Nr. 251 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Samstag 25. Oktober 1902 Vrfftelttt tügttch au6n SonnlagS. Dem Greßener Anzeiger werden Im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche bergelegt. HotallonSdruck u. Verlag der Brühl 'schen Univers.-Buch- u.Siein- bruderei (Pietsch (ttben) Reboftion, Expedition und Druckerei: Ochulstraße 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. HernIprkchanIchlußNr 5L GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger v zeZ Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezngSpreiS, monailich75PL eierte!* jährlich Mk. 2.20; durch Abhole» u. ^iveigsiellen monatlich (i.> 'EL; durch die Post Ml. 2 - oteiieU* sährl. auslchl Bestellg. Annahme von Unzetgeo für die TageSnurnrner biS vormittag- 10 Uhr. ßetlenprei»; lokal ISPs, auSroärti 20 Psg. verantwortlichr tot den polst, u. allgem, Steil; P. Witiko: füi .Stadt und ßnnb" und ZSenchlssaal" Gurt Plato, für den '2In- geiflentetl: Hans Deck. KeKanntmachung. betreffend: Feldoereinigung in der Gemarkung Gießen, links der Lahn. Auf Grund des Art. des Feldbereinigungsgesetzes dorn 28. September 1887 fordere ich hiermit die beteiligten Grundbesitzer auf, die Einträge der Eigentums- und der sonstigen Rechtsverhältnisse in den öffentlichen Buchern, insoweit dieselben den bestehenden Verhältnissen nicht mehr entsprechen, innerhalb einer Frist von 3 Monaten bei dem Grohh. Amtsgericht Gießen berichtigen oder ergänzen zu lassen, damit die bestehenden Rechtsverhältnisse beim Bereinigungsverfahren berücksichtigt werden können. Tie Aufforderung ergeht: 1. an diejenigen, welche Grundstücke im Bereinigungsbezirk erworben, aber ihren Eintrag im Grund- oder Flurbuch bezw. im Mutationsverzeichnis noch nicht erwirkt Haden, um die Errichtung und Jngrossation ihrer Erwerbstitel oder die Berichtigung irriger Einträge zu erwirken; 2. an diejenigen, welche zwar im Grundbuche stehen, aber weil sie schon vor Einführung des Gesetzes vom 2L Februar 1852 eingetragen waren, ohne Beifügung des Erwerbstitels, im letzteren nach Maßgaoe des Art. 28 des Gesetzes vom 21. Februar 1852 eintragen zu lassen, indem sonst, abgesehen von dem Hindernisse bei der Feldbereinigung, demnächst nur eine Bescheinigung des Besitzstandes statt einer Eigen- tumsurkunde ausgestellt werden wird; 3. an diejenigen, welche an ein auf fremden Namen im Grundbuch eingetragenes Grundstück einen Vindika- tions- oder einen unter gewissen Umständen zu realisierenden An- und Rückfallsanspruch wegen eines vor Einführung des Gesetzes vom 21. Februar 1852 vertragsmäßig gemachten Eigentumsvorbehalts oder wegen einer bei der Veräußerung beigefügten aus- lösenden Bedingung eines Endtermins oder einer Zweckbestimmung zu bilden haben, ohne diesen Anspruch durch den Vermerk „streitig" oder „beschränkt" im Grundbuch gesichert zu haben, sowie an diejenigen, welche unter Nachweis der geseülichen Voraussetzungen die Bemerkung „gehemmt" wollen eintragen lassen; 4. an die Obereigentümer und Fideikommißberechchigten, welche ihre Heimfalls- und Succossionsrechte nicht durch Eintrag der Lehens-, Erb- und Landsiedel-, Leih- oder Fideikommißqualität eines Grundstücks im Grundbuch haben eintragen lassen, um ihre Rechte, soweit dies nach Art. 37 und 38 des Gesetzes vom 21. Februar 1852 noch zulässig ist, im Grundbuch ein- tragen zu lassen; 5. an diejenigen, welche Pfandrechte, Eigentumsvorbehalte, Revotalions-, Resolutions- oder Nicbtigkeits-, Separations- oder andere Sicherheitsrechte, die weder im Hypotheken- noch int Grundbuch gewahrt sind, an zur Bereinigung bestimmten Grundstücken geltend machen können, um unter Vorlage der betreffenden Urkunden und genauer Bezeichnung der Forderung und derjenigen Grundstücke, welche zur Sicherheit dienen, die Einträge in den öffentlichen Büchern zu erwirken; 6. an diejenigen, welche Realservituten, die nicht durch die bei der Bereinigung vorzunehmende neue Weg- und Wässerungsreaulierung erlöschen, sondern noch nach derselben geltend zu machen sind, z. B. Weg- und Wasserleitunggerechtigkeiten zu Gunsten von Grundstücken, die nicht in die Bereinigung fallen, Lehm-, Thon-, Sandgrube- oder Kellerberechligungen aus zur Bereinigung gehörigem Gelände anzusprechen haben, ferner an die, welche solche Grundstücke zu lebenslänglicher Nutznießung, zur Benutzung als Brautgabe bis zur geschwisterlichen Teilung, zur Sicherung einer lebenslänglichen Leibzuchts oder Aus- zugsoerechtigung anzusprechen haben; 7. an diejenigen, auf deren Grundstücken in den öffentlichen Büchern solche Rechte eingetragen sind, welche sie für erloschen halten, aber noch nicht haben löschen lassen, um diese Löschung unter Vorlage der nötigen Beweise hierzu zu erwirkem Rechte der unter Pos. 1—7 genannten Art, welche nach Ablauf von drei Monaten weder in den öffentlichen Grund- und Hypothekenbüchern, bezto. den zu den Flurbüchern gehörigen Mutationsverzeichltissen, noch in den in Gemäßheit der Anmeldungen aufzustellenden Verzeichnissen gewahrt sind, bleiben bei der stattfindenden Feldbereinigung unberücksichtigt, ebenso werden erloschene, aber in den öffentlichen Büchern noch nicht gelöschte Rechte als fortbestehend behandelt. Friedberg, den 17. Oktober 1902. Ter Großh. Bereinigungslömmissär: i Spam er, Kreisamtmann. KcKanntmachung. Wegen Vornm-me von Hanuii|atioiisQrbciten an der Kreuzung der Bahnhofstraße und Westanlage wird der Durchgangsverkehr für Fuhrwerke im Zuge beider Straßen vom 27. l. Mts. ab dts auf Weiteres gesperrt. Gießen, den 24. Oktober 1902. Großherzvgiiiyes polrzeiauit Gießen. Hechler. KcKanntmachung. In der Zeit vom 18. bis 25. Oktober 1902 wurden in hiesiger Stadt Gefunden: 2 goldene Ringe und 4 Vorhemden. Die Empfangsberechtigten der gefunbenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 25. Oktober 1902. Großherzogucyes Polizeiamt Gießen. Hechler. Au dt!» aLundtugswuylen wird uns aus Darmstadt geschrieben: In wenig Tagen wird nun acso die Entscheidung darüber fallen, durch welche Akänner und Parteien in den nächsten drei Jahren die Interessen unseres engeren Heimatlandes vertreten werden sollen. Tie allgemeine politisch e Situa tion, die sich in unserem Großherzogtum zur Zell herausgebildet hat, ist, wie jeder zugeben wird, der die letztjährigen Parlamentsverhandlungen mit einiger Aufmerksamkeit verfolgte, keineswegs eine erfreuliche. Tie einzelnen Parteien haben im verflossenen Landtag an dem politischen Zipfeltuch des Dtaatsbettes nach allen Richtungen hin herumgezerrt, bald hierhin und bald dorthin, und die numerisch immer noch stärkste Partei des Landtags hat sich dann noch das besondere Vergnügen geleistet, ihren glücklich erhaschten Zipfel nach allen Regeln der Kunst noch extra zu zersausen, indem sie in den vitalsten Fragen eine nicht nur unklare, sondern sogar völlig auseinandergehende Stellung annahm. Tas soll jetzt anders werden! Der nationalliberale Landesausschuß hat sich nach dem Trängen von allen Seiten endlich veranlaßt gesehen, eine gründliche Aussprache über die allgemeinen Grundsätze und Zielpunkte herbeizuführen, und das praktische Ergebnis ist der Wahlaufruf, dessen wesentlichste Punkte in unserem Donnerstag-Morgenblatt mitgeteilt wurden. Fast gleichzeitig mit den Nationalliberalen sind nun aber in Tarmstadt auch die Gegner derselben auf dem Plan erschienen und haben Kandidaten ausgestellt, die kurzweg als Kandidaten „für die antiagrariscye Wählerschaft" bezeichnet toerben. Man tarnt indes nicht sagen, daß diese Bezeichnung eine glückliche wäre. Denn erstens wird damit die Täuschung hervorgerufen, als seien die nationalliberalen Kandidaten ein Paar enragierte Agrarier und zweitens wlld damll die ganze Wahl auf das reichspolitische Gebiet hinüder- gespielt. Im hessischen Landtag hat man es Ober doch vor allen Lingen mit den Fragen der inneren Entwickelung; und der wirtschaftspolitischen Organisation zu thun, was soll da das Hereinzerren des großen Kampfes um die Zollpolitik des Reiches? Und wohin soll es führen, wenn man alle landespolitisch.u Interessen durch die doktrinäre Brille der Parteien im Reiche betrachten und beurteilen will? Wir haben der Gegensätze in unserem Landtag jetzt gerade schon genug, der Widerstreit der Interessen zwischen Stadt und Land allein hat Timensionen angenommen, die eine ersprießliche und gesunde Fortentwickelung des ganzen Staatsorganismus sehr erschweren. Ta sollte man sich doch ernstlich hüten, noch neue Zündstoffe in die Wählerschaft hmeinzuwerfen. Eine eigene Illustration erhält der Wahlkampf in Darmstadt übrigens dura) das Vorgehen der Sozialdemokraten. Sie haben nämlich entgegen den auf dem jüngsten Münchener Parteitag auf- gestellten Grundsätzen für Landtagswahlen einfach den Beschluß gefaßt, hier keine eigenen Vertreter auszustellen, sondern ohne weiteres für die „antiagrarischen itanöibaien" einzutreten. Wenn - man in manchen Kreisen der hiesigen Bürgerschaft zuerst geneigt war, die Aufstellung der beiden freisinnig-demokratischen Kandidaten mit unverhohlener Sympathie zu begrüßen, so gewinnt die Sache durch diese Waffenbrüderschaft doch ein ganz anderes Gesicht. Tie Deutsch-freisinnigen und die Demokraten haben hier feit langer Zeit nicht mehr selbständig auszutreten vermocht. Wenn sie jetzt den Versuch machen, auf sozialdemokratischen Gießener Theaterverein. Charlotte Wiehe. Nietzsche sagt irgendwo: „Der Leib ist eine große Vernunft, eine Vielhell mit Einem Sinne, ein Krieg und ein Frieden, eine Herde und ein Hirte." Der Wiehe Kunst, die wir am Freitag kennen lernten, ist die Kunst des Leibes, die Kunst einer großen Vernunft und zugleich einer großen Laune. Das Wort Laune soll, nach Grimm, von „luna“ abgeleitet jein; es soll hierdurch angeblich das stets Veränderliche, Wechselnde angedeutet werden. Das Bild ist, wie Dr. Ernst Jentsch in seiner, just gestern mir auf den Redallionsiisch gelegten Ärztlich-psychologischen Studie" über ,chie Laune" (Verlag von I. F. Bergmann in Wiesbaden) sehr richtig sagt, „insofern nicht glücklich, als die Phasen des Monoes doch gesetzmäßig verlausen, während das Launische gerade das anscheinend Regellose darstellt." Auf die Wiehe aber läßt sich dieser Symbolis- lismus doch ganz gut anwenden. Die Kunst dieses berückend schonen Weives mit dem mondlichtsarbenen Haar zeigt eine durch die Vernunft geregelte, auf den äußeren Esft.it berechnete Launenhaftigtell. Ihre Blldgestall ist weniger von sonnendurchgtüyter Sinnlicykeit, als daß sie UNS schier monbain anmutet. Es ist eine sehr zarte Schönheit, dieses von hellstem Blond unuoallle Gesicht, und wundersam, wie die blumige, zum Gewand geraffte Seide ihr den überschlanken Leib umwallt. Wundersam auch ist es, wie sie schreitet, als lägen zuckende Herzen ihr zu Füßen, die sie, innerlich jubeind über ihre männerbezwingende Macht, tatzenpsöichenhaft tröstet und mit dem to,end schleppenden Saum ihres Kleides. Im Kopenhagener Hoftheater sah ich einmal eme Aufführung von Moliöres „L’Avare“, und konnte die Bemerkung machen, daß die dänische Schauspielkunst ganz beeinflußt wird von der französischen Theaterschule. Da giebt es eine übertriebene lebhafte Mimik, em fortwährendes Augengeplänkel mit dem Publikum, kurz, alle die alten keinen Mätzchen der in Deutschland längst überwundenen Bühnenkunst. Der große Erfolg der dänischen Bühnenkünsterin in Pans ist daher recht begreiflich. Das litteransche Deutschland ist heute einer solchen Theatralik nicht besonders hold und weiß ernstere Seelenmalkunsl mehr zu schätzen als dre Effekthaschereien der Wiehe und ihres französischen Gefolges. Ihr Tanz aber in Berenys „Hand" hat etwas Mondschleierartiges und dazu etwas leicht Satanistisches, von der versteckten Bosheit der Schlange und der sammtweichen, schillernden Katzengeschmeidig- keit des Pardeltieres. Es liegt eme ganz leise, darum aber um so verführerischere Erotik in ihren Bewegungen — mag sie privat auch noch so biedermeierisch ehrbar sein wie nur denkbar. Frau Wiehe hat ihre reizende „la main", die auf höchstens 51/» zu taxiren. ist, vor vier Jahren dem ungarischen Komponisten Bereny gereicht, und hat ein Söhnchen von 6 Jahren — aus ihrer ersten Ehe. Sie bereist z. Zt. ganz Deutschland, kam zu uns von Luzern und ging von hier nach Braunschweig. Ihr sehnlicher Wunsch ist es, .deutsch" zu spielen, aber wer weiß, ob ihren rosenroten Lippen unser gutes braves Deutsch sich anpassen ließe. Sie, die Dänin, kam über Paris nach Deutschland, und soll beabsichtigen, später nach Rußland, Kleinasien und nach Athen zu gehen. Man erinnert sich des Blumenthal'schen Schwankes „Niobe", in dem die antike Statue jener schönen Griechin plötzlich lebend wird und wandelt. Frau Wiehe versucht ja wahrhaftig nichts weniger, als etwa archäologisch das klassische Altertuin zu rekonstruieren, sie hat sich die antiken Vorbilder wahrlich nicht zum Kanon gemacht; trotzdem aber muten uns einzelne ihrer stets mehr choreographischen Gestalten an, als wären sie aus dem schwarzroten Ton altgriechischer Vasen herausgetreten. Auch ihre plötzlichen, unvermittelten Gebärden haben nichts Schroffes, sie verrenkt nicht ihre Arme, sie schmeißt nicht bizarr ihre Beine empor. Es scheint immer, auch in den jähen Schreckensmomenten der .Hand", ein Zusammenhang in den Bewegungen, eme folgt gewissermaßen logisch der anderen, eine bedingt die andere. Dadurch entsteht eine schöne rhythmische Gebärdenharmonie. Aber diese vollendete choreographische Kunst beeinträchtigt die darstellerische Wahrscheinlichkeit. Schrecken, Zaudern, Uebellaune re. re. haben bei ihr immer etwas Ostentatives, etwas auf die Wirkung absichtlich Angelegtes. Ihr künstlerischer .Geist" ist schließlich, um em Wort Nietzsches zu variieren, nur .ein kleines Werk- und Spielzeug ihrer Vernunft". Sie giebt vollendete Außenkunst, aber der Begriff .Seelenanalyse" ist ihr völlig fremd. Das sah man wohl schon m der „Hand", die in Frankfurt eine weit echtere, alle die verschiedenen Stadien des grauen» Haftesten ersten Entsetzens bis zum nahezu tollkühnen Tanz zum Befreiung bringenden Schlüssel in geradezu nervenzerrüttender Naturwahrheit zeigende Darstellung erfährt — dazu kommt noch in Frankfurt selbstverständlich statt der Klaviermusik A quatre inama die niederträchtig grausame große Bereny'sche Orchestermusik zu „La mainu‘ —; doch noch viel mehr zeigte die Wiehe ihre flache darstellerische Außenkunst in Schnitzlers „Abschiedssouper". Was Lamprecht in seinem köstlichen Buche „Zur jüngsten deutschen Vergangenheit" •) diesem feinen psychologischen Impressionisten überhaupt nachrühmt, nämlich die „Meisterschaft, Seelenzustände in den weichen, zerfließenden Formen kurzerSkizzen wiederzugeben", das gilt auch für diese dialogisierte und dramatisierte Novelle. Aber was hat gallische Kunst daraus gemacht! Schon die glänzende Toilette der Wiehe störte. Wie soll man, so gekleidet, solchen plebejischen Hunger wie die Luise haben, die überhaupt von dem mit Joh. Straußischem Gemüt und Grazie plaudernden Wiener Poeten sicher auch seelisch viel einfacher und harmloser gedacht ist, zum mindesten nicht mit solchem Raffinement und solchen spitzigen, gesuchten, outrierten Gesten. Das kleine Mädel, das da ihrem bisherigen Schatz den Laufpaß gibt, ist gewiß natürlicher und ganz gewiß absolut unmaninert. Hätte ihre Luise statt „c'eet ma deetinee“ gesagt: ,,c’est ma caprke“, man hätte ihr aufs Wort geglaubt. Caprice kommt nämlich von cepra — die Ziege, die wir alle als ein mutwilliges, eigensinniges und höchst veränderliches Geschöpf kennen. . . . Von den vorbereitenden Arttkeln zur Orientierung des Publikums ist an dieser Stelle bereits em so außerordentlich ausgedehnter Raum m Anspruch genommen worden, daß jedes wettere einzelne Wort über die vier mimischen Winzigkeiten des Abends schon ein Allzuviel wäre, und man wird nicht ein Weib von der seltsamen Anmut und weichen und zärtlichen Schönheit der Wiehe zu sehen bekommen hätten, dann hätten wir uns zum Mindesten für die Mimodramen, die eigentlich mehr in Varietes gehören und die da noch erst durch die Orchcstermusik einen ihrer hauptsächlichsten Reize *) Karl Lamprecht, Teusche Geschichte, erster ErgänzunaS- dand. I. und 2. Ausl., 4. und 5. Tausend. Berlin 1902, R. Gall- nerL Verlagsbuchhandlung. Drücken tn den Saab tag eknzuzieherr, so nxrb sich die besonnene Wählerschaft der Residenz die Sache doch sehr reiflich überlegen müssen. mit ein 7085 Weil namhafte Aerzte nachgcwiescn haben, das; Vohncukaffec ocn tiiiiöcrn durchaus nicht zuträglich ist, währeud durch ^ath- reiucr's Malzlaffec mit Milch gläuzcude Erfolge in dem Gedeihen der «leinen erzielt wurden! Dieses Getränk wird von den «ludern auch dauernd gern gcuommcu, während reine Milch oft bald widersteht und in vielen Kallen nicht gut vertragen wird. Warum sollen Kinder Kat.-reiner's Malsiraffee trinken? (Eint Autorität Herren Dr. W. Knecht & Co., Frankfurt a. M. — Senden Sie sofort 2 Flaschen Ihres«. Magenbitter» . S ä n t i S* an Herrn M., Berlin, B strahe unt. Nachnahme.....Ihr „SänttS" Magenbitter ist vorzüglich, insbesondere ist die Wirkung bet Folgeerscheinungen der Darmträgheit eine ganz eminente. ,,SäntiS" Magenbitter ist erhältlichem den Apotheken, Drogerien,-Lolomal- u. Delikateb-Geschäften, große Flasche Mk. 2.50, Heine Drobeklasche Mk. 1—. Vertreter in Gießen: Ch. Ludwig Thomas, Bahnhofstr. 37. 7355 Dr. W. Unecht 4l Co., Frankfurt a. M. Aus Stadt und Land. Gießen, den 25. Oktober 1902. •* Gedenktage. Zu Parchim in Mecklenburg-Schwerin wurde am 26. Oktober 1800 der große Schweiger Graf hell mut v. Moltke geboren. Er besuchte bis 1826 die allgemeine Kriegsschule und reiste, nachdem er zum Hauptmann befördert war, in den Orient. 1860 nahm Moltke an den wichtigen Beratungen der höheren Generale teil, welche die Möglichkeit eines Bruches mit Oestereich ins Auge faßten, und legte seinen Operationsplan vor, der später auch zur Anwendung kam, ebenso wie Moltke 1870 in der Lage war, dem König einen vollständigen Kriegsplan vorzulegen, der dir bekannten Erfolge herbeiführte. Ter 25. Oktober 1870 ist der glorreiche Tag, da Frankreichs stärkste Beste, die nie besiegte Jungfrau Metz, sich dem Prinzen Friedrich Karl ergab. Kriegsgefangen wurden 173 000 Mann mit den Marschällen Bazaine, Canrobert und Leboeuf, 6000 Generale und Offiziere — eine in der Kriegsgeschichte einzig dastehende Anzahl. 53 Adler, 102 Mitrailleusen, 541 Feldgeschütze, 800 Festungsgeschütze, 300 000 Gewehre waren die Kriegsbeute, die in keinem Feldzuge übertroffen worden ist. ** Gemälde-Ausstellung. Bon morgen, Sonntag, an ist nach langer Pause die Gemälde-Ausstellung am Brand wieder geöffnet. Sie umfaßt dieses mal zirka 80 Gemälde, worunter auch eine Anzahl des hier schon bekannten Münchners, Rich. Scholz, sich befindet. Er zeigt uns dieses mal zwei neue Gebirgslandschaften, eine Paslellstudie sowie zwei Portraits aus hiesigem Prioatbesitz, die sicherlich besonderes Interesse erregen werden. Die Ausstellung haben weiter be- chickt: Max Rebel-Berlin, H. Effenberger-Rom, C. Hradil- Rom, H. Rüdisühli-Basel, F. Breitbach-München, E. Schuch- München, A. Kunz-München, A. Keßler-Düsseldorf, P. Bücken- Aachen, F. Wucherer-Cronberg u. s. w. In der kommenden Woche werden wieder Aenderungen der Ausstellung vorgenommen werden. Der Besuch der Ausstellung kann empfohlen werden. ** Die Anl agenmusik findet morgen mittag um Val2 Uhr in der Südanlage statt. Es werden gespielt: 1. Ouvertüre „Stradella" (Flotow), 2. Sechs niederländische Volkslieder (Valerius), 3. Indra-Walzer (Lincke), 4. Finale a. d. Op. „Aida" (Verdi). ** Stadttheater. Um den vielfachen Wünschen un- erer Kleinen zu entsprechen, hat die Direktion des Stadttheaters für Sonntag 9tachmittag 4 Uhr eine Kindervorstellung vorgesehen und bringt das beliebte Märchen „Sneewittchen und die sieben Zwerge" in der ausgezeichneten Görnerschen Bearbeitung zur Aufführung. — Abends 8 Uhr gastiert, wie bereits bekannt, der Hcldendar- teller Herr Richard Kirch vom Frankfurter Schau - pielhause als „Othello". Gegen Schnupfen ist der neue Schnupfäther „Forman" anzuwenden, der ärztlicherseits mehrfach als „geradezu idealer Schnupfenmittel" bezeichnet wird. Bei leichtem Schnupfen Forman-Watte Dose 30 Pfg, bei hartnäckigen Fällen Forman- Pastiüen zum Inhalieren 50 Pfg. Wirkung frappant! In allen Apotheken. Man frage den Arzt. D f f Asphalt-Dachpappen, Asphalt - laollr- ü aut ach. Platton« Patent-Falztafela „KOSMOS“ Holzcement, Lacke, Carbollneum.AsphaJt- ■aterlaJ aller Art, sowie fertige Asphaltiningen preiswürdig bei A. W. Andernach in Beuel am Rhein. Muster, Prospecte, Preise postfrei nnrf umsonst! Zu haben in Gießen auf dem Kabriklagcr bei Herrn Emil Hor*t. Riegelpfad. 17b lDhvrng ein, und der Nacht fanf baS T^ernumttter so tief, daß der 9tu[IpunEt überschritten wurde, unb mehrere Grad darunter erreicht wurden. In vielen Ortschaften und auf den Feldern zeigte sich eine weiße Reifdecke. — Damir ständen wir also im Winter, wenn auch in den ersten Anfängen desselben. OS ist ja anzunehmen, daß noch einige mildere Lage kommen werden, aber alle Anzeichen deuten darauf hin, daß diesmal der Winter früh und enexgrsch seine Herrschaft cm treten wird. Und das hat auch sein Gutes. Tas höchst schauderhafte Schmutz- roetter, das bei uns in Gießen viele Wege und Straßen, ganz speziell den BrandplaK unpassierbar machte (der Brandplatz besitzt nicht einmal einen Bürgersteig), das so viele Krankheiten, Erkältungen, Influenza rc. mit sich brachte, wird dem strengeren Regiment des Winters weich,en müssen: Schlittenfahrten, Eisläufen, Schneemänner- bauen und sonstige Vergnügungen des Winters roerben diesmal zu ihrem Rechte kommen. Man wird ohne Gummischuhe spazieren ländern können, frisch und gesund wird die Luft sein, der sdirper wird gestählt und gefestigt werden. Im Zimmer ruft der Winter auch die eigenartige trauliche Behaglichkeit hervor, die uns Deutschen ja so unentbehrlich ist, und die chren Höhepunkt im We i hnachts f e ste findet. Es ist gar nicht mehr so lange hin bis zu den Weihnachtstagen: sieben bis acht Wochen. Ta ist es also Zeit, daß es draußen kalt wird, daß es friert und schneit, und gelegentlich^ auch ein tüchtiger Sturm um die Häuser jagt, daß die Scheiben klirren und der Schornstein heult. Trinnen aber sitzt das junge Volk, träumt vom Christengel, Großmütterchen erzählt, und ihre hübsche Enkelin arbeitet an dem Weihnachtsgeschenk für den 'Geliebten. . . . Das ist die Poesie des Winters, unseres prächtigen deutschen Winters, den es nirgends auf der Welt wiedergiebt, und der die Erinnerung und die Sehnsucht in uns wachhält noch in den fernsten Zonen. . . . tttlh STIJtfrfl sind zwar recht nahrhaft und UIIV *Vl mi) es bat teilte qefleben, bie sich ihr Lebenlang von ihnen nährten; aber der moderne Kulturmensch hat nun einmal feinschmeckerische Neigungen unb bedarf, um sich wohlzusühlen, einer abwechselungsreichen Kost. Heutzutage stellt nicht nur der Reiche, sondern auch der Minderbemittelte andere Ansprüche an die Küche, wie unsere Altvordern. Wir begnügen uns nicht allein mit Nahrungsmitteln, wir brauchen auch sogenannte Genußmittel, die den Appetit anregen. Wenn diese dann nebenbei noch Nährwert besitzen, dann ist um so besser. Salz, Pfeffer und andere Gewürze waren von jeher in der Küche unentbehrlich, denn ohne sie würden die Speisen einen faden Geschmack haben und nur mit Widerwillen genossen werden. Seit Jahren aber wird die Speisekammer aller Stände durch immer neue Mittel bereichert, die bald größeren, bald geringeren Wert besitzen. Ganz ausyezeich- nct Hal sich nun das erst seit einiger Zeit eingesührte „Siris" bewährt, das sich merkwürdig rasch einen großen Freundeskreis erworben. „Siris", ein dem Gehalt und Werte nach dem besten Fleisckiertrakt vollkommen ebenbürtiges Präparat, übertrifft diesen aber bedeutend an Wohlgeschmack und ist um circa die Hälfte billiger. „Siris" erweist sich im Haushalte ebenso unentbehrlich wie in der Küche der Krankeiihäuser; seine Vorzüge haben bereits in medizinischen Kreisen volle Würdigung erfahren. Wer das neue, wesentlich verbesserte Präparat — in allen Kolonialwaren- re. Handlungen erhältlich — noch nicht versucht hat, versäume nicht, sich von der vorzüglichen C-nahtät zu überzeugen. Wo nicht zu haben, verlange man unter Einsendung von 30 Pfg. in Briefmarken Probetöpfchen, ab Fabrik: „Siris-GefeUschasl" in. b. H. Frankfurt a. Al. 6931 ** Die Kälte. Falb giebt für die Zeit vom 23. Ins 31. Oktober folgende Tagesprognose aus: „Tie Niederschläge nehmen rasch ab. Tie Temperatur steigt allenthalben bedeutend üHer die normale." Wir haben noch niemals besonderes Vertrauen in die Wetterprophezeiungen des guten Herrn Falb gehabt — und den meisten unsere;r Leser wird es wohl ebenso gehen, — allein es ist bod> der Mühe wert, von Zeit zu Zeit auf >ie, gelinde gesagt, Unzuverlässigkeit der Falbschen Prophezeiungen hinzuweisen, um den Köhlerglauen auch derjenigen zu erschüttern, die noch immer Anhänger des Berliner „Wetter kundig en" finb. Also da Falb eine „allenthalben steigende Temperatur" voraussagt, sinkt natürlich allenthalben die Temperatur. Von allen Zentren, die die meteorologischen Beobachtungen sammeln, kommt die Uunde, daß eine ganz energische Kälte eingesetzt hat, die wegen der vorausgegangenen feuchten Witterung vielfach Hebel mit sich führt. Allem Anschein nach wird diese Killte die nächsten Tage anhallen. Für Oberhessen ergiebt die Witierungsübersichl etwa folgenden Thatbesiand: Nachdem gestern beinahe den ganzen Tag warmer Sonnenschein geherrscht hatte, trat gegen abend eine empfindliche- Aberhalten, — ohne sie ist „die Hand" ein Hand ohne Finger — schönstens bedankt. Es ist un§ ja gewiß interessant gewesen, die neueste europäische Berühmtheit von Angesicht zu Angesicht zu sehen, aber wir wiffen nun auch, daß die dänische Pantomimin ihren Ruhm jedenfalls in allererster Linie der Reklametrommel verdankt, die allenthalben mit besonderem Tamtam für sie geschlagen wird. Ihren Accompagneur Söverin-Mars haben wir als einen sehr tüchtigen und ausdrucksstarken Künstler kennen gelernt. Aber auch er scheint mir von dem Frankfurter Darsteller des Einbrechers in Berenys „Hand" übertroffen zu werden, der alle aufdringliche Gestik vermeidet und den Spitzbuben weniger gemütlich-derb als von dem zuckenden Bewußtsein der Gefährlichkeit seines verbrecherischen Handwerks besessen wiedergiebt. Daß Herr S.-M. aus Versehen statt durch die abzuschließende Thür hinter einen losen Vorhang sich von dem rettenden Baron vertreiben ließ, machte einen peinlichen Eindruck. — Der verstorbene Zola war einmal so ungalant, zu verraten, daß gewisse Pariser Damen, deren Züge ein wenig markant, ein wenig müde und ein wenig spitzig zu werden beginnen, für einige Stunden täglich sich eine ausgesucht häßliche „Freundin" mieten, um mit dieser Sinn in Arm auf den Boulevards zu flanieren; das sei das sicherste aller in Pans erfundenen Schönheitsmittel. Es ist nicht gerade sehr nett von Frau Wiehe, daß sie von diesem Tric jetzt auf den Bühnen ganz Europas Gebrauch macht. Aber diese wenig beneidenswerte Begleuenn hat schließlich eine nicht ganz zu unterschätzende schauspielerische Gewandtheit. P. Wittko. Carl Wilhelm Büller bereitet mit Eifer feine bevorstehende kurze Schauspielsaison in Petersburg vor, während er gleichzeitig auf dem Boden seiner künstlerischen Heimat, in Leipzig, mit Erfolg gastiert. Als jugendliche Salondame für Petersburg engagier:.- er Frl. Dllbrecht vom Hoftheater in Tarmstädr. )( Sch lägereien. Zwei Frauen in der Steinstraße gerieten in Streit, und bearbeiteten sich derart gefährlichen Werkzeugen — die eine hatte Hackbeil —, daß Eine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Tie Sache kam zur Anzeige. — Tiefer Tage überfielen mehrere Rowdies nachts gegen wei Uhr^ zwei junge Kaufleute und mißhandelten sie chwer. Ter herzueilenden Polizei gelang es nur mit Jiüfje die Thäter dingfest zu machen. Sie sehen ihrer Bestrafung wegen Körperverletzung und nächtlicher Ruhe- törung entgegen. Politische Tagesschau. Tie Kosten des amerikanischen Kohlenstreiks. Ganz unglaublich klingt die Berechnung über die Unsummen, welche der Hartkohlenstreik in Pennsyloanien bis jetzt gekostet hat. Aus Jndianapolls wird berietet: Im hiesigen Hauptquartier der Bergleute wird genaueren Feststellungen gemäß der durch den Hvhlengräberstreik hervorgerufene Gesamtverlust für alle Beteillgten auf rund 200 000 000 Doll, geschätzt. Ter wöchentliche Ertrag der Meinen hätte sich, wenn kein Streik angeorbnet worden wäre, auf 1250000 Tonnen belaufen, was einem Quantum von 25 000 000 Tonnen in 21 Wochen gleichkommt. Ter Durchschnittspreis, den die Grubenbesitzer für ihre Kohlen erhalten, ist 4.50 Doll, per Tonne unb der Wert wäre somit 112 560000 Toll, gewesen. Die Produktionskosten belaufen sich auf 1.50 Doll, per Tonne oder auf 37 000 000 Toll, für das obengenannte Quantum. Nach Abzug von Fracht usw. würde den Besitzern noch ein Profit von 50000 000 Doll, verbleiben. Der Schaden, welcher durch den Nichtbetrieb der Gruben Mtftanden ist, kann auf 10000 000 Doll, geschätzt werden, und die Polizeimacht zum Schutze der Gruben kostet wenigstens 2 000 000 Doll. Ter direkte Verlust der Grubenbesitzer beläuft sich fomit auf wenigstens 62 000 000 Doll. Ter Verlust der 147 000 Arbeiter berechnet sich bei einem durchschnittlichen Lohn von 7 Doll, per Woche auf 20 580 000 Toll. Der Verlust der Geschäftsleute im Streikgebiet muß auf 15 000 000 Doll, veranschlagt werden. Ter Schaden, den das Publikum durch die hohen Kvhlenpreise erleidet, ist gar nicht genau zu berechnen, beläuft sich aber sicherlich auf 50000 000 Doll. Ter Staat Pennsylvanien mußte eine ganze Armee Milizsoldaten unterhalten, die ihm pro Mann und Tag 3 Doll, kosten, und die freien Kontributionen an die Streiker aus dem ganzen Lande beliefen sich, sicherlich auf etwa 5 000 000 Dollars. KarmstädLer Flauderei. K.B. Darmstadt, 24. Okt. Man hat ht manchen Kreisen unser Darmstadt mit spöttischem Lächeln als ein ,Klein-Paris" bezeichnet, In dem sich jedermann ganz nach Belieben — langwellen könne. Wer aber jetzt an regen freien Tagen, deren wir leider gerade in der schönen Herbstzeit nur sehr wenige haben, durch die breiten Straßen schlendert, wird bald eines Besseren belehrt werden. Bei Gelegenheit der Besprechung über bie Errichtung einer Reichsbankhauptstelle in Hessen wurde auf dem Handelskammertag in Mainz eingehend hervor gehoben, daß sich das öffentliche Leben hier well mehr, als jonst im Lande, entwickelt habe. Tie Einwohnerzahl ist in den letzten zehn Jahren um mehr als 20 000 gestiegen, und auch der Geschäftsverkehr weist einen außerordentlichen Aufschwung auf. Tas wirkt aber natürlich auch auf das äußere Bild im Straßenverkehr, der um die Mittags- und Abendzeit ein so reger ist, wie man ihn sonst nur in dan Großstädten anzutreffen pflegt. Taß die gegenwärtige Zeit das eigentliche Prä- ludium zur neuen Wintersaison bildet, das beweisen uns neben den jetzt wie Pilze aus der Erde wachsenden Konzerten und Vereinsfestlichkeiten noch bie vielen Galauniformen und Fracks mit Chapeau-Elaque und Lackstiefeln auf den Straßen, die auch durch häufig kursierende Hof- equivagen mit den hohen Gästen unseres Großherzogs belebt werden. Unter den letzteren erfreuen sich sowohl die Heinen Sprößlinge aus dem Hohenzollemhaus, wie »Auxfer Prinzeßchen" der ganz besonderen Aufmerksamkeit des durch die Straßen flankierenden Publikums. (Seinen reizenden Anblick gewährte es am Tonnerstagmittag, unser Prinzeßchen „hoch zu Roß" zu sehen. Sie kam barhäuptig auf einem Ponny in Begleitung zweier Hofstallmeister über ben Luisenplatz geritten, umgeben von einer zahlreichen animierten Schuljugend beiderlei Geschlechts, die dem „Prinzeßchen" ober auch kurzweg Lieschen" mit Mützen- unb Tücherschwenken spontane Huldigungen barbrachte, bis es unter graziösen Verneigungen hinter ben Mauern des Resibenzschlosses verschwanb. Tie Szene würbe natürlich auch von ben ben Kinderschuhen längst entwachsenen Passanten mll Wohlgefallen belauscht. Taß unsere Residenz immer mehr zur Großstadt sich entwickelt, beweist auch bie jüngste Verhandlung unseres Kreisausschusses. Ter hat letzthin nicht nur genehmigt, baß bas leider am äußersten Ende der Stadt gelegene „Orpheum" von jetzt ab täglich Varietee-Vorstellungen geben darf, sondern auch gleichzeitig das Profell einer zweiten Spezialitätenbühne in Darmstadt eingehend erörtert; ein kühner Unternehmer hat thatsächlich um die Konzession zu einer solchen nachgesucht und Der» fprochen, einen großartigen Neubau zu diesem Zweck in der Wilhelmstraße aufzufuhren. Will da noch jemand den Mut haben, zu behaupten, daß es bei uns Langiveilig, daß in Darmstadt „nichts los" sei? Ter moderne Zeitgeist hat uns bekanilllich in Deutsch- »mid auch eine neue akad emis che Würde gebracht, den „Tr. ing." In Preußen ist derselbe auf Veranlassung des Kaisers auch schon „honoris causa" häufiger verliehen worden. In Hessen geschah dies am letzten Tienstag zum ersten Mal, üibem der Senat der Technischen Hochschule . bei Gelegenheit des Relloratswechsels zwar um die technischen Wissenschaften hochverdiente Mcänner ehrenhalber zu Trs. ing. proklamierte. Als erfreulicher Beweis für das stetige Wachstum des Darmstädter Polytechnikums wurde u. n 37. t a. H. Warnung'! Die Vorzüge der H-Sto!len sind bedingt durch eine ganz besondere Stahlart, die nur wir verwenden. Um sich vor Schaden zu schützen, weise man daher jede Nachahmung zurück und verlange beim Einkauf ff w 7532 ä H fr fr fr ff ff Ult ff ff ff fr ff fr * ♦ gegeben, die sich nne Kulturmensch ö bedarf, um. sich beutzulage M cbemittelU andere . Wir begnügen enauchsogenannle ieie dann neben« Salz, Mer,^ mentbehrl'ch. dem hmacl habe» w zahren aber ue Mittel bereichich is:*s in allen ,at? nicht versucht noch M 1U über» „3i»®ele“l"6931 Sur Stadt Marburg*. Halte meins neu renovierte, heizbare 7473 Kegelbahn zur regen Benutzung bestens empfohlen. 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