Nr. 119 «rschrtv« täglich außer Sonntags. Dem Dteßener Anzeiger werden bn Wechsel mit dem Sessischeo Landwirt die Siebener Familien. Mütter viermal in der Woche de »gelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brü h I'schen Untverf.-Buch- u.6teü»- drucke rei (Pirsch Lrdeni Redaktion. Erpeditton und Druckerei: Schnlstrabe I. ALrefie für Depeschen: Anzeiger «leben. Ferusprechanschluß Nr. 61. Samstag 24. Mai 19OÄ 152. Jahrgang ErsteS Blatt. vezngSprei», monatlich 7bP1^ viertel^ jährlich Dtk. LS0; durch Abhole- u. Zweigstelle» monatlich 6o Pf.; durch dtePost Mk.S.— viertel* jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer biS vormittag« 10 Uhr. Zeilen pre»S: lokal 11 DU auswärts 80 Pig. verantwortlich! für den poltt u. allgenu Teil: P. W»11ko: für „Stadt und Land" und „Derlchtsiaal":R.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: i'ant Beck. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v ** Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Gießen, 17. Mai 1902. Betr.: Das Behüten der Wiesen. Das Vroßherpgliche Krrisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir machen 6« darauf aufmerksam, daß das Behüten der Wiesen nach der Wiesenpolizeiverordnung für den Kreis Gießen vom 8. Januar d. Js. wie folgt untersagt ist: a) einschürige Wiesen: L mit Schafen: vom 1. April bis 1. Oktober, 2. mit Rindvieh: vom 1. April biS 1. August. b) Sonstige Wiesen: L mit Schafen: vom 1. April bis 1. Oktober, 2. mit Rindvieh: vom 16. März bis 16. September. Grund- und Thalwiesen, die mit Bewässerungsanlagen versehen sind, dürfen bei nasser Witterung überhaupt nicht behütet werden. Sie wollen die Schäfer hierauf aufmerksam machen und die Feldschützen strengstens anweiseu, etwaige Uebertretungen zur Anzeige zu bringen. Die Gendarmerie ist gleichfalls angewiesen, bei Zuwiderhandlungen gegen dieses Gebot Anzeige zu erheben. v. Bechtold. Volttische Tagesschau. FriedeuSglockea. Aus Berlin, 23. Mast wird uns geschrieben: Diesmal scheint ihr Klang nicht zu täuschen. An hie- siger gut unterrichteter Stelle ist man auf Grund der vorliegenden Londoner Depeschen überzeugt, daß der Frie- densschluß bis spätestens Mitte Juni erfolgen, die Krönung König Eduards also ohne das Geräusch des Kriegslärms sich vollziehen wird. Zunächst dürfte der Wafien- stillstand offiziell proklamiert werden. Ein einigermaßen klares Bild über die Bedingungen, auf Grund deren das Einverständnis anscheinend ermöglicht werden wird, läßt sich *ur Zeit natürlich nicht gewinnen. So ohne weiteres glaubhaft aber ist die englische Meldung wohl nicht, die oavon spricht, daß die Buren .in allen Hauptpunkten pachgegeben hätten. In der Frage der Amnestie für die Kaprebellen beispielsweise erscheint ohne das Entgegenkommen Englands eine Verständigung schwer möglich. Dic Buren sind nicht die Männer und auch keineswegs durch die eiserne Notwendigkeit gezwungen, nach solchem Feld zug sich mit geringfügigen Zugeständnissen abspeisen zu lassen, wie „Daily Mail" glauben machen will. Soweit bei dem dürftigen unb auf seine Richtigkeit schwer kon trollierbaren 'N ach richt en material aus holländischen Burenkreisen ein Urteil möglich ist, führt es zu der Vermutung, daß Präsident Krüger nicht in Verbindung mit den Buren führern steht, auf die Entwickelung der Friedensverhandlungen also ohne Einfluß ist. Wahrscheinlich hat der greife Präsident seinen Getreuen im Felde von vornherein „Generalvollmacht" erteilt, und er konnte das schließlich umsomehr thuu, als ja Präsident Dteijn dauernd auf dem Kriegsschauplatz weilte, der als Staatsoberhaupt der Oranjeburen, der „Unversöhnlichen", niemals einem Friedensvertrage seine Unterschrift geben würde, den nicht auch Präsident Krüger gutheißen konnte. Tie Entscheidung dürft» heute ün englischen Ministerrat, zu dem Mr. Chamberlain eigens von Birmingham sich begab, gefallen sein. Hoffent lich hält man mit der Veröffentlichung nicht hinter dem Berge. Deutsches Reich. Berlin, 23. Mai. Heute morgen begab sich der Kais er zu Pferde nach dem Exerzierplätze von Fres- c a t i bei Metz. Hier war jenseits des großen Gehölzes, mit der Front nach Nordwesten das Königsinsanterie-Regt. 9Zr. 145 in Linie aufmarschiert. Ter Kaiser ritt zunächst die Front des Regiments ab. Sodann folgte ein Vorbeimarsch in Kompagniekolonnen, an welchen sich ein Einrelexerzieren der Bataillone anschloß. Dasselbe dauerte bis fast liy2 Uhr. Ter Kaiser hielt darauf Kritik ab und traf sodann Anordnungen für ein nunmehr beginnendes Gefechtsexerzieren seines Regimentes. An demselben beteiligten sich auch andere Truppen. Kurz vor ein Uhr war das Gefecht zu Ende. Nach einer weiteren Kritik ließ der Kaiser sein Regiment nochmals vorbeimarschieren. Inzwischen hatten sich sämtliche Truppen der Garnison Metz, zu denen auch noch das zurzeit hier weckende Magdeb. Dragoner--Regt. Nr. 6 aus Tietenhofen kam, zum Vorbeimarsch ausgestellt. Dieser folgte bei der Infanterie in Regimentskownnen, bei der Kavallerie und Feldartcklerie im Trab in Eskadrons- dezw. Batteriefront. Ter Kaiser führte sein Regiment vorbei, der Statthalter Fürst zu Hohenlohe das 1. hannov. Tragoner-Regt. Nr. 9, a la suite desselben der Statthalter steht. Nach dem Vorbeimarsch, der um 2i/2 Uhr beendet war, setzte sich der Kaiser an die Spitze seines Königsinfanterieregiments, bezw. der die Fahnen eskortierenden ersten Kompagnie desselben und zog in Montigny ein, wo er im Offizierkasino des Regiments das Frühstück einnahm. Auf dem Uebungsselde von Frescati waren 12 englische Offiziere anwesend, welche sich zur Zeit in Metz zum Studium der Schlachtfelder befinden. Ter Kaiser ließ sich dieselben vorstellen und unterhielt sich mit ihnen längere Zeit. Nachmittags ritt der Kaiser an der Spitze der vom KönigsiUfanterie-Regt. Nr. 145 gestellten Fahnenkompagnie und der ihr folgenden Standartenschwadron, welche aus dem Magdeburgischen Tragonerregiment Nr. 6 aus Tieten- hosen gebildet war, in Metz beim Prinz Friedrich Karl- Thor ein nach dem Dezirkspräsidium. Hier defilierten, nachdem die Fahnen und Standarten im Dezirkspräsidium abgegeben waren, die Fahnenkompagnie und die Stanbarten- scAadron vor dem Kaiser, der sich dann ins Bezirkspräsidium begab. — Ob er hofin'ar schall Gras Eulenburg hat dem Oberbürgermeister von Posen amckich mitgeteilt, daß der Kaiser gelegentlich seiner Anwesenheit in der Stadt Posen am 4. September vormittags der Enthüllung des Denkmals Kaiser Friedrichs beiwohnen wird. — Generalmajor z. D. Edmund v. W a s m e r in Schöneberg b. Berlin ist heute vormittag gestorben. Er war bis zum Jahre 1889 Kommandeur des Jnf.-Regts. Nr. 61 in Thorn und Ritter des Eisernen Kreuzes 1. Klasse. — Tie Mitglieder der internationalen aeronautischen Kommission wohnten heute nachmittag dem Aufstieg des Ballons Habicht" bei, in welchem sich der deutsche Hauptmann Sperling, der österreichische Oberleutnant v. Corvm und der italienische Kapitän Moris befanden. Ter Ballon nahm die Richtung südwärts in die Elbgegend. Köln, 23. Mai. Die heute mittag um 1 Uhr zur Konsultation bei dem Erzbischof Tr. Sim ar versammelten Aerzte konstatierten, daß die Herzkraft nachgelassen habe. Düsseldorf, 23. Mai. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung des diesjährigen internationalen Bergarberterkongre sses, die von deutscher Seite vorgeschlagene Schaffung eines internationalen bergmännischen Sekretariats wurde auf Antrag der englischen Delegierten nicht erörtert; es wurde vielmehr beschlossen, da die Angelegenheit noch nicht reif erschien, sie bis zum nächstjährigen Kongreß zu vertagen, um durch das internationale Komitee eine eingehendere Vorlage ausarbeiten zu lassen. Ter Reichstagsabgeordnete Zachse erklärte dazu namens der deutschen und österreichischen Abordnungen, daß die Verbände dieser beiden Länder sich von den internationalen Kongressen zurückhalten werden, wenn auch im nächsten Jahre kein praktisch greifbares Ergebnis erzielt w^rb'. Als Ort für den nächsten Kongreß wurde Brüssel, für das wttrnationale Komitee Lille ge- wählt. Ausland. Paris, 23. Mai. Heute nachmittag fand in der Notrc Damekirche ein Trauergottesdienst für die Opfer der Katastrophe von St. Pierre statt. Die schwarz aus- geschlagene Kirche war von Andächtigen dicht gefüllt. Die Gemahlin des Präsidenten Loubet, die Minister mit ihren Gattinnen, das diplomattsche Korps und zahlreiche Mitglieder des Senates und der Kammer waren zugegen. — Hier hat sich ein Komitee gebildet, das in einem Rund- schreiven alle französischen Patrioten aufforbert, in tzaris eine Ortsgruppe der russischen Vaterlandsliga zu gründen, welche die revolutionär en Bestrebungen in Rußland bekämpfen soll. Rom, 23. Mai. Die Diskussion des Budgets des Aeußern wurde mit einer Rede Prin ettis geschlossen, die ruhig ausgenommen wurde. Prinetti stellte sich auf den Standpunkt der Rede G o l u ch o w s k i's. Der Dreibund, der das sicherste Mittel des Friedens und die beste Verteidigung Italiens sei, werde erneuert. Die Freundschaft mit Frankreich leide nicht, ebensowenig die italienischen Interessen im Mittelmeer und in Albanien. Was Tripolis betreffe, habe auch das befreundete England beruhigende Versicherungen über besten Ostgrenzen wie Frankreich über die Westgrenzen gegeben. Die Handels- vertraasverhandlungen könnten erst dann beginnen, wenn Deutschland und Oesterreich ihre Tarife kombiniert hätten. Christiania, 23. Mai. König Oskar forderte den ehemaligen norwegischen Conseilpräsidenten, Professor Hagerup auf, ihm, zusammen mit dem ehemaligen schwedischen Justizminister Annerstedt und dem Landeshauptmann Cedercrantz bei der Schiebsgerichtsentschei- du ng beizustehen, welche Deutschland, England und die Vereinigten Staaten in der Frage der Entschädigung auf den Samoainseln vom Könige erbaten. Washington, 23. Mai. Im Nepräsentantenhause brachte Bartholdt eine Vorlage betreffend Errichtung eines Reiterdenkmals des Generals v. Steuden in Washington in Anerkennung der von demselben den Vereinigten Staaten bewiesenen Freundschaft. Newyork, 23. Mai. Repräsentant Steph ens aus Texas legte eine Bill vor, derzufolge die Bundesregierung die Statue irgend eines Monarchen weder annehmen noch solche aufstellen soll. Die Strömung gegen d i e Annahme der Statue Friedrichs des Großen ist im Wachsen. Selbst einige sonst gemäßigte deutsche Zeitungen finden dieses Geschenk nicht ganz in Ordnung. Simla, 23. Mai. Finanzsekretär Finlay brachte int Gesetzgebenden Rat eine Vorlage ein, die sich auf Artikel 4 der Brüsseler Zuckerkonvention stützt. Die Vorlage bestimmt, daß in Fällen, wo in irgend einem Lande oder irgend einer Kolonie die Differenz zwischen dem Zoll- und Steuersatz für daselbst nicht erzeugten Zucker und dem Zoll- oder Steuersatt für daselbst erzeugten Zucker 6 Frs. per 100 Kilogramm, für raffinierten und 51/2 Frs. für anderen Zucker übersteigt, die Regierung ermächtigt wird, allen aus einem solchen Lande oder einer solchen Kolonie direkt oder indirekt eingeführten Zucker mit besonderem Zollzuschlag bis zur Hälfte des Betrages der Differenz zu belegen. Tie Regierung kann mittels einer allgemeinen oder speziellen Verordnung bestimmen, was als raffinierter oder anderer Zucker anzusehen ist. Die Vorlage erstreckt sich nicht auf den Zucker, der mit Conossernent von dem heutigen Tag verschifft ist und soll nur 15 Monate, bis zum Inkrafttreten der Brüsseler Zucker- lonbention Wirksamkeit haben. Bei der Begründung der Vorlage wies Finlay an Hand der Ziffern auf die Nachtecke hin, welche der indischen Industrie erwachsen würden, falls das Land mit Kartellzucker überschwemmt werde. Die Vorlage tritt wahrscheinlich in 14 Tagen in Kraft. Präsident Loub.t in Rußland. Pe terSburg, 23. Mai. Präsident Landet befidjtigte gestern nachmittag das Winterpalais und empfing darauf im Wappensaale desselben eine Reihe von Abordnungen, u. a. die des Petersburger; und Moskauer Adels, der Petersburger Kaufmannschaft und Handwerker, der Kreisstädte des Gouvernements Petersburg, ferner die Gemeindeältesten vieler Törfer im Gouvernement Petersburg, sowie eine Abordnung der Behörden Der Stadt Moskau mit dem Bürgermeister Fürsten Galizyn an der Spitze. Ten Empfängen wohnte der Minister des Innern und der Finanzmmister bei. Die Abordnungen überreichten dem Präsidenten Salz und Brot ober Adressen. Als erster begrüßte Kn Präsidenten mit einer Ansprache der Bürgermeister von Petersburg Leljanow und überreichte dem hohen Gast ein Album mit Ansichten von Petersburg. Um 6 Uhr reifte Präsident Loubet nach Zars- t 0 j e S s e 10 ab, wo am Abend Galavorstellung im chinesischen Theater stattfand. Heute morgen begaben sick> der Kaiser und Loubet auf den „Montcalm", wo das Frühstück eingenommen wurde. Dabei brachte Loubet folgenden Trinkspruch aus: „Sire! Turch Ihren Besuch an Bord des „Montcalm" mit der Kaiserin haben Sie der französischen Marine eine Ehre erwiesen, die sie tief empfinden wird. Die Gefühle unserer Seeleute für die tapferen Kameraden von der russischen Marine geben sich bei jeder bietenden Ge- leaenheit kund, seinerzeit in den Meeren des äußersten Ostens, dann wieder im Mittelmeere, und überall ist das Einvernehmen gleichzeitig ein Zeuge für die Einigkeit ihrer Länder. Ich werde eine warme und unvergänliche Erinnerung an den Aufenthalt in diesem gastfreien Lande mit mir nehmen. Frankreich, das mit Freude die Aufnahme seines Vertreters erfuhr, wird mit dem Bündnis verknüpft bleiben, dessen wohlthuendes Wirken Rußland, wie Frankreich schätzt. Ich trinke auf die Erfolge und den Ruhm der tapferen russischen Marine." Ter Kaiser erwiderte mit folgendem Trinkspruch: „Es ist uns, der Kaiserin und mir, überaus angenehm, uns wieder unter den tapferen französischen Seeleuten zu befinden, und es erfüllt uns mit ganz besonderem Vergnügen, daß wir uns in Frankreich fühlen an Bord dieses schönen Schiffes. Wir bauten Ihnen herzlich für den Besuch, Herr Präsident, und bitten Sie, den herzlichen Ausdruck unserer Sympathie ebenso wie unsere besten Wünsche Frankreich zu übermitteln, dem treuen Freunde und unentwegten Bundesgenossen Rußlands. Ich erhebe mein Glas auf das Wohlergehen der ruhmvollen französischen Marine." Hvongeusch-Soziater Kongreß. Dortmund, 23. Mai. Wie bereits kurz erwähnt, wurde gestern hier der evang.-soziale Kongreß eröffnet Pros. Harnack - Berlin, der mit lebhaftem Beifall empfangen wurde, hielt den ersten Vortrag über „d i e sittliche und soziale Bedeutung des heutigen Bi l dun g s st r e b en s." Er führte folgendes aus: Eine Hauptfrage unserer Zeit ist das Bildungsstreben, dessen Vertiefung man an den vielen Einrichtungen erkennen kann, die zu seiner Befriedigung geschaffen sind, sowie auch daraus, daß heute gegen früher zwei Träger desselben vorhanden sind, nämlich Arbeiter und Frauen. Bei den Frauen ist es nicht blos die Not, welche sie vorwärts treibt, sondern alle Schichten sind lebendig, um selbständig zu werden. Diesem Bildungsstreben steht der Staat nicht im Wege, sondern läßt Vereine und Private gewähren, ja er unterstützt die Einrichtungen, wo er angerufen wird. Einen sehr wichtigen Schritt zur Förderung des Bildungsstrebens hat der Staat mit den neuen Regulativen über die Lehrerbildung gethan. Ter Begriff der Bildung kann sich» nach vier Richtungen auseinanderlegen. Man versteht darunter zunächst die Ausbildung aller Anlagen und Kräfte zur Entfaltung der Persönlichkeit im Gegensatz gegen die Außenwelt. Betrachtet man den Menschen als einen Teil der Natur, so giebt die Bildung dem Menschen eine Waffe g gen die Natur, um ihn andererseits durch Einsicht und Vcr,cänbnis der Natur mit dieser zu versöhnen. Sieht man den Menschen als geschichtliches Wesen an, so leitet die Bildung dazu, mit Teilnahme und Verständnis alles aufzunehmen, Verstand und Herz dafür zu öffnen und so das eigene Selbst zum Selbst der Menschheck zu machen. Endlich bedeutet Bildung in Rücksicht des Berufes die Darreichung der F e r t i g k e i t e n, um ihn gewissenhaft ausfüllen zu können. Von den Feinden der Bildung fordern die einen statt der Bildung Rückkehr zur Natur, wie z. B. Rousseau, andere verweisen darauf, daß wahre Bildung aus dem Widerstreit und Kampf erwachse und nicht im bloßen Gedächtnis bestehe. :>u .r das Mißverständnis kann nicht die Sache selber in Mißkredit bringen. Tas Bitdungs streben kann und wird nicht gehemmt werden, denn der Erdkreis ist zu einem Schauplatz durch den Verkehr geworden. Tie Richtungen des Bildungsstrebens sind entsprechend feinen Motiven dreifach: 1. Erkenntnis des Wirklichen, 2. Schaffung der Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Selb- ftän big leit, 3. Steigerung des Lebensgefühls und Gewinnung eines größeren Anteils am Leben. Die Erkenntnis des Einladung der dortigen Fach- scher Müller hat an die Kummer eine ausführlich be- Hier wurden zuerst die reichen s gründete Eingabe mit der Bitte gerichtet: Großh. Handelndes Wirklichen nicht mit der Sittlichen verbunden ist. Tie Verbreitung der Wissen- schast ist nicht einmal die Hälfte der zu leistenden Arbeit, die Hauptsache ist die Schaffung der sittlichen Per- sönlichkeit. Tiefe ist nur möglich, wenn der Lehrer eine von sittlicher Kraft erfüllte Persönlichkeit ist, die wirklich zu einem Bildner der Jugend wird. ... Weil die heutige Wissenschaft überall auf die Anfänge zurückgeht, so vermag sie schwache Geister wohl in Verwirrung, Ratlosigkeit und Zweifel zu stürzen. Aber es wird die Zeit kommen, wo man erkennt, daß in der Entwickelung neue Werte geschaffen sind oder werden. Man darf nicht eine Wissenschaft ohne sittliche Beeinflussung und ohne Zusammenfassung der Persönlichkeit bieten. In der Tiefe aller großen sozialen und wissenschaftlichen Fragen, welche das bewährt hat. . Die Verhandlung wurde nach Annahme einer Resolution geschlossen, in der dem Referenten für seine reguugen gedankt wird. Schätze des berühmten Senkenbergischen Museums unter kundiger Führung in Augenschein genommen, was bei der Kürze der zu Gebote stehenden Zeit allerdings leider nur flüchtig geschehen konnte. Daran schloß sich ein Besuch des zoologischen Gartens, den Direktor Seitz durch manche Mitteilung über das Leben der Tiere besonders interessant und anregend zu machen wußte. Nach einem Frühstück im Restaurant des zoologischen Gartens machten die Tellnehmer der Versammlung, deren Reihen sich allerdings schon stark gelichtet hatten, einen Ausflug nach der Saalburg bei Homburg. Baurat Jacoby, der Leiter der Ausgrabungen und Wiederherstellungsarbeiten, hatte die große Liebens- • Würdigkeit, hierbei die Führung zu übernehmen, sodaß auch diese Exkursion in jeder Hinsicht lehrreich und interessant war. Ueberblickcn wir noch einmal den Gesamteindruck der 12. Jahresversammlung der deutschen zoologischen Gesellschaft, so kann kein Zweifel daran aufkommcn, daß sie zu den gelungensten und erfolgreichsten gehört, die die Gesellschaft überhaupt gehabt hat. Mit 54 Mitgliedern und über 20 Gästen ist die Gießener Versammlung eine der agi besten besuchten, und auch an Zahl' und Bedeutungen der gehaltenen Vorträge steht sie wohl hinter keiner der früheren zurück. Aus Stadt und Land. Gießen, den 24. Mai 1902. Der 1000. Student. Aus Anlaß der Immatrikulation 12. Jahresversammlung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") III. h, Gießen, 23. Mai. sich über die elementaren Bedürfnisse zu erheben gewöhnt hat. 3) Die deutsche Kunst hat sich bisher ohne Zusammenhang mit dem Empfinden des Volkes entwickelt; der Grund ist in der Jugend der deutschen Kultur zu suchen. 4) Die Erneuerung des künstlerischen Bewußtseins hat bei den Gebildeten einzusetzen; Kunst ist nicht LuxuS, sondern höhere Lebensordnung. 5) dcächst- dem sind die Kinder aller Stände zu größerer Anschauung zu erziehen. Die Schule darf nicht länger eine einseitige Ausbildung des Gedächtnisses, Verstandes und Millens sein. Der formale Sinn ist lernbar. 6) Tie bildende Kunst vergangener Zeiten, namentlich der romanischen Länder, tarnt nur dem historisch denkenden Deutschen ganz erschlossen werden. Für die Schulung des künstlerischen Sehens sind dagegen alle echten Kunstwerke gleich geeignet. 7) Die redende Kunst, namentlich die Musik, läßt sich allen Ständen im weitesten Umfang nahebringen; desto schwerer erscheint es hier, den Genuß zu einem bewußten Erfassen zu steigern. 8) Die lebendige Freude aller Kreise an der eigenen, noch so primitiven Produktion scheint die beste Gewähr für eine schöne Teilnahme am künstlerischen Leben zu bieten." Ueber dasselbe Thema referierte dann Dr. v. Erd- •»'«; ÄÄ-6-w.Wiyp.gfli, jy® «Kl ffOe Des Wirklichen, geleitet von zwei Richtlinien, nämlich Erhaltung und Umformung der Naturkräfte und von dem Entwickeluugsgedanken, schafft Ehrlichkeit und Redlichkeit, also sittliche Züge, und wer opfern kann, der wächst, ^as Streben nach Unabhängigkeit ist ebenfalls sittlich, denn ohne Beruf ist der Mensch unnütz, nur das Gefühl, nützlich zu sein, erhält gesund. Wo manchem Weibe die Ehe verschloßen und die häusliche Arbeit weniger geworden ist, müssen neue ^Berufe geöffnet werden, was zur VersittlichpnH des Weibes und des Verkehrs der Geschlechter unter einander fuhrt. So dürfte z. B. die Prostitution in grober und in feiner Form zurück geh en, wenn die Möglichkeit eines geordneten Berufs gegeben ist. Auch gegen das Streben, größeren Anteil am Leben zu gewinnen und aus dem abstumpfenden Einerlei des Lebens herauSzukom- men, ist vom sittlichen Standpunkt nichts zu sagen. Tenn der Mensch geht damit über sein Leben hinaus zu dem Gesamtleben, dazu gehört aber Bildung und Zusammenschluß mit Gleichgesinnten. So wirkt Bildung mit sozialen Gedanken zusammen. Wenngleich jedes Bildungsstreben im einzelnen hebend wirkt, so besteht doch der Hauptwerk in der Totalität bi e r Wirkungen, und das ist in der Hauptsache Schaffung der Individuen zu Persönlichkeiten, —tniinTpr Sfhfh, tim9aurMa6rm d-s SBilbungSftrebenä besteh« erstens in I Staff taucht "obfdiUnnst Beziehungen zmn Volke der* Ethnograph?/ entnehmen, nach °de/ alle" Natur völler ’S L« S ÄRÄtowSS K M WLtztzL s äsrerus ess» S"Ä“Ä"S’ 60lt SÄ ÄSrtUbÄexetee ’unb’&ÄÄ welch" Führung durch die Museen, was sich in Berlin ebenfalls 1000. Studenten lassen wir heute eine uns von sehr geschätzter Seite zur Verfügung gestellte Statistik über die Frequenz der Universität Gießen als Festnummer er- cheiueu. Bei dem allgemeinen Interesse, das diesem reudigen Ereignis nicht nur die studentischen Kreise, sondern auch die Gesamtbevölkerung Gießens und der Umgegend entgegenbringen, ist diese Arbeit gewiß allen ver- ehrlichen Lesern des „G. A." hochwillkommen. Für die Herren Studierenden haben wir mehrere hundert Exemplare auf besserem Papier Herstellen lassen, die bei dem Hausverwalter der Universität,' Herrn Stock, in Empfang genommen werden können. — Auch die Stadt Gießen will, wie wir bereits mitteilten, es sich nicht nehmen lassen, das erfreuliche Ereignis zu feiern. In der nicht-öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung vom 15. Mai wurde ein Kredit bis zu 4000. Mark bewilligt, und die Vorschlagskommission mit den Vorberatungen zur Feier, die wahrscheinlich in Form eines Wald festes im, Philosophenwalde gehalten wird, betraut. ** Gefährlich er Unfug. Gestern wurde in einem Hause an der Südanlage der obere Teil eines Fensters durch einen Schuß zertrümmert. Die Kugel prallte an der Decke ab und wurde später in dem Zimmer gefunden. Glücklicherweise befand sich in dem Augenblick niemand im Zimmer. Man vermutet, daß der Urheber ein unvorsichtiger Schütze ist, der auf Spatzen schießen wollte. Unsere Polizei fahndet eiftig nach dem Thäter. Hoffentlich, gelingt es ihr, ihn zu entdecken und seiner empfindlichen Bestrafung zuzuführen. Der Vorfall zeigt wiederum, wie gefährlich es ist, in der Nähe von Wohnungen zu schießen. Trotz aller Warnungen aber geschieht es immer wieder, und es ist nur in der Ordnung, wenn gegen solche Schützen mit aller Schärfe vorgegangen wird. ** Konzert. Morgen, y212 Uhr, findet in der Südanlage Promenaden-Musik mit folgendem Spielplan stall: 1. Ouvertüre z. Op. „Norma" von Bellini; 2. Melodie c&ebre von Rubinstein; 3. Indra-Walzer von Lincke; 4. Fantasie a. d. Op. „Der fliegende Holländer" von Wagner. ** Aufruf. Tas Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz und des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz erläßt einen Aufruf, in dem es heißt: Tie Kunde von dem unermeßlichen Unglück, welches über die französische Kolonie der Insel Martinique hereingebrochen ist, und in einem Augenblick mit zerstörender Gewalt unzählige Menschenleben und wertvolles Eigentum vernichtet hat, ruft von einem Ende der Welt zum anderen tiefe, schmerzliche Tellnahme hervor. Einer Anregung seiner Allerhöchsten Protektorm, Jhrell Majestät der Kaiserin und Königin folgend, glaubt ba$ Zentralkomitee durch einen Aufruf zur Beteiligung an der den Ueberlebenden zu gewährenden Hilfq den Wünschen aller derer in Deutschland gerecht zu werden^ die, bewegten Herzens, durch eine Spende ihrem Mitgefühl Ausdruck verleihen möchten. Tie Vermittelung des „Roten Kreuzes", dessen über den Schranken jedes trennenden, Unterschiedes stehenden Zwecke und Ziele allen Völkern ge-, Nieinsam sind, entspricht der solidaren Hilfsgemeinschaft aller Nationen in Leid und Not. Gaben nimmt die Kasse der Königlichen Seehandlung, Berlin W, Behrenstr. 47, entgegen. Tie Gabenlisten werden in der Presse veröffentlicht werden. —Auch der Vorstand des hiesigen Zweigver- eins des Hessisch,en Landesvereins vom Roten Kreuz, zu Händen seines Schatzmeisters, Herrn Staats-, anwaltssekretärs Mann, Justizgebäude, Zimmer Nr. 42 hier, ist bereit, Gaben entgegen zu nehmem p. Londorf, 23. Mai. Ein festlicher Empfang wurde dem vom Gesangswettstreit in Darmstadt heimgekehrten Verein „Frohsinn" am letzten Feiertage zu Teil. Am Bahnhof waren die passiven Mitglieder mit der alten Fahne, sowie eine Anzahl junge Damen anwesend, die dem Verein einen Lorbeerkranz überreichten. Eine Musikkapelle voran, ging es dann im Zuge durch das Dorf ins Veremslokal. Abends hielt Pfarrer Weber im Ziegler'schen Saale eine herzliche Begrüßungsansprache und brachte ein Hoch auf den Verein aus, das stürmisch ausgenommen wurde. Nach mehreren Liedervorträgen brachte der Präsident des Vereins ein Hoch auf den Groß Herzog und das deutsche Lied aus. st Butzbach, 23. Mai. In dem Lehrerkollegium der hiesigen Volksschule sind einige Veränderungen zu verzeichnen : Lehrer Weide wurde an die höhere Bürgerschule versetzt, deren Leitung dem Direktor Jäger übertragen wurde. Lehrer Gorr, seither in Gießen, wurde an die Volksschule dekretiert. . _ Friedberg, 22. Mai. In der 26. Sitzung der H an i de lskammer Friedberg wurde u. a. die Rechnung der? Kammer pro 1901/02 vorgelegt und richtig befunden. Sie schließt mit einem Barvorrat von 1365 Mk. ab, wobei jedoch bemerkt wird, daß noch, eine Reihe größerer^Ausgaben pro 1901/02 aus dem Baarvorrat zu decken ist. 'Die Einnahmen betragen 6355 Mk., die Msgaben 4989 Mk. -ler Voranschlag pro 1902/03 wird sodann beraten; für Ausgaben sind 7000 Mk. vorgesehen, die Handelskammerbeiträge Lerden nicht erhöht werden. - Der Kreisverein Friedberg-Hanau vom mittelrheinischen Zweigverband deut- lUH ______ Der dritte Verhandlungstag begann nach einigen geistige Leben betreffen, stößt man an der Wurzel aus schästlichen Verhandlungen mit einem Vortrag des Prof, sittliche und religiöse Elemente. Vernachlässigt man diese, Pälacky aus Prag, in welchem der Vortragende zu zeigen ।o schädigt man die Wissenschaft und den Menschen, welchem versuchte, daß unsere heutigen tiergeographischen sie dargeboten wird. Der persönliche Wert der Menschen- M^thöden noch in mehr als einer Hinsicht reform- seele gegenüber allen anderen Werten ist herauszustellen, reien, unb daß namentlich die Forschungsund dieser Wert stammt von Gott, der £ie ef™ r e f u 11 a t e der Geologie für das Verständnis der heumoderne Bildungsstreben zeigt uns, daß tigen Verbreitung noch mehr herangezogen werden müssen, es^wenn die«Streben^u^r un ö? geht/weil es die Nahrung als das jetzt schon geschieht. Darauf gab Prof. Simroth nicht smdet Alle Entdeckungen und alles Wissen, im Moment aus Leipzig einige spezielle Anwendungen seiner am ersten so berauschend, wird rasch wirkungslos. Aber wenn es zu- Sitzungstage entwickelten Schwingungs- oder Pen- gleich den inneren Sinn vertieft und ausbildet zu einem dulationstheorie. Dr. Wandolleck aus Dresden Höheren Sein, so hat es ein ewiges Leben in sich. (Sauter, sodann interessante Mitteilungen über die morpho- langanhaltender Beifall.) , r /T,. , logische Bedeutung der Anhänge an den letzten Hinter- Jn der Besprechung des Vortrages gab Prof. Gier.ke ^ibsseqmenten einiger Insekten. Hierauf erörterte einige Bestättgungen und Ergänzungen ^u den Sätzen des m c Klunzinger aus Stuttgart die Organisatton von V« »fi'bati? Äß Modert lyärk an der Hand einer vor Jahren nach mai di? unteren Schichten den oberen und diese anderer- einem lebenden Exemplar angefertigten Zeichnung. Das ge- kit« den unteren näher gerückt werden. Die Bildung nannte Tier, das bis fetzt erst m einem conservlerten Stuck des weiblichen Geschlechts dürfe nicht beschränkt werden, bekannt war, gehört zu der kleinen, aber interessanten -vier- Prof. Herrmann-Marburg weist'auf die mannigfalti- gruppe der Enteropneusten, deren Bau erst aus neuerer gen Konflikte hin, die sich mit der fortschreitenden Natur- Heit, besonders durch die große Monographie von Prof, erkenntnis und dem religiösen Bewußtsein ergeben. Pfr. S p e n q e l besser bekannt ist. Die Vormittagssitzung beendete P sann ku che-Osnabrück machte auß die Wichttgkell der ™ , g^un au§ Leipzig mit einem Vorttag über die Unterhaltungslitteratur für die Schaffung ^^r ^ebens- , fca§ heißt die den Farbenwechsel der teur v. Gerlach behauptete, daß bei den ostelbischen Idem reichen Material der deutschen Tiefsee-Expedition studieren Arbeitern keinerlei Bildungsstreben vorhanden sei.' Die Re- konnte. oierung habe in Posen nichts übrig zur Hebung des Am Nachmittag sprach zuerst Dr. Jordan aus Zurich dortigen Schulwesens. Für die Frauen verlangt er Gleich- gher die sog. Leber des Flußkrebses und zeigte, daß berechtigung zu allen Berufen und fordert endlich die Ein- unfeve bisherigen Vorstellungen von der Funktion dieses heitsschule als Grundlage der Bildung, aller Stände. Organes einer Korrektur unterzogen werden müßten. Hierauf v. Gerlachs Ausführungen in Betreff der Landarbeiter $ Reh aus Hamburg einen Vortrag über Zoologie Ätor./mfiss&rjxstepswyUi». ».«.«*f—s heitsschule. Im Sck)lußwort legte Prof. H a r n a ck noch Summen dem Nationalvermögen fahrlich verloren gehen, w näher seine Stellung zur Frauenfrage und zum der Pflanzenschutz in Deutschland noch nicht genügend organi- Frauenstudium dar. Die Verhandlung über diesen siert sei. Er erörterte dann an einigen frappanten Beispielen, Gegenstand wurde durch Annahme folgender Resolu- wichtig für denselben außer derThätigkeit des Botanikers tion geschlossen: , auch diejenige des Zoologen sei, und richtete zum Schluß an „Der evangelisch-soziale Kongreß dankt dem Herrn k-e Teilnehmer der Versammlung die Bitte, auch an ihrem sresss ääm ” sXi'Ä “ ****" “ winnung wirtschaftlicher Selbständigkeit und Unabhängig- in einem Vortrage eine von ihm entdeckte Eigentümlichkeit keit, sowie auf Steigerung des Lebensgefühls und im Bau der Dünndarmzotten, die auch aus die Funktion dieser größeren Anteils am Leben in Be^ng auf Breite und Organe neues Licht wirst. Tiefe eine vollberechtigte sei; 2) daß andererseits die Nachdem der Vorsitzende darauf die Sitzung mit einem mit dem Streben nach vermehrter und schnell zuer- für die Redner der Versammlung geschlossen hatte, werbender Bildung verbundenen Gefahren der Halbbild-1 ur^e e|n Nundgang durch das Institut unter Führung von ung, falscher Gleichmacherei des ^ildungsganges und . Spengel unternommen, wobei letzterer noch einige be- des Aiangels Forderung ^r Eyarakter- interessante Stücke seiner seit Jahren zusammenge- äu? Ausbreitung der Bildung Berufenen vermieden und schwänzen demonstrierte. Am Abend fand em Esten im überwunden werden können." Hotel Großherzog von Hessen statt. Hier konnte man sowohl Nach der Mittagspause wurden die Verhandlungen mit ch den Tischreden als auch in den Gesprächen der Mitglieder dem Referat über „Kun st und Vol k" durch Dr. Sic. ünmer wieder hören, wie schön die Versammlungstage ge- Schuh ring-Berlin, weitergeführt. Der Vortragende ^^sen waren und wie wohl sich Alle in unserer Stadt gefaßte feine Ausführungen in folgende Sätze zusammen: .».^t hatten. .pie Kunit entwickelt sich lediglich nach den m $ Freitag folgten die Teilnehmer der Jahresversamm- $ ÄWm BW SrWnlung, eine? liebUkigcn Eml°ta^d°r Artiger, tz-ch Leben fetzt vn reiches Emtzfindungsleben varaus, das^gsnosien nach Frankfurt. * tont niet möge an maßgebender Stelle dahin tonten, daß enu progres sive Umsatzfteuer für Getreidemühlen, wie solche bereits in Bayern Gesetz ist, in ganz Deutschland zur Einführung kommt. Ans Vorschlag des Sekretors beschließt die Kammer, eine Kommission aus dem Vorsitzenden, den Mitgliedern Spocf und Rausch sowie dem ÄkretLr zu bestellen, die sich das gesamte erforderliche! Material beschaffen und prüfen soll. — Schäfer (Büdingen referiert über den Entwurf eines Gesetzes 6 ert r Ain derarb eit in gewerblichen Betrieben. Die Kammer schließt sich seinen Ausführungen einstimmig an, die in folgenden Sätzen gipfeln: Die Handelskammer spricht sich grundsätzlich für den Gesetzentwurf im allgemeinen aus, wenn auch im Kammerbezirk kaum Fälle von Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben vorliegen Bedauerlich bleibt, daß bei Einbringung des Gesetzentwurfs nicht auch die Kinderarbeit in der Landwirt schäft mit einbegriffen würde, denn auch hier liegen Schäden vor. Ferner hält die Kammer die Erhebung über das Maß der Kinderarbeit und die Wirkungen der vorgesehenen Beschränkung in einzelnen Industrien wie z. B. der Spielwarenindustrie der Sonneberger Gegend, in den Handwebereidistrikten auf dem Eichsfeld und dem Eulengebirge usw. für wünschenswert, um vor Erlaß des Ge^ setzes ein sicheres Urteil über die Tragweite wesentlicher Beschränkung der Kinderarbeit gerade in den hier in Betracht kommenden Arbeitsgebieten zu erlangen. Abye- sehen von diesen besonderen Fällen kann man sich im allgemeinen nur der Einschränkung der Kinderarbeit auf täglich drei resp. vier Stunden ohne weiteres einverstanden erklären, ebenso wie für die Beschränkung auf gewisse Gewerbebetriebe bezw. mit dem Ausschluß der Kinderarbeit bei solchen Gewerbebetrieben, die Gesundheit und Moral zu schädigen geeignet sind. Was die Kontrolle der gesetzlichen Maßregeln betrifft, so hält die Kummer das im Entwurf vorgesehene Maß von Beaufsichtigung nicht für ausreichend, und befürwortet insbesondere in den Hauptzentren der Hausindustrie die Schaffung von besonderen lokalen Aufsichtsbeamten. — Die Hotelbesitzer Bcud- Nauheims bitten die Kammer, die von ihnen an das Ministerium des Innern gerichtete Eingabe um Herabsetzung der Ruhezeit ihrer Angestellten von 8 auf 7 Stunden während der Monate Juni, Juli und August gemäß Ziffer 1, ALs. 3 der Verordnung des Bundesrats vom 23. Januar 1902 zu unterstützen. Nach einem kurzen Referat Sprengels (Bad-Nauheim), der die besondere Eigentümlichkeit des Hotelbetriebs in Bad-Nauheim darlegt und die hierdurch begründete Ausnahme rechtfertigt, beschließt die Kammer, die Eingabe an zuständiger Stelle zu befürworten. — Don der Ortsgruppe Butzbach des Deutschnationalen Handlungsgehilsen-Verbandes ist der Kammer eine Zuschrift zugegangen, worin sie gebeten wird, ihren Antrag zwecks Beseitigung der Mißstände und Verschiedenartigkeit der Ausführungen des Gesetzes über Sonntagsruhe und Herbeiführung eines einheitlichen Schlie ßens der Läden an Sonntagen um 2 Uhr nachmittags, wieder zu erneuern. Tie Kammer beschließt von neuem mit der Handelskammer Gießen ins Benehmen zu treten, um einen einheitlichen Ladenschluß an Sonntagen in Oberhessen herbeizuführen. — Ein Antrag des Vereins deutscher Holzhändler in Recklinghausen: Die Ziffer 6 der Position Holz im Spezialtarif in, die seit dem L April nachstehenden Wortlaut hat: „Folgende zu Grubenzwecken des Bergbaus bestimmte Hölzer: Rundhölzer bis zu 20 Ctm. Zopfstärke (am dünnen Ende ohne Rinde gemessen) und bis zu 7 Meter Länge, ferner Schwellen, Stege, Schwartendretter, Schwor- tenpfähle, sämtlich bis zu 6 Meter Länge, sowie dünne Brettchen bis zu 1.5 Meter Länge" wird befürwortet. Die Kammer beschloß, chn beim Ministerium in Darmstadt sowie bei der Eisenbahndirektion Frankfurt schleunigst zu unterstützen. Diese unerwartete gegen den Beschluß des Landeseisenbahnrats eingeführte Tarifierung bedeutet nicht nur eine große Schädigung des Holzhandels, sondern auch der Forstverwaltung und der Forstbesitzer des Ostens, da die Interessenten der hohen Frachtsätze wegen nunmehr gezwungen werden, ihren Bedarf an Grubenhölzern vom Ausland zu decken. Der Antrag geht dahin, die Ziffer 6 der Position Holz d'ahin zu ändern: „Folgende zu Grubenzwecken des Bergbaus in Westdeutschland bestimmte Hölzer: Rundhölzer bis zu 30 Ctm. Zopsstärke (am dünnen Ende ohne Rinde gemessen) und bis zu 5 Meter Länge, ferner Ähwellen, Stege, Schwartenbretter, Schwartenpfähle, sämtlich bis zu 6 Meter Länge, sowie dünne Brettchen bis zu 15 Meter Länge" und „Die einstweilige Aussetzung der neuen Tarifbestimmung für die im Bereiche der Eisenbahn- direktionen Elberfeld, Essen und Münster gefahrenen und der dorthin bestimmten Grubenholzsendungen zu »er* fügen." «andel und Verkehr. Volkswirtschaft — 600 000 Mk. 3'/, Proz. Anleihe der Provinz Ober- hefien, die zur Erbauung und Ausstattung der Provinzialsiechenanstalt in Gießen ausgenommen wurde, sind zum Handel und zur Notierung an der Frankfurter Börse zugelafsen worden. Die Einlösring der fälligen Zinsscheine und der zur Rückzahlung berufenen Schuldverschreibungen erfolgt bei den Bankhäusern Aron Heichelheim- Gießen und Gcbr. Neustadt- Frankfurt sowie Lei der Provinzialkasse in Gießen. (Vergl. Inserat.) Märkte. Gieße«, 24. Mai. Marktbericht. Auf demheutigenWochenmarkt kosteten: Butter pr.Psd. 0,80—1,00 Alk., Hühnereier IStck. 5—6 Pfg., Gänseeier 10—12 Pfg., Enleneier 6—0 Pf., Käse vr. Stuck 5—7 Pf., Käsematte 2 Sick.0-0 Pfg., Erbsen pr. Liter 19Pfg.,Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,80—1,20 DU., Hühner pr. Stück 1 00—1,60 DU., Hahnen pr. Stück 1,20—1,80 Mk., Enten pr. Stück 240—2,60 DU., Ganse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch vr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 66—70 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 2,60—3,20 Mk^ Weißkraut per Stück 00—00 Pfg- Zwiebeln pr. Beniner 7,50—8,50 DU., Milch per LUer 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 0—00 Pfg^ in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Tauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nur auf den bestimmten Verkaufsplätzen und nicht im Umherziehen seilgebolen werden.__ JusiBg aus dkll Stwiesmlsiksistni der Stitt Gitfctu. Aufgebote. Am 17. Mai. August Haberkorn, Forstasseffor in Kassel mit Johamm Mathilde Elisabech Hormann dahier. Georg Franz Karl Hoos, Photograph dahier mit Ida Margarethe Johannette Moldauer in Schotten. Am 19. Adolf Christum Emmel, Bahnbediensteter dahier mit Marie Pitzer in Herborn. Am 20 Br. phil. Heinrich Otto Rösler, technischer Betriebsleiter m Rodach mit Elise Allvater dahier. August Keßler, Händler dahier mtt MetaKomgs- thal in Earlshafen. Am 22. Theodcr Wilhelm Karl Mcwlm Klingelmeyer, Schreinermeister dahier nut Marie Auguste Adolfine Emilie Stoll hierietbü. Eheschließungen. Am 17. Mai. August Marx, Lekonom dahier mit Anna Uhl in Darmstadt. Am 2L Jakob, gen. Konrad Seitz, Sergeant dahier mit Sophie Ottilie Friederike Leilich hierselbsr. Am 22. Mau Georg Jakob Emil Flick, Metzger dahier mit Karoline Charlotte Ockel hierfelbst. Am 23. Siegfried Stamm, Ingenieur in Kassel mit Else Bär dahier. Geborene. Am 1L Mai. Dem Schneider Heinrich Steiß eine Tochter. Am 16. Tem Schornstemsegermeisler Wilhelm Keil eine Tochter. Am 18. Dem Kaufmann Julius Siesel eine Tochter, Trude. Dem Schlosser Friedrich Schneider eine Tochter, Christiane Alwine. Tem Taglohner Heinrich tkenz eine Tochter, Helene Marie. Am 19. Dem Schreiner Heinrich Männche ein Sohn. Am 22. Dem Lackierer Wilhelm Deibel eine Tochter. Gestorbene. Am 16. Mai. Karl Kliche, 64 Jahre alt, Pferdeknecht dahier. Am 17. Marianne Timpe, geb. Beppler, 74 Jahre alt, Rentnerin dahier. 91m 18. Elisabeibe Schick, 20 Jahre alt, Dienstmädchen dahier. Elise Marie Sieglinger, 1 Jahr alt, Tochter des Gemüsehändlers Heinrich Sieglinger dahier. Am 19. Auguste Zimmermann, 78 Jahre alt, Privatin oahier. Am 20. Daniel Amend, 84 Jahre alt, Lehrer L P. dahier. Katharina Weil, geb. Form- hals, 73 Jahre all, Witwe des Lohndieners Karl Weil dahier. Anna Lenz, 1 Jahr alt, Tochter des Taglöhners Heinrich Lenz dabier. Am 22. Blanka Bär, 1 Dionat all, Tochter des Kaufmanns Liebmann Bär dahier. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Mainz, 24. Mai. Heute morgen fuhr vor dem Binger- thor ein mit Backsteinen schwer beladener Wagen, dessen Bremsvorrichtung versagte, direkt in den von Finthen kommenden Lokalzug. Der Anprall war so stark, daß zwei Wagen des Lokalzuges entgleisten. Zwei Personen wurden schwer, mehrere leicht verletzt. Ein Pferd des Fuhrwerks wurde getötet. Der Fuhrmann selbst blieb unverletzt. Berlin, 24. Mai. Der Zentralverband deutscher Industrieller richtete an den Reichstag eine Eingabe, in welcher Zollerhöhungen für eine große Anzahl Fertigfabrikate, Halbzeuge und Rohstoffe beantragt wird. Infolgedessen erklärten mehrere große Fabriken ihren Austritt aus dem Verbände. Köln, 24. Mai. Erzbischof Sim ar ist in der vergangenen Rächt gestorben. — Dr. Simar stand im 67. Lebensjahre und hatte den erzbischöflichen Stuhl in Köln etwas über zwei Zahre inne. Am Sterbebette des Entschlafenen weilten seine Schwester Frl. Antoinette Simar, der General-Vikar Dr. Kreutz- wald, der behandelnde Arzt Dr. Vogel, der Hauskaplan Geheim- Sekretär Dr. Schmitz und das Hauspersonal des verstorbenen Kirchenfürsten. Metz, 23. Mai. Um 8«/4 Uhr fuhr der Kaiser zum Grafen Häseler. Graf Häseler hielt zunächst dem Kaiser Vortrag. Gegen 9 Uhr begann die Tafel, an der auch der Gouverneur der Festung Metz, Generalleutnant v. Stötzer, teilnahm. — Gegen */312 Uhr fuhr der Kaiser nach dem Bezirkspräsidium, wo er für diese Nacht Wohnung genommen hat. Paris, 24. Mai. Eine offiziöse Meldung des „Figaro* besagt, daß Graf Lambsdorf und Deleasio sich in mehreren Unterredungen für die Zukunft vergewissert hätten, daß Fran k - reich und Rußland bei allen Gelegenheiten gegenseitiges Einvernehmen zur Anwendung bringen und die am politischen Horizont stehenden Fragen zu ihrem Vorteil regeln würden. Nom, 24. Mai. Der päpstliche Jntemuntius im Haag, Parnassi, ist heute früh gestorben. Petersburg, 24. Mai. Der vorgestrige Tag endete mit einem grellen Mißton für Die große Fran- zosen-Freundschaft. Nachdem sich die französischen Matrosen in den Gärten der Restaurants gründlich betrunken hatten, zogen sie in den späten Abendstunden von hunderten schreiender und lärmender Russen begleitet, durch die Straßen. Bis nach 12 Uhr wogte eine große Menschenmenge auf dem fast völlig dunklen Newski-Pro- spekt und wollte die Dekorationen zerstören. Ein Haufe sammelte sich vor dem Rathause zu einer Demonstration. Unter die Rufe: „Vive la France" mischten sich drohende Rufe gegen Polizei und Regierung bis Gendarmen aufritten und den Newski-Prospekt mit Gewalt säuberten. Gegen 2 Uhr war einige Ordnung hergestellt. Gestern bemerkte man beim Volk eine recht erbitterte Stimmung. Neben Hochrufen schallte dem Präswenten Loubet bei seiner Fahrt durch die Stadt auch Hohngelächter nach. Petersburg, 23. Mai. Der „Morttcalm" mit dem Präsidenten Loubet an Bord stach nachmittags 4 Uhr von Kronstadt in See. Vorher fand auf dem „Montccttm" ein Frühstück statt, an dem das kaiserliche Paar teilnahm. Nach dem Frühstück schenkte der Kaiser der französischen Flotte eine große silberne Punschbowle in Form eines altertümlichen Fahrzeuges, mit Edelsteinen besetzt. Petersburg, 24. Mai. In englischen Blättern werden Gerüchte verbreitet, von der angeblichen Entdeckung eines Komplottes gegen das Leben des Präsidenten Loubet. An hiesiger amtlicher Stelle werden dieselben als jeder Begründung entbehrend bezeichnet. Newyork, 24. Mai. Die Morgangruppe hat die bituminösen Kohlenfelder im Staat Illinois erworben. Die Fläche umfaßt 50 000 Acker. Peking, 23. Mai. (Reuter.) Die französischen Ingenieure der Hankaulinie kehren, unter militärischer Bedeckung, die von Puanschikai gestellt wird, auf ihren Posten zurück. Die Bestimmung, daß Offiziere als Eisenbahn- direttoren angestellt werden sollen, ist infolge des russischen Widerspruches aus dem Eifenbahnabkommen gestrichen worden. London, 24. Mai. Die Morgenblätter besprechen sämtlich die Friedensverhandlungen sowie den gestrigen Ministerrat, welchem alle Minister, mit Ausnahme des Herzogs von Devvnshire, beiwohnten. Nach Beendigung des Ministerrats reiften die Minister wieder auf ihre Landsitze zurück, nur Chamberlain blieb in London. Eine amtliche Erklärung über das Resultat des Käbinetts- rats ist bisher noch nicht erfolgt Ein Telegramm ging sofort nach Beendigung des Ministerrats an Miln er ab. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß sich das Kabinett noch einmal vor Zusammentrttt des Parlaments versammelt. London, 24. Mat Aus Pretoria wird gemeldet: Ter Gang der Friedensnnterhandlungen wird völlig geheim gehalten. Nur Milner und Kitchener werden auf dem Laufenden erhalten. Gestern war die Hoffnung groß, aber sie stützte sich nur auf Vermutungen und nicht auf THcttsachen. London, 24. Mat Die alkgemeine Ansicht ist noch immer die, daß die englische Regierung den Buren ein Ultimatum gestellt hat. Man glaubt allgemein, England babc seine Bedingungen aufrecht erhalten, jedoch mit dem Bemerken, daß spater kleine Mänderungen dieser bin gütigen erfolgen könnten, nachdem diese im Prinzip von den Buren angenommen seien. Die Beratung der Bure« in Vereeniging wird sich daher nur über das Ultimatum schlüssig zu machen haben. Man ist nach wie vor üb erzeugt, daß die englischen Bedingungen von, den Buren angenommen werden. JedenfÄls wird auf die Klärung der Situation vor Montag, wo das Parlament wieder zusammen? tritt, nicht gerechnet werden können. London, 24. Mat Dem Ministerrat lag nach einet Blättermeldung eine Depesche Milners vor, die gewisse Gegenvorschläge der Burenführer übermittelt, welche die britischen Unterhändler nicht ohne Zustimmung der Regierung anzunehmen geneigt sind. Tas Kabinett verständigte sich über die Antwort darauf. Das Zustandekommen des Friedens wird nicht länger bezweifelt. London, 24. Mai. Die letzte Verlustliste, welche vom Kriegsamt veröffentlicht wird, umfaßt 7 Tote und 27 chren Verwundungen Erlegenen. Utrecht, 24. Mai. Präsident Krüger hatte gestern eine Unterredung mit Dr. Leyds. In Brüsseler Burenkreisen herrscht die Ansicht vor, daß, wenn es zum Frieden kommt, England in wichtigen Punkten, wie in der Am- nestte-Frage und bezüglich der Festsetzung des Zeitpunktes für den Eintritt einer repräsentativen Regierung, bedeutende Konzessionen und zwar auf Veranlassung Kid« cheners machen werde. Pretoria, 23. Mat Das (Ergebnis der Bureu- zus ammenkun ft in Vereenigung enttäuschte insofern, als eine greifbare Entscheidung nicht erreicht wurde. Die Transvaalburen betonen die Notwendigkeit, die Friedensbedingungen Englands anzunehmen, lehnen eS aber ab, für sich allein ein Abkommen mit der britischen Regierung zu treffen und die Freistaatburen auf diese Weise den Kampf allein weiter führen zu lassen. Es wurde beschlossen, daß die Hauptführer der Buren sich zu Lord Kitchener begeben, um ihn von dem Ergebnis der Beratungen zu unterrichten. Wegen deS unentschiedenen Charakters dieser Mitteilungen wurde im Allgemeinen erwartet, daß die Feindseligketten wieder eröffnet werden würden. Jedermann war daher erstaunt, daß die Delegierten sich noch immer in Pretoria befinden. Deshalb wird vermutet, daß die Friedensausfichten noch nicht hoffnungslos find. London, 24. Mai. Aus Kin gston auf St. Vincent wird gemeldet: Ein Fünftel der Insel ist völlig verwüstet. Auch die übrigen vier Fünftel sind für den Anbau so gut wie verloren. Newyork, 24. Mai. Nach einer Meldung deS „Newyork Herald" aus Pointe-ä-Pitre von gestern ergießt sich aus einem neuen Krater auf der Nordseite des Mont Pelee Lava in breitem Strom ins Meer. Ein weiterer Verlust an Menschenleben ist zu verzeichnen. Eine große Anzahl von Personen in Grande Riviäre, meistens Frauen und Kinder, find vom Lavastrom umschlossen. Hilfescheintunmöglich. Man kann sehen, wie sie Rettung erflehen, während sich die Lava allmählich weiter verbreitet. Newyork, 24. Mat Aus Fort de France wird g* meldet: Die Flucht der erschreckten Einwohner aus der Stadt dauert fort Zwei Dampfer sind gestern mit je 450 Flücht- lingen, der äußersten Zahl, die sie anfnehmen konnten, nach den westindischen Hafen in See gegangen. Bei der Abfahrt spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Die Zurückbleibenden wollten durchaus ausgenommen werden. Bictoria, 24. Mai. (Britisch Columbia.) Zn einem Kohlenbergwerk bei Fernie im Bezirk Kooteuay fand eine Ex. plosion statt, bei der 170 Personen umkam eu. Nur 30 wurden gerettet Die Betroffenen find meist Ausländer. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. ffl., 24. Mai 1902. 81/g% Reichsanleihe . , 101.75 8% do. ... 91L0 8V,% Konsole .... 101.90 3°/o do 91.75 8*/8% Hessen .... 99.75 3% Hessen —.— 4% Oesterr. Goldretne . . 102.65 4lOesterr. Silberrente 101.70 4% Ungar. Goldrente . . 101.70 4% Italien. Rente . . . 102.05 4i]2% Portugiesen . . . 45.10 b°/ Portugiesen. .... 28.90 \% C. Türken .... —.— Türkenlose 111.80 4°/o Grieoh. Monopol -Anl. 44.00 4’/»% äussere Argentiner —.— 8v/q Mexikaner , , , , 25.65 4,/i7q Chinesen .... 89.70 Electric. Scluckert . . , 100.50 Nordd. Lloyd —. Kreditaktien , . . . . 216.20 Diskonto-Kommandit. . , 185.50 Darmstädter Bank . . . 185.70 Dresdener Bank .... 142.70 Berliner Handelsges. . . 153.30 Oesterr. Staatabahn . . . 148.90 Lombarden .... 18.80 Gotthardbahn 168.80 LaurabQtte ..... 200.00 Bochum . ..... 195.00 Harpener ..... 174£0 fest Für die Redaktion verantwortlich i V.: R. Dittm anu. Unerreichter Insectentödter! Kaufe aber nur in Flaschen, wo Plakate aushängnt Wasserdichter Abschluß Luftund fester haltbarer * ispecle, Muster .Beweise überBewihrunf »endetportofrei der Febrikent A .W Andernach Beuel*rn Rhein . 'feuchte Wände PdtentJä/itafe/n Zu haben m Gießen auf dem Favrtttager bei Herrn Emil Horst, Riegelpsad. 175 AMTLICH GLA5ZEND BEGUTACHTET: PROSPEKT. ttrosslherzogliclh 3'/2% Anleihe der mischen Provinz von nom. Mark 600,000.— Oberhesseu Die Grossherzoglich Hessische Provinz Oherhessen hat zur Erbauung und Ausstattung einer Provinzial-Siechenanstalt in Giessen auf Grund Beschlusses des Provinzialtags der Provinz Oberhessen vom 4. Juli 1900 unter Genehmigung des Grossherzoglichen Ministeriums des Innern durch Verfügung vom 28. Juli 1900 zu No. M. d. J. 21419, sowie des Grossherzoglichen Staatsministeriums durch Verfügung vom 30. April 1902 zu b No. St. M. 2700 ein zu 3%®/0 verzinsliches Anlehen von Mark 600,000.— aufgenommen. Der Anlehensbetrag ist in Schuldverschreibungen auf den Inhaber und zwar in 160 Stücke L 2000 Mark — Lit. A No. 1—160 == Mark 320,000._ 160 , ä 1000 > — » B , 1—160 ----- , 160,000 — 160 , ä 500 „ - „ C „ 1-160 --- , 80,000.- 160 , i 200 , - „ D „ 1-160 --- „ 32,000.- 80 , L 100 , — , E , 1— 80 = , 8,000.— Mark 600,000.— eingeteilt, welche mit halbjährig fälligen, am 1. April und 1. Oktober, erstmals am 1. Oktober 1902 zahlbaren Zinsscheinen versehen sind. Die Tilgung des Anlehens erfolgt auf dem Wege der Verlosung erstmals am 1. April 1912 mit jährlich 2y2% des ursprünglichen Schuldbetrags nach Massgabe des den Schuldverschreibungen beigedruckten TügungspUns. Vom 1. April 1912 ab bleibt der Provinz auch eine verstärkte Auslosung und die gänzliche Rückzahlung des Anlehens Vorbehalten, nach vierteljährlicher Vorausbekanntmachung in den unten bezeichneten Zeitungen. Die ausgelosten Schuldverschreibungen werde- stets im vorhergegangenen Monate Dezember durch das Los bestimmt und jeweils vor dem 1 Januar bekannt gemacht. Für die Sicherheit des Kapitals und Zinszahlung des Anlehens haftet die Grossherzoglich Hessische Provinz Oberhessen mit ihrer Steuerkraft Sonstig Anlehen der Provinz Oberhessen existieren nicht. ' 6 Die Einlösung der fälligen Zinsscheine und der zur Rückzahlung berufenen Schuldverschreibungen erfolgt bei der Provinzialkasse zu Giessen, bei dem Bank- hause Aron Heichelheim, Giessen, und bei dem Bankhause Gehr. Neustadt in Frankfurt a. M. Die Ausfolgung neuer Zinsscheinbogen erfolgt s. Zt. kostenfrei bei den gleichen Stellen. Alle’. das Anlehen betreffenden Bekanntmachungen erfolgen in dem Reichsanzeiger, in der Darmstädter Zeitung, in dem Giessener Anzeiger und in der Frankfurter Zeitung. Geht eine dieser Zeitungen ein, oder wird die Veröffentlichung in ihr aus anderen Gründen unmöglich, so hat der Provinzial-Ausschuss andere Blätter hierfür zu bestimmen. Für die Verjährung der Zinsscheine und der fällig werdenden Teilschuldverschreibungen gelten die gesetzlichen Bestimmungen. Giessen, den 12. Mai 1902. In Vertretung der Grossh. Hessischen Provinz Oberhessen: Auf Grund des vorstehenden Prospektes sind Hk. 600,000.- 3885 Gehr. Neustadt Der Grossherzogliche Provinzialdirektor: von Bechtold. Mk. 600,000— 31.°|o Obligationen der Provinz Oberhessen zum Handel und zur Notierung an der Frankfurter Börse zugelassen worden. Die gemäss Art. 100 des Gesetzes vom 12. Juni 1874 beauftragten beiden Mitglieder des Provinzial-Ausschusses: Dr. Gutfleisch. Dr. Schäfer. Giessen, Frankfurt a. Main, im Mai 1902. Aron Heichelheim Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: 3893 billig zu verkaufen. Bordeaux-Weine von 1,20 02344 -AD 103 8880 I. Boeck. 3891 L zugeben. 02356 Grosse« Niederlage bet: 2008 Aug.Sroll,KahshoM.5l U Capitaliett UMWMWtifc KrWjWW^ Anfertigung von Drucksachen aller Art Maroa Italia Ingelheimer . . Oberingelheimer "■/V . Telephon Nr. 51. Malerische AuWmWril (46:65 cm) zum Preis von 5 Mk. 8875] Kunstmaler £>. Fritz, Goethestraße 46, Atelierhaus. Hiermit fordere ich alle diejenigen, welche Forderungen an den ganz unbedeutenden 9lachlaß d. verstorbenen Schneidermeisters Karl Pimper zu bilden haben, auf, diese Forderungen innerhalb 14 Tagen bei mir, dem gerichtlich bestellten Nachlaßverwalter anzumelden, um solche bei einer eventuellen Verteilung des Nach- laffes berücksichtigen zu können. Gießen, 23. Mai 1902. Neuenbäue 15. Gießen, den 24. Mai 1902. 2. 25 Bände Klassiker, 2 Laden- schränke, 1 Ladentbeke, eine Steppmaschine und diverse Versteigerung z« 1 findet bestimmt statt. 3892 Born, Gerichtsvollzieher. 02315] Erbsenretser abzugeben. 3. Lietz, Schißenbergerweg. 3684] Ein Fahrrad zu ver> kaufen. Altcestraße II, 11. Versteigerung. Dienstag den 27. d. Mts., nachm. 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 dachter gegen Barzahlung: . 75 . 90 . 90 . 100 . 120 Bin*1 60 Pfg. 90 „ 90 , 120 . Studierender sucht guten Pri- vatmittagstisch. Offerten unter 02332 an die Expedition d. Bl. Mk 35—40 000 our la. Objekt gesucht. 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