rs Erscheint tägttch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem kesstschen Landwirt die Siegener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Nnwers.-Buch- u.©tein- druckerei (Piets ch Erbens Redaktion, Erpedition und Druckerei: Tchulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag 33. Smtitttv lOOa C monat^ich75Ps.,viertel» GletzenerAnzeiger« W General-Anzeiger v ää Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen WW Die heutige Yummer umfaßt 10 Seiten. Kervitterstirnrnung. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 22. Januar: E s ist ein nervöser Zug in die Politik gekommen. Wenn selbst ein Staatsmann wie Graf Bülow, sonst ein Vorbild in der gleichmütigen, leidenschaftslosen Behandlung politischer Fragen, seine Gemütsruhe und Liebenswürdigkeit verliert, wie es heute im Reichstag beim Etat des Reichskanzlers geschah, dann ist an der „Gewitterstimmung", an dem allgemeinen Unbehagen nicht zu zweifeln. Selten zeigte sich Graf Bülow erregter, als heute, in seiner Polentik gegen den eben wieder in den Reichstag gewählten Abg. Dr. Barth (Freis. Ver.). Und es handelte sich dabei keineswegs um weltbewegende Ange- legenhetten, sondern Dr. Barth fühlte sich lediglich veranlaßt, einmal das „unfreundliche Verhalten" des Bundesrats gegenüber den Anträgen des Reichstags zur Sprache zu bringen. Der Reichskanzler schnellte von seinem Platze empor, leicht: gereizten Tones entsandte er seine Antwort zur Linken: Als Hüter der Verfassung müsse er den Verbündeten Regierungen das Recht wahren, nach eigenem Ermessen über ihre Anwesenheit bei der Beratung von Jnttiattvanträgen zu entscheiden. Auch der Reichstag habe manche Regierungsvorlage nicht angenommen. Zu derselben Entschließung über die Anträge des Reichstags könne doch auch die Regierung kommen. Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten — hierüber hatte ebenfalls Abg. Barth sich ausgelassen — fänden ihren Ausdruck in der Amerika-Fahrt des Prinzen Heinrich. Das Haus war den Bemerkungen des Grasen Bülow bezüglich des Ablehnungsrechts des Bundesrats mit wachsender Unruhe gefolgt; besonders von der Linken ertönten Zwischenrufe. Dieser Teil der Antwort rief Ersichtliches Mißvergnügen hervor. Die Erklärungen der Abgg. Dasbach (Ztr.) und Singer (Soz.) richteten sich mit Schärfe gegen die Haltung des Bundesrats in oer Diätenfrage, in der Mchtunterlassung der Vorschläge auf Abänderung der Wahlvorschriften, zur besseren Sicherung des Wahlgä)eimnisses usw. Auch der maßvolle Abg. Basser- mann (nl) stellte sich hier auf die Seite des Abg. Barth. Abg. Singer führte einen seiner Krafthiebe: Die Weigerung der Regierungen gegen die Abänderung der Wahlbestimmungen scheine eine Billigung der Wahlverletzungen zu enthalten. Präsident Gras Ballestrem rügte diesen Ausfall. Was die Diäten betrrfft, so scheint deren Lösung in dem vom Reichstag gewünschten Sinne, entgegen vielfachen Erwartungen, auck) jetzt noch int weiten Felde zu liegen. Gras Bülow konstatierte mit Entschiedenheit, daß der Bundesrat bei der Verweigerung der Diäten die Verfassung auf seiner Seite habe, denn die Diätenlosigkeit sei das Korrelat des allgemeinen, gleichen, geheimen, direkten Wahlrechts, und in Verfassungsfragen empfehle sich das „quieta non movere". Mit einigem Befremden wurde die Eröffnung ausgenommen, daß die Vertreter der Bundesregierungen int Bundesrat nicht gehalten seien, Gründe für ihre Abstimmung anzuführen. Diese Herren, so verkündete der Reichskanzler, würden von ihren Fürsten bezw- Regierungen informiert, und er, der Reichskanzler, sei nicht in der Lage, auf nähere Begründung des „Ja" oder „Nein" zu bestehen. Abg. Lenzmann (Fr. Bp.) meinte, er beneide,, wenn die Dinge so lägen, die Bundesratsbevollmächtigten nicht. . . . Graf Bülow ergriff noch wiederholt das Wort zu kurzen Erläuterungen, aber nirgend blitzte heute der frische, versöhnliche Humor auf, dem Graf Bülow nicht zuletzt seine rednerischen Erfolge verdantt. Es ist offensichtlich: dem Kanzler ist seine gute Laune zunt teil abhanden gekommen. Beziehen sich seine Sorgen auf Auslands- sragen? Auf den Zolltarif? Oder ist im allgemeinen in den oberen Regionen kein gutes Wetter? Sollten etwa doch „Verstimmungen" obwalten? — Im übrigen stellten sich nur die Redner der Rechten, Dr. Oertel, v. Levetzow (kons.), v. Tiedemann (Rp.), auf den Ständpuntt der Regierung in der Wahlrechts- und Diätenfrage. Die anderen Herren vom Bundesrat sahen sich, obgleich die Auseinandersetzung wesentlich sie selbst anging, nicht veranlaßt, in die dreistündige Diskussion einzugreifen. Nach dem Etat des Reichskanzlers kam der des Reichsamts des Innern an die Reihe, eingeleitet, wie stets, durch eine sozialpolitische Generaldebatte. Abg. Dr. Hitze (Ztr.), der kenntnisreiche und verdienstvolle „Sozialkäplan", erkannte das Fortschreiten der Regierung auf dem Wege der Sozialreform an, versäumte "aber nicht, zu erinnern, daß noch mcnicherlei zu thun bleibe. Ms parlamentarischer Anwalt des ,Do ethebun des" legte Abg. Dr. Müller- Meiningen (Fr. Vp.) eine Lanze für das Frauenstudium ein. „Es scheint in Deutschland allgemein, und besonders beim derzeittgen Rettor der Berliner Universität, geradezu Furcht vor den Frauen zu herrschen." (Hetterkeit.) Ter Protektor maßvoller Frauenrechtsbestrebungen, Abg. Prinz Schönaich-Carolath (wildlib.) hingegen ist zufrieden mit der bisherigen Behandlung dieser Frage durch die Behörden. Auch Schritt für Schritt komme man an's Ziel. Posadowsky beantwortete alle Fragen in erschöpfender Weise, namentlich die Angelegenheit des Frauenstudiums, dem der Staatssekretär bekanntlich wohlwollend gegenübersteht. Abg. v. Kardorff (Rp.) prophezeite schließlich, daß die Verleihung des aktiven Wahlrechts an die Frauen eine ganz andere Zusammensetzung des Reichsparlaments zur Folge haben würde. Vett'tändnisvolles Schmunzeln au: allen Seiten. — Jede Partei erhofft von der Unterstützung durch die Frau politische Nachteile. Sehr schmeichelhaft für Sa» tzartL Geschlecht! Politische Tagesschau. Die Geheimnisse des Wirtschaftlichen Ausschusses. Aus Berlin, 22. Januar wird uns geschrieben: Der Abg. Goth ein bemerkte im Reichstag, ein Bekannter habe ihm über den Wirtschaftlichen Ausschuß zur Vorbereitung der Handelsvetträge erzählt, es sei dott zugegangen wie in einer „Animierkneipe" für höhere Zölle. Diejenigen Parteien nun, deren Vertreter nicht mit Einladungen zum Wittschaftlichen Ausschuß von der Regierung bedacht worden sind, bemühen sich, dahinter zu kommen, was bei diesen Beratungen im Einzelnen an Zollforderungen angeregt und als notwendig bezeichnet worden ist. Darüber zat man ja mancherlei munkeln hören, daß einzelne Jnteres- enten im Ausschuß mit Wünschen hervorgetreten sind, so riesengroß und ungeheuerlich, daß starres Staunen auch die Herren der Negierung erfaßte. Aber im ganzen wurde das Geheimnis der Verhandlungen gut gewahrt. Man kann immerhin verstehen, daß gerade deshalb- die Wißbegierde, Näheres zu erfahren über diese intimen Besprechungen, eine brennende ist, zumal sich die zuverlässige Kenntnis exorbitanter Forderungen von den Tarifgegnern brillant verwerten ließe. Aber man sollte auch den Standpunkt der Regierung ver- tehen. Die Regierung hat ausdrücklich und in bestimmtester Weise absolute Diskretion ihrerseits zugesagt sowohl über die Beantwottung der Fragebogen wie über die Aus- agen der Sachverständigen. Es ist einfach eine Psticht, daß die Regierung diese Zusicherung strikt einhält. Trotzdem hatte Abg. Singer (Soz.) in der Zolltarifkommission den Eintrag eingebracht, den Kommissionsmitgliedern die Verhandlung des Wittschaftlichen Ausschusses zugänglich zu machen. Es wird auch in der sozialdemokr. Pattei Mancher nicht einverstanden sein mit solchem Verlangen. Der sozialdemokr. Presse und den sozialdemokratischen Abgeordneten wird, wie man genugsam aus sensationellen „Enthüllungen" weiß, Vieles anvertraut und mitunter von Personen, die im übrigen durchaus nicht auf dem Boden dieser Pattei stehen. Stets ist die Forschung nach den Gewährsmännern erfolglos gewesen, unter Hinweis darauf, daß der Bruch der Verschwiegenheit eine ehrlose Handlung sein würde. Dann soll man auch so konsequent sein und von der Regierung nicht verlangen, was man selbst auf das entschiedenste mißbilligt, wozu man sich unter keinen Umständen herbeilassen würde. Mit Recht erklärten heute in der Zolltarif - Kommission Staatssekretär Graf Posadowsky und Minister Möller, eine Veröffentlichung der Protokolle des wittschaftlichen Ausschusses verstoße gegen Treu und Glauben. Abg. Brömel (freis. Ver.) gab zu, die Regierung könne keinen Vertrauensbruch begehen, aber er beantrage, eine Liste der Sachverständigen der Kommission anzulegen und die Punkte anzugeben, worüber sie vernommen worden sind. Die Zolltarif-Kommission nahm diesen Antrag an, unter Ablehnung des Antrages Singer. Mit Zweifeln wird übrigens die von Rednern der Rechten geäußerte Behauptung aufzunehmen sein, daß im Wittschaftlichen Ausschuß die Freihändler stärker vettreten gewesen seien als im Reichstage. Diese Eröffnung ist durchaus neu und widerspricht allem, was über die Zusammensetzung des Wittschaftlichen Ausschusses bisher verlautete. An die Bemerkung des Abg. Dr. Beumer (nat), die Wünsche der Konsumenten hätten im Wirtschaftlichen Ausschuß Ausdruck gefunden, ist als Nachsatz die bescheidene Frage §u knüpfen: „Und Berücksichtigung gefunden? . . . Hierüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Rudolf v. Bennigsen über das Duell. Aus Anlaß des traurigen Vorganges in Springe gewinnen die Reden, mit denen der Vater des Getöteten, der frühere Oberpräsident Rudolf von Bennigssen als Reichs- tagsabgeordncter zu der Frage des Duells Stellung genommen hat, besonderes Interesse. Im März 1896 hatte, wie wir schon gestern in unserem Leitartikel ettvähnten, der Marincleutnant Ketclholdt den Rechtsanwalt Zencker, nachdem er mit dessen Frau sträflichen Umgang gehabt hatte, im Duell niedergeschossen. Unter dem Eindruck dieses Vorfalls forderte Bennigsen, „daß etwas geschehen muß, um den Duellen und einem so starken Widerspruch zwischen dem Gesetz und der Sitte und Vorstellung in manchen Schichten entgegenzutreten". Speziell jmit Rücksicht a!u»f, das Duell Zencker-Ketelholdt, „wo der in seiner Familienehre sich aufs tiefste -verletzt fühlende durch den Gegner niedergeschossen ist", erklärte damals Bennigsen eindringlich: ’ „Man fragt vergebens angesichts eines solchen Falles: wo kann da noch die Rede sein von einer Spur von Sühne für eine begangene Thai? Wo kann da noch die Spur gefunden werden der Wiederherstellung der verletzten Ehre? Meine. Herren, ich glaube, solche Ereignisse haben mit Recht doch eine tiefere Erschütterung hervorgerufen, auch namentlich in den Kreisen, die bislang geglaubt haben, daß das Duell nun einmal mit dein Begriff von Ehre in den oberen Ständen etwas absolut notwendig Verbundenes sei." Bennigsen hob im Anschluß daran hervor, daß angesichts solcher Vorkommnisse im Interesse der Aufrechterhaltung der Autorität und der Geltung der Gesetze Regierung und Mitglieder der oberen Klassen daran arbeiten müssen, „daß solche Zustände aufhören, die ein fortgesetztes sehr wirksames Agitationsmittel für diejenigen Parteien bieten, welche die heutigen Zustände unterwühlen". Rudolf v. Bennigsen betonte deshalb: „Wir haben alle Veranlassung, uns jetzt mit der Frage auf das ernsthafteste zu beschäfttgen: Wie ist diesen Zuständen entgegenzuwirken?" Er erinnerte daran, daß wiederholt Fälle tiorgetommen seien, „wo Personen sich zu einem ernsthaften Duell entschließen wegen der Vorstellung und Begriffe von Ehre, welche in den Kreisen herrschen, denen sie angehören. Sie mögen das Verwerfliche und Gesetzwidrige des Duells einschen, sie wissen aber nicht, rote sie es vermeiden sollen". Das sei ein schweres Zustand, „unter dem die gewissenhaftesten Personen gerade am meisten leiden, ein schwer zu ertragender Zustand". Besonders tadelte Bennigsen diegelindenStrafenfür Duelle: „Tie Form der Strafe und ihre Höhe sind sehr wenig geeignet, die Duelle zu verhindern." Sodann verurteilte er die unzureichenden Strafen für Beleidigungen und Verleumdungen. In dieser Be^ ziehung sei das Strafgesetzbuch „im höchsten Grade ungenügend und noch viel ungenügender die Handhabung durch die Gerichte". Aber auch von sttengeren Sttasen erwartete Bennigsen keine wirksame Abhilfe, so lange nicht in der Auf- fassung der Klassen, in denen Duelle Vorkommen, sich eine wesentliche Aenderung vollzieht. Ein Mittel zur Einschränkung der Duelle erblickte Benmgsen darin: Wenn die Kartell- träger verpflichtet sind, beide Gegner zu nötigen, die Angelegenheit vor ein Ehrengericht zu bringen, dann „bin ich überzeugt, wird es gar nicht lange dauern, daß fast alle Duelle aus der Welt verschwinden. Sie werden vielleicht nicht gleich auf diese Weise verschwinden können in solchen Fällen, wo es sich um thätliche oder besonders schwere Be- leidigungen namentlich der weiblichen Familienmitglieder handelt. Das wird länger dauern." Jedenfalls hoffe er, „daß diese Generation in Deutschland die letzte sein möge, die das Duell noch gesehen hat". Deutsches Mich. Berlin, 22. Jan. Der Kaiser hörte den Vortrag des Chefs des Zivilt'abinetts v. Lueanus. — Am Geburtstage des Kaisers findet tote üblich, morgens 8 Uhr ein großes Wecken statt. Der Tag wird von den Mitgliedern des Reichstages am 27. d. M., 5 Uhr nachmittags, im Hauptrestaurant des Reichstags begangen werden. Wie immer, wird der Präsident Graf Ballestrem die Festrede halten. Im preuß. Abgeordneten- hause werden die Mitglieder an demselben Tage ebenfalls am Nachmittag in der Wandelhalle des Abgeordneten-' Hauses zusammenkommen. — Zu Ehren des Prinzen Heinrich gießt der amerikanische Botschafter am Freitag abend im „Kaiserhof" ein Tuner, zu dem u. a. Einladungen an diejenigen Herren, die den Prinzen auf seiner Amerikafahrt begleiten, ergangen sind. — &eu.te abend fand bei Mr. White zu Ehren des amerikanischen Botschafters in Paris General Porter, der gestern dem Kaiser vorgestellt worden ist, ein Diner statt, dem Staatssekretär v. Richthofen und andere Herren vom Auswärtigen Amte, sowie Mitglieder des diplomatischen Korps beiwohnten. — Heute vormittag, als am Todestage der Königin Viktoria von Großbritannien sand in der hiesi- aen englischen St. Georgskapelle im Park von Monbijou ein Erinnerungsgottesdienst statt- Die englische Kolonie war zahlreich vertreten, Botschafter Sir Frank Lescelles mit den Damen und Herren der Botschaft empfing an dem Eingang zur Kapelle den Kaiser, der die Uniform seines englischen Dragoner-Regiments trug und die Kaiserin. Es erschienen ferner Prinz und Prinzessin Heinrich, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold, Prinz Mbrecht mit seinen Söhnen, und die übrigen hier anwesenden Prinzen, ferner die Damen und Herren der Umgebungen und Gefolge, der Reichskanzler Graf von Bülow, die drei Kabinettschefs, eine Deputation des Garde-Dragoner-Regi- nrents Königin Viktoria u. a. Ter Gottesdienst, der aus Gemeindegesang und Predigt bestand, währte dreiviertel Stunden. — Der Prinz von Wales trifft am Samstag abend hier ein, wo ihn der Kaiser mit Gefolge empfangen wird. Tas Ehrengeleit beim Einzüge giebt eine Schwadron des 1- Garde-Dragoner-Regiments. — Vicomte Jules de Cuverville, Leutnant der französischen Marine, ist gestern aus Paris hier eingetroffen. Kurz nach der Anlunft begab sich der Vicomte zum französischen Botschafter, um von diesem dem Kaiser vorgestellt zu werden. — In der Wahlprüfungskommission des Reichstages am Dienstag wurde die Wahl des Abg. P r i e tz e (6. Trier- Ottweiler-St. Wendel, nat.-lib.) zu beanstanden beschlossen- [ । — Der Reichskanzler GrafBülow hat dem Verein deutscher Studenten auf ein bei einem Kommers an ihn gerichtetes Telegramm folgende Antwort zugehen lassen: „Dem Verein danke ich für fein Telegramm, in welchem die zur Feier des Gedächtnistages der Bearünd- ung des Deutschen Reiches versammelten Studenten meinen in der Sitzung des Mgeordnetenhauses vom 13. d. M. gemachten Ausführungen zustimmen. Wenn unsere Akademiker ihrer Begeisterung für unser deutsches Vaterland, deutsche Art und deutsche Wissenschaft, für alle deutschen Ideale treu bleiben, bann wird es auch gelingen, unsere nationalen Aufgaben in den Ost marken unseres Reiches in vollem Umfange zu lösen. Gerade die akademische Jugend ist vornehmlich dazu bestimmt, das schwierige, aber so dankbare Werk, an welchem wir im Osten arbeiten, auszubauen und zu vollenden."- — In der preußischen Armee wird General der Artillerie und General-Inspekteur der Fußartillerie Edler der Planitz am 1. Mar das fünfzigjährige Dienst-lfür die Türkei, was England für Persien versuche. luLrlauin begehen. - - • Aus Stadt und Zand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlicherrOriginal-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, 23. Januar 1902. ** Tas hessische Regierungsblatt, Beilage Nr. 1, ausgegeben am 20. Januar d. I., enthält: 1. Bekanntmachung, die Arzneitaxe für die Apotheken des Großherzogtums betreffend. Vom 6. Januar 1902. — 2. Summarische lieber» icht der Rechnung der Großh. Landeswaisenkaffe zu Darm- tadt für 1900/1901. ** Das Amtsblatt des Ministeriums der Justiz Nr. 1 vom 8. Januar d. I. enthält ein Ausschreiben an die Justizbehörden, insbesondere die Großh. Notare, betreffend die tatistischen Uebersichten über die Geschäfte der Notare. ** Das Großh. Regierungsblatt Nr. 3, enthält eine Be- änntmachung, den Vorstand der Genossenschaftskasse ür staatlich bestätigte Forstwarte bete.: Der Vorland der Genossenschaftskasse für staatlich bestätigte Forstwarte besteht aus folgenden Personen: den Bürgermeistern Höhn von, Heppenheim a. d. B., Alles von Nieder-Florstadt, B e st von Wendelsheim, (jeder von dem betreffenden Provin- ialtag der Provinz aus der Zahl der Ortsoorstandsmitglieder der mit Waldbesitz beteiligten Gemeinden gewählt), dem Gutsbesitzer Schwöbel II. zu Hüttenthal (vom Ministerium des Innern aus der Zahl der Privatwaldbesitzer zweiter Klasse« ernannt), dem Ministerialsektretär, Oberförster Ramspeck 1 vom Ministerium der Finanzen berufen). Stellvertreter find’ in der angegebenen Reihenfolge von denselben Stellen wie die Vorstandsmitglieder bestellt: Beigeordn. Baurat Jäger in Darmstadt, Bürgermeister Jochim von Laubach (Kreis Schotten), Bürgermeister Unkelhäuser in Budenheim, Rechner Glock in Schotten, Forstassessor Delp in Darm- ladt. Zum Vorsitzenden des Vorstandes ist von demselben aus seiner Mitte der Ministerialsekretär Oberförster Ra msp e ck, der seither schon Regierungskommissär gewesen ist und zu dessen Stellvertreter der Bürgermeister Höhn gewählt worden. ** Stiftung. Ein edeldenkender Bürger unserer Stadt hat der Stadtverwaltung einen größeren Geldbetrag zur Ver- ügung gestellt, der zur Anschaffung von Kohlen und Kar- offeln für bedürftige Gießener Familien oder alleinstehende Personen verwendet werden soll. Gesuche um Gewährung der Gabe sind bis zum 1. Februar mündlich oder schriftlich an den Beigeordneten Wolff zu richten. Antiqnaria. Als Nr. 62 seines „Antiquarischen An- ■ eigerS" gibt das Antiquariat von Karl Krebs in Gießen einen Katalog heraus, der eine stattliche Anzahl von Werken der Pädagogik enthält. Fritz llngerS Original-Ueberbrettl wird, wie wir bereits mitteilten, heute abend in Steins Garten eine Vorstellung geben, lieber seine Leitungen spricht sich ein Göttinger Blatt — das Ueberbrettl kommt direkt aus Göttingen zu uns — olgendermaßen aus: „Das Unternehmen scheint mit am richtigsten ersaßt zu haben „was, es will" und ist auch in der Wahl seiner Mittel zum Zweck glücklich gewesen. Fritz Ungers Muse ist weder hölzern, iwd) pedantisch langweilig, auch nicht übermütig keck und frivol, aber doch lustig, heiter, charmant, voll sprühenden Witzes und toller Laune. Dabei musikalisch und in Rezitation und Deklamation brillant be- Ifür die Türkei, was England für Persien versuche, nämlich eine möglichst schnelle Regeneration der eingeborenen Rassen. Norman giebt der Befürchtung Ausdruck, daß ein geheimes englisch-deutsches Abkommen bezüglich des Persischen Golfs abgeschlossen worden sei. Staatssekretär Cranborne erwidert: „Wenn ich anfangen würde, den Abschluß eines Abkommens über den einen oder anderen Gegenstand abzuleugnen, so würde das Geheimnis bald kein Geheimnis mehr sein." (Gelächter.) Allgemein gesprochen ist das Ziel Englands in Asien die Aufrechterhaltung des Status quo. Obgleich wir freundschaftliche Beziehungen zu Rußland und zu den anderen Mächten suchen, dürfen diese nicht auf Kosten von den Rechten, die wir durch den Vertrag besitzen, gesucht werden. (Beifall.) Unsere Politik ist auf die Integrität Persiens ge- richtet, aber es giebt Grenzen für die Politik, die nicht unabhängig von dem Vorgehen anderer Mächte aufrecht erhalten werden können. Die englische Regierung habe die Thatsache begrüßt, daß die Russen an der Entwicklung des Eisenbahnwesens in Persien teilnehmen, genau wie sie ein analoges Vorgehen Deutschlands begrüßt habe. Schließlich zieht Josef Walton feinen Antrag zurück. Brüssel, 22. Jan. Tie englischen Delegierten auf der Zuckerkonferenz erklärten, ihre Regierung sei ent- schlofsen, Schutzmaßregeln zu Gunsten der englischen Kolonien zu treffen, falls die Kontinentalmächte sich nicht zur Abschaffung der Prämien verstehen wollten. Infolge dieser Erklärung fand eine längere Beratung statt, welche die ganze Sitzung in Anspruch nahm. Die Delegierten der Kontinentalniächte stellten an die englischen Delegierten die Frage, ob ihre Regierung bereit sei, Garantien zu leisten, daß England nach eventueller Abschaffung der Prämien nicht seinerseits Ausfuhr-Prämien zu Gunsten seiner Kolonien einführen werde. Diese Frage erfolgte aus dem Grmide, weil die englischen Kolonien den Vertrag, der in Brüssel abgeschlossen werden soll, nicht unterzeichnen werden, da sie auf der Konferenz nicht vertreten sind. Die deutschen und österreichischen Delegierten hielten aus Anlaß der Erklärung der englischen Vertreter eine Sitzung ab, an der auch mehrere hervorragende deutsche Industrielle teilnahmen, um über die von ihnen einzunehmende Haltung zu beraten. Die französischen Delegierten haben sich über ihre Stellungnahme noch nicht verständigt. Paris, 22. Jan. Der Ausschuß für Handel und Gewerbe ersucht die Regierung, Freihäfen zu gründen, die auf spezielles Dekret des Staatsrats eröffnet werden können. Sämtliche Handelskammern mit Ausnahme der von Marseille, deren Antwort noch aussteht, haben sich für diese Einrichtung ausgesprochen. Man nimmt an, daß die Regierung, dem Beschlüsse des Handelsausschusses zustimmen werde. Aus oer Friedberger Handelskammer. In der letzten Sitzung wurde *um ersten Vorsitzenden Fertsch, zuin zweiten Langsdorf wiedergewählt. Für eilige Sachen wurde aus den Mitgliedern, die in Friedberg wohnen, ein Geschäftsausfchu bestimmt. Der seitherige Rechner E. Oppenheimer soll gebeten werden, auch weiterhin die Ge- chäfte des Rechners zu führen. Auf Antrag Sprengels wird beschlossen, gelegentlich der Neugestaltung des Handelskammergesetzes, bei der Regierung anzuregen, daß für Bad - Nauheim noch ein werteres Handelskammermitglied zugelassen werde. Der Vorsitzende berichtete sodann über den Verlauf des Bezirkseifenbahnrats vom 17. November 1901. Von den Gegenständen, die daselbst behandelt wurden, interessieren die Beschlüsse, bez. der Ermäßigung der Lagerplatzmieten für Lagerung von Massen- )rodukten> und die Anträge auf Wiederauflegung der seit 1. Oktober 1901 eingezogenen Sonntagsfahrkarten nach Frankfurt a. M., sowie Antrag betr. Einlegung eines Vormittagsschnellzuges auf der Strecke Köln-Gießen und eines Abendschnellzuges in der Richtung nach Köln. Im Anschluß daran beriet die Kammer über die Darlegung der Handelskammer Magdeburg betr. die Zusammensetzung undBefugnisseder Bezirkseifenbahnräte. Die Kammer spricht ihre Zustimmung zu den Beschlüssen des Verbandes mitteldeutscher Handelskammern ans, die in folgenden Leitsätzen gipfeln: a) Es ist zu fordern, daß Handelskammern usw. auf ihren Antrag, wenn es ihre Bedeutung und die Bedeutung der von ihnen vertretenen Interessen rechtfertigt, auch in solche Eifenbahnräte, deren Direktions- bezirk nicht vom Handelskammerbezirk berührt wird, Vertreter entsenden dürfen. b) Tie bestehende gesetzliche Zuständigkeit der Eisenbahnräte darf von den Behörden nicht außer Acht gelassen werden. ~ Ausland. London, 22. Jan. In den Artikeln, welche die hiesige Presse dem heutigen Gedächtnistage desTodes der Königin Viktoria widmet, wird auch des damaligen Aufenthaltes des deutschen Kaisers gedacht. Der „Standard" schreibt: „Unter den Enkelkindern, welche die sterbende Königin umgaben, befand sich als Leidtragen-' der und Tröster Kaiser Wilhelm, der durch diese ergreifende Bekundung kindlicher Liebe und verwandtschaftlicher Zuneigung sich Anspruch auf Hochachtung des englischen Volkes erworben hat, dessen zu vergessen England sich durch keinerlei Schärfe der internationalen Streitigkeiten verleiten lassen darf." „Daily Telegraph" sagt: „Nichts, was geschehen ist, noch was geschehen kann, wird im stände .fein, die Empfindungen der Bewunderung und Zuneigung zu erschüttern, welche der ritterliche und huldvolle Aufenthalt des Kaisers in England und feine aufrichtige Teilnahme an dem nationalen Leide in dem Herzen des englischen Volkes eingepflanzt haben." — Ter deutsche Botschafter Graf Wolff-Metternich begab sich heute im Auftrage des Kaisers Wilhelm nach Frogmore, um dort im 92amen dies. «Kaisers einen Kranz niederzulegen. Der König hatte dem Botschafter eine Einladung zugehen lassen, der Trauerfeier der königlichen Familie beizuwohnen. — Das preußische 1. Garde-Dragoner-Regiment hat ebenfalls einen Kranz übersandt. — Unterhaus. Joseph Walton bringt einen Zusatzantrag zur Adresse ein, m welchem erklärt wird, es sei wichtig, entsprechende Maßregeln zur Wahrung der politischen und kommerziellen Interessen Englands in Persien zu ergreifen. Earl Perey spricht die Hoffnung aus, daß die Regierung den deutsch en Unternehmungen im Löuphrat-iThale gegenüber stets eine freundliche srmrehmtzn werde, denn TnllManö versuche c) Ablehnungen ihrer Beschlüsse sind den Eifenbahnräten von den Eifenbahnbehörden schriftlich und ausführlich zu begründen, die Entscheidungen find voll oder im Auszug zu veröffentlichen. — Der Vertreter der Kammer im Bezirkseifenbahnrat Frankfurt a. M.. wurde beauftragt, für die obigen Befchlüffe einzutreten, falls sich der Bezirkseifenbahnrat hiermit befassen sollte. Tie Handelskammer zu Brandenburg hat beim Deutschen Handelstag angeregt, dahin zu wirken, daß bei Kaufabschlüssen mit russischen Lieferanten der Handel na^ deutscher Arbitrage eingebürgert werde. Die Kammer hat bei den Interessenten des Bezirks eine Umfrage angestellt, die sich widersprechende Gutachten ergeben hat. Tie Kammer ist deshalb der Meinung, daß ein erhebliches Bedürfnis für Einführung einer deutschen Arbitrage neben der bestehenden (Londoner) Arbitrage nicht erwiesen sei und spricht sich deshalb gegen den Antrag Brandenburg ans. Die Handelskammer Heidenheim Hot beantragt, Art. 4 Ziffer 2 und Art. 96 Ziffer 2 der Wechselordnung dahin zu ändern, daß die Wechselsumme auf mindestens 100 Mark lauten müsse. — Die von der Kammer eingeholten Gutachten, sprechen füd), alle entschieden gegen diese Aen-- derung aus und sind im Gegenteil der Meinung, daß von dem Zahlungsmittel des Wechsels — auch mit Beträgen unter 100 Mark — eher zu wenig denn zu viel Gebrauch gemacht werde. Das Bureau soll sich mit dem Deutschen Feuerversicher- ungs-Schutzverband wegen Beitritts der Kammer als solcher in Verbindung setzen. Nach einem von dem Vorsitzenden auf Grund mehrerer? Gutachten erstatteten Referate über die Spiritus st euer- novelle beschließt die Kammer einstimmig, im Interesse der beteiligten Jndustrieen des Bezirks den Reichstag zu ersuchen, dem Art. II des Gesetzentwurfes über Abänderung des Branntweinsteuergesetzes vom 24. Juni 1887 die verfassungsmäßige Zustimmung zu versagen. Zu Mitgliedern des Kuratoriums der Kaufmänni- ch en Fachschule pro 1902 in Friedberg wählt die Kammer sämtliche in Friedberg wohnenden Handelskammer-Mitglieder sowie die Herren F. Damm und W. Haller. Der Sekretär berichtet über den Einspruch der Firmen „Gebr. Kaiser in Düsseldorf, Filiale in Friedberg und der Firma Gebrüder Siesmayer in Frankfurt a. M., Filiale in Vilbel" gegen die Eintragung in das Handelsregister und empfiehlt, bet den betr. Amtsgerichten zu beantragen, von einer Eintragung Abstand zu nehmen. Die Kammer be- chließt demgemäß. — Gleichzeitig wird jedoch beschlossen, das Kammermitglied Joutz, das Mitglied der Zweiten Kammer der Landftände ist, zu ersuchen, dahin zu wirken, daß derartige Handelsniederlassungen, die mangels gesetzlicher Voraussetzung ins Firmenregister nicht eingetragen werden dürfen, zu Beitragsleistungen zur Handelskammer im Verhältnisse threr Gewerbesteuerkapitalien gesetzliche zu v erp flich ten. Ter Vorsitzende erstattet sodann Bericht über die Neugestaltung der Kaufmännischen Fachschulen und der Verteilung der Geldmittel, die seitens der Landstände hierzu bewilligt find. Demselben W zu entnehmen, daß auf die Friedberger Schule etwa der Betrag von 800 Mark ent- allen wird. — Dem Handelsminister M öller ist der Rote Adlerorden zweiter Klasse verliehen worden- — Pfarrer Naumann, der infolge Ueberarbeitung schon feit einigen Wochen sich von seiner politischen und schriftstellerischen Thätigkeit zurückziehen mußte und zur Zeit in Algier Erholung sucht, soll dort neuerdings so bedenklich erkrankt sein, daß auf eine baldige Wiederherstellung kaum zu hoffen ist. — Die Budgetkommission be§ Reichstages beriet den Marine-Etat und strich bei den Ausgaben für artilleristische Armierungen bei Titel 38 (zwei Millionen für Munition) die Hälfte, bewilligte bei Titel 39 und 40 (je 1200 000 Mark zur artilleristischen Armierung der Linienschiffe L. und K. nur je 700 000 Mark und anstatt der geforderten 1300 000 zur Armierung des großen Kreuzers Ersatz „Kaiser" nur eine Million. Bei Titel 42 bis 44, Armierung der kleinen Kreuzer K^ L. und Ersatz „Zieten" wurden anstatt der geforderten 4Ö0 000 Mark nur 300 000 Mark bewilligt. Bei den Ausgaben für Torpedoarmierungen für die Linienschiffe „Wittelsbach", „Wettin" und „Zähringen" werden 150OUO Mark und für die „Medusa" 40 000 Mark gestrichen. — Dem Reichstage ging eine Resolution Rö- sicke-Dessau und P ach nicke zu, die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage baldmöglichst einen Gesetzentwurf vorzulegen betr. Errichtung von Arbeitsnachweisen, wonach die Gemeinden zur Errichtung und Unterhaltung von Arbeitsnachweisen angehalten werden tonnen, und an denen Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Zahl unter, dem Vorsitz eines Unparteiischen zu beteiligen sind. — Dem Reichstag gingen zur brüten Beratung der Brenn st euernovelle Abänderungsanträge des Abg. Arenberg und Genossen zu. U. a. bestimmen diese bezüglich der Brennsteuer: Die Steuer soll beginnen bet 100 Hektoliter Jahreserzeugung und betragen vom Hektolüer reinen Alkohols gleichmäßig bei landwirtschaft- llchen und gewerblichen Brennereien für die Erzeugung von 100 bis 200 Hektolüer 2 Mark, sodann bis 1500 Hektolüer um 50 Pfennig pro je 200 Hektolüer und danach bis ,2000 Hektolüer um 50 Pfennig pro je 100 Hektoliter (bis 8 Mark) steigen. In den 9Jtelaffebrennereien, die das .Kontingent um mehr als Vs übersteigen, erhöht sich die iBrennsteuer um je 10 Mark für jeden weiteren Hektoliter reinen Alkohols. Neue Melasfebrennereien müssen von federn Hektoliter erzeugten reinen Alkohols 10 Mark entrichten. Die Exportprämie, sowie die Vergütung für vollständig denaturierten Branntwein soll 6 Mark betragen und jährlich neu festgesetzt werden. Die Brennsteuer und die Brennsteuervergütung sollen am 1. Februar 1902 in Kraft treten. — Den Mitgliedern des Reichstages ist eine Eingabe Angegangen, die Inhaber von vier elsässischen T e i g- warenfabriken an die Regierung der Reichslande gerichtet haben. Die Unterzeichner der Eingabe fühlen sich beschwert, einmal weil der Zolltarif entwarf ihr Rohmaterial, den Hartweizengries, höher als Mehl treffen will, dann aber, well ihr Fabrikat, die Teigwaren, zu niedrig verzollt werden sollen. Jetzt sind die Sätze für Mehl und Gries, sowohl im allgemeinen Tarife (10 Mk.) ,als auch im Vertragstarif (7,30 Mk.), einander gleich. In Zukunft soll Mehl (außer Hafermehl) mit 13,50, Gries dagegen mit 16 Mark belegt werden. — Im preuß. Abgeordnetenhaus stand heute zur Beratung der Gesetzentwurf betr. die Provinzialdotationen; es sollen danach den Provinzialverbänden toeüere 10 Millionen Mark über wiesen werden, und zwar 2 Mill, vorweg an die sechs östlichen Provinzen für Chausseebauten, die übrigen 8 Millionen an alle Verbände gemeinsam für Erleichterung der Armenpflege, Wege- und Brückenbau. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben führt aus, die allgemeine Finanzlage des Staates fei so, daß sie sehr wohl die Belastung mü den 10 Mill, vertragen könne. Nach längerer Debatte wird die Vorlage einstimmig an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. Stuttgart, 22. Jan. Die Finanzkommission hat mit großer Mehrheit gegen das Zentrum dem demokr. Antrag zugestimmt, unter Wahrung des Anspruchs der Stände auf Einholung der Zustimmung zum Einheitsmarkenvertrag, die durch den Vertrag veranlaßten Abweichungen vom Finanzetat nicht zu beanstanden. Ministerpräsident Breitling hatte zuvor erklärt, die Regierung halte an ihrem Standpunkt fest und werde auch einen Nachtragsetat nicht einbringen. Wenn die Stände aber in eine etatsvechtliche Prüfung der durch den Vertrag veranlaßten Abweichungen sofort eintreten wollen, so sei die Regierung hiermit vollkommen einverstanden. — Damit istdieFrageohnejedenKonfliktgelöst. Wien, 22. Jan. Heute mittag fand in der Hofburg 'ne feierliche Renunziation der Erzherzogin Elisabeth anläßlich ihrer demnächstigen Vermählung mit dem Prinzen Otto Windischgrätz statt. — Wie verlautet, wurde gegen die zwei Offiziere, >ie auf dem Hofball „Hoch Lueger" gerufen und mit Letzterem angestoßen hatten, wegen Verletz ungderHof- etiquette Strafen verhängt. Der eine wurde^nach Dalmatien versetzt, während der andere um ein Jahr im Avancement zurückgesetzt wurde. Hongkong, 22. Jan. Aus einem Passagier- boorc, weiches am 19. Januar von einem englischen Schleppdampfer auf dem Westflusse zwischen Dosing und Sainam geschleppt wurde, hatten sich zwölf Räuber eingeschmuggelt, die während der Fahrt die Passagiere auszu- Ilündern begannen. Das Wachtboot, welches zur Hilfe eilte, nahm sechs Räuber gefangen, die anderen sechs gelangten an Bord des Schleppdampfers, überwältigten dessen Mann- chaft und verließen dann den Schleppdampfer wieder, nahmen aber zwei Leute der Besatzung desselben als Geißeln mit sich. Dem zurückbleibenden Teile der Besatzung agten die Räuber, die Behandlung der von ihnen fortgeführten Geiseln werde von der Behandlung abhängen, welche den gefangenen Räubern zu teti werde.____________ Vom Burenkrieg. Aus Pretoria meldet Reuter: Die Truppen Lord Me- thuen's nahmen auf dem Marsche zwischen Vryburg und Lichtenburg am 12. d. M. ein kleines Lager, machten einige Gefangene und nahmen die Vorräte weg. Am 15. d. M. and Diefelbe Abteilung ein Lager der Freistaatburen, die iach Transvaal gewandert waren, und nahmen am daranf- olgenden Tage die Vorräte weg. Im ganzen wurden 23 Buren gefangen genommen. Ein Telegramm Lord Kit-^ cheners bestätigt diese Einnahme, die acht Meilen von Boschpoort erfolgte. General Bruca Hamilton machte in >er Nacht zum 18. d. M. einen Marsch auf Witbcmk gegen Botha, der inzwischen abgezogen war, doch gelang es 27 Gefangene zu machen. — Also alle Bemühungen der Engländer, Bothas habhaft zu werden, bleiben erfolg los. schlagen. DaS erheitert den Geist, ohne ihn anzustrengen, schmeichelt dem Ohre und erfreut das Auge. Sowohl in Bezug auf Technik rmd vollendeter Interpretation der Stücke, wie auch im vorzüglichen Accompagnieren hörten wir gestern brillante Leistungen. Die Piözen des Repertoirs wurden überhaupt sehr lobenswert gegeben und fanden vielseitigen lebhaften Beifall. Ernstes wechselte mit Heiterem, Duett mit Sologesang, jetzt ein frisches Kauplet und daun eine Ballade, daraus lustiger Dialog und ein niedliches Intermezzo. Man siebt, es ist ein buntes Theater und es erfüllt in vorzüglicher Weise seine Aufgabe, zu unterhalten." x Klein-Linden, 21. Jan. Am Samstag Abend feierte der Gesangverein „Harmonie" sein Winterfest in dem Saale der Wirtschaft „zur Burg". Dlehrere Theaterstücke gelangten zur Aufführung, von denen besonders „In der Sommerfrische" und „Der Kompagnieball" mit reichem Beifall belohnt wurden. — Ein hiesiger Bäckermeister wurde dieser Tage in seinem Laden von einem Handwerksburschen thätlich angegriffen. Er erhielt einen Stockschlag über das Gesicht, sodaß das Blut floß. Ein Gendarm, der zufällig vorüberkam, nahm den Uebelthäter in polizeilichen Gewahrsam. -o Großen-Linden, 22. Jan. In der Nacht vom Sonntag zum Montag brannte hier eine Scheune nieder. Sie war glücklicherweise fast leer. b. Steinbach, 22. Jan. In unserem Ort beginnt ein reges Treiben. Am Freitag ertönte die Ortsschelle. Es wurde bekannt gemacht, daß am Samstag, den 25., Bürgermeisterwahl stattfinde. Niemand hatte bis dahin eine Ahnung davon. Die Bürger mußten sich nun schnell entschließen. Bis jetzt sind drei neue Kandidaten aufgestellt: Heinrich Ludwig Horn I., Georg Schäfer und Heinrich Ludwig Reuschling I. Mehrere Bürger sind für den bisherigen Bürgermeister. — Die für die Feldbereinigung vorgenommene Ortsvermessung dürfte noch unangenehme gerichtliche Nachspiele für einige unserer Bewohner haben. Hoffentlich gelingt es unserem tüchtigen Gemeinderat, diese Streitigkeiten zu schlichten, damit die seitherigen Zustände in unserem Ort wiederkehren. [?] Dornholzhausen b. Lang-Göns, 22. Jan. Am Sonntag wurde hier eine Hochzeit ohne standcsamttiche und kirchliche Trauung gefeiert. Sämtliche Hochzeitsgäste waren erschienen, um den feierlichen Zug zur Kirche mitzumachen; aber leider konnte die standesamtliche Trauung nicht erfolgen, da die Braut einen unrichtigen Geburtsort angegeben hatte, und so mußte auch die kirchliche Trauung unterbleiben. Vergnügt wurde jedoch, da Speisen und Getränke in Fülle vorhanden waren, die Hochzeit zwei Tage hindurch gefeiert. Gambach, 22. Jan. In unserem Orte macht sich infolge des zu erwartenden Baues der Bahnlinie Butzbach — Lich große Baulust bemerkbar. Mehrere Leute haben bereits Bauplätze am Ausgang des Ortes nach der „Schönen Aussicht" zu erworben, andere stehen noch bezügl. des Kaufs in Unterhandlungen. — Welches Interesse unsere Gemeinde an dem Bahnbau nimmt, geht daraus hervor, daß sie zu deren Bau die Summe von 100 000 Mk. gezeichnet hat. du Lich, 22. Jan. Am Freitag den 24. d. M., abends, Ihält Herr Butz aus Pretoria im Saale des Herrn Helland hier einen Vortrag über seine Kriegserlebniffe in Transvaal. w. Reichelsheim i. d. W., 21. Jan. In der etwa fünf Minuten von hier entfernt liegenden Bingenheimer Mühle wurde am Samstag Abend ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Dieb beschränkte seine Thätigkeit darauf, die Wurstkammer gründlich auszuräumen. Man glaubt dem Thäter auf der Spur zu sein und annehmen zu dürfen, daß dieser auch den am gleichen Abend vorgekommenen Raub anfall in der Nähe von Blofeld verübt hat. Schotten, 21. Jan. Heute starb nach längerem Leiden im 70. Lebensjahre der langjährige Bürgermeister Fendt. Darmstadt, 22. Jan. Heute am Jahrestage des Todes Ler Königin Viktoria von England fand um 10 Uhr in der Hofkirche ein Gedächtnisgottesdienst statt. — Die Erb- prinzessin von Sachsen-Meiningen und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen trafen heute vormittag zum Besuch des Großherzogs hier ein und nahmen an der Frühstückstafel teil. Offenbach, 22. Jan. Der Kreisausschuß hat in der heutigen Sitzung der Firma Karl Oehler, obgleich er nicht verkennt, daß die von den Reklamanten vorgebrachten Bedenken sehr schwerwiegender Natur sind, die Konzession zur Errichtung einer Schwefelsäure fabrik in der Gemarkung Bürgel erteilt. Biebrich, 22. Jan. Ein sauberer Patron scheint der bis vor kurzem hier beschäftigt gewesene Arbeiter Sch. zu sein. Er hat mit einem aus Wiesbaden stammenden Mädchen ein intimes Verhältnis angeknüpft, und demselben die Hochzeit m Aussicht gestellt. Die glückliche Braut beschaffte umgehend die Möbel und die sonstige Wohnungseinrichtung, und 'die Hochzeit sollte in kurzem stattftnden. Der Tag der Standesamtstrauung war festgesetzt, aber der Bräutigam erschien nicht. Das Mädchen wandte sich hierauf hierhin, wo es erfuhr, daß der Mann inzwischen verduftet war. Es schrieb darauf an die Mutter des Treulosen. Dort wurde ihm jedoch der Bescheid, daß der Bräutigam bereits sell 14 Jahren verheiratet und Vater zweier Kinder ist. Seitens des betrogenen Mädchens soll bereits der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet sein. Frankfurt, 22. Jan. In einer Besprechung der Bürger- Meifter der Taunusbäder wurde beschlossen, durch Petitionen an alle maßgebenden Stellen, auch des Eisenbahnministers, auf eine direkte Vollbahnverbindung von Bad- Nauheim nach Wiesbaden hinzuwirken und dabei gleichzeitig auch die strategische Bedeutung dieser Vollbahn hervorzuheben. (Dann würden also auch wir Gießener bald eine Vollbahn nach Wiesbaden erhalten. D. Red.) Frankfurt, 22. Jan. Die Stadt Frankfurt hat bekanntlich in den letzten Tagen verschiedentlich eine gewisse Rolle in den Reichstagsverhandlungen gespielt. Verschiedene Redner haben sich zu dem Thema der Arbeitslosen-Fürsorge in Frankfurt geäußert, und sonderbar — keiner hat Bescheid gewußt. Unser Magistrat hat sich nun — etwas spät — entschlossen, dem Präsidium des Reichstages einen Brief zu schreiben, in dem er seinerseits die wirklichen Thatsachen zur Kenntnis giebt. Heute abend hat der Oberbürgermeister diesen Brief verlesen, und es geht aus ihm vor allem die erstaunliche Thatsache hervor, daß sich zu den von der Stadt für zusammen 950 Mann eingerichteten Notarbeiten überhaupt nur 490 Mann gemeldet uud eingefunden haben. Vermischtes. * Der Kronprinz ist auf der Rückreise von Berlin nach Bonn einer Lebensgefahr entgangen- Die in Olde erscheinende „Glock" berichtet hierüber aus Jsselhorst: In der Nacht vom 19. zum 20. Januar fuhr der deutsche Kronprinz mit dem Schnellzug 10 nach Bonn- Nachdem der Zug von Brackwede gemeldet war, und alle Vorbereitungen zur Durchfahrt seitens der Station Jsselhorst getroffen waren, meldete der Hilfsbahnwärter Wittenstein, Posten 108 an Station Jsselhorst, daß er in dem uon dem Schnellzuge zu befahrenden nördlichen Hauptgleise einen Schienenoruch entdeckt habe; es sei ein Stuck von ungesähr 30 Zentimetern Länge aus der Schiene vollständig herausgesprungen. Dem diensthabenden Stationsbeamten, den Deichenstellern 1- Kl. Heinrich Möller und Potthof gelang es noch im letzten Augenblick, den Zug zum Halten zu bringen, und anzuordnen, daß derselbe in dem Nebengleise von hier nach Station Gütersloh weiter fuhr. Wäre der Hilfsbahnwärter Wittenstein nicht so außerordentlich diensteifrig gewesen, indem er die Strecke nach erfolgter vorschriftsmäßiger Revision noch kurz vor Ankunft des Zuges noch einmal nachgesehen, dann wäre der Zug (die Eisenbahn hat von Brackwede nach hier starkes Gefälle) zweifellos entgleist und ein schreckliches Unglück wahrscheinlich gewesen. Auch die Beamten auf der Station haben in einem so kritischen Augenblick ihre besondere Tüchtigkeit erwiesen; da wenige Minuten vor Ankunft des Zuges der Schienenbruch gemeldet wurde, so mußte in diesen wenigen Augenblicken der Zug zum Halten und in ein anderes Gleis gebracht, und nach Gütersloh telegraphiert werden, daß dieses Gleis schleunigst frei gemacht werde. Wie leicht hätte da in Uebereilung ein Mißgriff Vorkommen können. Auf der Station Gütersloh sorgten Bahnmeister Feuerhelm und die übrigeit Beamten gleich dafür, daß das betreffende Gleis frei wurde und so der Schnellzug ohne Unfall wieder ins richtige Gleis gebracht und weiter fahren konnte. Der Schienenbruch war nicht weit von der Stelle, wo der Großvater des Kronprinzen, der nachmalige Kaiser Friedrich, welcher damals ebenfalls in Bonn studierte, im. Jahre 1851 bei einer Entgleisung wunderbarerweise unverletzt blieb, wie hier das Denkmal noch bekundet- Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Ludwigshafener Walzmühle. Die Berwaltung bringt die folgende Mitteilung in die Oeffentlichkeit: ^Um der ungeheuerlichen Wirkung des speziell gegen die Walzmühle gerichteten Umsatzsteuergesetzes in Bayern zu entgehen, hat der A u s s i ch t s r a t die Verlegung des Hauptbetriebes auf badisches Gebiet bestimmt in Aussicht genommen. Ueber die Höhe der diesjährigen Dividende kann, trotzdem das Erträgnis über das vorjährige hinausgeht, noch keine bestimmte Angabe gemacht werden, jedenfalls dürfte dieselbe diejenige der letzten Jahre, 8 p(£t, nicht erreichen; es müssen mit Rücksicht auf bte Uebersiedeluirg größere Rücklagen gemacht werden. — Bayerische Staatsbahueu. Diese Bahnen erzielten 1900 eine Einnahme von 150 547 000 Alk., d. i. 6186155 Mk. weniger als im Vorjahr. — Insolvenz im Holzhandel. Die altrenommierte Firma Ernst Wagner u. Sohn in Siegen ist in Zahlungsschwierigkellen geraten. — Bereinigte Schweizerbahnen. Die Aktionärversammlung genehmigte den Rückkaufsvertrag< mit der Eidgenossenschaft. Die letzte Generalversammlung zur Vornahme der Liquidatton wird im Laufe des Alonats Mai stattfinden. — Allgem. Deutsche Kleinbahugesellschaft. Gegenüber der bedeutenden Steigerung der Aktien und Obligationen dieser Gesellschaft muß immer wreder darauf hingewiesen werden, daß sich die VerhälMisse der Gesellschaft recht ungünstig gestalten und auch die Obligationäre auf einen Teil ihres Kapllalanspruchs ver- zichten müssen. tzottesdienst m der Synagoge, Mdanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 25. Januar 1902. Vorabend: 5 Uhr. Morgens: 9 Uhr. Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers. Nachmittags: 3 Uhr. Sabbathausgang: 6 Uhr. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Sabbathfeier am 25. Januar 1902. Freitag abend 440. Samstag vormittag 8°°. Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers. Nachmittag 380. Sabbathausgang 5". Wochengottesdienst: morgens 700 Uhr, abends 480 Uhr. "Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Mehrere Bürger in St. Wir bitten Sie, bei weiteren Ein- [enbunaen Ihren Namen zu nennen. Andernfalls müßten wir auf deren Aufnahme verzichten. Neueste Mewmlgrn. Origiualdrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 23.Jan. Der Verein der Berliner Kaufleute uud Industriellen beging gestern sein 22. Stiftungsfest, zu dem u. a. Fiuanzmimister Frhr. v. Nheinbaben, Landwirt- schaftsminister v. Podbielski und ein Vertreter des Handels- Ministers erschienen waren. Bald nach Beginn des Mahles hielt der Finanzmiuister eine Rede, in der er auSsührte, daß im vergangenen Jahre nicht nur ein Stillstand, sondern ein Rückgang sich bemerkbar gemacht hat. Innerhalb der letzten drei Jahrzehnte aber könnte man sich eines nimmer geahnten Fortschrittes rühmen. Rur die Landwirtschaft habe an diesem Aufschwünge keinen Teil gehabt. Die Rede klang in ein Hoch auf den Kaiser aus. Rach ihm erinnerte Kommerzienrat Jacob an die um die Erringung der Handelskammern geführten Kämpfe, stteifte die Frage des Zolltarifs und schloß mit einem Hoch auf die Minister. Minister v. P o d- bielski wies auf den Reid, deu Haß uud die Mißgunst hin, die heute emporwucheru Wir lebten in einer sehr ernsten Zeit. Er sei ein großer Auhäuger der Heimatspolitik. Wenn unsere Grundmauern seststehen, werden wir die Krifis doch schneller überwinden als im Jahre 1873. Schließlich wies der Minister auf Amerikas Wohlfahrt hin, die auf der Blüte seiner Landwirtschaft beruhe. Haag, 23. Jan. Präsident Krüger läßt erklären, daß weder die in Europa befindlichen, noch die afrikanischen Baren- führer irgendwelche Friedeus-Juitiative ergreifen werden. England kenne die Bedingungen der Buren, welche auf voller Unabhängigkeit bestehen. Andere Bedingungen würden die Burenführer niemals annehmen. Madrid, 23. Jan. Die Regierung beschloß die gerichtliche Verfolgung des Abg- Molinter, der als Professor der Universität Valencia die Studenten zum Streik auf* fordert, um gegen sie zu protestieren. Loudon, 23. Jan. Der Bankzinsfuß ist von 4 auf 5^ Prozent he> abgesetzt worden. Wien, 22. Jan Aus Hofk, eisen wird berichtet, Kaiser Wilhelm werde Anfang Mai nach Petersburg reisen. Sodann werde Kaiser Wilhelm dem Kaiser Franz Joses in Wien einen Besuch machen. Tientsin, 23. Jan. Der dem Kommando der deutsch- ofiasiat scheu Besatznngsbrigade zugeteilte Leutnant v. MuccuS ist auf einem Patrouillenritt in der Rahe von Ehunliangchenz, 16 Meilen östlich von Tientsin, von Räubern durch einen Schuß in bic rechte Schulter schwer verletzt worden. Frankfurts. M., 23. Jan. In der vergangenen Nacht: verletzte der Metzger und Zuhälter Eckert aus bem' ersten Polizeirevier zwei Schutzleute schwer mit einem Schlächtermesser. Ein dritter schlug ihn nieder. London, 23. Jan. „Daily Chroniele" erführt aus guter Quelle, in Indien seien Gerüchte verbreitet, daß möglicherweise im Frühling in Afghanistan Wirren aus-, brechen werden. In Punjab glaube man allgemein, daß im Laufe des Winters sich russische Truppen an der Nordgrenze von Afghanistan ansammeln und möglicherweise in Afghanistan einfallen, sobald der Sck)nee schmilzt. — Wie' „Daily Chronicle" weiter erführt, sind an der brittschen Grenze Defensivmaßregeln ergriffen, um allen ein treten- den Ereignissen zu begegnen. In Punjab werden die militärischen Manöver im Februar, also zu einer ganz ungewöhnlichen Jahreszeit, stattfinden. Es wird alles demnächst auf dem Kr ie gsfuß sein. Einige 'gimenter sammeln sich bereits im Hinblick auf ernstere Verwickelungen., Neue Hospitäler werden längs der Grenze errichtet, btt- Vorratshäuser und Arsenale gefüllt. Lou d on, 23. Jan. Ein Telegramm aus New-Wat- come berichtet, daß der dortige Universitäts-Rek^ tor nach Süd-Afrika abgereiftt ist mit dem Auftrage, die letzten Einzelheiten zu erledigen, um die englische Kolonisation daselbst in großem Maßstabe vorzubereiten. Die englische Regierung beabsichtigt zahlreiche Engländer zur Ansiedelung in Süd-Afrika zu bewegen^ um auf diese Weife den Rassenhaß zum Verschwinden zch bringen- Marburg, (Steiermark), 23. Jan. Heute nacht ton es auf der Drau-Brücke zu einem großen militärischen Exzeß. Zwischen der einschreitenden Wache undi den Exzedenten fand ein förmliches Gefecht statt, wobei zahlreiche Dragoner, die sich gegen die Wache auflehnten, zum Teil schwer verletzt wurden. Viele Exzedenten' wurden von dem einschreitenden Militär verhaftet. Konstantinopel, 23. Jan. Infolge der von der Polizei beschlagnahmten jungtürkischen Proklamationen fanden neuerdings Verhaftungen von verdächtigen Personen statt. New-2)ork, 23. Jan. Der Gouverneur von Indiana und der Bürgermeister von Indianapolis, veranlaßt durchs eine Petition von Bürgern von Indianapolis, sandten eine Einladung an den Prinzen H einrich, in der sie um seinen Besuch bitten. In Milwauke herrscht freudige Erregung, weil dort der Besuch des Prinzen alÄ wahrscheinlich angekündigt ist. Die deutschen Vereine Irian en eine große Fr enden kundg ebung. — Hier inszeniert die Polizei einen umfangreichen Ueberwachungsdiensi über die Anarchisten und duldet keine öffentlichen Demonstrationen- Der Legislatur von Albany liegt ein Antrag vor, 250000 Dollar jährlich für die Ueberwachung/ der Anarchisten im Staate New-York auszuwerfen. Washington, 23. Jan. Im Senat beantragte dev Senator Teller, den Präsidenten Roosevelt aufzufordern, von England die Abänderung des Urteils gegen, Scheepers zu verlangen und zwar im Interesse der, Menschlichkeit und zwecks Anerkennung der Genfer Konvention. Die Verurteilung, .Scheepers müsse die Intervention der amerikanischen oder einer anderen Regierung Hervorrufen. Der Krieg, wie er auch geführt werde, müsse mit Menschlichkeit geführt werden. Man glaubt, daß, die Meldung, Scheepers fei bereits hin g er ich tet, aus einem Irrtum beruhe. Scheepers solle erst am nächstem Samstag hin gerichtet werden. Telephonischer Kursbericht« Frankfurt a. M.. 23. Januar. 878% Reicheanleihe . . 101.90 3% do. ... 90.90 3V,% Konsole .... 101.55 3% do .... 90.95 372% Hessen .... 100.00 3% Hessen .... —.— 4% Oesterr. Goldrente . 102.60 476% Oesterr. Silberrente 100.90 4% Ungar. Goldrente . . 100.05 40/ Italien. Rente . . . 100.10 47,96 Portugiesen . . . 42.20 30/ Portugiesen .... 27.10 1% C. Türken .... 27.60 Tilrkenlose 106.80 4% Grieoh. Monopo 1-Anl 42.80 47'2% äussere Argentiner —.— Tendenz: 8% Mexikaner .... 26.85 47r /o Chinesen .... 88.40 Electric. Scbuckert . . . 123.70 Nordd. Lloyd .... —.— Kreditaktien 205.70 Diskonto-Kommandit . . 185.90 Darmstädter Bank . . . 132.00 Dresd- ner Bank .... 136.60 Beniner Handelsges. . . 144.70' Oesterr. Staatobahn , . . 143.30 Lombarden .... 20.10) Gottharibahn .... 170.00 Laura hütte ..... 196.50, Bochum ...... 185.00t Harpener 162.60 schwach. Etablissement allerersten 758 Hof-Möbelfabrik und Kunstschreinerei von Ludwig Alter in Darmstadt. Ranges. Grossh. Hessischer und Kaiserlich Russischer Hoflieferant. Permanente Ausstellung von 120 Zimmer-Einrichtungen Auf Wunsch kostenlose Unterbreitung meiner Haupt-Kollektion. Hochfeine, stilvolle Einrichtungen ^.raauimachung. Von einem hiesigen Bürger ist dem Unterzeichneten ein größerer Geldbetrag, welcher zur Anschaffung von Kohlen und Kartoffeln für dahier wohnende, bedürftige Familien oder alleinstehende Personen Verwendung finden soll, zur Verfügung gestellt worden. Die einzelne Gabe wird voraussichtlich aus einigen Gentnern Kohlen und einem Cent- ner Kartoffeln, welche in die Wohnung der Bedachten geliefert werden, bestehen. Gesuche um Gewährung der Gabe sind bis zum L Februar 1902 entweder mündlich in dem Bürgermeisterei- gebäude — Zimmer Nr. 4 — vorzubringen oder schriftlich bei dem Unterzeichneten einzureichen. Gießen, den 23. Januar 1902. Wolff, Beigeordnstsc. 769' Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste unseres lieben Sohnes, für die zahlreichen Blumenfpenden, insbesondere seinen Mitarbeitern, sowie Herrn Pfarrer Schlosser für die trostreichen Worte sagen wir unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Hof. „ Graulich. „ Becker. Gießen, den 23. Januar 1902. 0313 Holz-Versteigerung in der Jürstlicherr Höersörsterer «Lich. ($S sollen versteigert werden: Montag den 3. Februar» vormittags 9»/, Uhr, im 'Distrikt Fuchsstrauch: Buchen: 300 im Sch etter, 180 rm Knüppel, 254 rm Stöcke, 5700 Wellen; Eichen: 4 rm Scheiter, 100 rm Knüppel, 83 rm Stocke, 1300 Wellen; etwas Birken- und Obstbaum-Knüppelholz und einige Hundert Weichholz-Wellen. 4 Stück Eichen-Schnittholz — 5,62 fm; 6 Stück Bnchen- Schuittholz — 7,51 fm; 2 Eichen-Abschnitte — 0,41 fm; 3 Stück Ftchteu-SParrerrholz — 0,24 fm. Die Zusammenkunft ist am Bahnübergang im Fuchsstrauch, zwischen Goppelts und Herzbergers Bahnwärterhaus. Dienstag den 4. Februar, vormittags 9‘/a Uhr, in den ! Distrikten Langeberg, Erlesberg und Wehrholz, und zwar: a) im Distrikt Langeberg: Buchen: 2 rm Scheiter, 1 rm Knüppel, 3 rrn Stocke, 250 Wellen; Weichholz: 1300 Wellen; Nadelholz: 10 rm Knüppel, 29 rm Stocke, 800 Wellen. 1 Stück Eichen-Schntttholz = 0,55 fm; 134 Fichten-Derb- stangeu — 7,86 fm. b) im Distrikt Erlesberg: 90 rm Kiefern-Knüppel, 1200 Kiefern- Wellen. 237 Fichten-Derbstangen und -Svarreuholz — 3,50 fm; 192 Fichteu-Reisstaugeu = 1,71 fm. ch im Distrrtt Wehrholz: 0,7 rm Fichten-Knüppel, 3 rm Fichten-Stocke. 37 Stück Fichteu-B anholz — 8,65 fm (10 bis 21 cm Mittendurchmesser, meistens unten etwas rotfaul). Die Zusammenkunft ist im Laugeberg, im sog. Riedchen. Die Versteigerung geht um 12 Uhr im Erlesberg weiter. Das Holz aus dem Wehrholz wird im Erlesberg blind versteigert. Lich, den 21. Januar 1902. 750 Fürstliche Oberförsterei. Brennholz - Versteigerung ia der Gräflichen Gberförflem Arnsburg. 721 Rrn.: Radelh. 0 ff Stmmnreiser „ Prügel Stöcke Astreiser Mittwoch de« 29. Junuur nach Zusammenkunft 10 Uhr am Jägerpfad werden aus den Distrikten Heim, Deckelborn, Roteerde, Nußgarten und Hard versteigert: Scheiter Ruur 173 Buchen, 15 Eichen 173 Buchen, 15 Eichen 39 0 115 , 33 52 ft 60 43 225 r 572 r 96 1401 w Aufgebot. Die Erben des zu Gießen verstorbenen Großherzoglichen Gerichtsschreibers i. P. Johann Peter Malzan haben das Aufgebot des 1 angeblich verloren gegangenen, von der Lebensversicherrmgs- Aktien-Gefellschaft „Germania" in Stettin für Johann Peter Malzan ausgestellten Depositalscheins vom 15. Märzl899 zurPolice Nr. 288062 beantragt. Der Inhaber der Urkunde wrrd aufgefordert, spätestens in dem auf den 10. Mai 1902, vormittags 11 Uhr vor dem unterzeichneten Gerichte Elisabeth- straße 42, im Flügel an der Elifabechstraße, eine Treppe, Zimmer 60, anberaumten Auf- gebotStermine seine Rechte anzu- melden und tue Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftlos- errlärung der Urkunde erfolgen wird. 752 Stettin, 20. Dezember 1301. Königliches Amtsgericht, _________Abteilung 6.__________ WWchtmg. Donnerstag, 30. Januar 1902, nachmittags 722 Uhr L Js. soll auf dem Rathause dahier die hiesige Gemeinde- jagd auf sechs Jahre in zwei Abteilungen verpachtet werden, die Gemarkung besteht aus zirka 475 Hektar Feld und 236 Hektar Wald. Bemerkt wird noch, daß die Haltestelle Friedelhausen (M.- W^-B.) in einem Jagdbezirk liegt, und der andere Bezirk von der Bahnstation Lollar in 10 Minuten erreicht werden kann. 749 Staufenberg, 20. Jan. 1902. Großherzogl. Bürgermeisterei Staufenberg. Stephan. Jagd Verpachtung. Mittwoch, 5. Februar, nachmittags 2 Nhr, soll die hiesige Gemeindejagd auf sechs ,Jahre in dem hiesigen Gemeindehaus verpachtet werden. Alten-Buseck, 20.Jan.1902. Großherzogl. Bürgermeisterei Alten-Buseck. Lörber. 728 Iagdverpachtung. Freitag den 24. Januar, nachmittags 2 Uhr, soll im alten Schulhause dahier die der Gemeinde Rödgen zu- stchende Feld- und Waldjagd auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. Rödgen, 16. Januar 1902. Großh.Bürgermeisterei Rödgen. Stein. 556 NKWWuM Hohversteigenmg im Gießener Ztadtmld. Montag, den 27. Januar, vormittags 972 Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald, m den Distrikten Zollstockswäld- cheu, Mühlberg, Hochwarte u. Lichteueiche verftergert werden: 233 Fichten-Derbstangen mit 9,48 Festnu, 6 rm Buchen-Schettholz, 210 rm Eichen-Scheicholz 1 rm Erlen-Scheicholz, 103 rm Eichen-Knüppelholz, 17 rm Nadel-Knüppelholz, 126 rm Eichen-Cwckholz, 8 rm Nadel-Stockholz, 1 rm Erlen-Stockholz, 170 Wellen Buchen-Reisig, 3220 Wellen Eichen-Reisig, 1950 Wellen Weich Holz-Reisig, 3800 Wellen Nadel-Reisig. Die Zusammenkunft ist auf der Grünbergerstraße an dertzappels- wiese. 686 Gießen, am 20. Januar 1902. Großh. Bürgermeisterei Gießen. ________Mecum._______ K. 93/01. Donnerstag den 6. März 1902, nachmittags 2 Nhr, sollen auf hiesigem Ottsgericht die vor dem Namen des Albert Alt- vater in Frankftwt a. M. stehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen Flur 23 Nr. 45 — 1600 qm Acker am Halben Zehnten, rechts vom Schützgesbrunner Weg. Flur 23 Nr. 46 — 1700 qm Acker daselbst, Flur 23 Nr. 47 — 1700 qm Acker daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 21. Januar 1902. Großh. Ortsgericht Gießen. Grus. 740 & 6000000 3*2 % Schddws*eibimgeii der Stadt Barmstadt vom Lit. L unkündbar bis zum Jahre 1907. Wir erlassen diese Obligationen bis auf Weiteres und soweit der Vorrat reicht, zum Course von 97,60 Prozent franko Provision. Giessener Depositenkasse und Wechselstube der Bank für Handel und Industrie. 760 Wieseustrasse 2. N Still ki-ÄMktm der Kaufleute. Auf unsere Annonce vom 18. d. Mts. Bezug nehmend, teilen wir mit, daß die Großherzogliche Handelskammer heute gegen die von der Großherzoglichen Bürgermeisterei erlassene Verfügung bei dem Kreisamte Beschwerde erhoben hat. Wir ersuchen alle Interessenten, die Entscheidung abzuwarten und nicht bei der Orts-Krankenkasse oder einer Hilfskasse anzumelden. 753 Sobald eine Antwort des Kreisamtes erfolgt, werden wir davon Kenntnis geben. Die MWe des IckiWeil- nnö KilllsmililWeil Vereins. Bock-Ale Anstich: Freitag abend Mit Musik. 754 Donnerstag denl3.Febr.1902, nachmittags 2% Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die Liegenschaften des Wilhelm Steinbach öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 7. Januar 1902. Großh. Ortsgericht Gießen. ___________Gros.________370 Pferdeverkauf. Freitag den 24. ds. Mts., nachmitt. 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 ein leichtes, fehlerfreies Pferd nebst Geschirr, ferner einen Viehwagen, freiwillig meistbietend gegen bare Zahlung. 0264 I. A.: Schneider. MUMM Stabt. Schlachthaus. Freibank. Heute und morgen: SchftNfleisch 54 M ßuhflM 54 M Schmmeflkisch 50 Ufg. 0314] Empfehle mich M Bijiertn ____________Neuenweg 22. Prima Sammelsleisch 0316] empfiehlt Julins Rosenbaum Telephon 319. 3x\ veil: nuten 0309] Russisches Billard weg. Platzmangel zu verkaufen. ___________Goethestratze 54. Herren- u. Damen- Masken-Anzüge zu verkaufen bei Louis Rothen- berger, Neuenweg 22.756 3u vermieten Kleine Wohnung mit Zubehör »b zu verm. 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