde Brandoberndorf, beginnend vormittags 10 Uhr im Distrikt Hochhard. Eichen: 98 St. II.—IV. Kl. mit 100 fm; Distrikte Pfarrheck und Nesselborn: 54 Grubenst. mit 12 fm, 35 rm Nutzknüppel, 1,75 m lang. Nadelholz, Distrill Triescher u. versch.: 238 St. mit 73 fm, 100 Stangen I.—III. Kl., Rüster 1 St. — 0,34 fm, einige Birkenst. Wegen vorgerückter Zayreszeit gebe ich eine große Partie Winter-Unterkleider als: 1490 Vormat- «nd Zäger-Kemde», Kantjacken Unterhosen und Jagdwesten mü 85 Prozent Nachlass ab. RchM 23. Robert Stuhl. Fluß- und Seefi!ch. J< M* Sclüjlliof Telephon 119. 314 Prompter Verwandt nach ausw. 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Es wird mein eifriges Bestreben sein, die mich beehrenden Abnehmer durch Verabreichung von nur guter Ware, sowie durch zuvorkommende Bedienung in jeder Hinsicht zufrieden zu stellen. — Mit der höflichen Bitte um Unterstützung meines Unternehmens B. Birkenholz: 64 rm Knüppel (15 rm sind 8 m lang), 14 rm Stöcke, 650 Wellen. C. Kiefernholz: 2 Stämme =■ 0,74 fm. Die Zusammenkunft ist vormittags 9 Uhr auf der Jägerschneise am Birkenstock. Großen-Linden, 24.Febr.19O2. Großherzogl. Bürgermeisterei Großen-Linden. Leun. Z Casseler Schirmfabrik Giessen, Seltersweg 9, gegenüber W. Wirslg. Reparaturen und Neubeziehen schnell, dauerhaft und billiget. Haus mit Garten sofort zu verkaufen Eventuell auch Haus ohne Garten. Besonders passend für Bäcker oder Metzger. J. Atzbach Marmor- und Steinmetz - Geschäft. Alleiniger Produzent: F. Ffeifier, Neustadt 24 ich । Hohversteigerung Montag, 3. März 1902 sollen in den Waldungen der StadtjStaufenberg in den Distr. Mark, Maistrauch, Eichwald und Tiefenbach versteigert werden: 1639 3 Eichenstämme bis 49 cm I Durchm., 2,90 fm, (Reiser-1 Schnittholz), 190 Fichtenstämme, 90,88 fm, I 221 Fichten-Derbstangen. Dienstag, 4. März 1902 in denselben Distrikten: 46 rm Buchenscheit, 60 rm Eichenscheit (darunter 24 rm Küferholz), 12 rm Aspen- und Nadel- Rundscheit, 131 rm Buchen-, Eichen- und Nadel-Knüppel, 54 rm Buchen- und Eichen- Stöcke, 85 rm Fichten--Stöcke, 3950 Buchen-Wellen, 1050 Eichen-Wellen, 2725 Nadel-Wellen. Der jedesmalige Anfang ist vormittags 10 Uhr, am ersten Tag an der Hachbornerstraße beim Pflanzgarten, am zweiten Tag beim Gemeindesandsteinbruch und kommt das Eichen- Küferholz nachmittags gegen 2 Uhr zur Versteigerung. Staufenberg, 24. Febr. 1902. GroßherzoglicheBürgermeisterei Staufenberg. Stephan. Fritz Nowack, Ausstattungs-Geschäft und Wäsche-Fabrik. Hochachtungsvoll Karl Holzapfel Sw o> LS ®| Spezialität: Schlafzimmer-, Hotel- und vollständ. 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