Nr. 349 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- bUtter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brü h l'scheu Univers.-Buch- u.Siein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstraße 7. Adresse für Depesche«: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. bl. Erstes Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag 33. Oktober 1902 GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezngspret», monatlich 7bPf^ xüert* jährlich Mk. LL0; durch Aohole- u. Zweigstellen monüllid) 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. auvschl. Beslellg. Annahme ?on Anzeige« für die 'Logesnummer bis vormiliogS 10 Uhr. Zeilenpreis lokal 12Pf^ a«Swarts 20 Psg. verantwortlich: für den poltl. n. allgern. Lett: P. Witiko: für .Stadt und Land^ und .Gerichtssaal' Lurt Plato; für den Anzeigenteil: HanS ©cff. KeKanutmachung. Betr.: Den Schweinerotlauf in Allertshausen. Der Schweinerotlaus in Allertshausen ist erloschen. Die GehLftesperre ist aufgehoben. Gießen, den 20. Oktober 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Wir bringen zur Kenntnis der Jnleresjenten, daß die Königliche Verwaltung oer Armee-Konservenfabrik zu Mainz Angebote in gelben Lvcherbsen und weißen Rund- und Langbohnen aus der letzten Ernte entgegennimmt. Tie Angebote «sind entweder an die Fabrik direkt oder an das den: Verkäufer zunächst gelegene Proviant-Amlt pt richten, dessen Mitwirkung auf Wunsch des Verkäufers auch bei Abfertigung der Sendungen in Anspruch ge* wommen werden kann. Ten Angeboten sind Proben von ungefähr y2 Liter öeizufügen. Zur Preisbemessung wird bemerkt, daß die Abroll- gebührcn vom Bahnhof Mainz bis zur Fabrik 10 Psg. für 100 Kgr. betragen und vom Verkäufer zu tragen sind. Tie Vermittelung der Abfertigung auf dem Bahnhofe Mainz, die Verauslagung der Fracht und Abfuhrkosten übernimmt die Verwaltung, wie sie auch auf Wunsch der Verkäufer Mcogozinsäcke zur Uebersendung der Hnlsen- srüchte zur Verfügung stellt. Gießen, den 21. Oktober 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Betr.: Gesuch des Gerhard Schwalb von Lollar um Genehmigung zur Errichtung einer Dampfkessel an läge. Gerhard Schwalb von Lollar beabsichtigt auf dem Grundstück Flur X Nr 1 der Gemarkung Lollar eine Dampfkesselanlage zu errichten. Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang vom Erscheinen dieses im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Lollar zur Einsicht der Jnteresienten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meldung des Ausschlußes bei Großh. Bürgermeisterei Lollar oorzubringen. Gießen, den 22. Oktober 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breidert. Gießen, 21. Oktober 1902. Betr.: Herbstkontrollversammlungen. Das Großherzogliche Kreisaml Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Die nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf orts- Lbliche Weise zur öffentlichen Kenntnis bringen. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Betr.: Herbstkontrollversammlungen. Bei den diesjährigen Herbstkontrollversammlungen km Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gieße« gehörigen: L Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve (Kleiner Dienstanzug: Mütze, Waffenrock oder Ueberrock, Achselstücke, lange Hosen oder hohe Stiefel beliebig, bei schlechter Witterung Paletot); 2. Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden Entlassenen aller Waffen; 3. Diejenigen, der Landwehr 1. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Herbstkontrollversammlung zugegangen ist. Die Ersatzreseroisten haben bei der Herbstkontrollversammlung nicht zu erscheinen. Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Kontrollpflichtigen anzutreten haben: A. Zu Gießen im Hofe der alte« Kaserne am Brand für die Bewohner von Annerod, Allendorf a. d. Lahn, Alten- Buseck, Beuern, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Großen-Buseck, Großen-Linden, Heuchelheim, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Oppenrod, Rödgen, Trohe, Watzenborn und Steinberg, Hausen, Wieseck, und zwar: Am 4. November 1902: 1. Appell vormittags 9 Uhr. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve, sowie sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1895 und 1896 eingetreten sind. 2. Appell nachmittags 2 Uhr. Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1897 und 1898 eingetreten sind. Am 5. November 1902: 1. Appell vormittags 9 Uhr. Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1899, 1900 und 1901 eingetreten sind. 2. Appell nachmittags 2 Uhr. Sämtliche zur Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden entlaffenen Mannschaften der Infanterie, sowie sämtliche Reservisten der Garde, Jäger, Kavallerie, Feld- und Fußartillerie, Pioniere, Eisenbahn-, Telegraphen- und Luft- s ch iffertruppen. Am 6. November, vormittags 9 Uhr. Sämtliche Reservisten des Trains (einschließlich Krankenträger), Sanitäts- und Veterinärpersonals, Büchsenmachergehilfen, Oekonomie- handwerker, Marinemannschaften, sowie zur Disposition der Truppenteile und Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften der Spezialwaffen und die zur Landwehr 2. Aufgebots überzuführenden Wehrleute. B. Zu Lollar. ! Am 6. November 1902, nachmittags 2 Uhr 30 Mi«., au dem Bahnhof, für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Climbach, Daubringen mit Heiberts- hausen, Lollar, Mainzlar, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda. C. Zu Hungen. Am 7. November 1902, vormittags 9 Uhr 15 Mi«., an der Post, für die Bewohner von Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringels- Hausen, Rodheim mit Hof Graß, RöthgeS, Steinheim, Trais- Horloff, Utphe, Villingen. D. Zu Lich. Am 7. November 1902, nachmittags 3 Uhr, in der Amtsgerichtsstrahe, ür die Bewohner von Albach, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt mit ArnSburg, EttingS^ Hausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Muschenheim mit Hof-Güll, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Ober- Hörgern, Steinbach. E. Zu Grünberg. Am 8. November 1902, vormittags 9 Uhr 15 Miru» am westlichen Ausgange ans der Straße nach Gießen für die Bewohner von Allertshausen, Beltershain, Bersrod, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommer» mühle, Kesselbach mit der Rabenauischen Papiermühle, Lauter mit der Artzmühle, Bingmühle, Georgenhammer, StrelleS- mühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmitttnühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Mein-), Odenhausen mit Appen- börner Hof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddings- Hausen, Saasen mit Bollenbach, Veitsberg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, WetterShain mit dem Hainer-Hof, Winnerod. Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch daS Hauptmeldeamt) einzureichen und muffen durch die Bürgermeisterei, bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt sein, werden aber nur im dringendsten Notfälle genehmigt. Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zn erscheinen. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen. Die Militärpapiere (Paß mit eiogellebter Kriegsbeordermrg und Führuagözeugms) muffen zur Stelle fein. Sämtliche Mannschaften stehen im Laufö des ganzen Kontrolltages bis einschl. Mitternacht unter dem Militärgesetz. Gießen, 20. Oktober 1902. Großh. Bezirkskommando Gießen, von Mosch, Oberstleutnant und Kommandeur des LandwehrbezirkL Gieße«. Politische Tagesschau. Schweigende Minister. Man schreibt uns aus Berlin, 22. Oft: Es ist auf gefallen, daß weder Graf PosadvWSkH noch der Reichäschatzsekretär Frhr. v. Thielmaun, der eigentlich „her nächste dazu" war, in die Debatten über die Getreide-ölle eingegriffen Haden. Ebenfo erwartete man vergeblich von dem preußrschjen LandwirtschaftS-Mi» nister v. Podbie lski eine fachmännische Darlegung. Die drei Herren wohnten dem größten Teil der parlamentarischen Verhandlungen bei; ihre Mitwirkung beschränkte sich jedoch auf Konferenzen mit Führern der Rechten und des Zentrums, teils im Saale, teils hinter der Szene. Herr v. Podbielski telegraphierte durch Zeichensprache den Wunsch Feuilleton. Berlin, 20. Okt Tre Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten hielt am Sonntag mittag 11 Vs Uhr im Bürgevsaale des Kathauses ihre ungemein zahlreich besuchte Eröffnungs- unb konstituierende Versammlung ab. Nach einigen einleitenden Worten Reissers hielt Dr. Bla sch ko einen sehr interessanten Vortrag über die Verbreitung der Geschlechtskrankheiten. Höchst wichtiges, teils erschreckendes Zahlenmaterial machte allen Anwesenden die Notwendigkeit eines zielbewußten Vorgebens gegen diese Gruppe übertragbarer Krankheiten verständlich. Lesser setzte dann die Gefahren Der Geschlechtskrankheiten auseinander, ohne die Aussichten zu verschweigen, welche eine rationelle und in erster Linie schnell eingeleitete ärztliche Lehandlung auf Heilung eröffnen. An diesen Vortrag knüpfte sich ein solcher des Vorsitzenden, Geheimrats Kirchner, Welcher die in Rede stehende Materie vom Standpunkt der sozialen Hygiene beleuchtete und Parallelen zog Mischen den gegen andere Seuchen, Tuberkulose, Typhus, Pocken usW. gerichteten Bestrebungen und den Zielen der neu zu gründenden Gesellschaft. Nachdem so der Anfklärungsdienst in dem zu eröffnenden Feldzug seine Schuldigkeit gethan hatte, entwickelte Neisse r in kurzer, präziser Weise die Aufgaben, welche sich die neue Gesellschaft zu stellen hat. Neben der rein hygienischen Regelung und Bekämpfung der Prostitution, Ausbildung der Prophylaxe, Gewährleistung der geeigneten Therapie, sind es auch ethisch-moralische Ausgaben, welche zu läsen sein werden. Die Erziehung der Jugend zur Enthaltsamkett, die Beseitigung des Irrglaubens, daß Keuschheit etwas Gesundheitswidriges darstelle,! die Unterdrückung und Bekämpfung der gerade auf dem Gebiete dieser Krankheiten so emsig thätigen Kurpfuscher, der Schutz der Mädchen und Frauen gegen die in einer Infektion liegende Körperverletzung durch das Gesetz in vielleicht höherem Maße als bisher und schließlich die energische Durchführung des Gedankens, daß geschlechtskranke Personen nicht als ehrlos behandelt werden, sondern daß ihnen in ganz besonderer Weise ärztliche Fürsorge, ambulant sowohl wie in Krankenhäusern, zu teil wird, das sind die Aufgaben, welche die neue Gesellschaft zu übernehmen gewillt ist. Hierauf machte Direktor Uhlmann als Vorsitzender des Verbandes deutscher Ortskrankenlassen interessante Mitteilungen über die Behandlung der Geschlechtskranken bei den Kassen und brachte zum Schluß den einstimmig angenommenen Antrag ein: „Die Gesellschaft wolle bei der Reichsregierung petitionieren, daß bei der Novelle zum Krankenversicherungsgesetz der Passus gestrichen werde, welcher den Kassen gestattet, bei Geschlechtskranken die Bezüge ganz oder teilweise zu verweigern. Nach einem Hoch auf die Mitglieder des Vorbereitenden. Komitees, welches Professor v. Bergmann ausbrachte, schloß die Versammlung. Mit wie primitiven Mitteln der Bergbau ettist begonnen und mit lvas für einem gewaltigen Apparat er heute in Tiefen, die man früher für unzugänglich hielt, betrieben wird, davon geben die Ausführungen des Geologen Prof. Sapper im soeben erschienenen Heft 12 des großen naturwissenschaftlichen Prachtwerkes „Weltall und Menschheit" (Deutsches Verlagshaus Bong LCo., Berlin W. 57. Preis pro Lieferung 60 Psg.) ein anschauliches Bild. Es ist hochinteressant, einen Blick in jene mittelalterlichen Bergwerke mit ihren plumpen Fördermaschinen zu werfen, Wie dies die zahlreichen vortrefflichen Jllustra* Honen des epochemachenoen Werkes ermöglichen. Wie ganz anders nimmt sich ein modernes Bergwerk mit seinen gemauerten Schächten, seinen elektrischen Leitungen, Bohrmaschinen, Ventilationsanlagen nsw. dagegen aus- Einen Durchschnitt durch ein modernes SteinkoblenberKverk giebt Heft 12 des Werkes in einer meisterhaft ausgeführte« großen Tafel, die auch die lleinsten Details eines Berg» werksinnern darstellt. Ein Gegenstück dazu ist das Bild, das die Arbeiter in den Schwefelgruben Sizlliens zeigt.. Die dem Heft beiliegende breiteilige bunte Tafel, die drei verschiedene Landschaften unter selten en atmosphärischen Erscheinungen zeigt, wird nicht nur den Naturfreund befriedigen, sondern auch das Auge jedes Künstlers entzücken. Aus Heft 13 sei die große farbige Wetterkarte erwähnt, die namentlich durch die genaue beigedruckte Erklärung über das Ablesen Don Wetterkarten, vielen, die sich bisher mit der täglichen Wetterkarte chrer Zeitung nicht befreunden konnten, hoch willkommen sein wird. Ins Wunderland der neuen Welt, in den Pellowstone-Park, führt uns die 14. Lieferung. Eine farbenprächtige Kunstbellage, die dem Heft beigegeben ist, zeigt den ^eltowftone^ec, über den sich ein Regenbogen wölbt; das Bild giebt den landschaftlichen Charakter dieses, die seltsamsten Naturwunder einschließen- den, riesenhaften Nationalparkes, der bekanntlich noch Beschluß der Regierung unverändert erhalten bleiben soll, bestens Wieder. Endlich sei noch auf das Faksimile eines fliegenden Blattes aus dem Jnhre 1755 hingewiesen; es enthält eine Beschreibung „des ganz erschrecklichen Erdbebens, wodurch die tönigl. portugiesische Residenzstadt Lissabon samt dem größten Teil der Einwohner zu Grunde gegangen". Besonders interessiert bic schreckliche, aber un- glcmblich naive Abbildung dieses Ereignisses. nach eftter vertvaukuhen Biertekstmrde fernen ehemalige» Partei freunden, — ober, wenn der Landwirtschaftsminister noch st> eifrig den dem Ruf Folge leistenden Agrariern ins Gewissen geredet haben mag, eine von ihm ausgehende Begründung vor dem Reickstag und vor dem Lande, daß das Maß der Getreidezölle allen berechtigten Forderungen der Landwirtschaft genüge, wäre unzweifelhaft wirkungsvoller gewesen. Graf Bülow gilt der Rechten nicht sachverMndig in landwirtschaftlichen Dingen. Herrn von Podbielski hätte man natürlich mit solchem Einwand nicht kommen Nnnen. Es ist doch wohl auf die Weisungen des „Chefs", deS RerchskanKlers, zurüctzuführen, daß die drei genannten Herren nicht das Wort ergriffen. Weshalb dies geschah, weshalb die Regierung nicht ihre besten verfügbaren Kräfte aufbot vor dieser wichtigsten Entscheidung über den Zolltarif, das ist schwer begreiflich. Dor der Oeffentlichkeit mußte die Position der Regierung als eine bei weitem schwächere, als die des Reichstags, erscheinen, und es ist manches seitens der Regierung unwidersprochen Sebüeben, das einer sofortigen Richtigstellung bedurfte. Die Unterhandlungen werden fortgesetzt! Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns unterm 22. Oktober: Es wird versichert, die Regierung sei von der gdeichstags-Ni^erlage nicht allzu hart betroffen. Tie Regierung, so erzählt man, habe im gegenwärtigem Augenblick kein anderes Ergebnis erwartet; dasselbe sei nicht von praktischer, sondern von „demonstrativer" Bedeutung. Demonstrativ insofern, als die landwirtschafts- freuudlichen Parteien ihren Wählern den guten Willen und den Eifer, höhere Getreidezolle zu erlangen, hätten zeigen wollen. „Man spricht nicht so ausführlich, wenn man den Abschied gicbt", läßt sich hier ein Citat variieren. Würde der Standpunkt der agrarischen Opposition gegen den Zolltarif cüi unerschütterlicher sein, dann fänden doch nicht fortwährend intime Besprechungen der Führer mit der Regierung statt! Auf beiden Seiten ist der Wunsch vorhanden, zusammenzukommen. Graf Bülow, als erfahrener Tiplvmat, weiß, daß es am besten ist, mit jedem, dessen Einfluß ins Gewicht fällt, einzeln zu verhandeln. Auf einen Streich fällt kein Baum. Zeit ist vor allem erforderlich. Es geschieht imEinverständnis mit dem Zerllrum und mit der Rechten, daß die zweite Lesung des Tarifentwurfs ohne längere Unterbrechung fortgeführt wird. Älluh das ist ein Zeichen, daß es diese Parteien nicht zum äußersten kommen lassen wollen. Sowie die Regierung mit den parlamentarischen Vertrauensmännern im Reinen ist, wird die Zollberatung im ReichK- tagsplenumdas „Töfs-Tösfi^-Tempo der letzten Kvmmissions- beratungen annehmen. Eine Abänderung der Geschäftsordnung zur Mattsetzung der Obstruktion ist keineswegs ausgeschlossen. Im Zentrum wie auf der Rechten trachtet man nach einer Gelegenheit, der Linken die Obstruktion gegen die ,^Lex Heinze" heimzuzahlen. Das kurz erwähnte Schreiben de8 Kaisers an den Herrenmeister des Johannücr-Qrdens, Prinzen Albrecht von Preußen, anläßlich der am 15. Oktober vor 50 Jahren erfolgten Wiederaufrichtung der Ballei Brandenburg hat folgenden Wortlaut: „Am heutigen Tage begeht die Ballei Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannes vom Spital zu Jerusalem den süns- ägjährigen Gedenktag ihrer Wiederaufrichtung durch weiland Se. Maj. den hochseligen König Friedrich WUHelm IV. Das lebhafte Interesse und die große Wertschätzung, welche Ich als Landesherr und Protektor für den Johanniter-Orden empstnde, habe Ich bereits mehrfach bei Meinem Zusammensein mit der Ritterschaft in ihrem ehrwürdigen Sonnenburger Ordensschlosse wie erst vor weni- K'™ onden bet der Feier der Wiederherstellung des Marienburger lofses des Deutschritter in besonderer Weise bezeugt; auch habe Ich zum Zeichen Meiner Teilnahme an den Bestrebungen des Ordens die Insignien desselben Selbst angelegt. Es ist mir aber ein Bedürfnis des Herzens, heute Euerer Konigl. Hoheit als Herren- meister der Ballei und der gesamten Ritterschaft des Ordens erneut Meinen Königlichen Tank und Meine Anerkennung für die segensreiche Thätigkeit auözusvrechen, welche die Baller in den verflossenen 50 Jahren eniialtet hat. Ten hochherzigen Intentionen folgend, welche den in Gott ruhenden König bei der Wiederauf- richtung der Ballei beseelten, und den Aufgaben und Pflichten getreu, welche der Ritterschaft durch Statuten und Gelübde auferlegt sind, hat der evangelische Zweig des Johanniter-Ordens unter der weisen Führung feiner beiden ersten Herrenmeister, weiland des Prinzen Karl von Preußen und Euerer Königl. Hoheit, sich während der 50 Jahre durch Werke selbstloser Barmherzigkeit um die leidende Menschheit in hohem Maße verdient gemacht und ein glänzendes Zeugnis von echt evangelischer und ritterlicher Gesinnung abgelegt. Aus kleinsten Ansängcn heraus ist es der Ballei Der- gönnt gewesen, nicht nur im Anschluß an das frühere Wirken des Ordens im heiligen Lande daselbst sür die Kraiiken und bedürs- tigen Besucher der uns Christen so teuern Stätten durch Begründung eines Hospizes und eines Krankenhauses Sorge zu tragen, sondern auch den jetzigen bedeutmigSvolleren '2lufgaben des Ordens getreu, in der deutschen Heimat durch zahlreiche Krankenhäuser und eine ausgedehnte Liebeslhätigkeit zur Linderung der menschlichen 9h>t beizutragen. Auch in den drei Kriegen, in welchen Deutschland seine Einigung wieder gefunden und seine jetzige Stellung im Rate Der Völker errungen hat, haben die Johanniter sich in anspruchsloser, ehrenvoller Arbeit unverwelklichen Lorber erworben unb ihren Ruhm darin gesucht, Wiinden zu heilen, Thränen zit trocknen und Herzen aufzurichten. Daß dabei die Rittertreue selbst bis zum Tode geübt und mit edlem Blute besiegest ist, das thun die schwarzen Taseln im Rittersaale zu Sonnenberg uns und allen nachfolgenden Geschlechtern zur Nacheiferung kund. — Und wie der ritterliche Geist dienender Liebe und der vorbildliche gottesfürchtige Wandel der Johanniter in der Vergangenheit reiche und schöne Früchte gezeitigt haben, so hoffe und vertraue Ich, daß die Ballei Brandenburg unter dem Zeichen des Kreuzes, das als Symbol des Erlö- sungöweckes unseres Herrn und Heilandes die Welt überwunden hat, suchen Zukunft reichen Seaen schaffen und sich allezeit als eine feste Stütze für Thron und Altar erweisen werde im Kampse nicht nur wider die Leiden der Menschheit, sondern and) wider den Unglauben und die Feinde der göttlichen und menschlichen Ordnungen. Sabinen, den 15. Oktober 1902. Wilhelm R/ Aus Stadt und Land. Gießen, den 23. Oktober 1902. ** Gedenktage. Zu Frankfurt a. M. wurde am 24. Oktober 1811 der vortreffliche Komponist und Musikschriftsteller Ferdinand v. Hiller geboren. Die Zahl seiner Kompositionen beträgt über 200; am berühmtesten ist daS Oratorium .Zerstörung Jerusalems*. Als Schriftsteller hat sich Hiller durch Erinnerungen an Beethoven und Mendelssohn und populäre musikalische Bücher bekannt gemacht; große Verbreitung sanden seine .Uebungen zum Studium der Harmonie und des Kontrapunktes*. ** Zu den Landtagswahlen schreibt man au5 Schotten: Es ist nicht wahr, daß der Großherzog sich r91 rat ht 9Irnr* nrit Weidner photographieren ließ, eS handelte sich vielmehr um eine zufällige Moment- Aufnahme. WeidnerS Wiederwahl ist sehr zweifelhaft, da er mehrere Konkurrenten hat, Oberförster Dr. Weber in Konradsdorf, zu besten Gunsten ein Wahlaufruf erschienen ist, in dem auf Webers Schrift über die Bodenwirtschaft im Vo- gelSberg hingewiesen wird, sowie auf seine Kenntnis der Landwirtschaft und der gewerblichen und wirtschaftlichen 93er» hältniste des Landes, seine Thätigkeit auf dem Gebiete deS Sparkastenwesens und der Gründung der hestischen Hypothekenbank und anderer gemeinnütziger Anstalten. ** Gastspiel Richard Kirch. Herr Richard Kirch, bekannt durch seine hervorragenden Engagements als erfter Helden liebhab er (Hamburger Stadttheater, Hoftheater Dresden, Deutsches Volkstheater in Wien, jetzt Frankfurter Schauspielhaus), wird, wie wir bereits mitteilten, am kommenden Sonntag im hiesigen Stadttheater als „Othello" gastieren. Herr Kirch hat in letzter Zeit durch seine Gastspiele in London von sich reden machen, wo er, Shakespeares Othello" und .Hamlet" so erfolgreich verkörperte, daß die Londoner Blätter ihm ausführliche Besprechungen widmeten. So schreibt u. a. der „Standard" in London: In seiner Personifizierung des Othello kommt Herrn Kirch ein hoher Grad vorteilhafter physischer Veranlagung zu statten. In seinen leidenschaftlichsten Szenen zeigte er sich fast ebenso einem Mörder ähnlich als Ta- magno in Verdis Oper. Der Othello des Herrn Kirch war in ein solches Stadium von Raserei gelleidet, daß der größte Teil des Auditoriums in den Glauben versetzt worden sein mag, es sei der Leidenschaften zu viel gewesen. Ter deutsche Künstler hat das Publikum zu fesseln verstanden. Bingen, 22. Okt- Wie immer, so auch in diesem Jahre macht die Firma Stück u. Fischer den Armen der Stadt Bingen ein Geschenk von 400 Zentnern Kohlen. — Bei der Stadt ist jetzt die Klageschrift der bei der Pulverexplosion im Frühjahre zu Schaden gekommenen Anwohner der Mainzer Straße eingegangen. Die Klageschrift richtet sich außer gegen die Stadt noch gegen den hessischen Staat und die Firma B-retz und Huff, welcher das in die Luft geflogene Pulverhaus gehörte und lautete insgesamt auf ungefähr 20 000 Mark Schadenersatzsorderung. Die Kläger werden von fünf Rechtsanwälten aus Mainz vertreten. Auf den Ausgang der Klage kann man gespannt sein. Kom deutschen Keterinärrat. lieber die 9. Plenarsitzung des deutschen Veterinärrates zu München sei noch folgendes nach der „Augsb. Abend- ztg." berichtet. Als Vertreter des Reichsamtes des Innern war erschienen Geheimrat Dr. Kelch als Vertreter des Reichs- gesmrdheitsamtes Geheimrat Dr. Röckl. Auch die tierärztlichen Hochschulen hatten Vertreter entsandt, die Veterinärabteilung der Universität Gießen den Prof. Olt. Im ganzen sind ca. 200 Teilnehmer aus allen Gauen Deutschlands anwesend. Ter Präsident des deutschen Beterinär- rates, Geh. Medizinalrat Dr. Esser-Göttingen erstattete Bericht über die Ereignisse innerhalb der Korporation seit deren letzter Generalversammlung im Jahre 1897. Auf die beim Reichskanzler und anderen beteiligten Stellen überreichte Eingabe bett, die Militarveterinäre, seien bereits Verbesserungen eingetreten und weitere stehen in sicherer Aussicht. Aus die 1899 dem Reichskanzler überreichte Eingabe betr. die gesetzliche Regelung des tierärztlichen Tispensierrechts für das Reich, haben die Apotheker, wenigstens in Norddeuischland, mit Gegenmaßregeln und einer Gcgenagitation geantwortet, die jedoch z. Zt. zum Stillstand gekommen ist; dem Vernehmen nach schjweben Verhandlungen zwischen den beteiligten Ministerien, die wohl erst beenbet sein müssen, ehe an eine Regelung dieser Angelegenheit von Reichswegen gedacht werden kann. Die vom Veterinär rat erbetene Gleichstellung der tierärztlichen Gebühren und Forderungen mit den ärztlichen in der Kvnkursvrdnung ist erreicht worden. Tie Beschlüsse des Veterinärrates betr. die Fleischbeschau sind durch das Fleischbeschaugesetz in der Hauptsache erfüllt worden. Das feit 1885 immer wiederholte Verlangen des Veterinärrates, für das Studium der Tierheilkunde das Abiturientenexamen vorzuschreiben, ist erfüllt. Geh. Oberregierungsrat Dr. Kelch-Berlin führte aus: Schon bald nach dem Inkrafttreten der Novelle zum Reichsviehseuchengesetz habe sich die Ueberzeugung geltend gemacht, daß in kurzer Zeit eine weitere durchgreifende Revision dieses Gesetzes werde erfolgen müssen; es gelte nicht nur die Vorschriften über die Seuchenbekämpfung im allgemeinen noch sachgemäßer zu geftalten, sondern hauptsächlich gewissen Seuchen gegenüber, die bisher noch nicht die ihnen gebührende Behandlung gefunden haben, besondere ihrer Eigenart entsprechende Vorschriften zu erlassen; er erinnere nur an die so verheerend auftretenben Schweine- und Geflügelkrankheiten unb vor allem an bie Rindertuberkulose, welche der Landwirtschaft und dem Fleischergewerbe jahraus jahrein die schwersten Sckstiden Aufügt, ohne daß es bisher möglich war, einheitlich und durchgreifend dagegen vorzugehen. Bereits vor Jahren sei das t Gesundheitsamt beauftragt, bie Vorarbeiten für bie Revision bes Gesetzes in die Wege zu leiten; biefe haben naturgemäß geraume Zeit in Anspruch genommen, nun aber fei ein, wenn auch nur vorläufiger unb zunächst noch vertraulich behanbelter Gesetzentwurf aufgeftellt worden, der im nächsten Monat im k. Gesundheitsamt von einem weiteren Kreis von Sachverständigen durchberaten werden sott. Es sei zu erwarten, daß ein Gesetz, welches dergestalt unter Mitwirkung der berufensten Vertreter der deutschen veterinärmedizinischen Wissenschaft zu {taube kommt, auch das Richtige treffen wird zu Nuß unb Frommen unserer Viehzucht unb Viehhaltung und zum Segen ber habet beteiligten Berufsstände, insbesondere der deutschen Landwirtschaft. Der Vorsitzende Dr. Esser gab einen lleberblick über bie Wirkung der jetzigen Viehseuchengesetzgebung. Tie wesentlichste Grundlage sei die Anzeigepflicht. Im allgemeinen könne man die Frage, ob das Retchsviehseuchen- gesetz in den zwei Tezennien seines Bestehens die darauf gesetzten Hoffnungen erfüllt habe, bejahen. Bei einigen Seuchen ist der statistische Nachweis zu erbringen, baß die Wirkung des Reichsviehscuchengesetzes sich in einer Abnahme derselben wiederspiegelt, bei arideren haben die getroffenen Maßnahmen scheinbar versagt. Redner giebt bezüglich einiger Seuchen eine vergleichende Zusammenstellung des Standes in den Jahren 1686, 1895 und 1900. An Milzbrand erkrankten in diesen Jahren in Deutschland 213 bezw. 3949 bezw. 4050 Tiere; das bedeutet aber that- sachlich keine 93ermctvung der Krankheitsfälle, ist vielmehr im Wesentlichen zurückzuführen auf Einführung der Chü> schädigung bet Milzbrandfällen, wodurch Verheimlichungen seltener wurden. In den eigentlichen Milzbranddistrillen sind notorisch die Milzbrandfälle nach Etnführung der veterinärpolizettichen Maßregeln seltener geworden. Aehn- lich ist es beim Rauschbrand. Bezüglich der 9But- kran kheit läßt sich, wenn dieselbe auch sehr unglich über Deutschland verbreitet war, die günstige Wirkung der Seuchengesetzgebung doch leicht feststellen. Die Gesamtzahl ber Erkrankungen betrug in den genannten Jahren 577, 489 und 987, wöbet aber zu berücksichtigen ist, daß die Zunahme sich nur auf die russisch-polnische und österreichische Grenze erstreckt, während das Binnenland fast frei ist. Eine Grenzsperre ist unmöglich, deshalb werden wir in den Grenzgebieten voraussichtlich immer von überlaufenden tolle« Hunden, Wölfen, Füchsen usw. eine Einschleppung zu befurchten haben. Ta die Uebertragung der Wut saft ausnahmslos durch den Biß kranker Tiere, insbesondere der Hunde, erfolgt, ist die Einsperrung der Hunde eines verseuchten Bezirkes eine sehr wirksame Manregel durch Verhütung der Weiterverbreitung. Hierdurch und durch Anordnung der Tötung kranker, verdächtiger und aller von tollen Hunden gebissenen Hunde und Katzen sind die im Binnenlande auftretenben Seuchenherbe sicher unb in verhältnismäßig kurzer Zeit getilgt worben. Die Rotzkrankheit ist unter der Einwirkung der veterinärpolizeilichen Maßregeln mehr und mehr eingedämmt worden. In den genannten drei Jahren wurden als rotzkrank gemeldet 1220, 590 unb 784 Pferbe. Die größten Schwankungen weift in den letzten beiden Dezennien der Stand der M aul- unb Klauenseuche auf, deren enorme Ansteckungsfähigkeit bewirkt, daß sie sich sehr rasch über den ganzen Viehbestand eines Landes verbreitet. Ta sich das Seuchengeietz von 1880 gegen diese Seuche als wirkungslos erwiesen hatte, wurden durch eine Novelle von 1894 schärfere Maßregeln vorgesehen, allein auch diese haben die Erwartungen des Gesetzgebers nicht erfülll, vielmehr sind diese in das wirtschaftliche unb Derkehrsleben tief einschneidenden Strafbestimmungen sehr unpopulär geworden, jn Kreisen der Fachleute ist man darüber einig, daß der Schwerpunkt des Vorgehens gegen die Maul- und Klauenseuche auf die Erfindung eines praktisch bewährbaren Jmmu- nisierungsverfahrens zu richten sei. Die Zahl der Erkrankungen an Maul- und Klauenseuche betrug in den drei Jahren 13 603, 464 636 und 1046149. (Gegenwärtig ist bekanntlich ganz Teutschland fast frei von der Maul- unb Klauenseuche. D R.) Die Lun g en seuche, welche früher ben Rinbviehbestanb in Deutschland sehr stark bezimierte und mit Recht nach ber Rinberpest als die gefährlichste Rinderkrankheit angesehen wurde, ist unter ber Wirkung des Seuchengesetzes allmählich immer mehr zurückge- aangen; sie ist zur Zeit nur noch im mittleren Deutschland vorhanden. Die Tötung kranker, verdächtiger und ansteckungsverdächtiger Rinder unb die Gewährung von Entschädigungen haben augenscheinlich diesen Rückgang erzielt. Die Immunisierung einzelner Viehbestände durch Impfung hat ebenfalls den Kampf gegen diese Seuche in einigen Gegenden wesentlich erleichtert. Es erkrankten daran in den drei Jahren 1778, 940 und 468 Rinder. An den Schafpocken waren in Deutschland im Jahre 1886 noch 7462 Schafe ertranft, dann aber trat diese Seuche bis 1899 überhaupt nicht mehr auf. Die veterinärpolizeilichen Bestimmungen des Seuchengesetzes haben sich also bei dieser Seuche vorzüglich bewährt. Während die Beschälseuche ber Pferde von 1886—1900 in Deutschland überhaupt nicht vor kam, handten Artikels vom 18. Dttobec der Erlaubnis zum Hörer der Vorlesungen bet den einzelnen Do-1 in diesem Blatte widerlegt fern, wonach die Einrichtung d^Kirchen- zenten. Während die Herren früher, wenn sie überhaupt dem Vorstandes der „ganzen Gemeinde nicht iMpathisch sim soll, ^rauenstudium wohlwollend aegenüberstanden, anstandslos ihre Was die in dem emgesandten Artikel^erwähnte Warnung von bei Einwilligung erteilten, senden sie jetzt zum Teil die Formulare zu- Kanzel betristt, so bewg nnb beziehtstch d'e elbe cuif d^ den Gottes- rück mit dem Vermerk, daß erst Näheres über den Studlengang, I dienst besuchende Schuljugend und hatte^folgenden.Wott^M'„Vo, über den Zweck des Studiums mitgctellt werden müsse, ehe die Beginn der Abendgottesdienste sollen sich die Schüler nicht lärmend Erlaubnis zum Hören ber betreffenden Vorlesungen gegeben wer-1 und spielend bei der Kirche herumtreiben, wie dies im.vorigen i den könne. Die Russinnen werden nicht mehr auf das Zeugnis > der Reife der russischen Mäbchengymnasien hin ^zugelassen, sie müssen entweder die akademischen Frauenkurse solviert haben, oder den Nachweis xiber b----- . liche Leistungen erbringen können. SSnfe Hi üftj? Mr? .?pung zu £ L«1 W aus- ^lonbete be? •un^ eines ver- ce9e[ durch unddurZ^ .und aller A? itltb die im unding ^Rotzkrauk- ^urpolizeilicheu =7=«- VS ^gemeldet 1220 sFuul- und teckungsfahigkeit ganzen Vieh- M^uchengesetz lngvlos erwiesen schärfere Maß- die Erwartung Uld diese in das einscüneidendeu dal. Ln Kreisen der Schwer- rnb Klauenseuche hrbaren Jmm- e Zahl der Lr- betrug in den drei .Gegenwärtig ist i der Maul- und h e, welche früher ' ftort dezimierte die gefährlichste iter der Wirkung mehr zurückge. nittleren Teutsch verdäcktiger uti Gemynmg M ejm Rückgang ehbestönde Älch i diese Zeche in -s erdMÜm da- 468 Wer. An i im Zähre M rat diese Seuche veterinärpolizei'' haben sich also Lähmd bie Be- •1900 in Leutsch- ^üschenLu;. t Ainder im- . Lchwmknnaeii, oemnnten drei >ep. 329 ft"* ck Rinder. 3n* sichen Maßreged ;n. Während M istnahmen bei den dieselben die h bet WH Wichtigste Mast- •ff Gießen, 2L Okll (Schöffengericht.) Die Verhandlung gegen die Knechte Karl B. und Hemrtch B. aus Rödgen wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges und wegen Beledigung ergab folgenden That- bestand: Ein gewisser Emil H. hatte zur Zett der Heuckel- hetmer Kirchweih nachts mit einem jungen Mädchen den Heimweg angetreten. Unterwegs Kefen ihnen plötzlich zwei Männer nach, indem sie „Rindviehsttmmen nachahmten". DaS Paar, in s'oi unliebsamer Weise gestört, stellte die Männer zur Rede, worauf sich ein Streit entspann, tm Verlauf dessen H. eine so schwere Kopfwunde erhiett, daß er zu Boden sank. Darauf zerrten die beiden Männer das Mädchen hin und her mit der Auffordmmg mit ihnen, statt mtt jenem zu gehen. Für diesen Rohettsakt erhielt, ! unter Annahme mildernder Umstande, Heinrich B. eme Gesamtstrafe von 6 Wochen, Karl B, der noch nicht vorbestraft ist, eine solche von 5 Wochen Gefängnis. - Der Ludwig P. auS Großenlinden war wegen Ruhestörung cmgezeigll Durch irgend eine Veranlassung aufgebracht, oerfiM er unter lautem Geschrei eine Ladenscheibe in seinem Torfe einzuwerfen,, wurde aber daran^von fernem Bürgermeister verhindert. Hierauf wandte sich P. skanda- I tterend inw drohend auch gegen diesem Tas Urteil lautete auf eine Woche Haft. — Konrad R. aus Gießen hatte sich wegen verbotenen Baggerns m zwei Fällen zu veranders entgehen konnte: „Wahrlich ein Wort zur rechten Zeitz denn man sollte kaum memen, daß es sich um einen Gang nach 1 und von der Kirche handelte", ist unverständlich. — Nach der Notiz des Einsenders findet im Allgemeinen gegen 7 Uhr das Abends essen hier statt. Diese häusliche Ordnung wird fernerhm mch meht Ä werden, da für die näcbfte A-U die G°-t°Sdi°nst- uni 3/6 beginnen und um '/? Uhr beendigt sem werden, spater hinaus, bei der Zunahme der Abende noch früher. — Nach der vorstehend den Darlegung ist die Sitte des Einsenders: »Kebren wir zm: guten alten Litte zurück" nicht erfüllbar. Eine solche Rü^ehr bedeutete nicht eine Förderung, sondern eme Schädigung deS kirchlichen Lebens unserer Gemeinde. ,, 3 F.Hellwig, Vorsitzender des Kirchenvorstandes. ———— . A ii m95 Pfg. bis Mk. 18.- p. Blousen-Seide ss Musterauswahl umgehend Seidenfabrik Henneberg, Zürich. ite Temperatur am 21.—22. ciaste . . 21.—22. selten verendet. Man wußte eteu mit bet großen ttefcr- m?.n. „ s cküssen au Kartoffeln nichts anzufanaen, man mußte ste Konigm ungefähr eine Million f höfütteru oder verfaulen lassen. — 5ch häbe getrocknete diese Summe ihren Töchtern zm Aber Sartvsseln a es eben sie sind ähnlich wie die Zuckerrüben zu König Leopold behaupten wird, er habe als Gläubiger em für daS Schweinevieh ist sbrtig. i | Hetzer, als ein Mann, der sich grobe U n anstä n d i g keilen Und nun das Neueste. Aus der Textorschen traueret au @ci)uU)en toininen lassen und als em „Schweine- läüt soeben foerr Gg. Bichler einen Trockenapparat auf-- priester" bezeichnet. Krösel stellte Strafantrag bet der Stacsts- der Apparat den gerechterweise zu machenden Ansprüchen antl.cten ^olle. Es solle unter Beweis gestellt werden, daß der nicht genügt. Es ist erfreulich, wenn sich kapttalkrasttge R^ger in heftigster Weise in der Kouitzer Sache gegen die Juden und weitausschauende Landwirte entschließen, ein solches Partei genommen habe und im Lande umhergerelst sei, um durch Unternehmen für die eigenen Zwecke ms Werk zu setzen. Vorträge in Volksversammlungen den Standpunkt zu vertreten Sie nützen damtt nicht allein sich selbst und ihren Kollegen, daß d er Ritua l mord be t ben Jude n gebräuchUch dL "Ää foXrn bet Menschheit (XX überhaupt. Much dies Unternehmen wird dazu beitragen, 1^» benutzen. In betreff des Vorwurfs der „Unanftänbigteit" einmal die eigene Viehhaltung unabhängiger von den un-1 e^DeirJ er QUj tie Thatsache, daß der Kläger wegen eines eigengünstigen Witterungsverhältnissen und damit den iTUf^r-1 -^^denbruchs zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. | ernten zu machen, es wird auch andere ermutigen, in gleicher brösel hatte nach einer Kaiser-Geburtstagsfeier sein Logis ansge- Weise vorzugehen. Vielleicht erst nach zwei Jahrzehnten jUCM das ihm bei einem befreundeten Gutsbesitzer angeboten wor- toerben wir auf genossenschaftlichem Wege derartige Trocken-Iden setz Er sei dabei versehentlich in das Zimmer der Wirtschaf- l avvarate aufstellen sodaß auch der kleine Landwirt feine terin geraten und habe sich erst wieder entsertitz nachdem dre un ! l^ickt verc^nglich^i Fmttermtttel in Dauerware Überführen Bett liegende Bewohnerm ihn mermal m.der energihchstm West« kann, um haushätterisch und Sleichmaßig ferne dttttzttere ,^Zu au^ge,or^r ^l ^omme"n l)abe, daß der damalige Angeklagt, ernähren zu tannen. Aber emer bet uns muß benr™a unf?ttlid)e Zwecke verfolgt habe, so muffe dessen Verhallen doch als haben, anzufangen, und der Anfang ist gemacht. Anfangs unanständig" bezeichnet werden. Zum drillen Punkt, betreffend dLovember arbeitet der erste Trockenapparat für Rubenblatter Ausdriick „Schweinepriester", stellte Rechtsanwalt Eohn eins u. s. w. in der Provinz Oberhessen. Menge Beweisanträge, wodurch dargethan werden sollte, daß _ ~ — Pastor Krösel sich keineswegs eines moralischen LebenswandeS be- fleißige. Der Gerichtshos gab allen diesen Anträgen statt und ver- ' Karlsruhe, LI. Ott. Ein Student der hiesigen ' $ Gemüsen, wenn auch die Herstellung und Benutzung der» • Vlben nicht ganz aufgehört hall . 1 Man kam durch die Herstellung von Trockenapparaten । tor Konservierung von Gemüsen darauf, erheblich größere und brauchbarere Apparate herzustellen zum Trocknen von (betreibe, besonders von Brodfrüchten, die unter ungünsttger I Witterung feucht geerntet, feucht gedroschen und in diesem Zustande weder versandtfähig, noch mahlbar waren. Gleich- zei ig, oder ifch glaube noch früher, tauchten die Trocken- Apparate auf zur Trocknung von Biertrebern. Die frischen na sen Biertreber, ein ausgezeichnetes Kraftfuttermtttel für Milchkühe, konnten von den Gvoßbrauereien besonders der Großstädte häufig nicht rasch genug an die Biehbesitzer ab- geliefert werden. Diese nassen Biertreber halten sich nur wenige Tage unter besonderer Behandlungsweise. Hatten die Landwirte besonders im Vorsommer und Herbst große Futtervorräte, so war die Nachfrage nach nassen Biertrebern I oft so gering, daß dieselben von den Brauereien entweder um jeden Preis abgesetzt wurden oder auch verdarben. Man kam bald darauf, die Biertreber zu trocknen, ans dem leicht- vergänglichen, wertvollen Futter eine Dauerware, die man mit der Eisenbahn leicht verschicken konnte, zu machen. Die TrebertrockmingSgefellschast in Cassel, die durch waghalsige I und leichte Geschäftsführung so großes Elend über viele Menschen gebracht hat, hat doch auch wieder das große Verdienst, dies wertvolle Futter durch ihre ausgezeichneten patentierten Trockenapparate für die Brauereien gerettet und es den Landwirten in den verstecktesten, entlegensten Gegenden Deutschlands, man darf sagen, der ganzen Welt, zugängig gemacht zu haben. — Ganz zufällig habe ich diese ynbuftrie in Cassel in ihren ersten Anfängen gesehen. Ich war zufällig in Cassel in der Wilhelmshöher Allee. Gleich rechts der Straße, da wo damals die Wohnhäuser nur noch vereinzelt standen, war eine ganz einfache Bretterbude zusammen genagelt, in der der neue patentierte Apparat zur Trebertrocknung versuchsweise arbeitete. Nur mtt großer Mühe gelang es, die Mtiengesellschast zu gründen und das Mißtrauen der Landwirte gegen diese getrocknetenBiertreber zu besiegen. Ich erinnere mich noch, daß nach zwei Jahren Herr Bomemann in Obbornhofen im Klub der Oberhessischen Landwttte in Nidda über den Erfolg seiner Fütterung mit Trockentrebern referierte und die Mttglieder darauf hin beschlossen, einen Waggon Trockentreber zu beziehen! und zu verteilen, um das neue Futtermittel auf seinen Wert prüfen zu können. Heute beziehen bie einzelnen größeren Landwirte jener Vereinigung mehrere Waggons Biertreber, neben der getrockneten Schlempe, die besonders in Belgien und England ein Nebenprodukt bildet, der aus Weizen, Roggen, Gerste, Mais rc. her gestellten Qualttäts- branntweine kräftigsten Kalibers. Bei diesen großartigen Erfolgen der Treber- und Schlempetrocknung ist man aber nicht stehen geblieben. Es tag nahe für die Zuckerrübenfabriken, die die nassen Rübenschnitzel an die Rübenlieferanten znrückzuaeben hatten, sich diese Verpflichtung zu erleichtern dadurch, daß sie die nassen Schnitzel in der Fabrik trockneten und bamit nicht allein sehr bebeutenbe Frachtersparnisse erzielten, fonbern auch den Lanbwirten bie Abnahme und Aufbewahruna bieses Futtermittels sehr wesentlich erleichterten, abgesehen bavon, baß bie Lanbwirte nun in bie Lage kamen, die Rübenschnitzel aufzuheben bis in bie heißen Sommer- und Erntemonate, die oft die futterärmsten sind. Nun war es bloß noch ein Schrillt, zur Trocknung der tm berbst bei der Futter- und Zuckerrübenernte sich massenhaft I ergebenden Blätter und Rüdenköpfe und Futterrüben über- । zugehen. Man bemühte sich bisher, die Mbenblätter un i Laufe deS Herbstes im September, Oktober und November, । Lis Schneefall und Frost eintrat, zu verfüttern. Daraus 11 entstand eine einseitige und verschwenderische Fütterung, die 1 auch den Nutztieren ost nachteilig war. Und trotzdem konnten die wertvollen Blätter und Rübenköpse nicht alle verfüttert werden. Sie verdarben aus dem Felde, und um wenigstens damit etwas zu düngen, pflügte man sie kurzer Hand unter. — Ms diesen Ueberfluß an Futter im Herbst folgte dann nicht selten ein empfindlicher Futtermangel und hohe Heupreise im kommenden Frühjahr oder noch un Sommer. Man ruhte nicht, dem Mißstände abzuhelsen. Wieder war es im Klub der Oberhessischen Landwttte, in dem zum ersten Male die Frage der Trocknung der Rübenblätter zur Sprache kam. Es war der leider vor einem ^afire hier in der Klinik verstorbene Geheimrat Prof. T-r. Maercker in Halle, der in einem Bortrage beiläufig daraus hinwies, welche ungeheuren Futtervorräte in Deutschlcmd ru Grunde gingen dadurch, daß man nock nicht so wett sei, die Zuckerrübenblätter zu trocknen, um sie allmählich und rationell zu verfüttern. Dadurch würde die Viehhaltung erheblich gesteigert werden und Schwankungen in der gleichmäßigen und haushälterischen Fütterung der Nutztiere vermißen werden können. Man hat sich diese Mahnungen c>es ausgezeichneten Kenners der landwirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands überall zu Herzen genommen. Die Versuche, geeignete Trockenapparate zur Trocknung auch der Rübenblätter herzustellen, sind niemals zum Stttlstand gekommen. Man trocknet heute schon in der Provinz Sachsen und in den benachbarten Provinzen und Staaten Rübenblätter, die zunächst zerschnitten werden. Tie hergestellte trockene Masse sieht so ftischgrün und appetitlich aus, daß man versucht ist, sie zur Herstellung eines guten Thees zu benutzen. Man kann sie auf den Boden aufbewahren wie Heu, und allmählich verfüttern, das ganze Jahr hindurch. Schon oben führte ich an, daß man schon vor Jahrzehnten Kartoffeln trocknete, die besonders von Schiffen die monatelang in tropischen Gegenden sich auf- zuhalten gezwungen waren, zur Verproviantierung benutzt wurden. - Heute trocknet man den Ueberfluß einer großen Kartoffelernte, um die vielbegehrten und vielgenannten Schweine bamit in Jahren zu füttern, talbenen die Kartoffelernte gering ist, die Kartoffel ms Schweinefutter zu teuer wird und infolgedessen, bisher wenigstens, die Schweinehaltung zurückging und em gewisser Mangel an Schlachttieren naturgemäß bald eintrat. Hätte m ber Provinz Oberhessen an irgend einer hierzu geeigneten Bahnstation ein Trockenapparat im vergangenen Frühjahr die überflüssigen, wertlosen und bei der Versüttwmg verschleuderten Kartosselmassen gegen Entgelt.getrocknet, so wurden viele Landwirte heute und vielleicht für kommendes Frühjahr ein ausgezeichnetes Schweinefutter haben, das fte in den Stand setzte, trotz einer geringen Kartoffelernte ihren Bestand an Schweinen gleichmäßig und gut zu futtern und zu erhalten. So ist die sehr reiche Kartoffelernte der Provinz Oberhesfen zu Schleuderpreisen verkauft, m der verschwenderifchsten Weise und oft zum sehr empfindlichen Schaden an die Nutztiere verfüttert. Tenn zahlreiche ^aere finb im vergangenen Frühjahr durch die emsettige und Übermäßige Fütterung mtt Kartoffeln erkrankt und Oktober Barometer auf 0° reduziert । Temperatur der Lust Absolute Feuchtigkeit 1 Relative j SS c-, ■C -b 3 £ 1 J J J 55 5 ? J l Kalbleder, All. 4 — Ins 8.- Brüder Schmidt, Seltersweg 83. 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