153. Jahrg Nr. 351 General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen Müller-Fulda. dagegen die anderen den mit 132 gegen stimmt das Centrum Erscheint ISgsich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siebener $amilienblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der .hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Rotationsdruck und Verlag der Brü h l'sche« Unioersitätsdruckerei (Pietsch Erben), Dießen. Stimme enthalten. Die entsprechenden Positionen des autonomen Tarifs (30, 90, 180, 360 Mk.) werden mit derselben Mehrheit in der Kommissionsfassung angenommen. Hierauf i e r t a g t das Haus die weitere Derathung auf Sonnabend 12 Uhr. Schluß 5¥a Uhr. abgelehnt. Die Abstimmung über die Mindestzollsähe der K o m m i s s i o n ist eine namentliche. Die Mindestsätze wer- 106 Stimmen angenommen. Dafür mit einigen wenigen Ausnahmen, darunter die Konservativen, die Reichspartei, die Antisemiten und einzelne National-Liberale, darunter Graf Or i o l a, Parteien. E i n Abgeordneter hat sich der Damit schließt die Debatte. Persönlich bemerkt Abg. Dr. Kropatschek (fonf.): Der Abg. Stadthagen hat tüte», derholt so gethan, als hätte ich einen Zwischenruf gemacht. Tas ist mir nicht im Geringsten eingefallen. Alle meine Nachbarn können mir das bezeugen. Ja, sic können mir sogar noch mehr bezeugen, nämlich daß ich einen Zwischenruf garnicht habe machen können. Denn die vorzüglichen bippologischcn Ausführungen des Herrn Stadthagen haben auf mich so beruhigend eingewirkt, daß ich sanft cntschUnnmcrt bin. (Große Heiterkeit.) Erst sein Zuruf hat mich wieder geweckt. (Erneute Heiterkeit.) Abg. Graf Kanitz (kons., persönlich): Der Abg. Haase hat mir einen Widerspruch in meiner Rede vorgcworfen; er hat Recht. Ich wollte nicht sagen, die kleinen Besitzer haben ein Interesse daran, die Pferdezucht rentabel zu erhalten, sondern sie wieder rentabel zu machen. Abg. Stadthagen (Soz., persönlich): Mir ist ba§ große Versehen passirt, Herrn Grafen von Roon mit Herrn Dr. .Kropatschek zu verwechseln, ein Versehen, um das ich Herrn Grafen von Roon um Verzeihung bitte. (Heiterkeit.) Herr Dr. Kropatschek hat ferner behauptet, er habe keinen Zuruf machen können, werk er geschlummert habe. Demgegenüber möchte ich persönlich betonen... Präsident Graf Ballestrem: Das Schlummern des Abg. Dr. Kropatschek ist keine persönliche Angelegenheit von Ihnen. (Stürmische Heiterkeit.) Abg.Stadthagcn (fortfahrcnd): Ich möchte nur noch bemerken, daß der Ruf: „Was wollen Sie denn von nur? thctt- sächlich von Herrn Dr. Kropatschek herrührte. Er sprach allerdings offenbar aus dem Schlaf. (Heiterkeit.) Hierauf wird zur Abstimmung geschritten. Zunächst werden in einfacher Abstimmung die Anträge Wangen he im u. Gen. gegen die Stimmen der Mitglieder des Bundes der Landwirthe, einiger Konservativen und Antisemiten daß sie mit geradezu mustergiltiger Sachlichkeit bisher vorgegangen ist, und wenn Herr Rettich gestern nicht zur Unzeit einen Schlußantrag gestellt hätte, würde er dem Hause sogar eine namentliche Abstimmung haben ersparen können. .Die Annahme deS Vorredners, daß der kleine Bauer sich mit Pferdezucht beschäftige, trifft nur für ganz vereinzelte Fälle zu. Herr von Blodau verwechselt hier die Pferdezucht mit der Rindvieh- und Schwelneziicht. Für die letztere ist es zuzugebcn, daß das Schwergewicht ,n den Betrieben bis zu 100 Hektar liegt, bei der Pferdezucht ist das nicht der Fall. Die Pferdezucht ist in den letzten 20 Jahren von 3 Millionen auf über 4 Millionen Stück gestiegen, und diese Steigerung ist erfolgt unter Geltung des jetzigen Zollsystems-, es liegt also kern Grund zu der Annahme vor, daß dieser nicht ausreichend sei. Immerhin bleibt noch ein nicht geringer Theil des Bedarfs übrig, der durch das Ausland zu decken ist, und eSjft keine Gewahr Dafür gegeben, daß eine Zollsteigcrung auch eine Steigerung der heimlichen Produktion im Gefolge haben wird; sicher ist vielmehr nur, daß wir von der Zollcrhöhung eine Preissteigerung zu erwarten Hadem Ein besonderer Mangel der vorgeschlagenen neuen Satze liegt auch in ihrer Komplizirtheit. Das bisherige Verfahren, die Erhebung des Stückzolls, war sehr einfach, die Werthdcklaration aber wird sehr viele Scherereien und auch viele Unterschleife mit sich bringen. Für einzelne Kategorien wird der Zoll um das 18fache des bisherigen Zolls erhöht, und es werden Abstufungen gemacht, die ganz unhaltbar sind. Wenn der Werth eines Pferdes auch nur um eine Mark die Summe von 300 Mark überschreitet, dann soll sofort an die Stelle von 24 Mark ein Zoll von 72 Mark treten. Das ist doch geradezu ungeheuerlich. Auch der Hinweis der Grafen Kanitz auf die Bedürfnisse der Armee spricht eher gegen, als für ihn. Für den Fall der plötzlichen Mobilisirung wurde ja der Fiskus in Folge der Vertheuerung durch den Zoll enorm große Lasten übernehmen müssen. Man kann die Pferdezucht nicht beliebig steigern. Sie hängt vor Allem mit den Bodenverhältnissen zusammen, und es sind ihr daher bestimmte Grenzen gesetzt. Minister Buchenberger, der leider heute nicht anwesend ist, sagt ui einem seiner vortrefflichen Bücher, die Rentabilität der Pferdezucht hange aufs engste von der Niedrighaltung der Vodenprcise ab. Je größere Flächen man verwenden könne, desto aussichtsreicher die schälung durch ausländische Hengste erwächst. Ein Jrrthum sei es, anzunehmen, daß es sich bei den Pferdezollen um Liebesgaben für die Junker handle. Die Zollfreiheit auf Pferde wurde den Ruin der heimischen Landwirthschaft herbeiführen Abg. Tepken (nat.-lib.): Die meisten Vorredner haben vom einseitigen Standpunkte ihrer Provinzen an5 gesprochen und lokalen Anschauungen Rechnung zu tragen gesucht; für nnch dagegen ist nicht der Standpunkt einer Interessengemeinschaft, sondern nur derjenige der allgemeinen Wohlfahrt maßgebend. Von diesem Standpunkte aus befürworte ich die Regierungsvorlage. Zolltechnische Schwierigkeiten werden sich aus ihr nicht ergeben, denn es muß von den Zollbehörden an der Grenze erwartet werden, daß sie Den Tarif in liberaler Weise handhaben werden. Die Zollsätze der Regierungsvorlage sind mich keineswegs zu hoch. Ter Anschauung, daß der kleine Bauer keine Pferdezucht treibe, kann ich nur in Betreff einzelner Gegenden einige Berechtigung zuerkennen. Im Allgemeinen trifft sie nicht zu. In ganz Hannover, Holstein, Owenburg und vielen anderen Ländern ist der kleine Bauer ganz wesentlich an der Pferdezucht betheiligt. Ein weiterer Schutz, mit der Staffelung, wie sie die Regierungsvorlage vorsiht, ist daher durchaus angebracht. Ich bitte nochmals, die Sätze der Vorlage anzunehmen. (Beifall bei den National-Liberalen.) Abg. Stadthagen (Soz., mit großer Heiterkeit empfangen.): Die Festsetzung der Zollhöhe ist vollständig willkürlich. Von einem Schutz der kleineren Besitzer durch den Zoll kann gar nicht die Rede sein. In Der Hauptsache kommt die Begünstigung nur dem Großkapital zu Gute, wovon man sich im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier überzeugen kann. Der Entwickelung der Nemonte- pferde wird durch den Zoll direkt entgegengewirkt. Der Zoll ver- theuert kleinen Gewerbetreibenden, z. B. den Droschkenbesitzern, ihre Betriebsmittel. (Der Saal wird immer leerer. Die übriggebliebenen Abgeordneten machen einen sehr gelangweilten Eindruck, es herrscht im Allgemeinen eine sehr unluftige Stimmung.) Redner verbreitet sich über die Geschichte der Pferdezucht, wird durch den Zuruf: Pferdezölle I von rechts unterbrochen und erwidert: Ja, wenn Sie den Zusammenhang nicht verstehen, Herr Kropatschek, dann thut es mir leid . . . (Abg.: Kropatschek: Ich habe ja kein Wort gesagt! Präs. Graf Bal le st rem ersucht, die Zwischenrufe zu unterlassen. Abg. K r o p a t s ch e k: Ich bitte, mich vor einem solchen Menschen zu schützen! Präs. ®raf Balle st r e m ermahnt, den Anordnungen des Präsidenten auf jeher Seite des Hauses Beachtung zu schenken. Abg. Kr o p atschet: Dann soll man uns endlich in Ruhe lassen, — tippt dabei mit dem Zeigefinger auf die Stirn. — Die übrigen Abgeordneten haben iväbrenD des ganzen Zwischenfalls sich völlig unint^esfirt gezeigt und lesen, oder beschäftigen sich sonst ruhig weiter.) Redner verbreitet sich über die Pferdezucht und über den Begriff Der Raste Er meint: Giebt es Denn überhaupt ein nationales deutsches Pferd? (Ruf rechts: Ja!) Giebt es ein Pferd mit arischem Blut? (Heiterkeit.) Sind Die Vorfahren nicht mit Arabern ge- kreurt worden, haben sie nicht orientalisches Blut in ihren Adern? (Erneute Heiterkeit.) Das Mittel des LanDwirthschaftsminlsters gegen die Pferdenoth ist eine Kur, vor Der selbst ein Dr. Eisenbart zurückschrecken würde. Wer dafür ist, daß Der Reiche sich auf Kosten des Armen noch mehr bereichert. Der muß für die höheren Zolle stimmen. Da ich aber nicht annehmen kann, daß auch nur cm einziger diesen Standpunkt vertritt, so hoffe ich, daß der Zoll ein- müthig abgelehnt wird. (Heiterkeit.) beim stimmen. , ... , .. . , . Abg. Dr. Pachnicke (freif. Vag.): Es ist merkwürdig, Daß vom Bundesrathstische aus in dieser Sache Niemand das Wort nimmt. Wenn Herr v. Podbielski es nickt wagt, bann konnte er sich ja seinen Lcmdstallmeister aus Trakehnen, den Herrn von Oettlngen, kommen lassen, der bei seiner rührenden Hurforge für die Volksschule und für die Lehrer auch wohl noch Zeit gehabt hat, sich um Die Pferde zu kümmern. Es ist umso mehr verwunderlich, daß Dte Regierung sich ausschweigt, als die ganze Debatte über Den Zolltarif sich bisher in Durchaus sachlichen Bahnen bewegt hat. Insbesondere muß die Linke das Lob für sich in Anspruch nehmen, Parlamentarische Perhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 20 2. Sitzung vom 2 4. Oktober, 1 Uhr. Das Haus ist gut beseht Am Bundesrathstisch: Graf VosadowSkYu. A. Auf der Tagesordnung steht Die Fortsetzung der zweiten Berathung des Z o l l t a r i f - G e s e tz e s beim tz 1 (Mindestzolle). Zur Debatte stehen zunächst die von Der Kommission binzugefügten Mindestzölle für Pf e r d e, V i e h und F lei sch. Die Debatte beginnt mit der Position Pferde Die Mindestzolle für Pferde betragen bei einem Werthe des Pferdes btS 300 Mk. 24 Mt., bis 1000 Mk. 72 Mk., bis 2500 144 Mk. und für mehr als 2600 Mk. 288 Mk. r . Mg Frhr. v. Wangenheim (kons.) beantragt, anstatt Der obigen Mindestzölle zu setzen: 30 Mk., 90 Mk., 180 Mk. und Verbunden damit wird die Berathung der entsprechenden Position des autonomen Tarifs. Referent Abg. Herold berichtet über die Verhandlungen der Pferdezucht. . j Jnsgesammt möchte ich mich dahin äußern: Horen Sie doch , endlich auf, auf das handelspolitische „Musterland" Frankreich mit ; seinen Mindestzöllen hinznweisen. In Frankreich konnte Der Minimaltarif eben aus dem Grunde nur so lange aufrecht erhalten ; werden, weil er in Wirklichkeit stets durchbrochen wurde. Der . Doppeltarif, wenn er wirklich durchgeführt wird, kann nur zum Zollkrieg führen, nicht zum Zollftieden. (Beifall links.) Preußischer Landwirthschaftsminister von Podbielski: Der Herr Vorredner vermißte, daß ich mich an dieser Debatte betheiligt. Der Grund für meine Zurückhaltung ist ein erklärlicher: Ich wollte erst abwarten, wollte Die verschiedenen Vertreter der Parteien sich äußern lassen, so daß ich dann insgesammt auf sie hätte eingehen können. Der Herr Abg. Pachnicke wird doch wohl auch nicht wünschen, daß ich jedem einzelnen Redner einzeln antworte, und so vom Regierungstisch aus dazu beitrage, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen. Da er aber besonderen Werth darauf legte, daß ich ihm antworte, so bin ich bereit, artiger ihm zu begegnen, als er mir gegenüber aufgetreten ist. (Heiterkeit.) Ich habe schon in der Kommission eingehend diese Materie behandelt und mich darüber gewundert, daß von verschiedenen Seiten der Versuch gemacht wurde, Die Verhätnisse unserer Landespferdezucht zu verschieben. (Große Heiterkeit.) Ich habe nachgewiesen, daß, abgesehen von den Gestüten und einigen Liebhabern, unsere Pferdezucht in Den Händen der kleineren Besitzer liegt (hört, hört! rechts), ich habe nachgewiesen, daß dem größeren Besitzer die Zucht nicht möglich ist, weil er seine Pferde einem Knechte anvertrauen muß und nicht selbst Darauf achten kann. Daß Diese bei der Trächtigkeit keinen Schaden nehmen. Nur der kleinere Besitzer kann die hierzu nothtocndige Sorgfalt selbst darauf verwenden. Die Aufzucht der Warmblüter ist ihm aber dann nicht in dem Maße möglich, weil er die nöthige Weide nicht hat, um die nöthige Entwickelung hervorzurufen. Dann muß Der größere Besitzer eintreten, um diese Pferde aufzuziehen. Wenn nun der Abgeordnete für Königsberg drastisch dargestellt hat, wie glücklich so ein Aufzüchter sei, wenn er seine Remonte an Den Staat verkauft, so möchte ich ihm erwidern: Die wenigen Glücklichen und vor Allem Pferdeverständigen, Die ihre gejammte Aufzucht verkaufen, — Das ist aber Die Minderzahl — denen geht es freilich leidlich. Aber der großen Mehrzahl gelingt dies nicht. Und Diese belasten ja naturgemäß unendlich den Durchschnittspreis. Alle Herren, Die sich mit Der PferDezucht beschäftigen, wissen, daß ein solches PferD, welches Die Remontetommission nicht kaust, nahezu werthlos ist. Darin liegen die Schwierigkeiten für unsere heimische Pferdezucht überhaupt. Als ich in früheren Jahren noch Mitglied Der Budgetkommission war — einzelne Herren werden sich ja Daran noch erinnern (Abg. Singer (Soz.): Ja, Das waren schöne Zeiten! Schallende Heiterkeit) — Da habe ich auch immer darauf hingewiesen, daß man für die Landespferdezucht eintreten müsse. Wir haben in erster Linie für die Sicherstellung der Remontirung zu sorgen, damit für Den Fall des Krieges für Die Millionen Menschen, Die wir auf die Beine stellen, das genügende Pferdematerial vorhanden ist. Und das kann nur Durch Die Warm- blütherzucht ermöglicht werden. Das also ist Die Bedeutung der warmblütigen Pferdezucht. Die kaltblütige Pferdezucht ist tn der Hauptsache in Den Händen kleiner Besitzer am Rhein, und wir haben dort seit Jahren eine sehr gute Entwickelung gesehen. Die Düsseldorfer Ausstellung legt Dafür vollgiltigen Beweis ab. Aber diese Pferde bedürfen nicht der großen Bewegung, sie können m kleinen Räumen aufgezogen werden, und in Folge dessen ist dort der kleine Besitzer in Der Lage, das Pferd bei sich selber aufzuziehen. Die Entwickelung der kaltblütigen Pferdezucht zu fordern, ist eine unserer wesentlichsten Aufgaben. In Frankreich hat sich unter Dem Zollschutz eine blühende Pferdezucht entwickelt. Wahrend Frankreich 1870 nicht in der Lage war, ferne Armee bei der Mobilmachung mit den genügenden Pferden zu versehen, ist es jetzt that- sächlich in Der glücklichen Lage, sagen zu können: Wir stehen auf eigenen Füßen. (Heiterkeit.) Dies „Stehen auf eigenen ^ußen , , das wünsche ich nach jeder Richtung hin auch für unsere heimische ’ Pferdezucht. Heber Die Frage der Minimalzölle werden wir uns ja noch eingehend unterhalten; vorläufig kann ich nur wiederholt erklären, daß die Regierung nicht in der Lage ist, auf diese Mini- : malzölle einzugehen. Ich kann die Herren mw bitten, sich auf Den . Boden der Regierungsvorlage zu stellen. (Beifall.) Abg von Treuenfels (Hospitant Der Konservativen) weist auf , den Schaden hin, der der heimischen Pferdezucht durch Die De- Kommission. ... c m Abg. Graf Kanitz (fonf.): Gestatten Sie nur, Die große Bedeutung Der Pferdezucht für Die Landwirthschaft hervorzuheben. Allerdings darf man nicht vergessen, daß die Steigerung Der Pferdeproduktton auf die mangelnde Rentabilität anderer Zweige Der Landwirthschaft zurückzufuhren ist. Die Pferdezucht hat sich am meisten Da entwickelt, wo Der Körnerbau am wenigsten rentabel ist, namentlich in Ostpreußen. Aber nicht bloß bezüglich Der Quan- fität, sonDern auch bezüglich Der Qualität stehen die ostpreußlichen Pferde obenan. Wir müssen darauf bedacht fein, die Pferdezucht rentabel zu erhalten. % Der Rernonten werden heute aus Ostpreußen genommen, ein Beweis, Ivie nothwendig die Erhaltung der Pferdezucht Ostpreußens in militärischem Interesse ist. In Frankreich ist früher, als die Einfuhr stärker war als Die Ausfuhr, eine sechsfache Zollerhöhung auf Pferde beantragt und einstimmig beschlossen worden. Die Gegner Des Doppeltarifs bei und bezeichnen eS als unklug, Die Starten vorher aufzudecken, aber Dies Bedenken trifft nicht zu. Günstige Handelsverträge können ttotzdem abgeschlossen werden, wenn wir nur mit der nötigen Energie dem Auslände gegenüber auftreten. Die Einfuhr an Pferden übersteigt seit Jahren Die Ausfuhr ganz beträchtlich. In Der letzten Zeit bat die Einfuhr etwas abgenommen, aber die heimische Produktion hat keinen Vortheil davon. Da in Folge Der Einführung Des elektrischen SttaßenbahnbettiebcS Der BeDarf an Pferden geringer geworden ist. Nun hat ja Der Landwirthschaftsrath anerkannt. Daß Deutschland einstweilen noch Der Einfuhr von ausländischen Pferden bedarf, ein Beweis, mit welcher Objektivität die Verhandlungen landwirthschaftlicher Korporationen geführt werden. Aber Die Einfuhr geht weit über Den Bedarf hinaus. DaS hat Die Kommission nach reiflicher Berathung eingesehen. Ich kann Sie nur bitten, den Kommissionsbeschlüssen im Interesse Der heimischen Produktion, im Interesse Der Landwirthschaft und hn Interesse Der Landesver- theiDigung zuzusttmmen. (Beifall rechts.) ,,L . Abg. Haase (Soz.): Der VorreDncr hat mich nicht Dcwon überzeugt, Daß Die kleinen Besitzer von hohen Pferdezöllen einen Vortheil haben. Es scheint sich wieder nur um eine Liebesgabe für die Großgrundbesitzer zu handeln. (Oho! rechts^ Graf Kanitz hat selbst gesagt, wir sollen dafür sorgen, daß die Pferdezucht rentabel erhalten bleibt. Er giebt also zu, daß die Pferdezucht auch bei dem bisherigen Zoll rentabel ist. Warum soll denn nun dieser Zoll erhöht werden? Mtt Den Preisen, die für Remontcpferde bezahlt werden, können die Herren sehr gut bestehen, sie machen dabei gute Geschäfte Werden die Remontepferde noch theurer bezahlt, so leidet Die Gesammthett Darunter. Die Anträge Der Kommission sind in hohem Grade geeignet. Den Abschluß neuer Handelsverträge zu gefährden. Die Grenzen für die einzelnen Abstufungen des Pferdezolles sind zudem ganz willkürlich gewählt. Gerrüie die Arbeitspferde werden mit einem nach Prozenten höheren Zoll belegt, als Die Luruspferde. ES toirD also gerade wieder Der MittelstanD stärker als Der reiche Mann belastet. Nun sagen Sie, es fei im Interesse Der LanDesvertheidigung nothwenDig, Die heimische Pferdezucht zu heben. Nun, Das hat auch Graf Kanitz zugeben muffen, daß unsere heimische Pferdezucht fortschreitet. Einen Mangel an Pferden im Kriege werden wir nicht haben, denn solcye Kavallerie- attaden, wie sie jetzt bei Den Manövern üblich geworden sind, sind im Ernstfälle nicht möglich. Es handelt sich also nicht Darum, Durch höhere Zölle auf eine Hebung Der heimischen Pferdezucht im Jmcr- effe der Landesvertheidigung hinzuwirken, sondern eine bestimmte Gruppe von Großzüchtern dadurch zu bereichern. Wir werden daher nicht für Zollerhöhung, sondern für Zollfreihett stimmen. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Mg. Steinhaver (freif. Vgg., schwer verständlich): Mehr als Durch hohe Zölle toürDc uns pommerschen Bauern durch eine Aende- rung der Körordnung gedient sein. Jetzt wird fast der ganze Re- montebeDarf in Ostpreußen angekauft, und nur, was Dort nicht mehr an Bedarf gedeckt werden kann, wird in Pommern und anderen Provinzen beschafft. Darin liegt eine erhebliche Benachteiligung der pommerschen Viehzucht. Abg von BlöDau (kons.): Die Annahme, daß wir ohne Einfuhr aus dem Auslände unseren Remontenbedarf nicht decken könnten, die ich oft von Anhängern linksstehenDer Parteien gehört Babe, trifft nicht zu, denn ein beträchtlicher Theil Der Einfuhr besteht aus Kaltblütern. Es kann gar lerne Rede Davon sein, Daß nur eine Gruppe von Großzüchtern Durch Die Zollerhohung begünstigt toirD; gerade Die PferDezucht ist noch zmn großen Theil m Den Händen Der kleineren Bauern. Jetzt gehen 80 Millionen für BferDe ins Ausland. Dieses getoaltige Kapital muffen wir Der heimischen Pferdezucht zu sichern suchen, und das kann nut Durch ausgiebige Zölle geschehen. Ich tocrDc für den Antrag Wangen- Samstag, 35. Oktober 1903 Gießener Anzeiger Parlamentarisches. Tie im Reichstage erfolgte Aeußerung des Abg. Tr. Beim von der aus den Kreisen des Bundes der andwirte an ihn gerichteten Aufforderung, die „elende Flott enpvlitik" zum Scheitern zu bringen, war in der Presse mehrfach mit der Bemerkung begleitet worden, es wäre doch sehr interessant gewesen, wenn Tr. Heim angegeben hätte, welche Personen bei ihm gegen die Flottenpolitik zu intriguieren versucht hätten. Taraus schreibt nun die „Germania": „Ter Abg. Dr. Heim wird mit der Namensnemrung aewiß nicht zurück- halten, wenn seine Mitteilung ernstlich bestritten werden sollte, besonders von selten des Bundes der Landwirte. Letzteres ist nicht geschehen, sodaß der Abg. Tr. Heim bislang noch keinen Anlaß zur Namensnennung ge- Llhabt hat." Aus ZtM und Land. ** Hofnachrichten. Prinz Heinrich von Preußen ist gestern um 7 Uhr 16 Min. früh nach Blankenburg zur Teilnahme an der Jagd gereift. — Ter Großfürst und die Großfürstin Sergius von Rußland werden, wie die „Tarmst. Ztg." erfährt, schon am nächsten Montag in Tarmstadt eintreffen und im Grvß- herzoglichen Residenzschlosse Löhnung nehmen. ** Ordensverleihungen. Von dem Kaiser wurde zum 22. Oktober die Rote Kreuz-Medaille 3. Klasse verliehen u. a. dem praktischen Arzt Tr. med. Karl Ludwig Dörr, dem Tünchermeister Johann Imhof und dem Werkmeister Jacob Steinmetz, sämtlich in Mainz. — Dem Kanzleidiener am Landgericht der Provinz Lberhessen Heinrich Nahrgang wurde aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Tas Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Ober-Flors- heim Wilhelm Sch neider III. verliehen. ** Personalien. Ter von sämtlichen Riedesel Freiherrn zu Eisenbach auf die evangelische Pfarrstelle zu Nieder-Moos, Dekanat Lauterbad), präsentierte Pfarrver Walter Heinrich Linck zu Maar ist für diese Stelle bestätigt worden. — In den Ruhestand wurde versetzt am 18. Oktober der Kanzleidiener am Landgericht der Provinz Oberhessen Heinrich 9t ahrgang auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. ** Au b en Landt a gswah len wird uns aus Alsfeld geschrieben: Im Wahlkreis Alsfeld-Stadt hat fid) aus verschiedenen Berufskreisen und politischen Richtungen eine Vereinigung von Männern gebildet und hat der freisinnigen Kandidatur Reh in Lehrer Rudolph eine parteilose Kandidatur gegenübergestellt. — Zu der in 9tr. 249, 1. Bl., enthaltenen Notiz aus Schotten wird uns heute aus Nidda geschrieben: Tie in Her- ch en Hain seinerzeit vom Photographen Paar aus Md da gemachten photographischen Aufnahmen — vier an der Zahl — sind keine „zufälligen Momentaufnahmen", vielmehr sind sie mit ausdrücklicher Erlaubnis S. K. Hoheit des Großherzogs gemacht worden. Paar hat die Bilder durch das Großh. Hofmarschallaml S. K. Hoheit zugesandt, und von dort ist demselben mit dem Ausdruck des Allerhöchsten Tantes die Erlaubnis der Vervielfältigung und des Verkaufs der Bilder gegeben worden. ♦* Kunftv er ein. Tie Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand ist nunmehr von morgen Sonntag an wieder geöffnet und zwar an Sonntagen, mittags von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen, an Wochentagen, mit Ausnahme Samstags, von 11 bis 1 und Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags. Eintrittsgeld für Nichtmitglieder an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg., au Wochentagen 50 Pfg. Vermischtes. Berlin, 24. Okt- Tie Stadt Berlin beabsichtigt eine Anleihe von mehr als 200 Millionen Mart aufzunehmen. * Essen a. d- R., 24. Okt. Einer Meldung aus Oberhausen zufolge, wurden dort durch Einsturz einer Mauer in einem Neubau der Besitzer des Hauses schwer, drei Handlanger leicht verletzt. * Magdeburg, 23. Ott. Stationsassistent Sievert wurde gestern bei Ausübung seines Dienstes aus dem Duckauer Rangierbahnhof von einem heranrollenden Wagen überfahren. Es wurden ihm beide Beine vollständig zermalmt. Dar Verunglückte ist inzwischen im Krankenhause gestorben; er hinter läßt Frau und Kind. * Mährisch-Ost rau, 24. Ott- Ter Kassierer Dekarek der Wtttkowitzer Eisenwerke, welcher beschuldigt war, rund 150000 Kronen defraudier t zu haben, ist heute an Zungenkrebs gestorben. * Budapest, 24. Okt- Der Präsident des Szolnoker Gerichtshofes, Tr. Sarkany, stürzte sich krankheitshalber vorn vierten Stockwerk eines Hauses am Elisabethen- ring auf die Straße und war sofort tot. * Washington, 24. Okt. Die Blättermeldung, Alice Roosevelt habe sich verlobt, wird zustündigersetts für unbegründet erklärt. * Buenos Aires, 24. Okt- Durch einen orkanartigen Sturm wurden in der Stadt Diamante (Provinz Entrerios) etwa hundert Gebäude zerstört, wobei ungefähr fünfzehn Personen getötet und viele verletzt wurden. Mehrere Fahrzeuge auf dem Paranaflusse sind gesunken. Auch aus 'Rogoya und anderen Orten wird Sturmschaden gemeldet. * Lord Kirchener hat 1870 gegen Deut sch - /and gekämpft. In Paris feiern die Franzosen zur Zeit Lord Kitchener, weil er 1870 als französischer Soldat gegen Deutschland gekämpft. Tas Journal" erzählt die Geschichte mit dem Hinzufügen, Kitchener sei heute noch stolz darauf, den deutsch-französischen Krieg seinen ersten Feldzug zu nennen. Der englische Oberst Stuart Wortley garantiert die Wahrheit der Geschichte. Danach trat Kitchener, 20 Jahre alt, als Freiwilliger in das 6. Ba> taillon der Mvbilgarde der „Eotesdu-Nord" gegen den Willen seiner Mutter, machte verschiedene Gefechte mit und biente dann als Ordonnanz in der Luftschisserabtei- gung. Nach der Niederlage der Loire-Armee ging er nach England Aurüd und trat im Dezember 1871 in die britische Armee. So feiern die Franzosen am Ende der Woche den Besieger der Buren, nachdem der Anfang derselben Woche von ihrem Jubel um die Burenhelden widerhallte. * Der Zar inden russischen Sprichwörtern. Ter Name des Zaren spielt, wie man aus folgenden Beispielen sieht, in den russischen Sprichwörtern eine große iRolle. „Tic Kvone des Zaren bewahrt ihn nicht vor Kopf- schmerzen." „Selbst der Zar kann die Sonne nicht aus- pusten." „Ter Zar wohnt nicht in enter Hütte, deshalb kennt er auch das Elend nicht, das darinnen lebt." „Ter Arm des Zaren reicht, so lang er auch ist, nicht bis zum Himmel." „Ein fetter Zar wiegt in den Armen des Todes nicht schwerer, als ein armer Verhungerter." „Tie Stimme des Zaren findet selbst dort ein Echo, wo keine Berge in der Nähe sind." „Eine Thräne im Auge des Zaren kostet das Land viel Taschentücher." „Wenn der Zar die Windpocken hat, behält das Land davon die Narben." „Selbst das Huhn der Zarin kann keine Schwaneneier legen." ,Menn der Zar spielt, sind die Minister einäugig und die Bauern bttnd." * Tie bekannten ältesten Leute. Während das Teutsche Reich unter seinen 55 Millionen Einwohnern 778 hundert Jahre alle Personen zähtt, Frankreich 213, England 146, Schottland 46, Norwegen 23, Schweden 10, Belgien 5, Dänemark 2 und die Schweiz gar keinen Hundertjährigen aufweist, kann sich Spanien 401 und Serbien gar 575 Individuen rühmen, die das hundertste Lebensjahr überschritten haben. Ter in Rio be Janeiro lebende 150- jährige ehemalige Schiffsrheder Bruno Cotrim ist gegenwärtig der älteste Mann der Welt. * Rauchende Schulkinder. In der pädagogischen Zeitschrift „Schule und Leben" teilt Lehrer A. Boer seine Beobachtungen bezüglich des Rauchens unter Kindern seines Schulsprengels mit. Er schließt dabei völlig diejenigen Kinder aus, die nut hie und da eine Pfeife oder Zigarre in den Mund stecken, um zu probieren, wie es schmeckt. Bei seiner Untersuchung kamen nur solche Kinder in Betracht, welche eine Pfeife voll Tabor oder eine Zigarre zu Ende rauchen, ohne üble Folgen zu verspüren. Dabei teltte sich heraus, daß in den zwei untersten Slaffen, die von Knaben im Alter von 5 bis 7 Jahren besucht werden, 9 Zöglinge Pfeife und Zigarre rauchten; in den zwei folgenden Klassen — Knaben von 7 bis 10 Jahren — and er 11 Raucher, in den beiden höchsten Klassen — Knaben von 10 bis 13 Jahren — 9 Raucher; zusammen somit 29 Raucher oder 50 v. H. aller Zöglinge, deren Gesamtzahl 59 beträgt. Andere Lehrer machten ähnliche Beobachtungen; sie beraten über geeignete Maßregeln, um dem Uebel zu steuern. ♦ • Aus der Sch u l e. Lehrer: „Sag' mir, Fritzchen, welchen Nutzen haben wir von der Kuh?" — Fritzchen: „Sie wird gegessen und getrunken." Aus der Lebenspraxis. „Von dem krieg' ich auch noch Geld!" sagt man gewöhnlich von einem, von dem man feind mehr kriegt. Ein Vielbeschäftigter. A (zu seinem vorbeieilenden Freund): „Ja, Mensch, Tu mutzt ja furchtbar beschäftigt sein!" — B.: „Im Vertrauen gesagt, es ist nicht so schlimm. Ich hab' nur immer so furchtbar viel zu thun, um so zu thun, als ob id) was zu thun hätte!" Kathederblüte. Professor: Ruhm und Verdienst, meine Herren, gehen nickst immer Hand in Hand, wir haben Beweise, daß ost die berühmtesten Männer unbekannt geblieben sind. In der Schute. Ter Präses kommt in die Klasse und sieht einige Schüler auf dem Fensterbrett sitzen. Mtt Empörung legt er los: „Nun habe ich schon immer strengstens verboten, sich auf das Fensterbrett zu setzen, und Sie thun es wieder. Wenn dann einmal einer hinunter- stürzt, will es niemand gethan haben." Vergleich. Schulinspektor zum Lehrer: ,LVie, 100 Kinder zu unterrichten, das ist Ihnen zu viel, Sie wünschen eine kleinere Schule? Ta hört sich doch alles auf, was die Lehrer heutzutage verlangen! Niancher Univeösitätsprv- essor wäre stwh, wenn er so viel Hörer hätte!" Kunst und Wissenschaft. Berlin, 24. Ott. Anläßlich der Internationalen Tuberkulös en t'onferenz lud Geheimrat Behring- Marburg die Teilnehmer der Konferenz zur Besichtigung seiner der Bekämpfung der Riudertuberkulose dienenden Anlagen nach Marburg ein. Tie Teilnehmer besichtigten heute die beiden Lungenheilstätten in Belzig und Beelitz. Der deutsche Kaiser verlieh dem Generaladmini- trator der französischen Nationalbibliothek und Mttglied des Institutes Leopold Delisle in Paris die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. VniverstMs-Uachrichteu. Berlin, 24. Okt. Dem „Reichsanz." zufolge ist der bisherige außerordentliche Professor für Philologie und Archäologie an der Universität Basel, Tr agenborff, zum Direktor ber römisch-germanischen Kommission des kaiserl. archäologischen Instituts ernannt worden. Gerichtssaal. Berlin, 24. Okt. In dem Beleidligungs* Prozeß gegen Tr. Paalzow und den Lehrer Nickel wegen der Trakehner Zu stände wurde heute vormittag die Beweisaufnahme geschlossen und in die Plai- doyers eingetreten. Staatsamvalt Beeck beantragte gegen Tr. Paalzow 100 Mk., gegen Lehrer Nickel 600 Mk. Geldstrafe. Der Wahrheitsbeiveis fei nicht gelungen. Ter Schutz des § 193 könne nur Nickel zugebilligt werden. Rechtsanwalt Sennefeld plädierte in längerer Rede für Freisprechung. Das Urteil lautete gegen Paalzow auf 300 und Nickel auf 200 M k. oder für je 10 Mk. ein Tag Gefängnis. Landwirtschaft AaS de« Kreise WormS, 20. Okt Im Lause dieser Woche beginnt in dem südlichen Teile von Rheinhessen die allgemeine Weinlese, welche zwar quanhtatro nicht befriedigend ausfaden wird, da die SDlaifröfte zu viel geschadet haben, aber doch einen halben Herbst und eine gute Qualität liefern dürfte. Wenn man von den Portugiesern, die schon vor 14 Tagen gelesen wurden, ans die weißen Trauben schließen darf, so wird das Mostgewicht in den besseren Lagen 100 Grad nach Oechsle häufig über- Iteigen; denn die roten Trauben, die doch weniger Zuckergehalt haben, als die weißen, wogen durchschnütlich mehr als 80 Grad, was ein nicht oft erreichtes Gewicht bei diesen ist. Es wird allerdings im Preise ein Unterschied sein zwischen den Trauben, die nicht erfroren find, und denen, die nach dem Frost erst ins Leben traten; denn naturgemäß sind erstere, die vier Wochen älter sind, größer und süßer, aber auch die Nachkömmlinge liefern noch einen brauchbaren Wem, das Viertel — 8 Liter wird zu L80 Mk. gern verkamt. Daß die Bergtrauben, die vom Frost nicht gelitten haben, höher im Preise stehen, läßt sich leicht begreifen und für bessere Lagen find schon 2JO 9)1 art geboten, aber nicht abgegeben worden, was bei dem geringen Ertrag und höherem Mostgewicht erklärlich ist Die Nachfrage ist sehr lebhaft und werden die Erträgnisse bald in festen Händen fern; cmen guten Stopfen wird es also allem Anschein nach geben. Warnung vor Fälschung in Pillen noch in Pulverform noch mit Kakao WvUvl gemischt, sondern nnr in Flaschen mit eingeprlgtem Namen ist Pf- HommeIV UUL H&ematogen echt. ^10 Berlin, 24. Ctt. Oberlandstallmetster Graf LehnT borf f ist vom Kaiserzu einem Dorttag befohlen worden, in welchem der Leiter des preuß. Gestutswesens das Material zu unterbreiten haben wird, welches sich auf die u n • günstige Lage der preußischen Lanbespferpe. zücht und auf bas Sinken ber deutschen Vollblut zücht bezieht. Sport N e w y 0 r f, 24. Okt. Ter Newyork Jachtklub wählte den deutschen Kaiser und den Prinzen Heinrich zu Ehrenmitgliedern. Arbeiterbewegung. Triest, 24. Okt. Eine heute abgehaltene Versammlung von streikenden Heizern und Matrosen brachte keine Aenderung in der Lage. Jedoch ist der Schiffsverkehr regelmäßig, da die Kriegsmarine Heizer'zur Verfügung gestellt hat und solche in anderen Häsen an Bord genommen werden konnten. Eisenbahn-Zeitung. )( Ober-Ohmen, 24. Ott- Unsere Hattestelle wird in Kürze für den gesamten Ellgut-, Frachtgut- und Wagenladungsverkehr eröffnet. AllSsvg BUS den Stilldrssmtsretzlülry der Statt Sieht». Aufgebote. Am 21. Oktober. Karl Emil Zinßer, Eparkassendiener dahier mit Emilie Alker Hierselbst Am 22. Okt Heinrich Bachmann, Kutscher dahier mit Emma Keßler in Weilburg. Eheschließungen. Am 18. Oktober. Karl Ernst Nolting, Fabrikant in Herford mit Marie Antonie Julie Johanna Petri dahier. Georg Karl Hüttenberger, Kaufmann dahier mit Johanna Flavia Marte Nenze! hierselbst. Otto Adolf Beineri, Kutscher dahier mit Elise Märmche Hierselbst Arn 21. Okt Louis Euler, Metzger dahier mit Barbara Hobel in Gundersheim. Geborene. Am 18. Oktober. Dem Bäcker Heinrich Friedrich Muller ein Sohn, Karl Wilhelm. Am 16. Okt Dem Lekonom Heinrich Weder ein Sohn. Am 17. Okt Dem Kaufmann Gustav Stein ein Sohn, Hans Wilhelm. Dem Forstassefsor Jakob Weber em Sohn, Werner Jakob. Am 19. Okt Dem Schlosser Wilhelm Otto ein Sohn. Dem Bierbrauer Wühelm Rentmeister ein Sohn, Rad Wilhelm Friedrich Max. Gestorbene. Am 19. Okt Kunigunde Veronika Christ, 1 Jahr 8 Monate alt, Tochter des Taglöhners Kaspar Christ dahier. Am 20. Okt Theodor Junger, 19 Jahre alt, Haus bursche dahier. Am 22. Okt. Karl Döring, 2 Jahre 5 Monate alt, Sohn des TaglöhnerS Konrad Döring dahier. Marie Machilde Elisabeth Grebe, 1 Jahr alt, Tochter be§ Zigarrenmachers Heinrich Grebe dahier. Am 23. Okt. Kaspar Kuhl, 44 Jahre alt, Metzger dahier. Adam Fegbestel, 37 Jahre alt, Fuhrmann dahier Am 24. Oktober. Karl Vogt IL, 54 Jahre alt, Gewerbebank-Kontrolleur dahier. Erngesantt. (Für Form unb Jnbatt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redattion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Wer kennt nicht die Singdrossel, hier Zippe genannt, einer der schönsten einheimischen Vögel, durch Vertilgen schädlicher Kerbtiere, Raupen, Würmer rc. für die Landwirtschaft unentbehrlich. — Welcher Naturfreund kennt nicht der Zippe herrlichen Gesang, so wechselooll und reich an schonen Melodien, besonders schön und anhaltend abends vom Wipfel eines Baumes herab weftschallend. — Sollte man es für möglich haften, daß es in unserer UmoierfttätS- ftabt Gießen Jeinschm«1er giebt, die, um dem Lecker des Gaumen au fröhnen und sich einen fluchtigen Genuß zu beteilen, die grausam hingemordeten Singdrosseln verspeisen? Es scheint so, denn feit Kurzem sind in den Schaufenstern unserer Telikateßgeschäfte ganze Reihen erwürgter Singdrosseln zum Verkauf ausgestellt — Die lieblichsten unserer Sänger und die nützlichsten aller unserer Waldbewohner werden in Schlingen, den sog. Dohnen, gefangen, wo die armen Tierchen im besten Falle erdrosselt werden, sich aber auch häufig in der qualvollsten Weise zu Tode zappeln müssen, wenn sie statt mit dem Kopf mit einem Fuß oder Flügel in die Schlinge geraten. Wenn man bedenkt, daß mit diesen Drosseln noch eine Unmenge anderer sehr nützlicher Vögel, wie Staate, Meisen und Rotkehlchen, die alle zum größten Teile von schädlichen Insekten leben, „mitgefangen und mitgehangen" werden, fo wird man leicht ermessen können, welcher Schaden durch diesen Fang unserer Landwirtschaft zugesügt wird. Mit Entsetzen erfahren wir, welche Mengen unserer nützlichsten Vögel in Italien, Egypten rc. eingefangen und getötet werben. Jnternatwnale Vereinbarungen werden oorbereitet, um unseren Zugvögeln in genannten Ländern künftig Schutz zu sichern. — Was aber geschieht bei uns? Neueste Meldungen, vriginaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger. Berlin, 24. Okt- In Reichstagstteisen wurde heute beftimmt versichert, baß sich in der Haltung ber Regierung in den Zolls ragen auch nach dem gestrigen Vorträge des Reichskanzlers beim Kaiser nichts geändert hat. Berlin, 26. Ott. Auf den Schnellzug Berlin- Köln wurden bei Alteneschen mehrere Revolver- schüsse abgegeben. Einzelne Wagenfenster wurden zertrümmert. Verletzt wurde niemand- — Dem Schriftsteller Tr. EduardEngel wurde wegen seiner Verdienste um die französische Litteratur vom französischen Unter- richtsminister das Gr oßkr euz der Akad emie über- reicht (Eduard Engel ist Verfasser einer „Französischen Litteraturgeschichte" und einer „Psychologie der Französö- sch en Litteratur". T- Red.) Posen, 24. Okt- Tie Kriminalpolizei beschlagnahmte eine anonym erschienene Broschüre über die Kaiserrebe im Provinzial - Stänbehause wegen verschiedener Majestäts-Beleidigungen. Havre, 25. Ott Eine Versammlung von 1500, verschiedenen Korporationen angehörenden Arbeitern, die vorn Nationalverband der Tockarbetter einberufen war, beschloß eine Tagcsorditung, in ber die Arbeiter sich verpflichten, mit ihren Kameraden in Dünkirchen und mit den Grubenarbeitern hinsichtlich der Forderungen sich solidarisch zu erklären. Tie Teilnehmer trennten sich mit Hochrufen auf den allgemeinen Ausstand. Newyork, 24. Ott Tie allgemeine Aufnahme der Arbeit in den Anthracitgruben ist nicht vor Montag zu erwarten. Ter Schiedsspruch ber Kommission im Weißen Hause soll heute verkünbet werden.