M-rrtag ÄS. Juni 1908 152. Jahrgang Bezugspreis: monatlich 75Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf* auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für „Stabt und Land" und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Nr. 144 «rscheiul tSgttch _ . _ _____ _ _ außer Sonntags. DM M Eichener Mzelger ES ■ " General-Anzeiger " um Druckerei: w w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen Ferusprechanschluß Nr. 51. Politische Wochenschau. Gießen, 23. Juni. Während in der verwichenen Woche im hessischen Landtage die vortreffliche Wahlrechtsvorlage der Regierung von unseren Volksvertretern mit argem Mutwillen b-erzuust und zerrissen wurde, wie von unnützen Bubenhänden ein schönes Bilderbuchs — wir sprechen uns darüber an anderer Stelle dieser Nummer des Längeren aus — kam das nämliche Thema auf dem Landesparteitage der bu y r i s ch e n S o z i a l d e m o k r a t i e in Ludwigshafen zur Sprache. Tie bayrische Sozialdemokratie hat bet dieser Gesetz enh eit der Landtagsfraktion für ihre Mitarbeit an der Reform des Wahlrechts mit überwältigender Stimmenmehrheit volles Vertrauen ausgesprochen. Am 16. Mai d. I. hat die sozialdentokratische Fraktion in der Münchener Abgeordnetenkammer einer nach langen Verhand- sungen im Wahlgesetzausschuß hu stände gekommenen Reso- kution zugestimmt, der die bayrische Regierung in einem Zch Beginn der nächsten Session vorzulegenden Entwurf eines neuen Wahlgesetzes zu folgen bereit ist. Die in dieser Resolution aufgestellten Forderungen werden von sozialdemokratischer Seite teils als Verschlechterungen, überwiegend als Verbesserungen aufgefaßt. Der Hauptredner auf dem bayerischen Parteitag gruppierte sie folgendermaßen : Zunächst die Verschlechterungen. Diese bestehen 1. in der Hinaussetzung des wahlfähigen Alters vom 21. auf das 2 5. Jahr, 2. in der Bestimmung, daß der Wahlberechtigte in Zukunft mindestens ein Jahr lang direkte Steuern bezahlt haben soll, während bisher ein haalbes Jahr festgesetzt war, 3. in der Vorschrift, daß man seit einem Jahr die Staatsangehörigkeit besitzen muß, während bisher keine Karenzzeit bestand. Demgegenüber stehen die Verbesserungen. 1. Einführung des direkten Wahlrechts, 2. Herabminderung des passiven Wahlrechts auf fünfundzwanzig Jahre (früher dreißig), 3. Verlängerung der W ah lzeit bis nachmittags 6 Uhx und bessere Sicherung der geheimen Wahl, 4. Wegfall der Pluralwahlkreise, d. h. Schaffung von eimnännigen Wahlkreisen, 5. Vermehrung der Abgeordneten- ziffer von 159 aus 163, eineBermehrujNg, die den Städten zu gute kommt; so erhält München statt 6 11, Nürnberg statt 4 6, Würzburg statt 1 2, Ludwigshafen und Kaiserslautern statt 1 2 Abgeordnete, 6. Wahlkreiseinteilung nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1900, 7. Festsetzung einer Maximalgrenze für die Wahlkreiseinteilung, 8. Wegfall der permanenten Wählerlisten. Der Häuptling der deutschen Sozialdemokratie freilich, der Abg. Bebel, kann sich mit dieser von den sozialistt- schen „Endzielen" so weit abweichenden Komprvmißpolitik der Bayern durchaus nicht befreunden und hat sie in her Parteipresse scharf angegriffen. Auf dem Ludwigshafener Parteitage erhob sich aber nur eine einzige Stimme gegen die bezeichnete Mitwirkung der -Partei an der Reform des Wahlrechts Hand in Hand mit den bürgerlichen Parteien. Negen diese eine Stimme und bei elf Stimmenthaltungen wurde das Vertrauensvotum für die Fraktion von der Versammlung von 74 Stimmen angenommen. Wir sehen also wie in Hessen so in Bayern die Sozialdemotratie Hand in Hand mit der Regierung und zahlreichen Bürgerlichen in Sachen der Mahlreform marschieren. Jedenfalls hat die bayerische Regierung jetzt die Gelegenheit, gute Lehren aus den Vorgängen im höfischen Landtage zu ziehen. Wir aber wünschten, wir wären an Stelle der Bayern die aufmerksamen und lernbegierigen Zuschauenden. Die Bayern werden die Ergebnisse dieser hessischen Landtagssession abwarten und sich zu nutze ziehen. Abwarten ist übrigens der Ausdruck für eine Eigenschaft, die im politischen Leben der Gegenwart ihren glücklichen Besitzer vor Enttäuschungen bewahrt und ihm jedenfalls über vieles Schwere hinweghilft. „Seiner Zeit!" Damit M das Ergebnis der verflossenen preußischen Landtagssession festgestellt: es ist in der Hauptsache ein negatives. Tie wichtigste wirtschaftliche Frage, der Mittellandkanal, ist nicht zur Beratung gekommen, und der, der das trotzige Wort: „Gebaut wird er doch!" tzesprochen hat, geht gebeugt und kampfesmüde vom Turnierplatz, ohne daß er ftir seine Herzensdame noch eine Lanze hätte einlegen können. Der Kaiser hat in Nürnberg eine Rede gehalten, die unter den zahlreichen oratorischen Aeußerungen des Monarchen der Form nach einen ersten Platz einnimmt und die auch inhaltlich hervorgehoben zu werden verdient. Er feierte daS Germanische Mus eum als ein Symbol deutscher Kultur und schloß mit den Worten: „So grüßt der Burggraf von Nürnberg, der Hohenzoller den Wittelsbacher". Möchte der Kaiser doch auch zu anderen Zeiten des Burggrafen gedenken, wenn es gilt, seinen Einfluß auf die politische Haltung der Regierungsvertreter auszuüben, um so mitzuhelfen an dem Kampfe, den der Bürger um seine bedrohte Existenz führt! Von Nürnberg setzte der Kaiser seine Reise nach Bonn fort, wo namentlich das Borussen fest sehr glanzvoll verlief, und begab sich dann nach Aachen. Tiort spracht er int Münster und int Rathause Worte, die ihm viel Beifall, besonders von kirchlicher Seite und in erster Linie von Deutschlands Katholiken eingebracht haben. Interessant ist es, was das offiziöse Organ der fran- z ö s i s ch e n R e g i e r u n g, das „Journal des Tebats", dazu jagt: Noch selten habe der Katser so eindringlich die Notwendigkeit betont, die Religio n dem gesamten Leben des Volkes als Gh-unMcige zu geben. Die Rede sei insbesondere vom Gesichtspunkte drr Beziehungen zwischen den Protestanten und Katholiken Deutschlands, sowie in Betreff der Politik des Kaisers gegenüber dem heiligen Stuhle bemerkenswert. Die Rede fei ein neuer Beweis dafür, daß die Zeit des Kulturkampfes und des Kon- fefsionsstreites gründlich vorüber sei. Wohl habe der Kaiser in einer katholischen Provinz gesprochen, aber die Tragweite der Rede sei doch allgemein, denn die Rede sei im vollsten Einklänge mit der kaiserlichen Politik gegenüber den Katholiken und dem Papst. Tie Rede gebe zu denken in einer Zeit, wo der Kaiser die Katholiken für seine innere Politik gewinnen wolle . lieber Mors und Krefeld begab sich bann der Kaiser nach Ruhrort und Wesel. Er hat also, entgegen der allgemeinen Annahme und bisheriger Meldungen, seine Rheinlandreife nicht unterbrochen, obwohl zur selben Zeit von Schloß Sibyllenort in Schlesien ein toter Herrscher die letzte Reise in seine ehemalige Residenz Dresden antrat. Dem König Albert ward es nicht beschießen, einen rührenden Wunsch auf seinem Sterbebette erfüllt zu sehen und in seinem „geliebten Sachsenlande" die Augen zu schließen. Und wenn aus aller Herren Länder die ehrenvollsten Nachrufe feinem Heimgänge folgten, so ist es nicht das hohe Alter des Entschlafenen allein, das diese Zeugnisse offenbarer Wertschätzung hervorbrachte. Des greifen Königs hervorragende Eigenschaft als Feldherr, seine streng konstitutionellen Anschauungen, seine Pflege um die Wohlfahrt des Volkes, sein unter strenger Selbstzucht gesteigertes Pflichtgefühl lassen seinen königlichen Namen auch für die den Sachsen ferner Stehenden mit hoher Achtung aussprechen. Und nicht zuletzt ist es ein Ehrfurcht gebietendes Mitenipfinden mit einem Regenten, dem schwere, sehr schwere Stunden nicht erspart geblieben sind, was das Gefühl der Zuneigung zu dem Verstorbenen steigert. Für uns Deutsche ist es eine eigene wehmütige Stimmung, in die uns der Tod des Königs von Sachsen, des „getreuen Eckehards" des Deutschen Reiches versetzt: Mit ihm ging der letzte Führer aus den großen Tagen dahin, in denen das deutsche Reich geschaffen wurde, der Letzte! Klingt es nicht wie eine Mahnung an alle Lebenden, das Vaterland vor jeder Gefahr zu bewahren und für fein gemeinsames Wohlergehen alles zu thun, was in unseren Kräften steht, die wir uns als würdige Erben einer großen Zeit fühlen wollen? Und während man in der schönen Dresdener Hofkirche die Beisetzung des Königs Albert vorbereitet, die heute, Montag, in der Abendstunde um 9 Uhr statt findet, während in der sächsischen Hauptstadt der neue König Georg in aller Stille proklamiert ward, rüstet man sich in London mit vielem Jubel und großem Pomp zur Krönung König Eduards VII., deren Festlichkeiten am 26. Juni ihren Anfang nehmen. Die gute Stimmung und der Freudenrausch der Engländer sind zu begreifen, zumal ihnen allmählich wohl die Augen aufgeheu werden, in welcher gefahrvollen Lage sie sich vor kurzem noch befanden. Ueber 18 000 Buren haben bis jetzt die Waffen niedergelegt, des verheerenden Kampfes im eigenen Lande müde und aus Sorge um Weib und Kind in den Konzentrationslagern. Daß der Stamm noch nicht überwunden ist, werden sich die Engländer wohl selber sagen, wenn dieser Gedanke auch zur Zeit ihre Feststimmung nicht beeinträchtigen wird. Eine eigene Ironie des Schicksals wäre es fteilich, wenn Eduard selber die Krönungsfeierlichkeit aufs empfindlichste stören würde, daß sich ferne gegenwärtige Unpäßlichkeit zur Krankheit ausweist,' und die Hauptperson deshalb nicht mitthun könnte. Tas wollen wir aber unseren „lieben Vettern jenseits des Kanals" doch nicht wünschen, trotz alledem nicht. Wir sind nicht so grausam. Nun haben sich auch die edlen Lords Küchen er und Methuen an Bord des Schiffes begeben, das sie und ihren Ruhm zum stolzen Albion tragen soll. Lord Methuen fteilich hat in einem Telegramm das zu seinem Empfange in London bereite Komitee ersucht, von jeder Festlichkeit abzusehen. Er wolle ebenso unbemerkt, wie er in den Krieg gezogen sei, zurückkehren. Mit Rücksicht auf seine zahlreichen Mißerfolge that dieser Herr sehr recht daran, Bescheidenheit zu üben, ohne die Herr Kitchener aber weiterzukommen hofft. Mit weniger Geschrei als er werden wohl die drei Burenführer ihre Europareise zurücklegen. Sie werden aber gewiß, wenn auch keinen so lauten, so doch einen um so herzlicheren Empfang sinden, als Lord Kitchener in seinem eigenen Vaterlande, und sollte Dewet Deutschland besuchen, so wird er sehen, auf welcher Seite das deutsche Volt im südafrikanischen Kriege gestanden hat. Zum Petroleumkriege. Wir erhalten aus unserem Leserkreise folgende Zuschrift: In dankenswerter Weise haben Sie sich in letzter Zeit schon öfters in Ihrem geschätzten Blatte des durch die Deutsch - Amerikanische Petroleum - Gesellschaft so stark bedrängten und in anderen Städten bereits vernichteten Petroleumhandels warm angenommen, sodaß ich wohl hoffen darf, daß Sie auch nachfolgenden Ausführungen die Ausnahme nicht versagen werden, zeigen sie doch aufs neue, mit welcher Rücksichtslosigkeit diese Gesellschaft ihre Interessen verfolgt, mögen auch noch so viele Existenzen darüber zu gründe gehen. Wie Sie schon kürzlich in Ihren: geschätzten Blatte berichteten, plante die Deutsch - Ainerikanische Petroleum- Gesellschaft die Einführung der Straßentankwagen für den hiesigen Platz unter Umgehung des Zwischenhandels, doch glaubte man allgemein, durch das einmütige Zusammengehen der Gießener Detaillisten und Grossisten, welche sich schriftlich verpflichteten, mit der Deutsch-Amerikanischen Petroleum- Gesellschaft nicht in Verbindung zu treten, diese Gefahr beseitigt. Hierzu tarn noch, daß die Stadtverwaltung im Interesse ihrer Steuerzahler es ablehnte, der Petroleumgesellschaft einen Platz zu verpachten, sowie daß alle Behörden bie hiesigen Interessenten in ihrem Abwehrkampfe in dankenswerter Weise auf das nachdrücklichste unterstützten. Aber man hatte die Rechnung ohne die kapitalgewaltigen und skrupellosen Herren Amerikaner gemacht; denn in voriger Woche kamen nicht weniger als circa ein Dutzend zungengewandte Herren hier an, um in plötzlichem Ansturm die Detaillisten für die Petroleumgesellschaft zu gewinnen. Dank dem Gemeinschaftsgefühl der hiesigen Detaillisten waren die Bemühungen hier jedoch von geringem Erfolg. Aber die Herren lassen nicht locker; was in der Stadt nicht gelingt, muß wenigstens auf dem Lande zum Ziele führen, und so sehen wir denn heute die Sendlinge der Deutsch - Amerikanischen Petroleum- Gesellschaft die Landgemeinden unserer Gegend bearbeiten auf Grundlage eines Preises von sage und schreibe 15 Pfg. pr. Liter, franko Haus geliefert. Rechnen wir nun, daß amerikanisches Petroleum heute für August- bis Dezember- Lieferung 10,30 Mk. ab Mannheim kostet (zu welchem Preis die Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft selbst mit hiesigen Grossisten auf Lieferung abgeschlossen hat), die Fracht nach hier 88,— Mk., die Kesselwagenmiete 18,— Mk., der Zoll 7,50 Mk. beträgt, so ergiebt sich ein Einkaufspreis von 18,86 Mk. per 100 Ko. oder der Liter zu 800 Gramm gerechnet von 15,09 Pfg. per Liter frei Kesselwagen Bahnhof Gießen. Berechnen wir nun die Arbeit des Abfüllens, Verlust und stundenlangen Transport im Straßentank auf das Land ganz gering mit nur V/2 Pfg. per Liter, so bekommen wir einen Einstandspreis von etwas über Pfennig, welchen Preis der Großist derselben Gesellschaft zahlen muß, welche sich nicht scheut, genau die gleichen Artikel auf das Land in kleinsten Quantitäten zu einem ca. 10 Procent billigeren Preise, also zu nur 15 Pfg. zu verkaufen und hierbei noch die nötigen Behälter mit Pumpe gratis resp. leihweise liefert. Hierbei sind die Reparaturen der Straßentanks sowie die nötigen und gewiß nicht kleinen Abschreibungen für die Behälter, die Kosten des Personals 2C. für die hiesige Niederlassung in obiger Kalkulation noch nicht einmal in Betracht gezogen. Man müßte von dem Gebahren der Herren Amerikaner schlecht unterrichtet sein, würde man glauben, diese Preis- herabsetzung unter den Weltmarktpreis geschehe nur aus Liebe zu den Petroleum verbrauchenden Konsumenten. Als großes Ziel schwebt diesen Herren die Alleinherrschaft auf dem gesamten Petroleummarkte vor Augen. Diesem Ziel, welches, wie in Ihrem geschätzten Blatte vor einigen Tagen schon ausgeführt, in anderen Ländern, wie z. B. Dänemark, bereits erreicht ist, stand bei uns in Deutschland seither ein blühender Petroleumgroßhandel hindernd im Wege, welcher, gestützt auf einige kleinere noch unabhängige amerikanische Quellenbesitzer, sowie die russische, rumänische und galizische Petroleumproduktion immer wieder Mittel und Wege fand, die Monopolgelüste der Amerikaner wenigstens einigermaßen im Damm zu halten. Dieser Großhandel soll nun vernichtet werden, und er wird vernichtet werden, wenn nicht die Detaillisten und in erster Linie das kaufende Publikum ihm unterstützend zur Seite stehen, indem sie Ringpetroleum zu keinem Preise kaufen und Läden meiden, in denen die Standgcfäße des Petroleumringes ihre Aufstellung gefunden haben. Ist der Petroleumgroßhandel erst einmal vernichtet oder hat er aus Mangel an Unterstützung den Kampf und auch den Artikel aufgegeben, dann wird der Detaillist, auch selbst wenn er durch Verträge sich nicht gebunden hat, gezwungen sein, bei dem Petroleum- ring zu kaufen und diesen Herren auf Gnade ober Ungnade ausgeliefert sein. Tann allerdings werden wir auch wieder andere Preise sehen und die Deutsch-Amerik. Petroleumgesell- schaft wird sich dann reichlich schadlos halten, für den Verlust, welchen sie bei dem jetzigen Kampfe erleidet. Thatsache ist schon heute, daß die Herren Deutsch-Amerikaner, in der bestiminten Erwartung, daß es so kommen wird, es ablehnen, mehrjährige Verträge auf Grund des 15 Pfg.-Preises abzuschließen. Sr. ♦ • * Ferner ist uns das nachstehende Schreiben zugegangen'. Gestatten Sie mir als gänzlich Unbeteiligtem einige Worte zu den Praktiken der Deutsch-Amerikanischen Petroleumgesellschaft. In Kassel, wo die Gesellschaft an der Energie und dem Zusammenhalt von Groß- und Kleinhandel mit ihren Monopolbestrebungen abgefallen ist, verkauft sie zur Zeit Petroleum mit 16 1j.z—17 Pfennig pro Liter, also wesentlich teurer wie in Gießen. Gelingt es hier erst den Großhandel kaput zu machen, dann würden Detaillisten und Konsumenten die Augen geöffnet werden. Die ganze jahrelange Praxis gerade dieser Petroleumgesellschaft sollte auch schon dem beschränktesten Kleinhändler die Augen über ihre Endziele geöffnet haben. Daß, was jetzt durch niedrige Preise verschleudert wird, wird nach Beseitigung der Konkurrenz mit Zinsen und Zinseszinsen wieder eingeholt werden. Ich hoffe, daß Publikum und Händler in diesem Kampfe gegen eine rücksichtslose Gesellschaft von Großkapitalisten zusammenhalten und auch Opfer nichl scheuen. Die von der Gesellschaft gebotenen Bequemlichkeiten und Vorteile dürften, wenn sie erst das Monopol besitzt, dürfe. Femllelon. ** Herman Schillers litterarischer Nachlaß. Herman Schiller ist durch den Tod mitten ans litte- rarischem Schassen herausgerissen worden. Er arbeitete an einer zweibändigen pädagogischen Encpklopädie und hatte noch weitere Arbeiten teils unter der Feder, teils geplanit. Seit dem jähen Tode seiner Gattin (in Tunis) hatte er an- gesangen, seine Notizen und Aufzeichnungen zu ordnen; denn erst jetzt wollte er sich anschjicken, seine „Erinnerungen" zu schreiben. Daß diese nunmehr ungeschrieben bleiben, wird vielleicht, so schreibt man der „Frkf. Ztg.", von mancher Seite mit einem gewissen Aufatmen vernommen werden; aber für die Bildungsgeschichte der letzten 40 Jahre bleibt es lebhaft zu bedauern, daß der feinsinnige Beobachter, der so viel erlebt hatte und jo gut zu sehen recht vorLbergehe nder Natur sein. Nirgends dürste Schillers Spruch: „Der Wahn cht kurz, die Reu ist lang", ^treffender sein, wie in diesem Falle. Auch an meine Geschäftsfreunde richte ich die dringende Bitte, in ihrem eigenen Interesse die Sirenengesänge dieser Gesellschaft mit einem deutlichen kräftigen „Niemals" zu beantworten. Ed. Krumm, Teilhaber der Firma Benner u. Krumm. Aus Stadt uud Kand. Gießen, den 23. Juni 1902. **Der Erste Frankfurter Schwimmklub hatte gestern nachmittag im hiesigen Bolksbad ein Schau- und W e tt schwimmen veranstaltet, um auch hier die freunde des iSchwimmens zu sammeln und zu einem Verein zusammen zu schließen. Der Besuch seitens des Publikums Ueß allerdings zu wünschen übrig. „Das unerwartet gute Wetter habe der Veranstaltung "Abbruch gethan", meinte der Vorsitzende des Frankfurter Vereins in einer Ansprache, und er mag damit wohl nicht,ganz Unrecht gehabt haben Anwesend waren u. a. der hiesige Regimentskommandeur, Oberst v Dewitz, der Rektor der Universität Prof. Dr. Hansen, Geh. Med.-Rat Prof. Tr. Gaffky und mehrere Os ftziere ga ist — so schreibt man uns — eine weit verbreitete und doch ganz irrige Ansicht, daß die Fertigkeit des Schwimmens, die das Tier instinktiv ausführt, dem Menschen alA Naturanlage versagt sein soll. Jedes Säugetier macht mit seinen vier Beinen im Wasser die Laufbewegungen, ohne von seinen Herren Eltern dazu Anweisungen erhalten zu haben, und wenn b»er Mensch mit seinen zwei Beinen das ebenfalls thäte, und mit seinen Armen das Gleiche aus führte, würde er sich vollkommen über Wasser halten. Diejenigen Schwimmbewegungen, die der Mensch heute ausführt, sind dem Frosche nachgeahmt, haben mit den oben angedeuteten keine Verwandtschaft, müssen erlernt und vor allen Dingen fleißig geübt werden. Zwischen Schwimmen verstand, nicht mehr dazn kommen sollte, seine Ernme- runaen M Papier zu bringen. Es Ware ^ebenfalls em yoch- ^terettantes Buch geworden. Obgleich seit Jahren Dra- bctikcr! dachte Schiller noch lange nicht ans Sterben, Auf 70 hosste er es schon noch zu billigen. Eme Furunkel--Ope- ration aber schwächte den Organismus des ohnehin durch den plötzlichen Perlust b-er treuen Lebensgchahrtin seelisch stark Deprimierten derart, daß er der rapid zunehmenden Grundkrankheit erlag. Bom Darmstädter Hoftheater, Man schreibt uns aus Darmstadt: Herr Köhler-Langsdors hat bekanntlich crnc Interpellation wegen der Leitung des Darmstadter Hoftheaters angekündigt, und auch die „F ran kfu rt e rZei- tuna" schüttet einen Sack voll Klagen aus. Ern seltwev Bild der Eintracht! Es scheint System in den Angriffen zu liegen. Herr Köhler versteht ja gewiß den Landbau aber fein Kunstverständnis ist nicht über alle Zweifel erhaben. Er legt eine Lanze für die Oper „Meister Martin" ein. Dieses Werk' hat ja gewisse Vorzüge, im ganzen aber ist die Musik veraltet und der Text langweilig und naiv. Es ist ein verwässerter „Waffenschmied von WormS" mif noch größerer Sentimentalität ohne den göttlichen Humor Lortzings. Das Stück verdankte seine Aus- nrhrung lediglich dem hessischen Patriotismus, denn der Komponist ist in Osthofen geboren. Besser hatte man die Oper, die vom Publikum sehr kühl behandelt wurde, in ihrem bereits 30jährigen Schlummer gelassen. Im großen Ganzen kann man mit der Leitung des General-Direktors Werner wohl zufrieden sein. Das Theater hat in den letzten Jahren eine l>ohe künstlerische Stufe erreicht; es braucht, was Arrangement und Zusammenspiel betrifft, den Vergleich mit den ersten deutschen Bühnen nicht zu scheuen. Es mag als besonderes Verdienst des Herrn Werner anerkannt werden, daß er and) der modernen Litteratur die Pforten des Künstlertempels öffnete: so gelangten Ibsen, Björnson, Hauptmann, Sudermann, Hartleben, Otto Ernst zur Ausführung, Poeten, die sonst nicht für .hoffähig gelten. Die Zufrieden-^ hert des Publikums zeigt sich in ausverkauften Häusern und stetiger Zunahme der Abonnenten. Damit soll nun nicht gesagt sein, daß alles eitel Wonne wäre. Es liegt Grund zu manchen Anständen vor, aber wo ist dies nicht der Fall? . . ,, Tie Sparsamkeit des Direktors wird angefemdet; diese Tugend, die bei Künstlern im allgemeinen so selten ist, verdiente besondere Anerkennung. Auch der häufige Personalwechsel tyxt der Qualität und Einhettlichieit der Vorstellungen nicht geschadet. Manche Künstler hätten wir gern bleiben, andere gern scheiden sehen. Aber wie dem auch sei. Tie Direktion Werner ist die beste, die wir seit Jahren hatten; man lasse sie ruhig auf dem begonnenen Weg weiterfchreiten. ** FranksurterOper. Die romantisch-phantastischen Bilder aus den „H o f s man n s ch en Novellen", das. letzte Werk des übermütigen deutsch-französischen Parodisten Offenbach, erlebte nach löjähriger Pause eine glanzende Reprise in der Frankfurter Oper, welche die „Montes L Hoffmann" in brillanter Ausstattung unter sorgfältigster Vorbereitung für einen Wohlthütigkeitszweck am Mittwoch Abend zur Aufführung brachte. Gegen den Modus anderer Bühnen gelangten alle drei Liebschaften des Berliner Kammergerichtsrats zur Vorführung; den stärksten mW packendsten Eindruck machte der dritte Akt, die Geschichte der unglücklichen Sängerin Antonia, für dessen dämonischen Spuk Offenbach bekanntlich Töne gefunden, welche ferne gesamte Burleske-- und Vaudeville-Musik aufwiegen. Es ist zu bedauern, daß „Hoffmanns Erzählungen" so selten aufgeführt werden, ihr künstlerischer Wert und die musikalischen Schönheiten und Kraftstellen der Partitur ub^- wiegen den größten Teil moderner Opernproduttton. Die beste gesangliche und darstellerische Leistung bot Herr Hensel als Hoffmann, dann ist der Dämon des Herrn Dr. Pröll und die Geliebte der Frau Kernic zu nennen, die jedoch gegen Schluß des Werkes abfiel. Von hervorragender stimmlicher Schönheit war die Mutter Frl. Webers. Tue Aufführungen leiteten die Herren Dr. Wolfram als Kapellmeister und Krähmer als Regisseur. Ui-o-ne ChocoladeDaffdn Zu haben bei Hofl. J. Üoux, Marktplatz No. 6. 350F Heer und Flotte. Berlin, 21. Juni. Eine Reihe von Personalveränderungen sind in der Armee eingetteten. U. a. wurden ernannt Generalleutnant v. P erb and, bisher Kommandeur der hessischen Division, zum Generalinspetkeur der Fuß-Artillerie, an seiner Stelle Generalleutnant Frhr. v. Gall, bisher Inspekteur der Kriegsschulen, zum Kommandeur der Hess ischen D i v i. f i o u, ferner Generalleutnant Frhr. v. Seckendorfs, bisher Kommandeur des Kadettenkorps, zum Inspekteur der Kriegsschulen, Generalmajor v. S ch w a r tz k o p p e n, bisher Kommandeur der 3. Garde-Jnfanterie-Brigade, zum Kommanoeur des Kadettenkorps und Generalmajor Frhr. von und zu Eg- lofsstein, bisher im Militärkabinett, zum Kommandeur der 3. Garde-Jnfanterie-Brigade. _ Hamburg, 21. Ium. Der Stapellauf des neuen Kreuzers „ErsatzKönig Wilhelm" fand heute nachmittag aus der Werft von Blohm & Voß statt. Pruiz Friedrich Leopold hielt eine kurze Festrede, die mit einem dreifachen Hurra auf den Kaiser schloß, worauf die Frau Prinzessin, indem sie eine Flasche Schaumwein am Bug zerschellte, das Schiff „Prinz Friedrich Karl" tau te. Prinz Battenberg gefallen? Ein Telegramm aus Panama vom 20. d. M. meldet: Privatmeldungen zufolge fei ein Prinz Battenberg, der als Oberst in der columbischen R e g i e r u n g s a r m e e diente, am 1. d. M. im Kampfe gegen die ^n,urgenten a es all en. Er starb allein kämpfend, nachdem seine Leute geflohen waren. Seine Leiche wurde später gefunden. - Das dieser Meldung beigesetzte Fragezeichen betrifft nicht bloß den Inhalt der Meldung, sondern auch die Person, von der die Rede ist. Bei der allgemeinen Form, in der die Nachricht gehalten ist, bleibt man auf Vermutungen an- aewiesen. Von den Mitgliedern des Hauses Battenberg kämen bloß zwei Prinzen in Betracht, und zwar Ludwig Alexander Prinz von Battenberg, geboren zu Graz am 24 Mai 1854, der mit der Prinzessin Vitt o r ia v on e s s e n vermählt ist. Er bekleidet Die Eharge eines obersten a la suite der hessischen Artillerie. Ferner sein jüngster Bruder Franz Joseph, geboren zu Padua am 24 September 1861, vermalt mit Prinzessin Anna von Montenegro. Dieser Prinz ist Major a la suite der h.ess i- scken Infanterie und bulgarischer Oberst a la suite des 1 Kavallerieregiments. Ter mittlere Bruder Prinz Heinrich ist 1896 gestorben. Seine Kinder sowie jene des Ältesten Prinzen Ludwig stehen durchweg ui so jungem Alter, daß jie nicht in Betracht kommen können._____________________ und Schwimmen ist nun ein gewaltiger Unterschied, es giebt Leute für die das Schwimmen eine Kraftleistung ist, way- 1 rend 'andere die schwierigften Evolutionen muhelos aus- . führen. Zir jeder Leibesübung müssen gewisse Naturanlagen 1 mitgebracht werden, so ist der schlanke Körper dem ge- . drimgenen beim Schwimmen fast immer überlegen, der Gewandte dem Ungeschickten und der Mutige dem Feigling. In engster Beziehung zum Schwimmen steht das Springen, nicht nur, daß es den Schwimm er zwingt, sofort nach dem plötzlichen Eintauchen im Wasser sstch^zurecht zu finden, sondern es fördert auch den Mut die Geistesgegenwart, die Geschicklichkeit, und hält den Körper bis in die späteren Jahre elastisch. Zwei so verschwisterte Künste in vollendeter Weise ausgeführt zu sehen, ist eine-Freude, und die Herren aus Frankfurt haben uns in ihrer Mehrheit diese Freude bereitet. Die Vorführungen bestanden aus 11 Nummern: 1. Reigenschwimmen, ausgeführt von 16 Herren, 2. Brustschwimmen (Wettkampf), 3. Seitenschwimmen (Schaunummer), 4. Tauchen nach Tellern, 5. Hechttauchen, 6. Rückenschwimmen (Wettkampf), 7. Springen, 8. <5^^nel^^ schwimmen (Wettkampf), 9. Schulschwimmen, 10. Schnell- chwimmen (spanisch, Wettkampf), 11. Wasserball,prel, 14 Teilnehmer. Alle Darbietungen wurden mit Schneid und Verve absolviert. Manchmal wollte es uns scheinen, als wenn man, mit Ausnahme des R e i g e n s, der fehr elegant geschwommen wurde, den Hauptwert auf die Schneidigteit legte. So haben wir- z .B. sehr ungern das Kurf chwim- men vermißt; unter dem ausgezeichneten Vereinsmaterial ist gewiß mancher, der mit Gewandtheit und Kunstfertigkeit die souveräne Beherrschung des Wassers in elegante Formen zu kleiden weiß. Daß so etwas gern gesehen wird, bewies der große Beifall, den die K ü r s P r i n g e r ernteten, die ohne Oberleitung in Einzelleistungen geradezu Ausgezeichnetes boten. War auch nickst jeder Sprung em Treffer, o war auch wieder keiner eine ganze Niete. Reckst beachtenswertes boten auch die Taucher, von denen einer in einem Buge alle 10, nach den verschiedensten Richtungen hineingeworfene Teller erwischte. Beneidenswerte -unge. Weniger konnte das W e 11 s ch w i m m e n zur Geltung kommen; die räumlichen Verhältnisse unseres sonst >o schonen Volksbades eignen sich wirklich nicht dazu, llmusant, aber mit dem Schwimmen in reckst losem Zusammenhänge war das W a s s e r b a l l s p i e l bei dem buUrigen Herren außerordentlich rege dem Wasser Getränk zu- svrack'en. Uns fiel überhaupt der Konsum mich dieser Rich^ ning hin auf, wir meinen, der Grund hierfür liegt jjn °er> kehrten Atmen durch den Mund. Der Schwimmer soll durch, die Nase Luft schöpfen. Mit einem „Gut Naß! Hurra . dem Kernspruch der Schwimmer, schloß das reiche iswogramm. Wir bestrellen nun feinen Augenblick, daß die schone, fast gleichmäßige Ausbildung der Mitglieder des Franksutter Klubs einen großen Eindrua hinterlassen hat, der sicher der Schwimmsache in Gießen förderlich sem wird. Ob dabei eine Steigerung durch eine Vereinsbildu.ng erzielt werden kann, wollen wir weder absprechen noch behaupten. Gewessenhaft berichten wir herbei, daß eine ^rfutaenDe Mitgliederliste 28 Unterschriften ergab. Biel wünschens werter wäre es jedenfalls, wenn das Sch W imm en gleich dem Turnen dem Schulprogramm obligatorisch ein- qefügt würde. Es giebt keine Leibesübung neben dem Schwimmen, die, ganz abgesehen von seinem hydropa- thischen Werte, so gleichmäßig jede Muvkel in Thatig- keit setzt und dabei Herz und Lunge zu normaler Thatigkett geradezu zwingt. Wenn dieser Bor,chlag,in ^ Wortes idealer Bedeutung, „ins Wa s s e r 11 , dann h^t uns Frankfurt mehr gebracht, als es versprochen hat. Nack dem Schwimmen versammelten,sich unsere Gaste im Hote^ Schütz, wo sie bewiesen, daß sie nickst nur ^unbe t>e§> Wassers sind, sondern daß sie auch eme hellere Ge^^bll auf dem Trockenen lieben. Manch srohliches .,G-ut Naß. ertönte hier, und erst spät am .Abend loste sich die Tafelrunde. — Wie wir nachträglich noch erfahren, hat sich in die Liste der Mitglieder des neu zu gründenden Vereins auch Prof Oncken eingetragen. Der ^Verein wird sich hier hoffentlich recht bald konstituieren können, es werden zu diesem Zwecke Herren von Frankfurt herubEommen. Das Nähere werden wir s .Z. unfern Les em mitteilen. ** Karten von Hessen. Im Verlage von Emil Roth in Gießen erschienen soeben zwei Karten, die die Beachtung unserer Leserschaft verdienen. Die Frommann'sche ,Flarte des Großherzog- Mms dessen mit Berücksichtigung der angrenzenden Lander hat bereits ihre 29. neu revidierte Auflage erretdjt ©u? kostet 2 Au. 80 Psq Roths „Spezialkarte von Hessen-Nassau, Oberhessen, Vogels- tog ^^rroalb und Lahnchal m p°h°nIch>cht°n-T°r,.-llung ^st in 3. Auflage herausgetommen und kostet 1 Alk. oO -pfg. ^er Maßstab der ersten Karte ist 1:280 943, der der zweiten 1:200 000. ÄMdel Md Merlrehr. Volküwirtschast. ö _ 3Ur Lage der Elektrizitätsindustrie. Der bevorstehende Rücktritt des Generaldirektors Geh. Baurat Rathenau von der allgemeinen E l e k t ri z i t ä ts - G e s e l l s ch a ft regt zu allerlei Betrachtungen an. Rathenau war 20 Jahre bet der All- meinen Elettrizitätsgesellschast thätig und die Ursache seines Rücktritts soll einzig in einer leicht begreiflichen Müdigkeit liegen. Wer an des Abgeherrden Stelle treten soll, ist eine für die Gesellschaft hoch wichtige Frage, denn so leicht ist R. nicht zu ersetzen. Dem Plan der A. E. G. mit Schuckerl eine Interessengemeinschaft zu bllden soll der Sck)eidende sympathisch gegenüber gestanden haben, er ist der Ueberzeügung, daß die deutsche Elektrizitätsinduslrle ihre rühere Prosperität nur erlangen könne, wenn sich das Geschäft in wenigen Händen vereinige. Die gegenwärtige Lage der Elekllizi-- lätsindustrie ist immer noch recht ungünstig. Em Teil der Werke hat keine Arbeit und diejenigen, die Arbeit haben, können nur unbefriedigende Preise dafür erzielen. Wer in guten Zetten mcht energisch abgeschrieben hat, ist jetzt schlimm daran Die «schwieria. keit für etwa 20 000 Leute, wie sie bei der Schuck ertg es etl- schäft vorhanden sind, in der jetzigen Zeit Arbeit zu be- chaffen, trägt dazu bei, die Herbeiführung emes endgültigen Resultates der Verhandlungen zwischen der A. E. G. mch der Schuckertgesellschast zu verzögern. In jedem oall soll die Bilanz der Schuckertgesellschaft vor weiteren Verhandlungen abgewattet werden. — Diesen Auslassnngen gegenüber möchten wrr noch bemerken, daß die A.E. G. nach Bekanntwerden der Schuckertbilanzen sich erst recht überlegen wird, ob sie sich an das fernere Schicksal der Schuckertgesellschaft ketten will und dmm ist erst vor einigen Wochen verbreitet ivorden, daß die Schuckertgesellschaft so gut bs schäftigt sei, daß sie für alle Arbeiten beit zehnstündigen Dienst wieder ausgenommen hat. — Schließlich wird auch viel von einer Rekonstruktion der Kummer-Gesellschaft gesprochen — unter den gegenwärtigen VerhälMissen ebenfalls em gewagtes Unternehmen. Gut beschäftigt ist augenblicklich die Union Elektrizitäts-Gesellschaft, die von der Stadt Brussel große Auftrage^erhalten^hat^ ^^ertag. Der Vorstand und Ausschuß des ^entralverbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes haben beschlossen, im Herbst dieses Jahres einen „Allgemeiner Deutschen Bankiettag" zur Förderung der schwebenden Fragen der Revision des Börsengesetzes einzuberufen. Diese Borsentage sollev alle zwei Jahre stctttsinden, der erste in Frankfurt a. M. Trier, 22. Juni. Unter dem Vorsitz des Gch. Kommerzienrates Spaeter-Eoblenz hielt hier heute der Verband für Kana- nalisation derMoselund Saar seine diesjährige Hauptversammlung ab. Die Versammlung nahm einen Beschlußantrag an in dem die Maßnahmen der Regierung, aus denen auf die Ausnahme der Mosel- und Saarkanalisierung m die große wasserwirtschaftliche Vorlage zu schließen sei, mtt Ge° nuathuuna begrüßt werden und der Ueberzeugung Ausdruck ge- ■ geben wird, daß der baldige Ausbau des Wasserstraßenweaes, ms, besondere die Kanalisierung der Mosel und der Saar im Jnteresst ' unseres gesamten Erwerbslebens nicht länger verzogett werdev FRANZ JOSEF Bitterwasser ist das beste natürliche Abführmittel. 3998 Erhältlich überall. — Bad Nauheim, 22. Juni. Für diese Woche Md folgende Unterhaltungen vorgesehen: Frühtonzert der Kurkapelle täglich von 7—8 Uhr vorrnlltags am sun> brunnen. Dienstag nachrn. und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle; ebenso Mittwoch abends Theater» Vorstellung „Jadwiga"; Donnerstag, Krönungstag des Königs und der Königin von England, nachmittags Konzert der Kurkapelle. Abends englisches National-.'.onzert. Bei gutem Wetter Lampionsbeleuchtung der Terra, je. Theot«> vorftellung „Ton Eesar". Freitag nachrn. und abeiws. von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle, Abends Parkbeleuchtung mit hochspringendem Sprudel. Samstag nachrn. und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theatervorstellung: „Im weißen Röss'l". Sonntag Doppelkonzert des Kölner Liederkranz und der Kurkapelle. Dienstag, 1. Juli: Im L«ale Konzert der Königl. Sächs. und Großh. Hess. Kammer-- sängerin Frau Erita Wedekind. Darmstadt, 22. Juni. Der Großherzog empfing am 21. Juni u. a. den Professor Olbrich, den Oberförster Schwörer von Lich und den Generaldirektor Werner. Heute nachmittag hat der Großherzog die beabsichttgte Reise nach London angetreten. Im Auftrag und in Vertretung Seiner Königlichen Hoheit hat sich Oberhofmarschall von Westerweller zu den Trauerfeierlichkeiten nach Dresden begeben. sr c Sd <=a* tf? an D e c kN (M O CD E Q E E CJ »Ei e vo CD art CD E L « K E CD E E 70 E 2 E E E CD CD E E •5 S -o E 2 E & O - est s 5v ■. r CD tot e *£ an >g' E E E E _O Ck> C-» /^ Q) E S E E e c$ c p D-H o K AHZ) £ e *«; e -E: 70 CL> < *55 -E L> . >8" •** ®2 ^*2- »t $ Z g CS ä vo iE- CD E ECE 8« g CD E «o CD g'si E" E i c 2 Se'-e <35 'S ■ Q LZ« E ^>S"s *E 70 E n E ~ J= W -E.*7* L E «-» ä an "q er AKH « ° CD-E" ?O S5 alt O W :E sS3s . •3 o *E gj*.«-5- M* ’o E ■ E S-B. ZZL 70 1O r- .®2 CS2 J» E E E E C7 <7 --' -£ -O CD , k 07 E E *■* CO 5 s.2i £ 70 E- 07 ’o E E e Lo >8* 3 £*• §>§-o .5 'E- TL) O ■se« c Ä ES >2 +4 j c s r - t7 «* W *O E o S «Ä E E ® 2* O L . . ä g « 5 Q _ «rr 2 'SÄ ±* rr * .2 "C u£. W'-5 S od S CD ~, '*— a «- 73 := <3 =u_ü “ ° E E C^" E => C 'S 4-, 07 CS CD •E E B L) o -"E CD 07 E N E J-) •* 07 07 CD " E, ’S ö CQ« » -5-;. ö ÖÖÄ w c -ö ö er? « 57 4- c> S UO en S* E E Q :E E •“ Ä »Jg 2 'M an _ ® E E tg'vO " ft to C c = -2 TH es r= . E C OJ <2 E O «n -e « 70 « Äß ” E o> tEL E * »- tq^ c E TO E -— E CD M g5^ "o" ES M cJ CO E v *g R S' *T7 07 07 CD 07 « ES °7 Q T «:ä Sb S 6) . (0 = X, —- 07 ESf2-7O E 57 E &CO UE. 6^) O o> 07 LÄ § E <5 -ß 3 2-« E E tg' » ZS Z c jS iE- ~ E E E 5-> C S.E^ *6* E E a a- » >-7 e ° 5-> an j-»" cd..2 an R ASS's = c> "*5 «3j o E 07 jj e __ A i-< D 5 2 5 IZTEZtzH O o '— <-• VS- t- 2 ~* cq -C3.-E S- -E er cD-E -n» tot EC E Ü3 *♦ CD Ex” "2 =® = o ss Kießmer Aischöörse. Darmstädter Schlossfreiheits-Lose h* I i I sind au Baben bei 4442 sind zu haben bei 4442 Telephon 50. Marktplatz 5 48 72 gDorotheenbad, Gotha i. 7hür.«SÄi V Kgggaeo, kallsch-diätetische Heilanstalt. — 2 Aerzte. — Prospekte, * Der auswärtigen Bäcker. 1, Lang-Göns . . 24 eber, Heuchelheim 25 n 44 . 44 WWW 66 69 (4 (2 (4 50 50 50 52 22 22 2 1 2 44 44 46 46 . 25 . 26 Marttplaü 5. Louis Bühl. Telephon 50. Rich. Buchacker, KolleKtur der Zeff. Faudts-Folterie Gietzen, Neueu-Bäue 11. Krotpreise vom 22. Juni bis 6. Juli 1902. Fst. Silusmcher Bliitwitrst per Psuno 60 Pfg. Fst. Presskopf per Pfund 80 Pfg. W. Hüringer Diotioiirit per Pfund 1 Mk. Fst. Bmuschiv. Mkttioills! per Pfund 1.20 Mk. Fst. Sardellenwurst per Pfund 1.40 Mk. Fst. Weftfiil. 6eriitißtwiit|t per Pfund 1.40 Mk. Fst. Milder Kttvcktmrst per Pfund 1.80 Mk. Fst. Wests. TduristeiisiMkeil Rollfchütken, 1—2 Pfund per Pfund 1.50 Mk. Fst. deutsches Ächseusleisch im Ausschnitt, per Pfund 1 Mk. ahrräder Erstklassige Deutsche. Laternen Luftpumpen Glocken, Sättel Lauimäntel, Luft- Schläuche,Oel,Carbid u. Flickzeug. «« Spezial-Reparatur- Werkstätte mit den neuesten Maschinen, Drehbänken, Apparaten uew. Carl Graf, Giessen, Ladeneincang Schlossgasse Fst. Leberwurst per Pfund 60 Pfg. Fst. Fleischwurst per Pfund 80 Pfg. Fste. Huusuiuchtt Aiettwurft per Pfund 1 Mk. Fst. Brmschni. Lebemurst per Pfund 1 Aik. Fst. Zungenwurst per Pfund 1.20 M. Fst. Westf. Salami per Pfund 1.40 Mk. Fst. Goth. Salami per Pfund 1.80 Mk. Fst. Westsül. Bluseuschiiiken 1—2 Pfund, per Pfund 1.60 Mk. Feinste ZttSdeuerWetit-Würstcheu zum Rohessen, per Stück 12 Pfg. km«, lieföili so lange Vorrat, zu bedeutend ermütztgteu Preisen bei Äie Carl Retter Schulstratze Ecke der Sonnenstr. 3 Kilogramm (6 Pfund) Schwarzbrot bei: ■SB. Fabel Wieseck . . . 66 Gust. Jakoby, Alten-Buseck Karl Post, Wieseck . . . 66 „ Ernst Christ, Wieseck . . Der Brotverkäufer: Dieselben Preise wie bei den hiesigen Bäckern. Gießen, den 20. Juni 1902. Großherzogliches Poltzemmt Greßen. Hechler. 1 Kilogramm (2 Pfunch Schwarzbrot bei: L Schmidt, Gr.-Linden. . 22 W. Steimnüller, Lang-Göns L. Sternmüller, Gr.-Lnrden 22 „ W. Weitzel, Lang-Göns. . Hch. Weber, Heuchelheim 22 „ 2 Kilogramm (4 Pfund) Schwarzbrot bei: I. Kd. Velten, Kirch-Göns 42 4 Gust. Jakoby, Alten-Buseck Jakob Appel, Krofdorf . 42 „ W. Weitzel, Lang-Göns L. Schmidt, Gr.-Linden. . 44 „ Karl Post, Wrefeck . L. Steinmüller, Gr.-Linden 44 „ Heinr. Weber, Heuchelheim W. Steinmüller, Lang-Göns 44 „ Jakob Appel, Krofdorf. . Ernst Christ, Wieseck . . 1 Kilogramm (2 Pfund) Weißbrot bei: ,L. Schmidt, Gr.-Linden. . 24 W. Weitzel, Ä L. Steinmüller, Gr.-Liirden 24 „ Heinr. Weber, _ W. Steinmüller, L.-Göns . 24 „ W. Fabel, Wieseck Karl Post, Wieseck <>iebigrhöhe. 4515 Karl Schmid. Der hiesigcu Bäcker. I Kg. (2 Pfd.) Tafelbrot 28 i Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrot 24 H ) ii ö6 „ 2 u (4 „ ) „ ) Weißbrot 26 „ 3 „ (6 „ ) „ 52 „ Großer Znventm-Ausverlaus. Sämtliche grossen Waaren-Eestände in Wäsche, Weisswaaren und Ausstattungs-Artikeln werden zu bedeutend herabgesetzten Preisen verkauft. Günstigste Einkaufs - Gelegenheit für Brautleute. O1^7«l#Cli£ g Ausstattungs - Geschäft und Wäsche-Fabrik. Empfehle als neu zugelegten Spezial-Artikel sämtliche _ ZZI Wurstwaaren 5? und offeriere solche, als: 4080 xr5> etekt iV? H'E W. Pelzer F1^^SL besoi-gt Auskünfte, Ermittelungen Beobachtungen etc. In- u. Ausland’ j gegr. 1891, massgebende Erfolge. ■ 2 Kilogramm (4 Pfund) Weißbrot bei: L. Schmidt, Gr.-Linden . . 48 Heinr. Weber, Heuchelheim L. Steinmütter, Gr.-Linden 48 „ W. Fabel, Wrefeck . . . W. Steinmüller, Lang-Göns 48 „ Jakob Appel, Krofdorf. . W. Weitzel, Lang-Göns . . 50 „ Karl Post, Wieseck . . . und bedeutender Vergrösserung meiner G-eschäftslotealitäten unterwerfe ich mein ganzes Warenlager einem grossen Ausverkauf. HM- Die Preise sind für sämtliche Artikel ganz bedeutend ermässigt. "MG Es kommen ferner grosse Gelegenheitsposten zu folgenden Preisen zum Verkauf: Waschstoffe. Serie I prima waschechte Kattune, per Meter 33 Pfg. „ II do. wundervolle Streifen „ , 38 . „ III extra do. . . . . » , 88 » „ IV prima Rips-Piqu£ . • . „ » 8^ » ä V do. für Kleider . . „ „ 48 » e VI Wollmousseline-Reste . . 48 und 55 » , VII do. am Stück .... 60 und 65 , „ VIII Organdy-Reste für Blusen (Stückpreis 1.—1.60)60 » 9 IX Waschseide, prima Qualitäten . . . 48 » , X do. „ „ • • ■ KO „ Weisse Batiste und Mulle sehr billig. Kleiderstoffe. Serie I Blusenstoffe, doppelbreit .... 65 Pfeil doppelbreite, reine Wolle (Blusen-Streifen) . 85 „ „ III do. HO „ „ IV schwarz-weiss und blauweiss gestreift, Alpacca, Breite 1,15 Mtr. .... » V reinwollene Cheveron-Cheviot in 10 Farben e 1,15 Mtr. breit 1«.» - Reste von li/z bis 3 Meter, reine Wolle schwarz, farbig und gestreift 85 Pfg. , Meter wiä HO » EWIOBrie®sReS,te für Unterröcke (Stückpreis 1.30) 80 » Seidenstoffe Serie I reine Seide (für Blusen) Mtr. 68 Pfg. | Serie V rein seid. Rongeaut, 3 Jahre Garantie, Mtr. 1.85 Mk. „ VI rein seid. DamaSS© für Kleider, 12 Mtr. für 13 „ Posten Ball-Seide Mtr. 1 und 1.85 „ Hsste für IB^satz 0.60 und !»■* Mk. Da.naen^Kosiielstioxi „ II do. reizende Karos . . . . » 90 fl n III do. neue Streifen . . . . » l.OO Mk. „ IV rein seid. Taffctas (für Blusen u. Kleider) „ 1.30 „ Mk. weisse Pique-Kostüme mit kleinen Flecken, Rock mit Volants, . Ein Posten tadellos, beste Qualität m do. woll. Reise-Kostüme, schwarz-grau Zipelin, n . 18.00 77 Mk. Alpacca-Kleider, Rock und Taille Schwarze Mk. Serie 77 7? 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Saison in Seide 4 bis 8 elegant, Rock und Jacke mit Futter do. in helleren Farben, Jacke auf Seide, Gummi-Paletot Mk. 15.-, Staub-Paletot Double-Fa^e (angewebtes Futter) iS Modelle, in Tuch und Alpacca, «a mit doppelten Volants ■ w Mk 12.-, Loden-Mäntel Mk. 4. Carl Vowack Seltersweg 85. Modewarenhaus. Seltersweg 85 Muster- und Auswahlsendungen können in diesen Gelegenheitsküufen nicht abgegeben werden. 4355