Nr. 20 Srschetut täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit bem Kefstschen Landwirt die Siebener Zamilien» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Unwers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Erpeditüm und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fern sprechanschlnß Nr. 51. Freitag 24. Januar 1908 152. Jahrgang Zweites Blatt. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger v ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 7b Pf., vierteljährlich Alk. 2.20; durch Abholc- u. Zweigstellen monatlich 66 Pf.; durch diePost Mk. 2.— vicrtel- jährl. audschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für d»e Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf, auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für .Stadt und Land" und .Gerichtssaal": R.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: Han8 Beck. Air Heutige Nummer umfaßt 14 Seite». Bekanntmachung. Der Schweinebestand des Jnstus Emll Lenz, Ludwig-- straße 62, dahier, ist gesund. Die Gehöstsperre ist wieder aufgehoben. Gießen, den 23. Januar 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Der Ktat des Kraft» F-sadowsky. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt mrterm 23. Januar: Der Staatssekretär des Reichsamts des Innern ist zur Zeit unstreitig das meistbeschäftigte Re^ierungsmitglied- Gr kommt von früh bis spät nicht aus dem Parlameuts- gebäude heraus. Der Vormittag' sieht chu in der Zolltarifkommission, und daß die Thätigkeit dort nicht geringe Ansprüche an den Hauptvertreter der Regierung stellt, das geht aus den Berichten über die Verhandlungen! dieser Kommission hervor. Die Mittagspause ist für Graf Posadowsky. kurz bemessen, denn der Staatssekretär erkennt für seine Person auch in Bezug auf den Segürn der Plenarberatung die Zulässigkeit des „akademischen Viertels" nicht an- Gr ist meist schon zur Stelle, ehe der Präsident die Sitzung für eröffnet erklärt — und welches Kreuzfeuer von Wünschen, Beschwerden, Anregunaeu bringen die Sitzungen, in denen der die verschiedensten Materien umfassende Etat des ReichScsmts des Innern Kur Diskussion steht! Mein das „Gebäube" der Sozialpolitik! Wenn in dessen schier zahllose KamnEru und Kämmerchen hineingeleuchtet wird — und daß nichts undurchsucht bleibt, dafür sorgen besonders die sozialdemokratischen Kritiker —, welche Aufgabe für den Stcurts- sekretär, diesem Hin und Her mit uugeschwächter Aufmerksamkeit zu folgen, jedem Rede und Antwort zu stehen, das riesige Material lückenlos zu beherrschen, sodaß die Gegenargumente Schlag auf Schlag ins Feld geführt werden können! Die Erörterung über die Sozialreform nahm den brellesten Raum in bcr heutigen Reichsdebatte ein- Als Repräsentant der sozialresormfreundlichen Nationalliberalen sprach Abg. Bassermann. Gegen dessen Ruhe und Sachlichkeit stach der Grimm, in den der Wortführer der äußersten Linken, Abg. Fischer-Berlin, sich hmeiuredete,. scharf ab. Es war die alljährlich wiederkehrende sozialistische Anllagerede über „Saumseligkeit der Regierung, Unternehmerpolitik des Grafen Posadowsky, Mißachtung der Rechte der Arbeiter" usw. Selbst der 12000 Mark-Angelegenheit that der unerbittliche Kritiker in seiner, gleich einem Sturmwind dghinbrauienden, mehrstündigen Rede Erwähnung; die schärfste Verurteilung aber erfuhr die sächsische Gewerbeinspektion. Auf Sachsens Regierung und Behörden sind die Sozialdemokraten bekanntlich am schlechtesten zu sprechen; den Reiz des > Ungewöhnlichen also hatte Herrn Fischers Angriff nicht. Die Bundesratsvertreter Sachsens, der joviale Gesandte Graf Hohenthal und Ministerialdirektor Dr. Fischer, machten nicht eben den Eindruck, als ob sie sich „vernichtet" fühlten- Für die Gelvandtheit des sozialdemokratischen Redners ist es beiläufig bezeichnend, daß er es verstand, äußerst scharf zu sprechen, ohne sich einem Ordnungsruf äuszusetzen- Graf Posadowsky war in der Lage, sich zur Rechtfertigung seiner Verwaltung auf unanfechtbares Material zu beziehen, und da er die Polemik mit überlegener Ruhe führte, verblaßten die Farben der sozialistischen Anklagerede mehr und mehr. Der Staatssekretär hielt auch ritterlich den Schild über den vom Abg. Fischer-Berlin heftig angegriffenen preußischen Handelsminister Möller. Das „Garn" der Sozialreform „spann" alsdann Abg. Roesicke-Dessau (wlldlib.) weiter. Ihn, den Direktor der Berliner Scyultheißbrauerei, bezeichnet die Sozialdemokratie als „weißen Raben" unter den Unternehmern, und es ist vielleicht von Interesse hinzuzufügen, daß Roesicke nicht nur ein humaner Arbeitgeber, sondern auch bereit ist, zur Förderung sozialer Bestrebungen beträchtliche Summen zu opfern. Bei ihm decken sich Theorie und Praxis. Dem anregenden Vortrag dieses Parlamentariers folgte mit besonderem Interesse — dessen Bruder, Abg. Dr. Roesicke-Kaiserslautern, der Führer des „Bundes der Landwirte. Während also dieses Bruderpaar auf politisch entgegengesetztem Standpunkt steht, hat sich das zweite, das die deutsche Volksvertretung aufweist, unter eine politische Fahne gestellr: die Württemberger Konrad und Friedrich Haußmann, beide bekanntlich Rechtsanwälte und der Deutschen Volkspartei zugehörig. — Ten Reigen der Redner aus dem Hause beschloß Abg. Beckh-Koburg (fr. Vp.). Mit dankenswertem Eifer trat er — zum soundsovielten Male! — für eine Verbesserung des Vogelschutzes auf Grund eines internationalen Abkommens ein. Ein Keiner Fortschritt scheint ja endlich — nach Graf Posa- dowskys Antwort — erzielt zu sein. Valitische Tagesschau. Eine Interpellation über das Jesnitengesetz. W. T. B. meldet heute: Dem Reichstag ging eine Interpellation des Zentrums zu, in 6er bezüglich des am 1. Februar lb'J9 vom Reichstage beschlossenen Gesetzentwurfs betr. die Aufhebung des Gesetzes über den Orden dar Gesellschaft Jesu bezw. die Aushebung des § 2 dieses Gesetzes an den Reichskanzler die Frage gerichtet wird, ob der Beschluß des Bundesrats in dieser Angelegenheit auch heute nach Verlauf von drei Jahren seit der Beschlußfassung des Reichstags noch nicht vor liege und wenn nicht, aus welchen Gründen der Bundesrat eine Eutschlie^ing über den genannten Beschluß des Reichstags bis jetzt verzögere und schließlich, ob der Reichskanzler eine solche Entschließung noch vor der Beendigung der gegenwärtigen Tagung des Reichstages herbeizuführen gedenke. Man sieht, die Interpellation ist in einem ziemlich kategorischen Ton gehalten. Die Frage nach, den Gründen ist wohl dadurch zu beantworten, daß die Regierungen vorziehen, die Angelegenheit in der Schwebe zu lassen. Daß für die gänzliche oder auch nur teilweise Aufhebung des Jesuitengesetzes eine Mehrheit im Bundesrat nicht vorhanden ist, kann keinem Zweifel unterliegen. Ein rundes Nein aber würde — das ist ebenso wenig zweifelhaft — den Grimm des Zentrums heraufbeschwören. Und was das für viele parlamentarische Entscheidungen bedeutet, wenn das Zentrum das Wohlwollen verliert und der Regierung seine mächtige Unterstützung entzieht, das braucht nicht erst dargelegt zu werden. Dazu freilich ist das Zentrum zu klug, um etwa eine große Vorlage wie den Zolltarifentwurf durch Opposition oder Passivität zu Fall zu bringen. Das Zentrum nimmt am Zolltarif Interesse; Revanchen mit der Nebenwirkung der Selbftbenachteiligung wird man von den kaltblütigen Zentrumsführern nicht erwarten können. Wer es giebt andere Gelegenheiten genug, die Regierung empfinden zu lassen, daß der Zorn des Zentrums nicht ungestraft gereizt wird. Die „Politik der Nadelstiche" schlägt am meisten auf die Nerven. Das Zentrum muß grollen, sobald der Jesuitenantrag eine klare Ablehnung erfährt: ,das ist es gewissermaßen seinen Wählern schuldig, denen die „Ausführung des Windthorst- schen Testaments", nämlich die Aufhebung des Jesuitengesetzes tzurchzusetzen, immer wieder feierlich versprochen wurde. Draf Bülow kann auf die Zentrums-Anfrage nicht tu ^pllmmtischen Wendungen", mit beschwichtigenden und zu nichts verpflichtenden Worten erwidern — die Interpellation ist ausgesucht präzis gefaßt. Was immer über die Gründe der verzierten Entscheidung des Bundesrats sich sagen läßt: rumausweichlich ist eine bestimmte Antwort auf die brüte der „peinlichen Fragen", ob der Reichskanzler eine Entschließung der ^Regierungen noch vor Beendigung der gegenwärtigen Tagung herbeizuführen gedenke? Man darf sehr gespannt darauf sein, wie sich Gpaf Bülow in dieser schwierigen Lage verhalten wird. Kuhlrukampfs Nachfolge. Folgendes Vorkommnis hat sich jüngst bei dem Amtsgericht in P., Provinz £>onnot>er, abgespielt. In einem Ermittelungsverfahren wegen Diebstahls war eine Dienstmagd Anna Kl. als Zeugin geladen. Diese Ladung wurde versehentlich jedoch einer gewissen Antje Kl. zugestellt, die in einem ganz anderen Hause wohnhaft war. Vor Gericht erschienen, gab die irrtümlich Geladene an, daß sie zur Sache nichts wisse. Hierauf wurde nun der Zeugin von dem vernehmenden Richter eröffnet, daß auf Requisition der Staatsanwaltschaft zu Münster i .W. eine fünftägige Gefängnisstrafe wegen Betruges, erkannt von dem dortigen Schöffengericht, gegen sie zu vollstrecken sei. Die Dienstmagd Antje Kl. gab nun an, nicht die Gesuchte zu sein, sie sei protestantisch und nicht in Rhede gehören und habe keine Verurteilung erlitten. Trotzalledem wurde die Person, die ein klein es, wenige Wochen altes Kind zu Hause hatte, fest genommen und verbüßte auch drei Tage von einer Gefängnisstrafe, die einer Dienstmagd aus Rhede, früher in einem Orte bei Münster in Stellung, zuerkannt war. Wenn auch die Verkettung verschiedener Umstände hier mlldernd in Betracht gezogen werden muß, so hätte doch eine sofortige Prüfung der Angaben der Inhaftierten den bedauerlichen Irrtum aufgeklärt. Nach drei Tagen wurde die Kl. wieder aus dem Gefängnis entlassen. Daß eine Tienstmagd nicht juristisch genaue Angaben macht, die geeignet sind, den Mißgriff sofort auszuklären, darf doch wohl nicht als Veranlassung betrachtet werden, daß man seitens der Behörde es nicht für nötig findet, dem Opfer der Nameiiverwechftlung irgend eine Art der Genugthuun^- zu getoäljren. Wenn die Dienstmagd Antje Kl. auch eine wenig befähigte Person ist, der Wert der persönlichen Freiheit ist bei beiden gleich hoch zu schätzen. Das „B. T." weiß noch zu berichten, daß das zuständige Landgericht es abgelehnt hat, den betreffenden Amtsrichter zu rektifizieren, beziehungsweise der unschuldig Festgenommenen eine Entschädigung zu gewähren. Eine Affaire, die die Notwendigkeit der Entschädigung unschuldig Verhafteter darlegt, hat sich in unserem Lande zugetragen, wo bekanntlich wiederholt von der Volksvertretung dieser Wunsch im Landtage zur Sprache gebraust worden ist. Der Schachtmeister Kümmel von Bleichenbach (Kreis Nidda) kam durch boshaftes und leichtfertiges Gerede in den Verdacht, er habe Lohn betrüge, die er an ihm unterstellte Arbeiter anszuzahlen hatte, ein- behalten und die Einträge gefälscht. Deshalb wurde er verhaftet, sechs Wochen lang gefangen gehalten und bann, da kein Zeuge etwas gegen ihn ernstlich Belastendes aussagen konnte, freigelassen. Der Mann ist also sechs Wochen feiner Freiheit beraubt gewesen, er hat feine Stelle verloren, die anderweit besetzt ist, er ist infolge der Aufregungen erkrankt und hat daher auch keine neue Stellung erhalten, und nun sind feine Ersparnisse nahezu aufgebraucht, dann kann er hungern, denn Entschädigung giebts nicht. Wir wissen, daß die hessische Regierung der Entschädigung unschuldig Verhafteter durchaus wohlwollend gegen» übersteht, wir wissen aber auch ferner, und teilten es bereits mit, daß diese Angelegenheit reichs gesetzlich er Nebelung unterliegt, auf deren schleunigste HerbeifüAung wir immer und immer wieder dringen müssen. Getreidezölle auf Zeit? Preußisches Abgeordnetenhaus. Zweite Etatsberatung, Domänenetat. LandwirtschastS- minifter v. Podbielski führt aus, dem Großgrundbesitzer gehe es noch lange nicht so schlecht wie dem mittleren bäuerlichen Grundbesitz, der auf fremde Arbeit angewiesen sei. Wer für diesen em Herz besitze, der müße das Bestreben haben, ihn im Kampfe um die Scholle zu unterstützen. — Abg. Hirsch (frs. Vp.) glaubt nicht, daß die Notlage der Landwirtschaft so groß sei. Die Landwirte wollten ihre Renten nur auf Kosten der Arbeiter erhöhen. Landwirtschastsminister v. Podbielski erwidert, es gebe Tausende von Besitzern, denen es schlechter gehe als den Arbeitern. Er sei kein Anhänger einer absoluten Erhöhung der Zölle auf Brotgetreide, er halte sie nur vorübergehend für erforderlich, bis die Landwirtschaft selber wieder im Stande sei, den Wettbewerb aus eigener Kraft wieder aufzunehmen. Der neue Zolltarif sei in der vorliegenden Gestalt eine wesentliche Verbesserung gegen die bisherigen Tarife; er hege die berechtigte Hoffnung, daß man sich auf gemeinsamer Basis zusammensinden werde in der rechten Politik, die nicht auf Haß, Neid und Mißgunst aufgebaut sei. Abg. v. Savigny (Zentr.) erklärt, die Not der Landwirtschaft erheische sofortige ausgiebige Hilfe; die Anschauung, daß der Zolltarif dieselbe voll und ganz gewähre, halle er nicht für zutreffend. — Abg. Crüger (frs. Vp.) wendet sich gegen verschiedene Ausführungen des Ministers. Der Minister erwidert, er bescheide sich gern vor diesen weisen Männern, die viel gelernt, in der Praxis aber noch nichts geleistet haben. „Der Vorredner meinte, ein Landwirt werde vor die Wahl gestellt, doch lieber Landwirt bleiben als Arbeiter werden. Das ist es ja eben, was mir den Landwirt so lieb und wert macht. Ich freue mich stets über ihn, der an der Scholle festhält. Er wird nicht in das Lager derjenigen übergehen, die eigentlich heimatlos geworden sind, jene vibrirende Masse, die Ihnen heute Hosiannah singt und Sie morgen mit Steinen schmeißt. Aber Sie, die Sie durch eine etwas blau angelaufene städtische Brille das Land betrachten, können ja kein Verständnis dafür haben." — Abg. Dr. Barth (frs. 93g.) führt aus, die Getreidezölle dienten den ft a p i» talisten, nicht den anderen Landwirten. „Wir sind Vertreter des landwirtschaftlichen Gewerbes, Sie die der landwirtschaftlichen Kapitalisten." (Stürmische Heiterkeit.) — Landwirtschaftsminister v. Po dbielski erwidert, er wolle dem Vorredner nicht wünschen, daß ihm durch Erbfall ein Gut zufalle; er würde mit Theorie und Wissenschaft nicht weit kommen. „Sie hassen das platte Land, weil sie dort Ihre politischen Interessen nicht ausüben können!" (Großer Lärm.) Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert. Wenn Sie sagen, Sie wollen billiger einkaufen, als zu produzieren ist, was ist das anders, als ein Vorenthalten des Lohnes? Stellen Sie sich auf gesunden Boden, da werden wir uns zusammensinden; aber mit der Theorie hat man noch nie einen Hund hinter dem Ofen heroorgelockt. * » In agrarischen Kreisen muß die Aeußerung des Ministers v. Podbielski, er werde sich bemühen, die hohen landwirtschaftlichen Zölle nur so lange zu halten, bis die Landwirtschaft wieder konkurrenzfähig geworden sei, nicht geringes Erstaunen Hervorrufen und beunruhigend wirken. Die Andeutung des Herrn v. Podbielski von dem Getreidezoll „aus Zell" wirft ein ganz neues Moment in die zollpolitische Diskussion, und es ist kaum anzunehmen, daß durch diesen Hinweis die von der Regierung in Aussicht genommenen landwirtschaftlichen Zollsätze der Rechten verlockender gemacht werden. Deutsches Keich. Berlin, 23. Jan. Der Kaiser empfing gestern vormittag im Schlosse den großbritannischen Botschafter Lascelles. Gestern nachmittag hatte der Kaiser eine längere Besprechung mit dem Reichskanzler und besuchte darauf den Botschafter Lascelles. — Der Kaiser wird mit bcm Prinzen von Wales nach den bisher getroffenen Bestimmungen am Sonntag nachmittag das 1. Garde-Dragoner Regiment in seiner Kaserne besuchen und im Offizier-Kasino das Frühstück einnehmen. — Einer Kus Newyork eingetroffenen Kabeldepesche zufolge werden an dem Bankett, das die amerikanische Presse dem Prinzen Heinrich im Hotel „Walborf-Astoria" geben wird, neunhundert Herausgeber und Chef-Redakteure teilnehmen. — In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurde folgenden Ausschußberichten die Zustimmung erteilt: Dem Ausschußbericht über den Entwurf einer Verordnung wegen Beaufsichtigung heffi scher und bremischer privater Versicherungsuiitcruehmungeii, den Ausschußberichten über a. Vorlage betreffend Ergänzung der Nr. 26 Anlage b._ zur Eisenbahn-Verkehrsordnung durch Ausnahme von Bleiasche, Bleikräße, Bleirückständen und sonstigen bleihaltigen Abfällen; b. Entwurf eines Sonderabkom- Mens zwischen der deutschen und österreichischen Regierung zum internationalen Uebereinkommen über den Ersenbahn- srachtverkehr für die deutfch-öfterreichischien Verkehre; den Ausschußberichten über die Vorlage vom 14. Dezember 1901 betreffend Abänderung der Statuten der mecklenburgstrelitz- schen Hypothekenbank zu Neustrelitz, den Ausschußberichten über die Vorlagen betreffend a. Ldisprägung von Kronen; b. Ausprägung von Reichssilbermünzen: c. Umlauf der luxemburgischen Scheidemünzen innerhalb der deutschen Grenzbezirke, beit Ausschußberichten betreffend den Gesetzentwurf wegen Feststellung des Landeshaushalts-Etats von Elsaß-Lothringen für das Rechnungsjahr 1902 und dem Ausschußbericht über die Vorlage vom 30. Dezember 1901 betr. Prüfung der Apothekergehilfen. Guben, 23. Jan. Bei der Lan d t a gs er satz w ah l im 7. Wahlkreis Sorau wurden für den Rittergutsbesitzer Schön-Breslau (kons.) 340, für Buchdruckereibesitzer König- Guben (natl.) 321 Stimmen abgegeben. Ersterer ist mithin gewählt. Mannheim, 23. Jan. Arbeitersekretär Simon Katz en ft ein hat nach dreijähriger Thätigkeit sein Amt zum 15. Mai d. I. niedergelegt, obwohl er von der kombi-i liierten Telegiertensitzung des Gewerkschaftskartells mit großer Majorität wiedergewählt worden war. An Stelle Katzensteins wurde nunmehr Redakteur Müller zum Arbeitersekretär gewählt. Ausland. London, 23. Jan. Nach einer Depesche aus New- Aork wurde das Staats-Departement benachrichtigt, daß Prinz Heinrich bis zum 11. März in Amerika bleiben werde. — Der Schah von Persien, der den Krönungsfeierlichkeiten hier beiwohnen wird, wird auch Paris besuchen, und in einem französischen Badeorte sich einer Kur unterwerfen. Der Schah verläßt Persien mit 5. Mill. Francs- Paris, 23. Jan. i der heutigen Vormittagssitzung wurde über Subvention für die katholischen Missionen im Orient beraten. Dejeante verlangt Streichung dieses Kredits, der nach dem Anträge der Kommission auf 100 000 Frcs- herabgesetzt werden sollte. Del- casse tritt für das betreffende Kapitel des Budgets ein. Mas wir im Orient und im äußersten Orient anstreben, erklärt der Minister, ist die Verbreitung der französischen Sprache. Vergessen wir also nicht, daßwir der Religion unserenCinflußverdanken. Die Subvention wurde darauf bewilligt. Wien, 23. Jan. Die Trauung der Erzherzogin Elisabeth mit dem Prinzen Otto Win di sch grätz hat heute in der Josephskapelle der Hofburg im Beisein des Kaisers, sämtlicher Erzherzöge und des Gräflich Lonyay- schen Paares stattgefunden. Nach der Trauung wurde das neuvermählte Paar vom Kaiser in Audienz empfangen, worauf ein Dejeuner stattfand. Sodann trat das junge Paar seine Hochzeitsreise an. Belgrad, 23. Jan. Meldungen über die Thronfolge in Serbien werden offiziell als müßige Kombinationen bezeichnet. Konstantinopel, 23. Jan. Der Vertrag betr. die Bagdadbahn ist nunmehr auch von den beteiligten Parteien unterzeichnet und aus getauscht worden. — 23. Jan. In der Nähe von Kotschana im Villajet Kossowo kam es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen bulgarischen Banden und türkischen Truppen, wobei 10 Bulgaren getötet wurden. Die Unruhen in Armenien dauern fort. New-Aork, 22. Jan. Das Presse-Bankett wird voraussichtlich am 26. Februar aus Anlaß! der Anwesenheit des Prinzen Heinrich von Preußen -in New-Pork stattsinden. Hervorragende Vertreter der Presse werden gebeten, Reden, in englischer Sprache, wie es in der „Newy. Staatsztg." heißt, zu halten. Auch Prinz .Heinrich wird sich der englischen Sprache bedienen. Vom Bureukrieg. Aus Pretoria meldet Reuter: Vor einigen Tagen wunde ein Trupp von 35 Eingeborenen, der bei Lindequesprutt unter Eskorte von 25 Mann Reichsyeomanry zum Grasschneiden auf dem Felde war, von 150 Bu reu überrascht. Die Abteilung hat nach tapferem Widerstande, wobei sechs Buren getötet und vier verwundet wurden, sich der Ueberzahl ergeben. Die Engländer verloren einen Toten und sieben Verwundete, außerdem wurden vier Eingeborene, die unbewaffnet waren, nachher von den Buren erschossen. — Eine offenbar zu Gunsten der Engländer zugestutzte tendenziöse Nachricht von einer neuen kleinen Schlappe britischer Truppen. Der zum Ausdruck gebrachten Vermutung, der tapfere Bärenführer Scheepers sei noch nicht hingerichtet worden, ist jetzt im englischen Parlament kaltlächelndvon ministerieller Seite widersprochen worden. Im Unterhause erklärte am 23. d. M. Kriegsminister Brodrick, Scheepers sei hingerichtet worden, nachdem er überführt war, grobe Vergehen gegen den Kriegsgebrauch begangen zu haben. Er ließ u. a. sieben Eingeborene morden und einen Weißen durchpeitschen. Es ist Thatsache, daß er Kriegsgefangener gewesen sei, das schließe nicht einen Prozeß wegen Mordes und sonstiger Vergehen gegen die Kriegsgesetze aus. M c Laren fragt, ob im Juli 1901 oder zu anderer Zeit seit den Unterhandlungen zwischen Kitchsner und Botha Vorschläge zur Beendigung des Krieges direkt ober indirekt irgend einem Kabinettsmitgliede namens der Burenführer gemacht worden seien. Balfour: Nein. Es sei kein derartiger Vorschlag der Regierung von irgend jemand zuge- g an gen, der im stände sei, namens der Führer der Buren- streitkröfte zu sprechen. Aus Stadt und Land. «Der Abdruck der unter dieser Rubrik beftndtichenOriginal-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, 24. Januar 1902. * * Landgerichtsdirektor Ludwig Zöckel t- Gestern nachmittag, kurz nach 3 Uhr, starb der bereits feit längerer Zeit leidend gewesene Landgerichtsdirektor Jöckel. Er hat ein Alter von 65 Jahren erreicht. Geboren zu Ortenberg, bestand er int Frühjahr 1858 die juristische Fakultätsprüfung in Gießen und im Herbst 1861 die Staatsprüfung im Justiz- und Verwaltungsfach. Er absolvierte dann den Acceß bei dem damaligen Landgericht Orten berg und wurde am 19.April 1866 zum Teilungskommtssär in der Angelegenheit betr. Hvlzberechtigung der Einwohner zu Gedern in dem Gräfl. Stolberg'schen Revier zu Gedern bestellt. 1867 wurde er beim Landgericht Altenstadt verwendet und durch Allere höchstes Dekret vom 21. Oktober 1868 zum Staatsanwalt- Substituten bei dem Bezirksstrafgericht Ortenberg ernannt. Seit 1. März 1873 wurde er als Staatsanwalt-Substitut an das Bezirksstrafgericht Alsfeld und durch Allerhöchstes Dekret vom 3. April 1877 als solcher an das Bezirksstrafgericht Gießen versetzt. Seit dem 18. Juni 1879 wirkte er beim Landgericht der Provinz Oberhessen als Staatsanwalt. Am 2. April 1880 wurde er Landgerichtsrat, am 7. August 1886 Erster Staatsanwalt beim Landgericht der Pryvinz Oberhessen, und am 10. Oktober 1894 zum Landgerichtsdirektor bei diesem Gericht ernannt. * * Beisetzung. Gestern Nachmittag wurde der so jäh aus dem Leben gerissene Agent Georg Balser zur letzten Ruhe bestattet. Unter den Klängen von Trauermärschen bewegte sich der Leichenzug vom Sterbehause in der Göthe- straße nach dem Städtischen Friedhof. Auch der Geselligkeits-Verein Bavaria, der Schützenverein und der Turnverein, denen der Verstorbene lange Jahre als Mitglied angehört hat, gaben ihm das letzte Geleit. Die Grabrede hielt Pfarrer Dr. Naumann, der in ergreifende Worten von dem tragischen Geschick des erst im 41. Jahre stehenden Hingeschiedenen sprach, der ein seltenes Muster von Pflichttreue, Kindes- und Bruderliebe war. Am Schluß der Trauerfeier legten Vertreter der drei Vereine Kränze am Grabe des so früh aus ihrer Mitte gerissenen Freundes und Vereinsbruders mit herzlichen Worten des Abschieds nieder. * * Hessische Laudeslotterie. Bei der heute stattgehabten Ziehung der 6. .Klasse fiel der Hauptgewinn von 200 000 Mk. auf Nr. 33 806 (W. Meyer-Offenbach), ein Gewinn von 20000 Mk. auf Nr. 36 154 (Offenbach), 3 Gewinne ä 10 000 Mk. auf Nr. 4038 (Jughardt u. Balser-Gießen), 39 968 (Mainz), 43 141 (Mainz). 2 Gewinne ä 5000 Mk. auf Nr. 2612 (Mainz), 14 039 (Buchacker-Gießen). Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 48 963 2728 3060 3310 6224 7306 7545 9006 9425 11635 13294 14329 16524 16545 16855 17769 19152 20543 23479 23653 23943 24369 25088 28166 30866 31630 33394 34162 37696 38918 40687 42512. Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 1407 4113 5027 6883 7697 7913 11162 11383 12851 17455 20132 21640 21863 22151 23324 23536 25513 26733 28659 29709 30508 32644 32964 33118 37717 38198 39571 40421 41543 43627 44866. Gewinne von 1000 Mk. auf Nr. 105 1737 2338 3499 3479 3768 6508 7331 7339 8522 9173 9323 9766 10287 10303 11120 12232 12843 12871 13074 15083 16202 16848 17319 18327 18671 19949 20958 21023 21460 24344 25032 25076 25327 25809 27735 28720 28984 30182 30804 31751 32925 33069 33938 34872 35631 36196 37493 38054 38268 39118 39738 39855 40331 40513 42189 42325 42523 43108 43701 43900. (Ohne Gewähr.) * * Maskenball. Der Verein „Edelweiß* feiert am Sonntag, wie wir bereits im Anzeigenteil mitteilten, in Steins Saalbau einen Maskenball. Allerlei Ueberraschungen sind für den Abend vorgesehen. Außer einer farbenprächtigen Bajazzogruppe wird u. a. eine „Marktszene am Viadukt" und eine China-Nummer (ausgeführt von zwei Parterre- Akrobaten) den Beschauern vorgeführt werden. * * Die bekannte Annoncenexpedition G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Kaiserstraße 8, 10 und 10a hat wie alljährlich für das Jahr 1902 wiederum einen Ze itu n gs- Katalog herausgegeben. Der Katalog liefert für den Geschäftsverkehr zwischen Preffe und Publikum den Inserierenden eine recht gediegene und wertvolle Handhabe. Er ist auch diesmal in der bereits erprobten Form der Schreibmappe gehalten und kann durch seinen eleganten, geschmackvollen Einband als Zierde jedes Schreibtisches gelten. Inhaltlich ist er gegenüber der vorjährigen Ausgabe in anerkennenswertester Weise erweitert worden. Auch hat er wiederum durch Beifügung eines Kalenderkatalogs eine willkommene Ergänzung erfahren. Der neue Zeitungskatalog kann jedem Inserenten als schätzenswerter Berater angelegentlichst empfohlen werden. T Lollar, 23. Jan. Am Sonntag fand die ordentliche Generalversammlung der hiesigen freiwilligen Feuerwehr statt, in der die satzungsmäßigen Neuwahlen vorgenommen wurden. Der Gründer und Hauptmann des Korps, Ingenieur Fehler, der es nahezu 26 Jahre führt, wurde einstimmig wiedergewählt, ebenso feine Stellvertreter, die bisherigen Obleute und Beisitzer. Das Korps zählt 150 aktive und 10 passive Mitglieder und dürfte wohl das stärkste in den Landgemeinden Oberhessens sein. Butzbach, 22. Jan. Unter dem Vorsitz der Frau Realschuldirektor Jäger, des Medizinalrats Dr. Vogt und des Kaufmanns Gustav Vogt hat sich hier eine Sektion des „Deutschen Schuloereins" gebildet. Es unterzeichneten bis jetzt gegen 180 Damen und Herren eine in Umlauf gesetzte Liste. Für Anfang März ist ein solenner deutscher Abend in Aussicht genommen. Bad Nauheim, 22. Jan. In der gestrigen Gemeinderatssitzung kam der Voranschlag pro 1901/02 zur Vorlage. Der Bürgermeister gab eine Uebersicht über den jetzigen Stand der Einnahmen und Ausgaben pro 1901/02, wonach zur außerordentlichen Ausgabe noch 252 000 Mk. nötig sind. — Darauf wurde der Entwurf zum Voranschlag pro 1902/03 beraten. Man beschloß die Aufnahme einer 31/, prozentigen Anleihe von 1 Million Mark. Aus derselben sollen gedeckt werden: 1. die notwendigen 252 000 Mk., 2. die in kleineren Kapitalien bis jetzt geliehenen 300 000 Mk., 3. die pro 1902/03 erforderlichen außerordentlichen Ausgaben. Der Rest soll alsdann zinsbringend angelegt werden. Is. Schotten, 23. Jan. In der vorigen Woche wurde aus der Herberge hier ein verdächtiges Individuum verhaftet. Man glaubt in ihm den Mörder der Lehrerin in Frankenthal erwischt zu haben, denn er hat drei Finger der linken Hand verbunden. Die Wunde soll sich die Bestie beim Zertrümmern der Korridorscheibe zugezogen haben. Durch das Verhör soll bereits festgestellt sein, daß die Papiere des Verhafteten gefälscht sind, und daß er an dem Tage, an dem das scheußliche Verbrechen begangen wurde, in der Gegend von Frankenthal gewesen ist. i. Laubach, 23. Jan. Mittwochabend sprach hier der Burenkämpfer Butz, ein geborener Württemberger. Er mar durch einen Schuß in Elandslagte verwundet und dadurch kampfunfähig geworden. Die überaus zahlreiche Versammlung lauschte auf seine ergreifenden Ausführungen, er schilderte den Charakter der Buren, die Verhälmsse ihres Landes und die Schniach des Krieges so begeistert, daß er oft von lautem Beifall unterbrochen mürbe. Eine am Schluffe veranstaltete Sammlung ergab 74 Mk., die an die Zentrale in München gesandt wurden. Die von Kammerrat Bröckelmann in der Stadt mittels Sammelliste veranstaltete Sammlung für die Buren hat schon den Betrag von 300 Mk. überschritten. x Aus dem Vogelsberg, 23. Jan. Die verschärften Polizeunaßregeln gegen die Zigeunerplage im Verein mit dem energischen Vorgehen der Gendarmerie, die in richtiger Weise Repressalien gegen die von den Horden ausgeführten Diebstähle zu ergreifen wußte, haben ihre Wirkung auf die braunen Gesellen geübt. Seit den Diebstählen in Ortenberg, Ober-Ohmen, Groß-Felda u. a. sind sie aus unserer Gegend verschwunden. Sie müssen jedenfalls von den strengen Maßregeln gegen sie Wind bekommen haben. b. Darmstadt, 23. Jan. Wie man uns mitteilt, stehen in der hessischen Justizverwaltung größere Personalveränderungen bevor. So verlautet, daß Oberlandesgerichtspräsident Conradie in den Ruhestand treten werde und der Präsident des Landgerichts Viainz, Dr. Lip- pold zu seinem Nachfolger ausersehen sei. An Stelle des letzteren würde der Oberland es g er ich tsrat und Vortragende Rat im Justizministerium, Dr. Hangen, treten. 8. Darmstadt, 23. Jan. Gegen den Bahnwärter Offen- thal in Reisen i. O. ist wegen Kafsendefraudation Untersuchung eingeleitet worden. — In der Samenhandlung und Klengeanstalt von Konrad Appel brach heute nachmittag gegen 2 Uhr Großf euer aus. Es brannte in einem der Samentrockenräume (Klenge). Den Bemühungen der Feuerwehren gelang es, den Brand nach einstündiger Thätigkeit, auf seinen Herd zu beschränken, sodaß die übrigen sehr gefährdeten Räume gerettet wurden. Die Firma ist versichert. Pfeddersheim, 23. Jan. Eine Mordafsaire setzte gestern vormittag unseren Ort in Aufregung. Dort lebte der Schlossergeselle Valentin Seiler mit seiner Frau in sehr schlechter Ehe und der Schluß war eine Scheidungsklage, die gestern vormittag am Amtsgericht in Pfeddersheim zur Verhandlung stand. Seiler traf nun seine Frau auf der Frankenthaler Straße, nahe beim Amtsgericht, und feuerte aus einem Revolver einen Schuß aus sie ab, ohne jedoch zu treffen- Die Frau flüchtete zu in der 'Nähe befindlichen Arbeitern- Einer derselben, mit Namen Werner, wollte dem- Seiler den Revolver entreißen, wurde aber dabei durch einen weiteren Schuß, allerdings nur unerheblich, verletzt- Seiler richtete den Revolver nun auf sich selbst und schoß sich zweimal in den Kopf, ohne tätlich verletzt zu werden- Dann brachte er sich mit seinem Messer eine schwere Verwundung am Halse bei und stürzte bald darauf besinnungslos nieder: Auf ärztliche Anordnung sollte der Schwerverletzte, den man zunächst ins Amtsgerichtsgebäude brachte, nach.Worms ins Krankenhaus transportiert werden, starb aber bereits auf dem Wege dorthin- Frankfurt, 23. Jan. Ueber den Kampf zwischen dem Metzger Eckert und drei Schutzleuten, von dem wir bereits gestern telegraphisch berichteten, werden folgende Einzeilheiten mitgeteüt- Nachts gegen IV2 Uhr wollten die Schutzleute Baron und Kuhn, in der Nähe des städtischen Schwimmbades eine Dirne festnehmen. In die Angelegenheit mischte sich ein Dritter, der frühere Metzger Eckert, der sich als Beschützer der Dirne zu erkennen gab- Beide wurden mit auf die Wache des ersten Polizeireviers, Johanniterstraße 16, genommen- Schutzmann Baron hatte sich an den Tisch der Wachtstube gesetzt, und protokollierte die Aussagen. Als er im Begriff war, aufzustehen, sprang der Zuhälter, der bis dahin sich ruhig verhalten hatte, auf den Beamten zu und versetzte ihm von hinten über die Schulter hinweg einen Messerstich in die Brust, der die Lunge verletzte. Der Schutzmann schrie auf und sank bewußtlos zur Erde- Sofort sprang der Schutzmann Baumann seinem Kollegen zu Hilfe, aber auch er wurde von dem Zuhälter durch Messerstiche in den Oberarm und in die Hände so erheblich verletzt, daß er ebenfalls kampfunfähig wurde und das Bewußtsein verlor- Ein dritter Schutzmann, Kuhn, hatte inzwischen blank gezogen und machte den Angreifer kampfunfähig- Eckert wurde dabei ebenfalls verletzt- Der Rettungswagen brachte später che beiden Schutzleute nach dem Heiliggeisthospital, während der Angreifer ins städtische Krankenhaus kam- Das Befinden des Schutzmann Baron giebt zu Bedenken Anlaß. Auch.Schutzmann Baumann ist schwer verwundet; eine Hand nebst den Fingern ist so verletzt, daß sie möglicherweise verloren ist. Die Wunden des Angreifers haben sich als ungefährlich erwiesen; er konnte bereits vom Krankenhaus dem Gefängnis zugeführt werden- Frankfurt a. M., 22. Jan. Der Frhrl. Karl von Rothschild'scheu öffentlichen Bibliothek wurden 3500 Bände aus dem Nachlaß des Frhrn. Adolf von Rothschild von den Erben als Geschenk überwiesen. Diese Sammlung enthält hauptsächlich französische Litteratur, speziell Ausgaben aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ferner italienische, spanische und englische Litteratur, topographische Reise- und Kostümwerke, auch Musik. Etwa vier Fünftel dieses Zuwachses sind vortrefflich gebunden. Alle Werke sind bereits im Nominalkatalog verzeichnet und benutzbar. Gleichzeitig erhielt die Anstalt von Baron. Henri de Rothschild in Paris noch 270 Bände aus dem Nachlaß der Baronin Nathaniel de Rothschild. Handel und Uerltchr. Volkswirtschaft. Darmstadt, 23. Jan. Die S ii d d e u t s ch e Eisenbahn» Gesellschaft rüst auf den 28. Februar eine außerordentliche Generalversammlung ein behufs Genehmigung des Vertrages mit der Stadt Darmstadt und Bildung eines Eisenbahnkonsortiums für die Nebenbahnen sowie Ermächtigung, die notwendigen Geldmittel bestmöglich zu beschaffen. Frankfurt a. M., 23. Jan. Tic Deutsche Esfekteu- und Wechselbank hielt heute vormittag eine außerordentliche Generalversammlung ab. 20 Aktionäre vertraten 12 038 Aktien und 1200 Stimmen. Der Antrag der Verwaltung, das Aktienkapital mit Rücksicht auf die allgemeine Depression von 30 Millionen auf 24 Millionen herabzusetzen und zwar durch Ankauf von Aktien, mürbe einstimmig per Aeelamation angenommen. Frankfurt a. M., 23. Jan. Die vor kurzem übernommene Anleihe der Stadt Frankfurt a. M. wird am 29. ds. Mts. zur Subskription gestellt bei dem Bankhaus Lamrd Speyer-Ellissen in Frankfurt a. M. und bei Mendelssohn u. Eo. und der Berliner Handelsgesellschaft in Berlin. Ter Emissioirsknrs betragt 98,40. Effen a. b. Ruhr, 23. Jan. Wie die „Rh.-Wests. Ztg." meldet, gelangen gemäß der den Verbaudszechen des Kohlen- syilditats erteilten Abrechnung für den Dezember wiederum 6 Prozent Umlage zur Erhebung. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag Septuagesimä, den 26. Januar. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrassistent Vogt. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MatthäuSgememde. Psarrassistent Vogt. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Marrus- gemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Montag den 27. Januar, zur Feier des Geburtstages Lr. Majestät des Kaisers. „ Vormittags 10 Uhr: Bereinigter Zivil- uud Militär gottcodieust. Pfarrer Dr. Grein. Donnerstag den 30. Januar, abends 8 Uhr, im oberen Konfirmandensaal (Kirchstraße 9): Bibelstunde. Psalm 46. Pfarrer Schlosser. In der Johauneskirche. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Tr. Staumann. Vormittags 11 Uhr: Kinderaottesdiensl für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Abends 5 Uhr: Siehe Stadkirche. Montag, den 27. Januar, abends 8 Uhr, B i b e l st n n d e im Konfirmanoensaal der Johanneskirche. Johannesevangelium Kap 14, von Vers 7 an: Die besten Tröstungen auf dem Weg zum Wiedersehen. Pfarrer Dr. N a u m a n n. Soimtag den 2. Februar, findet Beichte und hell. Abendmahl für die Lukas- und die I o h a n n e s g e m e i n d e im Abendgottesdienst statt. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer leder Gemeinde erbeten. Katholische Gemeinde. Samstag den 25. Januar. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 26. Januar. S e p t u a g e s i m a e. Vormittags von 6‘/. Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. w „ 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. „ „ 91/. Uhr: Hochamt mit Prediat. Nachmittags um 6 lchr: Christenlehre; daraus Andacht. Am Geburtstage S r. Majestät des Kaisers, Montag den 2 7. Ja nuar, Vormittags u m 9Uhr, Militärgottesdienst. FIT— ■— '■ 1 । - । Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ein Gießener Mitglied des hessischen Landesvereins für Toten-Einäscherung erlaubt sich an die zuständige städtische Behörde die Anfrage, wie weit nunmehr der P l an zur Erbauung einesKrematoriums auf dem neuen Fried- Hofe im Schoße der hierfür eingesetzten Kommission der Stadtverordnetenversammlung gediehen tft -t- Die durch unseren Ort ziehende Kreisstraße befindet sich, im oberen Teile des Ortes, in einem Zustande, daß sie bei Regen- roetter kaum zu panieren ist. In Trimeren Zähren rouroc oct anhaltender, nasser Witterung der Schmutz zeitweise zusammengekratzt; jedoch scheint man hiervon abgekommen zu fein., Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, daß die Straße schleunigst tn einen für yuy= ganger passierbaren Zustand gesetzt wird. Lollar, den 23. Januar 1902. -to- Neueste Meldungen. Oviginaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 24. Jak». Die Anträge der sozialdemokratischen Mitglieder der Zolltarif-Kommission auf Aufhebung der Salzsteuer, der Branntweinsteuer, der Export- Prämien für Branntwein uud Exportprämien für Zucker sind eingebracht. Ferner beantragen sie, den Bundesrat zu ver- pflichten, die Zölle auf Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Hülsen- früchte, Lupinen, Malz uud Mais aufzuheben, sobald die Ver- kaufspreise die im Anträge Kan-.tz aus dem Jahre 1894 fest- gelegte Höhe erreicht haben. — Rach dem § 10 des Zollgesetzes beantragt das Zentrum, einen Paragraphen folgenden Inhalts einzuschalten: Die Erhebung von Gemeiudeadgaben auf Nahrungsmittel, welche nach d-esem Gesetze und dem nachstehenden Zolltarif bei der Einfuhr zollpflichtig sind, ist untersagt. Dieser Antrag dürste Annahme finden, da auch die Sozialdemokraten und Freisinnigen ihm zustimmen werden. Bückeburg, 24. Jan. Bei der gestrigen Reichstags- Ersatzwahl in Schaumburg-Lippe erhielt Graf Reventlow (kons.) 3074, Architekt Temmig (freis. Volksp.) 3002 und Reichenbach (Soz.) 1614 Stimmen. Die Resultate von einigen Ortschaften stehen noch aus. Es wird zur Stichwahl zwischen Gras Reventlow und Dommig kommen. Paris, 24. Jan. Die Sicherheitsbehörde stellte fest, daß in den Eentralproviantmagazinen der Pariser Garnison seit längerer Zeit bedeutende Unterschleife ausgedeckt wurden. Dem „Journal" zufolge sind 10 Unteroffiziere und mehrere Kaufleute in die Sache verwickett. Sie wurden verhaftet. Frankfurt a. M., 24. Jan. Gestern fand im Sa.al- 6au eine Frau en-Versammlung statt. Lange vor Beginn war der Saal besetzt, und viele mußten umkehren. Nachdem die Vorsitzende des Allg. deutschen Frauenvereins, Frau RosalieTeblee, die Versammlung begrüßt hatte, ergriff Pfarrer Julins Werner das Wort, um zwei junge Mädchen aus Transv aal vorzustellen. Fräulein Vera de Villiers schilderte das Familienleben der Buren, deren Liebe zu ihren Kindern und die Erziehung der dortigen Jugend. Während einer Pause wurde eine Teller- Sammlung veranstaltet, welche nahezu 850 Mark ergab. Hierauf sprach Fräulein Estella de Villiers über tue Leiden und Entbehrungen der Burensrauen und Kinder in den K o n z e n t r a t i o n s l a g e r n. Direktor Dr. Horn begründete eine Resolution von vier Punkten, worin den Buren das Mitgefühl ausgesprochen wird, die englischen Frauen aufgefordert werden, für den Frieden zu wirken. die englische Negierung ersucht wiro, die Konzentrarwnvb« lager in gesündere Gegenden zu verlegen, und die deutschen Frauen ausgefordert werden, Gaben für die Gefangenen zu spenden. Rom, 24. Jan. Stüdenten-Unruhen alarmier ten gestern die Stadt. Ein starkes Polizei-Aufgebot vor der Universität und eine Kompagnie Soldaten vor dem Ministerium des Innern und des Unterrichts flößten jedoch den Studenten solchen Respekt ein, daß schwere Ausschreitungen nicht oorkamen. Sie begnügten sich mit A Basso-Rusen auf den Rektor und bestürmten den Unterrichtsminister mit Deputationen, die einen sehr kühlen Empfang hatten und nichts erreichten. Die Universität ist auf unbestimmte Zeit geschlossen worden. Wien, 24. Jan. Blättermeldungen zufolge hat der Erzbischof von Wien vor kurzem dem Kaiser ein Memorandum überreicht, in dem er sich über die laue Haltung der Regierung gegenüber der anti-katholischen Bewegung der Alldeutschen, insbesondere gegenüber der „Los-von- Rom"-Bewegung, bitter beklagt und die Hilfe des Kaisers anruft. Der Kaiser habe das Memorandum entgegen genommen, aber sofort betont, daß er die bisherige Haltung! des Ministeriums als korrekt bezeichnen muffe. Der. verfassungsmäßige Boden dürfe nicht verlassen werden unbi nur da, wo offenkundige Gesetzes-Verletzungen in der Agi-i tation zu Tage treten, sei die Regierung in der Lage, ein-, zuschreiten. Das habe die Regierung bisher gethan. Eine Aenderung dieser Taktik sei unthunlich. Newyork, 23. Jan. Von dem Arrangements-Komitee in Washington wurde gestern eine Erweiterung des Reise- Programms des Prinzen Heinrich in Gestalt einer Eilfahrt durch be^n Westen besprochen, um ben stündlich sich mehrenden Einladungen zu entsprechen. Die Studenten der Harvard-Universität rüsten sich zu einem großartigen Empfange, seitdem der Besuch Bostons sicher scheint. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. M., 24. Januar. 8Ve% Reicheanleihe 30/, do. . . 3V,0/e Konsole . . . 3°/o do. .... 3*/2°/n Heesen . . . 3% Hessen .... 4% Oesterr. Goldrente 4'/s% Oesterr. Biiberrente 4% Ungar. Goldrente . 4°/o Italien. Rente . . 4*/2% Portugiesen < . .->0/ Portugiesen . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose..... . 101.75 I 8J/o Mexikaner . . . 91.25 1 41/2 k Chinesen . „ . 101.60 . 91.25 . 100.00 ' 102*75 100.70 . 101.00 . 100.50 . 42.05 . 27.05 . 27.60 . 106.80 Electric. Bel ackert . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresd' n*r Bank . . Ber iner Handelsges. Oesterr. Staatobahn , Lombarden . . Gotthar ibahn . . . Laurahütte . , . . Bochum . . . , . 4% Grieoh. Monopo 1-Anl 4xk% äussere Argentiner 42.00 Harpener Tendenz: ruhig. . 26.85 . 88.55 . 120.50 * 205*10 . 185.90 . 131.30 . 136.50 . 144.20 . 143 00 . 20.10 . 179.80 . 199.50 . 186.50 . 163.75 Verknus voll PllMlstämeii und Reifer». Die an der Kreisstraße Daubringen - Alten-Buseck gefällten Pappeln, 92. Stück im Meßgehalt von 49,14 fm, sowie 24 Hausen Reiser werden am Mittwoch, 2D. Januar L Js., nachmittags 1 Uhr, an Ort und Stelle meistbietend verkauft. Gießen, 23. Januar 1902. Der Großh. Kreisbauinspektor ________Stahl. 790 Hostversteigerung Mittwoch den 29. d. M. soll in dem hiesigen Gemeindewald, Distr. Heegheck, solgendes Holz versteigert werden. 364 rm Buchen-Scheitholz, 80 , „ Knüppel, 3000 Buchen-Wellen, 80 rm Buchen-Stöcke, 8 „ Eichen-Knüppel, 600 Wellen Eichen-Reifer, 7 rm „ Stöcke, 98 rm Nadel-Knüppel, 800 Wellen Nadel-Reiser, 35 rm Nadel-Stöcke. Der Ansang ist morgens $Va llhr zunächst der Kreis- ftraße Steinbach — Annerod beim Gießener Fernewald am Nadelholz. 796 Steinbach, 22. Januar 1902. Gr. Bürgermeisterei Steinbach. Krämer. Versteigerung. Montag, den 3. Februar, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfandlokal, Sellersweg 11, gegen Barzahlung: 1 Schreib- sekretär, 1 Vcrtikow, 5 Wirts tische und mehrere Stühle, Sophas, Kommoden und 1 Kleiberschrank. Gießen, 24. Januar 1902. Mulch, Pfandmeister. (itiupfflihuiiuii Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute uns morgen: Schlellflkisch 54 JJfg. Mfltifö 50 psg. Schellfische Kabeljau n la. feinster, blutfrtscher Ware oeben eingetroffen bei 339 A.&G. Wallenfels. Markt 21. — Fernspre Die Beerdigung findet Sameteg den ZS.d.Mti.; „elmittuge 3'/. Uhr, * Slerlehnuee, Bleiohetr.es. 6, nns statt. Lfrossh. Landgerichtsdirektor •: ■ ;■. V: ■■ •; - ■ " -v . > Statt jeder besonderen Anzeige. 4ii - Vrwandi™> Freunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Mitteilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, unseren innigst geliebten Sohn, Bruder, Enkel, Neffen und Vetter Hans iSL'‘iiI2& ji ÜS? "h'm‘ w - ->• w Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Fritz Egly und Frau Emilie, geb. Schwager. Giessen, den 23. Januar 1902. . - - - - * —/ y i ••• uiuuvuiuvuDiiiiviivi vi ••< 3m Stricken u.Anstricken von Strümpseu empfehle ich mich angelegentlichst StrickgarneftkflkVnalitäteiii habe ich stets vorrätig. ■T“ Preise billigst. -M, Ernestine Hopfner Grüubergnstraße 17. Bester Ersatz für viel teuerere Or- 2 ungleichlange DamenglaeL- B-hnKofftr-Le Bekannten die zahlreichen Blumenspenden die sorger 775 1902. 0326 iß es Gott geliebtes T schwerem Leiden 776 lagt allen, insbesondere ihrem E Schlosser, innigen Dank Familie Theodor Schlitt Gießen, Crevnerstr. 91, den 24. Januar 1902. Zur die vielen Beweise innigster Teilnahme uns betroffenen schweren Verluste sagt h< Namen der trauernden Hinterbliebenen: Alter von 14 Monaten