Nr. 118 Erscheint tSgktch außer EonniagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Siebener Saratlien« blätter viermal in der Woche beigelegt. (RotanortSbrucf u. Verlag der Brüh l'sche« Univerl^Buch-u.Slein- druckerri (Pietsch Erben) Redaknon, Erpedition und Druckerei: Schulstraß« 7. Adresse für Depesche»: Anzeiger «ietze». ^rrnsprechanslbliiß Nr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Freitag 23. Mai 1NO2 Ä vezugbpret», Än Q monnliich7bPs.,vlerteK v rNr . jährlich Dir. Lro-, dun- GietzenerAMgerA ” General-Anzeiger v ** ä» v für den poltt. il allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MWß v 1 TsJ zetqenleil: Hans Beck. $)ie heutige Dummer umfaßt 10 Seiten. Volltische Tagesschau. Sine bemerkeaswertr Aosreichuung. Unser parlamentarischer Müarbetter schreibt unterm 22. Mai: Dem Reichstagsabgeordneten für Saargemünd, Baron de Schmid (roilbfonf.), ist vom Kaiser soeben eine neue Auszeichnung zu Teil geworden: die Ernennung zum Rittmeister & la suite des Rheinischen Kürassierrcgiments. Bei einer früheren Gelegenheit erhielt Baron de Schmid einen hohen preußischen Orden. Parlamentarisch ist der genannte Herr wenig hervorgetreten; er verlas, da er der deutschen Sprache nicht hinreichend mächtig ist, für seine Person zustimmende Erklärungen zur Heeres- und Flottenvorlage. Auch wurde er mehrfach zu Hofe gezogen. Als eigenartig muß der Umstand bezeichnet werden, daß Baron de Schmid geraume Zeit als aktiver Offizier einem französischen Kavallerieregiment angehörte. Seine Wahl in den Reichstag erfolgte mit knapper Majorität, wurde auch angefochten, von der Wahlprüfungskommission jedoch für gütig erklärt. Baron de Schmid hat in parlamentarischen Kreisen gelegentlich verlauten lasten, daß er bei den Neuwahlen nicht mehr zu kandidieren gedenke. Der betreffende Wahlkreis war bis 1896 durch prolestlerische Abgeordnete (Elsässer) vertreten. „Kostgänger" des Reichs. Man schreibt uns aus Berlin, 22. Mai: Die wenig günstige Entwicklung der Reichsfinanzen stellt eine Erhöhung der Matrikularbeiträge in sichere Aussicht. Das muß natürlich die Finanzleiter derjenigen Staaten besonders schmerzlich berühren, deren eigenen Einnahmen ihnen nichts weniger als eine „Ueberschußwirt- schaft" gestatten, wie sie in Preußen jahrelang im Schwünge war. Die thüringischen Regierungen sind nun, wie verlautet, gemeinsam in Berlin vorstellig geworden. Ob mit Erfolg, ist sehr zwestelhast. Die Zeit ist der Inangriffnahme einer Reichsfinanzreform wenig günstig, dasselbe gilt von den gegenwärtigen Verhältnissen im Reichstag. Der Bundesrat kann nach alledem weiter nichts thun, als an Stelle der Matrikularbeiträge den Anleihe bedarf als beweglichen Einnahme-Faktor einzustellen. Dem Reichstag wird's freilich nicht behagen. Klästdent Loubet in Rußland. - Petersburg, 22. Mai. Präsident Loubet, Minister Delcasts und Gefolge begaben sich gestern aus Zarskoje Sselo nach Petersburg, wo sie um 9 Uhr morgens auf dem Warschauer Bahnhof eintrafen. Sie wurden von einer Abordnung der Petersburger Stadtverordneten-Versammlung mit dem Bürgermeister Leljanow an der Spitze empfangen, welche dem Präsidenten Salz und Brot überreichte. Vom Warschauer Bahnhof fuhr der Präsident unter Eskorte einer Sotnie Ural-Kosaken, begleitet vom Generaladjutanten Baron Fredericks, nach der Kirche der Peter-Paul-Festung. In der die Festung entlang führenden Allee bildeten Soldaten Spalier. Um halb 10 Uhr traf der Präsident in der Festungskirche ein, verrichtete am Grabe des Kaisers Alexander III. eine Andacht und legte auf das Grab ein Schwert mit Elfenbeingriff nieder, das die Inschrift: „A PEmpereur Alexander 111. Emile Loubet, President de la Kepublique Fran^aiae“ tragt, sowie das Datum. Um das kunstvoll ausgeführte Schwert ist ein Myrtenzweig geschlungen. Der Präsident besichtigte sodann die anderen Gräber der Mitglieder des Kaiserhauses und fuhr hieraus zum Häuschen Peters des Großen. Danach begab sich Loubet zum Asyl des französischen Wohlthätigkeitsvereins. Tort empfing er Abordnungen der französischen Kolonien in Petersburg, Moskau, Riga, Odessa, Warschau und Charkow, welche Albums und Adresten überreichten. Hieraus wohnte Loubet der feierlichen Grundsteinlegung des Ambulatoriums bei. Loubet vollzog die ersten drei Hammerschläge; es folgten Minister Delcassö und Graf Montebello. Der Präsident fuhr sodann, von einer zahlreichen Menschenmenge mit jubelnden Zurufen begrüßt, die er mit fortwährendem Hutlüften beantwortete, zum Marmorpalais, wo er dem Großfürsten Konstantin Konstantinowitsch einen Besuch abstattete, und begab sich hierauf zur französischen Botschaft. Dort wurden ihm französische Industrielle vor- gestelll. Rach Empfang derselben fand auf der Botschaft ein Frühstück statt, welches der Präsident zu Ehren der russischen Würdenträger gab. An der Frühstückstafel saß Graf Lams- dorf rechts vom Präsidenten Loubet. Zu Ehren der französischen Journalisten fand gestern Abend in einem Restaurant ein Bankett von 400 Gedecken statt, das die hiesige Tagespreste veranstaltete. Dem Banket gingen Musik- und Balletaufführungen vorher. Petersburg, 22. Mai. Der Kaiser empfing gestern Nachmittag im Alexanderpalais in Zarskoje Sselo eine Abordnung aus Frankreich eingetroffener französischer KriegSveteranen. Die Abordnung überreichte dem Kaiser zur Erinnerung an den Besuch des Kaisers und der Kaiserin in Frankreich einen Ehrendegen, sowie eine Adresse und em Album mit den Unterschriften der Personen, die an der Gabe beteiligt sind. Der Kaiser sprach der Abordnung seinen Dank aus. Deutsches Reich. Berlin, 22. Mai. Der Kaiser begab sich heute früh von Urville nach Metz und wurde von dem kommandierenden General des 16. Armeekorps Grasen Haeseler empfangen. Ter Bürgermeister begrüßte den Kaiser in einer Ansprache, in der er ihm dafür dankte ,daß er den Tiktaturpara- graphen abgeschasst und dadurch das Land für volljährig erklärt habe. Der Kaiser dankte und wünschte der Stadt weitere gute Entwickelung. Daraus fuhr er zum Dom, wo er von Bischof Benzler empfangen wurde. Dieser führte in einer Begrüßungsansprache aus, wie der Kaiser die hervorragende Bedeutung des Domes sogleich zu würdigen gewußt und seine Restaurierung in hochherziger Gesinnung gefördert habe. An dem nach der Besichtigung stattgefundenen Frühstück, welches der Kaiser beim Bezirkspräsidenten Grafen Zeppelin einnahm, nahm auch Bischof Benzler teil, mit dem sich der Kaiser ebenso wie mit dem Kon- sistorialpräsidenten Br au n .lebhaft unterhielt. — Die .„Nationalzeitung" schreibt: Die Berliner Handelskammer hielt heute vormittag ihre zweite Plenarversammlung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ab und lehnte mit 18 gegen 12 Stimmen den Kommissionsantrag auf Ungiltigkeitserklärung der Wahlen ab. Sämtliche Mandate bleiben mithin in Kraft. — Die „Norbd. Allg. Ztg. schreibt: In einem Teile der Presse wird wiederholt versucht, nicht nur der baldigen Erledigung der Regierungsvorlage über die Brüsseler Zuckerkonvention im Reichstage entgegenzuarbeiten, sondern auch für eine etwaige Verschleppung der Angelegenheit die Regierung verantwortlich zu machen. So wurde neuerdings behauptet, daß den auf die Mitteilung der Protokolle der Zuckerkonferenz gerichteten Wünschen der 20. Kommission des Reichstages noch immer nicht entsprochen wurde, was notwendigerweise zu einer Verzögerung der Verhandlungen führen müsse. Demgegenüber sei fest- gestellt, daß bereits am 14. Mai die amtliche Ausgabe der Konferenzprotokolle nebst ausführlichem Sachregister in einer größeren Anzahl Exemplare der Kommission zur Verfügung gestellt sei. Außerdem wurde jedem einzelnen Mitgliede der Kommission die inzwischen im Buchhandel erschienene deutsche Uebersetzung der Protokolle zugänglich gemacht. Die Regierung hat und wird es an nichts fehlen lassen, die ihr erforderlich erscheinende alsbaldige Beschlußfassung über die Vorlagen zu ermöglichen. Bonn, 22. Mai. In der gestrigen Vertrauensmänner- versammlung der hiesigen Zentrumspartei, in der der Zolltarif besprochen wurde, erklärte Reichstagsabgeordneter Spahn: Zweifellos bedeute der Schutzzoll ein Mittel zur Förderung der Syndikate. Hiergegen eine Schutzwehr aufzurichten, sei daher auch die Zentrumsfraktion unter Umständen fest entschlossen. Nachdem es doch schon ruchbar geworden sei, stehe er nicht an, zu erklären, daß in seinem Pult ein Syndikats- Ges etzentwurf fix und fertig liege. Tie Zentrumspartei wolle jedoch den Tarif nicht mit neuen Schwierigkeiten belasten und halte daher den Entwurf vorläufig zurück. Der Zweck dies Gesetzentwurfes sei Schutz der Bedarfsartikel für die großen Massen, eventuell mit Strafen. Düsseldorf, 22. Mai. Der Internationale Bergarbeiterkongreß nahm heute zwei Anträge an, welche sich auf die Haftpflicht der Arbeit geben beziehen. Der eine von den belgischen Delegierten ein» gebrachte Antrag verlangt Heranziehung der Arbeitgeber zur Entschädigungspflicht für Unglücksfülle und Haftbarkeit der Arbeitgeber, während nach dem anderen, von den englischen Delegierten eingebrachten Antrag der Kongreß ein Haftbarkeitsgesetz der Arbeitgeber in solcher Form erstreben soll, daß bei allen Unglücks fällen, welche den Arbeitern in den Gruben oder deren Nähe zustoßen, vom ersten Tag an eine Entschädigung zu leisten ist. Ferner nahm der Kongreß zwei in der Hauptsache gleichlautende, von französischer und englischer Seite eingebrachte Anträge an, wonach die Bergarbeiterschaft aller Länder eine gesetzliche Festsetzung des Minimallohnes anstreben soll, und ebenso eine Resolution, die sich für Verstaatlichung aller Bergwerke ausspricht. Dortmund, 22. Mai. Ter eP an gelisch-soziale Kongreß wurde heute vom Landesvkonomierat N o b b e - Berlin eröffnet. Im Namen der Stadt begrüßte Ober- büregrmeifter Schmiedling, im Namen der staatlichen und kirchlichen Behörden Regierungspräsident Renvers und Kvn- siftorialrat Hildebrand die Versammlung. Hieraus sprach Professor H a r n ack-Berlin über die sittlich-soziale Be- deutung des heutigen Bildungsstrebens. Ausland. Paris, 22. Mai. Tas hiesiae Buren-Komitee veröffentlicht einen Bericht des Burengenerals Smuts an den Präsidenten Krüger, worin es heißt, 20000 berittenen Buren müßten wenigstens 100 000 berittene Engländer gegenüberstehen, und außerdem 150000 Mann Infanterie die Verbindungslinien sichern, um die Buren zu bekämpfen. Brüssel, 22. Mai. Der vom Kongo in Antwerpen eingetroffene Major CHallin erklärte einem Vertreter des „Vingtiöme siöcle" gegenüber, in Katanza sei eine gegen die belgischen Offiziere gerichtete Verschwörung entdeckt worden. An einem Offizier wurde ein Vergiftungsversuch vorgenommen. Fünf Sch w a rze, welche der Mitschuld an diesem Verbrechen überführt waren, wurden erschossen. — Die Arbeiten der Internationalen Kommission am Kiwusee sind beendet, das Ergebnis ist noch unbekannt. Budapest, 22. Mai. Im Ausschuß der ungarischen Delegation für auswärtige Angelegenheiten erstattete der Referent Max Falk Bericht über das Budget des Ministeriums des Aeußeren. In dem Bericht heißt es, der Ausschuß lege das größte Gewicht auf die That- sache, daß der Dreibund, dessen Bestand und Giltig- keitäauer im nächsten Jahre ablauft, auch über diesen Termin hinaus gesichert sei. Allerdings seien die Gefahren, mit deren 'Nähe das Zustandekommen des Drei- bundes seinerzeit begründet wurde, fast vollständig vom Horizont verscywunden. Der Ausschuß betrachte eben diese Klärung des Horizontes zum großen Teil als Ergebnis des Bestehens des Dreibundes. Es dürfte so manches gefährliche Vorhaben vielleicht nur deshalb unausgeführt geblieben fein, weil bekannt war, daß zwischen drei starken europäischen Mächten volles Einvernehmen bestehe. Im Bericht des Ausschußes heißt es bezüglich der Handelsverträge: Der Ausschuß ist der Meinung, daß politisch eng liierte Staaten nicht gleichzeitig in volkswirtschaftlichem Kriege einander gegenüberstehen können. Er ist auch heute der Ansicht, daß, wenn einmal zwischen den Teilnehmern am Dreibunde die Erneuerung der Handelsverträge ernstlich zur Sprache kommt, nicht die Verschiedenheit materieller Interessen die Festigkeit des Dreibundes erschüttern, sondern gerade umgcteijrt der Bestand und die Festigkeit des Dreibundes, die billige Ausgleichung der aus materiellem Gebiete bestehenden Gegensätze wesentlich erleichtern werden. Diese Ansicht fand neuerliche Bestätigung in der Thatsache, daß die Erneuerung des Dreibundes vollkommen gesichert ist, ehe noch bezüglich der Erneuerung der Handelsverträge zwischen den Mitgliedern des Dreibundes eine Einigung zu stände gekommen ist. Teritet, 22. Mai. Heute vormittag fand die Enthüllung eines Denkmals der Kaiserin Elisabeth statt. Anwesend waren der österreichische Gesandte Graf Knesstein mit den Sekretären der Gesandtschaft und der bayerische Gesandte Graf Montgelas. Das Denkmal wurde den Gemeindebehörden durch das Denkmal-Komitee übergeben. Graf Kuefstein dankte dem Komitee in bewegten Worten. Graf Montgelas legte namens des Prinzregenten Luitpold einen Kranz nieder. Kopenhagen, 22. Mai. „Politiken" meldet: Der amerikanische Staatssekretär Hay beauftragte den hiesigen Gesandten, Dänemark die Verlängerung der Ratifikationsfrist des Vertrages betreffend die däni s ch-we st indisch e n I n f e l n auf ein Jahr, bis zum 24. Juli 1903, vorzuschlagen. Zur tzinweiyuug des Burschen schuflsdenkmals in tzisenuch. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") III. —g. Eisenach, 22. Mai. Ein eigenartiges, bunt bewegtes Bild echt studentischen Lebens bot heute die Stadt vorn frühen Morgen an. Kurz nach Mittag ordnete sich auf dem Marktplah der Festzug. Der geräumige Platz zeigte zu dieser Zeit ein malerisches Bild, das dank der Mannigfaltigkeit der Farben der einzelnen Verbindungen außerordentlich anziehend und reizvoll wirkte. Es beteiligten sich am Festzug 60 Burschenschaften mit ihren Fahnen, und Chargierten, sodann noch die 30 hier anwesenden österreichischen Burschenschaften und die Burschenschaften der deutschen technischen Hochschulen. Die alte rot-schwarz-rote, goldbeftanste und mit einem goldenen Eichenzweig geschmückte Burscben- schaftsfahne, das treu gehütete Kleinod der Burscyen- schafter, eröffnete den Zug. Es wurde von einem Jenenser Germanen getragen. Ihr folgte das auf einem Samt- fif[en ruhende Burschen,chaftsscywert, von einem Jenenser Arminen getragen. Punkt 1 Uhr begann unter Glockengeläute der Abmarsch vom Markte aus durch einige Hauptstraßen der Stadt nach dem zu weihenden Denkmal. Der Denkmal-Verein, die Ehrengäste, darunter die Generalleutnants v. M o l t k e und v. Roon, und die alten Burschenschafter eröffneten den imposanten Zug, der durch die schier endlose Reihe der attiben Burschenschafter, die in vollem Wichs und allem studentischen Gepränge, auftraten, geschlossen wurde. In ihm befanden sich drei Musikchöre und über 100 Fahnen. Tausende von Bewohnern der Stadt und deren näheren und weiteren Umgebung folgten dem Festzuge, oder standen an den Straßenzügen, die er passierte. Ter Weg zum Tenkmal war würdig mit zahlreichen Flaggen, Laubgewinden, Tannengrün und bunten Wappenschildern aller Art dekoriert. Unier den Klängen des Lohengriu Marsches ordneten sich die Festteilnehmer um das Denkmal. Die kurz nach 2 Uhr beginnende Einweihungss^i^r iDu^oe eingeleitet durch die ernste Weise: „Alles schweige, jeder neige usw.". Medizinalrat Tr. W e d e m a n n - Eisenach begrüßte namens der Burschenschafter die Festv r.ammlung, gab einen Rückblick über die Geschichte des Denkmals und begründete unter lebhaften Heilrufen, weshalb die Burschenschaft das Denkmal Kaiser Wilhelm I. und seinen Paladinen, dem Großherzog Karl August und den im Kampf für Freiheit und Vaterland gefauenen Burschenschaftern gewidmet hat. Die Rede schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Kaiser und Reich, die deutschen Fürsten und das deutsche Volk. Nach dem Gesänge: „Ans, Brüder, auf, beginnt das Lied der Weche" hielt Pros. Tr. H e y k aus Hallensee die Festrede. Redner knüpfte an bi_ u .,iber'oon drüben Herüber grüßerckeu Wartburg an, und ließ an dem Geist vorüberziehen die Thaten eines Walter von der Vogel- toeide und eines Luther. Beide waren Männer, durchglüht von dem Geist und der Gesinnung, der die Burschenschaft beseelt. Die Luthergesinnung und den glaubensstarken Luthermut können wir auch heute noch brauchen. Eng verbunden mit der Wartburg ist die Geschichte der Burschenschaft. Die alte Burschenschaftssahne und das alte Burschenschwert erinnern daran, wie auch die äußere und innere Inschrift dieses Denkmals es aufs Neue beweist, daß die Burschenschaft nur ihr Verdienst darin suchte, dem Vaterland hu dienen. Der Geist der Burschenschasts- rdee hat den lertenden Staatsmännern den Mut gegeben, deu sie zur Gründung des Kaiserreichs brauchten. Nicht von Korpswegen, sondern von Burschenschastswegen hat Bismarck das deutsche Reich geschassen. Wie eine Krone deu Gewülbeschluß dieses Denkmals bildet, so war das Sinnen der Burschenschaft von jeher auf Kaiser und Reich bedacht. Und alles, was stark ist in uns, wollen wir auch in Zukunst dem Vaterlande weihen, auch wenn wir von oben her nicht protegiert werden. Fürwahr, es müßte die Welt vergehen, wenn der Geist der Burschenschaft verginge, jener kräftige Sinn, der Ausdruck findet in dem Wahlspruch: „Ehre, Freiheit, Vaterland!" Möge sie darum weiter blühen, wachsen und gedeihen. (Jubelnde Begeisterung, allseitig lebhafte Bravo und Hcilrufe.) Den Schlüssel zum Denkmalinnern übergab der Schöpfer des Denkmals, Architekt Kraus, mit folgenden Morten: „Des Allmächtigen Gnade und Weisheit stand uns zur Seite, die Liebe zum Vaterland hat Flammen in uns entzündet, und das Andenken an eine hehre Idee und an opservolle Thaten hat uns zum Schaffen begeistert. So ist der Ruhmestenrpel der deutschen Burschenschaft empor gewachsen und steht gewaltig da, den Elementen trotzend in ewiger Ruhe. Der deutschen Burschenschaft übergebe ich hiermit den Schlüssel zur Pforte des Tempels, und wie ihn Aeonen begleiten werden durch die Schicksale der Welt, so helfe Gott, daß er auch ewiges Leben verleihe der deutschen Burschenschast!" Nach weiteren Gesängen erfolgte die ilebergabe des Denkmals an den Burscyenschafts-Denkmal-Verein durch den Vertreter der Vorsitzenden Burschenschaft Marchia-Bonn, cand. jur. Luchs, sowie die Uebernahme des Denkmals an den stellvertretenden Vorsitzenden des Denkmal-Vereins, Prof. Dr. Flex-Eisenach, der dabei folgendes sagte: Meine lieben, jungen burschenschastlichen Freunde! Ihr habt uns soeben durch den Mund Eueres Sprechers das Denkmal, mit dessen Errichtung Ihr uns vor vier Jahren betrautet, nun, nachdem es zu schöner Vollendung gediehen ist, zur Obhut übergeben. Im Namen des Burschenschaftsdentmalvereins sage ich Euch den herzlichsten Dank für das Vertrauen, das Ihr uns zum zweiten Male schenkt. Es ist uns eine Freude und eine Ehre gewesen, den Bau des Denkmals, das ein geistvoller Kün'tler geschassen, zu leiten und zu fördern, und wir versprechen Euch, daß wir dieses Ehrenmal der deutschen Bur chenschaft hegen und wahren wollen im Sinn und Geiste seines Schöpfers und zur dauernden Freude derer, die es errichteten. Die Landesvatermelodie (Ruhe von der Burschenschaft) schloß sich hieran an, worauf Rentner Karl Adami im Namen des Kriegervereins und Rentner Fiesinger Namens des Landwehrvereins je einen Kranz, der gefallenen Burschenschafter gedenkend, stifteten. diunmehr folgte eine Berichtigung des von uns bereits eingehend beschriebenen Standbildes. Idee und Ausführung fanden den ungeteiltesten Beifall der Festversammlung. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Besichtigung der Gedächtnishalle geschenkt, in welcher die Vorsitzenden des Krieger- und Landwehrvereins mächtige Lorbeerkränze mit entsprechender Widmung niederlegten, lieber dem Eingang der Halle ist eine Widmung angebracht, in der die deutsche Burschenschaft den um die nationale Einigung verdienten deutschen Jünglingen und Männern ihre Dankbarkeit ausspricht. Die in diesem Heiligtum ausgestellten 2,70 Meter hohen Statuen des Kaisers und Roons hat Selmar Werner-Dresden geschassen. Von chm stammen auch die Modelle der gewaltigen Köpfe am Denkmal: Arminius, Luther, Dürer, Karl der Große, Goethe und Beethoven. Die Figur Karl August's schuf der Bildhauer H o s ä u s - Berlin, die Figuren Bismarcks und Moltkes Ang. Hudler- Dresden, die Kviegertopfe im Innern Schreit- mül l er-Dresden und die Opferflammen und Beschläge an der Thür Prof. Groß-Dresden. Die Gemälde und Entwürfe sind das Werk von Pros. Gußmann-Dresden. Die großen Charakterköpfe, die Adler und Gedenktafeln wurden vom Bildhauer Esche-Sonneberg, die 5 Statuen und die Kriegerköpfe in der Halle vom Bildhauer P its ch- Dresden in Stein ausgehauen. Nach der Denkmalweihe wechselte Konzertmusik ab mit allgemeinen Gesängen. Nach Beendigung der Feier auf dem Denkmalplatz wurden die Fahnen unter Begleitung von Chargierten und eines Musikkorps nach dem Fürsten- hos gebracht, wo abends 8 Uhr großer Kommers stattsand. Offizielle Reden hielten Pros. Dr. H ö f l m a y e r-München uno Justizrat Wagner- Berlin. Mit einer Wartburg- feier, zu welcher Stadtpfarrer Dr. O b e r t - Kronstadt (Siebenbürgen) die Festrede hält, erreichen morgen die Feierlichkeiten ihr Ende. Dritter Kongreß für Schulgesundheitspflege. Weimar, 22. Mai 1902. Der „Allgem. Deutsche Verein für Schulgefundheitspflege" trat am Montag hier zu seiner 3. Jahresversammlung zusammen. Ten ersten Vortrag über das Thema „Schulhygieiue und Schwind- fuchtsbekämpfuna" hielt Sanitätsrat Dr. Obertüschen-Wiesbaden. Er sagte u. a.: Vermöge ihrer großen Verbreitung (Volkskrankheit) schädigt die Tuberkulose die Gesundheitsbreite des deutschen Volkes in hohem Maße, hierdurch wird die Wehrkraft der Nation geschädigt und ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit herabgesetzt. — Die Bekämpfung der Schwindsucht bezw. der Schwindsuchtsgesahr ist demnach eine hervorragende nationale Kulturaufgabe, deren erfolgreiche Lösung ebenso zur Erhaltung der Wehrkraft wie zur Stärkung der Arbeitskraft weiter Volkskreise beitragen wird. An der Lösung dieser großen Kulturaufgabe muß sich auch die deutsche Schule jeder Gattung beteiligen, Recht sowohl wie Pflicht weisen sie auf thätige Mitarbeit hin. Das Recht erwächst der Sck)ule aus ihrer Stellung als Hauptträgerin und Förderin aller Kultur und damit jedes menschlichen Fortschrittes überhaupt; die Pflicht entspringt aus der Eigenschaft der Schule als obligatorischer, staatlicher Einrichtung, von der zum mindestens verlangt werden kann, daß sie Lehrer wie Schüler nach Möglichkeit gegen die Ansteckungsgefahr der Tuberkulose schützt. Bei der Mitwirkung der Schulen im Kampf gegen die Schwindsucht ist zu berücksichtigen, daß die Tuberkulose eine heilbare und eine ansteckende Krankheit ist. Bezüglich der Verhütung der Ansteckunasgesahr kann sich die Schule durch Maßnahme der Prophylaxe wirksam bethätigen, die sowohl direkt die Uebertraaung der Tuberkulose durch die Krankheitserreger (Tuberkelbazillus) verhindern, oder die alle Mittel umfafien die indirekt auf Die Bekämpfung der wett verbretteten Dispositionen zur Tuberkulose gerichtet sind. Die direkte Prophylaxe (Staubbeseitigung, Dustleßöl, Spuck- näpse, Spuckoerbot, Entfernung tuberkirlöser Lehrer und Kinder aus der Schule) ist gewiß an sich von hoher Bedeutung, kann aber wegen der großen Verbreitung des Tuberkelbazillus und der oft ungünstigen häuslicheii Verhältnisse der Schulkmber re. nicht allein genügen. Ebenso viel Wert ist demgemäß auf die indirekte, mittelbare Prophylaxe zu legen. Diese umfaßt in der Hauptsache alle Maßnahmen zur Hebung und Kräftigung der Körperkonslitution. Hier kann sich die Schule in wirksamster Weise bechätigen: a) Durch größere Berücksichtigung der freien Leibesübungen (Jugendfpiele, Tourenmärjche, Schwimmen :e>), insbesondere der zur Kräftigung der Lunge und des Herzens dienenden. Diese Leibesübungen sind auch tn den Fortbildungsschulen zu pflegen, b) Durch Mitwirkung der Schüler bei der Berufswahl in der Art, daß möglichst jedem abgehenden Schüler aus Grund eines ärztlichen Gutachtens der für die jeweilige Körperkonslitution besonders zuträgliche Beruf empfohlen werde. c) _Mög° lichste Unterstützung aller außerhalb des eigentlichen Schul- betriebcs sich belhätigenden Humanitären Bestrebungen, die zur Kräftigung der Heranwachsenden Jugend beitragen. Hierbei kommt auch die als Vorstufe der Tuberkulose anzusehende, unter den Schulkindern weit verbreitete Skrophulose in Frage, d) Belehrung der Jugend über den Wert einer gesundheitsgemäßen Lebeiiswelje und der" R e i n l i ch ke i t für die Körperentwickelung. Als besonders für die Schwindsuchtsbekämpfung in Betracht kommend: Benutzuiig eines geeigneten Anschauungsunterrichtes über die Natur der Infektionskrankheiten und über die zum Selbstschutz dienenden Mittel zu ihrer Verhütung durch hinreichend auf dem Seminar vorgebildete Lehrkräfte. Die Durchführung einer erfolgreichen Schwindsuchtsbekälnpf- ung durch die Schule läßt sich nur erreichen unter steter 9)ht= Wirkung ärztlicher Kräfte; schon im Interesse der Schwindsuchts- bekämpfung ist daher die Anstellung von Schulärzten dringend erwünscht. Tie hierdurch erwachsenden Kosten werden reichlich durch die Vorteile (Stärkurig der Wehrkraft, rveitgehende Unterstützung der Sozialreform) ausgewogen. Bei dieser hohen nationalen Bedeutung der Schwindsuchtsbekämpfung durch die Schule ist daher auch der Staat zur Unterstützung verpflichtet. An der sich anschließenden Besprechimg beteiligten sich Medizinalrat Pros. Lenbuscher-Meinnigen, Lehrer Hans Suct-Berlin, Dr. Schütz-Kösen, der alle hustenden, auch nicht tuberkulöse Kinder vom Unterricht entfernt wissen will, Sanitätsrat Dr. Taube-Leipzig, der die Reiniguiig der Schulzimmer nicht den Hausmännern, sondern besonderen städtischen Beamten überlassen will, weiter verlangt er an jeder Lungenheilstätte eine besondere Kinderabteilung. Oberstabsarzt Dr. Tüms-Leipzig »vünscht eine gute Ausbildung in der Hygieine auf den Lehrerseminaren, Oberregierungsrat Rümelin- Dessau betont den Schaden unserer Turnhallen. Prof. Wickenhagen- Flensburg wünscht, daß viel mehr das Freiluftturnen gepflegt wird, ihm schließt sich Reichstagsabg. Oberlehrer Welekamp an. Seminardirektor Dr. Andrae-Kaiserslautern trägt vor: Was können die Volksschullehrer-Seminare thun, unt die tünftigen Lehrer bygieinisch auszubilden? Er stellte folgende Leitsätze auf: 1. Die hygieinische Ausbildung des Volksschullehrers ist notwendig. 2. Ihr Zweck ist, denselben zu hygieinischem Teliken theoretisch und praktisch zu erziehen. 3. Daher ist für alle Lehrerbildungsanstalten ein obligatorischer Unterricht in der Hygieine zu fördern. 4. Er setzt den Unterricht in der Anthropologie voraus, ist auf die Oberstufe zu legen und bedarf mindestens einer Wochenstunde. 5. Dabei ist eine akademische Lehrform thunlichst zu vermeiden. 6. Aerzte oder fachwissenschaftlich, d. h. hygieinisch vorgebildete Anstaltslehrer sollen ihn erteilen. 7. Praktisch ist er durch hygieinische Gewöhnung und Erziehung vorzubereiten und zu unterstützen. 8. Daher sollen in Lehrerbildungsanstalten Einrichtungen sowohl wie Unterrichts- betriebe hygieinisch musterhaft sein. 9. Der Volksschullehrer hat seine hygieinische Bildung nicht nur in der Schule durch Beispiel, Lehre und Gewöhnung seinen Schülern gegenüber zu bethätigen, sondern auch über die Schule hinaus innerhalb der ihm beruflich gesteckten Grenzen für hygienische Belehrung unb Aufklärung zu wirken. 10. Erfolgt der Unterricht in der Hygieine in richtiger Weise und in rechtem Umfange, so sind Gefahren und Auswüchse nicht zu fürchten. Er wird vielmehr dazu bettragen, zwischen Aerzten und Lehrern ein Verhältnis herzustellen, wie es im Interesse der Sache und der Jugend wünschenswert ist. Prof. Leubuscher-Meiningen sprach über die schulärztliche Thätigkeit in Städten und aus dem Lande. Der Redner legte dar, daß der schulärztlichen Thätigkeit noch ein weites Feld erschlossen werden könnte, wenn neben den vielen Städten, welche bisher ohne Schulärzte sind, auch das platte Land endlich Schulärzte einführcn würde. Mit Ausnahme von Sachsen-Meiningen, das seit 1900 Schulärzte besitzt, fehlten Schulärzte auf dem Lande vollständig. Namentlich in Bezug auf den Bau und die innere Einrichtung der ländlichen Schulen finde man oft Zustände, die aller Beschreibung spotteten. Hier sei der Schularzt sehr am Platze. Der Redner verbreitete sich sodann über die Aufgaben des Schularztes auf dem Lande. Viel Schaden verursache auch das übermäßige Radfahren, Turrren 2c., gegen das die Schulärzte in bestimmten Fällen Front machen sollten. Weiter sollten die Schulärzte für Freistunden, Jugend- und Volksspiele eintreten und sogar in gewissen Grenzen Einfluß auf den Unterricht erhalten. — In der Debatte befürworteten zahlreiche Herren die allgemeine Einführ-ung der Schulärzte, worauf ein Antrag des Professors Griesbach-Mühlhausen (Els.) angenommen wurde, in welchem die Staatsregierungen, Stadtverwaltungen und ^Parlamente ersucht werden, für die Einführung von Schulärzten in Städten und auf dem Lande in allen Bundesstaaten hinzuwirken. Ferner gelangte ein Antrag des Oberlehrers Wetekamp-Bres- lau zur Annahme, der besagt: „Es ist dringend wünschenswert, sowohl im Interesse der Kinder wie der Eltern, die ibre Kinder den schulen anvertrauen, daß in die Vorbildung der Lehrer für Volksschulen sowohl wie für höhere Lehranstalten hygienischer Unterricht ausgenommen wird. Schließlich wurde der Vorstand beauftragt, eine aus Schulmännern und Aerzten gleichmäßig zusammengesetzte Kommission zu ernennen, welche die Arbeiten in der Schularztfrage erledigen soll. Weiterhin behandelte Schularzt Dr. med. Kreiß-Weimar die Rückgratsoerkrümmungen der Schulkinder. Er führte aus: Die Erfahrungen haben gezeigt, daß Die leichteren Formen dieser Erkrankungen durch eine entsvrechende Behandlung beseittgt bezw. gemildert werden können. Von größter Wichtigkeit ist die Erkennung der Skoliose in ihren Anfängen, wozu eine ständige Ueberwachung der Kinder durch die Schulärzte notwendig erscheint. Weitere Redner bezeichneten das Korset als ein Instrument zur Herbeiführung von Rückgratsverkrümmungen und Verkrüppelungen der inneren Organe des weiblichen Körpers. Aus Stadt und Sand. Gießen, den 23. Mai 1902. • * Bataillonsbesichtigungen. Gestern und heute vormittag fanden die Bataillonsbesichtigungen unseres Regiments statt. Aus diesem Anlaß weilte Exzellenz o. Lindequist in unserer Stadt. Nachdem er gestern vormittag angekommen war, begab er sich zu Pferde sofort nach dem Trieb, wo das 1. und 2. Bataillon zur Besichtigung Aufstellung genommen hatten. Heute vormittag fand die Besichtigung des 3. Bataillons statt. Wie wir hören, war Se. Exzellenz sehr befriedigt von der Haltung unseres Regiments, das im August wiederum die Ehre haben dürfte, vor seinem hohen Chef, dem Kaiser, zu exerzieren. Am Abend fand zu Ehren der Anwesenheit Sr. Exzellenz großer Zapfenstreich statt, der sein Ende vor der Zeughauskaserne fand. Im Offizierkasino fand gestern abend ein Festessen statt. Die militärischen Gebäude hatten geflaggt. Exzellenz v. Lindequist kehrte heute morgen 10 Uhr 15 Atm. wieder nach Frankfurt zurück. * * Beisekuna des Prälaten D. Habichts Wie bereits gestern telegraphisch gemeldet, erfolgte gestern vormrrrag 11 Uhr in Darmstadt die feierliche Beisetzung des Prälaten L> Habicht. Schon am Sterbehause hatte sich eine große Zahl Leidtragender versammelt. Viele Geistliche, vor allem aus Oberhessen, darunter vollzählig die Dekane, hatten sich dazu eingefunden. Ter öffentlichen Feier ging eine Einsegnung im Hause im engsten Kreise der Angehörigen voraus, die der Geistliche der Johannesgemeinde, Pfarrer Dingel- bet), hielt. Hinter den Angehörigen folgten dem Sarge die Mitglieder des Großh. Oberkonsistoriums, unter Führung ihres Präsidenten 11. Buchner. Ein noch viel größeres Gefolge schloß sich nach Darmstädter Sitte erst am Portal des Kirchhofes an. Wir bemerkten darunter außer dem schon gestern genannten Generaladjutanten Oberst von Wachter u. A. Staatsminister Dr. Rothe, Justizminister Dr.Ditt- mar, Staatsmmister a. D. Finger. Am Grabe fungierte der Superintendent der Provinz Starkenburg und Oberpfarrer von Darmstadt, Oberkonsistorialrat 1). Floe ring. Seiner Grabrede hatte er Psalm 92, 13—16 zu Grunde gelegt. Er schilderte darin den Heimgegangenen als einen' Vertreter des kernigen Geschlechts, das das Ringen um Deutschlands Einheit und Macht und dessen Erfüllung mit erlebt hat, als einen Mann, in dessenLeben in gewissenhafter Pflichterfüllung und ungewöhnlicher Arbeitsfreudigkeit bis in sein hohes Alter hinein jenes Psalutwort von der ewigen Jugend der Gerechten in reichem Maße wahr geworden sei. Vielen sei er in herzlichem Wohlwollen viel gewesen, an der bedeutsamen Entwicklung unserer hessischen evangelischen Landeskirche seit Erlaß der neuen Verfassung im Jahre 1873 habe er regen Anteil genommen. Nun habe ihn Gott, ehe ihm die wohlverdiente Ruhe des Feierabends auf Erden zuteil geworden sei, un Frieden in die ewige Ruhe eingehen lasten, und habe damit dem überaus thätigen Manne, der sich ein Leben ohne Arbeit gar nicht habe denken können, gewiß die größte Wohl- that erwiesen. Seien ihm schon hier viele Ehren zuteil ge- loorben, winke ihm dort die viel höhere Ehrenkrone, die der Herr seinen treuen Knechten verheißen hat. Nachdem die gottesdienstliche Feier mit Gebet und Segen beendet war, mürben noch eine Reihe von Kränzen mit kurzen Ansprachen am Grabe mebergelegt, so von bem Oberkonsistorialpräsidenten D. Buchner im Namen bes Oberkonsistoriums, von Kirchenrat Meyer aus Friebberg im Namen der oberhessischen Dekane, von Professor 1). Krüger aus Gießen im Namen der theol. Fakultät der Landesunversität, von Professor I). Stamm aus Gießen im Namen der Landessynode, von 'Professor Lio. Eger aus Friedberg im Namen des Pre- bigerseminars, von Pfarrer Schlosser im Namen ber Geistlichen und des evang. Gesamttirchenvorstandes Gießen, von Professor Trümpert im Namen des Gustav-Adolfoereins. — Der Großh erzog hat an den ältesten Sohn des Verewigten folgendes Telegramm gerichtet: „Mit aufrichtiger Betrübnis habe Ich die Nachricht vom Ableben Ihres Vaters, des Prälaten Habicht vernommen und spreche Ihnen, sowie Ihrer Familie zu diesem schweren Verluste Meine herzliche Teilnahme aus. Dem Entschlafenen, der mit seltener Treue während langer Jahre der evangelischen Landeskirche ausgezeichnete Dienste geleistet hat, werde Ich ein ehrende Andenken bewahren." ** Parlamentarisches. Entgegen den Mitteilungen Der* schiedener Blätter ist festzustellen, daß der Termin zum Zusammentritt der 2. Kammer bis jetzt noch nicht deftnittv auf den 3. oder 5. Juni festgesetzt ist, da noch die wichtigen Entscheidungen verschiedener Ausschüsse ausstehen. Gestern fist der 1. Ausschuß unter Vorsitz des Abg. Köhler-Darmstadt zusammengetreten, heute nachmittag wird der Sonder- Ausschuß bett, die Bildung einer Landwirtschaftskammer unter Vorsitz des Abg. Dr. Heidenreich seine Beratungen fortsetzen und morgen wird der 2. Gesetzgebungsausschuß unter Vorsitz des Abg. Dr. v. Brentano tagen. Die Regierung drängt auf rasche Entscheidung aller vorliegenden Fragen, da ber Landtagsschluß für Anfang Juli vorgesehen ist. Da der erste Präsident der 2. Kammer vorerst verreist ist und seine Rückkehr erst mit Schluß dieses Monats zu erwarten fein dürfte, ist der Zusamnientritt der Kammer noch nicht definitiv bestimmt. * * Ernennung. Ernannt wurden die Finanzaceessisten Karl v. Werner aus Darmstade und Wilhelm Ohl aus Richen zu Regierungsassessoren. t. Burkhardsfelden, 22. Mai. Die hiesige zweite Lehrer* stelle wurde dem Lehrer Roth, der bis jetzt in Langgöns thätig war, übertragen. Lehrer Mös, der bisher hier an- gestellt war, wurde nach Langgöns versetzt. + Gunzenau, 21. Mai. Gestern bewegte sich durch unseren Ort eine stattliche Trauergemeinde nach dem Friedhof, die dem ehemaligen Bürgermeister I. G. Möller die letzte Ehre erwies. Auch viele Kriegeroereine aus der Umgegend waren mit ihren Fahnen erschienen. Der Verstorbene hat sich im Kriege 1870/71 das eiserne Kreuz erworben. Er geriet in Gefangenschaft, es gelang ihm aber, sich wieder zu befreien. 8. Darmstadt, 22. Mai. In Oberramstadt wurde vor einigen Tagen die Lerche eines neugeborenen Kindes in Papier und einen Sack gehüllt an abgelegener Stelle aufgefunden. Die Leiche soll schon vor längerer Zeit daselbst vergraben worden sein. Die unnatürliche Mutter, ein junges, hübsches Mädchen, welches schon zum 2. Mal geboren hat, soll im Einverständnis mit ihrer Mutter die That begangen haben. Offenbach, 22. Mai. Die heutige Stadtverordneten- Versammlung bewilligte für die Erbauung des neuen Schlachthauses 487 000 Mk. Bei der Abrechnung der auf Anleihe im Rechnungsjahre 1900 ausgeführten Bauarbeiten hatten sich Mehrausgaben im Bettage von 33,075.30 Mark und Minderausgaben von 50,898.75 Mark heraus- gestellt, zu denen die Genehmigung nachträglich erteilt wurde. Vermischtes. * Meiningen, 22. Mai. Im ganzen Herzogtum ist die Veranstaltung von Wettfahrten auf öffentlichen Straßen und Plätzen behördlich untersagt worden. * Madrid, 22, Mai. Zwischen den Einwohnern von Oleros und Sada (Provinz Coruna) tarn es wegen lokaler Fragen zu Thätlichkeiten, bei denen mehr als 6 0 Personen verwundet wurden, unter ihnen mehrere schwer. Wetter s rönnen. Tendenz Für die Redaktion verantwortlich i. N.: R. Dittm ann. 102.85 101.75 101.70 102.05 45L5 29.00 25.90 111.80 44.00 21. 22. Mai A. 22. „ 101.95 91.65 101.90 91.60 99.60 87g% 8°?o 3‘/,»/o 3% 3‘/2°/o 2 2 9 4- 11,2° 6. 4- 4,8' C. Höchste Temperatur am Niedrigste , , Reichsanleihe do. Konsole . do . . Hessen . 8j/q Mexikaner , , 4>/, /u Chinesen . , Electric, hob ackert . Nordd. Lloyd , . , Kreditaktien , . . Diskonto-Kommandit, Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatabahn . Lombarden « • « Gotthardbahn . . . Lanrahütte . . . , Bochum . ... Harpcner . , . reserviert NW. W. N. . 25.75 . 89.50 . 99.75 . 107.70 . 215.30 . 184.40 . 135.00 . 139.30 . 152.50 . 148.50 . 14.00 . 169.00 . 200.00 . 194.10 . 173B0 Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Bed. Himmel Bew. , Telephonischer Kursbericht« Jb'ran klart u. 11., 23. Mai 1902. 35o Hessen . . . . 4% Oesterr. Goldretne . 4'/2% Oesterr. bilberrente 4% Ungar. Goldrente . . 4°/ Italien. Rente . . . 4‘/3% Portugiesen . . , .0/ Portugiesen. . . . 1% C.'Türken ... Türkenlose..... 4°/o Uriech. Monopol -Anl. äussere Argentiner Damen-Handschuhe Preislagen 1 Waag, weX Ueuesie Dttewungrn. Originaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeigers. Berlin, 23. Mai. Oberhofmarscyall Gras Eulenburg hat dem Oberbürgermeister von Posen amtlich mityeteilt, daß der Kaiser gelegentlich seiner Anwesenheit m der Stobt Posen im September, und zwar am 4. September vormittags, der Enthüllung des Kaiser Friebrich- Denkmals beiwohnen wird. G l o g au, 23. Mai. Tie schweizerische Regierung lehnte die Auslieferung des Grafen Pückler ab, der nunmehr bauernd im Ausland bleibe. Leipzig, 23. Mai. Zu dem Prozeß d cr Leipziger Bant entsendet die sächsische Regierung einen besonderen Kommissar. Generaldirektor Schmidt erklärte, er werde nicht gegen Exner und Gentzsch Zeungnis ablegen. Altenburg, 23. Mai. Herzog Albert von Sachsen- Altenburg ist gestorben. London, 23. Mai. Die „Times" melden aus Buenos- Ayrcs, die „Tribuna", das Regierungsorgan, berichtet, Chile lege den Verhandlungen mit Argentinien wieder Schwierigkeiten in den Weg, indem cs daraus bestehe, daß Argentinien erkläre, es verhalte sich in allen die pacisische Küste berührenden Angelegenheiten neutral, eine Erklärung, die sich Argentinien abzugeben weigere. Paris, 23. Mai. Eine Versammlung antiministerieller Abgeordneter sand gestern im Lokale der Patrie srancaisc unter dem Vorsitz des Schriftstellers Jules Lemaitre statt. Ungefähr 40 Deputierte waren anwesend, die sämtlich im Prinzip der Bildung einer a n t i m i n r st e r i e l l e n Gruppe zustimmten. Tie einzelnen Beschlüsse sollen noch geheim gehalten werden. Paris, 23. Mai. Der „Matin" meldet: Die in Liverpool eingetrossenen französischen Polizisten sind der Ansicht, daß die Nachricht, die Familie Humbert sei dort gesehen worden, auf einem Irrtum beruhe. Das Blatt verzeichnet das Gerücht, die Familie habe in Eardisfe ein eigenes Schiff gechartert. Paris, 23. Mai. Die im Auftrag einer Anzahl von Yachtbesitzern bei Bordeaux erbaute Segelyacht „Ar- cachon" wird sich, wie es heißt, an der nächsten Kieler Regatta um den Kaiserpreis mitbewerben. Lemberg, 23.. Mai. Einer Blättermeldung aus B o - ryslau zufolge drang in die dortigen Erdwachsgruben der galizischen Kreditbank Wasser ein und überflutete die Schichte. Bisher sind drei Leichen geborgen. Petersburg, 23. Mai. Präsident Loub et besuchte gestern nachmittag, von Kosaken eskortiert, das Alexandre- witsch-Klvster, wo ihn der Metropolit begrüßte, stattete den Großfürsten und Botschaftern Besuche ab und besichtigte die JsaakSkathedrale. Der Präsident wurde überall von der Bevölkerung aus das leb Hasteste begrüßt. London, 23. Mai. Reuter veröffentlicht eine Depesche aus Pretoria vom 22. Mai, welche aber offenbar durch die Zensur verzögert und früher aufgegeben ist, als das Telegramm über die Ankunft der Burendelegation in Pretoria. Die Depesche lautet: Ten hauptsächlichen Widerstand unter den Burendelegierten leistet eine geringe Minderheit, und die Delegierten wünschen, zu einem einstimmigen Beschluß zu gelangen, ehe sie die Verhandlungen abschließen. Tie Lage ist hoffnungsvoller. London, 23. Mai. Ten heutigen Morgenblättern zufolge ist der Friede in Südafrika bevorstehend. Sämtliche Telegraphenagenturen berichten, daß den Buren ein Ultimatum gestellt worden ist und daß dieselben aller Voraussicht nach die Bedingungen Englands annehmen werden. (sicrichtssmü. Mainz, 22. Mai. Der verheiratete 29jährige Kreis amts- gehilse Christian Jakob aus Rimbach, zuletzt am hiesigen «reisamte aus dem Zwilmusterungsdureau ihälig, hatte in seiner amUichen Eigenschaft fortgesetzt Stempelgelder für Klaviere und Radiahrkarten in Höhe von 140 Mark, dann 54 Mark für Duplikate von 9Jhlitävpapieren, sowie Stempelgelder für Naturalisationen in Höhe von 55 HJtart und von der Kasse des Eisenbahn- fchiedsaerichts, als dessen Sekretär er thätig war, 272 Mark unterschlagen. Die Listen, in welche die vereinnahmten Betrage eingetragen werden sollten, Halle er gefälscht. Dafür verurteilte die Strafkammer den Jakob, der eilten Gehalt von über Mark bezog, zu 2 Jahren Gefängnis und sprach ihm auf drei Jahre die Fähigkeit ab, öffentliche Aemter bekleiden zu Kunst und Wissenschaft. Krefeld, 22. Mai. Heute wurde die K u n st a u s st e l l u n g n o r d i s ch e r K ü n st l e r, die erste Deutschlands, im Museum eröffnet. Dieselbe enthält Gemälde, plastische Bildwerke und Erzeugnisse des Kunsthandwerks aus Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland. Der Miuisterrat, bei für heute eiuberufeu ist, soll eine bad zügliche Erklärung veröffentlichen. Sind) die „Daily Mail^ welche bisher immer großen Pessimismus an den legte, hält die augenblickliche Lage für günstig. Auch in amtlichen Kreisen glaubt man, daß kein ernstliches; Hindernis gegen den 2lbschluß des Friedens mehr besteht. London, 23. Mai. In Regierungskreisen wird versichert, daß der heute stattfindende Kobinettsrnt die Pro- klamterung des definitiven Endes der Feindseligkeiten in Südafrika beschließen wird. Die Verhandlungen bezüglich der Einzelheiten des Friedens^Be- schlusses würden allerdings noch wochenlang dauern, doch sei die Rückkehr der Burenführer zu chren KbmmanvoS, ausgeschlossen. , . , London, 23. Mai. „Daily Chrvnicle" erfährt aus guter Quelle, die Besprechungen zwischen den Buren- f ü h r e r n, L o r d K i t ch c n c r und M i l n e r in Pretoria hätten den Erfolg gehabt, daß der F r i e d c t h a t s ä ch l i ch. gesichert sei und die Feindseligkeiten alsbald eingestellt werden würden, und zwar sei dieser Erfolg dem Umstande zuzuschreiben, daß die Buren die Bedingungen der Eng« länder angenommen hätten. Fort dc France, 23. Mai. Zu St. Pierre wird, da man einen neuen Ausbruch des Mont Pelee befürchtet, keine Arbeit vorgenommen. Selbst das Militär ist zurückgezogen. Gestein nachmittag stieg plötzlich unter dumpfem Donnerrollen eint fchwarzgraue berghohe Rauchgarbe ans dem Vulkan, die sich nach einigen Minuten auflöste und als feiner Aschenregen niederrieselte. Asche und Schlamm sind in St. Pierre in großen Mengen nicht niedergefallen, ebenso auch keine Lava, lieber der Stadt herrscht ein schrecklicher Leichengeruch. Ditz Thätigkeit des Vulkans selbst ist geringer geworden. Die Kriegs- schiffe liegen außerhalb des Hafens von Fort de Franee m Anker. — Wie dem „Berliner Tageblatt" aus Paris depeschiert wird, ergab die Sammlung des Kolonialministers für die Linderung des Elends auf 'Martinique bisher 1087 326 Frs. — Rach einem Teiegrammdcr „Hamb. Börsenhalle" aus Guatemala wurde die Stadt Ouezaltenango durch ein schreckliches Minuten dauernde- Erdbeben fast vollständig zerstört. Zn der Stadt Guatemala wurde weniger Schaden angerichtet. Zedoch find zwei Kirchen ziemlich beschädigt. Die Geschäfte stocken vollständig. Viel Kaffee ist verloren gegangen. Fort de France, 23. Mai. Generalrat Plerk und em Herr Eharcel unternahmen am Freitag einen Aufstieg auf den Mont Pelöe. Sie gelangten ohne Schwierigkeit big zu einer Höhe von 1230 Meter und erklären, daß der Krater einen Durchmesser von etwa 300 Meter habe. Die den Krater überragende Bergspitze ist durch die vulkanischen Ausbrüche vollkommen untergraben. Eine andere Spitze ist vollständig durch die Flammen zerstört. Plerk erzählt, daß er und sein Gefährte wiederholt von starken elektrischen Schlägen getroffen und von einem Aschenregen überschüttet worden seien. Paris, 23. Mai. Wie verlautet, hat der Kolonialminister in Befürchtung neuer vulkanischer Ausbrüche bereits Maßnahmen für eine teilweise oder völlige Räumung von Martinique getroffen. Der Präsident sei vou dieser Entscheidung telegraphisch verständigt worden. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag Trinitatis, den 25. Mai. Gottesdienst. Zn der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde. Vormittags 9>/> Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Vorrnillags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgememde. Pfarrer Dr. (Stet n. Abends 8 Uhr Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde im Konfirmandensaal, Kirchstraße 9. Montag, den 26. Mai, abends 8 Uhr, Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde im Konfirmandensaal, Kirchstraße 9. Zu der Zohanneökirchc. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde. Vormittags 91/, Uhr: Professor D. Drews. Katholische Gemeinde. Samstag den 24. Mai. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 25. Mai Dreifaltigkeitssonntag. Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste hetl. Meße, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. , , 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. w „ 9'/, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2'/«Uhr: Andacht. Dienstag und Freitag abend um 6'/, Uhr ist Mai-Andacht. Hottrsdicnk der israelitischen Keligionsgesrllschast. Sabbathfeier am 24. Mai 1902. Freitag abend 7**. Samstag vormittag 8“. Nachmittag 4°®. Sabbathausgang 9‘°. Wochengottesdienst: morgens 686 Uhr, abends 910 Uhr. Arbeiterbewegung. Koblenz, 22. Mai. Seit Dienstag sind hier sämtliche organisierten Maurergesellen tn Aus stand getreten. Gefordert werden höhere Löhne und Abkürzung der Arbeitszeit. Die „Koblenzer Zeitung" bringt die Mittetlung, daß bei den diesigen Truppenteilen Umfragen gehalten werden, um die Zahl der Maurer, die zur Zeit hier Soldaten sind, sestzustellen. Alan bringt diese Umfrage bamtt in Verbindung, daß für die ausständigen Maurer, soweit wie angängig, Mtlttar eintreten sott. Universitäts-Nachrichten. Heidelberg, 22. Mai. Heute nacht ist der Senior der Heidelberger Profefforen, Hofrat Dr. Wilhelm Ihne, 81 Jahre alt, infolge von Altersschwäche gestorben. Ihne, geboren tn ourth, studierte 1839—13 in Bonn, war später Rektor am .Liverpool Jn- üi Liverpool und ließ sich 1843 in Heidelberg nieder. Lett 1878 wirkte er an der Universität als Anglist, zuerst als außerordentlicher, dann als Honorarprofessor. -Lerne Vorlesungen um- ja&ten die gesamte englische Grammatik und Lüteratur. Insbesondere las er über das englische Drama, über Shakespeare unb einzelne shakespeare'sche Dramen. In früheren Jahren vertrat er auch die römische Geichichte an der Heidelberger Hochschule, ecme bedeutendste Schrift ist die deutsche und englische Ausgabe einer funfbändigen „Römischen Geschichte", .Early Rome“. Ihne war s. Z. auch der Studlenleuer des jetzigen Prinzen von Wales. Mai Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit 2» 754,1 9,2 5,9 68 22. 9» 753,7 6,5 6L 86 23. 7“ 753,9 6,0 5,6 81 Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche ZmPfung in der Stadt Gießen wird, beginnend nut Mittwoch den 28. Mai im Jrnpflokale — Schulgebäude Neustadt 61 — für die nächsten 5—6 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 5 bis 6 Nhr, ab- gehalten roerben. Jmpfpfiichtig im laufenden Kalenderjahr sind die un vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahren. Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impfpslichtige Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine nut dem Bemerken ein, daß alle in denselben vorgenommenen Jmvsungen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kntdes bis zum Jahresschluffe auf seine Höften bewerkstelligen lafien, widrigenfalls ihm tm Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird. 'Außer den Pflichtigen roerbeit auch Kinder, welche im lausenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft. Alle in einem Termine geimpften Kinder muffen in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen. t _ Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Jmpfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden. Die Jmpstinge müssen mit reiner Wäsche und rem gewaschenem Römer zur Impfung gebracht werden. Es wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Landesimpfmititut geimpft. Gießen, den 23. Mai 1902. 3862 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. M e cum. Verdingung. Die Herd- und Lfeu- lieferung für das Pförtnerhaus auf dem neuen Friedhof fall öffentlich verdungen werden, wozu Termin auf Mittwoch den 28. Mai d. I., vormittags 11'/, Uhr, anberaumt ist. Angebote auf Vordruck, welche auf unserer Schreibstube erhältlich, sind bis zmn genannten Termin bei uns einzureichen. — Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 21. Mai 1902. Das Stadtbauamt. Schmandt. 3844 Derdmgnng Die Herstellung des äußeren Verputzes des Forsihauses an der Licher- straße Nr. 69 (vorm. Nolte, neben der Kaserne) soll öffentlich vergeben werden, wozu Termin auf Mittwoch den 28. Mai d. I., vormittags ll3/» Uhr, anberaumt ist. Arbcitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden auf unserem Bureau, Zimmer Nr. 2 — Schreibstube —, zur Einsicht der Interessenten offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin bei uns einzureichen. — Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 21. Mai 1902. Tas Stadtbauamt. Schmandt. 3843 Aufforderung. 1. Margarethe Binz, geb. 24. Januar 1818 in Leihgestern, 2. Jakob Binz, geb. 6. April 1821 zu Leihgestern, sind durch Ausschlußurteil des unterzeichneten Gerichts vorn 8. Oktober 1901 für tot erklärt worden. Als Zeitpunkt des Todes ist festgestellt der Beginn des 24. Januar 1888 bezw. 6. April 1891. Die Aufforderung zur Anmeldung von Erbansprüchen vom 19. März 1901 ist erfolglos geblieben. Aus Antrag des Pflegers Wllhelm Häußer 111. von Leihgestern fordern wir wiederholt alle diejenigen, die Erbansprüche an den Nachlaß stellen zu können glauben, auf, ihre Ansprüche bei unterzeichnetem Gericht bis zum 10. Juli 1902, vormittags 9 Uhr, anzumelden, andernfalls sie bei der Erbverteilung nicht berücksichtigt werden. 3651 Gießen, den 18. Mai 1902. Großh. Amtsgericht. EWWnilM Stabt. Schlachthaus. Freibank. Heute uub morgen: ©djftnflrifti 56 plz. fafflodiffttfififd} 48 pfg. Echt australisches Eucalyptus-Oel in Originalflajchen zu 1 Mk. das vorzüglichste Universalmittel empfiehlt Adler-Drogerie, Seltersweg 39 Ltto Schaaf. 3595 Ullendorf a. d. Lda. Zu dem am 11. Juni d. I. im Saale des Herrn Gastwirt Liili stattfindenden israelitischen Pfingst-Batt ladet ergebens! ein 3853 Bahnstation Allendorf. Das Comitö. NB. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Hochachtungsvoll L. Liili. Meine Eiswagen fahren vom 1. Mai ab wieder regelmäßig. Bestellungen werden im Hess. Hof, sowie in dem Laden Frankfurterstraße 9 entgegengenommen. Hochachtungsvoll 3235 Telephon 83. Erml Schmali, Arbeitseinstellung der 3800 Zimmer- md UmwMM in Siel. Arbeitswillige nur tüchtige Gesellen, insbesondere Zimmerer, finden dauernde Beschäftigung bet 55 Pfg. Stundenlohn. 10 Mark Reisekosten werden nach Ausnahme der Arbeit in Raten vergütet. 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