Nr. 20 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- -tätter viermal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. Bei lag der Brühl'scht.. Univers.-Buch- u.Stein- dructerei (Pietsch Erben Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen. Anzeiger Gießen. FkrnsprcchansckilußNr.51. 152. Jahrgang Erstes Blatt Frettag 24. Jannar 1903 GietzenerAnzeiger M General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich7bPf.,viertel- jährlich Dik. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.—viertcl- sährl. ausschl. BesteNg. Annahme von Anzeigen für tue Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal I2Pf^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Witiko; für „Stadt und Land' und „Gerichtssaal": R. D i t t» mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. n ValMsche Tagesschau. Der Fall 8. Bennigsen—Fallenhagea wird im „B- T." auch nach der Richtung hin erörtert, wie ich nunmehr die Beziehungen der Mutter zu ihrer: Kin- >ern und umgekehrt gestalten werden. Der Fall liegt o eigentümlich, daß dem Laien über diese Frage nach hrer rechtlichen Seite hin vielfache Zweifel und Bedenken auftauchen können. Der im Duell gefallene Landrat v- Bennigsen hatte den Scheidungsprozeß eingeleitel. Er muß daher die volle Ueberzeugung von der Untreue seiner Frau gehabt haben- Run hat aber bei seinen Lebzeiten die Trennung der Ehe nicht stattgefunden, und sein Tod bricht den Fortgang des Scheidungsprozesses ab. Die Frau kann also gerichllich nicht als „schuldiger Teil" erklärt werden, und — es bleiben iihr alle mütterlichen Rechte an ihren fünf Kirchern- Run denke man sich das Verhältnis weiter aus- Man ist freilich in solchen Dingen nachsichtig und könnte meinen, die Mutterliebe, besonders nach diesen letzten Ereignissen, könnte wohl noch den rechten Weg finden. Aber abgesehen von allem anderen besteht ja auch die Möglichkeit, daß die Frau sich einmal mit dem Mann, mit dem sie die Pflicht verletzt haben soll, verheiraten könnte- Nichts steht dem im Wege. Dann würde jener Mann der Stiefvater der Kinder, deren Vater er getötet hat! Wie oft ist schon solche neue Ehe in ähnlichen Fällen aeschlossen worden. Freilich kann dies erst geschehen, nachdem der Duellgegner des Getöteten seine Freiheitsstrafe verbüßt haben wird. Der schreckliche Zustand, der im Falle der Heirat der beiden für die Kinder eintreten könnte, läßt sich gar nicht ausdenken. Was giebt es dagegen für Mittel? Diese Frage wird jetzt viel aufgeworfen- Das Bürgerliche Gesetzbuch läßt die Einsetzung eines „Familienrates" zu, welchem die Befugnisse des Vormundschaftsgerichts zustehen. Aber ein Nachsatz des Paragraphen besagt auch, daß diese Einrichtung durch den Einspruch der ehelichen Mutter der Kinder verhütet werden kann- Und vor dem Gesetz gilt die Betrefiende immer noch als die Mutter, trotz ihrer Bezichtigung, die ja erst in ihrem ^>escheidungsprozes; hätte erwiesen werden müssen- Da indessen die Schuldbeweise in. den Händen der Familie Bennigsen vorhanden sein toerben, so dürfte zweifelsohne allein der § 1887 des Bürgerlichen Gesetzbuches die rechten Mittel für die Fürsorge der Kinder an die Hand bieten. Dieser Paragraph besagt: „Das Vormundschaftsgericht hat der Mutter einen Beistand zu bestellen, wenn es „aus besonderei Gründen" (insbesondere wegen des Umfanges oder der Schwierigkeit der Vermögens-Verwaltung oder in den Fällen der §§ 1866, 1867 (Punkte, die hier nicht in Betracht kommen) die Bestellung im Interesse des Kindes für nötig erachtet" Und der folgende Paragraph fügt noch die Bestimmung hinzu: „Der Bei st and rann für alle Angelegenheiten, für gewisse Arten von Angelegenheiten oder für einzelne Angelegenheiten bestellt toerben-" Auf die gesperrten Stellen ist hier das Hauptgewicht zu legen- Es läßt sich wohl annehmen, baß der hier bezeichnete Weg von der Familie Bennigsen eingeschlagen .toerben wird- Zum Fall Bredeubeck. Unsere Leser werden sich erinnern, daß dieser Tage im Preuß. Abgeordnetenhause der Fall Bredeubeck zur Verhand- Ilung kam. Der sozialdemokratische Redakteur Bredeubeck war -unter dem Verdacht, ein Preß vergeh en begangen zu haben, inUntersuchungshaft genommen und gefesselt worden. Der jetzt verstorbene Richter und Dichter Ernst Wichert, königl. preuß. Kammergerichtsrat a. D. hat sich noch kurz vor seinem Tode in einer Journalistenversammlung zu Berlin in aller Schärfe gegen eine derartige Behandlung eines Journalisten ausgesprochen, und ebenso mißbilligend Hüben sich darüber auch andere deutsche Juristen in angesehener Stellung ausgesprochen. Jetzt ergreift Bredenbeck selbst das Wort, um in einem Artikel seines Dortmunder Blattes seine Erlebnisse als Gefangener zu schildern. Er erzählt: Am 7. Februar v. I. wurde er während einer Gerichtsverhandlung wegen Fluchtverdachts auf Gerichtsbeschluß in Untersuchungshaft genommen rmd bei dieser Gelegenheit, mit einem Verurteilten zusammen- gefesselt, im Zellenwageu transportiert. Man fragt sich vergeblich, welchen Zweck die Fesselung hat, wenn doch ein Zellenwagen zum Transport benützt wird. Wie verträgt es sich überdies mit den bestehenden Vorschriften, den in Untersuchungshaft Genommenen mit einem Verurteilten zusammenzufesseln? Auf Beschwerde beim Oberlandesgericht wurde dann die Untersuchungshaft gegen eine Kaution von 1000 Mk. aufgehoben. Die Fluchtverdachtsgründe dürften demnach sehr geringfügig gewesen fein. Bredeubeck richtete dann eine Erklärung an die Staatsanwaltschaft, daß er eine bereits rechtskräftige Strafe von 3 Monaten sofort antreten wolle. Und während Verbüßung dieser Strafe, zu der er sich gestellt, ehe er dazu aufgefordert worden war, wurde er abermals am 22. Februar gefesselt aus einem Gefängnis^ ins andere transportiert. Dort hatte er dann aber (in Münster) auf wiederholte Vorstellung, und nachdem ein Beamter der Regierung zur Untersuchung dagewesen, Selbstbeschäftigung und eigene Kleider und Wäsche. In der Folge ist er auch nochmals zu einer Gerichtsverhandlung transportiert worden, uni) zwar diesmal ungefesselt. Trotz alledem wurde er dann, als er abermals eine Strafe im Gefängnis zu Herford zu verbüßen hatte und wieder zu einer Gerichtsverhandlung transportiert wurde, wiederum gefesselt. Das war der dritte Fall von Fesseltransport, durch den dann die Sache m die Oesfentlichkeit kam. Rach einem berechtigten Grunde fragt man sich nach dem Vorhergangenen vergebens. In Herford wurde ihm dann auch die Selbstbeschäftigung verweigert, die er in Münster erlangt hatte. Als er einmal das vorgeschriebene Quantum Düten nicht geleistet hatte, wurde er vor den Direktor zitiert und ihm für den Wiederholun'-wll Disziplinarstrafe angedroht. Diese Strafe besteht in Entziehung des roarmen Mittagessens, dann folgt Dunkelarrest. Kurpfuscherei und Geheimmittel. Wir lesen in einem Leitartikel der „Post". Wenn ein Schäferarzt zu Redbruch bei Hannover aus einem Büschel im Racken abgeschnittener Haare alle Krankheiten erkennen will und zur Zeit der Blüte dieses seines Geschäftes über 800 Personen täglich dort anlangten, so war die Polizei sogar darauf angewiesen, bei dem Schwindel dieses „Diagnostikers" durch Aufrechterhaltung der Ordnung Handlangerdienste zu leisten. Eine gerichtliche Bestrafung kann ja überhaupt nur eintreten, wenn ein solcher Heilkünstler Jemanden zu Tode kuriert, wie dies vor einigen Jahren in Greiz geschehen, wo ein an Hautausschlag leidendes Kind, durch Eiureiben mit Schmierseife und heiße Bäder und so weiter von einem Quacksalber dem Tode ausgeliefert wurde. Eine Abhilfe wäre doch hier so einfach zu treffen. Es hat ja doch schon im Februar 1899 der vormalige Kultusminister Dr. Bosse an den Ausschuß der preußischen Aerzte- fammer einen Erlaß gerichtet, worin er darauf hinwies, daß „die vorhandenen Mißstände in erster Reihe in der durch die Reichsgewerbeordnung zur Einführung gelangten Freiheit der Ausübung der Heilkunde ihren Grund hätten, und daß infolge dieser gesetzlichen Anerkennung der Kurierfähigkeit die approbierten Aerzte in den Augen des Volks den Kurpfuschern gleichgestellt würden, was auf dem Gebiet der Gesund- heitspstege die größten Mißstände und Unheil über Land und Leute bringe; es sei daher die Rückkehr zu der Rechtslage, welche vor Erlaß der Gewerbeordnung in Preußen bestanden habe, das heißt die Wieder-Einführung des Kurpfuscherverbots (§ 199 des vormaligen preußischen Strafgesetzbuches) beantragt worden, wofür sich auch die erweiterte wissenschaftliche Deputation für das Medizinalwesen im Herbst 1898 ausgesprochen habe". Sodann fordert aber der KultuS- minifter, „bevor er den Anträgen auf Herbeiführung einer entsprechenden Abänderung der Gesetzgebung weitere Folge giebt", den Ausschuß der Aerztekammer zum nochmaligen Bericht darüber auf, welche Mißstände infolge der Freigabe der Heilkunde hervorgetreten seien, was durch thatsächliches Material zu belegen sei. Heißt dies aber nicht genau soviel, als Jemanden anzu- weisen, Eulen nach Achen zu tragen? Und so stehen wir infolge dieses dilatorischen Vorgehens heute nach Ablauf von drei Jahren noch immer auf dem alten Fleck. Es liegt doch wahrlich auf der Hand und bedarf keines weiteren Beweismaterials mehr, daß ein anderer Weg überhaupt nicht gegeben ist, als die Rückkehr zu jenem § 199, wonach ein Jeder, „welcher, ohne' vorschriftsmäßig approbiert zu sein, gegen Belohnung oder einem besonderen polizeilichen Verbot zuwider die Heilung einer äußeren ober inneren Krankheit ober eine geburtshilfliche Handlung unternimmt, mit Geldbuße von 5 bis zu 50 Thalern ober mit Gefängnis bis zu 6 Monaten bestraft wird. Die italienische Seeschifffahrt kämpft seit Jahren schwer gegen die Konkurrenz des Aus- lanbes. Nur mit Mühe vermag bie größte Rh eb er ei „Navi- gazione generale", besonders aus bem transatlantischen Verkehr, befriebigenbe Erträge herauszuwirtschaften. Tas liegt wohl hauptsächlich daran, daß bie Gesellschaft ber Einstellung von Schnellbampfern nicht bie erforderliche Aufmerksamkeit zuwanbte. Erst neuerdings sind «olche modernen Schiffe gebaut worben, bie freilich, was Größe, Eleganz ber Ausstattung und Fahrgeschwindigkeit betrifft, an bie neuesten beutschen Schiffe nicht heranreichen. In ber sübatlantischen Fahrt, nach Brasilien, Argentinien, die namentlich für ben Passagierverkehr in Betracht kommt, sollen späterhin zumeist Schnellbampser Verwenbung finben. Die badurch verfügbar werbenben Post- unb Frachtschiffe will man in die Route nach Indien unb Ostasien einstellen. Dort ist auch die Errichtung neuer Linien, mit Staatsunter- stützung, ins Auge gefaßt. Der Unternehmungsgeist ber italienischen Schiffahrtskreise ist um so bemerkenswerter, als bas Land im fernen Osten keine territorialen Stützpunkte besitzt, wie z. B. Teutschlanb in Kiautschou. Der Versuch Italiens, an ber San-Mun-Bai festen Fuß zu fassen, ist bekanntlich seinerzeit unrühmlich fehlgeschlagen. Einigermaßen vernachlässigt wurde bisher ber regelmäßige Schiffsverkehr zwischen Italien und Norbafrika. Es soll nunmehr auch hier, zunächst durch Einstellung brauchbarerer Fahrzeuge, Abhilfe geschaffen werben. Der Beichseisenöat-ngedaiike. Von Professor Biermer. Fortsetzung. Fürst Hohenlohe kann also unzweifelhaft die Priorität für sich in Anspruch nehmen, bem Reichseisenbahngebanken eine greifbare, von echt nationalem Geiste durchwehte Form gegeben zu haben, unb auch in mancher anderen Richtung hin dürfte es einer späteren Geschichtsschreibung Vorbehalten sein, die enormen Verdienste auf allen nationalen Geoieten des dritten Reichskanzlers, eines deutschen Staatsmannes in großem Stile, in ein ganz anderes Licht zu rücken, als es unsere raschlebenbe Gegenwart beliebt. Nicht auf motorische Kunststücke unb mit packenden unb farbenreichen Bildern geschmückte Programmreben, sondern auf diplomatische Großthaten kommt es an, wenn man die Verdienste führender politischer Geister richtig würdigen will. Das durch Zeitungslektüre gefütterte große Publikum mißt nach bem Effekte, glaubt an den welterschütternden Erfolg parlamentarischer Kämpfe, denen es mit der Sensationslust unb theatralischen Spannung wie einem Stierkampf zusieht. Für eine solche kritiklose Arena war ein Kanzler wie Hohenlohe, ber mit allen Fasern ber guten bisrnarckianischen Schule angehörte, eine Persönlichkeit von nur nebensächlichem Interesse. Doch biefe Betrachtungen nur ganz nebenbei. Es steht jebenfalls fest, baß es seit bem Hohenloheschen Eingreifen eine deutsche Eisenbahnfrage gab. Ihre weiteren Schicksale sind in hohem Grabe wechselreich. Zwar würben in bie beut sch e Reichsverfassung bie Bestimmungen der norddeutschen Verfassung übernommen, aber mit ber wesentlichen Einschränkung, baß Bayern ein Reservatrecht zugestanden erhielt. Fürst Bismarck war von Anfang an ber Meinung, baß bie Verfassung nur die Richtung für die Entwickelung des Eisenbahnwesens im Reiche anbeuten solle und daß es die ernste Ausgabe ber Regierung unb ber Gesetzgeber sei, ihre Bestimmungen weiter auszubauen unb lebenskräftig zu machen. Im Reichstag, in dem damals nationale Parteien mit nationalem Schwünge das Wort führten, war man derselben Ansicht. Es kam zu einem Gesetz betreffend die Errichtung , einer eigenen Reichsbehörde, des Reichseisen- bahnamts, im Juni 1873, unb dieser neuen Behörde wurde sofort bie Ausarbeitung eines beutschen Reichseisenbahngesetzes übertragen. Dieses Eingreifen Bismarcks faub aber unerwarteten Wiberstand * Namentlich unter ben Mittelstaaten war wenig Neigung vorhanben, bem Reiche neue Opfer zu bringen. Außerbern befürchtete man, namentlich bort, wo einflußreiche Privatbahnen auch bie politische Vertretung bes Laubes beherrschten, eine Beschränkung ber finanziellen Selbstänbigkeit, eine L-chmälerung ber Einkünfte. Die Aussichten, ein brauchbares Eisenbahngesetz im Reichstag und namentlich im Bunbestag burchzubringen, verschlechterten sich wieder, obgleich gerade um jene Zeit bie kraß hervortretenben Mißstände unb Uiizuträglichkeiten im beutschen Eisenbahnwesen deutlich barauf hinwiesen, daß unter ben damaligen Verhältnissen bei ber Zersplitterung ber Eisenbahnen dem Nebeneinanderbestehen von Privat- und Staatseisenbahnen, bie alle nach verschiebeneu Grnnb- sätzen verwaltet unb betrieben würben, eine grünblich- Besserung nicht durch die Einzelstaaten, sondern nur bie Reichsgewalt zu erzielen sein würbe. Nachbem bas Reichseisenbahngesetz gescheitert war, unterbreitete Bismarck ber öffentlichen Erörterung den noch großartigeren Gebanken bes birekten Erwerbs aller beutschen Eisenbahnen burch bas Reich. Dieser Plan stieß erst recht auf bie lebhafteste Opposition, unb zwar verbanden sich diesmal zwei sehr verschiedene politische Richtungen, bie Föberalisten oder Partikular ist en einerseits und anbererseits bie orthoboxe Freihanbelspartei als Gegnerin ber Staatsbahnenpolitik überhaupt. Die einen bekämpften die Reichskompetenz, bie anberen bie Staatsomnipotenz schlechthin; jene sahen in bem bis- marckischen Gebanken ben Ausfluß rücksichtsloser borusso- zentralistischer Bestrebungen, biefe, zum Teil geführt von ben angesehensten Nationalökonomen, bestritten bem Staat, gleichgiltig ob Reich ober Einzelstaat, bi? Fähigkeit, überhaupt Großbetriebe mit Erfolg in bie Hanb zu nehmen. Ich habe mich ber Mühe unterzogen, wieber einmal eine Anzahl Denkschriften, Broschüren, Kongreß- unb Parla- mentsverhanblungen jener Zeit burchzusmbieren, unb ich bin aufs neue erstaunt, mit welchem Apparat von gebauten- armen Argumenten man bamals die öffentliche Meinung zu leiten wagte. Man weiß wirklich nicht, worüber man sich mehr wundern soll, über die Kurzsichtigkeit auf politischem ober auf ökonomischem Gebiete. In einem Promemoria jener Zeit steht z. B. zu lesen, daß bie Reichsregierung gänzlich außer stände sein werde, das verwickelte Transportgewerbe für 40 Millionen Menschen mit Erfolg zu betreiben oder- auch nur von oben herab einheitlich zu organisieren. Bei einer Zentralleitung des ganzen deutschen Eisenbahnwesens gehe ber Ueberblick über die wirtschaftlichen Interessen verloren, unb jeber Großbetrieb pflege, sobalb er gewisse Grenzen überschritten habe, so niebrige Renten abzuwerfen, baß er mit Rücksicht auf bie überaus teuere, kostspielige unb schwerfällige Verwaltung wieber schleunigst dezentralisiert werden müsse. Nur das einzelstaatliche Eisenbahnnetz, bas mit dem wirtschaftlichen Leben bes Laubes innig verwachsen sei, gewährleiste eine volkswirtschaftliche unb finanzpolitische Verwaltung zugleich. Die Zaubermacht über bas ganze materielle Leben eines Volkes — so heißt es weiter — verführe zur Beamtenhierarchie, Stellenjägerei unb Parteiherrschaft, unb, inbem man ben Eisenbahnen bas Privatkapital entziehe, gerate man an ben schwinbelnben Abgrunb sozialistischer Experimente. Dazu käme, baß bas junge Reich mit einer enormen Schulbeulast beschwert unb bas Grunbrecht bes Volks, bas Bubgetbewilligungsrecht, illusorisch gemacht würde. Ich glaube, daß biefe Blütenlese, bie sich beliebig vermehren ließe, genügt, um zu beweisen, welche kleinliche Skepsis benjenigen roeitbUdenben Vorschlägen entgegen- Ausübung und genügendes Wissen für ihren Beruf voraus- Schwache erstarken. E. gesetzt wurde, die es wagten, bie natürlichen Entwickelungs- tendenzen des Großverkehrs voraus zu ahnen und mit ihnen als sicheren Faktoren zu rechnen. Das kühne Vorgehen Bismarcks stieß übrigens nicht nur bei denjenigen politischen Wortführern, die überwiegend mit manchesterlichem Winde segelten und in der Zentralisierung und dem staatlichen (Eingreifen in das wirtschaftliche Leben den allmählichen Tod aller freiheitlichen Regungen erblicken zu sollen glaubten, auf starken Widerstand, sondern auch bei seinen amtlichen Mitarbeitern sand der Reichskanzler, bis er Maybach heranzog, wenig Verständnis. Bismarck war auf die Fortsetzung eines kleinlichen Ressort- krieges, der seine Kräfte auszureiben drohte und ihn tte verstimmte, angewiesen. Der Handelsminister Achenbach, dem bismarckischen Gedankenfluge ebensowenig kongenial wie der finanzielle Partikularist und hausbackene PhilisterCamp- hausen, entwickelte selbst damals, als man sich an der Berliner Börse mit der Fusionierung großer Privatbahnen nach amerikanischem Muster beschäftigte, in einer Programmrede seine profunde Weisheit dahin, daß die Vorteile und Nachteile der Staats- und Aktienbahnen sich die Wage hielten und daß man am besten daran thue, die Sache so zu lassen, wie sie gewesen sei. Auch Camphausen war kein Anhänger des reinen Staatsbahnsystems und hat dies ziemlich unverblümt im Abgeordnetenhause ausgesprochen; und als Bismarck 1876 ein besonderes Eisenbahnministerium schuf, um das Handels- und Finanzministerium in ihrem Ressortegoismus im Zaum zu halten, widersprach mit Entschiedenheit — diffieile est satiram non scribere — derjenige Staatsmann — Miquel — der später berufen sein sollte, den einseitigen Eisenbahnfiskalismus zur höchsten Blüte zu bringen. Immerhin war damals die nationale Begeisterung noch stark und feurig genug, namentlich in Preußen, um Bismarck in bic Lage zu versetzen, sagen zu können, Preußen wolle bei der Durchführung des Reichseisenbahngedankens mit gutem Beispiele und opfermutig vorangehen. Schluß folgt. des betr. Handwerks treten. Ebenso kann eine Kompromiß st ile geflossen. Das kann man z. B. in sehr interessanter Weise am Schluß des Mittelalters sehen, als die Renaissaneewogen aus Italien nach den Nordländern hinübcrschlugcn und die Nordländer sich gegen die neue Kunst nicht mehr wehren konnten. Die Gotik hatte sich ausgelebt. Man mußte den neuen Formen Zugang gewähren, und so entstanden zunächst Mischprodukte. Der Redner wies dabei aus das Schlößchen am Brandplatz hin, das als Renaissancebau durchgeführt ist, dessen Thüren und Fenstergewände aber ähnliche spätgotische Formen zeigen, wie der Turm der Stadtkirche, wo diese Formen allerdings dürftiger sind. Manchmal bleibt es auch dabei nicht, daß sich der neue Stil in den alten hineinschiebt und ihn allmählich verdrängt. Zuweilen geht es viel stürmischer her, und zwar vor allem dann, wenn die öffentliche Meinung der Künstler zu dem Schluß gekommen ist, die Kunst habe sich ausgelebt und bedürfe einer radikalen Umformung, einer Stilrevolution; man müsse, was man einmal gelernt habe, vergessen und anderes an seine Stelle setzen. Man entschließt sich, möglichst von vorne anzufangen. Das sieht aus wie Ältertümeln, aber es ist cs iücht- Die Hauptsache ist, daß die Künstler zurückgehen auf schlichte Formen, einfachste Gestaltung, um aus dieser heraus zu einer neuen künstlerischen Gestaltung zu kommen, und hier ist mehr noch als die bildende Kunst die Baukunst und das Kunsthandwerk berufen, das Neue in die Welt einzuführen. Von den Lichtbildern, die diese Stilwand- l u n g e n erläuterten, nennen wir besonders -die Darstellungen der verschiedenen Stile pompejanischer Wanddekoration, die sich ganz allmählich auseinander entwickelten- Als drastisches Beispiel verkehrter S t i l n a ch a h m u n g war Eanova's Napoleon I. gewählt, der den modernen Herrscher etwa wie Alexander den Großen, nämlich nackt darstellt. Die Aufgaben der strengen Stilnachahmung, die Altes oder Fremdes stilgetreu zu ergänzen sucht, wurden an dem jetzt so viel genannten Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses erörtert, wobei die Schwierigkeit der Restauration, wie die Bedenklichkeit des jetzigen Zustandes betont, dagegen das Urteil der „viel zu vielen", die dabei vielleicht nur in altnordische Ruinenschwärmerei ohne Verständnis des eigentlichen Problems mitreden, abgewiesen wurde. Nachbein dann noch als glänzendes Beispiel eines erfolgreichen St i l ko m pr o mis se s das Vischer'sche Se- baldusgrab erläutert worden war, dienten eine Reihe von Abbildungen modernster Werke zur Kennzeichnung der Stilrevolution, in der wir leben. Hausrat, Innendekoration, Schmucksachen, Zierschriften, architektonische Gesamtbilder, vorwiegend der Darmstädter Ausstellung entnommen, sollten im Sinne des Redners darthun, daß wir einem neuen Stil zusteuern, der einst genau so em „historischer" Stil fein wird, wie etwa der romanische oder gotische, der jedenfalls gegenüber dem in Nachahmung virtuosen, durch beständiges Nachahmen aber auch entkräfteten Stil des 19. Jahrhunderts einen gewaltigen Fortschritt bedeutet- Aus Stadt und Kalid. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen imb werden angemessen honoriert. Gießen, den 24. Januar 1902. ** Kaiser Wilhelm I. in Oberheffeu. In Nr. 13, 3. Bl., veröffentlichten wir eine interessante Zuschrift, in der die alte Ueberlieferung von dem Aufenthalte Kaiser Wilhelms I. in seinen jungen Prinzenjahren auf dem Herrenhause von Bellersheim auf Grund von Mitteilungen des kaiserl. Zivilkabinets stark angezweifelt wurde. Heute nun erhalten wir folgende Zuschrift, die die bekannte Erzählung ein wenig variiert. Der Herr Einsender schreibt: fünfjährige Thätigkeit als Werkmeister als Vorbedingung man bei diesen eine eingehende Kenntnis ihres nur dann zuzulassen, wenn er mindestens drei Jahre als Geselle in seinem Gewerbe thätig gewesen ist. Er hat sein Gesuch um Zulassting zur Meisterprüfung an den Vorstand der Handwerkskammer gelangen zu lassen, der daS Gesuch an bic zuständige Prüfungskommission weckergiebt. Die näheren Bestimmungen (der Prüfungsordnung^ sind zwar noch nicht festgestellt, doch wird die Prüfung in einen pratcischen und einen theoretischen Teil zerfallen. Ter praktische Teil wird in der Anfertigung eines Meisterstücks nebst den dazu erforderlichen Zeichnungen und der Kostenberechnung, sowie in der Arbeitsprobe bestehen; der theoretische Teil schriftliche und mündliche Prüfung umfassen. Die schriftliche Prüfung wird sich erstrecken auf eine Prüfung in den Fachkenntnissen, sowie in bz r Buch- und Rechnungsführung, die mündliche über die gleichen Fächer und außerdem noch auf die Gesetzeskunde. Sie wird sich also auf Fragen erstrecken, welche die ^Haupt- bestimmungen der Gewerbeordnung und der Arbeiteroersicher- ungsgesetze, soweit diese Gesetze den Handwerker berühren, zum Gegenstand haben. Ueber die bestandene Prüfung erhält der Prüfling einen Meisterbrief. Es ist hieraus zu ersehen, daß es für die Zukunft nicht mehr so leicht, wie früher, ist, den Meistertitel zu erwerben, aber dadurch, daß die Erwerbung des Titels von dem Nachweis einer gewissen Befähigung abhängig ist, wird dieser Titel auch wieder zu höheren Ehren gelangen. Ein großer Teil der heutigen Handwerker ist verzagt und hält die Lage des Handwerks für dauernd schlecht. Stellt man aber den Handwerker auf eine höhere Stufe, indem man durch die Bezeichnung einen Unterschied macht zwischen einem selbständigen Handwerker, der seine Meisterprüfimg abgelegt hat und einem Handwerker, der keine Prüfung ablegte, in der Weise, daß sich letzterer nur als Schreiner, Schlosser bezeichnen darf, dann wird auch das Selbstbewußtsein im Handwerkerstande wieder geweckt. Die Ablegung der Meisterprüfung wird als erstrebenswertes Ziel betrachtet werden und in dem Ringen und Strebeii wird auch der wirtschaftlich Der Meistertitel. Man hört eben oft die Frage: Muß ein Handwerker die Meisterprüfung ablegen, umsichsebst- ständig machen zu könuen? ober: Darf der Soundso sich Schreiner meist er nennen? _ Eine Klärung dieser Fragen scheint mir vor allem wichtig, da sowohl schriftlich wie mündlich tagtäglich um Auskunft hierüber gebeten wird. Was die erste Frage betrifft, so sieht die Gewerbeordnung keine Beschränkung m dieser Hinsicht vor, es kann sich also ein Geselle, z. B. ein Schreinergeselle, selbständig machen, ohne die Meisterprüfung abzulegen. Aber wohlgemerkt, mit der Selbständigmachung wird er noch lange kein Schreinermeister, er bleibt „Schreiner" und hat nicht das Recht, sich „Schreiner- meister" zu nennen. Nun ist vielleicht mancher da, der sagt: „Der Titel ,Schreinermeister' hat für mich nicht so viel Wert, daß ich mich erst einer Prüfung hierzu unterziehe". In einigen Jahren aber werden diejenigen, die so sagen, den Wert einer Meisterprüfung wohl zu schätzen wißen. Von Seiten der Handelskammern wird alles geschehen, um dem Meistertckel wieder als Ehrentitel Geltung zu verschaffen und dahm wird heute schon gestrebt, daß für die Zukunft bei Arbeitsvergebungen, Lieferungen usw. in erster Linie diejenigen Berücksichtigung finden, die ihre Meisterprüfung abgelegt und damit , den Meistertitel erworben haben. Vor allen Dingen aber wird sich das Publikum bei Bestellung von Arbeiten an diejenigen selbständigen Handwerker wenden, von denen es die Gewißheit hat, daß dw Betreffenden etwas tüchtiges in ihrem Handwerk leisten und dies durch Ablegung der Meisterprüfung beiviesen haben. Durch diese Meisterprüfungen soll ja doch, wie die Gewerbeordnung sagt, der Prüfling darthun, daß er die Be- ählgung zur selbständigen Ausführung und Kostenberechnung der gewöhnlichen Arbeiten des Gewerbes, sowie der zu dem selbständigen Betriebe desselben sonst notwendigen Kenntnisse, insbesondere auch der Buch- und Rechnungsführung besitzt. Wir haben gewissermaßen in der Meisterprüfung einen akultativen Befähigungsnachweis. Damit ist eng verbunden bic Verleihung des Meistertitels. Fragen wir uns nun: W er darf den Meistertitel ühren? Zunächst alle diejenigen Handwerksmeister, welche den- elben bereits vor dem 1. Oktober 1901 (Zeitpunkt des Inkrafttretens der Bestimmungen über den Meistertitel) besessen haben. Von diesem Tage an kann nur derjenige den Meisler- titel in Verbindung mit der Bezeichnung eines Handwerks (z. B. Schreinermeister, Schuhmachermeister) führen, welcher m seinem Gewerbe die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen erworben und die Meisterprüfung bestanden hat. Es fragt sich nun zunächst: Wer hat die Befugnis Lehrlinge anzuleiten? In Handwerksbetrieben steht dies solchen Personen au welche: 0 24 Jahre alt sind, die von der Handwerkskammer vor- gcschriebene Lehrzeit z urückgelegt und die Gesellenprüfuna be|tanbcn haben, oder 5 ia^rc hindurch persönlich das Handwerk selbständig auSgeubt habcn, ober als Werkmeister bezw. m ähnlicher Stellung thatig gewesen sind. . somit an stelle der ordnungsmäßigen Lehrzeit s?/brtC?Un9 bo Gesellenprüfung, als Vorbedingung für ba5 ^"leiten von Lehrlingen, eine 5 Jahre lange seLstLdige Stil und Stilwandlungen in Kunst und Kunstgeweröe. Schluß. Im zweiten Teil seines Vortrags sprach Prof. Dr. Sauer über „Sti l w an d lun g en". Nach dem Gesagten hätte es scheinen können, als ob Stil etwas Unabänderliches fei, als ob bie Stilgesetze unverbrüchliche Geltung hätten. Tas ist nicht der Fall. Der Stil kann nicht nur Wanblungen durchmachen, fonbern er muß sie seiner Natur nach sogar er leib en. Stilgesetze, die jetzt gelten, haben in hundert Jahren vielleicht keine Geltung mehr. Das allerdings muß festgehalten werden, daß gewisse Gesetze sich über alle Zeiten hinaus erhalten können. Fragen wir nun nach den Gesetzen, nach benen sich Wandlungen des Stils vollziehen, so werben wir auch da Erscheinungen finden, die in verschiedenen Zeiten sich in mancher Weise wiederholen. Da gießt es zunächst den normalen Hergang der Stil ent Wickelung und Ablösung der einzelnen Stile. Die Kunst und das Kunst- Handwerk sind, wenn auch der einzelne viel beiträgt, Dinge, die aus dem Bedürfnis einer Gesamtheit hervorgehen. Ter eine richtet sich nach dem anderen. Der Mensch zeigt sich als nachahmendes Wesen. Und wenn der eine das Werk des andern nachahmt, will er es auch besser machen. Das Streben, immer besser zu werden, in den Leistungen, führt uns auch von einem Stil zum anderen. Der An fäu g er st il wird zum Stil der Reifezeit; so gelangt der &ti[ allmählich zu einem Höhepunkt. Hier ist ein gewi sses Verweilen möglich, dann aber muß etwas neues kommen, ober der alte Stil wird schwach unb endet mit dem völligen Verfall. Das Neue tritt sehr verschieden auf. Oft kommt es ganz allmählich. Wenn ein Stil verbraucht ist, wird eine Variante erfunden. Man entfernt sich noch nicht -zu sehr von dem Vorhergehenden, aber man weiß boch in bas albere hinüberzuleiten. Wir können denn beobachten, wie sich ber eine Stil aus dem anderen entwickelt, aber doch, wenn er fertig ist, dem alten als etwas Neues geaenübersteht. Verfolgen wir bas über Jahrhunderte, so erleben wir das merkwürdige Schauspiel, daß verschiedene Stile in demselben Gegenstand auftreten. Als Beispiel sei der Dom in Wetzlar genannt, der als fertiges Werk nicht von Bedeutung ist, wohl aber deshalb, weil er uns eine ganze Folge von Stileii vorführt, bie alluiählich aneinander gewachsen sind- Es ist freilich diese Weiterentwickelung, die aus einer recht verstandenen Nachahmung sich erklärt, keineswegs immer in ber Stilgeschichte zu beobachten. Es kommt leicht vor, baß bic Nachahmung in falschem Sinne sich bethätigt, unb baß der Künstler glaubt, einen Stil aufbessern zu müssen, burch Entlehnung bei fremden Stilen- Das kommt besonders in Zeiten vor, in denen es mit einem Stile abwärts geht- Dann sucht man Hilfe bei fremden Stilen, sei es vergangener Zeiten oder fremder Völker. So suchte man z. B. am Enbe des 18. Jahrhunderts Rat bei der Antike, und in den letzten Jahrzehnten machte man Anlehen bei ben Japanern. Das sind Stilwandlungen bie durch die nicht sehr schöpferischen, aber im Nachahmen geschickten Künstler hervorgerusen werden. Besonders eine Art von Nachahmung ist es, die häuftq beim Abwärtsgehen der Schöpferkraft vorkommt, nämlich baS Zurückgehen auf altertümliche Kunst, bie selbst noch unreife Formen hat- Diese wirb dann von einem Künstler hervorgesucht, ber eigentlich alles viel besser kann, aber sich selbst unb sein besseres Können verleugnet, um sich mit betn neuen Reiz des Altertümlichen auszustaffieren. Das ist eine verkehrte Richtung- stilistisch ist es nicht rühmlich, in eine solche Altertümelei zu verfallen. Dagegen hat es einen gesunden Sinn, mit Hilfe der Kenntnis bes alten Stils unvollendete Werke als Ganzes auszugestalten, um sie zu ber vollen Wirkung kommen zu lassen, bie ihnen die alten Künstler zu geben beab- Das ist aber nicht mehr "Nachahmung, fonbern geschaht auf Grunb wissenschaftlicher Forschung und tiefer Versenkung m bas Wesen der alten Welt- Vielfach frei- lich rst man von solchen Ergänzungsarbeiten zuruckgekom- men- Wahr en b inan die antiken Statuen früher stets ergänzt hat, unb zwar größtenteils falsch, ist man jcM soweit gekommen, überhaupt nicht zu ergänzen ober i)o cf) ft en y mit Gips, den man leicht abnehmen kann, wenn sich die Ergänzung als fehlerhaft herausstellt. Jedenfalls bildet die Nachahmung nur eine Neben art von Stilwaudlung, die nicht zu allen Seiten hervorragend gewirkt hat. Dagegen ist eine häufige Erscheinung bas plötzliche Einbringen eines neuen Stiles gegen bie Absicht der Künstler, bic eben noch eine ganz andere gewohnt waren. Sie geben den alten M nicht ganz auf, sondern verschmelzen. Es werden gelten, ba Handwerks setzen darf. Was hat nun der zu thun, der zu dem Meistertitel gelangen will? Der Handwerker, bei dem die vorstehend ausgeführten Voraussetzungen zutreffen, hat die Meisterprüfung abzulegen. Zu dieser ist er in der Regel In Burkhardsfelden wird heute noch von glaubwürdigen Personen versichert, daß Kaiser Wilhelm in dem dortigen ehem. herrschaftlichen Hofgut, jetzt der Firma I. B. Noll in Gießen gehörig, aus der Reise von oder nach Frankreich eine Nacht zugebracht habe, und daß von dieser Anwesenheit bis lange in bie zweite Hälfte des verflossenen Jahrhunderts eine Fensterscheibe Zeugnis gegeben habe, in die der Prinz seinen Namen geritzt, die aber inzwischen den Weg alles Glases gegangen sei. Ohne mich mit der Annahme, daß der Prinz auf der Reise von Schmalkalden nach Frankfurt nur die kürzere Fuldalinie benutzt habcn könne, aus- einairdersetzen zu »vollen, möchte ich doch darauf Hinweisen, daß auch heute noch gerade für militärische Transporte aus dem Norden nach Frankfurt oder umgekehrt die Reiskirchener und die Bellers- Heimer Gegend benutzt wird, ©o kamen vor zwei Jahren die Hannoverer Königs-Ulanen, die auf dem Rückweg von den elsässischen Kaisermanöveni hier übernachteten, von Bellersheim, ivo sie die vorige Station gemacht hatten, und zogen über Grünberg und Homberg werter. Der Schluß auf die vorliegende Sache liegt nahe. Wa§ außerdem die Boden- und Wegschwierigkcitcn anlangt, die vor ca. 100 Jahren wohl noch mehr ins Gewicht fielen als heute, so durfte die letztere Strecke trotz ber etwas weiteren Entfernung doch mehrere Vorzüge vor der Linie Vacha—Gelnhausen aufzuweisen Aus der Vorgeschichte des Buckhardsfeldcr Hosgutes giebt der Herr Einsender noch an, daß dieses anfangs des ISi Jahrhunderts von einem gebürtigen Grünberger namens Hofmann erworben wurde, der sich in den Kriegen unter Prinz Eugen auszeichnete und das Adelspradikat „von Löwcnfeld" erhielt. Als das Gut Mitte des vorigen Jahrhunderts in andere Hande überging, würben aus jenen Kriegen herrührende Akten, die Kriegspläne u. a. bis nach Danzig hinunter enthalten habcn sollen, aus dein Hause in Futter- korben entfernt und unter den „Siedkcsseln" verbrannt. Auch ist em k^ensgroßes ^elbild des Prinzen Eugen dagewesen, aber um dieselbe Zeit verschollen. ' . ** ^"nsp^chverrehr. Die Zulassung des Sprechverkehrs zwischen Gießen und Dortmilnd, sowie zwischen Gießen und Hörde vom 1. Februar ab ist genehmigt worden. Auf bie- übrigen Stadt-Fernsprech-Einrichtungen des rheinisch-westfalischen Jndiistriebezirks ist die Ausdehnung des Sprech- berclchs von Gießen vorläufig nicht angängig, weil die m Betracht kommenden Leitungen bereits überlastet sind. Sobald jedoch durch den im nächsten Rechnungsjahre erfolgenden Ausbau des Fernsprechnetzes die Betriebsmittel verbessert sein werden, wird die Kaiserl. Ober-Postdirektion in Darmstadt die Angelegenheit abermals in Et-wägung ziehen. ** $inc wohlthatige Einrichtung. Seit dem 1. Dezember ^^halten 146 Mädchen, und 119 Knaben der hiesigen Stadtschulen alltäglich m den Pausen Frühstück, bestehend aus einem halben Lchoppen abgckochter warmer Milch und einem Brötchen. Die Auswahl der Kinder, welche bedacht werden sollen erfolgt auf rationelle Weise, indem bei den periodischen Untersuchungen durch den Schularzt die schwäch- lichsten und kränklichsten Kinder unter Mitwirkung der Lehrer ausgesucht werden. Der Schularzt, wie die Lehrer sind über c-v^tVeU1-^Cn Gewährung des Frühstücks einer Ansicht. Die Kosten, welche die Einrichtung ivährend der Wintermonate verursacht, belaufen sich auf ca. 1200 Mk., bie gum-Leu gedeckt werden au§ den Zinsen der Konrad Koch- Skistung und aus Beiträgen, ivelche in dankenswerter Weije von dem Verein „Contentia" und dein Gastwirte-- verein gespendet wurden; auch eine Dame hat jünqft zu gedachtem Zwecke einen Betrag von 50 Mk. zur Verfüauna gestellt. All diese Beiträge erreichen aber noch nicht die Hälfte der erforderlichen Summe, und man wäre gezwungen, die Gewährung des Frühstücks nunmehr einzustellen, wenn nicht, wie bereits von uns mitgeteilt, in anerkennenswerter Weise der Cronbauer'sche Quartett-Verein sich bereit erklärt hätte, ein Konzert zu veranstalten, dessen Reinerlös dazu bestimmt ist, der städischen Verwaltung die Mittel zur Verfügung zu stellen, sodaß die Fortführung einer Einrichtung ermöglicht wird, die so überaus wohlthätig sich in ihren Folgen für einen großen Teil anserer Schulkinder gezeigt hat. Der Besuch der für Sonntag, 'kben 2. Februar a. c. vorgesehenen Veranstaltung kann nur bestens empfohlen werden. •* Die Kaiserfeier am Grosth. Gymnasium wird Samstag, den 25., um 5 Uhr (pünktlich) in der 9(ula stattfinden und eine Festrede des Prof. Rahn, nichrere Chöre, sowie vor allem Aufführungen des Orchestervereins umfassen. Auch werden einige kürzere griechische Stücke (mit deutscher Ueber- setzung vom Direktor), eine Ode der griechischen Dichterin Melinno und die Schlacht von Salamis (Aeschylus) vorgetragen werden. Eltern der Schüler und Freunde der Schule sind willkommen. — Lehrerverhältnisie im Großherzogtum Hesien. Der Lehrerinnen verein im Großh. Hessen hatte sich schon vor Jahren an das, Ministerium gewandt, es möge in Hessen ein Lehrerinnen-Seminar gegründet werden. Durch den Lehrermangel wurde die Regierung veranlaßt, diesem Wunsch jetzt zu willfahren. Für die neue Anstalt sind 31460 Mk. in dem Staatsvoranschlag für 1902/03 vorgesehen. Zu den Kosten des Seminars leistet Darmstadt, das Sitz werden soll, einen Beitrag von 6000 Mk. Vorerst wird die Anstalt in einem gemieteten Hause untergebracht. Als hessisches Lehrerinnen-Seminar galt bisher die Viktoria-Schule in Darmstadt. Die Gründung eines vierten Lehrerseminars soll ebenfalls in Erwägung gezogen sein. — Mit dem Lehrermangel wird auch die Neuregelung der Gehalte der seminaristisch gebildeten Lehrer an den höheren Lehranstalten Hessens in Verbindung gebracht. Sie besitzen gegenwärtig ein Anfangsgehalt von 1750 Mk. und erreichen in fünfjährigen Fristen 2000, 2300, 2600, 2900, 3200 und 3500 Mk. Grund-und Höchstgehalt sollen auch künftig beibehalten, das Höchstgehalt aber in dreijährigen Fristen durch 10 Zulagen von je l75Mk. erreicht werden. Jeder Lehrer bezieht nach der Neuregelung in 30 Dienstjahren gegen bisher ein Mehr von 2425 Mk. D. Fritz Ungers buntes Theater. Nun hat auch Gießen ein Ueberbrettl gesehen. Fritz Ungers sogenanntes« Berliner buntes Theater gab gestern abend in Steins Saal- bau das angekündigte Gastspiel vor einem bU auf den letzten Platz besetzten Hause. Und — es sei sofort gesagt — sämtliche Darbietungen der auftretenden Künstler fanden reichen Beifall, der sich teilweise so steigerte, daß die Künstler sich zu Wiederholungen verstehen mußten Ich weih nicht, wie wett das Unger'sche Ueberbrettl dem eigentlichen und ursprünglichen des Herrn v. Wolzogen gleichkommt, oder ähnlich ist, denn ich kenne dieses bis jetzt nur aus den in Lob unÄ Tadel sich sehr von einander unterscheidenden Zettungs- kritiken; aber darauf kommt es auch gar nicht an. Wirkliche echte Kunst kann das Ueberbrettl nicht geben, und es sollte auch niemals den Versuch machen, es zu wollen. Das Ueberbrettl ist eben nur ein Ueberbrettl. Der Name, den Wolzogen seinem bunten Theater gegeben hat, weist ihm gleichzeitig auch die Schranken an, innerhalb derer es sich halten sollte. Wenn dem Ueberbrettl so nach der Sette, die der Kunst gehört, von selbst die Schranken gesetzt sind, so sollte es auch nach der anderen Seite niemals diese durchbrechen, etwa versuchen, was leider oft geschieht, die Kunst ins Triviale oder gar Frivole und Obscöne herabzuziehen. Es muß die richtige Mittelstraße zu halten wissen. Was es leisten kann und sollte, ist, den Besuchern einen heiteren Abend zu verschaffen. Und dieser seiner Aufgabe ist sich unser Ueberbrettl in vollem Maße bewußt. Es gelang ihm volkstflnd ganz, seine Gäste fast drei Stunden in eine angenehme, fröhliche Stimmung zu versetzen und darin zu erhalten. Daß dies ohne eine gewisse, zuwetten vielleicht recht große Oberflächlichkeit nicht möglich ist, ist selbstverständlich. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß die Künstler und Künstlerinnen nicht recht Bedeutendes leisten. Und wenn auch nicht alles, so hatte doch vieles obendrein den Reiz der Neuheit. Fräulein Julia Kittel-Sttta zeigte sich als eine tüchtige Operetten-Soubrette, ebenso Fräulein Ina Tavary als nicht unbegabte Koloratursängerrn. Reichen Beifall erzielte besonders Fraulein Elsa Asls mit ihren Vor trägen von Kinderliedern und Fräulein Emmy Könnemann als Rez'tatorim Lluch die Herren bewiesen, daß sie über ein schönes Können verfüg m; insbesondere muß die hervorragende Technik, die der Kapellmeister Riga Alexander bei seiner Klavierbegleitung bewies, betont werden. So wechselten Couplets, deklamatorische und Liedervorträge, dramatische Solo- und Duoszenen in bunter Reihenfolge ab, und wenn auch nicht jedem alles gefallen haben mag, so wird doch jeder gewiß an etwas ober einigem großes Behagen gefunden haben. ** Mit den Erweiterungsarbeiten zu unserem Bahnhofsgebäude ist in soweit der Anfang gemacht roorben, als die Umzäunung des früher Herrn Kirch eingeräumten Gartens entfernt ist und der Mutterboden auf dem Gelände abgehoben wird. Die Gartenanlage vor dem Bahnhofsgebäude muß ebenfalls dem Erweiterungsbau zum Opfer fallen. Man ist bereits dabei, die Bäume zu fällen und das Strauchwerk auszuroden. Darmstadt, 23. Jan. Dem gestrigen Gedächtnisgottesdienst in der Hofkirche für die Königin Vikt oria von England wohnten bet der Großherzog, Großfürst und Großfürstin Sergius von Rußland, die Erbprinzessin von Meiningen, Prchz und Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe, die Prinzessin Friedrich Karl von Hessens die Vertreter des diplomatischen Korps, die Spitzen der Zivil- und Mttttärbehörden. Chaplan Roß hielt die Predigt. Die gestern und heute eingetroffenen hohen Gäste reiften am Nachmittag wieder von hier ab. Griesheim, 22. Jan. Wie verlautet, soll der bei Wermertshausen und Rüddingshausen anzulegende Truppenübungsplatz vom 18. und 11. Armeekorps gemeinschaftlich benutzt werden. Die Truppenübungen auf dem Griesheimer Trup pen- Uebungsplatz sollen eine erhebliche Einschränkung erfahren, wenn die umliegenden Gemeinden in ihren Entschädigungsansprüchen aus Behinderung ihrer landwirtschaftlichen Thätigkeit während der Schießübungen zu weit gingen. Die Artillerie soll dann nur noch an 90 Tagen im Jahre schießen, wogegen die Infanterie ihre Schießübungen auf einem anderen Gelände abhält. b. Mainz, 22. Jan. Die Kohlengroßhandlung Adolf Thomae hier hat mit Rücksicht auf die gegenwärtigen ungünstigen Arbeitsverhältnisie 400 Ztr. Kohlen zur Verteilung an Bedürftige zur Verfügung gestellt. — Erne Bauhandwerkerversammlung, die gestern abend hier tagte, hat bezüglich der Verbesserung des Bauhandwerkerschutzes eine Petition an die zweite Kammer beschloffen, in der ersucht wird, die in dem Entwurf des Bauarbeiterschutzgesetzes niedergelegten, nicht nur für die baugewerblichen Arbeiter segensreich wirkenden, sondern auch die Sicherhett der gesamten Bevölkerung fördernden Vorschläge zu sanktionieren, damit ihnen in nächster Zeit Gesetzeskraft verliehen wird. hf. Frankfurt, 23. Jan. Der Großherzog von Hessen stattete heute mit anderen fürstlichen Herrschaften den Hermes'schen Gemälde-Sälen einen längeren Besuch ab. Frankfurt a. M., 22. Jan. Als Oberst Schiel, der ehemalige Befehlshaber der Burenartillerie, auf Sauet Helena, wo er mit General Cron je die Gefangenschaft teilt, au die Obertertianer des Realgymnasiums „Muster- schuld im vorigen Herbst eine Anzahl von Federhaltern schickte, die von gefangenen Buren aus dem Holz der Napoleons Grab beschattenden Bäume geschnitzt waren, kamen von vielen Seiten Bitten, um ein gleiches Erinnerungszeichen. Oberst Schiel hat daraufhin eine größere Anzahl solcher Burenfederhalter von seinen Mitgefangenen anfertigen lassen, und an einen alten Freund und Lehrer nach Frankfurt gesendet mit der Bitte, den Erlös zu Gunsten der Buren zu verwenden. Die Halter sind handlich und gefällig. Sie tragen die geschnitzte Inschrift: „Sanct Helena, 1901." Weiter schickte er eine kleine Anzahl Postkarten von Sanct Helena. Die eingeprägte Marke zeigt das Bild des Hafens Jamestown. Die Karten sind der Rest der Ausgabe, wettere iverden nicht mehr verkauft; sie haben folglich einen hohen Sammlerwert. Außerdem tragen die Karten die eigenhändigen Unterschriften von General Crouje und Oberst Schiel. Rudolf Ristenpart in Frankfurt, Kaiserstrahe 35, hat sich'' * bereit erklärt, den Verkauf zu Übernehmen. Als Mindestpreis ist M5 1 für die Federhalter, Mk. 5 für die Postkarten festgesetzt: da aber fiur eine beschränkte Anzahl von beiden vorhanden ist, und für die gute Sache ein möglichst h.'her Ertrag erzielt werden soll, werden zunächst Höhergebote (in der Reiyenfolge der Höhe der Gebote) berücksichtigt, und es wird gebeten, bis zum 15. Februar Angebote an Herrn Ristenpart mit deutlicher Adreßangabe einzusenden. An Händler und Wiederverkäuser wird nichts abgegeben. Tie Aushändigung erfolgt vom 20. Februar ab bei Herrn Ristenpart während der Bureanstunden. Zusendung' nach auswärts geschieht je nach Wunsch gegen Postnachnahme oder gegen Posteinzahlung, nachdem vorher der Reflektant durch Postkarte benachrichtigt worden, ist. Gebeten wird, die Portokosten mit 10 Pf. beizufügen. Die Zeitungen sind gebeten, im Interesse der armen Gefangenen auf Sanct Helena diese Notiz abzudrucken. *• Kleine Mitteilungen aus Hesien und den Nachbarstaaten. In Hanau befürwortete eine Arbeiteroersammlung der Diamantschleifereibranche die Einführung eines Diamantzolles, da er die Möglichkeit biete, eher eine Besserung der bisherigen, überaus schlechten Lage herbeizuführen. — Die Baupläne für die Errichtung eines physikalisch-therapeutischen Instituts in Mainz sind so weit fertig gestellt, daß in aller Kürze eine Versammlung der Gesellschaft berufen wird, der die Pläne zur Begutachtung unterbietet werden. — In einer der letzten Nummern eines Frankfurter Blattes findet sich folgende merkwürdige Annonce: „Suche sofort ein älteres, braves, christliches Mädchen vom Lande, welches melken kann, zu einem älteren Herrn. Off. an Königsberg bei Gießen. — Was heutzutage von den Eisenbahnvenvaltungen alles verlangt wird, möge folgender thatsächliche Vorfall zeigen, der in Frankfurt als Kuriosum erzählt wird. Beschwert sich da eine Dame, die im D-Zuge reifte und im Speisewagen dinierte, darüber, daß ein ihr gegenübersitzender Herr mit dem Messer anstatt mit der Gabel gegessen habe. Sie verlangt, daß die Eisenbahndirektion oder die Verwaltung des Speisewagens den Fahrgästen das Essen mit dem Messer verbieten und dieses Verbot durch Anschlag bekannt geben solle. Die entrüstete Dame scheint im kunstgerechten Essen einen sehr wichtigen Lebenszweck zu erblicken. $itterntur. — Klaus Rittlaud. Unter diesem Pseudonym schreibt eine ©öttinger Dame Frau E. H. Klaus Rittlanb ist vorzugsweise Schilderin der modernen Gesellschaft. Ihr Roman ,, E i n Mo- b e r n e r" (Verlag F. Fontane u. Co.), Berlin) ist ein Buch, das man in einem Zuge ausliest, so fein und spannend weiß die Dichterin zu erzählen. Denn Erzählerin ist und bleibt Klaus Rittland in erster Linie. Die vornehme Welt einer großen Stadt PommernZ (Stettin) wird meisterhaft in dem Werk geschildert. Nicht den alten Gesellschaftstypen begegnen wir hier, sondern modernen Menschen aller Art, der koketten sinnlichen und egoistischen Millionärstochter wie der etwas beschränkten, nur dem Pferdesport lebenden Generalstochter, Assessoren, Kaufleuten, Offizieren, Malern. Alle diese Men- schen sind lebensvoll, scharfumrissen dargestellt. Vorzüglich sind die beiden Hauptcharaktere der dekadente Schwächling und Dllettant, Assessor Schirmer, und die lebensmutige, gesund fühlende und rüstige Malerin Erdmuthe Lentz gelungen. Zwischen diesen beiden |o' gänzlich verschieden gearteten Menschen entspinnt sich ein Liebesverhältnis. Der interessante Roman sei allen ernsten Lesern empfohlen. ___ Glngesaiiöl. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt oie Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Bei den Vorstellungen des hiesigen Theatervereins macht sich der Mißstand gellend, daß der Theaterzettel eine Schlußzeit angiebt, die säst regelmäßig erheblich überschritten wird. Die letzte Aufführung sollte programmmäßig um \211 Uhr zu Ende sein, war aber thatsächlich eine volle Stunde später aus. Für diejenigen, die Angehörige aus dem Theater abholen, ist mit bietet. Ungenauigkeit bes Programms ein überaus öbes unb landweiliaes Warten auf ber Straße verbunden. Uns scheint, daß bei den Proben wenigstens einigermaßen die Dauer des Stückes festgestellt werden konnte. Dr M. B. Als absolut erstklassig im Theehandel kann die Firma Meßmer gelten. Durch Güte und Billigkeit bei Hoch und Nieder beliebt, wird Meßmer's Tbee von Familie zu Familie weiter empfohlen. Verkaufsstellen durch Plakate kenntlich. ^agiverpn^tnng. Donnerstag den 6. Februar l. F., vormittags 10 7a Uhr, soll bei Frau Gastwirt Philipp Steffan Witwe dahier die hiesige Gemeindejagd auf 6 Jahre verpachtet werden. Dieselbe besteht aus 336 Hektar Wald und 1134 Hektar Feldjagd. Der Wildstand ist ein sehr guter. Echzell hat Eisenbahnstation der Nebenbahn Friedberg— Nidda. Der Wald liegt 15 Minuten vom Bahnhof. 786 Echzell, 22. Januar 1902. Gr. Bürgermeisterei Echzell. __________Reiz.__________ Iagdverpachtung. Samstag den 8. Febr. d. I., vormitt. 10>/2 Uhr, wird auf dem Rathause dahier die der Gemeinde Nonnen- roth gehörige Jagd, zirka 370 Hektar Feld nebst drei Teichen und zirka 155 Hektar Wald, auf 6 Jahre meistbietend verpachtet werden. Wtt bemerken dabei, daß das Jagdgebiet von der Bahnstation Villingen in 15 Min. zu erreichen ist. Nonnenroth, 18. Jan. 1902. Großherzogl. Bürgermeisterei Nonnenroth. 642 Jacob, Bürgermeister. Hohversteigenmg Freitag den 31. Januar sollen in den Zimmerischen Waldungen zu Winnerod, Distr. Burgwald, versteigert werden. Brennholz: 410 Rm. Buchen-Scheiter, 142 „ Buchen-Prügel, 4 „ Eichen- 4 „ Nadel- 158 „ Buchen-Stöcke, 6 , Eichen- 2 „ Nadel- , 968 „ Buchen-Reiser, 32 „ Eichen- , 10 „ Nadel- , Nutzholz: 30 Eichen-Stämme mit 5,23 Fstm. Inh all, 5 Lärchen-Stämme mit 1,51 Fstm. Inh all, 24 Fichten-Stämme mit 2,99 Fstm. Inhalt, 117 Fichten-Stangen mit 6,56 Fstm. Inhalt. Zusammenkunft vormittags ‘ glO Uhr am Eingänge der Straße Winnerod-Lindenstruth in den Burgwald. Winnerod, 22. Januar 1902. 780] Sarnes. Geflfigdbof beete u. billigste Bezags- quelle für 416 M- lllld Legehühner rc. Aus Veranlassung der unterzeichneten Vereine werden auch in diesem Jahre 708 Vortrage für Kranen nnü Micha aber bie Pflege Pemaabeter aad Kranker abgehalten werden. Die Vorttäge sind unentgeltlich und finden in dem Saale der höheren Mädchenschule, Schillerstr. 8, in der Regel Montags 5 Uhr statt; nur der 1. Vortrag muß Samstag den 1. Februar 5 Uhr abgehalten werden. Wer die Vorträge hören will, roirb gebeten, sich in die bei Herrn Kaufmann Fuhr, Sonnenstr. und in der Alice- schulc, Kirchstr. 20, aufliegenden Listen einzuzeichnen. Zweigverein vom Mcefrauenverein Koten Kreuz._______für Krankenpflege AlvthatW Höhere Kavöels ehraastalt zu Gera. Gegründet 1849. 3 Abteilungen. Die Reifezeugnisse berechtigen für den einjährig-freiwilligen Mtlttärdieust. — Schulpenswnat. 360 Näheres durch die Prospekte.__________ Das Tirettorium. Sanitäts-herein. Montag den 27. Januar, abends präzis S Uhr: General-Versammlung im Saale des Herrn Restaurateur Alb old, Zum Gambrmus, Wetzsteinsttaße. Tages-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. — 2. Vorstandswahl. 3. Wahl einer Rechnungs-Prüfungskommission. — 4. Bericht, betreffend das Auslechen von Luft- und Wafferkiffen. — 5. Verschiedenes. 769 Der Dorstand. Teppiche Vorhänge,Portieren, Nonleaux, Gobelins Tischdecken, Läuferstoffe, Linoleum-Reste sehr billig. 28£. Hr> 1GeschäftSlotal: ■ Ve Werner, Kaplansgaffe 18. 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