wieder umgeackcrt, teils mit Bodenerzeugnissen bedeckt waren. 200—300 Meter vor den Laufgräben am Abhange des Galgenberges waren Trahtbefestigungen gegen einen Sturmangriff durch Infanterie angebracht. Die Südarmee trat am Montag von Gelnhausen aus den Vormarsch an und machte noch am Nachmittag einen Angriff aus den Galgenberg, der wohl noch dazu diente, die Stellung der feindlichen Armee kennen zu lernen. Bei einbrechender Dunkelheit wurde das Gefecht abgebrochen. Die Truppen blieben in Kriegsbereitschaft. Tie Artillerie stand westlich von Burgpracht, die Infanterie bei Kefenrod. Zelte durften nicht ausgeschlagen werden. Tie kalte Herbstwitterung machte ein Schlafen unmöglich. Offiziere und Mannschaften liefen fröstelnd umher und sehnten den Morgen herbei, an dem die Trompeten zur heißen Schlacht blasen sollten. Schon um Vs2 Uhr morgens am 23. September ging das Geknatter los: die Nordarmee unternahm einen Vorstoß gegen die Südarmee, wurde aber zurückgeschlagen. Inzwischen hatte eine Abteilung des 3. Telegraphenbataillons (Koblenz) das Gelände mit einer Telegraphenleitung und Telephonanlage versehen. Tie Jsolierdrähte waren teils aus der Erde, teils eingegraben, teils an Bäumen befestigt. In den frühen Morgenstunden wurde das Schießgelänoe von Truppenabteilungcn abgesperrt. Um 6 Uhr war der Kordon geschlossen und das Gelände von Mensch und Vieh geräumt. Das Haubitzen-Regiment hatte seine schweren Geschütze westlich von ° Burgpracht eingegraben, zum Teil hinter einem Tannenwald. Südlich schlossen sich Abteilungen der Feldartillerie an. Das schaulustige Publikum war auf dem Herzberg bei Hitzkirchen, westlich zur Schußrichtung, untergebracht. Punkt 9i,2 Uhr wurde die Kanonade von der Feldartillerie eröffnet. Schuß folgte aus Schuß. Bald traten die Haubitzenbatterien in Thätigkeit. Auf der ganzen Linie rollte der Tonner der schweren Geschütze. 2i Stunden lang spieen die ehernen Schlünde ein vernichtendes Feuer gegen den Galgen- und Wetzberg. Die 86 Pfund schweren Haubitzen durü)fuhren in des Wortes verwegenster Bedeutung „heulend" die Luft, beim Einschlagen die Erde haushoch emporwersend. Ein grandioses Schauspiel! Eine mächtige schwarze Wolke bezeichnete jedesmal die Richtung des Geschosses. Zwischendurch flogen hageldicht die Granaten und Shrapnells, letztere in der Lust krepierend und dabei kleine weiße Wolken am Horizont hinterlassend. Prächtig war der Anblick, wenn eine Batterie Feldgeschütze eine Salve abgab und 6 Feuersäulen zugleich emporstiegen. Ein wahrer Hexensabbath! Um 12 Uhr wurde das Feuer eingestellt, und die höheren Offiziere versammelten sich bei dem Großherzog von Hessen zum Frühstück. Inzwischen hatte sich die Infanterie am Westausgang des Dorfes Kefenrod gesammelt. Gegen 2 Uhr marschierte sie, mit scharfer Munition versehen, ins Gelände, um ihrerseits dem fZeind zum Tanze auszuspielen. Tabei wurde sie von der Artillerie, natürlich jetzt „blind", wirksam unterstützt. Gegen 3 Uhr rückte die Feldartillerie ccl 3 Kilometer vor und bewarf die Stellung des Feindes von drei Seiten mit Geschossen, während «ich die Infanterie zum Sturm vorbereitete. Letztere hatte na-p) einigen Salven das Scharfschießen eingestellt, da drei Mann vermißt wurden, die möglicherweise im Gelände sein konnten. Gegen dreiviertel 4 Uhr stürmte die Infanterie und nahm die Stellung des Feindes mit Hurra. Damit war die Uebung zu Ende. Verschossen waren 540 Feldfhrapnells, 480 Feldgranaten, 540 Haubitzshrapnells, 600 Haubitzgranaten und außerdem 2400 15 Ctm.-Granaten, alles fchars.^Die Infanterie hatte 80 000 scharfe Patronen bei sich, miHte aber, wie bereits mitgeteilt, das Scharfschießen bald einstellen. Selbstverständlich sind auch einige Unglücksfälle zu verzeichnen. So wurden em Obergefreiter und ein Kanonier vom 3. Fußartillerie-Regiment überfahren und schwer verletzt. Ersterer soll tot sein. Erwähnt sei noch, daß an der Uebung viele kommandierende Generäle und andere Offiziere teilnahinen. ■Eie Wirkung der Haubitzen auf die Befestigungen am Galgenbcrg war eine fürchterliche-. Krieg im Frieden vorgeschriebene Protokoll (Formular B) aufnehmen. Wenn eine Wahlgemeinde aus mehreren Bürgermeistereien besteht, so hat jeder Gemeinderat nur eine Urkundsperson zu wählen; die Leitung der Wahlmännerwahl steht in diesen Fällen dem Bürgermeister der am meisten bevölkerten Gemeinde zu. Sobald die Wahlkommission gebildet ist, hat dieselbe die Urwählerlisten, welche Sie inzwischen von dem Steuerkommissariate zurückerhalten haben werden, nochmals zu prüfen, soweit nötig richtig zu stellen und sodann nach Vorschrift des § 19 der Wahlanleitung vom 8. November 1872 abzuschließen. Gleichzeitig hat die Wahlkommission nach Vorschrift der §§ 5, 7, und 15 der Wahlanleitung eine besondere Liste der Wählbaren (Formular D) aufzustellen. Eine gleiche Liste der Wählbaren (Formular E) wird Ihnen durch das Großh. Steuerkommissariat mitgeteilr worden sein. Die Wahlkommissiou hat eine Vergleichung der letzteren mit der von ihr selbst aufgestellten Liste der Wählbaren vorzunehmen, diese soweit nötig zu berichtigen uno dann auf dieselbe Art abzuschließen, wie dies bezüglich der Urwählerliste oben bemerkt ist (§ 19 der Wahlauleitung). Wenn hiernach die Listen der Urwähler und Wählbaren sestgestellt sind, haben Sie dieselben von Montag dem 13. Oktober l. I. an 3 T a ö e l a n g in dem Wahlorte offen zu legen. Tie vorgeschriebene Bekanntmachung (Formular F) ist in ortsüblicher Weise vor dem Beginne der Lffenlegungsfrift in jeder Gemeinde zu veröffentlichen. Tie stattgefundene Offenlegung der Listen ist nach Ablauf der Oftenlegungssrist von der Wahlkommission unter den Listen zu bescheinigen (§§ 20 und 21 der Wahlanleitung). Sollten während der Ofsenlegung Einwendungen gegen die Richtigkeit dieser Listen vorgebracht werden, so- hat die Wahlkommission über dieselben sofort zu entscheiden und die Listen hiernach sofort zu ergänzen oder zu berichtigen (§ 21 der Wahlanleitung). Sollte gegen die Entscheidung der Wahlkommission Rekurs erhoben werden, so find die Reklamationen mit den Wahlakten sofort und spätestens bis zum 22. Oktober l. I. an uns einzusenden. Endlich machen wir Sie auf die Bestimmung des § 22 der Wahlanleitung aufmerksam, wonach die Liste der Stimmberechtigten nach stattgehabter Offenlegung der betr. Großh. T-istriktseinnehmerei und dem Gemeindceinnehmer mit dem Ersuchen mitzuteilen ist, die Namen derjenigen darin aufgeführten Personen, welche mit der Entrichtung ihrer Staatssteuer, oder falls sie zu einer solchen nicht herangezogen sind, ihrer Kommunalsteuer länger als 2 Monate sich im Rückstände befinden, in der Spalte „Bemerkungen" mit „St. R." bezw. „C. R." (Restant) mit roter Tinte zu bezeichnen und Ihnen die Liste sodann möglichst beschleunigt zurückzugeben. Seitens des Gemeindeeinnehmers dürfen nur solche kommun al steuerpflichtige Personen als Restanten bezeichnetwerden, welche eine Staatssteuer überhaupt nicht entrichten. Tie Wahlen der Wahlmänner, zu deren Vornahme eine weitere Weisung von uns nicht mehr erteilt wird, haben Mittwoch den 29. Oktober l. I. ftattzufinden. Tag, Stunde und Wahllokal sind spätestens am 25. Oktober d. I. in jeder der Gemeinden, aus denen die Wahlgemeinde besteht, bekannt zu machen (Formular G). Damit der obige Termin eingehalten werden kann, sind alle Vorarbeiten der Wahlkommission möglichst zu beschleunigen. Bis spätestens 17. Oktober d. I. erwarten wir berichtliche Anzeige über die erfolgte Offenlegung der Listen der Urwähler und Wählbaren, sowie darüber, ob Einwendungen vorgebracht worden sind. Schließlich empfehlen wir Ihnen noch die genaue Beobachtung der Anleitung zur Wahl der Wahlmänner und der hierzu im Jahre 1887 ergangenen ab ändernden Bestimmungen, welche wir Ihnen mit Amtsblatt Nr. 6 vom 23. Mai 1887 mitgeteilt haben. Dr. B r e i d e r t. Gießen, den 23. September 1902. Betr.: Gegenseitigkeitserklärung zwischen Hessen und Preußen wegen beiderseitiger Stempelbesreiungen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzogl. Bürgermeistereien und die Vorstände der milden Stiftungen des Greifes. Die nachstehende Gegenseitigkeitserklärung zwischen Hessen und Preußen wegen beiderseitiger Stewpelbefreiung bringen wir unter der Empfehlung zu Ihrer Kenntnis, sich vorkom. wenden Falls hiernach zu bemessen. Dr. B r e i h e r t. Zwischen der Großherzoglich Hessischen und der Königlich Preußischen Regierung ist vereinbart worden, daß und zwar rückwirkend vorn 1. Januar 1900 an 1. die in Artikel 7 Absatz 1 Ziffer 3—6 des Hessischen Urkundenstempel-Gesetzes ausgeführten Stempelbefreiungen auf Grund des Artikel 7 Absatz 3 des genannten Gesetzes auf Preußische Anstalten u. s. w. ausgedehnt werden, 2. auf Grund des § 5 Absatz 3 des Preußischen Stempelsteuergesetzes vom 31. Juli 1895 sowie des Artikels 1 unter 3 c des Preußischen Gesetzes über die Erbschaftssteuer vom 31. Juli 1895 die Stempelbefreiungen des § 5 Absatz 1 d, e, f, des Preußischen Stempelsteuergesetzes und, soweit der Schenkungsstempel in Frage kommt, die Befreiungsoorschristen 2 t, g, h, des Tarifs zum Preußischen Erbschaftssteuergesetze vom T5aT auch den Hessischen Anstalten u.f.ro. ge- 24. ZZJtai loul währt werden. Die in Betracht kommenden preußischen Bestimmungen lauten: § 5 Absatz 1 Ziffer d, e, f des Stempelsteuergesetzes vom 31. Zuli 1895: Von der Entrichtung der Stempelsteuer sind befreit: d. öffentliche Armen-, Kranken-, Arbeits- und Besserungsanstalten, ferner öffentliche Waisenhäuser, vorn Staate genehmigte Hospitäler und andere Versorgungsanstalten, ferner vom Staate genehmigte Vereine für die Kleinkinderbewahranstalten, sowie Stiftungen, welche als milde ausdrücklich anerkannt sind; e. öffentliche Schulen und Universitäten; f. Gemeinden (Gutsbezirke) und Verbände von solchen in Armen-, Schul- und Kirchenangelegenheiten. Nt * «-«kt... hi 1873.1 ^Sssrstes. 10 K">ald, Kassel: s-äa* •A-’sL, SäMtf ; Hinrich ftraeger, S8er.- int die Sind«. K'Uchrgröbtkrhnmms o Beck, Köln: Rezitationen on zu jeder Tageszeit, eiezimmer. W m Frankfurter Los. nents-Konzerle usw. Sorten ;t n Hausverwalter. sleule 10 Mk, für nicht seH orsland erbeten. M IkrfiWliB V Akt mir kann getellm rden. M Emil Fisctet Friseuse MW >r bo8öa^LL-_----7 J CB8 reiu Kramer, Lei- nt noch Kunden an uiV- hch im «opslt^ lampoonieren) in ur) Mi n hause. Wilhelmsa. 3, ll > bis 14 Zeilen) N eim 1 Wpr. unter W/M61 Unterricht „VfMM W PM * 8 ... 4 gjionate alt, c< etter), ca.4-v .«eichen, abhano 9 $... s meinem Gart^» j( Un wordem/daß M T so bezeichnet. M Ä lr- ilamem, abzug- , Nr. 225 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Donnerstag 25. September 1902 Erscheint täglich außer SonntagS. feem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Siehener ZamUirn. blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen lLnwers^Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. AernsprechanschlußNr.bl. Eichener Anzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezn n-1 prellt monatluh .viertel« jährlich W. 20; durch Abhole- u eigfieUen monatlich i • bf.; durch diePost Mk. Vierteljahr!. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis voriniltagS 10 Uhr. ZetlenpreiS: lokal 12Pj^ auSwärtS 20 Pfg. Verantwortlichr für den polit u. allgem. Teil: P. Wtttko: füt „Stadt und fianb“ und .Gerichtssaal': Lurt Platon sl'ir den An- tzeigenteil: HanS Beck. Gießen, 22. September 1902. Betr.: Die Wahlen zum 32. Landtag. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien Albach, Allendorf a. d. Lumda, Allertshausen, Beltershain, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Climbach, Geilshausen, Gießen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Holzheim, Äefselbach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Ovenhausen, Oueckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Saasen, Stangenrod, Steinbach, Stockhausen, Treis a. d. Lumda und Weickartshain. Unter Bezugnahme auf unsere Verfügung vom 24. Juli L I. — Gießener Anzeiger Nr. 172 — bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß wir auf Grund der Gesetze vom 8. November 1872 und 6. Juni 1885, sowie der dazu ergangenen Ausführungsbestimmungen die nachverzeichneten Wahlgemeinden gebildet haben, deren jede die bei- xefügte Zahl von Wahlmännern zu wählen hat. Seelen- Wahlgemeinden. zahl A. die Provinzialhauptstadt Gießen als eigener Wahlbezirk..... 25491 i. im dritten Wahlbezirk der Provinz Oberhessen: Holzheim...........1107 C. im sechsten Wahlbezirk der Provinz Oberhessen: 1. Albach ......... . 341 2. Allendorf a. d. Lumda.....1106 3. Allertshausen........268 mit Climbach........249 4. Beltershain.........298 mit Göbelnrod....... 244, 5. Bersrod......... 395 mit Winnerod........ 34 6. Beuern...........996 7. Burkhardsfelden.......683 8. Geilshausen . ........476 9. Grünberg..........1992 10. Harbach .......... 343 11. Kesselbach..........437 12. Lauter ...........418 13. Lindenstruth....... . 344 14. Londorf ..........850 15. Lumda...........390 16. Odenhausen ......... 2971 mit Appenborn . . . w. . . . 11J 17. Oueckborn....... . 529 18. Reinhardshain .......286 19. Reiskirchen.........768 20. Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirberg . .......479 21. Stangenrod...... 306 22. Steinbach..........984 23. Treis a. d. Lumda ......1138 24. Weickartshain ........ 3781 mit Stockhausen ....... 135/ Zahl der zu wählenden Wahlmänner 50 2 1 2 1 1 1 1 1 1 3 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 2 1 Tie Wahl der Wahlmänuer erfolgt in jeder Wahlgemeinde unter der Leitung einer Wahlkommission, welche ans dem Bürgermeister (oder in dessen Verhinderung dem Beigeordneten) und zwei weiteren Urkundspersonen besteht. Die Wahl der letzteren durch den Gemeinderat wollen Sie sofort veranlassen und darüber das Gin Manöver mit Scharfschießen. *) Büdingen, 23. Sept. Das war doch einmal etwas Anderes! Ein Manöver mit scharfer Munition! ftein Wunder, daß die Zahl der „Schlach- ten-Bummler" eine schier endlose war, die sich in die Gegend von Büdingen, Birstein usw. begeben hatten, um den im Anschluß an die Herbstmanöver des 18. Armeekorps stattfindenden Angrisssübuiigen einer kombinierten Division, bestehend aus Truppenteilen der Jnf.-Regimenter 80, 87, 118, Husaren-Regiment Nr. 13, Feldartillerie-Regi- mentern Nr. 3 (Mainz) und Nr. 9 (Ehrenbreitstein) gebildeten Feldchaubitzen-Regiments, beizuwohnen. Die an- greisende Partei (die Südarmee) stand unter dem Kommando des Generalmajors v. Viebahn, Kommandeurs der 50. Infanterie-Brigade. Die Nordarmee unter dem Kommando des Obersten Frhr. Stobt v. Collenberg, Kvmman- beurs des 1. Hess. Jnf.-Negts. Nr. 115, bestehend aus Teilen des 115. Jnf.-Regts., der 13er Husaren, des Feldartillerieregiments Nr. 61 und 3 Kompagnien des 21. Pio- mer-Batailtous. Die Armee hatte sich aus dem Galgenberg zwischen Kefenrod und Wenings verschanzt. Drei Wochen lang hatte das 21. Pionierbataillon gearbeitet, um der Nordarmee eine wahrhaft formidable Stellung herzurichten. Tie Verteidigungslinie war 2—3 Kilometer lang und vollständig kriegsmäßig hergestellt. Die Schützengraben waren mit Kops sch eiben versehen. Auch die Deckungsgraben für die Reserve waren mit Mannschaftsscheiben an gefüllt. Ebenso die vorschriftsmäßig eingedeckten Unterstände der Laufgräben. Die in die letzteren aufgestellten Scheiben waren in sitzender Stellung. Hinter der Infanterie stand die Artillerie mit Geschützen und Bedienungsmannschaften, alles in Holz und Papier natürlich. Die Gräben waren für den Feind vollständig unsichtbar gemacht, da sie oben teils * Der nachstehende Artikel der „Ofsenb. Ztg." bildet eine Ergänzung unserer gestrigen Notiz aus Wenings. D. Red. § 5 Absatz 3 desselben Gesetzes: In den Fällen zu d bis g erstreckt sich die Stempelsteuerbefreiung nur auf inländische Anstalten, Stiftungen, Vereine u. s. w. Diese Befteiung kann jedoch auch ausländischen Anstalten, Stiftungen, Vereinen u. s. w. gewährt werden, wenn der auswärtige Staat Preußen gegenüber die gleiche Rücksicht übt. Befreinngsvorschrifteu 2 f, g, h des Tarifs zum Erbschasts- n , t 30. Mai 1873. Itnertefete °°m ^^18917 Befreiungen: Von der Erbschaftssteuer befreit ist: 2. jeder Anfall, welcher gelangt an: t Orts- oder Landarmenverbände zur Verwendung für Hilfsbedürftige, g. öffentliche Armen-, Kranken-, Arbeits-, Straf- und Besserungsanstalten; ferner Waisenhäuser, vom Staate genehmigte Hospitäler und andere Versorgungsanstalten oder andere milde Stiftungen, welche vom Staate als solche ausdrücklich oder durch Verleihung der Rechte juristischer Personen anerkannt sind, h. öffentliche Schulen und Universitäten, öffentliche Sammlungen für Kunst oder Wissenschaft, Artikel 1 Ziffer 3 o des Gesetzes, betreffend die Erbschaftssteuer vom 31. Zuli 1895: In dem durch die Bekanntmachung vom 24. Mai 1891 veröffentlichten Text des Gesetzes, betreffend die Erbschaftssteuer, treten folgende Aenderungen ein: 3. Im Tarif treten: c. hinter 2 k der „Befreiungen" in einem weiteren Absatz folgende Worte hinzu: In den Fällen zu f, g und h erstreckt sich die Befreiung nur auf inländische Anstalten, Stiftungen, Vereine u. s. w., kann jedoch auch ausländischen Anstalten, (Stiftungen, Vereinen u. s. w. gewährt werden, wenn der auswärtige Staat Preußen gegenüber die gleiche Rücksicht übt. Kekamümachung. Amtstage in Grünberg und Hungen betreffend. Samstag den 4. Oktober d. I., vormittags 9*/2 Uhr, findet im Rathause zu Grünberg, und Mittwoch den 8. Oktober d. I., vormittags 93/4 Uhr, im Rathause zu Hungen ein Amtstag der unterzeichneten Behörde statt. Anliegen der Kreiseingesessenen aus den Amtsgerichts- bezirken Grünberg, Homberg und Laubach können am Amtstage in Grünberg, Anliegen der Kreiseingesessenen aus den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Lich und Nidda am Amtstag in Hungen vorgebracht werden. Die Grotzh. Bürgermeistereien der in den vorgenannten Amtsgerichtsbezirken gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen werden beauftragt, das Vorstehende in ihren Gemeinden wiederholt ortsüblich bekannt machen zu lassen. Gießen, den 22. September 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- Dr. B r e i b e r t. Bekanntmachung. Betr.: Beginn der landw. Winterschule zu Büdingen. An der landwirtschaftlichen Winterschule zu Büdingen beginnt der Lehrgang 1902/1903 am 6. November, vormittags 108/4 Uhr. Die Anmeldungen haben rechtzeitig schriftlich oder münd- üch, und zwar spätestens bis zum 15. Oktober bei dem Vorsteher der Schule, Großh. Landwirtschaftslchrer Andra e zu Büdingen, zu erfolgen, von welchem der Unter- richtSplan und Jahresbericht unentgeltlich bezogen und jede gewünschte Auskunft eingeholt werden kann. Büdingen, den 11. September 1902. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der landw. Wmterschule Büdingen. I. V.: Dr. Neid hart. Aie ZolltarifKommisston. Anwesend waren in der Mittwoch-Sitzung die StaatS- fekretäre Graf Posadowsky und Frhr. v- Thielmann, sowie Minister v. Podbielsli. Tie Generaldistussion des Unterabschnitts C, Tiere und tierische Erzeugnisse (Positionen 73 bis 159), wird fortgesetzt. Frhr. v. Wangenheim ermahnt zu ruhiger Führung der Verhandlungen und beantragt Streichungen der Ausnahmebedingungen für die Grenzanwohner. Seinen Antrag, die tierischen Fette der Positionen 124 bis 127 gleichmäßig hoch zu tarifieren, werde er im Falle der Ablehnung für die zweite Lesung im Plenum wieder einbringen. Die deutsche Viehzucht schreite außerordentlich fort; die gegen» wärtige Fleischteuerung sei nur vorübergehend. Die Produktion von Rindvieh und Schweinen sei stärker gewachsen, als die Bevölkerung. Tie Grenzen müßten dauernd gesperrt werden, denn die aussichtsvollen Bestrebungen, die Schweineseuche wirksam zu bekämpfen, würden bei der Grenzöffnung illusorisch. Sieg (nl.) sagt. Die ganze Beunruhigung wegen der Fleischnot sei künstlich durch die Presse hervorgerufen. Die Grenzöffnung werde mit Recht verweigert. Warum schreie man über die Verteuerung gerade des Fleisches, aber nicht über den unerhörten W o h n u n g s m i e t e n - W u ch e r und Kohlen-Wucher? Pack; nicke ijreif. Berg.) sucht nachzuweisen, daß that- sächlich eine Fleischnot bestehe. Tie beschlossenen Diehzölle könnten nicht aufrecht erhalten werden, sonst wären Handelsverträge mit Oesterilßich und Rußland unmöglich. Dr. Heim (Zentr.) bedauert Die Schwäche der bayerischen Regierung, welche die Schlachtfrist für Auslandsvieh von drei auf füwf Tage erweiterte. Fleischteuerung berrsche in ganz Europa, daher fei e. nötig, die Jnlands- produktion rasch durch den Zoll zu Ijci. ::i. Redner wünscht eine außerordentliche Viehzählung, nn i . beruhigt nd wirken werde. Die gefährlichsten Seuchen n vom .mslande, so die Maul und Klauenseuche au :• _ . ici . Ministerialdirektor v. Geig . orwurf her Schwäche zurück und bemerk, Die . rlaiua ung der Schlachtfrist m München mußte erfolg.n, weil in München eine starke Ausfuhr nach cuibcren Städten herrsche. Im weiteren Verlaufe der Debatte erklärte Minister v. Podbielski, die Grenzöffnung sei wegen der Seuchengefahr unmöglich. Graf Posadowsky erklärt, die Fleischteuerung sei eine wirtschaftliche, nicht lediglich deutsche Erscheinung. Bei der Spezialdiskussion über die Pos. 99 bis 107 beantragt v. Wan genheim, die Zollsätze der ersten Lesung durchweg als unveränderte Mindestsätze zu beschließen. Herold (Zentr.) befürwortet gleichfalls Mindestsätze des Viehes. Graf Posadowsky erklärt, die verbündeten Regie- rungen, welche fortdauernd Handelsverträge anstreben, erachten die Erweiterung des Systems der Mindestzölle für unmöglich und lehnen Mindestzölle für Vieh ab. Stadthckgen bekämpft die Ausführungen des Ministers v. Podbielski, der sich sein Material vom deutschen Landwirtschastsrat besorgen lasse. Um den Kleinbauern zu helfen, solle man die Futterzölle abschaffen. Minister v. Podbielsli erklärt, durch die Ver- charfung der Grenzsperre sei die Ausbreitung der Viehseuchen zurückgegangen. Tie Schweineseuche hoffe er durch Impfung beseitigen zu können. Sittard (Zentr.) ertlärt sich mit der Grenzsperre grundsätzlich einverstanden, wünscht aber Ausnahmen im Westen, besonders in der Aachener Gegend, wo die Zufuhr aus dem Hinterlande fehle, zumal Holland hinsichtlich der Viehseuchen sehr günstig stehe. Graf Kanitz (kons.) befürwortet die Beschlüsse der ersten Lesung und bemerkt, die Abschaffung der Futterzölle begünstige viel Mehr die Großgrundbesitzer, die viel auswärtiges Futter brauchten, als die Kleinbauern. Tie Aufhebung der Grenzsperre sei eine Gefahr für die ländlichen Arbeiter, die durch den Verlust eines Schweines schwer geschädigt würden. Er sei nie ein Freund der Handelsverträge gewesen, die Nebensache neben dem Zolltarif seien. Speck (Zentr.) wünscht, daß bei dem Abschluß der Handelsverträge auch die Industrie zu Den Kosten herangezogen werde. Staatssekretär Graf Posadowsky bemerkt gegenüber dem Grasen Kanitz, es sei irrig, zu behaupten, die Landwirtschaft habe kein Interesse an den Handelsverträgen. Ein so einfeitiger Standpunkt würde zum Zerfall des Staates führen. Pachnicke fordert die Regierung auf, sie solle sich von den Konservativen losmachen und an das Land die Frage stellen: Wollt ihr Handelsverträge oder nicht? Die Beschlüsse der ersten Lesung werden angenommen und in Pos. 107 statt einschließlich gesetzt ausschließlich Schweinespeck, für den eine besondere Pos. 107 a geschaffen wird. Es folgt Pos. 114, gesalzene Heringe frei. Herold (Zentr.), Sieg, Dr. Paas che (nl.) schlagen Wiederherstellung der Regierungsvorlage vor, in einer ganzen, halben, viertel und achtel Tonne 3 Mk., in anderer Verpackung den Doppelzentner 2 Mk. Staatssekretär Graf Posadowsky: Falle der Zoll, so fliege eine Anzahl von Heringsfischereien in Deutschland ab und werde vom Auslände abhängig. Die Regierungsvorlage wird wieder hergestellt. Es folgt die Beratung von Pos. 131, Milch, zollfrei. Es bestand eine Lücke im Beschluß, da in der ersten Lesung sowohl die Zollfreiheit wie einzelne Zollsätze abgelehnt waren. Herold und Schwerin beantragen für Milch 4, Rahm 20 Mk., Buttermilch und Molken frei. Speck (Ztr.) wünscht eine Anmerkung zum Antrag Herold für zollfreie Milcheinführung in den Grenzgebieten. Der preußische Ministerialdirektor Wermut h und der bayerische Ministerialdirektor Ritter v. Geiger ersuchen, die Regierungsvorlage, betr. Zollfreiheit wiederherzustellen. Tie Regierungsvorlage wird mit 12 gegen 11 Stimmen angenommen. Tie Unterabteilung D, Müllereierzeugnisse, und E, Erzeugnisse der Nahrungs- und Genußmittelgewerbe, werden, soweit sie vorher nicht inbegriffen, ohne Erörterung erledigt. • • Herr v. Podbielski ist also schleunigst von der Elchjagd im ostpreußischen Memeldelta, der er sich dieser Tage hatte widmen können, zurückgekehrt, um vor der Zolltarif- tommission seine Meinung zu begründen, daß die Fleischnot nur eine vorübergehende Erscheinung sei. Tas Trostwort von der „vorübergehenden Erscheinung" hatte auch der vorige preußische Eisenbahnminister v. Thielen zu den Klagen über die Kohlennot gespendet. Zwei Jahre nahm sich die Erscheinung Zeit, „vorüberzugehen" .... Herr v. Podbielski führte für die sttengen Grenzsperren sanitäre Gründe ins Feld, gab aber selbst zu, daß infolge der „drakonischen Maßregeln" der russischen Regierung die Einschleppung von Viehseuchen aus dem russischen Gebiet nahezu ausgeschlossen sei. Wenn dies der Fall ist, so begreift man umsoweniger, weshalb auf preußischer Seite so große Besorgnis besteht vor einer zeitweiligen Milderung der Grenzsperre. Herr v. Podbielsli sprach vergeblich viel, um zu versagen; der andere hört, in diesem Falle, aus allem nur das „Es ginge wohl, aber es geht nicht". Im übrigen leistete sich auch gestern die Zolllommissionsmehrheit ihr gewohntes Deputat, sie nahm trotz der wiederholten feierlichen Warnnug des Grafen P o s a d o w s t y die Viehzölle mit der Bindung des Mindest zoll es an. Aufsehen erregte die Erklärung des Abg. Herold, ohne die Bindung der Vieh» und Fleischzölle sei der Zolltarftenlwurf für ihn und seine Freunde nicht annehmbar. Soll dies nun heißen: für die Agrarier des Zentrums oder für das ganze Zentrum unannehmbar? Abg. Speck von der ausschlaggebenden Partei drückte sich vorsichtiger aus: „Für Die weitaus überwiegende Mehrheit". Tas entspricht mehr der Taktik des Zentrunis, das nicht liebt, alle Brücken abzubrechen. Gleichwohl hat auch dieser Beschluß der Zoll- lommission dem Tarifentwurf einen neuen Schlag zugefügt. Von Tag zu Tag mehren sich die Meinungsverschiedenheiten, die (einen Ausgleich zulassen, weil Regierung und Kommisjionsmehrheit mit kategorischer Bestimmtheit erklären, an ihrer Auffassung festzuhalten._________ 55. «Hauptversammlung des evangelischen Kuüav-Adolf-Aereins. Kassel, 23. September. Der Gesamtverein der evangelischen l^nüav-Adoll-Stiftung ist gestern hier unter zahlreicher Beteiligung von Delegierten und Gästen aus allen Teilen des . und aus Dem Auslande zu seiner 55. Hauptversammlm . mm.u- getreten. U. A. sind anwesend: Konsistonalrai . Kalbleder, Mr. 4.— bis 8.— elifäen ? > und cHQii?e^n^ °°° 604 An Ach LV*"’Stm- unb Argentinien. Ä vornehmlich eine Men Gebieten. uns der eoan. ranzösischen Glaubens. >e> ungeachtet einzelner Gememichch bezeugen, ne Lüge \\\, vottm bit schein Geide.' 1 bedürfe ebenfalls de u- A.: „Wenn die wir die Unvollkommen- : ^tholische Bonisacius- im Jahre 1900 eint . d. h. etwa eine halbe ihre dürfte er die dritte r welche Mel verfügt rauchen uns nicht gleich ^schritten Roms, wenn ), wo man Katholiken katholische Kirchen vor der anderen. Da soll Iran erinnern, wie viele Zottesdienstes entbehren, rchturm unser Gewissen A draußen wieder einen Erße Gießen» MeiidesMaMt Wottengasic 20. Schloßgassc 5. Haushaltungsschule. Montag den 13. Oktober d. I., vormittags 10 Uhr, beginnt im Schulhause in der Neustadt ein achtwöchentlicher Kursus der Haushaltungsschule. Die Schülerinnen werden in weiblichen Handarbeiten, ! b -sonders aber im Kochen und in der Führung eines einfachen I Haushaltes unterrichtet. Diejenigen, welche den Kursus besuchen wollen, können sich bei der betr. Lehrerin, Fräulein Linthes, oder bei dem unterzeichneten Lehrer in der Stadt- Mädchenschule melden. Gießen, den 25. September 1902. 6682 Mecum. I. 23.: Schaaf. Vermischtes. *Sternberg irnGefängnis. Nach privaten Mitteilungen ist der verurteilte Bankier Sternberg mit seinem Schicksal zufrieden; sein Gesundheitszustand hat sich gebessert, er neigt jetzt sogar zur Fettleibigkeit. Beschäftigt wird Sternberg in der Schneiderei, allerdings nicht mit der Couponschere. Mit der ihm eigenen Energie widmet er sich, seinem neuen Berufe. Seine Führung soll sehr gut sein. * „Das eite deutsche Reit er fest" in Kl.- Tschirne schildert die antisem. „Staatsb.-Ztg." folgendermaßen: Klein-Tschirne war am letzten Sonntag das Ziel vieler Hunderte aus Glogau und den der Grafschaft benachbarten Dörfern, die per Bahn, zu Wagen, mit dem Rade oder zu Fuß gekommen waren, um an dem vom Grafen Pückler veranstalteten zweiten deutschen Reiterfeste teilzunehmen. Zunächst exerzierte Graf Pückler einige Zeit mit seiner Reiterschar, die sich inzwischen erheblich verstärkt hat. Nach den Gefechtsexerzitien fanden verschiedene Parademärsche im Schritt und Galopp statt, und dann erfolgte mit Fahnen und Musik der Einzug in den Burghof, der diesmal für das Publikum nicht gesperrt worden war. Aus einem freien Platze waren Bänke für die tapferen Reiter aufgeschlagen, die sich um ihren Führer zum Freibier scharten. Graf Pückler wurde bei seinem Erscheinen mit einem donücrnden „Hurra!" begrüßt. Gras Pückler „eröffnete" das „zweite deutsche Reiterfest" mit einem Kaiserhoch, worauf die Musik „Heil Dir im Siegerkranz" spielte. Nach einer kurzen Pause hielt der Graf eine längere Ansprache, in der er dem zahlreich versammelten Publikum den Wert und die Bedeutung des Reitens in volkserziehe- Gerichtssaat. — Das Attentat gegen den Kaiser und den Zaren. Wegen wissentlich falscher Anschuldigung hatte sich in Thorn vor der Straskammer der Kaufmann Wladislaus Sztukowski aus Tre- messen, früher zu Briefen, zu verantworten. Am 12. Septbr. v. I. lief beim Polizeipräsidium zu Berlin aus Briesen eine anonyme Anzeige ein, dahingehend, daß ein Komplott im Gang sei mit dem Zweck, Kaiser Wilhelm und den Zar von Rußland gelegentlich ihrer bevorstehenden Zusammenkunft zu töten. Der Briefschreiber gab an, er habe vier jüdische Männer und eine Frauensperson, welche zu der geheimen Verbindung gehörten, eines Abends auf dem jüdischen Kirchhof zu Briesen bei einer Unterredung belauscht. Unter den Männern wäre auch der Kaufmann Max Altmann zu Briesen gewesen. Das Schreiben wurde sofort dem Landratsamt zugesandt. Da auf der Hand lag, daß die schweren Anschuldigungen gegen den Kaufmann Altmann jeglichen Anhalts entbehrten, blieb dieser von erheblichen Unannehmlichkeiten verschont. Man forschte indessen eifrig nach dem Absender des Schreibens. Bald entstand der Verdacht, daß der Kaufmann Sztukowski derselbe sein könne. Sztukowski hatte im März 1900 in Briesen ein Tuch- und Manufakurwarengescbäft eröffnet, das anfänglich florierte, dann aber fehr zurückging. Altmann ivar fein hauptsächlichster Konkurrent. Ihn wollte Sztukowski wohl schädigen. Ende Juli 1901 erhielt Altmanns Verkäuferin, Frl. Szymanski, einen Brief, der anscheinend von Sztukowski stammte, aber eine falsche Unterschrift trug, mit der Aufforderung, sofort ihre Stellung bei dem jüdischen Kaufmann Altmann aufzugeben und sich bei einem sehr wohlhabenden Kausmann in Köln unter einer Chiffre-Adresse zu melden; dieser suche eine gewandte Verkäuferin, die er möglicherweise auch heiraten würde. Offenbar sollte hierdurch Altmann seine tüchtige Verkäuferin verlieren, welches Manöver aber nicht glückte, da Frl. Szymanski dem Schreiben keine Bedeutung beilegte, Altmann zudem noch eine Gehaltszulage gewährte. In der Verhandlung bestritt Sztukowski, der Verfasser des Schreibens an das Polizeipräsidium zu fein. Das Gutachten zweier Schreibsachverständigen, darunter von Tr.Gesettch- Charlottenburg, lautete aber dahin, daß er die Eingabe geschrieben haben müsse. Der Gerichtshof erachtete ihn auch der wissentlich falschen Anschuldigung für überführt und verurteilte ihn zu 8 Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 9 Atonale beantragt. Kassel, 23. Sept. Der Techniker Fisch mann, der frühere Betriebsleiter der Wegmann'schen Eisenbahnwaggonfabrik hier, welcher eine Broschüre verfaßt, worin gegen den Fabrikbesitzer Kommerzienrat Wegmann eine Anzahl schwerster, ehrenrühriger Vorwürse erhoben waren, wurde von der hiesigen Strastammer wegen Erpressung und Beleidigung zu 6 Monaten, der mitangeklagte Lakrerermeister Ranzig zu einem Monat Gefängnis verurteilt. rischer Hinsicht erläuterte. Die Reiterei schaffe wehrhafte, kernige Leute, und solche könne Deutschland gerade brauchens Vierkantig müsse der Mann sein, scharf und schneidig, hart wie Eisen und scharf wie Stahl; denn nur dann werde ep ich behaupten in dem ernsten und schweren Kampfe gegen )ie Mächte der Finsternis, gegen die „gemeinen, krummbeinigen, scheußlichen Jüdenbengel". Beim nächsten Reiter- 'este hoffe er, ein Regimentsexcrzieren abhalten und mit >wei Schwadronen ins Feld ziehen zu können. Tie Red« chloß mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Hierauf wurde „Deutschland, Deutschland über alles" gesungen. Inzwischen war der für die Reiter abgegrenzte Raum auch anderen Personen aus dem Publikum geöffnet worden, u. a. einigen Studcnt-en. Im weiteren Verlaufe des Nachmittags wechselten Musilvorträge mit allgemeinen Liedern, bis sich der Graf gegen 5 Uhr ins Schloß zurückzog und damit das „Fest" sein Ende erreichte. * Innsbruck, 24. Sept. Vorgestern abend ist der 50jährige hervorragende Bergführer Hans Niederwies er aus Sand in Täufers bei einer unbedeutenden Tour verunglückt. Er wollte gestern mit dem Leobner Bergalademiker Konopasewitsch von der Chemnitzer Hütte aus den Hochfeiler besteigen und hatte vorgestern den Nachmittag zur Besteigung des 2680 Meter hohen Schaflahner- nock, eines Vorberges, benützt. Bei der Ueberkletterung des Grates brach er beim Greifen aus und fiel 10 Meter; tief auf den Kopf; das Seil riß, er überschlug sich zweimal und kollerte 70 Meter tief. Sein Begleiter bettete ihn sicher und eilte nach Täufers, um Hilfe zu holen. Die ausgesandte Expedition fand den Gestürzten schon tot. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Verwaltungs-Ausschusses über das verflossene Vereinsjahr. 2. Bericht und Rechnungsablage des Zahlmeisters, Entlastung desselben, sowie des gesamten Vorstandes. 3. Wahl zweier Kassenrevisoren. 4. Festsetzung des Voranschlages für das kommende Dereinsjahr. 5. Anträge. 6. Wahl des Vorstandes und Verwaltungs-Ausschuffes. 7. Verschiedenes. Wir ersuchen um zahlreiches Erscheinen. Der Vorstand» H Dr.W.Knechts Magenbitter | ®„SÄNTIS"isjder beste : N der Welt. 100 Kg. Unter den Departements, in denen der Tabakbau genehmigt ist, sind folgende die wichtigsten: Dordogne mit einer Ernte von 4 243 567 Kg. (nach Abzug der nicht angenommenen Mengen) im Werte von 3 599 975 Franken. Lot et Garonne mit 3585 405 Kg. im Werte von 3 026155 Franken, Jsere mit 3 496 487 Kg. im Werte von 2 910103 Franken, Lot mit 2190 043 Kg. im Werte von 2 333 420 Franken, Pas de Calais mit 1902142 Kg. im Werte von 1855 830 Franken, Gironde mit 1877 885 Kg. im Werte von 1677 442 Franken und Nord mit 1259 315 Kg. im Werte von 1037297 Franken. Die beiden Departements mit der geringsten Produktion sind Var und Bouches du Rhone, welche nicht mehr als 2 Ha. bebaut und davon nur 5564 Kg. (3934 Franken) und 3974 Kg- (3197 Franken) geerntet haben. Wie bereits erwähnt, stellte sich der Durchschnittspreis für 1 Kg. Tabakblätter auf 88 Centimes- Da die Raucher das Kilogramm gewöhnlichen Rauchtabaks weit höher bezahlen, so kann man daraus ersehen, daß der Verkauf der Tabalfabrikate eine ergiebige Einnahmequelle für den Staat bildet. Im Jahre 1901 hat das Tabakmonovol der französischen Staatskasse rund 414 Millionen Franken eingebracht. Ter Tabakbau ist in Frankreich nur in fünfundzwanzig Departements erlaubt. Im Jahre 1902 war die Bebauung von 17 650 Ha. genehmigt, von denen indessen nur 16 339 Hektar mit im ganzen 58151 Pflanzern bebaut worden sind. Die gesamte Tabakernte belief sich auf 24 785 505 Kg-, aber die Monopolverwaltung hat davon nur 23 975 801 Kg. zum Preise von 21212 614 Franken angenommen. Ter Durchschnittsertrag von einem Hektar berechnet sich sonach auf 1517 Kg. oder wenn man die von der Verwaltung nicht angenommene Menge außer Betracht läßt, auf 1467 Kg. Tie Brutto-Einnahme aus dem Verkauf der Ernte von Hektar belief sich auf 1274,84 Franken bei einem hnittswerte des Tabaks von 88,47 Franken für je Programme und nähere Auskunft durch unterzeichneten Herren-Hausschuhe Ml. 6.— bis 8.— Kinder-Schnürschuhe, Rind- und Kalbleder, Für gutes Material wird garantiert. Reparaturen gut und billig. 1 Johannes Hecker. Aus Stadt und Kand. Gießen, den 25. Sept. 1902. •• Personalien. Der Lehramtsassessor Dr.H.Wall- 5 ott aus Garbenteich wurde zum Oberlehrer an der Ober- Realschule in Wiesbaden ernannt. )—( Die schönen Septembertagesind wie geschaffen zum Wandern und zur Rast nach fröhlicher Wanderung. Glücklich der, dem es vergönnt ist, in dieser herrlichen herbstlichen Zeit sich eine, wenn auch kurze Zeit der Erholung und Ausspannung zu verschaffen. Er sollte süe gewissenhaft ausnutzen, die Nerven zu stählen, die Kräfte z« sammeln für die lange und aufreibende Arbeit des nahen- drn Winterhalbjahres. Tazu bedarf es nun keineswegs mühevoller und kostspieliger Reisen in die Alpen oder an die Gestade des fernen Meeres. Warum in die Weite schweifen, Denn das Gute so nah liegt? Eine Wanderung durchs ofere heimatliche Bergwelt: Vogelsberg, Taunus, Odenwald ist gerade in diesen schönen herbstlichen Tagen bisonders erquickend und lohnend. Wer aber mehr ..seßhafter Natur" ist, wer Rast und Ruhe sucht, Erholung D.on schwerer Berufsarbeit oder Heilung von mancherlei Ariden und Gebrechen, dem können wir nicht angelegentlich g enug ein herrliches Plätzchen empfehlen, das in wahrhaft idealer Weise einen diesen Ansprüchen in hohem Maße gerecht wird. Es ist Bad Salzhausen bei Nidda, Station der Bahnlinie Friedberg-Nidda Fast find mir in Verlegenheit, zu sagen, was wir mehr empfehlen |ollen: ob die überaus erfrischende, stärkende reine Berg- iiAd Waldluft, — Balsam für die müde und schwache Lunge — oder die molligen, sehr heilkräftigen Bäder; ob den unvergleichlichen, altehrwürdigen schönen Park, der weit und Inert nicht seinesgleichen hat, oder die sehr wirksamen und noch viel zu wenig ausgenutzten Trinkquellen verschiedener Art; ob die liebenswürdigen Quartiergeber in W ihrer natürlich-freundlichen Art, oder ihre mäßigen, ja billigen Preise. Wir sagen nur: Geh' hin und versuch's, eS wird dich nicht gereuen! —!— Schrecklich es Erwachen. Folgendes nette Reiseerlebnis auf der Eisenbahn in der Nähe von Gießen iteirb uns von einem Abonnenten erzählt: Vor einiger Zett trat ich in einem nach dem Süden fahrenden Nachtzuge eine größere Reise an und suchte nach Möglichkett einen leeren Wagenabteil zu erobern, um Platz zum schlafen zu h^ben. Außer mir stieg nur noch ein allerdings sehr Nüchterner und unbeholfener Herr ein, der sich auf der gegenüberliegenden Bank mit gezierter Langsamkeit nieder- lkeß. Ich, der ich schon längst in meinem Wettermantel ft eckte und fast am Einschlafen war, bewunderte stttl den 1 feltfamen Fahrgast, der mit unglaublicher Ungeschicktheit ‘ seine Handkoffer auf die oberen Tragstützen beförderte. Ich mochte etwa 4 Stunden geschlafen haben, als ich beim Er- x.. Vlichen sofort entdeckte, daß der Koffer meines Nachbars bedenklich hin und her wackelte und her ab zu stürzen drohte. Da ich schnell übersehen hatte, daß event. gefährliche Verletzungen nicht entstehen konnten, so gönnte ich mir die Jyieube, den Sturz des Koffers gemütlich abzuwarten. Mein Machbar hatte beide Hände unter dem Kopf und atmete tief, einen herrlichen Schlaf verkündend. Ta klatscht ihm plötz- . li i); .(ein Koffer auf den Magen, mit Blitzesschnelle fährt i er empor, und noch ehe die Augen recht geöffnet sind, haben " )ie Arme schon fest zugepackt, um den vermeintlichen An- gaeiser festzuhalten und unschädlich zu machen. Tas nun *1 folgende Gesicht ist aber kaum zu beschreiben, als mein i Machbar nun seinen „liebevoll umarmten" Koffer erkannte. 5 aft hätte ich angestimmt: „Wie ruhte wohl so liebewarm, bis Köfferle in des Nachbars Arm, weiß nicht, wie ihm geschah." Ganz langsam und stttl stellte mein Nachbar ■ n:.m seinen Koffer zur Erde, nicht ohne verdächtige Blicke I inif mich, der ich „festschlafend" mit zwinkerndem Auge da lag und offenbar von dem ganzen.Vorgang nichts bemerft jiKitte. Mer mit dem Schlaf war es für meinen Reise- . aiefäbrten vorbei, trotzdem noch reichlich Zeit dazu da war. sicherlich war hieran nur jene unerwartete,Magenpresse" : schuld. Offenbach, 23. Sept. Bei dem Offenbacher Eisen- Bekanntmachung, -treffend: Die Bildung der Schöffengerichte und Schwurgerichte. Tie Urliste für die Schöffen und Geschworenen liegt eine Woche lang und zwar von Freitag dem 26. September d. Js. a i> auf dem Bürgerineistereibureau — Zimmer Nr. Io — zu Jeüer- n-anns Einsicht offen. Innerhalb jener Offenlegungsfrist ist gegen d - Richtigkeit und Vollständigkeit der Urliste schriftlich oder zu Kotokoll des Bürgermeisters Einsprache zu erheben. Gießen, am 24. September 1902. 6681 Großherzogttche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Giessener Rattmerein 1885 Hierdurch beehren wir uns, unsere verehrlichen Mitglieder zu der am 25. September d. I., abends 9 Uhr, in unserem Vereinslolal (Steins Gatten) statlfindenden General- Versammlung hessischen Gustav» die allgemeine Halten Mitteilung gemacht, deut Dl. ü hesekiel. über die VechÄW ■ ie vnandeüm W-’ e hoftzimg zu, ltz « rde. iie Festteilnehmer in du i lutherischen Kirche zm der ersten Kirche pre- in der zweiten lie Festgottesd.ensle s°nd offizielle Begrüßung des ,er Behörden statt. > sfeifer-Kassel M»' delegierten ** »bit sä** l*‘ to Uni*1 a di-# W*9 „„unb in- jjJ bi* ,nb d«S "°!7. ütrb<* unb 6.1» in5 •baute"«'! ,ge#n ® Se =” i“‘ ---tz •tz-s ^erreich' ^dols^^ ••“‘■‘■"“"SS Snt«° den Bekanntmachung. Aus dem Büreau der Armendeputation ist die Stelle eines iim93OT=rb«llim Altc?bis"zu 18Satan, n>eM)e beretts auf einem Eüreau ttjätiq waren, wollen unter Angabe ihrer GchaltSanspruche unb Beifügung eines felbstgefchriebenen Lebew-laufr n-bst Zeug, mssen ihre Meldungen bis zum 1. Oktober d. I. an das Armen- cant einreichen. _ Gießen, den 19. September 1902. . $579 Großherzogtiche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. bahmmglück am 8. November 1900 war auch Direktor Dr. Freitag aus Schönebeck umgekommen. Seine Witwe hat nun von der 100 000 Mk. betragenden Entschädigung 5000 Mark der Stadt Schönebeck, dessen Stadtverordneter ihr verstorbener Gatte war, überwiesen, welche zur Anlage eines Zierbrunnens aus dem Marktplatz dienen sollen. _ „ yv., , _ Weilburg, 21. Sept. Gestern rollten die zwei, ersten Waggons flüssiger Kohlensäure von dem neu erbauten Kohlensäurewerk des Selters-Sprudels Augusta Viktoria bei Löhnberg nach Darmstadt resp. Gie ßen ab. Hiermit ist eine Industrie eröffnet worden, die im Oberlahnkreis noch nicht vertreten war. Tabakbau in Frankreich int Jahre 1902. o Zo o# \ II. Junker & Ruh, 70 bis 75 Mark 75 85 n empfehlen in grosser Auswahl und unter langjähriger Garantie Ladeneingang Schlossgasse. Kirchenplatz 11. 11 Eigene Metalldreherei und Armaturenfabrlkation. Darmstädter IW-Lolin Hochfeine Waag am 8. 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