03144 Ul: Hüushaü gegen guten L 2Iugu|i oder später äheres Ceüersweg o. [g nutet Familie such ig bei einzelner Tamr Lw^e der HausM Seltersweg ** mber.___M $r laden ‘»•Reginente19 ehr»ann !Wü50Prg i ^.Juc oas näckü- ti« ■S^ ifeni > b*> 16 -» __H Appel, echt ch l-. ^d. Bes,anl.L wnlcs Fräulein wird llegeriu tagsüber zeuch gleich), die Küche beioraen muß. Soethestratze 33, II. 00 Marl Teilhaber nachweisbar rentable- SStz können JÄj zMerhLlÄ^- «rb-itea aller An e, alleinfreh. per/on n HausM pn Angüße 1 Ä"'W, rgerlich lochen kann rusarbeit verstcht. Tchulstratze 0. Tienstmadcheu wird guten Lohn gejucht. Marktplatz 3. 03151 Hchngeö Mädchen^ vas kochen kann, pei hl. Ludwigskr. 37,111 können Weimeug-und Maschinennahen gtbl Seltersmg 12, II Erstes Blatt. Nr. 170 ISS. Jahrgang Mittwoch 33. Juli 1003 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener ZamUlen- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lAschen Univers.-Buch- u. Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. Gietzener Anzeiger u General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den weis Giehen BezngSpreiSr monatlich^ Pf., viertel«, jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel» jährl. ausschl. Besteüg. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf* auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem» Teil: P. Wtttko: für .Stadt und Land'' und „Gerichtssaal*: Curl Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Aus Stadt und Land. Gießen, den 23. Juli 1902. *• Staatsprüfung. An Stelle des verhinderten Großh. Senatspräsidenten Schäfer ist für die nächste Staatsprüfung der Großh. Ministerialrat Dr. Best in Darinstadt zum Mitglied der Prüfungskommission für das Justiz- und Verwaltungsfach ernannt worden. ** Geh eim r at Prof. Dr. Oncken hat am Mon» tag seine Vorlesungen wieder aufnehmen können, sie gestern fortgesetzt und wird in der nächsten Woche die Collegia beenden. Wie man uns versichert — und wir haben uns neulich wieder persönlich davon überzeugen können — befindet er sich verhältnismäßigsehrwohl. *• Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 41, ausgegeben am 18. Juli d. Js., enthält: Gesetz, den Denkmalschutz betreffend. Vom 16. Juli 1902. ** Das Grohherzo gliche Regierungsblatt, Beilage Nr. 19, ausgegeben am 21. Juli d. I. enthält: 1. Bekanntmachung, die Prüfung sür Hochbauaufseher, Dammmeister und Kreisstraßenmeister im Spätjahr 1902 betreffend. 2. Bekanntmachung, den Steperausschlag zur Bestreitung der Bedürfnisse der LandjuLenschaftskasse für das Rabbinat Darmstadt II pro 1902/03 betreffend. 3. Bekanntmachung, die Aufbringung der Mittel zur Bestreitung der Bedürfnisse der Landjudcnschaft der Provinz Oberhessen betreffend. 4. Uebersicht der von den Israeliten nachstehend genannter Gemeinden des Kreises Oppenheim zu erhebenden und von Großh. Ministerium des Innern genehmigten Umlagen pro 1902/03. 5. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1902/03 genehmigten Umlagen der Kommunalbedürfnisse der Stadt Bingen. 6. Ordensverleihungen. 7. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. — Der Großherzog hat am 14. Juni dem Geh. Kommerzienrat Freihcrrn Cornelius Hehl zu Herrnsheim in Worms die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Großherzog von Baden verliehenen Komturkreuzes 1. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen erteilt. — 8. Namensveränderungen. 9. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. — Am 16. Juni wurde der Gerichtsassessor Philipp Meintzinger in Mainz zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen zugelassen. — 10. Aufgabe der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. — Am 30. Juni hat der Rechtsanwalt August Scheuermann in Osthofen die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Osthosen ausgegeben. — Deutsches Reich. Berkin, 22. Juli. Aus Drontheim wird gemeldet: Der Kaiser ging heute vormittag an Land, fuhr mit seiner Begleitung zum Dome und besichtigte ihn unter Führung des Konsuls Jensen. Nack einMndigem Aufenthalte im Dome begab sich der Kaiser und sein Gefolge zum Frühstück in die VMa des K. 'uls und kehrte um iy2 Uhr auf die ,^Hohenzollern" zurück. Heute abend gab der Kaiser im Fjieldsaeter Sanatorium ein Mahl. Für den Wiederherstellungsfonds der Domkirche spendete der Kaiser auch in diesem Jahre 1000 Kronen. — Ter Tod der Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg, mit der jüngst das Geschlecht der Herzöge von Anhalt-Bernburg erloschen ist, ruft eine Erinnerung wach an Beziehungen, die diese Fürstin mit Bismarck zu knüpfen gesonnen war. Unterm 20. Januar 1851 erwähnt Bismarck in einem Briefe an seine Frau aus Berlin: „Sonntag 6 Uhr aus, 7 zu Asseburg, wegen Besetzung des Ministeriums in Bernburg (was sie mir an- jgeboten) bis 9 Uhr verhandelt." Weiter heißt es dann: „Ich habe die Sache in Bernburg bisher nicht betrieben, sondern Gott überlassen; sonst ist die Stellung angenehm: Ter Herzog ist blödsinnig, und der Minister Herzog. Wenn der König es von mir fordert, so g-ehe ich hin, sonst nicht. Im ersteren Falle, Du natürlich auch da die Sachte voraussichtlich länger dauern würde, jahrelang. Sprich nur mit den Eltern warm, sonst niemand." Aber nur kurze Zeit blieb die Sachte in der Schwebe, Und schon am 22. Januar schrieb Bismarck seiner Frau: „Nach Bernburg gehe ich nicht, der König wollte zwar, die Minister aber nicht, weil sie mich in der Kammer nicht missen können, wie sie sagen, und gegen sie ist es nicht durchzusetzen. Es wäre recht hübsch dort, als unabhängiger Herzog (der wahre ist blödsinnig) und dicht am Harz, mit Biktorshöhe und das ganze Selkethal zu regieren, in Ballenstädt wohnend . . ." — Wie aus Posen gemeldet wird, werden der Enthüllung des Kaiser-Denkmals am 1. September auch der Reichskanzler Graf von Bülow, Staatssekretär Gras Posa- dowsky, die Minister von Rheinbaben, Dr. Studt und voraussichtlich auch Frhr. v. Hammerstein beiwohnen. Die ,Hoss. Ztg." schreibt: Die „Dtsch Tagsztg." läßt sich aus Stettin melden, daß die von uns mitgeteilte Rede des Landwirtschaftsministers v. Podbielski, ,in der er zu Stolp den Agrariern so derb den Text las, gar nicht gehalten sei. Bis jetzt scheint die „Dtsch. Dgstzgt." diesem Dementi selbst keinen Glauben zu schenken. Wir können chr auch versichern, daß eine Reihe von Zeugen unserem Gewährsmann zur Verfolgung stehen und daß wir auch mit einem nicht ganz uninteressanten Vorspiel der ministeriellen Rede noch aufwarten könnten. Mit dieser Erklärung wird auch wohl die „Kreuzzig." vorläufig zufrieden sein, die behauptet, Herr v. Podbielski habe nur das Wort von den „vierspännigen Wagen, die mit 30 Ztr. Kartoffeln spazieren fahren", fallen lassen. Die beiden 'Blatter sollten bedenken, daß Herr v. Podbielski sicherlich seine guten Gründe hat, wenn er über die Vorgänge in Stolp schweigt." — Ter preußische Minister des Innern Frhr. v. Hämmerst ein hat gelegentlich der Grundsteinlegung in Wilmersdorf, über die wir gestern ausführlich berichteten, eine Aeußerung gethan, die trotz ihrer scherzhaften Form einen Einblick in die von ihm gewünschte Handhabung der Verwaltung gewährt. Unter den dem Minister vorgestellten Persönlichkeiten befand sich auch der Gemeindevorsteher von Wilmersdorf. Herr von Hammerstein begrüßte ihn freundlich und richtete an den Ortsgewaltigen dann die Frage: „Na! Halten Sie in Ihrer Gemeinde auch die Zügel recht straff? Ich liebe es, daß man die Zügel straff hält. Man kann dabei freundlich sein, aber immer stramm!" Und hierbei ahmte der Minister die Hand- bewegung eines Rosselenkers nach, der sein Pferd fest an der Leine nimmt. München, 22. Juli. Tie Kammer der Abge- ordneten lehnte die Mehrforderungen der Regierung sür Wissenschaft und Kunstpflege ab, darunter 400000 Mk. für die Errichtung eines Museums für Gipsabgüsse von Werken aus der christlichen Zert, und 560000 Mark für die Errichtung eines SRuseums für Gipsabgüsse von klassischen Bildwerken. Im Laufe der Debätte erwiderte der Führer des Zentrums, Daller, auf eine Bemerkung des Liberalen Hammerschmidt, die Ablehnung erfolge wegen der politischen Lage, wie auch aus sachlichen Gründen. Tas Zentrum behalte sich gegenüber neuen ähnlichen in der nächsten Session volle Aktions- fteiheit vor. Ausland. London, 22. Juli. Im Unterhaus erklärte Kriegsminister Brodrick, der Oberkommissar Milner berichte, daß eine seüraroße Zahlvon Buren um Einreihung in die südafrikanische Konstablertruppe gebeten habe Milner habe etwa 200 bis 300 Mann von diesen nach sorgfältiger Prüfung in die Truppe eingestellt. Utrecht 22. Juli. Der Gesundheitszustand Krügers läßt viel zu wünschen übrig. Er erklärte gegenüber seiner Umgebung, er wolle gern sterben, da in der Transvaal-Sache doch nichts mehr zu errZeichen sei. P a r i s, 22. Juli. Am Schlüsse der heute stattgehabten Preisverteilung in einer Kongreganistenscyule hielt Eoppee eine Rede gegen die bezüglich der Lkongreganistenschulen ergrifsenen Maßnahmen. Als das Publikum die Schule verließ, kam es mehrfach zu lärmenden Auftritten, und schließlich wurden Coppee, der Deputierte Lerolle, der Munizipalrat Gaston Mery und ein Priester auf das Polizeibureau gebracht. Auch der Graf Urbain de Maillet wurde verhaftet, er wird zur Verfügung der Gerichts- behörde in Haft behalten. Das Schiffsunglück auf der tzlöe. Die Katastrophe auf der Elbe bei Nienstedten hat nun doch mehr Opfer gefordert, als nach den letzten Telegrammen angenommen werden mußte. Vom Vor- stande des Gesangvereins „Treue" in Eilbeck ist bis gestern nachmittags 4 Uhr die Zahl der Vermieten und Ertrunkenen auf 104 Personen fest gestellt worden. Im Einklang steht damit folgende Nachricht, die uns telegraphisch aus Hamburg zugeht. Danach ist die Zahl der amtlich als vermißt gemeldeten Personen bis jetzt auf 96 gestiegen. Ob mit diesen Ziffern die Liste der Verunglückten geschlossen ist, bleibt noch abzuwarten. In Hamburg herrscht die allgemeine Ansicht vor, daß sich in der Kajüte des „Primus" Leichen nicht mehr befinden, da nach Ansicht des Wirtes vom „Primus" er mit Frau und Kind der letzte war, der die Kajüte verlassen hat. Aus Eilbeck wird weiterhin gemeldet: Gestern abend fanden in Eilbeck VkEsammlungen statt, um eine gemein- same Hilfsaktion zu organisieren. Schon jetzt sind bei den hiesigen Zeitungen namhafte Beträge zur Unterstützung der Hinterbliebenen eingegangen, die später einem Ausschuß übergeben werden sollen. Die Untersuchung des Unglücksfalles nimmt indessen ihren Fortgang. Wie der „Hamburgische Korrespondent" meldet, wird, da die „Hansa" als Seeschiff registriert ist, das Hamburger S e e a m t sich mit dem Zusammenstoß zu befassen haben, und als sachverständige Behörde die Ursachen des Unfalls feststellen, worauf es die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft überweist. Aus diesem Anlaß hat das Seeamt von dem mit der Hebung des „Primus" betrauten Taucher Beckendorf Bericht über die Lage des gesunkenen Schiffes, die Beschaffenheit der Stelle, wo der Zusammenstoß erfolgte, und so weiter eingefordert. Der Führer oes gesunkenen „Primus" erklärte einem Berichterstatter, daß er, "als die Kollision erfolgte, so nahe dem nördlichen Ufer fuhr, wie er wegen des! niedrigen Wassers nur fahren konnte. Er habe einige Passagiere an der Nienstedter Brücke absetzen wollen, und habe auf diese zu gehalten. Es sei ganz unmöglich, daß man an Bord der „Hansa" sein rotes Licht nicht habe sehen können. Er habe seinen Kurs nicht geändert, dagegen habe die „Hansa" zu weit nach! Nord gesteuert. „Hansa" hätte viel früher links halten müssen, da dort ihr richtiges Fahrwasser war. Nach dem Zusammenstoß habe er viele Pasjagiere von dem Radkasten nach der „Hansa" hinübergeschoben, er sei dann durch das Gedränge ins Wasser gestoßen worden, es sei ihm aber gelungen, an einer Kette auf die „Hansa" zu klettern und er habe sich wieder auf den „Primus" begeben, um Leute zu retten. Er sei zum zweiten Male ins Wasser gestürzt, konnte aber am Bug nochmals auf die „Hansa" gelangen, bestieg dann deren Boot und rettete in Gemeinschaft mit Matrosen der „Hansa" noch etwa 30 Menschen bei dreimaliger Fahrt nach dem Lande. Decksmann Ritscher, ein älterer früherer Schiffsführer, der am Ruder auf dem „Primus" stand, bestätigt diese Angaben. Restaurateur Drechsler erklärt, daß die Kollision querab von der Nienstedter Brauerei stattfand. Nach! etwa 3 bis 4 Minuten sank das Hinterschiff des „Primus" auf den Grund. Die Ebbe ließ das Vorderschiff linksherum schojen, worauf der „Primus" nach Backbord umfiel. Dadurch- stürzten etwa 70 Personen ins Wasser. Drei Frauen, die unter dem Geländer festge- llemmt waren, seien von Drechsler durch das Geländer gestoßen und dann aus dem Wasser gerettet worden. Drechsler, der sein achtjähriges Kind im letzten Augenblicke aus einer Kammer in der Hinterkajüte holte, behauptet mit größter Bestimmtheit, daß sich im Schiff keine Person mehr befand, nur eine Frau war am Geländer festgeklemmt, und sei mit in die Tiefe gezogen worden. — Der Taucher Beckendorf hat den „Primus" schon etwas gehoben und dem Strande nähergebracht. Reichskanzler Graf Bülow richtete, wie aus Schleswig gemeldet wird, unter dem vorgestrigen Datum an den Oberpräsidenten Frhrn. v. Wilmowski nachstehendes Telegramm: „Tief ergriffen von dem Unglücksfall, welcher in dieser Nacht vor Blankenese sich ereignete mid dem so viele Menschenleben zum Opfer fielen, bitte ich Sie, den Familien der Verunglückten mein innigstes Beileid auszusprechcn. Ihrem schleunigen Bericht über den Vorfall, sowie etwaigen Vorschlägen für die Unterstützung der Hinterbliebenen sehe ich entgegen." Hamburg, 23. Juli. Eine zahlreich besuchte Bür- gerversammlung wählte ein Hilfskomitee zur Unterstützung der durch das Sch i f f s u n g l ü ck betroffenen Familien. Es gingen große Geldbeträge ein. Viele Familien erklärten, Vollwaisen an Kindesstall annehmen zu wollen. Fortwährend werden Leichen bei Abtona, Neumühl und Blankenese angeschwemmt. Die auf 104 angegebene Zahl der Ertrunkenen wird wohl noch steigen, da der Kapitan auf der Rückfahrt auch viele Passagiere mitgenommen hatte, die nicht Mitglieder des Vereins waren. An der Börse bildete sich ein Hilfskomitee. Busch ftellle seinen Zirkus zu einer Wohllhätigkeitsvorstellung zur Verfügung. Der Leipziger Baukprozetz. XXV* Leipzig, 2. Juli. Staatsanwalt Weber replizier«: auf die Ausführungen der Verteidiger. Er weiche nicht in einem Punkte von seinem früheren Standpunkte ab. Bezüglich der Zubilligung mildernder Umstände erllärt Redner, daß er sich durch die Einwände der Verteidiger nicht im Geringsten bewogen fühlen könnte, von seinen Anträgen abzubehen, auch hinsichtlich Gentzsch's. Die Frage, ob zur Zeit der Konkurseröffnung der Leipziger Bank ein sachverständiger Dritter einen Ueberblick über das Treberobligo und den Vermögensstand der Bant hätte gewinnen können, müsse verneint werden. Dies bilde den Kernpunkt des Delikts in Bezug auf den betrügerischen Bankerott. Der Staatsanwalt hält schließlich alle seine früheren Anträge unter Beibehaltung der gestellten Fragen aufrecht. Staatsanwalt Kunz stellt in seiner Replik nochmals fest, daß die Zweideutigkeit in den Kommuniques außer allem Zweifel stehe, und daß im Geschäftsbericht für 1900 die Verbindung mit der Trebergesellschaft hätte erwähnt werden müssen. An der Schuld cüler sieben Mitglieder des Aufsichtsrats bestehe nicht der geringste Zweifel. Für Fie-- biger wolle er mildernde Umstände gelten lassen, für die vier ältesten Mitglieder des Aufsichtsrats nicht. Er halte all seine ftüheren Anklagefragen aufrecht. Exner, Gentzsch und Dodel seien wegen handelsrechtlicher Untreue zu belangen. Darauf tritt die Mittagspause ein. Nach kurzer Pause erfolgt die Duplik des Verteidigers Justizrats Dr. v. Gordon. Im speziellen Falle Bleich- röder verneine er die Zufügung einer Schädigung und eines Vermögensnachteiles. Zur Frage des betrügerischen Bankerotts will er festaestellt wissen, daß die Buchführung tadellos war und die Geschäfte nicht zum Schein geschlossen wurden. Der Verteidiger bittet zu verneinen: die Fragen bezüglich der Verschleierung, bezüglich des Kommuniques, bezüglich des Falles v. d. Heydt u. Co. und Untreue und bezüglich des Betrugs im Falle Bleichröder, indessen im letzteren Falle unter Bejahung der Verschleierung, die in dem betreffenden Briefe liege. Er bittet zu bejahen die Verschleierung im Geschäftsbericht und dem Expose und die Frage bezüglich Einheitlichkeit der Handlung. Bezüglich mildernder Umstände will er den Geschworenen nicht vorgreifen. Endlich bitte er nicht, sondern verlange die Frage des betrügerischen Bankerotts im Namen des gesuudm Menschenverstandes zu verneinen. Von dem Vorwurf der Verschleierung sei Exner allerdings nicht zu befteien. Verteidiger Justizrat Broda stellt, nachdem Verteidd ger Dr. Drucker auf das Wort verzichtet, nochmals fest, daß Angeklagter Gentzsch weder eine Buchführung inspiriert, noch veranlaßte oder förderte. Er stehe zugleich auf dem Standpunkt, daß die Annahme des betrügerischen Bankerotts eine künslliche Konstruttion sei. Bei der wegen der großen moralischen Verschuldung des Angellagten erregten öffentlichen Meinung gelte es, genau dem Gesetze zu folgen und nicht den Regungen von Sympathie und Antipathie Folge zu geben. Verteidiger Rechtsanwall Rosenthal weist den Vor» Wurf des Staatsanwaltes Weber zurück, daß die Verteidiger bei ihrem Versuch, die Anklage zu entkräften, in ihren juristischen Auseinandersetzungen leine Einstimmigkeit erzielten und geht Punkt für Punkt die Anklage durch, um diesen Vorwurf als ungerechtfertigt zu widerlegen. Die Verhandlung wird alsdann auf morgen vertagt. 'TL Dierlfirmchrichteu. — Der Grohh^rzog hat am 16. April dem mit Wirkung vom L August an zum Oberpost- drrektor in Darmstadt ernannten Geheimen Oberpostrat und Vortragenden Rat im Reich-spoftamt Kobelt die bmdesherrliche Bestätigung erteilt. — 12. Konkurrenz-Eröffnungen. — Erledigt sind: eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bingenheim, im Kreise Büdingen, die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gunzen au, im Kreise Lauterbach. Mit der Stelle ist Kantor- und Lektordienst verbunden, die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Meßlos, im Kreise Lauterbach, sämtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte. — 13. Berichtigungen. ** Lehrer-Familienkonferenz. Uns wird geschrieben : Schon einmal — während der achtziger Jahre des zu Ende gegangenen Jahrhunderts — war es Gepflogenheit, daß die preußischen und hessischen Lehrer des mittleren Lahngebietes alljährlich Zusammenkünfte veranstalteten zwecks Pflege und Erhaltung fteundnachbarlicher Beziehungen. Durch die neuerdings an hiesiger Universität ins Leben getretenen Fortbildungskurse für Volksschullehrer haben diese Veranstaltungen neuen Boden gewonnen, indem die Kursteilnehmer beschloßen haben, allsommerlich einmal nach Schluß des Vortragskurses mit Kollegen und Freunden sich zu einer Fa- milienkonfereuz zusammen zu sinden. Während die vorjährige Konferenz eine stattliche Zahl von Lehrerfamilien im Jagdschlößchen von Dutenhofen vereinigte, findet die diesjährige Versammlung nächsten Samstag den 26. Juli, nachmittags von 4 Uhr ab auf Tertors Hardt statt. Lehrer Storch- Butzbach, in der hessischen Lehrerschaft als Dichter längst bekannt und geschätzt, wird einen Vortrag mit Rezitation eigener Gedichte („Heimat und Vaterland" — Gießen, Emil 9Ü>th) hallen. Für sonstige Unterhaltung ist durch musikalische und humoristische Nummern ebenfalls bestens gesorgt, und so steht zu erwarten, daß die Veranstaltung den besten Verlauf nehmen wird. Alle Mitglieder der hiesigen und benachbarten Bezirkslehrervereine sind mit ihren Familien freundlichst eingeladen. !? Da werden Weiber zu Hyänen. In einem unserer Nachbardörfer wurde kürzlich der Lehrer von der Mutter einer seiner Schsiler attaquiert und dabei von derselben, die wegen einer unbedeutenden Rüge, welche ihr Kind vom Lehrer erhalten hatte, in Wut geraten war, mit den Fingernägeln gehörig bearbeitet. Der schwer belellrigte Schulmeister hat mit Recht Strafantrag gestellt. Der Ehemann der zur Bestrafung Angezeigten freute sich nun sehr, daß seine bessere Hälfte endlich einmal hinein- tzefallen ist und wahrscheinlich vom Gericht exemplarisch bestraft werden wird, hat er doch selber schon häufig unter den Angriffen seiner Frau leiden müssen, ohne, wie der Lehrer dies igethan hat, zum Strafrichter gehen zu können. ** Steinkohlenbezugsgesellschaft. Herr Merkel hat das Amt eines Einkassierers niedergelegt. Vom 1. August ab übernimmt Herr Friedrich Bosold hier die Stelle eines Einkassierers. e. Bad-Nauheim, 22. Juli. Da das 19. hessische Feuerwehrfest in Bad-Nauheim am letzten Sonntag und Montag empfindlich durch Regenwetter gestört worden ist, so hat der Festausschuß heute beschlossen, am nächsten Sonntag, den 27. Juli, eine Nachfeier zu veranstalten. Diese diachfeier wird hier als Volksfest im großen Stiele angesehen und der Eintritt auf den Festplatz ist für jedermann frei. Sämtliche Veranstaltungen bleiben auf dem Festplatz bestehen, zum Teil auch der reiche Schmuck der Häuser und Straßen Nauheims. Am letzten Sonntag vermochten kaum die Hälfte der Besucher in den Zelten des Festplatzes Unterkunft zu finden; bei gutem Wetter, wo man auch die freistehenden Tische benutzen kann, dürfte der Festplatz für nächsten Sonntag genügen. W. Reichelsheim i. d. W., 22. Juli. Vorgestern konnten hier durch den Vorstand unseres Gewerbevereins drei Schülern unserer gewerblichen Zeichenschule auf Grund von gelieferten Arbeiten die Gesellenbriefe überreicht werden. Zwei sind von Weckesheim, einer von Blofeld. Die Prüfungsnote lautete für alle „gut". Unsere gewerbliche Zeichenschule wird gegenwärtig von 25 Schülern besucht. * Laubach, 22. Juli. Der kürzlich hier verstorbene Rentner Krieger hat das hiesige Krankenhaus mit' 18 000 Mark, die evangelische Kirche mit 10000, den Armenverein mit 1000 Diark testamentarisch bedacht. — Am vorigen Sonntag hatte der oberhessische Geschichtsverein von Gießen aus einen Ausflug hierher gemacht. Die etwa 60 Teilnehmer besichtigten die Stadt, das Schloß und die Kirche, wurden im Schloßgarten von der Herrschaft bewirtet, hörten dann im Kasino einen Vortrag von Prof. Röschen über das Haus Solms und besonders über einige verdienstvolle Laubacher Grafen und kehrten, nach dem im Schützenhof eingenommenen Nachtessen, um V210 Uhr nach Gießen zurück. || Nieder- Florstadt, 22. Juli. Die auf der Staatsstraße von hier nach Ossenheim arbeitende Dampfwalze, einer Niederlahnsteiner Firma gehörig, ist gestern morgen explodiert. Das große Schwungrad ist in hundert Teile gesprungen und so noch viele andere Telle, und der heiße Dampf ist nach allen Richtungen entwichen, und doch ist der Führer der Maschine wie durch ein Wunder unversehrt geblieben. || Ober-Mockstadt, 21. Juli. Am Sonntag gegen Abend hat sich auf unserer sonst ruhigen Dorfstraße ein blutiges Familiendrama abgespielt. Ein erst vor Kurzem von dem Militär Entlassener, der wegen Wilddieberei mit anderthalb Jahren bestraft ist, und nachdienen mußte, war nut feinem Vater in Streit geraten. Der Vater wies ihn zmn Hause hinaus und riegelte die Hausthüre zu, der gute Sohn nahm aber die Radhacke und schlug die Thür em. Der Vater verfolgte ihn auf die Straße, der Sohn schlug aber die Hacke dem Vater an den Kopf, daß er blutend zusammenbrach. Die beiden anderen Söhne eilten mit einer Stange und einem Misthaken herbei und verprügelten ihren Bruder. Vater und Sohn liegen schwer verletzt darnieder. Mainz, 21. Juli. Während sich die Familie eines in der Parkusstraße wohnenden Weinhändlers auf der Regatta befand, wurde gestern Nachmittag in ihrer Wohnung der Silberschrank, dessen Jnhall auf über 5000 All. bewertet wird, völlig ausgeraubt. Den Dieben war ihre Manipulation dadurch erleichtert, daß man nur die Abschluß- thüre abgeschlossen hatte, während alle anderen Thüren offeu- standen. Es dürfte ihnen reichlich Zell zur Verfügung gestanden haben, ihren Staub in Sicherheit zu bringen, da man die Zeit des Einbruchs nicht kennt, die Anzeige bei der Polizei aber erst am Abend erfolgte. Worms, 22. Juli. Wie die „Wormser Ztg." erfährt, umspannt die direkte Interessensphäre des Hauses Cornelius Heyl genau 10 985 Köpfe; „es sind hierbei lediglich die im Hause beschäftigten Personen und deren Frauen und Kinder zusammengezählt. Was eine solche Firma bei einem städtischen Gemeinwesen von insgesamt ca. 40 000 Seelen ganz naturgemäß für eine Einwirkung auf die allgemeine Lage der Verhältnisse ausüben muß, kann sich jeder Vorurteilsfreie selber ausrechnen. Es ist nur zu hoffen, daß eine gesunde Handelspolitik des Reiches die von Amerika bedrohten Interessen von Stadt und Land baldigst sicherstellen möchte, damit die industrielle Entwickelung unserer Stadt, wie auch das mit dem Aufblühen der letzteren zusammenhängende Gedeihen unserer Landwirtschaft gewährleistet werden können. Beide Interessensphären berühren sich in unserem Kreise auf das innigste." Frankfurt, 22. Juli. Heute weilte der Hausmarschall des Kaisers, Graf Eulenburg hier, um mit dem Besitzer des ehemaligen Palasthotels Fürstenhof, jetzigen Hotel Imperial am Opernhause, Rücksprache zu nehmen wegen eines Frühstücks, das der Kaiser am 10. Oktober hier in dem genannten Hotel den Teilnehmern am Ko ngresse zur Bekämpfung des Mädchenhandels geben will. Die Kaiserin ist Protektorin dieser Bestrebungen und des Kongresses. Man rechnet auch auf die Teilnahme des Kaisers an dem Frühstück, wobei allerdings bemerkt werden muß, daß der Kaiser die Kongreßteilnehmer auch im Homburger Schlosse empfangen wird, sodaß man wohl hinter die kaiserlicheAnwese nheit in Frankfurt ein Fragezeichen setzen darf. Ferner besteht die Absicht, für den kaiserlichen Hof eine Etage des Hotels Imperial dauernd zu mieten, damit der Kaiser einerseits hier bei Bedarf stets ein würdiges Quartier habe und damit er andererseits feinen durchreisenden Gästen hier Gastfteundschaft gewähren könne. Von der Gastfreundschaft der Stadt Frankfurt scheint der Kaiser demnach keinen Gebrauch mehr machen zu wollen. Zunächst war sogar in Aussicht genommen, eine Villa als Hofquartier zu mieten, man kam aber wieder davon ab und setzte sich mit dem genannten Hotel in Verbindung. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Taunusklub Wetterau ist bei der Königl. Eisenbahn-Direktion in Frankfurt vorstellig geworden, daß die Rückfahrkarten Friedberg-Schotten, mit welchen man seither ab Laubach zurückfahren konnte, auch zur Hinfahrt nach Laubach Berechtigung erlangen möchten; diesem Ersuchen wurde die Genehmigung erteilt. — Die Wahlen des Weinhändlers Karl Gärtner und des Lederhändlers und Stadtverordneten Karl Friederich in Alzey zu Bürgermeisterei-Beigeordneten der Kreisstadt Alzey haben die Großh. Bestätigung erhalten. Vermischtes. • Berlin, 22. Juli. Unter Mitnahme von 54000 Mark ist gestern nachmittag der bei der Seehandlung angestellte frühere Schutzmann Friedrich Wagner flüchtig geworden. Wagner war von der Hauptkasse der Seehandlung beauftragt, Effekten im Wert von 200 000 Mk. bei den hiesigen Banken einzulösen. Nachdem er 54 000 Mk. eingezogen, verschwand er, ohne daß bisher eine Spur von ihm entdeckt. Die nicht eingelösten Wertpapiere ließ Wagner der Seehandlung zustellen. *Newyork,22. Juli. Ein Sohn des früheren Mayors von Newyork, Strong, ist mit Juwelen im Werte von einer Viertelmillion Dollars verschwunden. Tie Juwelen gehören seiner Maitresse Lady Hope, diemoch die Gattin eines englischen Lords ist. Es wurde ein Steckbrief erlassen. * Tie stolzen H erren Primaner. Im Lahn- steiner Tageblatt wurde vor einigen Tagen mitgeteilt, daß auf der elektrischen Straßenbahn Niederlahnstein-Koblenz für die „liebe Schuljugend" Fahrkarten zu besonders billigem Preis ausgegeben werden. Tas hat dem genannten Blatte folgende Zuschrift von vier tiefgekränkten Primanern eingetragen: „Redaktion des Lahnsteiner Tageblatts. Was Ihren Artikel über die Ermäßigung des Fahrpreises für die liebe Schuljugend anbetrifft, so weisen wir Sie bezw. den betreffenden Verfasser darauf hin, daß doch unter dieser lieben Schuljugend die Gymnasiasten von Nieder- bezw. Oberlahnstein zu verstehen sind, welche in Koblenz das Königliche Gymnasium oder dasRealgymnasium besuchen. Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß inan wohl gewöhnlich unter „liebe Schuljugend" die Schüler der unteren Klassen einer Volksschule versteht. Wir müssen uns aufs entschiedenste dagegen wehren, mit dieser Bezeichnung genannt zu werden. Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß sich unter Ihrer „lieben. Schuljugend" Primaner von 18 bis 20 Jahren befinden, die woyl einen etwas achlmugsvolleren Titel verdienen als „liebe Schuljugend". Wir weisen diesen so herablassend klingenden Namen zurück und verbitten uns ein für allemal eine solche Bezeichnung." (Wenn diese, um mit dem prächtigen allen Th. Fontane zu reden, „überheblichen" Herren Jungen ihre liebe Schul- und ihre Studienzeit hinter sich haben und im Philisterium stecken werden, dürften sie sich die Zeit noch oft zurückwünschen, in der sie zur „lieben Schuljugend" zählten und üble Unarten wie diese in ihrer Grünhett sich zu schulden kommen ließen.) * Heber einen Fahrkartenschwindel, der dieser Tage auf einigen Strecken der Pfälzischen Bahnen entdeckt worden ist, wahrt man, wie aus Ludwigshafen geschrieben wird, an den amtlichen Stellen noch immer tiefes Stillschweigen, obschon die mit diachdruck betriebene Untersuchung bereits zu greifbaren Resultaten geführt zu haben scheint. Die Aufdeckung des Schwindels ist durch den Umstand veranlaßt worden, daß auf den in Betracht kommenden Bahnstrecken die Einnahmen aus den Wochenabonne- mentskarten seit längerer Zett beträchtlich zurückgegangen waren, während eine Abnahme der Zahl der auf solche Karten fahrenden Personen nicht zu konstatieren war. Eingehende Revisionen auf den Stationen und in den Zügen ergäben bann so schwerwiegende Verdachtsinomente der Fälschung, daß die Besitzer der beanstandeten starten sofort in Haft genommen wurd en. Wettere Verhaftungen — wie berichtet wird, sind es bisher im ganzen 11 — wurden noch in den iLtzten Tagen vorgenommen. Die Fälschung der Karten beging der 26 Jahre alte, bei der Billetdrnckerei der Pfälzischen Bahnen be- chäftigte, in Schifferstadt wohnhafte Jak. Schwind, während der gleichfalls in Diensten stehende Magazinarbeiter Jak. Lorch in Iggelheim die Karten an die Arbeiter veräußerte. Die Abnehmer selbst mußten wissen, >aß die Karten gefälscht sind, well sie dieselben nie bis zum Tage des Ablaufs benützten, um sie nicht an den die Kontrolle ausübenden Schaffner zur Ablieferung bringen zu müssen. Unter diesen Umständen wird es schwer sein, nachzuweisen, wie lange der schlau eingesädelte Betrug seitens der Verhafteten schon betrieben wird. * Vom Mörder des Dr. Ordenstein, Firmin Chabaneix, wird noch berichtet, daß er fein kleines mütterliches Erbe (15 000 Francs) allmählich aufgebraucht, seinen Dienst als Postangestellter verlassen hatte und seine Hausmiete (75 Frcs.) schuldig war. Außer dem Meffer, mit dem er seinem Opfer die tätliche Wunde versetzte, trug er auch noch einen sechsläufigen Revolver bei sich; außerdem fand man in seiner Wohnung zwei ähnliche, ganz neue Meffer. Er verweigert beharrlich jede Auskunft über die Beweggründe seiner That. Gerichtssaat. M. Gießen, 22. Juli. Fe ri e n ft r a ff a m m er. Den Vorsitz führt Landgerichtsrat Müller, die Staatsanwaltschaft vertrat Gerichts- assessor Schuhmann. — Der Landwirt Johannes F r a n k V. von Ulrichstein ist angeklagt, einen Grenzstein in der Absicht, einem Anderen Nachteil zuzufügen, verrückt zu haben — Vergehen im Sinn des § 274 St.G.B. Der Angeklagte hat einen als Grenze zwischen |einem Acker und einem Gemeindegrundstück dienenden Stein um em Stück in das Gemeindeland hineingefetzt, um einen größeren Strich Landes als jein Eigentum beanspruchen zu können. Zu seiner Verteidigung fühtt er an, daß der Grenzstein von vornherein falsch gesetzt worden sei und er lediglich den wirklichen Besitzstand durch dessen Vorrückung habe wieder Herstellen wollen. Durch das Zeugnis des Geometers, der die Grenzregulierung vorgenommen hatte, wurde jedoch festgestellt, daß der Grenzstein das wirkliche Besitzverhältnis genau regulierte und daß die Anlieger des Gemeindelandes bet der Setzung des Grenzsteins auf die durch diesen gezogene und einzuhaltende Grenze besonders aufmerksam gemacht worden waren. Das Gericht nahm an, daß der Angeklagte in voller Kenntnis dieser Sachlage und in gewinnsüchtiger Absicht gehandelt habe und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von 2 Wochen. — Der Gutsbesitzer Ludwig Singel von Sichertshausen war wegen verlaumderischer Beleidigung des dortigen Feldschützen vom Schöffengericht Vilbel zu einer Geldstrafe von 15 Mk. verurteilt worden. Er Halle gegen denselben, der ihn wegen eines Feldfrevels angezeigt hatte, den Vorwurf der Bestechlichkell erhoben. Das Gericht verwarf die Berufung des Angeklagten gegen das verurteilende Erkenntnis mit der Maßgabe, daß Bestrafung nur wegen einfacher, nicht wegen verlaumderischer Beleidigung Platz zu greifen habe. Die Anzeige sei seitens des Feldfchutzen nicht frivol erhoben worden, sondern auf Verlangen des Beschädigten pflichtgemäß erfolgt. Der Schutz des § 193 SllG.B. sei dem Angeklagten nicht zuzubilligen, da der gegen den Feldschützen erhobene Vorwurf der Bestechlichkeit nicht zur Wahrnehmung berechtigter Interessen gemacht werden könne und auch nicht gemacht worden sei. — Zwei Radfahrer — einer davon der heutige Angeklagte, der Schlosser Wilhelm Lehr von Vllbel — wurden von einem Schutzmann angehalten und zum Absteigen veranlaßt. weil der eine, der Begleiter des Angeklagten, ein nicht mit einer Nummerplatte versehenes Rad fuhr. Ter Angeklagte selbst, dessen Rad sich in einem den Vorschriften der Fahrradordnuna ge^ nügenben Zustand befand, wurde von dem Schutzmann um Vorzeigung seiner Radsahrkarte ersucht, konnte dieselbe jedoch, da er sie vergessen hatte, nicht vorlegen. Beide erhielten wegen Zuwiderhandlung gegen die Vorschriften der Fahrradordnung von 1899 — die §§ 17 und 19 — Strafbefehle auf je 2 Mk.; der heutige Angeklagte legte Einspruch ein und wurde vom Schöffengericht Vilbel freigesprochen. Gegen das Urteil verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung, die jedoch von der Strafkammer als unbegrünbet verworfen wurde. Das Gericht ging davon aus, daß die Vorschrift der Fahrradordnung von 1897, wonach jeder Radfahrer beim Fahren mit einer Radsahrkarte versehen sein müsse, nicht ohne Grund in der neuen Verordnung von 1899 weggelassen worden sei; dies sei wohl erfolgt, um den Fahrradoerkehr nicht durch lästige Verordnungen einzuengen. Ein Polizeibeamter sei daher nicht berechtigt, einen Radfahrer anzuhalten, lediglich um den Besitz, bezw. das Bei- sichführen der Radfahrkarte zu kontrollieren. Vielmehr sei ein Polizeibeamter zum Anhalten des Radfahrers und zu dem Verlangen, daß derselbe sich legitimiere, nur bann berechtigt, wenn ein Anlaß bazu gegeben sei. Ein solcher habe hier gefehlt; die Aufforberung zur Vorzeigung ber Legitimationskarte sei baher unrechtmäßig gewesen. — Gegen ben Taglöhner Heinrich Jung in Gießen, ber wegen Diebstahls im strafrechtlichen Rückfalle angenagt ist, würbe Haftbefehl erlassen, ba er zum heutigen Ver- hanblungstermin ausgeblieben war. — Der Arbeiter Wilhelm Ger Harb in Gießen hakte seiner Schwester ein Portemonnaie mit Inhalt — ca. 12 Mk. — gestohlen. Von ber Bestohlenen war ber gesetzlich geforberte Strafantrag gestellt worben. Das Gericht verurteilte ben Angeklagten, ber rückfällig ist, unter Annahme mil- bernber Umftänbe zu einer achtmonatigen Gefängnisstrafe. — In ber Privatklagejache ber Ehefrau Gottfrieb Blumenthal gegen ben Philipp Wilhelm Wien, beibe von Robheim, wegen Körperverletzung hatte bas Schöffengericht Vilbel gegen ben Privat- beklagten auf eine Gelbstrafe von 50 Akk. erkannt. In ber heutigen' Verhandlung war ber Angeklagte, ber gegen bas Urteil Berufung eingelegt hatte, nicht erschienen. Seine Berufung würbe daher auf Antrag der Privatklägerin sofort verworfen. !? Gießen, 22. Juli. Die Verhandlung gegen Frau Dr. Tillr aus Bad Nauheim, zu welcher bereits am 5. August vor ber Strafkammer Termin anberaumt war, ist bis nach ben Ferien vertagt worben. Die Beschulbigte ist übrigens gegen Kaution aus berHaft entlassen. Zandwirlschast. °o- Volkartshain, 22. Juli. Landwirtschastslehrer Lintz von Bübingen hielt gestern einen Vortrag über Wiesen pflege unb Fruchtwechsel. Bezüglich ber Wiesenpflege empfahl er vor Allem bie Wiesenegge im Frühjahr richtig zu gebrauchen, bamit bie Luft in ben Erbboben einbringen könne, auch bie Wässerung sei nicht zu vernachlässigen. Dem schlimmen Feinbe, ber Herbstzeitlose, müsse man mittelst Klauenstechers zu Leibe gehen. Bei ber Wiesenbüngung sollte ber Vogelsberger mit ber Jauche vorsichtig umgehen. Diese laufe znm großen Teil auf bie Wiesen, vernichte ben unentbehrlichen Klee unb auf ben Aeckern fehle sie. Dem Bauer, bem ein Faß Pfuhl fortlause, ginge ber Wert von 1 Ztnr. Ehilisalpeter verloren. Als bestes unb billigstes Düngemittel empfahl Herr Lintz bie Komposterbe. Der Bauer müsse sich jeboch drei Haufen nacheinander anlegen, um jebes Jahr einen neuen angreifen zu können, ba bie Komposterbe erst nach breijähriger Behandlung richtig wirke. Bezüglich ber Anwendung des künstlichen Düngers sei kein feststehendes Schema zu geben, man müsse vielmehr durch Versuche feststellen, was bem Boden fehle. Bei Wechselung bes Saatgutes solle man hauptsächlich bei (betreibe auf vollen Kern, gute Farbe, guten Geruch unb gute Keimkraft seheii. Die aus ben Aeckern am besten fteljenbe Frucht solle man für sich allein schneiden und einheimsen, um sie bann als Saatgut zu verwenden. Auch solle man dem Beispiele Englands folgen, ivo Scfamite unter sich oft ihr Saatgut wechselten, da sich bie Pflanze burch veränderte Lebensbedingungen besser entwickele. -o Aus beut Vogelsberg, 22. Juli. Während am Fuße des Vogelsberges beinahe kein Obst vorhanden ist, sieht man auf bem hohen Vogelsberg beinahe keinen Apfel- ober Birnbaum, beffen Aesie nicht beloben wären. *0 Wetter § Höchste Temperatur am 21. bis 22. Juli 17, Niedrigste „ „ 21. „ 22. „ 10, ',2° C. 10,9° C. 1 1(1) 4% Oeaterr. Goldretne . . 103.90 4J/»% äussere Argentiner Darmstädter Möbelfabrik (160 Zimm.°Einricht), Preis!, grat. 3821 Leibniz Rinäermetü I ^chön nwbL Zimmer p. L Äug. 'S zu verm. 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Juni eingetroffen sind, hätten die Ein^ geborenen furchtbare Grausamkeiten an Europäern verübt und deren Besitzungen niedergebrannt. Es entstand eine allgemeine Flucht der Europäer. 70 von ihnen erreichten Novo Redonda in sehr schrecklichem Instand« Der Aufftand wird Mißbräuchen von Lokalbehörden bei Er^ Pressung von Steuern zugeschrieben. Wien, 23. Juli. Wie offiziös mitgeteilt wird, hah die englische Regierung auf die seitens O e st erreich- Ungarn und Deutschland bereits vor sechs Wochen erhobene Reklamation wegen Erhöhung des ostindffchep Zuckerzolles noch immer keine Antw-ort erteilt. Wien, 23. Juli. Wie eine über Hofangelegenheiten ge-^ wöhnlich gut informierte Korrespondenz mitteilt, wird an den Manövern des 2. und 5. Korps, die zwischen dem 12. und 17. September bei Sasvar in Ungarn stattftnden, auf eine Einladung Kaiser Franz Josefs der deutsche Kronprinz teilnehmen. ^in^anderes^ Mcheu, welches bürgerlich kochen kann- und alle Hausarbeit versteht. 5301 Schulstraße 6. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Neueste Meldungen. Originaldrahtweldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 23. Juli. Der „Loc.-Anz." veröffentlicht ein Interview mit dem hier auf der Durchreise befindlichen früheren Bürgermeister von Bloemfontein, Dr. med. Kellner. Nachdem derselbe sich über verschiedene Persönlichkeiten aus dem letzten Kriege geäußert, darunter auch über Krüger, den er einen halsstarrigen Mann nannte, bezeichnete er die Engländer als Gentlemen. Die Konzentrationslager seien ein furchtbares Kapitel, doch hätten die Engländer sebst schwer darunter gelitten. Später hätten sich die Verhältnisse gebessert und in der letzten Zeit sei es in den Lagern durchaus wohnlich und angenehm gewesen. Zum Schluß erklärte der Bürgermeister, daß die Buren hätten Frieden machen müssen. Der Einzelne zeigte es zuletzt in seiner Erscheinung, daß es mit der Gesamtheit zu Ende gehe. Proviant und Munition waren zu Ende. Von allen Seiten umstellt und gehetzt, mußten die Buren Frieden machen. London, 23. Juli. Wie verlautet, beabsichtigt die Regierung, den Herzog von Connaught zum Vizekönig von Irland zu ernennen. Jedoch werden noch andere Kandidaten genannt. — Nach Meldungen aus Hongkong wurden daselbst in den letzten Wochen 21 Pest fälle festgestellt, von denen 20 tätlich verlaufen sind. — Aus St. Thomas wird gemeldet: Heftige Erdstöße haben St. Vincent heimgesucht. Dieselben scheinen sich jedoch auf Kingston und Umgebung beschränkt zu haben. — Der ehemalige Buren-Oberst Lynch erschien gestern wiederum vor Gericht. Jedoch wurde die Angelegenheit auf eine Woche vertagt. — „Daily Mail" glaubt zu wißen, daß die nächste Sitzung der Premierminister der Kolonien die Frage der Verteidigungsmittel des englischen Reiches betreffen wird. Trotz der Opposition gewisser Minister soll Wer sich einen wirklich dauerhaften IW” Schirm wünscht, lasse sich denselben genau nach Wunsch undAuswcchl : des Materials bauen. 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Die Firma hat den Betrieb wieder aufge- tnommen und erklärt, ihre Gläubiger innerhalb drei Wochen voll befriedigen. Weimar, 21. Juli. Im Konkurs des (eit 2 Jahren mtt 6,5 Millionen Passiven falltten großen Kallmanscken Bank- ib a u s e s hat die Konkursverwaltung nunmehr die Auszahlung der 1 beantragten Abschlagsdividende abgelehnt, da die in Aussicht ge- -nommene Konkursdividende von 10 pEt. nach dem jetzigen Stand lsich auf 2 pEt. reduziert hat. Die Auszahlung der Dividende er- 'folgt Anfang Dezember 1903. Nlärkte. ! ? Gießen, 23. Juli. (Viehmarktbericht.) Der gestrige Rindviehmarkt hatte einen Auftrieb von 1000—1100 Stück sowie ca. 300—350 Kälber. Für Mttchvieh waren die Käufer vom Rhein und Main, von der Sieg, der Nahe und der Mosel zahlreich gekommen, die besonders in guter und bester Ware einen flotten Handel hervorriefen und dafür auch gute Preise zahlten. Für mittel Schlag in Milchkühen war die Stimmung des Marktes ^weniger günstig, bei der Dürre der letzten 14 Tage traut man dem Anhatten der hohen Milchviehpreise nicht recht. Der Kälber- und Fettviehmarkt war gestern gegen die letzten Märkte nicht schlecht. Die Preise zogen besonders für Kälber erheblich an, was wohl die -stacke Nachfrage aus den Badeocken, aus Frankfuck, Mainz zu Wege -brachte. Dazu kam, daß auch unsere Gießener Aietzger erhebliche Einkäufe machten. Um gutes Vieh, Kälber sowohl wie fette Rinder, Äffen sich die Käufer förmlich, aber auch geringere Ware ging gut fort. Ein Posten Westerwälder Jungvieh, sogen. Fresser, der im Markt war, ging diesmal recht schlecht ab und konnte trotz der im allgemeinen guten Tendenz des Marktes nur zu sehr billigen Preisen für unsere Gegend unter gebracht werden. Es wurden gehcmdett: Mttchkühe, frischmelkend und tragend: Besonders schwere Waare 550—550 Mk., 1. Qualität 420-450 Mk., 2. 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