Montag S4. Februar LSOS ISS. Jahrgang Zwettes Blatt. z>ie heutige Mmmcr umfaßt 10 Seite«. politische Wochenschau. Gehörte in der vorherigen Woche der hohen, der auswärtigen Politik daß Hauptinteresse, so bildeten diesmal wieder die inneren, speziell die Hollpolitischen Fragen das punctum Bacons aller Erörterungen, die sich allmählich mehr und mehr nach einer besümmten Richtung hin konzentrieren. In tagelangen vertraulichen Pourparlers hinter den Koulissen hatten in der Zollkommission die Konservativen mit dem Zentrum und einigen Nationalliberalen sich auf einen Vorschlag geeinigt, der etwa die Mitte dessen bildete, waS die Regierung in ihrem Entwurf geben wollte und was auf der anderen Seite die Agrarier verlangten, aber gelang es schon nicht, alle Elemente der Mehrheit auf diesen Kompromiß zu einigen, so machten den nach dieser Richtung hin sich bewegenden Hoffnungen die verb. Regierungen ein Ende. Die Absage, die Graf Bülow verlautbaren ließ, war bündig und unzweideutig. Es hieß, daß nicht nur der Kompromiß unannehmbar für die Regierungen sei, sondern alle ferneren Bemühungen, eine Einigung außerhalb der Grenzen des Entwurfs herbeizuführen, zwecklos wären.' In den „maßgebenden" Kreisen der Zolltarif-Kommission neigt man jetzt, wie es heißt, zu der Ansicht, daß spätestens am Donnerstag die Abstimmung über die Getreidezölle erfolgen wird. Es verlautet, Bayern werde nun auch eine wichtige Erklärung geben, nachdem dos soeben Württemberg gethan hat. (Vergl. unser heutiges Morgenblatt.) Unter den größeren Bundesstaaten herrscht zweifellos völlige Einigkeit und ebenso innerhalb der einzelnen Regierungen. Es hieß, daß der preußische Landwirtschafts-Minister von Podbielski eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle über den Entwurf der verbündeten Regierungen hinaus ansttebe. Die „Nordd. Allg. Ztg." beeilt sich aber dieses Gerücht als erfunden zu erklären. Wie die Sache enden wird? Wird wirklich der ganze Tarifentwurf zu Falle kommen, wie die Demokraten meinen, oder wird eine knappe Mehrheit das Werk ohne besondere Liebe gegenüber einer entschlossenen Oppositton durchsetzen? Einstweilen liegt weder nach der einen noch nach der anderen Richtung hin die Notwendigkett vor, sich darüber Gießen, 20. Februar 1902. Betr.: Ausführung des Gesetzes vom 10. September 1878 über den Schutz der in ftemde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Ärotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden de» Ärcises. Bei der Prüfung der für das Jahr 1901 ausgestellten UeberwachungSbogen obigen Betreffs hat sich wieder eine Reihe von Anständen ergeben. Wir verweisen für die Zukunft auf das Amtsblatt ohne Nummer vom 3. April 1900 zur pünktlichen Nachachtung, insbesondere bezüglich der durch den Arzt vorzunehmenden vierteljährlichen Revision. v- Bechtold. Theater, Kunst und Wissenschaft. — „Es lebe das 2eben", Sudermann's neuestes dramatisches Werk (Verlag von I. G. Cotta in Stuttgart), wurde am Samstag in Frankfurt mit geteiltem Beifall ausgenommen. Die geistreiche Dialektrk des Thesenstückes vermochte das große Publikum nicht zu fesseln, das die mitreißende Dramaük des großen Bühnenlechnikers vermißte. Man stand dieser vornehmeren Kunst Sudermann's überrascht gegenüber. Das .Stück ist m. E. von feinerem Geist als alle ftüheren Dramen Sudermann's. Frl. Boch zeigte als die so starkgeifttge als fcinncroige Beate große echte Kunst, intimste Seelenmalerei, bis ms kleinste innerlich durchempfunden. Einen ganz prächtigen allpreußischen Landedelmann schuf Herr Diegelmann. Herr Bauer dagegen wußte aus dem mehr passiven reumütigen Ehebrecher nichts rechtes anzufangen. Eine episodenhafte Satyrgestalt übertrieb leider Herr Bolz. Wohl» thuend wirkte in niedlicher Backsischrolle mit inniger Gefühls- kunst Frl. Sangora, und als hervorragender Charatler- darsteller erwies sich rotebennn Herr Hermann, diesmal in kleiner Aufgabe. Angemessenes leisteten in kleineren Rollen die Herren Fricke, Pfeil, Reimann, Szika und Bayrhammer. P. W. — Aus Hamburg meldet man: Sudermanns Drama „Es lebe das Leben!" hatte bei seiner Erstaufführung im Deutschen Schauspielhause einen sich von Akt zu Akt steigernden starken Erfolg. — Auch m Wiesbaden hatte „Es lebe das Leben!" im Residenztheater einen großen, nachhaltigen Erfolg. Preußisches Abgeordnetenhaus. Tas Haus setzt die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern fort. Abg. Kirsch betont, daß, welches auch die Gründe für Sttrdtrat Kaufmanns N i ch t b e st ä t i g u n g zum zweiten Berliner Bürgermeister waren, aus der Angelegenheit für ihn persönlich nicht Unehrenhaftes abgeleitet werden könne. Nr. 4« Mrscheint tägNch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener zamilien- biätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Der» lag der Brüh l'scheu Univers.'Buch-u.Stem- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Ldresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«. FernsprechansckilußNr.51. den Kops zu zerbrechen. Möglicherweise wird der Reichskanzler es für geraten halten, die Entscheidung über Tarif und Handelsverträge einem andern Reichstage zu überlassen. Ueber den Ereignissen in der Zolltarif-Kommission vergessen es die Parlamente nicht, wichtige Volksinteressen zu vertreten. Am Dienstag trat in Darmstadt die Zweite hessische Kammer zu sehr wichtiger Arbeit zusammen. Gleich in ihrer ersten Sitzung gelangte das Regentschaftsgesetz zur Annahme, dem auch die Sozialdemokraten zustimmten. In der nächsten Sitzung kam dann der Ulrich'sche Anttag auf Mllderung dec Arbeitslosigkeit zur Sprache. Der Ministerial- rat Braun gab eine ebenso eingehende als bemerkenswerte Er- lärung ab. Bei uns zu Lande sieht es also keineswegs so chlimm als anderorts aus. Die Ausschußanträge, die vornehmlich auf Einführung einer leider noch in weitem Felde liegenden Reichsversicherung gegen unverschuldete Arbeitslosigkeit abzielen, wurden angenommen. Man gewann all- eitig den Eindruck, daß unsere Regierung ernsthaft bemüht ist, das Ihre zu thun zur Milderung des schweren Mißstandes. Weiterhin genehmigte die Kammer die Anträge auf Einführung einer staatlichen Mobiliarversicherung. Dagegen wurde vom Regierungstische aus die Einführung einer obligatorischen staatlichen Viehversicherung für unangebracht erklärt, aber staatliche Schlachtviehversicherung in Aussicht gestellt. Am Freitag gab dann Finanzmmister Dr. Gnauth einen Ueberblick über die wenig rosige Finanzlage des Landes und die Notwendigkeit der Erhöhung der Vermögenssteuer, Mitteilungen, die mit geteilten Empfindungen, ausgenommen wurden. Wesentliche Bedeutung haben auch die Erklärungen des Finanzministers, daß die Erste Kammer sich von der Notwendigkeit einer Korrektur der Vermögenssteuer überzeugt habe, und daß es sich nicht um eine dauernde Erhöhung um 20 Pfg. pro Tausend handle, sondern vorerst um eine jedesmalige Festsetzung für ein Jahr. Immerhin aber liegt unseren Volksvertretern das Destzit unsanft im Magen. Die Finanzklemme ist groß. Finanzministerium wie Finanzausschuß haben zweifellos mit anerkennenswerter Gründlichkett die Ausgabenetats zu verringern sich bemüht. In erster Linie trifft ja die Schuld an unserer Geldnot das Reich, dessen Finanzen sich in schlimmer Unordnung befinden. Was nützen da die paar Abstriche, die die Budgetkommission de8 Reichstags vorgenommen hat an der ostasiatischen Besatzungsbrigade l Wie sich dazu das Plenum verhalten wird, bleibt zudem noch abzuwarten. Allerdings hat der Militäretät reichliche Ge- legenhett geboten zu oppositionellen Reden. Der Gumbinner Prozeß und die verschiedenen Zweikämpfe haben die Oeffentlichkeit noch zu sehr beschäftigt, als daß unsere Reichsboten sie hätten unbesprochen laffen können. Man brachte einzelne Mängel vor, die der Prozeß Krosigk an der Milttärstrafprozeßordnung enthüllt hat, und es wurde dem Regierungskommissar die Rolle des Verteidigers des lückenhaften Rechtswerkes nicht leicht. Jedenfalls scheint dar- gethan worden zu sein, wie unzeitgemäß das Institut der Gerichtsherren ist. Gegen das Duell zog man im Reichstage wie im preuß. Abgeordnetenhause zu Felde, und es wurden manche guten Worte vom Regierungstische laut, die man nur leider nicht allsobald in Thateu umsetzen wird. Uebrigens hat noch in keinem Jahre das preußische Justizwesen zu so viel Aussetzungen Veranlassung gegeben, wie es diesmal der Fall gewesen ist. Der Bruder des Kaisers, Prinz Heinrich hat jetzt das Ziel seiner Reise, den Hafen von Rewyork erreicht. Hinterlassen die Ovationen, die drüben vorbereitet sind, auch nur einen ganz bescheidenen Teil ihres Umfanges asls bleibenden Eindruck, dann laßt sich schon jetzt sagen, daß der Besuch des Prinzen Heinrich in Amerika auf die Beziehungen des Deutschen Reiches zum Westen nicht ohne Einfluß bleiben wird. Ist doch die Hoffnung offen ausgesprochen worden, daß die Reise eine bessere Verständigung zwischen den beiden großen Nationen zur Folge haben werde, und die Ausnahme, welche die bekannten englrschen Jntriguen in den Vereinigten Staaten fanden, scheint zu beweisen, daß diese Hoffnung jenseits des Atlantischen Ozeans geteilt wird. Vor allem wird man wünschen müssen, daß die handelspolitischen Beziehungen, die nicht gerade zum besten sind, eine beiden Parteien ersprießlichere Form annehmen und daß sich auch auf dem Gebiete der auswärtigen Politik, also der Politik anderen Staaten gegenüber, Berührungspunkte finden, die ein event. gemeinsames Vorgehen ermöglichen. Seit England mit Japan sich verbündet und auch, wie sich neuestens herausstellt, Italien für seinen Bund zu gewinnen versucht hat, hat sich die Weltlage doch insofern verschoben, als die Interessen im Osten nicht mehr so ungleich vertreten sind, wie bisher, wo England an Stärke den anderen Staaten nachstand. Deshalb und nur deshalb suchte es sich Japan zum Genossen, vielleicht hoffend, dadurch die Hände noch etwas freier für Südafrika zu bekommen, wo der Feldzug noch immer nicht den Verlauf nehmen wird, den man in London, wo man sich für die Krönungsfeier vorzubereiten beginnt, wünscht. Tie Treibjagd aus D e w e t, von der man so viel für ein baldiges Ende des Krieges hoffte, ist trotz des schlau ersonnenen Planes ganz und gar vergeblich gewesen. Zum zweiten Male har es jetzt, in der Nacht vom 10. Februar, mit 400 Atann die Blockhauslinie 10 Metten westlich von Lintttey durchbrochen und ist nordwärts weitergegangen. Einige Mann seiner Abteilung durchschnitten in aller Ruhe den Stacheldrahtzaun an dem erwähnten Punkt und machten auf diese Weise den Weg für das ganze Kdmmastdo frei. llnd_auch Louis Botha, den sie in ihren Händen ,'mtten, «ezvgspret»» monatlich7bPs., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole. u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch diePost Mk.2.—viertel- ilhrl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ,r die Tagesnummer 4 vormittags 10 Uhr. ,.t!enpreiS: lokal ILPs» auswärts 20 Psg. verantwortlich: ür den polit. u. allgcm. Teil: P. Will ko: für Stadl und Land^ und „Gerichtsfaal":R.Di1t. mann; für den Anzeigenteil: HanS Beck. ohne es zu ahnen, ist ihnen, um das Pech voll zu machen, wieder entwischt. Nicht unwesentlich vermehrt werben die englischen Beklemmungen durch die Reise, welche die Burendelegierten neuerdings nach Amerika angetreten haben, um dort ihr Glück bezüglich einer Vermittelung zu versuchen. Nicht ungeschickt suchen sie so die Abkühlung zu benutzen, die durch die bekannKn englischen Jntriguen zwischen England und Amerika eingetreten ist, und da Präsident Roosevelt durchaus nicht gut auf den südafrikanischen Krieg zu sprechen ist, mögen sie schon einige Hoffnung, endlich zum Ziele zu gelangen, hegen. Aber nicht nur ttn Transvaal-Feldzug ist Vermittlung erwünscht, sie wäre von nöten auch in zwei europäischen Staaten, wo die Interessen der arbeitenden Klassen gar explosiv auf die der Besitzenden gestoßen sind und zu bedauerlichem Blutvergießen geführt haben. In Triest, wo es böse herging in diesen Tagen, scheint, nach allem zu urteilen, was bisher gemeldet wurde, die Flinte thatsächlrch übereilt losgegangen zu sein und die streikenden Arbeiter erst zu den Gewaltthaten hingerissen zu haben, die nachher zu den blutigen Zusammenstößen zwischen ihnen und dem Militär, zur Verkündigung des Standrechts führten. Die Entrüstung darüber wird sogar aus feiten der rechtsstehenden politischen Parteien geteilt, und wenn auch zur Milderung der Vorfälle behauptet wird, der ganze Aufstand sei durch anarchistische Agitatoren geschürt wnd geleitet worden, so ist man bisher! noch keineswegs in der Lage gewesen, Beweise hierfür zu erbringen. In Barcelona, wo der Ausstand sich inzwischen zur offenen Revolution, die sich über ganz Katalonien r ü^ubreiten droht, entwickelt hat, liegt die Sache ernster, denn dort ist es die Unzufriedenheit mit der ganzen spanischen Mißwirtschaft, die das Volk zu dien Waffen greifen läßt. Auch hier sind schon so zahlreiche Opfer gefallen, daß man sich sorgsam hütet, ihre Zahl laut werden zu lassen, und ihre Zahl wird noch größer werden, ist erst, wie beabsichtigt wird, die Diktatur des Generals Weyler proklamiert worden. Immerhin stehen dem requirierten Militär, das jetzt sogar noch durch Kriegsschiffe verstärkt wird, große, gut bewaffnete Arbeiterscharen gegenüber, und es wird des ganzen Geschickes der leitenben Kreise bedürfen, um die Entfesselung eines Bürgerkrieges zu verhindern, der entweder der Monachie ein Ende machen oder diese an die Carlisten ausliefern würde. Hier kann nicht rohe Gewalt, sondern diplomatisches Geschick das meiste erreichen, und es bleibt nur zu wünschen, daß es bald gelingt, die erregten Gemüter wieder zu besänftigen. In Barcelona wie in Triest ist so viel politischer Zündstoff aufgehäuft, daß es nur eines Funkens bedarf, ihn zu einer gewaltigen Flamme zu entfesseln. Man sorge bei Zeiten, daß er beseitigt wird, ehe et größeren Schaden anzurichten vermag. Das italienische Ministerium Zanardelli ist schon in der ersten Sitzung der italienischen Kammer derart unterminiert worden, daß sein Rücktritt alsbald erfolgt ist. Am Donnerstag war das Parlament mtt einer schönen, hoffnungsvollen Thronrede eröffnet worden, die von Vertrauen auf die Volksvertretung fast übersloß, und schon am Freitag stellte sich heraus, daß die Regierung in der Kammer über eine Mehrheit nicht verfüge. Einige linksstehende Elemente, die von den sozialpolitischen Versprechungen nicht befriedigt waren, einige Süditaliener, für deren Kirchturminteressen zu wenig Geld parat ist, und schließlich einige Gegner der angekündigten Ehescheidungsvorlage fielen von Dem Kabinett ab. Was der König nun thun wird, bleibt abzuwarten. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen Krlranntmachung. Betreffend: Lehrkursus für Anlage und Prüfung von Blitzableitern. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die elektrotechnische Lehranstalt des physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. auch in diesem Jahre einen Kursus über Anlage und Prüfung von Blitzableitern veranstaltet, welcher namentlich dazu dienen soll, die beteUigten Beamten und Berufskreise mit den dafür maßgebenden Gesichtspunkten vertraut zu machen. Der Unterricht sindet in der Woche vom 10. auf 15. März d. I. täglich vormittags von 10 bis 12 und nachmittags von 3 bis 5 Uhr statt, sodaß es den in den Nachbar- städten und Ortschaften wohnenden Interessenten ermöglicht ist, ohne allzu große Zeitopfer an dem Kursus teilzunehmen. Bei besonders zahlreicher Beteiligung wird ein zweiter Kursus in der Woche vom 17. auf 22. März abgehalten. Das Honorar für die Teilnahme beträgt 30 Mk. Anmeldungen sind möglichst frühzettig an Herrn Dr. C. Döguisne, Frankfurt a. M. Stiftstr. 32 zu richten. Gießen, den 22. Februar 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- v- Bechtold. Kekanntmachung. Der Stadtvorstand zu Lauterbach beabsichtigt, mit dem am 9. Juni d. I. daselbst stattfindenden sogenannten Prämien- markte eine Verlosung von Vieh, landwirtschaftlichen und Hau8- haltungSgegenständen zu verbinden. Großh. Ministerium des Innern hat die Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 8000 Lose, zu 60 Pfg. das Stück, auggegeben werden dürfen, und mindestens 56 Prozent des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Lose zum Ankauf von Gewinn- gegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Lose in der Provinz Oberhessen gestattet worden. Gießen, am 18. Februar 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- v- Bechtold. Dbg. Richter bemüht sich, dem Minister mehrere Widersprüche in seiner gestrigen Rede nachzuweisen. Die Verantwortlichkeit des Ministers bestehe nicht darin, daß er nicht antworte. Die M i n i st e r v e r a n t w o r t l i ch -- feit sei altpreußische Tradition. Sic habe schon lange vor der Versüssung bestanden. Wenn der Minister von Hammer st ein, wie aucy kürzlich Graf Bülow, sich ihr entziehen wollten, so entspräche das höchstens mecklenburgischer Auffassung. (Stürmische Heiterkeit.) Wenn die Minister lediglich gegenzeichnen sollten, wodurch unterschieden sie sich denn von Kanzleibeamten? Der Minister habe gesagt, es habe den Eindruck gemacht, als ob die Liberalen politische Gesichtspunkte in die Angelegenheit hätten hineintragen wollen, er wisse es aber nicht. Wenn er es nicht wisse, wie könne er es dann sagen? Das sei eine Verdächtigung. Redner erwähnt dann dre letzten unliebsamen Zwischenfälle zwischen Berlin und der Krone, erklärt, daßDenkmalsentwürfeund Künstler derStadtBerlinförmlich aufgezwungen würden, und meint, alles das gebe böses Blut und komine nur der Sozialdemokratie zu Gute. Wolle die Negierung das vermeiden, müsse sie von Eingriffen in die Selbstverwaltung sich ftrnhalten. Minister v. Hammer st ein bedauert, der Beredsamkeit Richters nicht gewachsen zu sein. Richter habe seine gestrige Rede zerpflückt; aber alle schönen Lockungen würden ihn nicht aus seiner Reserve herausbringen. Er könne Richter nicht als Richter über königliche Befugnisse anerkennen, und nehme auch das Odium einer dem Abg. Richter unangenehmen königlichen Anschauung nach altpreußischer Tradition gern auf sich und überlasse dem Hause das Urteil über sein Verhalten. (Beifall rechts, Gelächter links.) _ , , Im weiteren Verlauf der Verhandlung nennt Geherm- rat Falkenhayn die Wiederwahl Kauffmanns eine,Laune"derBerlinerStadtverordneten und meint, auf die Bestätigung werde Berlin bis zum St. Nimmerleinstage warten können. Erstere Aeußerung ruft große Erregung auf der Linken hervor, der Präsident erklärt jedoch auf Grund der Geschäftsordnung nichts dagegen thun zu können, da eine Beleidigung nur dann in dem Worte liege, wenn es auf bestimmte Personen angewendct würde. Aus Stadt und Land. Gießen, 24. Februar 1902. - Audienzen. Der Großherzog empfing am 22. Februar u. a. den Professor der Tierheilkunde Gmein er von Gießen und den Eisenbahnsekretär Rullmann von Gießen. ** Ernennungen. Ernannt wurde der Gefangenwärter am Landeszuchthaus Marienschloß Schmalz zmnGefcmgen- aufseher an dieser Anstalt mit Wirkung vom 24. Februar an und der Kanzlist bei der Direktion der Main-Neckar-Eisenbahn Trompp zu Darmstadt mit Wirkung vom I.^März an zum Ministerialkanzlisten bei dem Ministerium der Finanzen. ** Jubiläum. Am Samstag waren 25 Jahre vergangen, seit Herr Daniel ft u h l L, Küfer der Firma Gebrüder Schwan, in den Dienst der Firma trat. Diese ehrte den Jubilar durch Uebertveisung entsprechender Geschenke. Hoffentlich ist es dem treuen Arbeiter noch recht lange vergönnt, seinem Berufe in vollster Rüstigkeit nach- zugehen. e u e e । , 23. Febr. Am Samstag abend hielt der Gesangverein „Liedertranz" in dem prächtig geschmückten Saale der Wirtschaft von Steinmüller sein Winterfest ab. Die Feier war seit Bestehen des Veveins unstreitig die schönste. Ungeachtet der Krisis, die der Verein durchzumachen hatte infolge Austritts einer nicht unbedeutenden Anzahl aktiver Mitglieder, die sich dem Gesangverein des Arbeiterbildungsvereins anschlossen, wurden die Gesänge doch dank der Mitwirkung der Ehrenmitglieder musterhaft vorgetragen. Auch für die Erheiterung der Gäste wurde durch Aufführung schöner Couplets und humoristischer Gesamtspiele, bestens gesorgt. Sämtliche Darsteller ernteten reichen Beifall , . § Butzbach, 24. Febr. Der Mctzgerbursche, der in Gießen, wie wir in Nr. 30 berichteten, an fang Februcw mittels falscher Rechnung einen Betrug versuchte, ist kürzlich hier in Untersuchungshaft genommen und feilte nach Gießen gebracht worden, da ihm mehrere solche Fälle zur Last gelegt werden. . rf. Friedberg, 23. Febr. Am 21. Februar fand rn einem neuerbauten Hause in der 9iähe des Bahnhofes eine Gasexplosion statt. Die Wirkung war so gewaltig, daß zwei große Ladenscheiben und die Haustbür völlig zertrümmert wurden. Zum Glück konnten sich die in dem Raume befindlichen Arbeiter noch rechtzeitig bis auf einen retten, der am ganzen Körper, besonders im Gesicht, Brandwunden davontrug. — Heute sollte die Aufführung der Werning- schen Kriegs festspie le geschlossen werden. Da jedoch der Andrang des Publikums so groß war, daß zahlreiche Personen zurückgewiesen werden mußten, finden auf allgemeinen Wunsch noch am 24. und 25. zwei Vorstellungen l'tatt. Die Einnahme war so gut, daß voraussichtlich ein Ueberschuß von ea. 2000 Mark erzielt werden wird. — Der Reifeprüfung am hiesigen Gymnasium unterzogen sich am Samstag vier Abiturienten; davon wurden zwei von der mündlichen Prüfung dispensiert, von den beiden anderen bestand nur einer. — Die im Besiüe des Apothekers Georgi befindliche Hosapotheke wurde ßiim Preise von 240 000 Mark verkauft. Sie soll s. Z. von dem seitherigen Besitzer für 140 000 Mark gekauft worden sein. gHBHHI AMTLICH GLÄNZEND BEGUTACHTET: ÜSALUTARlSlI WF toilette-fett-seife Unübertroffen für Bant- u Cein Wiege t Kein, wild, sparsam. C. Naumann, Seifen- u. Parfümeriefabrik, Offenbach a-M. Freiwillige Gesellen - Prüfung | des Ortsgewerbevereins Gießen. Es werden hierdurch alle Handwerkslehrlinge von Gießen und Umgegend, welche ihre Lehrzeit in diesem Frühjahr ganz oder nahezu beenden, beziehentlich im vorigen Jahre hereits ausgelernt hatten, aufgefordert, sich an der freiwilligen Gesellenprüfung zu beteiligen. Die Prüfung ist kostenfrei Anmeldungen sind spätestens bis zum 16. März d. I. m der Gewerbeschule — Asterweg 25 — abzugeben, woselbst auch nähere Auskunft zu erhalten ist. Gießen, am 20. Januar 1902. Der Gesclleuprüf uugS-AnSschutz: Traber. 654 Holzversteigernng in den Waldungen der Kemeinde ZLersrod. Es kommen zur Versteigerung: Mittwoch den 26. Februar in den Distrikten Hainbach, Unteres-Häuschen und Hohlengraben: 16 rm Buchen-Scheitholz, 110 rm Eichen-Reifer, 170 „ „ Knüppel, 2 „ „ Stöcke, 122 „ „ Reiser, 18 „ Nadel-Reiser, 92 „ „ Stöcke, 9 „ „ Stöcke. 2 „ Eichen-Knüppel, 23 Eichen-Stämme von 13 bis 41 cm Durchmesser, 6 15 m Länge — 8,80 fm, 52 Nadel-Stämme mit 10,80 fm. bis 300 „ Derbstangen n 27,75 337 „ Reisstangen „ 0,77 Donnerstag den 27. Februar in den Distrikten Ober-Häuschen, Wamberg und Rosenberg: 5 rm Eichen-Knüppel, 86 rm Nadel-Stöcke, 79 „ Nadel- „ 56 , „ Reiser, 5 Eichen-Stämme mit 0,98 fm, 11 „ Derbslangen „ 0,84 „ 14 Nadel- „ „ 0,80 „ Der Anfang an beiden Tagen ist morgens 9 Uhr. Zusammenkunft im Ort. Bersrod, den 21. Februar 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Bersrod. Stroh, Beigeordneter. 1530 Permanente Ausstellung moderner Schlafzimmer von Mk. 800 — bis Mk. 2000.—. Fritz Nowaok,Scltersweg66 parterre und erste Etage. 1101 Verlobten besondere empfohlen. Vergebung von Kauarbeiten. Die zur Ausführung von 4 Wohnhäusern nebst Einfriedigungen an der Crednerstr. erforderlichen Arbeiten als: 1) Erd- und Maurerarbeiten, 2) Trägerlieferungen, 3) Zimmerarbeiten, 4) Dachdeckerarbeiteu, 5) Spenglerarbeiten, 6) Tüncher- und Anstreicherarbeiten, 7) Glaserarbeiten, 8) Schreinerarbeiten, 9) Schlosierarbeiten, sollen vergeben werden. Pläne und Bedingungen können im Bureau des Architekten Gust. Hamann, Bergstraße 11 in den Vormittagsstunden eingesehen werden. Angebote auf Arbeiten der einzelnen Branchen, sowie auch Angebote auf Uebernahme der gesamten Bauarbeiten für eine Pauschalsumme sind bis zum 5. März d. Fs., mittags 12 Uhr bei dem unterzeichneten Direktor, Gartenstraße 11, einzureichen. 1544 Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 22. Februar 1902. Baugenossenschaft des evang. Arbeitervereins zu Gießen. Eingetr. Gen. m. b. H. Doe ring. dou LtrchcnbMckiten. Die zum Neubau einer Kreisstratze von Stangenrod nach derStratze Lumda- Atzenhain erforderlichen Arbeiten und Lieferungen und zwar: veranschlagt zu Erdarbeiten 9164^0 M. Herstellung einer Stützmauer in Stangenrod 406,— „ Erbauung einer Brücke über die Lumda 6 799,16 , Zementrohrlieferung804,60 Rohrlegungsarbeiten 99,60 „ Pflasterungen 1040,— „ Chaussierungen 13 322,85 , ollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Angebote sind bis Dienstag, den 4. März l. Fs., Nachmittags 3Uhr im Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst Voranschläge, Pläne und Bedingungen zur Einsicht offen lugen, abzugeben. Gießen, den 20. Febr. 1902. Der Großh. Kreisbauinspektor. ________Stahl. 1553 Hohmrsteigerung Donnerstag, den 27. Febr. 1902 von vormittags halb 10 Uhr an, soll in dem Anneröder Gemeinde-Wald in Kaufmännischer Verein und Ortsgewerbeverein Giessen. Mittwoch den 26. Februar, abends 8% Uhr präzis, in Steins Saalbau. Siebenter W ertrag Herr Dr. Hugo Grothe, Forschungsreisender, Wiesbaden: Von Konstantinopel ins Herz Kleinasiens. Eine Fahrt auf deutscher Eisenbahn. Mit 80 künstlerisch kolorierten Lichtbildern. Eintrittskarten für Mich tmlt gilt der sind zu 50 Pfg. abends an der Kasse zu haben. 1522 Die Vorstände. den Abteilungen 1 Dornberg, 6 Krähenholz und 12 Rothe- buche nachverzeichnetes Holz versteigert werden. A. Bau- und Wertholz. 9 Eichenstämme 19—39 cm Durchmesser, 6—14 m lang, 5,18 im haltend. 310 Fichtenstämme 13—32 ornDurchmesser, 8—20 m lang, 118,55 fm haltend. 421 Fichtenderbstangen 8—13 cm Durchmesser, bis 18 m lang, 47,61 fm haltend. B Brennholz. 32 rm Buchenknüppel, 8 rm Nadelknüppel, 2600 Buchenwellen, 400 Eichenwellen, 1290 Nadelwellen, 14 im Buchenstockholz, 17 rm Nadelstockholz. Die Zusammenkunft ist am Waldeingang am Oppenröder- weg und Müllerweg. Annerod, den 22.Febr.1902. GrohherzoglicheBürgermeisterei I Annerod. Hör». 1548 hfräischer Verein. Lamstag de« 8. März, Abends 8 Uhr im Caf« Leib: Abendunterhaltung, bestehend in Konzert, Theater und Tanz. Die besonderen Einladungen folgen in den nächsten Tagen und werden bezügliche Wünsche der Mitglieder rechtzeitig erbeten, THEE-MESSMER 1552 iw (jasheizöfen ►verhreferan fast allen Plätzen. Das Frühstück fehlster Kreise. Probepakete 60 bis 125 Niederlagen durch Plakate kenntlich. 47 Gieb Acht! Dein Kleid verkauft wird. ■ ■ » Es bleibt doch wahr: Halte Wacht! MM»»——? I« Hl ™ Darum, Ihr Hausfrauen, verlangt nur: Utoltair • Schutz-Borde „FriMlsriML" mit Aufdruck: „Vorwerk“ Ufollent Schutz-Borde » „ „ „Vorwerk“ Schweiss-Blätter (Tricot- u. Gummi-Platten) ,, „Vorwerk“ Kragen-Einlage, speziell „PraCtlCa“m. Carton-Aufdruck „Vorwerk" Die Marke „VORWERK“ verbargt eine unerreichte Qualität und Zweckdienlichkeit der Fabrikate. Jedesbeseerc Geschttft fuhrt dleVorwerk’schenFabrlkate. Holzverkauf. 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